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BIOGRAPHISCHES JAHRBÜCH

FÜR

A.LTERTHUMSKUNDE
BEGRÜNDET
TOM

CONRAD BÜRSIAN,

HERAUSGEGEBEN
ov
IWAN V. MÜLLER,
VROFK8SOR DER CLASSISCHBM PHILOLOGIE AN DIR UNIVBRSITÄT ERLANGEN.

ELFTER JAHRGANG ( r}' Vj^ V


'

1888.

BERLIN.
VERLAG VON S. CAL V'AR Y & CO.

BIDCCCXC.
Inhalts - Yerzeichniss.

Bette
Michael Burger von J. Sarreiter 1

Gustav TeidunttUMT tob W. LatoiUnrafci 11

Anald Onber toh A. Qnef 17

Joliann Nepomnk Ott von L. Hepp . 90


Karl Heinrich Lugebil von L. Wojewodsld .... 26

Gnstav Knuner von P. JCramer 33


Cliristbai Friedridi Beok von J. Etemitir . , . . 46
Christoph Ziogler von M. Planck 47
Hermann Bonitz von Tli. Gomperz 53

Eobert ächramm von K. Stemaux 100

Karl Pleitnor von Daisonbergsr 108

WUhelm Gotoao von B. KoUmann 107

Adalbert Horawits von K. Hartfelder 119

Wilhelm Hennen von A. Mau 135


Michael Burger,
geb. am U. Febnuur 1842, gest «m 23. Febmar 1888.*)

Kars Ton Dauer, aber reich an Inhalt war das Leben


iiebael Burgers. Derselbe erblickte das Licht der Welt su Nieder*
lontbofen im Allgäu nacbgebonier Sohn eines Gutebesitsers, welcher
als
n Folge eines üoglQcksfalls sein Leben yerloren hatte. Schon sehr bald
teigte das Kind eine ungewöhnliche Wibbegierde. Dieser Umstand ?er*
inlafste seine Mutter, ihr Anwesen su verkaufen und in die benachbarte
Qymnasialstadt Kempten übersusiedeln. Dort besuchte der Knabe vom
Berbat 1864 an die Lateinschule. Noch in der zweiten Klasse befindlich,
irlerote er die Stenographie, in den oberen Kursen begann er bereits
mit modernen Sprachen sich su beschäftigen. Ins Gymnasium flberge«
treten, wendete er sich, offenbar durch Hanebergs, des späteren Bischoft
zu Speier, ruhmreiches Beispiel angeeifert, linguistischen Studien zu, indem
er die germanisch •skandinavischen und slavischen Sprachen, sowie das
Ungarische in den Kreis seiner Privatstudien sog; dann kam bald das
Hebräische, in den obersten Gjmnasialklassen auch das Arabische, Sy-
rische und Persische an die Beihe. Sobald jedes Hai die Elementar*
Grammatik bewältigt, dann mit Hilfe der Mnemonik ein ausreichender
Wortschatz gewonnen war, —
su diesem Zweck hatte er sich die Mne-
monik von Kothe nach eigenen Ideen umgestaltet, — machte er sich
sn die Lektüre; auch einige MitschQler wurden beigesogen. Ans der
Gjmnaaialbibliothek bekam Burger eben damals die Schriften der Bo-
manttker, die ihn sehr anzogen Friedrich Schlegels Buch Ȇber Sprache
;

Qfid Weisheit der Inderc iohrte ihn dann auch zum Stadium des Sanskrit

ttttd des Litthanischen.


Nachdem Burger das Gymnasium mit der Kote »vorzügliche ab*
Bolviert hatte, trat er als körperlich und geistig wohlgebildeter JOngling
1862 an die Universität München über, um sich der Philologie zu wid-
men. Obwohl vermOglicb, lebte er doch bescheiden und zurückgezogen
nur seinem Studium, dem er mit männlichem Weitblick eine grolse Aus-
dshnuDg gab. Die ersten zwei Jahre besehäftigten ihn die allgemeinen
Wissenschaften. Die Schätze der Museen und Bibliotheken wurden olt
und oft eingesehen; Fachkataloge ezcerpiert; Philosophie, Ästhetik und

*) Vgl. Augsburg. Abeodzrit v 4. März 1888; Einhaasers Nekrolog


in <l El. f. bayer. Qymnasialw. XXIV 287fi.
Xtkrolos« 16M. 1

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2 MkliMl Biii|«r.

Koaslgwehielito stodieriPUto kannte er damals wohl eelion ganz; ante


den Neneren waren aeine Lieblingaechriftstener Kant nad beeonden A.
Schopenhaner, den er, ohne im ftbrigen eeinen reli^fiOeen Ansichten tei-
Anberdem wurden die hereiti w-
snpfliebten, lebeneUnglich hoch hielt
worbenen lingoiaÜBehen Kenntniase erweitert nnd Tertieft Bei W. t.
Christ horte er das Sanskrit, bei dem berfibrnten Mark. Jos. MlOler dai
Arabische nnd Persisohe, später das Zend bei Hang. 80 hatte der jnagt
Mann etwa 20 Sprachen bis snr Lesefertigkeit sich angseignei sechs vw>
mochte er auch in sprechen. Mit Polen nnd Serben konnte er sich ant«^
halten, und als er in Prag das tschechische TLeater besnchte, Terstaal
er alles. Von Ende 1864 an studierte er speciell klassische Philologie.
Die Griechen liebte er besonders; aufser Piato hatte er schon damals deo
ganzen Aristophaues gelesen. Mit welch grofser Gründlichkeit und Selb-
ständigkeit er sich in allen Disciplinen seines Faches orientierte, beweist
die Thatsache, dafs er im Staatsexamen, welches er 1867 ablegte, seine
Examinutoren geradezu in Erstaunen getzte, weswegen ihn L. t. Spengd
eindringlich ermunterte, sich der ukadeiniscben Karriere zu widmen.
Im Jahre 1Ö6Ü ward Burger als Assiäteut au die Ol erklasse des

Gymnasiums zu Fre'usiug berufen, wo er den ganzen griecbisciien Unter-


richt zu übernehuien hatte; das Jahr 1872 brachte ihm die Ernennung
znm Studieulehrer iu Straubing, doch kam er auf Ansuchen bald wieder
nach Freising zuröck. Nunmehr gab er daselbst auch den Unterricht ia

der englischen Sprache. 1881 ward er zum vninasialprofessor befördert


und au die Studienanstalt Passan versetzt. Auch dort hatte er meisi
grofse Kurse zu leiten. Leider wurde Prof. Burger, der bereite als Cin-
didat eine sehr gefährliche Gehirnhaiiteuuuiidung glucklich überstanden
luitie. IUI Jahre 1884 von einem schwerta Nervenleiden befallen, da^ iuA

Viele iJuiiale niederdrückte. Nach seiner Wiedergenesung kuunte er i^So


seinem bisherigen Rektor, Herrn Dr. Weckleio, an das MaximilLansgjrm-
nasiom nach München folgen, freudig dafon bertthrt, dala nnasiehr aach
er in der Eanstmetropole nnd am Sits der Bibliotheken Dienst thnn dOrfi.
Eine wie linne Frist des Lebens ihm nnr mehr gegönnt wftre, «bot» ftsi-
lich Niemand; hatte er doch noch in den Ferien 1887 nach eoiner Ge-
wohnheit, den Tornister anf dem Bücken, sich wacker in nnd aol des
Bergen ergangen. Im darauf folgenden Winter befielen ihn heftige Hab*
schmersen. Nnr seiner Pflicht eingedenk dachte er nicht an Scbonmg;
das Übel schien nach einiger Zeit gehoben, — da warf ihn plOtslieh eiat
heftige Kehlkopfentallndang, so der sich bocbgmdigee Fieber geaents,
aafs Krankenlager. Alsbald erkannte er die Oefahr ond bewies christ-
liche Fassung; schon am dritten Tag Tersetste ihn das Fieber ins Dsli*
rium und nach wenigen Leidenstagen schlofs er, der Schwäche erliegend,
in den Nachtstunden des 22. Februar, gerade an dem hundertsten Ge»
bartsfest Schopenhauers, seine Augen fQr immer.
Nicht nur seine seit Augost 1870 mit ihm in glacklichster Sisits
Ifichaet Borger. 3

Harmonie lebende, ihm ebeobOrtige Oattm, nicht nur die ilm näher ken-
nenden Freunde, aneb seine Collegen wurden durch das so rasche Bode
des treffltcbes Mannes erschüttert. Ilam yäp dXyr^dvjv ia^Jiibg drui^öfjLevoQ.
Denn Burger war ein wahrhaft edler Charakter, wohl etwas zurückhaltend,
weil feinfOblig und deceut, doch in seinem Wesen wohlwollend und be-
scheiden. Schreiber dieser Zeilen, der sich' seit der üniversitätszeit seinw
Freundschaft erfreute und mit ihm in Briefwechsel stand, yerehrta ihn
wegen seiner Offenheit, Gefälligkeit und Liebenswürdigkeit; gleiches
schfitzten Collegen an ihm. Ihm war so recht eigen, was das Dichter-
wort einem wackeru Manne naclirühmt: Pudor et incorrupta fides. Er
war ein ganzer Mann. Bei seinem grufsen linguistischen Wissen ging er
nicht etwa in Büchergelehrsamkeit auf, auch die Natur, die Welt, die
Kunst zügt'n ihi! inächtitr an. Aus dem wifsbe^Mengeü Knaben war ein
Mann erwachsen, (Un a les Edle und Schöne, alles, was geistiges Inter-
esse bietet, anzog und lebhaft beschäftigte.
Um Land und Leute aucli auswärts kennen zu lernen und die
Kunstschätze an ihrem Standort zu geniefsen, sein theoretisches Kunst-
wissen durch Autup:3iü lu vervollkommnen, hat er weite Reisen unternom-
mm. Schon 1860 besuchte er mit einem strebsamen Miisihüler und
Freunde Oberitalien; später wiederholt; er sah als Student i'tag; reiste
nach Wien, nach Dresden ond Berlin, war zweimal in Paris, auch in
Bönen, Bologna und Florevt aot
hielt tieh in
Bei alledem war der ConeentratioaBpnnkt eeiner Beetrebungen, sei-
nen Wiesene ond KOnnene —
die Sehole; ihr diente der atannenewert
fieleeitige Hann in Wert und Schrift Seine Neigung hatte ihn, wie er^
wftbnt, snerat ins grofee^ weite Qebiet der LingniekilL geftfart Nachdem
er in die Praxis flbergetreten war, interessierten ihn besondere pftdago-
gisehe nnd ewar soni^hst methodologische Probleme, wie solche sich
einem Lehrer ja nie in grOCnrer Zahl nnd einschneidenderer Bedentong
anfdr&ngen muteten, als gerade in den loteten 16 Jahren, snmal die Oym-
nasialpftdagogik, dnrch die Zeitideen gedrftogt, bei vertoderten Zielen sieh
gewissermaliMn erst neo anfbanen mute,
Prof* Bnrgere verschiedene Beitrftge zur Didaxie des Unterrichts,
in denen er eigene Gedanken vorführt, finden sich unten am Schlors so*
sammengestellt. Immer war sein Streben darauf gerichtet, den Schülern
Bandliaben zu bieten, die, indem sie den Unterricht vergeistigen halfen,
ihnen sogleich das Aneignen, wie das Behalten erleichtern sollten. In
diesem Streben scheute er weder Mühe noch Kosten. Durch praktische
Zusammenstellung instruktiver Musterbei<pip!(> zur lateinischen Syntax,
»mit merkenswertem, möglichst viele Bildungskeime bergendem Sinn«,
80 besonders im viel verlangten Programm: »Gedanken und Thatsachen»,
durch übersichtliche Darstellungen einzelner Partien der griechischen und
der englischen Formenlehre, welche er selbst hektographisch herstellte

und in der Schule verteilte, sachte er seine Kurse zu fördern. Auch

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4 Iffcifciiit Bngtf;

sein« Ittrti ftrMiBtlichtdAbhandhn«: »D« Sctuifrtrti ni W\mm


suuMrt, ia wtlebtr YarbMMrar revp. MHerftate te SciMkMiw
als
Mitritt, fietl Winkt flUr das >Wm Wiac te Hiiiiaiiiiwil«
liditi. DtD itnbMeB Sehfllini wobto te, trit in «hriftUcWi, m
nicht nindar im Btodlidian Aoadnick der Gadankan gawaadta Haan mA
in bobem Orada ajmpatkiaeb la maehan. 8ia bewaadartaB, wia van giai^
wOrdigar 8ai(a Taraiahart wird, an thran Lahrar niebt bkia dia Fllb
daa Wiaaana, aondam Abltan aaeb Yarahniag ftr ihn wagan aainar Ml>
Uebkait nad aaiaaa attan Schfilam in ^aiebar Waiaa aatgagaogabtacbte
|

aofriehtigan WoblwoUana; ja nicht waaiga dHrftiga and kranka Stndiaiaaii


bat dar kindarloaa Mann dareb atUla Wabltbatan in danamdaa Daaki
farpAicbtat Besoodara aoebte Prof. Boifer auch die patnoUacbe G«ia-
noDg seiner Schüler zu heben dorcb verständige Aosw&h! von Böchsi '

und passende Digraoaioucn im GaacbicMt»


f&r die Scbfiler-Lesebibliotbak
onterricht Seibat keinem engberzigan ParieiprograauD zogetban, war ir
«in Mann von echtdeatscber Gesinncng, wann lUüaod ffir Kaiser nni
Beleb. ?or uns liegt ein Blatt der Eempter Zeitung vom 2. Aogust 1862,
in dem er als JQngling in einem flott geschriebenen Artikel gegen die
Schmälemng des Gebietes deutscher Sprache in Südtirül das Wort er-
greift: »17B7 sagte Goethe, Trienl i-ei Doch deutlich, heut überwiegt da-

Italieuische schon weniire Stnnden von Bötzen«. Der Grund sei »die Gut-
mütiirkoit der Tiroler und die Gleichgutiirkeit der Regierung«. Dem Ä'.Ige-

meioen deutschen Sprachverein ist er ungesäumt als Mitglied beigetreten-

Dafs Bnr^f^r ein M»nn von i^eltenen Geistesgahen ijewesen, vzri*


Jedem klar, der Einblick«? thun konnte in sein geistiges Leben, der sein«'

phänomenale Belesenbeit in der Weltlitteratur kannte, ndtr izdr. wie der

Unterfertigte, nacli seinem Tod seine Skripten und Exc€ipte eiuiusebeD


Gelegeilheit hatte. Seinen beherrschenden Lberblick über die einielneD
Unterrichtsfächer dokiimüiiUeit atii besten seiu reicblialtii:es N^uLü.ücb
Über den düüLi-ciitu üiiierricht am Gymnasium. In seinen iuuterlassenen i

Papieren, die mit musterhaftester Ordnung, in zierlichster Schrift ausge


arbeitet sind, finden den oacb Art von Yorlasangen au^
sieb aoC«er
was ja niebt flbaraabao wardaa mOga, aaeb Vor*
fftbrten Präparationen,

arbaitan in ainam grOfearan Warka» ftr daa Gabraneb dar Lahnr


etwa Ton Tertia an baatlmmt: »Eatwnrf in ainar Oadftchtniahilfi
inr Erlernung daa grieehiacban Wortscbatiaac. Ea tat daa lii
et7]nolo^b*niDamoniacbea Hilfsbach, auf Omnd von Teiglaiehaag «H
dem Altdeotaeban nnd Lateiniecban and mit Baoafsnng der griacbiicNi
FramdwOrtar avagearbeitei Daa Werk, 1879 begannen ond fort aad fbrt
argftnit, erkUrt dia Btjrnologie von 1600 griecbiacban Wörtern. Der Cte*
danke dain atammt aoa den fiiagabangen der Praiia. Ea war aber dabn
aaeb abgeaeben anf tErlaicbkemng der Merkena, anf Mittel aar Belebaof
daa üntarricbtic. Niebt anerwfthnt darf aobliabllGh Ueiban, dafr dir
gtlebrta Bargar aaf die peialicb genane Korrektor dar Arbeltaa aelM

. Kj 1^ d by Googlq
Michael Barger. 5

starker Klassen, wie es bei einem so ängstlich gewissenhaften Lehrer


nicht anders za erwarten war, viel, viel Zeit verwendete, auch ein Orund,
warum er eich in der Fertigstellung seiner liiterarischen Vorwflrfe viel-
fach behindert sab.
Der rastioB Strebsame bitte in der Folge noch bedeutendes wirken
können; leider wurde jetzt, da der Hann ausgereift war, da er nach jahr^
bmgen Hüben das Qesamtgebiet des Gjonasialnnterrichts praktiscb dnreb-
gsarbeiiet hatte, seinem noch so vieles versprechenden Leben rasch mn
SSiel gesstii Zo Siefensbsrg im Bregenserwald bat ihm seins liebende
Gattin das Grab bsreiten lasssn, bei den Bergen, in deren Nfthe er seine
Jagend verlebt, die ihm in den Ferien Stlrkang gebracht nnd mehrmals
Heilnng, wenn seitweise dem dnreh Ueberanstrengong Ermatteten die
Lebensflamme schwächer sn werden drohte«
Hit Becht bat sein College, der Vorstand dss bayr. Gymnisiallehrer^
Vereins Prof. Job. £v. Binhanser ans Hflachen, bei Gelegenheit der Ge-
neralversammlung zu Begensburg 1888 des trefflichen Dahingescbiedeaen
gedacht mit den ehrenden Worten: »Unter seinen Altersgenossen wQsste
ich keinen, mit dem er ee in Bezn^ auf Vielseitigkeit und GrQndlichkeit
des Wissens nicht aofgeaommen hätte,« und im Jahresbericht des König].
MaximilianBgjmnasiums schreibt Herr Rektor Dr. Wecklein über seine edle
Geistesrichtung Überhaupt: Das Wort Goethes, »dass die Muse zu begleiten,
doch zu leiten nicht versteht,« galt bei ihm nicht; die Muse war nicht
bloss spine Begleiterin, sie verstand ihn anch zu leiten. Ja! an Michael
Burger hat H iycrn oineo Mann verloren, von dem man sagen und rfihmen
kann, er sei gewesen:
Im Wissen reich und klar,
Im Leben p-ot und wahr:
Ein Vorbild immerdar!

Recensionen, Abband! angeii, Pro^j:ramme Michael Bur^^erB:


a) Reoentionen fn den BIfittern fQp das bayer. GymnasialsohuiweMn:

Bd. XIII. J. H. Schmidt, Synonymik der griech. Sprache. Bd. I. Leipsig,


Teubner 1876. S. 237-242.
Bd. XIV. E. Jürgens, Etymol. LehnwOrterbuch der deutschen Sprache.
BrauDschweig, Bruhn 1877. S. 92—98.
Bd. XV. Schmidt, Synonymik der erriech, Sprache. Bd. II. 1878. 8. 79 -82.
Bd. XVI. H. Perthes, Lat. Formenlelire, bei Wci lnuinn 1877; B. Barth,
lat. Lese- und Uebongsbuch. 2. Aufl. von Löwe. Leipzig, Qräboer.
S. 173-176.
Ehendort: A. Dräger, Histor. Syntax der latein. Sprache. 1. Bd. 2. Aufl.

Teubner 1878. S. 127—131.


Bd. XVn Schmidl, Syaonymii^ der griech. Sprache. Bd. III. 1879. S. 78
bis 80.

Bd. XVm. Hiutuer, Griecii. Schulgrammatik. Wien, UÖlder 1882. S. 29 - 31.

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6 Hidiael Borger.

Bd. XVIII. 0. L. Hotb, Anthologie lateio. GedicbtoiB&boagtB. Sftrtbeig,


Korn 1880. S. 47.

Bd. XVIII. Syl?. Köhler. Das Tierleben im Sprichwort der Griechen and
Börner. Leipzig, Fernaa. S. 207.

Bd. XIX A. Dräger, Hist Sjotax der ktein. Sprache. 2. Bd. 2. Aufligs.
18H1. S. 137- !39.
Bd. XXII. H. Matzat, Methodik des geoerr. Unterrichte. Berlin^ Parey 18^.
S. 235. (Berichtigung der Recensiion vod Schmitz).
Bd. XXIV. J. H. Schmidt, Synonymik d»r griech. Sprache. IV. Bd. 1886.

43-45.
S.
Bd. XXIV. Jos. Wagner, Zur Prfiparatioa von Piatos aaseew. Dialogeo.

II. Teil. Laches, Chdrmided, Lysis. Wien 1888. S. 42-43.

BcMBsioiei ii <ler Pkilolostoekei JUbMm:


1. Jabfg. No. S: F. WeieMr, Griech. Eleniiiiterbiieh. L TeiL 8. Auflage.
n. Tail. 6^ Auflage. Teobner 1860.
1. Ja]irg. No.44: Pries, Das Memorieren Im latelo. Uoterrieht Fkegr. im
Oyrnn. in Botin 1881*
8. Jahrg. No. 48: W. Votsefa, Lajkein. Syntax in MosterbeispleltD. Bmm,
Bideker 1881.
8. Jahtg. Ko. 9: C. Wollner, Sanmlnng poetiseher Beispiele den Haapt- n
regeln der grieeh. Syntax. 1. nnd 2. TeiL Ptogramne des Gyis.
Eaiseralantern.

In Hottingers Volksblatt, Strassb. Ii Aug. 1881:


Ludwig Aurbuchers Volksbüchlein. 1. und 2. Teil. Aus dem Nachlas*
vermehrt von Jos. Sarreiter. Leipzig, ßeklam.

b) Abhandlungen:

BL fikr das bayer. GymD.-Scholwesen : Bd. xn. Zor Didaktik der griech
Formenlehre. Eine noiif^ Art, die gnech. nnregelmftssigen Verbi
tn behandeln. 8. 345—354.
Bd. XV. Gymnasiallehrmittel ans Nordamerika auf der Pariser Weltaoi*
Stellung 1878. S. 97-104.
Ebeodort: Zur Statistik des eogliachen Unterrichts an den hom. Gyai-
Bayerns. S. 171.

Bd. XXI 11. Der Schaukasten im Klassenzimmer. 8. 489--497.

o) Pragramme:
1. Ein halbes Tanssnd griechischer WOrter, dem Anfilnger aas Pcemdslr-
tern und Eigennamen erklärt 46 8. 8^. Stadtenanstalt Freising 1874-
8. Oedsoken und Thatsachen. 39 S. 8<^. StudiensnsCalt Preising 1860>
(Tgl. Philol. BondsohsD. I. Jahrg. S. 284.)

Speier a. Rhein. Joseph Sarreiter.


GoBto? TtidmiflUtr. 7

Gustav Teichmüiler,
geb. den 19. November 1832, gest. deo 22. Mai 1888.

In wnm Alter , wo noch Vielen vergönnt iet, jahrelang tii&tig tu


sein, starb an einer naerwartet eingetretenen schweren Krankheit Gnatav
Teiehmflller, einer der eifrigsten nnd beliebtesten Professoren der Dor-
pater üniversit&t nnd seit beinahe awei Jahrzehnten der einzige Ter-
treter der Philosophie an dieser fiochschole, ein ausserordentUeh frucht-
barer Schriftsteller anf dem Gebiete seiner Wissenschaft, ein geistreicher
Oesellflchafter nnd nngemein anregender Denker nnd Lehrer.
Dem Referent, welchem, als einem seiner 8chlUer, die Anfgabe so
Theil geworden ist, Aber TeichmOUers Leben and seine Wirksamkeit hier
ZQ berichten, wnrde jegliches bierza n(>thige Material bereitwillig von
der Wittwe des Verstorbenen zor Verf&gnng gestellt, woftr ihr an dieeer
Stelle der verbindlichste Dank aosgssprochen sei.
Ooata? TeichmflUer wurde am 19. November 1832 in Brannschweig
geboren, wo August Teicbmaller, der in den Befreiuogakriegen
sein Vater,
als Lieutenant mitgekämpft hatte, nun als Rentier lebte. Seine Mutter,
Charlotte geb. von Girsewald, gehörte einer alten Ädelsfamilie des Landes
an und wa*- eine Frau, die durch ihre natürlichen Gaben es verstand,
den Mittelpunkt eines p-psGllicrrn Kreises zu bilden, in welchem nicht

nur schöne Litfrutnr, puidcni auch philosophische Interessen in Gesprä-


chen und neliiitten geptie^t worden. Sowohl der Verkehr mit Gelehrten,
Künstlern, he<iputenden Theologen diente zur Entwickeluii^^ des fröhrcifeu
Knaben im elterlichen Hanse, als auch der militärische Geist seiner Ver-
waiKltscliaft. Diese Einflüsse orEränztim lio Bildung, die Teichaiüller im
Brauuschweiger Gymnasinm erhielt, wo aul ihn unter andern der Exeget
Bamberger und der Grammatiker Kröger wirkten. Im Schulbesuch wurde
Teicbmüller gestört durch ein Augenleiden, ans ihm beinahe für eiu trauzes

Jahr (1848) die Arbeit unmöglich machte; iucli zog ihu ieiiie grosso
Neigung /.u {iliilo.siijihischer und andürcr Leclüre und selbstständiger wis-
senschaftlicher Arbeit zu seinem eigenen Verdruss von den Schulpflichten
ab, 80 dass or später zur Maturitätsprüfung gelangte, als bei seiner Be-
gabung sn erwarten war. Schon in der Tertia hatte er die Philosophie

als teinen Beruf erkannt nnd sieh fest entsehloseen« anf der ÜniTereitit
mit Fleiaa nnd Bmst die wissensehsfUiehe Lanfbahn sn verfolgen. Sein
Vater, der die Begahnng des Jung ngs frtth bemerkt hatte, nnteratfitate
veiatlndnissvoll sein Streben ond Itess ihn im Herbat 1869 die Berliner
üniTeraitftt beliehen. Dort atndirte er drei Jahre, mit Ansnahme einee
Semesters, daa er in Tübingen Terbraehte. Von beaonderem Einflnas anf
ihn waren der Physiolog J. Mittler^ der Physiker Dove, der Chemiker
Mltscherlich, der Geograph Bitter, der Qeolog Quenstedt, die Philologen

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8 GusUt TeichmOUer.

Boeckh, Meineke, Haupt, der Hi^t ike: Ranke, der Theolrg Nitzsch, der
Staatsrechtslehrer Stahl, die Philosophen Reiff, Visrher, vor allen aber
Trendelenhurg , den Teichmöller auch in >fiDen späteren Jahren steSi

mit gröspter Hochachtung und Liebe i\ls seiueü Lehrer nannte uüd uuta
desseo EiüfluHs er seine ersteu wisseDscbaftlicheD Arbeiten verfasste.
Im Mai 1855 wurde TeicbmQller plAtzlicb aos seinen Studien ge-
rissen, durch die unerwartete Nachricht vom Tode seines geliebten Vaters,
der ihn bisher mit al'en Mitithi zur iuitbildung ausgerüstet haiic. Er
sah sich nun materiell aul sich selbst angewiesen, da sich iijzwischec
die Vermögensumstände der Familie weniger günstig gestaltet batttn
uud noch die Erziehung zweier jüDgeren Brödcr in Betracht kim, mi
entscblos« sieb, im August 1855 die Stelle eines Ersiebers bei dem Mi*
Werther
niiter Fteiberni Toa ansoiiehiiieo, in deesen Hame er in Berlii
tmd aof dem Oote Hieboeeh in SehleeieD lebte end eoch onajigeeettf
seine wieeenacbaftlicben Stadien (ortsetsen konnte. Kadidem TeidmUller
am 28. JaU 1866 in Halle die Doctorwflrde erworben hatte, ging er aut
dem Freiherm Ton Werther nach Boaaland, da dieser als prenasiseh«
Geaandter nach St. Petersburg versetat wurde. Diese Betee wnrda gaat
entscheidend fftr die Znknnft Teichmüllers: in Bnialand aollte er dw ftr
ihn bedeutsamen Familtenliesiehnngen anknflpfen und einnml diej«n|gs
Stellong erhalten, in der er bia an aeinem Tode verbaute nnd dl« ikm
die grOssten staaflicben Ehren aowle auch die Mosse an seinen wiassn-
schaftlichen Arbeiten Terschaflte. Schon bald nach seiner nknnfi ta
St Petersburg kam er in Yerkehr mit mehreren Vitgliedem der Aka-
demie der Wissenschaften, besondere aber mit den Natarforacbem Ißd-
dendorff, E. E. von Baer, den Sprach forschem Böbtlingk und Schiefasr
und dem Archäologen Stepbani, und Teröffentlicbte aucb eine seiner ereteo
wissenscbaftlicben Arbeiten «Die Einheit der Aristotelischen Endämoniet
im Bulletin dieeer Akademie. Er genoss in der Hauptstadt Busslands
hohe Anerkennung, die er seinem sprühend lebhaften Geist verdankte,
sowie auch der Gewandtheit in wissenscbaftlicben Discussionen , dsr
Klarheit seiner Vorträge und seinen gesellscbaftlichen Gaben. Auf Som*
merreisen nach dou LandgQteru seiner Freunde lernte er Land und Leut«
auch im Innern Busshnds genauer kennen. Als Teichmüller 1S58 die

Stellung im Wertherschen Hauso :uifL'ccrrben hatte und im Begnö stand,


narli Deutschland zurückzukehren, übernahm er auf den Wnusch des Di-

rectors Wiedemann den griechischen TTnterricht in der Prima des deut-


schen GymnasiüinR der St. Anneukirche und den der Pädagogik in de-

Töcbterabtheiiung derselben Schule. In einem Programm dieser An*^^s-»

erschien nnch im Jahre 1859 »Die Aristotelische Eiutheiluug der Ver-


fasbuii^ölutüieii ,« worin Teichmüller auf Trendelenburgs Anregung dm
VerhaltQiää des Aristoteliscben Idealstaats zu den andern Verfassungf-
formen uuterbuchte. An der St Annenscbnle lernte Teichmüller auch
seine künftige Gattin unter seinen Schttleriuneu keunen, Anna Craiuef,

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QofUf TeiehmaUer. 9

die Tochter ehi66 wtl&ndtseheii OotsbesHMra, mit der er sich im Jahre 1860
ermftblto, als ihm nach beinabe firnjUirigein Aofentbalte Id Bassland di«
YerbältDine erlaubten, in sein Vaterland anrOekzukehren und sich als
Priratdoeent in Güttingen in babilitiren. In Sommereemester des Jah-
res 1860 begann er seine Vorlesungen, in denen er die Qeschiebto der
Philoaopbie bevonogte* Besonders blfibte in GOUingen sein Arietete*
liscbee Practicom, in welehem er onter seinen ZahOrem auch solche
halte, die spftter sich in der philosophischen Forschung aoaieichneten,
wie s. B. B. Euchen, der bekannte Verfiuser der Geschichte und Kritik
der Grondbegriffe der Gegenwart
Nach sweijlbriger Ehe starb ihm seine Frao bei der Gebort der
sweiton Tochter» und dieses ünglQck traf ihn so tief erschQtternd, daaa
ihm das Leben in der gewohnten ümgebong onertriglich wurde. Er
suchte xnerat Trost in neuen Studien nnd beschäftigte nch viel mit Me-
diciBf um dem TodOi dessen unerbittliche Strenge ihm sein Familienglfick
lerstOrt hatte, ktlnftig erfolgreicher entgegen arbeiten tu kennen; aber
es gelang ihm trots aller seiner Anstrengungen nicht die verlorene Bube
wieder su gewinnen; er entechloas sich daher, auf den Vorschlag seines
Schwiegervaters, diesem seine Kinder ansu vertrauen und trat im Augost
1868 seine groese orientali&che Reise an. Anderthalb Jahre weilte er
an den Stätten der alten Kultur in JLgypten, Palästina und Griechenland.
Mit reichen Erfahrungen und in seinem Innern geklärt, kehrte er nach
OOttingen snrOck, wo er seine akademische Lehrtbätigkeit forteetste und
lugletch an seinen »Beiträgen sur Erklärung der Poetik des Aristeteles«
arbeitete, die er 1867 herausgab nnd die ihm die Ernennung som Pro*
besor eztraordinsrius einbrachten. Während des Aufenthaltes in G9t-
tingen stend er inregem Verkehr mit seinen nächsten Fkchgenossen Lotse
und Bitter (nach dessen Tode er das Werk »Bitter and Preller Historia
phil. Graec. et Born.« in neuer Auflage herausgab), aber bei seinen viel-
seitigen Interessen auch mit Heule, Klinkerfoess, Weite, Emst.Cortios,
Domer und vielen andern. Auch einen neuen häuslichen Heerd gelang
es ihm tu grflnden, indem er sich im Herbst 1866 mit der Schwester

seiner versterbenen Frau, Lina Gramer, verbeirathete. Im Jahre 1868


folgte Teichmfiller einem Rufe nach Basel. Drei Jahre verbrachte er
dort in einer segenereicheii , glOcklicbeo Thätigkeit, onter Schfllern und
Collegen, von denen er auch später immer die angenehmsten Erinnerun*
gen behalten hat Dort verfaBste er den II. Band seiner Aristetelischen
Forschungen, unter dem Titel »Aristoteles* Philosophie der Kunst«, worin
er die in s&mmtlichen Schriften des Aris^toteles niedergelegten Ansichten
äber die Kunst verarbeitete. Wir sehen, dass Teichmüller sich bis in
hinein 40. Lebensjahre b^^inaho an<?gchlies»>)ich in seiner schriftstelle*

>i8ehen Tiiätigkcit in d« rn cngoii Kroi-e ikr von Trendeleuburg ange-


legten Uniersuchnngen auf dem ücbiet der Aribtotelischen Philosophie
^wegte, weil eatterül von jeglicher dulrtiibeudeu Polemik mit audern

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10 GiitUiT TeictuuOiler.

zeitcrenSssischen Forschrrn. Erst lüit seiner Berufung na<"h Porpit ha


Jahre 1871 trat für ihn eine neue Wendung m .meinen Arbeilen ein: wäb-

rend er vorlier von grösseren Werken nur die zwei ersten Bänce der

ÄriHtoteli^cht'n Forschungen herausgegeben hatte, beginnt mit dem Jaiut

1873 eine Reihe von grösiseren Werken und kleineren Abhaodlongen. die

schnell auteinander folgen, so da>is die Gesammtzahl der gröp^e'^en Werk«


bis zum Jahre 1888 14 Bände, die der kleineren SchrifteD und EecensioD«
41 Nummern ausmacht. Es eröffnet diese Reihe der III. Band der Aristo-
telischen Forschungen, der nur den Titel mit den beiden Toraagtgaiigtss
gemein bat, im Inhalt sich aber an die darauf folgenden Studien im 6d-
schichte der Begriffe anschliesst. In diesen Studien verfolgte TeicbmBllff
die Äusbildnn? verschiedener philosophischer Begriffe dcrch die wichäf*
sten Systeme hindurch, indem er Anfangs baoptaächlich die Abhänpr*
keit des Aristoteles von Plato und den Ursprong aller philo^ophiscbn
Begriffe bei Thaies, Anaximander, Xenophanes und Heraclit ontersncbk,
dann aber auch die Wirkung und den Einflnss der Griechen aof die Eu-
ehenväter, auf Spinoza, Kant und Hegel betonte, nnd so fortwährend da-
raof hinarbeitete, id der Philosophie eine nicbl wülkürüdie ond loftU^gi^

Müdem nothwendige Entwickelung nachzuweisen.


Hierauf nahmen die Arbeiten TeichmüUers im Jahre 1880 wmig
eine neue Wendung. »Nachdem er eine Beihe Ton Schriften hatte •>
98cheinen lassen, durch welche alim&hlieh das Platonieche Sjatem mm
•mehr in den Verdergrnnd des Interesses getreten war, und er in cisir
»Streitschrift gegen Zeller seine nene Auffassung des Platoaiamm ii
»eines bylosoistischen Pantbeisans geltend gemacht hatte, fährte ükm
»durch andere Gelehrte fortgesetite Streit Ober die Platonisclie Frage m
»chronologischen Untersnchungen fiber die Reihenfolge der plstonisrfcw
»Dialoge.! Er definirte die Dialoge als Streitscbiiflsa nnd Teienchts ihrt

Abfiusnngsieit dnrch ihre polemischen AnspielnDgen aof beotimmto SehriAm


von Zeitgenossen, von Xenophon, Lyeias, Isokrates, Aiislopliaiiee und sogar
von Aristoteles aachiuweisen* Es ist hier nicht der Ort, anf die Psli-
mik, die die historischen Schriften Teiehmflllers hervorriefen, niher tie-

iDgehen: dass TeichmflUer von so hervorragenden Forschem, wie 8ois>


mihi und besonders Zeller mltontsr hart benrtheilt worde, iai hialli^ifick

bekannt; aber weniger verbreitet dürfte eine eehr gflnstige Bserthettssg


sein» die Lotse Ober die Neuen Studien snr Qeschidite der BqgriSe is

den GCttingtschen gelehrten Anisigen vom 12. April 1878 veriSüsnlUchle«

Er sagt darin, dass TeichraQllers Methode der Unteranclinag sewtkl


als der Darstellung ihn so lebhafter Anerkennung anrege, sad
dass sie durch die Mannigfaltigkeit der snr Yergleiehnag her*
beigexogenen Gedankenatoffe ftberall nnterhaltend, spaa-

1) An dieser Stelle wird aus dem Sehriftsteller-LeiieoB »Dai Litera-


rische Dentechlaad« Artikel Teidunflller dtirt

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UiisteT TeichmOller. 11

nend nnd belehrend sei. Ferne!- bemerkt Lotze, dass in der Ge-
schichte der altPii Philosophie manche Irrthümer sich laiiire fortschleppen,
»weil eine Unsumme anf n'm verwendeter o<ier noch verwendbarer 6e-
»lehrsamkeit nutzlos werden würde, wonn nKin sie als völlig werthlose
»Einfalle der verdienten Ver^^es-enheit fi bertj-el t n wollte. Es ist mit
»Grund zu fürcbteo,« fabrt Lotze fort, »das» der angesammelte Träg-
»heitswiderstand dieser grossen Gelehrsamkeitsmasse sich auch Teich-
»müllers Versuche zu einer Geschichte der Ideen widersetzen werde; ich
»will deshalb nicht unterlassen, meinerseits meine Freude an dem Be-
»ginn und der Fortsetzung dieser Untersuchungen ausiosprechen , von
9denen ich gewiss zu sein glaube, dass manchen einzelnen l ankt cad- sie
»gQltig feststellen, und von denen auch da, wo sie nicht bis zu Ende
»gekonim sind, eine Ifenge der lebhaftesten Anregungen zu interessan-
»ten weiteren Forschnng^n aaagehen.c (Odtt. gel. Ans. 1876, SUlok U,
e. 461.)
Obgleich Iiotiee Name an dieser Stelle genügen könnte, erwftbne ich,
um TieUeiebt das Intereese mancher Leser an befriedigen, unter den deat*
neben Gelehrten, die sich mit Teichmüllera Aneiehten nfther vertraut ge*
macht haben, A. Spielmann (Platona Pantheismns 18tt), H. von Kleist
(Phil. Monateh., 1886) Blase (B. I. 38. Bd. 8. 284), Aehelis (Zeitechritt f.
PhUoe. n. pbilos. Krit, Fiehte-Ülrict N. F. 1879 Bd. I 8. 90—108), J. Ohee
<Zn Flatone Charmides, Fellin 1886), E. Pflnderer (Eeraklit 1886) - in
England A. W. Benn (The Oreek philosophers. 2 vol. London 1888), Wallaoe
(Aristottee Peychology, Cambridge 1889), in Frankreich. Thnnery, der
Ober TMchmQIlers historische Arbeiten folgendermarsen urtheilt: »De
tons les philoeophes dmdits, qoi ont approfondi cee difflciles questions,

nnl plos qne Gustav TeichmOller m'a pam an ooeur mdme de la v^ritä,

nnl ne m*a sembld avoir r^edifi^ un Systeme mieux lie, plus clair, et ^nr-
tout permettant une explication plus compl^te et plus satisfaisante et dee
öerita de Piaton et des donn^s extärieures que nous poss^dons sur ses dog-
mes.« (L'edocation platonicienne Bevue philoaophique XII, 626). »La m^-
thode et les nouvelles voies qu'il ouvre nous paraiasent propres ä amener
de profondes modifications daus les conceptions ordinaires sur le ddvelop-
pement de la pens^e humaine en g6n^ral et ppccialoment de la pen^f'^e

hellene.« (Rev. phil. XITT 501). öeber die »Litorarischen Fehden« urtheilt
Tannery: »Gustav Teichmüller, dans le premier volunie de sa Pol^mique
litt^raire au IV. siöcle avant J.-C. . jetait enfin, apr^s ks etTnrts infrnc-

tueux de taut de savants, le.« fondements definitifs d'nne Chronologie .scien-


tifiqne des dialop'nes de Piaton, et il dunnait de brillantes ]»reiives de la
fe'condit^ de sa meihnde. .lussi interes^sante par les clartes qu'elle repand
sur l (>eiivre dn prand Äthenien que par les resultats historiqncs auxquels
eile petit conduire« (Bev. phil. XX. 183). Schliesslich hat Tannery in seinem
letzten umfangreichen Werke: »Four Thihtoiie de la Scienco Hellene« Paris
1887« ganze. Kapitel nach Teicbmülier bearbeitet. Deu Umfang obiger
12 Gssta« Teichffi&Uer.

Cllate uJj^e der geneigte Leser daiorch eDtechnMigen, daii TaiuKtry a]j

euief der CfeileuteipihWii Kenner der alten Philosophie in Fmikreicb filt

und sein ürtheil LiivergleichlKb mehr ios Gewicht fallt, als das des Eei«-
retiieu, welcher, aia Scbtller TeicbmOUera, leicht ffir partMiach gtbaita
werden könnte.
Eine eroise Änerkeunrjner i)nd Beachtung bat TeichmtÜler auch in

Italien trefuüden, wie die» aus den Becensionen von Masci. Tocc«, <GkMr-
üale Napol. Vol. II, Nuov. ser. 1879 S. 27ü 296, CültLra Anno L X. IV
1881, fil-'suf. delle scuole ital. Vol. XXXU Die. 1885), Chui.^-i.j (Un
Duovo criticü di Piatone in Germania, Baseegna Setümanale lb79 VoL 4
K. 84) ond dem grösseren, fon der Akademie in Florenz preisgekrönten
W«rk TOD Cbiappelli (»Deila loterpiMAsioDe paoteietka di Platone, fl>
fmie 1881«) so eneben umä wie ich eelbtt iiei einem üiigeM Aef*
enthalt in Italien wahnunehmen Gelegenbett hatte. Ungeaebtel dieeer
Anerhennong, die ihm in fremden Lindern gesellt wnrde flr eeiae biete-
risch-phüoeopbiachen Arbeiten , blieb TeiehmlÜler nicht aof dimtm Wege

und wandte sieb in den leisten Jahren eeinee Lebens einer nenen Aal-
gabe sa, ttftmlicb der Daretellnng seiner eigenen philoeephieehen üelmr-
seogongen, die aUmlhlieh neben seinen historischen Untereoefannge« ia
ihm sn fdlliger Klarheit gediehen waren. Er glanbia in ihnen eine üeber-
einstimmong mit den Gmndlehren des Christenthnms sa erkennen ^ fui
im flbrigeo bei Leibnitt einige Anhnflpfangspnnfcte Ar seine AnffiiBnwnR
die er syslematieeb danostellen beabeiehtigte. Yen dieeem System sind
leider bei seinen Lebzeiten nar zwei Theile erschienen, nämlich die He-
taphysik und Religio nsphilosophie, wobei jedoch in beiden, nach
die
dem Zettgnies von ihm Torbereiiete
des Verstorbenen, nicht der ganze
Stoff zor Verwertbung kam. Es ist hier nicht der Ort, die philosophi-
schen Ansichten TeichmOllers daraosteilen, ond es sei nar noch erlaabt
auf die Eecensionen Ton Laas, J. Hoher, Ctopari, Eocken, König, Zöckler,
Lipmoe, Carri^re za verweisen, sowie aach auf die besondere Schrift
des Neapolitaner Akademikers Filippo Masci »Un metafisico antiofolniMh
uista Gustavo TeichmQller, Napoli 1887.«
In der Arbeit nn einer «reuen Gnindlegung der F^ychf^lrig^ie and
Logik« überraschte Teichoiüller eine schwere Krankheit (der Magenkrebs),
die ihn im Verlauf von drei Monaten dem Tode entgegenföhrte. Vor seinem
Tode hat er die Herausgabe seines noch nicht völlig abgeschlossenen
Werkes seinem Obse übertragen, mit dem er noch in meinen
St iiiiler J. letj-

ten Lebenstagen verkehrte und dorn er auch eingehende Mittheiluncren ilb«-

die beabsichtigte Philof^ophie des Christenthoros machte. »Neben*) sewm


wissenechaftlichen Weriieu pflegte Teichmüller von Zeit zu ü^eit jiopu ilre

Schriften über speculative und practische Frageu zu veröffeutlicheu , 9i>

Ober die Uusterblichkeit der Seele, über das Wesen der Liebe, über die

*) »Da6 Literarische Dtiutschlaad,« Artikel TeichmOUer.

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QniteT TeidimlUilir. 18

Franenemaiieipfttuni, ftber DarwioisinDs and Philosophie, Ober die Fidago-


gik« Q. B. w. Er schrieb eine Ghanktemttk der Araber, gab ungedruckte
Briefe ?on Kant und Fichte heraoe und beecbftftigte sich, namentlieh in
froherer Zeit, mit Anzeigen und Recensionen verschiedener Werke.
Für diejeoigeo, welche TeicbmOllers vielseitige literariache Tbätigkeit
beurtheilen wollen, dflrfte tat dieser Stelle ein voilstftndigiB Yeneiehnisa
seiner Schriften erwADScht sein.

1. Grössere Werke, kleinere Abliandlungeii, ZeitaDgäartikel.


1. Die Aristotelische EiDtheilang der Verfaeanngaformeo. St. Peters«
^urg 1859.
2. Die Einheit der Aristotelischen Eudämonie. St Petersburg 1859.
8. Zur Frage Ober die Reihenfolge der BOcher in der Ariatoteliachen
Politik (im Philologus 1860, 4 S. 164 ff.)
4. Ar istnteiische Forschungen Bd. I. Beitr&ge zur Erklärung der Poetik
des Aristoteles. Breslau 1867.
5. üeber die Differenz von Tragödie und Epos bei Aristoteles (in den
Verb, deutsch. Phil, und Schulm. iu Halle. Ontober 1867 S. iMfT)
6. Anstoteüsche Forscbongeo Bd. II. Aristoteles' Philosophie der Kuust.
Breslau 1869.
1. Anstotelische Furschuugen Bd. III. Geschichte des Begriffs der Pa-
rusie. Breslau 1873.
8. Die Unsterblichkeit der Seele. Leipzig 1874.
9. Studien zur Geschichte der Bf L^nfTi ,
f;67, IX S. Frankfurt a. M. 1874.
10. Ciigeuruckte Briefe von Kant und Fichte (Z. f. Pli. u. ph. Kr. 1874).
11. Ueber den Ursprung des Terminus inayw/i^ (im Philologus 1875 S. 567).
12. Die Platonische Frage, eine Streitschrift gegen Zeller. Breslau 1876.
13. Neoe Studien zur Oeschicbte der Begriffe. S Bde. Breeka 1876-1879.
Ii. Der Begriff des Baamee bei Locres. (Rhein. Uns. 1877. 8. 809 IL)
16. Franenemancipation. Leipzig 1877.
16. Darwinismos and Philosophie. Leipiig 1877.
17. Wahrheitegetrener Bericht Aber meine Beise in den Himmel, fon Im-
manoel Kani Breslan 1877.
18. Die Gemftldeansstellong in Dorpat: Ueber Landschaftsmalerei. Nene
D5rptache Zeitung, Januar 1878.
18. Znr Pftdagcgik der Elementarscbnien. Baltäeche Henatsschrift 1878*
20. PAdagcgtoche Fragen. Baltiactae Monatsschrift 1870.
21. Charakteristik der Araber. Baltische Monatsschrift 1870.
22. Die Beihenfolge der Platonischen Dialoge. Leipsig 1870.
28. Das Wesen der Liebe. Leipzig 1880.
24. Pädagogischee. Leipzig 1881.
26. Ueber haivaywj^ and ifnxMifp^ii' nad hufifltw, Philo-
logus 1881.
28. Literarische Fehden im IV. Jahrb. ?. Chr. Breelau 1681.
14

VI, Zur HrwilaroBg (mI ein« iMBjnM BeeiMif im U P*) PMiL


Bandsehfto, Jakif. 189S. 8. 988.
II.

M. Die wirkliclM und die iehthbw« W«lt NeM Griadle^af Mi^


pbjiik. BfMlsQ 1883.
88. U«b«r ilMi Drapmsg des BewoMtaniis. (Z. 1 Pb. 8. Kr. 1888).
88. LittrariidM Febdra in lY. Jfthrh. r. Chr. IL Bd. Bnttw 1884^
81. BsIigiAOspbiloflopiiie. Brailait 1886.

D. Reeensioneii aad äeltotAaieigeiL

sa. Tbilo. Dia tbeologiaiimid« B«ebt>- aad StMidtbn. GOtt. g«L Ah.
1862. S. 131.

8d. Trendelenburg. Natorrecht. Gött gel. Anz. 1868.


34. Piderit. Gehirn ond Geist Gott, gel Ans. 1864. 8.1184.
36. Hanne. Bekenntniese oder drei B&cber Tom Qlaaben. ADg. kiieU.
Zeitschrift, 1865. S. 143.
36. Taine. Les philosophes fran^ais. G5tt. gel. Anz. 1866. S. 401.
87. Teichm Qlier. AriFtoteliscbe foncbimgeo, \ RirihirtiniMgit Qdtt.
gel. Aijz. 1866. S. 1935.
88. Eue keil, de dicendi ratione. GOti. gel. Anz. 1866. S. 2027.
39. T reiideienburg. Historische Beiträge III. Gött gel. Aju. 1869.
S. 1841.

40. Teichtnfiller. Gesell ich te des Begriffs der Parasie. GÖtt gel. Aaz.
1872. S. 2049.
41. Teichmüller. Studien zur Geschichte der Begriffe. Gött gel. Aar
1874. S. 1167.
42. Harms. Betriff der Psychologrie. Gött gel. Anz. 1875. S. 402.
KittiBi und Preller. Historia philosophiae graec et ruman. Göll-
gel. Anz. 1875. S. 1185.
44. Bywater. Heraclit. Gött gel. Anz. 1877. S. 826.
45. Teich mQ] 1er. Ceber die Beihenfolge der Platos. Dialoge. Gött.
geL Adz. 1878. 8. 1313.

48. Tocee. Bieerche Pletottiebe. Q5II. gel. An. 1880. 8. S57.


47. Tannery- Tbalai et eee empruats b r£g> pte. Gött gel. Aug. 1880
8. 1068.
48. Porter. Pbysiologieel Metaphysice. G8tt gel. Ani. 1880* 8. 1188.
49. Bitter, Dr. 6. Die GroDdprineipieD der Aristoteliecben 8eeleiilebni
Pbil. BoDdacb. 1880. 8. 98.
50. Hettig. Katbarina von BieboDbfliven. Lit Centr. Hit 1880.
61. Billdn. Platonia de antiqoieeiiiia pbileeopbia testünonia. Pbil. Sand*
Bcbao 1882. 8. 46.

52. Frieeendorff. Grandries der ünterriobtilebre. Bigaaebe Zeiteag


April 1888.
53. Lotoatawaki. Erbaltung und Untergang der StaatBTerfaesaogaa aaeb
Plate, Ariatotalea ood MacbiaTeUi. Lit. Centr. 1888 April
OnatM TekbrnOlIer. 15

Ausser diesen Schriften und liecensionen hat Teichmflller seinen An-


sichten und Erfahrungen in zahlreichen öffentlichen Vorträgen, die er
häufig- ohne alle Vuibefeituiig aus dem Stegreif hielt, Ausdruck gegeben.
So hielt er in Basel Vorträge »über diu Aullassung der Welt und dos
menschlichen Lebens in den neun ersten christlichen Jahrhunderten,« in

Dorpat iu verschiedenen Kreisen über Pädagogik, GebchichW du I-iiih>

Sophie, über seine Reisen im Orient, Aber die BedeutunL' des Iheattjis,

über den Spiritismus, Ober G( ethes Verhältniss zur Philosophie, über Kants
Kritik der reinen Vernunft, über den Begriff der Bildansr, Zweck des Lebens,
Stellung der Keligion im Leben, über Poi t: aitatatucn u. s. w.
Hiermit kommen wir zu einem gauzUcii unbestrittouen Verdienst von
TeichmOlIer: es mögen Gelehrte nicht immer seinen wisse?) schaftlichen
Ergebnissen beigestimmt haben, aber kein einziger der Hunderte, man
darf sagen der Tausende von Zuhörern, die sich an seinen Vorlesungen
gebildet haben, wird leogntn können, dass Teichmflller ein ausgezeich-
neter Lehrer gewesen ist. Sein Vortrag, obgleich .-\>tematisch, wurde
nie langweilig, weil er immer anregende Gesichidpuukte heranzuziehen
wuäste, immer durch intere'^saute Anspielungen auf allen naheliegenden Ver-
hältnisse die Aufmerksamkeit wach erhielt. Da er sehr viel gereist war
und :ins?er Deutechland nnd Kusslaud noch Schweden, Norwegen, Däne-
Luaik. Belgien, Frankreich, England, Spanien, Italien, Griechenland nnd
den Orient besucht hatte, so verfügte er nber eine sehr grosse Menschen-
kenntniss, die ihm erlaubte, einerseits stine Rede dem Verstandniss der
Zah?^rer anzupassen, andererseits aus lobtn liger Erfahrung treffliche Bei-
Sf iO'O znr Erklärung der tiiei retischen Ansichten herauszugreifen. Er be-
gann gewöhnlich damit, den Stoff logisch zu gliedern und prägte üio Ein-
theilnni^' dein Tiedfichtniss <ior Zi.hi.rer ein, indein er sie auf einleuchtende
Grüniie stfit/te, und liei den einzeiuen Gliedeni i!ir Verhaltniss zum Gan-
zen ( harakteriöirte. Wenn er Geschichte <ier i'hilosophie vortrug, wusste
er u])jectiv die Ansicht der Philosophen vorzutragen, oder vielmehr
sich ^elbst so vollständig auf den Standpunkt des darznstellendeii Philo-
sophen zu versetzen, dass man ihn nach der Keihe für einen Aristoteliker,
Pant [leiste II, Kantianer, Hegelianer oder gar Materialisten hätte halten kön-
nen, wenn nicht immer auf die Darstclltinir -rh her Systenie eine humor-
^'dle, zerslöreniie Kritik gefolgt wäre, die wiederum Teichmüller als Skep-
tiker erscheinen Iiess. Skeptiker war er jedoch am allerwenigsten, und
«r püegte in den Vorlesungen , wo von der Philosophie im Allgemeinen
die Bede war, immer die Herrschaft der Vernunft und die Fähigkeit des
Menschenfereistos ii-üiaphysische Wahrheiten noch klarer als die der Sinne
tu erfassen, auf das nachdrücklichste zu betonen und auf das überzeu-
gendste zu beweisen Teichmüller hielt in Dorpat Vorlesungen über Ge-
schichte der Philosophie, Logik und Metaphysik, Pädagogik, Religions-
philo^ophie. Philosophie des Christenthums, Ethik, Aesthetik, Psychologie,

Hechte^hilunophie , nnd obgleich er eins der grOastou Auditorien za sei»

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16

uBt V«fBgQ]ig hitti, wir dtr Aadnog der ZaUnr m gna» tei^ hmm^
dtn am Aafuig des Btmmttn, ia» Znklrti^gi^oM— ^ Mm ftttai
Ibndüi nod ftebm noMleii.
Anter d«ii Vorttiaii^ bot T<kh—Ihr ScUlin Mcfc mm hMg
OokgtDhMt, TM ihm pontaUdi flter wiiwiiclnftKch» Pnbte AiTkÜ-
TOBg 1B orlialtaD. In jodMi StoMiter Witte <r mm Pisdkn, n «tlctai
Jeder gins frei ihn befragen koBDte, ehoe ao belMiteB, daaa aeiae ¥imgm
uebetflckaicbtigt bliebtn, oder gar, wie diee gerade bei fbiloeifMarhei
Fragen ao leiefat ist, mit Spotl oder Sehers abgefertigt wMei. T«icb-
DfiUer, der ea hl «einen SebrifIeD gewagt hatte, den grOeeten Philoeopken
der Heoaeit bomoristisch zq verspotten (Wahrhettagetreoer Bericht über
meine Beise in den Birnuie), Ton Imm^muel Kant), oad der hürjg^ gering*
echfttaend ftber gewisee Lehren selbst der anzesebeneten Z^iteeDosses
sich aoBsprach, konnte in eeinem Practtcum nitooter ganz verkehrte ond
licheriirbe Ansichten aeioer Zuhörer mit der grö&sten Milde anhören; ja
sogar, wenn jemand seine Ansichten nod Einwürfe nicht klar and deo^
lieh in Worte zu fassen im Stande war, wusste TeichmfiUer diese zu er-
ratheo, un1 zum Erstaunen des Opponenten diesem dessen eigene Meinung
in einer für Alle veiständlii htn Wei^e dariulegon, sie «?esto besser
nachher zu widerlegen. Nie wendete er im Verkehr mii seinen Schüiera
die Professoren- Autorität an, um damit die falschen Ueberzeacnngren ohnf
Untersuchung todt zu machen; immer hatte er Gründe hei der U^nd ticii
forderte «elbst TriypOl t^ und Bescheidene zur Di^cnssi-ni heran?, üm da«
Tei dien'it Tei' hmuiiers m dieser Hin-^icht zü begreifen, muss ui^n bedenken,
daes in I>"rpat ausser den Bewohner« der baltischen Pruviuzen viele ßusjfeD
find Piden .^^tudiren und unter diesen sich viel mehr leiienseh ifdich U-
geiött'rt« Auhänger des PobitiiiaUius und Materialismus, beredte Feinde
aller Metaphysik finden als in Deutschland: es kam daher mitanior in

Teichroüllers Pratlicum zu lebhaften Dis« us.-ioiien übe; u.e Grundpro-


bleme der Philosophie, diss nur die ausAerordeniliche Gew^iuJtheit und
8chlagfertigkeit des Professors diesem seine Autorität erhalten konnte.
TelchmQller bat Viele aof den richtigen Weg gefBhrt ood Manchen dtr
Philoaophie gewonnen, der aieb gar nicht aeiner Begabnng ftr dieae Wla-
eeoachaft bewnaat war: alle dieee werden aeine Belehrungen nie feigeeaaa
nnd ibm ateta fhr die tiefere Binaiebt, ao der aie durch ihn in philoae*
phiachen Dingen gebracht wurden, dankbar aein.
In einer noch freieren Weiae ala im Pradicam worden iathetiecfai^

ethiacbe ond metapbyaiache Fragen ?erhandelt in den geeeUigen Abend«,


IQ denen TeichmfiUer die meiaten seiner nftheren Schiller in nein Haaa
eiaaoladen pflegte, nnd wo anch anweilen ProfBewren eraehiedener Wi^
aenachaften an den Diacusaionen tbeilnahmen. Immer woaate TeiehmOUir
die weeenüichen GeBichtopnnkte ao betonen ond wirkte dadorch nngemaia
anregend, indem die Qegenstftnde, die dnrch ihn gewihlt worden, in immir
weiteren Kreiaen der Stndentenachalt daa Material an emiterM Geeprtobia

kjui^L-o i.y Google


Goit»? Teicbmattwr. — Arnold Gorb«r. 17

2iiiäi«B Hill io die Boflcbiftigmig mit der Pbüoeophie ao dar Dorpater TToi»

8«iitit fikderten.
•Aoeh ADgesicbls dee Todee ferlengnete Teichmllller aeine eeht pbi.
.y >phi8ehe Geeinnong und seine üebeneagoDg von der ewigen Fortduer
.
'
Seele nieht; er wosete, dses aeine Knnkbeit onbeilbar sei, und traf
TftUiger Geistesklarbeii und Bube die Torbereitungeo snin Absdüed
i den irdiseben Leben.

Droidowo bei ^uuiz i (Eusslaad), W. LutosIawskL


19. August 1668.

Arnold Qerber,
geb. den 15. Oktober ie27, gest. den 21. April 1888.

Otto Friedrich Arnold Oerber wurde am 16. Oktober 1827 so


Jendebwrg geboren, wo sein Vater Arcbidiakonos war. Zuerst besoehte
f dae Gymoasiom seiner Vatorstadt, dann von Michaelis 1841 bis Mi-
iiaelis 1847 das Gymnasium zu GIflckstadt, an welchem sein Vater,
Ibenfalls ein ScbQler dieser Anstalt, auch als Lehrer gewirkt hatte- Um
nob der Philologie zu widmen, wandte er sich zuvörderst seiner Landes-
iniversität Kiel zu, wo besonders der geniale Kitzsch einen nachhaltigen
Einfluss auf seioe dem Idealen zugeneigte Natur ausübte. Er wurde je*
doch durch die politijjchen Wirren jeuer Zeit seinen Studien 1848 bis
1851 entzogen, indem er in die holsteinische Armee eintrat und begei-
stert für Schleswig- Holstein gegen dänisches Joch und Vergewaltigung
kämpfte. Ostern 1851 nahm er seine Studien wieder auf, die er dann
von Michaelis 1862 bis Michaelis 1853 in Bonn, namentlich durch Bitsehl
angezogen, zusammen mit seinem späteren Kollegen und Direktor D. Det-
lefsen fortsetzte und Ostern 1856 in Kiel beendigte. Nachdem er hier
sein Staataeiamen abgelegt und sich den Doktortitel erworben, war er
?on Ostern 1856 bis Ostern 1857 an einem Knabeninstitut zu Trittau in

Södholstein tluitig-. Die damals wenig erfreulichen und wenip aussieht^ vollen
Zustände iii llulslpin bewogen ihn, sein IleinKitliland zu verlassen; er trat
iQDächst in preussische Dienste und war von Ostern 1857 bis Michaelis
1858 wissenschaftlicher Hilfslehrer am Gymnasium zu Minden^ sodanu
bis Michaelis 1860 kommissarischer ordentlicher Lehrer zu Barmen. Per-
Boolicbe Verhältnisse, die sein Geumliisleben stark zu afßcieren drohten,
Hessen ihm aber einen baldigen Wechsel wOnschenswerth erscheinen,
und so ergrifif er, da der österreichische Staat damals deutsche Lehrer
an sich zu ziehen suchte, gern diese Gelegenheit, sich einen anderen
Wirkungskreis zu verschaffen: er erhielt Herbst 1860 eine Anstellung für
»•krolof« 1688. 2

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4 -— -1 j rt 1
IS

die klmischen SfNidiM «a d«D bm gigiUalilMi lya^giBwIii Slnlicy»


tiariitin so Lentoebao, «bmi rmnin StidtdMO ! Uigan, «• «it
baa|it is dm Konital Liiw deatocb« BSdiuig! dentis die TOrlieiniiieedt
wer. Hier verlebte er —
iMS verbciralkele er sieb süt eiMr Dsslsib-
DsgariD sss Levtaobse, Hennifie Kirsj (d. L KSb%) eias eehr gUelr- —
liehe Zeit, ah Deutaclier sad wegen seiner erprieesiiebss satBefcss Witb«
samkeit von allen geaebtsk snd sogleich infolge seines ageasbsMi, «is
iovialenWseeoe Qberall gern gesehen; begeistert rühmte eroeeb in epUscse
Jshren die ongariMbs Gastfrenndscbaft sad die im Verein mit Freandcs
und Kollegen ontenKOiiiienen Gebirgspartieen nach den schtoeo G«geodss
der Tatra. Aber aach hier sollte seines Bleibens nicht sein. Bereits in
ersten Programm des Gymnasiums, Leotschaa 1861 S. 31 schreibt o. a. de
Direktor Schubert, den Protestant'snrjs sehr stark betonend: »dies neue
Werk . das schon vnr sf>iner Krötlnung so viel Widerspruch erfahrei
und auf das anstatt cliristiicher Bruderliebe Verfoigpnder Hass geworfeo
worden ist.» Als nun srar der dentpch-f'^tt-rreichische Krieg von 1866 för
Oesterreich einen so uiigiückiiciieti Veridui genonjuien hatte, war es eine
unliebsame Folij:e desselben, dass im Königreich Ungarn die deutsche Ns-
tionaJität Qiehr und mehr vor dem gewaltsamen Drängen der Ungarn wei-
chen musste. Das noch jetzt fortdauernde Streben ging sofort darauf hin,
alle dentschen, znmal protestantischen Scholen in nngariscbe zo verwan-
deln, alle deutschen Lehrer aus dam Lüude zn vertreiben. Auch Leol-
Bchau widerstand nicht diesem Anprall der Uügarisieruiig; da^ Gymnasium
worde als deutsches Ostern 1868 aufgelöst, statt des bisherigen prote-
stsntischen ein ksthoHschsr Direktor berufen, Gerber erst zur Disposition
gestellt) taWsibDschtoB aber reo oogariscbeii Mtnislsrinai entlassen. Im
Mdrs 1869 erhielt er jedoch in deo desteeben Tbeilea des deterreichisches
Staates, und swar am evangslisebsD StaategjaiDasion sa Teaebea in Oester-
leichiseh-Scblssien, wieder eine Stellung als k. k. ProfMssr. Dsff biiib
er bis Ostern 1870.
In die Zeit ssines Anfsntbahee in Lentssban (bllsii, nacbdea er dii
Abbandlssg Uber dw deotscbe ItMlsebnle und dss tatein avf dsrselbes,
Kasehao 1861, swsitsr Tbeil 1862, gesebriebea, seine Arbeitso über Tl^
eitns: Dispatatio de Tkcite reram seriptore tali, ^oalem bennni erateie«
requisifit i^ointiliaaiis 1861« Disssrtatio de partieolanNB qoedasi in s«-
msns de partienla an 1865. Vgl.
Tacitt proprtetoto 1868^ Dissertotio
lelogSB XXV. Durch diese Schriften war er dem jettigen Pt^
p. 129.
fessor in MQnchen Wölfflin näher getreten, und beide beabdcbtigten ew
liSiicon Tacitenm nach den Prinzipien herausssgeben , wie Wölfflin s4*
brge in seinem für die Betrachtung der Entwicklong: der teciteiscben
Sprache berühmten Jahresbericht im Pbilologus Bd. XX7, XXVI, XI?II
dargestellt hatte. Da dieesr jedoch durch seine Berufung als Professor
nicht mehr in der Lage war, seine Th&tigkeit auf einen einzelnen Schrift-
steller in so epssieUer Weiee so konientrieren, so trat der Uatensiobaite
AnoM GwiMr. 19

ii Qmrbmr in Tefbindoog, nod wir beide haben dann nach einen bis
ibiD unbekannten Grondiafai, nicht nur k la Merguet mechanieeh das
ilUtiiidige StelleDmalerial ao geben, eondern dieeee naeh seinen Tersebie*
•mh Bedeutungen so bearbeitest dae Werk in Angriff genomtneD, wohl
isMnd, dass gerade in Bezog aof einen Tscitos die in diesem Sinne un-
trnoiDDaene Bearbeitung ganz andere Schwierigkeiten fflr die Entwick-
2ug ond Darstellang der Bedentungen in sich berge als etwa ein Leiicon
o Caesar, Sallust oder Livius bieten würde. Ein blos bequemes Nach-
cblagebnch zu geben, iat gar nicht die Absiebt des Werkes: dieser Ge-
ianke war auch scboii durch den so zu sagen oft flbervollen und zugleich
läufig äusserst Terscbiedenartigen luhalt der einzelnen Worte ausgeschlos-
sen, falle es einen wirklichen Fortschritt in der Philologie erzielen wollte.
Der erste Fasciculus erschien 1877, der letzte 1886, ein siebenter, bis
cneditatnentuin reichend, ist im Drucke vollendet. Wenn Gerber sich auch
schon vuihür luit dem fcjludium des Tacitus eingehender und zwar beson-
ders, wie auch seine Programme zeijfen, mit den Partikeln beschäftigt
hatte, so fällt doch seine Arbeit uui Luxicon Taciteum in dio Zeit seines
Aufenthaltes \u Gluckstadt, wohin er Ostern 1870 aus Teschen berufen
vi.rtJe. Da er nämlich durch seine bit-herigen Erlebnisse zu der Ueber-
zeii^ujig^ gekommen war, dass seine Existenz in Oesterreich auf die Dauer
keine gesicherte mehr sei, so fasste er, der mit Glücksi^uterü durchaus
nicht gesegnet war, trotz voraussiclitlicher Einbusse an Einkommen den
Kntschluss, in sein Vaterland zurfickzukehren, wo sich seit seinem Weg-
fraiige eine so pewalti^'e und segensreiche Aenderuner der Verhältnisse voll-
zogen hatte. Nachdem er auf der Kieler Phih>lutreij -Versammlung 1869
seine Lage dem Königl. Provinzialschuhalli Snuimerbrodt vorgestellt hatte,
worde er — ein sehdnes Beispiel unserer Konigl. ßegienm^^ eineni alten

Schleswig-Holsteiner gegenQber — unter Anerkennung stjner u'^nzen bis-

herigen Dienstzeit Ostern 1870 als erster ordentlicher Lehrer uut dem
Titel Oberlehrer am Königl. Gymnasium zu Glück^tadt angestellt: er stieg
Osterfi lb72 zum dritten etatsmässigen, Ostern 1876 zum zweiten, Ostern
1679 zum ersten Oberlehrt^r aut und erhielt Juni 1884 den Professortitel.
Hier in Gluckstadt schrieb er ausser einigen Recensionen im Philologi-
schen Anzeiger von ?. Leutsch und kleineren Artikeln un Pbilologus, welche
sich auf Tacitus bey.nsren, die beiden GymnaHialprograinme Nonnulla de :

usu praepositionuui vom Unterzeichneten im l'hi-


apijd Tacitum 1871 —
lulüg. Anzeiger Band IV S. 293 -302 besprochen De c« nninctidDiiin — ,

temporis ante-, (prius-) postqnam, dum, donec, quoad et de coq-


iuuctionum c ricessivarum quam quam, quamvis usn Taciteo 1874.
Natörlich verfolgte Gerber auch in der alteu, wiedergewonnenen Hei-
math die Vortrantre in Oestreich - Ungarn stets mit lebhaftem Interesse
ond bekltL'te es tief, dfl«!s die Unterdrückung des Deutscbthums immer
grössere Fi rischntte machte; wusste er doch aus eigener gröndlichen An-
•chacoog, dass zugleich das Zurückgeben des f rotestautiäuiuü uud der

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20 AfBoM Öortor. - JtkMma Meponk Ott.

BildoDg eine nothwendigo Folge daYon sei. Ifit Eifer ergriff er die Idee
des deatschen ScboUertins, trat in Verbindong mit dem Yorsitxeod«» 4m
Kieler ScboWerein?, dem jetzigen Professor in Marbnrg Fischer, ond grte-
dete in GlQckstadt einen ZweigTerein, dessen Vorsitzender er seit 1882
war. Seiner Beg^eisterang für die edle Sache nnd ^emetn onennödiichea
Streben ist es zu danken, dass die Ortäigruppe Qläckatadt in VerbalfifiiM
III andern recbt viele MiU<:Ii<^^^r hatte.
In den letzten Jahren iiug Oerber zu kränkeln an, doch hoffte er»

da ihm dnrrh die dankenswerthe Bewilligung •ie^ K'ni^I. ProTiDiialschu}-


kolkgiüuis btiJentende Erleichterung in seiru r aoiilichen Thitigkeit loge-
sagt war, sich mit frischer Kraft seinen Studien wieder hingeben zu kC-o-

nen: aber am zweiten Weihnacht^tage 1887 warf ihn ein leichter Schiag-
anfail aui üa^ Kfitbkeulager , von dem er sich nur langsam erholte: ein
aweiter Schlagfluss am 21. April entriss ihn am selbigen Tasre der An-
stalt, an welcher er 18 Jahre lang mit Treoe nnd gru^^em Se^eo ge>
arbeitet hatte.

Göttingen, Juni 1888. A. Greef.

Johann Nepomuk Ott,


geb. & Jooi 1638, geat 16. Ajini 1888

In dam rooaotiaeb an dar Donao gelegenen öpfiagaii, «nwait nm


Ulm, in dem aehOneo wflrtftambergischen Oberland wurde am 8. Jottt IBM
ala letzter SprOfsling einer wohlhabenden, mit Kindern reich gaMgaaln
Bauernfamilie Johann Nepomuk Ott geboren. Da der kJeta« »^ana«
frfthseitig eine glückliche Begabung verriet, so wurde derselbe von seinen
Eltern für den geistlichen Stand bestimmt, eine Laufbahn, welch« aehaa
ein älterer Bruder mit Glück betreten hatte. Es war dies der qAIv
hochancresehene Dr. theol. et philos. Meinrad Ott, Profeasor am Gymna-
sium in Kottweil, langjähriges Mitglied der Köoigl. Kommission für die
philologischen Dien-^^tprüfungen in Stuttgart und schlief^lifh Rektor des
Gymnasiums in KinriL'-eii a, D., eeb. lo. Januar 1830, trest. 30. A[ nl 197?.

