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Deutsche Literatur 1

1.Kulturdenkmäler germanischer Zeit (Runen, Stabreim, Zaubersprüche)


Um 750: 
Abrogans ist das erste schriftliche Zeugnis im Kloster Freisening entstanden. Das Abrogans
ist ein lateinisch-althochdeutsches Glossar mit Synonyme, die alphabetisch angeordnet sind.
Der Name bekommt er nach seinem Anfangswort. In dieser Zeit haben die deutschen
Glossatoren einfach deutsche Wörter übersetzt, d.h. hinter die entsprechenden lateinischen,
ohne ihren Zusammenhang untereinander zu beachten.
Runen: Schriftzeichen, die die alten germanischen Stämme benutzten (deutsche Runen 24
Zeichen, angelsachsische 28). Den Runen wird magische Wirkung zugesprochen und sie
wurden in Holz oder Stein gemeisselt. Wichtig war die magische Wirkungskraft der Sprache
- man führte Bräuche und Beschwörungen durch, wobei die Runen eine wichtige Rolle
spielten, da Sprache und Schrift sehr mit den Kulturbräuchen zusammenhingen. 
Zaubersprüche: Dienten als Heilmittel und Abwehrzauber. Man wollte Götter und Dämonen
herbeirufen und über die Macht gewinnen. Wichtig ist, dass es nicht nur um Inhalt und um
Bedeutung der Beschwörungen geht, sonden auch um die FORM. Beispiel: Merseburger
Zaubersprüche
Stabreim: Metrische Form, bei welcher – im Gegensatz zum Endreim – die Betonung wichtig
ist. Der gleiche Anlaut (Anfangsbuchstaben) der stark betonten Silben eines Verses; Vokalen
sind nicht gleich, sonder gelten als „Stäbe“. Bei Muspili, Heliand, Hildebrandslied,
Wessobrunner Gebet...

2. Heldenepos, Heldenlieder, Heldensage (Sagenstoffe der Edda, „Beowulf“,


„Thidrekssaga“)
Heldensage: Grundbestandteil der Heldenlieder- und epen. Sagenkreise: ostgotische,-
westgotische,-burgundische (Siegfried). 
Beowulf, angelsächsicher Heldenepos über Beowulfs Kämpfe. Das Epos entstand
vermutlich nach dem Jahr 700 und spielt in der Zeit vor 600 n. Chr. in Skandinavien.
Thidrekssaga: Liedersammlung aus ca 1250. Beschreibt Leben des Thidrek (Dietrich) von
Bern
Sagenstoffe der Edda:  Zur umfangreichste Sammlung germanischer Heldendichtungen
(germ.Götter- und Heldenlieder aus Wikingerzeit), von denen die deutschen einen Teil
bilden, zählt die ältere oder Lieder-Edda (Edda des Sämund). Die Handschrift ist erst um 1260
entstanden.
Heldenlied: Eine germanische Dichtform, mit dem Stoff aus der germanischen Heldensage
oder aus der Antike. Einziges deutsches Heldenlied ist Hildebrandslied. In Heldenliedern
geht es um die Manifestation der Werte, der sozialen Gemeinschaft und bspw. das Sterben
für die Gemeinschaft und Moral (Hildebrandslied). 
Beim Preislied geht es um Glorifizieung und man findet oft eher festliche Stimmung.
Beispiel: Im Ludwigslied stirbt der Charakter nicht wie z.B. im Hildebrandslied. Preislieder wie
das Ludwigslied z.B. haben oft Missionscharakter und beschreiben eine Welt, die von Gott

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beherrscht wird. Es geht um das Preisen des Christentums und um deren Verbreitung, nicht
um Werte wie Ehre oder Stolz. 
Das Heldenepos: Epische Grossform, entstanden aus dem Zusammenschluss von mehreren
Heldenliedern und Spielmannsepen. Beispiel: Nibelungenepos. Geschichtliche Ereignisse
bilden den Kern der Sagenstoffe, so z.B. die Kämpfe Theoderichs des Großen für die
Dietrich-von-Bern-Sage oder der Untergang des Burgundenreiches für das Nibelungenlied.

3. Merseburger Zaubersprüche
Sie sind im Jahr 750 in Fulda entstanden, aber erst im 10. Jhd. gefunden. In Zaubersprüche
ist der Stabreim verwendet, als die älteste Reimform der Germanen. Kein christlicher Einfluss
ist erkennbar, also sie sind ein Beleg für heidnische Religiosität.
Es gibt 2 Sprüche: Erster Spruch ist ein Lösezauber: Frauen befreien Krieger. Zweiter Spruch:
Heilsegen: Götter Phol und Wodan reiten durch den Wald und ein Pferd verrenkt sich den
Fuss. Heilung der Verrenkung durch Zaubersprüche. Wichtig ist die Symbolik bei
Kulturbräuchen. Idise, die göttliche Frauen, sind die, die jemanden befreien oder heilen. Bei
den Zaubersprüchen gibt es eine Dreiteilung: 1. Epische Einleitung, 2. Zauberspruch, 3.
Beschwörung der Wirkung.

4. Georgslied
Das Georgslied ist eine althochdeutsche Dichtung, entstanden um 900 im Kloster
Reichenau. Das Lied berichtet von der Bekehrung, der Verurteilung, dem Martyrium und
den Wundern des Soldatenheiligen Georg, der ein römischer Legionär war, welcher nicht
von seinem Glauben ablassen wollte und das Christentum verbreitete. Man kreuzigte ihn
mehrere Male, er stand aber immer wieder auf. Das Motiv der Unzerstörbarkeit, Symbol des
Ewigen Lebens. Das Lied in binnengereimten Langversen ist die erste Heiligenlegende in
deutscher Sprache.

5. Waltharius
Lateinische Heldendichtung, entstanden um 900 während der Ottonenzeit. Verfasser ist
Eckehart I aus St. Gallen. Das Lied beschreibt den Übergang vom heroischen Lied zum Epos.
Es handelt sich um die Flucht Walthers und Hildegunds von Attilas Hof, wo sie als Geiseln
gefangenhalten wurden, dabei werden sie von König Gunter (Burgunderkönig des
Nibelungenliedes) aus Worms überfallen. Waltharius ist ein Hexameterepos, auf der
Stoffgrundlage des alemannischen Waltherlieds entstanden. Anstatt Anpassung christlichen
Gehalts an germanisch-traditionelle Form, wie Heliand oder Übertragung in deutsche
Sprache wie Otfrid, wird Walhtarius für ein schriftkundiges, klerikales Publikum bestimmt.

6. Ecbasis captivi
.., d.h. die Flucht des Gefangenen, ist das älteste Tierepos des Mittelalters, in lateinischer
Sprache um 940 von einem Mönch von Toul verfaßt.
Die Handlung des Gedichts dreht sich um eine Fabel in einer Fabel. Ein Kalb wurde von
einem Wolf zu Ostern erwischt worden. Der Wolf hat einen Traum, in dem er gewarnt ist,
das Kalb nicht zu essen. Inzwischen kommen die anderen Tiere in die Wolfshöhle. Die innere
Fabel erklärt, warum der Wolf und Fuchs Feinde sind. Der Löwe, König der Tiere, war krank.
Alle Tiere schlagen Heilmittel für den Löwen vor, mit der Ausnahme der Fuchs. Der Wolf
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schlägt vor, dass der Fuchs für sein Versagen eine Kur zu bieten gehängt werden sollte. Ein
Panther warnt den Fuchs, sich zu präsentieren und verteidigen; der Fuchs erscheint und
erklärt, dass er auf einer Pilgerfahrt war. Er bietet seine Kur: man sollte den Wolf schinden
und lass den Löwen die Verwendung seiner Haut als eine Decke. Dies wurde getan, und die
Heilung wirkt. Der Löwe erholt; Höflinge singen Lieder im Vergleich zu den größten Leiden
Jesu Christi, und der Fuchs verdrängt den Wolf als Regentin. Dann zeigt sich der Wolf vor
die versammelte Menge von Tieren, was das Kalb für das Entkommen benutzt.

7. Hrothswitha von Gandersheim, Frau Ava


H. von Gandersheim war eine der ersten deutschen Dichterinnen. Nonne aus dem Kloster
Gandersheim. Schrieb um 950. Sie verfasste Legenden, Dramen etc in lateinischer
Reimprosa. Mit moralisierendem Eifer ging sie gegen allerlei Laster und Untugenden an.
Frau Ava war eine Einsiedlerin und ebenfalls eine der ersten deutschen Dichterinnen die auf
Deutsch dichtete. Ihre Geschichte Leben Jesu (1120) war über Johann der Täufer. Das Leben
Jesu erzählt kürzend, in zeitlich genauer Abfolge, auf der Basis der gesamten Bibel, und
erweitert nur mit theologischen Kommentars, doch voll mit Latinismen.

8. Walther von der Vogelweide


Wurde um 1170 geboren. Dichter des Hochmittelalters und Minnesänger, lebte am Wiener
Hof und an den anderen europäischen Fürstenhofen. Schrieb nicht zur geistlichen
Verehrung sondern über Liebe, d.h. er protestierte gegen das sterile, weltfremde
Minneideal. Walther erörtert in mehreren Liedern die Einseitigkeit, die Unnatürlichkeit des
konventionellen Frauendienstes und fordert die Gegenseitigkeit der Neigung. Er verteidigt
die Normalität in einer Liebesbeziehung und die Treue und Beständigkeit werden wieder
zum Fundament der Liebe. Schönheit ist ihm kein Wert, sondern Liebe macht erst Frauen
schön und wert. Bei Walther spielt der Standesunterschied zwischen werbendem Liebhaber
und Geliebter keine Rolle. Das Mädchen wird eigentlich nicht verführt, sondern ein
zärtliches Einverständnis verbindet die beiden. Mit seiner Dichtung begleitete er auch das
politische Geschehen von vier Jahrzehnten. Beispiel: Unter den Linden.

9. Ostertropen
Tropen sind Zusätze und Erweiterungen zu den festgelegten sakralen Gesängen
der Gregorianik. Diese ergänzen die Vorlage sowohl textlicher als auch melodischer Art,
ohne sie aber in ihrer eigenen Beschaffenheit zu verändern.  Die ersten Tropen entstanden
in der karolingischen Zeit. Also ein Ostertropus ist ein neu gedichteter Zusatz zum Introitus
der Ostermesse. Erstmals erscheint er in einem Manuskript des Klosters St. Gallen aus
dem 10. Jahrhundert, breitet sich in den folgenden Jahren über ganz Europa aus und wird in
späteren Versionen auch zu umfangreichen geistlichen Spielen erweitert. Nach dem Vorbild
des Ostertropus entwickelte sich im 11. Jahrhundert der Weihnachtstropus.
Der Ostertropus wurde zur Grundlage des Osterspiels. Diese Form wurde um weitere
Szenen und Handlungselemente der biblischen Auferstehungsgeschichte erweitert, sodass
die Osterspiele zu umfangreichen Dramen wuchsen.
Osterspiel von Muri (1250) gilt als das älteste bekannte Schauspiel in deutschen Reimen. Die
erhalten gebliebenen Teile des Osterspiels deuten auf ein reines Rededrama ohne
lateinische oder musikalische Elemente hin.

