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03_Med_Grundlagen_02

Zellen und Gewebe

Wichtig: Dieses Handout (Skript) ersetzt kein Lehrbuch und ist daher nicht ausrei-
chend für eine gewissenhafte Prüfungsvorbereitung. Es ist lediglich eine Ergänzung
zum Unterricht.
Zu allen Themen finden Sie gute Darstellungen und Ausführungen in den gängigen
Lehrbüchern oder im Internet. Informieren Sie sich! Bei Fragen wenden Sie sich bitte
an Ihre Dozenten oder Lehrrettungsassistenten.

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Präsentationen:  03_Med_Grundlagen_02_Zelle_Gewebe_01.pptx

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Arbeitsblätter:  Fragensammlung

Anweisungen:  -

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Autoren:  Mitarbeiter RDSS

Freigabe:  Schulleitung / stellv. Schulleitung


Med. Grundlagen

Inhaltsverzeichnis
RA_03_Med_Grundlagen_02_Zelle_Gewebe_10_handout.docx
03_Med_Grundlagen_02 Zellen und Gewebe ....................................................................................1
03_02.1 Die Zelle ..............................................................................................................................3
03_02.1.1 Zelle und Leben.........................................................................................................3
03_02.1.1 Allgemeiner Zellaufbau und Zellstruktur ....................................................................3
03_02.1.2 Die Zellmembran .......................................................................................................3
03_02.1.3 Zytoplasma (mit Zytosol und Zytoskelett)..................................................................4
03_02.1.4 Die Zellorganellen .....................................................................................................4
03_02.1.5 Der Zellkern ...............................................................................................................5
03_02.1.6 Stoffaustausch von Zellen (Transportmechanismen) ...............................................5
03_02.1.7 Rezeptoren ................................................................................................................6
03_02.1.8 Das elektrische Potential der Zellmembran...............................................................7
03_02.2 Gewebe...............................................................................................................................8
03_02.2.1 Gewebe (Definition)...................................................................................................8
03_02.2.2 Epithelgewebe ...........................................................................................................8
03_02.2.3 Binde- und Stützgewebe .........................................................................................10
03_02.2.4 Muskelgewebe ........................................................................................................11
03_02.2.5 Nervengewebe ........................................................................................................14
03_02.3 Index .................................................................................................................................16
03_02.4 Quellenverzeichnis............................................................................................................17

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Zellen und Gewebe

03_02.1 Die Zelle

03_02.1.1 Zelle und Leben


Es ist kaum möglich, den Begriff Leben wissenschaftlich exakt zu beschreiben, d a-
rum hat man die Definition von „Leben“ an das Vorhandensein bestimmter Bedin-
gungen geknüpft:
 Stoffwechsel
 Wachstum
 Bewegung
 Vermehrung
Die Zelle ist der kleinste Baustein dieses Lebens, der diese Bedingungen erfüllt.
Alle höheren menschlichen, pflanzlichen und tierische Lebewesen sind Zellkombina-
tionen.
Die Bedeutung der Zelle:
 Alle Organismen bestehen aus einer oder mehreren Zellen
 Alle Zellen kommen von bereits existierenden Zellen
 Alle lebenswichtigen Funktionen eines Organismus treten innerhalb
der Zellen auf
 Zellen enthalten die erblichen Informationen und alle Funktionen, die zur Über-
tragung der Information auf nachkommende Zellgenerationen notwendig sind.

03_02.1.1 Allgemeiner Zellaufbau und Zellstruktur


Die lebende, aktive Zellmasse ist das Protoplasma. Es wird bei tierischen und
menschlichen Zellen von einer dünnen Zellmembran, bei Pflanzen zusätzlich von
einer Zellwand, bestehend aus Cellulose, umgeben. Obwohl die meisten Zellen hoch
spezialisiert sind, bestehen alle aus den vier gleichen Grundelementen:
1. Zellmembran
2. Zytosol
3. Zellorganellen
4. Zellkern1

03_02.1.2 Die Zellmembran


Tierische (und menschliche) Zellen sind von einer Zellmembran umschlossen, die das
Zellinnere vom äußeren Milieu abgrenzt. Sie besteht im Wesentlichen aus einer Dop-
pelschicht aus Fetten (Lipiddoppelschicht aus Phospholipiden) und darin eingelager-
ten Eiweißen (Membranproteine).
Vom Wurm bis zum Wal, von
der Milz bis zum Muskel: Jedes Phospholipid besitzt einen Wasser abweisenden (hydrophoben) Teil und einen
Wasser anziehenden (hydrophilen) Teil. In der wässrigen Lösung, in der eine Zelle
Fast alle Körperzellen haben existieren muss, lagern sich daher zwei Phospholipide immer so aneinander, dass die
die gleichen Grundbausteine. wasserabweisenden Teile zueinander zeigen und die wasseranziehenden Teile außen
liegen. So entsteht eine flexible, leicht veränderliche, zweischichtige Membran 2.
Eiweißstrukturen auf der Oberfläche der Membran verleihen
jeder Zellform zusätzlich ein charakteristisches, unverwech-
selbares Aussehen. Zu diesen Eiweißen gehören beispielsweise
Blutgruppeneigenschaften auf den roten Blutkörperchen, Emp-
fängermoleküle (Rezeptoren), an die z. B. Hormone binden
können oder Transportmoleküle, die bestimmte Verbindungen
durch die Membran schleusen.

