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recherchiert von: autologin UK am 08.11.2007

Gericht: Hanseatisches Quelle:


Oberlandesgericht
Hamburg 7. Normen: § 253 BGB, § 823 Abs 1 BGB
Zivilsenat
Entscheidungsdatum: 02.05.2006
Aktenzeichen: 7 U 19/06
Dokumenttyp: Urteil

Geldentschädigung bei Persönlichkeitsrechtsverletzung:


Veröffentlichung des Fotos einer Prominenten mit
teilweise entblößter Brustwarze beim Tanz auf einer
Galaveranstaltung

Orientierungssatz

Eine prominente Frau hat keinen Anspruch auf eine Geldentschädigung auf Grund
der Veröffentlichung ihrer Abbildung mit teilweise entblößter Brustwarze beim Tanz
auf einer Galaveranstaltung. Denn die, wenn auch rechtswidrige, Veröffentlichung
stellt keinen so schwerwiegenden Eingriff in ihr allgemeines Persönlichkeitsrecht dar,
dass er nur durch die Zuerkennung einer Geldentschädigung ausgeglichen werden
kann (Rn.5) . Denn der betreffenden Prominenten konnte nicht verborgen geblieben
sein, dass es sich bei dem trägerlosen Oberteil ihres Abendkleides ersichtlich nicht
um eine fest und gleichsam „sicher“ sitzende Korsage handelte, sondern dass der
Schnitt und Stoff des Oberteils bei entsprechend schwungvollen Bewegungen ein
Herunterrutschen nicht ausschlossen, sondern begünstigten (Rn.6) .

Fundstellen
ZUM 2006, 639-640 (red. Leitsatz und Gründe)

Verfahrensgang
vorgehend LG Hamburg 24. Zivilkammer, 13. Januar 2006, Az: 324 O 674/05, Urteil

Tenor

Die Berufung der Klägerin gegen das Urteil des Landgerichts Hamburg, Zivilkammer
24, vom 13.1.2006 – Geschäftsnummer 324 O 674/05 – wird zurückgewiesen.

Die Klägerin hat die Kosten des Berufungsverfahrens zu tragen.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Gründe

1 (gemäß §§ 540 Abs. 1 und 2, 313a ZPO)

2 Die form- und fristgerecht eingelegte Berufung der Klägerin ist nicht begründet.

3 Zu Recht hat das Landgericht die Klage auf Zahlung einer Geldentschädigung und
einer fiktiven Lizenzgebühr sowie Erstattung von Rechtsanwaltskosten abgewiesen.
Zur Begründung wird auf die zutreffenden Entscheidungsgründe des
erstinstanzlichen Urteils verwiesen, denen der Senat folgt.

4 Demgegenüber führt das Berufungsvorbringen zu keiner abweichenden


Entscheidung.

5 1. Die Klägerin hat keinen Anspruch auf eine Geldentschädigung auf Grund der
Veröffentlichung ihrer Abbildung mit teilweise entblößter Brustwarze. Denn die –
wenn auch rechtswidrige - Veröffentlichung stellt keinen so schwerwiegenden
Eingriff in ihr allgemeines Persönlichkeitsrecht dar, dass er nur durch die
Zuerkennung einer Geldentschädigung ausgeglichen werden kann.