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10. Geistliche Spiele
Eine Form des  MA-Theaters, die ursprünglich als Bestandteil der
christlichen Liturgie entstand. Es diente seit dem HMA der Heilsverkündung
in dramatischer Form. Entwickelte sich vom 10. Jhd  aus den an kirchlichen Festhandlungen
gesungenen Tropen. Text war ursprünglich lateinisch. Der Ostertropus wurde zur Grundlage
des Osterspiels. Diese Form wurde um weitere Szenen und Handlungselemente der
biblischen Auferstehungsgeschichte erweitert, sodass die Osterspiele zu umfangreichen
Dramen wuchsen.
Nach dem Vorbild des Ostertropus entwickelte sich im 11. Jahrhundert der
Weihnachtstropus und im 13. Jahrhundert das Weihnachtsspiel. Diese Form wird bis in die
Gegenwart als Krippenspiel in volkstümlichem Rahmen gepflegt.
Parallel entstanden die ersten Passionsspiele, die das Osterspiel um die Leidensgeschichte
Christi  erweiterten.
Gemeinsam ist den Spielformen die Vermenschlichung des Heiligen im christlich religiösen
Kontext. Bischöfe und Päpste meinten, dass geistliche Spiele für Menschen verständlicher
seien als Vorlesungen. Mit der Reformation ging die große Zeit dieser Art von geistlichem
Drama zu Ende – es sind die Passionspiele in Oberammergau geblieben, die alle zehn Jahre
veranstaltet werden.
Osterspiel von Muri ist das älteste deutschsprachige Spiel.

11. Otfried von Weissenburg (790-870)


Erster namentlich bekannter althochdeutsche Dichter und Geistlicher. Um das Jahr 830
absolvierte er einen Studienaufenthalt im Kloster Fulda bei Rabanus Maurus, dem großen
fränkischen Gelehrten. Vor allem aber wählte Otfrid als erster bekannter deutscher Dichter
des Endreims, reimte er also mit dem Gleichklang der letzten Silben. Es gibt auch die
„Otfrid-Strophe“ – wenn die erste Zeile mit einem Großbuchstaben markiert und die zweite
etwas eingerückt ist. Er hatte große Kentnisse der theologischen Literatur und ließ das in
seines Evangelienbuch einfließen. 

12. Parzival
Um 1200, ein Epos von Wolfram von Eschenbach. Der Hauptkonflikt des Werkes ist
gegeben im Scheitern eines vorbildhaften Artusritters an einer Aufgabe, die nur durch ein
rechtes Verhältnis der Menschen zu Gott lösbar wird. Die Antwort auf diese ihn bewegende
Frage gibt er mit seiner großen ritterlich-humanistischen Utopie der Gralswelt, einem
Gegenbild der Artuswelt.

13. Literatur der Salischen- und Ottonenzeit (900-1020 u. 1020-1120)


Im Frühmittelalter war die Kirche der Kulturträger der Gesellschaft, denn oft war nur der
Klerus des Schreibens und des Lesens mächtig. Die Phase von 750 bis 1170 kennzeichnet
eine fast ausschließliche religiöse Literatur, danach schrieb man auch weltliche Stoffe. 
Mit der Dichtung beschäftigten sich Klerus, Laien, Adel und Berufsdichter. Vor allem
entstehen religiös belehrende und ermahnende Texte in mittelhochdeutschen
Reimpaarversen, die sich besonders an Laien wenden.

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Otfrids Evangelienharmonie, Petruslied (um 850), Muspilli (um 870), Georgslied (um
880), Ludwigslied (Lobpreisung eines christl. Königs 881/882), Ezzolied (1065,
heilsgeschichtliche Darstellungen), neutestamentliche Bibelepik (Genesis zB) etc.

14. Staufische Periode 1130-1260


Das stauffische Kaisertum war die Grundlage einer selbständigen deutschen Kultur. Im
Mittelpunkt war der höfische Ritter. Innerhalb des Ritterstands entwickelte sich eine
Ideologie durch Kreuzzugs-propaganda. Mit dem Ende der Staufferzeit, kurz nach Anfang
des 13. Jahrhunderts, kam auch der Untergang des Rittertums.
Um die Mitte des 12. Jahrhunderts ereignet sich in jeder Hinsicht ein tiefgreifender Wandel.
Die Themen und Formen der Literatur werden vielfältiger; die schriftliche Verbreitung erfasst
nun auch Stoffe, die zuvor für unwürdig galten, aufgeschrieben zu werden (höfische Lyrik,
unterhaltende Erzählungen). Auch die geistliche Dichtung entwickelt ein neues Interesse an
der Einzelperson und ihrer Lebensgeschichte (Legendendichtungen, z.B. Veldekes
„Servatius“).
Auch die Geschichtsepik gewinnt als stärker weltlich orientierte Dichtung erstmals
poetischen Rang. Das bedeutendste Werk, die „Kaiserchronik“, erzählt episodenhaft die
Geschichte des römischen Kaisertums von der Gründung Roms bis zu Konrad III. Andere
Werke: Das „Rolandslied“ des Pfaffen Konrad und der „Alexander“ des Pfaffen Lamprecht,
Ezzolied.
Den Vorwurf der Lüge konnten sich schließlich jene weltlichen Dichtungen zuziehen, die
aufgrund ihrer phantastischen Abenteuer den Namen Spielmannsepik erhalten haben, weil
man früher  Spielleute als Autoren dieser Werke vermutete.  Am Ende dieser Periode und
dem Beginn der nächsten steht Heinrich von Veldekes „Eneasroman“, der mit seinen reinen
Reimen und der Betonung der Minne neben der ritterlichen Kampfethik den Übergang
zur höfischen Epik des Hochmittelalters  schafft.

15. Ritterepen
In den Verserzählungen wird der Lebensweg eines Ritters geschildert, der eine Reihe von
Abenteuern bestehen, viele Irrwege gehen muss, bis er sich zum wahren Ritter geläutert hat
und der höchsten Weihe des Rittertums teilhaftig werden kann. Diese besteht in den
Ritterepen in der Aufnahme an den Hof König Arthus. Nibelungenlied hat Sonderstellung,
da es germanische Sagenstoffe enthält.
Der höfische Roman ist die epische Großform (Gattung) der höfischen Dichtung. Er
verwendet alte Sagenstoffe, die der durch die Kreuzzüge geweiteten höfischen
Kultur entsprechend aus  keltischen, antiken und orientalischen Quellen genommen
wurden. Das Thema dieser Dichtung des Hochmittelalters sind die an den Fürstenhöfen
lebenden Ritter. Zentralbegriffe der höfischen Dichtung sind die Minne (das dienende
Liebesverhältnis des Ritters zu einer Dame der Gesellschaft) und das von der ganzen
Gesellschaft getragene freudige Lebensgefühl (der „hôhe muot“). Die höfische Epik gibt ein
idealisiertes Bild der höfischen Lebenswelt. Aus deutschsprachigem Gebiet stammt der erste
höfische Roman von Heinrich von Veldeke - Eneasroman. Andere: Tristan, Parzival

16. Humanismus, Renaissance und Reformation

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Humanismus: Entwickelt sich in 15-16 Jhd. in Westeuropa, zunächst in
Italien. Weltanschauung, die auf die abendländische Philosophie der Antike zurückgreift und
sich an den Interessen, den Werten und der Würde des einzelnen Menschen orientiert.
Humanismus bezeichnet die Gesamtheit der Ideen von Menschlichkeit und des Strebens
danach, das menschliche Dasein zu verbessern. Peter Luder war wohl der erste Deutsche,
durch den der italienische Humanismus in Deutschland verbreitet wurde.

Man unterscheidet dabei zwischen der Renaissance als dem umfassenden kulturellen


und sozialen Wandel zwischen Mittelalter und Neuzeit und dem Humanismus als der
Bildungsbewegung, die ihm zugrunde liegt. Das Studium der antiken Literatur und
Philosophie diente dazu, sich in einer ruhenden Bildung zu vergewissern und sich von
theologischen und philosophischen Vorentscheidungen zu lösen.

Renaissance (Wiedergeburt): Europäische Bewegung zw. 14. bis 17. Jhd, welche antikes
Gedankengut und Kultur wiederentdeckte: Individuelle Persönlichkeitsentfaltung, Suche
nach Identität, „der Mensch ist das Mass aller Dinge“.
Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft zeigen seitdem eine Entwicklung des Menschen zu
individueller Freiheit im Gegensatz zum Ständewesen des Mittelalters. Der Buchdruck
erlaubt eine weitere Verbreitung der Bibel und anderer Literatur in der Volkssprache.
Bildung und Gelehrsamkeit breiten sich aus, Religiosität wird auch zur individuellen, ja sogar
intimen Angelegenheit, wenn sich der Einzelmensch privat mit Gott unterhält. 
Bevorzugte Formen der Dichtung: Meistersang, Volkslied, Andachts-, Gebets-,
Sterbebüchlein, Benimmbücher, Streitgespräche, Fastnachtspiel, Fabeln, Novellen,
Schwänke..

Reformation: Grundstein wurde vom Humanismus gelegt. Reformation bezeichnet eine


kirchliche Erneuerungsbewegung im 16. Jhd., die in Deutschland überwiegend von Martin
Luther und zur Spaltung des westlichen Christentums in verschiedene Konfessionen
(katholisch, lutherisch, reformiert) führte. Der Beginn der Reformation wird allgemein auf
1517 datiert, als Martin Luther seine 95 Thesen auf die Tür der Schlosskirche zu
Wittenberg geschlagen haben soll. Anfänglich war die Bewegung ein Versuch, die römisch-
katholische Kirche zu reformieren. Viele Katholiken waren beunruhigt durch das, was sie als
falsche Lehren und Missbräuche innerhalb der Kirche sahen, besonders in Bezug auf die
Lehre über und Verkauf von Ablassbriefen.

