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39 QUANTENMECHANIK

Ihre Ansätze waren sehr verschieden, man konnte jedoch bald zeigen, dass sie
zueinander kompatibel waren. In diesem Kapitel beschäftigen wir uns mit dieser
neuen Theorie, der Quantenmechanik. In den beiden folgenden Kapiteln werden
wir die Resultate diskutieren, die sich aus der Anwendung der Quantenmechanik
auf das Wasserstoffatom, auf andere Atome sowie auf Moleküle und Festkörper
ergeben.

39.1 Die Quantenmechanik: Eine neue Theorie


Die neue, als Quantenmechanik bezeichnete Theorie vereinheitlicht den Welle-
Teilchen-Dualismus zu einer einzigen konsistenten Theorie. Als Theorie war die
Quantenmechanik unheimlich erfolgreich. Mit ihrer Hilfe konnte man die von
komplexen Atomen emittierten Spektren und selbst deren Feinstruktur hinrei-
chend behandeln. Sie erklärt die relative Helligkeit der Spektrallinien und die Art
und Weise wie Atome Moleküle bilden. Sie ist zudem eine allgemeine Theorie, die
alle Quantenphänomene, angefangen mit der Strahlung des schwarzen Körpers bis
hin zum Verhalten von Atomen und Molekülen, umfasst. Sie hat ein breites Spek-
trum natürlicher Phänomene erklärt, und ihre Vorhersagen machten viele neue
praktische Instrumente möglich. Sie war tatsächlich so erfolgreich, dass sie heute
von nahezu allen Physikern als die fundamentale Theorie akzeptiert wird, die den
physikalischen Prozessen zugrunde liegt.
Die Quantenmechanik beschäftigt sich hauptsächlich mit der mikroskopischen
Welt der Atome und des Lichts. In unserer makroskopischen Alltagswelt neh-
men wir Licht dagegen einfach nur wahr, und wir akzeptieren, dass gewöhnliche
makroskopische Körper aus Atomen zusammengesetzt sind. Diese neue Theorie
muss deshalb auch dazu in der Lage sein, die bereits bestätigten Resultate der
klassischen Physik zu verifizieren. Wenn sie auf makroskopische Phänomene an-
gewendet wird, muss die Quantenmechanik die alten klassischen Resultate repro-
Korrespondenzprinzip duzieren. Diese Forderung, als Korrespondenzprinzip (bereits in Abschnitt 37.13
erwähnt) bezeichnet, wird von der Quantenmechanik in vollem Umfang erfüllt.
Das bedeutet nicht, dass wir nun die klassischen Theorien, wie beispielsweise die
Newton’schen Axiome, verwerfen. Im Alltag lassen sich Letztere viel einfacher
anwenden und liefern eine korrekte Beschreibung. Wenn wir es jedoch mit hohen
Geschwindigkeiten, nahe der Lichtgeschwindigkeit, zu tun haben, müssen wir die
Relativitätstheorie anwenden; haben wir es dagegen mit der winzigen Welt des
Atoms zu tun, benutzen wir die Quantenmechanik.
Auch wenn wir die Mathematik der Quantenmechanik nicht im Detail behan-
deln, werden wir die wesentlichen Aspekte diskutieren und darauf eingehen, wie
man die Wellen- und Teilcheneigenschaften der Materie benutzt, um die atomare
Struktur und andere Anwendungen zu erklären.
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39.2 Die Wellenfunktion und ihre Interpretation;


das Doppelspaltexperiment
Die wesentlichen Eigenschaften einer Welle sind die Wellenlänge, die Frequenz
und die Amplitude. Bei einer elektromagnetischen Welle legt die Wellenlänge fest,
ob sich das Licht im sichtbaren Spektrum befindet oder nicht, und mit welcher
Farbe es gegebenfalls erscheint. Wir haben auch gesehen, dass die Wellenlänge
(oder die Frequenz) ein Maß für die Energie des zugehörigen Photons ist (E = hf ).
Die Amplitude oder die Auslenkung einer elektromagnetischen Welle an einem
bestimmten Ort gibt die Stärke des elektrischen (oder magnetischen) Feldes in
diesem Ort an und hängt mit der Intensität der Welle (der Helligkeit des Lichts)
zusammen.
Im Falle massebehafteter Teilchen, wie beispielsweise Elektronen, verbindet die
Quantenmechanik die Wellenlänge mit dem Impuls gemäß der de Broglie’schen
Formel λ = h/p. Was entspricht aber der Amplitude oder der Auslenkung einer
Wellenfunktion Materiewelle? In der Quantenmechanik wird diese Rolle von der Wellenfunktion

Giancoli, Douglas C.. <i>Physik : Lehr- und Übungsbuch</i>, Pearson Deutschland GmbH, 2009. ProQuest Ebook Central, http://ebookcentral.proquest.com/lib/koln/detail.action?docID=5133556.
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