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STUDIA PHÆNOMENOLOGICA XV (2015) 37–52

Phänomenologie als Grundlage


der Metaphysik?
Phenomenology as the Foundation of Metaphysics?

Jean Hering

Edited by
Sylvain Camilleri
Université Catholique de Louvain

Translated by
Arun Iyer
Seattle University

Abstract: The document presented below stems from the Jean Hering Nach-
lass in the Médiathèque protestante of Strasbourg and was originally preserved
in the Archive of the Collegium Wilhelmitanum Argentinense (the Protestant
Institute) of the same city. It concerns a typescript of 7 folios, which was
unknown up until now, dealing with the idealism-realism controversy and
presenting original views on the consequences of this controversy regarding
the issue of metaphysics.

Keywords: Jean Hering, Edmund Husserl, Early Phenomenology, Metaphysics.

Einleitung
Sylvain Camilleri und Arun Iyer

Das vorliegende Dokument entstammt dem Nachlass Jean Herings in der


Médiathèque Prostestante von Straßburg und wurde ursprünglich im Archiv
38 Jean Hering

des Collegium Wilhelmitanum Argentinense (das protestantische Stift) dersel-


ben Stadt aufbewahrt. Es handelt sich um ein bisher unbekanntes Typoskript
von 7 Folios mit einigen Handbemerkungen des Autors (Titel, Datum, Au-
tograph, eine Randbemerkung, eine Fußnote und zahlreiche Korrekturen,
die stillschweigend übernommen wurden). Leider fehlt der Bestimmungs-
zweck: Es gibt tatsächlich keine Spur eines Vortrags oder eines Beitrags, die
mit diesem Typoskript übereinstimmen würden. Sein Entstehungsdatum ist
aber bemerkenswert: „Phänomenologie als Grundlage der Metaphysik?“ ist
der einzige phänomenologische Text von Hering zwischen seiner von Hus-
serl betreuten Dissertation über „Lotzes Lehre vom Apriori“ (eine schriftliche
Hausarbeit für die Prüfung der Befähigung zum höheren Lehramt) von 1914
und seinen bekannten „Bemerkungen über das Wesen, die Wesenheit und die
Idee“ im Jahrbuch für Philosophie und phänomenologische Forschung von 1921.
Das Thema ist ebenfalls von höchster Bedeutung: Hering diskutiert etwa in-
direkt und zum ersten Mal Husserls Wende zum transzendentalen Idealismus
und seine verschiedenartigen „metaphysischen“ Implikationen. Der Gedan-
kengang ist relativ schwer zu folgen. Hilfreich wäre es, auf die kantischen
Grundlagen von Herings hinzuweisen. In der Tat wird die Sache viel klarer,
wenn man sich an Kants Antwort auf die Idealismus-Anklage erinnert1. Hier
würden wir uns darauf beschränken, das Folgende zu sagen: Sich fragen, ob
die Phänomenologie als Grundlage der Metaphysik gelten kann, bedeutet für
Hering, dass man die Möglichkeit berücksichtigen soll, dass das, was „ak-
tuell“ existiert, aber der empirischen Wissenschaft unzugänglich bleibt, von
einer eidetischen Wissenschaft präzis beschrieben werden kann.2 Erst 1917
hat Husserl diese Möglichkeit gestreift, und die Eidetik alleine lässt hier viele
Fragen noch aus, da sie z. B. nicht fragt, „ob <unsere Welt> irgendwie exis-
tiert, sondern sie sucht die Bedingungen überhaupt unter welchen eine Welt,
die sich materiell nennt, zu einem oder mehreren Bewusstseinen erscheinen
muss (Ideen I, §§ 146–153, § 29), um die Existenz dieser Welt (deren Natur
solche Existenz ermöglicht und a priori möglich macht) zu rechtfertigen. Sind
solche <eidetischen> Gesetze mit dem erfüllt, was de facto unserem Bewusst-
sein erscheint? Nur die Phänomenologie der Tode-ti oder der individuellen
Phänomenologie, das Husserl einmal erwähnt (Ideen I, Anmerkung zu § 62),
kann dieses Problem lösen.“3 Solche Phänomenologie ist eben diejenige, die
Hering in unserem Text skizziert. Er nennt sie Phänomenologie der Faktizität
und er vertraut ihr die Aufgabe an, die möglichen Typen des Bewusstseins und
die modi seines Verhältnisses zur Welt herauszufinden. Hier ist diese Aufgabe
nicht systematisch durchgeführt, doch man sieht schon, dass die Husserlsche
These, dergemäß das Bewusstsein existieren kann, ohne die Existenz der Welt

