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Christian Fandrych / Adriana R.

Galván Torres
Werner Heidermann / Ulrike Pleß
Erwin Tschirner (Hrsg.)

Text, Diskurs und Translation


im Wandel
Transformationen in der
lateinamerikanischen Germanistik

Asociación Latinoamericana de Estudios Germanísticos

3
Associação Latino-Americana de Estudos Germanísticos
Lateinamerikanischer Germanistenverband

Herausgegeben von Olivia C. Díaz Pérez


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der Asociación Latinoamericana de Estudios Germanísticos (ALEG),


des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD)
und der Universidad de Guadalajara.

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ISBN 978-3-86057-878-0
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Inhalt

Danksagung................................................................................................... 5

Vorwort ....................................................................................................... 11

Text und Diskurs im Wandel

Christian Fandrych
Ich möchte auch hier nicht den ganz großen Rahmen aufmachen...
Zum Stil deutscher wissenschaftlicher Vorträge ......................................... 19

Erwin Tschirner
Grammatisches Wissen und Grammatikprogression:
Textlinguistische Grundlagen ..................................................................... 35

Brigitte Merzig
Prosodie und Interkomprehension Germanischer Sprachen ....................... 61

Pamela Padilla
Eine kontrastive Beschreibung der Verortung des Fokus
im Spanischen und Deutschen .................................................................... 71

Lars Schirrmeister
Regelgeleitete Genusvermittlung bei DaF-Lernenden in Mexiko .............. 85

Tinka Reichmann
Die Textsorte „Notenspiegel“ im Hochschulkontext: didaktische
Anregungen für den Übersetzungsunterricht deutsch / portugiesisch ...... 101

Jutta H. Wester de Michelini


Die „ARBEIT DES PHILOSOPHEN“. Vergleichende Diskurs-
analyse von Buchbesprechungen der Zeitschrift für
interkulturelles Philosophieren „polylog“................................................. 111

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8 Inhalt

Christian Koch
Unser Stil ist der bessere!? Deutscher und ecuadorianischer
Wissenschaftsstil im Vergleich.................................................................. 127

Anne Biedermann
¿Frases terremoteadas? – Syntaktische Strukturen und ihre
Funktionen in Heinrich von Kleists „Erdbeben in Chili“ ......................... 139

Ulrike Schröder
Metaphorische Szenarien im brasilianischen und deutschen
Diskurs über „Gesellschaft“ ...................................................................... 153

Peter Ecke
US-amerikanische DaF-Studenten im kurzfristigen Auslandsstudium:
Meinungen und Einstellungen gegenüber Vertretern der eigenen und
der fremden Kultur .................................................................................... 167

Translation im Wandel

Werner Heidermann
Zum „Kulturschatten“ von Wörtern am Beispiel von
Uwe Tellkamps Der Turm ........................................................................ 179

Olga García
Können Übersetzungen alt werden oder wie modern darf
ein Klassiker sein? Zum Phänomen Neuübersetzung ............................... 189

Morton Münster
Poetologische und metasprachliche Grenzen der Übersetzbarkeit
seit der Moderne ....................................................................................... 199

Christian Bahr
Subjektivität und Objektivität in Gebrauch und Übersetzung
von Ortsnamen am Beispiel Mexikos und Galiciens ................................ 209

Siegfried Boehm
Übersetzungsdidaktik im Rahmen eines
„Diplomado de Traducción“ ..................................................................... 225

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Inhalt 9

Ulrike Sperr
Dolmetschen im Fremdsprachenunterricht – Rechtfertigung und
Anwendungsbeispiele ............................................................................... 235

Jean Hennequín Mercier / Heike Gruhn


„Man solle einen Autor so übersetzen wie er selbst würde
deutsch geschrieben haben.“ Von einem Irrglauben bezüglich
der Übersetzung. ....................................................................................... 249

Gunter Karl Pressler


Duineser Elegien – Original und Übersetzung als transkulturelle

       
     
 
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 " .................... 263

Ute Hermanns
Zur Bedeutung der Literatur im brasilianischen Film, zum Transfer,
zur Transformation und zur Wahrheit von „Übersetzung“ im weiteren
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 ....................................................................... 275

Anette Kind
Der wohlbebleistiftete Professor: Betrachtungen zu den
Übersetzungen in deutscher Sprache von Eça de Queirós’
O Mandarim (1880) und A Relíquia (1887).............................................. 289

Tito Lívio Cruz Romão


Ist alles eine Reaktion auf Dada? .............................................................. 303

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Ist alles eine Reaktion auf Dada?

