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Fakten zur Druckluft:

I Druckluftanwendung
II Thermodynamik
III Messtechnik im Bereich der Druckluft
IV Drucklufterzeugung für Industrie, Handwerk und Gewerbe
V Steuerung
VI Druckluftaufbereitung
VII Druckluftverteilung
VIII Gesamtsystemoptimierung
IX Druckluftwerkzeuge

Fakten
Druckluftanwendung
Eigenschaften der Druckluft
Kosten
Druckluft ist eine Energieform, die ein konkurrenzlos
Nutzen Druckluftenergie
breites Anwendungsspektrum bietet und dabei Ge-
schwindigkeit, Kraft, Präzision und gefahrloses Hand-
ling miteinander verbindet. Diese Eigenschaften ma-
chen Druckluft in vielen Einsatzfällen unersetzbar. Elektroenergie
Interessant sind jedoch die Anwendungsfälle, bei
denen Druckluft in Konkurrenz zu anderen Energie-
formen wie elektrischem Strom oder der Hydraulik
steht. Hier gebietet die Wirtschaftlichkeit eine präzise
Kosten-Nutzen-Analyse. Die verhältnismäßig hohen
Kosten zur Erzeugung von Druckluft sind immer mit Arbeits-
Energie- Wärmerück- geschwin- Wartungs-
Faktoren wie Arbeitsgeschwindigkeit, Zuverlässigkeit, einsatz gewinnung digkeit kosten Flexibilität
Wartungsaufwand etc. aufzurechnen. Dabei ist zu
beachten, dass der Stand der Technik zugrunde ge-
Abb. 1: Qualitativer Kosten-Nutzen Vergleich unter Berücksichti-
legt wird. Druckluftanwendungen haben sich in den gung relevanter Parameter
letzten Jahren hinsichtlich der Energieeffizienz enorm
weiterentwickelt.
Besonders deutlich wird die Vielseitigkeit der Druck- Arbeits- bzw. Energieluft
luft, wenn man sich exemplarische Anwendungen vor Seit Jahren weist die Pneumatik als wichtiges An-
Augen führt. wendungsfeld für Druckluft zweistellige Wachstums-
raten auf. Immer mehr neue Patente, deren Ge-
genstand Druckluftzylinder, -motoren und -ventile
sind, werden angemeldet. Schnelligkeit, Präzision,
Flexibilität und Miniaturisierung dieser Komponenten
spielen dabei eine wichtige Rolle.
Fakten Druckluftanwendung
Seite 2 von 4

Abb. 4: PET-Flaschen

Eine weitere ganz besondere Eigenschaft von Druck-


luftgeräten ist die Einsatzmöglichkeit in Exschutz-
Bereichen.
So sorgen beispielsweise Druckluft-Hebezeuge in La-
ckieranlagen dafür, dass keine Funken fliegen.

Abb. 2: Automatisierung mit Druckluft

Ohne Druckluft wäre ein Automatisierungsgrad, wie


er heute für die Konkurrenzfähigkeit deutscher Unter-
nehmen essenziell ist, nicht möglich.

Abb. 5: Exschutz-Hebezeug

Abb. 3: Druckluftbetriebene Roboter Druckluft ausschließlich mit altmodischen Anwen-


dungen gleichzusetzen, entspricht nicht dem Stand
Eine Vielzahl von Produkten, die sich aus dem heuti- der Technik. So ist z. B. das Reinigen von Werkbän-
gen Leben gar nicht mehr wegdenken lassen, könn- ken durch Abblasen mit Druckluft nicht mehr zeitge-
ten ohne Druckluft so nicht produziert werden. mäß. In vielen Fällen würde es auch der Handfeger
tun. Wenn Druckluft dennoch auch hierfür eingesetzt
werden soll, so empfiehlt sich der Einsatz optimierter
Düsen, die bei minimalem Luftverbrauch eine maxi-
male Reinigungswirkung erzielen.
Fakten Druckluftanwendung
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Industrielles Vakuum
Eng verwandt mit der Druckluft ist die industrielle
Vakuumtechnik. Verschiedene Anwendungsfälle
können mit Druckluft oder Vakuum abgedeckt wer-
den. Mit industriellem Vakuum kann man verpacken,
trocknen, spannen, saugen, anheben, positionieren
u.v.m. Immer mehr Branchen erkennen die Vorzüge
von Vakuumapplikationen.
Beispielhaft sei die Elektronik-Industrie genannt, wo
es in der Produktion auf absolute Präzision bei größ-
tem Output ankommt. Im Sinne einer „clean produc-
Abb. 6: Luftdüsen-Webstuhl tion“ sorgen äußerst präzise, sehr kleine Vakuum-
pumpen unter Reinstraumbedingungen für das ex-
akte Handling von Platinen und ihre Bestückung mit
Aktivluft Mikrochips. Die gleichmäßige, geregelte Saugluft
„greift“ den Chip und platziert ihn genau an der richti-
Von Aktivluft ist die Rede, wenn Druckluft als Trans-
gen Stelle auf der Leiterplatte.
portmedium genutzt wird. Aktuelle Anwendungsbei-
spiele sind der Schüttguttransport, das Hin- und Her-
schießen von Schiffchen bei Webmaschinen, Ein-
sätze bei der Luftlagerung oder die jüngst wieder
entdeckte Rohrpost.
Am Beispiel der Luftlagerung lassen sich sehr schön
einige Vorteile der Druckluft aufzeigen. Laserkanonen
zum Anvisieren von Geosatelliten z. B. müssen exakt
ausgerichtet und automatisch nachgeführt werden.
Um die nötige Präzision von ±1/3600 Grad zu errei-
chen, ist das optische System luftgelagert. Die Luftla-
ger lassen völlig ruckfreie und stufenlose Teleskop-
bewegungen zu, sorgen für hohe Messgenauigkeit
und schützen vor Vibrationen. Ohne Druckluft wären
solche modernen Verfahren zur Erdvermessung
kaum realisierbar. Abb. 8: Platinenproduktion

Prozessluft
Druckbereiche
Ist die Druckluft direkt als Prozessmedium in be-
stimmte Verfahren eingebunden, spricht man von Unterschiedliche Anwendungen benötigen unter-
Prozessluft. Gängige Anwendungsbereiche sind schiedliche Drücke. In den seltensten Fällen ist es
Trocknungsprozesse, die Belüftung von Klärbecken wirtschaftlich vertretbar, auf den höchsten benötigten
oder Gärluft für Fermentationsprozesse. Druck zu verdichten und anschließend den Druck
wieder zu reduzieren. Deshalb ist es nötig, die
Druckbereiche zu kategorisieren und entsprechend
geeignete Erzeugungssysteme einzusetzen.
• Vakuum- und Gebläseanwendungen
Dieser Bereich reicht vom Grobvakuum bis in den
Überdruckbereich von etwa 1 bar. Mit Drehschie-
ber-Vakuumpumpen, Wälzkolben- und Seitenka-
nalgebläsen können diese Druckniveaus sehr wirt-
schaftlich erzeugt werden.
Im Bereich des industriellen Vakuums besteht zwar
die Möglichkeit, dieses mittels Druckluft zu erzeu-
gen, was aber in fast allen Fällen als Missbrauch
von Druckluft angesehen werden kann. Spezielle
Vakuumpumpen arbeiten mit einem Bruchteil an
Energieeinsatz.
Abb. 7: Fermentieren und Abfüllen
Fakten Druckluftanwendung
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• Niederdruck-Anwendungen Korrekter Druck


In Bereichen von 2 bis 2,5 bar Überdruck spricht Jeder Druckluft-Verbraucher benötigt einen be-
man von Niederdruckanwendungen. Meistens wer- stimmten Betriebsdruck, um die optimale Leistung
den hier rotierende Verdrängerkompressoren zur abgeben zu können. Bei Werkzeugen, die z. B. nur
Erzeugung eingesetzt, für extrem große Mengen mit 5 statt der benötigten 6 bar angetrieben werden,
auch Turbokompressoren. geht die Lastdrehzahl bereits um 25 % zurück, ob-
Speziell bei den Niederdruck-Anwendungen, die mit wohl die Leerlaufdrehzahl nur um 5 % abnimmt.
weit geringeren Überdrücken als den klassischen Deshalb ist es unabdingbar, regelmäßig zu kontrollie-
6 bar auskommen, ist häufig zu beobachten, dass ren, ob der benötigte Betriebsdruck auch zur Verfü-
diese Geräte am 7-bar-Netz hängen. Am „Point of gung steht, und zwar bei voller Auslastung. Druck-
use“ wird der Druck dann einfach entsprechend re- verluste durch nicht ausreichende Leitungsquer-
duziert. In solchen Fällen sollte dringend überprüft schnitte oder Flaschenhälse können nur bemerkt
werden, ob die Einrichtung einer separaten Nieder- werden, wenn die Druckluft auch fließt. Überhöhte
druckversorgung die Wirtschaftlichkeit nicht erhö- Betriebsdrücke bringen keinen Leistungsgewinn. Sie
hen könnte. erhöhen nur den Druckluft-Verbrauch und den Ver-
• Standarddruck-Anwendungen schleiß an den Geräten.
Für Standarddruck-Anwendungen, die über ein 7-
bar-Netz gespeist werden, steht eine breite Palette Druckluftqualität
an Kompressoren zur Verfügung. Anforderungen
an Luftmenge und -qualität bestimmen hier, welche Ähnlich stellt es sich bei unzureichend aufbereiteter
Kompressoren in welcher Kombination am wirt- Druckluft dar. Partikel, Feuchtigkeit und Öl setzen
schaftlichsten arbeiten. den Druckluftgeräten zu und erhöhen ihre Störanfäl-
ligkeit. Erhöhter Verschleiß und Leistungseinbußen
• Hochdruck-Anwendungen sind noch vergleichbar geringe Probleme gegenüber
Wenn es in den zwei- und dreistelligen bar-Bereich dem Totalausfall, der ganze Produktionsausfälle nach
geht, kommen oszillierende Verdrängerkompresso- sich ziehen kann. Aber auch wenn die Druckluft-
ren wie Kolben- oder Membrankompressoren zum Geräte noch störungsfrei arbeiten, kann unzurei-
Einsatz. Bei großen Luftmengen können sich auch chend konditionierte Druckluft Verunreinigungen in
Radial-Turbokompressoren rechnen. Prozesse eintragen, die zum Verlust ganzer Produk-
Nicht selten ist der Fall, dass wenige Hochdruck- tionschargen führen können.
Verbraucher sehr wirtschaftlich über das Standard-
Netz mit nachgeschalteten dezentralen Boostern Fazit
versorgt werden können.
Wer seine Druckluft-Anwendungen mit Bedacht aus-
sucht, die Druckluft-Anlage darauf abstimmt und im
Betrieb konsequent die für die Wirtschaftlichkeit und
Betriebssicherheit relevanten Parameter überwacht,
hat sich mit Sicherheit für einen modernen und effi-
zienten Energieträger entschieden.

Die Kampagne „Druckluft effizient“ hat zum Ziel, die Betreiber von Druckluftanlagen zur Optimierung ihrer Systeme zu motivieren und dabei
erhebliche Kosten einzusparen. Sie wird von der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Fraunhofer-Institut Systemtechnik und
Innovationsforschung (Fraunhofer ISI, Gesamtprojektleitung) und dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit
Unterstützung des Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) und den folgenden Industrieunternehmen durchgeführt.
Atlas-Copco BEKO Technologies BOGE Kompressoren
domnick-hunter Energieagentur NRW Gardner Denver Wittig
GASEX Gebr. Becker Ingersoll-Rand
Kaeser Kompressoren Legris – TRANSAIR METAPIPE
Schneider Druckluft systemplan, Karlsruhe Thyssen Schulte – MULTIPLAST
ultra air ultrafilter International ZANDER Aufbereitungstechnik
Weitere Informationen finden Sie unter www.druckluft-effizient.de
 Druckluft effizient, Fraunhofer ISI, Karlsruhe, August 2003
Thermodynamik
Druckluft wird in der Industrie als Energieträger wie In der atmosphärischen Luft zusätzlich enthalten ist
Strom aus der Steckdose verwendet. Dabei wird häu- Wasser in Form von Wasserdampf, dessen Menge
fig übersehen, welcher Aufwand für die Erzeugung, jedoch stark in Abhängigkeit von Temperatur, Volu-
Aufbereitung und Verteilung von Druckluft erforderlich men und geographischen Bedingungen schwankt.
ist. Zum besseren Verständnis werden hier die grund- Aus diesem Grunde wird der Wasseranteil der Luft
legenden physikalischen Zusammenhänge zu erläu- meist getrennt von den übrigen Bestandteilen der Luft
tert und auf typische Missverständnisse hingewiesen. angegeben.

Zusammensetzung Druck
Unter Druckluft versteht man verdichtete atmosphäri- Wesentlicher Parameter der Druckluft ist der Druck,
sche Luft. Die wesentlichen Bestandteile unbelas- der typischerweise in den Einheiten bar und Pa (1 bar
5 5 2
teter Luft sind Stickstoff (78 vol-%) und Sauer- = 10 Pa = 10 N/m ) angegeben wird.
stoff (21 vol-%) sowie geringe Mengen weiterer Ga- Der absolute Druck (pa) ist der vom absoluten Null-
se (1 vol-%) (Abb. 1). punkt aus gemessene Druck. Er wird für alle theoreti-
Sonstige schen Betrachtungen sowie in der Vakuum- und in
Gase der Gebläsetechnik benötigt.
1%
Der Überdruck (pü, pe) ist die praxisgerechte Be-
zugsgröße und wird vom atmosphärischen Druck aus
bestimmt. Absoluter Druck und Überdruck werden in
Sauerstoff 21 %
Stickstoff 78 % der gleichen Einheit angegeben. Deshalb ist bei
Druckangaben stets darauf zu achten, ob es sich um
Absolutdrücke oder Überdrücke handelt. In der Praxis
spricht man meist von Überdrücken, da Druckmess-
geräte meist den Überdruck, also die Differenz zwi-
schen absolutem und atmosphärischem Druck anzei-
gen (vgl. Abb. 2). Zur Vermeidung von Verwechslun-
Abb. 1: Zusammensetzung trockener atmosphärischer Luft
gen kann es sinnvoll sein, bei Druckangaben den
Bezug durch einen Index anzugeben.
Fakten Thermodynamik
Seite 2 von 4

Atmosphärischer Druck Kondensatmenge. Eine weitere gezielte Abscheidung


und Trocknung der Druckluft erfolgt anschließend im

2 bar (a)

3 bar (a)

4 bar (a)
1 bar (a)
0 bar (a)

Drucklufttrockner oder ungewollt in der Druckluftlei-


mbar

mbar
500
20

Absoluter Druck pa tung.

3 bar (ü)
0 bar (ü)

1 bar (ü)

2 bar (ü)
Wird Luft mir einer relativen Feuchte von 60 % und
Unterdruck pu pü
einer Temperatur von 15 °C auf einen Druck von
Überdruck
7 bar verdichtet und anschließend wieder auf 25 °C
50 %
98 %

100 %
Vakuum
abgekühlt, so fallen pro Kubikmeter verdichteter Luft
0%
30 g Kondensat an.
Abb. 2: Überdruck, absoluter Druck und Unterdruck Weitere Informationen hierzu finden Sie in den Fak-
ten „Aufbereitung“.

Wassergehalt
Die maximale Aufnahmefähigkeit der Luft für Was- Leistungsbedarf für die Verdichtung
serdampf wird durch den Sättigungsdampfdruck ps
Zur thermodynamischen Beschreibung von Zustands-
beschrieben. Wie viel Wasser in der Luft aufgenom-
änderungen von Luft (Verdichtung, Entspannung, Ab-
men werden kann, ist allein eine Funktion der Tem-
kühlung) kann in der für die Drucklufttechnik relevan-
peratur. Mit zunehmender Temperatur nimmt die Auf-
ten Temperatur und dem relevanten Druckbereich die
nahmefähigkeit deutlich zu (Abb. 3).
Luft als ideales Gas betrachtet werden. Die ideale
Bei Abkühlung von Luft besteht deshalb stets die Gasgleichung beschreibt den Zusammenhang zwi-
Gefahr, dass der enthaltene Wasserdampf auskon- schen Druck (p), Volumen (V) und Temperatur (T) eines
densiert und Kondensat entsteht. Gases.
Kondensat kann auch ausfallen, wenn durch die Ver- Es gilt:
dichtung der Sättigungsdampfdruck überschritten p ⋅ V = m ⋅ Ri ⋅ T
wird. Wird atmosphärische feuchte Luft bei konstan-
ter Temperatur verdichtet, so steigt auch der Partial-
druck des Wasserdampfes entsprechend dem An- bzw. bei Bezug auf die Stoffmenge n
stieg des Gesamtdruckes an. Wird der Sättigungs-
partialdruck bei dieser Temperatur durch die Ver- p ⋅V = n ⋅ R ⋅ T
dichtung überschritten, fällt Kondensat aus. Da die
Luft den Kompressor mit deutlich erhöhter Tempera- mit R als der universellen Gaskonstante mit dem
tur verlässt, fällt das Kondensat erst bei der Rück- Wert R = 8,3144 J/(mol K). Es gilt demnach, dass das
kühlung der verdichteten Luft aus, wenn die Tau- Produkt aus Druck und Volumen der Luft proportional
punkttemperatur unterschritten wird. Nach dem Un- zur Temperatur ist. Mit Hilfe der idealen Gasglei-
terschreiten fällt Kondensat kontinuierlich an, also chung können die auftretenden Zustandsänderung
auch im Nachkühler. Dort entstehen ca. 60-80 % der beschrieben werden.

