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Konjunktiv II

1. Konjunktiv. Allgemeine Information.


2. Bildung des Konjunktivs II.
3. Die würde-Form.
4. Anwendungsbereiche des Konjunktivs II.

Die Kategorie des Modus gehört auch zu den kommunikativ-grammatischen


Kategorien des Verbs. Zwei Arten der Beziehung , zum Kommunikationsprozeß
und zu dem Sprechenden als der handelnden Person dieses Prozesses, drücken
sich in dem modalen System des deutschen Verbs aus: die Einschätzung der
Realität des von dem Verb bezeichneten Vorgangs, die von Seiten des
Sprechenden erfolgt (man bezeichnet diese Einschätzung als die „Modalität im
engeren Sinne des Wortes“ oder einfach als „Modalität“ bezeichnen), und die
Aufgabe, die der Satz im Kommunikationsprozeß erfüllt – die
Kommunikationsaufgabe. Vor allem dient die Gegenüberstellung Indikativ −
Konjunktiv dem Ausdruck der Modalität im engeren Sinne.
Der Konjunktiv, soweit er in seiner syntaktischen Ruhelage bestimmt
werden kann, allerdings sehr schwierig ist, da die Konjunktivformen in ihren
verschiedenen Funktionen ganz verschiedene Bedeutung aufweisen, bezeichnet
die Einschätzung des Vorgangs als eines nur potentialen oder sogar irrealen,
dessen Existenz also mehr oder weniger unbestimmt ist. Verschiedene Formen des
Konjunktivs bezeichnen verschiedene Grade der Irrealität: Vermutung, Zweifel,
völlige Irrealität. Doch sind auch einige Formen des Indikativs und des
Konjunktivs imstande, die Verschiedenheiten in der Kommunikationsaufgabe
auszudrücken. Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit,
mit Hilfe des Konjunktivs Vorgänge als Erwünschtes zu gestalten – die optative
Funktion des Konjunktivs.
Der Konjunktiv ist im Vergleich zum Indikativ der markierte Modus. Das
bedeutet, dass er nur unter ganz bestimmten Bedingungen zu benutzen ist, die im
Folgenden die Funktionsbereiche des Konjunktivs genannt werden. Seine
Hauptbereiche sind Irrealität/Potenzialität und Referat. Im ersten Bereich kommt
nur der Konjunktiv II infrage, während beide Konjunktive indirektes Referat
signalisieren können. Konjunktivformen treten einerseits in Kontexten auf, in
denen der Konjunktiv allein Irrealität/Potenzialität, indirekte Rede oder
Aufforderung ausdrückt. Dies trifft vor allem auf Konjunktivformen in
selbstständigen Sätzen und Satzgefügen zu.
Bezeichnend für das Mikroparadigma des Konjunktivs ist, dass es zum
Unterschied vom Mikroparadigma des Indikativs nicht einheitlich in modaler
Hinsicht ist. Im Rahmen des Konjunktivs stehen einige modale Bedeutungen
einander gegenüber, die an bestimmte Tempusformen des Konjunktivs oder an
Gruppen von Tempusformen gebunden sind, so dass jede Tempusform im
Mikroparadigma des Konjunktivs Kreuzpunkt von zweifachen Oppositionen ist,
einer modalen und einer zeitlichen Opposition.
Die gleichnamigen Formen des Konjunktivs und des Indikativs haben
verschiedene zeitliche Bedeutung: Präteritum Konjunktiv z. B. bezeichnet die
Gegenwart und die Zukunft abweichend vom Präteritum Indikativ. Verschieden ist
auch der Häufigkeitsgrad der gleichnamigen Zeitformen: so wird Perfekt
Konjunktiv im Unterschied zu Perfekt Indikativ selten gebraucht und ist nur auf