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nalist Peter K. Wehrli mit der Übersetzung seines Textes „Alles ist eine Reak-
tion auf Dada!“ über die Wiedereröffnung des Dada-Hauses (Cabaret Voltaire)
in Zürichs Altstadt, „in der Spiegelgasse, im Eckhaus zur Münstergasse hin“
(Wehrli, 2006:10). Der Text, der in der Schweiz verfasst worden war, sollte im
nordostbrasilianischen Fortaleza ins Portugiesische übertragen werden und in
der mosambikanischen Hauptstadt Maputo erscheinen. Dieser Übersetzungs-
auftrag führte zu einem regen E-Mail-Verkehr zwischen dem Autor und dem
Übersetzer, und diese Korrespondenz war außerordentlich aufschlussreich und
für beide handelnden Seiten sehr bereichernd. Da Herr Wehrli den Text den Stu-
dierenden der mosambikanischen ENAV (Nationale Schule für Visuelle Kunst)
bereits in der Einleitung ausdrücklich widmet, war sich der Übersetzer sofort
darüber im Klaren, dass die endgültige Fassung der portugiesischen Überset-
zung den sprachlichen Eigenheiten des mosambikanischen Portugiesisch an-
gepasst werden müsse. Deswegen rückten für den Übersetzer zunächst einmal
etliche mit der Semantik und der Rechtschreibung verbundene Schwierigkeiten
in den Vordergrund. Bei näherer Betrachtung wurde ebenfalls festgestellt, dass
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rigkeiten des Textes zählten.
In diesem Beitrag wird anhand von Beispielen aus dem E-Mail-Verkehr
zwischen dem Übersetzer und Peter K. Wehrli exemplarisch aufgezeigt, wie
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zenden Textes eine entscheidende Rolle spielen. Bevor auf den o.g. E-Mail-
Verkehr eingegangen wird, werden im Folgenden einige Bemerkungen zur
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dem hier dargestellten übersetzerischen Entscheidungsprozess einen besonde-
ren Stellenwert einnimmt.

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Übersetzungsproblematik

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die am Anfang eher linguistisch, später aber zunehmend translationswissen-
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unter übersetzungswissenschaftlichem Aspekt Bezug genommen.
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griffe je nach Bezugsrahmen:

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orientiert und der inhaltlichen Invarianz zugrunde liegt;
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ziolektalen Varianz, der geographischen Dimension u. a. einschließt;
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turellen Transfer. Nach seinen theoretischen Überlegungen impliziert Trans-

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Sprachmittler auch Kulturmittler sein. Translation – sowohl das Übersetzen als
auch das Dolmetschen – lässt sich im Sinne der Skopostheorie also als „Sonder-
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lator sich in seiner eigenen wie in seinen fremden Arbeitskulturen auskennen,
um funktionsgerechte Kommunikation zwischen Mitgliedern unterschiedli-
cher Kulturgemeinschaften zu ermöglichen“ (Witte 1998: 346). Und weil der
Translator nicht immer in der Lage ist, alle Eigenheiten der jeweiligen frem-
den Kultur(en) zu kennen, ist er auf verschiedene translatorische Strategien an-
gewiesen. Er hat u. a. Recherchen durchzuführen, Lokalexperten zu befragen
und auf Bild- und Schriftmaterial zurückzugreifen.
Im Falle von literarischen Übersetzungen, bei denen der Übersetzer mit de-
 
