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CATCHER

T4:

Kerze anzünden

9.839 getötete Menschen in Grafeneck


9.722 getötete Menschen in Brandenburg
18.269 getötete Menschen in Hartheim
8.601 getötete Menschen in Bernburg
13.720 getötete Menschen in Sonnenstein
10.072 getötete Menschen in Hadamar
Pause
6 Vernichtungsanstalten
19 Tötungsärzte
Über 70.000 Tote
Pause

Begrüßung
Themenübersicht
1. Das Euthanasieprogramm im 3. Reich  Historie
2. Haltung der Kirchen
3. Das „Ende“
4. Frage nach dem Warum  Leitfrage
5. Aktuelle Debatte zur aktiven Sterbehilfe

1 DAS EUTHANASIEPROGRAMM IM 3. REICH  GESCHICHTSTEIL


Noch bevor die deutsche Wehrmacht am 1. September 1939 Polen überfiel, hatte das NS-Regime die Weichen für eine
erste Mordaktion gestellt. Aber anders als nach der Pogromnacht vom 9. November 1938 zu vermuten, waren nicht
jüdische Bürger die Opfer. Vielmehr sollten kranke und behinderte Menschen, die bereits an den Rand der
"Volksgemeinschaft" gedrängt worden waren, systematisch getötet werden.

1.1 BEGRIFFSERKLÄRUNG EUTHANASIE UND EUGENIK


Begriffserklärung zum besseren Verständnis

1.1.1 EUTHANASIE
1) Google: Etymologie (Wortherkunft):
a) Aus dem Griechischen: εὐθανασία Euthanasia
i) Von eu, gut, richtig, schön
ii) Und thánatos
 Der verfrühte Tod  Der Tod im Schlaf (hypnos)
b) Verwendung Antike: „leichter Tod ohne lange vorherige Krankheit“
c) Und später auch „Tod im Kampf“

2) Google: Definition
a) Medizin
i) Erleichterung des Sterbens, besonders durch Schmerzlinderung mit Narkotika
ii) absichtliche Herbeiführung des Todes bei unheilbar Kranken (Tieren) durch Medikamente oder durch
Abbruch der Behandlung
 Unterscheidung zwischen
(a) aktiver Euthanasie (Tötung auf Verlangen)
(b) passiver Euthanasie (Abbruch oder Unterlassung lebenserhaltender Maßnahmen),
(c) indirekter Euthanasie (Gabe von Schmerzmitteln mit der unbeabsichtigten Nebenwirkung des
schnelleren Todes).
b) In Deutschland
i) wird der Begriff Euthanasie durch den Begriff der Sterbehilfe ersetzt, da das Wort Euthanasie durch den
systematischen Massenmord an Menschen mit Behinderung oder psychischen Krankheiten im
Nationalsozialismus negativ belegt ist.

3) Wer kam denn auf den Gedanken?


a) Francis Bacon (1561-1626)
i) Definiert Euthanasie als „ärztliche Handlung, um Sterbenden den Todeskampf zu erleichtern“
ii) Eine Beschleunigung des Sterbens oder gar eine aktive Tötung wird nicht mitgedacht.
b) Johann Christian Reil (1759-1813)
i) fordert eine fürsorgliche Sterbebegleitung ohne Lebensverkürzung
ii) „Man sorge dafür, dass der Mensch am natürlichen Tod sterben kann, der sanft ist“
c) Adolf Jost
i) Fordert Ende des 19 Jhd. ein Recht auf den Tod
ii) Gibt dem Leben einen „Wert“ aus der Summe von Freude und Schmerz, die das Individuum empfindet,
und der Summe von Nutzen und Schaden, die das Individuum für seine Mitmenschen darstellt.  Dieser
Wert kann negativ werden
d) Strafrechtler Karl Binding und Psychiater Alfred Hoche 1920
i) Legen ihre berühmte Schrift "Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens“ in Leipzig vor und
erwähnen in ihr Jost nicht nur lobend, sondern beziehen sich in wesentlichen Gedankengängen auf ihn.