1
Der Zellkern darf auch zu den Zellorganellen gezählt werden.
2
Ein beliebtes Beispiel zur Erklärung dieses Phänomens sind die Fettaugen auf einer Suppe, die sich nach
2
Ein beliebtes Beispiel zur Erklärung dieses Phänomens sind die Fettaugen auf einer Suppe, die sich nach
demselben Prinzip bilden

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Med. Grundlagen
03_02.1.2.1 Die Bedeutung der Zellmembran
Die Zellmembran stellt die Schnittstelle zwischen dem Zellinneren und dem Zellä u-
ßeren dar. Ihre Aufgaben lassen sich in 3 Hauptgruppen gliedern:
1. Bildung einer Barriere
Durch die Barrieren-Funktion wird die Zelle gegen außen hin abgeschlossen. Die-
se Funktion wird durch die Lipiddoppelschicht gewährleistet.
Medizin und insbesondere 2. Transportfunktion
Pharmakologie sind zum Die Transport-Funktion der Zellmembran sorgt dafür, dass essentielle Stoffe
großen Teil angewandte über die Zellmembran in die Zelle transportiert werden und Synthese- und Ab-
Membranphysiologie. Deshalb fallprodukte ausgeschieden werden. Der Transport erfolgt mit Hilfe von Protei-
ist es auch für Sie wichtig, nen, die in die Zellmembran eingebettet sind und ihre Transportfunktion auf
einige Membranfunktionen zu hochspezifische Weise erfüllen.
kennen.
3. Kommunikation
Zellen müssen sie miteinander kommunizieren. So können beispielsweise Boten-
stoffe an der Zellmembran freigesetzt oder empfangen werden. Membranen
können auch elektrische Signale (Spannnungen) bilden und transportieren.

03_02.1.3 Zytoplasma (mit Zytosol und Zytoskelett)


Das Zytoplasma beschreibt den gesamten Zellinhalt, einschließlich:
1. Zellorganellen
2. Zellflüssigkeit
3. Zytoskelett
Die Zellorganellen nehmen etwa 50% des Zellinnenraums ein. Den Rest bildet das
Zytosol. Das Zytosol bildet die intrazelluläre Flüssigkeit, in der wichtige Bestandteile
wie Proteine, Enzyme, Mineralien und Ionen gelöst sind.
90% des Zytosols sind Wasser, das eine genau definierte Konzentrationen gelöster
Teilchen enthält. Stabile Konzentrationen gewährleisten einen einwandfreien Ablauf
aller chemischen Zellfunktionen.
Das Zytoskelett ist ein Gerüst von Proteinfäden, das das ganze Zytoplasma durchzie-
hen.

03_02.1.4 Die Zellorganellen


Zellen haben keine Organe sondern Zellorganellen. Zellorganellen sind kleine, ab-
Zellorganellen übernehmen grenzbare Strukturen innerhalb der Zelle, die spezielle Funktionen und Aufgaben des
spezielle Funktionen und Zellstoffwechsels wahrnehmen.
Aufgaben des
Bau und für Funktion der verschiedenen Zellorganellen (einschließlich Zellkern und
Zellstoffwechsels
Vererbungslehre) sind für Sie als Rettungssanitäter nur von untergeordneter Bedeu-
tung. Daher nur eine kurze Auflistung der „wichtigsten“ Zellorganellen:
 Mitochondrien:
Kraftwerke der Zelle. Die vom Organismus aufgenommene Nahrung wird in die
Zellen verteilt und dort in den Mitochondrien oxidiert, um Speicherenergie zu
produzieren. Diese Energie wird in energiereichen Bindungen in einem Molekül
namens Adenosintriphosphat, oder ATP gespeichert.
 Endoplasmatisches Retikulum (ER):
Zellorganell, welches als schlauchartige Struktur im Zytoplasma lokalisiert ist. In
der Zelle erfüllt es vor allem Synthese- und Speicherungsaufgaben. Man unter-
scheidet:
a) Das raue endoplasmatische Retikulum mit den der Proteinsynthese dienen-
den Ribosomen
b) Das glatte endoplasmatische Retikulum für die Bildung von Hormonen oder
die Speicherung von Kohlenhydraten und Kalzium etc.
 Ribosomen:
Kleine Partikel im Cytoplasma oder auf dem ER, an denen Eiweiße (Proteine)
analog dem in der DNA festgelegten Bauplan durch „Ablesen“ der RNA herge-
stellt werden.

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Zellen und Gewebe
 Golgi-Apparat:
Zellorganell, in dem Proteine, die vom endoplasmatischen Retikulum hergestellt
wurden, modifiziert und sortiert werden. Außerdem schnürt er kleine Vesikel
(Bläschen) ab, die Zellprodukte sammeln, die zur Sekretion bestimmt sind..
 Lysosomen
winzige, von einer Membran umschlossene kugelförmige, Golgi-Apparat gebilde-
te Bläschen. Ihre Hauptfunktion besteht darin, Fremdstoffe oder körpereigene
Stoffe mittels der in ihnen enthaltenen Enzyme zu verdauen.
Andere Zellorganellen sind die Zentriolen oder die Mikrotubuli. 3

03_02.1.5 Der Zellkern


Zellkern:
Der Zellkern ist das größte Zellorganell der tierischen Zellen. Er wird von einer Dop-
 Steuerung des pelmembran umschlossen. Der Stoffaustausch zwischen Kern und Zytoplasma erfolgt
Zellstoffwechsels über die Kernporen.
 Beherbergung der
Im Zellkern befindet sich das Chromatingerüst (während der Zellteilung in Form von
genetischen Information in
Chromosomen). Die Chromosomen kontrollieren und steuern die Zellaktivitäten,
Form der DNA
insbesondere die in den Ribosomen stattfindende Proteinsynthese. Chromosomen
bestehen aus DNA–Strängen.
Die DNA (Desoxyribonukleinsäure) ist die Grundsubstanz des Erbmaterials. Hierbei
handelt es sich um ein langes Makromolekül mit einem Grundgerüst aus Phosphor-
säure und dem Zucker Desoxyribose, an dem vier verschiedene Stickstoffmoleküle
hängen: Adenin, Cytosin, Guanin und Thymin.
Die spezifische, individuelle Ausprägung der DNA ist die codierte Erbinformation; die
Chromosomen sind somit die Träger der Erbanlagen.

