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~ Nr.289,12.1. - 25.1.

2011 tun & lassen AU4VSTIN


h für Szenefremde ein Erlebnis: Die Ausstellung "Punk in Wiem>

)sitiv evaluiert, rund um die Uhr bewacht

(f~; ie:~~~N~~~~~~~~h!b~~i~~~ ~~e


Betritl man den Ausslellungsraum, nimmt wohl undichte Stellen. 1983 wurden die Häu-
man zuerst einen lebensgroßen Pappständer ser «Aegidi- und Spalowskygasse» besiedelt.
lFriedensdemo in Wien 1983. Aus der wahr, auf dem zwei Punks zu sehen sind, de- Nachdem die Nutzungsverträge 1986 gekün -
lProvinz kommend, traten wir vor die Hal- ren Köpfeausgeschnitten wurden. Be,uchertn- digt wurden, hielt man die Häuser besetzt. Im
le des WestbahnllOfs, wo sich bereits eine nen können ihre Gesichter in die so entstan- August '88 folgte deren üheraus brutale Räu-
riesige Menschenmenge versammelt hatte. denen l.öcher stecken und sich fotografieren mung durch die Polizei. LJie Besetzer!nnen
uf einem IXW stand ein Mann und sang lassen. «In lieber Erinnerung> steht darunter. setzten sich zuerst militant zur Wehr. Doch
etwas von einem Bagger in der «GaGm>. Auf Schautafeln findet man eine Menge VOll konnte oie «Spalo. nicht dauerhaft gehalten
ch hatte natürlich keine Ahnung, was Fotos, Flyern, Plakaten, Covers, Fanzines und werden. So fand man einen Weg, sich, von der
denn diese «GaGa» sei. Zeitungsartikel aus der Zeit. Ein pe mit Musik Polizei unbemerkt, in die «Aegidi. zu tlüchten
und Filmen steht bereit, um von den Ausstel - Da~ von den Besetlerlnnen geräumte Gebäu -
lungsbesucherinnen genutzt zu werden. Origi - de wurde, sobald es die Polizei cingenommen
nal Punk-Kleidung hängt von der Decke und, hatte,abgerisscll.
ja, Punks sind natürlich auch da Am nächsten Tag nahm sich die Staatsgewalt
ementsprechend neugierig hörte ich die .Aegidiga.se» vor. Obwohl die BesetzerIn-
zu, als er von der Räumung und späte- Mordbuben und kranke Mönche nen den militanten lNiderstand bcendet hat -
ren Schleifung des «Autonomen Kul- ten, war die Vorgehensweise der Beamten sehr
tur- und Kommunikationszentrums Die Führung beginnt mit der Besetzung der aggressiv und unverhältnismäßig. Mit Feuer-
Gassergasse~ erzählte. Er erwähnte auch die- ~Arena~ 1976. Die nächste Station ist der frü- wehrschläuchen spritzte man Wasser in das
se legendäre Waschmaschine, in der die Poli- hen Wiener Punk-Musik-Szene vom Ende der Haus, damit die Mauern na,s und weich ","ur-
zei angeblich illegale Drogen gefunden hätte 1970er bis Anfang der 1980er Jahre gewidmet den. Im Anschluss wurde mit einem Bagger ein
Schon damals war ich solchen amtlichen Mel- Die Bands hießen «Chuzpe", «General Gugl- Loch in die Mauer gerammt, und das, obwohl
dungen gegenüber skeptisch eingestellt hupf», .Dir! Shit ~ , .Mordbuben AG", «Die der otlizielle Grund der Räumung die angebli -
Der Gassergasse und zah lreichen anderen Ilöslinge», «Die Kranken Mönche*, «Suicide», che BaufJ;!ligkeit der Häuser war. Den damals
Ereignissen diescr bewcgten Zcit ist bereits seit "A-Gen 53~ (die erste progressive Wiener Frau- involvierten Wiener Stadtpolitikern Bürger-
Scptember eine Ausstellung in der "Pankahyt- enband), ~ The Sprays», «Tom Pettings Herz- meister Helmut Zilk, Vi1.ehürgerrneister Hans
tn» gewidmet (der Augustin berichtete). Es attacken~, ~Pöbel~, «DeadNittles», «Extrem» Mayr und Stadtrat RudolfEdlinger wurde vor-
geht um Punk, Hausbesctzungcn, Reprcssion (die erste Wiener Hardcore -Band), ~Schllnd» geworfen, den möglichen Tod der Beseturln-