Binding fragt zunächst, ob die Tötung eines unheilbar Kranken auf sein Verlangen hin einen
Strafausschließungsgrund biete. Aus dem Beispiel des körperlich Schwerkranken, der um seine Tötung bittet,
entwickelt Binding die Denkfigur der "straffreien Erlösungstat". Für drei Gruppen von Menschen soll die
straffreie Erlösungstat in Betracht kommen:

a) "für die, die zufolge ihrer Krankheit oder Verwundung unrettbar Verlorenen, die in vollem Verständnis ihrer
Lage den dringenden Wunsch nach Erlösung besitzen und ihn in irgendeiner Weise zu erkennen geben"
b) für die "geistig gesunden Persönlichkeiten, die durch irgendein Ereignis... bewusstlos geworden sind und...zu
einem namenlosen Elend erwachen würden" und
c) für die "unheilbar Blödsinnigen, ...die das furchtbare Gegenbild echter Menschen bilden und fast in jedem
Entsetzen erwecken, der ihnen begegnet".

Handelt es sich bei der ersten Gruppe um Tötung auf eigenes Verlangen, so handelt es sich bei der zweiten
Gruppe (heute z.B. Wachkoma-Patienten) und der dritten Gruppe (heute zum Beispiel Neugeborenen mit
schweren Behinderungen) um Tötung auf Verlangen der Gesellschaft oder des Staates

Es ist mehr als beschämend, dass sich im 20. Jahrhundert eine derart kranke Gedankenwelt bei Wissenschaftlern
vorfand, die in dieser Form noch nicht einmal in Sparta mehr als 2.000 Jahre propagiert wurde. In diesem
Zusammenhang dürfte es unstrittig sein, dass die Menschheit sich nicht in allen Bereichen weiterentwickelte.

1.1.2 EUGENIK
1) Google: Etymologie (Wortherkunft):
a) Aus dem Griechischen: eugenēs: „von edler Abstammung“, „edel geboren“
i) „Eu“ kennen wir schon: gut, richtig, schön
ii) Und genesis, Werden, Entstehen

2) Google: Definition
a) Unter Eugenik wird die Lehre von der Verbesserung des biologischen Erbgutes des Menschen
verstanden.

3) Bezug zum Thema?


a) Vererbungslehre Charles Darwin: das Genmaterial eines Lebewesens wird von der Elterngeneration
übertragen.
b) das Scheitern von weniger angepassten Individuen führt zur Auslese ihres Erbguts aus dem Genpool.  Nur
was gut ist, überlebt
c) „Natürliche Selektion“

4) Francis Galton, ein Cousin Charles Darwins,


a) schafft den Begriff „Eugenik“.

1.2 NS-PROPAGANDA
Bezug der Thematik auf den NS

1.2.1 NS-RASSENLEHRE
1) Rassenlehre: Überbegriff
a) Rassentheorie: 3 Rassen (Weiß, Gelb, Schwarz; später differenzierter, z.B. Juden), keine Vermischung
b) Rassenhygiene: besonders radikale Eugenik  Erreicht durch Rassenpflege

1.2.1.1 NS R ASSENHYGIENE
 Pseudowissenschaft
 Erstreben der arischen Rasse:
o Blond, blauäugig, tatkräftig und treu.
 Idee der sog. Rassenpflege:
a) Die Vermehrung „wertvollen“ Erbguts fördern, durch soziale Unterstützung von „erbgesunden“
Familien.
b) Geisteskranke, „Krüppel“, psychisch Kranke und sonstige „Untüchtige“ sollen von sozialer Fürsorge
ausgeschlossen sein.
c) In gewissen Kreisen also Abkehr vom Humanismus, hin zu biologistischem Weltbild, wobei die 1905 von
Alfred Ploetz und Richard Thurnwald gegründete „Gesellschaft für Rassenhygiene“ hervorzuheben ist.
 Die arische Rasse müsse ihre Reinheit und Qualität erhalten.
o Nur so könne sich die Menschheit zu Höherem entwickeln.
o Kranke und Menschen mit Behinderung stellten für sie eine Bedrohung dar. Diese werteten ihrer
Meinung nach die Qualität der arischen Rasse ab
 Rechts: "Das Buch vom Mann" zeichnete das Idealbild des Ariers

1.2.2 EUGENISCHES DENKEN IM ALLTAG


 "125 Mark sind die Ausgaben für ein gesundes deutsches Schulkind. Um wie viel Prozent teurer kommt dem
deutschen Volk ein Geisteskranker oder Krüppel?" So lautete eine Rechenaufgabe in der Zeit des
Nationalsozialismus.
 Für den Preis eines Erziehungsheimes mit 130 Behinderten (jährlich 104.000Rm) = 17 Eigenheime für erbgesunde
Arbeiter