17. Fastnachtsspiel
Als Fastnachtsspiele bezeichnet man komische Burlesken, welche im 15.
Jahrhundert in Deutschland  entstanden sind und die ersten Anfänge einer
weltlichen Bühne darstellen. Die hatten seine Aufführung an Fastnacht. Spieler waren
meist Handwerksgesellen. Man erklärt ihren Ursprung dadurch am einfachsten, dass um die
Zeit der Fastnacht junge Burschen verkleidet von einem Haus zum anderen zogen, um ihre
Bekannten zu belustigen.
Um 1440 entstand die Tradition der komischen Stücke während der Fastnachtszeit. Diese
Tradition beginnt hauptsächlich in Nürnberg ohne Bezug zur antiken Komödie oder
zum geistlichen Spiel. Dort hat sich schon in der ersten Hälfte des 15. Jhd ein

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selbstständiges Stadtbürgertum entwickelt, was die Voraussetzung für die
Ausbildung weltlicher Spiele ist. Es gab keine Bühne, keine Regieanweisungen, keine
aufwendigen Requisiten. Denn nach 1400 wurde Nürnberg zu einem bedeutenden Zentrum
der  Spruchdichtung und diese ist sehr eng mit den Fastnachtsspielen verwandt. Sie ähneln
sich in den Formen und den Techniken, da die Gesamtform von einem Fastnachtsspiel
einem Aneinanderreihen von Einzelreden (ähnlich den Sprüchen) entspricht und Hans
Rosenplüt und Hans Folz, die ersten Fastnachtspieldichter, auch Spruchdichter waren.
Schwankdichtungen sind Lieder aus dem Kreis der Fastnachtsdichtung.
Das Fastnachtsspiel des 16. Jahrhundert prägte vor allem der Nürnberger Dichter Hans
Sachs.
Wichtigste Verfasser von Fastnachtslieders: Hans Sachs, Hans Folz, Hans Rosenplüt.
Beispiel: Hans Sachs: Der Fahrende Schüler im Paradies

18. Hans Sachs (1500-1575)


Er war ein Schumacher und Meistersinger aus Nürnberg. Er schrieb Meisterlieder, Komödien,
Fastnachtsspiele, Schwänke etc. Er versuchte humanistisches Bildungsgut und lutheranische
Gedanken usw. zu verbinden. In den Fastnachtsspiele gelang es Hans Sachs, die starre
stadtbürgerliche Moral aufzugeben zugunsten praktischer Lebensklugheit, die er in eine oft
überraschende Schlußpointe verpackte. Auch wollte er die Inhalte gelehrter Bildung dem
Volk nahebringen und wurde so zu einem der ganz wenigen Vermittler zwischen
akademischer Elite und der breiten Masse der Ungebildeten. Bei der Gestaltung benutzte er
bewusst auch Stoffe humanistischer Provenienz, und der griechischen und römischen Sage
und Geschichtsschreibung (auch z.B. Boccaccios „Decamerone“). Verfasste auch zeitkritische
Flugschriften.
Textbsp.: Das Kälberbrüten.

19. Meistersang
Lieddichtung des 14.-16 Jhd., entstanden in den Kreisen bürgerlichen Zunfthandwerker. Die
Mischung des Minnesangs und der Spruchdichtung gab eigentlich den Meistersang.
Heinrich von Meissen gilt als Begründer. 
Meistersinger waren bürgerliche Fahrende, die durch Wettsingen und durch
Veranstaltungen einen Verdienst ergattern konnten. Kunst wurde ein Nebenberuf,
Liebhaberei der Meistersänger-gesellschaften, die nach dem Muster der Zünfte als eine
Institutionalisierung enstanden. Meistersänger organisierten sich in Schulen (älteste in
Augsburg 1415). Meistersang besteht, ähnlich wie der Minnesang, aus 3 Strophen. Nur
beste Reihen und Töne dürfen benutzt werden. Es gab feste Vorschriften für Vers und
Gesang (Tabulaturen = Abfassung über Reim und Sprache, die etwas Religiöses beinhaltet).
Geistliche Themen standen im Vordergrund. Tabulatur enstand um 1500: Wer konstenfrei
unterrichtet werden wollte, musste die Tabulatur beherrschen. Ein Sänger musste Strophen
und Melodien kennen, ein Dichter musste einen Text zu einer vorhandenen Melodie
erfinden können und jemand mit dem Titel des Meisters musste eine BAR (neue Strophe)
und eine WEISE (Melodie) schaffen. Diese erfundenen Lieder sind dann jeweils Eigentum der
Singschulen und werden bei öffentlichen Wettstreiten aufgeführt, wobei das Publikum dafür
zahlt (kleiner Handel - wie heute mit den Autorenrechten).
Textbeispiel: Meistersängerische Lieddichtung in der Colmarer Liederhandschrift.
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20. Hohes Mittelalter (1050-1250)
Im hohen Mittelalter war Schreiben und Lesen nicht mehr nur dem Klerus vorbehalten,
sondern nun auch Teilen der Beamten und Teilen des Adels. Die Literatur verarbeitete nicht
mehr nur geistliche und philosophische Themen und wurde nicht mehr nur in lateinischer
Sprache verfasst, sondern oft auch in der Landessprache. Wichtige Rolle spielte das
Rittertum, ihre Lebensformen, Lebensideale, Kreuzzüge.
Hauptformen der ritterlichen Dichtung waren der höfische Epos (Ritterepos) und der
Minnesang. Hauptformen der Lyrik: Lied (Minnesang), Spruch (politische und belehrende
Inhalte), Leich (religiöser Inhalt).
Literarische Formen: Heldenepos, höfischer Epos, Minnesang, Kreuzlied, Artusroman.
Neben Minne und Epos entsand die Vagantendichtung. Die stellte die Gegensätze des
irdischen Lebens dar und wurde in lateinische Sprache verfasst. 
Die Kirche mit dem herausgebildeten Papsttum entwickelte nach innen eine klare
Hierarchie, nach außen kämpfte sie mit den weltlichen Herrschern um die Vormacht. Diese
Machtkämpfe wurden von vielen Zeitgenossen kritisiert. So entstanden in
Deutschland kirchliche Reformbewegungen. Die ersten Universitäten wurden gegründet.
Diese Bildungsrevolution wurde durch die Wiederentdeckung antiker Schriften ermöglicht
(Aristoteles).

21. Höfische Epen


Hauptform der mittelalterlichen höfischen Dichtung, die aus Frankreich stammt. Oft in
Reimpaaren und Kurzversen verfasst. Gedacht für den Vortrag vor höfischem
Laienpublikum. Man verwendete Sagenmotive aus fremden Sagenkreisen: Keltische Sagen
(Artussage), Antike Sagen (Aeneas), orientalische Sagen…
In den Verserzählungen wird der Lebensweg eines Ritters geschildert, der eine Reihe von
Abenteuern bestehen, viele Irrwege gehen muss, bis er sich zum wahren Ritter geläutert hat
und der höchsten Weihe des Rittertums teilhaftig werden kann. Diese besteht in den
Ritterepen in der Aufnahme an den Hof König Arthus. Die höfische Epik gibt ein idealisiertes
Bild der höfischen Lebenswelt. Aus deutschsprachigem Gebiet stammt der erste höfische
Roman von Heinrich von Veldeke  (Eneasroman). Neben Gottfried von Straßburg (Tristan)
steht Wolfram von Eschenbach mit seinem Gralsepos Parzival.

22. Tristan und Isolde – Gottfried von Straßburg


Tristan ist ein um 1210 entstandene und im Fragment gebliebene Versroman als eine
Bearbeitung des Tristan-Stoffes; Gottfrieds Wahl war nur in Bruchstücken erhaltener
altfranzösischer Tristan-Roman des Thomas von Britanje. Seiner Roman gilt als klassische
Form dieses Stoffes.
Gottfried stell die wahre Liebe als höchsten Wert und gibt seine Auffassung von der minne
wieder. Bewegend macht den Roman die gefährlichen Verstrickungen der Liebenden in den
Fesseln der höfischen Konventionen, weniger die abenteuerlichen Unternehmungen oder
Rittertaten.

23. Passionsspiel

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Häufigste Form des geistichen Dramas im Spätmittelalter. Aufführung findet an Karfreitag
statt. Entstanden in Spanien und Frankreich aus einer Erweiterung der Osterspiele durch den
Miteinbezug der Leidensgeschichte Christu. Anstelle der lateinischen Sprache wurde die
Landessprache verwendet. Passions- und Osterspiele wurden oft zusammen aufgeführt. Die
bekanntesten Passionsspiele finden seit dem 17. Jahrhundert in ununterbrochener Tradition
in Oberammergau statt.
Durch Aussonderung bestimmter Teile eigene Spiele: Fronleichnamsspiele etc. Heidelberger
Passionsspiele.

24. Weihnachtsspiele
Form des geistlichen Dramas, hervorgegangen aus den liturgischen Weihnachtsfeiern. Kern
bildet das Krippenspiel am Altar um Maria, Joseph und das Christkind. Thema der
Weihnachtsspiele ist die Geburt Christi. Aufgeführt wird das Krippenspiel meist
an Heiligabend in der Kirche. Schon im 10. Jahrhundert gab es das Krippenspiel.  Daraus
entstanden im 12. Jahrhundert die Weihnachtsspiele. Aus dem 13. Jahrhundert ist
das Weihnachtsspiel aus Benediktbeuern in lateinischer Sprache erhalten. Das
Weihnachtsspiel unterscheidet sich vom Krippenspiel vor allem dadurch, dass es weitere
Szenen aus der Bibel enthielt wie die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies.

25. Spielmannsdichtung
Bezeichnung für Erzähldichtungen, die von herumziehenden Spielleuten geschaffen worden
sind, ab 1150. Versromane mit traditionellen Themen. Charakteristisch für alle diese
Erzählungen ist die Vermischung heroischer, historischer und legendärer, derber und
höfischer Züge. Die Spielleute mussten die alten Heldensagen und andere volkstümliche
Geschichten halb improvisierend, halb aus dem Gedächtnis vortragen.
Beliebte Märchen- und Sagenmotive (Brautwerbung, Entführung, Verkleidung) sind
arrangiert mit Lust am Exotischen (Orientabenteuer) und oft voll mit drastischer Komik. Dies,
die Anonymität der Verfasser und die schmale schriftliche Verbreitung signalisieren, dass es
sich um eher unterhaltende und wenig repräsentative Vorlesestoffe für eine weniger
gebildete adlige Zuhörerschaft gehandelt hat.
Verfasser waren Geistliche und Spielleute (Fahrende, die von Ort zu Ort zogen). Man nennt
so eine Literatur als Unterhaltungsliteratur.
Die Werke: Herzog Ernst, König Oswald, König Rother, Salman und Morolf, Orendel.

