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Gitte Cullmann Wiesbaden, 24.09.

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Fächer: Soziologie, Spanisch, Wirtschaftspolitik (M.A.)
Fachsemester: 06

Betreuer: Dr. T. Blank

Praktikumsbericht: Praktikum im Forschungsdatenzentrum


des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden vom 2.08.-
24.09.2004

Gliederung:
1. Rahmenbedingungen
2. Vorstellung des Unternehmens
3. Tätigkeiten im Praktikum
3.1 Allgemeine Tätigkeiten
3.2 Eigenes Forschungsprojekt
4. Typischer Arbeitstag
5. Reflexion des Praktikums
6. Anhang

1. Rahmenbedingungen

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Die Bewerbung für das Praktikum beim Statistischen Bundesamt erfolgte
aufgrund eines Aushangs im Institut für Soziologie mittels einer kurzen E-
Mail-Anfrage. Kurze Zeit später erfolgte eine Antwort, in der ich auf an eine
andere Abteilung verwiesen wurde, weil das ausgeschriebene Praktikum
bereits vergeben war.
Nach einer erneuten kurzen E-Mail zur Kontaktaufnahme reichte ich eine
schriftliche Bewerbung im Forschungsdatenzentrum (FDZ) des Statistischen
Bundesamtes in Wiesbaden ein und erhielt kurze Zeit später eine Antwort,
dass ich das achtwöchige Praktikum in dem von mir gewünschten Zeitraum
(02.08.04-24.09.04) absolvieren könnte. Ein Vorstellungsgespräch war nicht
nötig und durch ein Telefonat mit Herrn Thomas Wende (meinen
Arbeitsanweiser) wurde ich bereits im Voraus auf meine Tätigkeit
vorbereitet. Er teilte mir mit, dass das FDZ zur Zeit eine Terminal-Server
Lösung entwickelte, die es den Wissenschaftlern ermöglichen soll, von
ihrem Rechner auf einer abgeschotteten Plattform mit den weniger
anonymisierten Datenbeständen des statistischen Bundesamtes zu arbeiten.
(später mehr dazu) Meine Aufgabe sollte nun darin bestehen, diese
Plattform anhand einer wissenschaftlichen Forschungsfrage auf ihre
Sicherheit und Rechtmäßigkeit zu testen.

2. Vorstellung des Unternehmens

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden beschäftigt rund 2800 Mitarbeiter


und ist in 9 Abteilungen aufgeteilt.
An der Spitze des Bundesamtes stehen der Präsident Herr Hahlen und sein
Vizepräsident Herr Rademacher.
Das seit knapp zwei Jahren bestehende Forschungsdatenzentrum (FDZ) in
dem das Praktikum absolviert wurde und das unter der Leitung von Dipl.
Volkswirt Marcus Zwick liegt, gehört zu der Abteilung 1, Gruppe B und ist
im Bereich „Forschung und Entwicklung in der Bundesstatistik“
eingegliedert. Mit seinen 6,5 Mitarbeiterstellen umfasst es wohl eher einen
kleinen Bereich, dessen Struktur sehr gut organisiert ist.
Das FDZ des Statistischen Bundesamtes ist in Verbindung mit den
Forschungsdatenzentren der Statistischen Landesämter die Schnittstelle

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zwischen der amtlichen Statistik und der Wissenschaft und hat unter
anderem zur Aufgabe, den geregelten Zugang zu den amtlichen Mikrodaten
zu ermöglichen. Dazu zählt einerseits die faktische Anonymisierung der
Mikrodaten im Rahmen des Bundesstatistikgesetzes für die Scientific-Use
Files und andererseits die Bereitstellung von Gastwissenschaftler-
arbeitsplätzen in geschützten Räumen des StBa. Darüber hinaus gibt es noch
die Möglichkeit über das Fernrechnen und über die Sonderaufbereitungen
Zugang zu den Einzeldaten zu bekommen. Die Daten, die dabei zugrunde
liegen sind der Mikrozensus, die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe,
die Zeitbudgeterhebung, die Lohn- und Einkommensteuerstatistik und die
Gehalt- und Lohnstrukturerhebung. Die Mikrodaten liegen in SAS, SPSS
und STATA vor.

3. Tätigkeiten im Praktikum

Mein Praktikum begann am 2. August um 9.30h und nach dem


Unterzeichnen des Praktikantenvertrags bin ich in die mir zugewiesene
Abteilung gegangen und wurde dort sehr angenehm empfangen. Nachdem
ich allen Mitarbeitern vorgestellt und mir mein Arbeitsplatz gezeigt wurde
führte mich Herr Thomas Wende in mein zukünftiges Arbeitsgebiet ein. Er
betonte von Anfang an, dass meine Tätigkeit vorwiegend wissenschaftlich
werden würde, was mir eine Möglichkeit bat, dass bisher erlernte Wissen im
Studium mit der praktischen Tätigkeit vor Ort zu vereinen. So teilte sich
meine Arbeit in ein „eigenes Forschungsprojekt“ und allgemeine
Tätigkeiten für das FDZ, die aber proportional geringer ausfielen.