1
Vgl. I. Kant, Kritik der reinen Vernunft, A 273, B 273ff.; vgl. auch Prolegomena, § 13,
§ 49, Anhang 2.
2
Vgl. Hering 1925: 8.
3
Vgl. Hering 1925: 131–132.
Phänomenologie als Grundlage der Metaphysik? 39

zu veranlassen, grundsätzlich reversibel ist: es sieht wohl so aus, als ob die Exis-
tenz der Welt die des Bewusstseins nicht unbedingt herbeiführen würde.4 So
erkennt Hering die Wende der Ideen I an und schützt und pflegt gleichzeitig
die grundlegenden Einsichten der Logischen Untersuchungen, in welchen die
realistische Phänomenologie, die Hering (ebenso wie die ganze erste Genera-
tion der Schüler Husserls) ständig verteidigt hat, verwurzelt ist.
Schließlich können wir in diesem Text bemerken, dass der Gegensatz zwi-
schen realistischer und idealistischer Phänomenologie weder dem Gegensatz
zwischen Empirismus und Rationalismus in der vorkantischen Philosophie
noch dem zwischen Idealismus und Positivismus in der nachkantischen Philo-
sophie ganz einfach entspricht. Wenn die den Logischen Untersuchungen ent-
stammenden realistischen Phänomenologen eine dieser Parteien vorgezogen
hätten, dann hätten sie ja ziemlich viel gemeinsam mit den vorkantischen Ra-
tionalisten und den nachkantischen Idealisten. Hier ist es merkwürdig, dass
Hering auf seinen Widerstand zum Empirismus und gleichzeitig auf seine
Hingabe zum Wesen (das nie durch eine einfache Schlussfolgerung zu errei-
chen oder mit der Idee zu verwechseln ist) besteht. In diesen Anstrengungen
Herings sehen wir das von Husserl nie eindeutig, allerdings von Heidegger
klar ausgedrückte große Ziel der Phänomenologie: den ganzen Gegensatz zwi-
schen Realismus und Idealismus zu überwinden und zu beweisen, dass die
Wahrheit jenseits von Realismus und Idealismus liegt.

4
Vgl. Hering 1925: 85–86.
40 Jean Hering

Phänomenologie als Grundlage der Metaphysik?


Jean Hering

Herausgegeben von
Sylvain Camilleri1

[1]
1.

„Wie ist es zu verstehen, dass das Subjekt in mir eine Beziehung habe
zu einem Gegenstand außer mir?“ Fassen wir dieses von Kant gelegentlich
formulierte, nie aber allgemein behandelte Problem noch etwas weiter und
sagen: „Wie ist es zu versteh[e]n, dass ein Bewusstsein eine Beziehung habe
zu einem Gegenstand, zu einer Welt, so haben wir eine Aufgabe vor uns, zu
deren Lösung die Ausarbeitung der eidetischen Phänomenologie die notwen-
dige und hinreichende Bedingung darstellt.

2.

Ein Spezialproblem wird dann durch folgende Frage zum Ausdruck ge-
bracht: „Wie muss eine Welt einem Bewusstsein sich darstellen (wie muss
Bewusstsein beschaffen sein, sagt Husserl), damit in ihm eine objektive Welt
in möglichst vollkommener Weise sich als existierend ausweist und welches
ist der wesensmäßig erreichbare Grad dieser Vollkommenheit?“ Auch dieses
„erkenntnistheoretische“ oder „erkenntniskritische“ Problem fällt also in den
Untersuchungsbereich der eidetischen Phänomenologie.

3.

Nun formulierten wir aber in unsern Kant-Übungen (1909/1910 u[nd]


1911/12) das Problem meist wesentlich anders.2 Nicht von einem Bewusstsein

1
Der Herausgeber möchte sich bei mehreren Personen, die mit ihren Hinweisen Hilfe
geleistet haben, bedanken: Frau L. Ducray, Herr G. Koch, Prof. J.-L. Labussière, Prof. H. Leo-
nardy, Rev. Dr. J. Feldes, Dr. A. Iyer und Dr. R. Parker.
2
 Vgl. Schuhmann 1977: 132, 163: WS 1909/1910 „Kant und die nachkantische Philo-
sophie“ (Vorlesung) und „Philosophische Übungen über Kants Kritik der reinen Vernunft“
(Seminar); WS 1911/1912 „Kant und die nachkantische Philosophie“ (Vorlesung) und „Phi-
losophische Übungen im Anschluss an Kants Kritik der reinen Vernunft“ (Seminar). Vgl.
auch Reinachs Vorlesung (verbunden mit Übungen) vom WS 1910/1911: „Kants Kritik
der Vernunft“ (K. Schuhmann, „Reinach-Chronik“, S. 7, https://nasepblog.files.wordpress.
com/2012/08/schuhmann-reinach-chronik.pdf ).
Phänomenologie als Grundlage der Metaphysik? 41

