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Vorlesung 01 – Behavioristische Lerntheorien

• Verhalten kann sich aufgrund von sensorischen Reizen verändern → der Organismus kann
sich adaptiv verhalten
• wenn eine stabile Veränderung des Verhaltens eintritt, so kann man von Lernen sprechen

• Behavioristische Lerntheorie

◦ Einwirkung äußerer Ereignisse die die mögliche Ursache der Veränderung von Verhalten
sind
◦ Beschränkung auf das rein Beobachtbare
◦ Reiz-Reaktions-Psychologie
◦ 3 zentrale Lernmechanismen:
1. klassisches Konditionieren
2. operantes Konditionieren
3. Beobachtungslernen
1. klassisches Konditionieren
▪ US → UR
▪ NS → OR
▪ nach mehrmaliger Paarung von US + NS: NS → CS, also folgt auf CS → CR,
wobei CR ≈ UR
2. operantes Konditionieren
1. Erhöhung der Auftretenswahrscheinlichkeit von Verhalten
a) durch positive Verstärkung (positiver Anreiz nach Verhalten)
b) durch negative Verstärkung (wegnehmen von negativen Reizen, wenn Verhalten
gezeigt)
2. Verringerung der Wahrscheinlichkeit von Verhalten
a) direkte Bestrafung (Hinzufügen einer Bestrafung)
b) indirekte Bestrafung (entfernen eines angenehmen Reizes)
• Formen von Konsequenzen: 4-Felder-Schema:
Ergebnis Hinzufügen eines Reizes Entfernen eines Reizes
Erhöhung der
Auftretenswahrscheinlichkeit positive Verstärkung negative Verstärkung
des Verhaltens → Verstärkung
Verringerung der
Auftretenswahrscheinlichkeit direkte Bestrafung indirekte Bestrafung
des Verhaltens → Bestrafung
• Verstärkerpläne
1. kontinuierliche Verstärkerpläne
▪ jedes gewünschte Verhalten wird verstärkt
▪ gewünschtes Verhalten wird schnell erzielt
▪ aber: vorhersagbar und durchschaubar
2. intermittierende Verstärkerpläne
2.1 Quotenpläne
→ gewünschte Anzahl bestimmter Verhaltensweisen wird verstärkt
1. feste Quotenpläne
2. variable Quotenpläne
2.2 Intervallpläne
→ Verhalten wird nach bestimmtem Zeitintervall verstärkt
1. feste Intervallpläne
2. variable Intervallpläne
• je entscheidungsfähiger und erwachsener die Lerner sind, umso komplexer müssen die
Zusammenhänge zwischen Verstärkung und Verhalten sein
• typische Verstärkung im Unterricht: loben/ignorieren
• wichtige Bedingungen für Lob nach (O'Leary und O'Leary):
◦ Lob muss immer in räumlicher und zeitlicher Nähe zum erwünschten Verhalten sein
◦ Lob muss für Lerner glaubwürdig/nachvollziehbar/rückführbar sein
◦ Lob darf an die Lerner angepasst werden, aber es muss darauf geachtet werden, dass
das Verhalten gelobt wird, nicht der Charakter/die Persönlichkeit,... der lernenden
Person
◦ Vorsicht im Gruppenkontext: niemand sollte durch Lob hervorgehoben werden
• Premack-Prinzip
◦ Individuen zeigen gerne bestimmte Verhaltensweisen
◦ der Lerner kann mit diesem Verhalten verstärkt werden, wenn er erst tut, was er soll
und danach tun darf, was er möchte → dabei ist wichtig, dass das seltene, erwünschte
Verhalten zuerst gezeigt wird
◦ Was tun, wenn das erwünschte Verhalten nie gezeigt wird, man es also nicht verstärken
kann?
1. mögliche Strategie: Verhaltensformung/sukzessive Annäherung
• jede Annäherung an das gewünschte Verhalten wird verstärkt
• zur Not wird das komplexe, erwünschte Verhalten, in einzelne Teile zerlegt, die
einzeln verstärkt werden) → geht auf die Aufgabenanalyse von Miller (1960er
Jahre) zurück
• es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit unerwünschtem Verhalten umzugehen:
1. negative Verstärkung
2. Sättigung
3. Zurechtweisung/Tadel
4. Sozialer Isolation/Auszeit ( → pädagogischer Grenzbereich)
5. Gruppenkonsequenzen/Kollektivstrafen ( → pädagogischer Grenzbereich)
zu 1.: unangenehme Situation/Handlung wird erst dann beendet, wenn Schüler ein
erwünschtes Verhalten zeigen
zu 2.: Lehrer führt unangenehmes Verhalten so lange vor, bis Schüler es von selbst beenden
wollen → wichtig, dass der Lehrer sagt, welches Verhalten erwünscht gewesen wäre und
dieses Verhalten dann verstärkt
zu 3. zum Teil ist leiser Tadel viel wirkungsvoller als öffentliche, laute Zurechtweisung;
öffentliche Zurechtweisung kann gegenteiligen Effekt haben, z.B. wenn der
Zurechtgewiesene die Aufmerksamkeit genießt, also eher eine Bestätigung bekommt/
positiv verstärkt wird
• Problem der Bestrafung:
◦ Verhaltensänderung hat das Ziel, die Strafe zu vermeiden
◦ oft werden keine Alternativen zum unerwünschten Verhalten gezeigt, Bestrafter weiß
nur, was er nicht tun soll, nicht, was er tun soll
◦ Bestrafung ist in der Regel 2stufig auszuführen:
1. unerwünschtes Verhalten soll unterdrückt werden
2. welches Verhalten ist erwünscht? dieses Verhalten muss verstärkt werden
◦ Bedingungen für Bestrafungen müssen zunächst einmal erkannt werden (im frühen
Kindesalter) und später auch akzeptiert werden (Sekundarschulalter)
◦ ansonsten kann ein Verstärkungsungerechtigkeitsgefühl hervorgerufen werden,
Ablehnen des gesamten Systems und damit Bestätigung der Ungerechtigkeit durch
Verstärkung
◦ → Bestrafungsbedingungen müssen also verstanden werden, das alternative,
erwünschte Verhalten muss auf jeden Fall verstärkt werden und die Bedingungen für
die Bestrafung müssen in der jeweiligen Situation der Bestrafung sehr klar erkannt
werden (es darf auf keinen Fall das Gefühl der Willkür entstehen)

