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5/27/2019 Volle Fahrt ins Nichts. Wieso uns Rechtspopulisten nicht retten werden.

Volle Fahrt ins Nichts.


Wieso uns Rechtspopu-
listen nicht retten werden.
Die rechtspopulistischen Parteien sind für Patrioten von
Relevanz, weil sie die einzigen, politisch bedeutsamen
Akteure im Westen sind, die sich gegen Einwanderung
aussprechen. Das bedeutet noch nicht, dass alle
Rechtspopulisten grundsätzlich gegen Einwanderung wären.
So richtete sich die Kritik in der letzten Zeit vor allem gegen
illegale Einwanderung. In weiten Teilen entspricht der
politische Forderungskatalog der Rechtspopulisten ohnehin
dem, was vor einigen Jahren noch unter sozialdemokratischen
und christlich-bürgerlichen Parteien relativer Konsens war.

Etwa:

Rechtsstaatlichkeit, vor allem hinsichtlich Einhaltung


der migrationsrelevanten Rechtsnormen und
Grenzschutz
Bekämpfung von antiliberalen Bewegungen, vorrangig
Islam bzw. Islamismus, Antisemitismus etc.
Integrationsmaßnahmen für Migranten wie Sprachkurse
etc.
Kampf um Gleichberechtigung von Frauen durch
„Kopftuch- und Burkaverbote“, Wertekurse für
Migranten etc.
Pazifizierung der Gesellschaft durch Stärkung des
Gewaltmonopols, mehr Rechte für die Exekutive,
Terrorismusbekämpfung, gewaltfreie Konfliktlösung,
schärfere Strafen für Gewalttäter etc.
Kampf um Religionsfreiheit, vor allem für Christen und
Juden in Verbindung mit dem Dominanzverhalten von
Muslimen
Familienförderung durch finanzielle Unterstützung für
Kinder etc.
Schutz der heimischen Kultur per Sprachquoten oder
Förderung von Folklore
usw.

Darüberhinaus bestehen die Forderungen oft aus:

Wirtschaftsliberalismus und Eigenverantwortlichkeit


der Bürger
teils sozialdemokratisch inspirierter Sozialpolitik oder
das Gegenteil davon, um Migranten aus
sozialpolitischen Maßnahmen auszunehmen
Einsatz für die Freuden und Freiheiten des „kleinen
Mannes“ (gegen Rauchverbote, Einsatz für

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Autofahrer/Individualverkehr, Einsatz für Tierhalter


und gegen Tierquälerei im Privatbereich, Einsatz für
bestimmte Branchen wie Gastronomie,
Taxiunternehmer etc.)
usw.

Reaktionäre des Liberalismus


Der Einsatz für Rechtsstaatlichkeit, gegen antiliberale
Tendenzen, für die Gleichberechtigung von Frauen, für
Religionsfreiheit oder Integrationsmaßnahmen wie
Sprachkurse sind Forderungen, die bei Rechtspopulisten
gegen Migration oder Aspekte der Migration in Stellung
gebracht werden. Letztlich sind es jedoch, vom Kontext
abstrahiert betrachtet, urliberale Forderungen, die
ursprünglich eher von linksliberaler Seite (als Avantgarde des
Liberalismus) erhoben und später von christlich-bürgerlicher
Seite mitgetragen wurden. Keiner dieser liberalen Aspekte
befördert irgendwie die Identität der einheimischen
Bevölkerung oder ist gegen Migration gerichtet. Diese
Maßnahmen sind bloß dazu geeignet, die Aufnahme der
(meist nicht liberalen) Migranten in das westlich-liberale
Wertegefüge zu verbessern.

Und dort wo Maßnahmen Migration verringern sollen, etwa


durch Rückbau der Sozialsysteme, lässt sich nicht zwischen
eingebürgerten Migranten und einheimischer Bevölkerung
differenzieren. Die Förderung der eigenen Wählerschaft
durch Sozialpolitik, bspw. mittels Familienförderung, ist nicht
ohne das Befördern von migrantischen Familien (und zwar
noch mehr aufgrund höherer Fertilität) möglich. Dieser
Widerspruch lässt sich vor dem Gleichheitsgrundsatz
(Egalitarismus) des Liberalismus nicht auflösen.

