Sie sind auf Seite 1von 19

E. T. A.

Hoffmann
Biografie
Der am 24. Januar 1776 in Königsberg geborene Ernst Theodor Wilhelm
Hoffmann war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten seiner Zeit und wegen
seiner vielseitigen Interessen in Malerei, Musik und Literatur eine treibende
Kraft derRomantik.
Der studierte Jurist war von der Aufbruchstimmung zu Beginn des 19.
Jahrhunderts begeistert und verfasste davon inspiriert seine ersten Stücke, die
allerdings nie verlegt wurden. Seine künstlerischen (zunächst musikalischen)
Neigungen lebte Hoffmann wegen seiner Anstellung bei verschiedenen Gerichten
in Posen (Poznań), Plock (Płock) und Warschau nur in der Freizeit aus, wechselte
aber 1808 an das Bamberger Theater. Zuvor hatte er im Alter von 29 Jahren
seinen Vornamen Wilhelm in Amadeus abgeändert, um den 14 Jahre zuvor
verstorben Mozart zu ehren.

Mit der Arbeit an verschiedenen deutschen Bühnen rückte immer mehr die
Literatur in den Mittelpunkt. Erste Erfolge stellten sich 1815 mit der
Geschichten-Sammlung »Fantasiestücke in Callots Manier« (»Ritter
Gluck«, »Der goldene Topf«) ein. Auch spätere Werke bestanden oft aus einer
Sammlung von Erzählungen, so beispielsweise die 1817 veröffentlichten
»Nachtstücke« (»Der Sandmann«, »Das steinerne Herz«) oder auch »Die
Serapionsbrüder« von 1821 (»Das Fräulein von Scuderi«, »Zacharias Werner«).
Sein bekanntestes Werk ist der Roman »Die Elixiere des Teufels« von 1816.
E. T. A. Hoffmann starb am 25. Juni 1822 in Berlin und hinterließ über 50
Romane und Erzählungen, ein Dutzend Bühnenstücke sowie knapp 20
Instrumental- und Gesangswerke.

Quelle: E. T. A. Hoffmann - Biografie und Inhaltsangaben


https://www.inhaltsangabe.de/autoren/hoffmann/

Der goldne Topf


Anzeige: »Der goldne Topf« jetzt bei Amazon bestellen
Inhaltsangabe
Bis heute gilt die Novelle »Der goldne Topf« von E. T. A. Hoffmann als eines der
bedeutendsten Werke des Vertreters der Romantik. Die Veröffentlichung der
Novelle ist auf das Jahr 1814 datiert, allerdings erfuhr das »moderne Märchen«
fünf Jahre später eine Überarbeitung durch den Autor. Zu den Besonderheiten
der Novelle gehören die sehr unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten
oder auch die Gliederung in 12 sogenannte »Vigilien« (Vigil = Nachtwache bzw.
Nachtgebet). Den zeitlichen Rahmen der Märchen-Novelle bildet das Dresden zu
Zeiten des Autors, also im frühen 19. Jahrhundert.
VIGIL EINS
Aus Versehen kommt es vor dem Schwarzen Tor in Dresden zu einem kleinen
Unfall, als der Student Anselmus über die Waren einer alten Marktfrau stolpert.
Wütend über die Beschädigungen ihrer knappen Lebensmittel ruft sie dem
flüchtenden Anselmus die Worte »Ja renne – renne nur zu, Satanskind – ins
Kristall bald dein Fall – ins Kristall!« hinterher. Anselmus hat den Vorfall schnell
vergessen. Er sucht sich am Elbufer unter einem Holunderbaum ein ruhiges
Plätzchen und sinniert über sein bisheriges Leben, das vorwiegend von
Missgeschicken und Träumereien geprägt war. Als er plötzlich seltsame Stimmen
zu hören glaubt, schaut er hinauf in die Baumkrone und entdeckt dort drei
Schlangen. Der Student fühlt sich von dem Phänomen seltsam angezogen und
starrt die Schlangen viele Stunden an, bis diese – es dämmert bereits – wieder
verschwunden sind.

VIGIL ZWEI
Das Zwiegespräch des Studenten unter dem Holunderbaum wird von Passanten
zufällig beobachtet. Auf der Flucht vor dieser peinlichen Situation begegnet
Anselmus seinem Freund, dem Konrektor Paulmann, der – gemeinsam mit
seinen beiden Töchtern und dem Registrator Heerbrand – ebenfalls am Elbufer
flaniert. Bei einer anschließenden Bootsfahrt der Fünf bringt Anselmus vor
Aufregung das Boot beinahe zum Kentern, weil er glaubt, im Elbwasser erneut
die drei Schlangen gesehen zu haben. Kurz darauf ist Anselmus bei seinem
Freund Paulmann eingeladen, wo man ihm eine Stelle bei Archivar Lindhorst
anbietet. Anselmus sieht das Ende seiner Pechsträhne gekommen und willigt ein.
Als er am nächsten Tag vorm Haus des etwas seltsamen Lindhorst steht,
verwandelt sich die Klingelkette plötzlich in einer der Schlangen und der
Türklopfer nimmt das Gesicht der alten Marktfrau an. Anselmus fällt daraufhin
in Ohnmacht und erwacht erst wieder im Haus seines Freundes Paulmann.

VIGIL DREI
Paulmann berichtet dem Studenten, dass sich die alte Marktfrau um den
Ohnmächtigen gekümmert habe. Ein abendliches Treffen zwischen Anselmus
und Lindhorst soll das »Versäumnis« des Studenten bei seinem neuen
Arbeitgeber aufklären. Der eigenwillige Lindhorst entpuppt sich dabei allerdings
als recht seltsam. Voller Überzeugung lässt er verlauten, dass er der Nachfahre
einer königlichen Feuerlilie sei, der sich vor fast 400 Jahren mit seinem Bruder
zerstritten habe. Außerdem sei sein Vater eigentlich ein Drache, der in Italien
einen Edelstein bewacht.

VIGIL VIER
Entgegen seiner festen Absicht ist Anselmus doch nicht bei Lindhorst zur Arbeit
erschienen und ist stattdessen jeden Abend am Elbufer unterwegs, um die
geheimnisvolle Schlange wiederzusehen. Als eines Abends Lindhorst auf den
Studenten trifft, schüttet Anselm dem Archivar sein Herz aus. Der seltsame
Lindhorst behauptet daraufhin, der Vater der drei Schlangen zu sein, von denen
sich eine – die Tochter Serpentina – in Anselmus verliebt habe. Das Gespräch
endet mit der Übergabe einer mysteriösen Flüssigkeit an den Studenten.

VIGIL FÜNF
Der Student ahnt nicht, dass sich auch die junge Veronika Paulmann in ihn
verliebt hat. Auf der Suche nach Antworten über ihre Zukunft besucht Veronika
eine Wahrsagerin, bei der es sich um das Marktweib vom Schwarzen Tor handelt.
Das alte Weib sagt Hilfe zu, indem sie Anselmus von Lindhorst fernhalten will.

VIGIL SECHS
Anselmus unternimmt einen zweiten Versuch, seine Arbeit bei Lindhorst
aufzunehmen. Dank der geheimen Essenz kann er das Haus diesmal problemlos
betreten, muss aber schnell feststellen, dass seine Wahrnehmung offensichtlich
dennoch beeinträchtigt ist. Er nimmt verschiedene Dinge wie Handschriften,
Räume und Lindhorst selbst auf unterschiedliche Weisen wahr. Anselmus
bemerkt im Zimmer auch einen goldenen Topf, der nach Auskunft von Lindhorst
als Mitgift anzusehen ist.

VIGIL SIEBEN
Veronika nimmt unterdessen an einem nächtlichen Hexenritual teil, um ihrer
Zukunft mit dem Studenten etwas nachzuhelfen. Es folgt eine gespenstische
Szenerie, bei der Veronika schließlich in Ohnmacht fällt und erst in ihrem
eigenen Bett wieder zu sich kommt. Verwirrung ergreift die junge Frau, weil sich
nicht sicher ist, ob das Erlebte im Wald Realität oder nur Vision war.