130
Die beiden wichtigsten Arten von
120 pD [mbar] Zustandsänderungen sind die Iso-
Wassergehalt gH2O / kg Luft trocken therme (Druckänderung bei konstan-
Sättigungsdampfdruck pD [mbar]

110 Wassergehalt gH20 / Nm3 Luft trocken


ter Temperatur) und die reversibel
Wassergehalt [g/kg] [g/Nm3]

100
90 adiabate (isentrope) Zustandsände-
80 rung (Druckänderung ohne Wärme-
70 zu- oder Abfuhr).
60 Für die isotherme Zustandsänderung
50 gilt:
40
30
p1V1 = p2V2
20
10
mit R und T = const.
0
-35 -30 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55

Temperatur [°C]

Abb. 3: Sättigungsdruck und Wassergehalt der Luft


Fakten Thermodynamik
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13
Die spezifische Arbeit für eine Ver-
12
dichtung ergibt sich aus der Volu-

Spezifische Leistung [kW / (m 3/min)]


11
menänderungsarbeit zu
10
2
υ 9 Schlechter Bereich
w12 = − ò p ⋅ dυ = − p1 ⋅υ1 ⋅ ln 2 Guter Bereich
1
υ1 8
7
6
Für die adiabate Zustandsänderung Obere Begrenzung: für ideale adiabate Verdichtung
5
gilt:
4
p1 ⋅ V1 p2 ⋅ V2 3
Untere Begrenzung: für ideale isotherme Verdichtung

=
T1 T2 2
Thermodynamisch unmöglich
1
mit R = const. 0
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Für die Temperatur gilt Druckverhältnis p1/p0
κ −1
(κ −1)
T1 éυ2 ù ép ù κ Abb. 4: Spezifischer Leistungsbedarf für die Drucklufterzeugung
= =ê 1ú
T2 êë υ1 úû ë p2 û

und für die spezifische Arbeit ergibt sich


2 2 Druckverluste
wt ,12 = òυ ⋅ dp = ò c p ⋅ dT = c p ⋅ (T2 − T1 )
1 1
Nach Erzeugung und Aufbereitung muss die Druck-
luft in einem Netz zu den Verbrauchstellen verteilt
Der Isentropenexponent κ hat für Luft im für die werden. Zusätzlich zu den in der Aufbereitung ent-
Druckluft relevanten Zustandsbereich einen Wert von stehenden Druckverlusten treten bei der Druckluft-
κ = 1,4 kJ/(kg K). verteilung durch den Rohrwiderstand weitere Druck-
verluste auf, die einen Energieverlust darstellen. Der
Der theoretische Energiebedarf für die Verdichtung Reibungsverlust ist bei turbulenter Strömung deutlich
der Luft ist somit abhängig vom Verdichtungsverhält- größer als bei laminarer Strömung (Abb. 5).
nis und der Art der Zustandsänderung. Während die
isotherme Verdichtung zu der geringsten spezifischen
Arbeit führt, ist der reale Zustandsverlauf bei der Ver-
dichtung (polytrope Verdichtung) näher an der rever-
siblen adiabaten Verdichtung.
In der Praxis sind diese optimalen Werte nicht er-
reichbar, da der Verdichtungsvorgang mit Verlusten
Laminare Strömung Turbulente Strömung
behaftet ist. Gute Druckluftanlagen zeichnen sich
durch spezifische Leistungen aus, die ca. 45 % über Abb. 5: Laminare und turbulente Strömung
den theoretisch möglichen der adiabaten Verdichtung
liegen (Abb. 4). Zu berücksichtigen ist dabei, dass mit Ob sich in der Rohrleitung eine laminare Strömung ein-
zunehmender Leistungsgröße der Anlage der spezifi- stellen kann, ist dabei im Wesentlichen von der Strö-
sche Leistungsbedarf abnimmt. Die gemachten spe- mungsgeschwindigkeit abhängig. Der Einfluss der ge-
zifischen Leistungsangaben beinhalten dabei alle ringfügig unterschiedlichen Rohrrauhigkeiten ist zu
elektrischen und mechanischen Verluste bei der vernachlässigen, entscheidender sind die ggf. durch
Drucklufterzeugung. Sie sind nicht direkt vergleichbar die Rohrverbindungen entstehenden Querschnittsver-
mit der auf dem Typenschild des Antriebsmotors des änderungen. Im Auslegungsbereich von Druckluftver-
Verdichters angegebenen Nennleistung. Die spezifi- teilsystemen herrscht weitgehend turbulente Strö-
sche Leistungsaufnahme einer Druckluftanlage sollte mung in der gesamten Druckluftverteilung vor. Mit
im guten Bereich liegen. Die untere Begrenzungslinie steigender Strömungsgeschwindigkeit steigt jedoch
des guten Bereich wird durch die adiabate Verdich- der Turbulenzgrad an. Je größer die Strömungsge-
tung beschrieben, die einen Idealfall darstellt und schwindigkeit ist, umso größer werden die Strömungs-
deshalb von ausgeführten Anlagen nicht erreicht verluste.
werden kann.
Weitere Informationen zur Drucklufterzeugung finden
Sie in den Fakten „Erzeugung“
Fakten Thermodynamik
Seite 4 von 4

Für inkompressible Strömungen ergibt sich die Strö- Druckluftmessung


mungsgeschwindigkeit aus dem Verhältnis von Volu-
menstrom und Querschnittsfläche. Obwohl die Druckluft ein hochwertiger und teurer
Energieträger ist, wird meist weder der Druckluft-
V verbrauch noch der Energiebedarf für die Erzeugung
υ= und Aufbereitung erfasst. Die Messung und Erfas-
A
sung des Druckluftverbrauchs stellt jedoch ein
Zu klein dimensionierte Rohrquerschnitte führen zu Schlüsselelement für die Kosten- und Energieopti-
großen Strömungsgeschwindigkeiten und hohen mierung im Bereich der Druckluft dar. Weitere Ein-
Druckverlusten in der Rohrleitung. Zur Begrenzung zelheiten dazu erfahren Sie in den Fakten „Mess-
dieser Verluste sollte die Strömungsgeschwindigkeit technik“.
in der Druckluftverteilung möglichst kleiner als 6 m/s
sein. In der „Fakten“-Reihe finden Sie auch zu anderen
Themenbereichen weitere Informationen. Diese Fak-
Weitere Informationen zur Druckluftverteilung finden ten sollen erste Informationen liefern, können die
Sie in den Fakten VII „Verteilung“. problemspezifische Beratung durch den Fachmann
jedoch nicht ersetzen.

Die Kampagne „Druckluft effizient“ hat zum Ziel, die Betreiber von Druckluftanlagen zur Optimierung ihrer Systeme zu motivieren und dabei
erhebliche Kosten einzusparen. Sie wird von der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Fraunhofer-Institut Systemtechnik und
Innovationsforschung (Fraunhofer ISI, Gesamtprojektleitung) und dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit
Unterstützung des Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) und den folgenden Industrieunternehmen durchgeführt.
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Weitere Informationen finden Sie unter www.druckluft-effizient.de
 Druckluft effizient, Fraunhofer ISI, Karlsruhe, August 2003
Messtechnik im Bereich der Druckluft
Im Druckluftbereich liefert die Druckmesstechnik die Bitte beachten:
Datenbasis zur Beurteilung der korrekten Druckhöhe • Das Altern der mechanischen Bauteile beeinträch-
von Druckdifferenzen im Druckluftnetz sowie zum tigt die Wiederholgenauigkeit.
Steuern und Regeln der Kompressoren. Vor dem
Dimensionieren oder Optimieren einer Druckluftanla- • Membrandruckschalter benötigen eine hohe Schalt-
ge sollte man Volumenstrommessungen vornehmen. differenz zum Ansprechen und brauchen viel Platz.
Ist besonders hohe Druckluftqualität gefordert, liefern
entsprechende Messungen Grundlagen zum Sichern Kontaktmanometer
der Druckluftqualität sowie zum Optimieren der Druck-
Bis in die 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts galt
luftaufbereitung.
es als Stand der Technik, für die Differenzdruckmes-
sung, etwa zum Überwachen von Filtern oder zum
Druckmessung oder Differenzdruckmessung Steuern von Kompressorenstationen, mechanische
Die Druckmessung bei Fließbedingung dient vor al- Kontaktmanometer einzusetzen.
lem zum Steuern und Regeln von Kompressoren oder Bitte beachten:
Kompressorenstationen sowie zur Beurteilung von
• Um ausreichende Auflösung zu erreichen, sollte der
Druckluftnetzen.
optimale Messbereich nahe am Arbeitsbereich lie-
Die Differenzdruckmessung wird darüber hinaus auch gen.
zum Überwachen der Funktionstüchtigkeit und Wirt- • Elektrische Kontaktpunkte führen zu mäßiger Wie-
schaftlichkeit von Luftaufbereitungssystemen wie etwa derholgenauigkeit und aufwendigen Einstellarbeiten
Filtern eingesetzt. der maximal vier nutzbaren Kontakte.

Membrandruckschalter Elektronischer Druckaufnehmer


In vielen heute eingesetzten Kompressoren und Kom- Die Kompressoren moderner Kompressorenstationen
pressorenstationen erfassen Membrandruckschalter sollten auf Basis der Druckmessung von elektroni-
den Druck und leiten die Messwerte in Form eines schen Druckaufnehmern gesteuert werden, welche
elektrischen Schaltsignals weiter. die Druckwerte in analoge Signale umwandeln.
Fakten Messtechnik
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Bitte beachten: Temperatur- und Druckkompensation


• Druckaufnehmer mit einem Ausgangssignal von Druck und Temperatur sind in einem Druckluftsystem
4 bis 20 mA bieten Kabelbruchsicherheit. nur selten konstant. Bei der Luftverbrauchsmessung
• Liegt das Maximum des Messbereichs nahe dem sind daher neben dem Volumenstrom auch Druck
Bereich der zu steuernden Größen, ist eine höhere und Temperatur während der Messung zu ermitteln,
Auflösung zu erzielen. so dass eine korrekte Rückrechnung des gemesse-
nen Betriebszustandes auf den Umgebungszustand
• Diese sehr robusten und zuverlässigen Systeme
erfolgen kann (siehe Gasgleichung, Abb. 1). Für eine
zeichnen sich durch ihre hohe Wiederholgenauig-
exakte Messung ist dies unerlässlich.
keit ebenso aus wie durch ihre kompakte Bauwei-
se.
Ohne Temperatur- und Druckkompensation
Volumenstrommessung Mit einer Volumenstrommessung ohne parallele Druck-
und Temperaturmessung und ohne Rückrechnung
Die Volumenstrommessung wird zum Nachweis der
über diese Faktoren auf den entspannten Zustand ist
Förderleistung von Kompressoren und sowohl hin-
lediglich das Ermitteln des geflossenen Betriebs-
sichtlich des Gesamtluftverbrauches eines Betriebes
volumens möglich. Beim Zurückrechnen auf den Um-
als auch mit Blick auf Einzelluftverbräuche dezentra-
ler Produktionsstätten eingesetzt. gebungszustand würden sonst während der Messung
aufgetretene Schwankungen von Druck und Tempe-
Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich Volumen- ratur zu Fehlern führen.
stromangaben von Kompressoren und Luftverbrau-
chern auf den Umgebungszustand beziehen, die
Messung aber im Druck führenden System vorge-
Direkte Messung des Volumen- oder
nommen wird. Das Umrechnen der Messwerte auf Massenstromes
den Umgebungszustand ist mithin erforderlich. Die Staudruckmessung ermöglicht es, den Volumen-
Um ein absolut exaktes Ergebnis zu erhalten, müsste strom mit hoher Genauigkeit zu ermitteln. Dabei kann
man daher nicht nur den Volumenstrom, die Tempe- wahlweise eine Venturidüse, eine Differenzdruckblen-
ratur und den Druck der Druckluft, sondern auch den de oder eine Staudrucksonde zum Einsatz kommen
atmosphärischen Druck, die atmosphärische Tempe- (s. Abb. 2).
ratur und die Luftfeuchtigkeit der angesaugten Luft
ermitteln (s. Abb. 1). Dies ist unabdingbar beim Leis-
tungsnachweis von Kompressoren.

Leistungsaufnahme in kW

Austritts-
druck p2 Venturi-Düse
Ansaugtemperatur T1
Austritts-
volumen V2 Ansaugdruck p1 1
v1 v2 v1
Ansaugfeuchtigkeit Frel1 2

Austritts-
temperatur T2 dP
Messprinzip
V × p2 × T1 mit Blende
V1 = 2
T2 × p1

Abb. 1: Messung des Ansaugvolumenstroms


Pdyn + pstat pstat
Volumenstrommessungen zur innerbetrieblichen Ab-
Messprinzip mit
rechnung oder beim Planen einer Kompressoren- Staudrucksonde
station rechtfertigen indes den Aufwand der paralle-
len Messung von Umgebungstemperatur, Feuchtig-
Abb. 2: Staudruckmessung
keit und atmosphärischem Druck nicht. Wohl aber
sollte die Rückrechnung auf die durchschnittlichen
Druck- und Temperaturbedingungen am Aufstellungs- Bitte beachten:
ort erfolgen. • Um ausreichende Auflösung zu erreichen, sollte der
optimale Messbereich nahe am Arbeitsbereich lie-
gen.
Fakten Messtechnik
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• Elektrische Kontaktpunkte führen zu mäßiger Wie- Coriolis Massenstrommessung


derholgenauigkeit und aufwendigen Einstellarbeiten
Basiert auf der Ausnutzung der kontrollierten Erzeu-
der maximal vier nutzbaren Kontakte.
gung der Corioliskräfte. Diese Kräfte treten dort auf,
• Wichtig sind die korrekte Länge der Ein- und Aus- wo sich translatorische (geradlinige) und rotatorische
laufstrecke, das Einbringen des Messkörpers in das (drehende) Bewegungen überlagern. Dabei hängt die
Rohrleitungssystem und die genauen geometrischen Größe der Kräfte von der bewegten Masse und deren
Daten des Rohres. Geschwindigkeit und somit vom Massendurchfluss ab
• Achtung: Verschmutzungsgefahr! (s. Abb. 4).
• Sinkt der Durchfluss auf unter 10 Prozent des maxi-
malen Messwertes, führt dies zu geringer Messge-
nauigkeit.

Volumetrische Messung
Volumetrische Messungen sind hochgenaue Messun-
gen, die z. B. zum Bestimmen der Förderleistung von
Kompressoren eingesetzt werden. Wichtigste Mess-
geräte sind Drehkolbengaszähler und Turbinenmess-
radzähler. Während der Drehkolbengaszähler in ei-
nem Messbereich von 10 bis 90 % seines max.
Durchsatzvolumens eingesetzt werden sollte, bietet
der Turbinenmessradzähler auch im unteren Messbe- ω = Winkelgeschwindigkeit A, B = Sensoren
reich hohe Genauigkeit. F = Corioliskraft y = Amplitude
∆ϕ = Phasenverschiebung t = Zeit
Bitte beachten:
Abb. 4: Coriolis Massenstrommessung
• Diese Messgeräte sind wartungsintensive, komplex
aufgebaute mechanische Bauteile.
• Keine Überlastfestigkeit (Gefahr bei drucklosem Druck- Sonstige
luftnetz).
Über die klassischen Methoden der Volumenstrom-
messung hinaus gibt es heute einige neue Messsys-
Kalorimetrisch
teme.
Sogenannte Hitzdrahtanemometer können den Vo-
lumenstrom als Funktion des Massendurchsatzes in Karmansche Wirbelstraße
einer Druckluftleitung messen, in dem sie die abge-
führte Wärme ins Verhältnis zum durchgesetzten Die Volumenstrommessung erfolgt auf Grundlage der
Volumenstrom setzen (s. Abb. 3). Karmanschen Wirbelstraße (s. Abb. 5).

Abb. 5: Karmansche Wirbelstraße


Abb. 3: Kalorimetrische Volumenstrommessung

Ein in einem Druckluftsystem fixierter, exakt definier-


Bitte beachten:
ter Körper erzeugt Wirbel und somit Schwingungen,
• Ohne Temperatur- und Druckkompensation gilt: Vom die sich mit einem Aufnehmer erfassen lassen. Sie
Auslegungspunkt abweichende Temperatur, Feuch- variieren analog zu den Änderungen des am Ablen-
tigkeit und Druckschwankungen beeinflussen das kungskörper vorbeistreichenden Volumenstroms.
Ergebnis stark.
Diese Messanordnung hat ähnliche Eigenschaften
wie Staudruckmesssysteme.
Fakten Messtechnik
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Bitte beachten: Nach dem Einlesen dieser Daten in einen Computer


• Bauseitig ausgelöste Schwingungen in Rohrleitun- lassen sich die Förderleistungen der einzelnen Kom-
gen können das Messergebnis beeinflussen. pressoren sowie die Gesamtluftverbrauchswerte des
Betriebes simulieren.
Ultraschallmessung Bitte beachten:
Ultraschallmessgeräte, wie sie aus der Gas- und • Ein Vorteil dieses indirekten Messverfahrens ge-
Wassertechnik bekannt sind, haben in Druckluftsys- genüber direkten Messungen liegt darin, dass nicht
temen noch keine so weite Verbreitung gefunden (s. nur Informationen über die Luftverbrauchswerte ge-
Abb. 6). sammelt werden, sondern dass es auch Daten über
Auslastung und Laufverhalten der Kompressoren
bereitstellt.
Schallpfade • Geringer Montageaufwand.
Ultraschallwandler
• Mindestmesstakt 1 sec, um Verbrauchsspitzen zu er-
Fokussierungsfläche fassen.