26. Heliand, Genesis


Heliand: um 830 in Fulda verfasst im Auftrag von Ludwig dem Frommen zur Verbreitung
des christlichen Glaubens. Verfasst im Stabreim (rund 6000 Verse) von einem anonymen
Verfasser. Es ist Evangelien in Form eines germanischen Heldenepos für die bekehrten
Sachsen. Das Leben Jesu Christi wird in der Form einer Evangelienharmonie nacherzählt. Der
Heliand wird oft als Musterbeispiel für Inkulturation  als Missionarswerk von Bedeutung
angeführt. Man verwendete heidnische/germanische Elemente, um das Christentum
verständlich zu machen; beispielsweise verwendete man Begriffe und Stilmittel (Stabreim),
die den Leuten bekannt waren. Man wollte ja nicht alles Germanische eliminieren - Mut und
Kampfbereitschaft beispielsweise sollten bleiben. Der Autor hatte der für ihn
charakteristische Hakenstil, bei dem ein Satz noch den Anvers der Folgezeile umfasst. Er

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verwendet auch den syntaktisch einfacheren Zeilenstil.

Genesis: Die altsächsische Genesis ist neben dem Heliand die einzige Großdichtung des 9.


Jahrhunderts in altsächsischer (altniederdeutscher) Sprache. Sie wurde um 840 von einem
unbekannten Autor in Langzeilen als Stabreimen verfasst. Sie führt in die
biblische Genesis ein, wobei Stilelemente germanischer Heldendichtungen genutzt werden.
Heute sind von der altsächsischen Genesis noch drei Fragmente von insgesamt 337 Versen
erhalten. Genesis war das erste Buch der christlichen Bibel.
 
27. Evangelienharmonie
Eine Evangelienharmonie versucht unter Berücksichtigung aller Daten über das Leben und
Wirken Jesu, die in den vier kanonischen Evangelien genannt werden, eine einheitliche
Lebens- und Wirkungsgeschichte Jesu zu erzählen.
Um 870. war eine poetische Darstellung des Leben Jesu von Otfried von Weissenburg,
einem Schüler aus Fulda, geschrieben. Er schrieb das Evangelienbuch in deutsche Sprache,
lateinisches war aber ein Vorbild. Dieser Werk wurde wissenschaftlich verfasst, nicht
volkstümlich wie Heliand oder Genesis. Es gibt die Verwendung des Endreims. Sie diente
nicht dazu, um mit dem Volk zu kommunizieren und um Gottes Wort zu verbreiten, sonden
zur Kommunikation zwischen den Geistlichen.

28. Hildebrandslied
Um 800 in Fulda von Mönchen im Stabreim verfasst. Handlung siehe Gedichtstext.

29. Ludwigslied
Ludwigslied war das erste deutsche geschichtliche Lied, das um 881 entstand. Es ist
eigentlich ein Preislied, welches dem König Ludwig III gewidmet wurde. Dieser siegte
damals über die Normannen. Ludwig wird als Gesandter Gottes – Reiter Gottes – gefeiert.
Das Lied setzt sich aus Langversen in zwei- und dreiteiligte Strophen zusammen.
Verwendet ist der Stoff traditioneller Epik - der Held und sein Gefolge besiegen den Feind,
also wird christlicher Ethik verwandt: der Gott leitet die Handlung, die als Kampf gegen die
Heiden und als göttliche Prüfung aufgefasst ist. Ludwig wurde auch als vorbildlicher König
und Kämpfer dargestellt und propagandisiert. Es ist also anzunehmen, dass das Lied den
Zwecken christlisch-politischer Propaganda diente.

30. Minnesang (geschichtlicher, literaturwissenschaftlicher Kontext)


Minne bedeutete ein Einschnitt in der Kultur und Literatur. Minnesang wird die neue Erzähl-
und Dichtkunst. Lyrik als Reflexion von Empfindungen war zu diesem Volk abstrakt und
neu. 
Minnedichtung entstand in der Provence. Thematisch enthalten die Minnelieder die
Liebeserklärung eines Ritters an eine (verheiratete) Adlige, den Preis ihrer inneren und
äußeren Vorzüge, die Hoffnung auf Erhörung, die Klage über die Unerfüllbarkeit dieser
Hoffnung und - damit zusammenhängend - den Konflikt zwischen geistiger Liebe und
Sinnlichkeit. Das Verhältnis des Ritters zu seiner Herrin ist dem Verhältnis zwischen
Lehensherr und Lehensmann nachgebildet.

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Minne ist MINNEDIENST, der musikalisch verwirklicht wird und als Ausdruck einer Kultur
diente. Minnesang wurde eine kunstvolle Benehmensform, Stil-Konvention, ein Akt, eine
Handlung und nur von Männern praktiziert: sie tun, was sie in Wirklichkeit nie tun würden,
z.B. sich vor der Frau auf die Knie werden (sie demütigen damit ihr Kraftpotenzial). Minne
war das Resultat eines Kompensierungsbedürfnisses, weil der Ritter oft weg war, etc. Nach
Jahrhunderten der Jenseits- und Gottesverehrung werden nun persönliche Gefühle entdeckt
und den Sinn des Schönen im Diesseits. Minne ist keine Liebe, weil Liebe wird im MA nur im
Bezug auf Gott gebraucht. Es geht nicht um das Individuum, sondern um das Schöne
allgemein, das Streben danach. Die Minne wird außerdem niemals erwidert, es gibt darin
etwas Tragisches. Die Erfüllung der Minne wäre ihr Ende – wegen des Standesunterschieds
war die Erfüllung auch nicht möglich. Die Frau in der Minne war das Symbol des
Unerreichbaren.  
Hohe Minne: Ritter zu höhergestellten Dame,
Niedere Minne: Ritter zu niedergestellten Dame.
Neben der geselligen Unterhaltung waren Minnedichtung und Minnedienst Teil des
ritterlichen Tugend- und Erziehungssystems. In der Minne sah man den Inbegriff des
Ritterideals.
Hochmittelalterische Lyrik war eine hochentwickelte Formkunst, ihre Hauptform war das
Lied; man kann aus dieser Zeit auch Leiche und Sprüche finden. Zum jeden Lied gehört eine
Melodie.
Bekannte Dichter: Heinrich von Morungen, Heinrich von Veldeke, Walther von der
Vogelweide

31. Literatur in der Karolingerzeit (antikes Erbe, Klöster, Übersetzungen) 750-900


Karl der Große (770-820) beeinflusste das literarische Leben seines Reiches. Sein Hof
entwickelte sich zum Mittelpunkt der literarischen Ereignisse und unter ihm wurden die
ersten Zeugnisse der deutsche Literatur verzeichnet. Er gründete eine Hofakademie, pflegte
lateinische Hofpoesie, legte Bibliotheken an und las Schriften antiker Dichter. In seiner Zeit
gewann das Christentum an Macht. Es wurden Klöster gegründet, z.B. das Kloster St. Gallen,
Fulda, Freising, die eine Stütze seines Reichs und seiner Herrschaft waren. Durch
Übersetzungen und Lehre wollte Karl der Große das Christentum verbreiten (Gebete etc.).
Als deutsche Literatur werden dabei alle Texte in althochdeutscher Sprache verstanden, also
auch die zunächst überlieferten deutschen Übersetzungen lateinischer Texte in Form
von Glossen, Wörterbüchern sowie kirchlichen Gebrauchstexten (Tauf-, Beicht-,
Gebetsformeln, Psalmen,
Bibeltexten) und Sammlungen der kostbaren Handschriften. Auch das Abschreiben von
Handschriften wurde schließlich zu einer dem Gottesdienst fast gleichwertigen Aufgabe,
denn kaum ist uns eine Handschrift erhalten, die vom Dichter selbst stammt.

Aus dem 8 Jhd: Abrogans, Merseburger Zaubersprüche, Hildebrandslied, Wessobrunner


Gebet.
Aus dem 9. Jhd: Petruslied, Evangelienharmonieg, Muspilli, Georgslied, Ludwigslied

32. Nibelungenlied
Mitteldeutscher Heldengesang, Heldenepos, um 1200. Handlung siehe Buch.
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33. Ackermann aus Böhmen
Johannes von Tepls Der Ackermann aus Böhmen erschien 1401 ( im 1460 schon gedruckt)
und verdeutlicht gut den Übergang vom Spätmittelalter zur Neuzeit. Es entstand zu Beginn
der Renaissance und des Humanismus, als die Menschen des späten Mittelalters tiefe
Sehnsucht nach geistiger Erneuerung verspürten.
Von Tepl hatte die Prosaform gewählt, die dem Spätmittlelalter als wahr galt (auch die Bibel
war in Prosa), während Reim und Vers dagegen vergessen wurden.
In den ungeraden Kapiteln beschuldigt der Ackermann den Tod, der ihm seine geliebte Frau
geraubt hat, in den geraden Kapiteln antwortet der Tod. Gegen die Emotionen des
Ackermanns setzt er Logik, stellenweise auch Zynismus ein. Im Kapitel 33 tritt Gott auf, lobt
den Ackermann wegen der Liebe zu seiner Frau, gibt aber auch dem Tod Recht, weil dieser
Gottes Anordnung ausgeführt hat, allerdings tadelt er ihn auch wegen seines Auftretens.
Das Kapitel 34 ist ein lyrisches Gebet des Ackermanns für die Seele seiner verstorbenen
Frau. Das Werk wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Vorläufer bzw. Anfang
des Humanismus in der deutschen Literatur angesehen, was heute als überholt gilt.
Werte, die durch dieses Buch dargestellt sind: Mensch ist die Krone der Schöpfung,
Personenrecht des Menschen, Erringen der Reife als Mensch, Erringen der Mündlichkeit, des
Mensch-Seins – alles was früher in der Obhut der Kirche war, die sagte, was Leben ist und
wie man leben sollte.

34. Martin Luther (1480-1540)


Er schrieb seine 95 Thesen, in denen er gegen Missbräuche beim Ablass und besonders
gegen den geschäftsmäßigen Handel mit Ablassbriefen auftrat, und die wurden am 31.
Oktober 1517 als Beifügung an einen Brief an den Erzbischof von Mainz und Magdeburg
gegeben. Diese Thesen fanden großen öffentlichen Widerhall, der die Reformation auslöste.
Darin protestierte Luther weniger gegen die Finanzpraktiken der Katholischen Kirche als
gegen die darin zum Ausdruck kommende verkehrte Bußgesinnung. Ablassbriefe sollten den
Gläubigen einen dem Geldbetrag entsprechenden Erlass zeitlicher Sündenstrafen
im Fegefeuer für sie oder für bereits gestorbene Angehörige bescheinigen. Der
Ablasshandel war für ihn nur der äußere Anlass, eine grundlegende Reform der ganzen
Kirche „an Haupt und Gliedern“ zu fordern.
Er war ein Theologe sowie Leiter der Reformationsbewegung – er wollte, dass als Quelle der
christlicher Offenbarung ausschließlich die Heilige Schrift gelten dürfe, nicht aber die
kirchliche Tradition. Aber solange die Bibel dem Laien nicht zugänglich war, blieb die
reformatorische Absage ohne Wirkung. Deshalb verlangte die Lutherische Lehre zwingend
nach einer deutschen Bibel aus der Hand des Reformators. Luther übersetzte erstens das
Neue Testament, das im 1522 gedruckt war. Sein zentrales Anliegen war die Verbreitung der
Wahrheit, d.h. von dem, was in der Bibel steht. Die Lutherische Reformation verdankte ihren
Erfolg dem zuvor erfundenen Buchdruck, dem ersten Massenkommunikationsmittel.