Was zunächst den altpren der l>eiden Brflder, Meinrad Ott, anbe-
langt, 60 hatte sich derselbe nach seiner Ordination z!7m katholischen
Geistlichen entschlosseu, sich dem höheren Lehrfuche zu widmen. Zc
diesem Zwecke besuchte er noch nach Absolvieröiitr seiner theologischen
nnd philosuphiacheu btudieu in Töbiugen die Universität Erlangen und
wurde ein begeisterter Schüler Nägelsbachs. In WQrttemberg nämlich,
wo manche philologische Lehrstellen mit kirchlichen Pfrfinden verbunden
sind, finden sich immer Geistliche, die an den gelehrten Schulen als
I<ebrer thatig sind. EOunen solche Lehrer bei den gesteigerten Ao-

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JoluiDD Nepomidi (Ht 21

prflcben un flir» Leislongilibigkeit aBch keine aa^d«bnte sc1)nflBt8ne*>


iaehe Th&ligkfiit •atlUtoo» ta fenreoden m« doeb in der Beikel um m
nergweber ibre MaooMkraft im praktiscben Scbuldieiiet und aiohan eieb
0 apiteren Jabran in die Sülle einer Pfarrei aorftck, am wieder jflngeren
rriflair Plate an naeben. Der Staat bat keinen Nacbteil dabei, anöb
lieht die Scbnle. 8b dkflfet» nur dae als ein Nacbteil angeeeben werden« •

iab Folge dieeer Verbfiltnisae Ton wttrttembergieeben Ojmnasial»


in
ebrern im Ganten weniger gescbrieben wird als anderw&rta. Nach eol»
iben Yorgingen batto Meinrad Ott als jnnger Geistlieber die Laafbabn
nae« OjmDasiallebrera betreten. Dürfen wir Yen ihm naob dem eben
Ingadenteten aneb keine grofira litterariacbe Tb&tigkeit erwarten, so bat
n doGh mancbe gläasende Proben seiner Eraditien aar YerOffeatlicbnng
^braeht. Er scbrieb unter anderem 1. drei GymnaMpregramme 1861
m 1868: »Die ajriseben »Anserleeenen Sprfiebe dea Herrn Xistas, BisebefiB
ren Bona — aiefat eine Xiatoescbrifk, sondern eine flbeiarbeitete Sextins*
•cbriftc. 3. »Die Sobstantirierong dea lateiniscben Adjektl? dorcb Bl*
tipae«. Bottweil 1878. 8. »Die Homsaititalebrea beidnischer Pbiloeopbie
um die Zeit Cbristic TObinger Quartalsebrifb 1870. Indeesea lag der
Scbwerpnnkt der Wirlnankeit dieses bocbbegabten Hannes in ssiner an*
regenden Persdnlicbkeit; aeine Umgebong bewanderte an ibm seinen on-
ermadliebea FleiA, aeine GeftlUgkeit and Bescbeidenbeit« seine Harm*
loeigkeit nnd onglanbliebe Bedürftiislosigkeiti seine aablreieben Sebfiler
sahen in ibm das Ideal eines Lebrera nnd Gelehrten; seine Behörden an*
erkannten ihn dorcb Beisiebnng in die Kemmissioa ftr die philologischen
Dienstprfiftingen in Stottgarti dnreb Yerleibnng des Bitterkreoses des
Friedriebsordene und dnrch BeiKrderong anm Gymnaeialrector.
In frttberen Jahren war der Utere Broder dem Jfingersn ein leoeh*
tendaa Vorbild; in spfttsren Jahren wirkton beide an einer nnd derselben
Anstalt anaanimen nnd blieben bis an ihrem Ende dorcb Einheit dea
StodioBo nnd dnreb brttderliebe Liebe wbnnden. In seiner letiton lang»
wierigdn Krankheiti die er sich wohl dnrch Überanstrengoog zugezogen
hatte, Bochto der tttore Bmder bei dem jQngeren Zoflncbl nnd Pflege
oad reroebied am 80. April 1878 sanft den Armen dea*
und friedlich in
selben. Die WissensohafI erlor an Dr. Meinmd Ott eben begeisterton
Jtngsr, die Schale einen tAebtigen Lehrer, die Kirebe einen pflichtge-
treoen Geistlichen, der Frömmigkeit and Gewissenbaftigkeii mit gesundem
pbOeeophiBchen Denken so wbindett woÜito.
Die Laafbabn des jQngeren der beiden BrQder, des Jobann Kepo-
Bok Ott, bewegto aich wie die seines iltoien Brodera in dem Bahmen
•ines idylUscben Qelebrtonlebeos. Sebie Kaabeigahre bracbto er in der
gmiBdeo kräftigenden Lnft seines eltorlieben Hofgutes an. Zsitlebena
hUebeo ihm diese glOcklicben Jahre eine Qoelle der angenehmaton
mneroDgen nnd begrOndeten in ibm eine bleibende Vorliebe Ar das Land*
lebia. Wie oft bat er eeine Freunde mit Anekdoton ane dieser Zeit an

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93 JdiaBD Kep«mnk Ott

ergötzen gewtifst! Nachdem es im Elternbanse beschlossene Sache war,


dafs iHannet sich dem geistlichen Stande widmen solle, kam an das
Gymnasium in Ehinjren und trat in den dortigen Knnvikt ein, wie er

auch nach seinem übertritt aof die üniverfiität Tübinpen in di? dn-tige
Wilbelmsstift aufgenommen wurde. Wegen seiner hervorrfiLreriden Be-
paViun^:, nicht minder aber auch wegen seiner geselligen Eigenschciften,
wegen seines köstlichen Humors und seiner uuvQrsieglichen Hniterkea
wurde und blieb jDliann Nepomuk Ott der Liebling von Lehrern und
Kommilitonen. Kach näherer Bekanntsrliaft mit dem akademischen Leben
änderte er seinen bisherigen Lebensplan und widoiete «ich auascbliefslich
dem Studium der Philologie. Von Töbingen begab er sich auf die üni-
ersitHtenWien und München und bestand im Herbst 1864 das philolo-
gische Professoratsexamen. Hierauf wurde er vorübergehend als Ober-
präceptoratsverweser in Mergentheim und als Präceptor in Spaichingen
angestellt. Im Herbst 1865 bezog er noch einmal, um auch die nord-
deotscben Philologen kennen za lernen, die Universität Leipzig, hörte
vnlsr andmm bei BitseU, Curtin« ond Zarncke and kam hieraof nach
Irarm VenreoduRg an den iiBtercii Eknen 1868 an das ObergjniiiMiaB
m Rottweil. Yon da an begann ftr ibn «Ina Zait nnontarbndieiiaB 8cte^
fans im Dienrta der Wissenaohafl nod dar Bchala; aa fehlte aber aicb
Samern Lsban nicht an anrftrrasndan Liefatbliekan. Im April 16S8 achlofii
ar mit Hildsgard Barkaid ?oq Botfcweil dan Bond der Bha, ana wekfasr
naht hotfoongaYoHa, bitthende Ktndsr entsprofstsn; im Herbst lB*t8 erfblgta
seina Bmennang mm Bektor; 1860 arbielt ar von 8r. Kajastftt das Bil>
tsrkraaa das Friadrichsordana; 1882 abrtsn ihn aaina Ifitbllrgar dnreli die
Wahl dan Landtag, dam ar bis so seinem Tode angahftria.
in
Üm
dia PanSniichkait Johann Nepomnk Otfea recht witrdigan sa
kSnnao, mofs man ihn im Alltagegaifiad gesehen babao, wie ar im Kniss
asinar Schfller, im Schofse seiner Familie nnd im Umgänge mit aainss
Frannden sich bswegte. Der Gelehrte trat hier ganz in den Hintergrand;
Niemand sah es dam einfachen Manne an« welche Ffllle von Oelebrsam-
halt in ihm verborgen war. Auch lag seine Bedeutung nicht im Schrei-
ban, sondern in der praktischen Verwartong seines Wissens im WBittsl-
baren Verkehr von Person zo Person. So zorfickhaltend er sonst war«
konnte er eine eretaonliche Gelehrsamkeit entwickeln, wenn er mflndlidi
oder brieflich in einer wissenschaftlichen Frasre nm seine Meinen»
fra^t wtirdp. Dabei büeb er anppriniislos über die Mafsen. Ais ihm
gelungen war, für sich und seine isunilie ein bescbeidenp«? fleim mit
einem Garten in der Nahe der Stadt zu erwerben, glanbte er das Ziel

seiner Wünsche erreicht tn haben. Hier umschiofs ein entrer Kaum a!!e5.

was ihm heb und teuer war; hier sah man ihn nach angeHtrengtem Sta-
dium mit dem Grabscheit in der Hand bei seinen Baumanlagen, oder reit
der Bienenkappe auf dem Haupte hei seinem Bienenstande die Stnndeo
der Krholung zubringen; hier genofs er im Umgang mit Fran und Kia-
Johtmi Kepovittk Ott

tarn Mint rtintten mid mgvtrflbiotteB FrendoB. Anf tin ErMogois Bei-
les Qartnit pflegt» er etolier sn sein ale eof eine nieeeBeehaftlictae Lei-
iftuB^. Da er bei eeieer ümginglicbkeit ood Freendlichkeit JedermADii
Mine Srfiiluratigeii eis und tlMoreiiedier Landbebener nnd
praktieelier
l^Artmkltaietler gerne nittetlto» kam
er in den Bof ale Imker und Pomo-
lo0* «ioe Aaktoritit so eeio. Diee trog otokt wenig data dab er M,
iB der Stadt nad aaf dem Lande einer groüMB Popolaritit eich erfreute.
Als miin im Jabre 1888 die Wahl ftr den wflrttembergieehea Landtag
bSTontandy worden die Stimmen .der Wähler oneebwer aof aeinen Namen
emtnigt, obwohl er niemale in Olfentlicben Fragen Stellong genommen
bfttte. Aber gerade deawegen eobien er damals der geeignete Kann so
a^. In Wftrttemberg nftmlieb hatte aoeb der preoisische Koltorkampf
iBoofern aeine Wirkoog geftoibert, dafe bei der katbolieeben Bof^lkeroog
^ialfafib eioe tiefe MiftetinnDong Plati gegriffen hatte. Diese Mifoetim-
BBong kam gelegentlich der politischen Wahlen an die Oberflftehe ond
Yorbitlerte in hohem Orade dae Parteileben. Diee aeigte sich aoeh in
deoi grdistenteils aoe einer katbolieeben BevOlkerong beetehenden Batt-
weiler Besirke. Als je doch anfbnga der achtsiger Jahre die innere Lage
aieli geUftit hatte ond der ktrchenpeiltische Streit einem Aosgleicbe nahe
stand» war maä der aofregeoden Parteikfimpfe flberall mfide geworden.
Da Ott einerseite ah flbersengoogstreoer Katholik bei den Katholiken,
aBdarareeita ala billig denkender Marni bei allea Parteien in Achtong
slaad, eo werde ea ihm aicht schwer gemacht, ein llandat fflr die Volka-
vaitiwtong so erlangen. Doch fühlt» er sieh anf der pcdftischen Arena
niemals heimiecb; es fbhlte ihm die Schlagfertigkeii einea ParlamentaF*
fiera nnd die Gabe der Bede. Deehalb sehnte er sidi auch bald aoa dem
Stiadessl sorOck nach seinen Biebern nnd seiner Familie.
Litterarisch eatfbltete Ott swar keine nmihngreiche Th&tigkeit. Wae
er aber terOiENitlichte, gab jedesmal einen schönen Beweis Ar die Akri«
bie,mit der er eeine Studien betrieb. FQr die Detailforschung, fllr Be-
bandloog lexikalischer ond grammatischer Fragen war er geschaffen, wie
kaum elo tweiter; die Glossenlitterator fordankt ihm deswegen manchen
sehitsenswerten Beitrag. Da er immer bedauerte, dals die sp&ilateinische
Litterator für die Kenntnis der Sprache ond ihrer Geschichte so wenig
ansgebeotet worden sei, widmete er sich mit Vorliebe der lexikalischen
Erforschung nacbaugiisteischer Autoren, insbesondere der Kircbenvftter,
nnd unter diesen bevorzugte er wieder die Afrikaner. Auch das Bibel-
latein und Vulgärlatein zog er in den Bereich seiner Forschungen. An
die Beurteilung einer Reihe von Werken über Bibellatein von Wiseman,
Garns, Heifs, ßoenach, Loch und Kaulön in Fleckeisens Jahrb. 1874,
Seite 167fif. knüpfte er iieuierkun^en, die zum Besten gehören, was bis«»

her über diesen Gegenstand gesclineben worden ist. Dabei entwickelte


er so gesunde Ansiebten üVei- Scbriit- uud Vulkääprache, dals man ihm
ohne weiteres beistimmen muls.
Johum Nepomok Ott

Sein lai)e:es urd eingohendes Studium der Hpfitcren Latinität er-

mutigte ihn, in der Ital;i-Frage SteJlun^^ zu nolimen und den afri kaTHN,:hen

Ürsprnnpr derselben zu behaupten. Snoe Tlieorip wurde inde^^en t'^ü

Leo Zietfler bei Veröffentlichung der tltnlafragmeTite der pauliiuacLrü


Briefe aus Perir;inieritldattern üer ehemüliKen Freisintrer Stiftsbibliolheki
(Marburg 1876) hmi angegriffen und die italisclie Herkunft der Itala ver-
treten. Noch schwerere Angriffe auf Ott erfolgten von Leo Ziegler in
seiDetn Werke: »Die lateinische Bibelübersetzung^ von Hieronymus uod
die Itaia dos Augustinus« (München 1879). Auf diese Angriffe hin raufste
Ott fieineu Standpunkt in erweiterter Behandlung der Frage mit Bpracb-
lichen and sachlichen Arg^nmenten verteidigen. Dies hatte sor Folgt,
dal« «r in seiner wissenschaftlichen Überzeogung noch mehr beftiligt
Wörde; er glinbto ntcbt eine Hjpolbese aulkaileneii, eoDdem lUee n
Iflokenleeer Beweteffthrang erhftrtoo to ktanen. Die alHfamieelie LMb
heite er nm beeonderen OegenaUDd eeinee Stodioms gemacht lod ge-
leigt, wie dasselbe neben den italiseben Blementeii noch grieebieche md
ponisohe Blemente ala weeentliebe Beslandteile mit tich f&hre. Ssin
Innea Spncligefllhl fand nnn auch in der Itala den gleichen BinOnfa d«
emitieehen nnd heUeniachen Spracfalfpna heraoa. Daher wies er aaek
die Itala dem Gebiete des alHkaoieeben Profiniiallateins an. Die De-
seiebnnng Vnlgftrlatein fttr die Spraebe der Itala wies er eneigieeh abi
da das Latein des valgnsp der Banern and Handwerker, an arm fttr den
Oedankenreiebtom des Cbristentoms gewesen sei; der Gmndten den Gaaaaa
aeiimmer noch die Litterator* ond Schriftsprache, während die erkom>
mene Basticität höchstens zo den engsten litterarischen Aufgaben, wie
kurzen Inschriften, habe herbalten können; es sei auch niemals, so langt
die Sprache eine lebende war, ein bewufster nnd emsUicber Veianch ge-
macht worden, das Vulgärlatein scbriftfäbig zu machen ; deswegen könne
es auch nicht zur Übersetzung der heiligen Schrift beigezogen worden
sein. Seine Ansicht über die Itela gipfelt in dem Etesultate, dafs da«
ganze Werk gpgon Ende des zweiten Jahrhundert*^ in Afrika entstanden
und im Gebrauche war; daspelbe sei die ilalisrho d. h. iateiniscbe Bibel
der kirchlichen (Jenieindo nnd liturgischen I'raxis ui Afrika gewesen; der
Text desselben habe die vcrbältuismafsig reinste und ursprünglichste Üher-
lieft rung gegonübcr den recensieiten, nachgebesserten und umgestalteteii
Blbelversioaen repräsentiert
Seine vielseitigen Kenntnisse in dieser Beziehung gedachte Ott oft
litterarisch noch eingehender zu verwerten. Allein die Geschäfte des
Tages, die Vorbereitung auf die Schule, amtliche Berichte, dio Sorge für
seine AubUli und für &eiu Haus nahmen seine Zeit vollauf in Anspruch,
80 dafs sein guter Wille nicht in die That umgesetzt wurde. In voller
MannebkrafL, auf der B-öhe des Lebens angekounneu, wurde er von einer
beimtOckischen Krankheit, der Gesichtsrose, befallen. Bevor noch seine
Umgebung Bedenken hegte, hatte er die Qef&hrlichkeii seines Zostandes
Jolniin N«p(Niiiik Ott. 25

»rlnnat und meli dtni EopftiDir d«r heiligen Sterbsakranieiito ferlaogt*


Sl»eh wemgen T^geo, waren seine Kinder llTaisen, seine
bbi 15. April,
irea Mit voller Qeieteeklarbeit, gefabt nnd ei^
besorgte Gatlin Witwe.
{eben hatte er seine letste Stunde erwartet; mit dem Mate einee
l^hriat^n and eines Mannee war er eines sehdnen nnd erbanlicben Todes
geatorben.
Das unerwartet rasche Hinsebeiden J. N. Otts hatte in den weite-
sten Kreisen die grölste Teilnahme hervorgemfeo. Zenge dessen war die
grorae Menge ihm das letste Geleite gaben« Ott Terdiente
derer,' die •

ancb diese Anerkennung wegen seiner Eigenschaften sie Gatte, als Vater,
als Mann der Wissenschaft und als flberseugungstreoer Katholik. Seine
Hajaatftt der KOnig, der von deesen Ableben mit Bedauern Kenntnis ge-
nommen, liefe den Hinterbliebenen seine Teilnahme ausdrOcken. Auch
Tom Staatsminister des Innern war ein Beiletdeeohreiben an die Witwe
•iDg«1anfbn, Der Terfaaser des Torliegenden, der im Namen des Lebrer-
eoUegiums ^nen Krani auf das frische Grab niederlegte, sprach wohl
ave dem Herssn aller; »Rohe sanft t treue, edle Seele! Deinen SchOlem
warnt Do ein gewissenhafter Lehrer, den Lehrern ein treuer Kollege, der
Anetalt ein gewtssenhdfler Vorstand. Empfange den Lohn fQr Deine Ar-
beiten, Sorgen nnd Mflhen! Dieser Kranz aber, den wir auf Dein Grab
niederlegen, m&go ein Sinnbild ffir die Wahrheit sein, dafs das Band, das
uns bienieden terbunden, nicht zerrissen ist, sondern in einem besseren
Leben ans wieder verbinden wird!«
Der litterarische Nachlafs Otts besteht teils in Programmen und
Abhandlungen, teils in Becensioneu uud Miscellen.
An Abhandlungen besitzen wir von ihm: 1. »Beiträge zur
lateiniBchen LeiikograpUie mit besonderer BerOcksichtigung des Hand-
w5rterbucbs von Klots«. L Bälfte. Rottweil, Gjmnasialprogramm 1868.
8. »Fortsstanng der Beiträge zur lat. Lexikographie etc.c D. Hälfte. Bott>
wml 1869L 8. »Die Substantivierung des lat. Ädjectivs durch Ellipsec.
Bottweii 1874. 4. »Die Doppelgradation des lat. Ädjectivs und Verweebs-
ivng des Gradus unter einander«. Fleckeisens JahrbQoher 1876 S. 787 IL
5. »Zur Lehre des Ablativus Gerundiic in der Festschrift aor 4. Sftknlar-

feier der DniTenit&t Tflbingen 1877.

Becenaionen schrieb er: 1. »Krebs- AUgayer«. Antibarbams der


ki Spnshe nebet Vorbemerkungen über reine Latlnitit Correspondsna-
hlatt flir die Gelehrten- nnd Bealaehnlea WQrttembeise 1867. 8. »Geor-
ges«, aosfübrlichee latein.- deutsch. Handwörterbuch. Zeitschrift fllr die
teterreichiechen Gymnasien 1871. 8. »Die neaen Forschungen im Gebiete
des Bibellatein«. Fleokeisena Jahrb. 1874. 4. »Prodromue corporis glog-
sarlomm latinornm t. G. Loewe«. Fleokeisena Jahrb. 1878. B. »Pftu-
eker«, Spieilsgiom addendomm leiieia oompeanit adnotatit Mitau 1876.
<• »Zif Ahwahr gegeo Iieo Ztegler«. 187B*

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26 JobAon 14epomuk Ott. — Karl ÜeiDiicb LugebU.

Miscellen veröfFentlichto er t^ils in Fleckeisens Jahrbüchern, teils

lü der Zeitschrift för die österreh btsrli»:'ii Gymnasien zu Minocins Felii,


zo Porphyrie, zu Sallusts C;itüiiia, zu l'huidnß, Isidoras u. a. Vergleiche
auch Arcb. tiir l&i. Lexii^ugrapbie und (irammatik v. E. WöiSiio II. 468f.
IV. 388. 616.

Kottweil. Dr. Leo Hepp.

Karl Heinrioli Lugebil,


geb. SS. Mofember 1880, gett 9. Januar 1888.

Wähirad im Weatan der gaMhiebtliebo Botwieklangegang der geaan-


ten Ealtar aeit nehreTip JabrhnDderteii dem Stodinm dea klaaBiaeheD Attar-
timma ao flbenuia gOnstig war, daaa beiapielaweiae io DaiUaefaland aaveU
daa Griacbiaebe wie daa Läteiniaehe ao den lettureBdigateo ElaBeBliB
einer böberan Datiennlen Bildong geiiUt werdendflrfen» Andel in Bnsa*
land weder in geaebiöbtlieber Timdition eine
die Iclaaaiacbe Phtlolegte
aiebere Stitse, noeb im Yolkaebarakler eiiien beaendera gflnatigea Beden.
Wenn nun troiidem in den letaton Deaennien in Boaalnnd die klaaalachen
Stödten einen erfrenlieben Anfbebwnsg geoemmen, der aelbal in Analude
nicht unbemerkt blieb, ao ist dieaee nidit mm
geringsten Tbeil der Tki-
tigkeit einea Mannes zu verdanken, der ebenso dorcb eine tielb nnd viel*
aeitige Bildung, wie durch höchsten Adel der Qesinnang aosgeteiahnet
nnd mit den liebenswürdigsten EigenacbaAen eines wahrhaft bnmanea
Gemötba aosgestattet, dazu berufen war. in weiteren Kreisen Yeratindnia^
Achtung nnd schliesslich Liebe fflr diejenigen Stadien einmUOeeen, denen
er selbst sein Leben lang mit heiligem Eifer oblag. Dieser Mann war
der am 9. Januar 1888 (28. December 1887 alten St.) verblichene Pro-
fessor emoritn?! Karl Liig-ebil: Sein Andonkon wird in den Herzen der
yielrn hunderte seiner Schüler, die, filier das weite Reich verbreite:»!, thei^s
als Gymnasiallehrer, theils als üniversitätsprofessnren — und zwar fast

an allen Universitftten Russlands — in d«r von ihm gewiesenen Richtung


thfttig sind, noch lange fortleben, und, wie er bei Lebzeiten seinen Schü-
lern stets mit Rath und That beigeBtanden, Lost zom Arbeiten eingefi&sst
und nöthigeiifalls Trost und Errauthigung zugesprochen, so wird auch nach
dem Tode des edlen Mannes sein Bild ihnen noch lange als beiler Leit-
stern auf dem Wege zum Idealen voranleucht^n.
Karl Heinrich Lugebil wurde am 2S. November 183o als jüngstes

Kind üiner urspi unu^ln h aus Preussen stammenden Familie zu St. Peters-
burg geboren. Sewi Vater Joachim Lugebil und seine Mutter, eine gebo-
rene Müller, lebten daselbst in bescheidenen Verbftltnissen vom Ertrage
eines kleinen Juweliergeeobftffak Alle, die den Vater kannten, rflbmia
Karl Heinrich LogeUL 97

Min oflRniis, gvndos und biedem WtMn, seine BaeblechiflbnheU mid eeinen
moflUlend entwickelten Foreehangetrieb, den er als Autodidakt an befrie-
digen mobte. Oieee Elgenechaften und niebt materieUe Qftter waren das
ErbftbwU Karl LugebUs, als sein Vater schon im Jahre 1888 im Alter
oti nur 45 Jahren an einer dorch £rk&Itnng angesogenen Gebirnsotsfln-
düng Terslarbi).
Als armes Waisenkind ksm er erst ins Waisenhans der dortigen Intb^
risehoD St Annen-Gemeinde» wurde aber bald, als man seiner ansgeseicb-
noten Fähigkeiten gewahr wurde, in die Hanptschole desselben Kirchspiels
(dia 8t Annen -Schole) ftbergeitthrt Nach beendigtem Gymnastalknrsns
trat er 1848 in die 8t Petersburger Unirersltftt ala Student der historisch-
philologischen Fkkultftt ein nnd widmete sich hier dem Stadium der klassi- .

sehen Philologie, wobei er unter Anleitung Friedrich Qraefe's sich be-


aondem fleissig mit den griechischen Dichtem besch&ftigte.
Nachdem er 1852 sein ünifersitttsstudism sla Kandidat der klassi-
sehen Philologie beendigt, erwarb er sich seinen Unterhalt snerst durch
BrtbeUnng Ton Brifatnnterricht, wurde nach swei Jahren Oberlehrer der
lateinischen Sprache am IV. Gymnasium sn St Petersburg und ertheilte
seit 1887 auch noch dentachen und lateinischen ünterricht an einer Pri-
Tatachnle (K. llai*s). Im Jahre 1859 Tertheidigte er nach beslandsner
mflodliebsr IfsgisterprOfting seine dem Andenken Graefe*8 gewidmete nnd
on tfl^tiger philologischer 'Schölling, Akribie und kritischem Scharfsinn
teDgende Disssrtaftion: De Venere Coliade Genetjllide. Petoropli.
1888.'), erhielt den geMrten Grad eines Mi^ifistsra der griechischen Sprache
nnd Literatur nnd wurde vom Ministerium der Volksaofkl&rung zur weiteren
Anid>lldong auf swei Jahre ins Ausland abkommandirt
Er begab sich nun susammeD mit seiner Frau Sophie, geb. Brix,
die er in demselben Jahre geehlicbt und in deren Person er sich eine
treue ond verständnissvolle Lebensgefährtin erkor, zuerst nach Deotsch-
land, wo er sich in Berlin, Göttingen and München aufhielt, wandte sich
dann nach Italien, um längere Zeit in Rom zu verweilten, und von da
schliesslich nach Griechenland, wo er die noch übriggebliebene kurze Frist

1) Die meisten der hier folgenden Angaben sind dem im russischen Joar-
Bt) des Idinisterinms der Voiksaafklärung ersdiienenen, von Prof. Jernstedt
vMüMsten NAfoIog entnommen^ der ansser daer treffenden Gharakleristlk
des verawigisn Lehmrs die wicbtigsren Thatiachen ans seinem Lehen mitthellt
nad sogleieh em sehr voUstlndtges Verseichniss seiner Arbeiten giebt.
t) Vgl die Reiension PreUers in d. Jahrb. f. Pbilol. 1869- 8.611 ff. Be-
achtenswerth ist der Untersuchung Lugebils Q. a. die Emendstion Aristoph.
in

LjtiBtr. 2: Flavbi ^ 'wt KwXtdS* d<; FeverüVj'tfoc sowie die vorgeschlagene


,

Tilgnog des Komma Aristoph. Nub. 62 zwischen den Worten Ktuhd^oq Tev«-
tuXXi^'x;. üober Aphrodite Kolia>< — (»ertptyllis vgl. u. a. nnch Roscher, Nek-

tar UD(I An^bro^ia Mit einem Anhang Uber die Urnndbedeutimg der Ajthro«
dile Qjid Atheoe. \m. S. 8? f.

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28 Eari Heinrich Lugebil.

dazD benut'zte, Athen neb?t Tnigebung kennen zu lernen. Während bei

dieser Reise 8<Mn Antrcnnierk hauptHächlicli darauf gerichtet war. iurch


flelRpiees Stndiuni der SamraluDgen antiker Kiiii«tscbäke seine Kenütuiss dtr
alten Kunst zu vertiefen, blieb sein reger Forgcbuiip>trieb auch auf and^r^n
Gebieten nicht nnth&tig. So besuchte er in Göttinpen, wo Hermann Sauppe
seine Studien leitete, ausser den Vorlesungen Wieseler's auch die Vor-
lesungen Benfey's, die ihn in das Stadium der vergleichenden Sprach-
wissenschaft einführten. InKom verbrachte er in froiiiiLisi h<iUlichem Ver-
kehr mit Henzeii und Brnnn den grössten Theil des Jahres lb61, in-
dem er zugleich besonders fieissig Archäologie und Epigraphik studirte.
Hier warde er tum korrespondirenden Mitglied des Institute dl oorrispon«
. densa arebeelogiea erwftblt, worauf er in dessen BoUetioo Ar d. J. 1861
einen Anfatta: Seevi di Pompei, die neneglen pompejanisc&eB Aasgrabe»'
gen betreffend» dmcken lieee. In demeelbeo Hhn encblen aneb aiini
Öflhrift:Ueber dae Weeen und die bietorieebe Bedentong-dei
Oetrnkiemoa in Atben. Leipng, 1861. gr. 8^ 68 8. (8.-Abdr. a. d. I?.
SoppL-Band d. Jabrb. Mr el. Pbilol.)» bekanntOcb ein eebr dnakmiiertb«
Beitrag inr atbeniaeben VerfiMeongsgesebiebte, m dem beeraden die Am-
IBhrongen Ober die Hedalittten dee Oetratiemee von bleibeadon Wertb
eittd (Tgl. Q. Gilbert^ Handb. d. grieeb. SUalMlterUi. L 1881. 8. S94t).

Naeb 8t Peterabnrg rarflekgebebrt, babilitirte er meh eehoQ im fot*

genden Jabre(186S) an der dertigen UaiwaUftii «ihnmd


ala Privatdoaent
seine Fran gleichieitig einen Kindergarten, den ernten in Bondand if*
öffnete, an dessen Einricbtnng aneb er eelbet lebhaften Antbeil genommNi
Im Jahre 1864 wurde er ala Dozent der UniferBitit beetitig^ eriaagte 1868
nach Vertheidigung seiner meeisch yerfassten Dissertation: »Historisch-
philologischeDnterenebnngent etc. den Doktorgrad ond wurde noch is
demselben Jahre som aasseierdentlichen und 1878 zum ordeDtlicben Pro-
fessor der griechischen Sprache ond Literatur gew&hlt. Während dieeer
Zeit ertbeilte er auch einig-e Jahre hinduroh lateinischen Unterricht an
der Kechtfischule nnd bekleidete daaAmt einee Geholfen dea £onaer?ateit
an der kaiserlii heu Kretnitage.
Ansser der erwähnten Doktordissertation schrieb Lrgebil in diesem
Zeitraum in verschiedenen rnsfiischen Zeitschriften mehrere Kt'zensioneo
von Schulbüchern, eine Anzahl Aufsätze über Pädagogik, für die er sich

immer sehr interessirte, und einige Bepiiret huii^^en wissenschaftlicher Ar-


beiten, darunter die Eezenj»ion der von A. Nauck besorgten Ausgabe dis

Leiicon Vindobonense, im Journ. d. Minist, d. Volks iufkl&r. 1868, und voo


Prachuws »Untersuchungen zur griechischen KnnsttreBchichte«, ebend. 1871;
ausserdem die Untersuchung: Zur Kritik nnd l^kUirong von Paus. 1.20,2
(den Satyr des Praxiteles betreffend), iui Philülogus XKXIII 1873, S. 68
bis 97. In dieser Zeit erschien auch die deutsche Bearbeitung seiner
Dektordissertation unter dem Titel: Zur Geschichte der Staatevei^
faeanng von Atben. UnterenchuDgen von Karl Logebil« L K6nig le'

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Karl Htittick Ug«biL 29

4nNi nui die togvmuiiiten lobanslfaigtiolMii AnhottiM. IL Dm Aroboiw


tat und dw Strategie tvr Zeit der Peraerkriege ond die biatorieohe Bedeo-
tang d«r Beamtenerlooeong. Leiiwig. 1871. gr. 8^ 164.8. (a. d. V. 8o|»pL
Band d. Jahrb. f. d. PbÜol.). la der eraten dieaer beiden Unteraoebaa»
gen bat er den Beweis erbraebt» daaa in Atben die Medontiden ebenao>
wobl als lebeaaliagliebe, wie aech ap&ter ala sehiyftbnge Arebonten, den-
Kdnigatitil fahrteut nnd daaa nicht achon aeit dem Tode Eodree*, aondem
man die Könige oder Arehonten anf lebn
eigentlleh erat aeit der Zeit, ala
Jahre an wiblen begann, die Monarobie in Athen aia beaeitigt betrachtet
werdaa kann. In der «weiten bekämpft er die erbreitete und beeondera
OD BehOmann Tcrtheidigte, snerat fon übbo Emmiaa aaflgeetellte Anaicbtt
wonach achen Kleiatbenea die Beamteaerlooenng eingefhhrt haben aoll, be-
grflndet dagegen and entwickelt weiter die baoptiftoblich von G. Grote
fertretene Aaaicbt dea Peritonios, daaa die Erlooaimg der Arehonten und
anderer Beamten erat nach der Phitftiachen Schlacht etngeftthrt aein kann, nnd
bringt achUeealich die EinAbrnng dea Looaea mit der Befönn den Bphial^
tea in Yerbindnng. Der wiaaenachaftliehe Werth dieeer mit »Scharfainn
nnd greeaer Grflndlichkeitc gefBhrten UnteraocbuDgeD, die man, »nicht
nmhitt kann ala einen dankenawerthen Beitrag zar Kenntniaa der atheni-
achen YerfaaauDgsgeachichte ananerkeanen (s. die Beienrion im PhttoL Ana.
IT SffS E.)t braucht hier nicht erst dargelegt an werden, da aelbat SchO-
mann in eeiner langen Kritik (in d. Jahrb. f. d. Philol. 1872. S. 145
bia 168) eich Ton aeiner gereiaten Stimmang nicht hat abhalten laaaen,
wenigatena folgendea in Lugebila Arbdt gebflhread anaaerkennMi : »Bele-
aenheit, SammeUleiaa, arehftologiache Betriebaamkeit, Eigenschaften, die
in eeiaen Excnraen Uber die Denkmale dea Kodroa, Aber die Bescbalfen-
hait dea SchJacbIfeldee von Marathon, fiber deir itchten FlOgel, Ober die
Oemftlde in der booten Halle, aber die Ansichten der Alten vom Loose
nnd vom Glftck nnd drgl. hervortreten.« Aas einer dritten Rezension
(Lit. Ceotralbl. 1872. 8p. 680 tT.), die seine »grosse Gelehrsamkeit« be-
tontt oei ea gestattet hier nur folgendes Urtheil herauszuheben, das auf
•lle Arbeiten Lugebils tretTend Hitgewendet werdeu könnte: »Der Verfas-
ser, überall reich an anreE.'-pnden UesichtspuuktcD, . . . weiss seinen Loaor
dsrch scharfes originelles Denken nicht minder zu fesseln, als durch seine
SQSSerordentlich geschickte, oft spimnendc noweisfuhning.«
Durch fibermässig' anL:estrene'ti''s Arbeitfti, bei sch^-äclilicber (lesimd-
beit von Hause aas, zog sich Lugelil im Jahre 1873. nachilcm er schon

vorher 8 mal an LunM^t'nent/.ün iung lebensg'efährlich kiiink i;cwesen, einen


Nsrrenscblag zn, der seine Thiitigkeit fiir die nuchsten zwei Jahre fast
vollständig Ifihmte und von dessen Im Il'^^h er trotz meiirerer ErbolungS*
reisen sich üherhiinpt nie melir piui/, befroieii konnte.
Im fol^^enderi Jahre erscliien seine unmittelbar vur dem iS'ervenschlag
beendigte Schuhius^gabe des Cornelius Nepon, nach der Völker'schen
Schalaud^übe bearbeitet und mit einem laieiuiscb- ruaaiacbeu Worterbucb

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50 KarlBaiwkh LnfM.

VOrMhMi. Di« 2. Teranderte Auflag» folgte im J. 1881 (in dioata Ti^ta


wird die noch Tom VerfaBsar selbst vorbereitete 3. Auflage gedruckt). ¥or
der Krankheit war aaeh seine masisehe Bearbeituog des I. Boches 4m

Cariios'schaii 0rundzn^e der grieehiaehen Etymologie begon-


nen, erschien aber erst 1882 (St. Petersburg gr. 8^ XXVI u. 316 S.). Das
bedauerlicherweise durch viele Druckfehler entstellte Buch enthält neben
der nnTerinderten Wiedergabe der 4. resp. (von der Mitte des 7. Kapitels
an) der 6. Auflai^e des Originals eine Menge werthvoller ADmerkongen
des Uebersetzers, wplrhp dem in den letzten Jahren bedenkend vorgeröck-
ten Stande dpr FdrsciiuiiL: Kerli huiil'' tragen. Leider luit Luirebil seioeL
ursprQnghcheu Plan, h das 1!., die EtymoloKien enthaltende Ruch, in

gleicher Wei=P ficarKeiten , nicht zur Ausföhrtincr gebracht , weil nach


seiner üeberzeugung besonders die in dem Werke vorkommenden fciymo-
logien russischer und kirchenslavisjciier Wörter einer genauen Prüfnne
bedurften, eine Autg.iLie, die er, nur auf seine oi^'enen Kräfte aogewiesen,
sich nicht zu unternehmen getraute. Im Jahre 1885 kam sein «Erstes
griechisches Lesebuch für Gymnasien« heraui?, bestehend ans den
in Laitmarins »Grie« lut^cheui Le^ebuch« enthaUenen Au;.zügtu dUi- Apoll<H
dors Bibliothek mit Zusätzen aus Pausautas und Plutarch, ferner den bei-
den ersten Büchern der Anabasis Xenophons und einem griechisch- russi-
schen Wörterbuch zum ganzen Werke. Der griechische Text isi ontsr
Mithilfe A. Kaaek^e tod allen AbweiebaageD Tom strengen AtticiaaMB
möglicbrt .gereinigt, und aosaerdem die herUhMnliebe logiseli-rlMleriaebi
Interpanktiea durch die graniniatiaehe eraeiit.
Aosaer dieaen grösseren Arbeilen eraehienen ?eo Logabil aeil 18TI
nar mehrere roaaisehe ond deuteehe Aufritie und Beienaionen in venebie-
denen Zeitachriften, einige freilich rieht nmflkngreiche darnnler. Von dn
nuaiaehen mögen hier erwfthnt werden: die Bespreehnng von Jemaledft
Qnaeationea Antiphonteae im Joorn. d. Minist, d. Yolkaanfklimng. I88f>;
von deasea Aoagabe der Beden dea Antiphon ebenda, 1881; fcmer zwm
.indemselben Joornal, 1886, unter der Ueberacbrifl »Bomeriea« erachie-
nenn Aolafttie: Ueber den Oebraoeh Ton iiusißoiim nnd dmxfutißofuu bei
Homer (s. Jahresber. Ob. d. Fortschr. d* cl. Altertbemaw* Jahig. 1886^
L 8. 202 f.) und Über den Namen Karier (s. u.)- Die in deotachar Sprache
yerfassten sind folgende: Der Genetivus singularis in der m^. zweilet
altgriechischen Deklination, in d. Jahrb. f. cl. Philol. Snppl,-Bd. XII 1880
S. 193-248; Drei Schriften von Leopold Wojewödsky, ebenda 1882 Seite

721—736; Rezension der Schrift Nikitin's: Zur Geschichte der dramati-


schen Wettk&mpfe in Athen, in d. Philol. Wochenschr. III 1883 No. 31
u. 32; Zu Aischyios' Septem (über den Gebrauch von noXitQ ond fiifn:^,
in d. Jahrb. f. cl. Philol. 1883 S. 452 f.; Zu Isaios (§ 38>, ebenda 1884

S. 161 — 169; Zu Solon (fr. .Hfi Bergk.) ebenda 1884 S. 819 f.; Zur Fra^re
über zweithf'ilige und emtheiiige Sätze (auf Veranlassung von Miklosichs
Schritt: »Die subjecUoseu Sätzec), im Aich. f. slav. Fhild. ViU. 1884

. ^ d by Google
Kart Beinrieh Lngebil. 31

t. se— «B; Rino illem form dM gritcbiMhen Ktmens der Karier, in d.


i«itr. t. Eoode d. iodog. 8pr. X. 1886 SOS f.

Bnd« des Jahres 1886 reichle er trete der QegenvoritollaiigeD seiner


lo\\9g9ia tbsils SOS GesnndheiterOoksiebten, iheils weil er steh in die neoen
JnivenitAtoferhältaisse nicht ghinbte htneinlehen sn It^nnen, seinen 4b*
lehled eiiii nm
tob biui an sich ansschlieeslich seinen wissenschaftlichen -

Irbnllnn sa widmen. In Anbetracht seiner mlfachen Verdienste wurde


ihfls damnf noch die seltene Ansieinhnnng sn Theܫ einstimmig tum Ehren-

mitglied der St Petersbarger UniTorsitftt gewftblt sn werden. Aach die


Bt Petersbnrger Ahadeoue der Wissensehaften wollte ihn eben * an Stelle
dee Torstorbenon Akademikers Stephan! —
sn ihrem Mitgliede erwählen,
da wnrde er pl6telich vom Tode mitten im rOstigen Schaffen bei scheinbar
5111g hergestellter Qeenndheit hin weggerafft: er sterb am Gehirnschlag den
9. Januar 1888.
Seine lotete Untersnchnng, deren Erscheinen er nicht mehr erlebtet
war: Znr Frage Aber die Accentnation der Wörter ond Wertfor-
men im Oriechtscbsn, im Rh. Mos. f. Philol. N. F. XUII 1888 8. 1—20
nnd 220— 2S6» worin sr die UnioTOrlissigkeit der flberlieferteii alesandri-
nisehen Accentnation, besondsrs im Betreff oralezandrinischer Literatur-,
werke^ mit gewohnter Gründlichkeit darlegt.
So aosserordeotlich Tielseitig, wie seine wissenschaftlichs Thitigkeit»
war ancb eeine Lehrihfttigkeit an der üniversitftt» der er sich mit seltener
Hingebang widmete, nnd die weiteos den gröseten Tbeil seiner Arbeite-
kraft in Ansprach nahm. In seinen Yorlesoogen kommentirte er kritisch
and eiegetlscb nasser seinen Lteblingsaoteren Homer ond Ljsias die grie-
cblMhen Tragiker nnd Ljriker, Tbukydides o. a. ond las aasserdem Aber
Grammatik, Epigrapbik, Alterthflmer nnd alte Knnstgeschichte. Der Zweck
seinsr Vorlesnogen beatend nicht sowohl darin, fertiges Wissen den Zä-
herem mitantheilen, nie vielmehr sie in die Wissenschaft einsofthren,
mit der Methede bekannt sn machen and tnm selbettndigen Forschen
sQsoregen nnd sn befthlgen. Dsbei beschrinkte er leioen Umgnng mit
dea Stndenten nicht anf eioe gewisss Zsit.in*den BAamen der Oniversitit^
oder anf beetimmte Sprechstanden soHanee: sein vielseitiges Wissen nnd
eine reichhaltige Bibliothek stellte er jedem seiner Schftler, eei es dsss
Iisnoch Stadenten waren, oder daas sie das Universit&testudiam schon
beendigt hatten, zu jeder Zeit mit der grOeeten Bereitwilligkeit sar Yer-
ffigoDg and mit denjenigen von ihnen, die aosserhalb Si Petersborg ihre
niaeenschaftliche Arbeit forteeteten, nnterbielt er regen brieflicheo Ver-
kehr. Wenn er trete alledem nobh die Zeit erübrigte, ale eelbettndiger
Fecscher anf so verschiedenen Gebieten anfiiatreten, eo ist das nnr seinem
ertteonlicben Fleins ond ssiner grossen Willenskraft su verdanken, die
bei einer so ^wdchlichen Geenndheit, wie die eeinige, doppelt sn be-
bendem waren. Bastlos lernend nnd lehrend, in regem wisseoBcbaftlicbea
Verkehr mit eeinen SchOlem und eeinen Freondeo, anter denen vor alten

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82 Karl Ueiiuridi itOgebü.

A. Nauck und G. Destouois sa neuaeu em4, iok^to aoagekketilkb


den loterebseij der Wis.seascbafi.
Ausser den erwähnU^n Eigenschaften, die ihn als Gelehrten an^ieicb-
neten, waren ihm auch alle Vor/fli^e eines durch und durch edlen Chürak-
ters eigen. Besonders aber verdieot di@ kr^stall helle Lauterktit meiner

Gesinnung und, wenn ich mich so aosdrücken darf, die vom höchsten See-

lenadel zeugende üHtrirVn-he Untnute liirkt-it seiiie> \Ve-eii> lierv^Teehobec


zu werden, die. trotz lies M:eit?lirt^^n lUiiluresUubeH der ihn umgebenden
ÄtrooRphäre, seiner ganzen Eracheiiiniit: einen eigenthünilichen naturfrischen
Hauch verlieh uod aui alle, die ihn kaootenp einea wuDderbareD Zaobtr
aosöbto.

Zum Scbluss sei es erlaubt, folgende Worte des Akademikers W. Bad>


loff ans dem einige Tage nach dem Tode Lugebils in der St. Petonbm^
ger Zeitaog erschienenen Nekrolog desselben anzoführen:
»OrosB steht Logebil als Mensch da, eioe Persönlichkeit, die uns Be-
wunderung abnötbigt und selbst seinen Gegnern volle Achtung abzwiogi
Unglaubli( he Einfachheit und Schlichtheit eine oft ins Naive flberspie-
,

lende kindliclie Anspruchslosigkeit und Selbstlosigkeit, treue Redlichkeit,


reine Gesinnung und volle Hingebung an alles Gute und Schöne, dabei
eisenfeste Energie waren die Hauptauge seines Charakters, die jeden ent-
ztlckten, der das Glück hatte Lugebil nalh r zu treten. Er liebte sein

Vaterland Kussland von ganzem Herzen und hat all seine Lebenskraft in

treuer Fllichterfüllung demsell)en widmet, dabei woüte er aber ein deul-

scher Mann sein und hat uiehe beme Gesinnuiitr oLleu, 'Vielleicht oft n
schroff zur Schau getragen. Alle seine Arbeiten kiezeugen, wie er grad?
die Vermittlung zwischen deutscher und russischer Wissenschaft fflr seiae

Lebensaufgabe ansah.
In allem erwies er pich alv ein Wi^hrf^r Apostel der WiSMDSCbaft, W
Mann jes Lichts. Heilig bleibe seiu Augedeakan!

Odem. Leopold WojewödikL


OostaY KraiMr. 83

Gustav Kramer,
geb. 1. April 1806, gest. 31.JuU 18dS.

Oastar Eramer wurde als der jfingate Sohn des Mediunalraia Dr.
tgisintind Kramer aa Halberatadt am 1. April 1806 geboren. Sein Täter,
in von allgemeinem Yertranen getragener Arst, atarb achon im Jahre 1808,

) da£i seine Eraiebunir gana in den Händen aeiner Mutter lag, welche
oa einer nach Aafhebeng dea Edikte ?on Hantea flflchtig gewordenen nnd
ach Halberatadt gesogenen fransösischen ProteetantenCimilie atammte.
hrem klaren Blick fBr die aogenblicklichen Bedfirfniaae nnd ihrer Willens-
raft gelang ea, obwohl Kramer noch aecha Geschwiater hatte, die ffir

ine der damal^^n Zeit entsprechende,


einfiEiche Lebenaweiae vorhandenen

littel den schweren Zeiten der Franzoaenherrachaft sn erhalten, so


in
ab Krämers Jogeod Töllig ongetrObt Torlief. In regelm&fsigem Gange
orchlief er die Yorschale nnd das Halberat&dter Gymnasiom nnd bestand
n Jahre 1828 die Abgangsprüfung an demselben. Mit dem Yorsatze,
Ittsische Philologie sn stadieren, besag er die UniTersIt&t Berlin nnd
rat ala Hansgenoaae in das Hana seines Schwagers, des Professors der
Crdkonde an der UniToraitftt Berlin, Carl Bitter ein. Daa geiatig ange*
egte nnd einfach fromme Leben dieaea Hanses fibte einen beatimmenden
Siaflols anf sein ganses spftteres Leben ans nnd Bitter worde von ihm,

1er seinen Yater nie gekannt, wie ein Yater geehrt nnd geliebt*

In Berlin hOrte er bei Boeckh griecbiscbe Litteratorgeschlchte, aber


loch bei ITeander Kirchengescbicbte, bei Schlei ormacher Ethik, bei t. Sa-
igny die Institationen nnd war, wie viele andere, ein begeisterter ZnhOrer
m Bitter*a Yorlesungen So ging das erste
über allgemeine Erdkunde.
^todienjahr hin. Da trat 1824 in das Ritterscbc Hans der damals lOj&h«
ige jüngste Sohn des Frankfurter Banquiers v. Bethmann, eines Ver-

wndten des von C. Kitlcr erzogenen Iklinisters v. Bethmann -Holl weg,


MB, um unter Ritters Aufsiclit in Berlin erzogen zu werden. Es war
aalörlich, dafs die nächste lieaufsu htiL'ung düs Knaben dem Studenten
Kramer übertragoa wurde, wenn aucli znnürbst nuch keine eigentlichen
Erzieberpflichten anf ihm ruhten. I)oc!i cutwickülto sich hieraus später
ein Tür Kraniers weiteres Leben wichtiges Verhältnis. Zu Michaelis 1825
ging er aiif ein Jaiir nach Bonn und Bchlofs sidi besonders eng an
B- Niebülir an. Eine unbegrenzte Verehrung ergiiil ihn fur diesen durch
Wissen wie duich Charakter gleich ausgezeichneten Mann, so dafs er, als
•t ilicltiielia 1826 wieder nach Berlin zurflckkehrte, das ganze nun fol-
gende Jahr aufser mit der Vertiefung seiner Fachstudien sich mit der
Bearbeitung einer von Niebuhr gestellten Preisaofgabe nKlugium Peri-
zonii« beschäftigte, mit dem ausgesprochenen Wunsclio, Niebohr dnrch
(leren Bearbeitung eine Freude zu bereiten Kiebuhr erkannte seiner
Arbeit den Preis zo, aus deren Vorrede er die tiefgegrflndete Liebe Kra*
Nekrologe. 188«. 3

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1

34 Qostar Kramer.

mers zu sich eikanntc. Fs ffili;te diese Bezichonp m B. Niebubr dahin,


dafa letzterer Krame: den Vurschlag machte, sich an der geplanten Her-
ausgabe der Byzantiner zu beteiligen und zogleich die Erziehung seines
neDDjährigen Sohnes lyfarcus zu Ubernehmen. Lockte auch ein solches zwie«
faches Anerbieten, sc hatten sich doch in Berlin die Verhältnisse so ge-
ordnet, dafs Kramer in Bonn niclit mehr aniielimcii kunnte. Kur« ?or dem
Eintreffen des Niebubr'scben Antrages hatte er sich iiusdrücklich ver-
pllichlct, die Erziehung des jnngon Alexander v. Dethrnann zu übemelirr.i-n,
dessen Vater kurz vorher gestorben war und der üüü ganz m daä ßitter-
sche Haus aufgenommen wurde.
Inzwischen hatte Kramer mit seiner Preisschrift'>Eloglum Perizonii«
den Doktorgrad erworben und war 1828 mit Erfolg durch das Staataexa*
men gegangen. Zor Ableistung seines Probejahres stellte er sich den
Direetor Eöpke om graaea Kloster in Berlin Yor nnd nrbielt Yon Iba
die Zosicberang der Annnhnie.
So begann er seine regeln&rsige Laufbahn als Seholmann nnd war
danebm mit der Erziebnng des jongen Btthmaan botiant, der tine Zeil>
lang eine Offentiiehe Schale bosnehte» dann aber nar dareb Prifatnntorricht
gefördert wnrde.
In dieser Zeit, tu den Jahren 1888—1880, in welcher ar aoglMch
Milglied des unter BoecWe Leitang atehenden Seminars war, aehlofs er
mit einigen ansgeieicbneten Altersgenossen FreondacbaftsrerbSltnisae, wel-
che ihn bis in sein sp&tes Alter beglflekten, nnd ton denen daa xn etnar be-
sonders ianigen Verbindang ffibrenda mit Dr. t. Wiese, demspftteran Leitw
des preafsisehen ünterrichtsweseae, nach für uAn amtlichea Lebao aiae
grofse Bedeotang gewann.
Kramer blieb auch nach dem Probejahr als Lehrer am granaa Klealv
thfttig and fand dort rolle Befriedigung sowohl in seinem Lehramt, als ia
dem anregenden Umgang mit gleicbgesianten und gleichatrebenden jaagsa
Collegen. Da sollte seine Stellang als Erzieher des jungen Betbmann eine
plötzliche Veränderung seiner ganzen Lage herbeifQhren. Serbien für dea-

eelben geboten, noch einen anderen Aafentbaltsort als Berlin zur VoUea-
dang seiner [Erziehung ins An^e zu fassen. Nach längerem Übarkgen
wurde Genf gewählt und so löste denn Kramer sein Verhältnis tarn gnmea
Kloster und begab sich bald nach Ostern 1831 mit seinem ZAglinge aaf
den Weg nach dem Süden. Die Reise dahin berührte alle Punkte, tob
denen Kramer glaubte, dafs ihre Kenntriis für die Ansbildting^ seines Zol-
lings wichtig wäre. Über Frankfurt a. M. fuluen gio im cieenon Wagen
das Rheintha] nnfwärtp, durchzogen die Schweiz und kamen Anfang August
desselben Jahres in Genf an. Dort fanden sie in der Familie eines vorneh-
men Genfers, welcher durch die Dranp^ale der frauzösischen Revolution den
grofsten Teil seines Vermögens verloren liaite nnd daher Fremde aufzuneh-
men nicht ablehnte. Aufnahme Es war dies eine glückliche Wendonr,
denn durch seine Beziehungen zu den angesehensten Familien GeuCs nnd

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Gustav Krämer. 35

len edlen Charakter des in seinem Hause herrschenden Tons bot ihr Wirt
ie beste Bfirgschaft dafQr, dafs der AufentbaU io Genf ein förderlicher
ein werde.
Diese Genfer Zeit daoei-te von Anfanf^ August 1831 h'is ^egen Ende
ies Jahres 1832 uud brachte für Kiamor ai l'-ct der Anschauung der herr-
ichen Alpennatnr und aufser der il iin«? sich in der Gesellschaft 7a\ be-
regpi), bcpondprs noch ritie bedeutende Kenntnis der fran-^ösiscben Sjiraclip,

vflct.c ihm gpäter, ;;Is er an das frnnzösische G^moasiam zu Berlin berufen


»urde, aiifscriirdentliclt zu statten kam.
Kramer hatte, um die Erziehung des ihm anvertrauten jungen Man-
les zu beendigen, vieles in Berlin und vor allem auch seine begonnene
^aufbahn als Lehrer anfgegeben. Die ihm dafür nach Abschlufj der ihm
ugefallenen Erziehungaanfgabe als Entschädigung gew&brte Geldsumme
:edachte er non, als er im Januar 1833 allein wieder nach Berlin znruck-
lebrte, so einer Studienreise nach Italien zu verwenden. Den Sommer 1833
trachte er damit hin, um nnd
sich in Berlin auf diese Reise forzabereiten»
rat sie dann im September 1683 mit den gröfsten Erwartungen an. Sein
^weclr, so wie er ibm vorschwebte, war, sich eine möglichst genaue Kennt-

Iis des Landet so verschaffen. Daneben aber hoffte er, durch Ritters Um-
gang auf geographische Aufgaben hingewiesen, für die alte Geographie
taliens auf einige Ausbeute und widmete schon in Berlin einen Teil seiner

'eit dem Studioin des Strabo. Auch das Archäologische hatte frühzeitig
seine Teilnahme erregt, doch botdafflr selbst B( i lin in damaliger Zeit ein
tanm nennenswertes Anscbanungsmaterial« Wie ist das seitdem anders
^worden!
Mitte Oetober 1883 Oberscbritt er den Brennerpafä und stieg nach
ftalien hinab» nm daselbst, ^nscbUefslich eines Aufenthalts in Griechenland,
irci Jahre an verleben, die in jeder Hinsicht die wichtigsten fflr seine
iDsere Entwieklong wurden.
Jn Verona traf er mit Gerhard, der damals Ton Berlin l^am, nm für
»ine Stellrertretong am arehäologiscben Institnt in Bern die nötigen
Abritte an tbon, nnd mü Emil Braun ansammen* Hit Gerhard war er von
frftber her bekannt, Brenn lernte er hier kennen, nnd mit beiden ging es
nach SQden, Ton Flerens ab, wo Gerhard schneller Torw&rtsrelsend sich
ren ihnen trennte, mit Brenn altein dorch Etrnrlen nach der ewigen Stadt
In Born nahm er Wohnnng auf dem Capitol, in nnmittelbarer Nfthe
^es Gebindes der prenfoischen Gesandtschaft Drei Winter hindurch brachte
(r hier xn, wUirend die Sommermonate den mannigfaltigsten AnsflOgen
gewidmet waren.
Die persönlichen Beiiebnngen gestalteten sich besonders reich im
mten Winter 1888 auf 1884. War in Berlin das Bitlersche Hans nnd
mit dieeem in edler Frenndschaft verbundene des Professors nnd nach-
Oftligen Ministers von Bethmann* Holl weg mit seinem geistig anregenden
Verkehr fär Ihn eine Stätte reinaten Genusses gewesen, so wurde ihm
8*
36 Oostof Kfimer.

hi«r in Rom das ihm durch Kiebabra Empfehlong ond durch den dama-
ligen Legationssecret&r Sydow schnell geöffnete Haus des preolsischen
Gesandten Freiherrn Bonsen eine ebenso reiche neue Heimat, und er
t*
durfte alles das mit erleben, was in dieser dem anregendsten Verkehr sich
öffnenden Familie geboten wnrde. Er ward zugleich Mitglied des archaeiK
logischen Instituts und genoTs so auch von dieser Seite her den ümgang
vieler geistig bedeutenden Männer, die nach und nach in den drei Jahres
seines Aufenthalts Rom zum Zweck archaeologiscber Studien auräochten.
Der Colonie der in Korn lebenden Kunstler war er zwar durch mm
Wohnung ferner gerückt, doch war es ihm vergönnt, auch mit Künstle-a
ersten Hanges, wie Thorwaldseo und Overbeck» in persönliche Berühroug
zu kommen.
Namentlich schon während des ersten Winters seines römischen
Aufenthaltes besuchte er die Bibliotheken fleifjjjg, um die Handschnfi«B
des Strabo zu vergleichen. Er fand bald, in wie verderutem Zastande
der Text desselben war, und hei zunehmender Durchsicht der Bibliuiheken,
entfaltete sich vor ihm ein übersichtliches Bild der gegenseitigen Abhaih
gigkeit der zahlreicheu vorhandenen Handschriften.
Während die Wintermonate ein mehr gleichförmiges Gepräge trugen,
durch das den Gebäuden, den Museen, den Bibliotheken, der Geselligkeit
gewidmete Interesse, braclitcn die Sommermon:\te die herrlichste Abwechs-
lung, indem nach und n;icli gnnz Italien nud Sicilieo zum grürsteo Tüti
zu Fiifs durcliu.uiJert wuide, tiils allem teils mit den in Rom gewonnenen
i reunden. So führte ihn im März 183Jt eiu Ausilug durch die Canipag&a
nach Tarquinii und weiter durch Etrurien. Im Mai ging es wieder durch
Etrurien in langsamen Tagereisen nach Pisa und Florenz, woselbst ein

I&ngerer Aufenthalt genommen wurde, und später im Jahre nach Neapel


Überall worde jetzt den Sch&tsen der mittelalterlichen Kunst, neben dee
der antiken, ein immer etelgendes InteresM zngewandt, aber AQcb di« Kt*
tnr,80 der Ban des Apenninenauges, wnrde nicht tofaer Acht gdueea.
Die Fofswanderung von Florenz nach Neapel, welche doreli die merkwfir-
digsten, landschafllieh anziehendeten Qegenden fitrnrlene, des sabeUiaeboe
Landes ond Campantens führte, ergab, dt Eramer mit grofeem FleUiM des
Denkm&lem nachging nnd Qberall dnrcb reiebliche Kiederachriftea seiner
fieobachtongen dem späteren Stndiom Torarbeitete, den allergrOlBtoo Ge-
winn. Dafs der Anfenthalt in Keapel, wo er ans seiner Woiinnng in St
Lnda mit vollen ZOgen alle die Herrliehkeiten des Gelfes gemedMn konati^
ein unbeschreiblich gennfareicher war, wie sollte es anders sein« samsl
noch fast der ganze reiche rOmiscbe Frenndeskreis dort sieb sasamsMafiNii*
Capri, Amalfl, Paestnm, Pompeji, BajaOi Ischia nod andere Fankte wnrdcs
in Gemeinschaft oder allein besneht.
Im November fanden sicli alle wieder in der ewigen Stadt tnaammift
Unter den Freunden mufs namentlich einer BWnüie gedacht werden» wekbe
für Krämers inneres religiöses Leben von tief eingreifender Bedeutung

yui^L-o i.y Google


OastaT Kruner. 37

ordeo ist In Rom war damals v. Tippetektroh Qesandtscbaftsprediger.


!rsowohl wie sein» Gattin, eine geb. Gr&fin Kanite, waren tief fromme
bristen ond flbten auf jeden, der in ibr Haus trat, durcb ihre einfache
cbiichte Olanbensst&rke eisen nacbbaltigen Einflufs atu. Kramer gebOrte
ald «Q den tSglicben Q&sten dieses seltenen Hanses, nnd hier ging ihm
ie starke nnd felsenfeste Oewitsheit davon auf, dsfi allein in dem Glauben
n Christus Heil für Zeit und Ewigkeit beschlossen liegt Was er hier in
tom gewonnen, hat Kramer festgehslten fftr die ganse Zeit seines langen
iSbens.
Im Winter 16S4 aof 35 waren es namentlich die engen Besiehnngen
n dem jungen Dänen Claus Kellermann, dem Vertreter Gerhards, welche
teoeAnregungen brachten, aber ebenso wichtig nnd gennfsreich war der
JiDgang mit dem Maler Lenthe nnd einem Lifländer, dem Baron Liphard,
reicher sieb Kunststadien widmete und eine aufserordentlicb ausgebreitete
ienntnis auf diesem Gebiet erwarb.
"^iN'ahrend dieses Winters waren in den Sitzuiigon des archaeologi.schen
nstilut5 die Eiitt.KHkinitrcn Toxiors in Lycien häiitly zur Sprache
. ii; Oll, wie lienn übeilKiu^l KIchmsicu die Aufmerksiunkfit in beson-
n-iei'A Maf.-c auf gich zog. Da wurde diiich v, I5'jn>en an Krämer die
»litleilung gemacht, daf« ein reicher Ivusse, iKimens Davi iutT, eine Kei^o
i'h Kleinasien zü machen gedenke, und dafs diese Ueise eine gute Gle-
c^^enheit für einen jungen Gelehrten biete, Giiechcnland nnd Klcinasien
ienneu zu loriien. Kramer griff zu; die Rcisevoi bereitungea wurden go-
roffen und im Mai 1835 »sit/to sich die Gesellschaft, in welcher sich auch
ier russische Maler BrQlloft befand, in Bewegung.
Über Corfu , Ithaka, Olympia durch Arcadien, wo Megalupolis be-
^ucht wurde, nach Tegoa, über die (lebirgo nach Argos, Tiryns, Myceuae,
Corinth. Delphi, Chaeronca, Thelei:, IMataeao ging es nach Athen. Die
«eiiig iuieressiertö russische iieisegesellschaft war freilich oft mehr hin-
derlich als förderlich.

In Athen ioste sich dieselbe zu Kr.aners Freude auf und wenn ihm
auch 60 die Auöäicht, Kleinasieu zu besuchen, zerrann, so war er doch
nun in Athen sein eigener Herr und konnte die Zeit ausnutzen. Doch
überanstrengte er sich bei Besichtigung der Denkmäler und verhel in eine
schwere Fieberkrankheit, die aber zu einer, wenn auch laugsam fort-
schreitenden Genef^ung fuinte. Anfang AntM-t trat er vom Piraeus aus
die Rückreise nach Italien an, die über Acgina zum Peloponnes und quer
•Inrch denselben nach Patras führte. Da dort nur ein nach Tiiest be-
.^tininites SchifT zur Abfahrt bereit war, wurde er nach Oberitalien ge-
lubrt,so dafs nun auch Venedig besucht werden konnte.
Im November 1835 langte Kramer wiederum in Kuin an. Der über-
aus milde Winter gestattete zu jeder Zeit Ausflöge. Im Jainnir ging es
n ch einmal nach Neapel. Jedoch kamen ihm jetzt bereits die Gedanken;
10 die Heimat zarQci[ZQl(ebren, als ihm von seinem Schwager Bitter nahe

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38 GuUv EiUMr.

gelegt wurde, doch SicUieo nicht unbesucht zo lassen. Er entscblofs sich


gern daza und verliefä im Februar 183ß Kom, um nun in einer höchst
gennfsreichen zweimonatlichen Reiso durch Sicilien m wandern. Auf
dieser Reise fesselte ihn, wie auch früher schon, die Frage über die Her-
kunft der bemalten Thor.frcfjirse. Sie fing hier an ihn lebhafter zu be-
schäftigen und er glaubte nachweiseo zu. können, daCs der Ursprung jener
Gefasse in Athen zu suchen sei.

Nach Neapel zurückgekehrt, wurde nunmehr üie Heimreise be-


schlossen, welche an Rom vorüber nach Äocona und Kavcr.na, von
dort nach Mailand ging, worauf dann bald der iulieuische Boden ver-
lassen wurde.
Die fast dreijährige Reise hatte für die Quellenkritik des Sirabo
unerwartet reiche Früchte getragen, hatte aber An-
aucli eine reiche
schaoong antiker und mittelalterlicher Kunstdenkmiuer gebracht nnd den
C!i:ir;ikU'i- durch den Umgauj? n it zahlreichen zum Teil ausgezeichneten

Maimeru ausgeprägt. Xramtr blickte stets mit Dank und gröfster Be-
friedigung auf diese lange glückliche Zeit zurück.
Im ersten Winter 1836/37 des nun beginnenden längeiea AuUat-
halts in Berlin übernahm Kramer einige Lehrstunden am Gymnasium zum
graoen Elontor «od erhielt tn Oeiern 1837 proTisorisch eine ordentliche
Lahrarttolli am KöUniidieii Oynnaeinm, mit welcher der französische Un-
terrichi in Prima, der lateiniacha in Obereeeanda nnd Qoarta Terbnndea
war. Im Lanfe desaelben Jafarea enchien aneb seine eiato Scbrin^ eine
Frocbt eeiner italiftniseben Beiao» nnter den Titel »Ueber den 8tjl aad
die Herkunft der bemalten grieebiaoben TbongeflLbe«.
Oetern 1838 wurde Kramer feat angestellt Wftbrend dieser erstea
Jahre in Berlin basebftftigte ihn Tornebmlich die Sicbtnng seiiMr Slra-
beniana* Eine Yergleichung der in Paria beflndlieben wicbtigan Hand*
acbrifiken wnrde wflhrend eines acbtwdebentlicben Anfentbalta daaeibat im
Sommer 1838 ansgefQbrt und so daa Material fervoUattodigt In Paris
kam ibm der Conserratar der griecbiscben Mannscripte, C. Bened. Hase
in gewohnter Weise freundlicb entgegen und erleicbterte ibm die Arbeit
nach Kräften.
Anfaerdem aber war die eigene Ansebaaung des Lebens in der fiaa-
zösischen Hauptstadt und deren Umgebung ungemein anregend fAr iba.
Mit Otto Jahn, der in Paris aufhielt und sich eng an Knmer aa*
sich
schlofs und mit Haase (später in Breslan), werden geoeinaame
Friedr.
Ansfinge gemacht, auf denen bald ein angenehmes Frenndsebaftsftrbiltms
die drei Männer rerband.
Nach Berlin zurückgekehrt, widmete er sich den Lehreraufgaben
mit grofser Pflichttreue, fand aber noch Zeit, schriftstellerisch seine ita-
liänischen Erfahrungen zu verwerten. 1839 erschien die selbständige
Schrift >Üer Fuciner See«. In demselben Jahre trat er mit dem Titel
Professor als erster Oberlehrer an das franztoiscbe Gjrmnasium aber.

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OnitoT Krtnier. 39

w mit dieier Sttll« vtrboode&o |pp6lMr« Gebali ernOglicbie n ihm Bim


jcb, einen «igmn HaostUiid la gTflnden. Er fflbrto eine Kiobto Mines
chwagera G. Biliar ab Gattin baim und bezog mit ibr die aa aaioer
teilegehörige DienitirobDiing.
Im Jabra 1848 wurde er fem Direktor dea franxOeisoben Gymnaaiaaia
nieDDi Dsd hat dieaea Amt bia Oalem 1853 geflkbrt Diese elf Jabre
-aren voll der befriedigendatan Brfabniogen oad dea aflgetrObteateo Glftcha
owobl in Amt wie in Hana and Familie.
Ale wiaaenacbaftliche Frnebt brachten sie die Anagabe der Qeo>
Ta|»hie dea Strebe in drei Binden 1844 — 62.
Vorarbeiten dam waren
D awei Programmen dea franaOeiacben Gymnaaiama niedergelegt Die
koagnbe bat wohl die Grondlage fOr die Straboforaobong dieaer Tage
lelegt, wenn aaeb Kramer Ablte, daCs er in atreeg philologischer Kritik
linter dem nach Ten ihm salbet eich gesteckten Ziele serftckgeblieben war.
Neben seinen eigentlichen amtlichen Geschäften ala Lehrer nnd
Direktor wnrde Kramer noch durch den ProTiniiaUScholrat Lange in
Berlin is die wiasenscbaftltcbe PrOfongscemmiseion fflr daa bdhere Lehr-*
imt gexogeo, der er in Berlin wie nachmale in Halle aeit 1848 ala atän-
iigea Mitglied und bald darnach als Direktor Aber vierxig Jabre aeinee
liebens angebQrte.
Bine besondere Aufgabe brachte ihm aber daa Jahr 1848. Dafs er
ala kOnigstreuer preobiacher Patriot die damalige Umwfthong mit blolen-
dem Herzen miterlebte, das verstand sich foo selbst, helfend eingreifen
konnte er aber auf dem Gebiete der äufiseren Entwickelungen nur iu ge-
ringem Mafse , um so mehr dagegen in der Bekämpfung der dem geisti-
gen Leben des Volkes drohenden Gefabren. Er gehörte zu den Begrün-
dern des »Evangelischen Vereins für kirchliche Zwecke«, dessen erste Ver-
sammlung' iu der Aulii des französischen Gymnasiums abgehallen wurde.
Der \ ercin, wclcbom Kiamei während der ersten Jahre seines Bestehens
Torslaiid , ibt eine Macht j^eworden, so dafs t r Doch im spaten Alter
oft mit Dank auf dieses miiteu in üciu blurm uet IvevuiUliuii&gelaiir be«
gODueue Werk zurückblickte.
Aach die Ik'toiligung am fKvangelischeü Verein« brachte Krauier
>n BerOhrnng mit zaiiireicheo Mauneru, deren Umgang ihm fflr immer
wert blieb.
iSu kam d;i^ Jahr 1883 heran, in welchem Kramers Leben eine cigen-
tömliche unerwartete Wendung nahm. Ende J851 war der Diicktur der
Pranckeschcn Stiftungen Prof. Dr. H. A. Niemeyer gestorben und hatte
kuiz vor seinem Tode den Kektor der lateinischen Hauptschulo und Cou-
uuektor der Fr. St. Dr. Eckstein 7,11 seinem Nachfolger bestimmt. Diesem
versagte aber das Ministerium die Bestätigung. Nachdem mehreren Män-
liern in bedontender Stellung in Schule und Kirclio das liueklorat an-
getragen worden war, ohne dafs es gelungen wäre, sie zur Übernahme
desselben zu bewegen, obschoa der König Friedrich Wilhelm IV. sich

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40 GaaUf Krämer.

persijDlich für die Sache sehr wann interessierte, \•::iv^ der Ruf an Kramer.
Er sah in (]ie;em Hufe, der ihn ganz unerwartet trat, eine Füg-ung Cvttes
und verliefii Berlin, wo ilim eiue so befriedigende Thätigkeit beschiedeo
geweseu war, weno auch schweren Herzens, um nach UaUe zu gehen.'»
lieber den Umfang der ihn in Halle erwartenden amtlichen Aufir^b'^n
erhielt er erst mit dem Eintritt in seine dortij^e Stt luni: eiueo wolkn
Überblick. Dio franckescheu SiiftuDgeo uoifafsien 1853 zwei vollständige
Gymnasien, eine h5here Rea!schn1e, eine höhere Töchterschule, je eine
Knaben- nnd Mädchenbürgerschule, je eine Knaben- Kni3 Mädchenfrei-
schule mit eigenen Rektoren und Infi « kt' ;en an ihrer Spitz*». vn-\ weit
fiber 3000 Schülern und Schölerini ei% eifie Waisenanstalt und zwei IVn-
i^ionate für zahlende Schüler, wiederum mit eigenen Vorstehern. Daiü
kam noch eine Apotheke und Hedikamenienexpedition, Buchhandlung und
Buchdruckerei mit facbm&fsigen Administratoren, endlich ein nicht uner-
heblicher Grundbesitz, der in Pacht geireben war.
Dieser so umfangreiche Ori;aii;:>:;:i;s beih^rftL^ /ur notwendigen Ord-
nung des Hautliakes einer Verwaltung mii eigccom Verwaltungspersonal,
an dessen Spitze ein juristisch und admitiiätrativ get»cbuUer Alaun, der
Syndikus der Anstalt, vollauf zu thun fand.
£s war f&r Kramer, der nicht wie die meisten seiner Vorgänger in
und mit den Stiftoogen aufgewiehi«ii war, doppelt schwer, ia diese«
eigenartigen Getriebe die leitende Stellong xu fibemehaen, somal da sich
immer mehr heraoBatelUe dafs die doreh die gewife TerdtensUichen Be-
,

mflbungcn der YerwaltuDg gewonnene Steigerung der Binnahmen nicht


mehr mit den achnell steigenden Bedürfnissen und Ferdemngen der Zeit
gleichen Schritt halten Itonnte.
Nicht nnr die Arbeit mit Hfllfslehrem (nach der alten Verbindung
der Stiftnngen mit der Unirersitit viellhch nech Ütere Stodenten), welche
für ein geringes Stondengeld nnterrichleten, wnrde mehr und mehr nnhalt»
bar, auch für die festangestellten Lehrer aller der sahireichen Schulen
wurde im Wettbewerb mit anderen Anstalten eine Aufbesserung der niedrig
bemessenen GehUter unerläfslich. Dies ergab Aufgaben, welche Kramen
wohlwellendem Sinne durchaus genehm waren, aber toII Verdnifs nnd
Schwierigkeit in der AusfUhrong, denn die eigenen Ifittel der SUftnogta
reichten trotz aller Anspannung bei weitem nicht zu, um namentlich den
Normaletat nnd den Wohnungsgeldzuschufs fQr die beiden höheren Lehr*
anstalten, welche noch jetzt in den Stiftungen bestehen, su gewähren.
Es waren sorgenvolle Jahre, welche Kramer, von Ansprüchen und
Anforderungen gedrängt, bei dem besten Willen doch ohne Möglichkeit
schnell und durchgreifend zu helfen, der Überwindung sablreicher Schwie>

1) Von hier ab folgt dio Darstellung vielfach den MUteihmgcn meines


FrrtHHlos Gymnasialdirektor Dr. U. Weiokcr in Stettin, der unter meiaea
Vater äcbttler, Student und Lehrer war. 1*. Kr.

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GoitAT KrtoMr. 41

rigkeiten widmeto. Dafe ihm dieses auf oino befriedigende Weise gelung,
I»etrac1ite(e er als eioen nenen Beweis des von jeher auf Fraoekes Stiflon-
^en ruhenden Segens Gottes.
Führte so der Drang der Zeit ihn ur entscheidenden Mitarbeit an
reta adninistratifen Aufgaben, so ging seine Tbfttigkeit doch keineswegs
darin auf. Er fibemahm von Anfang an das selbständige Direktorat des
EOnigliehen Fftdagogiams, des einen der beiden Torhin erwähnten Gymna*
sieo» während die lateinisehe Haoptsehole tmd die mit Ihr verbnndene
grolSio PeneioDsanstalt sunäehst im Wesentlichen der Leitung des sach-
kondigen Ceadirektors Dr. Eckstein fiberlassen blieb. Einen besonders
hertliehen Anteil aber bewies Krämer ?on vornherein der Waisenanstalt,
die doch eigentlich den Kern der Stiftungen bildete.
Anch im Gesamtlebeu der Stiftungen, vor den Augen der ScbOler
.

und des Publikums, trat Kramer immer mehr hervor, so namentlich bei
Gelegenheit der 200 jährigen Geburtstagsfeier A. II. Franckcs am 22.
März 1863, so wio bei ^icm jährigen IJausjnbil.ii.m des Königlichen
i

Pädagogiums in dcnitclLeii Juh:e. Besonders uic erste ieier rief auch


litterarische Arbeiten liervor. Wenn schon 186 1 von Kramer »Beiträk,'0
(itschichtc A. II. Franckes« (sein Briel^sc-ühsel mit Spener) her;ii;.>i:ö-

gt-ben wurJe, so folgten nun zur Säcularfeier von des Stiltors GebLiitUi^'
weitere »Vier Briefe A. II. Franckes«, die viel Interesse fanden, d i/.u die
eigentliche Festschrift des Direktoriums »Die Stiftungen A. II. Fianckes in

Halle« , in welcher von Krämer persr>nlii:h die Geschichte des Stifters


57 — 150 und die kleineren Abschuittü über die Waisenanstalt, S. 151
p. 07 und die ostindische Missionsanst;Ut, S. 27ö ff. verfafst w iron.

Michaelis 1863 verlieFs Dir. Eckstein Hülle, um nach Leipzig* über-


zusiedeln, und an seiner Stelle erwiihlte sich Kramer den Ri'klor Vr. Tli.
Adler zum Mitarbeiter an der Direktion der Fraiickescheu Stiftungen,
einen Mann, mit welciiem er bis zuletzt in herzlicbstem Einvernehmen
stand. Aber bald darünch begannen die oben genannten Scliwierigkeiten
der Verwaltung', welche inboffru von Kramer ein enivtfindliches Opfer vor-
langten, als es sich als n*jt\vendig erwies, das eine Gymnasium, das
Königliche Pädagogium, wolclies den übrigen Stiftungen gegenüber eine
selbständigere Stellung einnahm, eingehen zn lassen. Bei uust^jter Fre-
quenz wurden die Mittel immer unzulänglicher, und es drängte sich end-
lich der Entschlufs auf, die Anstalt von Ostern 1870 an als besondere
Schule aufzuheben un 1 nur als Erziehungsanstalt unter der Bezeichnung
»AJumiiat auf dem K niglichen Pädagogium« weiterbestehen zu lassen.
Krjuier liatte im Pädagogium den griechischen und französischen
Unterricht m l'jinm erteilt und überhaupt gern unterrichtet. Als daher
öie eigene I i inia sich auflöste, übernahm er in der Lateinischen Ilauptschule
feinen Teil der griechischen Stunden in Oberprima und hat mit grofser
ei 'enen Freude dort noch mehrere Jahre hindurch die Reden des Demo*
stkeoes und den Tbocjdides mit den ScbQlern geleseo«

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42 Gu»Ut Krämer.

Die Entlastung, vrelcho durch das Eingehen des Päda'^f ciuiv.s ali

(i^totmsium momentan für Kramer eintrat, kam namentlich aeiiier Xbäüg-


kei( an der UuiTersitat and litterariscber Arbsit zu goie.

Was die erstere anlangt, so war er schon Ostern 1854 als ausser-
ordentlicher Professor in die theologische FilralUlt d0r OiiiTersitil HaUi-
Wiltenberg eingetreten mit der Verpflichtung, pEdagogische VorlesnsfiB
zo halten nnd das pädagogische Seminar zu leiten. Hatte er dud scboB
seit seiner Übersiedelung nach Halle mit den naüpt?ertret€m der theo-
logischen Wissenschaft, Tholock, J. Müller nnd Hupfeld in nächster per-
sönlicher Beziehung gestanden, so brachte üin de» Eintritt in den aka-
demischen Lehrkörper und in die wissenschafthcho FrCfnngskomrri??:on
auch in furtdaiierndo amtliche und persönliche iierührung mit Mitglie-
dern namentliili der philoFophischen Fakultät, so mit den Profefsoren
Beruhardy, Bergk, Dömmlcr, Zacher, Keil, Erdmann u. a. Bei Gelegenheit
des fönfzi^'jährigen Juhiliinrns dor Universität Halle -Wittenbe'-^ 1867
wurde ihm die Würde eines Dokturs der Theologie hon. ris causa verlie-
hen und als in demselben Jahre die Philologeiiversamuilung in Halle
tagte, wurde ihm neben Bernhardy und Bergk eine Stelle im Pf.däi<iium
eingeräumt. Es war dies nicht nur RQcksichtnahme auf seine Stellung
aU Direktor der Franckeschen Stiftungen, hatte er doch schon einmal
1850 dem Philologentag in Berlin in Gemeinschaft mit Boeckh präsidiert.

Die litterarische Thätigkeit Krämers war während dieser Zeit auf die
Vollendung der Biographie seines Schwagers Carl Bitter, deren erster
Band 1864 erschienen war, deren zweiter Band jetzt 1870 erschien und auf
die Fertigstellung der bald (1874) nötig gewordenen zweiten Aull iL-e dersel-

ben gerichtet. Daneben aber entstanden auch die Artikel »Gj'mnasiumt und
p Realschule« in Schmids pä ian-ogischer Encyclopädie und die Lebensab-
risse der Direktoren der Franckeschen Stiftungen bis auf Job. Georg
Knapp iu der allgemeineu deutschen Biographie.