Sozial kognitive Lerntheorie

• Albert Bandura: Kritik am Behaviorismus:


◦ Lernen findet nicht nur durch Konditionierung und Verstärkung statt
◦ die behaviorale Perspektive ist begrenzt, da:
1. Lernen im sozialen Kontext stattfindet; der soziale Kontext hat besonderen Einfluss
aufs Lernen
2. aktives- und Beobachtungslernen unterschieden werden muss
▪ reiner Informations- und Wissenserwerb und die tatsächliche Ausführung werden
getrennt betrachtet
◦ durch alle Aspekte entsteht Banduras soziale Lerntheorie
• Interaktion zwischen Modell und Lerner spielt eine zentrale Rolle
• außerdem sind die sozialen Einflüsse entscheidend
• Interaktion zwischen sozialen Einflüssen, Vorbildern, Art der Unterweisung und Art der
Rückmeldung und Einflüssen des Selbst (Selbstwirksamkeit, Ergebniserwartungen,
Attributionen)
• Problem, wenn Einflüsse des Selbst nicht zu sozialen Einflüssen passen
• zunehmende Kognitivisierung der Theorie → kognitive Wende
• es werden die Leistungsergebnisse (Zielfortschritte) immer wichtiger, nicht nur die Gründe
des Lernens
• es besteht wiederum ein starker Zusammenhang zwischen Sozialen Einflüssen und
Leistungsergebnissen
• die Leistungsergebnisse hängen auch mit den Einflüssen des Selbst zusammen
• reziproke Einflüsse zwischen diesen 3 Faktoren (persönliche-, soziale- und
Verhaltensfaktoren) stehen in ständiger Wechselwirkung zueinander, auch unabhängig vom
konkreten Lerngegenstand → wichtige Erweiterung von Banduras Theorie
• Lernen und Lehren wird zunehmend komplexer
→ Kognition wird immer wichtiger, bei dem, was zwischen Reiz und Reaktion passiert
(interne Zusammenhänge müssen in Reiz-Reaktionen übersetzt werden, da interne
Zusammenhänge ja nicht beobachtbar sind, damit sie erforscht werden können)
• Behavioristen haben internale Prozesse nicht komplett ausgeschlossen, aber für nicht
erforschbar gehalten
• neu bei Bandura: Lernen erfolgt durch Erfahrung und Konsequenzen der eigenen Handlung
– Unterschied zum operanten Konditionieren: Art und Weise der Konsequenzen und
Interpretation der Konsequenzen
• nach Bandura prägen die Konsequenzen das erwünschte Verhalten nicht direkt, sondern
die Interpretation der Konsequenzen bildet die Erwartung, was auf eine bestimmte
Verhaltensweise folgen wird
→ Beobachtungsprozess kommt antezedente Rolle zu
→ nicht alles Gelernte wird gezeigt
• bereits das Beobachten von Verhalten von Modellen und von den Konsequenzen verändert
das Verhalten und die Verstärkung/Bestrafung muss nicht vom Organismus direkt erlebt
werden
• Modelllernen:

Motorische
Aufmerksamkeits- Motivations-
Behaltensprozesse Reproduk-
prozesse prozesse
tionsprozesse
Beobachter
konzentrieren sich
auf das Modell und
wählen
Verhaltensweisen,
die besonders
interessant physische
erscheinen Fähigkeiten

Modellreize: symbolische
modellierte Verfügbarkeit von externale
• Besonder- Kodierung
Teilreaktionen Verstärkung → passendes
heit
→ kognitive Verhalten
• affektive Selbst- indirekte
Ereignisse Organisation
Valenz Beobachtung bei Verstärkung
• Komplexität der Reproduktion
symbolische Übung
• funktionaler des eigenen eigene Verstärkung
Wert Verhaltens des Individuums
motorische Übung
Beobachter- Genauigkeit von
eigenschaften Feedback
• sensorische
Kapazität
• Anregung
• Motivation
• vergangene
Verstärkung

• je größer die Differenz zwischen dem eigenen Können und der beobachteten Fähigkeit ist,
desto geringer ist die Möglichkeit, das beobachtete Verhalten nachahmen zu können
• je häufiger wir ein Modell beobachten können, umso besser werden wir das Verhalten im
Bedarfsfall reproduzieren können
• Lernen ist nicht nur passiv, sondern erfordert Kognition

Behavioral Bedingungen beim Spracherwerb

• wesentliche Aspekte des Spracherwerbs sind behavioral gesteuert


• Laute der Muttersprache werden verstärkt, die anderen Laute werden seltener phoniert, da
sie nicht verstärkt werden
• Sprache wird zusammen mit anderen kognitiven Fähigkeiten erworben
• Kinder versuchen, den gehörten Lauten einen Sinn zu geben, also Regelmäßigkeiten im
Lautmuster zu erkennen
→ geschlussfolgerte Regelhaftigkeiten werden puzzleartig zu Sprachwissen
zusammengefügt
• je früher Sprachentwicklung in der Kindheit, desto behavioraler
• viele Vorteile der Zweisprachigkeit in
◦ Begriffsbildung
◦ Kreativität
◦ kognitive Flexibilität
◦ metalinguistisches Bewusstsein
• wenn Kinder zweisprachig aufwachsen, haben sie zunächst einen langsameren
Spracherwerb (vor allem im Alter zwischen 2 und 3 Jahren), danach dreht sich der Effekt
um
• Meilensteine des Spracherwerbs:
◦ Aussprache
◦ Grammatik/Syntax
◦ Semantik
◦ Erfahrung im familiären Umfeld
• nicht alle Kompetenzen werden im alltäglichen Sprachgebrauch gezeigt