sprachen wir, sondern von unserem Bewusstsein; nicht von – einer (erschei-
nenden) Welt, sondern von unserer Welt, der uns erscheinenden Welt.
[2] Die Idee „Ding“ bildeten wir nicht frei aus dem Wesen von „Bewusst-
seinskorrelat“ ausgehend, genauer gesagt durch den Vollzug einer in der Idee
„Bewusstseins-Gegenstand“ eventuell vorgezeichneten regionalen Besonde-
rung, sondern wir hielten uns an „unsere“ Dingwelt, von ihr gingen wir aus,
die wir aus unserer Bewusstseinswelt kannten. Natürlich setzen wir nie die
(faktische) Existenzx unserer Dinge, wir nahmen sie ja nur als Ausgangspunkt
der Ideation (mussten es vielleicht tun aus Gründen mangelnder Angeboren-
heit apriorischer Vorstellungen, was uns aber hier nichts angeht). Aber wer
bürgt uns dafür, dass dieses unser in Idee gesetzte Bewusstsein der Prototyp
alles Bewusstseins ist? Könnte es nicht andere Bewusstseine geben, die total
anders konstruiert wären, vielleicht so, dass in ihnen überhaupt keine „durch-
haltende“ Welt zur Erscheinung käme? (Als Analogon, nicht als Beispiel neh-
me man das Bewusstsein dauernd geistesabwesender Fieberkranker.) Husserl
selbst pflegte diese Möglichkeit gern anzudeuten, um an ihr dann die „wah-
re“ Sachlage abzuheben. Aber ist diese Möglichkeit wirklich eine bloße leere
Möglichkeit, erledigt durch die (übrigens selbst von einer Eidetik nie zu leis-
tenden) Konstatation, dass unser Bewusstsein eben nicht von dieser Art ist?
Dies sei nur hervorgehoben, um die notwendige Spezialität (Nichtallge-
meinheit) einer jeden Phänomenologie darzutun, die noch von „unserem“
Bewusstsein, von „unserer Welt“ spricht. Eidetisch kann sie allerdings trotz-
dem noch sein.

[3]
4.

Es ändert sich die Lage, wenn wir „unser“ B. nicht mehr bloß als Ausgangs-
punkt nehmen zur Bildung der Idee „B. wie das unsere“, genauer gesagt: „Be-
wusstsein, wie dieses unsere“ eines zu sein scheint, eines zu sein gemeiniglich
angenommen wird (bekanntlich lässt sich jedes X in die Idee setzen, indem
man schreibt: „ein Etwas wie X“), sondern auch über unser Bewusstsein (unser
transzendental gereinigtes, wie sich immer von selbst versteht) etwas Gültiges
auszumachen meinen, eventuell sogar entscheiden wollen, ob es von der Art
ist, uns die Berechtigung zu geben, unsere Welt als eine sich voll ausweisende
anzusprechen.
Hier ist mit der Rede von „unserem Bewusstsein-“ bzw. „unserer Welt“ eine
Setzung vollzogen; natürlich keine empirische, aber die Setzung eines Tode-Ti.
Mag diese Setzung eine unbezweifelbare sein oder nicht, jedenfalls geht
sie als Setzung eines Tode-Ti, eines Faktums, prinzipiell über die Sphäre der
Eidetik hinaus.
x
Fußnote von Hering: „Streng genommen nicht einmal die eingeklammerte Existenz.“
42 Jean Hering

5.