VIGIL ACHT
Anselmus hat sich als begabt und korrekt erwiesen und so betraut ihn Lindhorst
mit der Kopie eines besonders wertvollen und unersetzlichen Schriftstückes.
Dabei wird er von Serpentina unterbrochen, die ihm weitere Informationen
bezüglich ihres Vaters offenbart. Er sei ein Salamander, der im Garten des
Geisterfürsten Phosphorus lebte und sich dort mit einer Schlange verbündet
habe. Die Strafe dafür war eine Verbannung durch den Geisterfürsten und ein
Leben als einfacher Mensch. Erlöst werden kann der Vater angeblich nur, wenn
seine drei Töchter einen Bräutigam mit einem »kindlichen und poetischen
Gemüt« ehelichen.

VIGIL NEUN
Hin- und hergerissen zwischen der verführerischen Schlange und der lieblichen
Veronika, sucht Anselmus bei einem Spaziergang nach Antworten und findet sich
bei Familie Paulmann wieder. Beim Blick in Veronikas Metallspiegel erkennt er
seine Fantasien als solche und hält um Veronikas Hand an. Ein paar
anschließende Gläschen Punsch bringen aber die inneren Dämonen wieder
zurück, was sich in Form von seltsamen Aussagen und Erklärungen äußert.
Wieder ist Anselmus zwischen Realität und Traumwelt gefangen. Die Traumwelt
gewinnt die Oberhand, als der Student das kostbare Schriftstück beschädigt. Es
erscheinen allerlei Geister und seltsame Wesen, die ihn bestrafen wollen. Nach
einer erneuten Ohnmacht findet sich Anselmus im Inneren einer Kristallflasche
wieder und muss unweigerlich an die Drohung der alten Marktfrau denken.

VIGIL ZEHN
Gefangen in der Flasche und umgeben von anderen Leidensgenossen wird
Anselmus auch diesmal nicht klar, ob es sich um Realität, Halluzinationen oder
Fantasie handelt. Etwas später erscheint die Alte, um ihn zu befreien, damit er
seine geliebte Veronika ehelichen kann. Diese Aussicht ängstigt den Studenten
allerdings, weil er seine Gefangenschaft als Bestrafung für die Abwendung von
der »Schlange« Serpentina empfindet. Es kommt zu einem Kampf zwischen der
Hexe und Lindhorst, den Lindhorst für sich entscheiden kann. Damit kommt
Anselmus frei und kann sich wieder Serpentina zuwenden.

VIGIL ELF
Anselmus ist schon längere Zeit verschwunden und der Registrator Heerbrand
bittet Veronika, ihn zu heiraten. Da Veronika den Studenten ebenfalls nicht
finden konnte, willigt sie schließlich ein.

VIGIL ZWÖLF
In Lindhorsts Haus erscheint plötzlich eine Vision von Anselmus und berichtet,
dass er sich nun – gemeinsam mit Serpentina – im Zauberreich Atlantis befindet
und dort sehr glücklich sei. Das Stück endet mit der nüchternen Aussicht auf ein
belangloses und durchschnittliches Leben der Zurückgebliebenen.

E. T. A. Hoffmann hat in »Der goldne Topf« althergebrachte und klassische


Märchen-Elemente mit antikem Mystizismus verwoben. Dazu nutzt der
romantische Schriftsteller oft eine vergleichende Bildsprache und Gleichnisse
(beispielsweise Feuerlilie = leidenschaftliche Frau). Auch religiöse Motive finden
sich in der Novelle wieder (drei Schlangen = Dreifaltigkeit). Der Leser wird dabei
durch Dialoge in die Handlung eingebunden und befindet sich dadurch mit den
Geschehnissen auf Augenhöhe.

Quelle: Der goldne Topf - E. T. A. Hoffmann - Inhaltsangabe


https://www.inhaltsangabe.de/hoffmann/der-goldne-topf/

Ludwig Tieck
Biografie
Seine Märchen und Erzählungen machtenLudwig Tieck (1773–1853) zu einem
der bedeutendsten Dichter der Frühromantik in Deutschland. Er prägte diese
Bewegung zudem selbst als Verfasser programmatischer Texte sowie als
Übersetzer und Herausgeber.

K I N D H E I T U N D J U G E N D ( 1 7 7 3 – 1 7 9 2)
Ludwig Tieck wurde am 31. Mai 1773 als Sohn eines Seilermeisters in Berlin
geboren. Als ältestes von drei Kindern wuchs er in einem protestantischen
Elternhaus auf und besuchte bis 1792 das Friedrichwerdersche Gymnasium, wo
er Wilhelm Heinrich Wackenroder kennenlernte. Die beiden verband bis ins
Erwachsenenalter eine Freundschaft und Arbeitsgemeinschaft.

E R S T E S C H R I F T S T E L L E R I S C H E A R B E I T E N ( A B 1 7 9 4)
Nach einigen Jahren des Theologiestudiums in Göttingen, Halle und Erlangen
kehrte Tieck 1794 nach Berlin zurück, um hier als freier Schriftsteller zu leben. Er
lernte u. a. den Verleger Friedrich Nicolai kennen und brachte seine ersten
Erzählungen und Romane heraus (»Peter Lebrecht«, 1795, »William Lovell«,
1795/96, »Abdallah«, 1796).

L E I T S T E R N D E R E P O C H E D E R R O M A N T I K ( 1 7 9 8)
Mit dem 1798 veröffentlichten Künstlerroman »Franz Sternbalds
Wanderungen«, prägte Tieck den romantischen Roman entscheidend. Er
beeinflusste damit Dichter wie Novalis und Eichendorff. So wird hier zum ersten
Mal das romantische Bild des Mittelalters sichtbar, später ein charakteristisches
Motiv romantischer Literatur: ein Bild, das nicht auf historischer Recherche,
sondern auf der Sehnsucht nach einer vorindustriellen Welt und auf Überhöhung
und Verklärung beruht.

IN JENA, DEM ZENTRUM DER FRÜHROMANTIK (1799–1800)


In den Jahren 1799 bis 1800 lebte Tieck in Jena, wo er die Brüder August und
Wilhelm Schlegel kennenlernte. Deren theoretische Arbeiten beeinflussten seine
literarischen Werke. Jena war zu dieser Zeit ein Zentrum der Frühromantik. Hier
lebten ihre wichtigsten Dichter und Philosophen: die Gebrüder Schlegel, Clemens
Brentano, Novalis, Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Schelling. Mit allen
pflegte Tieck Kontakt, doch als sich der Kreis bereits zu Beginn des 19.
Jahrhunderts wieder zerschlug, kehrte er Jena den Rücken und begann eine Zeit
der Wanderschaft.
W A N D E R J A H R E ( 1 8 0 0 – 1 8 1 8)
Die folgenden Jahre führten ihn u. a. nach Dresden und Hamburg, Prag, Rom,
Berlin und England. Einziger Fixpunkt in dieser Zeit, eine Art Pol, um den Tieck
pendelte, war das Gut des Grafen Finckenstein bei Frankfurt an der Oder. Bei
diesem Gönner hielt sich Tieck zwischendurch immer wieder auf, bis der Graf im
Jahr 1818 verstarb. Tieck zog daraufhin mit seiner Familie und der Tochter des
Grafen – mit der er eine Liebesbeziehung hatte – nach Dresden.

PRODUKTIVE JAHRE IN DRESDEN (1818–1840)


1825 erhielt Tieck eine Stelle als Dramaturg am Dresdner Hoftheater. Hier
entstanden einige seiner größten Novellen, darunter »Der Alte vom Berge«
(1828) und »Des Lebens Überfluss« (1839). Überhaupt kann man die Dresdner
Jahre als die literarisch produktivsten Tiecks bezeichnen, in denen er nicht nur
bedeutende eigene Werke verfasste, sondern auch als Shakespeare-Übersetzer
und Herausgeber verschiedener Schriften Kleists tätig war.

MITBEGRÜNDER DES ORDENS »POUR LE MÉRITE«


1841 begann sein letzter Lebensabschnitt: Er ging nach Berlin, wohin ihn
Friedrich Wilhelm IV., der Monarch, der später als »Romantiker auf dem Thron«
bekannt wurde, berufen hatte. Tieck war Gründungsmitglied des neu
geschaffenen Ordens »Pour le Mérite« für Wissenschaften und Künste.