03_02.1.6 Stoffaustausch von Zellen


(Transportmechanismen)
Der Transport von Stoffen in eine Zelle und der Transport von Stoffwechselproduk-
ten und Abfallprodukten aus einer Zelle hinaus dienen der Aufrechterhaltung der
Lebensfunktionen einer Zelle.
Verschiedene aus der Zelle heraus transportierte Stoffwechselprodukte wie z.B.
Hormone oder Enzyme dienen auch der Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen des
Aktive gesamten Organismus. Transportiert werden feste Stoffe, Flüssigkeiten und Gase.
Transportmechanismen
Man unterscheidet:
 Energieverbrauch
 Aktive Transportmechanismen
Passive
mit Energieverbrauch
Transportmechanismen
 Passive Transportmechanismen
 Kein Energieverbrauch
ohne Energieverbrauch entlang einem Konzentrationsgefälle

03_02.1.6.1 Aktive Transportmechanismen


Ein aktiver Transport von Stoffen durch die Zellmembran in eine Zelle oder aus einer
Zelle heraus verläuft unter Verbrauch von Energie. Die Energie stammt aus dem
Zellstoffwechsel.

Aktive Transportmechanismen erlauben den Transport von Stoffen auch gegen


ein Konzentrationsgefälle.

03_02.1.6.2 Passive Transportmechanismen


Ein passiver Transport von Stoffen durch die Zellmembran in eine Zelle oder aus
einer Zelle heraus verläuft ohne Verbrauch von Energie entlang einem Konzentrat i-
onsgefälle. Passive Transportmechanismen sind die Diffusion und die Osmose.

Passive Transportmechanismen erlauben nur den Transport von Stoffen entlang


einem Konzentrationsgefälle (vom Ort hoher zum Ort niedriger Konzentration).

3
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Med. Grundlagen
03_02.1.6.3 Modelle verschiedener Transportmechanismen
02.1.6.3.1 Die Diffusion
Die Diffusion ist das Wandern und Vermischen von Teilchen,
die an unterschiedlichen Orten in unterschiedlicher Konzentra-
tion vorliegen. Die Teilchen wandern vom Ort höherer Kon-
zentration zum Ort niedriger Konzentration, wobei ein Kon-
zentrationsausgleich angestrebt wird.
Die Diffusion ist abhängig von der Konzentration der Teilchen,
der Temperatur des Gemischs und der Druckdifferenz zwischen
den Kompartimenten. Höhere Konzentrationen, Temperaturen
und Drucke beschleunigen die Diffusion.

Treibende Kraft der Diffusion ist das Konzentrationsgefälle!


Bei der Diffusion wandern Teilchen (Moleküle)!
Die Diffusion ist meistens ein passiver Transport!

02.1.6.3.2 Die Osmose


Als Osmose bezeichnet man den entlang einem Konzentrations-
gefälle stattfindenden gerichteten Fluss des Lösungsmittels
(meist Wasser) durch eine semipermeable (auch: selektiv per-
meable) Membran. Osmotische Transporte finden sich im Kör-
per überall dort, wo Wasser transportiert wird.

Treibende Kraft der Osmose ist das Konzentrationsgefälle!


Bei der Osmose verschiebt sich das Lösungsmittel
(in der Regel Wasser)!
Die Osmose ist ein passiver Transport!

03_02.1.7 Rezeptoren
In die Zellmembranen sind neben den Tunnelproteinen und Carriern viele weitere
Proteine eingelassen. Viele dieser Membranproteine fungieren als Rezeptoren. Sie
erkennen chemische Strukturen, die von anderen Zellen stammen, beispielsweise
Hormone oder Neurotransmitter und verbinden sich mit diesen. An die Rezeptoren
gebundene Hormone, Neurotransmitter, Medikamente verändern den Rezeptor. Die-
se Veränderungen lösen in der Zelle spezifische, an den jeweiligen Rezeptortyp ge-
koppelte, für den Rezeptortyp spezifische Zellreaktionen oder Zellaktivitäten aus.
Rezeptoren funktionieren nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Dieses Prinzip bedeu-
tet, dass zwei molekulare Strukturen – beispielsweise der Rezeptor und das Medika-
ment - zueinander passen müssen, um eine bestimmte Funktion erfüllen zu können,
eben wie Schlüssel und Schloss.
Das Rezeptormodell ist wichtig für das Verständnis der Wirkungsweise einiger Not-
fallmedikamente, die solche Rezeptoren aktivieren oder blockieren. So können Or-
ganaktivitäten wahlweise initiiert oder unterbunden werden.
Beispiele sind die Beta-2 Rezeptoren für das Notfallmedikament „Berotec“ oder
Acetylcholinrezeptoren als Ansatzstelle für die Muskelrelaxantien.