Weitere Verfahren
Einfache Luftverbrauchsmessungen oder Auslastungs-
messungen von Kompressoren können auch durch
Abb. 6: Ultraschalldurchflussmessung
Ablesen der Laststundenzähler und durch Messun-
gen von Kesselentleerungszeiten ermittelt werden.
Bitte beachten:
Indirekte Messungen • Sehr personalintensiv und ziemlich ungenau.
Während sich die bisher beschriebenen direkten Mes-
sungen zentral als auch dezentral zur Luftver- Leckagemessverfahren durch Druckmessung
brauchsmessung in Betrieben und auch zum Bestim-
Mittels eines einfach im Druckluftsystem einzubauen-
men der Leistungsdaten von Kompressoren einset-
den Drucksensors werden über einen längeren Zeit-
zen lassen, dienen indirekte Messungen unter Zuhil-
raum in kurzen Zeitabständen die Drücke gemessen
fenahme der Kompressoren zum Ermitteln von Luft-
und gespeichert. Hierzu muss das System nicht auf-
verbrauchswerten und Verbrauchscharakteristiken kom-
getrennt werden, eine Kupplung oder ein zölliger An-
pletter Druckluftsysteme.
schluss sind ausreichend.

Digital-Lastzeit-Erfassung der Kompressoren Die Druckkurven werden anschließend mittels eines


mathematischen Verfahrens derart bearbeitet, dass
Kompressoren mit diskontinuierlicher Regelung wer- der Auftraggeber hinterher zu jedem einzelnen Mess-
den an einen Datalogger angeschlossen, welcher zeitpunkt genau weiß, wie hoch der Anteil an Lecka-
Vollast, Leerlauf und Stillstandszeiten der Kompres- gen und wie groß der Nutzlastanteil (prozentual) ist.
soren erfasst (s. Abb. 7). Dies erfolgt durch die Berechnung der Druckabfälle
und deren Gradienten, die mittels eines mathemati-
Data logger
schen Algorithmus eine Idealkurve ergeben. Die Ide-
digital alkurve wird mit den real gemessenen Kurven vergli-
chen (s. Abb. 8).

analog 8,0 100%


P-Transmitter
Opto-Koppler 40-20 mA
7,8 80%

7,6 60%
Druck

7,4 40%

7,2 20%
Druck Nutzanteil
7,0 0%
1:40:00 1:40:28 1:40:57 1:41:32 1:42:01 1:42:30

Abb. 7: Digitale Lastzeiterfassung Zeit

Abb. 8: Leckagemessverfahren bei laufendem Betrieb


Fakten Messtechnik
Seite 5 von 5

Die Ergebnisse sind die relativen Anteile der Nutzlast Wenn in einem Druckluftrohr turbulente Strömung
bzw. der Leckagen zum jeweiligen Zeitpunkt. Werden herrscht und zudem besondere Randströmungen
gleichzeitig die Durchflüsse oder Verdichterlaufzeiten vorhanden sind, ist die Probe an einem Ort zu ent-
erfasst, lassen sich die relativen Werte in absolute nehmen, an dem sichergestellt ist, dass sie eine re-
Verluste umrechnen. präsentative und verwertbare Mischung aller Be-
standteile der Druckluft enthält. Dies ist nur mit einer
Bitte beachten: sogenannten isoknetischen Probenentnahme (s. Abb.
• Der Vorteil des Verfahrens besteht darin, dass eine 10) zu gewährleisten.
Berechnung der Leckagen während der Betriebs-
phase möglich ist. Es eignet sich daher besonders
für Betriebe mit kontinuierlicher Produktion.

Leckagemessung durch
Druckluftbehälterentleerung
Eine vereinfachte Leckagemessung ist auch über
eine Messung mittels Druckbehälter möglich. Hierbei
wird der Behälter auf den Maximaldruck, der im Sys-
temdruck benötigt wird, erhöht und die Zeit gemes- 1. Probeentnahme Sonde in Hauptleitung
sen, die auf Grund der Leckagen bis zu einem 2. Einstellbare Buchse zum Befestigen der Sonde
3. Druckluftleitungsquerschnitt „D“
Druckabfall von 1 bis 2 bar vergeht (s. Abb. 9). 4. Einschraubtiefe min. „3 x D“
5 Durchflussrichtung
6. Mindestlänge der Einlaufstrecke = 10 x D
7 9

Abb. 10: Isoknetische Probeentnahme


 = VB × ( pA − pE )
VL t
Leckagemenge
Zuleitung
abgesperrt Für die einzelnen Schadstoffklassen – etwa nach
 = Leckagemen ge
VL
VB = Druckbehältervolumen • ISO 8573-2: Ölaerosolgehalt
pA = Druckbehälteranfangs druck
pE = Druckbehälterenddruc k
• ISO 8573-3: Wassergehalt
Werkzeuge
außer Betrieb t = Messzeit • ISO 8573-4: Partikelgehalt
• ISO 8575-5: Öldampf- und Kohlenwasserstoffgehalt
• ISO 8573-6: gasförmige Verunreinigungen
Abb. 9: Leckagemessung durch Druckluftbehälterentleerung
• ISO 8573-7: mikrobiologische Verunreinigungen

Luftqualitätsmessungen nach ISO 8573 sind jeweils die in den Normen beschriebenen Mess-
systeme der Entnahmestelle nachzuschalten.
Für exakte Luftqualitätsmessungen ist die Art und
Weise der Probenentnahme besonders wichtig. Die Luftqualitäten werden in ISO 8573-1 klassifiziert.

Die Kampagne „Druckluft effizient“ hat zum Ziel, die Betreiber von Druckluftanlagen zur Optimierung ihrer Systeme zu motivieren und dabei
erhebliche Kosten einzusparen. Sie wird von der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Fraunhofer-Institut Systemtechnik und
Innovationsforschung (Fraunhofer ISI, Gesamtprojektleitung) und dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit
Unterstützung des Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) und den folgenden Industrieunternehmen durchgeführt.
Atlas-Copco BEKO Technologies BOGE Kompressoren
domnick-hunter Energieagentur NRW Gardner Denver Wittig
GASEX Gebr. Becker Ingersoll-Rand
Kaeser Kompressoren Legris – TRANSAIR METAPIPE
Schneider Druckluft systemplan, Karlsruhe Thyssen Schulte – MULTIPLAST
ultra air ultrafilter International ZANDER Aufbereitungstechnik
Weitere Informationen finden Sie unter www.druckluft-effizient.de
 Druckluft effizient, Fraunhofer ISI, Karlsruhe, August 2003
Drucklufterzeugung für Industrie,
Handwerk und Gewerbe
Welche Kompressorbauarten
gibt es?
In der Praxis findet man vorwiegend Kolben-,
Schrauben-, und Turbokompressoren. Darü-
ber hinaus gibt es Membran-, Vielzellen-,
Spiral-, Drehzahn- und Drehkolbenkompres-
soren.

KOMPRESSOREN
Verdränger- Turbo-
kompressoren kompressoren

Oszillierend Rotierend Radial Axial Abb. 2: Leistungspotenziale von Verdichterbauarten

Hubkolben Membran einwellig zweiwellig


Verdichtungsprinzip
~

Vielzellen
Spiral- Drehzahn-
Schrauben Drehkolben Kolbenkompressoren
kompressor kompressor
Hubkolbenkompressoren arbeiten nach dem Ver-
Abb. 1: Verdichterbauarten drängungsprinzip. Der Kolben saugt während des
Abwärtshubes Luft aus der Atmosphäre über das
Saugventil an. Zu Beginn des Aufwärtshubes schließt
das Saugventil. Die Luft wird über das Druckventil
Fakten Erzeugung
Seite 2 von 5

ausgestoßen. Kolbenkompressoren sind mehrzy-


lindrig (hohe Liefermengen) oder mehrstufig (hohe
Drücke). Turbolaufrad

dreistufiger
Zentrifugal-
kompressor

Abb. 3: Kolbenkompressor Abb. 5: Turbolaufrad und Zentrifugalkompressor

Schraubenkompressoren Druckbereiche von Schraubenkom-


Schraubenkompressoren arbeiten nach dem Ver- pressoren
drängungsprinzip. Zwei parallele, mit unterschiedli-
chem Profil versehene Drehkolben, arbeiten gegen- Rotationskompressoren
läufig in einem Gehäuse. Schraubenkompressoren
gibt es bis zu Antriebsleistungen von 1000 kW. Der
Antrieb erfolgt über Getriebe, Keilriemen oder direkt. fluidgekühlt trockenlaufend

Wasser Öl

einstufig einstufig zweistufig einstufig zweistufig

bis 13 bar bis 14 bar bis 20 bar bis 3,5 bar bis 10 bar
bis 160 kW bis 600 kW bis 200 kW bis 500 kW bis 1000 kW
Schraubenelemente Verdichtungsprinzip

Abb. 4: Schraubenelemente und Verdichtungsprinzip luft - oder wassergekühlt

Einspritzgekühlte Schraubenkompressoren verdich- Abb. 6: Druckbereiche von Schraubenkompressoren


ten einstufig bis auf 15 bar und zweistufig bis auf
20 bar Höchstdruck. Ölfrei verdichtende Schrauben-
kompressoren arbeiten einstufig bis 3 bar und zwei- Leistungsmessung ISO 1217
stufig mit Zwischenkühlung bis 10,5 bar. Damit bei Anhang C
ölfrei verdichtenden Schraubenkompressoren Haupt-
und Nebenläufer sich nicht berühren, werden beide Leistungsmessungen für Schraubenkompressoren
über ein Synchrongetriebe angetrieben. werden nach ISO 1217 Anhang A beschrieben. An-
hang B beschreibt die Leistungsmessungen der Ver-
dichterstufen, während Anhang C für die kompletten
Turbokompressoren Schraubenkompressor-Anlagen anzuwenden ist.
Turbokompressoren sind dynamische Verdichter, bei
denen mit Schaufeln versehene Laufräder das zu Volumenstrom
verdichtende Gas beschleunigen.
Der Volumenstrom (Liefermenge) der Kompressoren
Feststehende Leitapparate an den Schaufeln wan- wird nach der vorgegebenen Messmethode bei
deln Geschwindigkeitsenergie in Druckenergie um. Höchstdruck am Druckluftaustritt der Gesamtanlage
Turbokompressoren verdichten ölfrei meist bei gro- gemessen und auf die Ansaugbedingungen zurück-
ßen Fördermengen. Sie verdichten einstufig bis gerechnet.
2 bar, zweistufig bis 7 bar. Die Verdichtung ist bis zu
20 Stufen möglich. Ansaugbedingungen:
Ansaugtemperatur +20 °C
Ansaugdruck 1 bar
Relative Luftfeuchtigkeit 0%
Kühlwassertemperatur +20 °C
Fakten Erzeugung
Seite 3 von 5

Kennzeichnet die gem. ISO 1217, C empfohlenen Messpunkte für:


MV = Volumenstrom
ML = Leistungsaufnahme
BV = Bezugspunkt Volumenstrom
Alle anderen genannten Mess-/Bezugspunkte entsprechen nicht der ISO-Norm,
da sie nicht den Kompressor als komplette Einheit erfassen.
Kompressor-
Ansaug- Drossel- element Ölabscheider
Wasser-
filter klappe Nachkühler ab-
scheider
MV

BV MV

Lüfter
mit Motor
Antriebsmotor Schaltschrank

ML

Abb. 7: Leistungsmessung nach ISO 1217

Elektrische Leistungsaufnahme ISO 1217: 1996 (PN2 CPT)


Lüftermotor, falls separater Lüftermotor
kWh vorhanden Volumenstrom Spezifische Leistungs-
Gesamte bei angegebenen Volumenstrom Leistungs- aufnahme im
0 00
elektrische
Leistungsauf- Bedingungen aufnahme Leerlauf*)
nahme Kompressorwellenleistung: unter 0,5 m3/min +/- 7 % +/- 8 % +/- 20 %
Benötigte mechanische
Leistung in kW an der 0,5 – 1,5 m3/min +/- 6 % +/- 7 % +/- 20 %
Innere Motorverluste Kompressorantriebswelle
enthalten im 1,5 – 15 m3/min +/- 5 % +/- 6 % +/- 20 %
Motorwirkungsgrad Motor-Nennleistung:
mechanische Wellen- über 15 m3/min +/- 4 % +/- 5 % +/- 20 %
Motorabgabeleistung: leistung in kW, die der
Motor bei 100 % Belas- Die o. g. Toleranzen enthalten die Herstellungstoleranzen des Kompressors
mechanische Leistung
in kW, die der Motor
tung abgeben kann inkl. der Messtoleranzen für die bei der Abnahme gemessenen Werte.
an der Welle abgibt Angabe auf dem Motor- *) falls vom Hersteller angegeben
Typenschild
Verluste für Antrieb Übertragungs- Tab. 1: Spezifischer Leistungsbedarf nach ISO 1217
des Kühlerventilators verluste durch Riemen/Getriebe

Abb. 8: Kraft- und Leistungsfluss bei Kompressoren


Kompressorräume und Kompressor-
aufstellung (VDMA 4363)
Leistungsaufnahme
Die beim Verdichten erzeugte Wärme – und das ist
Unter der elektrischen Leistungsaufnahme ist die fast alle Energie, die dem Kompressor aus dem elekt-
gesamte Leistungsaufnahme aller Motoren (Antriebs- rischen Leitungsnetz zugeführt wird – muss wieder
und Lüftermotor) aus dem elektrischen Leitungsnetz abgeführt werden. Die zulässigen Temperaturen im
zu verstehen. Kompressorraum sind im VDMA-Einheitsblatt 4363
festgehalten. Sie liegen zwischen +5 °C und +40 °C.
Spezifischer Leistungsbedarf Ist die Temperatur zu niedrig, dann besteht die Ge-
fahr des Einfrierens der Kompressor-Sicherheitsor-
Bei den Normen zur Leistungsmessung ist fest-
gane. Ist die Temperatur zu hoch, dann kann es zu
gehalten, welche Toleranzen der spezifische Leis-
Problemen bei der Überlastung von Bauteilen kom-
tungsbedarf (elektrische Leistungsaufnahme dividiert
men.
durch Liefermenge) haben darf.
Abhängig von den örtlichen Gegebenheiten können
Kompressoren bis ca. 250 kW Antriebsleistung in
luftgekühlter Ausführung eingesetzt werden. Besteht
Fakten Erzeugung
Seite 4 von 5