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Ist alles eine Reaktion auf Dada? 305

wird, ist die optimale Übersetzungssituation die, in der zwischen dem Verfas-
ser des Originaltextes und dem Übersetzer Kontakt hergestellt werden kann.
Somit kann der Übersetzer für unklare Stellen passende Antworten bekom-
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Durch den E-Mail-Verkehr zwischen Verfasser und Übersetzer des oben er-
wähnten Dada-Haus-Textes fand ein interkultureller Dialog statt, der dem äh-
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Translating is not only a linguistic act, it is also a cultural one, an act of commu-
nication across cultures. Translating always involves both language and culture
simply because the two cannot be separated. Language is culturally embedded: it
both expresses and shapes cultural reality, and the meanings of linguistic items,
be they words or larger segments of text, can only be understood when consi-
dered together with the cultural context in which these linguistic items are used.
For example, a simple expression such as ‘We had dinner’ written in a British cul-
tural context cannot be transposed into an Arabic, German, Finnish or indeed an
American English context without considering the different cultural ‘meanings’
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is of overriding importance, it follows that the cultural frame of reference cannot
be ignored. In the process of translation, therefore, not only the two languages
but also the two cultures come into contact. In this sense, translating is a form of
intercultural communication. (House 2009: 11f.)

Übersetzen wird hier also als komplexer Kommunikationsakt, interkulturel-


 
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*    $&J$* -
tungen im Zentrum stehen und unterschiedliche kulturelle Hintergründe von
Ausgangs- und Zieltextempfänger berücksichtigt werden. Wie Christiane Nord
es formuliert hat, besitzt der Ausgangstextempfänger „kulturbedingt ein ande-
res Weltwissen, andere Lebensgewohnheiten, andere ‚Texterfahrungen‘, in die
er den Zieltext einordnen wird“ (Nord, 1988: 27).
Allein für das Sprach- und Kulturpaar Deutsch / Schweiz und Portugie-
sisch / Brasilien enthält Peter K. Wehrlis Text eine Reihe von kulturbedingten
Schwierigkeiten und Herausforderungen für den Übersetzer. Wird darüber hi-
naus auch beabsichtigt, eine Endfassung des übersetzten Textes in Mosambik
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schen Zuordnung, des Anwendungsbereichs, der stilistischen Wirkung u. a.“1)

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Dazu siehe Koller 1987, 188f.

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die Übersetzungsentscheidungen an den dort herrschenden sprach- und kul-


turbedingten Traditionen orientieren lassen. In Mosambik ist Portugiesisch
zwar Amtssprache, es handelt sich jedoch um eine Variante des europäischen
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als das brasilianische Portugiesisch.

E-Mail-Verkehr zwischen Verfasser und Übersetzer

Im Folgenden werden ausgewählte Beispiele der Fragen des Übersetzers (von


nun an: TR2) an Peter K. Wehrli3 (von nun an: PKW) und die entsprechenden
Antworten bzw. Kommentare des Autors präsentiert. Dieser Austausch bringt
zum Ausdruck, wie ein lebendiger interkultureller Dialog zwischen Überset-
zer und Autor zustande kommen und welche eindeutigen Vorteile diese Über-
setzungsstrategie zur Folge haben können. Anhand der Fragen und Antworten
werden Problemstellen des Ausgangstextes kommentiert und analysiert, die

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TR: Die Einleitungswörter „Intro Info“, die im Portugiesischen zwar in


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du davon?
PKW4: Vollkommen einverstanden. „Intro Info“ trifft es genau. Gemeint ist
mit dieser saloppen Abkürzung: Einführung – Information.
TR: Nach einigen Überlegungen habe ich beschlossen, neben den originalen
Straßennamen „Spiegelgasse“5 die wortwörtliche portugiesische Übersetzung