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3.1 Allgemeine Tätigkeiten

Zu den allgemeinen Tätigkeiten gehörten die Bearbeitung von


Nutzeranträgen und Kommunikation mit den Wissenschaftlern, die
Verbesserung von Syntaxfileproblemen, die Erstellung von
Strukturdatenfiles, die Mithilfe an Auswertungen für den Armuts- und
Reichtumsbericht der Bundesregierung, die Erstellung einer Datenbank der
Wissenschaftler und die Unterstützung an den Projekten der
wissenschaftlichen Mitarbeiter. Außerdem begeleitete ich Herrn Wende zu
einem Termin mit einer externen Firma, die Sicherungssysteme für den
SAM anbietet.

3.2 Eigenes Forschungsprojekt

Meine Hauptaufgabe lag in dem Testen des Servers für die Analyse von
Mikrodaten (SAM), der von Herrn Wende mit seinem Kollegen Dr. Jobst
Heizig ins Leben gerufen wurde. Diese Terminal Server Lösung soll
abgesehen von den bestehenden Möglichkeiten der Mikrodatennutzung des
statistischen Bundesamtes, wie der kontrollierten Datenfernverarbeitung
oder dem Gastwissenschaftlerarbeitsplatz, eine zusätzliche Option für die
Wissenschaftler darstellen, mit den beantragten Daten zu operieren. Da die
Daten des Statistischen Bundesamtes der strengen Geheimhaltung
unterliegen und dem BstaG gerecht werden müssen, sind hohe
Sicherungsmaßnahmen des SAM unumgänglich. Der SAM ist eine
sogenannte abgeschottete Plattform, die auf den Rechnern der Universitäten
installiert wird, damit dort die Analysen durchgeführt bzw. die Datensätze
einsichtig gemacht werden können. Da keine Verbindung zwischen dem
eigenen Rechner und des SAM bestehen darf, erfolgt die Ausgabe der
Ergebnisse über den auf dem SAM eingerichteten Sendeordner, der
automatisch die abgelegten Dateien an die ihm zugeordnete E-Mail-Adresse
weiterleitet, nachdem ihr Inhalt von einem Mitarbeiter des
Forschungsdatenzentrums auf Sicherheit überprüft wurde.
Das Testen erfolgte einerseits über die Bearbeitung der Nutzeranträge mit
SPSS und andererseits über das eigene Forschungsprojekt, das sich mit der

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empirischen Überprüfung einer soziologischen Theorie beschäftigte. Im
Zuge dessen wurde ein ausführliches Testprotokoll erstellt, das dazu dienen
soll, den SAM zu optimieren.

4. Typischer Arbeitstag

Im Statistischen Bundesamt besteht die Regel der gleitenden Arbeitszeit für


die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt
37,5 Stunden und kann individuell, durch die Stechkarte abgesichert,
eingeteilt werden. Die Arbeitszeit beginnt morgens zwischen 6.30h und
9.00h und die Mittagspause beträgt eine halbe Stunde.
Da ich im Zuge eines Pflichtpraktikums keine Vergütung erhielt war ich in
der Arbeitszeitgestaltung etwas freier. Mein Arbeitstag begann jeden
Morgen zwischen 8 und 9 Uhr und die tägliche Arbeitszeit betrug 8 Stunden
mit der gewöhnlichen 30 minütigen Mittagspause, die ich entweder mit
Herrn Wende und einigen anderen Mitarbeitern oder Praktikanten
verbrachte. Nachdem morgens die Mitarbeiter begrüßt wurden, ging ich in
mein Büro, was etwas außerhalb der eigentlichen Abteilung lag, aber dafür
einem wunderschönen Blick über Wiesbaden hatte. Meist gab es noch
Aufgaben vom Vortag zu erledigen, denn zum Teil mussten die Rechner
aufgrund der großen Datensätze über Nacht laufen, oder die fehlerhaften
Syntaxfiles mussten korrigiert und erneut durchgeführt werden. Wie bereits
oben angeführt waren die Aufgaben sehr abwechslungsreich und der Tag
gliederte sich in die allgemeinen Aufgaben und das eigene
Forschungsprojekt ungefähr im Verhältnis von eins zu drei.
Jeden Nachmittag fand eine ausgiebige Besprechung mit meinem
Arbeitsanweiser statt, bei der sowohl die anstehenden Aufgaben, als auch
die bereits erledigten Aufgaben besprochen wurden. Diese Tatsache
empfand ich als sehr positiv, denn so konnte ich einerseits meine Fragen und
zum Teil auch Anregungen sammeln und auf einmal vortragen und
andererseits resultierte daraus eine sehr gut Betreuung meines Praktikums.
Da ich über ein eigenes Büro verfügte war die Kommunikation mit den
anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht allzu ausgeprägt, aber