keine Möglichkeit der Wärmeabfuhr durch zu hohe Kompressorraum selbst keine saubere Kühlluft zur
Kühlluftmengen, dann ist die Wärme durch Kühlwas- Verfügung steht.
ser abzuführen. Die Betriebskosten der wasserge-
kühlten Kompressoren liegen ca. 30 % über denen Wasserkühlung
der luftgekühlten.
Bei großen abzuführenden Wärmemengen, das heißt
bei großen Kompressoren oder bei der Aufstellung
Belüftung von Kompressorräumen
mehrerer Kompressoren in einem Raum, ist die erfor-
Unterstützte Konvektion (mit Ventilator, ohne Kanäle)
derliche Kühlluftmenge oft nicht problemlos bereitzu-
l geringe Investitionskosten stellen. Dann müssen die Maschinen mit Wasser
l geringer technischer Aufwand gekühlt werden. Voraussetzung ist natürlich, dass
l automatische Raumlufterwärmung beim Betreiber Kühlwasser vorhanden ist. Frischwas-
im Winter
ser scheidet von vorn herein wegen der hohen Kos-
Zu beachten:
ten aus. An offene oder geschlossene Kühlwasser-
l nur bei kleinen/mittleren Kom-
pressorleistungen anwendbar kreisläufe können Kompressoren problemlos ange-
l Raumerwärmung um ∆ t = 5-10 K, schlossen werden. Vor der Entscheidung für die
daher erhöhte Ventilationsluftmenge
erforderlich
Wasserkühlung muss sicher gestellt sein, dass der
l Gefahr bei warmer Ansaugluft.
Kühler der Kompressoren auch für die Qualität des
Kühlwassers ausgelegt ist. Aggressives Kühlwasser
Abb. 9: Natürliche Be- und Entlüftung bei kleinen Antriebsleis- benötigt Kühler mit resistenten Materialien.
tungen
Ein weiterer Punkt wird gern vergessen: Trotz Was-
serkühlung muss die im Kompressor von einzelnen
Bauteilen abgestrahlte Wärme auch noch abgeführt
Entlüftung über Abluftkanal
werden. Dafür wird eine, wenn auch relativ kleine,
l mittlerer Investitionsaufwand Kühlluftmenge benötigt.
l mittlerer technischer Aufwand
l Kühllufterwärmung um ∆ t = 25 K,
daher geringe Ventilations-
luftmenge erforderlich
Wärmerückgewinnung
l nur geringe Erwärmung des
Kompressorraums
Raumheizung
l Umluftklappe ermöglicht Heizen
l Schallreduzierung. Die wirtschaftlichste Art der Wärmerückgewinnung ist
die Ausnutzung der Verdichterwärme für die Raum-
Abb. 10: Kanalisierte Abluftführung bei größeren Kompressoren heizung. Voraussetzung hierfür ist ein luftgekühlter
Kompressor, über den die Kühlluft gezielt hinwegge-
führt wird. Wirtschaftlich ist diese Art der Wärmerück-
Luftkühlung gewinnung deshalb, weil alle Wärme, auch die abge-
Die einfachste Art der Wärmeabfuhr geschieht mittels strahlte Wärme im Kompressor, ausgenutzt wird. Die
Kühlluft. Nun muss die kalte Kühlluft dem Kompres- erwärmte Kühlluft muss über ein Kanalsystem wei-
sor zu- und die erwärmte Kühlluft vom Kompressor tergeführt werden. Dabei ist zu beachten, dass mög-
wieder abgeführt werden. Dazu ist die ausreichende lichst kurze Wege eingehalten werden. Denn erstens
Menge vom Anwender zur Verfügung zu stellen. Die bedeuten lange Wege Druckverluste im Kanal, die
Kühlluft kann jeweils durch freie Öffnungen zugeführt wiederum nur durch einen Zusatzventilator zu kom-
und wieder abgeführt werden. Reicht diese natürliche pensieren sind und zweitens treten bei langer Ver-
Be- und Entlüftung, die vorwiegend bei kleinen Kom- weilzeit der Kühlluft im Kanal Wärmeverluste auf.
pressoren Anwendung findet, nicht aus, dann muss Eine Alternative wären isolierte Kanäle, die aber auch
entweder die Zu- oder die Abluftführung durch einen höhere Investitionskosten bedeuten.
Ventilator unterstützt werden. Reicht das auch noch Zu beachten ist, dass bei der Amortisationszeit der
nicht aus, dann sind Zu- und/oder Abluft über einen Wärmerückgewinnung durch Raumheizung natürlich
Kanal zu führen. Bei langen Kanälen ist zur Überbrü- nur die Wintermonate herangezogen werden können.
ckung von Druckverlusten im Kanal ein Zusatzventi- Im Sommer wird die Abwärme über eine Weiche im
lator anzubringen. Besondere Steuerungen lassen im Kanal nach außen geführt.
Winter einen Mischluftbetrieb zu. Über eine Jalousie-
klappe wird dabei aus dem Kompressorraum warme
Heizungswassererwärmung
Luft mit der von außen angesaugten kalten Luft
vermischt. Das Zuführen von Kühlluft über Kanäle Bei Schraubenkompressoren mit Öleinspritzung führt
von außen ist auch dann zu bevorzugen, wenn im das Öl ca. 72 % der zugeführten elektrischen Energie
ab. Diese Energie kann zurückgewonnen werden.
Fakten Erzeugung
Seite 5 von 5

Dabei spielt es keine Rolle, ob der Schraubenkom- Druck sich bei einem Öldurchbruch ändert. Über
pressor luft- oder wassergekühlt ist. Zur Wärmerück- einen Druckschalter wird ein Signal zum Ausschalten
gewinnung wird das Öl über einen Wärmeaustau- des Systems gegeben. Bei diesem System kann
scher geführt, der Heizungswasser um 50 K bis zu Brauchwasser um ca. 35 K auf ca. 55 °C erwärmt
70 °C erwärmen kann. Der Wärmeaustauscher ist in werden. Im Gegensatz zur Erwärmung von Hei-
der Regel ein Plattenwärmeaustauscher, der eine zungswasser ist eine Amortisation uneingeschränkt
sehr hohe Wärmeausnutzung zulässt, platzsparend über das ganze Jahr möglich.
untergebracht werden kann und eben diese hohen
Wassertemperaturen ermöglicht.
Druckluft
Zu beachten ist hierbei, dass natürlich nur dann Hei- Ölkreislauf
zungswasser erwärmt wird, wenn der Kompressor im
Lastbetrieb arbeitet. Da nicht immer Lastbetrieb an-
steht und somit auch nicht immer warmes Wasser
abgegeben wird, kann die Heizungswassererwär-
mung durch Wärmerückgewinnung nur zur Unterstüt-
zung des Heizungskreislaufs dienen. Die Amortisa-
tion der Wärmerückgewinnung bei diesem Einsatzfall
ist deshalb nur in den Wintermonaten möglich.

Brauchwassererwärmung
Bei den Plattenwärmeaustauschern der Heizungs-
wassererwärmung kann es bei schadhaften Platten
zu einem Durchbruch kommen, so dass sich Wasser
und Öl vermischen. Damit nun kein mit Öl ver-
schmutztes Wasser in den Abfluss gelangen kann, Kaltwasser
Warmwasser
wird bei der Brauchwassererwärmung ein Sicher-
heitswärmeaustauscher eingesetzt. Zwischen der Öl- Abb. 12: Brauchwassererwärmung eines öleinspritzgekühlten
und der Wasserseite ist eine Trägerflüssigkeit, deren Kompressors

Die Kampagne „Druckluft effizient“ hat zum Ziel, die Betreiber von Druckluftanlagen zur Optimierung ihrer Systeme zu motivieren und dabei
erhebliche Kosten einzusparen. Sie wird von der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Fraunhofer-Institut Systemtechnik und
Innovationsforschung (Fraunhofer ISI, Gesamtprojektleitung) und dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit
Unterstützung des Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) und den folgenden Industrieunternehmen durchgeführt.
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Kaeser Kompressoren Legris – TRANSAIR METAPIPE
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Weitere Informationen finden Sie unter www.druckluft-effizient.de
 Druckluft effizient, Fraunhofer ISI, Karlsruhe, August 2003
Steuerung
Steuerungen in Kompressoren- Regelungen
stationen werden sowohl bei der Steuerungen
Drucklufterzeugung als auch bei
übergeordnet intern
der Druckluftaufbereitung einge-
setzt. Diese Fakten behandeln
Druckband Kaskade kontinuierlich diskontinuierlich
die Steuerungen, die die Druck-
lufterzeugung dem Druckluftver-
brauch anpassen (s. Abb. 1). seriell lastabhängig Drehzahl Ventile Vollast Durchlauf Vollast
Leerlauf Stillstand
Aus-
setzen
FU Gepulster
Interne und übergeordne- Gleichstrom

te Regelung (Steuerung) Dralldrossel Saugdrossel


Man unterscheidet innerhalb der
Kompressorenstation zwischen in- Abb. 1: Steuerung von Druckluftanlagen
ternen und übergeordneten Rege-
lungen der Kompressoren. Inter-
ne Regelungen sind dafür verantwortlich, die jeweili- Regelungsarten intern
ge Kompressoreneinheit an die geforderten Luftver-
bräuche anzupassen und dabei durch eine optimale Bei den internen Regelungsarten unterscheidet man
Koordination der internen Steuerungsvorgänge, eine zwischen diskontinuierlichen und kontinuierlichen Re-
Überlastung der Kompressoreneinheit zu verhindern. gelungen.
Da moderne Kompressorenstationen im Normalfall
aus mehreren Einzelkompressoren bestehen, ist die Diskontinuierliche Regelung
Aufgabe der übergeordneten Regelung, die Einzel-
Die Vollast-Leerlauf-Aussetzregelung ist derzeit eine
anlagen optimal auszulasten und ihren Einsatz ge-
der am häufigsten vorkommenden Regelungen bei
mäß dem tatsächlichen Luftverbrauch zu koordinie-
nicht drehzahlgeregelten Antrieben. Erreicht der Be-
ren und zu überwachen.
Fakten Steuerung
Seite 2 von 5

triebsdruck die eingestellte untere Druckgrenze pmin,


so wird der Kompressor gestartet und fördert Druck- Messwertgeber
luft. Bei Erreichen von pmax wird der Kompressor nicht Liegen bei mechanischen Druckschaltern die erfor-
stillgesetzt, sondern geht in Leerlauf durch Druck- derlichen Druckgrenzen mitunter bis zu einem bar
entlastung. Wird während der Leerlaufzeit pmin er- auseinander, so sind heute mittels moderner Druck-
reicht, so geht der Kompressor von dort wieder in aufnehmer Druckdifferenzen auf 0,2 bar reduzierbar.
Vollast. Bei einem geringen Luftverbrauch wird nach
Ablauf einer Leerlaufzeit der Kompressor in Stillstand Beachten:
gesetzt (Abb. 2). • Energieeinsparung durch kleines ∆p
• Hohe Wiederholgenauigkeit
Druck • Große Druckkonstanz
pmax • Keine universelle Austauschbarkeit.
pmin

100
Vollast Kontinuierliche Regelung
80
t1
60 t1
Motordrehzahlregelung
40
Leerlauf
20 Die gängigsten Möglichkeiten bei modernen Kom-
Stillstand
Motorleistung in %
Zeit pressoren Drehzahländerungen herbeizuführen, sind
entweder die Drehzahländerung über Frequenzum-
Abb. 2: Einsatzbereich Spitzenlastkompressor richtung oder über Gleichstrommodulation. In beiden
Fällen werden die Anlagen bei einer Druckgrenze pmin
Beachten: gestartet. Die Motoren fahren dann entlang einer
Kennlinie auf eine Drehzahl, die durch das Verhältnis
• Schnelle Reaktion
Ist-Druck zu Regeldruck gekennzeichnet wird.
• Hohe Schalthäufigkeit ohne Motorüberlastung
Liegt der Luftverbrauch außerhalb des Regelberei-
• Bei schlechter Auslastung Energieverbrauch ches der Maschine, so wird je nach Folgesteuerung
Leerlauf. die Anlage in Stillstand oder Leerlauf geschaltet
Bei Leerlaufregelung mit optimierter Leerlaufzeit wird (Abb. 4).
die Nachlaufzeit, in Abhängigkeit der Druckschwan-
kungen über die Zeit und der Motorgröße, variiert und
trägt damit besonders bei Grundlastmaschinen zu Druck
erheblichen Einsparungen im Bereich der Leerlauf- pmax
PR
pmin
kosten bei (Abb. 3). A B C D E F GH I K L
Vollast
100
80
t1
Druck 60 t2
t3 t1
pmax 40
Leerlauf
20
pmin
Stillstand
A BC D E F GHIK L MNOPQ RS T U V W Motorleistung in %
Zeit
Vollast
100
t1 t1 t3 t3
80
t3 t5 t6 t1 t8 Abb. 4: Einsatzbereich Spitzenlastkompressor
60
t2 t4 t7
40
Leerlauf
20

Stillstand
Beachten:
Zeit
Motorleistung in %
• Gute Regelbarkeit
Abb. 3: Einsatzbereich Grundlastkompressor • Schnelle Reaktion
• Konstanter Druck +/- 0,1 bar
Beachten: • Gute Energieausnutzung im Regelbereich zwi-
• Niedrigstmöglicher Leerlaufanteil schen 40 und 80 %
• Gute Energieausnutzung • Geringe Energieausnutzung bei Auslastung
• Längere Reaktionszeit. > 80 %, < 40 %
• Hohe Investitionskosten
Diskontinuierlich geregelte Anlagen haben eine Ge-
meinsamkeit, sie werden über Druckgrenzen pmax und • E-Netzrückwirkungen.
pmin geregelt. Für die Wirtschaftlichkeit der Regelungsart ist die Kenn-
linie des Reglers, des Motors und des Verdichter-
blocks im Teillastbereich ausschlaggebend (Abb. 5).
Fakten Steuerung
Seite 3 von 5

10,5 Eingesetzt wird diese Regelungsart im Bereich von


Niederdrucksystemen (z. B. Gebläsen) oder auch bei
9,5
dynamischen Verdichtern.
Bei dynamischen Verdichtern wird mit dieser Rege-
kW / (m3/min)

8,5
lung auch das Leistungsverhalten beeinflusst, jedoch
geht dies nur in einem relativ kleinen Regelbereich
(Abb. 7).
7,5

6,5
15 25 35 45 55 65 75 85 95

Druck
Auslastung in %

Abb. 5: Spezifisches Leistungsverhalten eines drehzahlgeregel-


ten Kompressors

Regelbereich
Ansaugdrosselregelung
Maschinen mit Ansaugdrosselregelung sind norma- Abblasebereich Volumen

lerweise Kompressoren, die eine Vollast-Leerlauf-


Aussetzregelung haben und mit einem zusätzlichen Abb. 7: Abblaseregelung
Regler versehen sind. Dieser wird auf einen Regel-
druck eingestellt. Wird dieser Regeldruck erreicht, Beachten:
wird je nach Abweichung des Regeldrucks im Plus-
Minus-Bereich das Einlassventil des Kompressors • Lineares Leistungsverhalten im Regelbereich
geschlossen oder geöffnet. Bei Verdrängerverdich- • Regelbereich normalerweise ca. 20-30 % ohne
tern handelt es sich hierbei lediglich um eine Redu- Abblaseregelung (hoher Energieverlust).
zierung des Volumenstroms, die nur geringfügigen
Einfluss auf das Leistungsverhalten des Kompressors Übergeordnete Regelung
hat (Abb. 6).
Bei übergeordneten Regelungssystemen unterschei-
det man zwischen Kaskaden- und Druckbandrege-
Leistung
lung.
100 %
Kaskadenregelung
80 %
70 % Die bekannteste Art der Koordination ist die soge-
nannte Druckkaskade; hierbei ist jedem Kompressor
ein bestimmter Schaltbereich durch die übergeord-
Leerlauf nete Regelung zugewiesen (Abb. 8).
20 %

Kompressor 1
Kompressor 2
100 % 50 % 10 % Liefermenge
Kompressor 3
Druckband

Kompressor 4
Gesamtes

Abb. 6: Regelung des Volumenstroms durch Ansaugdrosselung Kompressor 5

Beachten:
• Geringe Kosten
• Großer Regelbereich 100 % bis 10 % Abb. 8: Kaskadenregelung
• Extrem schlechte Energieausnutzung.
Beachten:
Abblaseregelung • Druckband, dadurch vermeidbarer Energie-
Als Abblaseregelung werden Regelungen bezeichnet, verbrauch (je bar ca. 6-10 % Energie-Mehr-
bei denen der Kompressor verdichtete Luft in die verbrauch)
Atmosphäre abbläst und damit die Förderleistung an • Keine Rücksicht auf den aktuellen Luftverbrauch
den tatsächlichen Luftverbrauch angleicht. • Nur bis maximal 4 Kompressoren zu empfehlen.
Fakten Steuerung
Seite 4 von 5

Bei gleich großen Kompressoren werden, je nach Lauf-


zeiten der Kompressoren oder über eine Zeitschal-
tung, die Kompressoren in Grund-, Mittel- und Spit-
zenlast vertauscht, um eine gleichmäßige Auslastung 1 x 15 m3/min
zu erreichen. Mitunter werden bei der Verschaltung
von 4 Kompressoren in einer Druckkaskade bei Ein-
satz von Membrandruckschaltern oder Kontaktma-
nometern Druckspreizungen von bis zu 2 bar benö-
tigt, um die Anlagen ordnungsgemäß zu schalten.
Der Einsatz moderner Drucksensoren ermöglicht die 1 x 15 m3/min 1 x 15 m3/min
Verringerung der Druckspreizung bei 4 Kompresso-
ren auf 0,7 bar.

Druckbandregelung
1 x 7,5 m3/min 1 x 7,5 m3/min
Moderne übergeordnete Steuerungssysteme nutzen
die Möglichkeit, beliebig viele Anlagen über ein
Druckband zu steuern; die kleinste Steuerungsdiffe-
renz ist 0,2 bar (Abb. 9). Der Vorteil dieser Steue-
rungsart ist eine Reduzierung des max. Druckes in 1 x 9 m3/min 1 x 6 m3/min 1 x 6 m3/min
der Druckluftstation, somit Verringerung der primären
Energiekosten und der Verluste in der Druckluftsta- Abb. 10: Möglichkeiten der Aufteilung der Drucklufterzeugung
tion.
Zur Verbesserung der Überwachung und zur Dar-
stellung der Prozesse innerhalb einer Druckluftstation
Unterschiedliche Druckschwankungen und können diese übergeordneten Regelungen nicht nur
Druckeinsparung bei herkömmlichen Grund-
lastwechselschaltungen (Kaskadensteuerungen) die Daten der Kompressoren, sondern auch Daten
und modernen Kompressorverbundsteuerungen
(Druckbandsteuerungen) der jeweiligen Aufbereitungs- und Verteilungssyste-
7,5 me in einer Druckluftstation erfassen und diese dann
Druckschwankung herkömmlicher
Grundlastwechselschaltung über eine entsprechende Leittechniksoftware an eine
7,0 zentrale Leitstelle weitergeben (Abb. 11).