Was heißt das? Der liberale Staat kennt keine ethnokulturelle


Identität seiner Bürger. Keine westliche Nation von Relevanz
hat die Verteidigung der ethnokulturellen Identität zum Inhalt
einer Verfassungsurkunde. Der liberale Staat verhält sich im
besten Fall neutral zu den Identitäten seiner Bürger, im
schlechtesten Fall versucht er sie zu überwinden.
Rechtspopulisten hingegen träumen von einem „Liberalismus
ohne Ausländer“ wie es ihn vielleicht in den ersten ein bis
drei Jahrzehnten der Nachkriegszeit gab.

Bei Donald Trump, als einem der jüngsten Vertreter des


Rechtspopulismus, zeigt sich das Phänomen praktisch. Er hat
die Nachkriegsjahre der Eisenhower-Ära als positive
Referenz - bewusst oder unbewusst - vor Augen. Und die
österreichische FPÖ bezieht sich gerne positiv auf die 1970er
Jahre unter dem SPÖ-Bundeskanzler Kreisky. Denn ab den
1980er Jahren begann der Abschwung und die ersten
Erosionserscheinungen der liberalen, westlichen
Gesellschaften wurden sichtbar. Die ehemaligen Gastarbeiter
sind sesshaft geworden, die Migrantenströme wurden nicht
eingedämmt und die letzten konservativen Wertebestände aus

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vor- und frühliberalen Zeiten waren im Gefolge der 68er-


Revolte aufgezehrt. Armin Mohler führt es grundsätzlicher
aus:

„Das eigentliche politische Problem des


Liberalismus ist, daß eine liberale Praxis nur
möglich ist, wenn gewisse Traditionsbestände an
Gewohnheiten und tief eingerasteten Sitten noch
vorhanden sind, mit deren Hilfe die Gesellschaft
ihre Schwierigkeiten meistert. Salopp
gesprochen: sechs konservative Jahrhunderte
erlauben es zwei Generationen, liberal zu sein,
ohne Unfug anzurichten. Sind aber jene Bestände
in der permissiven Gesellschaft einmal
aufgezehrt, so werden die bestgemeinten
liberalen Parolen zu Feuerlunten.“

Armin Mohler: Gegen die Liberalen, Edition


Antaios, 2013, S. 11.

Und weil Rechtspopulisten in diese Zeit gewissermaßen


zurückwollen, hat die Linke ihr Wählerpotenzial, nicht zu
unrecht, als „Modernisierungsverlierer“ geschmäht. Was
Rechtspopulisten nicht sehen: Dass die kulturelle Misere des
Westens, wie sie von der Nouvelle Droite analysiert wurde,
ursächlich mit dem Liberalismus verknüpft ist (Vgl. Alain de
Benoist: Der Liberalismus, der Hauptfeind, in: Aufstand der
Kulturen, JF Edition, 2011, S. 17 ff) – aber dazu an anderer
Stelle mehr. Es wird daher nie wieder einen „Liberalismus
ohne Ausländer“ geben. Die Nachkriegsjahre waren
dahingehend bloß ein Durchgangsstadium, ein Relikt, keine
systemische Option. Jene Zeiten, auf die Rechtspopulisten
rekurieren, kommen nie wieder. Dafür gibt es Gründe, aber
auch das soll uns hier nicht weiter beschäftigen; ganz
abgesehen davon, dass es generell unmöglich ist, in einen
beliebigen Zeitpunkt der Geschichte zurückzureisen um dort
eine andere Abzweigung zu nehmen. Diese Auffassung geht
davon aus, dass eine Fehlentscheidung in der Geschichte
vorliegt und man bloß zu einem Zeitpunkt ungünstig
abgebogen ist. Rechtspopulisten sind daher so etwas wie die
„Reaktionäre des Liberalismus“.

Die Rechtspopulisten als „Reaktionäre des Liberalismus“ sind


also jenen christlich-bürgerlichen „Konservativen, die immer
verlieren“ nicht unähnlich (Vgl. Alex Kurtagic: Warum
Konservative immer verlieren, Verlag Antaios, 2013).
Letztere hinken den Linksliberalen als gesellschaftlichen
Taktgebern stets um ein paar Jahre hinterher, um letztlich
nachzuziehen (Homo-Ehe, Feminismus, Migration etc.). Sie
stehen bloß auf der Bremse. Rechtspopulisten stehen noch
stärker auf der Bremse, wollen die Fahrt des Liberalismus
verlangsamen oder versuchen eine liberalistische
Schubumkehr, die ihnen aber in der Praxis, auch nach
Jahrzehnten, noch nirgendwo geglückt ist. Tatsächlich leisten
sie dem Liberalismus in manchen Bereichen eher noch

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Vorschub, weil man meint, ihn gegen antiliberale Migranten


(Islam) in Stellung bringen zu können.

