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Gotthold Ephraim Lessing (* 22. Januar 1729 in Kamenz, Markgraftum Oberlausitz; † 15.

Februar 1781 in Braunschweig) war ein bedeutender Dichter der deutschen Aufklärung. Mit


seinen Dramen und seinen theoretischen Schriften, die vor allem demToleranzgedanken verpflichtet
sind, hat dieser Aufklärer der weiteren Entwicklung des Theaters einen wesentlichen Weg gewiesen
und die öffentliche Wirkung von Literatur nachhaltig beeinflusst. Lessing ist der erste deutsche
Dramatiker, dessen Werk bis heute ununterbrochen in den Theatern aufgeführt wird.

Biografie
Als Kind streng gläubiger Eltern kam Gotthold Ephraim Lessing am 22. Januar
1729 in Kamenz inmitten der literarischen Aufklärungzur Welt. Lessing erhielt
Hausunterricht, besuchte dann die Schule und das Sächsische Landesgymnasium
in Meißen. Der vom Vater bestimmte Lebensweg sah danach ein
Theologiestudium vor, was Lessing auch begann, aber später in die Medizin
wechselte. In jenen Jahren (1752 – 1758) machte der junge Lessing die
Bekanntschaft vieler namhafter Philosophen, Literaten und Wissenschaftler.
Ab 1770 war Lessing als Bibliothekar in Wolfenbüttel tätig und konnte sich
unzählige Werke aneignen. Außerdem heiratete Lessing 1776 und wurde ein Jahr
später Vater.

Lessing verfasste seine Werke nicht während einzelner Schaffensperioden,


sondern vielmehr über sein gesamtes Leben verteilt. Dabei zeigte er sich den
neuen Ideen der Aufklärung gegenüber sehr offen. Neben Fabeln (1759 – 1772)
und Gedichten (1751 – 1771) verfasste er vor allem zahlreiche Dramen (»Emilia
Galotti«, »Minna von Barnhelm«, »Nathan der Weise«). Zu seinen bedeutenden
anderen Werken zählen Schriften philosophischer Natur (»Die Erziehung des
Menschengeschlechts«, »Die Religion Christi«) sowie immer wieder fiktive Briefe
(»Das Theater des Herrn Diderot«, »Briefe, die neueste Literatur betreffend«).

Inhaltsangabe
Gotthold Ephraim Lessings Drama »Emilia Galotti« aus dem Jahr 1772 handelt
von dem Prinzen Hettore Gonzaga, seiner besessenen Liebe zu dem bürgerlichen
Mädchen Emilia Galotti und seinem Plan, das Mädchen für sich zu gewinnen.
Das Trauerspiel spielt in einem kleinen Fürstentum in Italien im 18.
Jahrhundert.

Hettore Gonzaga, der Prinz von Guastalla, sitzt an seinem Arbeitstisch und
studiert die Bittschriften und Klagen seines Volkes, als sein Maler Conti den
Raum betritt. Er trägt zwei Gemälde bei sich, eines von der Gräfin Orsina, der
bisherigen Geliebten des Prinzen, und eines von der bürgerlichen Emilia Galotti,
in welche sich der Prinz jüngst verliebte. Der Prinz betrachtet das Gemälde seiner
Geliebten und stellt fest, dass er sie nicht mehr schön und anziehend findet. Als
er jedoch das Bildnis der Emilia sieht, ist er von ihrer Schönheit entzückt.

Der Prinz kauft Conti das Gemälde ab und beschließt im Geheimen, jeden Preis
zu zahlen, um das Mädchen zu besitzen. Hettore gesteht seinem Diener Marinelli
seine Gefühle für Emilia und erfährt, dass diese heute den Grafen Appiani
heiraten soll. Marinelli verspricht dem Prinzen, die Hochzeit zu verhindern. Er
schlägt dem Prinzen vor, seine Macht zu gebrauchen. Er soll Graf Appiani von
Emilia weglocken, indem er ihn als Gesandten in die Stadt Massa schickt. Der
Prinz selbst solle sich auf sein Lustschloss in Dosalo begeben.