Die Anhänger der Lehre von der notwendigen Setzung des Bewusstseins
werden vielleicht einwenden, dass ein Faktum, das selbst existenznotwendig,
d.h. aus Wesensgründen seiend ist, doch auch in das Gebiet reiner Eidetik
fällt. Diesen Einwand widerlegen wir mit der Frage, ob denn die „notwendige
Setzung eines Faktums“ dasselbe ist wie die „Setzung eines notwendigen Fak-
tums“. Der hergebrachten Unterscheidung zwischen „Denknotwendigkeit“
und „Seinsnotwendigkeit“, die allerdings meist an falscher Stelle gebracht
wird, [4] können wir hier, wenn nicht trügt, nicht aus dem Wege gehen.
Gottes Existenz ist, die Richtigkeit des ontologischen Gottesbeweises vo-
rausgesetzt, in seiner Idee beschlossen. Wie aber könnte mich die bloße Idee
„Bewusstsein“ je auf die Existenz auch nur eines Bewusstseins in facto führen?
Mindestens ist zuzugeben, dass dem dies Behauptenden die Last des Nach-
weises zufällt.
Wenn ich mein Bewusstsein nicht bezweifeln kann, so liegt das daran, dass
ich meine Erlebnisse in unbezweifelbarer Weise als wahrhaft seiend erlebe,
aber nicht als ob ich aus der Idee „Bewusstsein“ oder „Bewusstsein von der
und der Art“ eine Tatsache ableiten könnte3.
Allenfalls Gottes Bewusstseins, dann liegt es aber am Wesen Gottes und
nicht am Wesen von Bewusstsein.

6.

Solange also keine neuen Aufweise in der angegebenen Richtung geführt


werden, bestreiten wir, dass irgend eine Frage, in der „mein Bewusstsein“, „unser
Bewusstsein“, „meine Welt“, „unsere Welt“ eine Rolle spielt, von der eidetischen
Phänomenologie gelöst werden kann. Ich kann eidetisch nicht entscheiden, ob
es so etwas gibt wie mein Bewusstsein, ob ihm eine Welt erscheint usw.
Daher kann unter anderem weder das metaphysische [5] Problem der
Existenz „der“ Außenwelt, noch das ebenfalls in die Metaphysik gehörige
(Log. Unt. I, § 5, § 33) andere: ob unser Raum ein euklidischer und daher
den Gesetzen der euklidischen Geometrie unterworfener sei, je durch die ei-
detische Phänomenologie gelöst werden.

7.

Ein rein ontologischer Lösungsversuch der soeben angegebenen metaphy-


sischen Probleme wäre unsinnig. Denn selbst wenn (aus der Gottesidee oder
sonstwie) die notwendige Existenz einer Welt überhaupt oder einer Welt be-

3
Randbemerkung von Hering: „sehr wichtig...“
Phänomenologie als Grundlage der Metaphysik? 43

stimmter Art erweislich wäre, – woher wüsste ich, dass diese wirkliche Welt mit
der uns erscheinenden identisch sei? Ontologisch ließe sich dies nicht dartun.

8.
Metaphysik wäre also unmöglich, wenn es neben der Ontologie nur eine
eidetische Phänomenologie gäbe.
Andererseits ist klar, dass sie, wenn überhaupt, so nur phänomenologisch
lösbar sind. Aber man wird sich eben dazu entschließen, neben der eideti-
schen Phänomenologie eine Faktizitäts-Phänomenologie in ihre Rechte ein-
zusetzen. Sie setzt ihrerseits natürlich die eidetische Phänomenologie voraus,
so wie die Geographie die sphärische Trigonometrie; wobei zu beachten ist,
dass keine Geometrie lehrt, ob unsere Erde eine Kugel ist, welchen Radius sie
hat und ob es sie überhaupt gibt.
Die von Husserl (§ 62 der Ideen) nur als wenig bedeutsam erwähnte
„Tatsachenwissenschaft von den transzendental reduzierten Erlebnissen“ ist
also die Grundlage der Metaphysik.

Johannes Hering. 27. 4. 1917.

[6]
Post-Skriptum

9.

Eine Faktizitäts-Phänomenologie wendet natürlich die Resultate der ei-


detischen an. Vorher muss aber entschieden sein, ob das, was wir „mein Be-
wusstsein“ nennen, unter die von der eidetischen Phänomenologie studierte
Idee von Bewusstsein fällt und unter welche ihrer Abarten, und dies kann die
Eidetik niemals leisten.