bestimmte Satzarten angewiesen (irreale Komparativsätze, indirekte Rede). Die
zeitliche Bedeutung des Konjunktivs kann relativ und absolut sein. In Bezug auf
die Zeit vereinigen sich einzelne Formen in synonymische Gruppen: Präteritum,
Präsens, Futur I, Konditionalis I können Gegenwart, Zukunft oder Gleichzeitigkeit,
bzw. Nachzeitigkeit bezeichnen; Plusquamperfekt, Perfekt, Konditionalis II,
Futur II können Vergangenheit oder Vorzeitigkeit bezeichnen.
Die modale Bedeutung des Konjunktivs ist stärker ausgeprägt als die
zeitliche. Man ordnet gewöhnlich alle Formen nicht nach dem Zeitbezug, sondern
nach der Modalität in zwei Gruppen ein: Konjunktiv I und Konjunktiv II. Zu
Konjunktiv I gehören die Formen, die vom Präsensstamm gebildet werden:
Präsens, Perfekt und Futur I. Zu Konjunktiv II gehören die Formen, die vom
Präteritumsstamm gebildet werden: Präteritum, Plusquamperfekt, Konditionalis I
und II. Ihr Fassungsvermögen und ihre Gebrauchsweisen sind weiter als die des
Konjunktivs I.
Der Konjunktiv П kennzeichnet das Geschehen als: in der Wirklichkeit nicht
statthabend und nicht als realisierbar gedacht. Daher werden diese
Konjunktivformen oft der Modus Irrealis genannt. Zwischen den einzelnen
Tempusformen des Konjunktivs П besteht folgendes Oppositions Verhältnis:
Gegenwart und Zukunft Vergangenheit
Konj. Präteritum Konj. Plusquamperfekt
l. Konditional 2. Konditional
Der Zusammenfall der Formen des Indikativs beim schwachen Präteritum
begünstigt den synonymischen Ersatz des Konjunktivs Präteritum durch den 1.
Konditional. Der Gebrauch des 2. Konditionals ist verhältnismäßig selten.
Die irreale Bedeutung des Konjunktivs II tritt besonders krass im
Konjunktiv Plusquamperfekt (bzw. im 2. Konditional) zutage, da diese Tempora
auf die Vergangenheit bezogen sind. Das ins Auge gefasste Geschehen ist nicht
eingetreten und gehört somit unzweideutig in den Bereich des Irrealen:
Die Wagen machten plötzlich die Kurve. Hans fiel über Schilling, Es pfiff
über dem Wagen. Hans wäre getroffen worden, wenn er aufrecht gesessen hätte.
(Seghers)
Der Konjunktiv Präteritum und der Konditional I können dank ihrem
Gegenwarts- bzw. Zukunftsbezug auf verschiedenen Möglichkeitsgrad
hindeuten — von der Möglichkeit, deren Realisierung mehr oder weniger in
Aussicht gestellt werden kann, bis zur Irrealitat im eigentlichen Sinne des Wortes.
So handelt es sich zum Beispiel im folgenden Auszug eher um Potenziale
Bedeutung:
Auf dem Heimwege schnaufte Diederich. Hätte er sich nicht
entgegenkommender verhalten sollen mit Jadasson? Für den Fall, dass
Nothgroschen redete! (H.Mann)
Als ganz unrealisierbar, irreal, erscheint dagegen folgender im Konjunktiv
des Präteritums ausgedrückter Wunsch:
Ich steh' auf des Berges Spitze
Und werde sentimental. „Wenn
ich ein Vöglein wäre" Seufz'
ich viel tausendmal
Die Beispiele zeigen, dass kein regelmäßiger Bedeutungsunterschied nach
Grad oder Charakter der Modalität zwischen dem Konjunktiv Plusquamperfekt und
dem Konjunktiv Präteritum besteht und dass die scheinbaren Abstufungen der
modalen Bedeutungen der Irrealität auf den lexikalischen Kontext zurückzuführen
sind.