Zu den ihm durch aein eigentliches Hauptamt ebenfalls zugewiesenen


anderweitigen Aufgaben gehörte die mit der Direktion der Franckeschea
StUiungeii ?on alters her fetbliidene Leitung der ostindischen Missions-
anstalt und der v. Cftoeteinschen Bibelanstalt. Beiderlei Arbät
kam sein Hers entgegen und es bedurfte des herzlichsten Anteile, la des
Forderungen, welche auch auf diesen Feldern die Zeit stellte, in omfil^
lieben und zum Teil schwierigen Verhandlungen unTsrdrossen nachzu-
kommen. Die Missionaanstalt hatte schon seit dem Ende der vierziger
Jahre keiuen eigcucD Sendboten mehr unter den Heiden stehen. Mittel

und Wege, die Arbeit wieder selbstfm Iii; aufzunehmen, blieben auch weiter
versagt, aber es wurden von Kramer auch fcrnerhiti die Mis?on«nachrich-
ten der ostiridischcii Missionsanstalt zu Halle unter Mitwirkung der Mis-
sionsdirektüren Graul (seit 1855) und Hardeland (seit 1867) in viertel-

jährlichen Heften beraasgegeben, welche besonders wertToU sind durch

L^iyiii^uü Ly Google 1
43

iro Bondschan ttber das gasamia Hiasionsgebiet und arei in nauestor Zeit
orch volkatAmliebara BlAiter abgeltet worden*
FQr die r, Canaieinacha BibalanetaU ergaben dcb neben den FortecliriU
en der Technik, walcba in daa atUla Treiben der Stiftongen im Jahre 1859
Xb I>aimi^aacbina ainfQbrten — die Drockerai der Bibelanetalt war die
rale Halleeehe Drnekerei, welehe aam Dampfbetrieb« schritt — gaui
i«tte Aufgaben von sanftchet unüberaehbarer Ausdehnung durch die For-
laronff eines ravldiarftan nnd für gans Deutschlaud einheitlichen Textea
ler I«ntberbibel. Die mühsamen und zeitraubenden Verhandlungen mit
^achmännero, Behörden und Bibelanstalten, welche seit 1855, lebhafter
^eit 1857 begannen und noch jetzt des letzten Spruches harren, ist hier
nicht der Ort genauer zu verfolgen. Aucli den voiiiiufigen Abschlufs der
Arbeit mit der Probebibel von itdJ erlebte Krämer niclit mehr im Amte.
Aber über die Tcxtgestaltung des Neuen TLÄtaii.eaLts kuniite er (mit
MOiickeberg) dem XII. iLutsclicn evaiipeli^clicn Kirchentago im Jahre
1862 einen Kuiiferen'/berirht vorlegen und im Jahre 18(37 den Probedruck
des Neuen Testanu iite.> autgeheu lassen. Die Konferenzen, welche — in
der Kegel jährlich zweimal —
im Konferenzzimmer des Pädagogiums statt-
fanden, brachten Stunden der Vereinigung mit n.imhaften Miinnern aus allen
deutschen Gegenden, Veitreteru der Universitätstbeologie und des kirch-
lichcu Amtes —
Stunden, welche vielen Teilnehmern noch viele Jahre
nachher in weihevoller Erinnerung geblieben sind — sie ergaben weit- ,

VüUe Beziehungen, so zu Pastor MOnckeberg, dem Anfänger des Kevi-


sionsworkes, zu dem Germanisten Frommann, dem unermüdlich thfitigea
Professor Riehm in Hallo selbst u- a. m., aber sie brachten mit dem vor-
ausgelienden und nachfolgenden Schriftwechsel auch eine Last von üo-
schäfien, wie sio nicht leicht einem Schulmann an der Spitze grofscr
Aastalteu nocii als Nebenarbeit auferlegt wird.
Bei allen diesen Geschäften, die ihm oblatron , inlim Krämer in-

defs nocii lebhaft an den kirchlirhp?i nnd i)uliiiacheu iiewo^ningen der


Zeit Anteil. Er ward Mitglied des Kn\henrates der Gemeinde Glaucha,
zu welcher die Stiftungen gehörten, und übernahm die Leitung des Halle-
scben Jiiugiingsvereins. Dem in Halle bestehenden politischen k^nserva-
ti?en Verein diente er lange Zeit alseiiie ki.iiijge Stutze zusammen mit

Männern wio H. Leo und K. Witte, mit denen ihn bald herzlirho Freund-
schaft verband. Mit zunehmendem Alter freilich trat er von der thätigen
Teilnahme am politischen Leben zurück, während das kirchliche Altesten-
amt von ihm bis in sein hohes Alter verwaltet wurde. Im Jahro 1877
ward seine Ehegattin durch den Tod abgerufen und er beging daher 187Ö
das 25jährige Jubiläum als Direktor der Franckeschen Stiftungen in aller
Stille, konnte aber doch genugsam Beweise davon sehen, dafs namentlich
die in den Stiftungen unter ihm Arbeitenden ihm jetzt herzlich ergeben
waren, ein wuhlthuender Gegensatz zu dem, was er 1853 erfahren muf^^te.
Um dieselbe ^eit hatte er hereUe den ßntschlufs ins Auge ^efafsti

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44 Owlaf Knmer.

sein Amt in die Hände seines Freuü und bestätigten einsUgCB Hadh
folgere Adler abzugeben. Zu Micbaeüs 1878 f&hrte er ihn aus. Fast
ftechsundswaDkig Jahre hatte er die LeituDg der ausgedehnten Anstalt»
innegehabt und, wie aus dem Vorigen ersichtlich, durch eine der schwie-
rigsten Perioden ihres Bestehens bindurchföhren mflaeeii. Jetzt sab er,

obwohl noch in voller Rüstigkeit, im 73. LebcD^jabre den richtigen Aogeo-


blick gekommen, die Lnst jöncrp'en Kräften zu fibergeben. Mit dem Titel
eines Geheimen Regi'jiiinf^srates wur<^p ihm der Eintritt iu den KuhestaniJ
bewilligt. Nur das ihm auch fernerhin übertragene Amt des Direktors
der wissenschaftlichen Pififungbkommission behielt er noch bei, ent^acte
dagegen aoch der akademischen T.ehrthStigkeit und fand so nun die voll«
Mufse, um eeino g:findliche Kenntnis des Lebens A. H. Fraocke's \aA
seiner Stiftungen, so wie er es längst wollte, zu verwerten.
In den Jahren 1880 und 1862 erschien in zwei Bänden die Lieblines-
arbeit seines Alters »Arpust Hermann Francke, ein Lebensbild.«. Dsn^iL

hatten die oben aufgeführten Vorarbeiten, tu denen noch im Jahre 167S


Neue Beitrage zur Geschichte A. IL Franckes« mi 1876 npädagogisoh«
Schriften A. IL Franckes« (2. Auflage 1883) gekommen waren, den würdi-
gen Abschlufs erreicht. Kine grössere Arbeit unternalim er nun nicht
mehr, sondern üefs nur noch Aufsätze, die sich iaiuier wieder mit der

Geschichte des Fictismus beschäftigten, gelogeutlich erscheinen, so »tut


Jugendgeschichte Zinzendorfs« und »Zeugnis wider uie Beurieiluhg A.

U. Franckes in A« Bitsehls Geschichte des Pietismus« iu der Kirchlichen


MoQateecfarift IQr die pos. Union.
Mit dem Jakre 1884 tat Krämer aoch nm die Entbebungr voii des
Amte, welchea ihn seit vienig Jahren mit der wiseensehaftlichoo Frl-
foogekommission zneret in Berlin, dann in Halle verband. Unter Yerlei*
huiig des Ktoiglieken Krooenordens twoiter Klasse wurde ikra dieeelbe
bewilligt
Yoo nun an lebte er, noch in grofser geistiger Frische, bis snm An-
fang seines 8S. Lebensjahres seinen Kindern nnd in der Erwartung des
Angenblicks, wo der in starkem Glanben von ihm ergriffene Herr Aber
Leben nnd Tod Ihn abmfen wflrde.
Dies geschah am 81. Juli 1868.

Halle S., Janaar 1889. P. Ertmer.

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GhrisUao Friedrich Beek. 45

Christian Friedricli Beck»


geb. am 20. Jaai 1606^ gest. am 30. Aogust 1888*).

Der Nestor nicht nur dci baverit'Chen, sondeia wohl aller bis (hiliin

lebenden deutschen Dichter ist mit Dr. Deck ans dem Leben gtsclucden.
Dersclbo war geboren zu Ebersberg in Oberbayerti, den; uralten, berühmten
Klostersitze. Sein Vater, ein feingebildeter Mann, der I leuud Fritz Stid-
bergs und Michael Suiilers, stand üaytlhsi in Diensten des Johanniterordens.
Im J ihro 1800 Würde er als Landrichter nach Innsbruck ?erselzt, 1815
aber nach Keuburg a. D. berufen. Dort besuchte der junge Beck das
Gvmnaöium. An die Universität Muiichen übergetreten, gab er sicli aufser
den gelehrten Fäcliern — er studierte Philosoplüe unter Schoiling und
Baader, Philologie unter Thiersch — mit Eifer auch der Kunst der Land-
«chiift>in;dcrei hin. Schlieftilich entschied er sich für das Lehramt als
Lebeusberuf. 1836 wurde er Studienlehrer, 1850 Gymnasialprofessor
am Lndwigsgy ninapinm tu München. Durch ein Augenleiden Yer-
anlafst, trat Prof. Beck 1860 in den Ruhestand. Während er in der Zeit
von 1839 — 1858 die Redaktion der »Münciicner itolitiscben Zeitung«,
später »Neue Münchencr Zeitungt genannt, führte, nahm er regen Anteil
an den geistigen Pestrcbungen Münchens und unterhielt mit Männern
wie Lndwig Aurbachor, Graf Pocci, ?. Aufscf^:, dem prot. Theosophcn Jul.
Hamberger (f 1885) und vielen Künstlern freundschaftlichen Verkehr.
Er war Jlitgründer der Gesellschaft zu den drei Schilden, aus welcher
später der historische Verein von Oberbayern und das gcmanischc 5Iu»
seum in Nürnberg hervorgingen. Schon in jener Zeit war Dr. Deck n>it

Glück als Dichter in die Öffentlichkeit getreten. Es erschienen von ihm


1844: »Gedichte« (Lit.-art Anstalt); spater »Zeitklängea, ISGO, »Still-

leben« 1861 (Merhoff), das Epos »Lother u. Maller« 18Ü3, ferner das re-
ligiöse Lehrgedicht »Theopbanie« (1877 in zweiter Auflage bei Perthes).
Der Dichter, den durchweg eine elegante Versifikation auszeichnet^ hat
besonders für letzteres Werk wegen der Gewalt seiner Sprache und der
mannigfaltigen, jeder einzelnen Gedankensphäre angemessenen Rhythmen
das einstimmige Lob der Kritiker georntet; 1883 erschien (hei Hnttlet)
sein Sprach* ond RätselbOchlein, 1869 die antike Tragödie »Tclephos«.
Mehrere Gelegenheitsgedichte und patriotische Gesänge Dr. Deck«, von
namhaften Musikern componiert, sind ins Volk gedrungen. (1860 dichtete
er die »Featbjmne zur Enthüllung des Goethestandbildes«, Isen i4 seine
»Volkshymne« selbst an den Ufern des Rheins erklungen; 1887 schenkte
er Bayern das »Lnitpoldlied«, kurz vor seinem Tode brachte die Fest-

ichrifl aar Centenarfeier das »Waiballaliedt).

) Vergl. Brummers Dichieriexikon \, 45; Allg Zeitung, U. Heil. Nr. 242


Tom 3L August 1888; Bl. f. d. b. Gymoasialw. XXIV, 577 ft.

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46 ChrittiAB Friedrich Beck.

In der Rc'lclam'gchen üniversalbibliothek (No- 1377) bat Prof. Beck


•iDe NoTflUe feröffentlicbt, deren Stoff dem mittelalierlicben KansilebM
enteommen ist: »Geschichte eines deutschen Steinmetzen. c Aofserdem
stammen aus seiner Feder die unten aufgefQbrten LchrbQcher für den
deutschen Unterricht an höheren Lehranstalten, welche zahlreiche Auf-
lagen erlebten und bis lieute an vielen '»fTcntlichcn rtnd privaten Untfrrirht-5-
BOStalten Deutschlands wie des AutlßtiJes in den Ilfinden der Schüler sind.
Der Lei ensabpnri des Schriftstellers ^^c.-talteto sich traurisr. Das
Liclit der Augen war liini Fchon viele Jahre vor dem Tod erloschen, in

der letzten Zeit verlor er auch das Gebor. K;neii Freadentag brachte
deui vereinsamten Manne noch die Erneaerun^j; seines Doktordiploms Ton
Seiten der Univorpität Erlangen (14. August lbi9). Trotzdem bewahrte
er ein staunenswert gutes üedächtnis; den Horaz kannte er fast ganz ans-
wendig; viele mttrisclie Übersetzungen aus diesem Dichter, u. a. der
epistolii ad Tisones uiktierte er aus dem Gedächtni?, wie denn überhaopt
seit! poetischer Boin trotz der zunehmenden körperlichen Hinfälligkeit nie
versiegte. In dem Kflcklafs, welcher in die Hände des Herrn Prof. Dr.
Hjüc. Holland in Muiicheii überging, linden sich noch zahlreiche religiöse
Gedichte, Übersetzungen, Spruchdichtongen.
Prof. Dr. Friedr. Beck war ciu edler Mensch, ein neidloser, be-
scheidener Gelehrter, ein gottbegnadeter Sänger. ydp jja dsoe ngpi
Smxt» dotSIliv Tepmtv.
Dr. Fr. Becks Schulbücher und schönwisBeiiBohaftliche Schriften.
1. Lehrbocb des deatechen Prosastils f&r höhere Unterrichts -Anstaltes.
Mit einer Sanmliiiig von ÜbnngBaofgaben ond HtoweiaaDir «if Moiter-
beispiele. 7. Aufl. 1886 München. Gert Herhoffs Verlag. 2. Materitliti —
ond Dispositionen an Übnngaaofs&ifen* I., II., III. Abi 2. Anfl. 1878. Catl
Merhoir. — 3. Lehrbncb der Poetik (Ar habere Unterrichte - Anstalten.
6. Aofl. Manchen 1888. Merhoff.
Programm des k. Lndwigsgynraasioms so Mfinchen 1852:
Über die SSeosldee in ihrer centralen Stellong som faelleniscben
GOtterkreis. Abhandlung (Mscr.): Über die weltgescbicbtliebe Bedenteag
der Wiederherstellung der klassischen Litteratnr nnd Knn&t
Fragment einer epischen Dlchtang: »Die Schlacht bei The r*
mopylä«, StilUeben, S. 835 - 348. Trsgödis sTelepbosc» Ttrsnch
einer Nachdlchtang der gleichnamigen Tragödie des Eoripides, mit Bin-
leitung nnd kritischen Notlsen. Blfttter fftr das bayerische Gymnasial*
SChalwesen. V. Bd. S. 325 866. —
Lonis Claude St. Martins Dichtungen fibersetzt und erl&nteri Mün-
chen 1863. Merhoff. Übersetzung Ton Horat. Od. 1, 3 in den Blättern Ar
das bayerische Gymnasialschulwesen. XVII. Bd. S. 159. Übersetanng fsn
Horat. Od. 1, 7, ebendort S. 2&0.
Speier a. Bh. Joseph Sarreater.

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Christoph Ziegler. 47

Christoph Ziegler,
geb. 8. Febnur 1814, goat 12. Juni 188&
Cbristopli Ziegler iei geboren In Ulm am 8. Febroar 1814. Er
KUmmle aos einer dev Gewerbestande angehOrigen Familie. Sein Vater
war Manier d. h. Yiktoalienh&ndler. Er ?erloT denselben indes schon in
seinem nennten Jfahre nnd lebte epftter bei seiner Grotoniter in stiller
ZnrOeltgeBOgenheit Ohne väterliche LeÜnng, Oberhaupt frei Ton äutSraren
Binilflaaen, Er suchte
entwiekeUe er sich gans nach seiaer Eigenart*
weder Geeelligkeit noch Preondschaften; ohne gegen andere abstofSiend sn
sein, hielt er sich snrflek, seine Sebnlarbeit war ihm alles. Er galt achon

damals als ein besonderer Mensch. An dem Ulmer Gjmnssinm, das er


erst Yon seinem elften Jahre an besnchte nnd in acht Jahren dorchllef,
wirkten besonders anf Ihn zwei herrorragende Lehrer, Professor Ha&Ier
nnd Behtor Moser« Der erstere, ein aosgeseichneter Orientalist, bei de
Sacy in Paris gebildet^ lebhaft, geist?oIl, schlsgfertig In Bede nnd Schrift,
wsr ^
ir^lehes YOTbUd l&r den hOnftlgen Lehrer. Moser war ein sehr
gelehrter Mnnn nnd Yort&glieher Kenner Ciceros. Er hatte in Lejden
onter WjKenhaeh stadiett nnd dort, .wie vorher In Heiddberg, im Freond-
Bchaflsbnnde mit Creoter gelebt Mit Begeisterung horchte Ziegler anf
seine Ertftblongen ?on den grofsen holländischen Philologen, und die
Ehrfurcht, mit der Moser ihre Schriften in die Hand nahm, das ans
seinem Innersten herrorstrOmende Lob, das er ihnen spendete, machten
einen tiefen Eindruck auf den strebsamen Schaler.
Ffir den weiteren Verlauf seiner Studien bewies Ziegler, als er im
Herbst 1883 das Gymnasium verliefs, seine Selbständigkeit dadurch, dafs
er, ganz entgegen dem gewohnten altwürttenibergischen Brauch, seinen
Weg zum philologischen Leliratiit nicht durch das Studium dei Theologie
nahm. Zwar dachte auch er aiifanirs an eine Verbindung beider Wissen-
ßcbafleii, als ihn aber Bcin Verlangen, Gottfried Horuumi zu liureii, nach
Leipzig gefühlt hatlr, war der Eindruck, den er von diesem eniiifipg, so
mfichtig, dals er dio theologischen Studien aufgab und sich ganz der
Philologie zuwandte. So ist Ziegler der erste Wörttemberger gewesen,
welcher sich ausschliefslich vom Anbeginn seiner Stadien an der Philo-
logie widmete, und zugleich wohl auch der einzige, der zu den rnf^^en
Ci. Hermanns gesessen ist. Er hörte während seines vierjährigen Leip-
ziger Aufenthalts sämtliclio Vorlesungen Hermanns und gab sich über-
haupt völlig seiner Lcitnng hin. Auf Giund von Ausarbeitungen über
Tbeokrit, den er nnf Veranlassung seines Lehrers zn seinem speziellen
Arbeitsfelde erwühlte, über Apollonius Kiioaius nn l Miisfiu.s wurde er in

die societas Grnera und in das philologische Soniiii;ir aufgein iniiien, nnd
bald trat er zu Hermann, der den ebenso besclieilL'iien als tüchtigen
juDgeu Mann lieb gewann, auch in ein näheres peisoniicbes VerbältniSf

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48 ChrUtoph Ziegler.

das fui sein ganzes Leben seine schünste Kriuiierung bildete. Er be-
trachtete ihn als den ilaun, dem or alles verdanke, wurde nicL: müiie
von ihm za erzählen und sprach den Namen seines Godofredos Hermannus
immer nur im Tone höchster Verehrang aas. Ein Denkmal dieser Pietät
ist d«r Artikel G. Hermanni den er für die Scbmidsche Encyklopädie be-

arbeitete. Im Jahre 1874 Obersandte ibm KöcLly, seio Leipziger Uni-


TersitfttBfreoodr eeioe Schrift Qber G. HernaBn »lüe einem ans der eebM
sehr klein gewordenen Zahl von treuen Jflngern des grofeen llei8tefs.c
Im Jahre 1887 kehrte Ziegler in die Heimat xorflck. Dorch dai
Gef&hl dessen, was er in Leipzig gelernt, nnd dorcb die Anerhennung,
die er bei seinem Lehrer gefonden hatte,war er selbstbewnlater gewerdea.
Er war flberseogt, im stände sein werde, den Spnren seis«
dafa er
Meisters folgend, in seiner Wissenschaft etwas aa leisten. Ale er m
Herbst 1887 nach Tfibingen kam, nm seine Stadien fortansetien, war^s
er als ScbOler Hermanns von dsn dortigen Philologen Wala nnd Tsfil
nnfs beste aafgenommen. Er trat in das im Herbst 1888 neu gegrflndsU
philologische Seminar ein nnd eröffnete ee dnrch Übernahme der entea
Interpretation. Von Walz, so dem er in ein besonders nahes Verhättais
trat, wurde er in das Stodium der alten Konst eingefQbrtw Damit er*
schloCs sich ihm eine neue Welt, mit der er sich möglichst nach W-
traut zu Toaclien suchte. Seit dieser Zeit hat er beide Richtungen, die

sprachlich-kritiscbo und die archäologische, gleichmäljiig neben einander


gepflegt, und während er sich durch die crsterc einen geachteieB Names
in der gelehrten Welt erwarb, bat er durch die letztere sich ein her-
vorragendes Verdienst um die Schule erworben. Im Herbst 1839
liofs er Tübingen und promovierte dort im folgcndoo Jahre
die Universität
durch eine Dissertation de Apollonio Rhodio et nonnallis Masaei locii^
einer Umarbeitung der Lripzignr Seminararbeiten.
Währrnd des Winters bereitete er sich auf seine italienische liei.-e

vor, die er im Frühjahr 1841 antrat. Kr wullto teils, der in Tübingta


empfangenen Anregung folgend, archäologische Stn'lien machen, teils für

den Theokrit und den Apollonius die wichtigsten Handschriften c in.-ei-.en.

Diese Arbeiten fesselten ihn ein ganzes Jahr in Koni, während auf ^s'eapel,

Florenz und Älailand nur eine kurze /oit fiel. Kr liolTte in Balde eine sof

neue Durchforschung der Überlieferung gegründete Ausgabe des Theofcrit


veröfTentlicheu zu küuuen. FQr seine archäologischen Studien fand er die
bereitwilligste üntcrstötzung bei dem dauialigen ersten Sekretär des archäo»
logisclien Instituts, Emil Braun, der ihn sofort in seine Nähe zog und sich

sogar, Qbrigens vergeblich, bemühte, ihn zum Zweck gemeinsame; Her-


ausgabe eines umfassenden Werkes über die römischen Altertümt r in Rom
festzuhalten. Neben dem alten Rom beschäftigte ihn auch das mittel-

alterliche und moderne, uud auch das südiicliG VclksleLen übte seine
7/uhung^kiaiL auf ihn aas. Sein vorzüglichcä Gedächtnis hielt alle An*
schauungeu und Kiudrucke mit gleicher Treue fest Wie der Leipziger

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Chrlslopli Ziegler. 49

iofenlhalii lo bstto aoch dieeo ita]MDitche BoiM die Wirkung, ibn mit
ier Aofeenwelt in stftrkere Berflbrang m bringen, er wnrde anechltefeen-
ier Qnd mitteileamer, ebne dämm sein originelles Wesen anfengeben.
Naeb im Sommer 1842 widmete er seine ganie Zeit
seiner Bftekkebr
ier Bearbeitung des Tbeokrit and fikbrto seine Aufgabe binnen Jahresfrist
lu Bnde. In dieser Zeit er5ffnete sieb ibm die Aussiebt» eine neu er-
riebtele LebisteUe an. dem Himer Gymnasium su srbalten, und da mit
derselben der ünterricbt in der franiDeiscben Spracbe Tsrbnnden war,
entaeblolii er sich im Deiember 1848 rasoh, einen l&ngeren Aufenthalt in
Paris tu nehmen, um sich in dieser Sprache weiter anssubilden. Von dort
ans bat er G. Hermann um die Briaubnis, ihm seinsn Tbeokrit widmen
su dürfen, und die Antwort lautete: »Wie kdnnte ich das Zeichen Ihrer
treuen Liebe, das Sie mir dnreh Zueignung Ihres Tbeokrit geben wollen,
nicht mit Freuden und lebbafker Brlnnerang an die Zeit, da Sie in Leipzig
waren, annebmen?t Sein Wonach, in ülm angestellt su werden, ging nicht
in BrfHUung, dagegen machte er sich Hofhinng, an dia.Landeeunifersit&t
berufen su werden, und mit Besiehung darauf bemerkt Hermann in dem
Dankschreiben f&r den Empfang des Tbeokrit: »Sie hoffen in Tftbingen
angestellt su werden. Dasu wOnscbe ich Ihnen und noch mehr der dor-
ilgea üniTorsit&t Glttck, auf der, wenn auch Tafel ein sehr gelehrter
Mann und Wals ein durch eigene Anscbaanng erfisbrener Arcbftolog ist,
doeb die klassische Philologie einer Anregung und tOehtigen Stfttse gar
nicht unbedflrftig schetnic Auch diese Hoffnung verwirklichte sich nicht,
wohl aber erhielt er im Jahre 1845 eine Lehrstelle an der oberen Ab-
teilung des Gymnasioms in Stuttgart als Nachfolger des hochverdienten
Panly, des Herausgebers der Realencyklopädie. Jetzt schlug er sich alle
anderen Wfinsche aus dem Sinne, um sich seiner schönen, ihn völlig be-
friedigenden Aufgabe mit ganzer Seele zu widmen, und wirkte zuerst an
Simtlichen Obericlassen, dann ganz an Prima als hocligeschätzter, von den
SchlUern und verehrter Lehrer einonddreifsig Jahre lang mit
geliebter
ausgeseichnetem Erfolg. Seine Arbeit galt immer m erster Linie der
Schule, fflr die ihm keine MQhe, kein Zeitaufwand zu grofs war. Beim
Unterricht aber machte sich seine Eigenart in entschiedenster Weise gel-
tend. Er wollte von Didaktik und Pädagogik nichts wissen; mit diesen
Wissenschaften sich zu beschäftigen hielt er für verlorene Zeit, und
ebenso kümmerte er sich in der Praxis wenig um aie Regeln der Methodik.
TOUig hingenommen von seinem Gegenstand und lebhaft erregt durch das
Bemfibeo, ihn voll und ganz den Schülern zum Verständnis zu bringen,
Steigerte er seine Stimme bis zu den höchsten Tönen, sprach selbst zu
iil, wartete die Antworten der Schüler nicht ab und kam nicht dazu,
die ganze Klasse scharf im Augo zu behalten.
Aber trotzdem war er ein
VonQglicher Lehrer. Die Kektoren Roth und Schmid, welche in dci Pä-
dagogik ihre Hauptstärke hatten und es mit dieser Seite des Unterrichts
sonst sehr genau nahmen, verzichteten daraul, an ihm
etwas anders zu
IMknUegt, IMS. 4

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50 Cbnttoph Ztegler.

iiiachen. ur^i waren einsirht-voU L'eniier, gewähren za las^n.


ihn »Grütid-

Iiche? Wisteii,« «aptc» Sclirni«!. «mit Ei*'«T zijr Jugend


ond Liebe gepaart,

ist mehr wert, al- aKe Methv^dik.« Was i;«»«e be; ihm ersetzte, am wir
?or allem der vrdle Ausdruck wahrer BegeisieruDg^ für den St-ff. yatä»--

lirh und ungefeiiclit. mit der L'anzeu Kralt übcretrdmendeQ Gefüb!> br^ö
diese hervor und wirkte zündend auf die Herzen der Schöler. Dazu kau
seihe groftoe Lebendigkeit, die Sicherheit, Gröndlifhkeit cad Mannitrf.i'.tifi:-

keit meines Wispene, das die sprachliche und die reale Seite des Altertutu;

gleicbmärsig umfaf&te, kam der treffende, uicht selten UDgewOhDiiche Aus-


druck, kam immer ein klares, abschliefsendes Re-
endlich sein Beiüühen,
soltat za gewinneo. Er Tersftomte nicbto, was geeignet ist, des Jßwim*
rieht ni telelMD und IriiebibAr in maeben, er uch dit Pflkht im m
persftnlieiiM Beraten im folUten M bCm erflillto. la alleai da« saigta er
eio piaktiactaM Oaseluek, das aiebt aDgelemi, aoadara aaa den tiafrtn
Oronde seiDea looero entoprongMi war.
Dia littarariaehao Arbaitoo Raglan achlieraas aieh aog» aa aeiai
italieDiaeban Raiaen an. Br bat darao fiar ganacbfe» ood jadaanal nabs
ar ia Italiaa, for allam in Born, ainao liagaraa Aafiralbali. Bai jßfim
diasar Baiaan Tarfolgte ar baattmoita littarariseha Zwaaka, er wollte leili

HaadaebriftaD fafglaiebaa, taila Ifatarial fQr ain grolSaaa arcbiolagiachai


Bilderwark aammalD, daa dar Sabnla ala ADacfaaoaagamittal diaoaa aoUte.

Die Frucht seiner araton Baiaa (1841—42) war aeiae im Jahra 1844 er-

aebieoena kritiacba Ausgabe des Theokrit. Kach seiner zweltao HeiM,


bai walchar er vom April 1864 bis zum Herbst 1865 in Italien verweilt«,
erschien die zweite Ausgabe (1867). Auf dieser im Herbst 186i
Reise,
entdeckte er in der Ambrosiana in Mailand ein bisher noch unbekannt??
Gedicht, daa jetzige dreifsigste in den Ausgaben des Thec,krit (aoecdotoo
Zieglerianum). W. Studemund, dem er es in der Atnbrosiona zeigte, sanlt?
eine Abschrift davon an Th. Bergk , der es 18G6 zuerst verötTentliclitc.
Ziepler selbst publizierte seine eigene Abschrift erst 1866 in den J;ih^^t•biu
Jahrbnf heru S. Iö9 ff. Ein weiteres Ergebnis dieser Heise wareu die Aas-
gaben des Theognis und des Bion und Moschos, beide aus dem Jahre 186^,

sowie die verdieustlif he Ans^abe der von ihm zuerst veröffentlichten Am-
brosianischen Scholien zu Theokrit (1867). Eine dritte Ausgabe dies-^-

])irhters erschien 1879 nach seiner dritten (1877 - 70), eine zwoiif
lieise

des TiieoKuis 1880. Ziegler charakterisiert selbst seine Ausgaben iu üös


Schlufssatz der Vorrede zu der zweiten Ausgabe des Theokrit p. X: Fe«,
quod facere potui, strenuornm fabrorum instar, qui congerunt materi.im:
architectorum partes sustinebunt alii. Sein Verdienst ist aber damit grofs
geau^; i&t kein augenblicklich glänzendes und blendendes, aber es ist

ein daoerDdes und still Durcb seina geoaoen nnd sava^


fortwirkendes.
lässigen handschriftlichen Untersuchungen ist fOr Imnar aina faate Oraad-
läge gegeben, auf dar mit Sicbarhait waiter gebaut wefdan kano, Uad
aocb ar aelbst bat achon mit aebOnem Erfolg an dam Anfbaa gaarbaitit

. j ^ d by Google
Christoph Ziegtor« 51

Binen weiteren Steff m


kritieeher Bearheitong bot ihm das Bedarfhis der
Schul«. Br war der Anekht, dafs unter den Tragikern der der modernen
ikoBebannng n&her stehende Snripldes in der Schule mehr berftckaichtigt»
lafs mit ihm der Anfang gemacht werden eoUte, und las deshalb in der
Kegel mit Unterprima die Iphigenie bei den Tanriem. Seit dem Jahre
1871 erschienen ?ier Schulansgaben dieses Stttokes fon ihm, drei Text-
auBfiraben mit am Schlüsse beigsfOgten kritischen Bemerkungen, die erste
In dem Stuttgarter Gymnasialprogramm Tom Jahre 1871, die anderen 1873
ond 1884| und eine Ausgabe mit Kommentar 1886, worin er grundsfttsUcb
mir das Nötigste fOr den Schüler gegeben bat. Fflr die dritte Textaua-
g^abe hatte er auf seiner vierten italienischen Beise 1880—81 die Hand-
schriften rerglichen. Das handschriftliche ICaterial liegt in dieser Aus«
gäbe zum ersten Mal Yollstftndig tor. Seine Gollationen Aber Apollonias
Bhodiss hatte er in einem Schulprogramm von 1846 niedergelegt ond in
elDem eben solchen von 1865 die seelische Anlege ond die Komposition
der nophoUeischen Antigene behandelt
Das wichtigste aber, waa er fftr die Schale than wollte, und was er
neben seinen kritischen Arbeiten von Anfang an auf dem Honen getragen
hatte, war die Herausgabe eines grofsen archftologischen Bilderwerke«,
welches das ganse antike Leben omfossen ond der Jogend alle Ar die
Lektüre der Klassiker notwendige Anschanaog bieten sollte. Bei dem
weltgreifenden Plan, den er sich für diesse Werk vorgeieiohnet hatte, war
08 ein GlQok, dafs er sich zunächst die Aufgabe stellte» einen Teil fertig
ao machen, die llloatrationen aar Topographie von Bom. Schon fUr.diessn
bedarfte er bei der grofsen Genauigkeit, mit der er arbeitete, einer Iftn*

goren Mofsszrit; er erbat sich und erhielt im Herbst 1871 einen ürhiub
auf ein Jahr. So erschien denn im Jahre 1876 das srste Heft seiner
llloatrationen, und 1877 war das Werk vollendet, das von seinem ersten
firacheinen an fiberall mit grdfster Freude begrOfst und als ein vorsflg*
liehes, In solcher Vollkommenheit nie dagewesenes Ansdiaoungsmittel fttr
den Unterricht anerkannt wurde. Und als vollends im Jahre 1882 die
beispiellos billige Schulausgabe erschien, dnrch die es in dis Hand jedes
SohOlers gelangen konnte, da durfte er sich sagen, dafs dieser Teil seines
Gedankens die vollkommenste Verwirklichung gefunden habe. Er hatte
die ihm suteil gewordene Anerkennung aber auch wohl verdient Wie er
bei der Ausarbeitung des Textes die gründlichsten Üntersochungen ge-
macht hatte, so sparte er auch keine Mflhe bei der Auswahl und An*
fertigung der Abbildungen. Immer sab man ihn auf dsm Wege au den
damit beschäftigten Kanstlero, die er dnrch aachkundigen Bat, durch er-
munternden Zuspruch und durch Geschenke för sein Werk gewann nnd
zu besonderen Leistungen anfeuerte. Zu einer Fortsetzong des Werkes,
fOr welches ihm von der wflrttembergiscben Regierung die grufse goldene
Medaille Kunst ond Wissenschaft verliehen wurde, kam es nicht, ob-
fflr

gleich er durch seine Versetzung in den Ruhestand im Herbst 1876 volle


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52 CbrUtoph 2i«gler.

Mufse erhielt; er fühlte sich ffir die Übernahme ähnlicher m0be?oller


Arbeiten nicht mehr kr&ftig genug- Am längsten beschäftigte ihn noch
der Gedanke, seinem Rom ein Heft mit Ansichten der contorni di Roma
nachfolL'Pn zu lassen, wozu er auf meiner letzten Reise Material tre^atniMlt
hatte, zur Ausführung kam aber audi dieser Gedanke nicht mehr.
Ziegler führte ein vollständiges Gelehrtenleben. Er war mclit ver-

heiratet und ffliilte, wr« damit seinem Leben abs'ingr. Doch lebte er in
den ersten Zeiten feieines Stuttgarter Aufenthalts in einem, wenn auch be-
scheidenen, geselligen Verkehr, später zog er sich inimer mehr auf sich
selber zurück. Übrigens verhielt er sich in der Gesellschaft keineawei^'9
passiv. Er war lebhaft, mitteilsam, liebte Witz und Sehers und be-

mäclitigte sich nicht selten ganz der Unterhaltung. Dabei war er origiüiU
in den Gedanken und im Ausdruck. Sein Chanikter war von seltener
Reinheit, er war eine anima Candida im vollsten Sinne des Worts, wahr
and offen, verläfi^lich, wohlmeiDend and woblthaend, ein Feind aller

krommen Wege und selbBtattclitigeD Oaduken. Fflr sich seitot lebte er


mehr als eparttun, «Uo8 wtr ibm gut genug, f&r die Wiaaentehall da*
gegen war ibm kein Opfer sa grofe* Seine letrte Borge galt dar Schale.
Br Termaefate den grOfeeren Teil aeinea Vermögaiie den Städten mm nad
Stuttgart IQ Stipendien ftr bedflrftige Gymnaeialacbfllar, aaina Bibliothek
dem Karlegjmnaeiom in Stuttgart Seitdem er in den Babeetand galretea
war, geataltete eich eein Leben immer einsamer. Seine wenigen allM
Freunde waren geetorben» nnd nene anehte er niebt. Kor einige aeiner
Mberen Scbfiler rerkehrten mit ihm. In den letsten Jahren arfbigle bei
TolIer Klarheit ond FriKhe dea Geiatea eine atatige Abnahme aainar kör-
perlichen Kräfte, die bis su fölHger BracbOpfnng fortechritt Bai abend-
licher LektOre traf ihn am 11. Jnni 1880 ein Schlagaafall, am aadem
Morgen verechied er.

Stuttgart. M. Planck.

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Hfrauum BoniCi. 58

Hermann Bonits,
geb. 2d. Jaii 1814, gest. 25. Juli 1888.

Bin sonnifw HerMmorgen. Frisch«^ wflrslg« Qartonlaft sirOmi doroh


die weil geftffoeton, von rOtblichem Weinlanb umraBklon Feoetor in den
im Erdgeschoss gelegenen HOmaal. Hier auf dem Katheder oder viel*

nebr bald anf ibm» bald unterhalb deeeelben« den Sitireihen entlang in
Bteter Bewegung eine mittelgroÜM echlanke Geetalt, ein wangenrothee nnd

doch eebon eoharf ausgeprägtes AntUts mit reichem Haar- nnd apArllchem
Bartwoche, die braonen Augen Aber der Stampfnase nnter den Augen-
glieem lüog herTorlogend, der reich modulierte Vortrag von lebhaften
Körperbewegungen begleitet, vor allem von einer Qeberde der rechten
Hand, welche scharfer begrifflicher tTaterscheidung dient — so steht
Boniti Yor meinem Auge ans den Tagen her, da ich lom ersten-
geistigen
mal andScbtig den Worten des Uekters hiaichte. Bs war dies am Be-
ginn meines ersten flemestsrs, im October 1649, sn einer Zeit, als den
ass ihrem alten, angeblich dnrch die BoToltition entweihten Bits Torwie-
seoen Dntversitfttsstodien die in der Vorstadt Wieden befindliche, ?on
«inem herrlMien Park nmgebene tbweslanische Ktterakademie ein gast-
liebes Obdach darbot
Wien lag damals im Banne des Belagerongszastandes. Allein das
fröhliche, aas langem Winterschlaf erwachte Stodienleben ward dorch
die nnanfhOrlicheo Zeitnngsconfiscationen so wenig gestört, als durch die
starken HilitftrpatroQillen, welche Stadt and Vorstädte zu durchstreifen
pflegten. Es war ein Oeisteslenz Aber Österreich gekommen. Begierig
drängten sich die dichtgeschaarten Hörer, darunter auch solche in reiferen
Jahren, welche die durch den unzulänglichen vormärzlichen Lebrplan
verschuldeten Versäumnisse gutzumachen wünscliten, um die gefeierten
Lehrer, die, zum grossen Theil aus Deutschland berufen, dazu ansersehen
waren, dem Bildungsweson unserer {leimat ein neues Leben einzuhauchen.
In der vordersten Keiho diesor Miinnor .stand Bonit/, der es durch eine
vielseitige und tief eingreifende Wirksauiköit veidieut hat, der »iVaeceptor
Austriae« zu beissen.
Mit Bonitz war der rechte Mani] im rechten Augenblick bei uns er-
schienen. An reicher Begabung hat es den Völkern Österreichs niemals
geiölilt. Mit Stolz dürfen wir nicht nur auf die grosse medicinische
Schule Wiens, sondern auch auf zahlreiche Forscher ersten Ranges blicken,
welche auch vor dem gewaltigen Umschwung, welchen das Jahr 1848 mit
bich brachte, in den verschiedeDsten Wissenszweigen ihrem Vaterland zn

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54

bober Ehre gereichten. Allein es waren nor die allerstarksten Natores,


die dem bIei(?roen Druck, welcher damals aaf dem Geistesleben Österreidit
lag, mit £rfolg zo widerstehen ermochten. Und davon abgesehen —
zwei fundamentüle Mängel Qbten eine weitreichende anheilvolle Wirkung.
Unser Gymnasialwesen lagr gnni und g"ar im Argen, nnd die rntrersitätfü
entbehrten Jonen Bestandtheil, welcher recht eigentlich ihren M Ittel j'r.ck;
zu bilden bestimmt ist: die philosophische Farultät. So geschah es. dafs
der Lehrenstand des alten Osterreich, obfir^ Ii es an »Zeichen heimltoher,
fast verste^'kt^^r Bildung,' und Gelehr^an ki it< ^> in «einen Reihen niemals
fehlte, iiri (ir' l.-^eri und Ganzen seiner Aulgabe nirht gewachsen war, daf«
viele Taleiil*", denen es an der nötliigen Schulung gebrach, entweder ver-
kümmerten oder anf die Abweg© des Dilettantismus gedrängt wurden,
dafs endlich einige hochwichtige Wissensfelder, vor allem die humanis-
tischen und die ihnen zunächst benachbarten Theile der historischen
Studien geraume Zeit brach lagen, liier that eine Reform dringend Xoth.
Und wenn man jemals in Dingen der Schule und des Unterrichtes too
einer profidentiellen Sendung sprechen konnte, so war Hermann Bonits
die fftr «inttD w«MDtii€heii Theil dieser Aufgabe gleietem gescbaffeoe
nnd forberbestimmto PereAoliobkeii Er voriDittelto nicht oor die m
Frllcbte einer mebrhnndertjtiirigen Eniwickelang der dentseben gelehrte«
SeboleD, er war nicbt nnr der würdige Vertreter eines geistig nnd eiti»

lieh hochstebenden Lebrerstandee, er war nicht nor ein Hann Ton ent-
nenter didaktiscber Begabang, er beaafs ancb in eeltenstem Halse eben
das, dessen wir am meisten bedurften. Er, der dem grolsen Denkmeisler
Aristoteles fon Mb
auf das eindringendste Stadium gewidmet hatte, dar
philologische Methode mit mathematischer Schulung wie kaum ein An-
derer Terband, der nach universaler Bildung gestrebt batte, ehe er die
dsBsiscbea Stodlen su eeinem Lebensberuf erkor, und durch das phtlo-
sopbische System, dem er anhing, Torsugsweise auf die Ergrflndong pi-
dagogiacber Fragen hingewiesen wurde, war ganz eigentlich dazn beruleo,
eine Pflanzstätte geistiger Zucht zu eröffnen, reiche, aber oft allzu flppigc
Triebe zu beschneiden ond einen lange verwahrlosten Boden för eine neue
wissenscbafUiche Aussaat urbar tn machen. Der Mittelschullehrer war
unter diesen eigenartigen Umständen der rechte und richtige Hocbscbol-
lehrer. In dreifacher Richtung entfaltete er alsbald eine pn fsartige und
reichf,'esegnete Wirksamkeit: als Forscher, als Hochschullehrer und alg
Mibreorganisator der Mittelschule. Doch ehe wir weiter schreiten, scheint
es angemessen, den Lebens- und Bildungsganp: des Torehrteu Mannes vor
seiner Berufung nach Österreich su schildern.

Ein Briefwechsel zweier ailösterrcichischer Schuhn&QQer, heraoag. tob


R. u. L. Ueinzel, Wien mi, ä. 8.

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Htrmaiiii Bonlts 55

L
Hermann Benitz wurde am 29. Juli 1814 zu Langensalza geboren.
Vährend er in der Wiege lag, verhandelte der Wiener Congrefs Ober das
Schicksal seines Heimatlandes. Dasselbe (die jetzige Provinz Sachsen)
vard im darauffolgenden Jahre zum Königreich Preassen geschlagen,
/allein der aftbe Sondereinn seiner Bewohner fttgte sich nnr widerwillig
in die neue Ordnung; und damit mag es zusammenhängen, dafs der Ver-
ftioTbene fast zwei Jahrzehnte hing, und darunter auch in Zeiten intensiver
Spaimung zwisehen den beiden deutschen Vormächten, sich ganz und voll
il» ÖBterreicber ftblte, und hierin erst dann eine Änderung eintrat, als
Preufsen begonnen hatte, sich zu Deutschland zu erweitem. Seinen Stamm*
bäum pflegte Benitz scherzweise auf den mittelalterlichen italienischen Oe-
acbicbtsschreiber und Gegner Heinrich IV., Bonizo, zurflckzufQhrea. In
Wahrheit hatten seine Vorfahren i), seit Jahrhunderten im sftchsiscben
Sntgehirge sesshafti im Berg- und Hflttenbau die Kräfte gestfthlt, welch«
in ihrem sj|>ftten Enkel der Schule und der Wissenschaft zu Gute kommen
sollten. Vom Orofsvater Grobschmied mochte er die wuchtige Arbeits*
kraft, fem Vater den Zug zu höherer Bildung, die Tiefe und Beinheit des
Gemfltbes ?on der Mutter geerbt haben, von der wir den bedeutsamen
brieflichen Ausspruch kennen : »Mein einziges Bestreben ging dahin, euch
zur Frömmigkeit zu erziehen; ob ihr dabei reich oder arm, mObselig oder
bequem leben würdet, waren mir Nebensachen.«') Den Grund zu schlichter,
gesunder NatOrlichkeit, den wir als einen Hauptzug in Bonitzens wissen-
schaftlichem Charakter erkennen werden, mag der Jugendaufenthalt in
der kleinen Landstadt gelegt haben > wo der heranwachsende Enabe sich
in Wald und Feld frei umherzutummeln pflegte. Zum vfiterlichen Pfarr-
haus gehörten ausgedehnte Äcker und Obstgärten, wodurch reiche Gelegen*
heil geboten war, Liebe und Verständnis fUr landwirtschaftliche Dinge
zu erwerben. Biese JugendeindrOcke hafteten fest in seiner Seele* Koch
in späten Jahren konnte er »jedes Saatfeld in dem Stande seines Ge-
deihens beurtheilen, jede Obstbaum blOthe mit unfehlbarer Sicherheit von
ferne erkennen.*) Allezeit liebte er den Verkehr mit gebildetenLand-
wirten, wie er denn auch während seines Wiener Anfenthalts auf den
ansehnlichen Pachthöfen einee geschätzten Freundes (H. Wittgenstein) ein
oftund gern gesehener Gast war. Von seinem Vater, dem Magister Karl
Friedrich, der die Stellung eines Superintendenten and Oberpfzrrers in
Langensalza bekleidete, fftr die Schule wohl forbereitet, ist er 1826 in
die Tertia der altberOhmten Landesechule Pforta eingetreten, in jene
Musteranstalt, deren Leitung damals in den kräftigen Händen Karl David
Ogens, dee trefflichen, von Gottfried Hermann (in der Widmung der »Hjmni
I)
\>! die auf Mittlieiliuigen der iiinUM-Miobcnen bemheudeü AufschlttMO
über Bomtzons Vater und Vorfahren bei Schenkl, b 4.

Beliermann, SS. 3. <) Beilermaoo, S. 3.


56

Honierii.it) fo wann gepriesenen Scbolmanns, lag. Das zwi^vhen der kleiuei


Saale und einem dichibewaldeten HQgel malerisch gelegene ehrwflrdige Cis-
terzienserstift ward dem Jüngling eine zweite liebe Heimat, doppelt lieb, wtü
tüchtige uod woblwoüende Lehrer ihm accb Zutritt in ihre Familien gvQ::tai)
aod in zwangslosem Verkehr mit den Schülern iie^^n re <"be sr«!-tige Aa-
regODg boten. Allen voran der Litterarhisioriker Kobersi*»»!, aer jm ge-
selligen Kreis-e deutsche DicLtungen mit Meisterschaft vorzutragen wi:f;t^

Zq Ofitern 1832 schied Bonitz von Schulpforta und bezog die Unifäfftiiit
Leipzig, au welcher er zonäcbst Theologie und Philosophie studierte. Von
erheblichem Belang für seine ganze kflnftige Geistesrichtung war es, dals
seine Lehrer in der Philosophie, Drobisch und Hartenstein M «der letztere
ein jugendlicher, erst vierundzwanzigjäbriger Doceui, dem er aicL beson-
ders eng anschlofs), der Schule Herbarts angehörten. Die damals in

Deottcbknd fast alleinbemcbende Hegelache Philosophie wmr wohl mit


rddMrM Bildungseltmmitni geflftttigt» absr dai dnrcli setM Psjcboiofw
An die MaÜiMiiatik angelehnte Herbartocb« Systtn war boeoa gm dw
daso aagatban, die K^U kflhl ond klar in erhnltan. Hatnren von ge-
ringerer ^efe der Begabung sind, wenn aie in den Bannkreis dieaai
Sjetems gerietben, nelfiwh dem steifen Fomaliamna nnd der OnfrncU^
barkeit verfalien; anf einen JAngling, wie Boniti damals einer war, denen
starkee im Elternbause ond doreb den Btnüvlli seines Bellgieielelinn
Schmieder gewecktMi theologisches Intoresse leicht bitte mr Sehwirmeni
entarten kOnnen, mochte die Lehre des KOnigsbeiger Philosophen wie ein
krftftigendee Stahlhad wirken. Zwischen Pinto ond Herbari mitten inni
geetellt: swiscben den antiken Philoeephen, in dessen Werke «r sich
bald mit leidenschaftlichem Interesse vertiefen sollte, nnd den modernen
Denker, der die Wurzel der platonischen Mystik so klar wie kanm ein An-
derer bloCsgelegt bat, konnte er seines geistigen Gleichgewichtes siehsr
Bein ; und eben die Verbindung verschiedenartiger und sieb scheinbar aus-
schliefeender Elemente sollte hier, wie so häufig, sieb ungemein fruchtbar
erweisen. Der Leipziger Student erkannte bald, dafs die Theologie nicht
sein wahrer Lebensberaf sei, und nachdem er eine knrae Zeit die Becbts-

t) Bonitz war Hartensteins Zuhörer in 6cm pv^icn Ck>lleg, welches dieser


abgehalten hat. Ja eben die Abhaltung desselben war durch Bonitzen« recht-
zeitiges Erscheinen bedin(?t gewp^pn. Es hatten sich nur drei Höror pt itieldei,
und iiarlenstein war äcliou im liegnäe, das begonnene Colleg wieder abao-
brecheo, als sich jeoei intelligent anmelieBde BAfsehchen einfimd, dse Harten*
Bteini Wohlge&llen erregte und ihn snn Aaiharren bestimmte^ Gans eba
•e snfiUig ist die Ittr das OiterreichiBche Sehalweaen, ja flr die QceeMchti
der P&dagogik so folgenreiche Verbindung zwischen Bonitz und Exner durch
den Empfehlungsbrief entstanden, mittelst dessen der in Berlin völlig fremde
Hartenstein den dahin reisenden östorreichiscben Philosophen an den cin7.igen
ihm dort perHönlich Bekannten, den jugendlichen Gymnasiallehrer Hcnr.z. jf-

wiesen hatte. (Die Kenntnis dieser Thatsachen verdanke ich der freundiichefi
Mittbeilung meines vormaligen CoUegen Ottokar Lorenz).

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Henmmi Bonlta. 57

wiisenflebaft iD*8 Auge gelabt Jiaite, wandte er eich eeUieblich der Phi-
lologie VI (l88d). Oder Tielmehr —
din dfirfen wir mit Znfereieht ans
eeinor hald sn heeprecbendeD Bretüngeechrift gleichwie ine der noch nm
twel Jahre filteren nngedrockten Preiesrheit (e. Anhang II.) erediUefeen
— Philologie im Bunde mit Philosophie, dee anf strenger Qoellenforschong
berahende Stadium der Geschichte der griechischen Philosophie stand
sicherlich schon damals im Mittelpunkt seiner ?)elartigeii, auf die Bibel-
exegese nicht minder ale aof die höhere Mathematik sich erstreckenden
Interessen. Vor allzo frOher Specialisierung bewahrte ihn der Einflufs
GottfriedHermanns, dem er sich nonmehr ganz zu eigen gab. Der vor-
nehmste Hellenist deotscher Nation, der Freund Goethes behandelte in
seinen Interpretationscollegien fast ausschliefslich griechische Dichter.
Dies mufste unserem jungen Theologen und Philosophen ungemein from-
men; aber auch sonst konnte das grofse und freie Wesen des herrlichen
Mannes, der von aller engherzigen Zfinftigkeit so weit entfernt war, dafs
er in seiner »philosophischen Gesellschaft« über alle Dinge zwischen
Himmel und Erde disputieren lief^, dein in engem ländlichem Kreise auf-
irewachseneii Jüngling nur zum Heile goroichcn. 1S34 ward Bonitz in
Hermanns »griechische Gesellschaft« aufgenommen.^) Und wie warm
mochte es ihm lim's Herz sein, wenn er an einem jener uns so wohlbe-
Icannten') rreitiigabende dorn gewalti^'e]) und doch so Linspruchslosen
Lehrer gegeiiüber an einer der »beiden Langseiten des alten Tisches«
(etwa neben Bergk oder Kuchly) Platz nahm, »welchen trübe und lliefsendo
Talglichter in defecten Blechleuehtern /nr Nothdurii erhellten,« nimiUen
j^h&b getäumigeU] zum giulbteii Theil aiu kimmerischcs Dunkel« gehöllten
Hörsaals — ans welchem sich ein so helles Licht über das claasische
AltertlujH) erL'ossen hat. Zu Ostern 18^ö trat or an die Universität Berlin
über, wo er Böckh und Lachüiann hörte und in das von ihnen geleitete
Semmar aufgenommen wurde. Doch der im Sommer jenes Jahres erfolgte
Tod seines Vaters zwang ihn, seine Studien rascher, als er gewünscht
hätte, zum Abschlufs zu bringen und für seinen und der Seinigen ünter-
hilt /AI sorgen. So entschl<>f8 er sich denn nach glänzend zurückgelegter
Lehramts priifiinp' (bei welcher er, nebenbei bemerkt, Trendelenburg zum
ersten Male nahetrat), zu 0»tmn 183G eine Stelle an der Blochmannschen
Erziehungsanstalt in Dresden in übernohmen. In dieser Stellung verblieb
er zwei Jahre lang, eine Zeit, m welche die \'eroffenlliohung seiner ürst-
lingsschrift fällt, die uns zu läugerem Yerweiien auffordert.

1) Dftfo BoDiti nn Decemher 1838 der Soeietas Gnee» noch nicht isgo»
hOrt«, lehrt das VeTseichaiader »sodaleac in der jenem Jahr entstammendea
Oratniatlonsschtift, welche Bergka »commenCatio de fragraentas SephocUsc
entbftlt.

2) Aus eben jenem Jahre rührt die anschaoliche ScfaUderuDg Köchlys her,
der wir auch das Obige entnehmen. (iGottfried Hermannp« Heidelberg 187^
&fie, 79,84).

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S8

II.

Die »Di^potalioMB FlaUnica? «^oaec maA eine 4» n/ttt


alien UmsttiidA onsere rolle H rhscbtong verdieoM «iri«. Ab 4»
W«rk «OM kMB DreioiidswaDzigjähhgen mcfs sie onser ErstouaeB. J»
unsere Bevmideniiig erregen. Selten bat ein wiiiMimlnfilkb^- Sciinft»
steiler seine Laiifb«bD in glöcklicherer Weise begoaiMfi. Keine Zeile ffr*
räth dfn Anfänger, nirgends xeigt sieb eine Spar Ton mingelnder Reife
Ganz im Gfeertheil' Die Küppen, an welchen eben die Plato-Fcrch'isf
f?o oft vorher und nachher ge.scbfitfrt ist, sind dürchwesr? Fcrarfilnr ver-
mieden. E« werden Merkzeichen aufgesteckt, welche den Piloten ssf

die=en schwieriiren Gewä»Bem mit Sicherheit m !eiten g-eeig-i^et Ln-l l-e-

stimm^ -ind. Ein flüchtiger BÜck aof die erste ond beides teodefe dtr

beidfcü Abhandluntren »De Plat« nis idea tdni« ^die iweite handelt too
den Bestandthetten der Welt^^eele bei Plate-. »De animae mandmnae apod
Flatonem elementis«) kann freilich unser Unheil a!> ein Gberschwänf-

liches erscheinen lassen. Es wird eine alte, längr^t bekannte Lehre: »Die

Idee des Gnten und die Gottheit sind fftr P!at<7 identischt gegen re'.e'".:ch

Torgetraclite Finwürfe vertheidigt. Dafs dies mit Glück jfeschiehu ds'm


mag man nichta Grofses erblicken. Allein die Art, in welcher die AoP
gäbe gelöst wird, ist eine ganz ungemein bemerkenswerte. Der YerfasM
greift Wfit ans l^t far Genesis der platoDiecheo Ideenlehre. Hier felft er
all«rdiii{f8 (ood zwar, wie wir glaobeo, mil foUem Baclit) dei Sporeo aeiMi
Maiatara Harbari Aber ar thot diea mit ?allatar selbatABdiger B^Mnaebaig
daa gaosan watftsehiebtigan StoIRBa. Ariatotdaa tat iboi oiebt wenigar nh
ond in diaaan bat ar aicb beraita ao naebbaltiff Tananbt, dife
timitt ata Plato,

ar Bamerkongan, die an dar tiafirtan ElDsiefat in dan Qadankaiibfto dar aia-


letnen Dialoge zangan, wie bailAofig ikllan Iftbt (teb danka vor attam an di%
waa p-18, Anni.9 Ober danZaaamoanbangdar beiden Hanptfebatta daaPbftdrai
gaaagt iat). Von neueren Pbileaopban iat ibm Spinoza nnd Hagel niaiit nna-

der wobt bekannt ala Herbart nnd Kant JedaAntorititanaebao iai ihm fread.
Er polamiaiert freimfltbig, wenn ancb mit jener erlesenen Höflichkeit, da
seinen Streitscbriflea allezeit eigen war, gegen Karl Friedrich Hermi«
ond Trendelenbarg in der ersten, wie gegen Böckb und Hegel in dar
zweiten Abhandlung. Er zeigt sich in der philologischen Interpretatioa

Dicht weniger sicher nnd gewandt als in der philosophischen Beurtheilong


platonischer Oedankenreihen. Aller Conseqnenzmaebarai and fulscher Ter-
aUgemeinernng ist er abhold (vgl. p. 28 und 56). Was aber vor ullem
unsere Bewunderung erregt, das ist der nachfolgende Umstand. Es trewc
bereits in dieser Jugendarbeit mit voller Deutlichkeit die leitenden Ge-
sichtspunkte hervor, welche der Plato-Forscbung dieses Gelehrten einen
80 hohen und eigenthfimlichen Wert verleihen. Er dringt immer und
immer wieder auf völlige Unbefangenheit ond Freiheit yoo allen

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Hermano Booitx. 59

orgetaisten Meinungen. Vgl. p. 12, Anm. 9: »Sed videant viri

octi, iitrum p r a f i u d ica t is quibusdam opiuionibus an Platonis


erbiä ad lianc spiitontiam addiicti simns « ]>. U): »In bis interpretaudis
implicitas prae ud icatis opini' iiil ns iiiteLrritas adeo violatur« etc.
et a i

\t erkennt eine Lehre nicht er?t daiin oder darnm als pla-
onisch an, weil er sie für objertiv wahr und wolil d egründet
.alt. Er übt vielmehr an platonisclien üoctrinen die i:nei schrockenste
iTid einschneidendste Kritik. Man vpl. z.B. p. 11: »Itane propter hanc
ncolnniitatem snhlata sensnum fide et experientiae aiicti)ritate notiones id

jsse dicemus, qmni vere est? Diibitahit prufecto, quicumque cogitationetn


i cogDitione, objectuni copitan'ii a te. quae e^t . ^iistitiLruero consueverit;
)robabit vero. cni in eo, inni notinnem rfiritamio pouere ei contigit,
feritali* testiiniaiiism et ipsius essentiae hdes contineatur. Rt haec »inidem
l'latonis fuit .seritentia.« Endlich und hauptsüchlich, er voiliugt und ei-
«vartet fon dem grofsen Philosophen keineswegs, da^s dieser in ^^einer

mehr als ein halbes Jahrhundert uin-pan senden schriftstellerischen Thatig-


keit sich immer treu nnd gleich Vleibo Er ist darauf gefasst, In-
conBequeuzen in Hülle und Fülle bei ihm anzutreffen. Man
vg]. p. 24 - 25: »Sed abstinendiim hoc loco a iudicio de syftematis veri-
lül© et coiistantia, ubi simpliciter ac file reter re snscej)imus, quae
fuerit Platoiiis de ideis sententia.« p. 20, Anni. 22: »Ac primum quidom
ideaa a Piatone propuni, tamquain notiones sint et exsistant, ita uiani-
festo ex locis et Piatonis i>t Ari«totelis supra ctdlectis apparet, ut addu-
bitari non liceat-, etiamsi aliae senlenliae et ipsae Platonicae vol videantur
adversari vel vere ad ve rsentur.« Und sogleich wieder p. 27: »Et
eodeni qiiidem modo Plato in notione essentiae cuncipienda sibi non .

'onstitisse videtur. Nicht niinder p. 55: »dunimodo iitrumqne


ex ipsa Piatonis sententia dicatur. sibi ipsi fortas^e non satis constantis «

Wer mit der Geschichte der platonischen Studien einigerrnnf^en ver-


traut ist, der wird die befreiende Gewalt dieser Sätze keinen Augenblick
verkennen. Ihre Spitze ist in erster Linie (wenn gleich ohne jede directe
Polemik) gegen die systematische Einheit der platonischen Schriften und
I'^'liren, wie Scliloieimacher dieselbe annahm, gerichtet, allein die Wirk-
samkeit dieser Gedanken ist damit nicht erschöpft. Zu derselben Zeit,
da BunitE dieses Büchlein in die Welt sandte, holte Karl Friedrich Uer-
uann zu dem wuchtigen Streiche ans, welchen er zwei Jahre später in
HM neu» »Syatem nnd Geschichte der platonischen Philosophie« (Üeidel-
t^rg 1889) gegen die Hchleiermacherache Hypothese führen sollte. So
^^<^it also waren der jugendliche Dresdner Gymnasiallehrer nnd der um
/ohii .Tahre ältere Marbnrger üniversitätsprofessor Verbündete in Betreff
der Grundfragen der Plato - Forschung. Allein bald trennten sich ihre
Wege. Der roinder nüchterne und objective, aber rielleicbt mit gröfserer
constructiver Kraft der Phantasie begabte Hermann liefs es bei blofsem
Widerspracb nnd bloieer VenMinoof oiobl bewenden. £r stellte der

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Schleiemuicherscheii Eiobeitt- •ine ETolotioMhyfoUnw ^wn^hm «i


glaubte, den EntwickelongagEog des Philosophen ond die Vtkm
sprechende Aufeinanderfolge seiner Schriften bi? ins Einxeloe bermb Bit
Sicherheit feststellen zu können. Die Art, in we.cber er den — cnsgrir
Überzeugung nach richtigen Grundgedanken 'iurcbzuführen bemüht 'n:,
gab zu wohigegrröndeten Anfechtungen reicljen Anlafs, Tor aliem dcrci
die ganz äofserliche Anknüpfung deran den je-
Eniwickelong-cftadien
weiligen Aufenthalt des Philosophen Und wenn
femer se'.bs: xc er es
strenger Unterscheidung der als platonisch erweislichen und der an ?ict
objectiv wahren and giltigen Lehren vielfach fehlen liefs und eniiicfa
seiner Einbildungskraii in Bezog auf die Entotehang nnd die Abfolge
der einzelnen Doctrinen vielleicht allzu grofsen Spieirauir gönnte, s«
wurde er hierin von geleliriL^en Nachfolgern noch bei weit€tr. flbertroSFfa.

Da trat deun itach Uoi emem Vierte\jahrhQndert Bonitx toli uvüem 4ui

den Plan. Zunächst, indem er die Aosschreibnng einer Preisaofgabe tw>


•nlafste, welebe die kaiserliche Akademie der Wiocoaicbaften wm Win
in der fileriklitii Klmig rai ai- Mai 1968 batanat ganadt, nd db
wia falgt galaatet bat: »Dia Fiaga nach dar Zeitfolga, in welchar Platea
aaioa IMoge abgefafat bat^ iat dadareb roa eigt nthflalifhar Wichtigkeit»
dab tbia fartebiadaiia Beantwortung aaf dieAalbaMg der elaawhea
Dialoge and der geaanniten Pbiloaopbia Platoaa in aneber Hinaiibt
eben entecbeidenden Einflob gewonnen bat Dia apoebeBacfaeBdan üntop»
enebangeo Scblaienaachera Uber dieeeo Gegeneland eind am nnifuaandstw
and eindringendsten von E. Fr. Heraann beatritten, der Ton einaai waewt
lieb Torecbiedenen Principe aoagaband lo tbeilweiee abweicbendan ft^
gebniieen gelangt iet Daa Princip and die Bigabnioee Haninana beben
bei mebrarea geecbAtiten Forsebem anf dieeem Gebiele im Weeeatikben
Beietimmnng gefunden.
Ee werde erstens oDtersncht, ob ffir die Hermannsche Anordnaeg
der angebliob aaf btetorisebea Tbateacbea berahende Beweia wirUieh ge-
fbbrt ist.

Zweitens. Die Gefahr, unsichere Hypothesen in die Beantwortusg


dieser Frage aufzunehmen, entsteht besonders dadurch, dafs jeder dir

platoniaehea Schrillen ihre Stelle in der chronologischen Anordnang aih


gewiesen werden soll. Es wird für einen sicheren Fortschritt die^
Untersuchung förderlich sein, den Ansprach auf ein Umfassen der sämnit-
lichen Platonischen Dialoge zunächst aufzugeben und diejenigen heraus-

zuheben, für welche sich die Abfassungszeit an sich oder im VergleklM


zu bestimmten anderen Dialogen zu völliger Efidenz bringen läfst.«
Den lichtvollsten und reichhaltigsten Commentar 7A] der Stellung dieser
Preisaüfgabe, welche bekanntlich durch Friedrich Überwegs " Cnlersuchuo-
geii fiber die K< hlheit und Zeitfolge platonischer Schriften« (Wien IS61)

eine diesen btudienkieis wesontlich fördernde Beantwortung gefunden hai,

liefert Bonitz selbst in seinen »Pktonischen Studienc (1858— 1360). Hier

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61

egeg^niii wir in d«D eintolteBd^ii Bemerkangen (Heft 1, 8. t 10) genaa —


eiiaelb«D pri&Gipi«Ueii Brftrterongen, w«Ig1i» nus aoft den »DispntatioDM
'latoDica^c Mannt aind, wennglaicb ihre Spitii nunmehr gegen ein
Dderae Ziel ale daaala gerichtet ist Wieder wird das Beetrehen be-
ftmpfli »den platonischen Gedanken durchweg objective Oil*
igkeit in vindicieren und nicht sowohl eine historische Darlegung
ler platonischen Philosophie als Philosophie fiberhaopt dorch das Organ
ler platonischen Schriften zu entwickeln« (S. 6). Es begegnet ans somit
iler wie dort dasselbe Drängen auf streng historische, von keiner Vor-
lebe und keiner vorgefafsten Meinung beirrte Erfassung nnd Wiedergabe
ier platonischen Gedanken. Es ist dies freilich eine Forderung, welche
lln die gemeinsame Grundregel aller gcschichtlK Irmi Forschung Manchem
ÜB Mlbetverständlicb erscheiuen oaag, die ^iber gcralo riato gegenüber
immer wieder ?ob neuem betont werden uiufs, weil der Dichter-Philosoph
ior^ die ihm eigenthflmlicho Handhabung der Gespiächsform ebensosehr
ils durch die h&ufig mythische Einkleidung' seiner Lehren und seine Last
am Mjstificieren der Willkür der Aublegiin^; so weiten Spielraum bietet;
nicht minder darum, wo:! seine Schriften kaum jöinals ohne w;irmea
Herzüubuutheil und darum nur selten mit kühler Besonnoiiht it ^^elesen
Werzlen. Die Voraussetzung der Schleiertti jclierschen Auoidnung, näm-
lich »die wesentliche Gleichheit der philoauphischen Grundgedanken in
allen platonischen Scbiiiieii« (S. 6), bedarf jetzt allerdings nicht mehr
der Beiitreitung. Aber ganz derselbe methodische Fehler, welcher sich
in der Durchführung der Einheits -Hypothese erkennen liefe, haftet nun-
mehr auch den verfrühten Versuchen an, die Entwickelungs- Hypothese
im Einzelnen auszcai beiten und zu erhärten. Auch ihr gegenüber thut
es Nüth, »die erste und unerlafslieiie Furderung der Auslegung mit on-
effechütterliclier Strenge« einzuschärfen: die FurderuiiKr nämlich, »dafs
sich der Leser dorn Schriftstellei unterordne und dessen Weisungen folge.«
Es gilt den Gedankengang jedes Dialogs »in der vom Schriftsteller selbst
beabsichti^'ten Gliederung« zu erkennen (8. 9). Der Deutokuast gegen-
über, welche aus den »feineren Beziehungen« einer Schrift >zu anderen
Dial ogen, zu den vorausgesetzten Zeitnmständen u. a. m.« zuversichtliche
Cunsequoiizen zu ziehen wagt, weiche einer Hellseherin gleich in der
Sfcele Flatuüs zu lesen wähnt, Abfassung mancher Schriften
nw;is er bei
erst noch ahnte und fühlte, weiche Gedanken m ihm erst aafd&mmerteu«,

Wird immer nnd immer wieder das Evangelium schlichter, voraussetzongs-


loser Ffjrschung gepredigt, welches sich in das eine Wort zusammenfassen
läfst: s Einfache Hingebun? an Piatons eis'^no Weisungen.« Bonitz ist

»dabei weit entfernt von dem Gedanken, durch die« in Aussicht gestellten
Erl^rternngen »eine vollständige Erklärung der« betreffenden »Dialoge zu
geben.c Seine Arbeit »kann und will nur für elementar gelten — ein

Ausdruck beiläufig bemerkt, dessen öbergrofse Bescheidenheit einem der


competontesten Beuribeiler, Qeorge Grote, ein Lächeln entlockt hat

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63

Die »Platoni«'*hün Studien« haben bjsher drei Abtiaeen erlebt In

der zweiten AüslmIx' i


Berlin 1875) wn"-<if' .iie polemische cearen steinhart
and SiK-t iJiihi gencbte Einleitung' webenliicii verkönt; diese und die iSUk
Aiillagfc 1 lierlin 1886) haben durch die Hinznfügung einiger neuer Äl>-

scliDiUe uijü die weitere Au&führuug der älteren Aufsätze eine erheblich«
Bereicherung erfahren. Den Kern des liucbes bilden n&ch wie vor die

meisterlichen Analysen der Dialope Gorgias. Theätet, Euthvdetnus


Sophistes. Was über (iliederuri^' uau (ledankengang djeser Ge?n-ich<
gesagt ist, wird ^schwerlich emt^r ernste.u Anfechtung unterliegen. All
völlig gesichert darf unseres Erachtens der Abschnitt gelten, vctklMr
8. 293 ff. aber »die im Pbädon eothalteoen Beweiae Ar die UMterbfick-
k«it dttr meoacblieboD 8«el0c bandelt Aof die Fngo dt r AblMwingszeü
gabt Bonito iior «in einziges Mal, ntnfieb in Betreff dee Dialoges Phi-
dfos (8. 290—292 der leisten Auflage) ein ond glaubt, ibn •wean aacb
Hiebt mit Scbleiermaeber bestimmt als den Anfang, ao doeb in die frtbeile
Periode von Piatone litterariecber Tbfttigkeit eetien m dürfen«, — «in Ur^
welcbea ans minder feet begrftndet acbeint^ als diee bei Anfetellna-
tbeil,

gen von Bonits lonet der Fall sa eein pflegt. Dftrflro vir eehlielblicb mit
einem Worte an! das biaweieen, worin wir einen Mangel der *Plali>
nisoben Stadien« erblicken, so ist es das Folgende. Dem Bilde PlateM.
welebee ons aoe ibnen entgegenblickt, feblt es allauaebr an Zai^ sei
Ortsfarbe gleichwie an individoeller fieetimmtbeit Die etarken perain-
licben Sympathien ond Antipatbien, von denen der athenische Pblloeefk
wie kaum ein anderer gleich groCBor Denker erfflUt war, desgleichen die
Bedürfnieee eeiner Polemik treten hinter den rein didaktischen Absicbtei,
die ihm zugeschrieben werden, alliueehr zuiück. Man darf freilich keioea
Augenblick verkennen, dafs dies zum Theil mit der Beschränkung des
Planes zusammenbäugt, welche Benitz sich auferlegt bat. Allein es f«falt
nicht au Fällen, in welchen die innere Einheit einer platoniecbeii Sehrifi
uns notbwendigerweiso entgehen mufs, wenn wir es ganz und gar vor»
meiden wollen, jenen mehr subjectiven Gründen nachzuspfiren. Ein Bei-
spiel mag das Gesagte deutlicher machen. Das Band, welches die beides
Haupttheile des Sophisten : das Suchen nach der Detinition des S-^phistec
und die Lehre von des y.urjojv'a -utv fevwv innerlich verknüpft, wird m%n
anch in Honitzens umfassender und hochbedeutsamer KrA-ternng über difsr-
wicliUge Gespräch vergebens suchen. Und doch i>t es r lif ii >li" vi>n ihiii ge
gebene uuzweitelhuft richfiu:*' [»(nitimg diej-er /weiieu Hauptmas-e,* weicht
ons den Schlüssel zum VdrAtandulü des Ganzen nahezu in die Hand legt
Platö unterzieht äeiue Ideeulehre einer tiefgreifenden Modificatioti, mekht
ilin dem Verdacht aussetzt, die Geltung des Satzes des Widerspruches in
leugnen. Ist doch »das Seiende selbst in so vielfacher Weise nicht seiend,
soviel Anderes es gii {Vhi. Stud. S. 173). Diese That.-.ache und
der weitere LuiiLaud, uafs er eeine ohnehin so vielfach iiugetucblen«
Gruudlehre uuumeür selbst umzugestalten für nöthig b&lt, läfst ibn eine

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Hennana Bomts. 68

Floi bfftiger ond bitterer Angriffe omn8eb«n, vamü vod 8«ito der-
jeoigao, welche der Ideenlebre Tom AnfiiDg ra feiDdllch gegenüberetan-
den ond die Qberdies dieeelben aind, welche man gleieheam die Leibgarde
des Sataee dea Widerapmcbea nennen könnte —
Antiathenee nnd die An-
hänger der megartachen Schule. Dieaem Angriff kOmmt Plate aafor, in-
dem er aeine peraOnlichen nnd philesopbiachen Gegner ala Sophiaten be-
aeiehnet ond Teronglimpft, waa nnter der HOUe einer rein objectiven
ünteraoehung Aber den Begriff dea Sopliiaten mit einem Raffinement von
Boaheit geacbiebt, welehea in der Oeaebichte der Wiaaenacbaften kanm
aeinea gleichen findet. 0 Man aagt daher achwerlich an viel, wenn man
bebauptet: DerTbeil dea Sopbtates, welchen Bonita »die nmacblieAende
Schalet nennt, iat ein Offenaivatoft» der daan beatimmt iat, eine Ver-
ftnderong der Anfakellung an maakieren. Und desgleichen in Betreff dea
Pbftdma. Wird nicht die innere Einheit auch dieaea Dialoges nm Tielea
klarer, wenn wir nna dea fondamentalen Oegenaataea erinnern, der in
mebr ale einem Betracht awiachen Pinto nnd aeinem dortigen Gegner
Lyalaa beateht: awiachen dem Ariatokraten nnd dem Demokraten, dem
Bomantiker nnd dem Phiüater, dem idealen Mythenbildner nnd dem
genrebaften Kleinmaler, dem Hanne der genialen achwftrmerlscben Leiden-
aebnft ond dem Vertreter kalter, berechnender Sinnlichkeit ond wenn —
wir demgeroftlb der Abfaaanng dea Dialoga ein atarkea peraOnllchea Motiv
ond nicht blofe eine lehrhafte Abaicbt ao Qraade legen?
Bonitzeoa platonische Forscboogen bilden den Pankt, an welchem
sieb daa Wirken dieaea anspruchaloaen Fachgelehrten am engaten mit
den grolben geiatigen Strömungen dea Jahrhnnderta berabrt Denn cor
Signator einea Zeitalters geh&rt die Art, wie ea sich an Plate stellt^ ond
dieaea Yerbftttnia iat wieder dorcb daa alleaeit ao ongemeio schwierige
ond vielomatrittene YeralAndnia seiner Schriften bedingt Hier hat Bonite
entacheidend eingegriffen. Sein vorsichtiges, achrittweiaea Vorgehen, sein
Versiebten auf allom fassende LOaongen ateht au den flberkobnen Hypo-
thesen, die vor aeinem Auftreten gang ond gftbe waren, in demaelben
Gegenaata, welchen die gegenwftrtig in nnbeetrittener Geltoog atehenden
natorwisaeoacbafUicheo Methoden so deo aprioriatiaehen Systemen bilden,
die in der ersten H&lfte nnserea Jahrhnnderts die herrschenden waren.
Die von ihm aof dieaem Felde gewonnenen Ergebnisse roftgen in einigen
Pnnkten der Berichtigung, in vielen der Vervollständiguug bedürfen —
and darfiber gab er sich selbst, wie wir gesehen haben, nicht der min-
desten T&oscbong hin ,

im grofiien nnd ganzen wird aeine Leistung

*y könne in Wahrheit nur eine genau zutreffende Parallele, närolich


Ich
Bnrh übor ^dip Niiiur der Kometpnjr (Leipzig 1872), wo an Erörte-
Zullner-i

rungen ülfr il.ia V\ t'sen der Kometen »Siudien im Gebiete der Psychologie
und der Kik* uFitnistheorie« angereiht und an fiie3e unter dem Vorwand, Flem-
uitte des wisseuachattlicheu Fortschnti» darzulegeu , die allerpersüniichsleu
Malicen gegen T>Ddall, Hofinann n. a. w. geluüpft werden.

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64

feststehen cnd von der Welle nicht hinweggespült werden. Nicht om-
soQSt hat dieser klare, kräftit^'e und nüchterne Kopf ein halbes Jahr-
hundert lang mit den Problemen geronnen, welche die Plate - Forschung
darbietet; nicht vergeblich hat die gesmide Natürlichkeit seines Wesens
auf diesem mehr als anf jedem anderen Gebiete einen leben&laDgea Kaapf
gegen ünnator, Künstelei und Verschrobeuheit geffihrt.
Wir haben den jogendlichen Verfasser der »Disputationes Platonicae«
laugst aus den Aogen yerloren. Durch eine in Gemeinschaft mit einem
Theil der Z^^glinge unternommene Harxreise an Leib und Seele gekräftigt^
erbrachte er üuch ein Semester im Elbeflorenz, dem er zu Ostern 1838
den Rücken kehrte. Zuaacbst ging es nach Berliu, wo er vier Jahre
als Oberlehrer verblieb, vorerst am Friedrich Wilhelms-Gymnasiuro, diuin
am altberühmten grauen Kloster, welches er dereinst als Director lu leiteo

bestimmt war. In gleicher Stellung siedelte er 1842 nach Stettin Ober,


wo BT Ofltoni 1849 seine Gymnasiallebrerlaufbabn beseblofa. Der A«f*
entbalt in der j^reoDutebeD Hauptstadt bot ibm fielfbehe Gelegenheit a
•Useitiger Avebildoiig. Das fraDiOsiMlie Theater, die itallenisehe Oper
wurden btuflg besucht, die edle Beitkoost (Tielleicfat nach Qottfried Her*
manas Vorbild) gepflegt Reicher geselliger Verhehr ferlieh dem jangee
Oelehrten geschmeidige, weltmftnoisehe Umgangsformsn, deren er in
sp&teren LebensstsUoogen gar ashr bsdOrfen sollte. Zugleich waren diss

die Jahre seiner nachhaltigsten witssnsehaftlicheD Arbeit, anf deren Sr-


lengnisse wir in einem andersn Zosammeohange nlhsr eingehen werden.
Im Janoar 1848 grOadete er sich einen eigenen Herd and gewann ai
Bertha Semmel aas Osra, die er in Hartenstsins Hanss hennen geisrat
hatte, eine ssiner wDrdige hochgebildete ond liebsnswerte OeflUirtin. la
all disssn wechselnden Stellungen hatte er se verstandsn, die Hochach-

tung seiner Gollegen nicht weniger als die warme Zuneigung seiner SchBltr
so erwerben. Den schwächerea unter diesen half er durch PriTatlectionea
nach, die Verirrten führte er yielfach dorch ernsten Zuspruch nnf dsa
rechten Weg zurfick. Im ünterricht erzielte er durch die gesammelte
Kraft seines Wesens Ergebnisse, welche das Erstaunen seiner Amtsgt-
Dossen erregten. So bewältigte er in der Lectflre der Classiker Aof-
^aben von einem Umfang, welcher den Meisten unerreichbar schien. Und
zwar setzte er, hierin vielfach von dem gewohnten Herkotnraen abweichecd,
die Sache stets über die form, den Qebalt der antiken Meisterwerke über
die grammatische Schale. Die dreizehnjährige Wirksamkeit an Mittel-
schulen hatte ihn endlich einen Schatz von Erfahrungen und Eii;:^ichteQ

gewinnen lassen, den er bald in groDsem Maastabe zu verwerten (ieisges*


beit ündeu trollte 0'

') Noch weitere Details über diese Lchcnsahschnitte findet man bei Belle^
manu, S. 5 — 7, dem sich im Obigen Vieles entlehnt habe; die Vor^eschicbt?
seiner Berufung nach Wien schildert Sclienkh dem ich hier und im Folgeadca
Tielfacli verpflichtet bm, aul üruud der Üngiaaibriefe, S. 6—7.