35. Hrabanus Maurus (780-850)


Einer der bedeutentsten mittelalterlichen deutschen Gelehrter und Geistlicher. Nach
Ausbildung in Fulda konnte er am Hof Karls des Großen als Gelehrter arbeiten und glänzen.
Unter seinen Schülern war Otfried von Weißenburg. In der Zeit als Leiter der Klosterschule
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Fulda verfasste Rabanus wichtige Schriften, z.B. Gedicht De laudibus sanctae crucis („Vom
Lob des Heiligen Kreuzes“, 814) und Fulda war die einflußreichste Schule in Ostfranken. Sein
wesentliches Verdienst lag in der Vermittlung zwischen der christlich-antiken Tradition und
der frühmittelalterlichen Denkweise, indem er Schriften der Antike dem Wissen des
Frühmittelalters entsprechend neu zusammenstellte und enzyklopädisch veröffentlichte - 22
Bücher umfassende Enzyklopädie De Universo.

36. Alexanderlied (1150)


..war vom Pfaffen Lamprecht geschrieben und steht am Beginn der frühhöfischen Epik im
deutschen Sprachraum. Als Vorlage diente ihm der „Roman d'Alexandre“ von Albéric de
Besançon. Lamprechts Epos über das Leben Alexanders des Großen ist die erste
Verarbeitung eines antiken Stoffs in einem erzählenden Text deutscher Sprache. 
Die Taten Alexanders des Großen waren in den folgenden Jahrhunderten ein sehr beliebter
Stoff an Fürstenhöfen. Der Grund dafür lag in der großen Vielfalt der
Interpretationsmöglichkeiten. Dem Stoff konnte sowohl eine heilsgeschichtliche wie eine
herrschaftsidealle Dimension zugesprochen werden.

37. Hartmann von Aue (1150-1220)


Er war ein Epiker und gemeinsam mit Heinrich von Veldeke steht er am Beginn des aus
Frankreich übernommenen höfischen Romans. Von ihm sind die Verserzählungen Erec, Der
arme Heinrich, 
Iwein sowie einige Minne- und Kreuzlieder überliefert.
Charakteristisch für Hartmann ist ein ernster, nüchterner und rationaler Stil, der sich
argumentierend im höfischen Minnediskurs und in der Auseinandersetzung mit der
Kreuzzugsthematik bewegt. In der deutschsprachigen Kreuzzugslyrik nehmen die Lieder
Hartmanns eine Sonderstellung ein, weil sie sagen, dass Minne nicht mehr zum Kampf um
die Ehre motiviert, sondern sie bleibt zum Inhalt der Ehe. Kein anderer volkssprachiger
Dichter greift mit solchem Ernst ethische Grundfragen auf.
Zum Prolog im Armen Heinrich: Was Hartmann im Prolog benennt, ist für einen Ritter um
1200 ungewöhnlich und könnte - unabhängig vom tatsächlichen Stand Hartmanns und
seiner persönlichen Bildung - dem Bedürfnis entspringen, sich literarisch zu stilisieren und
sich seinem Publikum zu empfehlen: Hartmann sagt aus, dass er als Ritter dem gleichen
Stand wie sein Publikum angehört und dass er zudem durch seine Bildung eine besondere
Kompetenz hat, das Werk zu erzählen.

38. Mädchenlieder
Mädchen sind nicht vergebene Frauen, was einen wichtigen Unterschied zur Minnelyrik
darstellt, da die Frauen dort vergeben sind. Somit besteht bei Mädchenliedern – im
Gegensatz zu den Minneliedern – eine Möglichkeit der Vereinigung von Mann und Frau
bzw. Mann und Mädchen. Ein Bruch mit der hohen Minne ist dann so einer Typ der Lieder.
Man nennt diese Art auch niedere oder erreichbare Minne.
Dieser Liedtyp wurde besonders von Walther von der Vogelweide geprägt. Die populärsten
seiner Lieder thematisieren die erfüllte Liebe zu einem Mädchen, dessen Stand meist nicht
ausgesprochen wird, das aber nicht als adelig zu denken ist.

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39. Höfisches Ethos und „Tugendsystem“
Höfisch bezeichnet die Lebensart, die der am Hof einer Monarchie entspricht. Insbesondere
ist dies die Bezeichnung für die ritterliche Gesellschaftskultur ab dem
hohen Mittelalter (nach franz. Vorbild um 1200 in Deutschland eindringend). Als höfisch gilt
ein Mann, der eine vornehme Abstammung, eine edle Gesinnung, gute Umgangsformen,
körperliche Schönheit, ritterliche Tugenden und einen frommen Charakter hat. Erfüllt sich
eins dieser Attribute nicht, ist die Person nicht höfisch. In Aues Werk Der arme
Heinrich verliert Heinrich seine Höfischkeit, als er seine körperliche Schönheit verliert.
Die idealen ritterlichen Tugenden des höfischen Wertekanons begegnen einem in der
mittelalterlichen Literatur in Begriffen wie hoher muote ( seelisches Hochgestimmtsein),
manheit, mâze ( Mäßigung der Leidenschaften), zuht ( Anstand, Wohlerzogenheit), müete,
êre ( Ansehen, Geltung, Würde), milte
( Freigebigkeit), stæte ( Beständigkeit, Verlässlichkeit) oder triuwe ( Treue, Aufrichtigkeit).
Die ritterlichen Tugenden bestanden aus persönlichen wie sozialen Normen, die zum einen
das Ansehen des Rittertums und damit des Adels überhaupt erhalten und begründen, aber
auch die Ordnung der sozialen Beziehungen der Menschen festigen und garantieren sollten.
Natürlich fußten sie auf den militärischen Tugenden von Treue und Tapferkeit
(denn Ritter waren zunächst nichts Anderes als die Soldaten eines Lehnsherren), überstiegen
diese jedoch weit. Wichtig dabei ist zu beachten, dass es sich dabei um Idealisierungen
handelt, die vornehmlich der so genannten höfischen Dichtung wie Erec, Parzival sowie
dem Minnesang entlehnt sind und die sich dort in ritualisierten Handlungen niederschlagen.
Die höveschkeit, aus dessen Begriff der neuhochdeutsche Begriff der Höflichkeit sich noch
speist, bezeichnet die Umgangsformen am Hof, welcher ein gesittetes wie musikalisch
gebildetes Verhalten nahelegt. Im Minnesang wird diese Ritterlichkeit am stärksten
ritualisiert, indem das lyrische Ich die Allgemeine zu einem unerreichbaren Ideal stilisiert,
wobei es diese stets seines hôhen mouts, staete, die müete und triuwe versichert. In den
Ritterepen kommen die Ritterfiguren nur durch mâze  und staete an ihr Ziel. Ritterlichkeit
und christliche Tugenden wie sie sich in den mönchischen Tugenden der Hilfsbereitschaft,
keuschen Zucht und Askese wiederfinden, ergänzen sich. Ritterlichen Tugenden fussen auf
den christlichen Tugenden.
 
40. Gattungen der Lyrik im MA
Im volkssprachlichen Mittelalter treten Individualpersönlichkeiten vor allem
im Minnesang und in der Spruchdichtung hervor (Troubadors) und ab Ende des 11. Jh auch
Kreuzzugslyrik. Nebst dem Minnesang gab es außerdem noch den Meistersang und die
Heldenlieder.
Lyrische Gedichte waren meist als Gesang gedacht. Hauptsächlich wurde die mittelalterliche
Lyrik gesungen und kaum aufgeschrieben. Aufgrund ihrer mündlichen Tradierung besteht
daher von wissenschaftlicher Seite nur ein geringer Authentizitätsanspruch.
(Die geistliche Lyrik (z. B. die Sequenzen) sowie die lateinische Vagantendichtung sind oft
anonym in größeren Sammlungen überliefert (Carmina Burana) (11./12. Jh.).
Die Meistersänger des städtisch geprägten Spätmittelalters (u. a. Hans Sachs (16. Jh.)
inszenieren ihre Dichtung als lern- und abprüfbares Silben- und Töne-Handwerk.)

41. Neidhart von Reuental


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Neidhart, genannt von Reuental (erste Hälfte des 13. Jahrhunderts), war einer der
bedeutendsten und fruchtbarsten deutschsprachigen lyrischen Dichter des Mittelalters.
Über 100 Lieder und über 50 Melodien sind von ihm überliefert. Neidhart bezeichnet sich
selbst als Ritter. 
Neidhart begründete die dörperliche Dichtung, eine Spielart des Minnesangs, die Karl
Lachmann als „höfische Dorfpoesie“ bezeichnet, indem er in seinen Liedern vornehmlich das
hoffärtige Treiben und die derbere Liebesweise der Bauern mit geistreich humoristischer
Laune schilderte.
Neidharts Lieder sind in Sommerlieder, Winter- und Schwanklieder gegliedert. Es sind fast
200 Werke von ihm überliefert, einige davon noch mit Melodie, wobei man annimmt, dass
rund ein Drittel davon nicht von ihm stammt. Im Neidhartspiel, das in verschiedenen
Versionen überliefert ist, wurde der Dichter zur stofflichen Vorlage des
weltlichen Dramas im deutschen Sprachraum. Neidhart, der durch seine dörperliche
Dichtung zugleich den Minnesang parodierte wie auch Kritik
an Minnekult und Rittertum übte, steht im Mittelpunkt des Dramenstoffs. Er erscheint hier
als ritterlicher Bauernfeind. Die Überlieferung des Neidharts Korpus setzt zunächst mit
Einzelstrophen innerhalb des Codex Buranus ein. 

