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Aspekte Arbeitsbuch 1

Kapitel 1: Vom Glücklichsein

Eine kleine Anleitung vom Glücklichsein

Interview mit Frau Prof. Dr. Dr. Angela Schorr

Die Frage nach


dem Glück ist mehrere tausend Jahre alt. Seit einigen Jahrzehnten
beschäftigen sich Forscher systematisch damit. Was ist also Glück? Woher kommt Glück?
Kann man es lernen? „Mona Lisa“* sprach darüber mit Angela Schorr, Emotionsforscherin an
der Universität Siegen. * Magazinsendung des ZDF

ZDF: Zuerst einmal: Was ist denn Glück?


Prof. Dr. Dr. Angela Schorr: Für Glück gibt es verschiedene Definitionen. Die Glücks-
erfahrungen, die wir aber alle haben, sind entweder Glück als große Zufriedenheit oder
Glück als eine besondere Erfahrung, als einen starken Glücksmoment, praktisch eine
Spitzen-Erfahrung.
ZDF: Flow ist das magische Wort für Glück. Wie kann man Flow definieren?
Angela Schorr: Flow ist eigentlich das, was wir im Rahmen einer Spitzen-Erfahrung haben.
Dieses Konzept wurde von dem Amerikaner Mihaly Csikszentmihalyi entwickelt. Es geht
darum, dass, wenn wir besonders glücklich sind, alles fließt, auf Englisch „Flow“. Das tritt
auf, wenn man eine Sache vollkommen engagiert tut. Wenn man weiß, man hat alle
Fähigkeiten. Wenn man weiß, alles ist in Ordnung. Ein Beispiel aus dem Alltag: Ich leiste
etwas, erfülle eine Aufgabe und diese Aufgabe geht mir ganz gut von der Hand, fast von
selbst, und ich bin voll konzentriert. (...)
ZDF: Woher kommt das Glück? Wird es uns in die Wiege gelegt?
Angela Schorr: Glück ist auch erlernt. Man kann bestimmte Glücksstrategien und ein
bestimmtes Management betreiben. Das Wichtigste ist eine Analyse der eigenen Situation.
Wie ist meine Lebenssituation? Wo bin ich überall unzufrieden? Wo kann ich etwas dagegen
tun? Man muss die Bereiche finden, wo man etwas verändern kann. Und dann muss man
sich darauf konzentrieren und sozusagen versuchen, die vielen normalen Glücksmomente im
Alltag zu sehen. Das Hauptmoment ist komischerweise die Kontrolle. Man sagt immer,
glückliche Menschen seien leichtsinnig, aber das ist Quatsch. Sie sind vorsichtig in allen
Lebensbereichen, ob sie eine Versicherung abschließen oder eine Wohnung mieten – so, als
wollten sie ihr Glück hüten.
ZDF: Für unser Glück müssen wir also etwas tun?
Angela Schorr: In einer Beziehung wissen die meisten Menschen, dass man um das Glück
kämpfen muss. So muss man auch für alle Glücksituationen im Leben etwas tun. Zum
Beispiel, dass man mehr Freunde trifft, Beziehungen mehr pflegt, mehr Hobbys nachgeht,
um sich zu entspannen und sich glücklich zu fühlen. Man muss die Glücksmomente
aufsuchen, immer mit der Überzeugung: Ich kann etwas für mein eigenes Glück tun. Es
braucht nicht alles negativ sein.
ZDF: Und kann man sich an das Glück so gewöhnen, dass es zu einer Selbstverständlichkeit
wird?
Angela Schorr: Die Spitzen-Erfahrungen, die wir haben, können wir psychisch nicht

(c) Goethe-Institut e.V.


www.goethe.de
Text: (c) Langenscheidt-
Klett
Aspekte Arbeitsbuch 1
Kapitel 1: Vom Glücklichsein
aufrechterhalten, sondern sie müssen sich ein wenig abbauen. Aber es ich völlig übertrieben
zu glauben, dass ein Mensch, der sehr glücklich ist, dann in einer großen Schwankung

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Text: (c) Langenscheidt-
Klett
sozusagen unglücklich wird. Das stimmt alles nicht. In Wirklichkeit dauert es sehr lange, von
einem hohen Glückslevel auf ein mittleres und nicht auf ein niedriges Niveau
herunterzukommen. Im Grunde genommen bleibt einem das Glück durchaus treu.