LETZTE LEBENSJAHRE IN BERLIN (1841–1853)


In Berlin verbrachte Tieck seine letzten Lebensjahre zwar als geachteter und
renommierter, dennoch aber unglücklicher Mann, denn durch den Tod
zahlreicher naher Angehöriger und durch eigene Kränklichkeit vereinsamte er
zunehmend und verließ das Haus immer seltener. Bedeutende Werke entstanden
in dieser Zeit nicht mehr.

Ludwig Tieck starb am 28. April 1853 und wurde auf dem Dreifaltigkeitskirchhof
in Berlin-Kreuzberg an der Bergmannstraße beigesetzt.

Quelle: Ludwig Tieck - Biografie und Inhaltsangaben


https://www.inhaltsangabe.de/autoren/tieck/
GABE.DE

 INHALTSANGABEN
 SCHREIBEN
 WISSEN
 Inhaltsangabe.de
 Ludwig Tieck
 Der blonde Eckbert

Suchen

Der blonde Eckbert


Anzeige: »Der blonde Eckbert« jetzt bei Amazon bestellen
Inhaltsverzeichnis
1. Inhaltsangabe
2. Interpretationsansätze
Inhaltsangabe
Ludwig Tiecks 1797 veröffentlichtes Kunstmärchen »Der blonde Eckbert« spielt
im Mittelalter im Harz. Die beiden Hauptfiguren, Ritter Eckbert und seine Frau
Bertha, werden in der Mitte ihres Lebens von einer Schuld aus der Vergangenheit
eingeholt. Sie büßen dafür mit dem Tod. In der Binnenhandlung erzählt Bertha
von dem begangenen Unrecht. Die Rahmenhandlung schildert, wie sie und ihr
Mann zur Rechenschaft gezogen werden.

RAHMENHANDLUNG
Der blonde Eckbert, ein etwa 40-jähriger Ritter, lebt friedlich und zurückgezogen
mit seiner Frau Bertha auf einer Burg im Harz. Die beiden haben selten Besuch,
nur der vertraute Freund Philipp Walther ist häufig zu Gast. Eines Abends bittet
Eckbert seine Frau, Walther ihre Lebensgeschichte zu erzählen.

BINNENHANDLUNG
Berthas Geschichte beginnt mit ihrer schweren Kindheit in einem armen
Elternhaus. Sie träumt davon, reich zu werden und ihre Eltern von ihren Sorgen
zu befreien. Mit acht Jahren läuft sie vor den Schlägen des Vaters von zu Hause
fort in den Wald. Nach einem langen Fußmarsch trifft sie eine alte Frau, die sie in
ihrer Hütte aufnimmt. Die Alte lebt mit einem Hund und einem mysteriösen
Vogel zusammen. Der schöne Vogel singt immer wieder ein Lied über die Freude
an der Einsamkeit im Wald. In der folgenden Zeit weist die Alte Bertha in ihren
Haushalt ein. Sie überlässt ihr die Verantwortung für die Hütte und die Tiere,
wenn sie länger unterwegs ist.
Bertha ist schon vier Jahre bei der Frau, als diese ihr anvertraut, dass der Vogel
jeden Tag ein Ei mit einem Edelstein legt. Bertha liest inzwischen viel und
fantasiert von einer Welt außerhalb des Waldes, von schönen Rittern und der
Liebe. Die Alte warnt das Mädchen davor, von der »rechten Bahn« abzuweichen.
Die inzwischen Vierzehnjährige versteht nicht, was die Alte meint. Sie sieht sich
in ihren Träumen als Prinzessin; die Hütte erscheint ihr auf einmal klein und
eng.

Als sie wieder einmal allein ist, bindet sie den Hund an, dessen Namen sie später
vergessen hat. Sie nimmt sich ein paar Edelsteine und läuft mit dem Vogelkäfig
davon. In ihrem Heimatdorf erfährt sie, dass ihre Eltern verstorben sind. Bertha
ist betroffen; sie hatte sich das Wiedersehen so schön ausgemalt. Sie verkauft die
Steine und mietet ein Haus in einer schönen Stadt, wo sie ihre Vergangenheit
langsam vergisst.

Nachdem er lange geschwiegen hat, singt der Vogel eines Nachts das vertraute
Lied mit einem veränderten Text: Er spricht davon, dass Bertha die
Waldeinsamkeit verlassen habe und darüber Reue empfinde. Der Gesang wird
immer lauter und durchdringender. Bertha weiß, dass sie ein Unrecht begangen
hat und fürchtet sich vor dem Vogel. Schließlich erwürgt sie ihn und begräbt
seine Leiche im Garten. Danach befällt sie eine unbestimmte Furcht vor ihrer
Haushälterin. Als Ritter Eckbert um ihre Hand anhält, nimmt sie den Antrag
gern an. Berthas Reichtum ermöglicht beiden ein gutes Leben auf der Burg.

RAHMENHANDLUNG
Walther bedankt sich für Berthas Erzählung mit der Bemerkung, er könne sie
sich gut mit dem Vogel und »dem kleinen Strohmian« vorstellen. Bertha hatte
jedoch erwähnt, dass sie sich an den Namen des Hundes nicht mehr erinnern
könne. Am anderen Morgen ist sie krank; Walther verabschiedet sich recht
gleichgültig von den Freunden.

Die Beziehung zwischen Eckbert und Walther verändert sich; ihre Begegnungen
werden oberflächlich. Eckbert ist deshalb von Unruhe erfüllt. Unterdessen
verschlimmert sich Berthas Krankheit. Sie gesteht Eckbert, dass sie innerlich
zerrüttet sei, weil Walther den Namen des Hundes kenne. Eckbert wünscht sich,
dass Walther aus seinem Leben verschwinde. Um sich zu zerstreuen, geht er zur
Jagd in den Wald. Dort sieht er Walther von fern und tötet ihn mit seiner
Armbrust. Als er zur Burg zurückkehrt, ist Bertha verstorben.

Eckbert leidet unter dem Verlust seiner Frau und macht sich Vorwürfe wegen der
Ermordung des Freundes. Er sucht Ablenkung bei gesellschaftlichen Anlässen. So
lernt er den jungen Ritter Hugo kennen, in dem er einen neuen Freund findet.
Eines Tages vertraut er ihm seine Vergangenheit und den Mord an Walther an,
woraufhin Hugo sich bald von ihm abwendet. Am selben Abend erkennt Eckbert
in Hugos Gesicht Walthers Züge und ist entsetzt.
Eckbert begibt sich auf eine Reise, doch die Erinnerung verfolgt ihn. Als er in
einer abgelegenen Gegend das Lied »Waldeinsamkeit« singen hört, kann er
Traum und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden. Eine alte Frau nähert sich
und fragt nach ihrem Vogel, den Perlen und dem Hund. Sie offenbart Eckbert,
ihm in der Gestalt von Walther und Hugo begegnet zu sein. Er erfährt von ihr
auch, dass Bertha seine Halbschwester aus einer heimlichen Liebschaft seines
Vaters war. Als Kind hatte man sie zu einer Hirtenfamilie gegeben. Die Alte hatte
sich ihrer angenommen. Alles hätte sich zum Guten wenden können, hätte
Bertha sie nicht arglistig getäuscht und sich davongemacht.

Eckbert stirbt in verzweifelter Umnachtung.

Der blonde Eckbert


Anzeige: »Der blonde Eckbert« jetzt bei Amazon bestellen
Inhaltsverzeichnis
1. Inhaltsangabe
2. Interpretationsansätze
Inhaltsangabe
Ludwig Tiecks 1797 veröffentlichtes Kunstmärchen »Der blonde Eckbert« spielt
im Mittelalter im Harz. Die beiden Hauptfiguren, Ritter Eckbert und seine Frau
Bertha, werden in der Mitte ihres Lebens von einer Schuld aus der Vergangenheit
eingeholt. Sie büßen dafür mit dem Tod. In der Binnenhandlung erzählt Bertha
von dem begangenen Unrecht. Die Rahmenhandlung schildert, wie sie und ihr
Mann zur Rechenschaft gezogen werden.