Bildung des Konjunktivs II. Der Konjunktiv Präteritum der regelmäßigen


Verben stimmt mit dem Indikativ Präteritum überein. Der Konjunktiv Präteritum
der unregelmäßigen Verben enthält im Gegensatz zum Indikativ Präteritum in allen
Endungen ein e (wie der Konjunktiv Präsens):
Indikativ Konjunktiv
ich schrieb ich schriebe
du schriebst du schriebest
er schrieb er schriebe
wir schrieben wir schrieben
ihr schriebt ihr schriebet
sie schrieben sie schrieben
Die unregelmäßigen Verben mit umlautfähigem Stammvokal im Indikativ
Präteritum haben außerdem im Konjunktiv Präteritum noch den Umlaut:
Indikativ Konjunktiv
ich nahm ich nähme
ich bot ich böte
ich trug ich trüge
Bei einigen Verben wird nicht der Vokal des Indikativs Präteritum, sondern
ein anderer (historisch begründeter) Vokal umgelautet:
Indikativ Konjunktiv
ich half ich hülfe
ich begann ich begönne (neben: begänne)
Der Konjunktiv Perf. wird mit dem Konjunktiv Präsens von haben/sein +
Partizip II des Verbs gebildet, der Konjunktiv Plusquamperfekt entsprechend mit
dem Konjunktiv Präteritum. Bei den Verben mit haben fallen dabei einige Formen
im Konjunktiv Perf. mit den entsprechenden indikativischen Formen zusammen (1.
Person Sing., 1./3. Person PL):
Plusquamperfekt mit haben
ich hatte gearbeitet ich hätte gearbeitet
du hattest gearbeitet du hättest gearbeitet
er hatte gearbeitet er hätte gearbeitet
wir hatten gearbeitet wir hätten gearbeitet
ihr hattet gearbeitet ihr hättet gearbeitet
sie hatten gearbeitet sie hätten gearbeitet
Plusquamperfekt mit sein
ich war gegangen ich wäre gegangen
du warst gegangen du wärest gegangen
er war gegangen er wäre gegangen
wir waren gegangen wir wären gegangen
ihr wart gegangen ihr wäret gegangen
sie waren gegangen sie wären gegangen
Da im Konjunktiv das Plusquamperfekt zum Ausdruck der absoluten Zeit
der Vergangenheit verwendet wird, steht diese Form nicht wie im Indikativ zur
Wiedergabe der relativen Zeit der Vorzeitigkeit zur Verfügung. Auf diese Weise
fehlt im Konjunktiv ein besonderes formales Kennzeichen für die Vorzeitigkeit,
die deshalb nur aus dem Inhalt der Aussage selbst erschlossen werden kann. Man
vergleiche den Tempusgebrauch im potentiellen Konditionalsatz mit dem des
irrealen Konditionalsatzes:
Wenn es in der Nacht geregnet hatte, goß sie am Morgen die Blumen nicht.
(Indikativ: verschiedene Tempusformen für verschiedene Zeiten)
Wenn es in der Nacht geregnet hätte, hätte sie am Morgen die Blumen nicht
gegossen. (Konjunktiv: gleiche Tempusformen für verschiedene Zeiten)
Ebenso bei direkter und indirekter Rede:
Er erzählte: „Ich fuhr nach Hause, nachdem ich die Prüfungen abgelegt
hatte."
Er erzählte, er sei / wäre nach Hause gefahren, nachdem er die Prüfungen
abgelegt habe / hätte.

Die würde-Form. Neben den regulären Konjunktivformen kann im


Deutschen noch eine besondere Konjunktivform – Konditionalis I und II − aus
dem Konjunktiv Präteritum von werden und dem Infinitiv (I und II) des Verbs
gebildet werden. Diese sogenannte Würde-Form kann als Ersatz für nahezu alle
anderen Konjunktivformen stehen. Besonders oft werden Konjunktiv Präsens,
Präteritum und Futurum durch würde + Infinitiv I ersetzt, vor allem, wenn sie mit
den indikativischen Formen zusammenfallen und die durch die Konjunktivformen
ausgedrückten Funktionen auch nicht durch andere Sprachmittel gekennzeichnet
sind.
So wird die würde-Form bevorzugt, wenn die indirekte Rede in Form eines
uneingeleiteten Nebensatzes nicht von der direkten Rede zu unterscheiden ist:
Sie hat mir erzählt: „Seine Eltern leben auf dem Land."
— Sie hat mir erzählt, seine Eltern leben auf dem Land.
— Sie hat mir erzählt, seine Eltern würden auf dem Land leben.
Die würde-Form erscheint auch, wenn der Konditionalsatz als potentieller
Konditionalsatz (mit Vergangenheitsbedeutung) oder als irrealer Konditionalsatz
(mit Gegenwartsbedeutung) interpretierbar ist:
Wenn er regelmäßig trainierte, erreichte er mehr. — Wenn er regelmäßig
trainieren würde, erreichte er mehr.
Die würde-Form ersetzt weiterhin die veralteten präteritalen
Konjunktivformen verschiedener unregelmäßiger Verben:
Wenn ich Zeit hätte, hülfe ich dir. — Wenn ich Zeit hätte, würde ich dir
helfen.
Über diese besonderen Fälle hinaus ist in der gesprochenen Sprache die
Bevorzugung der würde-Form als eine generelle Tendenz zu sehen.
Von den regulären Konjunktivformen der schriftlichen Standardsprache
kommt in der gesprochenen Sprache nur noch der Konjunktiv Präteritum einiger
häufig gebrauchter Verben (wie der Modalverben) vor, sonst ist die würde-Form
vorherrschend. Seltener ist der Ersatz des Konjunktivs Perfekt und
Plusquamperfekt durch würde + Infinitiv II, da diese Formen in der Regel
eindeutig sind und die würde-Form umständlicher wäre:
An deiner Stelle hätte ich ihn gefragt. − An deiner Stelle würde ich ihn
gefragt haben.
Ganz unüblich ist der Ersatz durch den Konditionalis vor allem in der
indirekten Rede:
Er erzählte, er habe sie auf der Straße getroffen. — Er erzählte, er würde sie
auf der Straße getroffen haben.
Aber nicht immer handelt es sich beim Gebrauch von würde um eine
Ersatzform. Es kann auch der reguläre Konjunktiv Präteritum von werden als
Vollverb mit prädikativem Substantiv/Adjektiv oder als Hilfsverb zur Bildung des
Vorgangspassivs gemeint sein:
Wenn er doch bald gesund würde!
Es sieht aus, als würde es Winter.
Wenn ich gefragt würde, wüßte ich auch keine Antwort.