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Zellen und Gewebe

03_02.1.8 Das elektrische Potential der Zellmembran


Anmerkung: Kenntnisse über das elektrische Potential der Zellmembran sind nicht
Gegenstand Ihrer Prüfungsordnung. Sie erleichtern aber das Verständnis für einige
andere wichtige Kapitel wie Reizleitungssystem des Herzens, Nervensystem oder
Funktionsweise des EKG’s etc.
Neuronen (Nervenzellen), Muskelzellen und Sinneszellen halten an ihrer Außen - oder
Zellmembran ein elektrisches Ladungsgefälle aufrecht, das je nach Zelltyp zwischen
-90mV und -65 mV (Millivolt) variieren kann. Dieses elektrische Potential nennt man
Menbranpotential oder bei einer Zelle im Ruhezustand auch Ruhepotential. Es ent-
steht durch eine ungleiche Verteilung von Natrium-, Kalium- und Chloridionen sowie
organischen Anionen beiderseits der Zellmembran. Die ungleiche Verteilung von
elektrisch geladenen Teilchen (Ionen) beidseits der Membran führt dazu, dass die
Innenseite der Zellmembran negativ, die Außenseite aber positiv geladen ist. Die
Ladung der Außenseite wird definitionsgemäß (willkürlich) mit 0 mV angegeben.
Daraus ergibt sich, dass das Ruhepotentiale (der Spannungsunterschied zwischen
innen und außen) je nach Zelltyp -90 bis -65mV beträgt.
Die genauen Umstände, die zur Aufrechterhaltung dieser unterschiedlichen Vertei-
lung von Ionen führen, sind nicht Teil Ihres Lehrstoffes und werden daher erst ei n-
mal nur als gegeben angesehen.
Merken Sie sich bitte:
 An den Zellmembranen von Muskel- und Nervenzellen herrscht eine elektrische
Spannung, ein elektrisches Potential
 Das Potential an Zellmembranen wird Membranpotential genannt
 Das Membranpotential an einer nicht erregten Zelle heißt Ruhepotential
 Das Zellinnere ist bei Erreichen des Ruhepotentials negativ geladen
Wird die Membran einer Nerven- oder Muskelzelle mechanisch, chemisch oder durch
einen elektrischen Impuls modifiziert („gereizt“), verändert sich ihre Durchlässigkeit
für Ionen. Elektrisch geladene Teilchen (vorwiegend Natrium- und Kalziumionen)
strömen in die Zelle, andere elektrisch geladene Teilchen (vorwiegend Kaliumionen)
verlassen die Zelle. Mit anderen Worten: Es fließt ein Strom elektrisch geladener
Teilchen. Als Resultat verändert sich das Membranpotential.
Die Veränderung des elektrischen Potentials an der Membran ausgehend vom Ruhe-
potential nennt man Depolarisation. Am Ende der Depolarisation liegt an der Memb-
ran nicht mehr das Ruhepotential, sondern ein Aktionspotential von ca. +30 mV an.
Merken Sie sich bitte:
 Durch einen entsprechenden Reiz kann die Membran einer Zelle so verändert
werden, dass ein Strom fließt
 Der (Ionen-) Strom führt zu einer Umpolung der Zelle.
 Durch die Depolarisation wird aus dem Ruhepotential ein Aktionspotential
 Den Vorgang der Umpolung nennt man Depolarisation
 Das Zellinnere ist bei Erreichen des Aktionspotentials positiv geladen
Das Aktionspotential folgt dem sogenannten Alles-oder-nichts-Gesetz. Entweder
reicht die Reizstärke aus und es entwickelt sich ein gleichförmiges Aktionspotential
oder sie reicht nicht aus, dann entsteht kein Aktionspotential.
Nach Erreichen des Aktionspotentials führen verschiedene, hier nicht näher zu erlä u-
ternde Prozesse dazu, dass das ursprüngliche Ruhepotential wieder eingestellt wird.
Diesen Vorgang nennt man Repolarisation.
Während der "Repolarisation" wird der ursprüngliche Ladungszustand, das negative
Ruhepotential wieder hergestellt.
Merken Sie sich bitte:
 Das Aktionspotential verändert die Durchlässigkeit der Zellmembran für be-
stimmte elektrisch geladene Teilchen (Ionen)
 Entlang der Membran fließt erneut ein Strom
 Der (Ionen-) Strom führt wieder zu einer Umpolung der Zelle
 Den Vorgang dieser Umpolung nennt man Repolarisation
 Die Repolarisation endet mit Erreichen des Ruhepotentials
 Das Zellinnere ist nach Ende der Repolarisation mit Erreichen des Ruhepotentials
wieder negativ geladen

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Med. Grundlagen

03_02.2 Gewebe

03_02.2.1 Gewebe (Definition)


Gewebe sind Verbände gleichartig differenzierter Zellen. Innerhalb eines Gewebes
haben die Zellen weitgehend den gleichen Aufbau und die gleiche Funktion. Im Kör-
per lassen sich (vereinfacht) vier Grundgewebe unterscheiden, von denen sich alle
anderen gewebearten ableiten lassen.
 Epithelgewebe
 Binde- und Stützgewebe
 Muskelgewebe
 Nervengewebe
Aus der Kombination verschiedener Gewebe bilden sich die Organe.

03_02.2.2 Epithelgewebe
Epithelgewebe lassen sich in drei Gruppen einteilen:
1. Deckepithelien
2. Drüsenepithelien
3. Sinnesepithelien

03_02.2.2.1 Deckepithelien
Deckepithelien bedecken häufig Oberflächen von Organen oder
kleiden Hohlorgane (Gastrointestinaltrakt, Blase, Gefäße etc.) von
innen aus.
Das Aussehen der obersten Zellschicht und die Zahl der Schichten
sowie die Lage der Zellkerne entscheidet über die Benennung.
Beispiele dafür (… die Sie aber nicht auswendig lernen müssen)
finden Sie in der Abbildung.
Deckepithelien dienen als chemische Barrieren und als Abdich-
tung, ermöglichen einen selektiven Stoffaustausch für Resorption
und Sekretion oder erlauben den Austausch von Gasen.
Beispiele:
 Abdichtung:
Verhinderung der Rückresorption von Urin in den
ableitenden Harnwegen.
 Resorption:
Aufnahme von Nährstoffen und Flüssigkeit über das Epithel-
gewebe der Darmwand
 Sekretion:
Schleim produzierendes Epithel in den Bronchien
 Gasaustausch:
Diffusion von Sauerstoff und Kohlendioxid entlang der
epithelialen Membran der Alveolen
Die Vielzahl der Aufgaben macht deutlich, warum Epithelgewebe
in so vielen Formen und Typen existiert.

Von einigen Autoren wird das Flimmerepithel der oberen Atemwege, das dem Ab-
transport von Staub und anderen kleinen Teilchen dient, als eigene Gruppe ge-
nannt. Wir zählen es zu den Deckepithelien.