RAHMENHANDLUNG
Der blonde Eckbert, ein etwa 40-jähriger Ritter, lebt friedlich und zurückgezogen
mit seiner Frau Bertha auf einer Burg im Harz. Die beiden haben selten Besuch,
nur der vertraute Freund Philipp Walther ist häufig zu Gast. Eines Abends bittet
Eckbert seine Frau, Walther ihre Lebensgeschichte zu erzählen.

BINNENHANDLUNG
Berthas Geschichte beginnt mit ihrer schweren Kindheit in einem armen
Elternhaus. Sie träumt davon, reich zu werden und ihre Eltern von ihren Sorgen
zu befreien. Mit acht Jahren läuft sie vor den Schlägen des Vaters von zu Hause
fort in den Wald. Nach einem langen Fußmarsch trifft sie eine alte Frau, die sie in
ihrer Hütte aufnimmt. Die Alte lebt mit einem Hund und einem mysteriösen
Vogel zusammen. Der schöne Vogel singt immer wieder ein Lied über die Freude
an der Einsamkeit im Wald. In der folgenden Zeit weist die Alte Bertha in ihren
Haushalt ein. Sie überlässt ihr die Verantwortung für die Hütte und die Tiere,
wenn sie länger unterwegs ist.

Bertha ist schon vier Jahre bei der Frau, als diese ihr anvertraut, dass der Vogel
jeden Tag ein Ei mit einem Edelstein legt. Bertha liest inzwischen viel und
fantasiert von einer Welt außerhalb des Waldes, von schönen Rittern und der
Liebe. Die Alte warnt das Mädchen davor, von der »rechten Bahn« abzuweichen.
Die inzwischen Vierzehnjährige versteht nicht, was die Alte meint. Sie sieht sich
in ihren Träumen als Prinzessin; die Hütte erscheint ihr auf einmal klein und
eng.

Als sie wieder einmal allein ist, bindet sie den Hund an, dessen Namen sie später
vergessen hat. Sie nimmt sich ein paar Edelsteine und läuft mit dem Vogelkäfig
davon. In ihrem Heimatdorf erfährt sie, dass ihre Eltern verstorben sind. Bertha
ist betroffen; sie hatte sich das Wiedersehen so schön ausgemalt. Sie verkauft die
Steine und mietet ein Haus in einer schönen Stadt, wo sie ihre Vergangenheit
langsam vergisst.

Nachdem er lange geschwiegen hat, singt der Vogel eines Nachts das vertraute
Lied mit einem veränderten Text: Er spricht davon, dass Bertha die
Waldeinsamkeit verlassen habe und darüber Reue empfinde. Der Gesang wird
immer lauter und durchdringender. Bertha weiß, dass sie ein Unrecht begangen
hat und fürchtet sich vor dem Vogel. Schließlich erwürgt sie ihn und begräbt
seine Leiche im Garten. Danach befällt sie eine unbestimmte Furcht vor ihrer
Haushälterin. Als Ritter Eckbert um ihre Hand anhält, nimmt sie den Antrag
gern an. Berthas Reichtum ermöglicht beiden ein gutes Leben auf der Burg.

RAHMENHANDLUNG
Walther bedankt sich für Berthas Erzählung mit der Bemerkung, er könne sie
sich gut mit dem Vogel und »dem kleinen Strohmian« vorstellen. Bertha hatte
jedoch erwähnt, dass sie sich an den Namen des Hundes nicht mehr erinnern
könne. Am anderen Morgen ist sie krank; Walther verabschiedet sich recht
gleichgültig von den Freunden.

Die Beziehung zwischen Eckbert und Walther verändert sich; ihre Begegnungen
werden oberflächlich. Eckbert ist deshalb von Unruhe erfüllt. Unterdessen
verschlimmert sich Berthas Krankheit. Sie gesteht Eckbert, dass sie innerlich
zerrüttet sei, weil Walther den Namen des Hundes kenne. Eckbert wünscht sich,
dass Walther aus seinem Leben verschwinde. Um sich zu zerstreuen, geht er zur
Jagd in den Wald. Dort sieht er Walther von fern und tötet ihn mit seiner
Armbrust. Als er zur Burg zurückkehrt, ist Bertha verstorben.

Eckbert leidet unter dem Verlust seiner Frau und macht sich Vorwürfe wegen der
Ermordung des Freundes. Er sucht Ablenkung bei gesellschaftlichen Anlässen. So
lernt er den jungen Ritter Hugo kennen, in dem er einen neuen Freund findet.
Eines Tages vertraut er ihm seine Vergangenheit und den Mord an Walther an,
woraufhin Hugo sich bald von ihm abwendet. Am selben Abend erkennt Eckbert
in Hugos Gesicht Walthers Züge und ist entsetzt.

Eckbert begibt sich auf eine Reise, doch die Erinnerung verfolgt ihn. Als er in
einer abgelegenen Gegend das Lied »Waldeinsamkeit« singen hört, kann er
Traum und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden. Eine alte Frau nähert sich
und fragt nach ihrem Vogel, den Perlen und dem Hund. Sie offenbart Eckbert,
ihm in der Gestalt von Walther und Hugo begegnet zu sein. Er erfährt von ihr
auch, dass Bertha seine Halbschwester aus einer heimlichen Liebschaft seines
Vaters war. Als Kind hatte man sie zu einer Hirtenfamilie gegeben. Die Alte hatte
sich ihrer angenommen. Alles hätte sich zum Guten wenden können, hätte
Bertha sie nicht arglistig getäuscht und sich davongemacht.

Eckbert stirbt in verzweifelter Umnachtung.

Interpretationsansätze
VORGRIFF AUF DIE MODERNE
»Der blonde Eckbert« gehört zu den unheimlichsten Geschichten der
romantischen Literatur und gleicht mehr einer Horrorgeschichte als einem
Märchen. Das Irrationale, das mit überwältigender Kraft in eine scheinbar
geordnete Welt einbricht, ist ein charakteristisches Element romantischer
Erzählkunst; die Art und Weise jedoch, wie die Protagonisten aufgrund
schuldhafter Verstrickung aus der Vergangenheit unbewusst in ihr Verderben
laufen, weist schon weit in die Moderne. Hilflos sind sie höheren Mächten
ausgeliefert, die ihnen am Ende Chaos, Wahnsinn und Tod bringen.

UNVERHÄLTNISMÄSSIGKEIT VON SCHULD UND SÜHN


So bleibt auch die Frage offen, warum Eckbert und Bertha mit Tod und
Wahnsinn bestraft werden, obwohl sie nur bedingt Schuld auf sich geladen
haben. Eckbert ist nicht für den Ehebruch seines Vaters verantwortlich, und
Bertha hat zwar das Vertrauen der Alten im Wald missbraucht, hatte aber
zugleich ein Recht auf Aufbruch. Zweifellos stehen die Tiere, denen sie zuvor
nahe war, als Getötete nun für ihre verlorene Unschuld und Entfremdung von
der Natur. Gleichwohl erscheint aber ihre Bestrafung durch die Alte mit dem Tod
als völlig unverhältnismäßig und ebenso monströs wie Eckberts Ende.

AMBIVALENZ ROMANTISCHER MOTIVE


Auffällig ist auch, dass typisch romantische Motive wie Freundschaft, Liebe,
Natur oder Aufbruch in die weite Welt nie eindeutig positiv erscheinen. Trotz der
großen Emphase, mit der sie beschrieben werden, schwingt immer schon etwas
Düsteres, auf schwer greifbare Art Unheilvolles in ihrer Schilderung mit. So hat
Eckberts Eheidyll mit Bertha etwas von Stillstand und Ödnis, und seine
Freundschaft mit Walther ist von Anfang an zwiespältig und bedroht. Das
Unbehagen, das Eckbert empfindet, schlägt später in Angst um. Seine einzigen
Freunde, Walther und Hugo, sind in Wahrheit nur andere Erscheinungsformen
der alten Frau. Eckbert hat also nie mit einem wirklichen Gegenüber
kommuniziert, was auf eine bodenlose Isolation und Einsamkeit verweist.