10.
Auch eine Faktizitäts-Phänomenologie braucht keine „Geschichten“ zu
erzählen. Sie hat zur Begründung der Metaphysik individuelles oder gemein-
schaftliches Bewusstsein als Seiendes (natürlich nicht als in der Welt Seiendes)
seinem Wesen nach zu erforschen, soweit es für metaphysische Zwecke nötig
ist. (Womit zugleich sich erweist, dass zwar die Begriffe „eidetische Wissen-
schaft“ und „Tatsachen-Wissenschaft“ sich ausschließen, nicht aber „Tatsa-
chenwissenschaft“ und „Wesensforschung“, wobei natürlich „Wesen“ weder
mit „Idee“ noch mit „Wesenheit“ verwechselt werden darf.)
44 Jean Hering

11.
Wie jede Phänomenologie sich allgemeiner und regionaler Ontologien als
Leitfäden bedienen kann, ohne doch aus ihnen eine Begründung zu schöpfen
oder gar mit ihnen zusammenzufallen, ist die Faktizitäts-Phänomenologie in
gewissen Dingen der empirischen Bewusstseinslehren von menschlichen oder
andern Bewusstseinen (die selbst zu den empirischen Psychologien in Bezie-
hung stehen). Stets aber bleibt sie ihrem Wesen nach von aller Empirie, die als
der möglichen Skepsis zugänglich nie Metaphysik mitbegründen kann, scharf
unterschieden.

12.
Sollte es sich herausstellen, dass alle vollentwickelten Bewusstseine von
einer Art sind, und „dieselbe“ Welt erscheinen lassen (der [7] Sinn und die
Möglichkeit der intersubjektiven Konstitution Einer Welt sind natürlich ei-
detisch zu durchforschen), so erhöbe sich die Frage, ob andere Bewusstseine
nicht vielleicht doch unmöglich sind. Hier gibt die Faktizitäts-Phänomenolo-
gie der eidetischen Phänomenologie einen Fingerzeig. Eine Frage, die natür-
lich nicht ohne sorgfältige eidetische Untersuchung zu lösen wäre.
Wären aber wirklich alle („vollentwickelten“ und „gesunden“) Bewusst-
seine wesensnotwendig solche, welche „die“ Welt in denkbar vollkommenster
Weise geben, so würde der Nachweis der Existenz eines Bewusstseins, z.B. des
göttlichen, die Existenz der Welt phänomenologisch sichern. Eine Existenzab-
hängigkeit der Welt von diesem Bewusstsein wäre damit aber nicht gegeben.

13.

Auch auf diesem Wege ließe sich aber nichts über die Existenz „unserer“
Welt ausmachen, denn die also unter Umständen postulierte Welt (vgl. 12.)
braucht mit der uns erscheinenden nicht identisch zu sein. Wir werden daher
wieder auf die Faktizitäts-Phänomenologie zurückgeführt.
Phänomenologie als Grundlage der Metaphysik? 45

Introduction

Sylvain Camilleri and Arun Iyer

The document presented below stems from the Jean Hering Nachlass in
the Médiathèque protestante of Strasbourg and was originally persevered in the
Archive of the Collegium Wilhelmitanum Argentinense (the Protestant Insti-
tute) of the same city. It concerns a typescript of 7 folios, which was unknown
up until now, with some handwritten remarks by the author himself (title,
date, signature, a marginal remark, a footnote and numerous corrections,
which the current edition has silently incorporated). Unfortunately the in-
tended purpose of this manuscript is unknown. There is absolutely no trace of
a conference or a contribution that would corroborate its purpose. Its date of
origin is however noteworthy. “Phenomenology as Foundation of Metaphys-
ics?” is the only phenomenological text of Hering between his dissertation on
“Lotze’s doctrine of the Apriori” (a written homework for the qualifying exam
for a higher teaching position) supervised by Husserl in 1914 and his known
“Remarks on Essence, Essentiality and Idea” in the Yearbook for Philosophy and
Phenomenological Research in 1921. The theme is likewise of the highest signif-
icance. For, Hering discusses somewhat indirectly and for the first time Hus-
serl’s turn to transcendental idealism and its manifold “metaphysical” implica-
tions. His train of thought seems relatively difficult for us to follow. It ought
to however lead us to the Kantian foundations of Hering’s core problematic.
In fact it becomes clearer if one recalls Kant’s response to the objection of
idealism.1 Here we would like to restrict ourselves to the following remarks:
To ask if phenomenology is the foundation of metaphysics is for Hering to
interrogate the possibility of an eidetic science succeeding in describing more
precisely that which “actually” exists and lives but is nevertheless inaccessible
to empirical science.2 In 1917, Husserl only touched upon this possibility, and
the numerous questions it entails were left without an answer by an eidetics
itself that, for instance, “will not ask if ‘our world’ exists in certain respects or
not, but will research in a general manner, the conditions according to which