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Zellen und Gewebe
03_02.2.2.2 Drüsenepithel
Drüsenepithelien sind sekretorisch aktiv. Drüsen selbst sind um das Drüsenepithel
herum entstandene Organe, die Sekrete, Enzyme oder Hormone synthetisieren und
ausscheiden können.
Es werden zwei Arten von Drüsen unterschieden:
1. Exokrine (äußere Drüsen),
die ihr Sekret an die Körperoberfläche oder in Hohlorgane (z.B. Magen) abgeben
2. Endokrine Drüsen,
die ausschließlich Hormone produzieren und diese direkt ins Blut abgeben.

Leber und Bauchspeicheldrüsen sind gemischte Drüsen, da sie sowohl Hormone als
auch Enzyme und anderes produzieren.

03_02.2.2.3 Sinnesepithelien
Sinnesepithelien dienen der Reizaufnahme und der Reizweiterleitung in Nase, Zun-
ge, Auge und Innenohr. Man unterscheidet spezielle Rezeptoren für die Sensibilität,
den Geschmackssinn, den Geruchssinn, das Gehör und den Gesichtssinn.

Beispiel: Riechepithel als Sinnesepithel mit Stützzellen (SZ), Riechzellen (RZ) und
Basalzellen. (BZ). Im Epithel eingebettet finden sich auch Drüsen mit entsprechen-
dem Drüsenepithel (BD).

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Med. Grundlagen

03_02.2.3 Binde- und Stützgewebe


Das Binde- und Stützgewebe bildet das Grundgerüst der Organe, in dem die organ-
spezifischen Gewebe und Zellen eingelagert sind. Es ist also die zwischen den e i-
gentlichen „Arbeitszellen“ liegende Grundsubstanz. Strukturell handelt es sich um
weitmaschige Zellverbände.
Funktionen des Binde- und Stützgewebes :
 Formgebung und Stabilisierung von Organen und Geweben
 Speicherung von Wasser und Fett
 Immunabwehr (Immunzellen sind „freie“ Bindegewebszellen)
Einteilung des Binde- und Stützgewebes:
Knorpelgewebe an den Rei-
 Eigentliches Bindegewebe
bungsflächen eines Gelenks
 Knorpelgewebe
 Knochengewebe
 Fettgewebe

03_02.2.3.1 (Eigentliches )Bindegewebe


Über die Frage, welche Gewebe zum Bindegewebe gehören, herrscht keine Eini g-
keit. Merken Sie sich lediglich folgende einfache Definition:
Das Bindegewebe ist die Füllsubstanz („der Kit“) des Körpers. Es besteht aus fixen
(ortsansässigen) und mobilen (freien) Zellen und einer lockeren oder festen Grund-
substanz zwischen den Zellen, in die kollagene, retikuläre (netzartige) und elasti-
sche Fasern eingelagert sein können. Kollagene Fasern sind zugfest und strukturge-
bend.

03_02.2.3.2 Knorpelgewebe
Bandscheiben bestehen aus
Knorpelgewebe ist druck- und biegungselastisch. Daher findet man es an Stellen
Knorpelgewebe
hoher mechanischer Beanspruchung (z.B. Reibungsflächen der Gelenke). Je nach
physikalischer und histologischer Eigenschaft werden noch viele Unterarten unter-
schieden. Die Knorpel bildenden Zellen werden als Chondrozyten bezeichnet.

03_02.2.3.3 Knochengewebe
Knochengewebe ist neben dem Zahnschmelz die härteste Körpersubstanz. Es besteht
aus organischen Anteilen (Fasern und Zellen), in die anorganische Bestandteile (z. B.
Phosphat und Kalzium) eingelagert sind. Durch die Zusammensetzung des Knochen-
gewebes und seine typische Architektur erhält der Knochen seine Festigkeit gegen
Zug, Druck, Biegung und Verdrehung.
Im Knochen befindet sich Knochengewebe als kompakte Knochenmasse, aus der die
dicke, äußere Knochenschicht gebildet ist und als kleine Knochenbälkchen im Inn e-
ren des Knochens. Die „Kompakta“ schützt gut vor Deformierungen. Die Knochen-
bälkchen im Inneren des Knochens bilden ein schwammartiges Füllmaterial, das den
Knochen äußerst stabil macht, ohne dass er schwer wird.
Knochengewebe ist kein „totes“ Gewebe, sondern befindet sich in ständigem Auf-,
Ab- und Umbau und weist eine hohe Stoffwechselaktivität auf.

03_02.2.3.4 Fettgewebe
Fettzellen speichern in ihrem Zytoplasma große Mengen an Fett. Viele Lehrbücher
unterscheiden nach Speicher- und Baufett.
Speicherfett dient als Reservelager für Nährstoffe und Wärmeisolator und befindet
sich hauptsächlich im Unterhautbindegewebe (Bierbauch!).
Baufett hat eine Füll- oder Polsterfunktion. Man findet es z.B. an den Fußsohlen, in
Typischer Knochenaufbau: den Wangen oder hinter den Augäpfeln (weswegen bei Hungernden die Augen „ein-
Gut zu erkennen die kompak- sinken“).
te Knochenmasse als die
dicke, äußere Knochenschicht Im Gegensatz zu anderen Bindegewebstypen ist beim Fettgewebe kaum
und die kleinen Knochenbälk- Interzellulärsubstanz vorhanden.
chen (poröser Anteil im Kopf)
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Zellen und Gewebe

03_02.2.4 Muskelgewebe
Muskeln bestehen aus einzelnen, gestreckten, faserartigen Muskelzellen, die sich
zusammenziehen (kontrahieren) können. Dadurch werden Bewegungen z. B. des
Skeletts und der Eingeweide möglich.
Die kleinste Baueinheit (Zelle) ist die Muskelfaser. Die Muskelfasern werden durch
Bindegewebe zu Muskelfaserbündeln zusammengefasst. Mehrere Muskelfaserbündel
bilden die Muskulatur bzw. einen Muskel.
In den Muskelfasern befinden sich soge-
nannte Muskelfibrillen, die gegeneinan-
der verschieblich sind. Diese
Verschieblichkeit erlaubt das Zusam-
menziehen (die Kontraktion).
Muskelkontraktionen finden nur statt,
wenn an der Plasmamembran der Mus-
kelzelle ein Aktionspotential ausgelöst
wird. Das Aktionspotential bewirkt über
verschiedene Mechanismen, an denen
vor allem Kalzium beteiligt ist, dass sich
die Muskelfaser kontrahiert.
Relaxation:
Rückkehr in den ursprünglichen, nicht
angespannten Zustand.
Kontraktion:
Zusammenziehen und verkürzen. Dabei
entwickelt sich Kraft und Spannung.