Doch der Prinz versucht zunächst allein, Emilia für sich zu gewinnen, indem er
sie in der Kirche aufsucht. Emilia jedoch ist von dem Prinzen verunsichert und
kehrt schnell nach Hause zurück. Während Appiani und Emilia sowie ihre Eltern,
Claudia und Odoardo, sich auf die Hochzeit vorbereiten, taucht Marinelli auf. Er
schmeichelt dem Grafen und teilt ihm anschließend mit, dass der Prinz ihn nach
Massa schicke und er sofort aufbrechen müsse. Aber Appiani wird wütend und
widersetzt sich dem Wunsch des Prinzen. Er reist nicht nach Massa, sondern
bleibt bei seiner Geliebten Emilia.

Marinelli teilt dem Prinzen mit, der Plan sei fehlgeschlagen. Der Prinz ist wütend
und enttäuscht. Marinelli erklärt ihm gleichwohl, dass er schon für einen zweiten
Plan gesorgt habe. Der Prinz werde auf jeden Fall Emilia erlangen.

Zeitgleich wird die Hochzeitskutsche von Emilia und dem Grafen Appiani
überfallen. Dabei wird Appiani getötet und Emilia auf das Schloss gebracht.
Emilia ist aufgebracht und in Sorge um ihre Mutter sowie den Grafen möchte sie
sich auf die Suche nach diesen begeben. Der Prinz beruhigt Emilia und
schmeichelt sich bei Emilia ein. Als Emilias Mutter am Schloss eintrifft, wird
bekannt, dass der Graf tot ist. Der Prinz hat Angst, dass der Mord auf ihn
zurückfällt, dennoch lässt er sich nichts anmerken.

Auch die Gräfin Orsina ist mittlerweile auf dem Schloss eingetroffen und möchte
den Prinzen sehen. Dieser aber beachtet sie nicht und möchte sie auch nicht
sehen. Er schickt Marinelli anstelle seiner. Die Gräfin erfährt, dass Emilia und
ihre Mutter beim Prinzen sind.  Orsina bezeichnet den Prinzen als Mörder. Sie
weiß, dass der Prinz in Emilia verliebt ist und möchte ihn am nächsten Tag
öffentlich auf dem Markt als Mörder bloßstellen.

In der Zwischenzeit trifft Emilias Vater auf dem Schloss ein und erfährt von
Orsina die Neuigkeiten. Auch hört er von Emilias zu erwartendem Schicksal,
sollte der Prinz sie zu seiner Geliebten machen. Orsina übergibt Odoardo einen
Dolch. Odoardo schickt seine Frau mit Orsina in die Stadt und bleibt mit Emilia
zurück.

Odoardo will Rache an dem Prinzen und überlegt, Emilia in ein Kloster zu
bringen.  Der Prinz und Marinelli wollen dies verhindern. Marinelli gibt vor,
Appianis Freund zu sein. Angeblich steckten weder der Prinz, noch irgendwelche
Räuber hinter dem Tod Appianis. Vielmehr trage ein Nebenbuhler die Schuld.
Hettore und sein Diener erzählen Odoardo, Emilia solle zur Vernehmung in die
Stadt gebracht werden.

Odoardo willigt unter der Bedingung ein, dass er seine Tochter noch einmal
sehen darf. Er berichtet Emilia alle Details. Diese will sich sofort mit dem Dolch
erstechen, doch ihr Vater hindert sie daran. Emilia bedrängt ihren Vater und
schließlich ersticht Odoardo seine Tochter.

Der Prinz und Marinelli sind über Emilias Tod entsetzt. Odoardo sagt, beide
trügen die Schuld an Emilias Tode. Der Prinz weist jede Schuld von sich und
wälzt sie auf Marinelli ab, vergleicht diesen mit dem Teufel und verbannt ihn aus
der Stadt.

Das Drama »Emilia Galotti« veranschaulicht die Machtverhältnisse zwischen


Adel und Bürgertum zur Zeit Lessings. Das Trauerspiel aus der Epoche der
Aufklärung zeigt auf, welche Gewalt der Adel über das einfache Volk hatte, und
wie sehr Adeligen mitunter ihre Macht ausnutzen, um die eigenen Interessen
durchzusetzen. Emilia Galotti gilt als Beispiel des bürgerlichen Trauerspiels, das
die traditionelle Ständeklausel der Tragödie überwindet.