1.2.3 BEDEUTUNGSWANDEL „EUTHANASIE “


 Propaganda: Bedeutungsergänzung des Wortes „Euthanasie“ von Sterbehilfe, also eine Tötung auf Verlangen, um
das Leiden des Sterbenden zu mindern, zu der Vernichtung „lebensunwerten Lebens“
o Euphemismus
 Übergehen in den Diskurs um die Sterbehilfe auf jenes Niveau, das später die nationalsozialistische Denkweise
kennzeichnete herabzusetzen, welche dem „Lebensunwerten“ das Existenzrecht absprach.
 Zwischeninfo: Per Gesetz war aktive Sterbehilfe sogar verboten

1.3 DAS SYSTEMATISCHE MORDEN DER NATIONALSOZIALISTEN


Zusammenfassung:

Im Rahmen der Ideologie der NS-Rassenhygiene sollte jede „Beeinträchtigung des deutschen Volkskörpers“
verhindert werden. In der typischen Schwarz-Weiß-Malerei der Nazis gab es nur die beiden Alternativen Heilen oder
Vernichten.

1929 erklärte Hitler auf dem Reichsparteitag in Nürnberg, dass die „Beseitigung von 700.000 – 800.000 der
Schwächsten von einer Million Neugeboren jährlich, eine Kräftesteigerung der Nation bedeute und keinesfalls eine
Schwächung.“ Somit waren die Ideen Hitlers nachweislich vor seiner Machtergreifung bekannt. Auf dem Nürnberger
Reichsparteitag von 1935 kündigte er dann gegenüber dem Reichsärzteführer Gerhard Wagner an, dass er die
„unheilbar Geisteskranken zu beseitigen suche und zwar spätestens im Falle eines künftigen Krieges.“

1.3.1 GRUNDSTEINLEGUNG

Verschlechterung der Lebensbedingungen Schwacher, Kranker und Behinderter

Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses

32 weitere Gesetze zur „Rassenhygiene“

Gründung des „Reichsausschusses für den Volksgesundheitsdienst“

Gesetz zur Vereinheitlichung des Gesundheitswesens

1. Seit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 hatte sich die Situation all jener
psychisch Kranken und Behinderten, die in Heil- und Pflegeanstalten lebten, kontinuierlich verschlechtert.
Personal war reduziert worden, Pflegesätze und Nahrungsmittelzuteilungen waren gekürzt und zahlreiche
Anstalten geschlossen worden. Eine dauerhafte Überbelegung war die Folge, mehr Patienten starben.

2. Bereits am 14. Juli 1933 verabschiedete die Reichsregierung das „Gesetz zur Verhütung erbkranken
Nachwuchses“ (GezVeN), das die Sterilisierung von „Erbkranken“ auch gegen deren Willen vorsah. Stellte
ein Arzt bei einem Patienten eine Erbkrankheit fest, war er verpflichtet, diesen den zuständigen Behörden zu
melden. Waren diese der Ansicht, dass eine Unfruchtbarmachung durchzuführen wäre, musste der „Patient“
den Eingriff binnen zwei Wochen vornehmen lassen. Anderenfalls wurde er durch die Polizei abgeführt und
die Operation unter „unmittelbarem Zwang“ durchgeführt.
In der Folge wurden bis 1945 „zwischen 200 000 und 350 000 Personen“ zwangssterilisiert.
Im Christophsbad wurden in den Jahren 1939-1941 70 solcher Sterilisationen beantragt und knapp die Hälfte
durchgeführt.

3. Darauf 32 weitere Gesetze zur Rassenhygiene

4. Am 28. Juni 1933 gründete der Reichsminister des Innern Frick den „Reichsausschuss für
Volksgesundheitsdienst“, der seine Aufgaben bereits in der Förderung der „Erbtüchtigen“ und nicht mehr in
der Fürsorge gegenüber Hilfsbedürftigen sah.

5. Am 3. Juli 1934 wurde dann das Gesetz zur Vereinheitlichung des Gesundheitswesens verabschiedet, welches
jegliche ärztliche Versorgung, aber auch die Pflege von Menschen mit Behinderung den staatlichen
Gesundheitsämtern unterstellte. Zwar blieben die Pflegeanstalten weiterhin in der Hand ihrer bisherigen
Träger (also der Wohlfahrtsverbände), aber sie waren nun den Gesundheitsämtern verantwortlich. Damit war
die Möglichkeit gegeben, den Kirchen die Kontrolle über die eigene Wohlfahrt zu entziehen und die
Ausübung sogenannter „unproduktiver Fürsorge“, also der Pflege von unheilbar Kranken, einzuschränken.