Der nüchterne Blick


Wieso also werden uns Rechtspopulisten nicht retten? Einige
Aspekte, derer es wohl noch mehr gibt:

1. Rechtspopulisten haben kein Bewusstsein für die Tiefe


der Problematik und die Notwendigkeit einer massiven
gesellschaftlichen Transformation.
2. Rechtspopulisten halten Metapolitik für bedeutungslos.
Aus ihrer Sicht ist die Misere strikt staatspolitisch, also
per Legislative und Exekutive zu lösen (was unter
Berücksichtigung von Pt. 1 nachvollziehbar ist).
3. Rechtspopulisten verfügen über keine
parlamentarischen Mehrheiten oder Alleinregierungen
– weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart
und wohl auch nicht in Zukunft. Sie sind stets in
Opposition oder auf nicht rechtspopulistische
Koalitionspartner angewiesen.
4. Das institutionelle Korsett des Spätliberalismus verengt
den faktischen Handlungsspielraum der Politik soweit,
dass tiefgreifende Änderungen nicht möglich sind.
5. Rechtspopulisten bieten keine großen Ideen zur
Problemlösung, weil ihnen ein positiver Gegenentwurf
jenseits von „Liberalismus ohne Ausländer“ fehlt (was
mit Pt. 1 und 2 eng verknüpft ist).
6. Rechtspopulisten sind, selbst wo sie Veränderungen
bewirken, objektiv zu langsam. Wenn man die
Entwicklung des Rechtspopulismus und der
Demographie der letzten Jahrzehnte kritisch ins
Verhältnis setzt, lässt sich leicht abschätzen, dass der
Ansatz allein aus Zeitmangel (unter Auslassung der Pte.
1-5) unmöglich ist.

Was bedeutet das alles im Detail? Was das Bewusstsein für


die Problemlage betrifft, so wird – wie eingangs
angesprochen – Einwanderung und Ausländerproblematik
von Rechtspopulisten als praktisches Problem begriffen, dem
mit praktischen Lösungen (Exekutive, Legislative)
beizukommen ist. Dass die Problemkette, ausgehend von
Ausländerkriminalität und dominantem Auftreten des Islams
in Europa, viel tiefer reicht, wird nicht oder nur ungenügend
wahrgenommen. Das Bewusstsein beginnt etwa bei
Kriminalität durch Migranten, der islamischen Raumnahme
und unzureichendem Grenzschutz und geht im besten Fall bis
zur Thematisierung des Großen Austauschs (unter
verschiedenen Bezeichnungen). Die Begabteren unter ihnen
wissen dann noch, dass die politische Linke und die 68er-
Bewegung eine wesentliche Rolle gespielt haben, was nicht
selten zu einer Engführung der Analyse beiträgt.
Unthematisiert bleibt etwa die (liberalistische) Industrie, die
stets ungebrochen Einwanderung begehrt, weil sie unter
liberalen Prämissen darauf angewiesen ist, oder die fehlende

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Rückbesinnung auf starke Geschlechteridentitäten als


Konsequenz (und nicht als Facette von Sonntagsreden). Und
dass vielleicht der Liberalismus überhaupt ein politisches
Problem ist, weil Individualismus, Egalitarismus und
Universalismus unsere Identitäten auflösen, so weit denkt in
diesen Kreisen fast niemand.

Zum Bewusstsein für Metapolitik reicht es nicht, weil


Rechtspopulisten völlig auf Partei und staatliche Institutionen
als Werkzeuge ihrer Politik fixiert sind: Mehrheiten in der
Legislative, Besetzung von Exekutiven und – außerhalb
dessen – Parteiarbeit oder Mitwirkung in unmittelbaren
Vorfeldorganisationen. Eine tiefgreifende gesellschaftliche
Transformation ist jedoch nicht per Gesetz möglich. Und
selbst die Vorfeldorganisationen haben in aller Regel keine
andere Aufgabe als der Tagespolitik zuzuarbeiten. Derart sind
rechtspopulistische Jugendorganisationen keine rebellische
Avantgarde, die die Mutterparteien vor sich hertreiben,
sondern Karriereschmieden. Parteinahe Bildungsinstitute
reduzieren sich meist auf die Vermittlung des tagespolitischen
Handwerks. Die übrigen Vorfeldorganisationen sind nicht
selten Geselligkeitsvereine, die kaum eine andere Aufgabe als
die Identifikation mit der Partei erfüllen. Rechtspopulistische
Bewegungen verfügen in der Regel über keine Vordenker,
kein intellektuelles Umfeld oder über interne positive Kritik
(die AfD ist hier teilweise ein Sonderfall).
„Gesellschaftspolitik“ wird meist scheel beäugt. Sie gilt
kurzsichtigerweise als Charakteristikum der politischen
Linken. In der Praxis argumentiert man mit der „liberalen
Subjektspaltung“: das „Private“ soll nicht politisch sein, der
Bürger als „Privatmensch“ (im Unterschied zur Sphäre der
Politik), Institutionen entpolitisieren etc.