42. Dietrichepik
Sammelbegriff für mhdt. Heldenepen, die Dietrich von Bern als Hauptfigur haben. Die
Thidrekssaga stellt als einzige mittelalterliche Quelle das gesamte Leben des Dietrich von
Bern dar.
Dietrich von Bern ist eine Sagenfigur des HMA und SMA. Man kann schriftliche Zeugnisse
als Heldenlied (Hildebrandslied), Epos (Dietrichepik) oder Prosa (Heldenbücher) zwischen 9.
und 16. Jhd finden. Dietrich spielt eine Rolle auch im Nibelungenlied. Neben den MHD
Dietrichepen in Versen, die immer nur Episoden aus dem Heldenleben Dietrichs zum Thema
haben, stellt die skandinavische  Thidrekssaga einen Sonderfall der Überlieferung dar, weil
sie die gesamte Vita des Helden nach niederdeutschen Quellen in Prosa erzählt. 
Dietrich wächst als Königssohn auf. Er hat einen Waffenmeister namens Hildebrand, der bis
ins hohe Alter bei ihm bleibt. Er sammelt einen Kreis von Kampfgenossen (12 bzw. 11) um
sich und wird nach dem Tod seines Vaters König von Bern. Dietrich vollbringt große
Heldentaten. Eines Tages wird Dietrich von seinem Onkel vertrieben und ist gezwungen,
beim Hunnenkönig Attila (Etzel) ins Exil zu gehen. Er unterstützt den Hunnenkönig bei
vielen Kämpfen. Beim Kampf des Königs mit den Nibelungen versucht er zuerst zu
vermitteln. Im Verlauf der Schlacht stellt er sich auf Attilas Seite und bewirkt maßgeblich das
Ende des Schlachtens, indem er sowohl die Mörder Siegfrieds als auch dessen rachesüchtige
Witwe Kriemhild unschädlich macht. Am Schluss gewinnt er sein Reich zurück.

43.  Konrad von Würzburg 1220-1290


Konrad war ein deutscher Lyriker, Epiker und didaktischer Dichter bürgerlicher Herkunft. Er
verfasste im Auftrag seiner Gönner neben kleineren lyrischen zahlreiche größere geistlich-
legendäre und historische-sagenhafte Werke im „geblümten Stil“. Er vertrat die höfische
Tugenden wie ere, triuwe, zuht, und die Klage über ihren Verlust in seiner Dichtung. Seine
Dichtung vereinigt nahezu alle literarischen Gattungen und Stoffe seiner Zeit und er hatte
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eine außerordentliche Reimtechnik. Den Meistersingern des Spätmittelalters galt Konrad als
Meister des Minnesangs. Konrad wurde für eine große Zahl der nachhöfischer Dichter
prägend, also er er entsprach dem Geschmack der nach-staufischen Generationen.
Textbeispiel: Engelhard (die Geschichte über einer ungewönlichen Freundestreue).

44. Spätes MA
Innerhalb des Deutschen Reichs, mit dem Untergang der Staufer in der Mitte der 13 Jhd,
waren die Fürsten die Gewinner und das Papsttum hatte auch im Grunde verloren. Die
Zentralisierung innerhalb der Landesherrschaften bedeutete, dass die niedere und mittlere
Adel seine staatstragende Bedeutung verloren haben.
Im SMA wurden Frühere Werte zu Lastern. Beispiel: Man glaubte, dass die 7 Kardinallaster
zu einer Krankheit führen: Hochmut (Eitelkeit, Stolz, Übermut), Zorn (Rachsucht, Vergeltung,
Wut), Neid (Eifersucht, Missgunst), Geiz (Habgier), Völlerei (Gefräßigkeit, Selbstsucht),
Wollust (Genusssucht), Faulheit (Feigheit, Ignoranz). Von Sünden konnte man sich freikaufen
(Gebete aufsagen, zahlen etc.), sodass die Kirche die Kontrolle über das Volk hat, was die
beste Kirchenpolitik für die Bewahrung der Vorherrschaft war.
Spekulative Mystik gewinnt an geistliche Macht. Verarbeitung und Aufarbeitung des Alltags
wird zur Kunstausübung.
In dieser Zeit war eine Untergangsstimmung: Brände, Pest, Hungersnot hat das Volk als
Strafen Gottes interpretiert. Das alles führte zu vertiefter Frömmigkeit. Bestimmte Stämme
waren mit einem Führungsanspruch, deswegen gab es wieder mehr Dialekte in der Literatur.
Dichtung gelang langsam in andere Schichten. Verfällt die Bedeutung der FORM. Am
meisten gab es simples Silbenzählen statt eine Formschema.

45. Meister Eckhart (1250-1330)


Er war der größte deutsche Mystiker des Mittelalters. Mit seinen mystischen Schriften
erregte er das Misstrauen der Amtskirche. Den Ausgang eines Ketzerprozesses gegen ihn
erlebte er nicht.
Eckhart sagte, dass die Seele des Menschen enthält ein Fünklein vom Sein Gottes. Die These
von der Göttlichkeit des Menschen wurde als Häresie verdammt.
Dieser Mystiker musste sich das Deutsche zum Teil erst formen, denn noch nie waren so
komplizierte, abstrakte Gedanken deutsch ausgedrückt worden. Er wurde zum größten
Sprachschöpfer des Mittel-hochdeutschen. Eine Fülle von Neubildungen, Metaphern,
Paradoxien bereicherten die Sprache seiner Zeit. Bei Neuschöpfung ging er vom konkreten
Wort aus, das er durch Endungen wie –heit und –ung zum abstrakten Begriff machte.

46. Tropus und Sequenz


Sie stellen die Erweiterungen der Liturgie dar. Im Zusammenhang mit dem Gregorianischen
Choral 
sind Tropen Zusätze und Erweiterungen zu den festgelegten sakralen Gesängen der
Gregorianik. Diese ergänzen die Vorlage sowohl textlicher als auch melodischer Art, ohne
sie aber in ihrer eigenen Beschaffenheit zu verändern. Tropen können als rein melodische
Zusätze (Melismen), als Textdichtungen auf bestehenden Melismen oder als Zusatztexte mit
eigenen Melodien, die dem zugrunde liegenden Gesang vorangestellt, eingeschoben oder
angehängt werden. Die ersten Tropen entstanden in der karolingischen Zeit.
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Ein Spezialfall des Tropus ist die (klassische) Sequenz. Sie ist eine Textierung
des gregorianischen  Halleluja.
Tropus: Ausschmückung eines liturgischen Teils,
Sequenz: Einbau eines klassischen kirchlichen Textes.

47. Wessobrunner Gebet


Gehört zu den frühesten poetischen Zeugnissen in althochdeutscher Sprache aus dem 8 Jhd
– der ältester christliche Gedicht der deutschsprachigen Literatur.
Der Text ist zweigeteiligt:
▪ Erster ist ein Schöpfungspreis in neun stabreimenden Langzeilen; der betont den
einleitenden Schöpfungshymnus als „der Wunder größtes“ – Bilderfolge Erde, Himmel,
Sonne, Mond, die von den Germanen kultisch verehrt wurden, was die Aufnahme der
christlichen Ideen erleichtert.
▪ Zweiter ist die eigentliche Oration in freier Prosa, bilden zusammen ein Gebet um Weisheit
und Kraft zur Vermeidung von Sünden – um den rechten Glauben.
Der zweigliedrige Aufbau lässt an die Struktur von Zauberformeln denken: es wird erst ein
mythischer Präzedenzfall berufen (hier die Beschenkung der Menschen durch den
Schöpfer), nach dessen Muster sich dann das hier und jetzt erbeten vollziehen soll. Es
beginnt mit „Das habe ich bei den Menschen erfahren:...“ – Traditionsweitergabe.

48. Weltliche Spiele


Zunächst gab es Fastnachtsspiele (Fasten vor Ernte). Im ausgehenden Mittelalter entstanden
die weltlichen Spiele, vor allem Schwänke, einfache Dialoge, die die volksnahen Handlungen
zur Belustigung der Zuschauer darstellen: Streitszenen, Gerichtsszenen, Eheszenen wie in
den  Fastnachts-spielen. Sie werden zur Quelle des Volkstheaters. 
Die Weltliche Spiele stellen Kulturbräuche aus früherer Zeit dar, die nicht kirchlich waren.
Nürnberg und Lübeck waren die Zentren. Ende des Mittelalters erschienen Wandergruppen
aus England: man nannte sie Komödianten. Humor hatte hier die Funktion der Reinigung
(Tränen lachen). Die verbreiteten geistlichen Spiele waren Mischformen aus ernsten und
komischen Episoden. 

49. Glossen, Glossare


Ein Glossar ist eine Liste von Wörtern mit genauen Erklärungen. Sie wurden
in Antike und MA als Sammlungen erklärungsbedürftiger Wörter für das
Grammatikstudium und als Hilfsmittel für die Erklärung von Texten (besonders Homers und
der Bibel) erstellt. Seit spätantiker Zeit entstanden außerdem zweisprachige griechisch-
lateinische und lateinisch-griechische Glossare, die der Vermittlung der jeweils fremden
Sprache dienten. Im lateinischen MA bildeten sie dann den Anknüpfungspunkt für die
Entstehung lateinisch-volkssprachlicher Glossare. Erste Versuche der deutsche
Verschriftlichung finden sich in der sog. Glossenliteratur, in der einzelne Wörter
fremdsprachigen (vor allem lat.) Schriftums ihre deutsche Entsprechung erhielten. Erstes
Beispiel ist aus dem 8 Jhd. Glossar Abrogans. Verdichtet sich die Glossierung so stark, dass
jedes fremdsprachliche Wort in seine deutsche Bedeutung übertragen ist, so sprechen sie
von einer Interlinearversion. Diese linguistische Arbeit stand in engem Zusammenhang mit
der christlichen Missionsarbeit.

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50. Religiöses Schrifttum im Hohen MA
- Spielmannsdichtung (auch von Geistlichen!)
Bezeichnung für Erzähldichtungen, die von herumziehenden Spielleuten geschaffen worden
sind, ab 1150. Versromane mit traditionellen Themen. Charakteristisch für alle diese
Erzählungen ist die Vermischung heroischer, historischer und legendärer, derber und
höfischer Züge. Die Spielleute mussten die alten Heldensagen und andere volkstümliche
Geschichten halb improvisierend, halb aus dem Gedächtnis vortragen.
Beliebte Märchen- und Sagenmotive (Brautwerbung, Entführung, Verkleidung) sind
arrangiert mit Lust am Exotischen (Orientabenteuer) und oft drastischer Komik. Dies, die
Anonymität der Verfasser und die schmale schriftliche Verbreitung signalisieren, dass es sich
um eher unterhaltende und wenig repräsentative Vorlesestoffe für eine weniger gebildete
adlige Zuhörerschaft gehandelt hat.
Verfasser waren Geistliche und Spielleute (Fahrende, die von Ort zu Ort zogen). Man nennt
so eine Literatur als Unterhaltungsliteratur.
Beispiel: Legendenromane um den heiligen Oswald.  
Die Werke: Herzog Ernst, König Oswald, König Rother, Salman und Morolf, Orendel.