Kurze Zusammenfassung
Das Trauerspiel hat fünf Aufzüge.

Der Prinz von Guastalla hat Emilia Galotti gesehen und begehrt
sie leidenschaftlich. Um sie zu gewinnen, muss er seine Mätresse Gräfin Orsina
verabschieden und Emilias Heirat mit dem Grafen Appiani verhindern. Der
Kammerherr Marinelli lässt den Grafen überfallen, umbringen und Emilia auf
das Lustschloss des Prinzen bringen. Die Orsina erkennt die Hintergründe der
Ereignisse und klärt Emilias Vater Odoardo auf. Emilia spürt, dass sie der
Verführung durch den Prinzen weder entgehen noch widerstehen kann; sie will
sich töten. Das übernimmt ihr Vater, der sich danach der himmlischen und der
irdischen Gerechtigkeit stellt. Der Prinz verbannt Marinelli.

Das historische Vorbild war Virginia aus der literarischen Vorlage des Titus
Livius (59 v. Chr. bis 17 n. Chr.).

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Emilia Galotti«.

Zeitgeschichtliche Einordnung
Gotthold Ephraim Lessing lebte von 1729 bis 1781, zeitweise als freier Schriftsteller
in Sachsen, Berlin, Breslau, Hamburg und zuletzt als Bibliothekar in
Wolfenbüttel.
Lessing ist der wichtigste Vertreter der deutschen Aufklärung, die er dem
Einfluss des französischen Klassizismus entzog. Er lernte die deutsche
Kleinstaaterei ausgiebig kennen und verurteilte sie samt der absolutistischen
Herrschaftsform.

Mit dem bürgerlichen Trauerspiel »Emilia Galotti« setzte Lessing neue Maßstäbe
für das Drama, überwand die poetischen Prinzipien Gottscheds und schuf ein
politisches Stück mit sozialen Konturen.
Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Emilia Galotti«.

Aufbau des Dramas


Lessings bürgerliches Trauerspiel folgt der aristotelischen Dramaturgie, bringt
Züge der klassizistischen französischen Tragödie und Merkmale des englischen
bürgerlichen Trauerspiels zusammen.

Es variiert die drei Einheiten (Einheit des Ortes, der Zeit und der Handlung)
nach modernen Erfordernissen; die Einheit der Handlung wird besonders
beachtet.

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Emilia Galotti«.

Hauptpersonen
EMILIA GALOTTI:
 Titelfigur
 die schöne, junge Frau fühlt ihre Tugend von der Leidenschaft bedroht
GRÄFIN ORSINA:
 Mätresse des Prinzen
 schön, intelligent und zu allem entschlossen
PRINZ VON GUASTALLA:
 absolutistischer Herrscher und Mäzen
 verantwortungsbewusst und verantwortungslos, liebenswert und rücksichtslos
gleichermaßen
 getrieben von seiner Begierde
ODOARDO GALOTTI:
 autoritärer, soldatischer Pflichtmensch
 arm, ehrlich und bieder
 Tugend und Moralauffassungen bürgerlicher Prägung
MARINELLI:
 verbrecherischer und intriganter Hofmann
 skrupelloser Politiker
GRAF APPIANI:
 ländlich, sittlich, tolerant
 Repräsentant des »Natürlichen« und des aufgeklärten Adels mit Neigung zu
bürgerlicher Toleranz
CLAUDIA GALOTTI:
 lebenserfahrene, aber leichtgläubige, um die Sitten bei Hof wissende Ehefrau
Odoardos
 ohne dessen rigorose Moralität
 auf Emilias gesellschaftliche Stellung bedacht
CONTI:
 Maler
 Beispiel für das Mäzenatentum des Prinzen
 kümmert sich um seine Existenz
Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Emilia Galotti«.

Stil und Sprache


Die klare und präzise Sprache ist auf die vollkommene Wirkung des einzelnen
Wortes bedacht.

Es wird mit nichtsprachlichen Bestandteilen gearbeitet, auch mit Satzzeichen, die


zur akustischen Strukturierung des Textes beitragen.

