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Willy Brandt: Held oder Verräter1?

Gruppe 1: EIN BESCHIMPFTER2 POLITIKER

1932 liest der 19-jährige Willy Brandt das SAPD-Blatt Kampfsignal

Wie war das damals eigentlich, damals, damals in der Nacht zum 1. April 1933? Als Karl Frahm an Bord des
Fischkutters TRA 10 ging und […] über die Ostsee aus Deutschland flüchtete? Die Reise ging nach Norwegen, dorthin,
wo er den größten Teil seines Exils während des Hitlerregimes verbrachte. Zwölf Jahre lebte er im Ausland - es war
lebensgefährlich geworden, in Nazideutschland zu bleiben. […] Karl Frahm war 19 Jahre alt, als er in Oslo ankam.
5 Sein ganzer Besitz: Ein paar Hemden, den ersten Band des Kapitals, 100 Reichsmark, die ihm sein Großvater zugesteckt
hatte und einen neuen Namen: Willy Brandt. In Oslo studierte er Geschichte, arbeitete als freier Journalist und
engagierte sich weiter politisch für den Sozialismus, denn er hielt Kontakt mit den norwegischen Sozialdemokraten.
Und so beginnt ein Lebensabschnitt, den seine politischen Gegner Jahre später nach seiner Rückkehr ins
Nachkriegsdeutschland für ihre Schmutzkampagnen, Flüsterpropaganda und Denunziationen ausschlachten werden -
10 sie gehörten mit zu den heftigsten, die ein Politiker je erleben musste. Er muss er den Vorwürfen3 seiner politischen
Gegner standhalten – Vorwürfen3, von denen die meisten direkt oder indirekt mit seinem Exil verknüpft sind:
„Vaterlandsverräter, Mörder, Opportunist, Feigling4, […] Denunziant, wie hast du dein Exil verbracht? Willy Brandt,
raus aus unserem Vaterland“. Allein schon die Tatsache, dass Brandt ins Exil ging, war für manche Grund genug, ihm
Vaterlandsverrat vorzuwerfen3. Wer während des Hitler-Regimes flüchtete, der war ein Vaterlandsverräter1 und hatte
15 kein Recht auf Respekt […].
1936 hielt sich der Journalist Willy Brandt mehrere Monate unter dem Decknamen Gunnar Gaasland als Student illegal
in Berlin auf: Dort er unterstützte5 die illegale Arbeit der SAP6 und den Widerstand in Deutschland. 1937 ging es als
Verbindungsmann der SAP-Auslandszeitung nach Barcelona, um auf der Seite der Republikaner über den spanischen
Bürgerkrieg zu berichten: Im darauffolgenden Jahr wurde ihm von den Nazis die deutsche Staatsbürgerschaft
20 entzogen7. 1940 geriet Willy Brandt nach der Besetzung8 Dänemarks und Norwegens in deutsche
Kriegsgefangenschaft, wurde jedoch nicht als Deutscher erkannt und konnte schließlich nach Schweden fliehen. Im
August 1940 erhielt er von der norwegischen Exilregierung in London die norwegische Staatsbürgerschaft 7. In
Stockholm arbeitete Willy Brandt als Journalist, gründete 1942 ein schwedisch-norwegisches. Nach dem Kriegsende
1945 ging er zunächst zurück nach Oslo, reiste aber schon im Oktober nach Deutschland und berichtete über die
25 Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse für norwegische Zeitungen. Mit einem norwegischen Diplomatenpass kam
Brandt Ende 1946 nach Berlin, um als Presseattaché der norwegischen Militärmission zu arbeiten. Ende 1947
verzichtete9 er auf die norwegische Staatsangehörigkeit7 und ließ sich unter dem Namen Willy Brandt in Deutschland
wiedereinbürgern11.

1 un traître 2 insulté 3 les reproches 4 lâche 5 aider 6 le parti socialiste allemand, interdit par les Nazis 7 être privé de la nationalité allemande 8
l’occupation 9renoncer

Document réalisé à des fins pédagogiques et dans un but non commercial – Pascale Roupenel- professeur d'allemand – lycée Marie Curie- Vire
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- Was hat Karl Frahm als junger Mann getan? In welchem Kontext?

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- Wie haben manche Deutsche später auf diese Tat reagiert? Warum?

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- War er wirklich ein Verräter?

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- Was hat Karl Frahm als junger Mann getan? In welchem Kontext?
Als junger Mann floh er aus Nazideutschland, weil es dort für ihn lebensgefährlich geworden war. Er ging nach Norwegen
ins Exil, bekam dort den neuen Namen Willy Brandt, studiert Geschichte und wurde Journalist.

- Wie haben manche Deutsche später auf diese Tat reagiert? Warum?
Später warfen ihm manche Deutschen und seine politischen Gegner vor, ein Feigling und ein Vaterlandsverräter zu sein,
weil er sein Vaterland zwölf Jahre von 1933 bis 1945 verlassen hatte.