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Hflrmm Bontt«, 65

III.

An 9inm Mlmn HoQlitODimflrteg» d«« Jßhxm 1846 trog der Post"


böte einen Brief in du Steittner Marieoetlft, welcher daselbet freudige
ÜberraschoDg, aber aneb naebbaltige Bewegung herrorzorofen geeignet
war. Der Brief zeigte den Poetetempel Wien jind war von befireandeter
Hand geschrieben. Franz Exner richtete an seinen Freond Benitz die
Frage, ob er geneigt wäre, einem Bofe nach Österreich zq folgen, die
Lehrl^anzel der classischen Philologie an der Wiener Unifersität, zan&chst
als alleiniger Vertreter dieses Faches, zu flbernehnien nnd zugleich das
Unterrichtsministerium in Fragen der Reorganisation der Gymnasien und
Universitäten mit seinem Rathe zn unterstützen. Der vertraulichen An-
frage vom 8. August folgte am 20. September eine amtliche Zuschrift.
Nachdem die nunmehr angeknöpften Verhandlungen durch die Schreck-
nisse der Octobertage in Stocken ^erathen und Bouitzens theils aus all-

zu bescheidener Selbstschätzung, theils aus der Unsicherheit der poli-


tischen Lage entsprungene Bedenken durch Einers und Hartensteins Zu-
spruch beschwichtigt waren, fanden sie durch seine im Febru^ir erfulgtc Er-
nennung ihren endgiltigen Abschlufs. Es waren Drobiscii und Harten-
stein gewesen, welche die Aufmerksamkeit des österreichiscliea Ministe-
riums auf den Stettiiier Gyiiina&iallohrer gelenkt hatten. Die Vermittler-
rolle hatte Exner ^) gespielt, welcher auf einer im Jahro
hierbei Franz
1842 unternommenen Ferienreise nach Berlin gekommen und von Harten-
stein an meinen ehenirtligen Schüler Bonitz empfohlen worden war. Die
beiden durch die Gleichheit ihrer philosuphisi hen Richtung und durch
das gemeinsame starke Interesse an pädagop^ischen Fragen, sowie durch
eine wunderbar zu nennende ÜbereiüBtimmim^' der darauf bezüglichen
Ansichten eng verbundenen Männer sollten alsbald in niemals gestörter
Harmonie zum Besten des österreichischen üuterrichtsweseus zusammen-
wirken, leider nur die kurze Spant e von vier Jahren. Denn Exnern
war es nicht vorgönnt, die Früchte seiner segensreichen Thäticrkeit zu
geniefsen. Derselbe, einer ans Prcufsisch- Schlesien eiugewaiideiten Fa-
milie entsprossen (geb. 1802), hatte in den Jaliieii 1831-1848 die Pro-
lösbur der Philosophie am Prajrer T.yceuiu bekleidet,seinen Namen durch
wenige, aber ungemein t^ediegene Schriften, vor allem durch eine tief-
greifende Bestreitung der Hegelschen Psychologie auch aufaerhalb Öster-
reichs hekannt gemacht und an den verschiedenen in den Jahren 1845
bis 1848 untenioniineiicn Versuchen zur Reform des Gymnasial wesens in
her vorragender Weise mitgewirkt. Freilich hatten diese Anläufe vorerst

über Exoer vergleiche man die Oberaus dankenswprte qnollenmJirsip!;e


Darstellnng seines Lebens bei von Härtel, 8.30 —3ö. Jener Vortrag schildert
Bonitseas Wirken io Osterreich in der eingdiendsten und reichhaltigsten Weise.
KdDOlof« UM. 0

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HwiTiMn Bonllc.

nnr zu einer Sammlung »schätzbaren Materials« Lrefübrt. Allein die Nach-


welt darf es niemalf? vergessen, dafs der edle Mann mit nn ermüdetem,
dnrch keinen Mil.serfo'n; c^edämpftem Eifer schon m deu Jähren 1845
ond Hauptpunkte der künftigen GyraDagialreJurüi vertreten ond
die
begründet hat. Ira April 1848 ward er in das neugeschaffene Untprrichiä-
ministerium berufen nod im September dieses Jahres zum MiuLaierialrath
ernannt, nachdem schon im Joli der unter seiner Mitwirkung zu Stand«
gekommeriG und die längst von ihm verfochtenen Forderuniien verkör-
perudü jiKntwurf des öffentlichen Unternchtswesens« ans Licht gttret^n war.

Zu Ostern 184Ü traf Bonitz in Wien ein und fand sich hier tißer

Aufgabe gegenüber, welcher nor eine eiserne, durch kein Hemmnis ani
keineo Widerstand sd beogsnde Thai- ond Arbeitskraft gewachsen war.
Znoftdisl gaK «a» die too Exner begonnene Ojmnaaia]rafeiiB Bode n u
bringen nnd ine Leben einsnflihren. Se luden an dieaem Behnfa tfglidi
Berathungen atatt, anf deren Gnind er in den IConaten Aptü bin Jaai
1849 den »Entwurf der Organisation der Gymnasien und Bealaeholsn is
öaterreichc (abgesehen von der von Einer sslbst Gondpieitea EiakHaag
nnd dem aUgemeinen Theile) sammt den meisten der im Anhange gege-
benen Instructionen ausarbsitste und der Befision Exneru Torlegta. Si
traf eich ftberaos glQcklicb, dab der Entwurf, welcher vemahmlich das
Werk der beiden Freunde gewesen war, durch den Schftler eiiiea de^
selben sur Verwirklichung gelangte. »Graf Leo Thun find bei seiair
Übernahme des Unterrichtsministsrinma im Juli 1849 dissen 0igaBi8atieBs>
Entwurf bereits ausgearbeitet und unterzog ihn einer eingehenden M*
fbng; auf die Grundsätze desselben rfickbaltlos eingehend, brachte er ihn
zunächst zu provisorischer Einführung und erreichte im Jahre 18S4 die
definitive kaiserliche Sanktion desselbeo.c In der Brust dieses wahrhaft
hoclisinnigen Edelmannes, in dessen Inneres uns sein kOrslicb veröffent-
licbter Briefwechsel mit Anastasius GrQn den wohlthuendsten Einblick
gewährt, wohnten zwei Seelen. Die eine führte ihn zum Abscblnfs des
Concordats, die andere war von reinster Begeisterung deutsche Wissen-
fflr

schaft und von hingebender Vereiirung für seinen Lehrer Einer erfüllt

Der '/wiüspfiltiL'e Sinn dieses Staatsmantis brachte dem Unterrichtswesec


Österreichs weit grofseres Heil, als ihm ein durchaus klarer und 7iel-

bewulster Kopf in der bald anbrechenden Beactionsepoche jemals sa


bringen vermocht hätte.
Das Gymnasium der vormärzlicheu Zeit wird bald nur mehr der Sage
oder der hiptorischen Quellenforschung an^^ehoren. Für den Schreiber
dieser Blattei- ist es noch ein Gegenstand lebendigster Erinneruner, Ab^r
auch der Goliiglanz, der im Gedächtnis des alterudon Mannes auf »iw
seligen Knabenjahreu ruht, vermag es nicht, diese Erinnerung aurch seinen
Schimmer zu verklären. Jene Zeit gilt ihm als nahezu verloren, und er
glaubt mit bicherlieit behaupten zu kOnnen, dafs er dieser BUdungsanstalt
gar wenig zu danken hat Sechs lauge Jahre, in welchen man Ton Natur-

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Harauum Boolti. 67

lehre und Natorgwcbicbte kein SterbeDSwOrtcben vemfthm, too Mathe-


matik nichts, was Aber die elementarsten Kentnisse hinaosgeht; das Sta-
dium der Classiker nur durch schale Chrestomathien vermittelt, und in
•ben dem Augenblick, wo man zur Aufnahme der antiken Geistesschftite
•ioigennafsen ?orbereitet war, in den zwei philosophischen Lehrcorsen,
nahezu abgebrochen oder doch auf die kärglichalen BatioDen einge-
schränkt; der Qescbichteunterricht in lauter Staatengeschichten zerpflückt^

die gleich dem geographischen Lehrstoff dem Gedächtnis mechanisch ein-


geprägt wurden. Und nun die Krönung des Geb&ndes: das Lyceum oder
die philosophischen Lehrcurse! Hier, wo die (an unserer Lehranstalt der
OrdensgeisUichkeit angebörigen) Professoren freilich in jedem Betracht un-
gleich hAber standen, wurde Natur- und Weltgeschichte allerdings gelehrt
»her nnr der vom Schulgeld Befreite war zur Tbeilnahme an diesen Lebr-
ntanden ferpflicbtetl Der Unterricht in der Algebra nnd in der Geometrie
worde in einem Jabre, der in der Physik in einem anderen nbgetban.
Aoefa Ton dem wobUhfttigen eraiebenden Binflofa der oft gerQhmton
Clnaeenlebrer habe ich nicht das Mindeste verspQrt. Mein Lehrer in den
vier Untergjmnaaialclassen hal mir, allerdings in gutem Latoitti Bflcher
loro Verkanf angeboten, der Lehrer der iwei oberen Glessen , der soge-
nmnnten »Hamaniorac, hat alle Jene, welche die Mittel dasn erschwingen
konnton, tnm Besoch besahlter Nebeasttinden genf^thigt jDetselbe, der
Id meiner Tatoretadt als der tiefste Kenner des Oriecbiseben galt, hat
einmal das fraiiaOsiscbe icommist vom Zeitwort xo/icCSw abgeleitet Bin
Mderer bat ein Lehrbuch der Geographie veröffentlicht, in welchem De-
finitionen wie die folgende vorkamen: «Eine Bergkette ist eine Beihe
Ton Bergen, von wekben einer immer bOber ist als der änderet Man
thftte Unrecht, Zustände, in denen Ähnlichee möglich war (dab es nicht
flberall so schlimm stand, Ja, defa ea glänzende Ausnahmen gab, mag be-
reitwillig und freudig angegeben werden), der Vergessenheit so flbennt*
Worten.Dato es unter solchen Umatändsn dem nach den Märatagen an
neuem Leben erwachten öeterreich an talentvollen Schriftetellem nnd
glftnaenden Parlamentorednern nicht gebrach, data auch vor Jenem be*
dentungavoUen Abecbnitt in Staat und Kirche, im Lehramt nnd in den
Werkatfttten der Forechuag Männer aufgetreten sind, die den Vergleich
mit den Angehörigen keiner Kation au scheuen haben, dies spricht lär
die unverwOsÜiche Kraft der Stämme, welche diese gesegneten Lande be-
wohnen, nimmermehr fttr die Schule des franeisceischen Österreich. Hin-
gigen wird man Vieles, was den AnfBchwong unseres VaterUndee ge-
hemmt und seine MiCierfotge verschuldet hat, wohl nicht mit Unrecht
dem verderblichen Ein flufa Jeuer elenden Einrichtungen soschreiben dfirfen*
An der Verworrenheit der politischen Ideale, an der Maßlosigkeit der
etaatlichen Ziele, andem Oberwiegen der Leidenschaft ftber die besonnene
Erwägung, welche selbet noch in den FOnfsIger- und Sechsiger-Jahren
ioriel Unheil eneugten nnd von nflchtemen Beobachtern so peinlich em-

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68 Hermaan Boniu.

pfundeii wnrileii, träg^t die unzulaiiglicbe Verstandebcnltor, welche aas jenen


Schulen hervorging, pirberlifh ein wohlbeme<?9PTiPs Theil ^nn RrhuldV>.
Mancii eil] bombastischer Leitartikel, niancb eine schwülsticre Parlaments-
rede stammt ohne Zweifel in gerader Linie von den Chrieii ab. zu deren
Anfertigung wir so emsig gedrillt wurJeii. Das Flirasentrifu welches bald
den Staatskörper zerrfltten sollief war beharrlich und geüissenüicb in den-
selben geflOfst worden.
Das onanfschiebbare Keformwerk wurde eifrigst gefördert. Kaum be-
greiflich erscheint die Schnelligkeit, mit welcher die obeDgeoaontöii Eui-
würfe fertig gestellt wurden, zumal wenn man bedenkt, dafs Booitz so-
eben erst seine Übersiedlung bewerkstelligt hatte und io des ttio ntnm
akademiecbeo Lebrbemf eingetreten war. Aof aHe-BinieliihfliteD d«r Oym-
Baiial»fotiD verm&gen wir biar nldit eimgaheD. Bi genOgt, an die HupU
pookte to eriniiarD. Mit dem Systam der alten Lttnoeeholen wnrde fe-
Inrocbao, der Hatbamatik, der Natorwiaaenaebaft ond dem SCodiom der Mt^
terapraeba ain voUbareebtigter Plati neben den alten Spraeban eingerinatk
die Ctaaaenlabrer doreb facblebrer eraatit; an die Stelle der iwei Jebrginge
der Homaniora trat daa ?iardaaaige Obergymnaeiom, w&brend die pbil»>
aepbiaaban Labrenrae» fon Jader Yerbindong mit dem Ojanaalam befreü
nnd tnr pbileaepbiacbea FbcolUtt erweitert, der üniTeraitit eingeigt wb*
den. Bndliob wnrde inm Bebnf der Centrolle der einleben LehrkOrpar
nnd der Sicbarong einbaittiebar Lebrerfolge die MatnritätsprflfQog aed
anatatt der bia dabin flblicheD »Concoraec die LehramtsprOfung eingefibii
So waren denn die in Deotacbland längst bewährten Einriebtoogen nacb
Österreich verpflantt wordnn. Aber gleichzeitig war mehr als dies ge-
aabeben. Es w^r auf didaktischem Gebiete ein Fortschritt erreicht
worden, der die dsterreichischen Gymnasien, mindestens insoweit die
Anlage des Lehrplanes und das ins Auge gefafste Lehrziel in Betracht
kommt denn zu voller Verwirklichung konnte der Entwurf allerdiogs
nicht im Handumdrehen c^elangeu — ,
geradezu an die Spitze aller der-
artigen in und auiser Deutschland bestehenden An-^talten gestellt hat
Es ht nicht so allgemein bekannt, wie es sein sollte, dais dieser ge-
waltige Umschwung, welcher die Alleinherrschaft der claasiacben Stndiia

1) Ich denke hierbei an jene einander ausschliefsenden Ideale, weicbe m


denselben KApfen friedlich beieuiander wohnten , wie Grolsdcutscbtbiun und
GroHriMeneiefaertbomi ein Parlament in Wien nnd ein lelcbea in FnaMm,
atteoger Censtitntionalitmna, d. b. Majotitfttsbemdiafk, nnd die Hemehaft 4v
dentschen Minderheit, womögUch über der Gesammtmonar^it.
alle Yftlker
FOr diese und ähnliche Begriffs? erwirmngen darf man wohl die j&mmerlichea
vorm&rzlichen Unt errichtszustände mit verant wort lieh machen Das typische
Wort von der »Republik mit dem seligen Ororsberzog an der Spitzec ist frei-

lich nicht österreichischen Ursprungs. Allein, was drauitseu »im Reich« tis

dordi die Fieberhitxe des Bevolationsjahres eraeogter Paroxysmus war, in


bat nna rar chieniiaban, am Hark daa Staataa aaiuandan Kmnkbeit gewoidm

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HifsuuiD Bolüti. 6d

gptbroehaii and die HatorwitMiiscbaft als ein ebeobfirtigee Bilda&gseleineDt


iieb«ii dieselben gestellt btt, anter foller Zoetimmnng nnd TbeUnahme
eines Philologen erfolgt nnd Ton diesem wiederbolteo heftigen Angriffen
gegenfiber in der naebhsltigsten nnd erfoigreicbstsn Weiee Tortbeidigt
worden Zweimal sah sich Boniti gen5thigt, ftr die Omndsfttie dee
ist
Orgaiiisationeentwnrfos in die Schranken so treten. Im Jahre 1867 wor-
den der Bedactteo der »Zeiteebrift iBr die <toterreiehiseben Oymnasisnc
(desi Ton Bonits im Verein mit dem Dichter Johann Gabriel Seidl nnd
den Minieterialrath Mosart 1850 gegründeten Sprecheaal der Osterreiohi-
scbeo Lebrerwelt) Tom Xinieteriom eine Beihe von Vorecblftgen sor Ab-
ftndemng des OrgsnieationsentWDrlM snm Behofe grODdlieber ond frei-
mltihiger Disenesion überwiesen. Vier Jahre sp&ter, bald nach dem Be-
ginn der neoen Verfossnngsära, bracbts der Abgeordnete Dr. Frans Önpr
im Beidiuath einen anf »Bevision dee dermsligen Unterricfateweeens anserer
Mittelschnlenc absielenden Antrag ein. In den Jahrgängen 1868 (8. 07 ff.)
nnd 1861 (8. 869 ff.) hat Bonita eein nnd Bznere W«fc in weitausgrei-
fonden ErOrterongen Tortheidigt, von welchen die letstere dadurch einen
pikanten Beigeschmaek erhilt, dalli Bonits si^ Tsranklkt fand, ein an
den Unterrlehtsminister gerichtetes den Organisationeentworf Terdammen-
des Sendeebreiben dee Pater Beckz in den Bereich der Discnssion zu
siehen, wodurch dieee eich zu einem Duell swischen dem taus Preursen«
bemfenen protestantischen Professor und dem yieWermögenden General
des Jesuitenordens zuspitzte. Wir entlehnen diesen und einem dritten
'm Jahrgang 1859 der genannten Zeitschrift enthaltenen Aufsatze einige
Stellen, aus welchen man die Weite des Blicks und die Freiheit Ton
zOnftigen Vorurtheilen erkennen kann, die den Mitbegründer des neu-
österreichischen Mittelschulwesens in so hohem Mafse ausgezeichnet haben.
Es gilt, den Cardinalpunkt dos neuen Lehrplans, die reiche Berücksichti-
gung, welche MatheuKitik und Naturwissenschaft in ihm erfahren, zu be-
gründen und zu rechtfertigen: »iMe aasschliefsliche Wertschätzung der
Erlernung des Latein för die nach cmor höheren Bildung strebenden
Jünglinge von ihrem 10. bis zum IG. Lebensjahre ist eine Unwahrheit

in einer Zeit, welche die Fundamente ihrer allgeuieinun r^iKlLniL: nicht


mehr auBBchliefslich im Latein hat. Der wissenschaftliche (iesammt-
charakter einer Zeit übt seinen berechtigten Einflufs auf die Schule,
welche von ihm ausgeht und zu ihm iuiiführt; eine Schuleinrichtung,
welche den Buden, ans dem sie Nahrung zieht, die Luft, in welche sie

ihre Pflanzen will empuispriefsen lassen, glaubt ignorieren zu können, ^'Ibt

sich aber selbst der Goringscbützuug und der Wirkungslosigkeit preist


(1859, S. 869). »Zu einer Zeit, in welcher die Kenntnis der alten Sprachen
und ihrer Literatur, Torzflglich des Latein, die unerläfslich notwendige
Bedingung für jede Art höherer Bildung war und fast auöijchliefslich den
Zugang dazu eröffnete, war es naturgemäfs, dafs die för diese höhere

Bilduni; Torbereileudeo Lehranstalten wie dem isamen so der Sache nach

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70

Lateinscboleo waren. Dieser Charmkter der &llgemeiDen Bildmig bat dank


die Bntwickelang ond Bedeatungr, zu welcher die Natorw isMaaebAftM
gelangt sind, ood erbeblicbe Änderoog erfabren-c
eine onverkennbare
Ans der Einleiten^ zum Or^anisatinnsentwnrf werden hierauf anter ao-
derPm die nachstehenden Sätze angeführt: »Mathematik ond Xattj'-wi^'ie!]-
8chafti>n lassen sich nicht ignorieren, sie gestatten auch nicht, dafs man
die Kraft ihres Lebens zum leeren Schatten irgend einer anderen, tob
ihnen wesentlich verschiedenen Disciplin marhe. Der vorliegend«
Lebrplan verschmäht in dieser Beziehung jeden falschen
Schein, sein Schwerpunkt liegt nicht in der clasRi sehen Li-
teratur . . sondern in der wechselseitiger» Beziehung alier ünterrichts-
gegenatände auf einander. Dieser nach allen Seiten nachzurehen nnd
dabei die humanistischen Elemente, welche auch in den Natürwia*€Q-
schaften in reicher Fülle v irlu^nden sind, überall mit Sorgfalt zu ben&tzen,
scheint gegenwärtig die Aufgabe zu sein. Wenn sich hierdorch die

Schwierigkeiten gesteigert haben, so gibt es keine andere Befähigung,


als welche in dem Gedanken liegt, dafs sie nicht willkQrlich erzeugt,
sondern durch wohlgegrQndete BedQrftiisse der Zeit anfgenötbigt, und
daCi sie niehi unttbarwiadlich 677—678). Und gegw dk
«Dd« (1861. 8.
forgvschlageD« Beaehrftokang der jenen Fftebern sogewieMoeD LehtMit
erbebt Bonlti eeine warnende Bümine in einer Anefftbmng, die nicht nr
fftr ibien ürbeber Oberaoe beseicbneod, eoodem sogleich ?on weittn-

gendeter Bedeotong fflr die Beorkheilung ?on Fragen ist, die aodi naeb
Ablaof eines Menscbenalten noch nicht aufgehört beben , brennende ss
sein. »Eine solche Änderung ruft alle diejenigen Hftuner sa berechtigtsm
Widerstande auf, welche die Gegenwart mit offenem Blicke betraehtia
und ihre unabweislichen, woblbegrflndeten Bedftrfnisse zu wQrdigen wissen.
Be kUnnte immerbin noch sein, dafs man fftr sukflnflige Geistliche, Bichtsr
und einen Tbeil der sebllnftigen Lehrer an Mittelscbulen den Torgeedila'
genen Lebrplan angemessen Ande . Wir sind freilich dieser ÜberiM-
. .

gung nicht, sondern halten es fftr verderblich, wenn der zukfinftige Bachter
oder Lehrer des eigenthttmlichen und unersetzlichen BildnngstnoflMilSl
entrathen soll, das in den Naturwissenschaften liegt, nnd sind gewi&b
dafs der nichts segensreiches räth, der dem zukfinftigen Seelsorger einen
wesentlichen Zugang zum VerBtändnisse eines Gedankenkreises abschneidet,
in welchem der Aber immsr*
gebildete Theil seiner Pflegebefohlenen lebt.
hin . . könnte und man wohl für diese Lebenswege den neos»
würde
Lehrplan . . ausreichend finden. Man könnte und würde ps aber nicht
für die zuküiifti<,^en Arzte und einen grofsen Theil auch der höbert.teht'n-
den Reamtüu der Staatsverwaltung. Also der zukünftige Arzt, würde
heifsen, welcher i^atein zu lesen nnd zu schreiben kauoi anders in des
Fall kommt, als in seiner Pharmacopoea und bei spinen Recepten. seil

vier Jahre fast ansscMiefslich den alten {Sprachen und insbesondere dsia
Lateinischen widmen? Von dieaer un wieder brioglichen Zeit frischer £bi-

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Hefouuui Boniti« 71

pfiLnglicbkeit Boii nioht eine Stande aof SchärfiiBg dee Bliekee für die
sinoUche Nator Terwendet werden, deren genaoer Anffusang nnd ge-
wiai«nbafker Bebandlnng einet sein Leben gewidnet eeln wird?c . « .
»Ist nnn (tr dieee Lebenswege« (so beitst ee im Folgenden) »dae Oym*
nasliim naeb dem Torgescblagenen neuen Lebrplane nicbt die geeignete
YorbereitQDg • . so ist nur einer ron folgenden swei P&llen so erwarten:
Entweder diese Lebensberafe, die ibrer volletändigsten Ber&drsicbtigong
immer Bieber eein kOnnen, erswiogen sieb eine Umgestaltung der Oym*
naalen, ansscbliefslicb in ibrem Sinne, i. B. so, dsfs den pbilologiscben
Studien im Untergymnasiom die einmal Qblicbe Sbrenbeseugnng gebracbt
seif das Obeigymnasinm aber den modernen Spraeben, der Oescbiebte mit
Ctoograpbie nnd den Natnrwissenscbaflen aosscbliefelicb gewidmet sei;
oder die YorbUdang Ar diese Lebeoswege fiUlt aussobliefslicb den Beal-
ohnlen anbeim. Welebe erscbQtternde Folgen der eine wie der andere
Fall ftr aassre gesammtsn BildoogsfsrbUtnisse baben mflJSite, bedarf
kaiiier Aassinandsrsstsaagfl (1868, 8. 118—115).
Fngt man ans nnnmebr naeb den Erfolgen der Ton den beiden Be-
organisatoren oneeres Gymnasial wssens ins Werk gesststen Beform, so
darf nnsere Antwort also lanten: Das Bildongsnifeaa der bier in
Betracbt kommenden BevOlkerongskreiss bat sieb angemein geboben. Die
wissensebaftliebe Betriebsamkeit ist in Folge der ümgeetaltong
der Oymnaeien nnd der damit Haod in Hand gebenden Qrttnduog der
pbilesopbiseben Facoltäten ond bat siob aof
anÜBerordentlieb gesteigert
Gebiete ausgedehnt, an deren Bearbeitung österreicb Tordem Jabrbnnderte
lang 80 gut als gar niebt tbeilgenommen bat, Wobheranlagte jQnglinge
yarlaseen oneere Gymnasien mit einer scbOnen barmoniscben Bildung und
erweissn sieh in gelehrten wie in aicbtgelebrten Berufen aur Erfftlluog
dar ihnen anfallenden Aufgaben taugliob^). Freilich die ÜberbQrdungs-
klagen wollen noch immer nicht Terstommen; auch jetzt nicht, nachdem
durch eine Beibe tou Verordnungen, insbeeondere in Betreff der Matu*
ritJUsprttfuag, manche H&rten beseitigt worden sind. Allein es darf mit
ZaTorsicht behauptet werden, dafs an diesen Klagen, sowsit sie begrflndet
sind, nicht der Lebrplan Schuld trägt, sondern die nie gans su Tormei-

t) Wenn Panlaen S. 708 auf Grund der Verhandlungen der Im Jahre 1870
sannunengetfetenen Enqn6tecommiadon ein weit nngOnstigeree Bild entwurft,
so iit dagegen tweierlei au erimiem. Einmal Die Wirkungen der neuen Or-
:

ganisation waren ror neunzehn Jahren weit weniger sicher au erkennen als
bentzotage. Waren doch in Folge zahlreicher Neugrflndungen von GymnasieD sehr
Tiele Lehrstellen theila mit ungeprüften, theüs mit zwar geprüften, :t hör ohne
Ahpohierung dps Prohejahrps angestellten Krätten be'^ftzt. Vgi. hierüber die
überrascheuden AugaliMi —
bei Kiedl, S. 52 ö3. Ferner war ein sehr erheb-
Heber Brut htheil der damaligen Lehrer selbst noch aus den unreformierten
oder duch uur halbreformierten Gjuiuäsieu hervorgegangen ^ und ist der be*
treffende firneu erungeprocefs anch hente noch nicht abgescUoneo.
72 HamMu Bonfis.

denden Mi&grilb «inMlner Lebrer, welche an die Stdle der Orgeu* m


wtioiiieDtwiirfe mit dem sttTkaten Neehdraek befeoDtin »UuierUeiMn Am-
eigoQDg« mitnnter mecbaniBcbee Gedftchtnisirerk eeteen, femer die iw*
derbliche Niebaichtc, mit welcher Schfller in Classen aofgeoomiMO oder
ersetzt wurden, >fQr welebe ihnen die oOtbige Reife fehltt; vor aüev
aber die durch ein unseliges sociales Yorurtbeil geidrderto VerbleBdoaf
jener Eltern, welchetftir Söhne, deren Neigungen und Anlagen auf mam

ganz anderen Weg hinweisen, als den der Gymnasialatadiea, dnrcbaoe aa


dieeem glauben festhalten zu mfissen^).«
Wir wollen von diesem Gegenstand nicht scheiden, ohne einer der
Zwiespältigkeit aller menschlichen Einrichtnnjiz'en ent^priogenden Ge&hr
zu gedenken. vernimmt man heutzatage innerhalb wie aufserhalb
Oft
unseres Vaterlandes die Klage Ober die wachsende Üniformierong d«T
Geister. Die Verbesserung des Schulwesens ist geeignet, dieses Übel nicht
zu vermindern, gondern zu steigern. Denn ungenügende Schulen, wie es

nusere vormärzlichen waren, veranlassen die Bftr.ibte.tn (und geslAtten


es ihnen durch die reiche Mulse, die sie gewaiireu), ©in gut Theil ihrtr
Bildung aufserhalb der Schule zu gewinnen, d. h. auf mannigfachen I'fa-

den statt auf einem einzigen Wege, der fQr Alle derselbe ist In Wahr-
heit nahm das oft in die Irre gehende, aber nicht selten auch sein Ziel,
ond gelegentlich selbst ein hohes, erreichende Autodidaktenthtirn im alt-
Österreichischen Bildnngswesen einen breiten Kaum ein. Daher maüch
»ein Xarr aul eigene laust«, aber auch viel Originalität des Geistes und
Charakters. Aus diesem Grunde die BQckkehr zu den alten Übelstäodeo
zu ersehnen oder ihr Schwinden zu beklagen, diee wftre aioberlieh nicht
minder rerkebrt, als hätte man einst Ten der erstarkenden Staatsgewalt
Terlangt, sie solle das Leben and Eigentbnm der Barger erauUnglieb
ZQ scbfltsen fortfabren, damit diesen die erwftchsige Kraft einee Zeitaltsis
erbslten bleibe, io welebem jedermann avf Selbstyertbeidigung angewissMi
war. Nsbesn jeder errnagene Fortaebritt hat eine Ansabl ibm eigen-
thOmlicber Kacbtbeile in eeinem Gefolge, und die meneidiliche Brfindeam-
keit molk ibr Bemflben darauf riebten, niebt den Forteebritt aofbuheben,
sondern den ibm anhaftenden nnfermeidlioben Übeln #0 Gegeogewieht sa
bieten. In unserem Falle gflt es ohne Zweifbi, alle Keime der Selbst»
thfttigkeit nnd der Originalit&t, welche innerhalb des Babmena eiaea ferrsU-
kommneten Sebolwesens Platt finden, anfs eifrigste au&osoehen mid aaft
sorgsamste au pflegen.

') Die obigen vor nahezu drei Jahrzehnten von Bomt/: geschriebeatfl
Worte (Zisch. 1861, S. 689) gelten für die Gi genwarL vielleicht noch in stär-
keieiu Müiüe als iür die Zeit, der sie eutätammeu.

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Homuma Bonlti. 73

IV.

Dm mit so erleiielitotam und bingebung8?o]leD Eifer Tollbrachte Be>


ronawerk Milte nicbt blofe Mf dem Papiere stehen. Vor allem that es
Noth, der neuea Behnle neue Iiebrkräfte smqfiUhren. Eine Ansah! Gjm-
naBiaULehrer aad Direetorea ward ans Deatschlaad berufen. Alleia der
weitane grOfete Theil mafete aae doa aevgresebailbaea phOoeophisohea Fa-
caltfttea heriorgehea. Was die daesieebea Siadiea betrifft, so fiel die
Haoptlast dieser Angabe in Prag aaf Georg Cortine, ia Wiea anf Her^
mann Boaits. Bereits im sweiten Semester seiner Lebrtbfttigkeit (dem
eretan. Ober welche« ich aus eigener Anschanong berichten Itann) war
aein HOrsaal wobigefOIlt, die Theilnahme an den Übungen dea soeben er-
5flboten philologischen Seminars eine rege nnd regelmifsige. Die Zohftrer*
Schaft war aoa Mitgliedern der verschiedeasten IfationalitäteD, des welt-
lichen ond geistlichen Standes» bunt zusammengesetzt. Ältere and jflngere
Ojmnasiallehrer waren ans der Provinz herbeigeeilt, am an der nener*-
a^Iossenen Bildungsqoelle ihren Wissensdurst zu stillen. Auch Ange-
hörige anderer Facult&ten, zumal der juridischen, nahmen an Vorlesungen
and Seminarfibungen lebhaften Antheil. Zu letzteren wurde man auf Grund
einer kleinen VorprQfung zugelassen. Aber auch sonst glaubte Bonitz an-
geeicbts der mangelhaften Vorkenntnisse, welche die Meisten mitbrachten,
vielfach durch private Winke und Rathschläge, durch Darleihen von Bü-
chern, durch Stellung von Aufgaben, durch gemeinsame LectQre nacli

helfen zu müssen. Seino nur wenige Mim ten vom Theresianuui uiitferiito

Wohnung (im Kiiej i'er.-Llieii Iliiiise, jetzt Nr. 51 der Wiedner Haupt-
Btrafse) glich in ileu Xachmiltagstunden einen* Bienenstocke. Ein Student
reu hte dem andern die ThOre. Bonitz war unerrnUdlich, und seine väter-
liclie Fürisorge erstreckte sich mit nie ermattender Theilnahme auch auf
die Subsistenzmittel, aul die gegenwärtigen und künftigen Aussichten
seiner Schutzbefohlenen. Diese lohnten die rückhaltluse Hingabe mit
wärmster Verehrung. Der hochgeschätzte Lehrer galt seinen Zuhörern
»\n nachahmungswOrdiges Muster, dessen Rath nnd Beispiel weit Uber
den Bereich blofs wissenschaftlicher Fragen hinaus für Viele mafsgebend
geworden ist. »Bonitz sagt, man mQsse dies thon oder jenes unterlassen«
— dies waren Redewendungen, welche man in unserem damaligen Quartier
Wieduer Vorstadt, wo Lehrende und Lernende dicht beieinan-
latin, der

der wohnten, gar


oft vernehmen konnte. Gegen die Schwächen unserer
Bildung war der verehrte Meister stets milde und !mchslLlltlu^ Uner-
bittlich streng war er in seinem Verlangen nach Wahl hattiukeil. Eine
falsche Wissensprätension pflegte er mit Schärfe zurflckzu weisen. Schroff
war er dort, wo ihm rnrodlichkeit, wenn auch in kleinen Dingen, ent-
gegentrat. Derartiges liattete lest in seinem Ge<l;u litnis. Noch als ich

ihn wenige Jahre vor seinem Tode zam letzten Maie id Gastein sab und

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u Hannann Bo&iU.

wir auf einem Spa^iercang alte ErinnerLinLren augtauFchten, da fiammw er b«i


der NeiiiiniiL' (iijt s gcwiööeu Namens, dessen Träger übrigens längst der
Alterthurijswj.ssenbcimfl den Kücken gekehrt hat, plötzlich auf und brach
mit jugendlichem Feuer in die Worte aus: »Das var ein Schwindler!«
Leichtsinnige Schlüsse, voreiliger Tadel bedeutender Manner erreert^n seinen
Unwillen. Alles Haschen nacb fl inzenden Ergtbnisseo, a'.le wind ge Con-
jecturenmacherei war ihm iu der Seele verhafst, wahreud er jedes ernste
Streben, jede Spur von kritischem Talent mit einer Wärme begröfste,
welche mitonter zur Selbstgefälligkeit Terf&bren konnte. Strenge ünter-
scheidoDg zwiBchen dem, was man weifs, und dem, was man nklil wtift^
ganaoM AmeiiiaiidarhBlton tod Möglichkeit, WibuditiBliebkdt und
Wibbelt — diaa wartn Forderongen, die er stete an Andere etollie. «Ii

er sie selbst teiflebeDs in Bebrifl und Weit in «abrbeft ideelwr WeiM


erflillt bat Sollte iob dae am meisten Cbarakterislisebe in seiner Lehr-
end Darstollongswetee mit einem Worte kennieiebnen, ich wlird« ihn
einen unnaebnbmiieben Bintbeiler nnd Untereeheider nennen.
In seinen Yorlesnngsn, welche er nach Oiyeari im Lanfe dee Jahm
ia50 erfolgter Berofong aosscbliefsKch anf den hellenieeben Zweig im
classiscben Philologie beeehrlnkte, stigleich aber dareb Binbeiieliinig der
Oeechiehto der griechischen Philosophie Ober das abliebe Mab binaw
erweiterte, galt ee gleichzeitig, die lückenhafte Vorbildung seiner Znbiher
an fervollstiodigen , die Mehrzahl Ton ihnen für das Scbolamt forsnbe-

reiten, und endlich, zn selbstthatiger wisseaschaflUcher Forschnng aase-


regen. Dafs in allen diesen Bicbtongen sein Sireben kein erfolgloses gi-
blieben ist, dies ist bekannt genug. Selbstverständlich Stenden siini
Collegten nicht insgesamrot auf gleicher H&he.
Die reichste Betebmiif
haben in späterer Zeit —
denn in den ersten Jahren gab es gar viel
anderes und dringenderes zu thnn —
seine Vorlesungen Ober Schriften des
Aristoteles geboten. Ihnen zunächst kamen wohl der Cursns über Ge-
schichte der grierhischen Phili srpbie , die Erklärung platonischer Ge-
spräche und sophokleischer Dramen. Manche seiner InterpretationscoUe-
gien waren, freilich in Folge einer unvermeidlichen Nothwendigkeit, mit
grammatischem Stoff viellei^ tit allzu schwer belastet. Em geringeres Mafä
von origineller Selbständigkeit als seirje sonstigen Vorträge zeigten wöhl
Wie fruchtbar seine Behüiidlong
jene über griechische Staatsalterthömer.
Homers in Vorlesungen und seminaristischen Übungen war, dies bekundet
noch heute der in Wien gehaltene populäre Vortrag «Über vitiii Ursprung
der homerischen Gedichte,« welcher uns überdies einige der eigeothfim-
liehen Vorzüge seiner Lehrweise: die prfignnite Hervorhebung alles

Wesentlichen, das rechtzeitige Vorbrii»geii und krriftvullo Betonen von


Einwürfen und Schwiengk» iten, das stufenweise Vurbereiten des in Aus-
giclit ^'tMKjmrn.enen li^rireljniöses, das sichere Bemessen der Aufnahms* und
Uiiheilafaiiigkeit der iiurer lu typischer Art vor Augen stellt.

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Hermaiui Boniti. 75

In den langM Jahren Mines Wienar Anfanthaltas liefe Bonits die


PrOebte eeiner frflh begonnenen platoniBcben nnd ariatoteliaohen For^
schungen mftblig reifen. Von den ereleren beben wir bereite gMprocbeni
Uber die letileren eoll epiter gebandelt werden. In nnanffaOrlicbem, raat>
loeem Bemflben wurde daa Biwenwerk des »Index Aristoteliene« gefi^rdert
Ihm waren Torangeweise die stillen Standen niehtlicher Arbeit gewidmet
»Papa kneipt AriBtoteles,t so acberste einmal der jnnge BonitSi als wir
oiit ihm ond Freend Seberer Ton einem Stndenteneemmers , wenn iob
Bicb recbt erinnere, in sp&ter Naebtetunde beimkebrten nnd in dem Bing-
atralbenbaos gelangt waren, in welchem damals Bonita wohnte nnd ana
welchem Lampe des einsam schaffenden Gelehrten in nns hernieder*
die
gl&ntte. Demselben Lebensabschnitt entstammt anfserdem nebet den an*
geihhrten nnd vielen anderen pftdagogischen AnfUUaen eine grobe Zahl von
aebr gehaltreichen, Tielftcb aoch Ober dae Gebiet der Philologie hinana-
greifenden Becensionen ; desgleichen die »Beiträge inr Brklftmng dee Thn«
cydideec (1804), welchen die höchste Anerkennang, die sie erfahren konnten,
dadurch so Theil geworden ist, dafs Karl Wilhelm Erllger, gegen den dieee
Aosftthmngen nrsprflnglich gerichtet waren, sich in der S. Anflage seiner
nnsterhaften Aosgabe (Bsrlin 1865) fast alle ibre Ergebnisse angeeignet
bat Femer die noch wertvolleren »Beitrftge aar Erklärung des Sophoklee«
(1868-1867), welche richtiger »Beiträge xur Kritik ondErklftrong dea
Sophoklesc heifeen würden. Disselbsn sind Ar Bonitsens Geistssart kanm
minder beaeichnend ale die »Platonischen Stadienc, weil sie nns dieselbe
gesunde Natörlichkeit der Auffaesung und dieselbe Abneigung gegen ge-
fcflnstelte ond geschraubte Deutungen vor Augen atellen. Scbneidewin
batte nftmlich in seiner Bearbeitung der sopbokleiscben Dramen der so-
genannten tragischen Ironie in den Werken des Dichters einen nnge-
bflhrlich weiten ümfang anerkannt Bonits »sucht der naheliegenden Ge-
fahr so begegnen, dafs wir aus den Worten dee Dichtere mehr herana-
lesen, ale dieser seihst in sie gelegt hatte, indem er aus dem tieferen Grunde
jener eigenthümlichen Wirkung aoch die Grenssn ihrss ümfanges heran-
leiten eucht Denn »»nkht die Bedeutung der Worte an sich wird
Yen dem Sprecher, den Erwidernden und den ZuhOrern verschieden ge-
nemmen, sondsrn weil ein verschiedenes Wisssn Aber die so Grunde
liegenden Thatsachen bei ihnen stattfindet, darum erhalten dieselben Worte
eine verschiedene Beiiehung. Und diese Weise verechiedener Deotoog der^
selben Worte bat nur da ihre Stelle, wo die unter den hier in Betracht
kommenden Personen stattfindende Verschiedenheit des Wissens ftber die
Thatsachen in aller Klarheit vorliegt und wo es eine hestimmte dra*
matieche Wirkung hat, diesen Contrast hervortreten zu lassen.«« Dies ist

uuzweiieihal't iiihtig i:iid ebenso die Anwendung, die der Verfasser den
hier entwickelten Grunilhutzen bei der Auslegung einer Reihe von Stellen
(insbesondere aus dem Oedipua aui Koiouos) gegeben hat, bei deoeu er

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76 BfiBiBB Boniti.

infgeeammi die natfirliche tind ongekfinstelte An&ssong der Diebtenrorte


Tor einem gewissen Baffinement der Erkl&mog za bewahren socbte«.')
Diese dreifache — organisatorisrhe. didaktische und schriflstelleriache
ThStijrkfit erpch^pfte jedoch nicht die Leistungslahi^keit des nne^'möd-
licheii Mannes. Seme Scheitern hatt<}n noch mehr als eine Last zu tragen.
Ihm ward »bei der Neugestaltung der Lehramtepröfanpen die Stelle eines
philologischen Examinators an der Wiener PröfuDgacommission übertrag^eo,
ond diese Ernennung jeiies Jahr erneuert.« Im Professorencollegiura nicht
minder als in der Akademie der Wissenschaften, welcher er seil dem Jahre
1849 als correspondiereodes und seit 1854 als wirkliches Mitglied äuge-
hJ^rte, spielte er eine hervorragende und vielfach eine leitende Rolle.
Nicht weniger bedeutend war die Wirksamkeit, welche er in dem 1863
geschaffenen Ünterrichtsrath entfaltete. AI« Redacteur der »Zeitscbrifl
fßr österreichische Gvmuasien« verstand er es, einen weiten Kreis älterer
und Jtlngerer, den verschiedensten Wissensgebieten angehöriger Kr&fte
um sich zu schaaren und darch die Zuweisung pädagogischer Themen
gleichwie littorarischer Besprechongen nnansgesetzt in Athem so baltn.
Ferner gehörte er m den Mitbegrilndem nnd tbfttigsteo FOrderam des im
Jnbre IMl entetendenen Yereinee Bllittelechiilec. Endlich bntto fln »das
Yertmoen der evangelieehen Gemeinde helTetisehen Bekennteieeee in Wien
(1866) in dee Freehytorium bemfen.t Dne ihm übertragene Sehriftflkhrer^
•mt brachte Tielfiiche Geechftfte mit eich, somal de die Wieoer Oemtinden
nn den Bemflhnngen tun HerheiffDhmng einer geeetelichen Begelang der
KirebenferbUtniiee in Torderster Beihethfttig wnren. Anoh nn der im
Sommer 1864 nr Beratbnng einer neuen Kirehenerdnnng beroJenen Ge-
neral-Synode nahm er als aweltlicher Depnlierter der Wiener Snperin-
tendeni« maihgebenden Antheil*
Brfriftchnng nnd Erhelong von der aufreibenden Arbeit boten Aoe-
tlQge in die Osterreich ischen Alpenländer nnd Ferienanfenthalto in den
echtaen Umgebungen Wiens. Weite Reisen hat Bonite niemate nntir*
nommen. Er pflegte sich mit Bedauern des Umstandes zn erinnern, dab
eine in den Vierziger-Jahren geplante Studienreise nach Paris im letzten
Augenblicke durch die bereitwillige Zuvorkommenheit der dortigen Biblio-
kheks-Verwaltong, welche ihm die betreffende Handschrift (des Alexander
von Aphrodisias) in Stettin zu benützen gestattete, GberflQssig geworden

war. Zu reichem geselligem Verkehr gebrach es dem Vielbeschäftigten


niemals an Zeit Za seiDen geschätztesten Freunden gehörten der Sprach-

1) Ich entnehme das Obige einer Be^rechnng des ersten Heftes jenv
fidtrige, welche ich in einer Wochenschrift (österreichisehe Blitter Ar lüc-
ratnr and Knast, 80. Angoit 1866) vertlFentlicfai habe. Hier darf ich lid-
leicht einen für die Bescheidenheit des Mannes bozeichnendea Zng erw&hnen.
Derselbe hatte das Maouscript eben dieses Heftes im Herbste 1855 seinem da-
mals 23 jährigen Schüler, der diese Zeilen schreibt, »mit der Bitte an strsngita
Durchsiebte übermittelt.

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Hemion Bonlti. 77

for««her Hiklotieh, d«r Astronom Llttrow mä dMMo gtirtrolle Frau, in


deran gastttebom Hum er gern ferkehrte» die Physiologen Brfleke nnd
I«ti4wig nnd der Dichter Hebbel. Wenn der Lotsten ein soeben toI-
leodetes Dimna den Fronnden Torlae, so war dies ein Qeistesfest, an
welchem Iheilsonehmen Bonils niemals reratamte. In freodigste Brregong
eraetste ihn einmal, wie ich als AagensoDge beriehten kann, der Bssaeb
des ihm nnd seiner Gemahlin vor Allen theneron Hartensteio, dem er so
ieles fordankte nnd mit welehem er seittebens in regem briefliohem Yer>
kehre stand.
So gingen die Jahre dahin, in welchen es dem allverebrten Manne
beechieden war, in nnd tta Österreich sn wirken. Sein Haar war mittler-
weile Tor der Zeit gebleicht worden, sein Angs war minder glansvoU, sein
Gang weniger elastisch als ehedem. Nicht nur die stete, oft fiberrnftTsige

AneiMunnng der Krilte, auch ein schweres Erlebnis hatte ihm seine on«
ertilgbaren Spuren aofgedrSckt. Ein hoffnnngsvolles, sftrtlich geliebtes
SObnchen war in Wiener Erde sor lotsten Bobe gebettet worden. »Qe>
brochenen Lebenst nannte «r sich damals seihet io einem an mich ge*
ricbteten Briefe. Bs kam die Zeit, da wir ihn nicht mehr den Ünsem
beilben sollten. Die Bntscheidong, welche anf den böhmischen Schlacht*
feldem ge&Uen war, bildete einen Wendepunkt noch seines Lsbensscbicko
saleo. Bs duldete ihn nicht mehr in dem ron Deutschland staatlioh ge*
trennten (ysterreich. Nachdem er noch im Jahre 1866 eine Berufbng an
die Bonner Hoehscbole abgelehnt hatte, willigte er Jetit in den Antrag,
die Leitung des Gymnasiums snm grauen Kloster in Berlin tu ttbemehmen.
Der national-politische Beweggrund war iBr ihn hierbei freilich nicht der
allein bestimmeude. Bei dem Abschiedsmal, welohea ihm su Ehren Ter»
anataltet wurde, sprach er denselben Qedanken aus, den er damals den
Freunden gegenüber mehrfech laut werden liefB. Seine Bildung sei ron
Hans aus auf das Wirken an Mittelschulen angelegt gewesen, nnd gern
sncbe er an der Schwelle des Greieenalters, welches aur Selbstbeschrla-
kong mahne, wieder Jene stillsre Wirkungsspbira auf. So kehrte er denn
nach einem Tlert^ahriiandert als Dirsctor an die LehranstsH surüek, an
welcher er ein so treffliches Andenken hinterlassen hatte. Die dankbare
Liebe nnd Bewunderung seiner ScbOler nnd Enkelschttler hat aber nicht
an den schwars-gelben Gienipf&blen halt gemacht, sie folgte ihm in die
neue alte Heimat und bethitigte sich insbesondero bd der Feier seinee
siebeniigsten Geburtstags in unTorminderter Stftrke. In seiner Erwide-
rung auf die ihm dargebrachten Huldigungen gleichwie in seinen Lebens*
erinnemngen hat er seiner Freude dartber lebhaften Ausdruck gegeben,
dali seinem Wirken in östemich, waches fireilich hinter seinem Streben
weit aorflckgeblieben sei, von Deutschen nnd Nichtdeotschen, von Mit-
gliedern des geistlichen wie des weltlichen Standes, eine so ehronfolle,
sein MOhen roichlich lohnende Anerkennung sn Theil geworden sei

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78 Harmmnn Bopit».

V.

Wenn Bonitz sich bei seioftr Übtniadlong DMh Berlin der Hoff-
nnn^ hingab, sein LebensachifT nanmehr in sieherem Hafen geborg«o n
haben, so sollte ihm die Enttäoschung nicht erspart bleiben. Das Fahr-
zenp- wfir pbrn mrh nV.iw geetüchttg", als dafs man ihm lange Hafenrast
gegönnt hätte Ii n erwarteten npue Muhen, nene Kämpfe und Anfech-
tungen. Aber einiere Jahre eiiL'umhegten Wirkens und beglfickenden
Schaffens waren ihm jetzt allerdings gesichert. Bei den Einzelnheiteo
seiner Gymnasialleituni? zu verweilen, haben wir Icemon ÄnlafsM Glück-
lich sind freilich die .Tnnglinee zu preisen, welche in athemloRPr Span-
nung an den Lij pen hingen, wc.che ihnen die Schöpfungen eines Plat--*,

eines Süpliukleri und Deraosthenes mit vollendeter Meisterschaft verdol-


iufclschten. Glüclilich auch die Collegen, denen es täglich ond etündlieh
gestattet war, ans dein überreichen Born seiner Einsicht und Erfahrung
zu schöpfen. Uns mufa der Fortgang einer wissenschaftlichen LaufbaLo
beschalLigen, zu welcher einst in den Krenzgängen des sächsischen Cis-
tercienserstiftes der Grund gelegt worden war und die bald in dem stillea

Frieden des märkieeben Franciskanerklosters ihren Abschlufs finden soUtei


Aoe dem »gnnen Elosterc ist der Index Aristotelico s lierror-
gegangen (1870) — ein Specislwörterbocli , welchee manch elnein geiift>

reichen Kritiker nnd setbBtgef&tllgen Philosophen als ein Werk bloleen


emsigen Fleibee nnd daher keines grefeen Anfhebena wert eraefaeiaen
mag und von welchem doch Moria Hanpt mit Fng an rtthmen vermochte»
dafa nnr »eine seltene Vereinigang sprachliches Wissens nnd philesiH
phischer ErgrUndong und eine nicht weniger seltene Bntsagnngc es m
schaffen im Stande war. Dieses Schatsbaue der aristotelischen Sprache
ist ein Werk ?on höchster NAtsliehkeit, ja Dnentbehrlichkeit Denn »Ari-
stotelee bat Ar den Bedarf der Pbilosophie, die erst er in strengerer
Wissenschaft erhob, die Sprache neu nnd eigenartig gestaltet, ihr manche
H&rte nnd manches Wagais anfgedrftngt, wenig bekUmmert nm die Oe-
Bchroeidigkeitund Durchsichtigkeit der Tolkemftbigen oder der künstlerisch
gebildeten Rede, aber in der festen Ausprägung der Gedanken sich so
gleich bleibend, dafs er in dieser Beharrlichkeit sein eii^ener nnd der

beste Erklärer isic*) Und ferner — so machten wir hinzufügen — nicht


nnr der Erklärung leistet das gewaltige Wörterbuch den erheblichstea
Yorscbnb; es ist auch ein mäcbtigea Werkaeug der Kritik, nnd awar

1) Näheres hierüber bietet Bellermann, S il H; anderes verdanke kh


mOndlicher Mittheilnng meines Collegen E. Bormann.
3) Haupt, Zur Begröfsung von Hermann Bonitz (bei dessen Einiritt io die

K. preur»i6che Akademie der Wissenschafteu 2. Juli 1&Ö8), Opuscala III, S. 268.


Ygl. auch Vahka, Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien 1872, S. 533.

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Hmaoii Bonfts. 79

•iMiMOMhr der sogBnäontaii nifdtm ond der hohem ale der hOcheten
KMk, d«a hetlil in nneerem Falle der BeurtiieilaDg der Wahrheit eriate-
Miacber Lehren. Ba fOhrt m
n&mlich lo die Werkatftte dee aehaffen-
den Philoiophen ein nnd läfat nna daa Keimen ond Wachsen Beiner Ge-
danken heUoMhen. Da fermOgen wir denn gar hftofig an erkennen« oh
die Begriffe, welche hei ihm daa gleiche Wortgewand tragen, in Wahrheit
fichObUnge sind, die aaa einer Worsel entapriefaen, oder oh nar eine
trügerische Analogie dasn gefthrt hat, weeentllch ferachiedene Voratellongen
mit dem gleichen Worte to henennen nnd dadurch eine ergiehlge Quelle
Tcrwirrender Zweideotigkelt nnd irrthomlicher ScblQsse an schaffen.
0er »Indexe, welcher den grOCiten Theil dea 7. Bandes der Berliner
Akademie-Anagahe sinnimmt, bildet daa lettte Glied einer hingen Reibe
Arbeiten, deren Betrachtong wir auf dieee Stelle Terapart haben nnd
Uber welche wir nunmehr in Toller Ausführlichkeit handeln Wörden, wenn
wir nicht fürchten mübten, die nna sngewieeenen Grenien an Oberschreiten.
Den Beigen eröffnen die 1842 ?erOffentlichten »Obaervationes eriticae in
Ariatotelia libroa metapbysicos.« Es achliefeen sich 1844 die »Obaer-
fationes eriticae in Ariatoteliaqnse fernntor Magna Moralia et Ethica
Bndemiac an. Ea Ausgabe dea bedeotendaten antiken Common-
folgt die
tan aurMeiaphyaik dee Ariatotelee, des Werkee dee Alezander tonAphro»
diaias (1847), fon welchem bis dahin nur die eine (sweifelloa echte) HAlfte
ToUat&ndig, die andere, ?om VI Buche angefangen, nur auaaugaweiae im
griecbiachen Urtexte an*B Licht getreten war. Ond dieser wichtigen Yorar»
heit ist die Bearbeitung der »Hetaphyslki selbst mit reichhaltigstem aprach-
lidiem nnd sachlichem Commeotare auf dem Fofae gefolgt (1848—1849).
Die durch die Obersiedlung nach Österreich etnigermaliMn in*8 Stocken ge-
nthene Beechftftignag mit den Werken des Stagiriten wird bald wieder
an/genommen, und als ihre reifbten Früchte erscheinen in den Jahren 186S
bia 1867 die fünf Hefte der »Ariatotelischen Studienc, welchen die 18A8
•rOibntlichte Abhandlung »Über die Kategorien dea Ariatoteleac foran*
ging, wfthrend eine Ansabl Ton kleineren Binielbeitrftgen anm Veratftndnia
dea PhiUwophen ihnen theils nachfolgte, tbeils sie begleitete.
Für Aristoteles hat Bonits all das geleistet, waa Ton der lebenalangen
Bingabe einee Philologen an Minen Lieblingaautor erwartet werden kann.
Zugleich aber auch weit mehr als dieses. Der ?on den claseischen Phi-
lologen aalt Jahrhunderten Temacblftssigte Text des grOfsten encyklo-
pidiachen Denkers aller Zeiten hatte doreb die fon Immanuel Bekker
benorgte grofse Berliner Akademieausgabe (1881) eine neue Orundlage
erhalten; aber nur eine Orundlage, nicht ein »wenigstens teitweiliger Ab-
aehlulbc war dadurch erreicht worden. Die mafsgebenden Handschriften,
welche dieser grofise Kritiker mit dem ihn auszeichnenden sicheren Scharf-
blick aus der überwältigenden Masse des vorhandenen Materials heraoe*
gefanden hatte, waren «LeKonQber der vorherigen Vnlgata nicht immer
mit der Strengei zur GeituDg gebracht worden, welche der oberste Kanon

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80 Henzuum Boniti.

aller Textkritik erheisclit Ferner waren »dieeem Texte die Ergebnisse


entzogen« worden, die bicli aus der eindringenden Beschaftigrong mit den
antiken Erkiarern gewinnen lassen. »Endlich läfst ein eingehendes Stcaiam
des Aristoteles, welches, besonders seit dem Erscheinen der Bekkerscben
Ausgabe darch mannigfache Umstände gefördert, erhebliche Fortschritte
gemacht hat, durch Spenge Anfmerkeamkeit auf die Gedanken des Schrift*
8tiU0n md lof mUmb Sprachgebrtaeh an nicbi wenigen SIftllMi Tar-
derbolaae dar ÜberlieiiniDg antdackan ond öftara doreh diaaalbao IGttel,
waleba lo ihrar Rntdackoiig Abrtaii, aia baaaitigan« (AriatotatiadM Sta-
diaaI, 8. 8—4). Yao dar nach aUan diasan drai BiditDagaD bq gavin-
nandan Aoabaota bat Bonita dan LSwanaDtbaU da?ongetragaD. Dan Oa-
biata dar graininatiaebaD Obaarration iat inabasondara daa iwaita und dritte

Haft dar »Stodian«, walehaa dta laraebiadanan anm ThaU bia dabin toH-
Btftndig farkannten Ariern dar Satafbgaog bafaandalt, bat anaaeblialalieh
gawidmat Mit dar Terwartong dar antikan Coomantara baban dia kriti*
acban Bamarkangan aar »Matapbjaiki dan Anfang gemacht Dia taxt-
kritiaeban Arbeiten, walabe aich auf dia mannigfaehaten Theila daa an-
atotelischen Corpna erstrecken, haben ebensosehr jene obenerwähnte oberale
methodische Norm zo Ehren gebracht, wie sie von dem glQcklicben nad
erfinderiacfaen Seharfainn ihrea Urbebers ein beredtes Zeugnis abiegia.
Hier «regnet es Emendationenc — dieses Wort eines stimm&bigeo Be-
urtheilers, Adolf Torstrik, welches zunächst der Behandlung der >Pn>>
blemec im fierten Heft der »Aristotelischen Studienc gegolten hatte
Anwendung. Das Kleinste und scheinbar
gestattet eine viel umfassendere
dem wirklichen oder vermeintlichen
Geringfügigste, wie jene Frage nach
Unterschiede im Gebrauch der Worte rAHo^ und zd&r^pa. welche d&e
ganze fünfte lieft der »Studien« einnimmt , wird mit derselben hinge-
benden Sorgfalt behandelt, wie die h^rlisii n auf Wesen, Wert und Wahr-
heit der aristotelischen Lehren bezüglichen Fragen. Üeun der Commeutar
y.iir »Metaphysik«, in diesem Betracht ein ünicnm der i^hilologischen Litte-
ratur, begnügt sich nicht damit, den Wortlant dt's 'i't'\le> festzustellen,
die jedesmaligen Abtiiciiien de^ Autors zu erKiünden und die geschicht-
lichen Bezüge seiner Doctrinen zu beleuchten; er erhebt sich auch zu dem,
was wir die Kritik im höchsten Sinne genannt h;iben, nämlich znr Be*
urtheilung des Inhalts des Werkes, ja der Gesaiumtleistung seines Ur-
hebers. In letzterer Richtung kann ich nicht umhin, eine bedeutsame
Stelle, welche Bonitzens Gesammturtheil über die Voiiüge und Mängel
der aristotelischen Geistesart enthält, hierher zu setzen. »Is enim ut eet
diligentissimus in cognoscendis rebus singulis, quarum ingentem et prope
ineredibilem anlma complexos est adentiam, ut est acotoa et inganieaas
in redigendia bis singulia rebus ad sommas, quas diatinxit, omninm aotiam
categoriaa : ita quum de iacieodia aitiaaimia deetrinae fandamantia et de

1) Leipziger literarisches Ceatniblatt, 18S7, & 097.

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fiermanii fionitt. 81

conflnnandis interqoe SMe conciliandis prindpiis agitor, plarimum relin-


qnit dabttationiei (Comroentar zur »Metaphysiki, Aaeh niADche p. 29).
in meinem Oedächtnis haftend« mündliche ÄursernngaD, tod denen ich
einige berauagreife , zeugen dafür, daTs der hervorragende Aristoteles«
forscher dem grofeen Denker mit y5llig freiem Blicke and mit Zweifel
bewundernd gegenübergestanden ist Als ich ihm meine Absicht kund-
gab, die nikomacbiscbe Ethik zam eisten Male zu lesen, glaubte er mich
mit skeptischem L&cheln auf eine gewaltige Enttäuschung orbereiten zu
mOssen. ünd wieder, als Hartensteins Abhandlung »Über den wissen-
Fcbaftlichen Wert der Ethik des Aristoteles« erschienen war') (1859),
sprach er nicht nur zu der darin enthaltenen einschneidenden Kritik seine
volle ZnstimmDDg aus, sondern fügte auch scherzend hinzu, er bedauere, die
Vergleichang des fehlerhaften Cirkels, in welchem sich die aristotelische
Ethik bewegt, mit der Art, wie Behrisch in Goethe's »Wahrheit im i Dich-
tung« die Erfahrung definiert, fortan nicht mehr in seinen Vorleauiigen
vorbriDgeu zu können, nachdem Hartenstein eben diesen Vergleich in
seiner Abhandlung (d. a. 0. Anm. 91) in Anwendim^' gebracht hat. Wie
weit diese Kritik sachlich begründet und wie weit sie durch die Eigen-
art des Herbartscheu Systemes, welchem Benitz zeitiebens treu ergeben
war, hervorgerufen ward, das zu entscheiden ist nicht dieses Ortes. Doch
genug und mehr als genug. Wir können nur mehr in änfserster Kürze
der wichtigen Abhandlung »Über die Kategorien des Aristoteles« ge-
denken. Man in wie hühcm MaTse jene Kategorienlehre den Tadel
weifs,
und den Spott moderner Denker herausgefordert hat. Konnte doch Mill
nicht ohne einen Schein von Recht dieselbe mit einer Eintheilong des
Tbierreicbs vergleichen, welche dasselbe »in Menschen, VierflUSder, Pferde,
Baal und Ponles« zerflllen wQrde (Gesammelte Werke IL' 49). Hannig-
fach aind die Versuche gewesen, dan Ursprung dieser UDsnlAogliehaD Ein-
tbeilnng an erklftren. Mit einem dar wicbtigaten deraelban, dem Yeitnoh
Trtndalanburg's, die Aufatellung der Kategorien ana dar Anfmarkaamkelt
auf die Fermaa der Sprache benuleiten und in ihnen eine ünteracbeidnng
der Bede th eile au erblicken, aetit aich nnaer Ariatoteliker grOndlichat
anaeinander. Seine Entoeheidnag flIUtgegen Trendelenburg ana, und er
bebarrt dabei, dab der Stagirit in Wahrheit durch seine Kategorien »die
obeistea Qeseblechter« habe beseicbnan wollen, ideren einem Jedes Seiende
sich mub onterordnen lasaenc (Wiener Sitsongsberichte X. S. 628), Hier-
bai ist er selbetverat&ndlich weit davon entfernt, »die objeotiTe Bich*
tigkeit der von Aristoteles getroffenen Eintheilung erweisen in wollen*«
Der Streit ttber diese Frage ist bis zur Stunde nicht geschlichtet. Grote
bat sieh noch Ibst zwanzig Jahre später (Aristotle I. 143) f&r Trendelen-
bnrg und gegen Bonits erklftrt, während Mill in seiner Beoension des

t) Jetzt in desselben Historisch^philosophiseheo Abhandlnagen (Leipiig


1870) S. 243 flf.

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HenMoo BooSte.

Orota*Mhra Werk« (Dinertetiona mä DMcanlom IV. :ilt) 4k dm


Booits ftrtrtteniii Anaicht nii iiaar tob BitBteao fwrgMcUigMB IMi-
fiealion deraelbeii aeioe ZoitioBBog ortbailt hit
AUoüi M isl Zeit, wieder beim »gimoen Kloeter« voneepmebM. Die
•Itehnrtrdige damals sq
BiMangestttte dreihwder^lttrigae
rflatele Umm
Wiegenfeete* Dieses wurde ia den enten Jolita^n des Jahres 1874
in solennster Weise begangen. Den Miktelponkt der Feier Mdell
der Festact in der Nicolai -Kirche. Hier hielt der weit- und apraekgt»
wandte Director die Festrede inmitten einer glänseoden YersammloDg,
welche seine wQrdeYolle Haltung nicht minder als die geistreichen ond
treffenden Wendungen bewunderte, in welchen er die GlQckwQnsche der
zahlreichen Abordnnngen beantwortete. Wohl mochte er in iener Feier-
stunde, von Choralgesang und Orgtjlscball umbrauFit. den Blick in däs
eigene Innere Tersenken und auf ein reicherfnlites, nur mehr durch einig«
Wochen von der sechzigsten Jahreswende getrenntes T.eben ernsten ond
dftükharen Sinnes zurnckschaiien Krohe und trübe Bilder vom Salxa- nnd
S.iHlestrand , vom pouimerscheii Haff uud v in den Geländen <^er Döoao
mochten durch seine Seele ziehen. Allein der Gedanke ibt ihui sicherlich
fremd geblieben» dafs diese Jubelfeier der Schule ffVr ihn zugleich eine

Abschiedsfeier bedeute. Und doch war es nicht anders. Nur noch wenige
Monate, und Bonitz scliöidet iür iiuoiei vuu dem, was bis daian dea vor-

nehmsten Heiz und Inhalt seines Daseins gebildet hatte, von Forschung,
Lehre ond sdiriftatelleriaeher Th&tigkeit Die Thoren der Hinisterial-
boreanx schliefen aiefa hinter ihm, nm ihn niehi wieder freiingeta.

VI.

Der Kreia der Obliegenheiten nnaerea Ojmnaaialdireetora hatte akh


ateiig erweitert Bald nach seiner Ankunft in Berlin war ihm »die dnreb
Bdekh*a Tod erledigte Direetion dea kOnigliob pidagogiachen Samtaafs
fttr gelehrte Schulen« Obertragen worden nnd hatte ihn die Akadaaus

der Wisaensebaften in ihren ScheCi anligienommen. »Von der Beicehti>


gung zu üniversit&tsTorlesungen, welche die letitere Bmennnng in aish
schliefst,« pflegte er reicbliehen Gebrauch zu machen. Im Jnhm 1M9
trat er in die Redaction der »Zeitschrift fflr das Gymnaaidwenaa« eia
nnd im October 187d wurde er den Conferenzen beigezogen welche der ,

Minister Falk zur Berathung verschiedener Fragen des höheren Schal«


Weyens veranstaltet hatte. Als nun im Jahre 1875 das Departement des
Mittelschuiwesens durch Wiese's Röcktritt verwaist war, ward Bonitz zu-
nächst als geheimer Kegierungsratli, später als creheimer Obrrrpgienin£rö'"sib,
und vortragender Rath in das Ministerium für c^eistiiche u. s. w. Ange-
legeiilieiten berufen. Von hier ab ^'ehArt seiiio ganze Zeit und Kraft deci
Amte und der peinlich gewisäenhaiten Erfüllung der ihm ans demseibsn

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Hemaim fiooiti. 83

erwmeliMDdeii Pfliebtea. Die Tli«ilnabme ao deo AkademiMitsn&gen und


an deD GeMtlscbattoaboDden der Soeietas Oraeea bildet fortan daa einiige
Band, welehee ibn mit der Wieeeaecbaft ferknllpft. Organieatiooefragen
und Peraeoalangelegenbeites, ConfereiiieD ood InepectioiiBreieeD nehmen
ihn ToUanf in Ansprocb. Er besalb, wie er nns eelbet ?ersiebert bat» Ton
den wenigen ürUoJbewoeben abgesehen, die er fast al^'&brlioh im Alpen«
bod Oaateia loiubringen pflegte, nicht HuISm genug, nm ancb nnr von
dan wiaeeneebaftlieben Leietongen Anderer Kenntnis an nehmen, geechweige
dann, nm selbst solehe in ToUbringen oder weitersnfftbren. Bedenkt man,
was er lomal flQr Plato und Aristoteles noch so leisten fermooht, was ins-
beaondere die so lange von ihm geplante Gesammtaosgabe der Werke des
Letzteren für den Fortgang dieser Studien bedeutet hätte, so kann man
eich eines GefQhles tiefscbmerelichen Bedaoems nicht erwehren.
Inwieweit seine Arotsthätigkeit einen vollen Ersatz für diesen Ent»
gang wenigstens dem Lande, dem sie zunächst gewidmet war, geboten
hat, dies vermag der Verfasser dieser Blfttter nicht mit Sicherheit zu be-
artheilen. Wohlbekannt ist es ihm hingegen, dafs Bonitz in dieser seiner
letztin Lebensphase keineswegs auf Rosen gebettet war. Er betnflbte
sich, zwischen schrofifen Gegensätzen zu Termitteln und erfuhr dabei das
Loos, welches Vermittlern so häufig zu Theil wird: er ward die Zielscheibe
heftiger Angrifife von beiden ParteiPti. Die Classicisten strenger Obser-
vanz befehdeten ihn nahrzu wie einen Abtrünnigen, und die Vertreter der
einspitif:: natnrwissenscbattlichen Kichtiiny:' erblickten in ihm nichtddesto-
weuiger ihren t;rtalirlichsten Gegner, beiue Ziele waren aber m Wahr-
heit ganz dieselben geblieben, welche er lanco vorher in uDsereni Vater-
laude im Bande mit Exner zu enuichen grstrebt hatte. Kö war seine
lebenslange tiefbegrQndete I lw'r/ent-'nne. dals die classischen Studien nicht
mehr berufen seien, in der ü^'ninasialbilduii^- die alleinige oder auch nur
die fflhrende Eolle za spielen. Und da in wunderbarem Gegensat/c zu
dem, was sich gleichzeitig in Österreich vollzog, der natm wissuiibclialt-
liehe Unterricht in den Fünfziger-Jahren an preufsiücheu Gymnadien die
äufserste Einschräukung ertahren hatte, so fiel dem Vorkämpfer harmo-
nisch allseitiger Menscbenbildung zunächst die Aufgabe zu, die arg ver-
kflinten mathematisch - naturwissenschaftlichen Disciplinen in die ihnen
gebührenden Bechte einsneetien. Diea geschab doreh die LebipUtne ?em
Jahre 1882, welche die bedeateamen Errungenschaften, dersn Österreich
ver mehr als drei Jahnehnten theilhaft gewerden war, nunmehr ancb nach
Preuften verpflanzten. Es waren dieselben Omndsfttse und Qeeinnungen,

>) Bouitz hat. al^ er der Vorpflicbtaup:, in rpf^oImAssigen Zwischenräumen


eines Vortra«? abzuhalten, nichi luebr uachzuküiumen vermochte, am die Ent-
lassung AUa (lern Akademie «Verbände gebeten, dio ihm jedoch nicht gewährt
wsrd. Hingegen Ist er aalMich seines fonftigjahrigen Dienst- und Deetoi^
JrtillnsM durch ebie Ofatolatlens-Aaspcaehe der Akademie geehrt worden,
(Sitsanisbstkhte im, 887-«). a

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84 BerauiD Booits.

walelM dtraalba Mann 1849 ra der Doua ond 188S u te S^na tar
OtltODg brachte. Dab hiar wia dort dia arbgaaaaaaaaB MAebta ihiaa
altiD Baaita mit Hartoialrigkait farthaidigtaa» dafii liiar wto dort dia tiaf-
ainMbaaidaada Naoaron; aich ntobt ohna 9Mi und SehwiarigkaÜ «all*

lOff, waa kann diaa Woodar oaboiaD?

Zar Baalaohola hatta Bosita aait in dar Waiaa StaUn^g gnnta*


II10D, dars er in ihr dia gaaignata Yorbereitong ftr tachniacha and ga>
werbliche, nicht für die gelehrten Berufe erbliokta. Der AnfiiahiBa des
Lateinischen in den Kreis ihrer Uaterrichtsgeganatlnda hatte er immer
wideistrebt, noch mehr der starken und doch, wie er maintai f&r dia ias

Aoga gabfäten Zwecke onzal&nglichen Vertretoog desselben, wie sie h


PreuBsen seit 1859 an den Realschulen beliebt ward.*) In diesem Ponkte
hat seine Amtsföhrong, welche vermr>ge der Lehrpl&ne des Jahres 1882
eine weitere beträchtliche Verstärkung jono? Unterrichts herbeiführte,
vielen seiner Fietnido eine Enttäuschung bereitet. Dem Fernstehenden,
welcher ein vollgiiliges ürtheil über diese Fragen zu fäüen «ich nicht

Aermessen kann, sind jedenfalls zwei Tm-stände erkennbar, welche dit

äcbiihbare Tnronseqnenz zu erklären trcciu'iiet sind Kiumal war durch


die dtii AbituriLMitbii vl-ii Kealachuleu erster Ordnung ini Jahre 1870 ee-
wähile ZuUööung zu einigen Zweigen des üniversitätsstudiumj* (Matrr-
iTKilik. Naturwissenschaften und moderne Sprachen) eine kaum mehr ruck-
^Mii^'iir zu maclieude Thatsache gescliatlen worden, mit welcher noihwen-
dig gerechnet werden mufste. Zweiteuä ^her war der Lateinunterricbt an
jenen Schulen seit einem Menscbcnalier fest eiugewurzeit und Und an der
Tou Starken Strömungen des Zeitalters getragenen Partei der Eealscbul-
m&nner einen kanm an brechenden BAokhalt. Da dorfte denn der Im
Btaatadianat afcehanda erantwortlicha Schalmana vielleiebt mit Baohfc aaf
ainen anBsiebtsIoaan Kampf Taraiabtan ond dia einzige praktiaah darah-
fl^brbara Aufgabe darin arblieken, dafa ar Janen Unterricht in aiaam wnbi^
hth wirksamen, sein angeblicbas Ziel fbatalchliab arraicbandan auwMa.
In den Harbstmanaten des Jahraa 1887 wurden bei Boaits dia anln
Yonaieban einaa Qabirnleidena bamerkbar, Ober dasaan Schwara ood Ua-
bailbarkeit nina Umgabnng nicht lange Im ZwaifU blatban aoUta. Er
hatta einaa Tagaa, eben im Begriffe, dam Minister Vortrag in aialaHi,
aina plOtalieba anffUUga Schwftcbang daa Oadfichtnissaa wahiganammsn.
Seine Oaisteakrlfte aehwanden snaebenda dahin. Am i. April 1888 ward

>) Vgl Ztscbr. f. S 1


öbt. Gymn. 18ö0, —
23 oder 18Ö1, b. 682. De^gieichifD
und besonders S. 160: «Selbät dieses
Preu&s. Jahrb. Bd. 30 (lö75), S. 149
kann die Realschule nicht einmal erstreben, da nach ungef&hrer BewiltigoDg
der QianflBatik nnd Besebaffbng eines notbdflrftigett Wortacbatass flkr die Lsa-
tttre In den oberan Klassen aar ein eng bsaMSsener Baam bltibtt Peaasr
sbendas. »Aber das wirkliche Erreichen dieses formalen Gewinnes ist danA
:

eine Ausbreitung, Ruhe und Sicherheit strenger Schulung bedingt, in welcher


selbst der anf Realschulen dem Latein gestattete Raom nicht aaai«i6ht.<

y i^L-o i.y Google


UcrmaDn Bouitz. 85

seiue Ritte um Verse tviiii,£r in doii Ruliestüiid erfüllt, und am 25 Jnli


macbto der von ihm herbeigesehnte £riöser Tod seioem Leiden ein Ende.