Anwendungsbereiche des Konjunktivs II. Der Konjunktiv II hat einen weiten


Verwendungsbereich, d.h. Konjunktiv II hat viele Bedeutungen.

1) Als erste Bedeutung betrachten wir einen unerfüllbaren oder unerfüllten


Wunsch. Hier ist der Konjunktiv unerlässlich. Der Wunschsatz tritt in zwei
Varianten auf:
 mit dem Anfangsstellung des finiten Verbs: Wäre jetzt Sommer!
 mit der Konjunktion wenn: Wenn doch jetzt Sommer wäre!
Mit der Partikel doch und/oder nur wird die Bedeutung des Wunsches signalisiert,
während der Konjunktiv den irrealen Charakter des Wunsches (in der Regel:
unerfüllbarer Wunsch) zum Ausdruck bringt. Die Zeitformen haben in diesem Fall
absolute zeitliche Bedeutung. Für die Gegenwart wird Konjunktiv Präteritum
(bzw. würde + Infinitiv I), für die Vergangenheit Konjunktiv Plusquamperfekt
(selten: würde + Infinitiv II) verwendet. Die temporale und die modale Funktion
werden durch vorangehende indikativische Sätze mit Umkehrung von Bejahung
und Verneinung erkennbar:
Ich kann dir nicht helfen. Wenn ich dir doch (nur) helfen könnte!
Könnte ich dir doch (nur) helfen! (Gegenwart)
Ich habe etwas gesagt. Wenn ich doch (nur) nichts gesagt hätte! Hätte
ich doch (nur) nichts gesagt!
Das Plusquamperfekt schließt jede Möglichkeit der Realisierung aus, das
Präteritum kann unter Umständen auch einen realisierbaren Wunsch bezeichnen.
Der Satz „Lebte er noch!“ kann sich auf einen Verschollenen oder Verstorbenen
beziehen. Deshalb nennt man das Präteritum Konjunktiv Sperativ (Zeitform der
Hoffnung), das Plusquamperfekt Konjunktiv Desperativ (Zeitform der
Hoffnungslosigkeit).

2) Die zweite Hauptgebrauchsvariante des Konjunktivs ist der irreale


Konditionalsatz.
Der Konjunktiv ist das einzige Mittel im Konditionalsatz, um die Irrealität zu
bezeichnen. Aus diesem Grunde ist der Konjunktiv im irrealen Konditionalsatz
obligatorisch. Im irrealen Konditionalsatz werden nur insgesamt
zwei Formen (neben der würde-Form) verwendet, wobei jeweils eine Form eine
Zeitstufe bezeichnet. Wesentlich ist dabei, daß für diese Zeitstufen im Konjunktiv
andere Tempusformen als im Indikativ beim potentiellen Konditionalsatz
erscheinen. So, zur Wiedergabe der Gegenwart/Zukunft dienen Konjunktiv
Präteritum und würde + Infinitiv I:
Wenn er Zeit hat, geht er spazieren, (potentiell)
Wenn er Zeit hätte, ginge er spazieren (..., würde er spazieren gehen) (irreal)
Man spricht von „potentiellen" und nicht — wie oft in der Fachliteratur — von
„realen" Konditionalsätzen, weil konditionale Sachverhalte ihrem Wesen nach
nicht real, sondern immer nur potentiell, d. h. möglich und nicht wirklich sind. Der
potentielle Charakter von konditionalen Sachverhalten wird besonders deutlich im
Vergleich mit kausalen Sachverhalten, die stets real sind:
Weil er krank ist, kommt er nicht. (real)
Wenn er krank ist, kommt er nicht. (potentiell)
Für die Vergangenheit wird Konjunktiv Plusquamperfekt verwendet; daneben
kommt gelegentlich auch würde + Infinitiv II vor.
Wenn er Zeit hatte, besuchte er seine Freunde, (potentiell)
Wenn er Zeit gehabt hätte, hätte er seine Freunde besucht (..., würde er seine
Freunde besucht haben.) (irreal)
Grundsätzlich bedeutet der Gebrauch eines irrealen Konditionalsatzes, daß der
Sprecher eine Gegenposition zur Realitätserfahrung bezieht. In der Vergangenheit
ist dies immer mit Unerfüllbarkeit einer Bedingung identisch.
Vor allem in der Zukunft kann es sich abhängig vom Inhalt der Aussage sowohl
um eine unerfüllbare Bedingung als auch um eine erfüllbare Bedingung handeln:
Wenn du Zeit hättest, könnten wir am Sonntag etwas zusammen unternehmen.
(erfüllbar)
Wenn morgen Sonntag wäre, könnten wir einen Ausflug machen. (unerfüllbar)
Irreale Konditionalsätze erscheinen nicht nur in expliziter Form als Gefüge von
bedingendem Nebensatz und bedingtem Hauptsatz. Relativ oft werden die
Bedingungen in anderer Form ausgedrückt. Man kann hier von verkappten irrealen
Konditionalsätzen sprechen, die erst durch die Zurückführung auf ein Gefüge als
Konditionalsätze erkennbar werden. Die wichtigsten dieser Formen sind
 Infinitiv- und Partizipialkonstruktionen
Es wäre gut, ihn selbst zu fragen. — Es wäre gut, wenn Sie ihn selbst fragen
würden.
 Präpositionale Gruppen
An deiner Stelle würde ich ihn noch einmal fragen. — Wenn ich an deiner Stelle
wäre, würde ich ihn noch einmal fragen.
 Satzverbindungen mit aber und andere antonymische indikativische
Aussagen im Kontext
Warum hast du ihn nicht gefragt? Er hätte dir bestimmt geholfen. — Wenn du ihn
gefragt hättest, hätte er dir bestimmt geholfen.
In anderen Fällen ist die Zurückführung auf ein Konditionalgefüge nur noch
bedingt möglich, da der Konjunktiv hier formelhaft ist. Es handelt sich um den
Konjunktiv der höflichen oder vorsichtig abwägenden Äußerung:
Könnten Sie mir sagen (, wenn Sie so freundlich wären), wie spät es ist?
Der Konjunktiv in diesen Sätzen steht nicht mehr in einem deutlichen Gegensatz
zu entsprechenden Sätzen im Indikativ. Die Modi sind hier vielmehr austauschbar,
ohne daß ein nennenswerter Bedeutungsunterschied erkennbar ist.