Novalis
Heinrich von Ofterdingen
Heinrich von Ofterdingen ist ein Fragment gebliebener Roman von Novalis (eigentlich Friedrich
von Hardenberg), der im Laufe des Jahres 1800 entstand und erst 1802postum von Friedrich
Schlegel veröffentlicht wurde. Der Titel verweist auf einen sagenhaften, historisch bisher nicht
belegbaren[1] Sänger des 13. Jahrhunderts, der u. a. aus
dem mittelhochdeutschen Epos Sängerkrieg auf der Wartburg (mhd. Singerkriec ûf Wartburc;
entstanden um 1260) bekannt ist. Denselben Stoff behandelte auch E. T. A. Hoffmann im Rahmen
seiner Novellensammlung Die Serapionsbrüder in der Erzählung Der Kampf der Sänger aus dem
Jahre 1819.
Aufgrund der beruflichen Verpflichtungen Hardenbergs und unter dem Druck seiner Krankheit
musste er die Fertigstellung des Romans aufgeben. Vollendet sind der erste Teil (Die Erwartung)
und ein Teil des Anfangskapitels des zweiten Teils (Die Erfüllung). Die erste, postum erschienene
Ausgabe (Juni 1802) enthielt nur den ersten Teil des Romans. Erst gegen Ende des Jahres 1802
wurde der Roman erstmals „vollständig“ herausgegeben. Aufgrund zahlreicher, überlieferter Notizen
Hardenbergs ist die geplante Fortführung des Romans relativ gut nachvollziehbar. Weiterhin
aufschlussreich ist ein Bericht Ludwig Tiecks über die Fortsetzung, den dieser aus den persönlichen
Gesprächen mit Novalis und aus dessen Briefen und Hinterlassenschaften konstruiert hat. Wie von
der romantischen Romanpoetik gefordert, enthält der Heinrich von Ofterdingen zahlreiche Einlagen
in Form von Märchen, Träumen, Gesprächen oder Liedern.
Das grundsätzliche Thema des Ofterdingen ist die Poesie im weiteren, romantischen Sinne einer
Poesie des Lebens. Novalis selbst bezeichnet den Roman als „Apotheose der Poesie“. Für ihn ist
die einzige Darstellungsform der Poesie im weiteren Sinne die Poesie im engeren Sinne, das heißt
die Dichtung. Der romantische Grundgedanke, dass Leben und Kunst aufeinander verweisen und
sich wechselseitig fordern, ist darin erkennbar. Das Ich ist in unendlichem
Fortschreiten begriffen[2] auf dem Weg zu einer höheren, einheitsstiftenden Totalität von Natur und
Mensch. Diese Universalität des Poesiebegriffs wird im Ofterdingen mit der Wissenschaft verknüpft.
Außerdem wird der Leser zur gedanklichen Selbsttätigkeit aufgefordert, da sich der Gehalt des
Textes nicht durch das bloße Lesen erschließt, sondern eine vertiefende Betrachtung erfordert. Das
bekannte und für die Romantik sinnbildlich gewordene Symbol der „blauen Blume“ entstammt
dem Heinrich von Ofterdingen.

Quellen[Bearbeiten]
Die ersten Anregungen zum Roman erhielt Novalis 1799 während einer Inspektionsreise
nach Artern am Kyffhäuser. Hier begegnete er dem Rittmeister und Historiker Karl Wilhelm
Ferdinand von Funck und las dessen Biographie über Friedrich II. Dadurch angeregt, setzte sich
Novalis mit verschiedenen Chroniken auseinander, die ihn mit der Sage vom Sängerkrieg auf der
Wartburg bekannt machten. In Frage kommen die vom Eisenacher Stadtschreiber Johannes
Rothe († 1434) verfasste Düringische Chronik und die ebenfalls von Rothe aufgezeichnete Legende
der heiligen Elisabeth. Die von Cyriacus Spangenberg verfasste Mansfeldische Chronik könnte
ebenfalls eine Anregung für Novalis gewesen sein. Alle diese Quellen verwenden, wie auch Novalis,
die Schreibung „Afterdingen“. Bei der Herausgabe des Heinrich von Ofterdingen wurde diese
Schreibweise verändert.
Einen sehr großen Einfluss auf Novalis’ Roman hatte Goethes 1795/1796 erschienener
Bildungsroman Wilhelm Meisters Lehrjahre (siehe unten: Heinrich von Ofterdingen und Wilhelm
Meister). Weiterhin war der Dichter des Ofterdingen beeinflusst von Tiecks Franz Sternbalds
Wanderungen (1798) sowie den naturphilosophischen Überlegungen Jakob Böhmes. Daneben
schöpft er aus volkskundlichen und literarischen Überlieferungen, Mythologien, Märchen,
philosophischen Schriften und aus der Naturwissenschaft.

Heinrich von Ofterdingen und Wilhelm Meister[Bearbeiten]


Der Heinrich von Ofterdingen ist in vielfacher Hinsicht als direkte Antwort auf Goethes Wilhelm
Meister angelegt. Der Text sollte in der gleichen Aufmachung und bei dem gleichen Verlag (Unger,
Berlin) erscheinen. Der Ofterdingen ist aber auch inhaltlich ein Zeugnis der Auseinandersetzung mit
Goethes Text. Hardenbergs Bewertung des Wilhelm Meister wandelte sich im Laufe der Zeit sehr
stark. Er hatte zunächst das Erscheinen des Romans enthusiastisch begrüßt und bewunderte die
Poetik dieses Textes. Novalis war begeistert von Goethes Begabung, ganz fremde und
uninteressante Gegenstände für die Poesie fruchtbar zu machen, und von der Fähigkeit,
Unbedeutendes durch Verknüpfung auf die Ebene der Bedeutsamkeit zu heben. Die Kritik
am Meister wächst jedoch im Laufe der Zeit und Novalis bricht als erster Frühromantiker mit der
Verehrung dieses Romans. Er verurteilt schließlich den Meister als undichterisch im höchsten Grade
und als ein Kunstprodukt, ein Werk des Verstandes und der Ökonomie, die über die Poesie siege,
dass die Poesie sich hierbei selbst ad absurdum führe und nur noch eine Satire auf diese darstelle.
[3]
 Auch was die Wahl seiner Themen anging, sei Goethe nur auf das Diesseitige und Pragmatische
beschränkt, und sein Roman sei geradezu prosaisch und modern. Novalis bemängelt, dass
der Meister bloß von gewöhnlichen, menschlichen Dingen handele und dass die Natur und das
Mystische völlig fehlten. Somit bewertet er diesen Roman als poetisierte, bürgerliche Geschichte.
Mit seinem eigenen Roman wollte Novalis den Goethes übertreffen. Gegenüber dem Wilhelm
Meister wollte er alles in Poesie auflösen und der Roman sollte allmählich ins Märchen übergehen.
[4]
 Deshalb sind gewisse Ähnlichkeiten zwischen den beiden Texten nicht von der Hand zu weisen,
denn auch der Ofterdingen trägt Züge eines Bildungsromans. Sowohl Heinrich als auch Meister
begegnen jeweils gewissen Erziehergestalten, jedoch sammelt Meister seine Erfahrungen eher in
der äußeren Welt, während Heinrich das verborgene Innere der Welt kennen lernt, in einem
verstehend-entschlüsselnden Verfahren. Außerdem wird im Ofterdingen keine „Bildung“ eines
Individuums dargelegt, sondern ein auf den höheren Gesamtzusammenhang angelegter
Übergangsprozess in das „goldene Zeitalter“. Die Individual- und Sozialutopie wird somit erweitert zu
einer Universalutopie nach der Vorstellung der Frühromantiker. So ist sich auch zu erklären, dass
Novalis nicht von „Lehrjahren“, sondern von „Übergangsjahren“ spricht.