Ein metapolitisches Bewusstsein wäre hingegen das Wissen


um eine Problemlage, deren angemessene Lösungsansätze
weit über die rein staatsförmige, parteiförmige Politik
hinausgehen. Zwar strahlt auch Politik metapolitisch aus, aber
die Intensität ist (zu) gering und es hieße das Pferd von hinten
aufzuzäumen. Vielmehr müsste ein einschlägiges politisch-
kulturelles Milieu außerhalb der Partei gefördert, zumindest
begünstigt und nicht bekämpft werden. Das ist entweder gar
nicht oder spätestens ab Regierungseintritt und
Angewiesenheit auf Koalitionspartner nicht mehr der Fall.
Österreich ist in Sachen Rechtspopulismus immer Vorreiter
gewesen und wohl auch bei diesem Detail.

Rechtspopulisten brauchen Koalitionspartner. Egal auf


welcher Ebene, nirgendwo im Westen haben
rechtspopulistische Parteien eine Mehrheit. Das heißt, selbst
wenn Rechtspopulisten ein Bewußtsein für die Tragweite der
Problematik und die Notwendigkeit von Metapolitik hätten,
könnten sie nicht einfach in ihrem Bereich der Legislative
und Exekutive „durchregieren“. Und noch schlimmer: Es gibt
auch keinerlei Trend dazu, dass Rechtspopulisten irgendwo
im Westen Alleinregierungen stellen könnten. Donald Trump
bildet nur auf den ersten Blick eine Ausnahme, denn er hat

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sogar mit der eigenen Partei, dem Deep State und einem
mittlerweile „demokratisch“ besetzten Parlament zu kämpfen.
Ein metapolitisches Umfeld von rechtspopulistischen Parteien
muss mit ständigem Beschuss durch die linksliberale
Medienfront rechnen. Auch das war zuletzt in Österreich
sichtbar. Das führt zu Spannungen in Koalitionen und muss
zu einem Bruch bei einer von drei Sollbruchstellen führen:
Bruch der Koalition, Bruch in der Partei oder Bruch zwischen
Partei und Umfeld.

1. Ein Koalitionsbruch aus Loyalität gegenüber einem


metapolitischen Umfeld ist unwahrscheinlich, weil es
das Aus für Posten, Einfluss und vielleicht sogar das
wirtschaftliche Aus für manchen Rechtspopulisten
bedeutet.
2. Aber selbst wenn die Kräfte so stark wären, die
Koalition zu halten, ist ein Bruch innerhalb der Partei in
kompromißbereite Regierende und radikale
Oppositionelle die nächstrealistische Variante. Da das
eine Katastrophe für die Partei und damit für sämtliche
Fraktionen innerhalb der Partei wäre, ist sie
unwahrscheinlicher als die dritte Variante.
3. Der Bruch zwischen Partei und einem Umfeld, dessen
Zweck der gemeine Parteipolitiker ohnehin nie wirklich
verstanden hat, ist der wahrscheinlichste. Das ist aus
strenger Parteisicht am leichtesten verkraftbar und
dieser Fall ist jüngst in Österreich eingetreten.

Der westliche Liberalismus weist ein enges institutionelles


Korsett für politische Akteure auf. Das heißt neben dem
Koalitionspartner gibt es noch zahlreiche Institutionen, die
Grenzen vorgeben. Bei den supranationalen und
internationalen Institutionen ist für Europa vor allem die EU
zu nennen, teilweise auch die UN oder die NATO. Sie alle
bauen im Falle des Falles massiven Druck auf (siehe
Visegrad-Staaten). Verfassungsgesetze, insbesondere die
Menschenrechtsurkunden (EMRK), verunmöglichen
notwendige Änderungen. Einfache Gesetze, die zu weit
ausscheren, werden von immer politischeren Höchstgerichten
„kassiert“. Des weiteren besteht eine über die Jahrzehnte
angewachsene Rechtssprechung linksliberaler Prägung.
Verfassung und Rechtssprechung sind daher rechtlich oder
aufgrund mangelnder Mehrheit oder Bereitschaft von
Koalitionspartnern nicht korrigierbar.