- um einc Form von Gegenkultur, die das da- und «S.T.D.• . nen bei einem etwaigen Einsturz in Kauf ge-
malige triste Wien für immer verändern sollte Damals gah es in Wien kaum Auftriusrnög- nommen zu haben
Die Ausstellung «Punk in Wien» ist ein partei- lichkeiten. Man nutzte, was zur Verfügung 67 Akti\~sttr1!len wurden verhaftet und man -
ischer Beitrag tur jüngeren Zeitgeschichte die- stand, und wenn's ein Pfarrsaal war. Selbst der che dal'on teilweise schwerverletzl in das AKH
ser Stadt, der auch für Szene-hemde spannend Weg zur «Location . ....<ir mitunter gefahrlich. gebracht. Niemand machte der Polizei gegen-
und informativ sein kann. Denn '''lU man als Punk erkcnnbar, musste über eine Aussage, und alle mussten bald wie-
Laut Selbstdefinition ist die Pankahyttn «ein man mit gewalttätigen Angriften von Zeitge- der frei gelassen \''erden. Eine Klage, die beim
selbstorganisiertes, unkommerzielles, Wohn- nossen rechncn. Entsprechend selten gab es Europäischen Menschengerichtshof einge-
, Kultur- und Sozialprojekt von, mit und für Konzerte. Auftritte von internationalen Punk- bracht worden war, führte zur Verurteilung
Pan,.". Auf ihrer Website heißt es weiter: «Am bands gab es kaum. der Republik. Entschädigungen von ca. 4000
t5.12. 2007 haben wir das für uns viel zu klei - Eine der nächsten Schautafcln ist dem Kul - Schilling pro Person mussten gezahlt werden.
ne Haus in der JohnstraGe 45 bezogen. Seither tunentrum Beamte und Politiker wurden nicht zur Verant -
ist es uns gelungen, den ausgehandelten Kom- von 1981 bis wortunggezogen.
promiss - oft auch gegen Widerstande des FS\V setzt, sondern Nach der Räumung der ~Aegidi - und Spa-
- durchzusetzen. Wir kontrollieren und or- als ~ Jugendzentrum» zur Verfügung gestellt lowskygasse. stand kein Haus mehr zur Verfü-
ganisieren unsere Bereiche, zu denen die So- Dort gab e. u. a. Proberäume und eine klei- gung. Ein von der Stadt Wien angebotenes Ge-
zialarbeitertnnen keinen Zutritt haben. Die ne «Konzerthalle». Alkohol- und Drogenpro- bäude beim Alherner Hafen wurde abgelehnt.
Sanierung des HallSCS erfolgt in Zusammenar- bleme - so ein Punk-Veteran, der uns durch So organisierten die ehemaligen BesetzerInnen
bcit mit dem Fonds Soziales Wien. Probleme die Ausstellung führte - erschwerten die ihren Protest bei der ~ Wohnaktion. arn Ste-
im Grätzl halten sich in Grenzen. Die Einrich - Selbstverwaltung. phansplatz und konnten die . Vogelhandlung»
tung einer sozialarbeiterischen Massenanlauf- 19~2 kam es zum «Iläuserlauf». Leer stehen- im 20. Bezirk für ca. zwei Wochen besel7-en
steIle im Haus konnte Mai 2008 verhindert de Gebäude wurden kurzfristig besetzt, und 19119 besetzten sie ein leer stehendes Gebäude
w,,"rden. Die teure und überflüssige 24-Stun- bevor die POlil~i kam, war man auch schon der 0BB in der Oswaldgasse (12. Bezirk), ver-
den- Bewachung konnten wir bislang nicht be- wieder weg. Hinterlassen hatte man Transpa- ließen es am nächsten Tag aber, um einer sich
enden, obwohl wir November OS <positiv eva - rente mit politischen Statements. Manchmal abzeichnenden Räumung zuvorzukommen.
luiert> wurden.» war die Poli].ei aber schon vorhcr da. Es gab Ein Eltemverein einer benachbarten Schule
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~. Eine Stadt ohne P... nks kann ebenso
- "..- wenig urban genannl werden wie e ine
Stadt ohn e Striz:zis. Denn wie sclton
Aristotele. wusst e: Mit M ~nllChen, die
einande riihne ln,seikeine Stadt2u -
machen;nurmlt verschledenenMen-
sehen sei das zu schaffen •••