3) Der Konjunktiv wird auch in der Bedeutung der untergebrochenen Handlung


gebraucht. Die Adverbiale fast, beinahe, um ein Haar begleiten das
Plusquamperfekt Konjunktiv und weisen darauf hin, dass die Handlung
unterbrochen und deshalb nicht abgeschlossen wurde.
Fast (beinahe) hätte ich mich verspätet. Um ein Haar wäre ich gestürzt.
Selten ersetzt man den Konjunktiv durch den Indikativ Perfekt oder Präteritum:
Fast habe ich mich verspätet (verspätete mich).

4) Der Konjunktiv kann auch in der Bedeutung der Unschlüssigkeit, oft in einer
nicht kategorischen höflichen Aussage. In der Regel wählt man dabei das
Präteritum Konjunktiv oder den Konditionalis:
Ich wäre anderer Meinung. Mein Rat wäre anders.
Oft in Fragesätzen und in betont höflichen Aufforderungssätzen:
Ich möchte Ihnen etwas sagen. Dürfte ich Sie um jene Zeitung bitten?
Der Konjunktiv dieser Art gehört teilweise ins imperativische Feld:
Würden Sie bitte hier auf mich warten?
In der höflichen Wunschsätzen mit gern, am liebsten erscheint auch das
Plusquamperfekt mit Gegenwartsbezug.
Ist Herr Müller nicht da? Ich hätte gern mit ihm selbst gesprochen.

5) Der Konjunktiv hat die Bedeutung eines irrealen Vergleichs in den


Komparativsätzen mit den Konjunktionen als ob, als wenn, als, wie wenn; meist
steht der Konjunktiv (nach als immer), selten trifft man den Indikativ an. Auch in
diesen Sätzen ist der Konjunktiv ein fakultatives Mittel, neben dem ohne Änderung
der Aussage der Indikativ vorkommt (allerdings kaum im Satztyp mit einleitendem
als). Die Zeitformen haben relative zeitliche Bedeutung und können einander
ersetzen:
Präsens, Präteritum – Gleichzeitigkeit
Perfekt, Plusquamperfekt – Vorzeitigkeit
Konditionalis I, Futur I – Nachzeitigkeit
Zum Ausdruck der Nachzeitigkeit dienen oft die Verben wollen und sollen im
Präteritum.
Zur Wiedergabe der Gegenwart (= Gleichzeitigkeit) dient vor allem Konjunktiv
Präteritum, daneben aber auch Konjunktiv Präsens und würde + Infinitiv I:
Das Kind weint, als ob es große Schmerzen hätte / habe / haben würde.
Zum Ausdruck der Vergangenheit (= Vorzeitigkeit) wird neben Konjunktiv
Plusquamperfekt auch Konjunktiv Perfekt verwendet:
Der Nachbar tut so, als hätte / habe er mich nicht gesehen.
Für die relativ seltene Zukunft (= Nachzeitigkeit) findet neben der würde-Form
auch Konjunktiv Futur I Verwendung:
Die Frau sieht aus, als würde /werde sie gleich umfallen.