2
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3
An dieser Stelle geht ein herzliches Dankeschön an Peter K. Wehrli, der mit großem
Interesse auf alle Fragen eingegangen ist.
4
In den Zitaten von Herrn Peter K. Wehrli wurde die deutschschweizerische Schreib-
weise beibehalten.
5
Ausgangstext (AT): Dort, in der Spiegelgasse, im Eckhaus zur Münstergasse hin,
im Haus, das lange Zeit mit ‚Meierei‘ und dann mit ‚Teens & Twens‘ angeschrieben
war, hat sich während des ersten Weltkriegs eine Schar Verwegener zusammenge-
funden (...). Und wenn ich in den ovalen Spiegel schaue, der da an der Hausmauer
hängt – aufsässig, als hätte er der Gasse ihren Namen gegeben –, dann blendet sich
der Nachhall des Bassgedröhns aus der Disco hinter dieser Mauer nun endgültig

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Ist alles eine Reaktion auf Dada? 307


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effektvoller, als wenn ich den übersetzten Straßennamen einfach in Klammern
setzen würde); somit kann die portugiesischsprachige Leserschaft das Wortspiel
zwischen „Spiegel“ und „Spiegelgasse“ auch nachvollziehen. Bei der weite-
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Straßennamen „Münstergasse“ ähnlich verfahren, um keine falschen Erwar-
tungen zu wecken. (Wenn ich den ersten Straßennamen – aber nicht den zwei-
ten – ins Portugiesische übertragen und neben die Originalbezeichnung nach
einem „ou“ gesetzt hätte, dann hätte ich die Leser womöglich auf eine falsche
Spur gebracht.)
PKW: Sehr gut. Die Verbindung „Spiegel“ und „Spiegelgasse“ ist erhalten.
Da muss dasselbe mit der „Münstergasse“ auch geschehen.
TR: }  ƒ $J#  >{$ –†††"  * —š$#
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tionär Verhockten (...)“6 habe ich folgenden Kommentar: „Verhockt“ habe ich
mit „pasmaceira“ übersetzt, einem Wort, das den Sinn von „Apathie“, „Man-
gel an Interesse“ u. Ä. beinhaltet. Was hältst du davon?
PKW: Gut. Einverstanden, besonders weil ja „pasmaceiras“ mit „reacionárias“
verbunden bleibt.
TR: Zu dem Wort „Festplatz“7: Ich kenne zwar das zusammengesetzte Wort
„Festplatz“ in seinen herkömmlichen Zusammenhängen, diesem Kompositum
wären aber meiner Meinung nach zwei verschiedene Aspekte nachzuvollzie-
hen, die für die portugiesische Übersetzung wichtig wären. Einerseits schwin-

aus (...). Zieltext (ZT): Ali, na Spiegelgasse ou Rua do Espelho $;


* 

Münstergasse ou Rua da Catedral 
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placa “Meierei“ e, posteriormente, “Teens & Twens“, reunia-se, durante a Primeira
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nome à ruazinha -, a ressonância dos graves estrondosos, proveniente da discoteca
outrora instalada por detrás dessa parede, apaga-se para sempre (...).
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Tzara, Richard Hülsenbeck bildeten die Kerntruppe, die an der Erneuerung durch
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incertezas complacentes.
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AT: Dort, in der Spiegelgasse 16, ist das Institut wieder eröffnet worden, das die


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fundado 88 anos antes como sede festiva das rebeldias.