6,5 Service-Center weltweit

oberer Abschaltdruck ãModem


Modem
6,0 Netzdruck
unterer Abschaltdruck
ã Telefon
Telefon ãLeitwarte
Leitwarte
Sicherheit Zeit

Druckschwankung bei Bandsteuerungen

ã
Modem
Modem
Abb. 9: Druckbandregelung

ãLeitebenen -Netzwerk Leitebenen-Netzwerk


Ethernet
Ethernet
Erweiterungsmöglichkeiten mit über-
geordneten Regelungen ã HAUPTANTRIEB STEHT, BREMSE IST AKTIVIERT

übergeordnete
ã WERKZEUGWECHSEL VORBEREITEN

ãVesis
Erweiterte Druckbandregelungen können auch ver- Regelung

schiedene Kompressorengrößen lastabhängig aus-


ã-DP Prozess-Profibus-DP
wählen und bei entsprechendem Druckluftbedarf mit-
einander koordinieren. Die richtige Auswahl der Kom-
pressorengrößen verhindert, dass sogenannte Regel-
löcher entstehen (Abb. 10). Regellöcher können ent-
stehen bei falscher Abstufung der Kompressoren und
Kompressoren
einer Diskrepanz zwischen geförderter Luftmenge
und Druckluftbedarf. Abb. 11: Einsatz von Leittechnik zur Kompressorensteuerung
Fakten Steuerung
Seite 5 von 5

Einsparpotenzial Gängige
Kompressor- z-Werte/h bei
Übergeordnete Steuerungen können durch Druckab- • leistung Motorschaltung:
senkung und bessere Koordination gemäß EU-Studie V1 • (x - x2) 7,5 kW 30
ein energetisches Einsparpotenzial von durchschnitt- VB = 30 kW 15
z • ∆p 110 kW 8
lich 12 % erreichen. Optimierte interne Steuerungen
250 kW 4
können durch Reduzierung der internen Steuerungs-
verluste ein energetisches Einsparpotenzial von durch- VB = Volumen des Druckluftbehälters [m³]
schnittlich 15 % erreichen. •
V1 = Liefermenge des schaltenden Kompressors [m³/h]

V2 = Spitzenverbrauch minus Durchschnittsverbrauch [m³/h]
• •
x = V2 : V1 = Auslastungsfaktor [m³/h]
Speicherung von Druckluft
z = zulässiges Schaltspiel [1/h]
Die Energie der Druckluft ist gespeichert in den ∆p = Druckdifferenz EIN/AUS [bar]
Rohrleitungen und Behältersystemen. Druckluftver- z ≈ 45 für Schraubenkompressoren (Volllast; Leerlauf)
braucher arbeiten häufig extrem diskontinuierlich. Die Ein "Daumenwert": (x - x2) ≈ 0,25
Förderung von Druckluft mittels Kompressoren muss
dabei mit dem diskontinuierlichen Luftverbrauch in Abb. 12: Dimensionierung zentraler Druckluftspeicher
Einklang gebracht werden. Speicherbehälter stellen
hierbei das Rückrat der Wirtschaftlichkeit einer Dezentraler Puffer
Druckluftstation dar. Sie sollten eher größer als zu
klein ausgewählt werden. Der Einfluss der Speicher- Der dezentrale Puffer dient häufig dazu, Druckluft-
behälter auf die Wirtschaftlichkeit einer Druckluftsta- verbraucher, die schlagartig große und kurzzeitige
tion ist dabei abhängig, wie groß der Druckverlust Verbräuche haben, mit Druckluft zu versorgen und
zwischen Messpunkt der Steuerung und dem Ort der dabei einen Druckeinbruch im restlichen Druckluft-
Druckluftspeicherung ist. Im Normalfall sollte er nicht netz zu verhindern. Er muss entsprechend der Lauf-
größer als 0,1 bar sein. Bei Pufferbehältern unter- zeit dem Luftverbrauch und den erlaubten Druck-
scheidet man heute zwischen dezentralen Puffern schwankungen des dezentralen Verbrauchers aus-
und zentralen Puffern in einem Druckluftsystem. gewählt werden (Abb. 13).

Einsatz als:
Zentraler Puffer •
V•t l Puffer bei kurzer aber heftiger
Der zentrale Pufferbehälter in einer Druckluftstation VB =
∆p Druckluftentnahme
dient in erster Linie dazu die Schalthäufigkeit von l als "Notstromaggregat"
Kompressoren zu minimieren. Darüber hinaus ver-
hindert er zu große Druckschwankungen im Druck- VB = Volumen des Druckluftbehälters [m³]

luftsystem. Er sollte entsprechend den Berech- V = Luftverbrauch [m³/min]

nungsformeln ausgewählt werden, wobei eine Grö- t = Zeit des Luftverbrauchs [min]
∆p = Erlaubter Druckabfall [bar]
ßerdimensionierung als der Minimalwert, der in den
Formeln berechnet wird, der Wirtschaftlichkeit der Zu beachten: Ersetzt nicht über längere Zeit den Kompressor
Druckluftstation zu gute kommt (Abb. 12).
Abb. 13: Dimensionierung dezentraler Druckluftspeicher

Die Kampagne „Druckluft effizient“ hat zum Ziel, die Betreiber von Druckluftanlagen zur Optimierung ihrer Systeme zu motivieren und dabei
erhebliche Kosten einzusparen. Sie wird von der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Fraunhofer-Institut Systemtechnik und
Innovationsforschung (Fraunhofer ISI, Gesamtprojektleitung) und dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit
Unterstützung des Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) und den folgenden Industrieunternehmen durchgeführt.
Atlas-Copco BEKO Technologies BOGE Kompressoren
domnick-hunter Energieagentur NRW Gardner Denver Wittig
GASEX Gebr. Becker Ingersoll-Rand
Kaeser Kompressoren Legris – TRANSAIR METAPIPE
Schneider Druckluft systemplan, Karlsruhe Thyssen Schulte – MULTIPLAST
ultra air ultrafilter International ZANDER Aufbereitungstechnik
Weitere Informationen finden Sie unter www.druckluft-effizient.de
 Druckluft effizient, Fraunhofer ISI, Karlsruhe, August 2003
Druckluftaufbereitung
Die Qualität der Druckluft ohne Aufbereitung ist heute klassen eingeteilt. Die Hersteller von Druckluftver-
für die meisten Anwendungen nicht mehr ausrei- brauchern können so benötigte Qualität definieren.
chend und würde zu einer Qualitätsminderung der mit
der Druckluft in Verbindung kommenden Produkte
Drucklufttrocknung
führen. Es kann zu Störungen an Produktionsanlagen
bis hin zum Produktionsausfall oder der Unbrauch- Die unterschiedlichen Verfahren der Drucklufttrock-
barkeit von Produkten führen, sprich eine deutliche nung können unter Berücksichtigung der erreichba-
und mitunter kritische Minderung der Produktqualität. ren Drucktaupunkte und der hierzu notwendigen
Die Anwendung der Druckluft entscheidet über die Energie wie in Abb. 1 dargestellt unterteilt werden: Je
geforderte Druckluftqualität. nach System wird der Energiebedarf als Druckluft
oder als elektrische Energie aufgenommen.
Maximale Anzahl von Teilchen/m³ Druck- Rest-
Klasse

Teilchen Größe d (µm) taupunkt Ölgehalt * Eine indirekte elektrische Leistungs-


0,1< d ≤ 0,5 0,5 < d ≤ 1 1<d≤5 (°C) (mg/m³) Watt/m³ aufnahme ergibt sich aus dem Mehr-

Energiebedarf durch direkte oder indirekte


20 bedarf an Druckluft, um die Spül- bzw.
Ads Regenerationsverluste der Systeme
Me
0 spezifiziert gemäß Anwendung und besser als Klasse 1 elektrische Leistungsaufnahme o
(kalt rption
rege str
mb
ra n
(z. B. kaltregenerierende Adsorptions-
trockner) zu kompensieren.
neri ock t ro
eren ner ckn
14 d)
1 100 1 0 ≤ -70 0,01 er

10 Adso
rp
2 100.000 1.000 10 ≤ -40 0,1 (exte
rn wa tionstr
rmreg ockn
eneri e
erendr
)
3 – 10.000 500 ≤ -20 1
3 Druckluftkältetrockner
Drucktaupunktklasse
4 – – 1.000 ≤ +3 5
1 (-70 °C) 2 (-40 °C) 3 (-20 °C) 4 (+3 °C) 5 (+7 °C) 6 (+10 °C)
5 – – 20.000 ≤ +7 – Adsorptionstrockner Druckluftkältetrockner

Membrantrockner (nur für kleine Volumenströme)


Tab. 1: Qualitätsklassen nach DIN-Norm ISO 8573-1

Abb. 1: Verfahren der Lufttrocknung


Die maximalen Belastungen mit Partikeln, Wasser
und Öl wird in der DIN-Norm ISO 8573-1 in Qualitäts-
Fakten Druckluftaufbereitung
Seite 2 von 7

Kältetrockner
Kälte-Drucklufttrockner sind heute in Druckluftnetzen
Stand der Technik und ebenso wichtig wie der Druck-
lufterzeuger selbst. Zudem ist er für die Vielzahl der
Anwendungsfälle das wirtschaftlichste Verfahren.
Physikalische Grundlage:
Mit sinkender Temperatur verringert sich die Fähig-
keit der Druckluft, Wasser mit sich zu führen. Bei
fallender Temperatur kondensiert Wasserdampf zu
Wasser. Der Kälte-Drucklufttrockner entzieht der Druck-
luft den mitgeführten Wasserdampf. Hierbei wird die
Druckluft in einem Wärmeaustauschersystem gekühlt.
Wasser- und Öldampf werden durch Kondensation,
Öl durch Koagulation und Koalition entzogen. Ableit-
Abb. 3: Wärmetauscher mit integriertem Kondensatabscheider
systeme führen das Kondensat ab.
(Demister)

Druckluft-
Druckluft- austritt
eintritt Adsorptionstrockner
T = 27 °C
T = 35 °C 1
Adsorptionstrockner entziehen der Druckluft die mit
geführte Feuchtigkeit durch das Trockenmittel. Wäh-
rend im ersten Behälter die Adsorption stattfindet,
erfolgt zeitgleich im zweiten Behälter die Regenera-
T = 18 °C 2 tion. Es werden Drucktaupunkte zwischen -20 und
T = 0 °C T = 0 °C -70 °C mit Standardprodukten erreicht. Für die Rege-
neration stehen unterschiedliche Verfahren zur Ver-
fügung. Abhängig von der Regenerationsart erfolgt
die Einteilung in kalt- und warmregenerierte Adsorpti-
onstrockner.
4
5 3 Kaltregeneration
Zur Regeneration dieser Adsorptionstrockner wird ein
Teil der bereits getrockneten Druckluft auf atmosphä-
1 Luft/Luft-Wärmetauscher
Luftkreislauf 2 Luft/Kältemittel-Wärmetauscher rischem Druck entspannt.
3 Kondensatabscheider + Einfache Technik
Kältemittelkreislauf
4 Kältemittelverdichter
5 Kältemittelverflüssiger + geringe Investitionskosten
– Druckluftverbrauch
Abb. 2: Funktionsweise der Kältetrockner
– hohe Betriebskosten.
Die wirtschaftliche Kälte-Drucklufttrocknung ist in
zwei Phasen unterteilt. In der ersten Phase wird
durch die bereits gekühlte, austretende Druckluft die
warme einströmende Druckluft im Luft-/Luft-Wärme-
tauscher gekühlt. Hier fallen bereits ca. 70 % des an-
fallenden Wasserdampfes aus. In der zweiten Phase
durchströmt die Druckluft einen Kältemittel-/Luft-
Wärmetauscher. Hier findet die Abkühlung auf dem
geforderten Drucktaupunkt statt. Der Kondensatab-
scheider ist dem Wärmetauschersystem nachge-
schaltet. Hier findet die Separation des Kondensates
von der Druckluft statt.
Integrierte Wärmetauschersysteme, die Luft-/Luft-Wär-
metauscher, Kältemittel-/Luft-Wärmeaustauscher und
Kondensatabscheider in einer Baukomponente inte-
grieren, sind durch niedrigere Differenzdrücke gegen- Abb. 4: Kaltregeneration
über Einzelverrohrung energieeffizienter.
Fakten Druckluftaufbereitung
Seite 3 von 7

Warmregeneration Steuerung
Die Regeneration erfolgt mit erwärmter Umgebungs- Alle kalt- oder warm-regenerierten Adsorptionstrock-
luft oder erwärmter Luft aus dem System. ner sind mit einer zeitabhängigen Steuerung ausge-
rüstet. Je nach Steuerungsumfang als herstellerspe-
Gebläseregeneration: zifische Variante oder SPS. Eine optionale Ergän-
In der Heizphase fördert ein Gebläse Umgebungsluft zung ist die beladungsabhängige Steuerung. Am
durch die Heizung. Die erwärmte Luft transportiert die Trockneraustritt registriert ein Sensor die Änderung
Feuchtigkeit aus dem Trockenmittelbett. Zur Kühlung des Drucktaupunktes. Er passt den Zyklus des Trock-
wird Umgebungsluft und Druckluft verwendet. ners automatisch an die Lastsituation an. Die bela-
+ Geringere Betriebskosten durch Heizen mit dungsabhängige Steuerung kompensiert mögliche
Dampf oder elektrischer Energie Teillastsituationen und reduziert Betriebskosten.
– Druckluftverbrauch in der Kühlphase. + Minimale Betriebskosten auch im Teillastbetrieb
+ kontinuierliche Taupunktmessung zur Qualitäts-
Warmregeneration ohne Druckluftverbrauch: kontrolle.
Durch Modifikation im Aufbau und Verfahrensweise
wird das Trockenmittelbett mit Umgebungsluft ge- Membrantrockner
kühlt. Diese Adsorptionstrockner unterscheidet man
in Gebläse-, Saugkühlungs- oder Vakuumregenerati- Der Membrantrockner ist eine Ergänzung und Alter-
onsanlagen. native zu den angestammten Kälte- und Adsorptions-
trocknern. Vor allem als Endstellentrockner bei kleins-
+ Geringere Betriebskosten durch Heizen mit
ten Druckluftmengen, nicht kontinuierlichem Betrieb
elektrischer Energie oder Dampf
oder Anwendungen ohne elektrische Energie hat sich
+ kein Druckluftverbrauch in der Kühlphase der Membrantrockner bewährt.
– höhere Investitionskosten
Herzstück dieser Membran-trockner sind Polymer-
– bei hoher Feuchtigkeit in der Umgebungsluft Hohlfasermembranen, die Wasserdampf leicht hin-
bedingt einsetzbar. durch diffundieren lassen.
Kompressorwärme-Regeneration:
Beim Einsatz ölfrei verdichtender Kompressoren in
Kombination mit Adsorptions-trockner wird die bei der Filtration
Kompression entstehende Wärme gezielt für die Re-
generation des Adsorptionstrockners genutzt. Druck- Sie wird eingesetzt, um Verunreinigungen aus der
taupunkte von -30 °C und besser sind bei geeigneten Druckluft hochgradig zu entfernen.
Kompressoren sichergestellt.
Zu diesen Verunreinigungen zählen hauptsächlich der
+ Nutzt die Verdichtungswärme zur Regeneration Ölnebel von ölgeschmierten bzw. öleinspritzgeküh-
+ kein Druckluftverbrauch lten Kompressoren sowie Feststoffverunreinigungen
– nur mit ölfreien Kompressoren. und Kohlenwasserstoffe aus der Umgebungsluft, die
dann in der Druckluft in konzentrierter Form enthalten
sind. Zur Gewährleistung der heute benötigten Druck-
luftqualität ist eine Aufbereitung zwingend erforderlich.
Durch ein gestiegenes Umweltbewusstsein sowie
verstärkte Maßnahmen zum Schutze der Gesundheit
am Arbeitsplatz werden heute aber auch Anforderun-
gen an die Emissionswerte der nach einem Verbrau-
cher expandierten Druckluft gestellt, speziell im Be-
zug auf Ölnebel, der z. B. direkt aus einem Druckluft-
zylinder oder einer Blasedüse an die Umgebungsluft
abgegeben wird.
Filter verbrauchen aber auch Energie. Obwohl einem
Filter keine eigene Energie zugeführt wird, wird den-
noch Energie durch den vom Filter verursachten
Druckabfall (Differenzdruck) verbraucht, die von dem
vorgeschalteten Kompressor aufzubringen ist. Dabei
gilt folgende Regel:

Abb. 5: Warmregeneration
Fakten Druckluftaufbereitung
Seite 4 von 7

Je höher der Filtrationsgrad,


d. h. je besser die Reinheit der 2250
gefilterten Luft, desto höher 110 kW

Jährliche Energiekosten in Euro


Betriebsparameter:
2000
der Differenzdruck, d. h. desto 6000 BSt./Jahr
0,06 Euro/kWh
1750
mehr Energie muss der vor-

Kompressorleistung
1 bar ≈ 8 % mehr Energie
geschaltete Kompressor 1500
75 kW
aufbringen. 1250