Eine besondere Rolle spielt das »Scharnier«, durch das Wörter und Sätze
miteinander verzahnt werden.

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Emilia Galotti«.

Interpretationsansätze
Die Ablösung der feudalistischen Macht durch das Bürgertum wirkt sich auf die
menschlichen Gefühle und Leidenschaften aus. Obwohl unter Adligen spielend,
werden bürgerliche Ziele behandelt: Natürlichkeit, Freiheit und
Selbstverwirklichung.

Der historische Stoff der Virginia bildet die Grundlage eines Stücks aus naher
Vergangenheit, das sich spezifisch deutscher Probleme annimmt, wie z. B.: der
fehlende Aufstand nach dem Tod Emilias, die Grenzen der Handlungsfähigkeit
der Figuren sowie die Vernichtung bürgerlichen Denkens durch absolutistische
Macht.

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Emilia Galotti«.

Rezeptionsgeschichte
Viele Zeitgenossen begrüßten das Stück und versuchten sogar, es fortzusetzen;
andere hatten Vorbehalte gegen Emilias Schicksal und die italienische
Einkleidung.
Nach der Französischen Revolution von 1789 veränderte sich die Wirkung, denn
man sah die deutschen Zustände nun unter dem Aspekt der Absicht Lessings und
verglich sie mit den gesellschaftlichen Ergebnissen in Deutschland.

Das Stück wirkt bis heute, steht aber im Schatten anderer Stücke Lessings.

Nathan der Weise


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Inhaltsverzeichnis
1. Inhaltsangabe
2. Szenenübersicht
3. Kurzfassung des Inhalts
4. Gotthold Ephraim Lessing
5. Entstehung und Quellen
6. Hauptpersonen
7. Stil und Sprache
8. Interpretationsansätze
Inhaltsangabe
Das Drama »Nathan der Weise« von Gotthold Ephraim Lessing wurde 1783 in
Berlin uraufgeführt. Es spielt zur Zeit des Dritten Kreuzzuges (1189 – 1192)
während eines Waffenstillstandes in Jerusalem. Protagonist ist der jüdische
Kaufmann Nathan, der für Humanität, Toleranz und Religionsfreiheit steht und
damit dem Menschenbild der Aufklärung entspricht. Im Stück gelingt ihm die
Versöhnung der drei monotheistischen Weltreligionen.

Nathan, ein reicher jüdischer Kaufmann, kommt von einer langen Geschäftsreise
zurück. Er erfährt, dass es in seiner Abwesenheit zu einem Brand in seinem Haus
gekommen sei. Seine Tochter Recha wurde von einem christlichen Tempelherrn
gerettet. Nathan hört außerdem, dass jener Ordensritter sein Leben dem Sultan
verdanke. Der habe ihn als einzigen von zwanzig gefangenen Tempelherren
begnadigt, weil er dem verschollenen Bruder des Sultans, Assad, ähnlich sieht.

Nathan möchte sich bei dem Tempelherrn für die Rettung seiner Tochter
bedanken. Er schickt Daja, die christliche Erzieherin seiner Tochter, mit einer
Einladung zu ihm. Der Tempelherr lehnt ab, da er mit Juden nicht verkehren
will. Doch Nathan gibt nicht auf und fängt den Ordensritter auf der Straße ab.
Dieser verhält sich Nathan gegenüber zunächst sehr abweisend, lässt sich dann
aber zunehmend von seiner toleranten Art einnehmen.
Unterdessen denkt Sultan Saladin darüber nach, wie er Frieden zwischen den
Christen und Muslimen schaffen könnte. Er weiß, dass seine Kassen leer sind und
er seinen Gegnern nicht viel anzubieten hat, damit diese in den Frieden
einwilligen. Auf der Suche nach einem Kreditgeber lässt er Nathan rufen. Dieser
ist erstaunt, als der Sultan ihm plötzlich die Frage stellt, welche Religion er für
die »wahre« halte. Nathan wittert eine Falle; er weiß, dass eine falsche Antwort
ihn seinen Kopf kosten könnte. Deshalb greift er auf eine alte Geschichte, die
»Ringparabel«, zurück.