6) Um satztypischen Konjunktivgebrauch wie im irrealen Konditionalsatz


handelt es sich auch bei bestimmten Konzessiv- und Konsekutivsätzen.
Irrealer Konzessivsatz. Konzessivsätze im eigentlichen Sinne — eingeleitet mit
obwohl, obgleich, trotzdem usw. — sind nicht in irrealer Bedeutung mit
Konjunktiv möglich. Konjunktiv zum Ausdruck des Irrealis gibt es nur bei den
Konzessivsätzen, die formal mit Konditionalsätzen identisch sind und sich von
diesen nur durch die verschiebbare Partikel auch (oder: sogar, selbst)
unterscheiden. Für den Gebrauch der Konjunktivformen
in diesen Sätzen gelten die gleichen Regeln wie für den irrealen Konditionalsatz:
Auch wenn ich Zeit hätte, würde ich mir den Film nicht ansehen.
(Präteritum bzw. würde + Infinitiv I für Gegenwart/Zukunft)
Auch wenn es geregnet hätte (haben würde), hätten wir den Ausflug gemacht.
(Plusquamperfekt und beschränkt würde + Infinitiv II für Vergangenheit)
Neben dem irrealen Konjunktiv Präteritum/Plusquamperfekt kommt vor allem in
Konzessivsätzen interrogativischen und imperativischen Charakters vereinzelt
auch Konjunktiv Präsens vor:
Wie dem auch sei, man muß ihm helfen.
Irrealer Konsekutivsatz. Wie im irrealen Konditionalsatz wird im Prinzip der
Konjunktiv auch in den irrealen Konsekutivsätzen mit der Konjunktion als daß
(und dem Korrelat zu im Hauptsatz) gebraucht. Im Unterschied zum
Konditionalsatz erscheinen die Konjunktivformen jedoch nur im Nebensatz.
Außerdem kommt im Konsekutivsatz gelegentlich auch der Indikativ mit irrealer
Bedeutung vor. Dieser Modusgebrauch ist möglich, weil die Bedeutung des Irrealis
bereits durch die Konjunktion (und das Korrelat) signalisiert wird und der
Konjunktiv die Aussage nur zusätzlich unterstreicht. Beim Nebeneinander von
Konjunktiv und Indikativ entsprechen sich Konjunktiv Präteritum und Indikativ
Präsens für die Gegenwart und Konjunktiv Plusquamperfekt und Indikativ
Präteritum (Perfekt) für die Vergangenheit. Der Charakter des Irrealis wird
deutlich im Vergleich mit bedeutungsgleichen Konsekutivsätzen mit Konjunktion
so daß und Negationselement:
Gegenwart
Das Wasser ist so kalt, daß man nicht darin baden kann.
Das Wasser ist zu kalt, als daß man darin baden könnte/kann.
Vergangenheit
Das Wasser war so kalt, daß man nicht darin baden konnte.
Das Wasser war zu kalt, als daß man darin hätte baden können l man darin baden
konnte.
Wie im irrealen Konsekutivsatz ist das gelegentliche Vorkommen des Konjunktivs
in den negativen Konsekutivsätzen (mit der Konjunktion ohne daß) zu beurteilen.
Auch hier ist der Konjunktiv ein zusätzliches formales Merkmal, mit dem die
Bedeutung des negativen Konsekutivsatzes unterstrichen wird. Es entsprechen sich
auch auf den einzelnen Zeitstufen die gleichen Indikativ- und Konjunktivformen:
Er hilft jedem bereitwillig, ohne daß man ihn besonders darum bitten muß / müßte.
(Gegenwart: Indikativ Präsens — Konjunktiv Präteritum)
Ich habe tüchtig gefroren, ohne daß ich mich erkältet habe /hätte. (Vergangenheit:
Indikativ Präteritum/Perfekt — Konjunktiv Plusquamperfekt).

