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Universität Duisburg-Essen April 2010

CAR-Center Automotive Research


Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer

Presse-Zusammenfassung
Studie: Zukunftstaugliche Arbeitsplätze durch Batterie-Spitzentechnologie

Ob Frankfurt, Tokio, Detroit, Genf oder Beijing - die Automobilmessen der letzten
zwei Jahre hatten ein gemeinsames großes Thema: „Hybrid- und Elektrofahrzeuge“.
Das Rennen um Hybride und Elektroautos läuft. „Die Zeit der Messe-Showcars beim
Elektroauto ist zu Ende, wir reden über Serieneinführung“, so Dr. Thomas Weber,
Daimler Entwicklungsvorstand auf dem 10. CAR Symposium im Januar 2010. Ein
großer Treiber des Elektroautos sind die Riesenstädte Chinas, die ohne
Elektromobilität ihre Umweltbelastungen nicht in Balance bringen können. Nach der
Prognose der vorliegenden Studie werden im Jahr 2015 weltweit bereits über 4,5
Millionen Pkw-Neuwagen als Hybride und Elektroautos verkauft. Bis zum Jahre 2025
wird diese Zahl auf 56 Millionen Pkw-Neuwagenverkäufe pro Jahr steigen. Damit
sind 65 Prozent aller weltweit verkauften Pkw-Neuwagen Hybride und
Elektrofahrzeuge. Nur beim klassischen Billigauto sind dann noch reine
Verbrennungsantriebe vorstellbar. Daraus leitet sich ein jährliches Marktvolumen für
Hochtechnologie-Stromspeicher für die Autoindustrie von über 130 Milliarden Euro
ab. In anderen Worten: Die Hochleistungs-Batterie wird zur strategischen
Komponente für die Autoindustrie. Im Jahr 2025 entfallen bis zu 20 Prozent des
Produktionswerts unserer Fahrzeuge auf Hochleistungsbatterien.

Hochleistungs-Batteriekompetenz in Europa

Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie hängt in


entscheidendem Maße vom Zugang zu innovativer Batterietechnik ab.
Hochleistungs-Batterie-Know-how entsteht dabei entlang einer mehrstufigen
Wertschöpfungskette, die von der Herstellung von Ausgangsmaterialien und
Werkstoffen wie Graphit, Metalloxiden, Metall-Folien, über die Komponenten-
Produktion von Anoden, Kathoden, Elektrolyten zur Zellen-Produktion, dem
Packageing von Zellen zu Batterieblocks und den Anwendungen in den
verschiedenen Fahrzeugantriebsvarianten von Elektrofahrzeugen bis
Hybridfahrzeugen geht. Mit Unternehmen wie der BASF, Evonik, Merck und dem
Automobilzulieferer JohnsonControls-Saft sowie den deutschen
Automobilzulieferkonzernen, wie Bosch und Continental, die sich auf das Batterie-
Packaging konzentrieren, sind wichtige Ansatzpunkte zum Auf- und Ausbau einer
europäischen Li-Ionen-Batteriekompetenz vorhanden.

Bedeutende Innovationen von Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen

In Deutschland ist es trotz starker Position der Batterieindustrie in Japan, China,


Korea und USA gelungen, einen neuen Ansatz für die Lithium-Ionen-
Batterieentwicklungen zu finden. Innovationen von Unternehmen aus Nordrhein-
Westfalen spielen dabei eine wichtige Rolle. So ist Evonik das einzige europäische
Unternehmen, das - abgesehen vom Abbau der Rohstoffe – die gesamte
Wertschöpfungskette der Lithium-Ionen-Batterietechnik für die Automobil-Industrie
abbildet. Bei systematischer Weiterentwicklung dieser Aktivitäten hat der Industrie-
Standort Deutschland die Chance, die gesamte Wertschöpfungskette einer
Schlüsselindustrie der Automobilindustrie von morgen abzubilden und zu gestalten.

Die Entwicklung in den USA, China, Japan und Korea zeigt, dass mit Hochdruck am
Aufbau einer Industrie zur Batterie-Spitzentechnologie gearbeitet wird. Die Wurzeln
für die „Googles“ der neuen Ära in der Automobilindustrie werden in den nächsten
fünf Jahren gelegt. Damit liegt es im nationalen Interesse, dass deutsche
Unternehmen sich an dieser Entwicklung beteiligen.

Arbeitsplätze durch Batteriespitzentechnologie

Die Studie zeigt, dass Deutschland die Chance hat, einem technologischen
Abhängigkeits-Risiko mit heimischem Know-how zu begegnen. Arbeitsplätze in der
Batterie-Spitzentechnologie haben nicht nur für die Automobilindustrie erhebliche
strategische Bedeutung, sondern definieren langfristig die Wettbewerbsfähigkeit
Deutschlands am Standort. Der chemischen Industrie fällt in diesem Prozess als
Lieferant von Hightech-Lösungen eine Schlüsselrolle zu. Die Stromspeichertechnik
aus der Chemie wird nach den Ergebnissen unserer Studie zu einem zentralen
Technologie-Träger in der neuen Ära des Automobils.

Notwendig ist ein zügiger Ausbau der Entwicklung und Produktion von Lithium-Ionen-
Batterien in Deutschland für Fahrzeuganwendungen. Dadurch werden zukunftsfähige
Arbeitsplätze in doppeltem Sinne geschaffen: Einerseits bei den Batterieherstellern,
denn bereits heute zeichnet sich eine stark steigende und nachhaltige Nachfrage
nach Lithium-Ionen-Energiespeichern der Autoindustrie ab. Andererseits ist die
Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der deutschen Autoindustrie vom Zugang zu
moderner Batterietechnik abhängig. Zellproduktion und gebündeltes Batterie-Know-
how in China, Korea oder Japan ohne einen eigenständigen Gegenpart in Europa
und Deutschland bergen das hohe Risiko, dass bei einer Schlüsselkomponente
zukünftiger Fahrzeuge die deutsche Autoindustrie nur unzureichend stabilen Zugang
besitzt. Für eine so wichtige Branche wie die Fahrzeugindustrie ist es strategisch
aber falsch, keinen Einfluss auf eine Komponente mit dominierendem
Wertschöpfungsanteil zu besitzen.

Fazit: Konzentrierte, fokussierte Entwicklung

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass nur ein fokussierter, konzentrierter Ansatz
auf die Schlüsselunternehmen es erlaubt, gleichwertig gegenüber Asien und USA zu
werden. Viele einzelne kleine Projekte – und damit eine allzu föderative
Forschungsförderung – bergen die Gefahr, dass der Forschungs-Euro nicht seinen
größten Wirkungsgrad erzielt. Der Auf- und Ausbau der Lithium-Ionen-Zellproduktion
und des Batterie-Know-how in Deutschland liegt in nationalem Interesse.