Poetik und Stil[Bearbeiten]


In Bezug auf den Stil hat sich Novalis den Wechsel von Gespräch und Handlung aus
Goethes Wilhelm Meister zu eigen gemacht. Dadurch erzeugte er einen besonderen Rhythmus
seines Romans. Die relative Handlungs- und Spannungsarmut lässt sich mit diesem gewünschten
Rhythmus erklären, denn Novalis wollte einen besonders ruhigen Stil. Er bricht also bewusst mit den
realistisch-psychologischen Erzählkonventionen, das heißt der kausal-pragmatische
Handlungsnexus, spielt eine untergeordnete Rolle. Vielmehr möchte Novalis eine Melodie im Stil
erzeugen, so dass der Text ein fließendes Ganzes wird. Die Akzente im Roman folgen
nicht dramaturgischen Gesichtspunkten, sondern Gesichtspunkten einer dichterischen ,Melodik‘. Der
Roman ist also nicht auf bloßes Verstehen ausgelegt, eher soll der Stil den gedanklichen Gehalt der
ruhigen Auflösung, Verschmelzung und Neuentstehung symbolisieren. Diese Ruhe zeigt sich auch
in der Wahl wenig anschaulicher und relativ abgegriffener Adjektive (z. B. „schön“). Es liegt Novalis
auch nicht viel an der Ausgestaltung markanter, schlüssiger Charaktere. Die Figuren sind vielmehr
Variationsreihen, die viele Verweise aufeinander haben (beispielsweise Zulima–Mathilde–Zyane). Er
sieht die Menschen als Variationen eines umfassenderen Wesens. Außerdem ist die
Abgeschlossenheit der Abschnitte auffällig: Jeder könnte für sich alleine stehen. Die Teile sind
Repräsentanten des großen Ganzen; sie verweisen auf das Ganze der Natur.
Inhalt und Struktur[Bearbeiten]

Moritz von Schwind: Der Sängerkrieg, Fresko auf der Wartburg, 1854

Die Figur „Heinrich von Ofterdingen“ wurde von den Gelehrten um 1800 nicht als fiktive, sondern als
reale, historische Gestalt und als mittelalterlicher Dichter gesehen. Er wird verknüpft mit dem
sagenhaften Sängerkrieg auf der Wartburg, an dem neben ihm auch Walther von der
Vogelweide, Wolfram von Eschenbach und andere teilgenommen haben sollen. Oftmals wird
auch Klingsohr als Teilnehmer an diesem Wettstreit genannt. Novalis wählt jedoch nicht nur eine
mittelalterliche Figur als Hauptfigur seines Romans, sondern verlegt auch die Handlung zurück in
das Mittelalter. Das Mittelalter wurde von Novalis – hier zeigt sich ein deutlicher Gegensatz
zurAufklärung – nicht als dunkles Zeitalter gesehen, sondern als eine die Poesie beheimatende
Epoche. Somit wählt er das Mittelalter als ein positives, poetisches Gegenbild zu seiner eigenen
Zeit, die er als prosaisch und utilitaristisch empfindet. Das Mittelalter darf jedoch nicht mit
demgoldenen Zeitalter gleichgesetzt werden, vielmehr ist es als Übergangszeit zu sehen. Im Roman
sollte Heinrich das goldene Zeitalter einläuten; es wird folglich die Schwelle zum goldenen Zeitalter
gezeigt. Äußerlich ist der Roman in zwei große Abschnitte eingeteilt. Der erste AbschnittDie
Erwartung besteht aus neun Kapiteln. Vom zweiten Abschnitt Die Erfüllung ist nur das erste Kapitel
mit dem Titel Das Kloster, oder der Vorhof abgeschlossen. In dieser Zweiteilung kann man eine
Analogie zur Zweiteilung in der Bibel sehen, denn aus den Notizen Hardenbergs geht hervor, dass
die Figuren und Motive des ersten Teils, im zweiten Teil in variierter Form wieder auftreten sollten.
Die Erwartung[Bearbeiten]
Die Erwartung beschreibt die Erfahrungen Heinrichs, die ihn zum Dichter reifen lassen. Heinrich
wächst im thüringischen Eisenach als Sohn bürgerlicher Eltern auf. Man erfährt im ersten Kapitel,
dass vor dem Beginn des Romans ein fremder Reisender dem zwanzigjährigen Heinrich von
geheimnisvollen Fernen, wunderbaren Schätzen und von einer Wunderblume erzählt hat. Der
Roman beginnt mit der Beschreibung eines Traums Heinrichs. Er träumt dies in der Johannisnacht,
der Nacht der Sommersonnenwende, in der nach dem Volksaberglauben ein Blick in die Zukunft
möglich ist. Der Traum besteht aus verschiedenen Phasen und spiegelt schon das Geschehen des
Romans wider. In diesem Traum sieht Heinrich die „blaue Blume“, ein Symbol der Sehnsucht und
des Erkennens. Die Blume verwandelt sich zu einem Mädchengesicht, das, wie sich in den
folgenden Kapiteln herausstellt, Mathilde, seine spätere Geliebte und Ehefrau, ist. Der Traum stellt
eine Art Initiation in die Poesie dar. Als Heinrich aufwacht, ist er sehr melancholisch gestimmt. Um
die Melancholie zu vertreiben, machen seine Mutter und er eine Reise nach Augsburg, um Heinrichs
Großvater mütterlicherseits zu besuchen. Begleitet werden sie von einigen befreundeten Kaufleuten.
Die folgenden Kapitel stellen nun die unterschiedlichen Erfahrungen Heinrichs mit den
verschiedensten Bereichen der Welt dar. Durch diese Reise soll sich erst die Vielfalt der Welt für
Heinrich eröffnen und dazu beitragen, seinen Geist für die Poesie zu öffnen. Die Welt des Handels
wird ihm durch die Kaufleute in ihrer Begleitung eröffnet. Durch sie erfährt Heinrich auch die erste
Begegnung mit der Poesie. Die Kaufleute erzählen ihm im zweiten Kapitel von der Sage des
Sängers Arion, die zugleich eine Absage an die Habgier und die Welt des Besitzes ist. Im folgenden
Kapitel wird ein Märchen über das sagenhafte Reich Atlantis erzählt. In diesem sucht ein alter König
für seine geliebte Tochter einen passenden Ehemann und gleichzeitig seinen Nachfolger. Jedoch
fühlt er sich, aufgrund seiner würdigen Herkunft, über die gewöhnliche Bevölkerung erhaben und
kann daher keinen geeigneten Mann finden. Die Prinzessin, ein Symbol der Poesie, verliebt sich im
Laufe der Geschichte in einen im Wald lebenden Jüngling, der die Natur symbolisiert. Am Ende
heiraten beide und somit findet die Verbindung von Natur und Poesie statt.
Im weiteren Verlauf der Reise lernt Heinrich bei einem Kriegsmann die Welt der Kreuzzüge kennen
und ist begeistert von deren Idee. Noch im selben Kapitel erfährt Heinrich jedoch durch das
arabische Mädchen Zulima, die Gefangene im Schloss des Ritters ist, von der wahren Ausführung
der Kreuzzüge und von der poetischen Welt des Orients. Weiterhin lernt Heinrich durch die
Erzählungen eines böhmischen Bergmanns die Welt des Bergbaus kennen. Dieser betont den
ideellen Wert des Bergbaus und ordnet ihm die wirtschaftliche Seite unter. Mit diesem Bergmann
unternimmt Heinrich auch eine Reise in ein Stollensystem. Dort wohnt der Graf von Hohenzollern als
Einsiedler. Durch ihn und seine Bücher erfährt Heinrich von der Geschichte und der
Geschichtsschreibung. Außerdem findet er dort eine Chronik, die in provenzalischer Sprache
geschrieben ist. Heinrich erkennt, dass diese Chronik seine Lebensgeschichte enthält, auch die
Zukunft. Er kann jedoch den Text nicht lesen, sondern nur die Bilder erkennen, allerdings nicht die
Bilder auf den letzten Seiten. Es zeigt sich hier, dass Heinrich erst auf der Stufe der Anschauung
steht und noch nicht auf der Ebene des Begreifens. Diese kann er nur durch das Erlebnis
verschiedener Erfahrungen erreichen.
Nach einer langen Reise kommen Heinrich und seine Mutter schließlich bei Schwaning, dem
Großvater Heinrichs, in Augsburg an. Auf einem Fest, das Schwaning veranstaltet, lernt Heinrich
den Dichter Klingsohr und dessen Tochter Mathilde kennen. Klingsohr öffnet ihm die Welt der
Poesie und willigt ein, Heinrich als Schüler anzunehmen. Die metaphysische Macht der Liebe, die
für die Erlösung der Welt und den Übergang ins goldene Zeitalter grundlegend ist, wird ihm
schließlich durch Mathilde offenbart. Mathilde und Heinrich verlieben sich ineinander und heiraten.
Heinrich hat nun den wichtigsten Bereich der Poesie kennengelernt. Er erkennt, dass das Mädchen
im Traum Mathilde war, und weiß aus diesem Traum, dass er sie zunächst verlieren, aber danach
für immer gewinnen wird.
Klingsohrs Märchen[Bearbeiten]
Den Abschluss des ersten Teils des Ofterdingen bildet ein von Klingsohr erzähltes Märchen. Es
handelt sich hierbei um ein allegorisches Märchen, dessen Stil, Figuren und Handlung zum Teil an
Goethes „Märchen“ (1795, in Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten) erinnern. Die Bedeutung
der Figuren wird jedoch im Verlauf der Erzählung bis zur Paradoxie umgeformt. Hardenbergs
Märchen, eine Beziehungs- und Reifungsgeschichte, zeigt die Utopie der Welterlösung durch Poesie
und Liebe. Die Befreiung der Welt zum goldenen Zeitalter wird dargestellt. Klingsohrs Märchen ist
gewissermaßen eine Vorwegnahme des geplanten Romanendes und enthält den gesamten Roman
in komprimierter Form. Es spielt auf drei Ebenen, der Astralwelt, der Menschenwelt und der
Unterwelt, die am Ende des Textes allesamt verwoben sind. Das Märchen kann jedoch nicht bis
zum letzten Detail entschlüsselt werden, da die Bedeutungen sich überlagern und teils ineinander
fließen.
Das Astralreich Arcturs ist in Eis erstarrt und seine Tochter Freya (Friede) liegt in einem tiefen
Schlaf. Dieser Zustand dauert an, seit Eisen (Krieg) sein Schwert in die Welt geworfen hat und
Sophie (Weisheit) zu den Menschen hinabgestiegen ist. Mutter (Herz) und Vater (Sinn) haben den
Jungen Eros (Liebe) gezeugt. Dessen Halbschwester Fabel (Poesie) entstammt einem Verhältnis
des Vaters mit der Amme Ginnistan (Phantasie). Ginnistan reist mit Eros zum Mond, ihrem Vater,
und verführt ihn in Gestalt seiner Mutter. Währenddessen reißt der Schreiber (die Aufklärung, der
nüchterne Verstand) die Herrschaft an sich. Er verbrennt die Mutter auf dem Scheiterhaufen. Fabel
flieht in die Unterwelt und überlistet dort die Parzen, die die Schicksalsfäden spinnen und
durchschneiden. Sophie löst die Asche der Mutter in ihrer Wasserschale auf und gibt allen davon zu
trinken. Dies löst eine unbeschreibliche Freude aus und die Mutter ist dadurch ständig gegenwärtig.
Fabel bricht letztendlich den Bann und bringt das Eis zum Schmelzen. Am Ende heiratet Arctur
Sophie, der Vater heiratet Ginnistan und Eros heiratet die erwachte Freya. Eros und Freya
beherrschen das nun anbrechende goldene Zeitalter.
Die Erfüllung und Ausblick auf die Fortsetzung[Bearbeiten]
Das Märchen ist bereits an seinem Ende, dem goldenen Zeitalter angekommen, der Roman jedoch
noch nicht. Eröffnet wird der zweite Teil mit einem Prolog der Astralis, eines geheimnisvollen
Wesens, das aus der ersten Umarmung Heinrichs und Mathildes entstanden ist. Wie der Traum
angekündigt hat, ist Mathilde gestorben (sie ist im Fluss ertrunken), und verzweifelt verlässt Heinrich
Augsburg. Es können hier autobiographische Parallelen gesehen werden. Heinrich hört die Stimme
der Toten und begegnet dem armen Hirtenmädchen Zyane, der Tochter des Grafen von
Hohenzollern. Sie führt Heinrich zu einem alten Einsiedler und Arzt namens Sylvester. Dieser erzählt
Heinrich von der Sprache der Natur in Blumen und Pflanzen und berichtet vom goldenen Zeitalter.
Danach bricht der Roman ab.
Über die geplante Fortsetzung liegt keine letzte Gewissheit vor, da die Notizen und der Bericht
Tiecks teilweise widersprüchlich sind. Anscheinend sollte der zweite Teil aus sieben Kapiteln
bestehen. In diesen sollte Heinrich alle Zeiten und Räume durchwandern. Das Märchenhafte sollte
immer mehr durchbrechen und eine Verbindung von Traum und Realität war geplant. Die Figuren
sollten wiederkehren und verschmelzen. Heinrich sollte zunächst ein Kloster besuchen und danach
in der Schweiz und in Italien in Händel verstrickt werden. Er sollte Feldherr werden und die Welt der
Mythologie kennenlernen. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland sollte er mit dem Kaiser
Gespräche über Regierung und Kaisertum führen und an einer allegorischen Festszene teilnehmen,
die als Thema die Verherrlichung der Poesie haben sollte. Der Sängerkrieg auf der Wartburg sollte
über Natur- und Kunstpoesie stattfinden. Der Schluss ist der Übergang aus der wirklichen Welt in die
geheime Welt. Heinrich pflückt schließlich die blaue Blume und sollte zahlreiche Verwandlungen
durchmachen, die alle Naturbereiche umfassen sollten (Stein, Blume, Tier, Stern und zurück zum
Menschen). Das Ende sollte eine große Vereinigung sein. Die Menschen werden poetisiert und die
neue goldene Zeit sollte anbrechen. Im Fortschreiten der Handlung sollte auch gleichzeitig die
Vergangenheit allmählich enthüllt werden, so dass am Ende die Zeit aufgehoben wäre. In diesem
goldenen Zeitalter wären die Pole des Männlichen und des Weiblichen vereinigt durch die Liebe.
Dieser Endzustand sollte jedoch nicht statisch sein, sondern die Schöpfung sollte sich ewig
erneuern.