Und vergessen wir nicht das übrige liberale Personal in den


Apparaten (öffentliche Verwaltung, Bildungsbereich etc.).
Dieser liberale Deep State hat sich ebenfalls über Jahrzehnte
festgesetzt, egal ob bei Trump in den USA oder in Österreich
in Form des rot-schwarzen Proporzes, der alle Institutionen
durchdringt. Die öffentlichen Debatten in der BRD und
Österreich über die Verfassungsschutzorgane zeigen es
eindrücklich. Letztlich wird die Freiheit der politischen
Debatte durch eine in den letzten Jahren massiv ausgebaute
Strafgesetzgebung für Meinungsdelikte eingeschränkt (bspw.
NetzDG oder Ausweitung der Verhetzung/Volksverhetzung).

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Und was der Strafrichter nicht besorgen kann, erledigt die


vierte Gewalt im Staate: die Einheitsfront der großen Medien,
wo es natürlich keinen einzigen Akteur gibt, der eine
tiefgreifende Gesellschaftstransformation wohlwollend
begleiten würde. Ganz im Gegenteil: Die Medien bilden das
Sperrfeuer gegen jede notwendige Kursänderung. Und die
(Unterhaltungs-)industrie als weitere metapolitische Stütze ist
hier noch gar nicht erwähnt worden. Kurzum: Der
Handlungskorridor von rechtspopulistischen Parteien, als
Gesetzgeber oder in Regierungen, ist im Spätliberalismus
institutionell derart eingeschränkt, dass selbst wenn alle zuvor
genannten Problempunkte nicht existieren würden, eine
notwendige, radikale Korrektur ausgeschlossen ist.

Was bleibt
Rechtspopulisten stehen stärker auf der Bremse der liberalen
Fortschrittsdoktrin als christliche Bürgerliche, die
„Konservativen, die immer verlieren“ (Kurtagic). Die
rechtspopulistischen Reformansätze, so es sie gibt, wirken
folglich auch nur verlangsamend auf den auflösenden
Gesamtprozess. Rechtspopulisten können aber wie alle
Reaktionäre und trotz ihrer (impliziten) Hoffnung die
Entwicklung nicht umkehren. Die stärksten Bremsen unter
den liberal verfassten Nationen haben die Visegrad-Staaten
oder andere osteuropäische Länder außerhalb der EU. Sie
haben jedoch kein Konzept wie sie aktiv, die Probleme der
Spätmoderne bzw. des Liberalismus lösen wollen. Sie haben
kein gegenkulturelles Angebot, das über reaktionäre Ideen
hinausweist. Sie werden fast unpolitisch, wenn sie sich bloß
in ihre nationalstaatlichen Bunker zurückziehen (typisch für
Polen oder die Slowakei). Ihnen fehlt der dynamische
Gegenentwurf und sie haben auch nicht ansatzweise das
Instrumentarium einen solchen bis in den letzten Winkel des
Westens (und darüber hinaus) zu propagieren, wie es der
Hauptfeind (immer noch) schafft.

Die Ineinssetzung unserer Identität mit dem liberalen Staat


(etwa die BRD als Land der Deutschen) führt unweigerlich zu
Enttäuschungen und bestenfalls zu der Erkenntnis, dass dieser
unsere Identität weder verteidigt noch anerkennt, ja mitunter
sogar vernichtet. Keine westliche Verfassung kennt einen
dezidiert identitären Grundkonsens und es gibt auch keinen
Trend dazu. Ein solcher wäre auch nicht mit dem
Selbstverständnis des Liberalismus (Universalismus,
Egalitarismus, Individualismus) vereinbar – in diesem Punkt
ist der Linken rechtzugeben! Rechtspopulisten glauben
jedoch, dass Liberalismus nur „rechts“ orientiert sein müsste,
um das Problem zu lösen, was einer unzureichenden Analyse
geschuldet ist (Benoist: Liberalismus als Hauptfeind). Und
Mehrheiten für Verfassungsänderungen jenseits des
Liberalismus sind weit von jeder Realität entfernt. Die letzte
Option, wonach der liberale Staat systemisch bedingt und in
absehbarer Zeit zusammenbricht, ist unrealistisch. Die
diesbezügliche Frustration der Linken seit ihrer Existenz

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sollte auch Reaktionären zu denken geben. Dazu wäre an


anderer Stelle noch einiges zu sagen.