6. Zudem war die Zentralisierung des Anstaltssystems eine entscheidende Voraussetzung für die „Aktion T4“.
Sie ermöglichte das zentrale Sammeln von Krankendaten, die willkürliche Verlegung von Patienten sowie
direkte Anweisungen an die Anstalten seitens der Gesundheitsämter und damit der Reichsregierung. Somit
war der Weg für das „Euthanasie“-Programm bereitet.

1.3.2 KINDEREUTHANASIE
 Leitete die gezielten Morde ein, war Vorläufer der Aktion T4:
 Ein Geheimerlass des Reichsinnenministers Frick vom 18. August 1939 sah vor, dass Ärzte, Krankenschwestern
und Hebammen verpflichtet seien, bei Missgeburten den „Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung erb-
und anlagebedingter schwerer Leiden“ zu informieren.
o So hieß es wörtlich:
„falls das neugeborene Kind verdächtig ist mit folgenden schweren angeborenen Leiden behaftet zu sein:
 Idiotie sowie Mongolismus (besonders Fälle, die mit Blindheit und Taubheit verbunden sind),
 Mikrocephalie,
 Hydrocephalus, schweren bzw. fortschreitenden Grades,
 Missbildungen jeder Art, besonders Fehlen von Gliedmaßen, schwere Spaltbildungen des Kopfes und der
Wirbelsäule usw.,
 Lähmungen einschließlich Littlescher Erkrankung“
o Zitat Ende.
 Galt rückwirkend auch für Kinder bis zum Alter von drei Jahren, später auf 16 angehoben und sollte zur
„Klärung wissenschaftlicher Fragen auf dem Gebiet der angeborenen Missbildung und der geistigen
Unterentwicklung“ dienen.
 Über die Schicksale der Kinder wurde durch Gutachter des Reichsausschusses entschieden, welche lediglich und
ohne weitere Untersuchungen einen Meldebogen ausfüllten und die Kinder in drei Kategorien einteilten:
 (An Tafel schreiben)
o - „keine weiteren Maßnahmen“,
o B „Beobachtung“, das heißt Einweisung in psychiatrische Heil- und Pflegeanstalt – Tötung
vorbehalten und
o + „Behandlung“, das heißt sofortige Tötung.
o Daraus (Plus einkreisen) folgte die Überführung (auch gegen den Willen der Eltern) in eine sogenannte
„Kinderfachabteilung“, wo es durch Barbiturat-, Luminal-, Veronal-, Trional- oder Morphinvergiftungen
oder gezielte Unterernährung ermordet wurde.
 Die Gifte führten zu Atemlähmungen, Kreislauf- und Nierenversagen oder Lungenentzündungen. So konnte
immer eine scheinbar natürliche, unmittelbare Todesursache attestiert werden.
 An den zu Tötenden wurden des Weiteren grausame klinische Untersuchungen durchgeführt.
 Im Zuge dieser Kinder-„Euthanasie“ wurden Schätzungen zufolge etwa 5000 Kinder getötet.
 Sie war längerfristig auch nach dem Krieg zur Reinhaltung der Rasse geplant

1.3.3 AKTION T4
 T4 war die Ausweitung des systematischen Mordens der Nazis.
 Der Name T4 bezog sich auf die Tiergartenstraße 4, der Zentraldienststelle
 Vorlaufend dazu wurden am 21. September 1939 alle psychiatrischen Einrichtungen erfasst und zugleich im
Osten 10000 psych. Kranke erschossen oder vergast.
 Tatsächlicher Beginn dieser „Erwachseneneuthanasie“ geschah mit dem Geheimerlass Adolf Hitlers, welcher
privat an den Leiter der KdF (Führerkanzlei) Philipp Bouhler und seinen Arzt Dr. Karl Brandt schrieb:
„Die Befugnisse namentlich zu bestimmender Ärzte sind so zu erweitern, dass nach menschlichem Ermessen
unheilbar Kranken bei kritischster Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann.“
 Hitler hielt sich damit grundlegend heraus, die weitere Organisation lief ohne ihn und es war die einzige direkte
Verbindung Hitlers zu einem Massenmord.
 Daraufhin wurden mehrere Tarnfirmen zur weiteren Organisation gegründet und mehrere Tötungszentren
errichtet, begonnen mit Grafeneck bei Reutlingen
 Anschließend folgten Brandenburg, Hartheim, Sonnenstein und Hadamar  löste 1941 Grafeneck ab

Wie lief T4 dann ab?