Schlussbetrachtung[Bearbeiten]
Der Heinrich von Ofterdingen kann als Beitrag zur Universalpoesie der Frühromantiker gesehen
werden. Der Roman möchte das Leben und die Welt in ihrer ganzen Vielfalt und in ihrer räumlichen,
zeitlichen und seelischen Dimension darstellen. Im goldenen Zeitalter sollte schließlich eins in Allem
und alles in Einem sein. Novalis wollte durch die Poesie eine bessere Welt darstellen und herstellen.
Dem triadischen Modell entsprechend, wird das Mittelalter als Übergangszeit verstanden. Daraus
soll ein neues, goldenes Zeitalter heraufgeführt werden, eine Wiederherstellung des Urzustandes
auf einem höheren Niveau. An den alten, glücklichen Urzustand wird in den eingelegten Märchen
und Gesprächen erinnert. Um diese Veränderung durch Poesie erreichen zu können, ist die
Kooperation und die gedankliche Tätigkeit des Lesers unabdingbar. Heinrich verkörpert zu Beginn
des Romans den idealen Rezipienten für den Ofterdingen. Er ist völlig ergriffen von den
Erzählungen des alten, fremden Mannes und kann an nichts anderes mehr denken als an dessen
Berichte. So soll auch der Leser des Ofterdingen sein. Diese Ergriffenheit setzt jedoch Bereitschaft
voraus und die Sehnsucht nach einer höheren, besseren Welt. Es muss eine Unzufriedenheit mit
dem Gegebenen vorliegen, damit das Streben nach dem goldenen Zeitalter im Leser entsteht.