Ein sich kontrahierender Muskel wird dicker und kürzer.


Ist der Muskel ringförmig angeordnet wird durch die Kontraktion der
Innendurchmesser der Öffnung geringer 4.

03_02.2.4.1 Muskeltypen
Nach dem feingeweblichem Aufbau, Eigenschaften und Funktion unterscheidet man
folgende Muskeltypen (siehe Abbildung unten):
 Glatte Muskulatur
 Quergestreifte Muskulatur (gebräuchlicher Name auch Skelettmuskulatur)
 Herzmuskulatur

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Das ist wichtig für das Verständnis der Kreislaufregulation (glatte Muskulatur in der Gefäßwand) und für
das Verständnis der Wirkung einiger Medikament!

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Med. Grundlagen
03_02.2.4.2 Glatte Muskulatur
Glatte Muskulatur Besondere Eigenschaften der glatten Muskulatur sind die langsame (auch spontane),
= Eingeweidemuskulatur aber starke Kontraktion und die im Vergleich zur quergestreiften Skelettmuskulatur
= unwillkürliche Muskulatur langandauernde Fähigkeit zur Muskelarbeit (Ausdauer). Glatte Muskulatur kann lange
Zeit ohne großen Energieaufwand, Ermüdung oder Aktionsströme im kontrahierten
Zustand verharren
Muskulatur und Wille:
Sie können die Luft anhalten Glatte Muskulatur kommt unter anderem im Verdauungstrakt, in den ableitenden
(quergestreifte Muskulatur), Harnwegen, den Blutgefäßen, den tiefen Atemwegen, am Auge, an Haaren, in Drü-
aber nicht verhindern, dass sen und im Uterus vor. Die Bewegungen des glatten Muskelgewebes sind nicht durch
sich Ihre Pupillen verengen unseren Willen zu beeinflussen. Glatte Muskulatur wird vom vegetativen Nervensys-
(glatte Muskulatur). tem (Sympathikus und Parasympathikus) gesteuert.

03_02.2.4.3 Quergestreifte Muskulatur


Quergestreifte Muskulatur Die quergestreifte Muskulatur bildet den aktiven Teil des Bewegungsapparates und
= Skelettmuskulatur wird auch als Skelettmuskulatur bezeichnet. Die quergestreifte Muskulatur arbeitet
= willkürliche Muskulatur rasch und ist leistungsfähig, aber sehr schnell ermüdbar. Sie ist dem Willen unter-
worfen und erlaubt deshalb willkürliche, aktive Bewegungen.
Ihre Steuerung und Aktivierung erfolgt über das motorische Nervensystem. Die von
Muskulatur und Wille:
Sie können sich weigern, Nerven kommenden elektrischen Impulse werden über eine spezielle Synapse, die
etwas zu schlucken (querge- motorische Endplatte 5, auf Muskelzellen übertragen und lösen dort ihrerseits ein
streifte Muskulatur), aber Aktionspotential aus, das zu Kontraktion führt.
nicht verhindern, dass ge- Die Muskeln der quergestreiften Muskulatur sind von einer festen bindegewebigen
schluckte durch den Darm Hülle, der Muskelfaszie umgeben, die an den Enden in Sehnen übergehen kann. Se h-
transportiert wird (glatte Mus- nen verbinden Muskeln und Knochen.
kulatur). Quergestreifte Muskulatur findet sich am gesamten Skelettsystem, einschließlich
Mundhöhle (Zunge!) und Rachen (Schluckakt!). Auch die Stimmbänder werden durch
quergestreifte Muskulatur verändert (… sonst hätten wir keine Sprache).

Wichtig für den Rettungsdienst:


Zwerchfell, Zwischenrippenmuskulatur und die am Schluckakt beteiligten
Das Herz hat sein eigenes
Muskeln sind quergestreifte Muskulatur. Die Atmung und der freie Zugang zu den
Reizleitungssystem!
oberen Atemwegen sind daher willentlich zu beeinflussen und zu kontrollieren!
Bei Bewusstlosigkeit fällt diese Kontrolle aus!

03_02.2.4.4 Herzmuskulatur
Diese Herzmuskulatur nimmt eine Sonderstellung ein. Sie ist eine Abart der querge-
streiften Muskulatur, unterliegt aber nicht dem Willen, ermüdet nicht und kann
nicht krampfen. Außerdem existieren am Herzen keine Muskelfasern.
Die Zellen des Reizleitungssystems sind modifizierte Herzmuskelzellen.

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Wichtig für das Verständnis der Wirkung einiger Notfallmedikamente und Gifte

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Zellen und Gewebe
Tabelle 1: Vergleich der Muskeltypen

Muskeltypen
Muskeltyp Quergestreifte Glatte Herzmuskulatur
Muskulatur Muskulatur
Vorkommen Skelett Eingeweide Herz
Auge
(Zwerchfell, Mund, Uterus
Rachen) Harnwege
etc.
Ermüdbarkeit Schnell Langsam Nie
(pumpt immer!)
Kraft Gering Groß Groß

Innervierung Motorisches Vegetatives Eigenes


Nervensystem Nervensystem Reizleizungssystem
Fähigkeit Ja Ja Nein6
zu krampfen (z.B. Wadenkrampf) (Spasmen, die sich als
Koliken äußern)
Beispiele für Muskelrelaxantien Spasmolytika Digitalis
Medikamente im (Succinylcholin) (Buscopan) Antiarrhythmika
Rettungsdienst etc. etc. etc.
Sympathomimetika
(z.B. Berotec)
Parasympatholytika
(z.B. Atropin)
etc.