6 Der überzeugenden Argumentation in den Entscheidungsgründen des angefochtenen


Urteils ist ergänzend hinzuzufügen, dass der Klägerin nicht verborgen geblieben sein
kann, dass es sich bei dem trägerlosen Oberteil ihres Abendkleides ersichtlich nicht
um eine fest und gleichsam „sicher“ sitzende Korsage handelte, sondern dass der
Schnitt und Stoff des Oberteils bei entsprechend schwungvollen Bewegungen ein
Herunterrutschen nicht ausschlossen, sondern begünstigten. Die zahlreichen Fotos
der Klägerin, die dem Senat in den ähnliche Bildveröffentlichungen von demselben
Ereignis betreffenden (insgesamt vier) Akten vorgelegt worden sind, zeigen
anschaulich, dass der obere Rand des besagten Oberteils beim Tanz in der „1.
Wiener Ballnacht“ in unterschiedlichem Maße und nicht nur beim Tanz mit Herrn B.
heruntergerutscht ist. Beispielhaft wird auf das (der Klägerin bekannte) Foto in der
Anlage B 1 in der Sache 7 U 17/06 hingewiesen. Es ist daher davon auszugehen,
dass der Klägerin das Risiko, dass ihr Kleid in dieser Weise verrutschen und für die
Anwesenden den Blick auf ihre Brustwarze freigeben würde, bewusst war. Dass
damit zugleich die Möglichkeit bestand, dass von den zahlreich anwesenden
Pressefotografen eine solche Szene fotografiert werden würde, lag auf der Hand.

7 Ferner ist zu ergänzen, dass die Beklagte im Zusammenhang mit der rechtswidrigen
Veröffentlichung des beanstandeten Fotos kein schweres Verschulden trifft, wie sich
aus den besonderen Umständen bei Aufnahme des Fotos ergibt. Da die Klägerin
nach dem Missgeschick nicht gegen die Fotoaufnahmen protestiert hatte, obwohl
nicht zu übersehen war, dass die Objektive mehrerer Kameras auf sie gerichtet
waren, und da zudem ein Betrachter der Situation annehmen konnte, dass sie
bemerkt hatte, dass ihr Oberteil, ihre Brustwarze teilweise entblößend,
heruntergerutscht war, war für die Beklagte nicht offensichtlich, dass die Klägerin
Einwände gegen die Veröffentlichung der Fotoaufnahmen hatte.

8 2.Auch ein Anspruch auf Zahlung einer fiktiven Lizenzgebühr unter dem
Gesichtspunkt einer entsprechenden Ersparnis auf Seiten der Beklagten besteht
nicht.

9 a) Ein aus § 812 Abs.1 S.1, 1. Alt BGB herzuleitender Anspruch kommt dann in
Betracht, wenn der in Anspruch Genommene auf Kosten des Verletzten einen
vermögenswerten Vorteil erlangt hat. Voraussetzung eines Bereicherungsanspruchs
ist, dass die Nutzung des konkreten Bildes zu dem konkreten Zweck einen
Vermögenswert hatte, so dass die Verwertung einen Eingriff in ein vermögenswertes
Ausschließlichkeitsrecht darstellte.

10 Dies ist insbesondere dann anzunehmen, wenn durch die rechtswidrige


Veröffentlichung ein für die Nutzung normalerweise nach der Verkehrssitte zu
entrichtendes Entgelt erspart wird (vgl. auch Wenzel, Das Recht der Wort- und
Bildberichterstattung 5. Aufl. 14, Rn.10 m.w.N.). In diesen Fällen ist das ersparte
Honorar, von dem der Abgebildete die Erlaubniserteilung hätte abhängig machen
können, herauszugeben. Entscheidend ist somit, ob aus der Bildveröffentlichung
geldwerte Vorteile gezogen wurden, und ob dies nach der Verkehrsübung nicht hätte
geschehen können, ohne den Abgebildeten an ihnen in Form eines Entgelts zu
beteiligen (so BGH NJW 1979, 2205,2206).

11 Ein solches vermögenswertes Nutzungsrecht ist regelmäßig bei der Verwendung von
Aufnahmen zu Werbezwecke anzunehmen, für die üblicherweise eine Lizenz an den
Abgebildeten gezahlt zu werden pflegt.

12 Bei der rein publizistischen Verwendung einer Abbildung, wie sie hier vorliegt, kann
dies hingegen allenfalls ausnahmsweise in Betracht kommen. Derartige Bilder
verkörpern regelmäßig, ebenso wie das hier abgedruckte, keinen Vermögenswert für
die abgebildete Person.