- Alexanderlied, Pfaffe Lamprecht, 1150:


Im hohen MA bezeichnet den Beginn der frühhöfischen Epik im deutschen Sprachraum. Die
Taten Alexanders des Großen waren in den folgenden Jahrhunderten ein sehr beliebter Stoff
an mittel-alterlichen Fürstenhöfen. Der Grund dafür lag in der großen Vielfalt der
Interpretationsmöglichkeiten. Dem Stoff konnte sowohl eine heilsgeschichtliche wie eine
herrschaftsideale Dimension zugesprochen werden.
Alexander der Große war der König von Makedonien. Er hat die Grenzen des Reiches durch
den sogenannten Alexanderzug ausgedehnt. Nicht zuletzt aufgrund seiner großen
militärischen Erfolge wurde das Leben Alexanders ein beliebtes Motiv in Literatur und Kunst,
während seine Beurteilung in der modernen Forschung, wie auch schon in der Antike,
umstritten ist.

-Rolandslied, Pfaffe Konrad, 1150. 


Ein altfranzösicher Versepos über das heldenhafte Ende Rolands. In der Gattung Chanson
de geste, zu der das Rolandslied zählt, geht es überwiegend um die Kriegszüge Kaiser Karls
des Großen oder Kaiser Ludwigs des Frommen und ihrer Heerführer gegen die "Heiden", die
Spanien beherrschten. Die Thematik der Heidenkriege war lange Zeit aktuell. 

-Werke von Mechthild von Magdeburg, 1200.  


Eine Mystikerin von adligen Eltern, was bedeutet, dass sie eine gute Bildung hatte.
Um 1250 begann sie in poetischen Versen und Hymnen über die Wonnen und Qualen ihrer
mystischen Erfahrungen mit Gott zu schreiben. Ihre in deutsch verfassten Aufzeichnungen
stellte man zu 6 Büchern zusammen. Das Aufsehen, das sie mit dieser Schrift und ihrer
Zeitkritik am realen Ordensleben, der Kirche und der Welt erregte, hat sie vermutlich
veranlasst, die letzten Jahre ihres Lebens zurückgezogen in dem Kloster Helfta zu
verbringen.
Mechthilds Buch „Das fließende Licht der Gottheit“ ist ein vielseitiges Werk, das Texte ganz

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unterschiedlicher Gattungen enthält: Neben Visionen finden sich z.B. Lehr – und
Streitgespräche, Allegorien, Verhaltensregeln zur Leitung einer geistliche Gemeinschaft,
Sinnsprüche, aber auch Gottesminnelyrik - Liebesdialoge voller Poesie. Mechthild benutzt in
ihrem Werk Bilder des Hohenliedes, um die mystische Vermählung der Seele mit Christus zu
beschreiben. Ihre Schriften, die ersten mystischen Texte überhaupt, gelten als eines der
beeindruckendsten Beispiele der deutschen Frauenmystik und zeigen die Höhe der
Frauenbildung im Mittelalter.

51. Lieder des von Kürenbergs


Seine MHD Gedichte entstanden um 1150, damit er der älteste bekannte Vertreter des
frühen Minnesangs ist. Am bekanntesten ist sein „Falkenlied“, das aus zwei Strophen
besteht.
Schon der archaische Minnesang ist eine Rollenpoesie – es gibt einen Kontrast der Frauen-
und Männerstrophe. Obwohl die beiden Strophen aufeinander beziehen, sind sie aber reine
Monologe, die sich nicht antworten. Er verwendete Langzeilenstrophe, die auch der
Nibelungendichter benutzte. In seiner Lieder verlässt der Liebhaber die Frau nach
glücklicher Liebesbegegnung – er verzichtet auf ihre Liebe, um so mehr, wenn sie zu
deutlich ihr Begehren zeigt - Freiheit des archaischen Liebhabers.

52. Das Tagelied


Eine höfische Liedgattung der MA-Lyrik, die primär inhaltlich definiert ist und die Situation
des geheimen Beisammenseins und des Abschieds zweier Liebender beim Tagesanbruch
nach einer vollbrachten Liebesnacht thematisiert. Es gibt das Motiv des Glücks der
Vereinigung und Schmerzens über die bevorstehende Trennung.
Das Tagelied wurde von den Trobadors und nordfranz. Trouvères als Gattung ausgebildet
und von den Minnesängern übernommen und weiterentwickelt. Es verbindet erzählende mit
monologischen und szenischen Elementen, vergegenwärtigt den Tagesanbruch durch
charakteristische Motive wie das Morgenlicht, den Gesang der Vögel und den warnenden
Ruf der Wächter. Man verbindet auch den Ausdruck von Liebesglück und
Trennungsschmerz mit der Klage über Neider und den eifersüchtigen Ehemann, die als
Repräsentanten feindlicher Gesellschaft die Trennung der Liebenden erzwingen. 
Wichtige Vertreter waren u.a. Dietmar von Aist, Heinrich von Morungen, Wolfram von
Eschenbach,  Walther von der Vogelweide und später Oswald von Wolkenstein (15 Jhd).

53. Minnerede und Minneallegorie


Die Minnerede ist eine Form der SMA Reimrede mit der Darstellung einer Minnelehre. Im
Gegensatz zu den kürzeren Minneliedern in Kanzonenform bestand sie aus mehreren
hundert Versen in Reimpaaren und wurde nicht gesungen, sondern gesprochen
vorgetragen und musikalisch begleitet. Viele Minnereden sind in Ich-Form vorgetragene
Reflexionen über die Minne oder Erzählungen von  allegorischen Begebenheiten und
Träumen. Das älteste Zeugnis ist H. von Aues „Klagebüchlein“ . 

Die Minneallegorie ist eine allegorische Handlung zur Darstellung einer Minnelehre. Die
Allegorie ist die Verbildlichung eines abstrakten Begriffs oder Vorgangs; oft durch
Verkörperung als Person, z. B. der Tod als Sensenmann. Im Unterschied zum sinnfälligen

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Symbol enthält die Allegorie eine gedanklich-konstruktive Beziehung zwischen dem
Dargestellten und dem Gemeinten. Findet sich z.B. in Strassburgs Tristan und Isolde – die
Minnegrotteallegorie. Die Eigenschaften der Liebenden und der Liebe werden auch
manchmal personifiziert (Frau Minne, Frau Treue). Oft wird die Liebeshandlung mit dem Bild
einer Jagd wiedergegeben: der Liebende als Jäger, die Geliebte als Wild (z. B. „Die Jagd“
1335/1340 von Hadamar von Laber).
Beispiel: Unter den Linden, Tagelied

54. Das Ezzolied


Eine frühmittelhochdeutsche geistliche Dichtung, die um 1060 in Bamberg entstand. Es ist in
einer kürzeren und einer längeren Fassung von einem Kleriker namens Ezzo überliefert.
Auftraggeber war der Bischof Gunther von Bamberg.
Die ältere Fassung (oder Straßburgs Fassung) besteht aus zwei achtzeiligen und fünf
zwölfzeiligen gereimten Strophen und kann als ein gesungener Hymnus auf die Schöpfung
(über den Sündenfall bis zu Abel, Noah, Abraham..) gelten, „ein Loblied auf die Erlösung der
Menschheit durch Christi Kreuzestod“. Hauptthema ist auch hier die Heilsgeschichte. Es
wendet sich ausdrücklich an ein sozial differenziertes Publikum.
Die jüngere Fassung stammt aus dem 12 Jhd und erweitert den thematischen Bereich der
älteren Fassung, indem sie neutestamentalichen Stoff mit einbezieht. Diese hat nicht die
Funktion eines Hymnus, sondern ein religiös-didaktisches Gedicht, gerichtet an das
allgemeine Laientum.

55. Kaiserchronik
Um 1150, in deutschen Reimen verfasste Chronik. Sie stellt das umfangreichste und am
dichtesten überlieferte Werk der frühmhdt Literatur dar, verfasst von Geistlichen des
Regensburger Hofes.
Somit entsteht eine Weltchronik von der Gründung Roms (Caesar) bis zur Vorbereitung
des zweiten Kreuzzuges 1147 – sein erst Teil stellt Leben und Taten der römischen Kaiser
vor, umrankt von Sagen und Legenden, während der zweite Teil, der sich mit den
Biographien der deutschen Kaiser beschäftigt, auffallend sachlicher ist.
Die Absicht, lehrhaft (christlich-moralisch) zu erzählen, überwiegt bei weitem das Anliegen,
einen historisch präzisen Bericht zu erstatten. Die Darstellung hat nicht in erster Linie der
historischen Wahrheit, sondern vielmehr der gotes minne („Gottes Heilsplan“) zu
entsprechen. Das bedeutet, dass die einzelnen Episoden sollen nicht nur der Unterhaltung
dienen, sondern besitzen vor allem eine religiöse und ethisch-exemplarische Bedeutsamkeit.
Der Autor möchte dadurch sein Werk von den  lugen  einer rein weltlichen Dichtung
abgrenzen.
Uns übrigeblieben sind 15 Handschriften, im Unterschied zu einem oder ganz wenigen wie
die andere Handschriften; dies spricht für ein neues Bildungs-, Politiks- und
Literaturinteresse des Adels.

56. Memento Mori


Der Ausdruck Memento mori entstammt dem mittelalterlichen Mönchslatein, wo er
verballhornt  wurde aus Memento moriendum esse, also: Sei eingedenk, dass du sterben

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musst. Er ist ein Symbol der Vanitas, d.h. der Vergänglichkeit und war Grundbestandteil
der cluniazenischen  Liturgie.
Stilistisch hält sich der Text großenteils an biblisch und patristisch vorgebildete Metaphern
und Bildern, in denen der Sprecher ohne sich in seine Predigt einzubeziehen, dem Publikum
den sicheren Tod vor Augen hält: das Gedicht ist eine Warnung vor der Welt und für den,
der der Welt verfällt ist, vor dem Tod.
Bereits in der Zeit der Karolinger gab es hier und da Dichtungen mit vergleichbarer
Thematik, doch erst im beginnenden HMA wurde Memento mori mit der Cluniazenischen
Reformbewegung für etwa 100 Jahre zur bestimmenden Grundidee. Die entsprechende
Literatur, in deren Zentrum religiöse Texte standen und die von 1060 bis 1170 dauerte, wird
daher auch „cluniazensisch“ genannt und eine ihrer wesentlichen Formen war die
Reimpredigt. Insgesamt sechs dieser großen Reimpredigten sind uns erhalten: das Ezzolied,
das zusammen mit dem Memento mori in derselben Ochsenhausener Handschrift, Himmel
und Hölle, das Annolied, usw.