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Den im Volksmund gebräuchlichen Begriff „Herzkrampf“ gibt es nicht. Gemeint ist damit wahrscheinlich
ein Herzstillstand. Allerdings kann die glatte Muskulatur der Koronararterien krampfen, was zu einer Her z-
muskelischämie (Unterversorgung mit Sauerstoff) führt. Das Krankheitsbild nennt man Prinzmetal -Angina.

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Med. Grundlagen

03_02.2.5 Nervengewebe
Wesentlicher Bestandteil des Das Nervengewebe dient der Nachrichtenübermittlung im Körper. Es ist zur Reizauf-
Nervensystems sind die nahme und anschließenden Weiterleitung und Verarbeitung befähigt. Es besteht aus
Nervenzellen (Neurone). Nervenzellen, sowie Stütz- und Hüllzellen (Neuroglia).
Nervenzellen dienen der Das Nervengewebe bildet in seiner Gesamtheit das Nervensystem, gegliedert in das
Reizaufnahme, Reizverarbei- zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) und das periphere Nervensystem 7.
tung und Reizweiterleitung.
Bestandteile eines Neurons: 03_02.2.5.1 Die Nervenzellen
Zellkörper
Nervenzellen (Fachausdruck Neuronen) sind hochspezialisierte Zellen, die elektri-
(wie andere Zellen auch)
sche Signale Nervenimpulse leiten können.
Dendrit:
Nervenzellen bestehen aus dem Zellkörper mit Zellkern und anderen Zellorganellen
Reizaufnahme
und den für Nervenzellen charakteristischen Zellfortsätzen.
Axone
Diese Zellfortsätze sind in der Lage, Reize (Signale) aufzunehmen und weiterzulei-
Reizweiterleitung
ten. Die Reize selbst entstehen durch elektrische Potentialverschiebungen entlang
Nervenfaser der Zellmembran (siehe „das Aktionspotential“ in Kapitel 03_02.1.8).
Axon mit Myelinscheide
Analog zur den Funktionen Reizaufnahme und Reizweiterleitung werden zwei Typen
von Zellfortsätzen unterschieden:
Anmerkung:
1. Dendriten,
Nervenfasern oder Neurone die Impulse (Signale) aufnehmen und zum Zellkörper weiterleiten
(Nervenzellen) sind keine
Nerven! 2. Axone,
die Impulse (Signale) vom Zellkörper weiterleiten
Nerven sind Bündel von Zell-
fortsätzen mehrerer Nerven- Aus dem Unterschied zwischen Dendriten (Zellfortsätze zur Aufnahme eines Signals)
fasern, deren Zellkörper im und Axonen (Zellfortsätze zur Weiterleitung eines Signals) wird deutlich, dass Ne r-
ZNS sitzen. In Nerven finden ven „elektrische“ Einbahnstrassen sind. Das Signal wird immer in Richtung von Dend-
sich neben den Nervenfasern rit zu Axon transportiert. Die Antwort auf ein Signal erfolgt immer über eine andere
auch Bindegewebe und Blut- Nervenfaser als die Reizaufnahme!
gefäße. Das kollagene Binde-
gewebe isoliert einzelne
Fasergruppen voneinander
und umhüllt den gesamten
Nerv.

Aufgenommene Impulse stammen von Rezeptoren, Sinneszellen oder anderen Ner-


ven. Sie werden entweder zu Muskeln, Drüsen oder wieder anderen Nerven weiter-
geleitet, wo sie eine entsprechende Reaktion in Gang setzen.
Axone und Dendriten können über einen Meter lang werden. Nervenzellen sind über
die Zellfortsätze untereinander netzartig verbunden. Das erlaubt nicht nur eine
komplexe und vielschichtige „Nachrichtenübermitllung“, sondern schafft auch die
Möglichkeit Impulse zu blockieren oder zu verstärken.
Schwannsche Zellen: Die Axone der Neuronen sind von Schwannsche Zellen ummantelt. Diese Zellen wi-
ckeln sich um die Axone herum (wie der „Pfannkuchen um die Marmelade“) und
Dienen der elektrischen
sorgen so für eine elektrische Isolation der Axone gegenüber dem umgebenden Ge-
Isolation eines Neurons webe. Die Isolation spielt eine wichtige Rolle bei der Geschwindigkeit der Reizwei-
terleitung.

7
Weitere Ausführungen zur Einteilung und Funktion des Nervensystem in Lerneinheit 13 (Steue-
rung_und_Regelkreise_01_Nervensystem_Hormonsystem)