VIL
Wenn unser bisheriges Bemühen kein völlier vergebliches war, so wird
es nicht mehr vieler Worte bedOrfen. um das Bild, welches wir zu zeich-
nen versucht haben, der Seele dea Lesers deutlicl) und dauernd einzuprägen.
Der berühmte Sohn Langensalzas war sicherlich einer der gröfsten Philo-
logen einer Zeit, der es an grorsen Philologen nicht gefehlt hat. An Gelehr-
samkeit mochte er manch einem Geringeren nachzustehen scheinen, vor-
Mhinlieh dirnm, weil iliDi jedw Wissensprank ebenso fremd war, wie die
EuDit, über die Grtnstii mIm
EOnnen« oiiiBii t&aBchenden Nebelschleier
SQ wbreiUn. An firtnoser Vielg^hifliglteit haben 6t ihm mwMsh« in-
TOfgetban, an naebbaltig^r Wirkung ibn nor wenig« ftbertroffen. Er woCrte
Hiebt fon Tielam etwas, sondern er beberrscbte einen immerbin weften«
aber doeb
das Heisters.
M
noBebriebenen Kreis von Gegensttaden mit der Sieberbeit
Dieser Kreis nmspannte ein betrftobtlicbes Tbeilgebiet der
dassieeben Pbilologie nnd find in Segmenten, weiche anderen Bereieben,
namentHeb der Fbileeopbie nnd Pädagogik, angeboren, eine willkommene
Ergftttinng. Qenaner geeproeben, Mine pbilosopbieebe nnd pbilologisebe
Bildnng erginslen einander nicht änsserlich, sie standen vielmehr im Ter*
hiltnis innigster, frocbtbarster Weobselbeiiebsng. Die Philologen, welche
anf Dilettanten aller Art mit so bocbmQtbiger QeringschUinng berabia-
aeben pflegen, sind selbst gar bftnfig die allerscblimmsten Dilettanten
— nämlich jedeemal dann, wenn sie sieb mit einem Gegenstand befassen,
den sie gleichsam nnr von anfsen, von Seiten eeiner spracblicben HQlle,
nicht aber in seinem inneren Grund nnd Wesen xu erfassen nnd kq be-
artbeilen vermögen. Anders ein Mommsen oder ein Bonitz. Wenn ein
Kopf ersten Banges oder ein Geist von hoher philoso-
politisch geschalter
phischer Bildnng —
ansgestattet mit dem vollen RQstzeog philologischer
Technik nnd spezieller Sachkenntnis —
jener ein geschichtliches Denk-
mal, dieser das Werk eines Denkers erläutert, zergliedert oder wiederher-
stellt, dann hat man das frohe Gefhhl, anf einem Punkte all das ver*

sammelt zn finden, dessen es bedarf, um das betreffende Geisteserzeugnis


nach allen Seiten und in seinen gesammten Beztigen von der Wonel bis
SOm Wipfel zu dnrrhirhanen nnd 7n durchmustern
Ben Kern seines Wesens biltJete, von dem Unterfniud selbstloser Ge-
dieppnheit abgesehen, ein eigenartiger Verein von lauterstem Wabrheits-
sinn, kräftigem Willen nnd kln^er Bedächtigkeit. Diese seine Eicenart
kilt nnp anch aus der Betrachtung seines Stiles enterepen, der hier wie
immer der treue Spiepel des Mannes ist. Diejenigeu beuier Satze, welche
das nnverkennbiirste mdividnelle Gepräge tragen, die man kaum lesen
kann, ohne dalö man den Toutaii seiner Stimme zu hören und die ihn be-

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86

wabnanibiiieD gUM, uigBU ein« tigwflillBUcbe


glflitond« Ottberde
bindaogroD behotBamBterümsieht ond BindriDglicbsiirSebftifB.
Er will, was tr la sagen hat, mit ToUem Haebdrqck aoBspreebBii, sogteidi
ftber aoch niebt eio Haarbreit so fisl oder ta wealg aagea. Solehas Be-
mftbeo om feste ümbegeng de« Oedaobten fllbrt so geoaoer Abgieomf
benaebbarter Deakberelebe. Eine Folge tod ürlheilen erecbeiat bei na»
Bereoi Antor glekbaan als ein Nebeneioander, wclehea die aicheren Ob*
riflBe eiaer Landkarte aofweisi In einer Yorangebenden Xafwnmg ist
gewiBBermafoen scbon der Baum augespait Ar die nacbfolgende in sie
einschneidende Eineohrftakung. Bin Lob s. B. Übt bereits den ibn naeb-
and omgekebrt Tritt noch das Stnbea
geechicltten Tadel Yorempfinden
nach knapper Gedrungenheit binzo, so entstebt die Möglichkeit, das Flr
lind Wider einer Sache in den Bahmen eines einzicren scharf pointiertiB

8atse8 einzoschliersen. Ein derartiger fQr seinen Verfasser höchst charakte*


ristiseber Satz ist z. B. der folgende, welcher das Sjstem der Facblehrer
jenem der Classenlebrer gegenüberstellt (Zeitschr. f. d. öst. Oymn. 1859,
S. 863>; »Die gegenwärtige Einrichtung entzieht jedem Schfiler etwas
von der volleren Wirkung, welche die Einwirkung oinos einzigen Lehrers
möglicherweise haben kann, aber sie gibt auch nicht in bleichem
Mafse ganze Generationen der zufällig ungenügenden Einwirkung eine?
Lehrers für alle Seiten ihrer Schulbildung preis.« In der Polemik ver-
mied Ponitz vielleicht ebensosehr, weil ihm alle Herzensroheit fremd war,
als weil er die Wirkune seiner Worte mit klügstem Vorbedacht berech-
nete, jede irgend entbehrliche Härte oder Derbheit de- Ansdrurke?. S.-.

verstand er es ancb, nöthigenfalls das Stfukste in mafsvolier Form aos-


znsprechen, wie dies z. B. in dem kostbaren Sätzchen geschieht (Ztscbr.
1861, S. G7Ö): »Der Redner charakterisiert durch solche Äufsernng-en den
Grad seiner Einsicht lu die Sache, nicht den Gegenatuud belbst, deü zu
zeichnen er vermeinte

Wer Bonitz gekannt hat, znmal wer seiner Freundschaft gewürdigt


worden ist, wird sein Andenken stets als ein theneres Yerm&chtnis be-
wahren; auf die Nachwelt aber wird sein Name als der eiues der edelsten,
und geisteshellsten Alterthnmsforscber und Ju-
eifrigsten, eiosichtvollsten
gendbUdner onaerer Tage gehingen.

Wien, den 16*Mftrs 1889.


Tb» Qemperk

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Uvriuaua HouiU. 87

ANHANG.
I.

BeoQtzt wurden bei der Abfassoog dieser Skitzo in erster Reibe die
on BoDÜs selbst niedergeschriebenen Mittheilungen fiber sein Leben in
Heidemann's »Geschichte des grauen Klosters in Berlint (Berlin
1874). S. 313—318. Dieselben sind jedesmal dort gemeint, wo eine Stelle
mit Anf0hrQn£r97eichen erscheint, ohne dafs eine bestimmte Quelle ntD*
haft gemacht wird. Ferner Tornehmlicb:

Karl Sehen kl, Bede bei der Trenerfeier llkr Hemann Booiii im %1. Octo-
ber 1888 im Feetoaele der ünirersitU Wien gehalten (Wien 1888).
Ludwig Bellermann, Zar Erinnerong an Hermann Boniti, Vortrag
gehalten in der Berliner Oymnaeiallehrer-Geaellsehalt am 21* No-
vember 1888 (Berlin 1880).
Wilhelm Ton Härtel, Beniti nnd sein Wirken in öeterreieh, Vertrag
gehalten in der Bitaiing der »Mittelschule« vom 16. Deiember 1888
(Lins 1889).
Friedrieh Panlaen, Gesobichte dw gelehrten Unterrichte anf den
deotechen Sehnlea nnd Unirersiiiten (Leipiig 1885).
Bob. Chr. Riedl, Über die Vorbildong tnm Lehramt an den Hittel-
Khnlen (Programm des therosianischen Oymnasinms, Wien 1886).

n.
Eine ungedruokte Jugendsohrift.
In seinen LebeoBnachrichten erw&hnt Benitz einer von ihm n Leipeig
»im letzten Semestert seines »dortigen Stodinms abgegebenen nnd von
der Facnltftt gekrönten philosophischen Preisschrift«, auf Grund deren
ihm im Jahre 1838 der Doctorgrad verliehen wnrde. Mein Wunsch, diese
Dank der freondücben Vermittlung
Erstlingsarbeit kennen zu lernen, bat
des Dr. Karl Boresch in Leipzig nnd der nicht genug- zu rühmenden
Liberalitclt der dortigen philosophischen FacuUät, insbesondere des Vor-
standes des üiiiversitatsarcluvs Geh. llofraths ZarncVe, soino unges&amte
Verwirklichung gefunden. Es wurden mir zwei Mauuscripte zugesandt
mit dem Bemerken, eine«; von beiden müsse das crepuchte Opus sein. In
der That unterliegt es nicht dem iiiiiidesleu Zweifel, dafs die Preisschrift
mit dem Motto aus Scotns Erik'en;i: »Nihil aliud est vera auctoritas, nisi
rationis virtute cooperta verila?,« präsentiert den 2. April 1836, das Werk
Bonitzene ist. Schon das Datum der anderen Ende Juli abgegebenen und
den 3. August 1885 präsentierten Preisarbeit uiit dem .Motto; »Facilis

desceDSOs Averni« etc. spricht, da Bumtz zu Ostern 1836 nach Berlin

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88 UerioaiiQ Booiu.

abgei,'aiigeu ibt, in entscheklen Jet Weis^e ^-etren ^eme Ant(•r^ehaft, nicht


Diiiidfr viellßicht der Solöcisujub »iuuabcat« für lunascitu; , der iin.K eleicb

in den ersten Zeilen begegnet; desgleicbeo die vollständige Abwe^eD^eit


jedes auf unseren Autor bioweisenden positiven Indiciums. Das gerade

üegentheil gilt von der erstgenannten Arbeii.


Dieselbe, ein 147 Seiten starkes, in Quartformat gescbnebeueü H«t\
bebandelt die gestellte Preisanfgabe:
»Utrum idea absoluti sammom et nnicom pbiloflOphiM priDcipin
MM |MiHit»t in «iiMr WdM, di« m» dringand wfiBMhM Ufst, die Hbt«^
bliebenen dM Terewigton mögen diM«Ib» in Dniek legen Immh «Ii ü
dfiiikwflrdigM Zeugnis von der •nteuiilich frfthsn Geisteoreife, Mbsliadig-
keit Qsd gediegenen philoMphiBebeo Bildaiig dM damals iwasiigjihrigN
Btndfliiteii. Ich lasM lonlohat die Inbaltnogabe folgen:

ARGUMENTUM.
FEOOEMIÜM.
Qnaeetio de Absolnti idea, nt principio philosophiae proponiiur [
1-5.
Qaoraodo perventum sit ad ideam Absolutio bistorice expücatar p. 6-1^:
eins notae neceseariae recenaentur p. 19—26 et secuodum eaa omoia dis^*
tatio dividitor p. 27.

PARS!. Argumentatio p. 27-85


1. Theoreticam et practicam philoaophiam oon posse idem priDcipian
babere p. 27—42.
a) Quod theoreticae phil' sophiae principiom Bit, non poeae simol
practicae esse uec vice versa p. 28 — 82.
b) Non dari nltiuB principiom, ox qao utraqoe pbiloaopbiaa ptn
simul pendelt; quud
a) allatis duobus exemplis p. 33 -40.
ß) in tmiversum probatur p. 40 — 42.
2. (^uae debeat principii idealit? natura esse p. 43 68,
lodagator hunc in finem natura rationiä ^des Grundes). Coostat autao
omnis latio

ant ex plaribna notionibns, consequenUam certe uoa,


termino medio, superans (p. 40—58)
at ei BotioDe^ qaae qoia et data eet et eibi
repognat ad qaaerendM aliu propellat (p. 68—65).
Eiemplam ootionie datae eibi repogmuitie p. 69—64.
Omoie igitar ratio ideoqoe omae priaeipiam ideale compositvmMt
p. 65—67.
Tora prioeipü natura Mlommodo in poateiiore rationie geneie MrettVi
nt in qno eognitio angeatar p. 68.
Hermann BoniU. 89

8« Non po88e id^in et ideale et reale prineipium esse.


a) Ees univen^p probatiir p. 69—73.
b) Sdiellingii argumenUtio refutatur p. 73—83.

Confleitor ex bis inhm, ideam Absolati sommom et onicum philo-


sopbiae phocipium esse ooa posse p. 88— 85.

P ARS II. Exemplorum, quse ad defendendum Abeolutum tamquam uniouin


prinoiptam •ffbrrl postiiit, rtfMiMo. '

1. Quod attinet ad philosopbiam vel practicam vel theoreticam per


ipsarum mixtiouem corruptam p 87. Considerantur Plato p. 87—91.
Spinoza p. 92—97. Fichtius p. 97 — 99.
2. Quod attinet ad rb Abäolutum tamquam unum principiom reale,
ex quo plura eutia seqnantnr p. 99 132. Considerantar exempla —
Platonis (p. 100-102), Spioozae (p. 102-121), Scbeliiogü (p. 121
— 124), ex quibus appuret:
a) non posse ex uno enti plura deri?ari,
b) inter baue ipsam deductionem priocipium, quod posUum erat,

immutaii p. 129 13::.

8. Quod attinet ad zo Absolutum tamquaui principium ideale p. 132


"142. Cur hoc in loco non exempla a&erantur, aed res univerao
eonaideretor.
•) AbsolotQUi n Dotio vera sit, ot pro principio qnodammodo habaft-
tor, eompoaita asss debet, p. 133—186.
b) Abaoloiam ai notio libi repugnana et data ait, prinoipiaa aal,
aad alltar adbibandnia, quam III in ^jatamatia Abealoli p. 186
»149.
Hagalina notioiiaa aibi rapngnantaa aarrana logieam •?arlll
p. 189—142.

GONGLUSIO.
ünus ex Omnibus Abeolutum tamquam principinm constanter leuuit
ParmenideB p. 143—147.

Zur Ergänzung dieser kahlen Inhaltsangabe dürfte es sich empfehlen,


eine Reihe von Notizen, die ich mir während der Lecttlre gemacht, hier-
her zu setzen. Sogleich S. 1 finden wir den Verfasser in einer Weise,
wie es diircli die Anfs:abe panz nnd frar nicht erfordert war. in die grie-
chische Philosophie vertieft, »qualis inde a Socratis tempore foit.«

S. 4 wird die Nothwendigkeit emsitrer und nnermOdlicber Detaiiforschung


betont. 8. .5 werden bescheidene Zweifel an der eigenen Leistunpsfihi^'-
keil geäufsert, »ut jam constitnerim a re desistere.« S. 10 ff. wird der Weg
historisch-genetisciier Betrachtong eingeschlagen. Nicht nor Fichte
sei w Kant pr&formiert, aocb Schölling (p. 14) verändere nicht sowohl

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90 Hw— IUI BoDits.

die Lehre Picbief, als er ihr in Folge seiner Riehtang auf NsturlonehMf
und durch Spinoza beeinflofst, etwa» binzufOge. 8. 19 wird fiimmrn
fassend gezeigt,»quomodo a Kantii eentoniia ad philosophiam Absoloti
continuo quodam progrossn perventam Bit.« Zneleich wird eeeen die
Philosophie des Absoluten ein stark sarkastischer Tod angeschlagen i::

dem Satze: »Quippe glonari nr»n posstimus nobis contigisse Absoloti ia-

tuitionem; arcebimurque hivn ex philosophnrum circulo oeque de mjrst^riis


judicare nobis concedetiir ,
qmhiis non simus initiati.t S. 23 wird die
Identität des platouischen Gottes mit der Idee des Guten behaujttet. Auf
Karl Friedrieb Hermann *s abweichende Ansicht kann der Verfa&der hier

nicht eingehen; er spart diese Polemik, so dürfen wir bemerken, aaf die er«tt
der «bitputationes Platonicae duaei auf, die zwei Jahre später erschiene!)
bind. Doch wird schon hier ein Argument vorweg genommen. »Hoc unoiE
Hermannum omnibus fere
liceat certe contendere, locis allatis eo abutL,
quod non simul eorum neiuoi respicit.« Vgl. Disp. Plat. p. 6:
»Est antem haec quaeetio eiosmodi, ut neque ex propoaito reipablicaa
loco . . . dififlohi qneat, neque allato «lio qnodam singulari Imo . • . sid
vaAe» 9X onivorBi sjstematU n«xn reeto d« r» dyndimri pMät
Eine oicht mioder schligeiid« ÜbeninetiiDiDung beaftdit twiacliMi:
P. 94 dtr FnSmMh und Ditp. Fiat, doia p. 98.
Dwm mim vel deos gODue hiiiiia^ Sicot enim omnlno apod ganiM
nun dio eolnit, anteqonm philoso* ae popnloB religio daommqna caltai
pliari qnidam ineiperent; dei et no- molto est pbiloMphiae atodla aatf>
Dtn r0for«itor et notionera qnandaai quior, ita etiam singuli quiqoe iMh
habent in animo infiiam non minus mines diu ante dei vel deornm ne>
üt qoi a phUosophia pronna alieni tienem, licet satis obscnram et
annt,quam qni in ea qnom naiime sam, conceptam habent» aiiteiiaaB
Tenaatnr. pbüoeopbari in ci plant

Anläfslicb der Unterscheidung zwischen theoretischer nnd praktiscbir


Philosophie wird das Bild des yoranssetzongslosen, ganz und gar objectiTen
Forschers in einer für Bonitz sehr charakteristischen Weise gezeichnet
(p.29) »Sine opinionis praejudicatae amore ac sine vpritatis invcniendae
:

timore id quaerit, qimrl ost, boni scriptoris instar, qui res gestas ncii uti
eas fuisse optaverit, ^ed uti fuernnt, sine ira ac studio repraesentat, vel
magis ctiam iiibtar mathematici,« eto, P. 46 werden Stellen aus Plak^s
Mono und Eutiiydem besprochen, gleichwie p. 52 Sophistes und Politicos,
p. 64 Philebus, 89 aufser den schon genannten Dialogen auch Phaedo an-
p.

geffibrt und erwähnt wird. Ein scharfes Tadelswort wird p. 46, Anm. 2 gegec
Anstuteles laut, indem es von seinen Kunstausdrücken duvafice, ivdpysta
und ivreke^eia beif&t: »Sed haec aihil nisi vocabula sunt, rem non ex-
plicaut.« P. 61 und 62 ist von den Denkschwierigkeiten die Rede, welche
für Plate in Folge der mangelliaften Aosbilduug der Logik vorhäudeB
waren und die man nicht mit den modernsten Philosophen fertoschen
dürfe. Daä platonische System wird p. 89 einer einschneidenden Kritik

d by Googl
HermtiiD fiooiu. 91

unterzogen: die Ethik liabe hei ihm diR PhvsiV pescbädigt, zum Theil
habe aucii das ümp-ekelirte stattgefunden. Hegels und Schleiermarhers
Lob der Dialektik im Parmenidos wird aurückgewiesen p. 102. Nebenbei
wird gegen Herbaris Deutung einer StoUe jenes Dialoge [Werke XII, 69
— 70] Einspraclie erhoben.
Spino/a ^'i]t ihm als der trewalticste Vertreter der eregneriRchen These,
uud seinem System ^ir i daher eine besonders umfassende und eindring-
liche Bestreitung gew: Imet p. 92 - 97 niul 102 — 122 Von äufserster
Schärfe ist die Bekämpfung Scbellings und Hegels p. 76, p. 82 — 83,
p. 140 sqq. Der mathematisch Gebildete verräth sich p. 125. Herbart
uod Hartenstein nennt der Verfasser p. 143 seine Meister, denen er nach*
zaeifern bestrebt sei.

Die ganze Srlirift ist vom Sonnenlicht Tollster Geistesklarheit durch-


lluthet. ISl wiindeiuswerl i^t das, was ich den Terassenbau der Argumente
nennpi) möchte, der ini^, wenn wir schon am Ziel zu sein glauben, auf
immer neue, unerwartete Höhen führt und miL erstaunlichem üeschick
die wirksamsten Beweisgründe jedesmal auf das Ende des betreffenden
Abschnitts, beziebongsweise auf den ScblulÜs der Abbandlang aufzusparen
mtebi Beioher als in sp&tefvn Sehriften desselben Verfasaers ist die Ad-
w^ndong TOD Wüdwn nad Olaiehnisaen, welebe jadoch dorebaas aaehgiollb
und abaoso rein ala kräftig dorchgefOhrl elnd. 6o p. 7, 119, 180. Der
magiatrale Ton der Daratellnng wArde nleniala an einen jugendlichen Var-
fiwaer denken laaae»> Den blutjongen Anfänger ferrathen einzig und allein
ein paar Aeeenifehler (eo daa regelmftfsig wiederkehrende *oüfUe\ welche
dieeer Bntlingeaehrifl dea berforragenden Helleniaten ehien erfriaebenden
Beigeeehnaek Ton Jugendlichkeit verleiben. Bonittene Handeebrift glanhe
ieh fihrigena nor im Motto anf dem Titelblatt in erkennen. Weitere Naob*
foraebnngen werden wohl auch noch daa TTrtheil der Faenltll Ober die
PreiBBcbrift SU fördern.

III.

Wir entsjireolieTi dem Wunsche der Redaction, indem wir ein inf>prlichst

Tollständiges Ver/eirlitiis der uns 2 np?iTi glichen Publicntionpn iles Verstor-


benen hier folpen lassen. Die wichtigsten derselben hat Bonitz selbst
in seinen Lebensnachrichteii S. .314 -315 aufgezählt. Von den in der
»Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien« erschienenen Arbeiten
hat V. Härtel, S. 36 ff. bereits eine grof^e Anzahl namhaft gemacht. Wir
ordnen die Oesammtmasse nrich Materien und innerhalb derselben nach
der Zeitioige der Schriften. Es beziehen sich auf

I. Plato:
Diapotationes Platonicae duae (Dresden 1837, Progr. des Bloch-
mann* Vitzthum sehen Gymnasiums).
92 Bemaoa Boniii.

Zn Plafton's Gorgiai^ 485* (Z. = ZeifMbrift fftr die atlenmcfciacbm 6j»


nanen 1867, S. 403 - 404).
PUtonisehe Siodien (2 Heft« 1B5B and 1860, Sitxoogsberichte 4m
kais. Akademie der WisseDscbafleo io Wieo, Phil.-hi?t^' Hasie,
Bd. 27 und 33 2. AdA. Berlin 1876, 3. Aufl. Berlin 1866 [daImb
auf das Doppelte des DrsprOnglicheD Umfufi aogvwacliMB]).
Zu Lysis (Z. 1869, S. 2^5-287).
Zu Phadon 64 c (Z. irc5. S 465 467).
Zu Rep I. 340 (Z 1865, S. 647—648).
Zu Charm. 170-- (Z. 1866, S. 105 107).
'

Zu Platon'8 Pbädon 62" (Hermes II. IH67, 8.307—312).


Zu Platon's Protagoras (Hermes III, 1869, S. 447-44^).
Die im Phädun enthaltenen Beweise für die Unsterblichkeit der mensch-
lichen Seele (Hermes V, 1871, S. 413 429 = P1. St», S. 293 — 312).
Zu Platon'8 Laches (Hermes V, 1871, S. 429-442 PI. St., S. 2lo 22Si. = —
Zur Erklärung des Dialogs Phädros (Festschrift zur dritten Säcclarfeier
des Berlinibcheu Gymnasiums zum grauen Kloster, Beriiu 1874,
S. 3— 20 = PI. St, S. 270-292).
Becensionen ?oii:

K»hlert, Über die pUtonieehen Bowite der ünEterbUchkeitsWire (Z.


im^ 8. 880-S83).
Sanppe, Aufgabe des Protagoras (Z. 1868| 8. 887—846).
Zelle r, ÜbereettoDg von Plaio's Gartnabl (Z. 1868, & 846-848).
Steger, Platoiiia de bettitodiiie bnmtiMt deetrii» (Z. 1859, 8.886-3»).
Kraeka, Horas Platonieae (Z. 1859, 8. 888-889).
Denseble, Aosgabe desGorgiaa (Z. 1859,8. 786 -808; Z. 1860, Bsilagt
ania % Heft, 8. 10-18; Z. 1867, & 665). 8. aoeb AbUwilong IS.

2. ARISTOTELES.
Obeervatioiies criticae m Aristotelis libros metapby sicr.g
(Berlin 1842, der erste Abscboitt im Progr. d. Gjmn. sum grsBes
Kloster).
Observationes criticae in AriBtotelis quae feruntur Maena
Moralia et Etbica Bodemia (Berlin 1844, Progr. dee SteUioer
Gymnasium).
Aiexandri Apbrod isiensis commentarius in libros metapbj-
81 cos AristoteliB, recensuit H. B. (Berlin 1847).
Aristoteliß Metapbysica, recognovii et enarravit H. B. (2 voll. Boos
1848-1849).
Ober die Kaiegorien des Aristoteles (Wiener SittungsbericbU
Bd. 10, 1858).
Aristotelische Studien (5 Hefte 1862, 1868, 1866, 1867, Wiener
Sitzuiigsber. Bd. 39, 41, 42, 62, 66).

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Hwnuuiii Booits. 93

Zu Aristoteles' Poetik (Z. 1667, S. 74-76).


Über den Gebraoch von re ydp bei Aristoteles (Z. 1867, S. 672— 682).
Index Aristotelicns (1870, vol. V. der BerÜDer Akademieaosgabe).
Zu Aristot. Pol. II. 3. 1262» 7 (Hermes Vli, 1878, S. 102-108).
Zu ArUtotAlM* Schrift aber di« Me (Uermes VII, I87d, S. 416-486).
w

BMtnaioD«» ton:
Domanofiki, AnthroiMtlogit des Aristoleles (Z. 1866, 8.282).
Bi6lil, Aristotolis de bMlitodine hmnanA dootriiM (Z. 1869* 8. S26—828)«
BerDijs, Dm Dialoge des Arietotelee (Z. 1864« 8.218—221).
R ose, Arletoteles {»seodepigiaphuB (Z. 1864, 8.222—228).
Mikleaieb, Verba impersooalia im Slavischen (Z. 1866, S. 744 — 749
[zam gröfsten Theil auf aristotelischen SpracbgelHraoeh bezflglieh]).
Heiti, Die verlorenen Schriften des Aristoteles (Z. 1866, 8.771—777).
Spengel, Aristotelische Studien (Z. 1866, S. 777—804).
Bocken, De Aristotelis dicendi ratioae (Z. 1866, S. 804—812).
Karsten, IiixnXixtou eig vä '^Mmrc^ovc ngpi oupa»ou hm^^mffM (Z.
1867, S, 631-641).
Beraays, Obersetzung der ersten drei Bflcher von Aristoteles' Politik
(Ztschr. t das tijfDaasialw. 1872, 8. 891 — 696). 8. auch Abthsi-
luog 13.

3. PLATO und ARISTOTELES:


BseeostOQ ron:
Kahlert, Parallele twtedien der platoaieelien und sriatotolisehea Slaale*
idea (Z. 1868, 8. 688 oad 1866, 8. 772-776).
Spieilegiom eriticoin, p. 28—27 Wiener
(Fesisehrift sor Begrflssaog dsr
PbUologeofersammloag Tom Jahre 1868, ver&ast von Boniti, Hoff>
mann und Linker).

4. Dar QatoMoM» dar grieoMadi-rttmliolwn PMIOidpliio


gehören anaaerdem an
Recensiunen von:
Klee mann, Cicero's Leistangeo in der Phiioaophie u. s. w. (Z. 1862,
77—78).
5.

Lasaulx, De» Sckrates Leben, Lehren und Tod (Z. 1858, S. 848-852).

Bernajrs, Die Ueraklitischen Briefe (.Ztschr. fOr das G^mnasmiw. 1872,


S. 891-897).

5. HOMER:
Über den Orsprong der homerischen Gedichte (Vortrag, gehalten
im St&ndehause zu Wien am 8. M6rs 1860, 6. Anfl. beeorgt von
S. Menbauer 1881).

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94 Rtmaan Boniu
I

Becennoiieo fon:
Wildauer, Plan und Einheit der Ilias (Z. 1850, S. 715-716).
Mrniak, Quaestiones Homericae (Z. 1853, S. «83—684). >

Steyskal, Einfluss der bumeriscben Poesie auf die gesammte Coltor

Griechenlands (Z. 1854, 8. 580—582).


Fnntschert, Die Ilias und ihre Bedeutuiij? (Z. 1854, S.

Frieb, Das Fuhrwerk bei Uomer ^Z. 770—771).


S.

Faesi ä Au&gabe der Ilias (Z. 1865, S. 201—202).

6. SOPHOKLES (und die übrigen Trtgiker):

Beiträge zur Erkläruug des Sophokles <18&6— 1857, zwei Hfifti,

Wiener Sitzungsber. Bd. 17 and 23).


Recensionen von:
Heilerstor fo r, Zusaoimenstellnng der beiden Erzählungen von dem Tod«

der Polyxena bei Knnpide^ nnd Seneca (Z. 1861, 8. 834—885).


Bieder, Über den Bophokleiachen Phüoktet (Z. 1853, S. 684-687).
Zöhrer, Vergleichende Zusammenstellung der Elektra des Sopliokles m I

der des Euripides (Z. 1853, S. 687-688).


Scheu kl, KritiscLe iiud erkiarcude Aumerkungeo zu den Tracbiuierineit

dm Supiiokles {Z. 1854, S. 582).


Uamerliug, Über die Grundideen der gnechiscben Tragödie (Z. 1S55,

S. 771—772).
SchDeidewio*8 Ausgabe des Sophokles (Z. 1856, S. 688— 662; 18S7,

S. 198—205).
Lft Boehe, Über di« Gronaidee des Pbiloktetea toh Sophokles (Z. 185Y,

8. 2T8— 879).
Wiener, Die Bedeetnog des Chors in der Anttgone des Sophokl« (Z-

186T, 8. 879-880).
Lepsif, Die »Sieben gegen Theben« ton Aeschylos, TerKHchen mit

»PhOoissen« des Eoripidee (Z. 1867, 8. 880).


Wiogors, Über Tendensen nnd Motife der tregtscben Charsktsrtrtik Ist

Sophohlss nnd Bnripides o. s. w. {%, 1867, 8. 280— 888K


Wolff's Ansgabs dss sophoUsisohen Aiss (Z. 1860, S. 88- 48)*

7. THUKYDIDES nnil DEMOSTHENES:


Beiträge zur KrkläroDg des Tbucydides (1854, Wiener SitzoDg^
berichte, Bd. r2j.
Kecen sinnen von:
Westeruiauu s Ausgabe des Demostbenee (Z. 1855, S. 805—824; Ifltli

8. 459-474).
Behdantz' Aoagabe dee Deoioeihenes (Z, 1861, 8. 466—469).
Vömel, DemooHienis eentiones (Z. 1861, 8.469-474).
Oonperz, Demoeibenes sls Staatsmann (Z. 1864, 8. 878 -878).

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HernanD Booite

8. Sonttii« grieohitolw iiimI rdmitolitt SohrifteMar:


BMemionni fon:
T«iibBor*i BiUioilieca flcriptorom gnecorom et latiiionim (Z. 1860«
8. 719-782).
Ho€b«gg«r, De orationnm in feterom liistoriiB orlgioe et ?i (Z. 1864»
S. 688-688).
fin gel mann, Bibllotheea eeriptonim elaeeieorom (Z. 1869, S. 174—176).
C, A. J. Hoffmann, Sopplementam lecUonie graecae (Z. 1866» & 719
— 730).
Zq Heratioa Od. IV. 4, 18-16 (Z. 1860, 8. 484-486).

9. OrieoMiolio LHtirahirgeaohiolita.

Becensioneii von:
Doslal, Karzgefafste Zusammenstellang der Litteratur der Qridcheu (Z.
1854, S. 580).
Nicolai, Oeeeliichte der griechieeben Litteraiar (Z. 1867, 8. 68—62).

10. Lateinieohe und grieohiaohe Spraohe:


Becensionen von:
Sebreyer, Wie der Grieche and der DeuUcbe den AblaÜT decken
(Z. 1853, S. r>83— 584).
Job. Meister, Bemerkungen zu GarÜQS* Grammatik u. s. w. (Z. 1865,
S.769-770).
UidaRv, De stilo bene latino (Z. 1858, S. 9S —96; iro Anschlass daran
die Humoreske: »Das Latein als amtliche Geschäftsspracbe« Z. 1668,
S. 168 und der poiemiache Nachtrag 1859, S. 254-260).

II. SohulbiiolMriHttnrtiir:

Beoenatonan ynmz
L. Brieker, Lebrbneb dar Geometrie (Z. 1860, 8. 97—108).
L. Briaker, Lebrboeb der Algebm (Z. 1860, 8. 108—118).
K. Ziegler, Blementarbflcblein der griecbiaeben Spracba (Z. 1861,
8. 212-314).
Beat and WOste mann, Anleitung som Überaetaen aoa dam Deotacben in
daa Griechische (Z. 1861, S. 215).
Me tager und Sebmid, Qriecbiacba Cbreatomatbie (Z. 1861, 8. 808
—804).
Scbnitaer, Chrestomathie aoa Xenepbon (Z. iBr.i, S. R05 -807).
Sannesi, Compendio di grammatica greca (Z. 1857, S 369 -376).
Leute, Lehrgang der griechischen Syntax (Z. 1857, S. 452— 458).
Bemerk Dneen zu Wilbelm's Abhandlung Ober die Lehrbücher der
lateiuiecben Grammatik (Z. 1861, 8. 165—166, 848).

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96

12. Didaktiteh-PidagogitchM i).


Du Verhältnis zwischen deu Gymnasien und deo E«al&chu!ea nach dem
preussischeo aod dem österreicJuidien OrgaBisatioBMoiwürf (Z. 1850,
8. 1 - 23).

Ürtbeiie Olr>€r den »Entwarf der Organisation der Qjmnasien und K*ä1-
schukn in Österreich« (Z. 1850, 6. 47 — 80, 130- 160, 231 — ^40,
625- 639, 702 — 714, 871-882).
Über den Unterricht im Altdeutecben (L. 1850, S. 228—231).
Üb«r Schulgeld (Z. 1850, S. 392-397).
Beeension ton Oabrial, Über dta Zwack and dia Mittal dar Gjmnaaaal-
bildnng (Z. 1850, 8. 569—560).
Übar die Binriehtong der Frogravima (Z. 1860, 8. 808--564).
Baeenriaa von T. A. Matasaebab, Wann wird daa Stadivai dar Matha-
matik aafbOna, vialaD gabiaaig «i 1860, 8. 089— 04f)i aatalF (Z.

BaeaarioD ?ob Hfltsal, PIdagagiaeba Skixxav (Z. 1851, 8. 84—96).


» • AHoy I Soi gintUMi in Aaitria a. a. w. (Z. 1851, 8. 159- lOi,
285-948).
BaeanatoD dea L'Bdoaaiora Jahrgang 1850 (Z. 1851, 8. 248- 258, 505
-512, 678-681). .

Uatarriditaapracba ao daa galiitadien Oyianaaini (Z. 1861, 8. 172—176^


359-267).
ITatarricbtasprache am Oynaoasiom in Triest (Z. 1851, S. 772 778). —
Aamarkong zu F. v. KOnigsbarg's Abbandlong Ober dia Anordanag

des matbamatisabaii and physikaliacban Untarricbta (Z. 1851, 8. 817


—880).
AnmerIcQDg zn Graomann^s Abhandlung fiber die Canadar der biw>
liehen Schölerarbfiten (Z. 1851, S. 772-778).
Anmerkong zu Böckl's Abbandlung«^über die Vertheilong des LebrrteÜM
der Mathematik im Obergyrona?ii!m (Z 1851 S. 857-860)
Becensioü von G. W. Hopf, Über Methode der deatschen Stilöbaagaa
(7 1851, S R74 -875).
PrflfuDgen der Privatscbüler an Gymnasien in Lombardo-Venetien (Z. J853,
S. 84 — 85).
Bemerkungen über i berföllnng der Schulen (Z. 1852, S. 178 -180).
» zQ Silbavy's Aufsatz über die statititischen Verhältnisae
der Gymnasien in Böhmen (Z. 1862, S. 417-419).
Eecennion von Necasek, Über das Stodiom der griechischen Sprache an
den k. k. üalerreichischen Gymnaüieu (L. 16ö2, Ö. 652-654).

I) Von den anonymen AufsiUzen der Z. f. d. ö. G. wurden htif diejenigf»


bei der Aufzählung bt ruck^ichtigt , deren Autorschaft ausser Zweifel steht.
Ebenso wurden die Prdt^rainmanEeigen wesentlich referirender Natar nnd die

auf iSchulnachricbieu« bezdglicbea nicht namhaft gemacht.

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Bflfmian Bunks. 97

R«€tDiioD TOD Pöschl, AotetoBg^n beiraflfend 4m B«luindliiiig äm gri«>


thmbm AeMDtis n. t. w. (Z. 1862, 8, 664— m).
Boewirioii Ton Gap«UmaBii, Soll die Lecttkre des Eomn mit d«r OdjtM»
odw mil der Iliid« beginiiiii? (Z. 1868, 8. 666—669).
B oemrion toh Pollieh, Über prop&deatiaeh-pliiloaopbiBchM Oyonasial-
688—686).
QBtorricht (Z. 1869, 8.
Beeension von Franeflschi« 8oU' edaeaiioiM n. s. w. (Z. 186% 8.686
—689).
Baceiiaioii foa Yonier, Üb«r Zweck du pbUolegiaclien BtodinoiB o. s. w.
(Z. 1868, 8. 749— m).
GelegeBÜiehe BemerkBBgeB ttter des UnteTriehi ib der griecliiBcheB
FormeBlehie, mit BOoksiobt «of OartlQs^eehe Grarnnrntlk
die
(Z. 1868, 8. 768-779 (fOB 0. Cartloa ia dea Aabaag eeladk' »Br^
IftoteniBgeBc a. a. w. herllbergeaommea]).
BaeeDeioB toa Banmer, Der Uaterriebt im Deateebea (Z. 1868, 8. 808
—888; 1867, 8. 686—687).
Afimerkaag ta der Abbaadloag Heaiera Ober daa 8tBdinn r6mieeber
aad griecbieeber Claaelker bb oaeerea Oyrnaaeiea (Z. 1868^ 8. 168
—164).
Anmerkaag so der Abbandlong BiepTs Ober Qoserea gegeawirtigeB
QjmaaeialaBterricbt (Z. 1868, 8. 687—648, 707—718).

BeetBeioa yob J. C. Araetb, Über QjmaaeiatetBdieB ia Öetorreidi (Z. 1868,


a 691-696).
BemerkaageB tn dem Joeniabirtlkel »Die Uaiferaltfttefrage ia österreichc
a. e. w. (Z. 1868, 8. 748-768).
Beeeaaion fea Zaeber, PIdagegieehe Aaaiebtea Aber die WieaeDeebaft
der ebrietiiehen Bniebaag (Z. 1868, 8. 769).
Aaieige von SxUvik, Pereonaletaad dea k« k. Miaieteriama fflr Caltae
BBd Unterricht (Z. 1864, 8. 606—610).
Die kaieerliebe Saactioa der gegeawirtigeB Gymaaeialeiarichtongen (Z.
1866, 8.98- 97, 681—681, 941—946, Beilage sam 8. Heft 1866).
Aanerkaag ib L. Jaet'a Bemerkaagea Aber daa jctaige voa Biaaebea
8eiten BBgefoebteae 8tndiom dea Lateine (Z. 1866, 8. 800-808).

Über die Inderoag dee GymBaaiallebrplaaa fftr daa Lateiaiicbe aad die
887—869, 611-617«
pbileaopbiacbo PrepAdealik a. a. w. (Z. 1866, 8.
686-681).
BeeeBBioii vob 8BbadJa, 8ebale aad LebeB (Z. 1866, 8. 691—698).
> » Drageai, Über daa Verbtttaia des Haaeee aar 8ebale
(Z. 1866, 8. 698)b
BaeenaioB' feii Oreeebaer, Bia Wort Aber die GjraiBaeialbUdaBg« wie
sie Jetat aageatrebt wird (Z. 1866, 8. 698--698).
Aamerkaag aa F. ?. HdBigaberg*a Abbaadlaag Aber die SemeetimK
leagBiaee <Z. 1866, 8.706- 718).
HAMlofi. IM. 7

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98 Hmatia Boote.

BaeeiiBloti der anonymen Abbandlong »Bin Baitng tur OjmnamalpidagQgikff


(Z. 1886, 8. t68— 164).
fiacension von Vogt, Einige Bemerknngen betreffiMd dan FadiplM
764—785).
(Z. 1855, 8.
Beeenaion von Tacban, Über die Unaeben des YerfiUles dee Stodivi
der lateiniseben 8]nrache (Z. 1856, 8. 766— 768).
Die Verordnung des 1r. MUiisteriome Cdtns nnd Unlerriebt vom io.8i^
Ittr

tember 1855 (Z. 1855, S. 777-797).


'

Über Programme and ihre Facnltativität (Z. 1857, S. 337).


Recension Ton Saoppe, Weimar'sche Scbalreden (Z. 1857, S. 339 - 340).
Änieige vou Mataaschek, Normalien und Nachschlagebooh flkr Lobitr
417—420, 463; 1864, S. 635-636).
(Z. 1857, S.

Anhang an JUoiCs Abbandlong Ober die Voi^chläge tut AbünderuR? i

des gregenwftrtig gesetilicben GjmnaaiaUehrpUna (Z. 1857, & Bit,


S. 8GG).

Bemerkungen der Redaction zn «^en vom h. rnterrirhtfminiFtprinm ver-

öffentlichteD Vorschlägen zur Änderaog des GjmnasinUebrplans


1858, S. 97-120).
Recension von Langbein u. Mager, Pädagogisches Archi? (Z. 1869»
S. 2r,2 -263).
Beceosion von Langbein, Magers Leben aus seinen Schriften (Z. 1859,

S. 263—264).
Besprechung der Verhandlungen der 18. Vereammlnng deotscher Philo-

logen und Scholmänner in Wien (Z. 1859, S. 588—589; 1865, S.

55—56).
Der Unterricht im Griechischen an den französischen Lehranstalteo (Z.

1859, S. 672-074).
Recension von Schmid's Encykluiadie des gesaromten Erziehangs-
Unterrichtswesens (Z. 1859, S. 672-074).
Zusatz so dem Au&atze Lindner*s über Erziehnng und ünterrieht tif
den Gymnasien (Z. 1859, S. 858-870).
Bemericnngen an Bessere Abbandlong ans der Schule (Z. 1860, 8. 310

-836).
Die Interpretation der griecbiscben nnd römischen Classiker an Dnsfrm
Gymnasien (Z. 1860, 8. 607—686).
Anzeige Ton yani6ek*s Scbematismns der Ooterr. Gymnasien d. b. v.

(Z. 1860, 8. 746 -748).


Der Co pr' sehe Antrag anf Bemion des dermaligen UnterrichtsnaMm
nnierer Mittelschulen (Z. 1861, 8. 669^707).
Recension von Arnoldt, F. A. Wolf in seinem YerhSltnis snm Scbil-
wesen (Z. 1862, 8. 88—84, 877-878).
Recension ?on Nftgelsbach, Oymnasialpftdagogilc (L 1868, 8. 9S9

-636).

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HmuHui Boolts. 99

Bemtrkoiigmi gegtn Hi Hardt*! itlgnHignphiieh« Lebrmtiliode btim


gMmetriMhM AniehuiinigBaiiterrichft (Z. 186S» 8. S79—886).
Bec«isio& von H orkers Beden und Abhendloegeü (Z* 186$, 8. 485
-486).
Die Rrhßhnng des Seholgeldes an den Gjmiisaiea (Z. 1868, S. 870
-677).
Brklftniiig gegen den Abgeordneten Dr. Fhuit Copr (Z. 1868, 8. 829
-880).
Brricbtong tod zwei Wieoer Oynnaeien durch die Wiener Gonunnne (Z.
1864, S. 214-215).
Über Yertrieb ond Verbreitung der Qymnaeialprogrannie (Z. 1864| 8. 216
-218; 1865, S. 387).
Ober den Plan zar Einrichtung Öffentlicher MitteUcbnlen in Berlin (Ztsch.
f. d. Gymnasial w. 1809, 8. 497—548).
Anmerkong zu Schfltz, Über die Compensation der Leistimfr^n in der
AbiturientenprQfong an Gymnasien (Zeitsehr. f. d. Q. 1869, S. 901
— 904).
Anuerknng' zu Schütz' Vorschlag zu einer tbeilweteeo fieform der Gym-
nasien f7. f. (f. 0. 1870. S. 32-37).
Anzeige der »Briefe über Berliner Erziebang« (Z. f. d. G. 1871, S. 359
—360)
Znr Sevision des Keglements der Matnritäteprafang (Z. f. d. G. 1871,
S. 705 -716).
Becension ?on Kock, Wünsche in Beireff des Schalgeldes (Z. f. d. G.
1872, S, 498).
Beurtheilunp der Abitiirientenarbeiten durch die wissenschaftlichen Prü-
fiingscummissionon (Z. f. d. G. 1872, S. 802).
Die gegenwärtigen Reformfragen in nn^j^rem höheren Schulwesen (Freuss.
JahrbOcber 1875, Bd. 36, S. 143-164).

Nekrolog Job. Friedr. Bellermann*8 (Zeitsehr. f. d. 0. 1874, 8. 378


-884).

13. Die Sohriflen der k. preusslsohen Akademie

eraeichnen:')
'^Verbesserongen warn Commentar des Aleiander fon Apbrodisias Aber das
dritte Buch der aristeteliseben Hetaphysik nebst einer Denkschrift
Ober die Wichtigkeit dieses Cenmentars sor Metaphysik (Monate-
berichte 1844^ 8. 184).

1) Ein beigesetstes * bedeutet, dass die bebreffende Abbaadlnag daselbst

nnr ervftbnt, niebt mltgetheilt iet.


7*
100 Beinno Baaits.

*H.pr:rlit über den Index zum Aristoteles (Mb. 1866, S. 655).


Aotrittsrede (Mb. 1868, S. 411—414; wieder abgedruckt Haupt Oposcola
III, S. 264—265).
*Cber den platonischen Dialog Laches (Mb. 18r>8, S. f)07>.
*Üb6r Flaton s Kratylos mit Beziehung auf die liestreitung dei pl*>

toniechen Ursprungs (Mb. 1869, S. 703).


Zur Erklärung des Phaidoa (Mb. 1870, S. 797).
^Bemerkungen Uber Platon's Chartnides (Mb. 1870, S. UUO), [dantu ii

PI. St. 3 S. 2431T.J,

•Über Platon's Pbädros (Mb. 1872, S. 153).

Gedächtnisrede anf Trendelenburg (Abhandlungen 1872, &• 1-40; er*

wähnt Mb. 1872, S. 776).

*Über den platonischen Dialog Euthyphron (Mb. 1872, S. 767), [daraus in

PI. St. S. 1-27 ff.].

*über Platon'a Phädrus (Mb. 1873, S. 270).


Über das erste Buch der aristotelischen Schrift über die Seele (Mb. 1873,
8. 481; kurze Inhaltsaugabe).
*ZDr Erklärung des platonischen Dialogs Protagoras (Mb. 1874, 8. 7(3)^
*ZiirBrkliniBg von PI »ton*« PhUoa p. 62» (Hb- 1878» S. 842), Idanai
in PI. St. S. 818ir.]«

Robert Scliramm,
geb. 5. April 1806^ gesk 19. Doiember 1888.

Ein inhaltsreicbea Leben, dnrobans den Interessen der Jage&deniehmft


der Wissenschaft nnd dem Wohle seiner MitbQrger gewidmet, fand am 19. Di-
sember 1888 seinen Abschlufs. Ausgezeichnete Begabung nndOeistesbildang,
nnermQdliche Arbeitskraft, tief empfundene, lebendige Liebe bq seinem
rufe, uneigennQtsige Menschenliebe, wahrer Patriotismus seiebneteo den

Verstorbenen, Herrn Profeseer Dr. Schramm, EbrenbOrger der Stsdt

Olatz, aus.
Geboren den 6. April 1808 in LeobschQtz O.-S. als Sohn dee dortign
Gymnasial -Professors August Schramm, trat Robert Schramm 1819 anter
dem Direktor Yeloneck in die III. Klasse des Gymnasiums seiner Vater-

stadt ein und wnrde im Augast 1826 mit dsm Eeife-Zengnisse Ko< 1 iv
Universität entlassen.
Er studierte zu Breslau zunächst die Rechte, entschied sich im Mai
1826 für das Studium der Philologie und Philosophie und arbeitete s?t»

Ostern 1827 bis Oktober 1828 unter Leitung des i'rofeasors Schneider
mit »rühmlichem Fleifaec als ordentliches Mitglied des philologisciMi

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Bobert Sdinmm. 101

SemiDars. Dann siedelte er nach Berlin Ober und erwarb sich auch hier
als ordentliches Mitglied des philologischen Seminars das oneiDgeschr&nkte
Lob der Leiter desselben: Prof. Boeckh, Bernhardi, Lachmann In diese Zeit
fällt seine üntersuchoog Qber die »Echtheit des Platonischen Dialogs üip-
pias maior.« Eifrig hörte er: Boeckh, Zumpt, C. Ritter, Hegel und erhielt

Im August 1829 die Exmatrikel. Daranf reichte er der wissenschaftlichen


PrQfungs- Kommission zu Breslau seine Dissertation: »Plato poetamm
exagitatora ein, bestand am 14. Mai 1830 die Doktorprüfung »magna cum
laude« und wurde am 17. Juni 1830 unter dem Rektorate des Professors
Steffen zum Dr. philos. et artium liberalium magister promoviert. Seine
Probelektion hielt er vor der Königl. Wisseusch. Prüfuugs-Kommission in
der Prima des Kathol. GymTmslums zu Breslau ab über Horatius, satyr.

II. 3. vv. 277 sqq., erwarb sich durch sie in den alten Sprachen die Lehr-
bpfähigung für alle Gymna^ial-Klassen tmd leistete vom September 1830
bis August 1831 unter Direkior Kabath am KÖnigl. Gymnasium zu Gleiwitz
mit besten Krfoigen sein Probejahr. Von hier nach Breslau an das Kathol.
<Jvirinasium als Hilfslehrer berufen, erhielt er unter dem 30. November
1833 seine feste Aii^telli;ntT an dem Königl. Gymnasium zu Glatz und blieb
diesem die ganze Zeit seines feruereo Wirkens and Lebeos treU| dieser
Anstalt und dieser Stadt.
Unermüdlich weihte er seine ganze Thatigkeit der Blöte dieses Gym-
nasiums. Er flbernahm 1834 die Bibliothek desselben, ordnete und katalo-
gisierte 1839 ihren Bestand mit aufopfernder MQhewaltung, so dafs
bis
sie ein sprechendes Zeugnis seiner Genaoigkeit, Sorgfalt und Unermfld-
iiclikeit ist und bleiben wird. 1839 wurde ihm die Kassenverwaltung
übertrai^en.
Eine ununterbrochene Reihe von ohi euvollen Anerkennungen der Uohen
Vorgesetzten BeiiÖrde beglüiteteii seiue Amts- und wissenschaftliche Thatig-
keit So wurde er im August 1843 zum zweiten Oberlehrer befördert mit
Befreiung von der Prüfung pro ascensioue, erhielt im März 1857 in An*
•rkeQonog auch seiner sebrifMallerischeB Leistungen die ProfessorwQrde,
wurde im Febrotr 1877 dnreh die Terleibong des Kronen-Ordens 17. Klasse
und am 21. Angnst 1880 ans AnlaCi saines SOjfthrigen Amtsjubilanma mit
dem Kronen-Orden m. Klasse ansgeseiehnet
Vom Angost 1882 trat Prof* Dr. Schramm aof eigenen Antrag in
1.

den Boheetand, nachdem er 52 Jahre Überhaupt, von diesen 49 an dem


Oymnasinm sn Olats der Jngendersiehang gelebt hatte. Drei Monarchen
diente er als treuer, gewissenhafter Beamter, so wiederholten Malen mofste
•r die Direktionsgeschäfte Torwalten, stets fand er Zeit, seine Kraft anch
noch der Wissenschaft m
widmen, dem Stadium des Horas, seines Lieb-
lings, nnd dem des Plate, so dafs er als einer der bedentendsten Horas»
kanaer seiner Zeit gilt Zeugnis seiner wissenschaftlichen Thätigkeit sind
Programmabhandinngen: Qoaestionnm de locis nonnnllia legom
seine aeht
Platonicamm partt. I— VIU, Qlats 1841—75, Zeogois femer der allge-

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102 Uoberi öchramm.

meinen Liebe seiner zülilreicheo ehemaligen Schüler uie grofsartige


teiJigung an der Feier meines 50 jährigen Ä.Illt^JublUiüras aoi 27. Scj^tember
1880 und die am 13. Dozcniber d. J. geo0bmigW, mil «einem Hmmb bt>

zeichnete Stipeadienstiftung derselben.


Prof. Dr. Schramm genofö den Vorzog eines lan^^en, schaffensrtielicie
Lebens, er war das Musterbild eines Beamten und fach begeisterten Scbol
mannes, sein Andenken wird bei seinen Berufsgeoossen und Freoodeo
leben als das eines der Beaten.
Carl Sternaox,
KOnigL GjmnasiaUehrer.

Kiffl Pleitner,
gib. «m l. Febniar 1810^ geat an 10. Ifftim 1888.

Am 10. Min
1886 sterb Iii MOndiMi dir k. Sehnlni Karl PloUntr,
riD.SebolniAiio, wdehw 44 Jabn als Oflbntlicher Labrar und daranlar fall
87 Jahre ala Rektor eiaee Gjnnaaioiiia dem üntenichte und der Bnkbaaf
der Jugend gelebt hat
Pleitner werde tor Zeit, a)e T^iel unter bayerieoher Bmcbaft etui,
am 1. Februar 1810 in Innebroek geboren. Bald nachher kam der Vatv,
fom Zenghaoptmann bell^rderti naeh Mfinchen» in deeeen Schalen EMtair
seine wiaBanachafüiche Bildung erhielt. Besondem Eiofiels mag aaf im
jnngen Gymnasiasien der damalige Eektor nnd Klafsprofessor Job. t. God
Fr61ilicfa gefibt haben, der >om die Wissenschaft und die Jagendbildeag
80 verdiente^ dabei so bescheidene und wohlwollende ond ?en allen, dii

ihn ZD kennen das Olflck hatten, hochgeschätzte Hann.«


Mit diisia
Worten gedenkt seiner Pleitner dankbaren Honens im Spsirer Progiamms
Ar das Schuljahr 1848/49.
Erst 18 Jahre alt, erhielt Pleitner das Oymnasialabsolotorium mä
wandte sich nun auf der Universität München mit Begeisterung den philo-
logischen Studien zu. Die Vorbedingungen zu einem tüchtigen PhUol<^ea
waren vorhanden: vorzügliche Gymnasiaistudien und vielfache übnng im
Unterrichten. Hatte er doch schon als Lateinschtller angefangen andere
zu unterrichten und diese Thätigkeit am Gymnasium und auf der Cni-
Yersität fortgesetzt. Er mufs mi gesuchter Instruktor gewesen sein, d&
ihm seine beiden Söhne zom Privat-
selbst Hofrat Friedrich von Thiersch
unterrichte anvertraute, im Jahre
lien philologischen Concors bestand er
1833 mit der ersten Note. »Seibel und ich haben rein la schreibt Pleitner
freudig seinem Freunde Herold, der dauials Dragomaü und Profuser io
Kauplia war und keinen sehnsüchtigeren Wunsch hatte, als an der Seite

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Karl Pieitner. 103

»eines » Busenfreondes« wie rDamon und Pliintias« in Oriecheulaud zu


leben und zu wirken. Doch eine feindselige Stiititaung, die sich inzwischen
in Oriechenland gegen bayerische PliilnloiKen geltend pfemacbt hatte, ver-
eitelte nicht blofs die fflr den Herbst 1834 vorbereitete Abreise Plditners,
sondern veranltlste iiuch die Röckicehr Herolds nach Bayern.
i'leituöi taiiJ nun "\'e:-\veiuhing: an den Stüdienanstalton in Mönchen
utid lu Speier. Im Jahre lii'66 wurde er zum Studienlehrer und Subreiitür
au der isolierten Lateinschule in Pirniasens ernannt, im Jahre 1847 zum
Gjmnaeialprofessor in Speier befördert und unterm 22. September 1853 als
Professor der Oberklasse und Rektor des Gymnasiums nach Dillingen be-
rufen. Er war erst 43 Jahre alt. »Das Gymnasium Speier verlor in ihm
einen seiner erprobtesten Lehrer,« »der mit anerkanntem Segen gewirkt
hatte« und >eo gerne auch seine siiuitlichen Amtsgeuoiiöeu in dieser Be-
förderung den Lohn wahrhaften Veidienstes erkannten, so sclmiüizlich
berührte sie die Treounng von einem vielfach bewährten, geliebten Col-
legen.« (Speirer Jahresbericht zum Schuljabre 1858/64).
Der Stttdiraasatalk Dilliogen gehörte non PldinerB fernere, fast
27jUirige Tbätigkeit
PMfaiere Aufgabe in Dilliogen mir, »diireli eo&Beqnente Strenge in
Znrfifliweiflong tslenlloeer eder nnfleifeiger, und in Wegwelsiiog solcher
Seblller, welebe dnreh edtlechtae Betragen auf die flbrigen ^nen nach-
toiligen Einflnfe fibten« den wtesenBcbaftlieben Stand and die tief geennkene
M oralitftt der SebBier in heben and auf einen b&beren Standpnnkt ea brin-
gen.« Die Anstalt sftblte nimlich im SehnQabre 1861/58 888 Scbtler, Ten
melehen V6 der Oberolssse angehörten, nnd es seil eine Sehülerrerbindang
von etliehen 80 KOpfen bestanden haben, in welche nnr dunittierte aaf-
sanooimen werden dorfken. Pleitner machte sieh nan mit jener Energie,
die einen herronigeDden Zog seinen Charakters bildet, an die LOsnng
seiner Anfj^abe, so dafs die Oesantseholersahl in den SchoQihrea
IBWW nnd 1888/60 bis anf 98 herabsank. Die Bntsehlielboagen des
k. Staatsministsrioms ans den Jahren 1866*- 1868^ die in Abschrift Ton
Plsitnsrs Hand vorliegen, oonstatisren denn aaoh jedes Jahr leinen er^
freoliehen Anfechwnng der Anstatt in wissensehaftlieher nnd disciplinirer
Hinsicht« ond sprechen dem »Rektor Pleitner, dessen sweckmiliriger und
amlehtiger Leitnng dieser Aafsohwang zunächst in verdanken« sei, der
»oDter dem Lehrpecsonale der Anstalt eine hervorragende Wirksamkeit
entfialtet, seiner Aufgabe als Vorstand wie als Lehrer in gleich ansgs*

laiehneter Weise genügt, den Lehrern nnd Scbfllem als Muster voran-
leochtet und die einen wie die anderen mit fester Hand leitet und zu-
sammenhältc — »für sein eifriges nnd ersprieblichea Wirken wiederholt
4ie wohlverdiente Anerkennungc ans.
Ein neues Schülerelement und eine mit den Jahren stetig steigende
Anzahl von Schülern führte das am 1. Oktober 1862 erOCTnete bischöfliche
Knabenssminar der Anstalt lo. Pleitner begrOfete es als ein taebr freu-
104

diges Ereignis ?on gröfster und daaerndpr Hedoutung« «nd der Hoch-
würdigste llorr Bischof von Auf^sburg eprach ihm wiederholt die Ge-
fühle Mioer »wärmbt^n Dank bar keit«^ aus. Die Anstalt zählte im letz Leu

Jahre der Rektoratsführuog Fleitners wieder 330 Scbftler, ?oa weicbeo


147 Zöglinge des biBchöflichen Knabeneeminarg waren.
Wie Rektor Pleitner stets Lehrkräfte für fakultative Lehf^fegenstände
zu gewinnen suchte, so war er auch immer für das physische Wohl seiner
Schüler besorgt. SchwimmeD und Turnen sollten deren Körperkrafi er-

hälteü uud steigern; deshalb drang er auf möglichst auänahmölose B^teui*


gong an diesen körperlichen Übong^n. In Pirmasens und in Speier hatte
er selbst die Tornflbangen der Scbfller geleitet; in DilUngen förderte er
das TorneD nf jede Weiie und bigrftMe die im Jilire laes «rMgIt Bi>-
Miniiig des Ttraeoa als eUigiten üoterridites in daer begaiaterod« Ai*
rede aa die ScfaUer.
Gleidie Sozgfilt wandeta er den SebaUekatttiteo, Lalraittala, mkl»-
thekatt md andaran BadtIrftiiaaeD der Schale sa and er iMitte ala AärnUm-
aach gWch
atralor daa Stndianfoiida ia Felge wolilbeaieaaeaer Spaiaaaikail
Immer die attigea Geldmittel aar Yerflkiftoag.
Saia üat er rieht war lebeadig^ klar, aaragead, daa piaktiaoha Ubaa
berflekaiehtigead, die Gegeavart Yargleichead mit der Veigaagaahmt fr
führte ohae TeraadillaBigaag dar fenaallaa 8aita dar BrUftraag ariai
Sehfllar eia ia dea Geiat dar Uaaaiaehaa Schriflataliar aad biaahta ihaaa
Liehe aa daa klaaslschen Stadien hei. »Chriataatamc aad >kiaaaiacba
Stadiea«, daa Yeraiftehtaia N&gelsbacba aa seine Schaler, war aaeh aeia
Gnmdsati. Darum lüagen denn auch die Sebfller mit aller Liebe
leitender
aad Terehraag iliram Lehrer an und gedenken dankbar der geiatigen F5r-
demng, die eia aea aeiaem Unterrichte empfingen. Und- auch er lieMe
seine Schüler, wenn dies auch äufserlicb aiobt ae hervortrat. Sein &ateaa
Aoftratea flherbaopti aooh dea Professoren seiner Anstalt gegeaAbar. ar-
aehiea aogar als ein herrisches, gebieterisches Weeen, waa ahar mehr
seinem raschen Temperamente and, besonders in den ersten Jahren seißtr
BektoratsfQhrung, der Erfassung seiner Aufgabe zuzuschreiben war. Die
ihm näher Stehenden wnlsten, dafs er ein warmes Herz hatte und dals
stilles Wohlthun eine hervorBtechende Eigenschaft seines Charakters bil-

dete. Neidlose Freude am Glücke anderer erheiterte selbst seine letzten


leidvollen Lebensjahre,ünd oft äufserte er, dafs, wenn es aaoh ZoaamBieB«*
stöfse gegeben, er Niemanden etwas nachtrrige.
Neben seinen Berufssrbeiten fand Pieitner immer noch Zeit zu Pri?it-
Studien. Für diese hatte er sich vorzog'sweise den romi sehen Dichter Q.
Val. Catollns gewählt. Die Ergebnisse seiner Forschungen veröffentlichte
er in drei Schiilprogrammen, sich wohl bowufst, dafs sie geeignet seien,
Widerspruch hervorzurufen. Schon in Speior hatte er für das Schul-
programm der Anstalt 1848/49 eiue in lateinischer Sprache abgefafst«
gröfsere Abhandlung über mehrere Gedichte des Qatulius vorbereite(|

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Jüuri Pleitner. 105

uiufste sich aber auf eine kleinere, nur 26 Seiten in 4^ umfassende, kritische
Abhandlunt,^ über »des Q. Valerius Catullus Epigramme an und über C.
Jul. Caesar und Mamurra« b<»Hrbränken denn bpi den damalig-en Unruhen
;

in der Pfalz hatte er die reclite Stimmung zu einer notwendig' erachteten


UinarbeitQDg der gröfseren Abhandlung nicht finden können. Die zwei
weiteren umfangreichen Programme über Catulius erschienen in Diilingen,
für das Schuljahr 1867/58 »des Q. Valerius Catullus HochieitBgesänge«
kritisch behandelt, 100 S. 4^ nebst drei Beilagen und för das Schuljahr
1875/76 »Studien zu Catullub«, 134 S. gruf.s 8^. Auf die Angriffe, welche
seine eigentümliche Behandlung des Dichters erfuhr, zn antworten, hin-
derte ihn znnehmende Schwäche des Augenlichtes. Zwischen diese beiden
Catullprogramme fallt das Programm für 1863/64 »Beiträge zur Kritik und
Erklärung ?on Aeschylus Agamemnou uud Sophokles' Antigone.«
An den Gescbicken Bayerns und Deutschlands bat Pleitner allezeit
den lebhaftesten Anteil genommen. Seine Sympathien gehörten der libe-

ralen Partei, für welche er in Freundeskreisen thätig war; doch den Hoden
der ÖCTentlichkeit wollte er nicht betreteu. Seine Eides- und Königstreoe
bewährte sich in besonderer Weise im Jahre 184ö in Speier, als die da-
malige re?olutiou&re Begierung der Pfalz den Eid auf die Reichsverfassung
d«8 Frankfurter Parlamentes und Gehorsam für sich auch ?on den Pro-
ftiMr«D dtr Studienanstalten forderte. Beides verweigerte er on4 lofort
•rfelgit aoeb atin« Ateotemig dnreh die provisorische Regierung. Doch
•dwii Bach drai Wodm «ar dii BafolntioD in dar Pbls bawUligt and
wnrda Plaitoar mit dan flbrigan abgaaatiton ProÜBaaoran tob dar k. Ba-
giemng wiadar in aaina SMla sorflekbarnfan nnd ihm »dia AUarhOehata
ZofHadanbaii 8r. KtoigUcban^M^aattt Ar aaina pflicbttraoa Handlonga^
wniaa wftbrand dar aMimiacban Taga ra?o)ntionlinr Bawegung in dar Pbbc
ausgesproaban.
Am 4. Oktobar 1867 laiabnita Sr. Mijaaai dar KOnig dan k. SUidian-
raktor Plailoar ana darah Yarlaibnng daa Blttarkraniaa I. Xlaaaa daa Tar*

diMMtordana vom baiL Hiebaal. Am 2S. Saptambar 189S waran aa folla


S5 Jabra, data Plaitnar daa Baktorat dar Stndiananatalt DU-
Hngan baklaid^ta ond taglaiofa 40 Jabra aainar üffantliaban Labrlbfttig-
kait Daa von Profaaaor Gaist ftr daa SehnQabr 187t/78 farMbta Pro-
gnmm war dam Jnbiter gawidmat; abar aina ftlfenfUeba FMar dar Stndian-
Bbanao mofttan aicb Sahfllar nnd
nnatall labnta Plaitnar dankand ab*
Lahrar mit ainfaebar Darbringong ibrer Qlflckwflnaeba bagnflgan, ala
Plaitnar am 1. Fibmar 1880 sein 70. Labansjahr Tollaodat batta.
Inzwiacban batia aiob die Kraft daa Aoganlichtae, trota äratliobar
Babandinng, ao Nbr gamindart, dafs er sich zu seinem grofaan Leidwesan
gaswnngan aah, um Versetzung in Ruhestand zu bitten; diese wurde ihm
nntarm 6. Mai 1880 in huldvollster Weise and ontar Varlaibnng daa Titels
and Ranges eines k. Schulrates gewährt
Pia ^a}ira des Bubaatandaa rarlabta ar in MQncban nonmabr vOUig

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106 Karl Pleitoer.

erblindet,nacbdem auch die StaaroperatioQ keine BeFserung hatie bringen


könoen. Er true diesen Zustand der Blindheit ohne alle Kiaire, bewahrte
sich sogar heiteren Humor. Scbliiiiiiier war für ihn ein neu auftauchendes
Übel, ein Ohrensuuson das jbn Tag und Nacht belästigt« und durch
,

kfinstliche Mittel nur etwas gemildert werden konnte. Im Jahre 1883


entrifs ihm der Tod die Gattin, mit welcher er seit 1841 ia glücklichster
Ehe gelebt. Zwei Söhne und zwei Töchter waren derselben entsprossen,
welche mit neiteuer Kindesliebe an dem «Vatert hingen und seinen dunkeln
Lebensabend, so viel es ihnen möglich war, erhellten. Geistig inscb ond
eines Torirefflichen Gedächtnisees sich erfreueud, liefs er sich säroili:-;^
Oden dos Horaz, Schillersche Gedichte, religiöse Ijieder etc. vorleseu ull
empfand die grulbte Freude, wenn er die »Gediiclitnifsprobet bestand und
die Gedichte recitieren konnte, ohne dafs ihm ein Wort fehlte. Audi
körperlich war er, trotz der 1B Lebensjahre immer noch rüatig; da atelUi
tob UD Mira Abends plOtiUch gntt» fidiwidit d«r H«itiiMigfctll tu.
9.
Wm Kaiien FHedriek
er in der Bcblalloseo Nacht die dantlige Beiee dee
TOD 8t Berne nach Berlin im Oeiete begleitete, so gedachte er nos enair
eagenen Beiae in die Ewigkeit, ond gcetlrkt dnrch die Tritatungen dir
hatheliechen Kirche, welcher er angehörte, eterb er schon am 10. Hin
Abende 6 Uhr.
»Quid naloe, quam animis medereri, qnam adnlescentolotnm fingeie
moree? Omni certe pictere, omni certeetetaarie^ ceterisqne buinemedi m'
niboe eicsllentiorem hone docc^ qoi joTSnom aaimee fingeie non igaorsti
Brev. Bom.
(Kach dem Nekreleg in den BÜttom ffir dae bayeriecbe Gymaaeiii*
schotwseen, XXIV. Jahrg., 1888).

Diilingen. Daieenbergar.

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0. WUhtlm Goiarau. 107

O. WUlielm Gotoan,
geb. 28. Septenber 1610, gest 1. Jftootr 1888.

Gottfried Willielm (rorsrau ward am 28. September 1810 zu Naum-


burg a. S. nh der zweite, jüngoro Sohn eines ehrbaren Handwerkere», des
Obermeisters der Nauinburger Schneidcriiioung, geboreo. In der liebe-
vollen, wenn auch derben Zucht eines schlicht christlichen Hauses, unter
den Augen eines charakterfesten Vaters und einer trefflichen Mutter wuchs
der Knabe, dessen reger Geist seine körperliche Eutwicklung bald zu über-
holen schien, ohne erhebliche änfsere SUirungen heran. Dem eigenen
Wonsche entsprechend sollte er die nahe gelegene altberühmte Schul-
pforte besuchen; hatte doch der Vater als »Pfortenschneider« , welchem
die Arbeit iür die Zöglinge der Anstalt übertragen war, gegründete Aus-
eicht, auch fOr seinen, zumal so befähigten Sühn Wilhelm, gleichwie für

dessen älteren Bruder, eine Freistelle zu erhalten. Nachdet]i der Knabe


sich die zur Aufnahme in die Tertia erforderlichen Yorkeniitniöse neben
dem Besuche der Hürererschulo durch Privatunterricht angeeignet, wurde
•r, iwölf Jaiire alt, als Schüler der Pfortu, die damals unter Ilgens Rek-
torate stand, äufgenümmcn. Die Eiudiücke, die der empAngliche Sinn
des Knaben und Jünglings hier erhielt, waren die nacbhaltigsten MinM
Lebens. Mit fast scbwärmerischer Liebe hing er bis zo seinen Mtiii
TiftB an den sieh inmer mehr in ihm Terklärenden Erinnerungen jeaer
glQeUiebeii Jfthre, die er im Sehofee der Anstalt, nod doch dhoe eigent-
llfifae Treniraiig Ton Eltemlwaae, bei freadigem, von Erfolgen gekrOstem
Lenieo nad und in der uogetrübien Heiterkeit eioee kindlicb
Sebaffeii
reiaea Gemfltee Terlebte. Nach eeeha Jahren verlieb er die Schale aiit
den T<watlgliehetea Zeagaisaea ia elmtUchea Fftehera aad beteg die Üai*
Tereitil Balle. Nieht ohae maaeherlei Batbehmngen, doch aiit immer
frieebem Mate aad bei, wenn nach aabage noch planloaer, ao deeb immer
etnetar and eindringender Arbeit Terbraehte er hier die vier Jahre emner
Sindien. Schon damala aatite er mit Vorliebe» wiatera wie lemmera, die
IMhen Moigenetnnden, die ihm anch apiter die liebeten geblieben sind.
Nachdem er aaflaglieh aieh wohl mit dem Qedaakea getiagea, Thedegie
aa atadierea —
er hOrte die Torleeaagea voa Wegeeheider, Semler aad
Geeeaiaa —
wandte er eich mit Sntachiedenheit den philelogiechen aad
hiatoriochen Wiaaeaaehaften sa. Biae paaiiTe Aabahme war ihm dabei
ebeaao ftamd wie eiae handwerkimireiga Besehrinkong aaf daa Kiehat»
liegeade. Unter seinen Lehnm sei namentlich O. Berahardj herrerge-
hoben.
Nach gl&nsend bestandener Staataprflfaag begaan Gobiau leina amt*
liehe Thitigkeit mit der Ableiataag des Probejahres am damaligea Pro-
g^naaiam la Aecheraleben, weeelbet er awei Jahre als HtUldehrer wirkte.

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108 0. Wilhelm Qoltema.

Bei der Umwandlung: der Anstalt in eiue Realschule niufate er sich ein
anderweitiges UnterküinmeD suchen. Während cinrr Keihe von Monaten
waren bei der auch damals vorhandenen Überfülle v ri Schulanits-Kandi-
daien all seine BemQhungen umsonst, bis er — im Jahre 1835 durch
Direktor F. Ranke au das Quedlinburger Gymnasium zur Vertretung einee
erkrankten Ulerlphrers berittiii wurde, zunächst freilich ohne die Gewifs-
heit einer Entschädigung, die ihm später iui Betrage von 30 Tbalem für
eine dreivierteljährige Arbeit zugestanden wurde. Aoch für die Folge bot
sich ihm Gelegenheit au der Anstalt zu bjeilten. Nach drei Jahren ward
er als vierter Kollaborator fest angestellt, und als er nach weiteren vier
Jülaen ein Gehalt von 300 Thalern bezog, führte er, 82 Jahre alt, seine
Frau, eine Quedlinburger Bürge rstochter, heim, die ihm eine treue Ge-
fährtin seines Lebens gtbUeben ist. In Quedlinburg verblieb er bis an
das Ende seines Lebens; in stiuer Anspruchslosigkeit und bei seinem
Hängen am Gewohnten verschmähte er es, nach vorteilhafteren Stellungeu
aoszamin. Dazu war der freundlich gelegene Ort, dessen Umgebung seinen
regelmälsigen Spaziergängen und Wanderungen willkommene Ziele bot,
ibm bald li«b gewordao. hat so lieb, wie sein onTsrgeblicbes Nanmbnrg.
GofeiaQS ünterriobt lag von Anfang an vorwiegend in den oberen Klansea;
daa Latein wurde der Hittelponkt eeiner Stadien nnd ssiner Thätigkeit in
der Sebnle, docb hat er eine nicbt geringere Liebe der QeecUehto nnd
dem Hebr&isehen sagewandt. Im Jahre 1870 —
nach dem Erscheinen
eeiner lateioischen Sprachlehre —
wurde er sam Protaor ernannt In-
swischen begann ein Angenleidea, mit welchem er bereits fHkhsr mehiCieh
sn kimpfen gehabt^ einen immer bedrohlicheren Charakter ansonehrnsn;
dasselbe reranlafsts ihn, nach einer 4SjUirjgen Dienstseit er wir —
damals srster Oberlehrer und Prorektor —
om seine Rnflassong ans dem
Amte nacbsnsDchen,' die ihm mit dem 1. Jnli 1876 unter Yerleihnng des
B.-A.*0. IV. Klasse bewilligt ward. Mehr als 12 Jahre hat er den Biihe-
stand genoessn bei einer bis in die lotste Zeit fortgesetsten wiasenadmlW
liehen Thätigkeit, soweit die Rflckeicht auf die notwendige Schonong der
Aogen eine solche irgend gestattete. Leider betraf ihn in den Weihnachts-
tagen des Jahres 1884 ein schmerzlicher nnd verhängnisvoller Unfall, in-

dem Zimmer einen Oberschenkelbroch


er sich durch Ansgleiien in seinem
^ozog, dessen mit grofser Geduld ertragene Folgen, die ihm auch in des
gewohnten Bewegangen eine B^chränkucg auferlegten, sein Snde be-
schleunigt haben mögen. Nachdem im November 1887 ein Magen- nnd
Blasenkatarrh aufgetreten war, sanken die Kräfte mehr und mehr, bis er
nach vierzehnt&gigem Krankenlager unter den Glockenklftngen, welche das
neue Jahr einläuteten, ruhig und sanft verschied.
Was Gofsrau als Mensch gewesen, das mag vielleicht nur engere
Kreise interessieren. Schlichtheit und Bescheidenheit, Tiefe des GerrQtes,
Herzlichkeit und glaubensfreudige Frömmigkeit waren die bet^onders her-

vortretenden and gewinnenden Züge seines Weeens. Welche Verehruiig


6. Wilhelm Qolina. 109

er bei seioen SehOlenit wie bei denen, die ihm sonst im Leben n&he ge-
tretui» sich erworben, davon legte eine Reihe teils öffentlicher Kondge-
bangen, teils privater Zuschriften an die Witwe des Entschlafenen bei
Bekanntwerden seines Todes Zeugnis ab. Sein zähes FpFthalten am be-
währten Alten, das ihn oftmals zum Inndator tpmporis acti mfiehte, ein
in jeder Wciso koriKcrvativrr Sinn, der Mut der Konsequenz, eine nnbe-
dincrtc Pflichttreue und StieiiL'^e geg'en sieb selbst erinnertr-n bisweilen :in

jenen alten siUenstreniren KOmor, dessen Bild er vor dem geietigen An^'O
«ier Schüler so geschickt zu zeichnen wufste. Als Lehrer war Gofsrau
eiiiö durcbaiis eiprenartie-e nnd bedeutende Persönlichkeit, Ganz seinem
Berufe hinu:egeben und von dessen sittlicher Bedeutung' erfüllt, im Besitze
seltener Kenntnisse wie eines klaren, den Stoff dnrchd ringenden und be-
herrschenden Verstände-^ wurmte er auch ohne rhetoristiiiei» Aulwand, der
ihm weder zu eieen u^^ Ii aucli synipatliiüch war, olme didaktische Knnst-
mittel und doch in sicherer, aus der ganzen Persönlichkeit hervt»! gegan-
gener Methode seine Schüler für die Sache zu erfassen, mochte er nun
die klassischen Erieugnisse der römischen Litteratur interpretieren, oder
die grammatischen und stilistischen der fremden
Eiis'enttimlichkeiten
Sprache erklären, oder Geschichte alter wie neuerer Zeit in seiner ein-
fachen und doch ansprechenden, oft ergreifenden und nachhaltige Ein-
drücke hiiiterliissen den Art v irzutragen. Wie ihm selber jede Oberfläch-
liclikeit veihalt«! war, bu strebte er auch in heinom Unterrichte nicht nach
äufserlich glänzenden Erfolgen, wohl aber danach, durch die rechte Kr-
kliiHDg des Gebotenen den Verstand und die Schärfe der Auffassung zu
fllMn and durch die Art der Übermittelung auf das Gemüt zu wirken.
Oofeniü imr ein eotecbiedener Verteidiger des Lateinischen als der
GrandUge gymiiaiiBlffr Bildung. In ihm sah er den notwendigen Mittel-
punkt der yvpLvaaki dee jogendliehen Oeietee, der in wieeenecbaftlicher
Tbfttigkeit enogen wtrd«i
eollte. Mit wabrlnftem Scbmene eeli er dt-
her die frühere berracbende Stellung deeeelben mebr und mebr in Frage
gestellt, wie er aneb mit dem im Betriebe jenes Faebes beste geltenden
Omnda&tien neb Tielfacb nicht an befreunden vermoebte. Hiebt viel
während der Stande aus dem Scbriftateller flbersetien so buaen
pflegte er
^
(der Umfang der Lektüre wnrde dnrcb eine jeden Monat eorgflltig kon- \
wie sie in dem Babmea onaerer jetzigen Arbeite*
trolierke PriTatlektflre,
}
ferteilong nieht annähernd mebr anslbhrbar ist, erbeblieb aosgedebnt),
weit mebr kam es ihm anf ein grftndlicbes nnd allieitiges Versteben nnd
Erlbssen des hier Gelesenen an. Er maebte dabei strenge Anforderungen i

an die Präparation wie ancfa binsicbtlicb der Aneignung des in der frfl-

heren Stunde von ibm Mitgeteilten; sorgfältig censierte er jedesmal in


ssinem Bflehlein die mttndlieben Antworten und Übereetsnngen der Sebfller,
die er nacb Malsgabs der mflndlicben nnd sobriftlicben Gesamtisistungen
allmoßatlicb unter einander nnd naeb Klasssn rangierte, fiine atrenge Ord-
nung durebiog seinen gaeamten Unterriebt

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no
B«i der BrkJSrong des SchriftstoUon, welebe überall von der gtmom
Auffassung de« einzelnen Wortes ausging (^1. dsrQber das Yorw, it
Cic. pro Rose Amer. S. II), drängte sich die grammatische Seite udit
hervor; die klare Anschanang des Gelesenen, die Deatang des seebliekM
und psychologischen Zasammenhanges, die ästhetische WQrdigtmgy du
Verständnis der mannigfaltigen Seiten des antiken Lebens bliebeo immer
das Wesentliche dabei. Wohl den meisten seiner SchQler werden ans
diesen Stünden dauernde Eindrfirke geblieben sein. Doch war ihm die
Grammatik nicht a u s s c h 1 i e fs 1 i ch eine Dienerin der Lektüre: wie er
sich nicht darauf beschränkte, die besonderen Regein der lateinischen
Sprache den Schüler lernen und anwenden zu lassen, sondern bemüht war.
dieselben zum Verständnisse zu bringen, galt ihm die Grammatik zagieicb
als Mittel einer sprachlich-lofrischen Schuinn^r, und er rerstand e« dabei,
selbst einen spröden Stoff interessant zu machen.
Zum Zwecke der schriftlichen L bungen in der lateinischen Sprache
suchte er auf eine selbständige Vergleichung jener mit der Mutter-
sprache hinzuführen , Stilistik in die Hände
ohne dafs der Schüler eine
bekommen hätte. Jenem Zwecke dienten vor allem, gleichsam zur Vor-
bereitnng fftr die Anforderungen der Prima, besondere Stunden in der
Ober^ekunda, in denen die weiter unten zu erwähnenden Loci memo-
riales III., aupgewäblte Fartieen aus den Schriften Ciceros, unabhängig
yon der laufenden LektOre behandelt wurden. Es wurde viel aus den-
selben auswendig gelernt, und doch lernten die Schüler nicht mit l nlu^t.