1000
Filter sind also notwendig, kosten
45 kW
aber auch Energie und somit Geld. 750
Wichtig ist es daher, je nach Anwen- 500
30 kW
22 kW
dung die richtige Aufbereitungsqua- 250 11 kW
lität zu wählen. Hilfestellung gibt hier
0
die ISO 8573-1 oder der Hersteller
0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5
selbst.
Druckabfall in bar
Es macht also durchaus Sinn, sich
Gedanken darüber zu machen, wel- Abb. 6: Energiekosten durch Druckabfall
cher Grad an Druckluftreinheit wirk-
lich erforderlich ist, um so individuell
den oder die Filter mit dem niedrigst
möglichen Differenzdruck für seine
Anwendungen zu wählen. Welche Investitions-
kosten Differenzdruck = Betriebskosten
Einsparpotenziale damit verbunden
sind, zeigt Abb. 6. Dort ist aufge- 0,7 bar = 200 % Elementkosten
zeigt, welche Energiekosten vom 0,6 bar = 170 % Elementkosten
Kompressor verursacht werden, um 0,5 bar = 145 % Elementkosten
Kosten
den durch einen Filter verursachten Filter- 0,4 bar = 115 % Elementkosten
Druckabfall auszugleichen. Die Kos- element 0,3 bar = 85 % Elementkosten
ten hierfür können mehrere tausend 0,2 bar = 60 % Elementkosten
Euro pro Jahr betragen und über-
0,1 bar = 25 % Elementkosten
schreiten die Anschaffungs- bzw.
Austauschkosten des Elements bei Betriebszeit
weitem. Durch die Wahl des richti-
gen Filters mit dem niedrigst mög- Abb. 7: Typischer Differenzdruckverlauf; Energiekosten in Verhältnis zu Filterelementkosten
lichen Differenzdruck können folglich
enorme Einsparungen erzielt werden.
Ebenso bedeutend ist der rechtzeitige Austausch von Bleibt zuletzt der Punkt der Betriebssicherheit eines
mit Schmutz beladenen und somit im Differenzdruck Filters. Dieses Kriterium hängt primär von der Quali-
gestiegenen Filterelementen. Wie in Abb. 7 ersicht- tät der eingesetzten Werkstoffe, der Qualität der Her-
lich ist, steigt der Differenzdruck eines neuen Filter- stellung und den konstruktiven Eigenschaften des
elementes zunächst sehr langsam an. Je länger das Filters ab. Hier ist individuell der Aufbau der Filter zu
Element in Betrieb ist, desto schneller steigt der Diffe- bewerten. Zusammenfassend die Kriterien für einen
renzdruck. Bei einem Nichtwechsel übersteigen die Filter:
Kosten zur Deckung des zusätzlichen Differenzdru- Filtrationsleistung
ckes den Preis eines Austauschelementes mitunter
+ Betriebssicherheit
um ein Vielfaches. In der Regel:
+ Differenzdruck
Elementewechsel einmal pro Jahr, = Gesamtbetriebskosten
spätestens bei einem Differenzdruck von
350 mbar. Die Summe dieser drei Kriterien bestimmt dann die
Gesamtbetriebskosten des Filters, Ausfallkosten
Ausgenommen von dieser Regel sind Aktivkohlefil- durch unzureichende Filtrationsleistung bzw. durch
terelemente. Dort gilt die Regel: ein Versagen des Filters bereits eingeschlossen.
Standzeit der Elemente max. 1.500
Betriebsstunden bzw. 3 Monate, abhängig
von der Eintrittstemperatur und dem
Ölgehalt mitunter sogar deutlich geringer.
Fakten Druckluftaufbereitung
Seite 5 von 7

Vorabscheidung ßer Wasser und Öl weiterhin alle durch den Verdich-


ter angesaugten Bestandteile der Umgebungsluft.
Der erste Aufbereitungsschritt in einem Druckluft- Diese werden aufkonzentriert und führen zur Konta-
system ist die Abscheidung von freiem Kondensat in mination des Kondensates.
der Druckluft. An dem Kompressoraustritt wird hierzu
ein Zyklonabscheider oder ein Druckbehälter ver- Folgen des Kondensates auf die Druckluftanlage:
wendet. Der Druckbehälter ist hier das einfachste Kondensat, egal ob ölhaltig oder ölfrei, führt zu star-
System. Durch die Absenkung der Strömungsge- ken Korrosionsschäden im Leitungsnetz sowie bei
schwindigkeit und eine Abkühlung der Druckluft an den nachgeschalteten Prozessen. Während ölfreie
der großen Behälteroberfläche sammelt sich das Kondensate aufgrund des pH-Wertes mehr säureartig
Kondensat am unteren Behälterboden und kann ab- wirken, führen ölhaltige Kondensate mehr zum Ver-
geleitet werden. Der Zyklonabscheider nutzt mit harzen und Verkleben. Die geforderte Luftqualität,
seinem Wirbeleinsatz die Massenträgheit zur Ab- auch bei geringer Klasse, kann nicht mehr erreicht
scheidung. Beide Systeme verbessern die Leis- werden.
tungsfähigkeit der Druckluftaufbereitung, da erhebli-
che Mengen Kondensat hier abgleitet werden. Beide Wo fällt das Kondensat an?
Komponenten ersetzen keine Drucklufttrocknung, da Kondensat fällt immer dann an, wenn die Temperatur
nach diesen Abscheidern die Druckluft mit 100 % in der Druckluft den Drucktaupunkt unterschreitet.
Wasserdampf gesättigt ist und durch jede weitere Das geschieht in Nachkühlern, Kesseln, Zyklonab-
Abkühlung wieder freies Wasser ausfällt. scheidern, Filtern, Trocknern sowie in den Leitungs-
netzen. Die größten Mengen Kondensat werden am
Kondensattechnik Punkt des größten Temperaturgefälles nach der Ver-
dichtung abgegeben.
Ein zwangsläufig anfallendes Nebenprodukt bei jeder
Drucklufterzeugung ist Kondensat. Dieses Kondensat
entsteht durch die in der angesaugten Luft enthaltene
Luftfeuchtigkeit. Bei der Verdichtung und damit ver- Kondensatableitung
bundenen Temperaturerhöhung liegt diese Feuchtig- Aufgrund der hohen Kosten durch Folgeschäden
keit zunächst als Dampfphase vor. Da nach der Ver- muss der Kondensatableitung in der Druckluft ein
dichtung nur noch ein Bruchteil des ursprünglichen sehr hoher Stellenwert zugeordnet werden. Bei der
Volumens vorhanden ist, kommt es zur Übersättigung Kondensatableitung sind drei Verfahren üblich:
der Luft. Bei Abkühlung fällt die Luftfeuchtigkeit als
Kondenswasser aus. Dieses Kondensat enthält au-
Schwimmersteuerung:
Das Kondensat wird in einem Sam-
melbehälter aufgefangen. Je nach
Kondensatanfall öffnet ein Schwim-
mermechanismus ein Ventil.
+ Geringe Investition
– hohe Schmutzempfindlichkeit
– keine Überwachungsmög-
lichkeiten.
Zeitgesteuerte Ventile:
Ein über eine Zeitsteuerung ge-
schaltetes Ventil öffnet in einem fes-
ten Intervall.
+ große Öffnungsquerschnitte
+ auch in Hochdruckversion
Kondensatanfall je Zyklonabscheider Kessel Druckluft- Filter
verfügbar
10 Normkubikmeter im Nachkühler Kältetrockner
– Druckluftverlust
Winter 25 g/m³ 3,5 g/m³ 3,5 g/m³ -- – hoher Energieaufwand
Frühjahr/Herbst 28 g/m³ 6 g/m³ 9,5 g/m³ 2 g/m³
– keine Überwachungs- und
Sommer 53 g/m³ 9,5 g/m³ 21,5 g/m³ 3 g/m³ Funktionskontrolle.
Abb. 8: Kondensatanfall nach Jahreszeiten
Fakten Druckluftaufbereitung
Seite 6 von 7

Statische Öl-Wasser-Trennsysteme:
Bei diesem Verfahren wird das Kondensat in einem
Trennbehälter einer definierten Verweilzeit ausge-
setzt. Die leichteren Ölbestandteile steigen auf und
setzen sich an der Oberfläche ab. Feine Restbe-
standteile und sonstige Substanzen werden in einer
nachgeschalteten Aktivkohlestufe ausfiltriert. Dieses
Verfahren ist immer dann ausreichend, wenn das
Kondensat in disperser Form vorliegt.
+ Einfaches System
+ schnelle Amortisierung.

Abb. 9: Zeitgesteuertes Ventil

Elektronisch niveaugeregelte Ableiter:


Ein im Kondensatsammelraum befindlicher Sensor
leitet bei Erreichung eines Sollwertes die Entleerung
des Kondensatableiters ein.

Abb. 11: Statisches Öl-Wasser-Trennsystem

Emulsion-Spaltanlagen auf Adsorptionsbasis:


Bei diesem Verfahren wird dem vorgereinigten Kon-
densat ein Reaktionstrennmittel auf Tonerdebasis
zugefügt. Im Trennmittel enthaltene Elektrolyte bre-
chen die Öl-Wasser-Bindung auf und spalten somit
die Emulsion. Die Ölsubstanzen und sonstigen Be-
standteile des Kondensates werden von der Tonerde
adsorbiert und aus dem Wasser ausfiltriert. Nur der
entstandene Reststoff wird der Entsorgung zugeführt.
Ultrafiltration:
Abb. 10: Niveaugeregelter Ableiter
Bei der Ultrafiltration wird das Kondensat im Kreislauf
unter Druck durch eine Membrane mit definierter
+ Energiesparen
Porenweite filtriert. Dabei werden die Ölbestandteile
+ keine Druckluftverluste zurückgehalten und aufkonzentriert, während das
+ Störmeldungen und Alarmfunktionen. Wasser gereinigt wird. Das Wasser wird auch hier
ohne eine weitere Filtration dem Abwassersystem
Kondensataufbereitung zugeführt. Das Emulsionskonzentrat wird der Entsor-
Kompressorenkondensat ist im Sinne des Gesetzge- gung zugeführt.
bers ein besonders überwachungsbedürftiger Abfall. In jedem Fall muss beim Kauf von Geräten und Aus-
Für die Aufbereitung der Kondensate stellt der Ge- tauschteilen auf die bauaufsichtliche Zulassung ge-
setzgeber zwei Möglichkeiten zur Wahl. Entweder die achtet werden, da ansonsten eine kostspielige Ein-
sachgerechte Entsorgung durch legitimierte Fachfir- zelabnahme der Geräte durch die örtlichen Behörden
men, oder eine Aufbereitung vor Ort mit geeigneter durchgeführt werden muss.
und zugelassener Kondensataufbereitungstechnik.
Kondensate liegen entweder als disperses Öl-Was-
sergemisch oder stabile Emulsion vor. In der Praxis
haben sich die folgenden Verfahren durchgesetzt.
Fakten Druckluftaufbereitung
Seite 7 von 7

Fazit
Druckluftqualitätsklassen
Druckluftaufbereitung in Druckluftnetzen ist heute nach ISO 8573-1
Partikel Rest-
Stand der Technik. Die Grundanforderung an diese T(S)F
wasser
Restöl

Aufbereitungstechnik ist die zuverlässige und hoch- Behälter Kälte- TF AK OF 0-1 4 0


gradige Beseitigung von prinzipbedingten Verunreini- Kompressor trockner
0-1 4 0
gungen und Feuchtigkeit aus der Druckluft. Diese T(S)F
Verunreinigung führt zu Qualitätsminderungen und TF AF 0-1 4 0

Störungen bis hin zum Produktionsausfall oder der Feuchte verunreinigte Luft 0-1 4 0
Zentral getrocknete Luft
Unbrauchbarkeit von Produkten. Wie aufwendig TF
diese Aufbereitung sein muss und welche Betriebs- AF = Aktivkohlefilter 0-1 4 1
AK = Aktivkohleadsorber
kosten dafür aufzuwenden sind, kann durch einen OF = Oberflächenfilter OF
2 4 3
3 7 4
Vergleich der am Markt befindlichen Produkte und die TF = Tiefenfilter
T(S)F = Tiefen-(Steril-)Filter
Auswahl der am besten für eine Anwendung geeig- 4 7 4

neten Systeme deutlich beeinflusst werden.


Abb. 12: Druckluftqualitäten bei Einsatz von Kältetrocknern
Im Bereich der Druckluftaufbereitung gilt es vor allem
die optimale Qualität zu erreichen. Energie- und be-
triebskostenoptimal ist es, die Anforderung der An-
Druckluftqualitätsklassen
wendung zu erfüllen. Über- und Unterschreitungen nach ISO 8573-1
dieser Anforderung erfordern erhöhte Betriebs- oder Rest-
Partikel wasser Restöl
T(S)F
Energiekosten. Abb. 12 und 13 geben einen Über- Adsorptions- 0-1 0-3 0
AK OF
blick, mit welcher Reihenfolge und Auswahl von Auf- Behälter
Kompressor
TF
trockner
2 0-3 0
bereitungsprodukten entsprechende Druckluftqualität
erreicht werden kann. T(S)F
TF 1 0-3 1
Feuchte verunreinigte Luft
Das vorhandene Einsparpotenzial liegt dabei pro Teil- Zentral getrocknete Luft
1 0-3 1
komponente bei bis zu mehreren Tausend Euro. AK = Aktivkohleadsorber
OF

Speziell durch den regelmäßigen Wechsel der Filter- OF = Oberflächenfilter


TF = Tiefenfilter 2 0-3 1
elemente innerhalb der vorgeschriebenen Intervalle T(S)F = Tiefen-(Steril-)Filter
werden deutliche Einsparungen erzielt und somit die
Betriebskosten minimiert. Abb. 13: Druckluftqualitäten bei Einsatz von Adsorptionstrocknern
Die ernsthafte Auseinandersetzung mit der installier-
ten oder neu zu planenden Druckluftanlage ist eine
Investition, die sich mitunter sehr schnell amortisiert
hat.

Die Kampagne „Druckluft effizient“ hat zum Ziel, die Betreiber von Druckluftanlagen zur Optimierung ihrer Systeme zu motivieren und dabei
erhebliche Kosten einzusparen. Sie wird von der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Fraunhofer-Institut Systemtechnik und
Innovationsforschung (Fraunhofer ISI, Gesamtprojektleitung) und dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit
Unterstützung des Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) und den folgenden Industrieunternehmen durchgeführt.
Atlas-Copco BEKO Technologies BOGE Kompressoren
domnick-hunter Energieagentur NRW Gardner Denver Wittig
GASEX Gebr. Becker Ingersoll-Rand
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ultra air ultrafilter International ZANDER Aufbereitungstechnik
Weitere Informationen finden Sie unter www.druckluft-effizient.de
 Druckluft effizient, Fraunhofer ISI, Karlsruhe, August 2003
Druckluftverteilung
Energieeinsparung bei der hälter zur Kupplung an der Wandscheibe sollte
Druckluftverteilung 0,1 bar nicht übersteigen. Bei optimal ausgelegten
Druckluftnetzen unterteilt man den Druckabfall in:
Eine optimale Druckluftverteilung ist eine
Energieleitung wie ein Stromkabel, die möglichst ≤ 0,03 bar für die Hauptleitung
verlustfrei Druckluftenergie transportiert, d. h. mit ≤ 0,03 bar für die Verteilerleitung
geringster Reduzierung ≤ 0,04 bar für die Anschlussleitung
• des Fließdruckes (Druckabfall durch Leitungseng- ≤ 0,3 bar für das Anschlusszubehör.
punkte)
Genauso wie die Wirtschaftlichkeit der
• der Luftmenge (Leckagen) und Verdichter dokumentiert ist, sollte auch die
• der Luftqualität (Rost, Schweißzunder, Wasser etc.) Leistungsfähigkeit der Druckluftverteilung
dokumentiert sein – das Fehlen einer
Leitungsführung Dokumentation führt immer zur Energie-
vergeudung.
In der Praxis werden Druckluftleitungen (Haupt- und
Zuführungsleitungen) häufig aus Unkenntnis und Hauptleitung (HL):
unter Außerachtlassung von energetischen Sie verbindet die Erzeugerstation (Kompressoren-
Gesichtspunkten ausgewählt, mit dem Ergebnis, dass raum) mit dem Verteilernetz. Die Hauptleitung sollte
in 80 von 100 Betrieben (EU-Studie) oft 50 % und so dimensioniert sein, dass für zukünftige Erweite-
mehr der Druckluftenergie vernichtet werden, bevor rungen Reserven vorhanden sind.
sie zu den Verbrauchern gelangt.
Verteilerleitung (VL):
Die richtige Planung eines Netzes hat direkten Ein- Sie verteilt die Luft innerhalb eines Verbraucherab-
fluss auf die Leistung der Maschinen und die Kosten schnittes. Sie kann als Stich- oder Ringleitung bzw.
der Druckluftproduktion. Suchen Sie den richtigen als Ringleitung mit integrierten Stichleitungen ausge-
Durchmesser unter Berücksichtigung des ge- legt werden.
wünschten Volumenstroms und des zulässigen
Druckabfalls aus. Der Druckabfall vom Druckluftbe-

Fakten
Fakten Druckluftverteilung
Seite 2 von 4

NL = 10 m
Pe = 6 bar
Q = 25 l/s Begriffserklärung
∆p = 0,04 bar entscheidender Faktoren
HL = Hauptleitung
VL = Verteilerleitung VL Øi = mm
AL = Anschlussleitung
AL Fließdruck
Trotz jahrzehntelanger Aufklä-
rungsarbeit der Hersteller wird die
Mehrzahl aller Druckluftwerkzeu-
ge nur mit einem Fließdruck zwi-
HL ∆p < 0,9 bar schen 3 und 5 bar beaufschlagt,
Kompressor
das sind 1-3 bar zu wenig. Die
Manometer an den Reglern und
HL Wartungseinheiten vor den Werk-
NL = 100 m
zeugen zeigen den statischen
Pe = 6 bar
Q = 200 l/s Druck an. Doch nicht der treibt die
∆p = 0,03 bar Werkzeuge an, sondern der dy-
VL namische, der Fließdruck.
Øi = mm
Weitere Beeinträchtigungen des
Fließdruckes entstehen durch zu
NL = 150 m
2 geringe Rohrquerschnitte und
Pe = 6 bar verwinkelte Rohrführungen. Bei
Q = 100 l/s
der Auslegung müssen des weite-
2 ren für alle Verbinder die entspre-
∆p = 0,03 bar
chenden äquivalente Längen mit
Øi = mm eingeplant werden.