57. Jacob Ayrer (1550-1600)


Deutscher Dramatiker und Autor von Fastnachtsspielen. Ayrer steht ganz in der Nachfolge
von Hans Sachs. Neben Bearbeitungen von den aus England kommenden
Komödianten fand Ayrer seine Stoffe meistenteils in der griechischen Mythologie und der
römischen Antike. Aber auch in den deutschen 
Volksbüchern und Schwänken nahm er literarische Anleihen. Neu sind bei Ayrer die
zahlreiche Bühnenanweisungen, die Verwendung aufwendiger Kulissen und Kostüme und
die Vielzahl von Akteuren auf der Bühne. Ayrers Werke verfolgen ein didaktisches Ziel, der
aber nicht mehr ein Form-prinzip ist, und als Zweck des Spieles das nur Interessante an
dessen Stelle tritt.
Mit Ayrer endet die Dramentradition des Reformationsjahrhunderts.

58. Meistersingergesellschaften
Lieddichtung zwischen des 14.-16 Jhd., entstanden in den Kreisen bürgerlicher
Handwerksmeister, doch zählten auch Priester, Lehrer und Juristen dazu. Minnesang löste
sich auf und wurde durch den Meistersang abgelöst. Heinrich von Meissen gilt als
Begründer. 
Meistersang ist aus dem ritterlichen Minnesang und Spielmannsdichtung
zusammengeflossen. Meistersinger(-sänger) waren bürgerliche Fahrende, die durch
Wettsingen und durch Veranstaltungen einen Verdienst ergattern konnten. Kunst wurde ein
Nebenberuf, eine Liebhaberei. Diese Dichter waren in Meistersängergesellschaften (nach
dem Muster der Zünfte entstanden) . Hauptsingen oder Singschulen hießen die öffentlichen
und feierlichen Kunstübungen der versammelten Meistersänger. Ihre Dichtungen und 
Melodien leiteten sich aus dem Minnesang ab, gehorchten aber strengen Regeln - ein
Meisterlied besteht aus mehreren Strophen (mindestens drei, und die Anzahl der Strophen
immer ungerade). Der Gesang, seine Vers- und strophige Struktur (und anfangs
auch Lauten-Begleitung) wurden an Meistersingerschulen gelehrt. Die Zentren der
Meistersinger waren Augsburg,  Nürnberg  sowie Straßburg und Frankfurt am Main, u.a.

59. Muspili, Petruslied

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Muspili: Entstand um 880. Es ist eine Vermischung heidnischer und christlicher Elemente,
mit der Verfassung in Stab- und Endreim. Als Wort selbst bedeutet etwas aus
Bedeutungsfeld des Weltgerichts/Weltende.
Der erhaltene Ausschnitt beginnt mit dem Kampf der Engel und Teufel um die Seele des
Menschen, die sich im Tode vom Körper gelöst hat – in der Hölle warten Feuer und
Finsternis, im Himmel aber Leben ohne Tod. Mit einer Mahnung zu christlicher Umkehr
schließt dieser erste Teil.
Im zweiten Teil gibt es ein Zweikampf des Elias mit dem Antichrist, mit Elias als Vertreter der
Sache Gottes.
Das letzte erhaltene Drittel schildert, nach einer Warnung an Richter, dass nichts nunmehr
geleugnet werden kann, keine List vor Straft schützen.
Das Muspilli wurde für Menschen, die im Rechtsdenken geschult wurden, vielleicht sogar
selbst Richter waren, geschrieben.
Petruslied:  Das Petruslied ist das älteste bekannte althochdeutsche Kirchenlied, was den
Anfang der geistlichen Lieddichtung bezeichnet. Textlich ist es unter dem Oberbegriff
der Leisen (Kirchelieder, die einstrophige Antworten in der Volkssprache auf Gesänge der
Messfeier, insbesondere zu Sequenzen sind) einzuordnen. Es entstand um 880
in Freising/Bayern und ist ein Bittgesang für Notzeiten, Wallfahrten oder Prozessionen um
Gnade Gottes in altbairischer Sprache. Heute gibt es noch ein Originalexemplar aus jener
Zeit. Der Autor ist nicht überliefert. Petrus ist der Hüter der Himmels-pforte und einer der
Apostel Christi.

60. Tabulatur
Meistersang besteht, ähnlich wie der Minnesang, aus (mindenstens) 3 Strophen. Nur
bestimmte Reihen und Töne dürfen benutzt werden. Es gab feste Vorschriften für Vers und
Gesang – Tabulaturen waren Abfassungen über Reim und Sprache, die was Religiöses
beinhalteteten. Geistliche Themen standen im Vordergrund. Tabulatur enstand um 1500.
Wer kostenfrei unterrichtet werden wollte, musste die Tabulatur beherrschen. 
Ein Sänger musste Strophen und Melodien kennen, ein Dichter musste einen Text zu einer
vorhandenen Melodie erfinden können und jemand mit dem Titel des Meisters musste eine
BAR (neue Strophe) und eine WEISE (Melodie) schaffen. Diese erfundenen Lieder sind dann
jeweils Eigentum der Singschulen und werden bei öffentlichen Wettstreiten aufgeführt,
wobei das Publikum dafür zahlt (Kleiner Handel - wie heute mit den Autorenrechten). Es
gibt eine große Sammlung der meistersängerischen Lieddichtung in der Colmarer
Liederhandschrift von 1450.

61. Sammelhandschriften
Handschriften, in denen unterschiedlichen Texte – Werke verschiedener Autoren oder
literarischer Gattungen und Textsorten – zu einem Codex vereinigt sind. Vor allem kürzere
Texte wie 
Minnereden, Schwänke, Lieder, Predigten usw. sind fast immer in Sammelhandschriften
überliefert.
Sammelhandschrifen können thematische Schwerpunkte haben, so gibt es geistliche,
medizinische, juristische oder weltlich-literarische Sammelhandschriften. Codizes mit dem

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Schwerpunkt auf lyrischen Texten heißen auch  Liederhandschrift, Liederbuch 
oder Canzoniere. Beispiel: Codex Manesse.

62. Didaktisches Schrifttum


Während die Dichtung im 14. Jh. zersetzt wurde, gewann das didaktische Schrifttum
(Spruch- und Lehrgedicht) im Zuge der Rationalisierung an Bedeutung.
Im 16. Jhd. erschien in Verbindung mit der Reformation eine Fülle konventionell
ausgerichteten Lehrschrifttums, die jedoch die neuen Anschauungen auch in Epik, Lyrik und
Drama eindrangen. Lehrschrifttum (lat und dt) setzt Kenntnis und Wissen um die
vorausgehende deutsche, antike und zeitgenössische humanistische Produktion der
Gattungen voraus. Das lehrhafte Schrifttum diente dazu, auf die Menschen einzuwirken.
Man sammelte Sprichwörter, Reden, Gedichte, etc, kommentierte sie und gab sie in Druck.
Bevorzugte Themen waren Verhältnis zur Ehe, Obrigkeit, Stände, Laster. Sie dienten zur
moralischen Besserung des Menschen als Erziehungsmittel.
Die didaktische Literatur ist trotz der auch für sie damals üblichen metrischen Form oft nicht
zur Dichtung zu rechnen. Auch belehrende Literatur, Geschichtsschreibung,
Bibelübersetzungen verwandte bis ins 15. Jh. hinein neben der allmählich
aufkommenden Prosa den Vers, der bis zur Mitte des 14. Jh. für die literarische Darbietung
gültig gewesen war.

63. Colmarer Liederhandschrift


Die Kolmarer Liederhandschrift, um 1460 im Rheinfränkischen geschrieben, versammelt
umfangreich "meisterliche Lieddichtung" - Sprüche und Lieder in der Tradition der
Sangspruchdichter des 12., 13. und frühen 14. Jahrhunderts (etwa 950 Liedertexte auf 107
Melodien). Sie ist der wichtigste Zeuge für die Phase des Übergangs zwischen dieser älteren
Liedkunst und dem städt. Meistergesang des späten 15. und 16. Jahrhunderts.

 64. Der Prager Hof im 14. Jahrhundert


Der Prager Hof und der Hof des Kaiser Karls IV bilden die damaligen literarische Zentren.
Karl war richtweisend für die Gründung der ersten deutschen Universität in Prag 1348. Vom
Prager Kulturkreis am Hof und der Uni von Karl gehen zwei Bewegungen aus: das breitere
Durchdringen der deutschen Sprache an Stelle des Lateinischen und eine freiere, von Laien
getragene Frömmigkeit, die das religiöse Leben erneuern will.  Die Universität Prag war
nach dem Vorbild der Pariser Universität gegliedert und lehrte in den vier klassischen
Fakultäten.

65. Märendichtung
Ein Märe ist eine deutschsprachige schwankhafte oder belehrende kurze Verserzählung. Die
Gattung entstand im 13. Jhd. und hatte ihre Blütezeit im Spätmittelalter. Wie
einer Fabel geht dem Märe oft ein Promythion (vorangestellter Lehrsatz) voraus, oder es
folgt ein Epimythion (nachgestellter Lehrsatz), also eine kurze moralisierende Auslegung der
Geschichte. Doch manchmal enthält sie baren Unsinn.
In der Regel sind die Texte jedoch anonym überliefert. Nicht selten gibt es mehrere
Varianten derselben Verserzählung („Schneekind A“, „Schneekind B“). Viele Mären erhielten
ihren Titel erst durch den Literaturwissenschaftler Hanns Fischer. Fischer unterscheidet
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aufgrund ihrer Inhalte drei  Grundtypen: schwankhafte Mären, höfisch-galante Mären und
moralisch-exemplarische Mären.
Vier großen Märendichters des MA: Hans Rosenplüt, Der Stricker, Heinrich
Kaufringer und Hans Folz. Ein bekannter Märenautor ist auch Konrad von Würzburg 
(„Herzmäre", "Heinrich von Kempten").

66. Rolandslied
Das Rolandslied  (zwischen 1075 und 1110 entstanden) ist
ein altfranzösisches Versepos über das heldenhafte Ende Rolands. Es umfasst
4002 assonierende zehnsilbige Verse in 291 Strophen (sog. Laissen) und ist eines der
ältesten Werke der Gattung Chansons de geste. Das Rolandslied wurde verfasst von einem
sonst nicht weiter bekannten Turoldus.
Das Rolandslied umfasst zwei größere Teile: in den ersten drei Fünfteln ist eindeutig Roland
der Protagonist, in den letzten zwei eher Karl der Große.
Roland begleitet seinen Onkel Karl den Großen auf einem Feldzug in
das maurische Spanien, wo sein Stiefvater Ganelon versucht ihn mittels einer Falle an den
verfeindeten König von Saragossa Marsilius auszuliefern. Roland verliert alle seine Krieger,
sein Onkel Karl vernichtet aber den sarazenischen 
Gegner, als Roland sich endlich entschließen kann diesen mit dem Signalhorn Olifant um
Hilfe zu rufen. Ganelon wird nach einigem Hin und Her vor Gericht gestellt und verurteilt.

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