In dieser Geschichte geht es um eine Familie, in deren Tradition ein besonderer


Ring von Generation zu Generation an den liebsten Sohn weiter vererbt wird. Ein
Vater jedoch, der drei Söhne hat und alle gleichermaßen liebt, kann sich nicht
entscheiden, an welchen der Söhne er den Ring vererbt. Deshalb beschließt er,
von dem Ring Duplikate anzufertigen. Dann verteilt er die identischen Ringe an
die Söhne. Nach dem Tod des Vaters kommt es zu einem Streit zwischen den
Brüdern, welcher der echte Ring sei. Der angerufene Richter weigert sich ein
Urteil zu sprechen. Er sagt vielmehr, jeder solle seinen Ring als den »wahren«
ansehen, denn alle spiegeln die Liebe des Vaters wider. So sei es auch mit den
Religionen.

Der Sultan ist beeindruckt von der Geschichte und bietet Nathan seine
Freundschaft an. Zur selben Zeit besucht der Tempelherr Nathans Haus, wo er
nur Recha und Daja antrifft. Als dem jungen Mann bewusst wird, dass er sich in
Recha verliebt, zieht er sich zunächst zurück.

Schließlich kann der Tempelherr seine Liebe nicht länger unterdrücken.


Ungeachtet ihrer unterschiedlichen Religionen hält er um Rechas Hand an.
Nathan erkundigt sich daraufhin bei einem Klosterbruder nach der Herkunft des
Tempelherrn. Heimlich trifft sich in der Zwischenzeit Daja mit dem Ordensritter.
Sie verrät ihm, dass Recha nicht die leibliche Tochter Nathans sei, sondern
dessen Pflegetochter und zudem christlicher Herkunft.

Im Palast des Sultans kommt es zu einer Begegnung zwischen dem Tempelherrn


und Nathan. Dabei stellt sich heraus, dass der Ordensritter und Recha Bruder
und Schwester sind. Sultan Saladin findet dies in einem Abstammungsbuch
bestätigt, das Nathan von einem Klosterbruder erhalten hat. Erstaunt stellt
Saladin fest, dass es sich bei dem leiblichen Vater von Recha und dem
Tempelherrn um seinen verschollenen Bruder Assad handelt.

Der christliche Ordensritter und die Pflegetochter eines jüdischen Kaufmanns


sind also Neffe und Nichte eines muslimischen Sultans. Somit gehören alle drei
Weltreligionen ein und derselben Familie an.
Das Drama »Nathan der Weise« veranschaulicht den Konflikt, in dem Judentum,
Christentum und Islam zueinander stehen, und der bis in die heutige Zeit reicht.
Anhand der Figur des Nathan zeigt Lessing auf, dass Humanität und Toleranz
Gräben überwinden und friedvolles Miteinander möglich machen können. Vor
allem die Ringparabel sowie das Ende des Dramas zeigen dies deutlich: Alle drei
Weltreligionen sind in einer Familie vertreten und somit unzertrennlich
miteinander verbunden. Jede Religion hat ihre Existenzberechtigung und keine
ist den anderen überlegen.

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Szenenübersicht
NATHAN DER WEISE – I. AUFZUG –
EXPOSITION

Rückkehr Nathans in sein Haus in Jerusalem.


Rettung Rechas beim Brand des Hauses durch
Tempelherrn.
1 Recha nimmt Tempelherrn als rettenden Engel wahr.

Gespräch über Wunderglauben.


2 Nathan tritt als Lehrer und Erzieher auf.

Gespräch zwischen Nathan und Al Hafi.


Al-Hafi (Derwisch und nun auch Schatzmeister des Sultans
3 Saladin) bittet Nathan um einen Kredit für den Sultan.

4 Recha hat den Tempelherrn wiedergesehen.

Gespräch zwischen dem Tempelherrn und dem


Klosterbruder.
Der Tempelherr soll Saladin ermorden, so der durch den
5 Klosterbruder übermittelte Auftrag des Patriarchen.

Der Tempelherr lehnt die Einladung Dajas in das Haus


Nathans ab.
6 Er will mit einem Juden nichts zu tun haben.