Abb. 1: Benennung der Leitungssegmente

Luftmenge
Anschlussleitung (AL):
Sie ist die Verbindung zwischen Verteilung und Ma- Bei über Jahre „gewachsenen“ Druckluftverteilungs-
schinen- oder Anlagenzapfstelle. Die Anbindung der systemen aus unterschiedlichsten Werkstoffen, ver-
Anschlussleitung an der Verteilung soll nach oben schiedenen nicht optimalen Durchmessern, mehr
aus der Verteilung geführt werden, um zu vermeiden, oder weniger korrosionsfesten Materialien und unter-
dass Kondensat mit der Luft austritt. schiedlichsten Verbindungsarten, kann die Leckage-
rate zwischen 25 und 35 % liegen. Leckagen kosten
Anschlusszubehör: viel Geld. Sie sind die fleißigsten Verbraucher, die
Diese Systemkomponenten sind häufig die kritischen 365 Tage im Jahr arbeiten.
Punkte eines Systems und bedürfen ebenfalls großer
Aufmerksamkeit. Kupplungen, Schläuche, Spiralen Luftqualität
oder Wartungseinheiten führen häufig wegen falscher Wünschenswert sind korrosions- und oxydationsfeste
Auslegung zu eklatanten Energieverschwendungen. Premium-Rohrsysteme, die speziell für Druckluftan-
Zusätzlich finden sich hier auf kurzem Raum viele wendungen entwickelt wurden. Ein System sollte so
Verbindungen, die leckagebehaftet sein können. gewählt sein, dass die durch die Erzeugung und Auf-
bereitung erzeugte Luft durch die Rohre auch nach
langer Zeit nicht in ihrer Qualität beeinträchtigt wird.
Fakten Druckluftverteilung
Seite 3 von 4

Fließdruck am Luft-
Werkzeug verbrauch
(Pe bar) % Maßnahme Kosten
8,0
7,0
125
111
} Regler
drosseln
Energievergeudung Bei Vergleichen der Investitionskosten sollten Materi-
al und Montagekosten der verschiedenen Rohrsys-
6,3 bar 100 % optimale Leistung teme verglichen werden, da es keine allgemeingültige
6,0 96 Formel für das „richtige Rohrmaterial“ gibt. Daher
überproportionaler sollte der individuelle Bedarfsfall mit seiner jeweiligen
5,0
4,0
77
61
} Druck
erhöhen
Produktivitäts-
rückgang
technischen Anforderung im Vordergrund stehen.

3,0 44 Bis auf Edelstahl liegen die Kosten unterschiedlicher


Rohrwerkstoffe nicht so weit auseinander, so dass
Tab. 1: Beziehung zwischen Fließdruck und Luftverbrauch bei den jährlichen Abschreibungsbeträgen die Unter-
schiede so gering sind, dass sie negiert werden kön-
nen.
Entscheidend ist aber auch die Wahl der richtigen
Loch-
durch- Luftverlust Energieverlust Kosten Nennweite. Hier entstehen bei zu geringen Durch-
messer bei 6 bar bei 12 bar bei 6 bar bei 12 bar bei 6 bar bei 12 bar messern erhebliche Folgekosten. Wer hier bei den
mm l/s l/s kWh kWh € €
Anschaffungskosten spart, muss bei den Folgekosten
1 1,2 1,8 0,3 1,0 144 480 tief in die Tasche greifen (s. Tab. 3).
3 11,1 20,8 3,1 12,7 1.488 6.096
5 30,9 58,5 8,3 33,7 3.984 16.176
10 123,8 235,2 33,0 132,0 15.840 63.360 Sanierung im Bereich der Druckluftverteilung
(*) kW x 0,06 € x 8.000 Bh/a Generell sollte aus wirtschaftlichen und ökologischen
Tab. 2: Jährliche Energiekosten durch Leckage Gründen nicht lange mit einer Leitungskontrolle ge-
wartet werden. Doch auch dabei sollte Schritt für
Schritt vorgegangen werden, und blinder Aktionismus
vermieden werden.
Rohrinnen-
Investitions-
Energiekosten zur Große Einsparpotenziale in der Druckluftverteilung
Durch- Druckabfall Kompensation des können auf Basis einer schnellen Grobdiagnose wie
kosten
messer Druckabfalls
folgt ermittelt werden:
1. 90 mm 0,04 bar à 10.000 € à 150 € p. a.
• Luftqualität
2. 70 mm 0,2 bar à 7.500 € à 600 € p. a.
3. 50 mm 0,86 bar à 3.000 € à 3.270 € p. a. • Leckagen
• Druckabfällen
Tab. 3: Folgekosten durch zu geringe Durchmesserwahl

Entspricht die Luftqualität den Anforderungen?


Dies ist neben der Art der Druckluftaufbereitung vor
Speicherung allem auch eine Frage, ob das Leitungssystem korro-
sionsfest ist. Entspricht die Luft an den Verbrauchern
Ein weiterer Einflussfaktor für die Luftqualität und die noch den (produzierten) Werten am Ausgang der
Luftmenge ist die Speicherung der Druckluft. Druck- Erzeugung? Ölkohleablagerungen/Wasseranfall, Rost
luftspeicher direkt nach der Erzeugung, auch "zentra- oder Zinkgeriesel (wenn auch nur in Teilbereichen)
le Speicherung" genannt, beeinflussen die Luftqualität machen oft neben einer zentralen Druckluftaufberei-
insoweit, als das direkte Kondensat abgeschieden tung zusätzlich teure Wartungseinheiten an jeder
wird. Des Weiteren wird durch einen Speicher die Entnahmestelle erforderlich.
Möglichkeit geboten, eine wesentlich größere Luft-
menge innerhalb kurzer Zeit anzufordern, als dies der
Kompressor schlagartig leisten könnte. Hier gibt es –
je nach Einsatzfall im Betrieb – auch die Möglichkeit,
"dezentrale Speicher" direkt am Verbraucher einzu-
setzen. Weitere Informationen zum Thema Speiche-
rung von Druckluft finden Sie auch in den „Druckluft
effizient“-Fakten Steuerung und Aufbereitung.
Fakten Druckluftverteilung
Seite 4 von 4

Weist das System Leckagen auf? Ein wirtschaftliches Konzept kann von jedem Druck-
Durch eine Lastaufzeichnung der Kompressoren, die luftfachbetrieb erstellt werden!
dann mit den vorhandenen Abnahmen verglichen
wird, kann die Leckagemenge bestimmt werden.
Oftmals ist eine akribische Betrachtung des
Dringend zu berücksichtigen ist hierbei aber, dass
kompletten Systems, von der Erzeugung
sowohl bei „geöffneten“ wie auch „geschlossenen“
und Aufbereitung über die Verteilung bis
Verbrauchern gemessen wird, da Leckagen am An-
hin in die Mechanismen der Maschine,
schlusszubehör und in den Maschinen diese Mes- durch Messungen ein (zeit-)aufwendiges
sungen verfälschen könnten. Muss, welches sich aber schnell und auf
Unter „Leckagen“ könnte man auch die Folgen von Dauer für einen Betrieb – gleich welcher Art
Überverdichtungen in der Auswirkung an den Werk- und Größe – gewinnbringend auszahlt.
zeugen betrachten. Ein Werkzeug, das 6 bar benö-
tigt, aber mit 7 oder 8 bar beaufschlagt wird, vergeu- Der Pflege der teuersten Energiequelle, die
det erhebliche zusätzliche Luftmengen. zudem produktionsentscheidend ist, sollte
Wie hoch ist der Druckabfall? die Sorgfalt entgegengebracht werden, die
es auch tatsächlich verdient !!!
Dieser kann durch zu enge Querschnitte entstehen.
Bei „gewachsenen“ Netzen wurden im Laufe der Zeit
immer mehr Verbraucher an immer längere Haupt-
leitungen angeschlossen, ohne das diese den Anfor-
derungen entsprechend neu dimensioniert wurden.
Eventuell wurde sogar nur die Kompressorenleistung
erhöht. Nach Vorlage der Diagnose, unter Berück-
sichtigung aller drei Kriterien, kann eine wirtschaftlich
sinnvolle Sanierung festgelegt werden: Entweder sind
Teilbereiche zu sanieren oder bei Zusammentreffen
aller Negativerscheinungen ist möglicherweise unter
Kosten-/ Nutzengesichtspunkten ein neues Netz die
wirtschaftlichste Lösung. Solche Sanierungen kosten
oft erheblich weniger als die jahrelange Energiever-
geudung – die Amortisationszeiten sind sehr kurz.

Die Kampagne „Druckluft effizient“ hat zum Ziel, die Betreiber von Druckluftanlagen zur Optimierung ihrer Systeme zu motivieren und dabei
erhebliche Kosten einzusparen. Sie wird von der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Fraunhofer-Institut Systemtechnik und
Innovationsforschung (Fraunhofer ISI, Gesamtprojektleitung) und dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit
Unterstützung des Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) und den folgenden Industrieunternehmen durchgeführt.
Atlas-Copco BEKO Technologies BOGE Kompressoren
domnick-hunter Energieagentur NRW Gardner Denver Wittig
GASEX Gebr. Becker Ingersoll-Rand
Kaeser Kompressoren Legris – TRANSAIR METAPIPE
Schneider Druckluft systemplan, Karlsruhe Thyssen Schulte – MULTIPLAST
ultra air ultrafilter International ZANDER Aufbereitungstechnik
Weitere Informationen finden Sie unter www.druckluft-effizient.de
 Druckluft effizient, Fraunhofer ISI, Karlsruhe, August 2003
Gesamtsystemoptimierung
Stationen der Optimierungsbetrachtung: oftmals in die Zuständigkeit von gänzlich „technikfer-
nen“ Abteilungen und wurde dort so „nebenbei“ mit-
1. Bestandsaufnahme: Beurteilung des Ist- betreut. Dieser „Wildwuchs“ wurde noch durch den
Zustands Vorteil der Druckluft „Ihrer Unfallsicherheit“ gefördert
2 Engineering – Konzeption bzw. verstärkt. Dass die Druckluft eine der teuersten
Energien ist, wurde dabei oftmals aus den Augen
3. Gesamtsystembetrachtung verloren.
4. Schnittstellenreduzierung Durch die Betrachtung des Gesamtsystems mit sei-
5. Wirtschaftlichkeit der Drucklufterzeu- nen vielfältigen Stellschrauben sind, teilweise mit
gung geringem Aufwand, ganz beachtliche Einsparungen
zu erzielen. Hierbei gibt es aber einige Dinge zu be-
6. Systemnachführung – Systemoptimie-
achten, wobei hier die Lieferung von Denkanstößen
rung
und Hilfestellungen für die Praxis im Vordergrund
7. Outsourcing der Druckluftversorgung steht.
8. Organisatorische Änderungen. Im Folgenden werden einige Möglichkeiten der Anla-
genoptimierung im Rahmen einer Gesamtsystembe-
Die Optimierung von Komplettsystemen ist im Zeital-
trachtung dargestellt.
ter der Rationalisierung in Industrieanlagen auch in
der Drucklufttechnik ein sehr wichtiges Werkzeug zur
Effizienzsteigerung.
Bestandsaufnahme:
Beurteilung des Ist-Zustands
Erscheint es zu Beginn einer Betrachtung meist, als
wäre in den vergangenen Jahrzehnten die Planung Das Druckluftsystem besteht aus den
und Projektierung der entsprechenden Druckluftanla- Bereichen:
ge und eventueller Erweiterungen zu kurz gekom- Ø Erzeugung
men, so erweist sich die Problematik bei näherer Ø Aufbereitung
Betrachtung doch als vielschichtiger. So fiel bei- Ø Verteilung
spielsweise in der Vergangenheit die Druckluftanlage
Ø und zugehörige Verbraucher.
Fakten Gesamtsystemoptimierung
Seite 2 von 4

Zur Beurteilung des Anlagenzustandes sollte durch Anlagenbestand darauf hin geprüft werden, was für
die Aufnahme des Anlagen-, Raum- und Rohrsche- den weiteren Betrieb der Anlage hinsichtlich Zustand,
mas ein erster Überblick über den Ist-Zustand der Altersstruktur, Energieeffizienz usw. noch weiterge-
Anlage gewonnen werden. Mit Hilfe der zur Verfü- nutzt werden kann.
gung stehenden Messtechnik (Abb. 1), können die
Für die Beurteilung des nachgeschalteten Druckluft-
relevanten Parameter wie Volumenstrom, Fließdruck,
netzes ist es sinnvoll, im Rahmen einer Leckagebe-
Druckluftqualität (Temperatur, Feuchte, Druck) auf-
trachtung die auftretenden Netzverluste, die im Nor-
genommen werden. Zusätzlich können alternativ
malfall zwischen 15 und 40 % (Erfahrungswerte)
Werte für die Stromaufnahme der Verdichter (Last-
liegen werden, zu beziffern.
/Leerlaufmessungen), mit anschließender Darstellung
von Lastprofilen oder der Messung von Leckage- Die Erfassung der Leckagen kann entweder über die
mengen vorgenommen werden (siehe dazu die Fakten Nachspeisung des Netzes bei Betriebsstillstand oder,
Messtechnik). sofern dies nicht möglich ist, während des Betriebes
aus den gemessenen Druckkurven errechnet werden.
Hierzu ist ein mathematisches Auswerteverfahren
verfügbar. Zur Abschätzung des Leckagepotenzials
ist bei laufendem Betrieb ebenfalls die Leckagedetek-
tion mittels Ultraschalltechnologie hilfreich.
Ein weiterer Aspekt stellt die übergeordnete Steue-
rung von mehreren Verdichtern in einer Station und
damit in einem Netz dar. Hier sind insbesondere in
den letzten Jahren mit der integrierten Prozessor-
technik sehr große Innovationen am Markt verfügbar,
so dass eine separate Betrachtung der Steuerung
und Leittechnik auf jeden Fall Sinn macht.
Nach aktuellen Untersuchungen werden Leerlaufzei-
ten, beispielsweise bei ungeregelten Schraubenver-
dichtern von bis zu 30 % und elektrischer Leistungs-
Abb. 1: Messtechnik bedarf im Leerlauf von ebenfalls 30 % der Antriebs-
leistung als Ansatzpunkte für eine mögliche Optimie-
Gerade auf die vorherrschenden Druckverhältnisse rung in Verbindung mit dem Einsatz modernster
muss dabei ein starkes Augenmerk gelegt werden. Steuerungs- und Regelkonzepte angeführt. (Siehe
Oftmals ist der wichtigste Abnehmer am letzten Ende die Fakten Steuerung.)
des Netzes (eventuell sogar über eine Stichleitung Die Bestandsaufnahme sollte durch einen detaillier-
versorgt) angeordnet und damit bestimmend für den ten Bericht, über sämtliche durchgeführte Arbeiten
Erzeugungsdruck der Station. Teilweise wird auch eine und Vorgänge mit entsprechender Bebilderung und
„historisch entwickelte Druckhöhe“ gefahren, die im Darstellung von Messkurven, P&IDs (evtl. durchge-
Wesentlichen aus Netz- und Anlagenerweiterungen führter Potenzialanalysen), sowie der Erarbeitung von
entstanden ist, die bei näherer Betrachtung und zum Optimierungsvorschlägen abgeschlossen werden.
Teil durch geringe Änderungen im Netz, z. B. durch
Ringschlüsse reduziert werden können.
Engineering – Konzeption
Aus den zuvor genannten Einzelmessungen können
wertvolle Informationen zum Anlagenzustand (z. B. Bei der Umsetzung der aus der Bestandsaufnahme
Zu- und Abluftprobleme, Überlastung von Aufberei- erlangten Kenntnisse muss ein ganz besonderes
tungseinheiten, Kühlung usw.) gewonnen werden. Zu Augenmerk auf die Gesamtkonzeption, (gewisser-
überprüfen sind in diesem Zuge auch die Vorgaben maßen ein Blick über den Tellerrand hinaus) gelegt
für die benötigte Druckluftqualität. Alle Forderungen, werden:
die vom üblichen Standard (ölgeschmierte Luft mit Die Rahmenparameter, wie z. B. die Einhaltung der
Kältetrockner aufbereitet, mit einfachem Filter mit gesetzlichen Vorschriften und eines evtl. vorhandenen
1 µm Partikelgröße und 1 mg/m³ Restölgehalt, Druck- Entsorgungskonzepts (z. B. für Kondensat) müssen
taupunkt +3 °C) abweichen, erfordern zusätzliche zwingend eingehalten werden.
Investitionen und Betriebskosten durch dann notwen-
dige Aufbereitungsmaßnahmen (siehe die Fakten Das Energiekonzept ist nicht als abgeschlossene
Aufbereitung). Einheit zu betrachten, sondern muss in Verbindung
mit einer evtl. möglichen Wärmerückgewinnung und
Sobald die Anforderungen an die Menge, Druckluft- Synergieeffekten anderer benötigter Energien, wie
qualität und erforderlicher Verfügbarkeit und der da- z. B. Stickstoffbedarf betrachtet werden. Ferner
mit verbundenen Redundanz geklärt sind, kann der
Fakten Gesamtsystemoptimierung
Seite 3 von 4

kommt es bei Erweiterungen, Erneuerungen und Bei der Durchführung von Wartungs- und Instand-
Neuerrichtungen darauf an, dass schon bei der Aus- haltungsmaßnahmen ist die langfristige Planbarkeit
wahl der einzelnen zum Einsatz kommenden Kom- der Arbeiten von Vorteil. Dabei sollten in der Praxis
poneten einschließlich Redundanzen, richtig, im Sin- die notwendigen Checklisten und Wartungspläne
ne des Gesamtkonzeptes, ausgewählt wird. frühzeitig erstellt werden, um damit die lückenlose
Wartung der Anlagenteile zu gewährleisten (Stichwort
Anhand moderner integrierter Leittechnik (Stichworte
Störungsmanagement).
Tele-Service, Fernüberwachung und Fernsteuerung)
kann die Verfügbarkeit der Anlage deutlich erhöht
werden. Dabei ist i. d. R. die größte Verdichtereinheit
abzusichern bzw. für diese die entsprechende Anla-
genredundanz bereitzustellen. Eine entsprechende
Ausfallsicherheit kann durch geschickte Verschaltung
des Verteilnetzes (Vermaschung) erzielt werden.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Gesamtkonzepti-
on des Wartungs- und Servicekonzeptes, die ganz
wesentlich die anfallenden Folgeaufwendungen mit-
bestimmt.