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einige kamen in mein Büro und stellten interessierte Fragen. Außerdem
herrschte ein ständiger telefonischer Kontakt.
Der Arbeitstag endete meist abhängig vom Arbeitsbeginn nach 8 Stunden.
(zwischen 16.00h und 18.00h)

5. Reflexion des Praktikums

Allgemein möchte ich betonen, dass mein Praktikum beim Statistischen


Bundesamt sehr effektiv, interessant und hilfreich für mein Studium und
insbesondere für die empirische Ausbildung war. Durch den sehr intensiven
Gebrauch mit SPSS und z.T. mit SAS fallen mir statistische Auswertungen
sehr viel leichter. Von Vorteil war außerdem, dass Herr Wende Diplom
Soziologe ist und mir dadurch auch inhaltlich einiges näher gebracht hat.
Aber abgesehen von dem inhaltlich erlernten Wissen, schulte er mich auch
mit seiner sehr offenen Art für das zukünftige Berufsleben und ich hatte
niemals das Gefühl einer „typischen Praktikantin“. Dies wurde ebenfalls
dadurch bestätigt, dass ich mit meinem eigenen Projekt eine sehr
selbstständige Aufgabe hatte und nicht die „einfachen“ Arbeiten erledige
musste. In dem täglichen Reflexionsgespräch äußerte Herr Wende
konstruktive Kritik und gab mir Verbesserungsvorschläge, was aber niemals
beleidigend, sondern stets hilfreich und einleuchtend war. Im Zuge des
Studiums erfolgt ein Lob oder eine Kritik ausschließlich über die
individuelle Notenvergabe und in den seltensten Fällen erfolgt eine
Reflexion über erbrachte Leistungen, so dass es eine neue Erfahrung für
mich war, die Kritik oder auch das Lob richtig zu verstehen.
Durch die Mithilfe an den Auswertungen für den Armuts- und
Reichtumsbericht der Bundesregierung, der von dem Leiter des FDZ, Herrn
Zwick (Diplom Volkswirt) in Kooperation mit der Universität Lüneburg
durchgeführt wird, habe ich auch inhaltlich sehr abwechslungsreiche
Themenbereiche kennen gelernt.
Im Nachhinein möchte ich betonen, dass sowohl die Einführung, als auch
die Betreuung und Koordination durch meinen Arbeitsanweiser meines
Erachtens sehr positiv war.

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Da ich bislang, abgesehen von einem zweiwöchigen Praktikum in der
Schulzeit und diversen Studentenjobs, ausschließlich Praktika im Ausland
absolviert habe, waren diese zwei Monate eine sehr neue Erfahrung für
mich. Ich habe inhaltlich sehr viel Neues erlernt und der Arbeitsalltag wurde
schnell zur Gewohnheit. Außerdem wurde mir der Zugang zu einer
spezielleren Computernutzung näher gebracht, was für die Zukunft
unumgänglich ist.
Die Dauer des Praktikums war auch sehr angemessen, weil ich gemerkt
habe, dass es einige Zeit benötigt, bis man sich in die Organisation eines
bestehenden Teams integriert hat. So war es anfänglich oft nicht leicht die
hierarchischen Strukturen zu durchschauen und einen Platz darin zu finden.
Aber nach zwei bis drei Wochen entwickelte sich eine gute Zusammenarbeit
und ich hatte nicht mehr das Gefühl den „typischen“ Status einer
Praktikantin inne zu haben. Des Weiteren musste ich mich erst einmal an die
Amtsstrukturen gewöhnen und die Rahmenbedingungen verstehen, die von
Vertragseingang bis hin zum Vertragsabschluss eingehalten werden müssen.
Ein positiver Nebeneffekt ist aber, dass die Kommunikation zwischen den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den verschiedenen Abteilungen sehr
gut funktioniert.
Ich bekam das Angebot meine Magisterarbeit hier im Statistischen
Bundesamt im Rahmen einer empirischen Analyse zu schreiben, was für
mich sehr interessant und plausibel klingt. Des Weiteren wurde ich gefragt,
ob ich mit zu dem Soziologie Kongress nach München fahren möchte, um
dort das Forschungsdatenzentrum zu vertreten.
Das Abschlussgespräch mit Herrn Wende verlief äußert positiv für mich und
meine Tätigkeit während der zwei Monate. Ich sei zwar am Anfang etwas
zurückhaltend gewesen, aber das hätte sich mit der Zeit gelegt und er lobte
unsere Zusammenarbeit. Darüber hinaus besteht im Nachhinein immer noch
ein persönlicher Kontakt in Form von E-Mails oder Telefonaten, was mich
sehr freut.

6. Anhang
Ausarbeitung Mikrozensus (auch Hausarbeit für Hauptseminar
„Datenerhebungstechniken“)

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Testprotokoll
Zeugnis