Rechtspopulismus uneigentlich
oder gar nicht
Aber wenn uns Rechtspopulisten nicht retten können, sollte
man sie nicht wenigstens unterstützen? Die Asylkrise 2015
hat nicht wenige Europäer an der Handlungsfähigkeit wie
auch am Handlungswillen der liberalen Politik zweifeln
lassen und das Bewusstsein für Identitätsfragen geschärft.
Sehr gut! Sobald aber die Akutphase überwunden war, ist das
Bewusstsein in kürzester Zeit geschwunden (nicht
verschwunden). Rechtspopulisten und teils christlich-liberale
Parteien haben sich als Rettungsanker angeboten und die
Verantwortlichen unter (letztlich bescheidenen) Zugzwang
gesetzt. Mit der neuerlichen Verlangsamung der
„Ersetzungsmigration“ lässt das diesbezügliche Bewusstsein
nach. Und es erleichert den Befürwortern die rhetorische
Verschleierung, die Leugnung oder Umetikettierung der
Vorgänge. Sehr schlecht! Es liegt offenbar in der Natur der
Sache, dass Menschen über lange Zeiträume an vieles
gewöhnt werden können. Abrupte Veränderungen regen
hingegen eher noch zum Nachdenken an oder fordern gar
Widerstand heraus.

Kurzum: Rechtspopulistische Maßnahmen lösen die


Problematik nicht ursächlich, aber sie hemmen die
Widerstandsbereitschaft der heimischen Bevölkerung durch
Verlangsamung eines Prozesses und durch den Glauben
liberale Politik könne Migration rückgängig machen oder
stoppen. Wenn man dieser Beobachtung folgt ist zu fragen ob
die Unterstützung von Rechtspopulisten nicht nur sinnlos,
sondern wahrscheinlich sogar schädlich ist, solange diese
nicht etwas Uneigentliches bewerkstelligt, nämlich Räume für
Metapolitik zu eröffnen! Rechtspopulisten binden Ressourcen
an eine Hoffnung, die - wie aufgezeigt wurde - nicht einlösbar
ist. Sie machen Vorgänge durch Verlangsamung, wenn auch
nicht gewollt, akzeptabel. Eröffnet die Verlangsamung
metapolitische Handlungskorridore, ist sie zu befürworten.
Tut sie das nicht, besteht dringendes Interesse an der
Absetzung derartiger Beruhigungspillen.

Zur echten Alternative


Die Nouvelle Droite unterscheidet sich grundsätzlich von
Rechtspopulisten und (anderen) Reaktionären und bietet uns
Bausteine für eine echte Alternative. Sie fordert keine
Rückkehr zu einer Zeit vor 1980 (Reaktionäre des
Liberalismus), vor 1945 (Reaktionäre des Faschismus) oder
vor 1789 (echte Reaktionäre von „Thron und Altar“). Das
sollten wir nicht vergessen. Die Nouvelle Droite verarbeitet
die Erfahrungen der politischen Moderne, die zu benennende
Ursachen und Voraussetzungen hat und nicht bloß als

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Betriebsunfall der Geschichte abgetan werden kann. Die


Moderne ist nur mit den Erfahrungen der Moderne zu
überwinden, nicht durch eine völlig unmögliche Rückkehr in
eine früh- oder vormoderne Ära. Die nun notwendige,
tiefgreifende Veränderung kommt nicht genuin aus der
politischen, sondern aus der kulturellen, metapolitischen
Sphäre. Eine solche Gegenaufklärung oder Gegenkultur
bedarf – im Unterschied zum liberalistischen Eklektizismus
der Rechtspopulisten – einer geistigen Vorbereitung zu einem
neuen europäischen Mythos, der uns an unsere älteste
Vergangenheit rückbindet und uns mit unserer Zukunft
versöhnt. Nichts weniger als ein solcher Versuch um eine
europäische Wiedergeburt ist unsere Aufgabe und der wohl
chancenreichste Ausgang aus der politischen Moderne.

Dieser Text ist unabhängig von der „Ibiza-Affäre“ der FPÖ


sowie der EU-Wahl 2019 entstanden.

Kultur 26.05.2019

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