Gesamtsystembetrachtung
Bei der Betrachtung beispielsweise der betrieblichen
Messtechnik muss ein sehr starkes Augenmerk auf
den sinnvollen Einsatz der Technik gelegt werden. Es
ist festzulegen, welche permanenten Messungen von Abb. 2: Druckluftanlage
z. B. Energieaufnahme, Leckageüberwachung, Druck-
verluste, spez. Gesamtleistung zur Systemüberwa-
chung neben den „normalen“ Betriebsmessungen wie
Volumenstrom, Druck und Drucktaupunkt vorge-
Wirtschaftlichkeit der Druckluft-
nommen werden sollen. Dabei ist entsprechend der erzeugung
Maßnahmen sinnvollerweise eine Kosten-Nutzen- Zur Feststellung der Wirtschaftlichkeit können die m³-
Analyse aufzustellen. Kosten als Kennzahl für Energie/Wartung/Kapital
Hinsichtlich einer möglichen Steuerung gilt es zu herangezogen werden. Die Bestimmung der Kompo-
prüfen, ob eine automatische Regelung bzw. eine nenten durch die spezifische Leistung und Service-
stufenlose Regelung installiert werden sollte (siehe kosten ist ebenfalls möglich. Der Quervergleich mit
die Fakten Steuerung). anderen Verbrauchern bzw. Projekten mit anschlie-
ßenden Optimierungsvorschlägen ist zu empfehlen.
Anmerkung: Gemäß der EU-Studie „Compressed Air
Systems in the European Union“ ist durch den Ein- Nach diesen Bewertungen sollte die Abschätzung des
satz von effizienten und übergeordneten Steuerun- Potenzials unter Einbeziehung der Berechnung der
gen ein Energieeinsparpotenzial von ca. 20 % reali- zusätzlichen internen Kosten, der Betrachtung der
sierbar. Investitionskosten, der Bestimmung der Ersatzinvesti-
tionen, der Berücksichtigung der Betriebskosten und
der Berechnung der Wartungs- und Instandhaltungs-
Schnittstellenreduzierung kosten erfolgen.
Ein weiterer wichtiger Punkt stellt auch die Überprü- Als nächster Schritt ist die Durchführung der Bilanzie-
fung der organisatorischen Einordnung der Druckluft- rung der Druckluftanlage zu empfehlen. Dazu gehö-
anlage dar. Hierbei sollte überprüft werden, ob es ren die Ermittlung der spez. Kennzahlen, des Wir-
sinnvoll ist, die Druckluftstation in eine eigene organi- kungsgrades, samt zugehöriger Netzparameter.
satorische Einheit zu überführen. Ein großer Vorteil
ist dabei die Kostentransparenz und damit verbunden Eine weitere Steigerung der Energieeffizienz kann
eine bessere Kostenkontrolle. Bisher wurde die z. B. über eine Untersuchung der Möglichkeiten der
Drucklufttechnik bewusst oder unbewusst auf ver- Wärmerückgewinnung erzielt werden. Ferner muss
schiedene Konten gebucht, wodurch eine Überprü- ein wesentliches Augenmerk bei der Systemoptimie-
fung der angefallenen Kosten nur noch sehr schwer rung auf die missbräuchliche Verwendung der Druck-
möglich war. luft, wie z. B. das Kühlen der Mitarbeiter an heißen
Tagen usw. gesehen werden. Hierbei geht es um die
Dies ändert sich dann, wenn zur weiteren organisato- Sensibilisierung des Personals für die Thematik.
rischen Verbesserung ein Projekt- und damit Kosten-
verantwortlicher eingesetzt wird. Schließlich folgt die Umsetzung von erzielten Ver-
besserungen in die Praxis.
Fakten Gesamtsystemoptimierung
Seite 4 von 4

Systemnachführung – Dagegen spricht, dass die Kernkompetenzen für die


Systemoptimierung Druckluftoptimierung, für die Planung von Druckluft-
Neuanlagen und für die Wartung der Druckluftanla-
Dazu ist es notwendig, die Grundsatzuntersuchungen gen beim Kunden verloren gehen. Bei Wiedereinbin-
wie Überprüfung der Energieeffizienz mit Alternativen dung der Druckluftanlagen müssen die Kompetenzen
und der Untersuchung vorhandener Energieformen neu aufgebaut werden. (Siehe hierzu den Contrac-
wie z. B. von Kraft-Wärme-Kopplung durchzuführen. ting-Leitfaden.)
Verbunden damit ist aber die allgemeine Betrachtung
der vorhandenen Betriebs- und Aufstellungsbedingun-
gen und der Wartungsfreundlichkeit. Organisatorische Änderungen
Es genügt nicht, das System nur einmalig zu optimie- Hierbei hat sich in der Praxis gezeigt, dass im Allge-
ren. Vielmehr ist es notwendig, das System regel- meinen die Wertschätzung durch die Geschäftsführung
mäßig an die sich ändernden Anforderungen aus der für die Druckluftanlagen fehlt. Für diesen Umstand
Praxis (Verbräuche, Netzdrücke usw.) anzupassen. sind die Zuständigen größtenteils aber selbst verant-
Verursacht werden die Veränderungen im Netz durch wortlich, da sie wichtige Vorgänge in der Druckluftan-
nicht zentral koordinierte Umbaumaßnahmen. Es ist lage nicht an die Geschäftleitung weitergeben und
daher sehr wichtig, dass interne Netzveränderungen damit ein „Mauerblümchendasein“ führen.
melde-, besser noch genehmigungspflichtig sein Die Personalsituation muss beleuchtet werden. Nöti-
müssen. genfalls muss das Personal für die entsprechenden
In der Praxis haben sich in der Vergangenheit auch Aufgaben geschult werden. Eine weitere Möglichkeit
immer wieder verschiedene Kontrollmechanismen, ist auch die Einsetzung eines Druckluft-Beauftragten.
wie beispielsweise die Kostenkontrolle und Systeme
zur Leistungserhaltung bewährt. Ein gutes Werkzeug
ist die Prognostizierung des Systems, in der das Ver- Fazit
hältnis der heutigen gegenüber der zukünftigen An- Neben dem Einsatz energieeffizienter Einzelkompo-
forderungen betrachtet werden. nenten bei der Erzeugung, Aufbereitung, Verteilung
und Nutzung der Druckluft kommt der optimalen Ab-
Outsourcing der Druckluftversorgung stimmung aller Komponenten untereinander eine
besondere Bedeutung zu. Die Summe effizienter
Hier muss das Für und Wieder sorgfältig abgewogen Komponenten führt nicht zwangsläufig zu einem ver-
werden. Für das Outsourcen der Drucklufttechnik nünftigen Gesamtergebnis. Das vorhandene Optimie-
spricht eine Garantie des Contractors auf die Ener- rungspotenzial ist dabei beträchtlich.
gieaufnahme pro Nm³ Druckluft. Damit steht es im
Interesse des Contractors, dass die Anlage effizient Hier ist sicher häufig professionelle Hilfe von außen
läuft. Zusätzlich ist eine fachkompetente Betreuung erforderlich, es kommt jedoch auch darauf an, die
der Anlage gewährleistet und das eigene Personal richtigen Fragen im Projektvorlauf, bei der Planung
kann von artfremden Aufgaben entlastet werden. und Ausführung zu stellen.

Die Kampagne „Druckluft effizient“ hat zum Ziel, die Betreiber von Druckluftanlagen zur Optimierung ihrer Systeme zu motivieren und dabei
erhebliche Kosten einzusparen. Sie wird von der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Fraunhofer-Institut Systemtechnik und
Innovationsforschung (Fraunhofer ISI, Gesamtprojektleitung) und dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit
Unterstützung des Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) und den folgenden Industrieunternehmen durchgeführt.
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Weitere Informationen finden Sie unter www.druckluft-effizient.de
 Druckluft effizient, Fraunhofer ISI, Karlsruhe, August 2003
Druckluftwerkzeuge
Was „vor“ dem Werkzeug kommt um den – oft an der Wartungsstation angezeigten –
statischen Druck.
Die Druckluft als Energiequelle für Werkzeuge hat
starken Einfluss auf die Effizienz der Arbeit, die mit Der Fließdruck kann entweder durch ein beim Arbei-
dem Werkzeug verrichtet wird. ten vor das Werkzeug geschalteten Manometer oder
durch ein Werkzeugsimulator gemessen werden. Das
Maßnahmen am Arbeitsplatz zur Optimierung der Unterschreiten des optimalen Arbeitsdruckes führt zu
Druckluftversorgung des Werkzeugs können oft zu verminderter Leistung des Werkzeuges. Als Beispiel
deutlicher Produktivitätserhöhung und Senkung der hier der Materialabtrag einer Winkelschleifmaschine:
Energiekosten beitragen.
Arbeitsdruck in bar Materialabtrag in kg/h
Wesentlich für die Effizienz ist eine korrekt ausge-
6,3 5,5
legte Gesamtanlage, vom Kompressor bis zum
Werkzeug. Viele Anlagen sind „gewachsene“ Gebil- 5,8 4,5
de, deren ältere Komponenten den aktuellen Gege- 5,3 4,0
benheiten nicht immer angepasst wurden. Falsch
dimensionierte oder zu lange laufende Kompressoren Das Beispiel zeigt, dass bereits ein um 0,5 bar zu
verursachen ebenso hohe Kosten, wie Leitungsver- niedriger Arbeitsdruck zu einer deutlichen Senkung
luste und Leckagen (s. auch „korrekter Arbeitsdruck“) der Produktivität führt. Doch nicht nur die notwendige
Nähere Informationen zur Auslegung der einzelnen Arbeitszeit erhöht sich, sondern auch die Energie-
Komponenten und zu Abstimmung aufeinander fin- kosten.
den Sie in den Fakten „Erzeugung“, „Steuerung“ und Zwar sinkt der Luftverbrauch pro Zeiteinheit, aber
„Verteilung“. auch hier kommt die längere Arbeitszeit zum Tragen.
Massive Produktivitätsverschlechterung durch zu
geringen Arbeitsdruck! Beispiel
Druckluftwerkzeuge sind auf einen bestimmten Ar- Am Beispiel einer Bohrmaschine – wie in Abbildung 1
beitsdruck ausgelegt (üblich 6,3 bar). Zu beachten ist, dargestellt – sollen die Gesamtkosten aufgezeigt
dass es sich dabei um Fließdruck handelt und nicht werden.
Fakten Druckluftwerkzeuge
Seite 2 von 3

Verlustarme Kupplungen installieren!


Die meisten selbstentlüftenden Schnellkupplungen –
insbesondere jene aus Messing – kosten viel Druck
(0,6-1,3 bar Fließdruck). Grund ist eine im Luftstrom
liegende Kugel. Moderne Schnellkupplungen reduzie-
ren die Verluste (auf ca. 0,2 bar) drastisch und amor-
tisieren sich damit innerhalb kürzester Zeit.

Abb. 2: Moderne Schnellkupplung

Arbeitsdruck in bar Bohrzeit Beispiel in s „Basteleien“ vermeiden!


6,3 2,0 Große Querschnittstoleranzen, mehr Kupplungen als
5,8 3,2 nötig, zuviel Tüllen und falsche Schlauchdurchmes-
ser summieren sich zu einem großen Energie-
„Vernichter“. Passende Konfektionierung zahlt sich
Abb. 1: Bohrmaschine mit Wartungseinheit und Zuleitung fast immer aus.
Das bedeutet, dass sich die reine Bohrzeit durch den
geringeren Druck um 60 % (!) erhöht. Dabei ist ein
um 0,5 bar zu geringer Arbeitsdruck keineswegs die
Ausnahme, sondern oft teure Realität.
In dem Beispiel des Bohrers würden sich die Kosten
wie folgt erhöhen:
bei
effizienter Bohrzeit 1 h/Tag
Arbeitskosten 20 €/h
Energiekosten 0,06 €/kWh
folgen pro Monat Mehrkosten für
Arbeit 240,00 €
Energie 3,60 €
SUMME 243,60 €
d. h. 2.329,20 € pro Jahr!

Der Weg zur effizienten


Werkzeugnutzung
1. Optimierung des Umfeldes Abb. 3: Energie-“Vernichter“ im Druckluftnetz

Schlauchlänge = Druckverlust! Ölschmierung in der Luftzufuhr nur wo nötig!


Daraus folgt, dass Schläuche möglichst kurz zu hal- Turbinengetriebene oder mit ölfreien Lamellenmoto-
ten sind, Spiralschläuche sind zu vermeiden. Werden ren ausgerüstete Werkzeuge benötigen keine Öl-
Spiralschläuche z. B. zwischen Netz und Balancer schmierung. Öler bewirken Druckverlust. Wenn er
eingesetzt, könnten oft normale Schläuche verwendet benötigt wird, sollte der Öler 3-5 Meter vom Werk-
werden. Aber auch auf passende Schlauchdurch- zeug entfernt angeordnet werden.
messer ist zu achten, damit lassen sich druckfres-
sende Übergänge vermeiden.
Fakten Druckluftwerkzeuge
Seite 3 von 3

2. Messung und Anpassung des Fließdruckes Bei der Erstellung von Wartungsplänen unterstützt
Nach der Optimierung des Umfeldes steht wahr- Sie der Lieferant der Druckluftanlage.
scheinlich ein zu hoher Arbeitsdruck am Werkzeug Dass auch der Wartungszustand des Werkzeuges
an. Dieser kann nun über den Druckregler der War- selbst erhebliche Auswirkung auf die Effizienz hat,
tungseinheit reduziert werden. Das Werkzeug arbei- sollte nicht vergessen werden.
tet nun im effizientesten Betriebszustand, der Luft-
verbrauch wird minimiert. Ebenso wichtig ist es, bei jeder Veränderung der
Druckluftanlage die Konsequenzen für die Druckver-
Fließdruck am Luftverbrauch hältnisse im System zu beachten.
Werkzeug in bar in %
Sollte dies nicht immer möglich sein, weil Verände-
6,3 100
rungen sehr häufig durchgeführt werden, bietet sich
7,0 110 in regelmäßigen Abständen eine Überprüfung der
8,0 125 Gesamtanlage an.

3. Anpassung des Netzdruckes Fazit


Oft kann nun auch der Netzdruck deutlich reduziert
Beim Einsatz von Druckluftwerkzeugen zahlt sich
werden. Dies bewirkt verringerte Kompressorlaufzei-
eine Betrachtung des Umfeldes schnell aus. Falsche
ten und reduziert damit massiv die Energiekosten!
Dimensionierungen, Einstellungen und schlechter
Optimierungen am Umfeld des Werkzeuges amor- Wartungszustand verringern die Produktivität drama-
tisieren sich oft innerhalb kürzester Zeit! tisch.

Wartung der Luftdruckanlage


Nach der einmaligen Optimierung gilt es, die gewon-
nene Effizienz auf Dauer zu erhalten. Hierzu trägt
ganz wesentlich eine regelmäßige Wartung der Kom-
ponenten bei. Neben dem Entleeren und Reinigen
der Filter ist auf regelmäßige Leckage-Untersuchung
zu achten.

Die Kampagne „Druckluft effizient“ hat zum Ziel, die Betreiber von Druckluftanlagen zur Optimierung ihrer Systeme zu motivieren und dabei
erhebliche Kosten einzusparen. Sie wird von der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Fraunhofer-Institut Systemtechnik und
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