Gofsran ging dabei von der Überteiigong ans, dafs das ffir da^ Latein-
schreiben erforderliehe Spreehgeffibl durch kein anderes Mittel auf nat&r-
licherem Wege eder in gleich hefaem Onde geweckt werde, als dorch die
oUe Aneignung moslergültiger Fron dnrch des Gedächtnis. Nicht aos
HandhUchem sollten die Schiller Latein lernen, sondern aas
stiUstaschen
der Quelle seihst sollten sie schlüpfen, nnd swar mehr sie Jene Bücher w
bieten veimOgeo. Damit sich mit der Anfiiahme das rsehte Veinliiidnii
verbinde, worden die m
erlemsoden StCicke sovor nach Tenchiedensa
Seiten hin erklitt, wobei aof den Unterschied der Jateiniechen nnd dsnt-
sehen Ansdmckswsise hingewiesen wurde. So hatte der SehOIar «tat
StQistik und Phruedogie in jenen Loci, anf die immer wieder tarttek-
gegrifni werden konnte. Sie worden ihm ein liebes Bflchlein, daa sr
gern snr Hand nahm; auch die Mannig^tigfcett des Inhsitea, die eist
einen Sinblich in den reichen, Yen idealer nnd patriotis^r Qesinanng
getragenen Gedankenkrsis des geietfoUen nnd die Bildong sefaier 2eH in
sich vereinigenden Schriftstellers ermöglichte» hatte etwas Anatehendee.
Gobraos Streben war darauf gerichtet, den Sehfller la einer freien Hand-
habong der lateinischen Sprache binialeiten: die aogenblicUich beliebtsa
ÜbersstiangsQbnngen >im Anschlufs an die Lektflre« anch f5r die obttstsn
Stnfen waren ihm in tiefoter Seele zuwider. Er sah in denselben ni^t
eine »Konientratioat, sondern eine Verleid eng frendiger Arbeit Aach
O. Wilhelm GoDmo. III

gab M bei ihm kein ]>rewieraD auf die Anwendung eines begreniten
Kreitee you Begeln, keine HonetreeititeD wie fotorom ftierit, ui n. ft.

Attt tneschlielUieh legte er in der Prina nnTerinderte deolicbe Ori-


gjnaletlleke nr Übenetanng vor. Oerade bier sollte der Sebflier, in-
dao er die Anedrocksmittol beider Spraeben mit einander m meesen ge-
iwnngen KOnnen Tersoeben. Die Arbeit war keine geringe, aber
war, sein
nie trag den Lohn in sieb. Hit grl^lkter Spannnng worden die Stenden
erwartet, in denen die Obersetenngen snrfickgegeben nnd besprochen wor-
den. Die sauberen, Überflflssiges Termeidenden Korrelcturen zeigten maii'
Bedeotong nach Terscbiedene Fehlerzeichen, doch gab es
ftigfiiltige, ihrer

daneben auch ein Zeichen der Anerkennung fUr besonders gut getroffene
Stellen. Die ?orzöglichsten Arbeiten wurden wohl vorp-elesen, den flbrigen
Schalem znr Yergleicbnng und Nacheifernng. Wiederholt hat Oofarao
später YOrsichert, dafs ihm die Korrekter der Arbeiten ein VergnQgen
gewesen sei, dafs die MQhe überwogen wurde durch die Genogthoong,
welche ihm die wachsende Fertigkeit der Schfller gewährte. Am meisten
habe es ihn gefreut« wenn er einzelnes in den SchQlerarbeiten gefunden, ,

das besser gelungen war als in Feinem eigenen, allerdings schnell hinge-
worfenen Konzepte. Im Interesse der Einheitlichkeit des Ausdruckes hielt
or auf eine Ts^achahmunp de? cicernnianischen Sprachgebrauches, vielleicht
in Obertriolioner Strenge, wio pr aurli in der. oft dnrch originelle und
drnstipche Beispiele erläuterten I ' nterpcheidunp f^c^r Synntiymri in seiner
Konsequenz iind Gedankenschärfe, die er überall auch beim Schriftsteller
voraussetzte, nicht selten zn weit ging. Den oft von sehr beträchtlichem
Umfange gelieferten Auffät7Pn wurden zumeist Stoffe aus der alten Ge-
schichte oder solche aus der Lektüre zu Grunde gelegt. Eine besondere
»Technik des lateinischen Aufsatzese wurde nicht gelehrt; unter Zurück-
weismte phrasenhnfter Wendungen wurde auf eine fA]t:oricIitige Entwicke-
lung der Gedanken Tind auf korrekten Ausdrnrk Wort prelegt. Filr das
Prädikat wurden die vier Punkte: Disposition, Aiisfolininf,' derselben, La-
und grammatische Korrektheit jeder besonders censiert und liierans
tinität
nach bestimmten Grundsätzen das Facit gezogen. Zur Übung im münd-
lichen Gell rauche der lateinischen Sprache wurden bisweilen geregelte Dia-
pntationsübungen angesetzt, denen schriftliche Referate einzelner Schüler
zu Grande lagen. Erwähnt sei noch die Vorliebe Gofsraus für metrische
Übungen, ein Erbstück der Pforta. Selber ein gewandter Versifikator ver-
waiidt<) er in der Obersekunda wöchentlich eine Stunde auf dieselben.
Durch die eigenartige Handhabung auch dieser Seite des lateinischen
Unterrichts wufste er die Schüler dafür zu gewinnen; zu freiwilliger
häuslicher Übung wurden die Texte deutscher, in Hexametern oder Disti-
chen abgefafster Gedichte gewählt. In der Prima blieb indes fQr die
FortfQhrong dieser Übungen auch damals kein Raum mehr.
Anf dieee Weise wufste Gofsrau bei seinen ScbOlem ein besonderes
nteresse für sein Fach so erwecken. Die grAndliehe nnd wissensebaft-

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112 G. Wiltelm GoteM.

U«hOt Qberall auf Klarheit and Schftrfe dringeiMlo, alle Phrase Teimb-
aelMoende Art seines UnterrichlM war geeignet, aoch in den Scbfllen
wissenschaftlichen Sinn zu erwecken, der sich anch vielfach in freiwilligen
Arbeiten bekundete. machten damals die übrigen Lehrfächer neck
Freilich
nicht in derselben Weise Rechte geltend wie heotzatage. Die Tor-
ihre

zügliche Ausbildung der Schüler im schriftlichen Gebrauche der lateinischen


Sprache wurde z.B. auch ?on Tholuck bei den aus Golknus Schule
vorgegangenen Kandidaten der Theologie anerkannt.
Die Handhabung der ä«rsoren Schulzucht machte Gofarau vermöge
des Einllußses seiner Persönlichkeit nnd der fesselnden Art seines Un-
terrichts keine Schwierigkeit, i'reilich war er mehr zum Lehrer fflr dii

oberen Klassen gemacht. Die herzliche Weise seines Verkehr? m\i deo
SchQlern, welcher bisweilen ein gesunder Humor nicht fehlte, schlofs nicht
ans, dafs er, sobald eine besondere Veranlassung Torlag, mit der gaoxra
eindringlichen Kraft seiner Worte sich an das Gewissen der ScbQler wen-
dete. Da l'Qblte man, dafs sein Herz um dag sittliche Wohl der anch ihn
Anvertrauten wahrhaft bekümmert war, sah er doch in der Erziehung
zum sittlichen Wollen die höchste Frucht alles Unterrichts.

Als Gelehrter ist Gofisran in reichem Mafse tbätig gewesen. Lnd


doch beschränkte sich sein Wissen nicht auf diejenigen Gebiete, in denen
Mit einer BchneUeD und klaren
er als SefariftsMler bervorgitreten ist
AolbMiiog ftralnigtt ticb b«i ihm «in Oberaus glacklichM G^diehtaii,
das ihm auf dem bistoriachMi wie spraeblichen Gebiete tu «Uttea kas.
Von neoeren Spracbee «nd ila-
hatte er aicb die fimniOeitcbe, engliscbe
lieniaebe bis lor freien Handhabong denelbea angeeignet, wie die vea
ihm hinterlaseeDeo, aorgfältig gelbbrlea Tagebfleher beweieeo. Brateoa-
lieb waren seine Kenntnisse in der Geschichte und Geographie^ Dia rt-
misobe Gesefaiebte hatte er tnni Gegenstände eines besonderen StadlnM
gemaeht; in eeinen Nschlasse findet sich eine ZosanunenstsUnng denalbsn
anb den Qoellen. Bs widerspracb setner Art| in der Geschichte den Tottsi,
mit dessen Spraebe nnd Leben er sieb vertraut gemaehti ledig^eh «nf die
Forscbnngsn anderer angewiessn su sein. Gearbeilst bat Qelbrsn ssia
lebelang; die preduktive geistige Bethftlignng war ibm sar awetten Hatar
gewerdsn, nnd er konnte dieser seiner Neignng nm so nngsttürtar folgaa»
als seins LsbensfBbmng nnd sein sinfsebsr Hansbalt, in dem anck die
Kinder fehlten « mancherlei Sterstrenongen von ibm fernhielten. Br vs^
stand die Kunst, die Zeit zwischen Arbeit und Brbolong recht an teilen:
niemand bat je von seinen Uppen eine Klage wegen ArbeitsOberbAofnag
vernommen, und doch bat er su Zeiten aoeb f&r die Schule recht viel zu
tbun gehabt. Dabei war er atets bereit, wenn es Pflicht oder Freood-
scbaft zu erheiseben acbiensn, ssins Zeit und Arbeit dem Dienele der
Mitmenschen so widmen.
Sein Hauptarbeitsgebiet war die lateinische Grammatib und Litterator.
Er war einer der besten Kenner der lateiniscben Sprache nnd «in Meisisr
Wilholm Qobraa. 113

in der schriftlichen Handbabong derselben. Man sagte, dafs er besser


lateinisch als deutsch sich auszodrflcken verstünde, und in der That schien
die lateinische Sprache mit ihrer Bestimmtheit ond logischen Schärfe, um
derentwillen er eben in ihrer Nachbildung ein so Tonagliehee Mittel gei-
stiger Übung sab, ganz besonders geeignet zu einem treoen Ausdrucke
seines eigenen klaren Denkens. Seine Werke, bis auf eines aus der An-
regiiHfr des Unterrichts hervorgegangen, dem sie auch dienen sollten, sind

die Frucht eines selbständigen ond grflndlichea Forschens, meist in


langer Zeit gereift.
Am bekanntesten unter ihnen ist die ausführliche Lateinische
Sprachlehre (Quedlinburg 1869 — An?, durch-
in zweiter, von Prof.
gesehener nnd mit einem Index anptrestatteter Autlage daselbst 1880), ein
bleibendes Denkmal ?on der hei viinaLreiidtni Beerabung des Verfassers für
die ErfassiiuL: und Erklärung grammatischer Ersuheiiiungen aus dem GeiRte
der Sprache heraus. Niclit bloi's K enntnis, sondern uuch Erk en n tn 1

der sprachlichen Gesetze war sein Ziel. Wiewohl die Formenlehre eine
sehr sorgfältige Behandlung erfahren hat, liegt der Uauptwert des Buches
in der Syntax, welche eine Fülle selbständiger und feiner Bemerkungen
enthält. Am eigenartigsten ist die Ausführung der Tempus- und Modus-
leltrc. Die erstere mit ihrer konsequenten Scheidung von Tempus und
Actio in den Konjunktiven und »Subjuuktiven« hat niancijerlei Anfech-
tungen erfahren, ist aber bis heute weder wirklich widerlegt noch durch
Besseres ersetzt. Eine besondere Sorgfalt ist anch der Lehre von der
Wortstellung, dem Periodenbao, Sonna und Numerus gewidmet. Trots
Üiris wieaensehaftlielien Charakters ist die Grammatik fttr die Schale und
snr UnterstQUung fQr das Lateinscbreiben bestimmt; daram ist stets anf
die BigentOmlicbkeiksn der lateinischen Sprache in ihrem Unterschiede
Tom Bentschen BQcksicbt genommen, flberall der klassische Sprachge-
brnncb unter GegenObersteHnng des Tor- und nachklasstsehen in erster
Linie dargestellt und die Belegstellen mit Vorliebe den Loci memoriales
entnommen. Freilich ein Schulbuch ist diese Grammatik nicht geworden
ond kann es ihrer Natur nach nicht werden, dasa ist sie viel sn umfang-
reieb —
aber keiner» der der lateinischen Syntax ein ernsteres Studium
anwendet, wird die tief durchdachten und auf einer sorgOltigen, weit
ausgedehnten LektOre beruhenden Auffassungen Oolsrans nnberfickstohtigt
laseen dtkrfen. Mehr als ein blofser Aussog aus der Sprachlehre ist die
fttr die nnteren und mittleren Klassen der Ojmnasien und fQr alle Klassen
der Bealgymnasien bestimmte Lateinische Elementargrammatik
(ebeodaeelbst 1871), doch findet eine Trennung der Grammatiken nach
den verschiedenen Klassenstufen heute nnr noch wenig Anhftuger.
Einer langjährigen, liebevollen Behandlung des Schriftstellers im Un-
terricht verdankt die erklärende Aasgabe der Aeneis ihre Kntetebung
(Publti Virgilii Maronis Aeneis. In osoffl scbolarum annotatione perpetua
illostravit G. Qoedlinb. et Lips. 1846, in aweiter Aufl. i^aedl. 187d>. Hier
a«kf«l«g« 1888. 8

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114 6. WiUMlm GoftnuL

leigt sichnebeu dem Grammatiker der feinsinnige Interpret Nebee dir


spraehlieben ond noblichen Erklärung ist stets auf die Klarlegnng des Za-

sammenhaogs sowie auf ein ästhetisches Verständnis der Dichtung Rück-


sicht genommen. Für eine Schalausgabe im beutigen Sinne bietet das
Buch allerdings ein zuviel an Erklärungen, Parallelst<?l]en uni Exknr??r:
fder ausführlichste unter diesen handelt de hoxametro Virgiiu), üucq
widersprach dem Wesen des Herausgebers eine weniger gründliche und
eingehende Behandlung seiner Aufgabe. Die in eine klare und muster-
gültige Form gekleideten lateinischen Anmerkungen waren besttm-j t. dem
Schüler neben der Vermittelung des Verständnisses pleich^eiti«- aucii für

seine Latinität einen Gewinn zu bnimeii. Nach der kritischen Sei:o be-
ansprucht die Austj'abe keiueilei Verdienst; zu einer Prüfung und Ver-
gleiciiung der Handschriften standen dem Herausgeber, was er selber in
der Vorrede beiilagt, die nötigen liülfsmittel nicht zu geböte; doch was
alte und neue Erklärer zum Verstiln inisse des Gedichtes beigebracht ist
gewissenhaft berücksichtigt und verwertet, Oberiill aber dem selbständieen
Urteile unterstellt worden. Wie viel eigene, oft feine Reinerkuugeu sicu

unter dem Dargebotenen iiudeu, ist bei einiger Vergleicliung leicht er-
sichtlich. Wenn selbstredend im einzelnen Kontroversen bleiben werden,
80 fällt doch jedenfalls dem Verfasser das Verdienst zu, ein gut Stück
zur Erklärung und Würdigung des Dicbtenrerkee beigetragen ond ftr dii
Feststellong firgiliADiscbeo 8prachgebraiich«B eio nkbm Material n-
aaiBiiiengebraeht so haben. Die dem Gedanken des Diditeri Daefageheade
Art der Anffiusung, die flbrigena dnrcbaoa nicht blind gegen man^
Sobwftchen dea oaTolIendeton Werkes bleibt, ist die beste Apologie d«
so oft nngereeht beurt^lteo Dichtung, wie aneh keiner der Schiller aai
den Virgilstnnden dea Bindrock Ton der »Langwelligkeitc des Dichten
davongenommea haben mag. Von den sp&teren BrUftrem dee Bpee hat
keiner mit gröberer Dankbarkeit die Verdienete Gofimuia anerkannt, eis
sein ehemaliger, ihm om einige Monate im Tode Torangegaagener Sehikr
0. Broeia hi der trefflichen, leider nicht Tollendeten kommentierten Aas*
gäbe der Aeneis in der Perthesscheo Sammlong. Über die v«n ihm —
beobachtete konserfative Orthographie, gegen welche man gerechte Be-
denken erheben mag, spricht sich Gofsrao in der Yorrede sor swaite
Auflage aus.
Weniger bekannt geworden sind dieAocgaben zweier Reden Cicem:
pro Sexto Roscio Ameriao oratio (Qoedlinb. 1853)
JC. Tollii Ciceronis

und ej. oratio de imperio Ca-Fompeii sive pro lege Ifaailia. Mit toU-
ständiger Einleitung, kritischen und erklärenden Anmerkungen. Q» i8M»
Das Eigenartige dieser Ausgaben bestobt darin, dals, während sprach*
Hohe Bemerknngen fehlen oder (in der zweiten der genannten Reden) aar
gani sparsam gegeben werden, die zum Verständnis dienenden sack*
liehen Erklärungen nicht den Text begleiten, sondern, nm ein toU-
at&ndigea Bild su geben, in inneren Siosammenhang gebracht, dem Texte
CK Wilhtim Goftnni. 115

ToranagMehiekt siDd, ao daft in dieaam nur ain HiDwaia auf dia ba-
trellaiidaii Paragraphaa dar Einlaiimig atattfindat Dar Scholar aoUta dia
Bcdan Aoa dar Zait and dan Tarbiltniaaaii haraaa, in daoan aia antatan-
d^D waran, Yanftaban, nm aieb glaiebaam in dia Laga dea Badnara binain-
Ttraetian sa ktanans in dieaam Zwacka rnnfsta ar aaeb aina klara Vor-
ntellnog von dar politiaebaii Tarfaaaang ond dam GarichtawaBan dar rö-
miachan Bapoblik baailaan. So aind in dar Bada pro Boado Torveg ba-
handelt: BOmiecbe Zostäode zur Zait dar Bada, Laben daa Cicaro, Yar-
anlassuDg zur Anklage des BoscioB, zusammenhängende Bemerkungen zur
Seda aalbst, das öffentliche Gericht. lodern dar Scbfllar alles diea bei-
annman finde, sollte dem Labrer Zeit gewonnen werden für eine grOnd«
liebe apraeblicba ErklArong; die in dar Handschrift fertigen lateinischen
Anmarknngan wurden zurOckgabalten» um der Thätigkeit jenes hierin
niehta Torwegzunebmen. Der passende daatsche Ausdruck solle in ge-
mainsamar Arbeit von Schfiler ood Lehrer gefunden werden. In der Ein-
leitung zur Rede pro lege Manilia ist der Schwerpunkt auf die sehr aus-
führliche historiBche Einleitung gelegt, die, an die beiden Namen des
Mithridates und Pompejus angereiht, allein 113 Seiten nmfafst und eine
genaue quellenmäfsige Erzählung der mithridatischen Kriege enthalt.
Daran pchliefsen sich dann noch BemerknntrPTi über die Verwaltung der
Provinzen u, s. f. Dem abfälligen Urteile Icntuinns n. a. gegenüber wird
das Auftreten Ciceros in dioser Angelegenheit verteidigt.
Orientierende AniiierkuiiLren sprachlicher Art wird der Schüler för
seine Präparation hier immerhin vermissen; auch würde eine Kontrole
darüber, dafs jener sicli mit dem Inhalte der KinleitnnL^n bekannt tre-

maclit habe, voraupgecct/t werden müssen. Anderseits geben di«' letzteren

für den Zweck Icr SlIuiIo zuviel, die Darstellung der mithridatischen Kriege
ipt eher als eine liistorische Mon(»graphie zu bezeichnen. Doch verdient
das Bestreben, dem Schüler auf (Jrund einer zusammenhängenden Erläu-
terung ein gründliches, nicht fragmentarisches Verständnis zu vermitteln,
folle Anerkennung.
Die zur Unterstützung des lateinischen Unterrichts nach Ruthardts
Vorschlägen (E. Ruthardt, Vorschlag und Plan einer äufseren und inneren
Vervollständigung der gramuiatikiilischen Lehrmethode, zunächst för die
Lat. Prosa. Bresl. IbU; vgl. dess. Loci memoriales. Bresl. 1840) «tt-

saramingestellten Quedlinburger Loci verdanken der Anregung Gofsraoa


ihre Entstehung, der auch der hauptsächlichste Mitarbeiter an danaalban
blieb. Es zerfallen diese Loci memoriales (e Cteeronia acriptia aeleeti
et ad Ruthardti praecepta accommodati. In naom aebolarnm ad. G. W.
Oofsrau, C. W. Eallenbaeb, J. A. Pfau, Qaadlinb. 1848 eq. in 2—
schnell anfainandar folgenden Anflagen) in drei für die veraebiedenen
Klaswnatnfen beatimmte Teile; ibnen inr Saite ateben die Loci gram-
matiei (e Ubro ano memoriali elegerani et in na. aebol* ed. Q. K. Pf*
Q. 1847). Dieaa Loci baben, ebenso wie die einatmala aalbat von bober
8*
116 O. WUhttlfli GobfitL

Stell« beaebtete Bofhar^teebe Metbod«, Miner Zeit ^iibebeii irragt» beai»


loiage sind sie nur wenig noeh gektont Nscb dem bewftbtten Graod*
flatte »Loiigom iter per praecepta, breve et efficax per exemplac «iiid bier

aus den Sebriften Ciceros, als des optimns latinitatis auctor,ond in der
Reihenfolge derselben nach eeiten des Inhaltes wie der Form wertfoUt
und in sich möglichst abgeschlossene Stell^'n heraosgehoben; in vollem
Umfange in dem fQr die Oberskife berecbneteo dritten Teile, in mehr nnd
mehr verkürzter Weise im zweiten nnd ersten, während die Loci gram
matici deuselben Stöcken entnommen, doch nach grammatischen Gesichts-
punkten geordnet sind. Im Unterschiede von anderen Loci meinon&les,
welche für die verschiedenen Stufen irp?nndr-rte Stofffl traben, so daf«! die

in den früheren Klaf^spn gelernten Stellen in den oberen leicht wieder


verloren eebpn konnten, ist hier dafür Sorge getr:itren, dafs eine A'-t von
immaneviter Kepetition von unten nach oben in der Weise stattüiidet, caf?

die früheren biitze und Gedanken mehr und üielir bis zu einer abgerun-
deten Auslulirung erweitert auf den oberen Stufen wiederkehren. So wira
der Schüler unt dem einmal Angeeigneten vertraut, ohne dafs eine Er-
müdung -Lu befürchten wäre. Und eben auf eine volle Aneignung kommt
es hier an, sollen anders die Loci ihren Zweck erfQllen. Über die Ver-
wertung und den Nutzen dieser ÜbüMt,"eii ist oben bereits gesprochen.
Wer wird die Folgerichtigkeit der hier zur Geltung gebrachten Grund-
sätze mit triftigen GrQnden bestreiten können? Gewifs wird eine Sprache
doch nur unvollkommen ans Grammatik und Stilistik erlernt, wenn nicbt
tqgleicb ibr lebendiges Bild in die Anschauung und in das Bewofstseta
des LerneDdea aufgenommen wird; diese Aneignung aber Teroiillsit^ ab-
gesehen von einer sehr aasgedehnten LektQre, niebto anderes mehr oad
nat&rlicber ale die EinfBhrang in das OedSübtaie, oraasgesetst, dalk dis
gedftehtaismälsige Anfnabme dnreh fortgesetate Bepetition so einem aiehe-
ren Besitse fthrt Nicht nar die grammatischen Begeln finden an den
eingeprftgten Mustern einen festen Statapnnkt, nicbt nur Phraseologie aad
Stilistik ebenda die rechte Fundstätte, sondern ee wird aach dnrcb die-
selben, waa keine Grammatik nnd Stilistik ?ermag, das Gefthl Ar Ls*
tinit&t nnd fftr den Wohllaut der Bede von unten auf geweckt» welches

sich weiterhia in der von den angenommenen Sprachbildem auch nnbewafi*


beeinflufsten Nachbildung der fremden Sprache bethätigt Der Grnad,
weshalb diese Übungen jetst zurflckgetreten sind, meis also wohl anfeer-
balb liegen, und zwar, wie wir meinen, in der veränderten Stellung, die
das Lateinische den öbrigen Disziplinen gegenüber heute einnimmt. Dentet
nicht alles darauf hin, dafs gerade dieses Lehrfach sich in einer Zeit der
Krise befindet, legen nicht die so zahlreich erscheinenden und darum wsU
einem allgemeineren Bedürfnisse eDtgegenkommenden Stilistiken und ähn-
lichen HQlfsmittel die Vermutung nahe, dafs wir uns nicht mehr auf dem
natOrlichen Wege befinden? Ist die unaufhörliche Diskussion über die rechte
Metbode des lateinischen Unterrichts nicht selbst ein fingeraeig, dais
O. Wilhelm OoIlBraii*

7wisrhpii Ziel nnd Mittel ein in der Sache selbst begrOodetes Mifsvar-
bältnis eingetreten sein niufs?
Dafs die Loci nur ans Cicero gewählt sind, mag mau um des einheit-
lichen Sprachg-ebranchs willen billigen, weiiij^'er vielleicht die an einigen
Stellen, übrigens mit Oeschiclv vorgenommene Kontamination der Stücke;
dafs jene anch iühaltlich (infii reichen Schatz bieten, haben wir oben
bereits betont. Der dritte, vollständigste Teil derselben ist die beste
Wiiiüiiegung de« Vorurteils, welohea man vielfach gegen Chrestomathieeo
aos^iprechen und nachsprechen hört.
Unter den von Gofsrau gelieferten Programm-Abhandlungen
ist die bedeutendste die vom Jahre 1850: Über die hebräischen
sogenannten Tempera, welche, wie es scheint, nicht die ihr ge-
bührende Beachtung gefunden hat. Und doch ist Gofsrau auch hier der
selbständig forschende, lu die Tiefe gehende Grammatiker. Wie er überall
in der Sprache dem ^oyoc nachspürte, so kam es ihm anch hier darauf
an nachzuweisen, wie die hochentwickelte hebräische Sprache mit voller
Dentlichkeit ond gröfster Feinheit ihre briden »Tempora« tod einander
DDterecUedea habe, deren Wesen er in konsequentester Weise auf die
Veiden Varroniscbeo Aetiooes sorflekfflhrt Er wendet sieh gegen die
oberflftcbliehe Anffassang, dafs die Sprache mit diesen Tempora willkflr*
lieh omgesprungen sei and dalb ein orgesetstes Va? das eine in das
andere habe verwandeln kOnnen* Über Qofsrans hebrftiscben Unterrieht
sei mir gestattet das Urteil eines seiner früheren Schiller, jetsigen Uni-
Ttreitats-Profeseore, mitsoieilen, welcher beiengt, dafs er sptter bei be-
rttiiiaten Orientalisten Vorlesongen gebM habe, dafs er aber die Anf-
faaanng dee hebrfti sehen Spracbgeistes und Sprachbaoes nie bei ihnen
gelernt haben wOrde, die er in der Prima doreh jenen gewonnen. Lange
trug sieb lettterer denn anch mit dem Oedanken, eine hebr&isehe Oram-
mniik tn verfassen, doch kam er davon xorflek, seitdem ihm nach einer
veränderten Verteilung der Lektionen die dauernde Anregung data durch
den Unterriebt fehlte.

Weitere Abhandlangen dieser Art, meist Vorläufer gröfaerer Arbeiten,


sind: De Flori qua vixerit aetate (183T), Probe einer neuen Ausgabe der
Aeneide Virgils (Commentatio libr. I, v. 1—209; 184B), Von der.latei-
nisehen Wortstellung (1861).
Die letzten Jahre seines Lebens wandte er einer auf einem anderen
Gebiete liegenden Arbeit zu die ihm mehr als ein wissenschaftliches
,

Werk war: unternahm die Verteidigong der Einheit und Echtheit der
er
mosaischen Böcher und suchte durch eine eingehende Pröfuug und Er-
klärung des ersten Buches den Nachweis zu liefern, dafs die gegen die
Einheitlichkeit desselben und gegen die Autorschaft Mobis vorgebrachten
GrQnde sich als nicht «tirhhaltig erwiesen. Auch der Wechsel der Gottes-
namen Elohim und Jeh^vnh beweise keinen verschiedenen Urfsprung der
Bestandteile; mit dem ersteren werde überall der allmächtige tiott, mit

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118 G. Wiiheiiu (lofärau.

dem letzteren der treue Biindesgott Israels bezeichnet, so dafa di«


sinueutiprecheude Durchführung dieser Sjuoujmen vielmehr auf einen
Verfasser schliefsen lasse. Dieser Com mentar sar Genesis (Halberst,
J. Schimmelburg) erschien 1887, im Jahre vor dem Tode des Vttumn,
Die sehoDongslose Kritilr, welche das durch und durch apologetische Buch
erfahren hat, hat jener wehl forsnsgeeeheo, aher sie kOouneite ihn nkbt
Die Darlegung seiner Anffassaug war ihm nicht minder eine Sache dee
Hertens wie dee Versiandea: sie enehien ihm als die wftrdigato Anliinbe
aeinea Lebensahends, den er gans dem Dienste eelnea Qottss an weihen
gedachte nnd den er ?or der Yollendnng seines Lteblingswerkes sieht h^
schliefen mochte. Es ist anch diese letate Arbeit Gobrans, in welcher
eine FBlle fon Fleib nnd ITachdenken niedergelegt ist« ein Beweis llr
die dem Terfssser eigene Konseqnens, welcher der Ühenengaag war,
dafs, wenn in die Barg dee A. T. eine Breecfae geschhigen wflrde, uifc
der Boden dee N. T. geAhrdet sei
Für diejenigen, welche den Verstorbenen gekannt, sei hier noch anf
den im Amtl. Qaedlinb. Er.-Blatt fom 12. Jan. 1888 wie anch in einem
Separat* Abdruck erschienenen Nekrolog, der aus der Feder eines Ver-
wandten herrflhrt, nnd anf den Kachmi^ den ihm H. von Nathosios ia
der Nummer des genannten Blattes vom 16. Februar 1888 gewidmet hat|
hingewiesen. In beiden finden sich manche interessante Einzelheiten
nnd charakteristische Zfige ans dem Leben nnd der Tiiatigkeit dee fi«t>
schlafenen.
Mit Gofsrau ist ein Stück Schulgeschichte dahingegangen, fr
war der letzten einer, denen es vergönnt gewesen, auf den alten Grund-
lagen gymnasialer Bildung ihre Thätigkeit frei zn entfalten und letzterer

ein vollbefriedigendes Ziel zu geben, Kur eine solche Ge9ch!o^nh«t


konnte ihm, dem alle Halbheit /tiwider w^r, genügen. Iü7.wi<!chen sind

die Zeiten andere geworden. Unter den gieichmäfsig angezogenen For-


derungen in allen fibrigen Disziplinen des Gymnasial - Lehrplanes hat das
Latein, und zwar das lateinische Können die Kosten zn tragen g-ebsbt,

ohne dafs man sich dies recht eingestehen ni5cht^. Daher die ifi ve'--

zweifelten Versuche, deu alten Schein zu w, ihren, die ein gewi>se> Vw.:^
hageu erweciieQ mOsseOi wie es jede innere Unwahrheit herforzaruida
'
pflegt.

Die Bildungsziele wie die Bildungsmittel im einzelnen sind im Laufe


der Zeiten beständigem Wandel unterworfen, dessen Berechtigung in seiner
Naturnotwendigktiit liegt. Aber einen schweren Nachteil tür jede Bil-
dung würde es in sich schlieiaen, weuu dieselbe lu einer Zeit des Cbtr-
ganges unter dem Einstürmen neuer Forderungen ihr Bestes einbfilste, in-

dem sie aus der Tiefe iu die Breite ginge.


Quedlinburg. B. Kohlmann.
Adalbert HorawiU. 119

Adalbert Horawits»
ge^ dtD 2S, Jas. 1840 m Lodi, gett. den 6. Not. 1888 in DObHog bei WitoJ)

»Donnerstag, am S.November 1888, wurde auf dem Friedhofe der


oberen Stadt zu Klosterneuburg ein Mann begraben, der Tausende von
ScbülöMi begeisterte durch seinen prächtigen Vortrag und sie für idealere

LebensAnschauung zu gewinnen verstand, ein Mann, der von unergründ-


licher HerzenggOte vielen ein treuer Freond, ein Berater in den Nöten
des Lebens, eine Stfltie in Bedrängnis war. Wer könnte ihn vergessen,
den eduell oiDheraebreiteDden Mann mit dem blfibenden Aasseben, den
brdtitrftmpigea Hot auf dem Hupte, deo Manii mit den freniidlieb blicken-
den blauen Augen, das Oesieht nmrabmt vem rötlichen Barto, wie er die
Straften dnrchmifB and dabei mit einem derben Stock weithin vernebm-
ber seine Sehritte markierte.« Mit diesen Worten beginnt der pietftts-
ToUe Nekrolog» welchen Frans Schmidl seinem Lehrer nnd epftteren
Pronnde Horawtts, den er aas I6j&hrigem Zosammenleben kannte, ge-
sehrieben hat.
Professor Dr. Adalbert Horawita warde den 28. Januar 1840 an Lodi
in der Lombardei »on dentschen Eltern«, wie Horawits aasdrAcklich be-
tont, geboren. Sein Täter, ein Deotschböhme, war damals Oberarst in
dem k. k. üsterreichischen Heere, seine Matter, eine geborene Wienerin,
die Tochter Ton Michael Mayer, Haaptkaasierer der Stadt Wien. Beiden
Sltem hat der dankbare Sohn nnd spftter ein pietftts-
kindliche Liebe
volles Andenken bewiesen, wie ans der von ihm angesichts des Todes
geschriebenen Antobiographie her?orgeht, worin er dem militärisch bar-
acben Vater neben andern goten Eigenschaften Pflichttreoe und Herzens-
gQte, der Matter grofse geistige Begsamkeit und tiefe Frömmigkeit nach-
rQhmt

Die Quellen dieses Nekrologs sfaid eine Autobiographie (SOöQoart-


i)

seiten), welche Horawiti wlbrend seiner letzten Krankheit geschrieben, die


aber nur bis znm Jahre 1870 reicht; ein LebensabriTs von Horawitz
13 Quartseiteu), welchen sein Schüler und Freund, Franz Schmid!, Dozent
(

der Geschichte an der k. k Kunstakademie zu Wien, mir gütigst zur Ver-


fügung stellte; ein Nekrolog aus der Feder desselben Verfassers
(Deutsche Zeitung in Wien, Nr. 0063 vom 14. Nov. 1888); ein Nekrolog,
welchen I«odwig Ueiger in der (Mflachener) AUgemeiaen Zeitvng (Beilage
Nr. 316 vom 18. November 188B) veröffentlichte; chronologische Angaben, an*
•ammengeitelU von Begiemngtrat Ptaschnik, Direktor des k. k. Oyrnasp
siams im IX. Bezirk der Stadt Wien, an welcher Anstalt Horawits suletst
wirkte; die Arbeiten von Horawitz und zahlreiche Briete, die er mir im Laufe
der letzten zehn Jahre gesrhriehcu hat. Auch an dieser Stelle sage ich ge-
nannten Herren, die mich ontersttttzten, meinen beoten Dank.

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120 Adalbert HorAwito.

Im Jahre 1844 wurde der Vater als Obersrat und Spitaldirektor oacb
Klosterneuborg zum k. k. PSonier- und Pontonierkorps verMtit Hier
worde dor tnt vierjährige Knabe alsbald der Volkescbole fibeigebeo, in
der damals »das krasseste PrOgelsystemc herrscbie. Sein Lehrer Anton
Wolfram begeisterte ihn in so hohem Orade fftr Mosik, dafii er sich gani
der Mnsik widmen wollte nnd alle freien Stunden am Chifiere snbnebte.
Die Freude an der Musik ist auch dem Jfitngling und gereiften Hanne
geblieben.
Den ersten herben Sehment erlebte der Knabe, als im Jahre IS48
der Vater in den italienisehen Feldsug fort mulSite. Im gleichen Jahre
trat Horawita in die erste Gymnasialklasss der Sehnle des Chorberre-
Stiftes ein, wo es die muntere Jugend trots der geistüchen Lehrer nn
aosgelsssenen Streichen nicht fehlen lieCi, an die sich noch der Haan
gern erinnerte. Eine vollkommene Änderung der Lebensweise iral ein,
als die Matter mit ihrem Adalbert (erwar das einzige Kind seiner Eltern)
auf Betreiben des Grofsvaters nach Wien in ein altes Haus der Sigmund«

gasse Obersiedeln mufste. Die Studien wurden unter Leitung eines gnt-
mQtigen alten Piaristea, namens Cserwenka, fortgeeetat« der ein tflchtiger
Lateiner war.
Des Vaters Försorge verschaffte dem elQäbrigen Knaben in dem
etwas älteren Heinrich Sailer, i^eni späteren berf^hmten Nationalr>konomen,
für das ^an?e Leben eiueo treuen Freund , der ihm so teuer wurde als
ein leiblicher Bruder.
Mit dem 13. in das Obergymnasium auf.
Jahre stieg Horuwitz Ge-
schichte und waren die Ljeblini?sfächer des Knaben.
Naturgeschichte
SchwiPM^'kf'iten ergaben sich in der neuen K];ls^o in Latein und Mathe-
matik, wuriii die Vorkenntnisse sehr schwach waren. Unter den Lehrern
der Anstalt gab es auch geringwertige Pädagogen, so z. B. den Lehre*,
der Xenophüii erklären sollte, bei dem aber die meisten Schüler etwii»
Anderes trieben, z. B. Karten spielten. Daneben hatte Horawitz das Qläck,
auch voti ausgezeichneten Lehrern lernen zu dürrVn. Mit Dankbarkeit nennt
er Dr. Adnlt liocr, welcher die deutsche l^iticratur lehrie, Viucx'i.i Eal,
zugleich Custüs des k. k. Münz- und Antikenkabinets, iu der äufseren Er-
scheinung »der echte Scblafrockprofessor mit goldener Tabaksdose^c der
aber trotzdem dorch sein gediegenes Wissen ond p&dagogiscben Takt deo
Scbttlem imponierte, der Deatschb<)fame Heinrich Hartmann, b«i den die
jungen österreicber sich als Dentsebe üDblen nnd Deatsehlands Litterater
bswnndern lernten.
Der am IB. September 1866 erfolgte Tod des Vatsrs liefe Motter ond
Sobn in so kftmmerlichen VermOgensTerbftltnissen surftck, dals dsr Sobn
PriTotonterricbt erteilen mofste. tEine vortreffliche Übong namentlich
für den, der Lehrer wird, hier ond da noch bei gotmOtigen, tnlentiertes
Knaben eine Quelle des Vergnairens, abn* schrecklich, wenn man tw-
dammt ist, wie das meist der Fall ist, die Elemente ganz DnAhigsn,

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Adalbert UorawiU. 121

"Widerwi üifcreii ein jiaukr-n und dio kostbaren Rtinnipn. welche man der
drinijciui nutigeu eiKeuen Aubbildung zu^vemieu möchte, nuf die«? Weise
veigeuilfn zu mfi^sen « Trotz dieser Abhaltung bp<t;in.i »^r löö7 am
Josefstädter Gymnasium zu Wien seine Maturitätsprüfung, wobei er sich
in Latein (TacitoB), Griechisch (Plato) und deutscher Geschichte aus-
seicbuetf'
Nnn mnfste der Bernf gewäiilt werden. Dabei trat an ilorawitz der
Gedanke heran, ins Kloster zu gehen und Geistlicher zu werden. Nor
die Kiicksicht auf die innig geliebte Mnttcr, von der er sich liatte trennen
müssen, und das Abraten seines Ireundes Sailer hinderten ihn an der
Ausführung dieses Vorhabens. In den letzten Jahren seines Lebens hat
Hortwits es bereut, seiner Neigung nicht gefolgt zu sein. »Wenn ich
damals gewofat bftlt«,t tehrvibt er 1q seiner Autobiographie, »wie rasch
mir lUeB Liebe, Tor allem die Mutter, dann Sailer und so viele, viele
Teuren entrieaen werden würden, wenn ieb gewufot bitte, dab Mifeerfolg
Allan meinen Sebritten folgen würde, data icb endlieb ein armer Hanrestola
bleiben mfleae, bitte icb docb die Schwelle dee Cborberrnattflee (tu ElcBter-
neobnrg) aberaebritten, nm immer und
daselbst zu weilen, micb der Predigt
Seelaorge tn widmen. Nocb jetzt siebt oft eine Art Heimweh darnach
dorcb meine Seele. Wer weib» wie glicklicb ich in dem Berufe wire,
anderen das Schwere und Harte dee Lebena leichter and ertriglicber
sa machen U
Gegen den Willen dee Orofevatersi welcher ana dem Bnkelsohn gerne
elDcn Theologen oder Juristen gemacht bitte, damit er »kein armer Teofeli
werde, wiblte Horawiti daa Stndiom der Philologie und Qeechichte. So
wurde er von 1866—1863 atrebeamer und fleilliiger Student an der Alma
mater tn Wien. Er bl^rte die Torachiedensten Yorleeungen: grieebiecbe
LHteratnrgeBchicbte bei Bonits, Vergil bei Hoffmann, alte Geschichte bei
Aecbbacb, Sanekrit bei Boller nnd machte zugleich philologiach-hiatorieche
Seminarfibungen mit Am bebten gefiel es ihm bei dem strengen Asch-
bach, deaaen Gunst er durch eine Seminararbeit Ober den Tod des älteren
Kyros gewann. Hit österreichischer Geschichte machte sich Horawitz unter
Leitung dee gelehrten Benediktinera Albert Jäger bekannt, der weitherzige
Toleranz auch gegen andere Auffassungsweise übte. Die Anregungen iscb*
bachs wirkten so nachhaltig, dafs Horawitz »ich mehr und mehr von der
Philologie zurückzog und sich fast ausschliefslich der Geschichte widmete.
Von dieser veränderten Bichtung seiner Studien sagt er selbst: »Übrigens
lag darin nur ein Zug der Naturnotwendigkeit. Denn von jeher haben
mich nur der Mensch, seine Geschichte, sein geistiges Lobeu, seioe Be-
ziehungen intorpssiort Die Form war nnd i.st mir sehr Nebensache.«
»Die eigentliche Altertumswissenschaft, zu der n)uh stets zug, ist denn
4och nichts als Eine neue Welt der Knr-rhiuie prschlossen
(Ipsrhichte.«
ihm die Vorlesunu-en Theodor Sickel, dessen grolse Geli'hrsamki it
von
alsbald wie von den anderen Höreiu auch von Horawitz bewuudert wurde.

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122 Adalbert JUorawiUs.

Ben Hinweisen dieses Gelehrten verdankte er die Bekanntschaft mit den


Schriften von Waitz, DQmmler, Köpke, DOonigee, Wattonbacb und Bü-
dinger.
Aber auch die klassisch - philologisehen Studien wurdeu nicht eani
aufgegeben (Horawitz erwähnt mit Hochachtung an dieser
besonderer
Stelle seinen Lehrer Johannes Vablen) und durch germanbtische noch er-
weitert, wobei Fram Pfeiffer nnd Wilhelin Scherer sMhlniDdige Führer
wareD. NatientlOkoDomie, welcbe er bei Lorasi fon Stein bftrte^ tiihtei
eich an, ebenso einige jeriatieche Vorleanagen.
Ein Plan, die Uni?ereitKi Berlio so beeochen, nroreto ans Hansel an
Mitteln aufgegeben werden. Im Jabrt 1862 erwarb Herawiti die ^fle-
eopbieehe DoktorwQrde, nnd bei dem solennen
das mit dea
]>o1itorfeBte,

atodentiscben Freooden geleiert wurde, bielt derspMer so berühmt ge-


wordene Tbaoeiag die Festrede. Im gleichen Jahre 1863^) wurde eedaaa
die Lehrbefthignttg fflr Geographie nnd Geschiebte an Bealsehnlen ef-
worben. Spftter erst machte er auch die Prfifong flir die Gymnasien.
I>iegrobe Not der Mutter dringte snr Anaahme einer Lehrstolla, die der
Kandidat Horawits sodann durch die Vermittelang Ton Bonits an der Beal-
schole zu Troppan erhielt.

Die Jahre 1868*)- 1870, die »Supplententeit«, hat Horawits selbst


als »die sieben mageren Jahre« seines Lebens bezeichnet Obgleich er
von dem Direktor der Troppaoer Bealscbule, Adalbert Möller, auf du
freundlichste aufgenommen wurde, auch unter den Kollegen gute Freunde
gewann und fast ohne Schwierigkeit die Führung in den Klassen in dis
Hand bekam, fand er sich doch nicht behaglich in dem schlesiscben
Städtchen. Den verwöhnten Sohn der Grofsstadt quälte das Heimweh
nach dem lebensfrohen Wien nnd der geliebten Mutter, mit der er bisher
«nzertrennlicb 7usammpn gelebt hatte. Eine Festrede zum Jahrestage der
Schlacht bei Leipzig, wozu er mittags um vier l'hr sieb entschlofs, wäh-
rend die Rüde aboiids um sieben Uhr schon zu lialteii war, machte iha
rasch zu einer bekaniiten rorsönlichkeit in der kleinen Stadt.
Mit der Troppauer Schuljugend, deren volle Liebe sich der junge
begeisterte und begeisternde Lehrer schnell gewann , war Horawitt sehr
zufrieden: »Was die Schüler anbetrifft, so habe ich wohl nie anständigere
und gutmntiß-fire crehnbt « liie Aufsatzthemen wurdon dem Anschauunrs-
und Gedankenkreise der Schüler angepafst und die Aufsätze immer srhriel".
korrigiert, um bei Lehrer und Schülern den frischen Eindrock nicht ?er«

loren gehen zu lassen.

1) So wenigstens lautet die Angabe von Horawits, die doeh wohl riehtif
sein mnfs, aber nicht mit den sonstigen Quellen stimmt.
8o rechnet Horawitz ?p!b«t in seiner Autobiographie. Nach den tob
Ptaschnik mir übersandten Notizen wäre Horawitz erst 1865 Suj^plent aa der
Realschule zu Troppau geworden. Zur Zeit fehlt mir die MOgiichkeit, dieioi
Widerspruch zu beseitigen.

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Adalbert UorawiU- 123

Aber trotz der vielen Äuoehmlicbkeiten der Troppauer Stellung ruhte


Horawitz nicbl, bis er 1864 als Probekandidat ao das Josephstädter
Gymnasium nach Wien versetzt wurde, natürlich ohne Gehalt. Aber
die monatlichen 50 fi., welche er in Troppau bezogen hatte, wurden in
Wien durch Lektionen eingebracht.
Wie ein Tuet feiert Horawitz in Reinen Anfzeicbnuij^^en seine Rück-
kehr nach Wien. »0, du altes graues H;iii& in der Josephstadt! Wie
hängt mein Herz treu und innig an du ! Du uinüngst in deinem mäch-
Ügeu Gem&aer den zitternden Knaben, den fröhlichen Jüngling. Und wie
wobl fOUto er sieb in deinen Gärten, deinen langen Gingen und bobeo
Zlmmeni, wie wobl fDblte er eleb In deiner Kircbe^t An dieeen dem
Plariaten - Gjmneeiom gewidmeten Brgnlb reibt sieb ein ebenen warmee
Ijob ftr die Piarlftea-Lebrer ane der alten Scbnle, mit denen eich gut
QDd leiebt leben lieA» da eie frei tob allem Zelotiemne geweeen eeien.
Als Horawits 1804 in der Anetelt eintrat^ wnrde eie von P. Karl Hagnne
Fejerfeil geleitet, der dem F. Scbleebt gefolgt Der Direktor empfing
den Denen Probekandidaten frenndlicb, obgleich dereelbe einet in Feyer-
leils Aneb die meieten SebOler
Matbematiketonden nicbt gegl&ost batte.
der dberfDllten Elaeeen braobleo dem nenen Lebrer f&r Qeecbiebte nnd
Litteratorgeeebiebte ein warmee Hera entgegen* Daneben mnfete er aocb
formale Logik geben, ein ünterricbtegegenetand, dem er naob eigenem
Geetindnife nicbt gewacbeen war. Yergeblicb bewarb er eieb in dieaer
Zeit nm Latein nnd Orieebiecb, dae er eebr gern gegeben bitte, aber
nicht erlangen konnte, Yormotlicb deebalb, weil er dafllr keine Prüfungen
beetandea hatte. Dieee Sobnletelle verlor er im Jahre 1809» für ihn ein
sebwerer Schlag, weil er mit eeiner Mutter nnd dem schwer erkrankten
Fkeonde Sailer hauptsftcblicb von dem Sopplenten - Gehalte (etwas Ober
400fl.) lebte. Ein Vereoohi durch den Minieter von Haener im Beeits der
Stelle in bleiben, milelang.
Zu Beinen Sorgen kam noch der Schmort, dab er eeinen treuen Freund
Sailer verlor, der 1860 seinem schweren Lungenleiden erlag. Dessen Nach-
lafs, nationalökonomische Arbeiten, besonders Ober Preisverhältnisse» gab
Horawitz sodann in den »Blättern des Vereins fQr Landeskunde« und
in Hiidebrands »Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistik« heraus.
Auch verfaTste er einige Aufsätze auf Grund Sailerscher Vorarbeiten, die
sodann in Joh. Mallere >Zeitsohrift für dentsche Kultnrgeechichtec ge-
druckt wurden.
Aus der grofsen materiellen Nf t betreite ihn die Ctiert ragung der
Lebrerstelle für aligeraeine- und KuUui -Orsrhichte an der Ak;idemie der
bildenden Künste zu Wien. Er wurde damit der Nachfolger K ßöslers
der nach Gratz berufen worden war. Durch einen Probevortrag Über
die Kultur der Rermissanco vor den Lehrern der Akademie, wobei er
mit andern kuuk Linieren mnfste, errang er sich die Steile.
Aber auch das kleine teste Eiokommen, das mit dieser Steile ver-
134 Adalbert Uorawitz.

bunden war, reichte für Horawitz nicht aus, um mit seiner Mutter be-
haglich zu leben. Eine nochmalige Bewtroung um eine Profess^renstelle
an dem JosephstÄdt^r Gymnasitim wurde wieder abgewiesen, ond obgleich
ein warmer Anhänger des CTsmuasiums, mufste er sieb beqnemen, 1870
eine definitive Lehrstelle an der Scbottenfelder Realschale in Wien anio-
nehmen, nur um endlich einmal der drückendsten Nahrungssorgen über-
hoben zu sein. Die Besorgnisse des erfabreuero Grofsvaters wegen de«
»armen Teufels« waren doch nicht so ungegrOodet gewesen , wie der jn-
gBDdliche Brmmkopf in Mlnem wiiMnschnllliehett EDtbosiasmos gemeint
hatte.
Von 1875—1888 war Horawits Professor am Staate -GjDoasiem im
nennten Besirk sn Wien. Über seine Thfttigkett an dieser Anstalt sehrtibt
der gegenwärtige Leiter derselben» Herr Begiernngsrat Ptaaebnik: »Pro-
fessor Horawits war ein Frennd der studierenden Jogend nnd als Lehrer
allgemein geseh&tst«
Heben seiner Schnlthfttigkeit ging die akademisehe an
der Universit&t Wien einher. 19 Jahre war er Prifatdosant der
Qeschichts. Br hatte einen siemlieh nmfangreicben Kreis ?on Vorleaan-
gen. Unter anderm las er ttber Allgemeine Oesehichte des Hitteklters
(Sommersemester 1886; auch fOr Sommsrsemester 1868 hatte er dieselbe
angekAndigt) konnte aber nicht mehr lesen), Oeschichte dss 14. nnd 15.
Jahrbnnderts mit beeonderer Berflcksicbtigang den Enltnrlebena (Sommer^
Semester 1882), deutsche Oeschichte (Winterseraester 1883/84), Allgemeine
Knltorgeschichte (Sommersemester 1884 nnd 1885), Geschichte des Huma-
nisrauB in Deutschland (Sommersemester 1874), Geschichte des Humanis*
mns (Wintersemester 1875/76), Frankreich im Zeitalter der Renaissaaee
(Sommersemester 1877), Geschichte Frankreichs und Englands im Zeit-
alter der Benaissance (Sommersemester 1883), BVankreich im Zeitalter
der Benaissance (Sommersemester 1877), Geschiebte der Benaisaance ia

Italien (Wintersemester 1879/80), Geschichte des Zeitalters der Reforma-


tion (Wintersemester 187ß/77), deutsche Geschichte im ReformatioDSieit-
alter mit besonderer Berücksichtigung der geistigen Entwickelun^ (Winter-
semester 1887/88, wahrscheinlich nur angekündigt nnd nicht gelesen), (Je»

schichte Kuropas im 10 .Tührhutuicrt < Wintersemo-tpr ls,^r./86).

Wenn schon unter diesen autgezählten Vorlesungen die aut den


Humanihuius und die Renaissance bezüglichen vorwiegen, so führte eine
andere Gruppe noch mehr in die Einzelheiten der grofsen geistigen Be-
wegung hinein, welche der deutschen Reformation vorangniL% nnd lie das
eigentliche Arbeit^gebiet von Horawitz ausmachte. Beispie:s\voi-e ^eiea
genannt: Anfänge der deutschen Philologie und Altertum8wis^<ensc^aft
(Sommersemester 1875), Leben und Werke des Erasmus von Rotterdam
(SoDimersemester 1876), Geschichte der griechischen Studien in DeutschlaDd
(Sommersemester 1877), Geschichte der klassischen Studien in Deutschland
(Sommersemester 1880). Über neuere deutsche Gescbichtschreibuog t^ii

. uj y Googl
Adalbert Homwitt. 125

1530 (WtDtorwmMler 187»/74). Sogar PbiloBOtphle der Gwebicbto bat er


•mmal angekflndigt (Sonmersemester 1887).
Id einer anderen Ornppe von Vorlesungen macht sich der Österreicher
geltend: Volkswirtschaftliche Verhältnisse Österreichs im 15. Jahrhundert
(Wintersemester 1873/74), Österreichische Geschichte mit besonderer Be-
rücksichtigung der volkswirtschaftlichen Verhältnisse (Wintersemestor 1878
— 1879 und Wintersemester 1879/80), Österreichische Geschichte im Mittel-
alter (Wintersemester 1884/85)^ Österreich im 19. Jahrbaodert (Sommer-
semester 1887).
Über den akademischen Lehrer Horawitz urteilt ein Zuhörer folgender-
mafsen: ii»0an7. unrl voll Mann und Lehrer war er, wenn nr den Katheder
bt'tiat, uüi über Pcrikles zu sprechen, für den er schwärmte, oder mit
scharfen Worten iie Gegenreformation zu beleachten oder mit feinem Ver-
stäub ids die sdcicilt'ii Bestrebungen der Gracchenzeit, nicht ohne bei&ende
Seueiiliiebc auf die Gegenwart, zu erörtern oder in geradezu entzückender
und hinreiisender Weise Luthers That zu schildern. Ein Sprachfehler,
der ihn an der Aussprüche ies h \\\m\ tz hindf i Le, k nnte anf ihm unbe-
kannte Zuhörer nur auf Minuten Ijelreintlösid wjrkeu, um dann einem regen
Int€ie^be und warmer Teilnahme Platz zu machen. Ein Redner, der nie
um das richtige Wort verlegen war, der stets aus der Tiefe seines Wissens
schöpfen konnte, nicht ohne VolkstQmlichkeit — naturlich im besten Sinne
— wäre Horawitz entscbiedeu geschaffen gewesen für parlamentarische
Tliiitigkt'itc

Gleichwohl gelaug es ihm nicht, wonach er sich sehr sehnte, und


worauf er bis ans Ende seines Lebeos hoffte, aufserordentlicher oder gar
ordentUcber Professor an einer Hochscbale zu werden. Br bat die Sehn-
sucht Dsch einer bloCs akademischen Th&tigkeit mit sich ins Grab ge-

SiB sehr dnnkles Blatt im Lehen von Homwits ist seine Bhe. Eine
sohftne Wienerinwar der Gegenstand seiner StndenteDliebe gewesen, hatte
aber dann einen andern Ehebund geschlossen, da Horawits die Mittel snr
Qrftndnng eines Hausstandes fehlten. Spftter ?erwitwete die Jugendgeliebte»
nachdem sie ihrem Gatten swei Kinder geboren hatte. Eine Annfthernag
swischen ihr und Horawits fftbrte in der That sn einer Ehe, die aber nnr
•in Jahr gedauert hat. Eine grQndlicbe EntUkuscbung ?eranla£ite die
Trennung und Horawits hat den Rest seines Lebens als Janggeselle gelebt
Über die letste Zeit seines Lebens mag Franz Scbmidl berichten, der
aeiaem Freunde auch in diesen schlimmen Monaten tren snr Seite ge-
atanden. »Bs war Ende Oktober 1887, als Horawitz sich eines Tsges
beklsgte, dals Fsfsschmenen am Knöchel des rechten Beines ihm das
Gahen sehr erschwerten. Schon in Ebensee am Traunsee, wo er in den
letsten Jahren immer Erholung von dem Staube Wiens holte, hatte er
Schmerzen Torspflrt, doch ihrer nicht geachtet Jetzt ward er genötigt,
mnf Amaten des Arstsa sich su Bette tu legen, »TorlAufig auf fierzehn
126 Adalbert Hoimrtti.

Tage,« aus denen sehr bald sechs Wochen worden. Der ihn behandelnde
kni socbte unter der GeschwnUt Eiter und schnitt sie aof, ohne das Er-
murtoto IQ finden. Veracbiedeoe Speeialisten legten ihm nahe, sich oach
Wien auf die Klinik Oberfßhren zo lassen (er wohnte in den letzten Jahren
in dem nahe bei Wien gelegenen Elosternenbnrg); doch Horawitz war dazo
um keinen Preis zu bewegen. So lag" er unter vpr?c!iie'1enen Knren, d?e
sich alle nicht bewähi t( n. bis ins Frühjahr 1888 hinein, von der müderen
Jahreszeit Heilung erwartend. Doch vergebens! Im Jcli kam T'i'Ir. th

persönlich, erklärte die Sache fflr bedenklich, jedoch nicht gefahrlich.


Der Arme, der pich bis dahin leidlich frisch erhalten hatte, bekam nuo
anfangs SeptriDl er ent.v< t^liche Schmerzen und verfiel ^ehr rasch körper-
lich.« Ergriiten l ^ni 1 die kaum leserlichen Briefe, welrlie der Schwer-
kranke mit zittfriider Hand m dieser Zeit geschrieben hat, wenn er da ge-
legentlich um einen letzten Liebesdienst bittet und unterschreibt: »Lebe
wohl. Deine erlöschende Flamme Horawitz.« *Da auch bald Appetit-
losigkeit sich ein8tellte,€ föhrt Schmidls Bericht weiter, »so entschlofs er
sich ins Rudolphinenhaus, eine grufsaitig enii^erichtete Privatheilanstalt
in Döbling bei Wien, zu gehen, um sich dem Messer Billroths auszu-
liefern. Es erfolgte nun die Amputation des rechten Fufses oberhalb des
Gelenkes. Ich besuchte ihn drei Stunden nach der Operation. Ich sah
ihn, meinen geliebten, unersetzlichen, väterlichen Freund zum letiten Mal
lebend. Eine Longenentzflndong erlöste ihn nneh swei Tigen toh Mioeai
Leiden» dae er geduldig getragen wie ein Held. Aof dem Emnkenltger
der letiten Woehen war Hinn.«
er der ToUe gereilte
Ee erübrigt nun, noch ein Wort Aber die litterarieehen Lei-
sinn gen von Horawiti au engen. Wir eehen an dieeer Stelle ab fea
den aahlreieben Zeitongsartikeln, Besprechungen, Eesaye fiber Volkswirt-
schaftlielie Gegenstftnde» neue litterariscbe Braebetnnngen, welebe der leder-
aicbere Hann hftnfig ecbnell hinwarf, nnd die ihn gewib oft yüd eraetv
wieeenachafUieber Bchriltstellerei abgehalten haben. Aneh aeioe eiitea
wiflaenechaftlichen Arbeiten, die eich meist mit olkawirtschalttichen Fia*
gen beechftftigen, können hier nnbeeprochen bleiben; denn Hormwita war
darin ollständig abhängig von aeinem innig geliebten Freunde Salier,
dessen litterarischer Naohlab nach seiner eigenen Angabe ihm den Stef
lu den Anikfttsen lieferte. Daijenige Gebiet, wo Horawits qoellenmil^
Bescheid wofate und die Wissenschaft dnrch seine Leistungen geArdert
hat, ist die 8ch(^ne und reiche Welt der Benaieeance und des Hamanismos,
die sich in mehreren Ländern Europas unzertrennlich mit der QeBchicl tt

der Beformation verbindet. Diesen wichtigen Abschnitt menschlicher Kul-


turgeschichte hatte er zu seinem Spezialfach erwählt, und nicht weniger
als 26 seiner wissenschaftlichen Arbeiten gr()rseren und kleineren Umfangt
beliehen sich darauf. Die genauen Titel derselben eind am ScUuass
dieses Nekrologs sasammengestellt.
Aber wenn er auch in seinen Vorlesungen und Studien immer die

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Adalbert HorawiU. 127

ganze Erscheinüng der Kenaiasauce pflegte, in seiner Schriftstellerei be-


Rchränkte er sich auf die in Doiitsrhlanr^ zur Entwickelung gekomrnene
Form der crenannten geistigen Erscheinung. Italien, Frankreicb. Kurland
sind nur maoweit beii:«?/' gen, als es das Verständnis des deutschen Huma-
niemiis erheischt. Er-t die geplante Arbeit über Kinsrans, die aber nicht
zu Stande i<oinrnen suUte, würde ihn auf breitere Bahnen geführt haben.
Bezeichnend fOr seine A:l oitsweiee ist zunächst das Bestreben, un-
gedruckte Quellen für sein Thema zu ersclilieisen. Die MelifTabl seiner
Arbeiten »ind zum überwiegenden und wertvolleren Teil VcrülleDtlichun-
eren ungedruckten Materiales. Er hatte eine grofse Freude an der Auf-
spürung besondere von Briefcodices ans der Huraanistenzoit und dabei
unleugbar eine glückliche Hand. Handschriftliche Briefe aus Mftnchen,
Sclilpttstadt, Basel, Wien, Salzburg, St. Gallen und anderen Orten sind
durch ^eine Unermödlichküit einem weiteren Benutzerkreis erschlossen
worden, und wie wertvoll das von iiiin Auf^^estuberte war, beweifst am
besten die Thatsache, dafs die Ergebnisse seiner ArbeiLcu rasch in weit-
verbreitete BQcher Aufnahme gefunden haben. Man braucht nur einen
Blick in die bekannten Werke von Ludwig Geiger, Johannes Janssen,
Karl Steiff n. a. zu thun, um sich davon zu Oberzeugen, wie scbätz-
iNir die So gelang es ihm
von ihm veröffentliehten Materialien waren.
I. 6. EigÜDiongeu tu finden tu den im Corpns BeformatoniiD ver-
einigten Briefen MeUnchlhone, eu dem von Ludwig Geiger gesammelten
Briehreeheel des berfibmtea Jebannee BeoehUn, an den von B&egger ber-
nnsgegebenen Briefen dee Zaeiue» beeonde» aber sn dem obnebin sebon
atattlieben Briefwecbael des Desiderina Brasmos.
In den meisten FlUea scbickte er den Briefpeblikationen sacbkondige
Bmleltnngen voran nnd bellte nacb ErAften die in den Briefen vorban-
denen Sebwierigkeiten doreb Anmerkongen aof. Nor gelegentlieb konnte
er einmal die Bemerkung binwerfim, bei Homanistenbriefen geaOge sebon
der blofse Abdmck, welche Praxis er selbet aber nicbt befolgte. Bei der
laagjlbrigen Beseb&ftigang mit dem gleioben Gegenstand batte er siob
alholblicb eine aosgedebnte Belosenbeit der eineeblKgigen Litteratnr nnd
gnte Sacbkenntnisse erworben» so dali man ans seinen Anmerkongen fast

immer atwaa lernen kann. Ab nnd an wird man freilieb die Oleiob-
mlbigkeit in der Bebandlnng des mitgeteilten Stoffen nnd die anbedingte
Angaben vermisaen.
Zoverlftsaigkeit der
Weniger glQoklieb war Horawiti in der rein philologischen Behand*
long der mitgeteilten Texte. Bnrsian im »Jahresbericht fflr Altertums-
wissinecbaft,c Hehle in seiner Arbeit Ober Jakob liocber nnd andere
haben sebon daraaf hingewiesen. Aber auch Horawitz war eich darüber
ToUsttodig klar. Hit anerkennenswerter Offenheit sagt er gelegentlich (Ana-
lecten zur Geschichte der Reformation und des Humanismns in Schwaben,
S. 9): »Bei der Wiedergabe dee eo verderbten Textes habe ich von Etnen-
daiiensn laet gaai abgesehen nnd auch arge Widersinnigkeiten stehen

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128 Adalbert Uonwittk

lassen; die Emendation ist eben nicht meine Sache nnd mag Berafenereo
flberlaaaen bleiben.« Hier rächte es sicli, dafs er so früh von t^en streng
philolt'£ri«rhen Studien abgesprungen war und sich aus^rhlief^licb auf Ge-
schichte geworfen hatte. Doch ist er wieder in manchen Arbeiten eifrisr
be?iiüht gewesen, die von ihm veröffentlichten Texte möglichst lesbar tu
machen. So sayt er in einer anderen Arbeit; nir ir-e SchwieriLTkeiten —
ond ich fürchte bo inancJie unbehobene — rii<jchte uer häufitr .-inn;-'-' ver-
derbte Text, der von einem Abschreiber lierrührt, der Tifter gauz gedanken-
los copiert haben mufs. Da galt es gewaltsam dreuuüfahren ; Aceentfeh}#r,
von denen m wimmelte, ond dergleichen lieben 8ich freilich leicht emeo-
diereu; schlimmer war es, wenn mehrere Sät7.e durch kleine An^ngs-
buchsubtüi und falöchti Interpunktionen tu einein, einer zu mehreren ge-

macht wurde.f Auch au eigentlichen EmeDdationen fehlt es nicht, die


freilich nicht immer den Beifall anderer, z. B. Konrad Bargiaus, gefuadeo

haben.
Seins ombogreicbsle Arbeit betiebt sich auf Beatus Bbsaant
sae SebUltetsdt, den aosgezeidiBeUs Honaiisleii, den imemidlichn
und gesobidtten Heraoifeber klasiieober ond epiterer Texts, den kritiaebet
Qeecbiebteforscber und Patnoten, den Frennd und Liebling dee berflbmtea
ErasoDS ?od Eotterdam. Er bat deeatti Leben nnd Sebriften aowi« seine
der Stadt Seblettatadt Ternacbts BibUolbek in Tisr AoMtaen bsbandelt,
welebs die Wiener Alndemie in ihre Sitanngsberichte an^soommeo bat
Die wertrolUts Quelle dafAr war der sehr umftingrelcfae bnodedirtl^
liehe Briefwechsel des BbenannSt welcher in der stftdtisehen BihUo4hd(
stt Scblettstadt anfbewahrt nnd Ton einem wenig frtnndliehen nnd tienh

lieh henntaisloeen Beamten so gebotet wurde, als ob dssssn YsrOffsnt-


lichnng Europa oder mindestens Scblettetadt in die sehwsrsten Gefahrsa
verwickeln könnte. Trotzdem gelang es dem höflichen Hotiwila dies«
Briefwechsel teils selbst abzuschreiben, teils dorch andere abscbnibei
an lassen, wobei man dem damaligen Bibliothekar Schlettstadts nacbssg«
mufs, dafs er seinerseits alles gethan» nm die Arbeit zo erschweren nnd
anderen die Arbeitslast gründlich zu verderben. Nach der Fertigstellung
der Biographie des Bbenanos dachte Horawit?: an eine Veröffentlichnng
des Briefwechsels, der grOfstenteils angedruckt war. Aber die Arbeü
wollte nicht vorwärts gehen. Es war Horawitz überhaupt schwer, sich
monate- und jahrelang auf einen Gegenstand zu konzentrieren. Sein be-
weglicher und unruhiger Geist sprang immer wieder vnn einem gewählten
Thema ab, um sich in einen anderen Gegenstand zu vertiefen, der ihm
aus irgend einem Grunde gerade anziehend geworden.
Im Sommer 1879 bat ich, ohne ihm persönlich bekannt zn sein (wie
ich ihn überhaupt leider nie persönlich kennen gcleint habt ) um Aus-
kunft in einer wis^ensfliaftlichen An!j-eleL^:enheit, Seme Ireundlicb© und
gefällige Antwort war be^'leitet von ^iein Aueibieteu, mit ihm gemeinsam
die iiorrespoudenz des iiboüauuö herauszugeben, iiacb reiüicher Cibcf-

Digitize«^ n^--^
129

legnog sagte i«h so und maehto ibm meine Yonehttge filier die Ati der
Hetanagabe, die er faat alle billigte. lob bekam aen eiaen gewalttgea Woat
nngeordaeter Mannakripte, die aaent aa aichtoa aad dann aaeb dem Daiam
der Briefe ebronologisch zu ordnen waren. Nachdem ieb dareh einen mebr-
maligen Aufenthalt in Schlettstadl die Sammloag TerTollständigt, zahl-
reiche Briefe nochmals kollationiert hatte, konnte die Bedaktions - Arbeit
selbst anfangen. Die Daten worden, wo das nötig, nach dem jetzigen
Kalender reduziert, sämtliche Briefe chronologisch gelegt, Anmerkungen
SQ den achwierigon Stelleu hinzugefügt oder die Stellen angedeutet, wo
Horawitz solche hinzufOgen aoUto. Aufserdem dnrcbancbten wir beide
die gedruckten Briefsammlongen von Homaniaten, nm unser Werk mög-
lichst vollständig zu machen. Nach mehrjähriger Arbeit konnte ich das
Bchön geordnete Manuskript nach Elosterneuburg, wo Horawitz damals
wohnte, schicken, damit er seine Zusätze mache. Ein frischer, liebens-
%vLi:dii':ei Brief, wie Horawitz viele geschrieben, dankte mir für die Hilfe.

Aber erst im Jahre 1886 verliefs der umfann"!eiche Band die Presse.
Welche Teile desselben gemeiiisarae Arbeit sind, welche ich allein fertig
gestellt, darüber giebt die Vorrede Aufschlufs. Ein Ii er/.l icher und ju-
belnder ikief des Mitarbeiters, worin mir dem jüngeren und nie gesehe-
nen das freundschaftliclje j>Dut angeboten wurde, belohnte mich, als die
fertigen Exemplare des \Verke8 bei Horawitz anlingten.
Beatas Kbenaimö fülirt ungezwungen zu Jeni i^iolsüii Deside rius
ErasüiQs- Beide Mänripi waren treue 1 reunde und haben lange in ver-
tranteui Verkehr gestaudeii. Der gioläero und altere Erasmus h'di seinen
Schlettstadter Freund wie einen Sohn geliebt und mit den zärtlichsten
Namen belegt. Bhenanus ist der Herausgeber zahliL' icher Werke von
Kraiiiiüs, und als letzterer im Jahre 1536 starb, da hut UheütiJius seine
"Werke gesuiiiuieit und ihnen eine pietätsvolle Biographie des grofsen
Humanisten beigegeben, das Beste, was d;is ig. Jahrhundert über Eras-
mus gesagt hat. Nun haben Historiker, Laierarhistoriker, Pädagogen
nnd Theologen es drucken lassen, dafs es uns Deutschen an einem ge-
ollSenden, annmmenfaaaenden nnd anparteiischen Werke Qber Eraamna
immnr noeh fehlt Kaehdem Hornwita aieli brieflich mit Lndwi|r Beigw
benten liatte, entacbloft er alcb, die Herknieearbeit einer Enaninablo-
grapbie an wagen.
Seiner Qewobnbeit gemib aab er aicb annflchat nach nngedmckten
Eraaaiiatta nm; Aufmfe Lftndem Enropaa hatten den
in Teracbiedenen
aebAnen Erfolg, dala Ibm bandacbriftlicbe Eraamiana in aolcber Menge
angingen, dafe er mit ihnen fier Hefte Eraamiana fflUen konnte. Ee
aind anm teil wertTolle Ergftnanngen dee ohnehin ecfaon eebr nm&ng-
reichen gedruckten Briefwechsela von Eraamna. Aber Aber die Samm-
Inng dee Materiala ist Horawita nicht hinanagekemmen. Einen einaigen
Anüttti Aber die weltberflhmten CoUoqain, der in Hanembrechera Taachen-
bnch eraeUen, hat er noch gnna fertig gebracht
nefcmtoitiaN. 9

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IdO Adalbert HMMita.

Zwar eröflFneie sich üiid dorch die Gründong der Ton Karl Kahrbaeh

in Berlin heraasgegebenen Monnmenta Germaniae paedagogica die ange-


nehme Aussicht, Bein Werk in einer Serie verwandter Arbeiten 20 Ter«
Öffentlichen. Er hat anch in dnr That mit dem Verlecrer g-onannten
"Werkes, A. Hofmann und Co. in Berlin, abi^eschlossen , aber *]ie Arbeit
rückte nicht recht vorwärts. Wiederholt k Inerte er darüber m Bneten
an mich. Die Fertiglpgung des dritten Bandes von Aschbacha Gesrhichte
der Universität Wien und später die Bchmerzlirho Krankheit haben diesen
Plan nicht zur Reife ge ieihen lasRPn Vau dem äofseren ümfang nach
sehr betrücbtiicher Stöfs von Ai^szOtren ans erasmischen Schriften, der
sich in seinem Ittterarischen Nacblaia fand und mir durch freundschaft-
liche Vermitte!nni? zur Verfügung gestellt wurde, ist abgesehen von dea
erwähnten funt gedruckten Erasmosarbeiten die einzige Pmcht se oer

Jahre lang dauernden Beschäftigong mit Erasmus. Für einen /.ukünf-


iigeo Bearbeiter des Themas sind diese flüchtiu'en, oft in der unleser-
lichsten Schrift hingeworfeneü Notizen so gut wie wertlos. Bleibt m:r
Kratt und Gesundheit und schenken die Götter mir die nötige Mofse^
so will ich da einsetzen, wo Hurawitz aufgehört hat Vielleicht gelingt
es mir, die von vielen gewünschte Erasmosbiographie la aohreiben.
Immerhin bleibt es charakteristisch für Horawiti, dab er mit diesiB
Werke, das sein grüfstas und badentanditaa werdm aoUla, nickl Mlg
wurde. Ancb andaia aainar Arbaitaa hatten daa gleieha Miekaal: an
Hommelbergar ist all« Sklna^ dia er nacht fertig gesalehnat hat ?«a
aainam »Johannea Haigarlinc nod aainan »Oriaebiaahan StadiMic mI wm
ja dar erata Tatl araebienan. Hit den BFaaniiaon liegt aa in Gmdi
nicht aadara. Oar laicht lialb aich sein nie mhander Qaiat tob da« ter-
gaaetstan Ziala ablankao» und oft hat er den Bfiekwag tnr alfan AiM
nicht wieder gafondaa. Doch wQrda ain achon mit dam 48. LahawyHK
aintretandar Tod noch bei manchen nndaren Gelahrten dam fBhraB, daft
manche ihrer Arbeiten ein Torao blieben.
80 wertvoll heionders die QaeUenpehUkationen vaa Homwifti imA
ihren Inhalt sind, nnd ao lahlreiche Verehrer er nnter aainea Zebken
gefanden, er aaltet war oft ?aratiaimt nnd unzufrieden mit dem Erfolgt
seiner Leiatongen wie mit seinem Loee. Mehrfach klagte er nur brisf*
lieh Aber get&QSChte Hoffnungen, besonders bei der Bewerbang om aat-
licha Stallungen. Den gleichen £indnick gewann auch Ludwig Geiger,
der in seinem Nekrolog sagt: »So war es Horawita nicht vergönnt, aich

nnd diejenigen, ihm wahlwollten, an herrlichen und wohigelnngeMa


die

Früchten einer eifrigen Tb&tigkeit zu erfrenen.c »Er ist dabin gegangen,


ohne das Glück im Leben an finden, daa er eraehnte, nnd dsasen m
würdig war.«
Aber wenn er auch die ersehnte Professor, worin er sein nächstes
Ideal sah, nicht erreichte, so ist er doch nicht so panz freudenlos and

ohne Anerkennnng durch daa Dasein gegangen. £iii weit anagedehnt«


AllÜMlt BMMriti. ISl

Kmii Framd« bitcUe ihm anfrleli-


von littenurlMlNii lod penOidiebflii
tig« Keigmig vnd marm AMrlmmimg niimi BtMlwit ratgigtn. 8«iii
wwmm Htn, Mine ontnoUdlleho BOhrigktit, me
BigtiitorangsflUiig-
keit und Friseha Warden tob viiln gwehfttit, «icli tob aolefaflo« btl dm»
•r Mgar nicht ahnte. InnoiB BaMedigang gawihrto ihn baaoadaia nach
die Lehithltigheit an der k. k. Akademie der l^ldanden Künato^ mit deren
Lehrkörper er sieh innig farbanta Ablte. Mit dankbarer Freode nahm
er die hohe Anaieichoong entgegen« ala ihn die k. k. Akademie der
Wissenschaften in Wien tu ihrem korrespondierenden Mitgliede emannta.
Aafserdem wnrdan ihm der k. prenfsische Kronenorden nnd dar eiehalaeb
ameettnische Hanaorden Ar Knnat nnd Wissenaehaft verlieben.
Überblickt man alier den ganien Bildung^sg-nng von fiorawits, ao
ataeheint es nicht zofälliir, dals er gerade die Benaieeaoce zn seinem
liebsten Arbeitsgebiete wählte.Es ist in der That, wie wenn ihn eine
Art von WahWerwandtscbaft zn dieser Zeit geführt h&tte. Mit den glän-
zenden rieistem nnter den Humanisten teilt er die Frische ond Empfäncr-
lichkeit für die Wissenschaft nnd Knnst. Zugleich hnt Fpin Filiit etwas
von der ürr-tihe nnd Violgeschäftigkeit vieler Vertrctor der »meliores
litterae.« Selbst sein für Frennd?rhnft aiit>e??rhlossener Sinn, der viel-

fache Verbindungen cint^in^^ nnd pich nicht ängstlich gegen andere ab-
achlofs, kann als eine Humanistencicrenschaft bezeichnet werden.
So sclieido ich von dem lieben Freunle nnd Rtrebegenossen mit dem
Worte, das ihm Geiger ins Grab nachL'prnfon : j^Wir. die mit ihm ar-
beiteten, seine tQchti^e Kraft und sein reines Gemöt kannten, wollen
sein Andenken in £hren halten, c

Ventiehnifl der wissensehaftlich gehaltenen litterarifiekeii


Arbeiten Ton HorawitiO-
1861.
1. Unter dem Pseudonym Ad. Ho ran d: Zar Qeechichte dar Engeo (An-
laiger Ar Knnde der deataehen Yoraeit Bd. YIII (1861) S. 18ff.).