1
See Kant, Critique of Pure Reason, A 273, B 273ff.; see also Prolegomena, § 13, § 49, ap-
pendix 2.
2
See Hering 1925: 8.
46 Jean Hering

a supposedly material world ought to appear to a consciousness or multiple


consciousnesses (Ideas I, § 29) in order to legitimate its existence (that is nec-
essarily permitted by its nature and which is to this extent made a priori pos-
sible). Does that which actually appears to our consciousness satisfy ‘eidetic’
laws? Here we have a problem that only the phenomenology of the tode-ti or
an individual phenomenology, of which Husserl speaks just once (Ideas I, Ap-
pendix to § 62), will be able to solve.”3 It is precisely such a phenomenology,
whose contours Hering sketches in the text presented here. He calls it phe-
nomenology of facticity and entrusts it with the task of examining the types
of possible consciousnesses and the modalities according to which they relate
to the world. Even if this task is not carried out systematically here, it seems in
any case that already the Husserlian thesis, according to which consciousness
can exist without entailing the existence of the world, is fundamentally revers-
ible: it indeed seems that the existence of the world does not necessarily imply
the existence of consciousness.4 It is in this way that Hering does justice to the
turning point that is Ideas I by always preserving and continuing to cultivate
the seminal intuitions of the Logical Investigations in which is rooted the realist
phenomenology that the disciples of the first generation—of which he is an
eminent representative—never stopped defending.
Having said this, this text also allows us to see that the opposition between
realist and idealist phenomenology finds no easy parallel either in the opposi-
tion between the empiricism and the rationalism of pre-Kantian philosophy
or in the opposition between the idealism and positivism of post-Kantian
philosophy. Indeed if the realist phenomenologists spawned by the Logical
Investigations were to pick sides between these opposing tribes, they would
find much more in common with the pre-Kantian rationalists and the post-
Kantian idealists. Hering, as we can see, stresses his opposition to empiricism
and his fidelity to essences that cannot be arrived at by a simple process of
inference but which are also not to be confused with ideas. Indeed what we
see in his efforts is the grand aim of phenomenology—never explicitly speci-
fied by Husserl, but certainly by Heidegger—to overcome the very distinction
between realism and idealism and show that the truth lies well beyond this
opposition.

3
Hering 1925: 131–132.
4
See Hering 1925: 85–86.
Phänomenologie als Grundlage der Metaphysik? 47

Phenomenology as the Foundation of Metaphysics?

Jean Hering

Edited by
Sylvain Camilleri1

Translated by
Arun Iyer*

[1]**
1.

“How are we to understand that the subject in me has a relationship to


an object outside me?” This is a problem that is casually formulated by Kant
but never generally dealt with by him. When we grasp this problem still more
comprehensively and say: “How are we to understand that a consciousness
has a relationship to an object, to a world, we are confronted with a task. The
elaboration of eidetic phenomenology presents itself as the necessary and suf-
ficient condition for the accomplishment of this task.

2.

A special problem is then brought to expression by the following question:


“How must a world present itself to a consciousness (how should conscious-
ness be structured, says Husserl), so that in it an objective world identifies
itself as existing in the most complete manner possible and which is a degree
of completeness that is attainable in accordance with its essence? Thus even
this problem of the “theory of knowledge” or the “critique of knowledge” falls
in the research domain of eidetic phenomenology.

1
The editor has been aided by several persons who have advised him: Mrs. L. Ducay, Mr.
G. Koch, Prof. J. L. Labussière, Prof. H. Leonardy, Rev. Joachim Feldes, Dr. A. Iyer and Dr.
R. Parker.
*
The translator would like to thank Dr. Daniele De Santis and Dr. Rodney Parker for their
comments on the translation.
**
Page numbers of the original manuscript will be given in square brackets. (Translator’s
note)
48 Jean Hering

3.