13 Der (publizistische) Wert des vorliegenden Bildes erschöpft sich in der Darstellung
des abgebildeten – wenngleich unbedeutenden - Ereignisses, nämlich der
unfreiwilligen Entblößung der Klägerin auf einem Ball.

14 Nach seinem Gegenstand ist es nicht mit einem üblicherweise nur gegen Entgelt zu
veröffentlichenden Nacktfoto gleichzusetzen, da es den Blicken des Betrachters
lediglich den oberen Rand der Brustwarze der Klägerin preisgibt und – im
Unterschied zu gestellten Nacktaufnahmen – nicht einmal den Anschein einer
bewussten Zurschaustellung von Blöße und Nacktheit vermittelt. Auch wenn der
Klägerin von der Zeitschrift „Playboy“ bereits Honorare für die Erstellung und
Veröffentlichung von Nacktaufnahmen angeboten sein mögen, erscheint es
undenkbar, dass sich dieses Angebot auf Fotos wie das hier abgebildete erstrecken
würde.

15 Insofern unterscheidet sich die vorliegende Sachlage auch von derjenigen, wie sie
dem Landgericht bei der in AfP 1995, 526f veröffentlichten Entscheidung vorlag. Bei
dem dort ohne Einwilligung der Abgebildeten veröffentlichten Foto handelte es sich
um ein gestelltes Foto, auf welchem die Abgebildete, eine bekannte Sängerin, mit
Bodypainting auf freiem Oberkörper zu sehen war. Auch wenn diese Sängerin sich
im Interesse des zeitgeschichtlichen Ereignisses einer Bodypainting-Aktion für die
Aufnahmen und deren Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hatte, handelte es
sich doch um ein Bild, bei dem die Einwilligung in die Veröffentlichung wegen der
Präsentation ihres nackten Oberkörpers üblicherweise von der Zahlung einer Lizenz
an die Abgebildete abhängig gemacht worden wäre, so dass ihr aufgrund der
einwilligungslosen Zweitveröffentlichung ein Bereicherungsanspruch zuzusprechen
war.

16 Da hingegen für ein Foto üblicherweise keine Lizenzvergütung an die Abgebildete


gezahlt wird, welches in der hier dargestellten Weise zustande gekommen ist und
welches nur geringfügig mehr vom Körper der Abgebildeten zeigt, als diese ohnehin
bewusst der Öffentlichkeit präsentiert hat, stellt seine Veröffentlichung zwar eine
Verletzung des Ausschließlichkeitsrechts der Klägerin an ihrem eigenen Bild, nicht
aber einen Eingriff in ein vermögenswertes Recht der Klägerin dar, so dass ein
Bereicherungsanspruch nicht gegeben ist.

17 b) Auch ein Anspruch auf Schadensersatz gemäß § 823 Abs. 2 BGB in Verbindung
mit § 22 KUG kommt aus diesem Grunde nicht in Betracht. Voraussetzung für den
Ersatz eines deliktischen Vermögensschadens ist nämlich gleichfalls ein Eingriff in
ein Ausschließlichkeitsrecht, welcher üblicherweise nur gegen Entgelt gestattet zu
werden pflegt (vgl. BGHZ 20, 345 ff). Die Frage, ob die Klägerin zu einer solchen
Einwilligung bereit gewesen wäre, bedarf deshalb keiner Erörterung.

18 3. Da der Klägerin keiner der mit der Zahlungsaufforderung geltend gemachten


Ansprüche zustand, kommt auch kein Anspruch auf Ersatz der dadurch
entstandenen vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten in Betracht.

19 Die Kostenentscheidung folgt aus § 97 Abs.1 ZPO, die Entscheidung über die
vorläufige Vollstreckbarkeit aus §§ 708 Nr. 10, 713 ZPO.

20 Ein Anlass, die Revision zuzulassen, besteht nicht. Die Sache hat keine
grundsätzliche Bedeutung und erfordert weder zur Fortbildung des Rechts, noch zur
Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des
Revisionsgerichts (§ 543 Abs.2 ZPO).

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