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Universität Bielefeld

Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft

Phonetik & Phonologie


Artikulatorische Phonetik:
Die Laute des Deutschen
(Hall, Kapitel 1.7)

Ralf Vogel
ralf.vogel@uni-bielefeld.de
Phonetik & Phonologie WS 2008/2009 Ralf Vogel

Aufgabe 3
Lösungen

(2) Notieren Sie die entsprechenden IPA-Symbole für folgende Laute:


(a) den langen vorderen geschlossenen gerundeten Vokal
[]
(b) alle kurzen vorderen ungespannten ungerundeten Vokale
[     ]
(c) den langen halbhohen gespreizten Vokal
─ , das ] ist obermittelhoch, die halbhohen [  ] sind kurz.
(d) den nasalisierten untermittelhohen hinteren ungerundeten
Vokal: []
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Aufgabe 3
Lösungen

(3) Beschreiben Sie folgende Laute so genau wie möglich:


(a) ] : stimmloser, doppelartikulierter postalveolar-velarer Frikativ
— []
(b) ] : ein velarisierter stimmloser dentaler Frikativ
(c) ] : ein stimmloser bilabialer Plosiv mit lateraler
Verschlusslösung
(d) ] : ein langer geschlossener (hoher) vorderer ungerundeter
Vokal
(e) ] : ein kurzer nasalierter offener (tiefer) vorderer ungerundeter
Vokal
(f) ] : ein kurzer zentraler fast-offener (halbtiefer) Vokal
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Die IPA-Tabelle
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Transkription
Unter einer Transkription versteht man die Umsetzung einer gehörten
Lautfolge in Lautschrift.

aus E. Ternes (1987): Einführung in die Phonologie, S.46


Eine enge Transkription beschreibt das Gehörte so genau wie
möglich, z.B. eine mögliche Transkription von <Tisch> als
 ]
Man kommt zu einer gemäßigt engen Transkription, wenn man die
durch Koartikulation entstandenen Merkmale ignoriert.
]
Durch Weglassen aller für das lautliche Signal unwesentlichen Merkmale,
bspw. wenn sie nicht zu einem Bedeutungsunterschied führen,
kommt man zu einer weiten Transkription:
]
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Die Sprachlaute des Deutschen


Im Standarddeutschen kommen nur eine Teilmenge der besprochenen
Sprachlaute vor.

Zum Beispiel gibt es nur Laute mit pulmonal egressivem Luftstrom, keine
retroflexen Laute, keine geschlagenen Laute, keine nasalen Vokale,
etc.

Wenn wir vom Standard-Deutschen sprechen, dann meinen wir eine


standardisierte umgangssprachliche Norm, die sich von der real
gesprochenen Umgangssprache erheblich unterscheiden kann, und
deren Ausbuchstabierung in einigen Punkten umstritten ist.

Referenz für diese Norm: Drosdowski, G. u.a. (1995). Duden Aussprache-


wörterbuch. Wörterbuch der deutschen Standardaussprache. Der
Duden 6. Mannheim: Bibliographisches Institut.
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Die Sprachlaute des Deutschen


Konsonanten

Affrikaten: f s  


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Die Sprachlaute des Deutschen


Konsonanten
] Pein, sprechen, Lob ] Bein, aber, Ebbe
f] fein, von, Strafe, Schaf ] Wein, Vase, ewig
f] Pfeil, Topf ] mein, Amerika, lahm
 ] Ton, leiten, Rad, Rat ] Damm, leiden, wieder
s ] Skat, reißen, Ast, aus ] See, reisen, Rose
s] Zeit, reizen, Latz n] nein, einig, dein
]  Laut, also, Beil ] Stange, Tasche, rasch
] Genie, Garage ] Cello, Pritsche
] Job ] Chemie, echt, reich
 ] Kern, Chrom, Ecke, Tag g] gern, Regen, egal
 ] Docht, machen, Buch ] Bank, singen, lang
] rein, Ehre, irr ] aber, be amtet, Ver ein
 ] hoch, Haus, Uhu, aha ] Jahr, Anja
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Die Sprachlaute des Deutschen


Vokale

Folgende Vokale und Diphthonge gibt es im Standarddeutschen:

     
  
]
  ø ø o o
 ]
   
]

 

Davon sind gespannt:           o o]


ungespannt sind:          ]
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Die Sprachlaute des Deutschen


Vokale
] ihn, schief, Physik, Genie ] vital, physikalisch
] Übung, müde, Bühne, Düne ] düpieren, uni
 ] Mitte, Schiff, Wirt ] dünn, Hündin, Küsse
] Esel, Mehl, stehlen ] Mechanik
] Öfen, schön, Höhle ] möblieren
] äsen, stählen, Mädchen ] Äste, Bett, stellen
] Hölle, möchte, können ] noch, Rotte, Docht
o] oben, Moos, rot o] Moral
] Ufer, Ruhm, Tabu ] kulant
] uns, Rum, Mutter ] Kinder, guter, Tor, Ohr
] Aas, fahl ] As, Fall
] genau, gute, beamtet ] auch, genau, Haus
] Eiche, gleich, Reis ] euch, Leute
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Die Sprachlaute des Deutschen


Anmerkungen

Der 'ach'-Laut ] wird nach den tiefen Vokalen  ] als uvularer
Frikativ ] realisiert, z.B. n]. Trotzdem wird in der deutschen
Linguistik traditionell nur das Symbol ] verwendet.(→ weite
Transkription)

Die stimmlosen Plosive   ] können vor betonten Vokalen und


wortfinal auch aspiriert realisiert werden [   ], z.B. [o]
oder ].