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gen – meinem Eindruck nach – in dem Wort „Festplatz“ [laut Duden (2006):
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den: auf den F. gehen.“] verschiedene kulturträchtige Bedeutungen mit, die in
Ländern wie Deutschland und der Schweiz eine Rolle spielen. Wenn man es
wortwörtlich (z. B. mit „praça de festas“8) ins Portugiesische übersetzt, geht
der kulturelle, traditionsbeladene Charakter des Originalausdrucks z. T. ver-
loren. Andererseits kann man in dem Bestimmungswort „Fest“ (= festa) auch
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keit“ könnte man z. B. im portugiesischen Ausdruck „praça de festas“ nicht
spüren. Ich würde hier lieber “sede festiva“ vorschlagen; in diesem Ausdruck
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auch von “Fest“ (festiva). Vielleicht bist du damit einverstanden.
PKW: Dein Vorschlag ist eine Verbesserung meines Textes. Du legst einen
Doppelsinn ins Wort ‘Festplatz’, den ich bewundere.
TR: Peter, in Walter Mehrings Zitat erkenne ich das Wortspiel zwischen
„Gemein“-schaft und „Gemein“-heit9, was wiederum ein weiteres Überset-
zungsproblem darstellt: „Gemein“ im Sinne von „auf die Allgemeinheit be-
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niederträchtig“. Wenn man bei der Suche nach einem ähnlichen Wortspiel
etwa auf das portugiesische Wort „vilania“ zurückgreift, dann kommt da-
bei nur die negative Bedeutung („Gemeinheit“) zum Ausdruck. Da hätte der
Übersetzer nicht viel Spielraum, um ein Wortspiel z. B. mit „vil(a)“10 zu ma-
chen, um der Idee von „Gemein“-schaft gerecht zu werden. (Der Begriff
„vila“ wäre hier nicht besonders hilfreich.) Dies hat mir anfänglich etwas
Kopfzerbrechen bereitet. Dann ist mir eingefallen, dass ich hierfür mit den
Begriffen „bem comum“ (wortwörtlich: „Gemeingut“), das unmittelbar mit
der Idee von „Gemeinschaft“ zu tun hat, und „mal comum“ operieren könnte;
letzterer existiert zwar als fester Ausdruck im Portugiesischen nicht, würde
in deinem (übersetzten) Text jedoch als Gegenpol zu „bem comum“ sehr gut

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ren sind eine Verschwörung der ‚Gemein-schaft‘ - geschrieben hatte ich aber: ‚der
Gemein-heit‘- gegen das Individuum. Und das gilt von der Geburt bis zum Tode“.
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Vil = Dorf; vil = niederträchtig.

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Ist alles eine Reaktion auf Dada? 309

fungieren; und so wäre auch das immanente Wortspiel noch erhalten. „Mal
comum“ würde auf Deutsch so viel wie „gemeinschaftliches / gemeinsames
Übel“ bedeuten. Es würde im Grunde eine Art „Gemeinheit“ implizieren.
PKW: Bravo! Die Lösung „Bem comum – mal comum“ ist die bestmögliche.
Danke.
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pigkeit in den Augenwinkeln (...)“. Peter, Schwierigkeit bereitet mir das Wort
„Schnippigkeit“. Ist „Schnippig“ gleichbedeutend mit „schnippisch“? Letzte-
res kenne ich, und ich gehe davon aus, dass es sich hier um Synonyme handelt,
oder? Das Substantiv „Schnippigkeit“, wie du meiner Übersetzung entnehmen
kannst, habe ich mit „desdém“ („Missbilligung, Hochmut“) übersetzt. Ist es
richtig so, oder meinst Du damit etwas anderes?
PKW: 
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Du brauchst aber überhaupt nicht darauf einzugehen. Am liebsten wäre mir,
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genscheidt ist „schnippisch“ mit „impertinente“ übersetzt. „Desdém“ riecht für
mich zu sehr nach Verachtung oder Hass.
TR: Du hast einen Satz von Mehring zitiert, der mir ebenfalls Schwierig-
keiten bereitet: „Es war kein Zufall, dass Dada in der prädestiniert neutralen
Schweiz entstand, im Seldwyla der Geopolitik.“ Das Problem liegt darin, dass
die größte Mehrheit der portugiesischsprachigen Leser wohl nicht weiß, was
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bei mit einer eingebauten Erläuterung zu operieren, aber dann dachte ich: nein,
lieber nicht. Aus diesem Grund: Es geht nämlich um ein Zitat, und ich sollte
die Originalworte des zitierten Autors nicht ändern. Selbstverständlich gäbe
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„Pasárgada“. Aber dadurch würde ich einen groben Fehler begehen: Aus einem
Stück Schweizer Kultur würde dann ein ganz brasilianisches Bild entstehen.
Und dein Text hat ja unmittelbar mit Schweizer Kulturgütern zu tun, nämlich:
„Dada in der Schweiz, in Zürich, in der Spiegelgasse ...“! Wie wäre es, wenn
Du – ohne didaktisierend zu wirken – einen erläuternden Satz dazu schreiben
würdest, so dass die zielsprachigen Leser verstehen könnten, was „Seldwyla“
bedeutet? Was würdest Du hier vorschlagen?
PKW: Ich habe versucht, einen Satz einzubauen, der erklärt was der Ort Sel-
dwyla ist (Schauplatz von Novellen des Dichters Gottfried Keller.) Aber dann
verliere ich den Anschluss zum „Zufall“11 im nächsten Satz. Ich muss eine an-