Now however, we formulated this problem most essentially in a very dif-


ferent way in our Kant exercises (1909/10 and 1911/12)2.*** We did not speak
of a consciousness but of our consciousness, not of a world (as it appears), but
of our world, of the world as it appears to us.
[2] We do not freely form the idea “thing” by proceeding from the essence
of the “correlate of consciousness,” more precisely, through the fulfillment of
a regional severing potentially prefigured in the idea “Consciousness-object.”
Rather, we were aware of “our” world of things [Dingwelt]. We proceeded
from it, knowing it from our conscious world. Naturally we never posit the
(factical) existencex of our things. We indeed only took it as the starting point
of our ideation (perhaps we had to do it on account of the lack of innate-
ness of a priori representations, something that does not concern us here).
However, who guarantees the fact that this consciousness that is posited in
our ideas is the prototype of all consciousness? Could there not be other con-
sciousnesses, constructed in a totally different way, perhaps in such a way that
in them simply no “permanently persisting” world ever came into appearance?
(We could consider as an analogue but not as an example the consciousness of
someone struck down by fever who is mentally absent on a permanent basis.)
Husserl himself used to like hinting at this possibility in order to emphasize
by contrast the “true” state of affairs. But is this possibility really a merely
empty possibility that can be put to rest by the insistence (which is itself, by
the way, never accomplished by an eidetics) that our consciousness is precisely
not of this kind?
We need to only emphasize this in order to exhibit the necessary specialty
(non-universality) of any phenomenology that still speaks of “our” conscious-
ness, of “our world.” It can still indeed be eidetic despite this.

2
See Schuhmann 1977: 132, 163. For the winter semester 1909/1910: “Kant und die
nachkantsche Philosophie” (Lecture) and “Philosophische Übungen über Kants Kritik der Rei-
nen Vernunft” (Seminar). For the winter semester 1911/1912: lecture of the same name and
“Philosophische Übungen im Anschluss an Kants Kritik der reinen Vernunft” (Seminar). See
also Reinach’s lecture (connected to the exercises) of the winter semester of 1910/11: “Kant’s
Critique of Pure Reason” (K. Schuhmann, “Reinach-Chronicle,” p. 7, https://nasepblog.files.
wordpress.com/2012/08/schuhmann-reinach-chronik.pdf ).
***
In his memoir titled “La phénoménologie d’Edmund Husserl il y a trente ans. Souve-
nirs et réflexions d’un étudiant de 1909”, Hering mentions the exercises of Husserl and Adolf
Reinach (Hering 1939: 366). He specifically mentions (Hering 1939: 367) Husserl’s “exercises
on Kant, Hume, Lotze and Mach, which taught the students to respect, love and comprehend
these thinkers by giving them what one could call an objective exegesis of their writings, which
brought to the fore their contact (and their struggles!) with the Truth that remained one despite
being perceived in different ways.” (Translator’s note)
x
Footnote by Hering: “Rigourously understood, not even the bracketed existence.” (Edi-
tor’s note)
Phänomenologie als Grundlage der Metaphysik? 49

[3]
4.
The situation changes if we no longer merely take “our” consciousness as
the starting point for the formation of the idea “consciousness like that of
ours.” To be more precise: “Consciousness like this one that is ours” seems to
be the only one, to be the only one normally understood (it is well known
that any X can be posited as an idea in so far as one writes “a something like
X.”). The situation changes when we also intend to constitute [ausmachen]
something valid beyond our consciousness (our transcendentally purified
consciousness, it goes without saying), when we even want to possibly decide
whether this consciousness is of the kind that can provide us with the justifica-
tion to speak of our world as one that fully identifies itself.
Here we posit something with the talk of “our consciousness,” “our world.”
We certainly do not posit something empirical, but posit a tode ti.
Whether this positing is indubitable or not, it is at any rate a positing of a
tode-ti, of a fact that in principle goes beyond the sphere of eidetics.

5.

The disciples of the doctrine of the necessary positing of consciousness will


perhaps object that a fact that is itself existentially necessary, which exists on
essential grounds, also falls into the realm of the purely eidetic. We refute this
objection by asking whether “the necessary positing of a fact” is the same as
“the positing of a necessary fact.” The distinction we have invoked between
the “necessity of thought” and the “necessity of being,” which is indeed mostly
introduced in the wrong places, [4] is something we cannot avoid here, pro-
vided it does not deceive us.
If we presuppose the correctness of the ontological proof of God’s exis-
tence then the existence of God is included in the very idea. But how can the
mere idea of “consciousness” lead me also to the very existence of just one
consciousness de facto? We at least need to acknowledge that the burden of
proof falls on the one who makes such a claim.
If I cannot doubt my consciousness it implies that I experience my lived
experience in an indubitable way as truly existing; but not as if I could derive a
fact from the idea “consciousness” or “consciousness of such and such a type.”3
In any case the consciousness of God is dependent upon the essence of
God and not on the essence of consciousness.