7) Der Konjunktiv dient als Merkmal der indirekten Rede. Die indirekte Rede
ist die nicht-wörtliche, mittelbare Wiedergabe fremder (selten früherer eigener)
Rede. Man nennt sie auch berichtete oder referierte Rede. Die indirekte Rede steht
die direkte gegenüber, d.h. die wörtliche Rede der 1. Person oder wörtlich
wiedergegebene zitierte Rede einer andern Person. Gewöhnlich ist die indirekte
Rede in einem Gliedsatz erhalten, der von einem Hauptsatz mit dem Verb des
Sagens (oder einem Verbalsubstantiv) abhängig ist. Es gibt mehrere Kennzeichen
der indirekten Rede:
1) das Verb oder das entsprechende Verbalsubstantiv im Hauptsatz,
2) die einleitende unterordnende Konjunktion,
3) die Form des Gliedsatzes,
4) die Verschiebung der Person,
5) der Konjunktiv.
Keines dieser Mittel ist obligatorisch, doch ist gewöhnlich zumindest eines
vorhanden, um die indirekte Rede als solche zu kennzeichnen. Beim Gebrauch von
Personal- und Possessivpronomina sowie bestimmter Adverbien kommt es in der
indirekten Rede außerdem zu einer Pronominal- und Adverbialverschiebung.
Direkte Rede: Ich heiße Monika.
Indirekte Rede: Das Mädchen sagte, dass sie Monika heiße.
Das Mädchen sagte, sie heiße Monika.
In der indirekten Rede werden alle Zeitformen des Konjunktivs gebraucht.
Das Mädchen sagte, dass sie Anita heiße (hieße), vor kurzem ihr Abitur gemacht
habe (hätte) und als Dolmetscherin arbeiten werde (würde).
In der indirekten Rede verlieren die Zeitformen ihre hypothetische Bedeutung,
deshalb wird der Konjunktiv oft durch den Indikativ verdrängt. Das geschieht in
der Regel im Stil der Alltagsrede, dann genügen andere Zeichen der referierten
Rede. Die Publizistik dagegen bevorzugt den Konjunktiv, besonders dort, wo es
notwendig ist, die Rede des Reporters von der berichteten Rede anderer Personen
abzugrenzen (politische Nachrichten). Im Stil des öffentlichen Verkehrs und zwar
in der Textsorte Protokoll ist solch eine Abgrenzung ebenfalls von großer
Bedeutung.
Die Leistung des Konjunktivs tritt besonders klar zutage, wenn die
berichtete Rede ohne einleitendes Verb des Sagens in Form eines unabhängigen
Satzes erscheint, was nicht selten in der modernen literarischen Prosa vorkommt.
In diesem Fall ist der Konjunktiv das einzige Merkmal des Übergangs von der
Autorensprache zu der berichteten Rede der Romanhelden,
Fabian fuhr ein Stich durchs Herz. „So bald also wollen die Damen die Stadt
schon verlassen?" fragte er.
Für die Verwendung des Konjunktivs in indirekter Rede ist von grundlegender
Bedeutung die Unterscheidung nach den Zeitstufen. Bei der indirekten Rede sind
drei Zeitstufen zu unterscheiden, die sich als relative oder als absolute Zeiten
beschreiben lassen. Um relative Zeiten handelt es sich, wenn man von Gleich-,
Vor- oder Nachzeitigkeit der in der Rede gegebenen Aktzeit im Verhältnis zu der
in der Redeeinleitung gegebenen Sprechzeit spricht. Um absolute Zeitstufen geht
es, wenn man — wie beim Indikativ der direkten Rede — allein von der in der
indirekten Rede ausgedrückten Zeit, wie sie für den (ersten) Sprecher gegeben ist,
ausgeht. Aus praktischen Gründen wählen wir die zweite Einteilung und sprechen
im folgenden nur von Gegenwart (= Gleichzeitigkeit), Vergangenheit (=
Vorzeitigkeit) und Zukunft (= Nachzeitigkeit). Diese verschiedenen Zeitstufen
werden im Konjunktiv durch andere Tempusformen als im Indikativ
ausgedrückt. Im Indikativ wird die Gegenwart gewöhnlich durch Präsens
wiedergegeben, zum Ausdruck der Vergangenheit stehen Präteritum und Perfekt
zur Verfügung, und für die Wiedergabe der Zukunft dienen Futur I oder Präsens.
Bei Verwendung des Konjunktivs ergibt sich folgende Tempusverteilung:
Zur Wiedergabe der Gegenwart dienen Konjunktiv Präsens und Präteritum sowie
würde + Infinitiv I:
Sie hat mir gesagt: „Ich lese gerade einen Roman von Tolstoi."
- Sie hat mir gesagt, sie lese gerade einen Roman von Tolstoi.
[…], sie läse gerade einen Roman von Tolstoi.
[…], sie würde gerade einen Roman von Tolstoi lesen.
Zum Ausdruck der Vergangenheit werden Konjunktiv Perfekt und
Plusquamperfekt verwendet:
Sie hat mir gesagt: „Ich habe den Roman schon früher gelesen."
Sie hat mir gesagt, sie habe den Roman schon früher gelesen.
[…], sie hätte den Roman schon früher gelesen.
Zur Wiedergabe der Zukunft dienen Konjunktiv Futur I und würde + Infinitiv I.
Daneben können auch die zum Ausdruck der Gegenwart dienenden
konjunktivischen Tempusformen des Präsensund Präteritums verwendet werden:
Sie hat mir gesagt: „Ich werde den Roman in nächster Zeit lesen."
Sie hat mir gesagt, sie werde den Roman in nächster Zeit lesen.
[…], sie würde den Roman in nächster Zeit lesen.
[…], sie lese den Roman in nächster Zeit.
[…], sie läse den Roman in nächster Zeit.
direkte Rede/ Indikativ indirekte Rede/Konjunktiv
Gegenwart Präsens Präsens, Präteritum,
würde + Inf. I
Vergangenheit Präteritum, Perfekt Perfekt, Plusquamperfekt
Zukunft Futur I, Präsens Futur I, würde + Inf. I,
Präsens, Präteritum