 Fragebögen wurden an alle Heil- und Pflegeanstalten des Reiches verschickt, auf denen Angaben über Krankheit,
Aufenthaltsdauer, Arbeitsfähigkeit und rassischer Herkunft gemacht werden sollten.  Rücksendung in die T4
Des Weiteren wurde durch weitere Meldebögen über die Anstalt selbst (Bettenzahl, Zustand, etc.) eine
langfristige Anstaltsplanung ermöglicht.
 Für die Auswahl war die Tarnorganisation RAG (Reichsgemeinschaft Heil und Pflege zuständig)
o 40 Gutachter (Ärzte) bestimmten über Leben und Tod, wie bei der Kindereuthanasie ohne weitere
Ansichten des Patienten
o Urteil: + und –, selten auch ?  weitere Beurteilung; hauptausschlaggebend: Heilbarkeit und
Arbeitsfähigkeit
o Im Rahmen von T4 wurden 70.000 Patienten als positiv markiert, für sie war der Tod vorbestimmt.
 Bei +  Verlegung in andere Anstalt zur Verschleierung
 Nächste Folie Transport
o Transport durch die GEKRAT (Gemeinnützige Kranken-Transport GmbH), (graue Busse)
o Sowohl Pfleger als auch Patienten waren sich des Schicksals bewusst, viele versteckten sich oder rannten
betend zur Kapelle
o Beim Eintreffen in den Aufnahmen der Tötungsanstalten wurden die Patienten entkleidet, gemessen,
gewogen und fotografiert, dabei wurde auch auf OP-Narben geachtet. Ein Arzt notiert daran eine
glaubwürdige Todesursache und die Patienten wurden in die Waschräume geschickt.
o Wie in Ausschwitz wurde von einem Arzt das Gas, in diesem Fall CO durch die Brausen eingeleitet und
somit wurden 30 oder mehr Menschen innerhalb einer halben Stunde qualvoll vergast.
o Sobald sich nichts mehr regte, wurden den Toten Goldkronen herausgebrochen und Gehirne zu
medizinischen Zwecken entnommen, anschließend wurden sie in Krematorien eingeäschert.
o Den Familien wurden daraufhin eine Urne mit der Asche und ein Brief mit erfundener Todesursache,
-Ort und -Datum geschickt. Für die Erstellung dieser gab es eigens sog. Trostbriefabteilungen.
o Dabei kam es zu Fehlern, beispielsweise erhielt eine Familie zwei Urnen, bei einem Mann wurde als
Todesursache „Blinddarmentzündung“ angegeben, obwohl dieser schon entfernt worden war.
o  Riesige Mühen der Vertuschung

1.3.3.1 C HRISTOPHSBAD
 Das Christophsbad stellte sich von Beginn an gegen die Erlässe zum Abtransport und ist wohl als positiver
Einzelfall in BW herauszustellen.
 Schon bei der Anfrage bzgl. der Meldebögen erwog der leitende Arzt Dr. Fritz Glatzel Skepsis, die Fragen dieser
kamen ihm „merkwürdig“ vor. Von der Euthanasie ahnte er allerdings noch nichts, er fürchtete vielmehr
wirtschaftliche Folgen. Somit wurde das Ausfüllen der Bögen so weit wie möglich verschoben.
 Daraufhin kündigte das Ministerium des Inneren die Verlegung von 40 Patienten nach Weinsberg an und verlegte
mit zwei weiteren Transporten insgesamt 190 Patienten.
 Als weitere 150 Verlegungen angekündigt wurden, protestierte die Direktion erneut, worauf das Ministerium mit
einem Aufnahmeverbot des Christophsbad reagierte. Durch weitere Bemühungen und Proteste konnten 75
weitere Patienten verschont werden.
 Am 16. Februar 1940 wurde die Direktion des Christophbads über das Euthanasieprogramm unterrichtet,
woraufhin nach Arbeitsstellen für die Kranken gesucht wurde, um diese für „lebenswert“ erklären zu können.
Meinung dazu! (mir fällt kein Wort ein).
 Bei einem anschließenden Besuch Dr. Schmalenbachs, Gesandter des Innenministeriums in die verhältnismäßig
„aufmüpfige“ Heilanstalt, fragt stellv. ärztlicher Leiter Dr. John, ob die Patienten erst umgelagert werden sollten
oder direkt zu ihrem Vernichtungsort gebracht werden würden, worauf Schmalenbach eine Umlagerung und
erneute Untersuchung versicherte
 Trotz aller Bemühungen wurden letztlich 297 der 514 Patienten des Christophbad verlegt und 168 von ihnen in
Grafeneck bzw. Hadamar ermordet.