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Zellen und Gewebe

Synapse:
03_02.2.5.2 Synapsen
Verbindung zwischen einer Die Signalweiterleitung von einer Nervenzelle auf eine andere Zelle (Muskel-, Drüsen
Nervenzelle und einer Mus- oder Nervenzelle) erfolgt an entsprechenden Kontaktstellen, den Synapsen.
kel-, Drüsen- oder anderen Synapsen verbinden Nervenzellen mit anderen Zellen.
Nervenzelle.
Eine Synapse besteht aus zwei Teilen:
An Synapsen wird der elektri-
sche Reiz einer Nervenzelle 1. Der präsynaptische Anteil ist Teil der Axons der erregungsleitenden Nervenzelle.
in einen chemischen Reiz Hier kommt der für die Übermittlung vorgesehene Impuls an.
umgewandelt. 2. Der postäsynaptische Anteil ist Teil der Dendriten der erregungsempfangenden
Nervenzelle. Hier entsteht ein neuer, durch das ankommende Signal ausgelöster
Die chemischen, „den Reiz
Impuls.
übertragenden“, Moleküle
heißen Neurotransmitter Zwischen dem prä- und postsynaptischen Anteil befindet sich der synaptische Spalt.
Der chemische Impuls er- An den Synapsen wird der über das Axon (Neurit) ankommende elektrische Nerven-
zeugt in einer benachbarten impuls, das Aktionspotential, unterbrochen und in einen chemischen Reiz gewan-
Zelle wieder einen elektri- delt. Die erregungsleitende Nervenzelle schüttet an der Synapse von ihr syntheti-
schen Reiz. sierte chemische Substanzen in den engen Spalt zwischen ihr und der Empfängerzel-
le, den Synapsenspalt.
Synapsen haben in der Solche Substanzen nennt man Neurotransmitter. Diese diffundieren dann über den
Medizin eine sehr große synaptischen Spalt und werden mit Hilfe von Rezeptoren von der Empfängerzelle
Bedeutung, da an Ihnen wieder in elektrische Impulse umgewandelt. Somit wurde das Signal übermittelt.
viele Medikamente ihre
spezifische Wirkung
entfalten.

Neurotransmitter:
Von Nervenzellen synthetisierte, über Synapsen ausgeschüttete
Moleküle, die sich an postsynaptische Rezeptoren einer anderen
Zelle binden, um dort eine spezifische Reaktion auszulösen.
Beispiele:
 Acetylcholin
 Dopamin
 Noradrenalin
 Etc.

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Med. Grundlagen

03_02.3 Index
Aktionspotential 8, 12 Nervengewebe 15
Axone 15 Nervenzellen 15
Baufett 11 Neuroglia 16
Bindegewebe 11 Neuronen 15
Carrier 6 Neurotransmitter 16
Chondrozyten 11 Osmose 6
Deckepithelien 9 Potential
Dendriten 15 elektrisches 8
Depolarisation 8 Quergestreifte Muskulatur 12, 13
Diffusion 6 Relaxation 12
Drüsenepithel 10 Repolarisation 8
elektrisches Potential 8 Retikulum, endoplasmatisches 4
Endokrine Drüsen 10 Rezeptoren 7
Endoplasmatisches Retikulum 4 Rezeptormodell 7
Endozytose 7 Ribosomen 4
Epithelgewebe 9 Ruhepotential 8
Exokrine Drüsen 10 Schlüssel-Schloss-Prinzip 7
Exozytose 7 Schwannsche Zellen 15
Fettgewebe 11 Sinnesepithelien 10
Gewebe 9 Speicherfett 11
Glatte Muskulatur 12, 13 Stoffaustausch 5
Golgi-Apparat 5 Stützgewebe 11
Herzmuskulatur 12, 13 Synapsen 16
Knochen 11 Transport 6
Knochengewebe 11 Transportmechanismen 5
Knorpel 11 aktiv 5
Knorpelgewebe 11 Modelle 6
Kommunikation 4 passiv 5
Kontraktion 12 Transportmodelle 7
Leben 3 Tunnelproteine 6
Lysosomen 5 Zellaufbau 3
Menbranpotential 8 Zelle 3
Mitochondrien 4 Bedeutung 3
Muskelfaser 12 Zellaufbau 3
Muskelfaserbündel 12 Zellstruktur 3
Muskelfibrillen 12 Zellflüssigkeit 4
Muskelgewebe 12 Zellkern 5
Muskelkontraktionen 12 Zellmembran 3
Muskeltypen 12 Zellorganellen 4
Übersicht 14 Zellstruktur 3
Vergleich 14 Zytoplasma 4
Muskulatur Zytoskelett 4
glatt 13 Zytosol 4
quergestreift 13

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Zellen und Gewebe

03_02.4 Quellenverzeichnis
1. Steffen Gross und Eric Haus, Anatomie und Physiologie, 7. Aufl. (Elsevi er, Mün-
chen, 2004).
2. Barbara Groos, Arbeitsbuch Mensch, Körper, Krankheit. Biologie, Anatomie, Ph y-
siologie, 4. Aufl. (Elsevier, München, 2003).
3. “Bertelsmann BKK: Lexika,” http://www.bertelsmann-bkk.de/meine-
gesundheit/lexika.html.
4. Adolf Faller und Michael Schünke, Der Körper des Menschen: Einführung in Bau
und Funktion, 15. Aufl. (Thieme, Stuttgart, 2008).
5. Ulrike Bommas-Ebert, Philipp Teubner, und Rainer Voß, Kurzlehrbuch Anatomie
und Embryologie, 2. Aufl. (Thieme, Stuttgart, 2006).
6. Kersten Enke u. a., LPN - Lehrbuch für präklinische Notfallmedizin CLASSIC. 6
Bände, 4. Aufl. (Stumpf & Kossendey, 2009).
7. Renate Huch und Christian Bauer, Mensch, Körper, Krankheit, 4. Aufl. (Urban &
Fischer Bei Elsevier, 2007).
8. “Riechepithel,” http://www.sinnesphysiologie.de/hvsinne/riechen/oe.htm.
9. “TRANSPORT IN AND OUT OF CELLS,”
http://www.estrellamountain.edu/faculty/farabee/BIOBK/BioBooktransp.html.
10. “Welt der Zelle - Zellbiologie | Zytologie | Cytologie,” http://www.zytologie-
online.net/.
11. “Welt der Zelle - Zellbiologie | Zytologie | Cytologie,” http://www.zytologie-
online.net/.
12. “Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e.V., Bildungsserver für Lehrer,
Schüler und Eltern,” http://www.zum.de/.
13. “Zusammenfassung Wehner-Gehring, 22. Auflage,”
http://www.staatsexamen.net/biologie/zoologie/wehner-
gehring_zoologie/01_die_zelle/we-ge_kapitel_01.html.

Und viele mehr …

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