Die indirekte Rede ist nur eine von mehreren Ausdrucksmöglichkeiten der
Redewiedergabe. Grundsätzlich ist die Redewiedergabe auch in direkter Rede mit
Indikativ möglich. Beim Gebrauch der indirekten Rede gibt es eine
gewisse Freiheit in der Moduswahl. Der Konjunktiv ist nur ein Mittel unter
anderen zur Kennzeichnung der indirekten Rede und aus diesem Grunde hier nicht
obligatorisch. So kommt neben dem Konjunktiv auch der Indikativ vor. Dies ist
vor allem dann der Fall, wenn die indirekte Rede schon eindeutig durch die
Nebensatzform gekennzeichnet ist:
Sie hat mir gesagt, daß sie den Roman schon gelesen hat (habe/ hätte).
Wenn das redeeinleitende Verb in der 1. Pers. Sing. Präs, steht, ist nur Indikativ
üblich (außer bei Verben des Aufforderns):
Ich glaube, sie hat ("habe /hätte) das Buch schon gelesen.
Daneben werden auch nicht-eindeutige Formen verwendet, die durch den
Zusammenfall verschiedener Indikativ- und Konjunktivformen bedingt sind:
Sie haben mir erklärt, daß sie gut zusammenarbeiten.
Ebenso wenig wie die Wahl zwischen Indikativ und Konjunktiv genau
festgelegt ist, gibt es feste Regeln für den Gebrauch der verschiedenen
Konjunktivformen innerhalb einer bestimmten Zeitstufe. Weder werden nicht-
eindeutige Formen in jedem Fall durch eindeutige Formen ersetzt, noch ergibt sich
aus dem Tempus oder der Person des redeeinleitenden Verbs (auch nicht aus der
Wahl des redeeinleitenden Verbs selbst) die Bevorzugung einer Form. Es ist auch
nicht nachweisbar, daß mit bestimmten Formen eine besondere Sprecherintention
(etwa eine größere Distanz zum Redeinhalt) ausgedrückt wird. Für den Gebrauch
der Konjunktivformen können nur folgende allgemeine Hinweise gegeben werden:
In der literarischen Sprache (belletristische und wissenschaftliche Prosa, Sprache
der Presse usw.) werden innerhalb der einzelnen Zeitstufen jeweils Präsens,
Perfekt und Futur I bevorzugt, in umgangssprachlich beeinflusster Sprache
kommen umgekehrt häufiger Präteritum bzw. Plusquamperfekt und würde +
Infinitiv I vor (im Norden des deutschen Sprachgebiets auch dialektal bedingt).
In der literarischen Sprache werden Präteritum, Plusquamperfekt und würde +
Infinitiv I oftmals dann benutzt, wenn die Formen des Präsens, Perfekt oder Futur I
mit indikativischen Formen zusammenfallen.
Der Konditionalis tritt auch als Merkmal der erlebten Rede auf, besonders
deutlich beim Übergang von der Autorensprach zur erlebten Rede. Bei den
Schriftstellern, die verschiedene Arten der erlebten Rede (den inneren Monolog)
als Stilmittel verwerten, tritt der Konditionalis häufig auf. Außerdem kann der
Konjunktiv in der berichteten Rede eine gewisse Distanzierung vermitteln. Man
gibt fremde Worte wieder, ohne sich für ihre Gültigkeit zu verbürgen.

Quellen
Адмони В. Г. Теоретическая грамматика немецкого языка, 1986

Москальская О. И. Теоретическая грамматика современного немецкого


языка, 2004

Schendels E. Deutsche Grammatik : Morphologie, Syntax, Text, 1982

Helbig G., Buscha J. Deutsche Grammatik, 1996.