NATHAN DER WEISE – II. AUFZUG


– ENTWICKLUNG

Schachspiel und Gespräch zwischen Saladin und Sittah.


1 Politische Ziele des Sultans.

2 Finanzielle Probleme des Sultans. Al-Hafi, Saladin und


Sittah diskutieren über Nathan als potenziellen Geldgeber.

3 Sittahs Plan bei Nathan Geld zu borgen.

4 Recha wartet auf den Tempelherrn.

Gespräch zwischen Nathan und dem Tempelherrn über


Pflichtbewusstsein, die drei großen Religionen und
Intoleranz.
5 Die beiden schließen Freundschaft.

6 Nathan wird zu Saladin eingeladen.

Nathan fühlt sich Saladin zum Dank verpflichtet (der


Sultan begnadigte den Tempelherrn, dieser rettete Recha).
Nathan erfährt den Namen des Tempelherrn (Curd von
7 Stauffen).

Nathan bittet Daja, Recha auf den Besuch des Tempelherrn


8 vorzubereiten.

Al-Hafi hat das Amt des Schatzmeisters aufgegeben. 


Er verabschiedet sich von Nathan.
Gespräch über die Freigiebigkeit des Sultans sowie über
9 das Leben als Mönch.

NATHAN DER WEISE – III. AUFZUG


– PERIPETIE

Recha und Daja warten auf den Tempelherrn.


1 Gespräch über Wunderglauben und Vernunft.

Aufeinandertreffen von Recha und dem Tempelherrn.


2 Der Tempelherr bricht unerwartet auf.

Recha denkt über die Begegnung mit dem Tempelherrn


3 nach.

Der Sultan und Sittah erwarten Nathan.


4 Sittah überredet Saladin, Nathan eine Falle zu stellen.

5 Saladin fragt Nathan nach der wahren Religion.

6 Nathan denkt über die richtige Antwort auf die Frage nach.

7 Nathan erzählt Saladin die Ringparabel.


8 Der Tempelherr gesteht sich seine Liebe zu Recha ein.

Der Tempelherr offenbart Nathan seine Gefühle gegenüber


Recha. Nathan ist zurückhaltend und wünscht
9 Informationen über die Familie des Tempelherrn.

1 Gespräch zwischen Daja und dem Tempelherrn über


0 dessen Heiratswunsch und Rechas christliche Herkunft.

NATHAN DER WEISE – IV. AUFZUG –


RETARDATION

Gespräch zwischen dem Klosterbruder und dem


1 Tempelherrn.

Der Tempelherr und der Patriarch diskutieren, ob ein Jude


ein christliches Mädchen erziehen dürfe. Der Patriarch
fordert die Todesstrafe für solch ein Verhalten, da der Jude
2 das Mädchen zum Abfall vom Glauben geführt habe.

Die Anleihe Nathans trift ein.


3 Saladin und Sittah erinnern sich ihres Bruders Assad.

Der Tempelherr beklagt sich, dass Nathan ihm die Hand


Rechas verweigere.
4 Der Sultan will sich für den Tempelherrn einsetzen.

Sittah und Saladin mutmaßen angesichts der


Ähnlichkeiten, dass der Tempelherr ein Sohn ihres Bruders
Assad sein könnte.
5 Recha soll in den Palast geholt werden.

Daja bittet Nathan, die Heirat zwischen dem Tempelherrn


6 und Recha zu ermöglichen.

Der Klosterbruder kommt zu Nathan.


7 Die Herkunft Rechas wird geklärt.

Daja berichtet Nathan von Sittahs Wunsch, Recha am Hofe


des Sultans zu sehen.
8 Daja will Recha über ihre Herkunft informieren.

NATHAN DER WEISE – V. AUFZUG –


LÖSUNG

1 Die Geldnot Saladins wird beendet.


Saladin lässt sich vom Krieg im Libanon berichten und
2 schickt Geld dorthin.

Der Tempelherr wartet vor Nathans Haus.


Er fürchtet, dem Patriarchen zu viel anvertraut und Nathan
3 dadurch in Gefahr gebracht zu haben.

Der Klosterbruder überbringt Nathan das Buch von Rechas


4 Vater, das die Verwandtschaftsverhältnisse aufklären soll.

Gespräch zwischen dem Tempelherrn und Nathan.