1871.
2. Kationale Geeehiohtaehreibnng im 10. Jahrhnndert (Sjbela Hiateriaaha
Zeiteehrift Bd. 26, 66—101. Ifflnehen 1871).

1872.
3. Beatus Rhenanus. Ein biographischer Versuch (Sitzungsberichte der
kaiserl.Akademie der Wissenschaften zu Wien (philos.-histor. Cl.)

Bd. 70 (1872) S. 189—244).

1) Über frohere Arbeiten awiedien 1861 nnd 1871, deren ee jedenlUla

•Ina oder dte andere noch gieht» habe leh ni^to SIeherea aihanden kennen.

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182 Adalbert Honwits.

4. Des Beatn» Rhenanns litterarische Thätigkeit in den Jahrea 1608 bis


1531. (Ebendaselbst Bd. 71 (1872) S. 643 — ß90).
6. Des Beatus Klienanus litterarische Thätigkeit in den Jahren Il»90 bis
1547. (Ebendaselbst Bd. 72. (1872|. S. 323-376).
6. Zur Geschichte der Kloäterwirtßchaft (Zeitschrift für deutsche Koltor-
treschichte N. F. I. (1872). S. 478-49:^).
7. Zur Geschichte der LohnverhältDUise. (.Ebeudaselbst S. 102 — III).

1873.
8. Zur Geschichte der Elosterwirtschaft. II. (Zeitschrift für die Kultur-
geschichte. N. F. II. (1873). S. 170—185).

1874.
9« Zor Qeachiehte des deutschen Hnnuismos. Jena. Meitke. (BigeoUieb
sehn Besensionen ans der Jenaer LilteiatonettoDg 18T4 (Nr.fiS.
Artikel 78t) mit HiDsofOgang einiger nngedroekten homanietiaciwi
Aktensttteke).
10. Caspar Broecbios. Bin Beitrag snr Geaehichte des Hnmanianna aal
der Beformation. Herausgegeben vem Vereine Ittr Gesehidite dsr
Deutseben in Böhmen. Prag und Wien. Selbstmleg doa Tersinsa
In Commissiott F. A. Brockbaua in Leipaig.
11. Beitrüge zu den Sammlungen ?on Briefen Melaocbthoas (Sittnngs-
berichte der kaiserlichen Akademie der WiBaenachaften su Um
(phil.-hist Cl.). Bd. 76. (1874). Heft 2. 8. 899—884). Auch aapant
erschienen.
12. Die Bibliothek und Correspondenz des Beatus Rheoanus zo Schlett-
stadt. Ein Beitrag (Sitsnngsbericbte der kaiserlichen Akademie d«r

Wissenschaften su Wien (phil.*bi8t Cl.). Bd. 78. (1874). S. aiS


bis 340).
18. Zur Geschichte der Mediiin (Zeitschrift fikt Kultucgescbichte- nL
S. 770).

1876.
14. Michael Hummelberger. Bine biographische Skisie. Berlin. 8. Csl-
vaiy und Co. 8®. 60 8.
16. Zur Geschichte des deutschen Haroanismus und der deutschen Histo-
riographie (Maliers Zeitschrift fQr deutsche KulturgeechichtOb Keet
Folge. Jahrg. 4. 8. 86—86).

1877.
16. Analecten zur Geschichte des Humanismus in Schwaben (1512—1518»
(Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wisäengchaftsa xa
Wien (phil.-hist. Cl.). Bd. 86. (1877). S. 217— 278).
17. Zur Biographie und Correspondenz Jobannes Keucbiin's. ^Ebendaselhit
üd. 86. (1877). S. 117-1Ö0).

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Adaibert HorawiU. 133

1878.
18. Erasmiana. I. (Ebendaselbst Bd. 90. S. 387—457). Auch separat er-
sciiieiien. (Wien. K. Gerolds Sohn. 187^^
19. Aualecten zur Goscliichte der Reformation nnd des Humanismus in
Schwaben. (Ebendaselbst IM. 80. (1878). S. U5-184). Auch separat
erschienen. (Wien. K. Gerolds Sohn. 1878).

1879.
20. Briefe des Claudius Cantiuncula und Ulrich Zasins von 1521 1533.
f Ebendaselbst IM. 93. (1879). S. 425 -4ö2). Aucb separat er-
schienen. (Wien. K. GeroMs Sohn. 1879).

1880.
21. Enumiana. IL (EbendMelbst Bd. 9S. (1880). 8. 67ft— 610). Aach
Mparat ersebieneii. (Wien. K. Gerolds Sobo. 1880).

1882.
22. Eraemoe fon Botterdam nnd Martiaoa Ltpsias. Ein Beitrag tor Ge-
lehrtengeeebicbte Belgiena. (EbendaaelbBt Bd. loo. Heft 2. S. 666
bia 799). Aoeb separat eracbienen. (Wien. K. Gerolde Sohn. 1882).
'

1883.
23. Erasmiana. III. (Aus der Rehdiu'erana zu Breslau). ir)l9 — 1530.
(Ebendaselbst Bd. 102. (1883). Heft 2. S. 75ö— 798). Auch separat
erschienen. (Wien. K. Gerolds Sohn. 1888).
24. Der Humanismus in Wien. (Historisches Taschenbuch. Sechste Folge.
U. S. 1-66).
1884.
25. Johann iieigerlin (geuaiint taber), Bischof ?od Wien, bie tum Be-
gensburger Convent. (Sitzungsberichte der kaiaerficbea Akademie an
Wien (pbil.-bist GL). Bd. 107. Heft 1. 8. 88—820). Aach eeparat
eracbienen. (Wien. E. Gerolds Sobn. 1884).
26. Oriechieebe Stadien. Beiträge inr Geecbicbfte dea'Grieebiseben in
Dentsehland. I. Stflcli. Berlin. S. Calvary nnd Co. 1884. 8^. 42 S.

27. Bericht ttber die aaf die Geeebichte der elasaiseben Alterthnmawissen*
flchaft bezQgliche Litteratnr der Jabre 1882—1884. Jabreeberiobt
fflr AlterthuDawiaaenaebaft. Bd. 40. (12. Jahrgang. 8. 274—316).

1880.
28. Erastiiuiiia IV. (Ans der Rehdigerana zu Breslau. 1530 — 1536.
(Sitzungsberichte der kaiserlichen Alcademie der Wissenschaften
(phil.-hist. Cl.). Bd. 108. Heft 2. S. 773- 856). Auch separat er-

schienen. (Wien. £. Gerolds Sohn. 1885).

1886.
29. Zur Geschiebte des Humanismus in den Alpenlfindoi n. I. (Kbendaselbat
Bd. III. Heft 1. S. 331—880). Auch separat erschienen. (Wien. K.
Gerolds Sohn. 1886).

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134 Adalbert H<NWwits.

80. Bericht Ober die auf die QeBchichto der classiseheD AlterUmmswisseB-
1884—1886. (Jahrasberidit
scbaft bezflglicbe Lltterator der Jahre
AlterthuMwitMiiMhaft Bd. 48. (1886). 3. 181—184).
ffir

81. Über die »CoUoqtiiac deo Braamoa Ton Botterdam (Hiatoriaehea Tttdif»>
boch. VI. Folge. Jahrg. 6. a
51-121).
82. GameinaaiD mit Karl Hartfelder: Briefweefaael dea Btataa Bhenaiioa.
Qesammelt und henroegegeben. Leipsig. Tenbaer. 1886. 8*. ulV.
und 700 8.
1887.
88. Zor Geechiohte dea HmnaDiamoa io den Alpeiüindeni. H. (Sitsonga-
beriehte der kaiaerlichea Akademie der WiMenaehafkao (phiL-hiak
Cl.)* Bd. 114. Heft 2. 8. 886—404). Aach aeparat eraohieomi. Wien.

K. Gerelda Sohn. 1887).


84. Zor Geechtchte dea HQinaiiiBmDs in den Alpenllndem. III. Leonhatd
SehiDlng von Hallatadi. (Ebendaselbst Bd. 114. Heft 2. 8. 789
bis 826). Aach separat erschienen. (Wien. E. Gerolds Soho. 1887).
86. Johannes Faber and Petras Paulus Yergerlus. (L. Oeigara Tiartel*
jahrsscbrift fQr Kultur and Litterator der Renaissance. II. 244 S.).
86. Das Josephstädter Piaristen-Gjmnasiam in Wien. (Wien. 1887. (8e>
paratabdraek aoa Öaterreieh. Jahrb. mr 1888).

188&
87. Geadiicbte der Wiener ünWenitftt Ton Joaaph Bittor ?on Aaehbaeh.
Bd. m.
mit Spaiialtitol: Dia Wiener UnlTerail ond Ibra GaMutaa.
1620 bia 1666. Wien 1888. (Dieaea Werk aeinaa Lebreca hat Honk
will nach deoaen Tod snm Drnoke beeorgt).
Attberdem hat Horawits aahlreioha Baaenaioneii in dia foracMadanalHi
ZeitBohriften nnd Zeitaagen« Feoilletona, Anla&tae dea feCTcbiadanatan Ia>
haltoa, Artikel in dia Allgemeitte deotaehe Biographie nnd andere Sammd«
werke geschrieben. Ana der groCaen Zahl der letzteren Arbaiteo aind eur
folgende bekannt geworden: Gustav Freytag als Dichter (1871). Biohaid —
Wagner ond die nationale Idee (1882). - Soziale Fragen (1883). — Aee*
breitung and Abwehr des Verbrechens (1886). — Fürst Bismarek (1885). —
Wilhelm Sohaier, ein Blatt der Erinnarang (1886). — Adolf Marx (1887).

Heideiberg* Karl Hartfeldar.

uj 1^ L-o i.y Google


Wilhelm Uenseo. 135

Wilhelm Hensen»
geb* d€B S4. JADur 1810, grat den 97. Janoar 1887.

Jühaun Wilhelm Henzen wurde am 24. Jauuar 1816 io


Ileiaricli

Bremen als Sohu eines Kaufmanns itreboren. Da er beide Eltern in frü-


hester Kindheit verlor, und nahe Vei wandte iiuhl vorhanden waren, wur-
den er und sein einziger Bruder, dio ein sehr bescheidenes Vermögen
•rerbt batteoi bei einfachen Leuten, die uachher stets mit Liebe an ihm
gehangen haben, mögen. Er war Yon larter Oeanndheit; namentlich
eine Sehwfiehe der Aogeu, die ihn nie Yerlaaaea bat — Heuen hatte ein
koneichtigee nnd ein weitoiebtiges Ange machte ibm eeben damala an
aobaffen. Zeratreoongen nnd Yergnüguogen ?on jeher nnd aoeb epftter
alole abgeneigt, widuMte er eicb gana den Stadien am Gymnaeinn, dae
er mit 20 Jahren, im Hftn 1686, verliefe. Sein Abgangszeugoifa war
ernten Oradeei und wie eehr anch die ihn epUer anaieichnenden Cbarakter>
eigeneebaften schon damala entwiekelt waren, leigt die betreffende Note
deaeelben : iWae die Beife seines Charakters betriift, so entlassen wir ihn
mit der frohen Übersengong, dafs die aeb8ne Lanterkeit seiner Qesinnong
und seiner Sitten, sein biederes Wesen, sein gerades, tttohtigee ond ge-
•tatss Benehmen ihm alle Edlen m Freunden maehen und dnrcb das
Leben erfrenlich leiten werde.€
Die auf dem Gymnasiom gewonnene Liebe som Altertbom wer bei
der Wahl des Bemfs mafsgebend. Hsnsen ging lonftchst nach Bonn nm
Philologie so stadieren. Und iwar galt seine Neigoog durchaus dem grie*
chischen Alterthnm: ans den wfthreod seiner ganssn Studienzeit in Bonn
(bis April 1838) und Berlin (bis August 1840) gehörten Vorlesungen geht
deutlidi hervor, dafs das römische Alterthum, welches ihn spHtcr ganz in
Anspruch nehmen sollte, damals keine Anziehungskraft für ihn hatte.
Offenbar ging sein Streben auf eine möglichst umfassende und eingehende
EenntniTs namentlich der realen Seite des griechischen Alterthums. In
Bonn war sein Hauptlehrer Welcker, bei dem er Kunstgeschichte, Erklä-
rung ausgewählter Eunstdenkmäler, griechische Anttquitflten, griechische
Litteratorgeschichte und griechische Mythologie, djn^üben Aeschylus und
Pindar hörte; von Welckers Vorlesnnp-cn lieTs er nur ein Publicum über
Aristoteles Poetik uugehört. Bei Näke hörte er Vorlesungen über Aristo-
phanes und Catn]), betheiligto sich auch au metrischen Übungen; von
römischer Litteratur hörte er aufserdem nur noch eine Vorlesung Fr.

Schlegels über Froperz J-'ifn^^ bestrebte er sich zii^lpirb, durch ver-


gleichende Stadien seine Keniitiiifs den erriechipchi'n Altui tlnims zu ver-
tiefen, und während der zwei Jahre seines WjUhQi AultiiiLhüits trieb er
onnnterbrochen Sauskrit unter der Leitung Lassens, bei dem er auch
indische Alter thQmer und vergleichende Grammatik hOrte. Im zweiten

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186 Wilhelm UenxeiL

Jahre trieb er aufserdcm noch Sanskrit bei Schlegel. Auch fOr das Alt-
deutsche interessirte er sich und hörte bei Diez alt> und mittelhochdeutBcbe
Grammatik. Vorlesungen, die er bei Fichte über Philosophie, bei Schlegel
Ober neuere dentsche Litterator, bei Dim Aber Ariost, bei Oagem Aber
devtadie OMehidite nod pniküMbe Politik bdrto, bekiiiid«ii sein Stribtn
Qscli TielMitiger aUgeineiner AnsbUdoiig.
HeoMD vorkehrte in Bonn nenontlidi mit eiDom kleinen Srvlee von
Bremer Lnoddeaten, enter denen er eieb beeonden mit 4em wenig ilterm
NioolEU Deilas eng befrenndote, eine PreiindBebaft, die mgetrflbi bis n
Delins' Tode fortgedauert bat Darcb dieee Freande wnrde er naeh n
einem beseboidenen Lebenegeneiii ^ranlafst^ wenn er gleicb dem eigene
Beine Seit war jedenfalls von
liehen Stndentenleben ginilieb fern blieb.
den dnreh die genannten Vorlesnngen angedeeteten Stadien gant in An*
spmoh genommen.
Offenbar batte er» im Streben nach mOgliebst rnnfsssenden KennW
niesen, in vielerlei anf einmal in Angriffgenommeo. Dies mnlb ilm tarn
Bewnlbtsein gekommen sein; denn mit seiner ObOrsiedelnng naeb Berlin
(Mai 1838) liefs er das Sanskrit gänzlich liegen nnd ist nie wieder da-
rauf zurücki^^ok rmmen. Im flbrigen blieb die Richtung seiner Studien die
gleiche. Er scblolb sich namentlich an Boeckh an, bei dem er grie-
cbiache Litteratargeschichte , griechische Altorthömer, Metrik, Encjklo-
paedie, Sophokles und Piudar hOrte: alles was Boeckh in diesen J&hrea
las,mit Ausnahme einer Vorlesung über Plato*s Bepublik. Bei Droysen
hörte er alte Geschichte, Geschichte der griechischen Poesie, Qber die
griechische KnmAdie. Dafs ihn das römische Alterthum nicht anzog, tritt
hier nnrh deutlicher hervor: aufser einer Vorlesung von Savigny Aber
römische KechtsalterthQmer hörte er in dieser ganzen Zeit nichts darauf
bezbgliches. Dagegen hörte er bei Ritter Geographie ?on Europa, Geo-
graphie von i Jrierhenhnd ,
allcremeine Geographie. Vorlesungen über
deutsche, netiere und neueste Geschichte
Kauke, über Anthropolog««'
bei

bei Steffen? und verschiedenes Philosophische bei Trendolcnburg bezens-en


auch biet sein Streben nach allbeitiger Hefeichoi miß: seiner Kenntnisse.
Noch in seinem letzten Semester hörte er eine Vorlesung Lachmanns
über altdeutsche Grammatik: ein Interesse, dem er also durch seine ganze
Studienzeit tieu geblieben ist.

Offenbar hat die Philologie als Kunst, die Textkritik, ihn nicht an-
gezogen, es scheint vieluiehr. liaf.^ er sie mit BGwufstsein fernhielt. Weder
bei Lachmann noch bei Iiumaiiuel Uekkur hat er irgend etwas philolo-
gidciit's gehört, auch au Seuiinarubuugüu üch uicht betheiligt.
lu Berlin kam Henzen nun auch dazu, sich ein Gebiet für eigei ^

wissenschaftliche Arbeit zu wählen: die griechische Geschichte war


der er sich widmen wollte. Sohon seit einiger Zeit batte er sich mit den
griechischen Historikern beecbftftigt, als ihn Droysen aof das Siodinm dee

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Wilhelm üeiizeo. 137

Folybius hinwies, dem er sich mit Eifer hingab und dessen Frucht seine
Dissertation war, mit der er im Simmer ]S40 in Leipzig promovirte:
- Quaestiouum Pnlybiananim s|iecimeji; ri iitineiis vit/niL Berolini 1840.
Sie enthält eine !ieiiVii:e i;mi mpthodi^rlie qnellenmalsiKe i)ar>t('llnng
nicht nur Jes Lebens des Polybius, sondern auch seiner Welt- uiul Ge-
schieh tsanschauung, nnd zeugt von anhaltender und eiudiaiglicher Durch-
forschung des Schriftstellers. Dafs ihn dabei hauptsächlich die Ansgaugo
der griechischen Staaken, nicht die Geschichte Roui anzogen, dafs er

schon länger sich mit griechischer Geschichte beschäftigt hatte, sagt er


in der Vorrede. Dieser ersten Arbeit sollten weitere Untersuchungen über
Polybiiis folgen, wie schon der Titel andeutet und am Schlufs ausdrück-
lich get>agt ist; dieselbeu sollten die Abfassungszeit der einzelnen Bücher,
die Qoellen und die Art der Geschichtsforschung des Polybins, endlich
aeioe Sprache bebaodeln. In Betreff dieser wollte er erforschen, wie uo
sieh am dtr Uteran Graacit&t entwickelt habe. Namentlich ahar wohl
fBr diaaa letstare Foracbnng glaubte er einer nrnfaeaenderen Keantnifii
der griechiechen Litteratar an bedHrfen, nad ea war offnibar aein Plan,
sieh inn&chat dicM an erwerben, nm dann» alhMitjg ferbereitet, inm
Polybiae anrflckankehren.
So beecblofo Henien aeine üniferait&taieit mit dem wohlQberlegten
Plane einer nmfaaaenden, auf Tiele Jahre berechneten, achon damala aber
mit Brfolg in Ingriff genommenen Arbeit Doch sollte ea bei dem Plane
bleiben. Mit dem Terlaeaen der Universit&t worden diese Arbeiten ab-
gebrochen nnd nie iat er anf dieselben anrttckgel[ommen.
Ehe nftmlich Heosen diese Arbeiten weiter verfolgte, wollte er den
Sehaoplata der alten Geachichte, die klaaaiachen Lftnder, durch eigene
Anachannng kennen lernen. Üm aber diese wichtigen und, wie er an-
nehmen mnikte, fflr aeine ganze weitere Thfttigkeit entscheidenden Bin-
drflcke nach voller und allaeitiger Yorbereitnng aofsonehmen diee war
ermnthlieh sein Oedankengang — schien es ihm richtig, erst seinen Ge-
aichtakreia durch die Eenntnilb anderer Lftnder an erweitern. So beschloCa
er, anaichst England und Frankreich an bereiaen und dann nach Italien
tu gehen. Dafs anoh Griechenland ?on Anfang an in den Beiaeplan ein-
begriffen war, kann nicht wohl bezweifelt werden.
Vermuthlich ging der Rest des Jahres 1840 mit der Vorbereitung aof
die Reise bin. Ober diese selbst liegen Henzen's regelmäfsig geführte
Tagebücher vor; sie reichen von der Abreise ans Paris am 15. Februar
1841 bis znm 12. November 1842, wahrscheinlich dem Tage bevor er von
Neapel nach Rom reiste, nm dort die dauernde Stätte seiner Wirksamkeit
zu finden. Sie setsen uns in den Stand, zu erkennen, welche Interessen
er auf seinen Reisen verfolgte. In England und Frankreich zogen ihn
nicht nur, nicht einmal vorwiegend, die in diesen LHndrrn aufbewahrten
Schätze des AltertdnmM an, sondern mit gleicher Theilnalimo beachtete
er das Leben der Gegenwart, die moderne Kunst, far die ^i^^h ein

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138

feines Veretändnirs aiiL'-eei^niet hatte, die Schönheit uud dea veröchieiea-


artigeo Charakter der Ldndbchaften. Auf eineu fast viermonatlicheii Auf-
enthalt in London (März bis Juni) folgte eine Reise durch England, Ir-
Und und Schottland, die ihn am 22. September Dach London zorückfohrt«.
Von hier bnudi w dum gleich sieh Bult tof, wo ir vom 26. Septemb«
bis 11IID 18. Oetober blieb. An 6mua Tag» nurdo die Reiao ntdi HdlM
angetreten; Yon Avignon ane warde ein Abetecher nach Nismes geoadit
nnd deeeen antike Banwerke eingehend etodiert Weiter ging ee ait
wenig Aoibnthalt nach Bom* wo fienien, am 2. Deeember eingetreiM,
eeinen Lehrer Welcher vorfand. Be warde hald (am S8. Deeember) be-
BchUMsen, dab Henien ihn aof aeiner gtieohiachen Beiae begleilm eeflia
So war der erste Anfenibali in Bom nnr knn: er wnrdei ohne betenden
Stadien, einer fleifeigen Beeichtignng der Moeeen nnd eomtigeD Denk-
mJUer meiet in Begleitung Welcker'e, gewidmet.
Am 18. Janoar wurde die Beiee nach Oriechenhind angetnien; anter
Henien hatte eich noch der Genfer Tnrrettini angeechloeMn**) Kaoh lim'
tigiger Wagenfahrt erreichten die Beieenden am Abend des lg. Aneona.
Von da ging ee am 18. weiter in Schiff über Begusa und Corfn, we
namentlich mit Orioli verkehrt worde, nach Patres, welches am 8d. Mcc^
geuB um 6 Übr erreicht wurde. »Zuerst am Geburtstage den bellanachen
Boden betreten!« dieser Ausruf in Hensen's Tagebuch, welches sonst nicht
leicht Empfindungen ausspricht, sondern sich auf Fixirung des Beobacb»
toten und Gelernten beschränkt, zeigt deutlich genug, dsls ihm hier eine
lange gehegte Sehnsucht in Erfüllung ging, dafs er an einem langt er-
strebten Ziel stand. In der That zeigen seine weiteren Aufzeichnungen,
wie sorgfältig er sich, offenbar seit laugsr Zeit, auf die grieohiache Beiee
vorbereitet hatte.
Noch am 24. ging es wieder m Schiff und am 26. wurde, oacb
stüririispher Fahrt um den Pelopounes, Athen erreicht. Während des nun
folgenden reichlich 7weimonatlichen Aufenthalts in Athen beschättij^te sich

Henzen vorzugsweise mit der Topographie und dem Studium der antikes
Bauwerke; schon am 2U. und 30. Januar schrieb er läügere topogra-
phische Auseinandersetzungen, wohl die "Resultate von Gesprächen mit
Ulrichs, in sein Tagebuch. Doch beschränkte sich sein Interesse keines-
wegs hierauf. Auch Sculpturwerke die ihm vorkameü, btudierto unA
,

zeichnete er sorgfältig: es war spater wenig bekannt, dafs Heuzen in

seinen jüngeren Jahren ein liicht ungeschickter Zeichner war. Auch die

Zustände des modernen Griechenland beschäftigten ihn; sorgfältig schrieb


er auf, was er darüber aus Gesprächen mit landeskundigen Mftnnem er-
fuhr. Während der ganzen Zeit seines AafenthalU nahm er Untern :b;
im Neugriechischen; namentlich scheint ihn die Volkspoesie der Grieciiea

^) Näheres über diese Reise bei Welcker, Tagebuch einer griechischtüi


Reise j Tgl. auch Kekul^, Leben Welcker 's 8.266 ff.

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Wühelm üensoa.

angezogen zu haben: es ist ein Hoft vorhanden, in welchem er Volks-


lieder aofscbrieb und übersetzte. Vielfach tritt in seinen Aufzeichnungen
der ihm stets eigen gebliebene lebhafte Sinn für landschaftliche ächön-
heit hervor, so wie das Beafcreben aich stets den Charakter der Laod-
•ebaft klar zu macbeo.
Benzen s Hauptumgang war, auf^er den Keisegefährten, der dort am
Gymnasium angestellte üirichs, em Bremer Landsmano, welcher ihn na-
mentlich in die von ihm mit so grofsem Eifer und Erfolg gepilegte Topo-
Doch kam er auch vielfach mit Kofs, dem Architekten
graphie einführte.
Schanbert und dem Österreich isclien Gesandten von Prokesch zasammen.
Dieser erste Aufenthalt iu Athen danerte bis zum 30. März, anter-
brochen durch eiuen Ausflug nach Marathon und äuuion (15. — 19. März).
Am 30. wurde die über einen Monat dauernde Reise durch den Pelo-
ponnes angetreten. Es ging über Megara, Kurinth. Mykene, Argos, Sparta,
Kalamata, Pylui;, Ithome, Megalopolis, Phigaleia, Oiyuipia, Psophis, Kleitor,
Fheneos, Stymphalos, Phlius zurück nach Argos; von da über Mykene,
Tiryns, Nauplia nach E})ida(inis, dann mit zwei tat: iia:ero Aofenthalt in
Aegina zurück nach Athen, wu am 5. Mai eingetroffen wurde. Xach
kurzer Bohezeit, während welcher Uenzen am 13. mit Rofs und Welcker
Salamis besuchte, wurde am 15. eine zweite Kei^e durch Boeotien, I-hokis
nid EibM angetreten. Dieselbe ging über Eleutherae und Plataeae nach
Theben, tob da ucb Thespiae, Askra und der Hippokrene, dann nach
Hdiirtos, Lebsdea, OreboneDoe; mrOek nach Delphi und von dn nord-
wlrte Aber die Berge to den Thermopylen nnd nach Lamia. Dann wurde
oaeh Koboen abergelbbren nnd diea tob der NerdkOete bie Chalkie doreh*
sogen. Über Tanagra ond Oropoe trafen die Beiaenden am 80. Mai wieder
in Athen ein.'
Oleleh damnf trennte eich Bensen von eeinen Reieegenoeaen. Weleker
und Tarrettini traten am 8. Jnni die Beiae nach Eleinaaien an, während
Henien bia mm39. Juli mhig in Athen blieb, beeohlftigl mit dem 8Uk
dinm der AkropoUe, der Topographie ond des Keogrieohiechen, wobei ihn
Uliiehs mit Bnth nnd That nnteratatate. Ane dieser Zeit stammt wahr-
•ehdnlich ein handschrifUieh vorhandenes Heft: »Topographie von Athen,
beeondere nach Ulriche.« Br beeprieht darin die Häfen Athene, die tangen
Maoem , den Umfang der Stadt, die Topographie der Stadt seihet naeh
dem Lsitfaden des Pansanine, indem er knn die etieitigen Fragen er^
Crtert und die Ansichten, welche er sich gebildet, begrOndet Bin mllSng
heifBer Sommer machte den Aufenthalt in Athen erträglich; dennoch er-
krankte Henzen am 9. Juli plötzlich an einem heftigen Fieber; dnrch
starke filotentsiehungen und kalte Umechläge gerettet konnte er erat am
16. zum Mal wieder mit Anstrengung die Akropolis ersteigen.
ersten
ünterdefs hatte Weleker seine Beise in Kleinasien beendet und lag
m Sym in Quarantäne. König Otto stellte ihm einen königlichen Katter
in einer Inaelreiae rar Yerfttgong, fta die eich ihm Henien nnd Uhricha

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MO WiUieim Uenxen.

anschlössen. Aim 2* Juli aus dem Piraeeus abgefahren, erreichten sie

Sytd ciiii 31. Nun wurden Delos, von dessen Alterthümern Henzen eine
besonders auf,luhrliche Beschreibung in sein Tagebuch schrieb, Mykonos,
wo die Eeisendeu durch einen Sturm in ernste Gefalir kamen. Tenos und
Andros besucht. Dann ging es nach Karystos and za dem alten Tempel
auf dem Ocba, am 6. Ober Bnaron naeb Athen zorfick.
Gl%kit dtrenf ward» dio BOckfiriirt nach Itdimi angetreten. Welcker,
der noch erat einige Ponkte im Peloponnee beeoebeo wollte, reiste im
9. August so Lande, Henien ood Torrettiai am la. ra SehiCf ab; ia Pa>
tias Terein igten eich die Beieegenoeeen wieder ond trafen am 12. in An-
cona ein. Erst nach «w^lft&giger Qaaiantine, wftbread welcher Henatn eeia
Tagebncfa Aber die Ineelreise ine Beine eehrieb, konnte am Si. dia Beiae
nach Neapel angetreten werden: es ging die KfMe entlang bin Feeeara,
dann dnrch die Abrosten (kber Solmooa ond Isernia, ond weiter ftbar Ye*
nafro nnd Cspna; am 81. worde Neapel erreicht. Hier worde der Sep-
tember verbracht Henien etodirte fleiCug das Moseom ond machte aoe-
fllhrUche Anfseichnongen fiber dasselbe; auch Pomp^i beeochta er wieder^
holt Der October worde aof eine Beise nach Sioflien verwandt^ an der
aviser Welcker auch Braon ond der ältere Zompt Theil nahman. Am
28* September fobren sie nach Meseina; fon da ging es sftdwirts und
rings um die Insel bis Palermo, wo sie am 18. October ankamea Hier
blieben sie bis zum 25., besuchten zum Schluss noch Termini und kehr-
ten dann nach Neapel sorfick (29. October), wo noch ein korser AufenU
halt genommen wurde, unterbrochen durch den Besuch ?on Salemo,
Paestum und Amalfi. Mit Brwähnung eines in Begleitung des bekannten
Kupferstechers Bartoccini am 12. November 1842 unternommenen Aos-
flugs nach Camaldoli bricht Henzen's Tagebuch ab. Seitdem bat er kein
Tag'ebuch mehr geführt. Vermuthlich ist er am folgenden Tage nach
Rom gereist, wo er sogleich den für sein weiteres Leben entscheidenden
Anschlufs an das archäologische Institut (»Institut für archAolegiaf^
Corre8j)ondenz«) fand.
An der Spitze de.-? Instituts stand damals Emil Braun, mit dem
Henzen schon während seines ersten römischen Aufenthalts und weiter
auf der sicilischen Reise bekannt geworden war. Das Zusammeiitreffen
mit diesem genialen Manne war der entscheidende Weude{>uukt seines
Lebens. Er war es der, mit sicherem Blick Heniens Tüchtigkeit und die
Art seiner Begabung erkennend, ihn au den richtigen Platz brachte und
ihn auf das Arbeitsgebiet hinwies, auf dem er die Erfolge erzielen sollte,
welche seinen Namen anf die Nachwelt bringen werden.
Der zweite Sekretär und Bibliothekar des Instituts, W. Ahekeu, war
schon länger kiauklith üimI befand sich damals, seiner Gesundlieit halber,
in Deutschland, wo er bald (29. Juiiuar 1843) starb. So ruhte die ganze
Last der Institntsarbeit aof Braun, der ihrer nicht mehr Herr werden
konnte und sich nach HQlfe umsah. Da Uenzen ihm der götii^fuete M^üh

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Wilhalm HaiMO« 141

zu sein schien, schlug er ihm vor, zunächst als anbesoldeter Hülfsarbeiter


beim Institat einzotreten. Heiuen uabin diesen Vorschlag au. 8chon am
26. November schrieb Braun au (rerhard: »Ich arbeite den ganzen Tag
für's Institut, bin aber doch fremder Hülfe benöthigt und hnbe mir dazu
Wehkers treuen iHuHeiter Dr. Henzen in <>'>) Bremen, eiuen rustii^en,

tücliii^^en und willigen junj^^en M iiui, auter lesen, von welcliem ich viel

gutes hotie uud noch mehr versprechen Da Uenzen


zu können glaube«.
sich alsbald trefflich bewfilirte, lieFs Braun nicht nach, sich für seine Au-
steilung zu bemühen, und erwirkte ihm zunächst im April löl3 ein Mo-
iiats(<ehalt von 20 Scudi, im April 1844 die Anstellung als zweiter Se-
kictir und Bibiiütiiekar. Die Yerwaltungs- und Redactionsgeschäfte, für
die iiittun s Persönlichkeit wenig geeignet war, wurden fortan von Henzen
besorgt, und Jas In titut kann ihm nicht dankbar genug sein lur die von
ihm begrüudelü und wahreiiJ uiuer laugen Amt^iulirung gewi^beuiiaiL ge-
handhabte strenge Ordnung.
Es ist wahrscheinlich, dafs auch für Uenzen's wissenschaftliche
Tb&Ugkeit tod Anfang an ein Plan festgestellt wurde. Seit Kellermano's
Tode (1837) war BraQü's Wanscb, dar lateinischen Epigraphik einen ?er-
treUr am Iiietitiit in gewinnen. Jettt rieth er Heaien, diea ihm bia jetst
gaui fremd gebliebene Gebiet in Angriff in nebmen. Und awar echlag
«r ihm Yor, eine Sammlang der Inachriften an den öffentlioben Banten
Borna in ?eranatalten, nnd anfeerdem Nactairftge in der Orelli'achea In-
sebriftenaammlong in Auaeicht in nebmen und dafSr so aammeln: Auf>
gaben, die Henien, die eratere freilich in viel weiterem Umlbnge, in der
That ei»iter gelOat hat Brenn Qbernahm ea, ihn mit Borgheei, damals
dem grOfeten Meieter der Epigraphik, in Yerbindnng an bringen.
Znn&chet aber galt ee, Henien eine Btellnng in der rftmiaehen Ge-
lebrtenwell lu Terschaffen. Ohne Zweifel war ee Brenn, der ihn darauf
anfinerkeam machte, dala die p&petliche arch&ologieche Akademie die Be-
arbeiUing dee in der Villa Borghese befindlichen Moeaika mit Gladiatoren-
daratellnngen als Preiaaolisabe geetelU hatte, nnd dafe diee eine gute Ge-
legenheit eei, eich in Bem einzofllhren. Bensen machte sich sofort an
die Arbeit und gewann den Freie, der ihm in Gestalk einer goldenen Me-
daille am PalUientage 18ia ertheilt wurde. Um den etwaa dürftigen 6e-
genetand fruchtbar in machen, hatte er die Anfgabe erweitert und der
knnen Brklftmng des Mosaiks eine Darstellung des gesammten Gladia-
torenwesens vorausgeschickt: eine und verständige Revision der
fleifsige

Lipsius'scben Darstellung, unter Benoteung do^^ inschriftliohen und monu-


mentalen Materials, soweit es ihm, namentlich durch Brannte Hülfe, zu-
gänglich war. Die Vorrede ist datirt vom 15. Mära 1648; doch erschien
die Schrift erst 1846 im Druck. Sie ist betitelt:
Explicatio musivi in villa Burghesiana asservati, quo certamiua am-
pbitheatri repraesentata extant, quam collegium pontiticium antiquitati-
bna romania ezplicandia inatitutum praemio extra ordiuem douavit aono
142 WillidiD fienseo.

MDCrrXLIII. Romn© 1«45 (auch in den Dissertazioni della pontificia


Accademia Romana di archeologia XII, 1852. S 73 157). Sie wurde —
im Biiüettino des Instituts 1845 S. 189ff., als Henzen's Rof pchon ander-
weitig begrürnlet war, von Cavedoni sehr nnorkennend anpezeiirt-
An diese Arbeit scblossen sieb einige kleinere verwaudten Inhalts
an. In der Festsitzung des Instituts am 21. April 18i3 trog er die Er-
läuterung des Torlonia'schen Reliefs mit Thierkäiiipfen vor: Sul bassori-
lievo del palazzo Torlonia, rappreseiiLautö combattimentu lii jomini con
liere, Ann. d. Inst. 1842 12—21, Monum. Iii, 38. In der SiUüog am
S.

19. Mai 1843 legte er zwei Lampen mit Oladiatorendarstellongen vor. Noch
in der Sitzung am 27. Februar 1846 besprach er das damals eben ent-
4tekto Oladiatorenrelief aas Pompeji (BoU. d. Inst 1846 8. 89). Ab
17. mn 1848 (Ball. 8. TOff.) eittoMe w 4«n Im «iner grieetuMbM Ib-
sebiiftTorkommeodan Aoidniek Mrtpoe «adUoc* «r ilm auf dv mäm
Gladialoranweaen beng.
Biaig« äadora Arbeitea diMir antoa rOaiiidini Zdt Imflpfto aa dii
griMhiaelM Biisa aa. An 8. Fabniar 184S apiaeb Beana mn aniM ml
ia aiacr 8itRnir daa lastitota: ar lagta B. Corlaaa* Seluift Da porlibaa
Atheaaniai vor; lo aadi am 17. Hin ManTa Jonnal' of a toor m Oraaoe
aad tha Joaiaa ialaada (Boll. 184S 8. 61. 77). Im fotgandan Jabra ba-
apraeb ar Cortiaa* Aaaedata Daipbiea (Ball. 1844 a 29 IT.) imd daa abai
varatarbaaaa Franadaa Ülrieba* ia aiaar griacblaebaa Zaitaebrift aiaobia-
nana Uatarancbnagaa flbar dia HÜni and langaa Haaan lan Attua
(BoU. 1644 8. 76 ff.); im Jabre 1845 desselbaD im Bhaiamcbaa ICaaaam
(1844) enchienenea Aafeatz Aber die Lage Trojans. In dao Aaaali 1846
and 1848 erschienen, ?on Hanzen ins Italiaaische ftbersetzt, die ton ÜI*
rieh's hinterlassenen Reisen und Foraebnngen in Griechenland. Uni noch
in den Jahren 1853 ond r^i kebrta araof dies Gebiet zurfick: als Welcker

UlrichB' Entdeckung, dafs die sogenannte Pnyx yielmehr das Pelasgikoa


oder das Heiligthum des Zeus !j(j>t<nog ^ei, bekannt machte, berichtete
Benzen Ober diese Schrift, sowie auch Qber ß(>^s* Gegenschrift und Welcker's
Beplik im BuUettino des Instituts (1853 S. 42. 189; 1854 S. XXVII). Koch
im Jahre 1863 (Bull. S. 37^ bef^prach er Curtiue' Schrift: Priy^ on^
Stadtmauer. Auch Qber die von Siei^el entdeckten Marmorbr&cba voa
Taenaron berichtpte er ausführlich (Bull. 1857 S. 54 ff ).
Die p:riechis(he Epigraphik war Henzen vermuthlioh schon frühfr
nicht fremd geblieben. Auf der griechischen Keise schrieb er Inschriften
ab, und in Rom bat er von Anfang an auch griechische Inschriften, die
dem Institut zugiti^^'en, beraus^'egeben und erklärt. Doch ist er der spl-

tercn Entwickelunp; der griechischen Epigraphik nicht pofolt^t und beban-


delte in .späteren Jahren griechische Inschriften nur dann, wenn sie rö-
mische Verhültuisse betrafen.
Wenn Henzen in seiner ersten römischen Zeit auch Vasen erkUrl
bat ^La nascita di Minerva, Ann. 1842 S. uoff. Sopra alcuni vasi ateoieei

yui^L-o i.y Google


Wilhelm üenien. 148

a soggetto fuDebre, Ann. 1843 S. 27fi fl.), so war dies wohl nur durch das
Bedörfnifs dos Instituts bedinert, cm Bcdnrfnifs, welches fortfiel, nachdem
im Herbst 18 13 H. Rrunn nach Horn gekommen war und sich dem Insti-
tut atigescblosseQ haito. Henzen ist aaf diesem Gebiet Qie heimisch ge-
worden.
Der römischen Epigraphik war Höuzen bisher gau7, fnm geblieben.
Wahrend seines Aüfenthalts in Athen kam auf einem Spaziergange nach
PhaieroD, mit Rofs und Welcker, das Gespräch auf Inschriften. Henzen
schrieb oachher in sein Tagebuch, wie er bei dieser Gelegenheit von Rofs
erfahren, dafs eine Sammlung der lateinischen Inschriften von Keliermann
begonnen, durch dessen Tod aber vereitelt sei: es scheint düls damals
das, was seine Lebensauferabe werden sollte, zuerst la seinen Gesichts-
kreis trat. Seine Studien, luteressen und Arbeitspläne lagen eben auf
ganz andorem Gebiet, und wenn er sich nun auf Brauns Zureden ent-
zum Hauptgegenstande seiner wissen-
schlofs, die lateinisclien Insclirifteu
schaftlicheu Thatigkeit machen, so bedeutete dies fOr ihn dts Aof«
zu
geben aller der Pläne und Ziele, denen er bis dabin seine nnnnterbroeheiw
Tbitigkeit gewidmet liatte. denen ancta die grieehisoh« BeiM ta dtenen
bofttamii ww. Deoii es konnte ihm niohi •rboigra bltibra, dalb es sieh
tater nm Anfjgaben handelte, die ihn nnf nicht «baebbare Zeit ganz in An-

Bproeb nahmen nnd ganz tndffe Bahnen bringen nrabten. Br war


in
TW die Wahl ob «r den ans Keignng eingeeeblagintn Weg weiter
geatellt,
erfolgen, oder die ihm 4nf«h die Umat&nde gebotene An^snbe ergr«iten
MUteb Letstere konnte dem Qegenatende nach echwerlteh Tiel Beis ftr
itan haben; aber ate bot ihm dte Anaaieht anf eine beatimmt forgeieich*
Bete, aicher fmehtbare Thätigkeit; indem war ihre Inangriffiiahme drin-
gondea Bedftrfhte der Wiasenaehaft. Wir wiesen nicht, ob Ihm dieae wich*
ÜgBte Bntecheidong seines Lebens schwer geworden iat Aber asincm
ganicn Weeen nach konnte sie nicht anders ansfUIen: mftchtiger als die
Keignngen ssiner Jagend war in ihm der Trieb sich eine bestimmte Le-
bCDsanfgmbe, eine Pflicht in soeben, nnd dieeer treo an btelben, gleich*
viel ob ate seinen Keigongen entepracb.
Henien machte eich also, ohne Zweifel gleich nach Beendigung seiner
Otadiaterenarbeit, an epigraphischs Stadien. Mit nnermOdlichem Fleiie
hatte er, neben den oben erwMinten, dorch die BedOrfnisse des Instituts
erforderten Arbeiten nnd neben den Institntsgesch&ften, sich bald in die
Bplgraphlk hineingeAinden. Schon im Juni 1843 trat er brieflich mit
Boigheei in Verbindong, indem er ihm einige in Athen gefundene In-
eebriften mittheilte nnd ihn nm eeine Meinong über dieselben bat Seit-
dem blieb er mit ihm, so lange er lebte, in annnterbrochener Correspon-
denz nnd nnteriiefs bei allen seinen Arbeiten nie, sein Gotachten oinzn-
holen. Borghesi Teranlafste ihn in dieser Zeit, wir wis?pn nicht L^onau
Wintt, eine üntersuchong Ober die Aemter der domus Augnsta in
AnL'nfif

n Bihment «in ^
anderen ArbeiteB nicht zur Aosfahrung

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144 Wilhelm fieiui«iL

kaui und daua, nach persöulicber Besprechong mit Borghesi, zurückge-


legt wurde.
Wie es scheint liioit iienieu zuerst am lü. Jauuar 1844 im InsLitut
einen Vortrag epigraphischeu Inhalts, über eiiiige Inschriften aub üwu-
vecchia und Cervetri. Dann erläuterte er in der Festsitzung am 21. April
1844 die Inschriften zweier an der Ifarmorata gefundenen Marmorsäolen,
wobei er Mittheilungen Borghesi^s benutzen konnte: Intomo le iacrizioBi

deUe doe coloone di marmo riofeoQte alla Marmorata, Aonali 1848 8. 3S8
—846. Duraof folgte tie am 10. Mal 1844 im ÜMtitot forgetrageoi Er-
iLl&rong einer ihm Ton DenniB, dem bekanoteo, ihm befreandeten Be-
Bohreiber Etroriene mitgetheilten altlaieinieeheii Ineebrsfl* Der betretede
Aoftato (Epigrafe latina di tomba etruea, Boll. 1844 8. 161—188) war
Ter dem Dmck Borghesi vorgelegt worden oud eathilt eine Hitllieünng
von ihm. —
Das Gebiet dee AlUateiniaeben betrat Bensen nodi einmal
mit der aoeffthrUehen Bespreehnng der Terkolejerinachnft von 8oim:
Iscriiione aroaiea di Sora, Boll. 1848 8. 71-80.
Inaohrift tod Sora in Batnmiflchen Tereen, Bheiii. Mus. T (184T)
8. 70—70. 160. 464; YI 8.6U.
Später hat er diea Gebiet nur fltditig, namentlich bei Gelegenheit
der bei Paleabina gefandenen archaiaehen Inschriften berflbrt
Wenig apftter bot sich Henzen der Gegenstand seiner ersten gr6te-
ren epigraphischen Arbeit, die seinen Bnf auf diesem Gebiet begründen
Es bandelte sich um die schon 1832 gefundene, im Sommer 1844
sollte.

von Brunn abgeschriebene Alimentartafel der bei Benevent angesiedelten


Iiignri Baebiani, eine Bronzetafel mit dem Verzeichnifs der Gmndstflcki^

tat welche die von Trajan zum Zweck der Alimentarstiftong dieser Ge-
meine angewiesenen Gelder bypothccirt waren. Erst im Sommer des fol-
genden Jahres kam die hierauf bezügliche Arbeit zum Abschlufs.
Mittlerweile hatte sich Henzen so weit in den epigraphischen Stodiea
heimisch gemacht, dafs es an der Zeit scliien, mit Borphesi, dem aner>
kannten einzigen Meister, in persönliche Verbindung zu tieien. Es war
verabredet worden, dafs während des Sommers 1844 Brunu die Institnts-
gescbäfte besorgen, Henzen aber 7.11 Marino gehen
Borghesi nach San
sollte. Donnoch aber hielten ihn während des Som-
die Institutsgeschfifte

mers m Küüi lest; erst am 12. Septeiiiljer koiintt^ er >ibrüiaeu und kam am
18. nach San Marino, wo er, mit füntzehntägigei Luterbrechnng, bis Ende
November blieb. Auf das günstigste gestaltete sich auch persönlich udi.

Verhaltijils zu Borghesi. Dieser liefs ihn seine reichen iuschriltUchen


Sammlungen durchai beitcn , und es wurde für Henzen's weitere Arbeilen
ein Plan festgestellt. Die früher m Ai;,ssiüiit, genommene Bearbeitung der
Aemter der Domns Augusta wurde uuigegeben. Statt dessen wies ihu
Borghesi anf die Bearbeitung des Militärweseuö und überirab ihm zunächst
das inschrifttiohe Material für die kaiserliche Leibwacbo der Equues äm-
gttlares. SS wurde in Aussicht genommen, dafs Heoieu eine vuikumui^e

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Wübelm Hextseo. 145

Sammlung der anf sie be/fieüchen Inschrifteo Teranstalt^n sollte, in der


Art, wie sie Kellermann für die Vieiles gemacht hatte. Dann dachte er
an die Praetorianer zu geheu, uiid weiter an die schichte der LegiooeD,
weiche, ?o meinte er. leicbt Lebensarbeit worden könnte. l>«)ch sollt« die

Arbeit über die Equite< singulares er-t in Angriff genommeu weiden n iLh
Beendig'ung des Äufsaties über die Alimentartafel. »So habe ich doch
endlich,« s« hrieb er am 27. October ao Braun, i>ein festes Ziel für meine
Studien, und damit ist gcwifs viel gewonnen.« In der That war die vor
zwei Jahren begonnene Wendnng seines Lebens nnn zum Abscblufs ge-
kommen: zielbewuf^it und sicher schritt er ?öd jetzt an auf der einge-
schlagenen Bahn vorwärts.
^äbrend des Aufenthaltes in San Marino trat auch der Plan einer
oUsifindii^D Sammlnng der lateinischen Inschriften, eines Corpus Inscrip-
tiononi LatiDarom, Benzen zuerst nahe. Ein solches UnternehraeD wurde
damals ven Paris ans, naiiieallich durch de» Minister Vülemain hetriehen.
Ko<l des Tergsrs hielt sich im Sonnsr 1844 «nf seiner Villa bei Bimini
anf nnd Terhandelte mit Borghesi Aber dessen Betheiliguug; Verband*
lungen, anf die Borghesi bereitwillig einging, die aber doeh schlieCiUeh
sa keinem Besultat gef&brt haben. Er wQnschte mit Bensen in Verbin-
dung so nnd hatte Borghesi gebeten, ihn ton seiner Ankunft tu
treten
benachrichtigen. Dies Ahrte daiOt data Henien seinen Anfentiialt in San
Marino nnterbrach, uro mit Des Vergers eine vienehntigige epigraphiscbe
Btise dnrch die Marken au unternehmen, eine Heise, tu der er sich nur
ungern erstand, weil sie ihn ton seinem n&ehsten Zweck ablllhrte. finde
October traf er wieder in San Marino ein. Das Besultst des Verkehrs
mit Dss Veigers war Henzen*s Ein willigong snr Mitarbsit an der beab-
sichtigten Inschriftsnssmmlong: es wnrde verabredet, daCi er anf der ROek-
reise namentlich in Perugia, Todi nnd Amelia die dortigen Inschriften
coptren sollte; fQr Born stellte er seine Hfllfe inr Ansnnttnng der hand-
schriftlichen Quellen in Aussicht
Gefördert in seinen Studien und befestigt in seinen Zielen verlief«

Henzen Ende November San Marino. Dagegen hatte dieae Beiss eine nach-
haltige, ihn noch lange behindernde Schädigung seiner Gesundheit lar
Folge. Seine orsprflnglich zarte Constitution hatte sich wahrend der Üni-
versitätszeit und auf den Reisen, bei denen er sich wenig schonte, er-
beblich gekräftigt, so dafs er als rüstiger junger Mann in Rom ankam.
Doch war er dem Übergangdem heifsen, von ihm in angestrengter
aus
Arbeit verbrachten Sommer in das Herbstklima des hochge-
rfimisciien

legenen San Marino nicht gewachsen. Schwer erkältet kam er dort an


und muffte die ersten drei Tage das Zimmer hüten. Auch später wurde
er von dieser Krkaltung nicht frei, und das mit dem Vt^rschreiten der
Jahreszeit immer ungünstiger werdende Wetter — San Marmo war wah-
rend eines grufsen Theils der Zeit ganz in 2\t;bei gehüllt — mufate uoth-
wendig ungünstig einwirken, indefs gegenüber dem Zweck, welcher ihn
Nekrologe 188». 10

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146 WUhelm Uenzen.

dorthiu geführt hatte, mufste jede andere Rücksicht weichen; er blieb

nnd arbeitete nnvf^rdmcspn. Aber auf der Eückreise erkrankte er and war
in Perugia oieiirere Tage bettlägerip-; am 14. December kam er, noch halb
krank, nach Rom zurück. An den Folgen dieser Strapazen und Erkran-
kungen litt er noch lange: erst im März 1845 schrieb er an Gerbar*!,
dafs seine Gesundheit nun so ziemlich hergestellt sei- Aber noch in dem
Vorwort seiner in den Annali 1850 gedruckten Arbeit über die Equitea
siugulares pasrt er, dafs er Jahre lantr durch seine schwankend© Gesond-
heit m seintn Arbeiten behiuaerl war. Nachher g;ng es besser; durch
mäfsige und geregelte Lebensweise Abhariung gegen
bei systemati.'jcher
Erkältungen erreichte es Henzen, daEs er sich bis korz vor seinem sieb-
zigsten Jahr dauernder Gesondbeit erfreute, augeseben Ton der Schwäche
seioer Augen, die ihm 8i»&ter Dicht erkahte, bei Lieht ra arMten, eod
EopfBchmeneD, die ihn bis etwe so eeioem sechzigsten Jahre von Zeit
so Zeit fOr einige Tage arbeitsnnffthig machten.
Noch in anderer Besiehong war das Jahr 1844 fftr Hensen wichtig.
Schon seit seinem ersten römischen Änfenthalt Terkebrte er im Hause dss
Bildhaaers Steinhftnser, eines Bremer Landsmannes. Hier hatte er deesss
Schwftgerin Aogaste Francke ans Oflstro« kennen gelernt und war ssit
dem Sommer 1848 mit ihr ?ertobt. Sein Olflck schien schwer bedroht,
als er im Sommer 1844 von seiner Braut hörte, dab sie dem Katbolicis-
mns gewonnen sei. Brenn, dem er in seiner Noth sich anTertraote, war
der Meinung, dsls sofortige Heirath das beste Gegengewicht bilden nnd
den Übertritt verhindern wflrde; er betrieb die Beschlennic^ng aller Fbr-
malitftten, nnd am 24. Joni 1844 fand die Hochseit statt Bnan*s Tei^
aossicbt bewahrheitete sich nicht: die junge Fran trst gleich nachher vom
Katholicismus Qber.Bensen, dem giftabigen Protestanten, bereiteten disss
Vorginge schwere GemQthsbewegungen. Doch war die Ehe trotz der Re-
ligionsverschiedenheit, und obgleich sie kinderloe blieb, eine gl&cklicbs:
in necessariis nnitas, in dubiis libertas, in omnibus Caritas, mit diesen
Worten Angustin's, die er auf das Grab der 1869 verstorbenen Frao aetite,
und die auch auf seinem Grabe stehen, beseichnete Henten das gegen-
seitige Verhältnifs.
Auf die Begegnung mit Borghesi folgte die Anknüpfung einer weiteren
persönlichen Beziehung, welche in nicht geringerem Grade für Henztn's
wissenschaftliche Thätigkeit wichtig werden sollte. In dem nun folgenden
Winter 1844- 45 war Th. Mommsen in Rom. Die nahe Verwandtschaft
der beiderseitigen Studien führte sufort zu lebhaftem Anstanscb, zu ge-
meinsamer Arbeit, zo einem Freundschaftshunde, der bis zu Heuzeos Tod«
ununterbrochen gedauert hat. Es konnte uichl tehieu, dafs Momins^-n's
genialer Scharfsinn, der Eifer, mit dem er jede Aufgabe erfafste, steine !s»:h<ja
damals nmfassen u'n Kenntnisse auf Henzen vielfach fordernd wirkten, dafs
sein weiter historischer Blick ihn den Werth des gewählten Arbeitüfelde^
erst recht ermessen lehrte. In der Thal lät das Verhaitniis zu Mommsea
Wilhelm Heuen. 147

fQr HeDxea*8 gansee weiteres Leben mafsgebend gewesen. Namentlich


fand Hommsen in seinem gleich darauf begonnenen langen Kampfe um
das Corpus Inscriptionam, so wie nachher bei der Ausführung diMta
grofsen Werkes, in Henzen den treuesten und werthvollsten Genossen,
der ebeu dies Werl^ als den Mittelpunkt und die Hauptan^abe aeiaes
li6bens betrachtete.
Als dritter schlofs sich diesem Bunde iu eben jenen Jahren der da-
mals noch sehr junge G. B. De Rossi an. Obplpirh der Mit.Ulpnnkt seiner
?-!Thmvr.]]en Bestrebunper auf einem anderen Gebiete hi^, entwickelte er
sicli doch sehr bald zu einem der hervorragendsten Kenner der lateinischen
Epigraphik. Namentlich auf die handschriftliche Überlieferung der In-
schriften hatte er schon früh sein Aiiu'^iuneik irericbtet, so dafs er hier
Henzen zum Ftlhrer werden konnte. In seiner nach Henzen b Tode zu
flesseTi Rrinnernne ij:eh;tltenen Kede (^^l^theil. des rom. Inst. 1887. S. 72)
PTzfililt De R">si, wje er ilim eines Abeuds seine Flaue für die inritische
und irische Erforschung dieser Quellen darlegte. Am folgenden Tage
lii-t

sagte ihm Henzen, er habe während der Nacht über den Gedanken an
dies Gespräch kein Auge schliefsen können; seitdt iu blieben beide in ge-
meinsamer Arbeit und persönlicher Freundschaft eug verbunden.
So stand Henzen auch durch persönliche Beziehungen mitten in den
wichliKöltn Lpigraphischen Bestrebungen jener Zeit. Der Kreis, welchem
er angehörte, war das Haiiptcentrum dieser Studien, und es war klar, dafs
ohne Betheüigung desselben ein Corpus Inscriptionum nicht zu Stande
kommen konnte.
Hauptaufgabe des Winters 1844^46 war die unter steter Theilnabme
Hommsen^s betriebene Heransgabe and Brklftrong der Alimentartafet. An
diese Arbeit welche erst im Sommer 1845 tum Drack kam, knftpft sich
ein Streit mit dem gelehrten Jesniten Oarraeei, welcher nach Bronn die
Brenaetafel abgeschrieben hatte und sie, Hensen*a Pnblication lomkem-
mend, anf Ornnd seiner ungeuQgenden Abschrift mit einem aehr mangal*
haften Commentar heraosgab (Antichitik dei Lignrt Bebiani, Napeli 1845).

Seine Leistung werde ?on Henxen und Hommsen im


Bollettino 1846» 8. 81
— 94 in gebQhrender Oarmcci gab dann nach dem
Weise gewUrdigt
Erscheinen der Henien*8chen Bearbeitang eine weitere Schrift fiber den-
selben Gegenstand heraus (Honumenta reipnblicae Ligurom Baebiaaorum.
Bomae 1840), in welcher er «war in Besag auf Henaen*s Arbeit sich mit
der ihm eigenen Heftigkeit aussprach, sachlich aber, sowehl in Betreff der
Lssang als der Brklftmng, im wesentlichen bmatimmte und seine fHlheren
Anfitellongen zurficknahm. Einfach und ebne Bitterkeit einiuriomen, dafii
er im Unrecht sei, erlaubte ihm sein galliges Temperament nicht; er hat
aber nachher auch peraSnlieh ein freundliches Verhältnifs gesucht und ist
bis ZQ seinem Tode (1885) sowohl mit Henien als mit dem arcbaeologisehen
InstiUit in gute» Beziehongen geblieben.
ior

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148 Wilhtlm Henian.

H«iiMm*fl BearbeilDDg d«r AlimeDtarUfel «raebien in den Amnli d«s


Jahr«» 1844:
De tabol« alimeniaria Baebianorom. Sie entbftlt in ktolDiacher Sprache
einen moaterhaften Commentar mit eingehenden üntersocbnngen ftber daa
Alimentarweeen» ttber die Ligoreo Baebitni. aber die pngi nnd ihr Ver*
hUtnila eiaeraeita la den fnndi, andereraeita so den Gebieten der Colonian.
Hit ihr filbrte aieh Hansen snerst als Epigraphil^er ein: die hier geseigte
follat&ndige Beherracbong des Materinla nnd der Methode war wohl ge*
eignet^ aeinen Bof ala aolcher so begrAnden. Einige Berichtignngen nnd
Znafttse folgten nacb: Addttamenti e oorresioni alF artieole aoglt alimenti
pnbblici dei Bemant (Bollett. 184t, 8. 8—16) nnd: laerisioni aligMntarie
(BoUett 1863, S. 140-146, 921-228).
Theils seine schwankende Geaondbeit, theila die von Brana imaer
mehr emachiäsaigten und daher ganz auf seinen Schaltern mbeiiden In-
stituisgeschäfte —
ea lag ihm s. B l die Beiträge dentacher Mitarbcitar
.

ina Italienische zu fibersetzen — liefsen Bensen in den nun folgenden


Jahren nicht viel zu gröTseren Arbeiten kommen. Aach die StArme der
Jahre 1848 und 49 mnlaten eine lähmende Wirkung ansOben, wenn gleich
Henzen sich so wenig wie möglich stOren liefs und auch während der Be-
lagerung durch die Franzosen ruhig auf dem Capitol aushielt. Durch Ver-
arbeitung der laufenden Entdeckungen erweiterte und vertiefte er immer
mehr seine KVnntnifs der dabei in Betracht kommenden Qebiete daa rö-
mischen Alterthums 7n neunen sind aus dieser Zeit die Aufsätze:
Über einige lateinische Inschriften, Arch. Zeit. TV. (1846) S. 242
— 246, 295 (vergl. Bullett. 184(5, S. r>9 70). Die hier bph;indeiten In-

schriften lezieheu sich auf Verbote d* - Aufmaleus von WahlprogrammoD.


Siii pietori e dittatori dei mnniciia anlichi, Annali 1646, S. 253 —2ö7.
Zwei Militärdiplnme der Kaiser Domitian und Hadrian, Jahrb. d T.

V. Alterthumsfr. im ßbeinl. XIII. (1848) S. 26 - 104 (vergl. Ball- i&4{s


S. 24—32).
Über die Äugustalen, Zeitschr. f. d. Alterthnmsw. VI, 1848: eigentlu-h
eine Anzeige von A. W. Zumpt's De Augustalibus et seviriä Aog«-
Schrift
stalibus, die aber zu luner selbständigen Behandlung des Gegenstandes wurde.
Ferner seine ausführliche Anzeige von A. W. Zumpt's Schrift Di
Lavinio et Laurentibos LavinatibDa (Jen. LU. Z. 184*7, n. 60—63). Wie
aebr er aidi in allea, waa an ihn herantrat, hinein arbeitete, zeigt die
firklftrang der oakiachen Inachrift von Aguune (Ann. 18i8, S. 382—430)
nnd aeine Anaeige von Mommaen^a ünteritaliachen Dialekten (BdU. 1860,
8. 171 fif.). —
Erwähnt werden mag noch der kleine AaCBata Snl Inogo dl
Bon» detto i qnattnor acari, weil er daa einaigo iat, waa Henaen in Beaag
anf rOmiacbe Topographie geacbrieben hat: gana durch die Epigraphik iw
Anaprnch genommen, iat er aonst diesem Gebiet fem geblieben.
Die Ton Borgheai flbemommene Arbeit Aber die eqnitea singoiares
behielt Bensen im Ange, doch rfickte dieaelbe nnr langaam vorwirta. Dia

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Wilhelm Heuen. 149

Fracht dieser Studien war der in den Annali 1860, 8. 5 — 58 gedmckte


AofiBatz:
Sugli equiti singolari degl' imperatori romani, lettera di G. Henien
al. cb. Big. conte B. Borghesi.
Sie enthält grQndlicbe und erschöpfende Untersachungen Ober den
Namen, die EinfQhrungszeii ond die Organisation dieses Gardecorpe.
Hier wie bei dem Alimentarwesen war Henzen's Behandlung durcbaos
g^randlegend fQr die KenntDifs des Gegenstandes und bewahrt noch heute
ihre Geltung. Als zwei Jahre vor Reinem Tode auf dem Esqailin das
Lager der fquites singoiares mit zahlreichen Inschriften gefonden wurde,
bearbeitete er diese:
IscrizioDi recentemente scoperte degli equites singulares, Aooali 1885,

S- 235-291.
Er konnte in dieser seiner letzten Arbeit feststellen, dafs auch das,
was er damals vermuthungsweise geäuisert hatte, durch die neuen Funde
lediglich bestätikit ward.
Uenzen dachte eben daran, st'iue Arbeiten auf ein weiterep Gebiet
auszudehnen und eirie Darstellung des Municipnlwesens in Angriff zu neh-
men, als ihm eine Arbeit augetragen wurde, welche ihn in erwünschtester
Weise in die Lage brachte, seine Kenntnisse theils systematisch zu ver-
vollständigen und abzurunden, theils weiteren Kreisen nutzbar zu machen.
Es handelte sich darum, die im .Jahre 1828 erschienene Orelli'sche lo-
schriftensamnihing durch einen dritten I^and zu vervollständigen. Er über-
nahm diese Aufgabe nach dem Tode Orelli's, im Sommer 1849; nach fünf-
jähriger Arbeit war imSommer 1852 das Manoscript fertig; doch zog sich
4er Drack bis zum September 1866 hin. Der neue Band ist betitelt:
InscriptioBum latinanin lelectamm ampUsstma oollectio ad lUastran-
dam Bomanae anttqnitatis disciplinam aceommodata. Volumen tertiom, col*
lectionis OreUianae supplementa emendationesqQe exbibens edidit Qniliel-
mos Bensen; acoednnt indiees reram ae notaram qnae in tribns volomini-
bns inveniontor« Torid 1866.
Bs ist bekannt genug, in wie Tortrefllieher Weise Bensen seine Auf-
gabe gelöst ond welchen groliwn Dienet er dadurch der Wissenschaft er-
wiesen hat. Die kritische Bevision der beiden froheren Binde, die Be-
reicherung um etwa 2000
Inschriften mit trefiichem, in knappster Ftasong
dss NOthige bietendem Commentar, endlieh die sweckmftfsig angelegten,
auch die froheren B&nde umfassenden Indiees machten das Werk sn dem
nnentbehrlicfasten Hflifsmittel fOr jeden, der BinfOhmng in die Epigraphik
oder Anskonft Ober die inschrifklichen Zeugnisse in Betreff irgend eines
Punktes der römischen AltertbOmer suchte, unentbehrlich such heute
noch, nicht nur fOr die fielen, denen das Corpus inscriptionnm nicht su«
ginglich ist.

Daneben fuhr Henzen fort, theils die neuen inschriftlichen Funde sn


ferarbeiten, theils einselne Punkte der römischen Aiterthamer so behan-

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150 WOImIie HeoMo.

dein. Das Municipalwesen, die Militäralterthfimer, and die CoDsularfasteo


kamen hierbei namentlich in Betracht.
Za einer zusammenfaspendeii Arbeit ubpr d;i=5 Municipalwesen kam e*
nicht; d:igegen wurden einzelne darauf bezügliche Fragen eingebend be-
sprochen. Hierher gehören die beiden grOfseren Aufsätze
Sni coratori delle cittä antiche, Ann. 1851, S. 5 — 35.
Intorno alcuni magistrati Enunicipali dei Romani, Ann. 1859. S. 198
— 226. Ferner die kleineren Autfcilze; Medaglie di Lipara e Liljbaeum,
Ann. 1857, S- 110—117, und: Dittatori e consoli municipaii, Bull. 1865,
8. 247-251. Auch die Erlänterung des Wasserleitnngsedicts Ton Vena-
frum katin hierher gerechnet worden:
Editto dell' imperalore Augusto risguardaute i'acquedoUu della ciltÄ
di Venafru, Ann. 1864. S. 5 — 12.
Das Edict des Aogostas Qber die Wasserleitung von Yenafram, BheiB.
Mus. IX, 639 '654.
Bei dieser Gelegenheit war wieder eine Aeeeiiuuiderwftioiig mit Qat-
mcei nOthig, der den Stein edirt ond an den teratürten Stelien deaaelbea
Dinge ta leeen geglaubt liatte, die in Wahrlieit nicht so erkennen wnn»
Doeh war Henien*s Polemik so mabToll, dale das perstaliehe Verhiltnili
nicht daoemd gettOrt wnrde.
Aaf das Militftrwesen besieht sieh der Aafsati:
Sni müiti peregrini e fmmentarii, Ballett 1861, 8. 118—126.
Femer gab die Erlftnterong der Milittrdipiome Anlab so Arbeiten
aof dieeem Gebiet:
Diplomi militari degli imperatori Traiano ed Antonine Pie^ Ann. 1866,
8* 22—88, mit eingehenden üntersochaogen namentlich Ober die nlae ond
cehertes der Auxiliartroppen.
Diploma militare d*Adriano, Ann. 1867, 8. 6—86» mit fthnlicheii Unler
nebmungen.
Sni tribnni militum comandanta di coorti ausiliari, Ann. 1868, 8.1t
-- 27 Henzen vertheidigte hier gegen Grotefend seine bei Erläuterung too
:

Militardiplomen in den Rhein. JahrbQcbern (XIII, S. 50 £f.) entwickelte


Heinong über diese Militärtribune. Doch konnte später Orotefend seine
abweichende Ansicht mit Erfolg weiter begründen (Rhein. Jahrb. UXO,
1862, S. 61 fif.).

Weitere Militärdiplome erläuterte llenzpn in den Jahrgängen 185?,


1871, 1872, 1881, 1883 der Institatsschnften. Ferner ist hier so neiuiea;
Doni militari, Ann. 1860, S. 205-210
Monumenti dei Pretoriani, Ann. 1864, S. 5-28.
La legione seconda partica e la sua stazione in Albano, Ann. 1867,
S. 73-88.
Le iscnzioni graffite neli' escnbitoho della settima coorte de rigili,
Ann. 1874, S. 111-163.
Le castra peregrinorum ed i frumentarii, Bull. 1884, S. 21—29.

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Wilhelm Ueozen. 151

In Betreff der Fasten ist bekanntlich Heiizeu's Hauptarbeit die Her-


ausgabe der capitolinischen roiisular- und Triumphalfasten im ersten Hände
des Corpns incrriptinnum. Eine Anzahl kleinerer Aufsätze in den instituts-
Bcbriften bereitete Uiese {rrofse Publication vor; andere, namentlich auch
in der Ephemeris epigraphica, brachten die spater gefundenen Fragmente.
Aofserdem gaben die Gladiatorentesseren und für die spätere Zeit die Mili-

tärdiplome öfter Änlafs zur Besprechnner von Consulaten.


Den früher in Paris gehegten l'lm eines Corpus Inscnptionum hatte
seit 1845 die Bciliufr Akademie aulV'eiiommen. Doch dauerte es lange,
bis die Sache in das rechte Geleis kam. Dafs Mommsen und Uenzen be-
tbeiligt sein müfsten, stand wohl von Anfang an fest, doch war es von
da noch weit bis zur Einigung Ober Redaction und Vertheilung des Werkes.
Einstweilen aber waren Mittel zu epigraphiscben Arbeiten in Italien be-
willigt MomiDBen boreiste Uoteritalien Är seine lD8criptioD€8 Begni Noa-
politani, wfthrood Hensen in Bom im Bnndfl mit Da Bosri dia Aoabautnng
der handachrifUieban Quallan batriab. In Barlio war, naebdam 0. Jabn
inrfiekgatrataD, A. W. Zompt mit dan Yorarbaitan, xuDftebat mit dar Var-
arbaitong dar ftltaran Corpora baaoflragt wordaii. Hit ibm aollta aiefa
Mommaao in dia Badaetion tbailao, abar flbar diaaa Tbailong war aina
EiniguDg Hiebt so anialan: Bnda 1847 waran dia YarbaodloiigaD abga-
broeban. Dagagan war in Paria der Plan wiadar aufgaoomman wordan:
diaamal war es dar Bocbbftndlar Didot, dar» mit ÜnteratOtsoDg dar Aka-
^
*

damia, daa Warb In dia Hand nebman wollta^). Aaob biarfftr worda mit
Hanian uod Hommaaii, dia bei aiDam aolaban Untamabmaii niebt so om*
gaban waraii, varbaodalt. Daiwiacbaa tratan dia StArma daa Bavolotiona-
jahres. Nacbhar warda dann bald, darcb das Erscheinen von Mommsen'a
Inscriptiones Begni Neapolitani dem Zweifel ein Endo gemacht: die Ber-
liner Akademie übertrug das ünternabmaii Mommsen, Uenzen und Da
Bossi. Noch vor Schlufs des Jahres 1853 war das Verbältnifs völlig ge-
ordnet: Henzen Qbernabm die Herausgabe der stadtrGmischen Inschriften.
Seit dam Jahre 1854 erscheinen in den Monatsberichten der Akademie,
bia aom Jahre 1872, Henzen's Berichte Ober seine Arbeiten am Corpoa
Inacriptionvm, welche fortan seine Hauptlebensaufgabe bildeten.
Die grofse Aufgabe wurde sofort rüstig in Angriff genommen. Im
Sommer 1854 schrieb Henzen die Inschriften des capitolinischen, im fol-

genden Winter die des vaticanischen Museum's ab, während de Rossi, wie
auch in den folgenden Jahren, die Ausbeutung des handschriftlichen Ma-
terials besorgte. Im Sommer 1855 c'inpr Uenzen nach Deutschland, um
mit Mommsen in Breslau die Ordnung und Theilung der die älteren Samm-
lungen umfasaenden Zettelmasse vorzuuehmon. Auf der Hinreise wurden
noch die Inschriften von Civitacastellana, Tenii und As. isi abgeschrieben-
Auf der KHrkroise verbrachte Uenzen in Turin etwa einen Monat mit der
Ausbeutung des Manugcnpts des Ligorio, dessen Verarbeitung, nebst der

1) 8« Borgbaai, Oeoma VIII, & 87, 98.

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152 Wilhelm Heniaa.

OrdoQOg der aus Deutschland mitgebracbtru Zettel und der Beschaffosg


weiteren haiidschriftürheii Materials auch
56 in An- den Winter 1855 —
spruch naliin. Im Frühjahr ging
dann wieder an» Abschreiben: die
es
Villen um Rom, so wie die Colunibarien der Via Appia wurden erledigt)
wobei Henzen durch E. HQbner wirksam unterstützt wurde Im Sommer
wurde der Aufenthalt in Frasriti zur Abbuchung der Uingeg-end benetzt;
doch wurde diese Arbeit unterbrochen durch den plötzlichen Ted Braun's
(II. Sept. 1856), in Folge dessen Henzen nach Rom zurQckkehreu uod sich
der Institutsangelegeuheiten annehmen mufste.
Über die Schicksale und Zustände des archaeolngischen Instituts wäh-
rend dieser Zeit ist an anderer Stelle von berufener Seite ausführÜrh be-
richtet worden M- Es ist bekannt genug, dufs Brauns Amt>tührung in
seiner letzten Zeit keine segensroicbo war. Durch allerlei industrielle
Unternehmungen in Auspruch genommen, vernachlässigte er mehr uni
mehr die Institutpgeschäfte. Die wissenschaftliche Forschung gering
schätzend, wehrte er die Mitarbeiter eher ab nnd füllte die Instituta-
scbriften mit seinen eigeneu Aufsätzen, deren Werth in hastiger Viel-
Bchreiberei immer geringer ward. So war die auf Henzen ruhende Ar-
beitslast immer mehr gestiegen. Das Rechnungswesen, die Correspondeu^,
die Übersetzung der Beiträge deutscher Mitarbeiter, soweit solche noch
eingingen, die KoriikLurLu alles dies mufste von ihm erledigt werden.
,

Für die Besorgung der Bibliothek wurde nur zeitweilig auLerurüeiiiliche


HQlfe beschafft. Dazu kam, dafs Henzen bei dem sonstigen Abwärtsgehen
der Zeitschriften des Instituts mit gröfster Anstrengung dafür sorgte, dafi
die Epigraphik gut in denselben ferMen war; namentliGh der Jahrgang
1866, der letite tob Braun besorgte, enthSlt viele Beiträge Ton ihm*
Nach Brann'a pldtslicbem Tode konnte es nicht sweiMbaft selii, dati

Bensen an seiner Stelle an die Spitie des Instituts trat Dab ee wfln-
schenswertb sei, fftr die aweite Stelle Bronn >d gewinnen, wurde eben-
falls Namentlich Bensen bemfibta sieb darom, und
allgemein anerkannt.
da die geringe Dotirang der Stelle es erschwerte, so erklftrte er ia nn*
eigennAtsigster Weise, dafs er darauf ersiebte. Brannte Tolle Beaoldnng
SU bskommen, vielmAr Vorschlags, dafs das Gehalt sn gleichen Theüsa
swischen den beiden Sekretftren getheilt werde. So ttbernabmea denn Hensea
und Bronn im Winter 1866—67 die L^Umg des Instituts, welches ach,
wie bekannt, bald zu neuer BlQthe erhob, theils durch die eifrige nnd
erfolgreiche Tbätigkeit der beiden Sekretäre, theils dadurch, dafs iiamtat>
lieh in Folge von Henzeu's Bemühungen die durch Brano verlorenen Be-
ziehungen wieder angeknüpft und zahlreiche Mitarbeiter sowohl in Italien
als in Deutschland gewonnen wnrden'). Nicht wenig trog freilich n
1) Michaelis, Geschichte des deutschen archaeologiachen inslitota 1889
1879, Berlin, A. Asher & Co., 1879, S. 101 ff

S. hierüber Michaelis a. a. 0., S. Hi Ö.

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Wilhelm Henien. 153

dsewin Gedeihen des Institiiia aoeh der gleich danof sehr wesentlich er-

höhte Znschufs der preufsischen Regierang bei.