1.3.3.1.1 (B EISPIELSFALL :
Theodor Heinrich K. war mit der Diagnose Schizophrenie Patient der privaten Heil- und Pflegeanstalt Christophsbad
in Göppingen, als er am 14. Oktober 1940 mit 74 weiteren männlichen sog. Staatspfleglingen, d. h. auf öffentliche
Kosten dort untergebrachten Patienten, auf Anordnung des württembergischen Innenministeriums in die
württembergische Heilanstalt Winnental verlegt wurde. Dies war allerdings nur ein Zwischenschritt auf dem Weg in
die Gaskammer der Vernichtungsanstalt Grafeneck bei Münsingen auf der Schwäbischen Alb. Dorthin wurde der 36-
Jährige am 29. November 1940 verlegt und noch am gleichen Tag ermordet. Die Todesursache wurde allerdings
verschleiert. In seinem Nachlass, der nach seinem Tod an die Eltern in Göppingen ging, befand sich ein Keks, in den
er das Wort Mörder eingeritzt hatte, ein letzter verzweifelter Hilfeschrei.

Der gehört nach Winnenden ist bis heute synonym für einen Menschen, der nicht ganz richtig im Kopf ist.)

1.3.3.2 G RAFENECK
 Grafeneck, bei Münsingen auf der Schwäbischen Alb
 Auf Anhöhe Schloss Grafeneck  ursprünglich Jagdschloss  Pflegeanstalt für Kriegsversehrte  Von den Nazis
zum „Zweck des Reiches“ beschlagnahmt

Auf Plan zeigen

 Rundherum Bretterzaun
 Nach Einfahrt links Aufnahmebaracke, die in mehrere Räume unterteilt war.
o In einem etwa 100 Betten  Keine Nutzung
o 2. Baracke: Garage
o 3. Baracke: Verbrennungsöfen
o Wasch und Backhaus (Bild einblenden) Gaskammer
 1 Raum für Gasflaschen
 2 Räume zusammengelegt: Raum für 75 Personen:
"Duschraum“ mit Bänken, Holzrosten und Brauseköpfen
Zum linken Raum Sichtfenster, an der Rückwand zwei Ventilatoren. Im Raum an der rechten
Seite Kleiderhaken und Bänke, die der Entkleidung dienten.
Vergasungsprozess schon erklärt

Grafeneck heute:

In Grafeneck, Gemeinde Gomadingen im Landkreis Reutlingen, wurde 1990 eine Gedenkstätte für die Opfer der
"Euthanasie"-Aktion eingeweiht. Das Dach der offenen Kapelle tragen fünf Pfeiler, warum?

die bildlich an das fünfte Gebot "Du sollst nicht töten" erinnern. Die Schwelle, über die man die Gedenkstätte betritt,
trägt die Namen der Orte, aus denen Menschen nach Grafeneck gebracht wurden. (Bild)

Um noch einmal alles zusammenzufassen einen 3,5 min. Filmausschnitt:

1:02-4:48

 Thomas Stöckle Leiter der Gedenkstätte und Buchverfasser Christophsbad


 Sichtbare Zweifel der Bevölkerung  Überleitung

https://youtu.be/OKRWWsJvY7k?t=62

1.3.4 WIDERSTAND AUS DER BEVÖLKERUNG


 Bevölkerung wusste durch Gerüchte und Berichte von Angehörigen, die Skepsis zeigten Bescheid über die
grausamen Taten.

 Wie so oft in der NS Zeit aber nur passiver Protest, verbal und aktiv herauszustellen:
 Als einziger deutscher Richter prangerte Lothar Kreyssig aus Brandenburg die Euthanasiemorde an.
 Merkt, dass sich Nachrichten über Tod von Staatsmündeln häufen.
 Verdacht des Massenmordes  wendet sich an Reichsjustizminister Franz Gürtner.
 Nachdem er erfährt, dass der Befehl aus der KdF kommt, zeigt er Bouhler wegen Mordes an, hat aber keinen
Erfolg, verbietet zudem die Verlegung aus Anstalten.
 Wird nicht verhaftet aber in den Ruhestand geschickt.

2 HALTUNG DER KIRCHEN


Überleitung??