Das geschichtliche Umfeld und historischer


Hintergrund: 
die Romantik
- Dauer von 1790 bis Mitte 19. Jahrhundert 
- Lebensumstände: technische Erfindungen 
Leistungsgesellschaft, Konkurrenzdruck 
Zunehmende Bedeutung des Geldes 
Neue soziale Schichten 
- Was war die Romantik? 
- Pflicht des Romantikers war es, das Leben zu erleben oder sich aus ihm wegzuträumen 
- Sehnsucht nach anderen Welten (auch Rauschwelten), nach Natur, fremden Kulturen 
- Typische Romantiker waren junge Männer, meist Studenten 
- Die romantische Bewegung kann auch als 1. Jugendrevolte bezeichnet werden 
- Viele Romantiker starben jung   Selbstmord 
- Literatur: Entstehung von Epik (unrealistische Erzählung) und Lyrik (späteres Volkslied)

Biografie und Lebenslauf Novalis


- richtiger Name war Georg Philipp Friedrich von Hardenberg 
-  Novalis wurde am 2.Mai 1772 auf dem Familiengut Oberwiederstedt bei Mansfeld geboren 
- nannte sich Novalis aus gesellschaftlichen Gründen: der Bürger versteckte sich hinter dem
Schriftsteller, erst als sie bürgerlichen Respekt gewannen durch Leistungen, legten sie ihr
Pseudonym ab, Novalis behielt es 
- Novalis Vater: Heinrich Ulrich Erasmus von Hardenberg   Grossgrundbesitzer, später
Salinendirektor (Salinen: Salzbergwerk) 
- Mutter: Auguste Bernharde, geborene von Bölzig 
- 10 Geschwister, 5 Schwestern, 5 Brüder; auffallend: starben alle sehr früh, 8 zwischen 20 und 30 
- wurde zum strengen Pietismus erzogen (P:evang.Bewegung, gegenüber Orthodoxie und
Vernunftsglauben, Herzensfrömmigkeit und tätige Nächstenliebe als entscheidende christliche
Haltung) 
- Novalis war eher zurückgeblieben, bis er mit 8 krank wurde   rasche geistige Entwicklung 
- Mit 11 Jahren kommt er ein paar Monate zum Onkel nach Schloss Lucklum zwischen Helmstet und
Wolfenbüttel 
- Neue Welt für Novalis: viel freier 
-  Novalis Onkel hatte einen bleibenden Eindruck hinterlassen 
- 1785 Übersiedlung nach Weissenfels 
- 1790 Gymnasiumabschluss in Eisleben 
- um diese Zeit fertigte er ein Bücherverzeichnis an: hauptsächlich Dichter, man kann seine
zukünftigen Lehrmeister hier finden (Schiller, Goethe) 
- Beginn eines Jura-Studiums in Jena   Schiller gab Vorlesungen 
- Novalis bewunderte ihn   lernten sich dann auch persönlich kennen 
- 1791 Wechsel nach Leipzig: Mathematik und Philosophie-Studium 
- Begegnung mit Friedrich Schlegel, späterer Gründer des romantischen Kreises (Zusammenschluss
romantischer Dichter und Autoren) 
- Erkannte als erster Novalis zwiespältiges Wesen: mal war er wie ein guter 15-jähriger, mal wie ein
30-jähriger 
- 1793 Wechsel nach Wittenberg, wo er 1794 sein Jura-Studium beendet 
- wird Aktuarius in Tennstedt   lernt Sophie von Kühn kennen 
-  Novalisverlobt sich mit der knapp 13-jährigen   Bestätigung für seinen Hang zum kindlichen 
- schon nach 2 Jahren verstarb sie 
- durch ihren Tod  war er stark beeinflusst, sein Hang zur Mystik verstärkt sich, was in seinen
Werken bemerkbar ist 
- Novalis schrieb Hymnen an die Nacht, in Erinnerung an Sophie 
- studierte weiter in Freiberg: Bergwerkskunde, Chemie  und Mathematik 
- beschäftigte sich die ganze Zeit auch mit Philosophie  
- 1798 bricht seine Tuberkulose aus 
- ab da wird sein Krankheitsleiden immer wieder in Briefen erwähnt 
- er machte Bekanntschaft mit wichtigen Personen: Goethe, Tieck und Herder, von denen er stark
beeinflusst wurde in seinen Werken 
- 1799 lernte er Julie von Charpentier kennen, verlobt sich mit ihr 
- Problem: seine Bindung zu Sophie, er verehrte und trauerte noch immer um sie 
- Zur selben Zeit: Beginn "Heinrich von Ofterdingen", bedeutendstes Werk 
- 25. März 1801: Tod in Weissenfels, in Anwesenheit seines engsten Freundes Friedrich Schlegel 
- Novalis war sein Leben lang Dichter, Schriftsteller und Philosoph als Nebenberuf 
- obwohl er immer sehr schwächlich war, war er immer darauf bedacht, alles mögliche zu erreichen 
- Novalis war sehr ehrgeizig, wollte alles genau wissen 

- 1992, an seinem 220. Geburtstag wurde in Schloss Oberwiederstedt die Internationale Novalis-
Gesellschaft gegründet 
- das Schloss dient seither zur literarischen, künstlerischen sowie auch
forscherischen Kommunikation  zwischen vielen verschiedenen Personen 
- Durch Veranstaltungen (Ausstellungen, Lesungen, Vorträge, Exkursionen), auf denen Erkenntnisse
zu Leben, Werk und Wirkung des Novalis vorgestellt werden, macht sie auf die Bedeutung des
Novalis und der Frühromantik für die Gegenwart aufmerksam

Seine wichtigsten Werke:


Hymnen an die Nacht; die Lehrlinge zu Sais; Heinrich von Ofterdingen

Inhaltsangabe Heinrich von Ofterdingen


- bedeutendstes Werk der Frühromantik 
- schrieb es innerhalb eines Jahres (1800), durch seine Krankheit  war er an der Vollendung
verhindert 
- der Roman  ist eine Darstellung der Wechselbeziehungen zwischen Liebe  und Poesie

Inhaltsangabe und Zusammenfassung " Heinrich von


Ofterdingen"
1. Teil, Die Erwartung:
Es geht um einen jungen Mann, dem im Traum eine wunderschöne blaue Blume erscheint. Er ist
davon überzeugt, dass dieser Traum eine bestimmte Bedeutung hat. Auf einer Reise zu seinem
Grossvater begegnet er vielen Personen, von denen er wichtige Dinge lernt. Er entwickelt sich
geistig weiter, beginnt, sich mit sich selbst auseinander zusetzen. Durch die Entdeckung der Liebe
und die Wiedererscheinung der blauen Blume wird sein Reifeprozess wie auch der 1. Teil des
Buches abgeschlossen.
2. Teil, Die Erfüllung:
Vom 1. zum 2. Teil verwandelt sich die Realität in ein Märchen. Die Handlung verliert den Bezug
zum Irdischen. Heinrich ist auf der Suche nach seiner verstorbenen Geliebten, als sie ihm plötzlich
erscheint, und er all seine Schmerzen wieder vergisst. Der 2.Teil endet mit einem Gespräch
zwischen Heinrich und einem Arzt über Heinrichs Vater.
Interpretation " Heinrich von Ofterdingen"
Die blaue Blume ist ein dichterisches Bild, das in der Romantik  im Sinne einer Sehnsucht nach dem
Unendlichen zu verstehen ist. Sie ist in diesem Buch das zentrale Symbol. Immer wieder kommt sie
vor, wenn auch versteckt und teilweise variiert. 
Im ganzen Buch gebraucht Novalis verschiedene Symbole. 

"Heinrich von Ofterdingen" ist ein Entwicklungs- oder Bildungsroman. 


Ein Bildungsroman ist ein Roman, der die geistige Entwicklung der Hauptperson von Anfang bis zur
Vollendung darstellt. Dieser Bildungsprozess findet in einer poetischen wie auch in einer Traumwelt
statt. Bei Heinrich begann es in seinem Traum von der blauen Blume, die als Sinnbild für das Ziel
der Entwicklung stand.

Meine eigene Meinung:


Ich fand es sehr interessant, was ich über Novalis und sein Leben erfuhr. Ich bewundere ihn für
seinen Wissensdurst und seine Unermüdlichkeit, mit der er alles lernte. Er konnte nie genug wissen.
Er war auch sehr gefühlsvoll, wie sich nach dem Tod seiner ersten Verlobten zeigte. Er vergass sie
nie, auch als er eine andere kennenlernte. Das fand ich beeindruckend. Leider ist er wegen seiner
Krankheit sehr früh verstorben. Ich denke, er hätte noch viel Gutes geleistet, wenn er länger gelebt
hätte. 
Sein Schreibstil hat mir auf einer Seite gefallen, wiederum auch nicht. Ich finde es sehr anstrengend
zu lesen. Was wohl daher kommt, dass er aus der Romantik kommt, und zu jener Zeit sprach und
schrieb man in einem anderen Deutsch als heute. Seine Formulierungen sind aber sehr elegant und
aufwendig geschrieben. Er macht den Eindruck viel überlegt zu haben beim Schreiben. 
Alles in allem finde ich ihn eine beeindruckende Persönlichkeit.