Geständnis des Tempelherrn, Rechas Herkunft zu kennen
sowie mit dem Patriarchen gesprochen zu haben.
5 Erneute Bitte des Tempelherrn, Recha heiraten zu dürfen.

Gespräch zwischen Recha und Sittah.


6 Recha hat von Daja ihre wahre Herkunft erfahren.

Recha befürchtet, ihren Vater zu verlieren; Saladin


7 versucht, sie zu beruhigen.

Alle Hauptpersonen sind versammelt.


Nathan legt die verwandtschaftlichen Beziehungen offen.
Der Tempelherr ist in Wahrheit der Bruder Rechas.
Beide sind Kinder von Assad, dem Bruder von Saladin und
Sittah.
8 Alle umarmen sich.

Kurzfassung des Inhalts


In dem Drama »Nathan der Weise« fasst Lessing in einer Art von »dramatischem
Testament« alle Axiome seines aufklärerischen Weltbildes zusammen. Der Jude
Nathan nimmt die Christin Recha bei sich auf und erzieht sie. Ein junger
Tempelherr rettet sie viele Jahre später aus dem brennenden Haus und verliebt
sich in sie. Die Aufdeckung der Verwandtschaftsverhältnisse (Recha und ihr
Retter sind Geschwister) verhindert eine Heirat; gleichwohl endet das Stück
versöhnlich und harmonisch. Die Humanität, die Nathan in seinem Handeln
unter Beweis stellt, dient als Anknüpfungspunkt für die Auseinandersetzung mit
den thematischen Schwerpunkten »Toleranz« und »Humanität«, um deretwillen
Lessing das Stück geschrieben hat.

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Nathan der Weise«.

Gotthold Ephraim Lessing


 Lessing lebte von 1729 bis 1781. Wichtige Schauplätze seines vielfältigen
Wirkens waren die Städte Berlin, Hamburg, Leipzig und Wolfenbüttel.
 Die Zeit war philosophisch geprägt durch die Epoche der Aufklärung, politisch
herrschte das absolutistische System vor.
 Der »Nathan« wurde 1779 fertiggestellt; im Drama lassen sich zahlreiche
Parallelen zu anderen Werken Lessings nachweisen.
Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Nathan der Weise«.

Entstehung und Quellen


Die Absicht, die Religionen in einem Drama miteinander zu vergleichen, hat
Lessing bereits zwischen 1748 und 1751 entwickelt. Auslöser für die Abfassung
des Dramas waren der Fragmenten-Streit, das Zensuredikt, aber auch
biografische Bezüge.

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Nathan der Weise«.

Hauptpersonen
Nathan:
 reicher Kaufmann und Menschenfreund
 Glaube an Humanität und Toleranz
Saladin:
 humane Grundeinstellung
 widersprüchliches Charakterbild
Tempelherr:
 religiös bedingte Vorurteile
 Bekenntnis zu Humanität und Toleranz
Patriarch:
 machtbewusster und autoritärer Kirchenpolitiker
Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Nathan der Weise«.

Stil und Sprache


Stil und Sprache werden durch den Blankvers geprägt. Die geringe Zahl an
Regieanweisungen zeigt, wie stark das gesprochene Wort im Vordergrund steht.
Alle Figuren weisen die gleiche Sprachkompetenz auf. Die Wortwahl ist durch
zahlreiche Begriffe aus der Theologie bestimmt. Der Schauplatz der Handlung,
Jerusalem, wird durch Hinweise auf Geografie und Lebensformen Kleinasiens
während der Zeit der Kreuzzüge lebendig gemacht.

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Nathan der Weise«.

Interpretationsansätze
Zwei Interpretationsansätze bieten sich an:

 Der »Nathan« ist ein aufklärerisches Werk.


 Der »Nathan« ist ein idealistisches Werk, das zu einer Kritik an den Prinzipien der
Aufklärung herausfordert.
Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Nathan der Weise«

Quelle: Nathan der Weise - Gotthold Ephraim Lessing - Inhaltsangabe


https://www.inhaltsangabe.de/lessing/nathan-der-weise/

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