umbenannt, nach einem Antifa -


schistcn, der in den 60cr Jahrcn bei
einer Demo gegen Nazis ums Le -
ben kam
1991 wurde ein Mietvertrag, gül -
tigbis2001, unter:zeichnet 2004 ver·
kaufte d ie KPÖ das Hausan Chris -
tian Machowetz,der als «ehemalig
zahJcndes Mitglicd der nconazisti -
schen Aktion Neue Rechte (ANR)>>
gah.DerSbndal,,"arperfekt.2008
kommt es zu I,lietverträgen mil der
Stadt Wien, die das Haus von Ma -
chowetzerstandenhatte.DasEKII
war und ist ein ~autonomes Zent -
rum»,welchcspolitisch, sozialund
kulturcllcngagiertcGruppierungen
beherbergt
Gegen Ende der Allsstellung er-
fahren Besucherlnnen einiges üher
das "Punkerbankerl» in deri\laria -
hilfer Straße. über die Geschich -
te der Pankahyttn sclbsl, übcrdas
«Movim}'nto. -einehema!svon
Punks se!bstorganisiertcs Konzcrt -
lokalinSimrnering - undüberdie
aktuelle ~ Wagenplatz» - Bewegung
in \Vien
Die Ausstellung «Punk in Wien»
ist eine liebevoll, detailre ich und
spanncnJaufbcrcitete Rcisc in die
Vergangenheit und wieder zurück
in d ie Gegenwart. Siebeschreibl
eine über 30-jährige Gesch ichte
hanesich,obdersich eillquartiereoden Punks, "fuckhcad». Die meisten Bands, die im Flcx des Aufbegehrens, Kämpfen.>, der
Sorgen um die Kinder gemacht. Das Gebäude auftraten, waren nicht aus Wien. Niederlagen und Erfolge, der Soli dar ität und
wurde im Anschluss abgerissen. Der Versuch, Im Sommer 1991 r ichteten sich Skinheads Lcbenslu5tvonProtagonistInnelleillerBewe-
ein gemeinsames Wohnprojekt zu erkämpfen; in der gegenüberliegenden «Hulu -Bar» ein. gung, die tatsächlich nicht tot ist.
schien vorerst gescheitert zu scin. EskamzugewaIttätigenÜberfaHenaufdas Wien ist heute eine !ebendigere und viclf<il-
Flex. Da die Schallisolierung un'w reichend war, tigere Stadt als in Jen Siebzigern des vorigen
Die Stadt sollte denVitalitäts-Beitrag der häuften sich Verwaltungsstrafen wegen Lärm· Jahrhunderts. Die Punks haben ihren Antei l
Punkswürdigl!n bcläsligung und das Lokal wurde Ende Mai daran. Die Stadt sollte d ies würdigen
1993 aufgegeben . Der legendare «Spaceraum», Roman Dietinger
Mus ika[ischcsgab es in dieser Pe riode von im Auft ritl>bercich des alten Flex,wllrde nach
Mitte 80 bis Anfan g 90 von den «Gruft Ro - FOlografien rekonstruiert und kann inder i'an -
sen», «Cold \Vorld» und ~Pungcnt Stcnch~ kahyttn wieder genossen werden.1994wur-
1986 spielten «The Falb und «Billy Bragg» in dedas Lokal,t rotzGegenmobilisierungvon I
der «$zene Wien» und - erstmals in Wien- BürgerInnen, am Donaukanal wieder eröffnet. "
. l'IInk lnWlen.
die ~ UK. Sllbs. in der ~Arena». Im 1990 ge - HeuteschütztsichdasFlexmiteinerSt>curity, NodIbis29.1.201I .
gründeten ~ FJex"inder Arndtslrasse (12. Be- deren Auftreten kaum an d ie Gesinnung der OI.:lUbis14.00.:1Sbis 19 Uhr.Jeden Oo.Stammti.mindfr
zirklspichenBandswie«ExtendcdVcrsions», damaligen Hausheset:zer lnnenerinnert Hall . ab 1 9 Uh r,lIegl~ t programm ,nS;irnst ~ 9fnab 19Uhr.
on:Pankahynn,klhnmaße4S,l lS0Wl""lUl JoIIn,traStl
~HciJand Solo~ , ~ 'lhe Wa)"" «Koß Scrviam", Ebenfalls 1990 wurde in der Wielandgas -
Eintrin fm.rs~.Fi,jhn'"9tn(,bSPenonenl,uf Anfr~9f'
.. Those Who $urvived The I'lague», ~ Seven Si- 5e2-4(1O. Bc:zirk) ein Haus der KPÖhesetzt. TrI.:0681204S9116
oux», «Kurorl»,«StandTo Fali», «T.o'D». und Es wurde in Ernst- Kirchweger-Haus (EKH ) www.p.. nk. hyttn .isd rin.aI