2.1 POSITION DER KIRCHEN ZUR EUGENIK


Kirche zwar pro Menschenideal/ Eugenik, aber nur positive Eugenik, also Erziehung der Unsittlichen

2.2 WIDERSTAND AUS DER KIRCHE


In der Enzyklika (päpstl. Rundschreiben) vom 31.12.1930 spricht Papst Pius XI mit Berufung auf Gen 1.28 (Frage: Was
kann da sein?) (Gehet hin und vermehret euch) jeder Rechtsprechung die Kompetenz ab, über die Fortpflanzung zu
entscheiden.

Auch die 1933 beginnenden Zwangssterilisationen wurde von der kath. Kirche stark kritisiert Kirche stark
eingeschüchtert  nur noch wenig Protest

Zu Beginn der Aktion T4 hüllt sich die lang in Schweigen.

Am 1.6.1940: Stimmen laut, zu Prüfung vermehrter Todesfälle

Verdachte werden auch beim Anblick Grafenecks und vieler Gerüchte laut

So schreibt Dr. Theophil Wurm, Landesbischof (Evangelisch) seinen Brief aus Q2, aber nur amtsintern, nicht an Volk
 Wie alle in der ev. Kirche  großes „Versagen“

Erst gegen Ende der Morde in Grafeneck hält Clemens August Graf von Galen seine berühmte Predigt, 60 000 Tote zu
spät. Er klärt in ihr die Bevölkerung auf, ruft die Frage auf, ob auch Kriegsverwundete umgebracht werden, appelliert
in gewisser Form zum Widerstand (natürlich versteckt, da kirchlich) + bewegt weitere Bischöfe zur Ablehnung

Des Weiteren erstattet er Anzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft Münster wegen des Abtransports von
Kranken.

 Das erste Mal öffentliches Parteiergreifen eines Kirchenführers!


 Papst Pius XII findet das gut  Von Galen Kardinal
 Rede wird abgedruckt, vervielfältigt und sogar als Flugblatt aus britischen Flugzeugen herabgeworfen.
 Selbst Goebbels ohne Maßnahmen gegen den Bischof, Nazis sind ratlos
 Können von Galen aufgrund Prominenz nichts anhaben  verhaften Mitarbeiter und stecken diese ins KZ

MUTIG! Aber zu spät!

 Diese Bischöfe und der wachsende Druck des Volkes haben 2 Dinge zur Folge
1. Zeigen Nazis, sie können vor dem Volk derartiges nicht geheim halten
2. Erst wird Grafeneck geschlossen und durch Hadamar in Hessen abgelöst. Dann verkündet Hitler das
offizielle „Ende“ der Euthanasie

https://www.youtube.com/watch?time_continue=62&v=ygt_AM9u4Kg&feature=emb_logo

1:02-4:55

2.3 CONCLUSIO:
 Stillschweigen dunkles Kapitel dt. Kirchengeschichte,
 Warum:
o Wegen Konkordat (Handreichen) Hitlers 1933 (Vertrag)
 Verbot der Kirche Einmischung
o Angst vor verlieren der Anstaltsträgerschaft
o Erpressbarkeit wg. Kindesmissbrauchs durch Gestapoermittlungen
 Von Galen erst, als Morde auch in Münster  Hätte schon früher ein Ende finden können. 50 min

3 DAS „ENDE“
3.1 OFFIZIELLES „ENDE“
3.1.1 SCHLIESSUNG GRAFENECKS
Personal und Morden nach Hadamar verlegt

 Folge von kirchlichem Protest + Protest der Angehörigen + innerhalb NSDAP + Töten in BaWü Zenit überschritten,
nicht mehr genug „Fälle“

3.1.2 ENDE T4
Ende durch mdl. Befehl Hitlers am 24. August 1941

 Erreichen des „Ziels“ von 70.000 Insassen (ca. 25% der Gesamten)
 Verstärkte Ablehnung
 Zunehmende Konzentration auf Russlandkrieg  Bevölkerung nicht noch mehr verärgern
 Personal von T4 für Holocaust
! ABER Kinder und dezentrale Euthanasie werden fortgeführt
3.2 SONDERBEHANDLUNG 14F13
Tötung von arbeitsunfähigen KZ-Häftlingen in 3 der Tötungsanstalten  20.000 Tote

Später in „hauseigenen“ Gaskammern

3.3 DEZENTRALE EUTHANASIE


Was ist die dezentrale Euthanasie?