- War er wirklich ein Verräter?


Nein, er war 1936 inkognito als norwegischer Journalist in Deutschland und half dem Widerstand gegen das Nazi-

Regime. 1937 fuhr er nach Spanien und berichtete auf der Seite der Republikaner über den spanischen Bürgerkrieg.

1940 kam er nach der Besetzung Dänemarks und Norwegens in deutsche Kriegsgefangenschaft. Und im Oktober 1945

war er in Deutschland und berichtete über die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse.

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Gruppe 2: EINE HISTORISCHE GESTE + Video Warschauer Kniefall

Der Journalist Hans Jakob Stehle wird in der Reportage interviewt, weil er diesen historischen Moment erlebte:
Am 7. Dezember 1970 legte Willy Brandt, der seit 1969 Bundeskanzler war, am Mahnmal für die Opfer des
Warschauer Ghettos einen Kranz nieder1. Für den westdeutscher Staatschef war dies angesichts der Millionen
Naziopfer in Polen ein schwerer Gang2. Unerwartet sank Brandt während der Zeremonie auf die Knie3: es war der
3
5 „Kniefall von Warschau“. Das Bild ging um die Welt. War es eine spontane Geste oder vorher geplant?
Hans-Jakob Stehle ist sich sicher: „Ich stand zufällig ganz daneben und es war eine Überraschung, denn es war ein
spontaner Gefühlsausbruch von Willy Brandt, als er vor diesem Denkmal stand, das an die Opfer4 des jüdischen
Ghettos in Warschau erinnerte, denn das hatte man noch nie erlebt, oder gesehen, dass ein Kanzler bei einem
politischen Treffen in die Knie ging3.“
ARD, 1970
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1 déposer une gerbe 2une action difficile 3 s'agenouiller 4 les victimes

- Welche historische Geste von Brandt erlebte Hans Jakob Stehle 1970? In welchem Kontext?

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- Wie interpretierte er diese Geste?

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- Was halten Sie von Willy Brandt: Verräter oder Held?

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Gruppe 2: EINE HISTORISCHE GESTE + Video Warschauer Kniefall

Der Journalist Hans Jakob Stehle wird in der Reportage interviewt, weil er diesen historischen Moment erlebte:
Am 7. Dezember 1970 legte Willy Brandt, der seit 1969 Bundeskanzler war, am Mahnmal für die Opfer des
Warschauer Ghettos einen Kranz nieder1. Für den westdeutscher Staatschef war dies angesichts der Millionen
Naziopfer in Polen ein schwerer Gang2. Unerwartet sank Brandt während der Zeremonie auf die Knie3: es war der
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„Kniefall3 von Warschau“. Das Bild ging um die Welt. War es eine spontane Geste oder vorher geplant?
Hans-Jakob Stehle ist sich sicher: „Ich stand zufällig ganz daneben und es war eine Überraschung, denn es war ein
spontaner Gefühlsausbruch von Willy Brandt, als er vor diesem Denkmal stand, das an die Opfer4 des jüdischen
Ghettos in Warschau erinnerte, denn das hatte man noch nie erlebt, oder gesehen, dass ein Kanzler bei einem
politischen Treffen in die Knie ging3.“
ARD, 1970
1 déposer une gerbe 2une action difficile 3 s'agenouiller 4 les victimes

- Welche historische Geste von Brandt erlebte Hans Jakob Stehle 1970? In welchem Kontext?

Hans Jakob Stehle stand als Journalist bei Willy Brandts Besuch in Warschau zufällig neben dem Kanzler. Dieser legte

einen Kranz für die Naziopfer des Warschauer Ghettos nieder, als er während der Zeremonie plötzlich unerwartet auf die

Knie sank.

- Wie interpretierte er diese Geste?

Hans Jakob Stehle war sehr überrascht von diesem Kniefall. Für ihn war es eine spontane Geste Willy Brandts, der vor

dem Mahnmal für die Opfer sehr gerührt war.

- Was halten Sie von Willy Brandt: Verräter oder Held?

Es war von ihm ganz schön mutig, als Bundeskanzler zum ersten Mal die Schuld der Deutschen für die Verfolgung der

Juden anzuerkennen, zumal da der Wahrschauer Kniefall kein orchestriertes Manöver für die Medien war, sondern eine

spontane Geste.