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310 > @) % J X (

dere Lösung suchen. Im Tonband spricht Mehring ja nicht so direkt, wie ich es
montiert habe. Ich kannte Mehring zu seinen Lebzeiten ja sehr gut und bin über-
zeugt, dass wir in seinem Sinn handeln, wenn wir den Satz erweitern mit der
Erklärung „Es ist kein Zufall, dass Dada in der prädestiniert neutralen Schweiz
entstand, im Ort, in dem alle Tüchtigkeit von außen kommt: im Seldwyla der
Geopolitik“. So müsste dem Leser klar werden, dass die Ortsbezeichnung Sel-
dwyla metaphorischen Charakter hat.
TR: Der Begriff „Polizeistunde“12 heißt auf Portugiesisch „horário de en-
cerramento“. Leider verlieren wir bei der Übersetzung das Wort „Polizei“. Ich
habe aber versucht, wie du es aus einer weiteren Textstelle ersehen kannst, das
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PKW: Deine Lösung, lieber Tito, ist brillant. Auch wie Du nachher die Poli-
zei ins Spiel bringst. Denn 1916 wachte die Polizei darüber, dass die „hora de
encerramento“ pünktlich eingehalten wurde.
TR: Bräuchten wir nicht irgendein „unterstützendes Wort“, damit die Le-
ser die Ankunft des großen „Derdiedas“ verstehen?
PKW: „Ich bin der grosse Derdiedas“ lautet die erste Zeile eines Gedichtes
von Hans Arp. Gemeint ist eine Person, die alle Geschlechter in sich vereinigt.
Damit dies portugiesisch verständlich wird, müsste man die Figur nennen: o
„OeA“. Ich schlage vor, dass wir den Satz ergänzen: „… a chegada do grande
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Situation schon klarer.
TR: Peter, ist der „Central“ ein Café? Die Stelle lautet: „Als ich Marcel

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Walter Mehring mit provozierender Schnippigkeit in den Augenwinkeln: „Es war


kein Zufall, dass Dada in der prädestiniert neutralen Schweiz entstand, im Seldwyla
der Geopolitik“. Das Wort „Zufall“ war da ein Stichwort.
12
AT: „Nach fünf Wochen mussten wir das ‚Cabaret Voltaire‘ verlassen. Warum? Weil
um 9 Uhr kam die Polizei   &^
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#Š «J $ Polizeistunde,
ihr müsst schliessen!‘ Ich habe gekämpft mit den Leuten...vier, fünf Wochen..., und
eines Tages haben wir die ganze Arbeit verlassen müssen, die ganzen Malereien auf
den Wänden, alles wurde weggeschleppt, und wir mussten ein Lokal suchen“. Dass
mit der Polizeistunde dem Dadaismus nicht das letzte Stündchen läutete, das hatte
der Kunstmäzen Han Coray zu verhindern verstanden. ZT: “Após cinco semanas,
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e bateu à porta e disse: ‘Agora é hora de encerramento ) *ª$ ª  ^*
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todo o trabalho, todas as pinturas nas paredes, tudo foi arrastado, e tivemos de pro-
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com a *#


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, isso o mecenas Hans Coray soube fazer.