Der uvulare Vibrant ] kann auch anders realisiert werden:


als alveolarer Vibrant  ] ('gerolltes r') im süddeutschen Raum
als uvularer Frikativ  ] z.B. im Rheinland o].
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Die Sprachlaute des Deutschen


Anmerkungen

Die kurzen und langen offenen Vokale  ] werden hier als zentral
analysiert. Manchmal wird der lange offene Vokal aber auch als
hinterer Vokal ] betrachtet.

Im Standarddeutschen gibt es keine nasalen Vokale. Deshalb werden


französische nasale Vokale im Deutschen oft durch ein Paar aus
oralem Vokal + nasalem Konsonanten ersetzt:

Bassin ] à ]


Balkon ] à ] oder on]
Parfüm ] à ]
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Die Sprachlaute des Deutschen


Anmerkungen

Gespannte Vokale sind in der Regel lang:


bieten — bitten ] — ]

Beispiele aus K.-H. Ramers: Einführung in die Phonologie, S. 32f


Hüte — Hütte ] — ]
Beet — Bett ] — ]
Höhle — Hölle ø] — ]
spuken — spucken ] — ]
Schoten — Schotten o] — ]

Dies gilt aber tatsächlich nur für betonte gespannte Vokale. Vor der
Wortakzentstelle können unbetonte gespannte Vokale kurz sein.
Idée — ideál ] — ] 
Physík — physikálisch ] — ]
Barón — Baronésse o] — o ]
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Die Sprachlaute des Deutschen


Anmerkungen

Hinter der Wortakzentstelle können unbetonte gespannte Vokale


ebenfalls lang sein:

Álmosen o] Hérzog o]

Im Deutschen sind ungespannte Vokale immer kurz ─ mit Ausnahme


von] und ].

Hähne — Henne ] — ]


stählen — stellen ] — ]
Bahn — Bann ] — ]

Analysiert man ] als ] so bildet dieser Langvokal keine Ausnahme, da
auch er gespannt ist.
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Die Sprachlaute des Deutschen


Anmerkungen

Der Diphthong ] wird manchmal auch als ] transkribiert. Der
Unterschied besteht darin, ob die Lippenrundung des ersten Vokals
] beim zweiten Vokal ] (und gar darüber hinaus) anhält.

<Heu> ─ ] oder ]


<euch> ─ ] oder ] oder ]
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Artikulatorische Phonetik
Ausblick

Die „Regeln“ der artikulatorischen Phonetik sind nicht ultimativ in dem


Sinne, dass wir nur dann verstanden werden, wenn wir uns genau an
sie halten.

Im Gegenteil, die sprachliche Realität ist von diesem Ideal weit entfernt:
oft ist es schon der lautliche Kontext eines Lautes, der ihn uns
„unsauber“ artikulieren lässt:
Unsere Sprechorgane sind so beschaffen, dass wir bspw. keinen
flüssigen Übergang von einem Laut zum nächsten schaffen.
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Artikulatorische Phonetik
Ausblick

So können Ko-Artikulationen entstehen, die aber von unserem


Gegenüber ignoriert werden sollen.

Ein anderer Faktor, der bspw. die Artikulation von Vokalen wesentlich
beeinflusst, ist die Sprechgeschwindigkeit: Je schneller wir sprechen,
desto zentraler werden Vokale artikuliert.

Solche Gesetzmässigkeiten haben universalen Charakter, weil sie in den


allen Menschen gemeinsamen biologischen Grundlagen des
Sprechens gründen.
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Phonetik
Ausblick
Das Vokal-Dreieck <i,a,u> ist eine nahezu universale Konstante. Das hat
auch damit zu tun, dass diese drei Vokale in ihren physikalischen
Eigenschaften deutlich kontrastieren, wie uns die akustische
Phonetik zeigt, und deshalb besonders leicht verstanden werden
können. → perzeptive Phonetik

Experimentelle Befunde zeigen uns allerdings auch, dass die Laut-


Wahrnehmung auch durch Lippenlesen beeinflusst wird.
McGurk-Effekt ─ ein Wahrnehmungsexperiment:
akustisch: <ga-ga> visuell: <ba-ba> wahrgenommen: <da-da>

http://de.wikipedia.org/wiki/McGurk-Effekt
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Phonetik
Ausblick
Frei ferfügbare Software wie bspw. praat (http://www.praat.org/)
erleichtert die akustische Analyse des sprachlichen Signals enorm.

Eine Einführung in das Analysieren von Sonagrammen und


Spetrogrammen, die Ihnen das Verständnis der von praat gebotenen
Analysemöglichkeiten enorm erleichtert, finden Sie auf den Seiten
des Instituts für Phonetik an der LMU München:
http://www.phonetik.uni-muenchen.de/studium/skripten/SGL/SGLHome.html
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Artikulatorische Phonetik
Ausblick
Die Sprachen der Welt unterscheiden sich wesentlich darin, welchen
Ausschnitt des allgemein möglichen Lautinventars sie zur
Kodierung von Bedeutung, d.h., zur Bildung von Wörtern
verwenden.

Die Auswahl dieses Inventars besteht unter anderem darin zu bestimmen,


welche Eigenschaften des sprachlichen Signals zu ignorieren sind.
Drücken wir bspw. mit Stimmhaftigkeit von Plosiven etwas aus, also
mit dem Kontrast [b,p]? Oder ist er irrelevant? Sprachen beiden
Typs existieren.
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Artikulatorische Phonetik
Ausblick
Mit der Untersuchung des Lautinventars begeben wir uns auf eine höhere
Abstraktionsebene. Wir unterscheiden die phonetischen Merkmale
in solche, die für die Bildung von Wörtern relevant sind, und
andere, sagen wir, rein phonetische Merkmale.

Diese höhere Abstraktionsebene untersucht die Phonologie.