 Von 1939-1945
 Nicht mehr in den 6 Tötungsanstalten, sondern in Vielzahl von Heil und Pflegeanstalten durch
Personal: (Nicht im Christophbad!)
 Durch Überdosen, Unterernährung, Vernachlässigung
 200.000 Tote

3.4 STRAFRECHTLICHE AUFARBEITUNG


 Frühe Prozesse verurteilten das Morden hart, verhängten strenge Strafen, auch Todesurteile
 Ab 1948/1949 geänderte Rechtsauffassung:
o Ausführende: Gehilfen ohne eigenen Willensentschluss
o  Geringe Strafen u. viele Freisprüche
 Die meisten Prozesse ab 1970  viele Freisprüche, milde Strafen, eingestellte Verfahren,
Begnadigungen, Suizide
 Bsp.:
o Dietrich Allers, Geschäftsführer T4
 Beihilfe zum Mord in min. 34.549 Fällen
 8 Jahre ohne Haftantritt
o Kurt Brom: Ausführender Tötungsarzt
 Tötung von min. 6.652 Geisteskranken
 Freispruch, da nicht erkannt, dass Tötung rechtswidrig war...

 Desaströs

4 FRAGE NACH DEM „WARUM“ UND „RECHTFERTIGUNG “ DER


NATIONALSOZIALISTEN (ZEITLICH STRECKEN)
Wie rechtfertigten die Nazis ihre Aktion? (fast alles vorab genannt)

 Gnadenakt/Akt der Erlösung


 Einfache Kosten/Nutzenrechnung: Bild vom Anfang 104.000 RM Erziehungsheim
 Darwins Auslese
 + Luthers Tischrede: Man solle psych. Kranke Kinder ertränken  15. Jhd!!

Frage: Sind das für die Nazis noch Menschen?

Beweggründe der Nazis:

 Kranke und Menschen mit Behinderung stellten für sie eine Bedrohung dar. Diese werteten ihrer Meinung
nach die Qualität der arischen Rasse ab
 Zunehmend „ökonom. Brauchbarkeit“ Kriterium für Auslese
5 AKTUELLE DEBATTE
 Randsatz zur Eugenik: Pränataldiagnostik, Humangenetik, Präimplantationsdiagnostik  Mensch
behält nur das Gute: Eure Meinung dazu??

5.1 AKTIVE STERBEHILFE


 Thema vorher schon erwähnt, DE zur aktiven Sterbehilfe:
 In DE ist die aktive Sterbehilfe verboten (bis zu 6 Jahre Haft), aber der assistierte Suizid erlaubt: Beihilfe
zur Selbsttötung  Bereitstellen eines Mittels, z.B. Medikament  Neuer Beschluss seit 26.Februar
2020, davor verboten wegen „gewerbsmäßiger Tötungsbeihilfe“
 Keine Tötung, da der Arzt nicht selbst ausführt  nicht strafbar
 ABER in DE wegen Euthanasie eben sehr umstritten

5.2 POSITION DER KIRCHE


 Bibel: Du sollst nicht morden  Aktiv nein
 Kirche: Offizielle Ablehnung seit 1989 zu assistierter
 Rk:
o Schwachen und Kranken besondere Aufmerksamkeit schenken
o Herbeiführen des Todes als Angriff auf Schöpfer
o Bischofskonferenz: „Es ist keine Lösung für das Leiden, sondern eine Auslöschung des
Leidenden
o Passiv aber Okay
 Evangelisch:
o Sterben in Würde: Wunsch nach Tötung kommt nicht auf

UND EBEN DARUM GEHT ES BEI ALLEM: WÜRDE


Würde, die die Nazis genommen haben, und zwar jeder „Rasse“, die Ihnen im Weg stand und nicht
ihrer Vorstellung entsprochen hat

5.3 ANSTOSS ZUR DISKUSSION IM KURS


Wie steht ihr dazu?

+ -
Nicht immer möglich, Leid zu lindern Mit moderner Medizin geht viel Lidneurng
Scham vor sinkender Selbstachtung  Wahrung Es gibt kein „In Würde sterben“, Tod ist nichts
der Würde Würdevolles
Nichts mehr allein tun, auf Hilfe angewiesen
Nicht mehr mit Frage ob richtig oder nicht nach Misslungene Suizidversuche rückblickend oft
dem Tod hadern seltsam
Niemand zwingt zur Hilfe Zumutung für Helfer
Können Gefühl der Sterbenden oft nicht Zweifel der Angehörigen
nachvollziehen
Gefahr des Drängens zum Tod