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Ist alles eine Reaktion auf Dada? 311

ob diese Anrufung ihn, den Ahnen, abstossen oder erfreuen würde, ob er da


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reitgestellt hatte, feststellen würde.“
PKW: Nein, ‚Central‘ ist kein Café, sondern ein Platz, der ‚Central‘ heißt.
Also: „ (…) numa parede da praça ‚Central‘... (...)“.13
TR: Und wie ist es mit der „Kronenhalle“? Ist die von mir eingebaute Er-
läuterung über den ‚Fendant‘ richtig?
PKW: Perfekt! Die ‚Kronenhalle‘ ist ein teures Restaurant, in dem die be-
rühmten Künstler verkehren. Und ausgezeichnet ist auch Deine Erklärung zum
„Wein aus dem Kanton Wallis“! Dein Spürsinn beeindruckt mich. Lieber Tito,
ich danke Dir.

Fazit

Basierend auf den obigen Beispielen kann man ersehen, wie sich der Über-
setzer des Textes „Alles ist eine Reaktion auf Dada!“ zu einer Reihe von rele-
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wortung der Fragen durch Peter K. Wehrli konnte an allen unklaren Textstellen
Klarheit geschaffen werden. Es geht dabei insbesondere um Begriffe bzw. Rea-
lia, die in Wörterbüchern nicht enthalten sind, wie etwa „Spiegelgasse“, „Fen-
dant“, „Central“ usw., weil sie sehr stark an die lokale Kultur und Umgebung
gebunden sind. Durch die Erklärungen des Autors konnte sich der Übersetzer
verschiedener Nuancen des Textes bewusst werden, die er sonst wahrschein-
lich nur in Ansätzen hätte erahnen können.
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ein Deutschschweizer das Wort „Seldwyla“, das im deutschschweizerischen
Kulturkreis ein bekannter Begriff ist, liest, sind ihm die Konnotationen geo-
graphischer, literarischer, kultureller Art klar. Für den zielsprachlichen Emp-
fänger müsste man hier aber auf einer anderen Ebene, und zwar auf der deno-

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Manchmal enthält der Text von Peter K. Wehrli auch eine Art Spiel zwischen
 
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disponibilizara 65 anos atrás.

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in derselben Form wiedergeben kann, wie etwa bei dem Ausdruck „Polizei-
stunde“.
An mancher Stelle ging es aber auch um pragmatische bzw. empfängerbe-
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Intro / Info: auch wenn beide Kürzel im Brasilianischen bzw. Portugiesischen
nicht verwendet werden, stören sie die Kommunikation nicht im Geringsten.
Im Großen und Ganzen kann meines Erachtens der Kontakt zwischen Ver-
fasser und Übersetzer entschieden zu sichereren Übersetzungslösungen füh-
ren. Darüber hinaus sind in diesem Austausch, in diesem „kulturellen Trans-
fer“ (Vermeer 1994: 52), beide Parteien Gewinner: der Übersetzer, weil er
seinen Auftrag mit größerer Sicherheit meistern kann, und der Verfasser, weil
er durch die Fragen des Übersetzers auch für übersetzungsrelevante Probleme
sensibilisiert wird.

Literatur

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heim.
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 \" Translation. Oxford: Oxford Press.
Koller, Werner (1987), Einführung in die Übersetzungswissenschaft. Heidel-
berg / Wiesbaden: Quelle & Meyer.
Nord, Christiane (1988), Textanalyse und Übersetzen  #Š $
Groos Verlag.
Snell-Hornby, Mary (1996), Translation und Text. Ausgewählte Vorträge,
Wien: WUV-Universitätsverlag.
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Hornby (Hrsg.) (1986): Übersetzungswissenschaft. Eine Neuorientierung.
Tübingen / Basel: Francke Verlag, 30-53.
Wehrli, Peter K. (2006a), Alles ist eine Reaktion auf Dada! (unveröffentlicht),
Zürich.
Wehrli, Peter K. (2006), Tudo é uma reação a Dadá! (Übersetzung von Tito
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†
Witte, Heidrun (1998), „Die Rolle der Kulturkompetenz“. Mary Snell-Horn-
by / Hans G. Hönig / Paul Kußmaul / Peter A. Schmitt (Hrsg.): Handbuch
Translation. Tübingen: Stauffenburg, 345-348.

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