3
Marginal note: “Very important!...” (Editor’s note)
50 Jean Hering

6.
So long as no new evidence is furnished in the direction indicated, we
deny that any question in which “my consciousness,” “our consciousness,”
“my world,” “our world” plays a role can be resolved by eidetic phenomenol-
ogy. I cannot decide eidetically whether there exists something like my con-
sciousness; whether a world appears to it and so on.
Thus neither the metaphysical [5] problem of the existence “of ” the outer
world nor the other problem belonging similarly to metaphysics about wheth-
er our space is a Euclidian space and thus subsumed under the laws of Euclid-
ean geometry can indeed be solved through eidetic phenomenology.

7.

A purely ontological attempt at solving the just mentioned metaphysical


problems would be nonsensical. This is because even if (out of the idea of
God or some other way) the necessary existence of a world in general or a
world of a definite kind were provable – from where would I know that this
real world is identical to that which appears to us? This cannot be shown
ontologically.

8.
Thus metaphysics would be impossible if there were only an eidetic phe-
nomenology alongside ontology.
On the other hand, it is clear these problems can, if at all, be only solved
phenomenologically. However, to do this we will have to resolve to introduce
alongside eidetic phenomenology a phenomenology of facticity in its own
right. The latter naturally presupposes eidetic phenomenology for its part,
just as geography presupposes spherical trigonometry in which case it is to be
noted that no geometry teaches whether our earth is a sphere, what radius it
has and whether it even exists.
The “science of the facts of transcendentally reduced lived experiences,”
which is mentioned by Husserl (§ 62 of the Ideas) only as something less
important, is thus the foundation of metaphysics.

Johannes Hering. 27. 4. 1917


Phänomenologie als Grundlage der Metaphysik? 51

[6]
Postscript

9.

A phenomenology of facticity naturally uses the results of eidetic phe-


nomenology. However, we must settle beforehand whether what we call “my
consciousness” falls under the idea of consciousness studied by eidetic phe-
nomenology and under which of its kinds. This is something eidetics can
never achieve.

10.

Even a phenomenology of facticity does not need to narrate any “stories.”


In order to ground metaphysics this phenomenology of facticity has to study
individual or collective consciousness as a being (obviously not as a being in
the world) in accordance with its essence in so far as it is necessary for meta-
physical purposes. (In this way it also turns out that while the concepts “ei-
detic science” [Eidetische Wissenschaft] and “science of facts” [Tatsachen- Wis-
senschaft] exclude one another, the “science of facts” [Tatsachenwissenschaft]
and “research into essences” [Wesensforschung] do not. In that case “essence” is
obviously not to be confused with either “idea” or “essentiality [Wesenheit].”)

11.

Just as any phenomenology can avail itself of general and regional ontolo-
gies as guiding threads without also finding its ground in them or coinciding
with them, the phenomenology of facticity can also avail itself in certain as-
pects of the empirical doctrines of consciousness of human or other conscious-
nesses (which themselves stand in a relationship to empirical psychologies.)
But it always remains, in accordance with its essence, sharply distinguished
from all empiricism, which latter being amenable to a possible skepticism can
never co-ground metaphysics.

12.

Should it so happen that all fully developed consciousnesses are of one


kind, and allow the “same” world to appear (the sense [7] and the possibil-
ity of the intersubjective constitution of a world is obviously to be explored
eidetically) the question would arise as to whether other consciousnesses are
perhaps still not impossible. Here the phenomenology of facticity gives eidetic
phenomenology a helping hand. A question, which obviously cannot be re-
solved without meticulous eidetic investigation.
52 Jean Hering

But were all (“fully developed” and “healthy”) consciousnesses in accor-


dance with the necessity of their essence, really such that they give “the” world
conceivable in the fullest way then the proof of the existence of a conscious-
ness, for example that of the divine, would secure the existence of the world
phenomenologically. However, there would be, as a result, no existential de-
pendence of the world on this consciousness.

13.
Even by proceeding in this way we can make nothing of the existence of
“our” world. For, the world that is conditionally postulated in this way (See
12) does not have to be identical to the one that appears to us. We are thus
again led back to the phenomenology of facticity.

Works cited:

Hering, Jean. 1925. Phénoménologie et philosophie religieuse. Étude sur la théorie de la


Connaissance religieuse. Paris: Alcan.
Hering, Jean. 1939. La phénoménologie d’Edmund Husserl il y a trente ans. Souve-
nirs et réflexions d’un étudiant de 1909. Revue internationale de philosophie 1(2):
366–373.
Schuhmann, Karl. 1977. Husserl-Chronik: Denk- und Lebensweg Edmund Husserls.
The Hague: Nijhoff.

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