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Gruppe 3: DER NOBELPREISTRÄGER + Video Kennedys Besuch

Bürgermeister Willy Brandt, Bundeskanzler Konrad Adenauer und JFK 1963 in Berlin Willy Brandt erhält 1971 den Nobelpreisträger

In den Erinnerungen Willy Brandts nimmt der 10. Dezember 1971 keinen großen Raum ein: Nur ein Absatz1 ist diesem
Tag gewidmet2, an dem Willy Brandt in Oslo war den Friedensnobelpreis für seine Politik der Versöhnung3 gegenüber Ost-
Europa entgegen nahm.
Ein Europa des Friedens zu organisieren und den Weltfrieden im Kalten Krieg zu erhalten - das waren die großen
5 außenpolitischen Ziele der SPD-Regierung Ende der 1960er-Jahre. Bei John Fitzgerald Kennedys Besuch 1963 in Berlin
anlässlich des 15. Jahrestags der Berliner Luftbrücke, dem ersten Besuch eines US-amerikanischen Präsidenten nach dem
Mauerbau am 13. August 1961 war Willy Brandt seit 1957 Berliner Bürgermeister.

Die Annäherungspolitik zum Osten hat er als Berliner Bürgermeister, dann als Außenminister begonnen und als Kanzler
fortgesetzt. Es war eine Politik der kleinen Schritte4, die sich in vielen Etappen um das Vertrauen der osteuropäischen
5
10 Staaten bemühen musste, um schließlich das Verhältnis zwischen den beiden deutschen Staaten aus seiner Erstarrung zu
lösen6. Am 12. August 1970 schließlich wurde der Moskauer-Vertrag, ein gemeinsamer Gewaltverzichtsabkommen7
abgeschlossen, im Dezember 1970 folgte der Vertrag zwischen Bonn und Warschau. Die konservative Opposition in
Deutschland kritisierte den Bundeskanzler: Dagegen war die Anerkennung seines Engagements im Ausland groß.

20. Oktober 1971


1 un paragraphe 2 consacré 3 réconciliation 4 pas 5 les relations 6 dégeler 7 traité de non agression

- Warum erhielt Willy Brandt den Friedensnobelpreis?

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- Was waren die Folgen?

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- Wie wurde seine Politik in Deutschland geschätzt? Und im Ausland?

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- Was halten Sie von Willy Brandt: Verräter oder Held?

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Gruppe 3: DER NOBELPREISTRÄGER + Video Kennedys Besuch

Bürgermeister Willy Brandt, Bundeskanzler Konrad Adenauer und JFK 1963 in Berlin Willy Brandt erhält 1971 den Nobelpreisträger

In den Erinnerungen Willy Brandts nimmt der 10. Dezember 1971 keinen großen Raum ein: Nur ein Absatz1 ist diesem Tag
gewidmet2, an dem Willy Brandt in Oslo war den Friedensnobelpreis für seine Politik der Versöhnung3 gegenüber Ost-
Europa entgegen nahm.
Ein Europa des Friedens zu organisieren und den Weltfrieden im Kalten Krieg zu erhalten - das waren die großen
5 außenpolitischen Ziele der SPD-Regierung Ende der 1960er-Jahre. Bei John Fitzgerald Kennedys Besuch 1963 in Berlin
anlässlich des 15. Jahrestags der Berliner Luftbrücke, dem ersten Besuch eines US-amerikanischen Präsidenten nach dem
Mauerbau am 13. August 1961 war Willy Brandt seit 1957 Berliner Bürgermeister.

Die Annäherungspolitik zum Osten hat er als Berliner Bürgermeister, dann als Außenminister begonnen und als Kanzler
fortgesetzt. Es war eine Politik der kleinen Schritte4, die sich in vielen Etappen um das Vertrauen der osteuropäischen
10 Staaten bemühen musste, um schließlich das Verhältnis5 zwischen den beiden deutschen Staaten aus seiner Erstarrung zu
lösen6. Am 12. August 1970 schließlich wurde der Moskauer-Vertrag, ein gemeinsamer Gewaltverzichtsabkommen7
abgeschlossen, im Dezember 1970 folgte der Vertrag zwischen Bonn und Warschau. Die konservative Opposition in
Deutschland kritisierte den Bundeskanzler: Dagegen war die Anerkennung seines Engagements im Ausland groß.

20. Oktober 1971


1 un paragraphe 2 consacré 3 réconciliation 4 pas 5 les relations 6 dégeler 7 traité de non agression

- Warum erhielt Willy Brandt den Friedensnobelpreis?

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für seine Annäherungspolitik zu Osten

- Was waren die Folgen?

+ zwei Gewaltverzichtsabkommen mit der UdSSR (August 1970: Moskauer Vertrag) und mit Polen (Dezember 1970)
+ Gründung eines diplomatischen Verhältnisses zwischen beiden Deutschland

- Wie wurde seine Politik in Deutschland geschätzt? Und im Ausland?


in Deutschland von der Opposition kritisiert aber im Ausland bewundert

- Was halten Sie von Willy Brandt: Verräter oder Held?

In der Zeit des Kalten Krieges war es mutig, trotz den Kritiken seiner politischen Gegner Beziehungen mit dem Ostblock

knüpfen zu wollen.

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