Heaten behielt die geschäftliche Leitung des Qanieii und f&hrte sie
in bewahrter Weise weiter. Dabei lieferte er in den folgenden 'Jahren
sahireiche Beiträge fOr die Annali and das Bullettino and begann jstst
auch den in
, Korn weilenden jüngeren Gelehrten Anweisung som Lesen
und Verstehen der Inschriften so geben. Dies letztere lat er seitdem
regelmäfsig fortgesetzt, bis ihn ein Jahr vor seinem Tode (1886) ein rheu-
matisches Leiden zwang, den Aufenthalt in den kalten Museen zn ver-
meiden. Bedeutende Erfolge konnten bei dieser letzteren Thütiffkeit der
Natur der Sache nach nicht erzielt werden; die bescheidene Aufi:abe be-
stand wesentlich darin, solche, denen die Kpigraphik bisher fremd ge-
blieben war, und die meist auch spjiter kein besonderes Studium daraus
machen wollten, in die Anfangsgründe einzuführen. Aiirh hatto !?enzeu
kein rerhtts lA'hrtalent. Doch bewirkte die vertrauenerweckende Siclior-
heit seiües Wibsens, dafb jeder k'crii sL'ineu Wullen lauschte, und viele

werden dankbar der mit ihm in den Aluseen und in den Culuuibarien oder
vor den mit loschrifteo versehenen Bauwerken Borns verbrachten Stunden
gedenken.
Henzens Arbeitslast konnte durch die neue Stellunt; nicht erhöht
werden: er hatte sie schon früher ganzem Umfange gttiagen und
in er-
hielt jetzt Juii:h Brunn wirksauie Huile. So nahmen die Arbeiten für
das Corpus ungestört iliriii Fortgang. Die folgenden Jahre gingen hin
mit weiterer Ordnung der Scheden, Vervollständigung der Abschriften
nich den Originalen (im Sommer 1861 wurde das Magssln des Lateran
erledigt), Ausbeutung der Localliteratur, Eintragung derselben, sowie des
handsehrifÜishSD Matarials in den Apparat Daneben war Hauen ba-
aehftftigt mit der Aasarbaitang dar eapitoliniachen Faatan fftr dan Anihng
1863 arsehiananan aiatan Band daa Corpna:
Faati eonsnlaraa ad a. a. a. DCCLXVI adtti a Oailalmo Haniaa, in
C.LL.I., S. 418- 479.
Im Sommer nach Brachainan daa ersten Bandes (1862) ging Hanien
aaf drei Monate nach Plorans, nm noch einige epigraphischa Bandschriftan
sn benntsen and sagleich die dortigen Steina so revidiren. Olaicbfalla
aar TarvoUatftndigang daa handachriftlichan Materiala diente im Iblgendaa
SoiDmar (1868) eine mahrmonatlicha Beiaa in Oberitatien (9. Hai 8. Juli, —
11. —
29* September); es handelte eich aanaatlich am die in Hodena be-
findliahsn Papiere Haratori's. Hit dar Eintragong dea Ertrage disaer
Baisen in den Apparat waren die Yorarbaitan beendigt nnd die Ansar-
baitnng fllr den Dmck konnta beginnen.
Das hierbei eingeschlngene Verfahren, indem nftmlich snarst die in
dan ältesten, dann die in den nächstältesten Sammlungen Torkommendan
Inschriften aupgearbeitet worden, führte zu Untersuchungen fiber diese
Sammlangaa, Dntarsochangaa die in drei, in den Monataberichtaa dar

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154 Wilhelm ütiuen.

Berliner Akademie i l8>;G, S. 221-249 ff., 758^781; 1868, & 869—i06)


gedruckten Aiifsatzon nie'leigelef,'t «ind:
Über die Aiifiialime der in den ältosfceo Sjliogeii ODtbalteoeo In-
achritten in dio späteren Samniluugen.
Über die von Cyriacas von Ancooa gesammeiteu ioscbrifteo der
Stadt Uom.
Über die stadtrAmischen Inschriften- Sammlungen aas der Epoche nach
Cyriacus bis auf Jac. Mazochi.
Die Resultate dieser Untersuchungen worden später in die Vorrede
der stadtrömischen Iiischriften (CLL. VI, 1) aiiigenominen.
lui Jahre 18G9 war dio Ansarbeitunfr so weit vorgesciiritten, dafs der
Druck beginiieii kuhiiU-, uekher seitdeui gitdehmäfsig gefördert wurde, so
dafs im Jahre 1870 der erste Theil, unter Mitwirituug iiormauu s heraus-
gegeben, erscheinen konnte:
Inscriptiones orbis Bomae laiioae, consilio et aactoritate academiM
Uttefamm regiae Bomaiicaa eoUegeroiit Onilelmos Hemeii et Johmaam
Baptitto dt Born, edidentnl Bagtoiaa Bornanii at GnUdniM Haoiaa.
Berolinl 1876.
Dar zweite Theil der arbaoae ist nicht mehr gans aoter Heatea^a
Bedactioo beraDsgegeben wordeo. Der errte TheÜ enth&lt die Saarae,
die Kaiser-, Magistrate-, Prieetei^ ood MUitftrinsebrifken. Kachdeoi dvb
im zweiten Theil aneh die Columbarien so wie die offieialea et artifiees
,

erledigt waren, trat Hensen ?on der Bedaetion aorflek. Die nan aoeb
übrigen Sepolcialinscbriften zam Drock sa bringen, ftbemahm Chr. HAlsen.
Von ihm wurde nnter fortdauernder Hitwirkong Heniea'e der Beat das
sweiten und der dritte Theil beeoigt und wird anob das noch ftbriga er»
ledigt werden.
Als die Vorarbeiten f&r die Sammlung der stadtr^ymiaeban Inseliriftn
im besten Gange waren, erfobrea diese eine grofse und unerwartete Be-
reicherung durch die wichtigen Funde im Hain der Arvalbrüder. I^is
sirh der Hain der Doa Dia mit dem Heiligtbum der Ar?alen beim vierten

Meilenstein der Via Portuensis befand, stand durch frühere Funde fest

(S. namentlich De Hossi, Ann. d. Inst. Aufmerk-


1858, S. 54ff.)i and die
samkeit war längst auf diesen Punkt gerichtet Schon im Jahre 1853
(Ann. S. 47 II.) und wieder 1862 (Bull. S. 41 ff.) hatte Henzen dort ge-
fundene Fragmente der Acten der Arvalbrüder herausgegeben. Im Som-
mer 1866 wurde wieder eine grofse, diesen Acten anü:ehnrige Marmortafe!
fTpfoiiden, welche Uenzen im Hermes 1867, S. 37 ff. erläuterte. Es war
mehr als wahrscheinlich, dafs hier Schätze lagen, die durch nicht allzu
Bchwierige und kostspielige Ausgrabungen gehoben werden konnten. Die
liiyriur nöthitren Mittel waren bald anl^rebracht; namouliich reiche Bei-
träge der Königin Angnsta und später Kunig Wilhelm'» ermuglichten es,
in den Jahren 1867 bis ibbd durch umfassende und ernchöpfende Aus-
grabuDgen eine grofse Anzahl ganzer Tafeln und Fragmente dieser wich-

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Wilhelin Henieo. 155

tigen Urkunden zn Tage zu f<?rdern. Über die Resultate der ersten Aus-
grabungen, April bis Juni 1867, berichtete Henzen in den Aunali 1867,
S. 225 — 296. Nachdem dann von März bis Juni 1868 die Ausgrabungen
fortgesetzt waren, gab er noch in demselben Jahre, unter Bormann's
eifrip^er und wirksamer Beib&lfe, das bis dahin gefoodene heraus in dem
anstührüchen Bericht:
Scavi nel bosco sacro dei fratelli Arvali per larghezza delle LL.
MM. Guglielmo ed Augasta re e regina die Prnssia operati dai signori

Ceccarelli. Relazione a nome delT Institiito di corrispoudenza arcbso-


logica pubblicata da üiighelmu Henzen. Koma löG8.
Noch einmal winden dann im Winter 1868 — 69, mit erneuten Zu-
schüssen des königlichen Paares, die Ausgrabungen aufgenommen und er-
gaben wiederum nicht unbeträchtliche EesuUate, die Henzen im BuUettino
1869, S. 81—125 veröffentlichte. Daran schlofs sich duun Jie Bearleitmig
sftmmtlicher erhaltenen Acten der Aj valbrfider, welche ja ohnehin für Jas
Corpus gemacht werden mufste. Sie erschien im Jahre 1874, uiit Ein-
leitung, Cummentar und Register verseben, kurz bevor die euiöpiechenden
Bogen des Corpus gedruckt wurden, und ist betitelt:

Acta fratrum Arvalium quae supersunt restituit et illustravit Guil.


H»DZOD. Berolini 1874.
Noch ist sa erw&bneo Henzen's Betbeiligung an der HeraoQgabe der
Sebriften Borghesi's. Als nach dem Tods des groben Epigiapbikers (April
1860) Ktimr Napoleon seiatn KeehUfe erwarb oud eine CommissioD sor
HeraiMgabe derselben auf Kosten der Cifilliste eineetste, mnchte diese
CommiMion sofort anter Anderen aneb Bensen so ihrem Correepondenten.
In Folge dessen nahm Hensen tbfttigen Aotbeil an der fieransgabe, ond
fon den Anmerkungen, welobe Borgheei*s Schriften begleiten und die
Braoohbarkeit derselben erhöben, tragen nicht wenige seinen Namen.
Aoch ein fiut sweimonatlicher Anfenthalt in Paris (Jnni, Jnli 1866)
werde bierdnrch n6tbig.
In seinen letiten Jahren, nach dem BQcktritt Ton der Bedaetion des
Corpos Inseriptlonom, war Bensen mit den Vorarbeiten fftr eine nmfusende
Sammlung aosgewAhlter Inschriften beschäftigt, welche, reichhaltiger als
die Orellfeche, diese eraetsen ond das Wesentlichste des im Corpus In-
scriptionum vereinigten Materials weiteren Kreisen sngftnglich machen
sollte. Doch war er hiermit noch nicht weit gekommen, als ihn dsr Tod
ereilte.

Vier nnd vierzig Jahre waren verflossen, seit Henzen zu dauerndem


Aofenthalt in Rom und seine Stellung beim Institut antrat, ein-
eintraf
Doddreifsig, seit er demselben vorstand. Durch seine
als erster Sekretär
Th&tigkeit hatte das Institut ungünstige Zeiten überstanden, ohne nach-
haltigen Schaden so leiden, nnter ^nuBr Leitung hatte es sich nach einer
Zeit des Verfalls zu neuer BIfitbe erhoben. Ersteres ist sein ungetbeiltes

Verdienst Es ist schwer so sagen, was ohne aeioe gewiaseahafte, ordeot-

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156 Wilhelm HenMo

liehe Verwaltung, seine ernste wissenschaftliche ThTitigkeit in der letzten

Zeit Braun's aus dem Institut geworden sein würde. Zn dem spateren
Aufblühen wirkten freilich auch andere Umstände mit: die bald Dach
Braun's Tode erhöhte Beihülfe des Staates, später förmliche Übernahme
auf den Staat und dann auf das Reich; ferner die Wirksamkeit von Hen-
zon's Collegen , Bninn und spater Helbig-. Doch hat anch Henzen nicht

wenig /u dieser Blüthe beigetragen. Tlieils durch ßeinp eigene wissen-


schaftliche Mitarbeit, namentlich in der ersten Zeit, während er später,

durch die Corpusarbeiten Anspruch genommen, seine Kräfte weniger


in

dem Institut widmen konnte. Ganz besonders aber war seiner poien
Persönlichkeit das hohe Ansehen, welches das Institut in It^^lien genofs,
und das ausgezeichnete Verhältnifs desselben zu den einheimischen Ge-
lebiten zu düiikLJi. Aus einer Vereinigung von Gelehrten der verschie-
densten Nationen zur Mittheihaig und Veraibeitung der archaeologisehen
Fonde war das archaeologische Institut durch die geschichtliche Entwicke-
loDg, DamenÜlch seit AbtreoDUDg der fraDZÖsischeo Seciion, tbats&chlicb to
einer Station dentBcher Wissentebaft anf itdisohem Boden geworden, woldio
dcb die Erforsobong der AltertbQmer Italiens, mftglicbet im Verein mit den
einbeimieehen Oelebrten, sor Aufgabe machte. Von dem alten Cbarabtir
war eigentlich nor das geblieben, dab eeine Sitsnngen einen gern aaf-

geencbien Yereinigungspunkt in Born weilender Gelehrten Terecbiedenw


Nationen bildeten. An der Spitte einer Bolchen Anstalt war eine Per*
eönlicbkeit wie die Henzens onscb&tibar. Wie selten einer hat er den
deoiechen Kamen hocbanhalten nnd ihm im Auslände Achtung so fei-
schaffen gewebt Die Aneikennnng seiner wiesenechafllicben Bedeotnng
war eine allgemeine und enbegrenxte. Nach Borghesi*^ Tode konnte in
Italien ale Epigraphiher nur der ihm in gemeiDsamer Arbeit nnd per-
sönlicher Frenndscbaft eng ?erbundene De Rossi sich ihm xor Seite etelln.
Nicht geringer aber war die Hocbacbtang, die sein Charakter einfldlSrte.

Nie hatte er, das wufste jeder, nach persönlichen Vortheilen und Shm
gestrebt, vielmehr in bescheidenen Verbältnissen auf seinem Poeten aos-
gehalten. Und es war nicht einmal allgemein bekannt, wie sehr er stets

seine eigenen Interessen denen des Instituts nachgesetzt hatte. Aach


wissenschaftlicher Ruhm war nie das Ziel seines Strebens. Die über-
nommene Lebensaufgabe war er bestrebt zu lösen, soweit es in seioeo
Kräften stand. Dafs ihm dies gelang, dafs er, wo er anfafste, Licht und
Ordnung schaffte, konnte ihm selbst nicht zweifelhaft sein, und dies ge-
nügte ihm: nb er Anerkennung fand, darüber hat er sich wohl kaum je

Gedanken gemacht. Allem Schein auf das äofserste abhold, verniied er


in seinen Schriften durchaus, auf die Wichtigkeit der von ihm gewonnenpn
Resultate aufmerksam zu machen, bemühio sich auch nicht sehr, durch die

Art der Darstellung das Interesse an dem behandelten Gegenstande IQ


wecken. Vielmehr erstrebte er stets die strengste, bescheidenste ächlioht-

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Wilhelm Heazeo. 157

heit; jedes überflüssige Wort wurde unterdrückt: er schrieb eben nur für
den, der belehrt sein wollte. Sorgfältig enthielt er sich jeder Änfsernng
Ober Dinge, die er nicht ganz beherrschte. Im persönlichen Verkehr war
er, bei feinen und sicheren Uinganpsfornien, jedem mit Freundlichkeit ent-
gegenkommend, doch eher zurückhaltend. Zu heiterem oder gar scherzen-
dem Gespräch, auch nur zu lebhaftem Meinungsaustausch, kam er nicht
leicht: es beherrschte ihn auch hier die Scheu, irgend etwas zu sagen,
was er nicht ganz hätte venintworteD könneo. Jede Art von Intriguen
war ihm fremd: nie kam ihm in den Sinn, etwas anders als anf dem
geradesten Wege lu erreichen, nie mischte er sieb in Dinge, für die sn
sorgen er nicht berafen war.
Diese Schlichtheit nnd Wahrheit seines Wesens war in hohem Orade
geeignet, Yertranen in erwecken nnd ihm die Henen zn gewinnen. So
war es nicht an ?erwttndern, dafs ihm Achtang, Liebe nnd Vertraoen
ancb der ohne dafs er sich sonderlich darnm bemüht li&tte, Ton
Italiener,
selbst Hit den berTorragendsten italienischen Fschgenossen,
snflelen. .

frdber mit Borghesi, dann namentlich mit De Rossi nnd Fiorelli, war er
eng befreundet; auch bei denen, die ihm weniger nahe standen, genols er
die allgemeinste Yerehrnng. Sein ttath worde stete gern gehOrt, nnd ancb
on der italienischen Begierong manchmal erbeten: man war stets sicher,
dafs derselbe nnr anf Grund Toller Saohkenntnifs nnd nnbeeinflofst durch
peraftnlicbe Bücksichten gegeben wurde.
So war Bensen gant besonders geeignet, an der Spitze einer wisssn-
schafUichen Anstalt zn stehen, für deren Tbitigkeit das eintrftcbtige Zu-
sammenwirken der Deutschen und Italiener ein Hanptfactor war. Dies
von ihm so lange gepOegte Verhältnifs lag ihm ganz besonders am Herzen.
Auch als nach der Entstehung eigener italienischer Organe ein Zusammen-
arbeiten in der früheren Weise nicht mehr stattfinden konnte, erschien
ihm doch die stete FQhlong mit den italienischen Gelehrten als besonders
wichtig. »Domicilio et animo concivit heifst es in der Widmung des Albums,
welches ihm seine italienischen Freunde und Verehrer zu seinem siebzigsten
Gebartstag Qberreichten, was freilich nicht so verstanden werden darf, als
wäre er ganz oder halb zum Italiener geworden. Pei aller Liebe zu dem
Lande, weiches ihm eine zweite Ileimatli geworden war, war er sich doch
der Verschiedenheit des deutschen und italienifchen Wesens sehr deutlich
hewufst und fühlte sich auf das Hestiiumleste als Deutscher. Den poli-
tischen Bewegungen Italiens hielt er sich voIlständiLT fern und kam wohl
zu keiner bestimmten rarteinahme. Seine Freude war es, dafs m >leii

Eaumen und in den Schriften des In^tituts die Gegensatz^ ver nw müBn (

ond Männer der verschiedensten Partei^tellung hier in gerne! uaauiem wissen-


bchaftlichen Streben zusammentrafen. Dagegen nahm er von ganzem Her-
zen an der grofsen Entwickelung Deutschlands Tiieil, freilich ohne dafs
er — seiner NaUiMi.luge nach con&tjivati? — mcü einer bestimmten Partei
halle miauiMu kuuuen.

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15$ Wiilkeün Hessen.

K« \<t hpkannt pentip geworden, dafs di» mit dorn Jahre 18€f6 ins

Let)efi fj*elreieiieii V'eränderuuL'en in der OrLMin-rit; ^ii öes archaeo logischen


Uenzen in seinen letzten Jahren manche
Instituti» !iv<rere Stunde bereitet

haben. Es ist hier uwhi der Ort, auf so neue unu kaum zam Abschi&ff
gekommeoe Vorgäoge eiozogebea. Nor folgendes ina^ bervorgebobu
werden.
Den wis.senftchafilichen Veikeiif iiiii den einheimischen Gelehrten ta
unterhrtlten war und ist noch jetzt der Zweck der wAchentlichen ZusaiD«
menküufte (»Adananzen«) des Instituts, in denen Henzen dreiXsig Jahre
hindurch den Vorsitz f&hrte. Die Verhandlungen werden, dem Zweck ent-
spriebend, fonriffODd In der LaadcMprache gefflhrt, tMuneotUch verbot
neb der Qebraoeh des Deoteeben tod selbst» da die italieniseben Mshrtse
desselben nicht binttngUcb miebtig sind. So ersebieaen noch die Zeit-
scbriften dee InstHnts, so besserer Pflege diessr Gemeinsebaft, in ilnUe^
niseber Spnebe. Nnn hatte es eine Zeitlang den Anschein, es sollte diessr
nQndliebe nnd scbriftlicbe Oebnucb der italisnisehsn Bpracbe der Art
beocbrftnkt werden, dafii dadurch die bisherige Gemeinsebaft awinehea
Deotscben und Italienern wesentlich beemtiftcbtigt, namentlich ihr Ver»
kehr in den Sitsongen des Instituts nnmOglich gemacht ssin würde. Hsnasn
sah hisrin das Aufgeben der Stellaog, welche das Insütot dnreb die Ar-
bsit eines halben Jabrbaaderta sieb in Italien erworben nnd inr Ehre
Deotschlands nnd snm Nntaen beider Ydlher behauptet hatte, einer Stel-
lung, die nach seiner Überteugung noch Tollkommen haltbar war. IHessr
Oedanke machte ihm scbwsrs Sorge, nnd unter dem Eindrucke dasaelben
brachte er seine schon länger gehegte Absicht zur AosfQbrnng, s^nsn
Abschied zu nefamen: ein Schritt, der dnrch sein hohes Alter hinlfti^lich

gerechtfertigt war. Da indefs die Sprachenfrage in einer Weise geordnet


worde, dafs dadurch der Fortdauer der bisherigen Beziehungen kein Hin*
demifs entstand, so entschlofs sich Henzen auf Bitten der Centraldirectioo
zum 1. April 1887 im Amt zu bleiben, so dafs der erste
des Instituts, bis
Jahrgang der neuen »Mittbeilunpent des römischen Instituts noch unter
seiner Redaction pr>chif?n. Dafs das Verhältnifs des Instituts zu den Ita-

]ieT)n!n das alte bleiben möcbtei war sein Wunsch und sein Bestreben bis
zaletzt.
Einen aiisgedehntereu Verkehr in italienischen Kreisen hat aber Henzen
nie gehabt. Er lehte überhaupt rMTücV jemgen, und feemen Umgang fand er
hauptsüchlich in der in ihrem Jiestaiiiitt von Jahr zu Jahr wechselnden
deutschen Gelehrtencolonie, und unter dieser standen natürlich in erster
Reihe die nähereu und weiteren Angehörigen des Instituts, welche stets
gern in seinem gastlichen Hause ferkehrten. Da er wegen seiner Anisen«
schwache bei Licht nicht arbeitete, versammelte sich fast allabendlich ein

gröfserer oder kleinerer Kreis um ihn; allen den verschiedenat ti,:en Be-
strebungen, die ihm hier nahe traten, kam er mit freundlicher ThtUiiuliiLe
entgegen, stets bereit, nach bestem Können zu rathen, zu helfen, Scbwie-

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Wilhelm Henien. 159

rigkeiteft aas dem Weg« za räameti. Bei Lebzeiten seiner Gattio war der
Tod des Haases ein vorwiegend ernster und strenger. Zwangloser and
anspruchsloser gestaltete sich der Verkehr, als nach dem Tode derselben
Henzen's liebenswOrdige Ilausgenossin, Fräulein RoBina Kopf (jetzt Frau
Rittmeister von POtz) —
die das kinderlose Ehepaar schon vor dem Todo
der Frnn ITcn^en 711 sich zunehmen beabsichtigte — sich pprnoinsam mit
ihm bemiihtc, sein Haus den Schutzbefohlenen zur Heimalh zu machen.
Viele gedenken mit Dankbarkeit der bei «Vater Heozea« verbracbtea
Stunden.
Hen/oji litt wohl schon seit längerer Zeit an pinem Ht'r'"ibpK welches
in (ien letzten Jahren dem sonst rüstigen Manne l*ei stärkerer Bewegung,
namentlich beim Steigen, Beschwerden verursachte. Eine Bronchitiä führte
schneller als man beförchten konnte, das Ende herbei: ein in Folge der-
selben eingetretener Herzschlag raubte ihm Sprache und Bewegung; nach
wenigen qualvollen Taeren erfolgte der Tod durch Lnnironlähmung am
27. Januar 1887. Der vSchmerz und die Theilnahme w.irtn allgemein. Mit
aufüerordentlichen Ehren auch von Seiten der staatlichen und städtischen
Behörden ward er zu seiner ivuhe>tatte bei der Cestiuspyramide geleitet.

Der Stadtrath llom's beachlofs auf Antrag De Rossi'a, sein Marmorbild,


eine Wiederholung der vorzöglichen, zu seinem siebzigsten Geburtstago
von J. Kopf gefertigten Bfiste, im Saal der capitoliniscben Fasten, des
Gegenstandes einer der Hauptarbeiten seiner besten Jahre, gegenflber dem
seinea Lehrers nnd Vorbildes Borghesi, aofsoatellen.

Es hat maaebe glftniendere Gelehrtenlanfbabn gegeben, als die Hea-


aeo^a, aaeh wohl manche befrlQckendore. Er gehörte nicht an den glQck*
liehen Kataren, welche, beherrscht von dem Gegenstands ihrer Studien,
on einer Aufgabe xnr anderen fortgerissen, sich in immer weiteren Kreisen
bewegen, immer höhere Stnfen der Brkenatnils ersteigen. Eine solche
achwoDgfoHe Nator war Henaen nicht. Der dem griechischen Alterthnm
angewandten Neigung seiner Jngend an folgen, die auf dieser Grnndlage
begonnenen Forschungen fortausetien , war ihm nicht Tergönnt; er ?er-
sichtete darauf, ala er ebensnm Manne gereift war. Dagegen hat er die
ihm durch die Umatftnde geetellte Aufgabe mit Toller Hingebong etgriffen
und mit der ihm eigenen Pflichttreue aein ganaes Leben an die LOanog
derselben gesetat Sein ganaea Thun erschien ihm vor Allem ala Pflicht-
erfhUung. Da er nicht eben leicht ond schnell arbeitete, auch vielfach
behindert war, in früheren Jahren durch seine leidende Gesnndheit^ sp&ter
durch die Schw&che seiner Angen, die ihm Terl>ot bei Licht an arbeiten,
80 konnte er nur durch die atrengate Beschränkung auf sein engeree Fach
der flbemommenen Pflicht ganz genügen: eine Beschränkung, die er manch-
mal achmersHch empfunden hat In sofern kann seine Tfafttigkeit wohl
eine entsagungSfoUe genannt werden. Doch trug auch sie ihren Lohn in
sich. Es war ihm TsrgOnot, in gemeinsamer Arbeit mit gleicbstrebenden,
ihm eng ferbundenen Freunden der Wissenschaft ein wichtigea neuea Feld

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leo Wilhdni Henimi.

SD erOlFben. Kictats ron dem, was «r fbst^ war TsrloreD; lange Zeit war
jeder seiner Schritte, jede Erweiterung seiner eigenen Kenntnifs sagleich
eine Bereicherung der Wissenschaft. Frabisitig stand ihm der ün&ng
seiner Anfgabe fest, und
im Alter die Kräfte nachlieCdsn, war das
als
Werk soweit gefSrdert, dafs er das noch übrige rahig andersn Hindea
flberlassen konnte.So durfte er am Ahend seines Lebens, in Mitten all*
gemeiner Dankbarkeit und Verehrung, die ihm ein Jahr vor seinem Tode,
an ssinem siebzigsten Geburtstag« iot\ allen Seiten kondgegtben wurden,
auf ein wohl getbanes Tagewerk, anf ein fertiges, abgernndetes Besolut
seiner Arbeit zurflckblicken.

Bom. A. Man.

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mittelbar nach Vollendung des zweiten Bandes. Der UmiSuig
dieses Bandes ist gleichfalls auf zehn Lieferungen zu vier Bogen
gr. 8^. zum Subscriptionspreise von 1 Mark 50 Pf. berechnet. Die
Bedingung der Einzeichnung sind dieselben, wie beim zweiten Bande.
Das Erscheinen des ersten Bandes ist noch nicht festzu-
stellen. Jedenfwlls werden eiuige Jalirn von dem Erscheinen des
dritten bis zu dem des ersten Bandes vergehen. Den .Abnehmern
des zweiten und dritten Bandes wird während des Erscheinens des
Werkes der erste Band in zweiter AuHage:
das SUbstantivum, statt mit XS Mark zu läMark,
das Register zur zweiten Auflage, welches dadurch, dals in d«r
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f&r ^ese verwendbar ist,
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Bei der Neuherausgabe des z v Heu Teiles der ReisTj^-HHase 'sehen
Vorlp^u!if?»'n, w*']r]ier die »Semasi<^lof^in oder Bedeutungsiebi e t rnihalt, konnte

TOD einer Neubearbeitung in der Weise, wie sie die beiden auderen Teile er*

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fahren haben, nicht wcihl die Rode sein. Es ist längst allgemein anerkannt,
dafs das, was Reisig m diti&em Teile und
darbietet, nichts üyäiemau::iclie:>
iD sicil abgeschloBMoes ist, m
etow Beihe ttmmmtnhmtßlemr B»-
aontoo
meikongen besteht, Ton denen ein grollnr Teil fielmehr in den Benkfa der
winentelimfiliclien SliHttik, mdbA in die Ldm
ven der Entwickelnng der Weel-
bedeatnngt^n gebOrt. Anf dieser rmfileichartigen Grundla^p war eine Erweite-
rung und FortfQhrung des Stoffes, wie bei den anderen Teilen, unmöglich. —
Auf der andern Seite war es dem Zwecke des ganzen Untetnehmens gemifs
Pflicht des Herausgebers, den Text Reisig's nebst den Zos&Uen Has-e's
ihrem Wurtlaui nach piet&tvoll und ohne alle Aenderuog wiedertagebtio. boilte
daneben nun das so lange vernachlässigte Gebiet der Bedeutungslehre etwas
ensgiebiger beerbeitot wetden, so blieb kein Anderes Verfiüiren Qbrig nie das
Ganse in awei verschiedene HUften lerfsUen sn lassen. Die eittn (Ueinnce)
Hälfte enthält den Text Reisig's, die Zosfttte Haasens und di« hilHicfcin
Noten und Bemerkungen des Herausgebers es wurden hierbei im wes(>ntlichen
;

rundsätze, sowie auch die gleirbfn Unterscheidungszeichen (eddge


Klammtr = Haase; gebrochene Klammer = der Unterzeichnete) angewendet,
wie von Schmalz nnd Landgraf in ihrer Bearbeitung der Syntax. Die
zweite Hälfte (S. 30 ff), von der die vorliegende Lieferung den Anfang enthält,
gehört dagegen nur dem Unterzeichneten an; es sind hier also selbstverständ-
lich alle frAheK^n ünterscheidmigsBeidien fallen gelassen vorden
Der8endai>
titel»OrnndsOge der Bedeutongslehret, welchen diese sweHe Hilfte tiigt, deoftet
daranf hin, dafs der Verfasser in derselben zwar eine neue streng sjateanüiebe
Onuidtegung, nicht aber eine vollständige Erschöpfung des umfangreichen Stof-
fes im Pi'nzelnen sich zum Ziele ppsteckt hnf Die Fortsetzung und drr Schlafs
sollen toigen, so rasch es anderweitige Artieiten, welche den Verfasser ao^o*
blicklich beschäftigen; auch immer gestatten werden.«

Dritter Teil.

I^a^teiiiisolie Syntax.
Neu besrbeitet von

J. H. BebmalK lud C^. Land^af


VlU nnd 872 Seiten. & Preis 18 Mark.

Nach den ttbereinstiniinenden Urteilen aller Faefamlnner Ist diese Bearbeitanf

der lateinischen Syntax mustergültig, sie ist gleicbEeitig die reichste uud toi-

Staudpuiikte der wissenschaftlichen Bearbeitung grundlichste Darstellung des


Sprachgebrauchs aller latcmischea ächriftsteller während des Bestandes der
Sprache.
Ein Register zu dem Werke von G. Landgraf wird unmittelbar nach
Vollendung des aweiten Teiles erscheinen.

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Neuer V^riag von S, Oalvary A Co., Berlin W.

Beiträge zu einer Theorie der lateiniscIieD Semasiologie


TOD
Yolkmar Hölzer.
ca. 10 Bogen gr. 8^ Preis ca. 5 Mark.
Venodi den Wortschatz des Cornelias Nepos nach der BedeutuDgs-
lohro deo Werkoo in gUedorn.

(Calvary's philologische ODd arehaeologische ttibliothek«)

Sammlung
Mtter Ausgaben älterer dasmeher Hül&bicher
zum Studium der Philologie,
In jährlichen Serien von ca. 16 Bänden.
Subscn|>tiout>preis iür den Band 1 M. 50 Pf. Einzelpreis 2 Mark.
Sechsundachtzigater Band:
Reisig' s Vorlesungen über lateinische Sprachwissenschaft,
13. Lieferugi (Zweiter Teil, Sematiologio, neu bearbeitet Yon
H*. Heerdei^n, pag. 1—96.)

Die Erkenntnisstheorie der Stoa.


(Zweiter Band der Psychologie)
von
J>r. Ltidwfg Stein*
Vorangeht:
Umriss der Geschiclite
der griechischen Erl^enntnisstheorie bis auf Aristoteles
Vlli, 389 Seiten, gr. 8. 12 Mark.

Biographisches Jahrbuch für Allerthuniskuiide.


Neunter Jahrgang. 1886.
296 Seiten, gr. 8. 10 Mark.
DmmUm «BfthUt «ufttkrUcbe Nekiotoge 1686 tentorbooor Pliilolog»ii.

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6 Aazeige-BlaU.

Neuer Vertag von S, Caivary 4 Co., Berlin W>

BERLINERFÜR STUDIEN
CLASSISCHE PIHLOLUGIE UND ÄHlHAEOl.uGlE.
f> bat sich das Bedürfniss heraupge>tent, nelton den v'plrn ho=tohen(!»
rubiikatioDeo auf dem Gebiete der klassischeii Philologie und Arcbaeoiogie noch
ein Organ ra Minffen, dM dem Zwe^e dient, Arbeiten m
TertlTentUciieii, wekhi
far eine Zeitschrift tu amfingreieh and f&r eine eeUietlndige VertfliBai&dNn«
nicht gross genug sind.
Zu den Schriften der lotztgedacbteo Art gehören namentlich anch die tie-
legenheitsschrifteo. Sebnlprogramme nod DiasertatioiieD, von denen die benme
wohl verdi'^ncn, diirrh eino Sammlnng erhalten 10 Ueitwo and die Ümen ge»
bfthrende Verbreitung zu linden.

Sechster Band
Drittes Heft: Volkmar Hölzer, Beiträge zn einer Thoorie der lateinis^M
SemasioloKii'. ca 10 Bogoii. gr 8. ca 5 Mark. (Unter der Presse}.

Siehnitf^r ?>nm] XXVIII. '^Pr2 R. gr. «. Frei- 14 Marie.


Erstes Heft: Ludwig Die Erkenotois^stbeorie der Stoa. (Der Psycho»
Stein,
logie 2 BHnd> VIII, 389S gr 8 Einzelpreis 12Mark. Zweites Heft: —
Kerl Troost. D>'^ Aenea» Irrfahrt von Troja nach Karthago XX, 80S gr 8.
Einzelpreis 3M 20 Ff.) —
Drittes Heft: Ludwig Holzapfel, Beitrigt aar
griechischen Geschichte 92 8. gr. Kinzeiiir 2 M. 50 Pf.

Achter Band (unter der Presse).


Erstes Ueft: Joannes Maisei, observationes in Cassiam Dionem. IT, 24S.
gr. 8. Einaelpreis 1 M 50 Pf. —
Zweites Heft: Alfiredae Gudeaiaa, De
H^roidon Ovidii Codiee Planitdeo^ VI, 90 8. Einielpreie 3 Haik.
Die „BERLINER STUDIEN*' erscheinen in Bänden zu je drei Heft^
welche auch zn rineni Iiöli^^ron Pr-M-o rtinzoln al>gegehen werden; die A^nxbioe
des ersten Heites zum Subsknptioiiüpreise verpflichtet gleichseitig zur Abnahme
der beiden folgenden Hefte des Bandes
Neu eintretenden Abonnenten werden die nreteii beideii Bind» nr
Hfiino dee Preieee ^
18 Marlt «bgeoebMi.

Der attische Process.


Vier Bücher.

Eine gekrönte Preissc&rift


on
M. H« E. Meier und Q. Fr. SehönumiL
Ken beftrbeit«t

J. H. LlPSIüa -

3 Binde. ZVl und 1068 Seiten 8<».

Preis: 20 Hark.

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Aweife-Bbtt

Neuer Verlag von S. Calvary & Co.. Berlin W.

Sapphus ad Phaonem.
Apparatu critico iostructa, commeotario illustrata
et 0?idio vindicata.
Scri])sit

G. JJe Vries,
*V.

IX, 155 beiten. 8. 4 Mark 50 Pf.

Des Aeneas Irrfahrt


von Troja nach Karthago.
Bpisehe Blelitiuig ais der ie» Ao^stis.Mi
Oebcrtimgong dat erston und dritten Biuhes der Vergittochen Aeoeis in
OkUveu liebst Kiuleituag.

Vou
Karl Troost.
Gymuasiallehrer io Fraokenstein i. Schi.

XX, 80 Seiten, gr. 8. 3 Mark 70 Pf.

Orelli-f* klaasiaclie Ausgabmh lateinfscher Seh tHff.steiler,


Hbtoriae. EditioDem altertun curaverunt
H. Schweizer-Sidler, G. Andresen, C. Mei
Opern quae snperauiit omnia Fftsc. I -5. at M.

Editio altera emendatior.


Curaverunt
InserIpHomtm LaHnorum
J. GMp. Orellius, J. Qeorg Batterut,
amplissiiDa coUectio.
Carolus Halmius.
«Volooiim Leu-»». lf7M- lePA) foMaik. a voD. accedit voL IH.:
Tesrtiis. 4 Bände in 6 Tli. 2. Anfl. edidit Gailelmos Henzen.
1845—61. (48 M. 20 rf.) 24 M. 3 voU. Lex.^. (37 M. 50 Pf.) aa M,
SehoUa* M. TulUi Cicerouis Scho-
liaslae. 2 vdl. 24 M.

€X Onom€UtUkm, Onomasticon Tul- HORATIÜS.


linnuni Coravcra&t I. Q Oreliiut et 1 I'ITIO QUARTA MAIOR
1 Q. Baitarua. 3 voU. (27 M.) 18 M. tIMENDATA KT ATCTA QUAM
Foat 10. OEORQIUM BAITISBUM
Taeiti CURAVIT
Opera qujic 8upei!?unt GÜILELMUS HIRSCHFELDER.
od Ii dem Codicum Mcdiceuruni Voll. aoM.
ab Jo Georgio Baltero Edido Tertia.yel.n. IBM.
deniio axenasomm Editionen! minorem seztam po&t
ceteronimqna opttanonun libronim. Jo. Ooorglum Baltornm
Vol. I. Annalium ab excessu divi Aug^usti
curavit
quae sapenunt ad fidem codicum Medi-
eaorum 16 M. —
Vol. IL Gennania. Quiielmu» Mirschfeider^
Dialogna de daiia ocatoribni. Agrioola. 8V0U. 8. OMark.

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8 Aasiigi-BhlL

Neuer Verlag ven S. Calvary A Co., Berlhi W,

Bibliotheca philologica elassica«


Verzeichniss
der aur dem Gebiete der dassischen Alterthnoiswisseiuschill
erschieneneD
Bücher, Zeitschriften, Dissertationen, Programm- Abhandluii^eü,
Aufsätze in Zeitschrilteu uad Kecenaioneo.
Pünfisehnter Jahrgang. 1888,
Ermtes utul zweites Heft.
Sabseriptienspreis l&r den Jahrgang von 4 fleften 6 Mark.

üEliLmEK PHILOLOGISCHE WOCHENSCHIÜFT


HERAUSGEGEBEN VON
CH. BELGER und 0. SEYFFKUl.
Achter Jahrgang. 1888.
Ente» und moeUeM QuartaL
Preis per Quartal 6 Mark.

JAHRESBERICHT Ober die

FortscUe k cteckeii AltertbuMwiWGM


begrOodet von
Conrad Barsfan,
heraosgegebeo tod

ord. öfifentl
Iwan Müller,
Professor der cla°sischen Philologie in Erlangen
. 15. Jahrgang: 1887 50.-53. Band. Heft 3-12 1.

16. Jahrf^ang: 1888. 54.- 57. Band. Heft pro Heft 1


1 12 (90
Bogen) Ladenpreis 3(i )1iii k. Subscriptionspreis 'M\ Mark
Der Jahresbericht bietet eiaeo vonttindigen Wegweiter aof dem
tich immer mehr antdehDendeD Gebiete' der otaeeieoheii Spraob- Aller« md
thumswiftseneoheft und giebt ein Bild über das, was in ver>chiedeiieii Zveages
üieätir Wissenjichaft innerhalb eines Jahres p^leistet worden ist.

Die Wochenschrift ergänzt den Jahresbericht dahin, dass in ihr die


Philologie in ihrer Eatwiekeinng dargestellt uad dorch eingehende Beipredmg
der Arbeiten, aowio doTch de» AoftaiiBeh TOD Antiditeo und EriüuniiigMi ge-
fördert wird.
Ein Abonnement auf dieee Zelteobriflen iet daher für jeden Fachmann,
dar iloh in eetaar Wheeniohaft mT dam UilMiii arlullao «n, reep. Hr
jadflf Bibliothek Hnentbelirlioh
Anzeigeblatt
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Jakesbericlil über dieForlsclirille der classisckii Allerlliüniswissenscliaft.

Neue Folge. 8, Band, — Mfr. 2,


I>as Anzeige« Bktt entli&It: Ente Ablliftttiuig: MitlfaoüongeD Aber den Fortgang
des Jahreibefichtes. ~
Repliken zu den Jahresberichten. Dieselben weiden, soweit
sie nicht von der Redaction zur Gratis- Aufnahme bestimmt werden, 7.nm Preise
von 30 Pfennigen fQr die Zcilo nnfgenommf^n —
P.nrbhfinfllpri'^cho Ati^riRon —
Ii£weite Abthellang: Nekrologe der verstorbenen Philologen und AUerthumsforscher
herausgegeben von Iwan Müller.

Mittbeilungen über den Tortgang des Jahresberichtes,

Eb haben fibernommen die Beriebte über:

die griechischen Philosophen nach Aristoteles, büwiö die


römischen Philosophen üerr Prof. L Haas in Paasau.
HoratiOS: Herr Vrot Dr. L. Hiutaner in KarUrabe.
Caesar: Prof. H. J. Heiler Iii Bei- hu.
SaliUStiUS: G^mnasialdirektor Prof. Dr. H. Wirz in Zürich-
Livllis: Gymnasialconr. Prof. Dr. Ffiger in Nienborg a. d.We8er.
Curtius: Gymnaäialdirektor Prof. Dr. Hedtoke in Sorau.

Scriptores historiae Augustae and die Fragmente der


kleinen Historiker: Gymnasialdirektor Prof. Dr. H. Pafw
in St Afra b. Meissen.

Die späteren römischen Geschichtsschreiber seit Suetonius:


Prof. Dr. M. Petsohenig in Graz.
Für den Bericht über die Kanstarehiolegte sind die folgen-
den Mitarbeiter gewonnen:
Methodik und Geschichte der alten Kunst; Uerr Dr. Kroker
in Leipzig.

Vorgeschichtliche Knnsti EtrosUscbeSi Hyprisches, Klein-


tainst und Vasenmalerei: Prlratdocent Dr. P. Dammler in
Giessen.
Baukunst der Griechen und Römer: Architekt p. Koidewey
lü Berlin.
Bildhayerknnst: Dr. F. Koepp in Berlin.
Knnitmylbologio: Dr. Bade in Berlin.

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10 AnseigebUU.

Erwiderung.
In mtmwt XiliiaUiaM im
aoatige 11. und 18. M«, t. abth. (16. Jalr*
gug) dieior Zettiebrift, 8. 867 werd» mir dto folg^den wovte sugvtdkrichCB:
Ego talem aentnitiam deridtn»; tm ioTWl gimtte Ttniat com ptoziBum aaaai
his pitam [tiet] ToUfl arbiler adiit Amor, (Dio notining pilam und Ittel},

wodmch mir eine qoaolitttsrorletsnng saganadiet wird, vom refermitaL) Uk


hatte aber geeebriebeo Maem. zni p. 185: ivereor, nt intogritati posaat

»reatitai (venne IV. 0. 19 »et ioTeiii grata« ... et 90 »hie idem votii tarn vel»
»esset amorc) ». . . Ego talem sententiam deddero: rio iuvoü grata«, mm
»cum proxiuuis annus, his palam votis arbiter adsit Amor. — 8ed. ui üiü,
»dßsppro flc prnptidatinne certa« l-^s NvJin nur billig geweseu, dass auch djtä

hetzte TiiitL^'etheilt w;ir(\ damit auch i< -- r v,olwo)l*"n(ier tielleicbt ah herr

Maguus, urihrÜ! 11 küjinten, mit wrlchem rechte mir jeuer fehler zugeschnebea
wird. Ich gab our den gewQoscbteu Siuu (seotcntia) ohne » « und gab mch
Dicht eine tncerta emendatio. Das wort ccrta ist nur hiningefOgt, da
mir beim aelireiben eine andere lesimg vorschwebte, die ich ala nicht certa
ontordraekte, nlmlioh his idem ?otia («s dun eadem haee ?oCa fioat) imn tetai

adeit amer.«

Utrecht, Angoet 1888. C. M. Francken.

Sciilusswort
Herr Francken wenn er meint, dass durch Hitteilaag der in meinem
irrt,

Befernte ermiwten Worte seine Sache besser werde. Im Gegenteile: wen


jemand beginnt *ego talem sententiam deefdero . . wenn er dann im An*
schlösse an Tihull oin bis auf die falsche Quantität einer Silbe ollkommeD
regelrechtes elegisches Distichon baut ohne anzudeuten, liasa diese Verse, die

jeder als Verse lesen muss, keine Verse seien, und wenn er endlidi schUesst

üed, ut dixi, despero de emendatione certa', so darf er sich nicht wnndera.


dass selbst ein wubiwolleoderer Leser, als ich es angeblich hin, den aüein

richtigen Gegensatz einer emendatio certa in einer emendatio in certa sehec

wird, d. h. in einer solchen, welche die Worte des Autors wiederherstellen soü,

nicht wie er sie geschrieben haben mnss, wohl aber wie er sie etwa geechhebea

haben kan n. Der nachtrlgliGhen Versicherung des Berm Francken, er habe


es andere gemeint, sdisoke ich natOrlich gern Olaoben. Aber die Schuld an
dem Missventlndnisse trtgt er gani alieis.
Berlin, August 1888. Hugo Maganai
Anseigoblftll. 11

Verlagsbericht von S. Calvary & Co. in Berlin

über die ErscheiouogeQ des Jahres 1888 und 1889,


erste« QaartaL

Avb^ B., De GonstSDtiao imperatore poodfice mazioMi. Paris 1861, 106 S. S H.


Avber, C
E. Ed.» Instltaüoos d*Hippocrate, ou £xpos6 pbilosophique
T.
dos principes traditiomwh de le m^cuie. etc. Paris 1864, £XU1, 401 S.
gr. B (10 frg.) 4 M.
Bibliotheca philolo^ioa claasica- Verzeichnis der auf dem Gebiete der
klassischen AitertumswisseoschaH erschienenen fittcher, Zeitschriften. Dia-
sertatlanen, Programmabhandlnogen, Aofs&tae in Zeitsdiriftsn luid Besen-
siooea. Flnlkeiintar Jalugasg 1888. gr. 8. 6 M.
CftlTarys philologische ond archäologische Hiblinthek. SammluDg
neuer Aus^abeo älterer klassischer Hülfsbücher 2uai btudium der Philo-
logie, in Jährlichen Seneu von ca. 16 Bdn. Subskriptionspreis für den
Band 1 M. 60 Pf. fiioselpieia 8 M.
ß a n d 8G K Reisig, Vorlesungen über lateinische Sprachwissenschaft
:

mit den Anmerkungen von Friedrich Haase. TA^i — zweiter 1.*^

Theil, Semasiologie, neu bearb. von F. Heerdegen, p. 1— Utj.


Band 80—94: A. Holm, Griechische Gesebiebte von ihrem Ursprünge
bis 7um Untergange der Selbständigkeit des Griech. Volkes (4 Bänae
ä K) M odor 20 Lief, 2 M ) — n Lief. = zweiter Band: Ge-
schichte ü riechenlands lui ö Jahrb. v. Chr.
Chai^net^ A. £d.| De iambico versu; utmm, in graecanim tragoediarum
diverbiia, i ambicui TflfsiiB cam modolatione et ad tUnas cantatos sit, etc.
Parisiis 1868, 49 & 8. 1 M. 60 Pf.

Delatiro» A. J., La trooraUle de Teil el Amaroa (Bmielles). 43 S. gr. 8.


1 M. 60 Pf.

FielOBt B., Thesis in Titom Pomponiom Atticom. Paris 1Ö61 , 127 S. 8.


8 M.
Godeman, A-, De Heioidom Oridii eodtee Plaondeo oeae sepersont. VI,
00 8. gr. 8. 8 M.
Helm, A., Griechii^chf Geschichte von ihrem Ursprünge bis zum Untergänge
der Selbständigkeit des griechischen Volkes. (4 BAnd'^ he. 10 M nder 20 Lief.
k 2 M.) Zweiter Band: Geschichte Griechenlands im 5. Jahr h.
Ohr. VUl, 608 8. kl. 8. 18 M.
(Früher erschien: Erster Band: Geschichte Griechenlands
bis zum Ausgange des 6. Jahrh. v.Chr. XVI, 516 S. kl 8. 10 M.)
Heisterbergk, B., Fiagea der iltesteo Geschichte SisiUens. VUl, 108 S.
gr. 8. 4M.
Holzapfel. L.. r?eitraRO zur Griechijdion (loschichte. 02 S. gr. 8. 2 M. 60 Pf.

HOlzer, V., Beiträge zu einer Theorie der lateinischen Semasiologie. VIII,


104 & gr. 8. Preis 6 M. 60 Pf.
7ersQeh, deo Wortachati des Gere alias Nepos nach der Bedeu*
tODgalahre des Wethes so gUedem.
Blegraphisches Jahrbveli Ittr Allertanekuide. Neunter Jabrgaog
1886. 296 8 ^r, 8. 10 jf!
- - Zehnter Jahrgang 1887. 162 8. gr. 8. 6 M«

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12

ferlag9berUM von Calvary Co. in BerUtu

JfthMtberieht Aber die Fortsrhritle der klasfisrkea


WliMliSC'baft, begTündel von Cnnrad Bnr^ian. heransepg. von T«»i:
Maller, ord. öff. Prot der aa der LniTersiiii i^rtaBra.
klass. Philologie
lA. Jfthrg. . 1887. 1». Buid. Heft 8—
IS U. Mft tfeiM Aatef
NoTPmber 1888 er^-cbiint nfn Hefte war die Aozahl voo 90 Bogen prT' icbt
werden, womit der AlKniDemPutspreis ausgeglicben war. Her Scblofi des
Jahrgangs encbien Anfang März 186d in einem SuppleinaBt - Schlu Mw ft
221/s Bogen. Vorzugspreif wmr bis 1. April 1880 6 M. 75 Pf.
Mach dem I April 1889 13 M ö^ Pf. i

- - FOitfiohnter J iiwgi in fir 1887. Komplett. 4 B&ode gr ^ ^


Band ö0~d3. 46 M.
- ^ 16. Jahrgang:
1888. 54.-^57. Band. Heft I 8 pco Belli IS — —
{00 BefeaX Ladenpreis 36 M., Subskriptionspreis 30 M.
. _ Supplementbend (25. Baad). Bpricbt Ober die Mythologie in den
Jahren 1876 - 1885 3. üeft. S 193 - 288. gr. 8. SobskriptiOBsareif
1 M. 80 Pf, Ladenpreii S IL 80 F£

poAp MmÜMm^ I, 1. Athen 1888, 10S8. 8. SM. OOfl


MalMl, J., Obeerralieaei in Geniom Dienen. IT, Si a gr- & 1 K. fiO FL
Heue, Fr Formeoldbre der Lateinischen Sprache, sweiterTeil. (AjyehUn»
,

Nnmeralia, Pronomina, Adrerbia, Präpositionen. Konjanktioneo. Iiiter-


jektionen ). Dritte, gänzlich neu bearbeitete Auflage vuu C. VVagener.
ca. 10 Ueferongeo k 4 Bogen gr. 8. Lieferang 1 — 6 p. I 38«. = —
Snbskription^prfis dr-r IJefemnt» 1 M. 50 Pf-

Der 2>ubiikriptiout>preis erliicht u&ch VoneaduDK des Bandes und tritt


aMaon ein Ladenpreii ven S Mark fBr die Lienmng in Am»
fbbrlicbe Proepekte eteben an Diensten.
Ptpadoponlo, V. oo description abr^^e de la capitale
A., Ath^oes moderne,
de la Or^oe, etc- . . . (en gree medeme
et en fran^ais). Atb^aai 1860,
12S 8. 8. 2 M.
Parieot, Tal., Cantacazöne, honime d'£tat et bistorien, ou ezamen critiqoe
comparatif des M^roeires de l'Emperenr Cantacuz^ne et des sounres coo-
temporaines, pt notamment des 30 bvres, dort 14 infrdits, de !'hi«ioir*
bvaantine de isic ürögoras, qui contr61ent las mcmoires de Caniaciu^fie
(Thtee). Fuis 1846» 886 S. 8. SM.
- — De Porpbyrio tria tmenata. Paris 1846, Yl, SOOS. 8. (S ta.) SM.
Premier, A., Beriebt über die Mylbolrgip in den Jahren 1876—1888 ood
Uber die Konstarch&ologie in den Jahren 1874- 1888. 3- Heft, p. i93
bis 288. 8 ö M. 60 PL
Mdpwrtolre des dix miüe adresses d'amatenrs. Annnaire-ahMnadi dn Hbtaire
et de Pamatenr. Li?res, gravnres, curiosites. (Paris 1886.) HO p. kl. 8. IS M
- — eompldment» Paris 1888. VU, 44 8. kl. 8. SM
Reisig, K VnrIr?nnrron übr^r latHniscbe 8pradiwi?=;pnschaft.
- Mit den An-
merkungen von Fr. Haase. Neu bearbeitet von ü. IIa gen, F. Heer-
de gen, J.H.Schmalz und 0. Landgraf. 13. Liefer. (= zweiter Teil,
Semesiologie, neu bearbeitet von F. Heerdegen p. 1—96). 2 M. Von der
neuen Bearbeitung von Reisigs Vorlesungen bereits rollst änr! ig rot:
Erster Teil: Etymologie, neu bearbeitet von H. Hagen. Vi, 4S7 S.
kl. 8. Preis 6 M. Lateinische Syntax, neo bearbeitel
Dritter Teil:
von .1 II und G Landgraf VIII, ^^7•3 S. kl
Schmalz IS M
Ein Register zu dem Werke von G. Landgraf wird unmittelbar
nach Vollendung des sweiten Teiles im Laofe des Jahres 1880 erscheinen.
Schssffer, de Deli insnbte rebas. riU, 844& gr. & EinaeipreiB 8 M

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Anieigeblatt. 18

VoriagsberMU von 8. Oaivurp Jb €o. in B«rUn»

belialtz, O., Die OrUgotlheitoo m der griecbiscbeo imd römiäcbea Kunst.


IV. 84 S. gr. 8 3 M.
Stein, L., Die BrkeniitDistbeorie der Stoft (swtltw Band der Pisyehologie ).
Voraof^eht: Umrifs der Geschiebte der glitdüldieil SrkOBlitaiMlieoric bis
auf Aristoteles. VIII, 389 S. gr 8. 12 M.
Stttdiea, Berliner, fOt klassische Philologie uod Arcb&ologie. Sechster
Bend, drittes Heft: Hölzer, V Beitrige in einer Theorie der lateini-
,

schen Semasiologie. VIIl, 194 S. gr. 8. hunselprsis 6 M. ßO Pf.


— — Sechster Band, complet. VIII, 295 S. (?r. 8.
Erstes Heft: Armand Qasquy, De Fablo Planciade Fulgentio,
8 M.

Tirgilli ioterpretc (IV, 44 8. 1 H 00 Pf) Zweites —


Heft: W. Streit
Zur Geschichto dos zweiten punischen Krieges in Italien nach der Schlacht
von Caiinft IV, TS. Einzelpreis 2 M.) — Drittes Heft: Hölzer.
-

Beiträge zu emer Theorie der lateinischeo Semasiologie. (VllI, 194 S.


Einselpreis 6 M. 60 Pf.)
— — Siebenter Band. XXVIII, 562 S. gr. 8. 14 M.
Erstes Heft! Ludwig Stein, Die Erkenntnisthooric der Stoa (zweiter
baud der Psjchologiej. (VIII. 389 S. 12 M.) —
Zweites lieft: Karl
Trooet, Des Aeneas Irrfahrt von Troja nach Karthago ote Übertragoag
des ersten und dritten Buches der Vergilschen Aeneis in Oktaven nebst
Einleitung. (XX, 80 S. Einzelpreis 3 M. 20 Pf.) - Drittes Heft:
Ludwig Holzapfel, Beitr&ge zur griecfaiidien Gescnlebte. (98 8. Eiaiel*
preis 2 M. 60 Pf.)
— — Achter Band. XIV, 198 S gr 8. 6 M.
Erstes Ueft: Johsnne« Maisei, Observationes in Cassium Dionem.
(IV, 24 S gr. 8. Einzelpreis 1 M. 50 Pf) — Zweites Heft: Alf^edttS
Qudeman, De Heroidum Ovidii r« lice Planudeo (VI, 90 S. gr. 8 Einzel-
preis 3 M.) —
Drittes Heft Otto Schultz, Die Ortsgottheiten der
griechischen und römischen Kuu^t tlV, 84 ä. gr. 8. Eioselpreis 3 M.)
— Neunter Band. XX, 398 6. gr 8. UM. 20 Pf.
Erstes Heft: Valerlsnus de Schoffer, De Deli insalae rebus.
(VIII. 244 S gr. 8. Einzelpreis 8M ) — Zweites Heft: Karl Troost,
Inhalt und Echtheit der Platonischen Dialoge auf Orund logischer Analyse.
(IV, 48 8. gr. 8. Einzelpreis 2 M.) —
Drittes Ueft: B. Hdsterbergk,
Fragen der Altesten Orschichte Siciliens (VIII, 106 &
gr. S. Eiasel*
preis 4 M.)
Smet§, b , Aachenosauros multideos, reptiie fossile des sabies d'Aiz-i&-Ciia-
pelle. Mit einer Tafel. 24 8. gr. a SM.
Snaemilil, F^., Analeetonnn Alexandrinemni chronologiconim part II.
29 S 4. 2 M.
IrooNt, K Des Aeneas Irrfahrt von Troja nach Karthago Epische Dichtung
,

aus der Zeit des Augustua Übertragung des ersten und dritten Buches
der Vergillschen Aeneis in Oktaten nebst Einleitong. XX, 80 S. gr 8.
3 M. 20 Pf.
— — Inhalt und Echtheit der Platonischen Dialoge auf Gnind logischer
Analyse. IV, 48 S. gr. 8. Einzelpreis 2 M.
Tietzes et Psellus. Tzetsae allegoriae lUados, graeeej aecedont PselH
allegoriae, quanim una iaedita, graeee; curante J. F. Boissonade. Piris
1851. VHI. 414 S 8 ;i M.
Vries, 8. G. de, Kpistula Sapphus ad Pbaoocm. Apparatu critico instructa,
commeotario illustrata et Ovidio vindicata. IX, 155 S. 8. 4 M. 50 Pf.
Woek«n9ehrlfl Berliner Phllologlseli«. Herausgegeben fon Ohr. Be g e r I

ond O.Sejffert Ylil. Jahrgang. 1888. dSNunmefn. VIII, 18478.4. 84 M.

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Herdör'sdie Verlagshandlung, Freiburg im BreiagaiL


SocbcQ iat crscbiencD und durch alle BudihÄudlufigeii zu bexiekea:

Cornelii Nepotis vitae. « ,'5E^'?1SSm"S


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n. 189 S) 1 M.; geb. in Leinwand mit Dedieuprefisung 1 M. 20 Fi
t;i Arn iiiiiss Realsrhulen a andere höhere Lehr MStaltea
aus der Herder'scbeo VTtagtliandlyiig an Fraiburg im BraitiMk ISSf.
gr. 80. (32 8.) tiratia.

In der U a n 'aeheii
Ii Verlassbachhmndlang in Leipaig ist anrhinfi
e s:il£ o n.
der lateinischen Wortformen
00
Prof. Dr. K. E Georges.
Erste Lieferang (Titel und Bogen 1—5). Lex.-8. 1888. 2 Mark.
Das Lexikon erscheint in 5 ~
6 LieferODgen k 2 Marie (in Liefarungea
von 4-6 Bogen) and wird bia Mitte nlduteo Jtiirei voiMndif in dnn Hinien
der Snbaeribenten aein.

In der Uaiiu'eeben Verlncabacliliaiidliing in Leipzig ist so


eben encbiento nnd doreh alle Buehnandlnngeo an beoeben:

Vollständiges Wörterbuch
über die Gedichte
des Homeros und der Homeriden«
Zum Schul- und Privat- Gebranch
nach dem {rübereo Sei 1er 'sehen Homer -Wörterbuch
neu bearbeitet von
FrofMOr Br. C. Capelle.
9. verbell. AnHage. gr. a. 1880. 4 IL 80 Pf.

Zu beziehen durch jede Bachhandiung.

Beiträge
anr

Topographie von Delphi


von
Dr. H« Pomtow.
Hit viersebn Pllnen nnd Tafeln
Carl. 10 Mark.

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AoatlgeUirtt

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(Victor Palm6*8 Agentur.)

Soeben gelangte in Firis sor Antg&be:

Tr ^ de
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Chronologie d'histoire et de g6ographie
ponr r^tade et Femploi des doeiimente du moyen-fige
par
le Comte de Mas Latrie
Membre de l'lnstitut

£in Foliüband von mehr als 1200 Seiten zweispaltig.


Preis 100 Francs = 80 Mark.
Dieses wichtige und besonders fOr Bibliotheken unentbehrliche Werk ist
nur in kleinerAoniige gedrnekt worden ond wiid beld in Preiee erhöht werden.
Bestellnngen können direkt, wie durch jede Bnebhandlnng goniedit werden.

Jifeuer Verlag von Calvary S Co. in BerUtu

Griechische Geschichte
van ilireiii UrspraBge bis zum Untergänge der Selbgtändii^lieit
des grieetaiseben Volkes.
Von
Adolf Holm.
4 Binde in ea. 90 Lieferungen k % Mark.

Zweiter J3and,
Gesebiebte Griechenlandg m 5. Jahrhundert v. Chr.
Vm, 608 S. kl. ö. Preis 12 Mark.

Im Jnhre 1886 encbien:


Erster Band.
fieseUebte Orieebeiluds bis sn Ansgauge des 6. Jabrb. r. Chr.
XTI, 616 8. kl. 8. 10 Hark.

DE DELI INSULAE REBUS


SCRIFSIT
VALERTANUS DE SCHOEFFER.
Vlll, 244 S. gr. 8 Kinzül preis 8 Mark.

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10 Anxeig^»l«tt.

Smur Verlag von 3. Vaivary Jb Co. iu UerUtu

Fragen
der

TOD
B. HeiBterbergk.
VUI, 106 S gr.a. £iBS«lpr«ii 4 Muk

Inhalt und Echtheit dw Platonischen Dialoge


auf Grund logischer Aoalyse
von
IiiLa.i*l ''Fi'ooiäst.
lY, 48 8. gr. 8. fiinselpreU 3 Uvik.

Von demselben Verfasser erschien im vorigen Jahre:

Des Aeneas Irrfahrt


von Troja nach Karthago.
Epische Bichtnn^ ans der Zeit dos Auirnf^tns.
Uebertraguog des eraUo uod dritten BucheB der VergüUchen Aeneis iji

Oktara iwiMt Eialtitting


XX, 80 Seiten, gr. 8. 3 ICark 20 Pf.
Die nmm WiHelogiieM BmidtBhi« 1888 No.« icfareiM n. A.: »Dtetbefw
setzuDK ick't Zon^niss davon ab, daaa Troott eioe nicht n
veiidltaiida
poeUsche Begabung besitsLc

Berliner Studien
für elasfiiaciie Pbilalagie and Arckaeol^gie.
Neonter fiaod. YU, 888 8. gr. a Flreia 11 Mk. 90 PI
Inhalt: Talninu de SohoelTer, De Deli insnlae rebus.
Karl Tratest. Inbr^lt und Echtheit der Platoni^hen Dialoge.
B. fieisterbergk, ir ragen der ältesten Geschichte Siciliena.

Die Ortsgottheiten
in der griechischen und römischen Kunst
von
Otto SchtUtx.
IV, 84 S. gr. 8. 3 Mark.

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Anzeigeblatt
zum

lahreskficlil über dieForiscliriltedeF classischeü AltertkiDswissenscliafl.

Neue Folge. 8. Band. — Nr. 3,


[>as Anseige -Blatt enthilt: Ente Abthelliing: Mittheilimgeii ttber don Fortgang
dea Jahresberichtes. —
RepHkeo an des Jahresberichten. Dieselben werden, soweit
Bie nicht von der Redaction zur Gratia- Aofiuhme bestimmt vcrden, zum PteiM
von Ffrrinigon für die Zeile aufgenommen. —
Bucbliandlerische Anzeigen. —
Z^weite Abtheilung: Nnkrnlixrn ,],^r vfrstorbnnpn PIn'loIr irren und Alterthomsforscher
herausgegeben Ton Iwaov. Müller.

MittheilungeD über den Fortgang des Jahresberichtes.

Der Herausgeber des Jahresberichtes Prof. Dr. Iwan T« MfUler


igt tum Ritter des bayer. Miuiimiliane-OrdeDB eraanot worden.

Es liabeii überuoinmen die Berichte über:


Valerius Maximas: OymD.-Dir. Prof. Dr. Kempf in Berlin.
PliniUS' naturalis hlstOria mit Herrn Geheimrath Professor Dr.
L. y. Urlichs zusammen Herr Assistent am Wagnerischen Kunst-
museum Dr. Urlichs in Würzburg.

Die SCeniscben AltertbÜmer: Studienrektor Prof. Dr. & AmoM


in München.
VellejUS PattrCUlUS: Prof. Dr. Morawsky in Krakau.

Erwiderung.
Die Recension, die meuieni etymolofjiscbon Scbriftcbcn in den >Jab-
reäberichteu über cla?;8iscbe Altert iiincro Nro. 458 Seite 307 zu teil gewor-
den, hat nameullicb au meinem »rit;- r-croc = wert«, Anstofs gefuuden,
wol deshalb, weil sich darin ein Verstofs gegen die Lautgesetze ?ersieckt
halteo mQfste.
Es Hei mir gestattet, zur HichtigstelluDg der Saciie uur das Not-
wendigste zu entgegnen:
Fürs Erste kann ich meinen Satz: »d<Tr€?oc= werte, lieb und »wertt
wiederholen, denn das /a<r- iu faff'TeToc gehört zu skr. vas-ati, wohin
got. vis -an, dann mhd. wcs-en = währ-eo, dauern.... Von diesem

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18 Anzeige- BlAtU

Wesen nun bäogt unserm grofsen Sprachforscher Schmelier das Wort


»wer-tt ... ab. Wert, sagt, er, alts. war-oü wer-en, woher dann ab
Weiterbildung Wer-ung und pfenwert (einen Pfenning Bwerti). Schmelier
1,316. Das engl, tho wäre, Waar-e, fttgt Schmeilor bei. gemahnt an
bocbd. ge-wfthr-en (schalten und walten lassen). nieders. war-en,
Zuin
währ-en, bemerkt derselbe weiter, dafs Wurzel vom Vcrbuin
es einer
existcntiae wßsea, isl. vera, selbst got. visan entstamme. Bieber denn
noch das wichtige Wort Wer-geld, alt. »wirigelt der Ersatz des Wertes«;
Schmelier 4, 130. 134. Die Wer-schaft, Bezablmachung; s. mein W. B. 3S6.
Aaf Seite 126 bemerkt Schmelier, dafs Waar-e sich am besten su
»wereot, iel. Teria (ausgeben, verwendea) «teile, s. 8. 124. Unser »war« =
engl. I was (praeter, von wfisen, wie »gare in Oarkoch zu g&sen, gfthreo,
also äbnlleb wie gewähren so wSsen).
Zn w6sen =
Ti8*ao, veria stellt sich das alte »wirft in wirigelt
Wer-getd, dann nrig in lang-wierfg, lange wAhr-eod« got Tis- an m
dauern, also regelrecht sn vas in /cur-rti (die Wohnstfttte) /o^-tcS^c
wohnlidi, wonniglich d. b. liebwert.
Der Zusammenhang von wert« alts. wSrd, Wert, mit w6sen macht
sich vernehmbar im ahd. awert (absens =
abwesend), von da das praeter,
gegan-wart alt. wnrt (in Wflr-de, the wor-sbip).
'Amhg bedeutet auch ioBXof, wobei sieh die schöne Parallel«
Wer-geld (Tis*aa) und as n., as^sis, ha-B-Adv (aberhaapt Wer-
schaft, verw. skr. »{is«-ti-tva n., existentia) einstellt Diese Probe durch
die Analogie ist abrigens schon seit sehn Jahren in meinem Wörterb.
unter a. n. = were p. 38 gemacht
Nachschrift 1.) Des Digamma in faa - ro erUftrt Benfey Wanel-
SAt, 397. —
2.) Die abweichende Erklärung steht im WB. p. 124. 683 o. 611,
womit Kluge noch am liebsten einferstanden ist
Freising, 9. Juli 1889. Seb. Zehetmayr.

Antwort.
Gegen die von Herrn Sob. Zehetmayr aufgestellte Etymologie des
Wortes dunetoc habe ich weder tu meinem Beriehto Zweifel erhoben,
noch finde ich Anlafs, es Jetst tn thnn. H. Ziemer.

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Anzeige -Blatt. 19

Im Verlage der Haliu'scbeii luiclitiantllnng in Ilaunovcr ist erschienen:

Scriptores rerum Germauicaruuu Id vmm «choianim


6z MoQumeotis Germaniae bistonciB recusi.
Carmen de belle Saxeniee« £z recensiooe JBoider-
Bgger. 1889. 60 Pf.

Tkietmari xXei si hurgensis episcopi Chronicon. Post


editiouem Lappeubergii recoguovit JPV. Kurze* 1 889,
SM.

"VeirlHig von FerdLinmui ülnlce in. fe^ttittggjrt»

Soeben erscbien:
Lehrbuch der Geschichte
des

Römischen Hechtes von


Professor Dr. Fr. Schuliu
in Basel.

8. geb. M. 11.— t ^ieg* in Leinwand geb. M. 13.—

Neue ItaUenische Werke


vorrätig in der Buchhandlung von S. Calvary & Co. in Berlin
und durch jede Buchhandlung zu beziehen:

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THr^r^ Bach ist in Italien bereits ?ergril!en. Eine Freiaerbbbnng bleibt
> or 1 1
1
' 1 ui 1 1
1' [ 1

iUaffei, R., Ciiovanni Üerchci e le sue i)OP<?ie 39 S 1 M.


Bossi, J B. de, Inscii|)tiones Chiistianae urbiä Romao septiuo «aecnlo aoti-
quiores. Volumeu primum CXXIV, G90 p. fol. cart 80 U.
— LIX,* 686 p.
Tolnminii aecnndl Pitt f
prima. fol. Mit 6 Phelollttio-
gmpbien
20 ABZfcige-ßl&tL

Neuer Verlag ran S. Calvary <g Co. im BerMm,

HORATIUS
EX HECENSIONE OREJULII J. G.
EDiTlO QUARTA MAIOR,
VOLUME» ALTKßüM
CÜRA\Tr

(SATIRAE, EPISTOLAE, LEXICON HORATIAXUM.)


FASCIGULXIS PRIMUS.
Dem 1885f86 erschieoeneo ersten Band der groMen Orellischen Hono*
AnSjErabej heran Bg»'peben von W. Hir^chfnlder, wird j' tzt «I-t /weite folgen,
für dessen Herausgabe Herr Prof. VV. Mewes hier seit iaugcr Zeit die am-
fUMndsten Vorbereitungen getroffen bat. Die 4 Attflage brinj^ in dem Bäk«
mpn der frß^i^rrn Bearbeitongrn dip Resultate dt-r neupu kriti><rLen uad exe«
getischen Forbcbuogeo. Eine ueae Bereicherang vird noch der index er&hrea,
weieher ni einem voUttindigen LeziMii HmtliBini ausgestaltet werden mU.
Der zweite Band schliesst sidi io der Aasstattan^,' genau aa dtt entte
Baiif! an, fin eigen» für das Werk angefertictp' rpiues Hanfpapier, neu? Typen
und sorgl.iUiee Korrektur werden aurh den \ r'r\". ehr, testen Liebhaber bt-friedigeo.
Der zweite Band cr&cheiot in 5 Lieteruugeu k 10 Bogen. Sabscriptions-
preis der Lieferung 3 Mark s
80 Pf. per Bogen. Jeder Sabseribent verpfiicb*
tet lieh 7Mr Abnahme des ganzen Bandes. Alle 3 Monate erscheint eine Lie-
Ümma» sodass der Band bis etwa December iödO fertig gestellt sein wird.
Der BobeeriptioDspreit erliadit oteh ToUendung des Bandes, oad tritt alidaas
der rrhöhte Ladenpreis von 4 Hark pro Liefemog, also 2D Maik Ar 4«
Band ein.

Den Sobscribenten des aweiten Bandes liefern wir während des Erscbei-
Dens desselben den 1. Band der 4. Auflage, beransgegeben von W. Hinehfeldsr,
Ladenpreis 20 Mark, mit 1' M irk ^ cl; i^ilt dieser Vorzugspreis nur för die
.

Subscribenten des zweiten Bandes und nur w&hrend des Erscheinens desselben.

Griechische Geschichte
Ton ihrem Urspraige Iiis snm Untergaiig« 4er MbstMlfkdt
des grieebisehen Yoikes.
Von
Adolf Holm.
4 Binde in ca. 90 LitüBningeB i % Mark.
Zweiter Band.
Gesehichte Griechenlands iin 5. Jahrhundert v. €br.
Vni, G08 S. kl. 8. Preis 12 Mark.
Im Jahre 1886 erschien:
Erster Band.
ttesehiclite Griechenlands bis zum Aasgange des 6. Jahrh. v. Ctar.

XVI, 516 S. kl. 8. 10 Mark.


AoMige-BlatL 21

Neuer Verlag oot» S, Valvary & Co, in BerUtu

Unter der Presse beiludet bicli die Sckiurslieferung des


n. Bandes von

VorlesuDgeo ttber lateiDi&cbe SprachwisseDschafL


Mit den Anmerkungen yon ^Erieä/rich Haase*
Neu bearbeitet toq
und 0. Landi^if.
H. Hagen, P. Heerdegen, J. H. Salmials
3 Bände.
Mit einem Tollatändigen Wort-, Sach* und Stellenregister von
G. Lauil^iaf.

Hand I. Band II.

IC lu o I o ig'ie.
Neu bearbeitet von Neu bearbeitet von

Hermann Hagen. Ferdinand Heerdegen*


1888, Vi, 427 S kl. 8. 6 Mark. 1889. ca. 4-6 Mark.

Band III.

S n t a 3c.
Neo bearbeitet foo
J. H. SehmalE und 0. Landgraf
1888, Tili, 078 S. U. 8. 18 Hark.
Nach Vollendung obiger SchlufalieferaDK wird dieses für die latmoteehe
Sprachwissenschaft überaus wichtige Werk, welches seit langen Jahren ver-
griffen war, wieder vollständig vorliegen. Dasselbe ist unter der Hand der
bewährten Herausgeber gleichnm ein neues Werk geworden ond ist die An-
eehaffnng for jeden Fhiloiegen und jede Bibliothek wanacfaenewert.

DE DELI INSULAE REBUS


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VALERIANUS DE SCHOEFFER.
Vm, 344 S. gr. 8. Ein sei preis 8 Mark.

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Griechisclien Geschichte
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92 beiteiL gr. 8. 2 Maris Pf.

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22 Anteige- Blatt.

Neuer Veriag von S. Calvary S Co. in Berlin.

Studien
zur griechischen Mythologie
von GtO^Hed Goerresm
Ente Folg«.
II, 246 S. gr. 8. Preis 8 Mark.

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secretes du Vaticau
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M. rabb^ Louis Ckiyet,
ehapelafn de Seiet Looie de> Fran^ets.
Origiaes Tome L
XXXIII, 6a2 S. gr. 8. Preis 6 Mark.

CORNELTT TACITI
DK VITA ET MORIBÜS JliLlI AGRICOLAE LIBKH
AD FIDEM CODICUN
EDIDIT

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IV, 4S S. gr. 8 Preis 2 Mark.

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Edited by Maz Ohnefalsch-fidohtei.
JUirlleh 12 Hefte mit 24 Tefela« Preis 26 Mark vro Jalirg»iif.
A^
Dio.o seit April d. .T *Tsrh(-incn{l(> Z.-it-chrift brii -; wissenschaftliche
likel mit bt'ionücrt r Borückfcichtiguua der Geschichte uud i;»^»^ SJS
vorwiegend in englischer Sprache, and fibermhineii wir den Denlt Hfli^^*
Und «nd Oesterrcich-Ungani, Üiederlsnde und Sclnieip.

Zlur ErklAiriiiigr
der

in Panischer Sprache gehaltenen Reden


des Karüiaginiensers Hanno
im 5. Akt der Komödie Poeiiulus voti Pl?uitu?.

Eia Beitrag snr e^hiscIi-phünlzIgcli-rniiisekeB äpradikiuide


von Friederich Soltau.
32 8. gr. Prris 1 Mark 20 Ff.

'
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Anlage -Blatt 33

Jtoiiar Vertoff von 8. Calvary <0 Co. I» B^rUw,

Berliner Studien
für classische Philologie und Arcliaeologie.
Es hat sich das Bedürtniss herausgestetlt, neben den vielen bestehenden
Pabl!kat!on«B auf dem Qebiete der klassischeD Philologie und Arebaeologie
noch ein Orf^an zn schaffen, das dem Zwecke (Hont, Arboilcn zu veroffeutlichen,
w( Ichp fnr eino /( itschrift zn umfangreich und für eine selbst&ndiga YerOffeofc*
lichuiig nicht grusd genug bind
Zu den Sdirifteo der lelitgedachten Arl gebftren nameotlidi auch die Oe»
legenhcitsscbrift»'u, Sclmlprogramrae und Dissertationi-n, von denen die besseren
Mohl verdienen, durrb eine Sammlung erhalten zu bleiben und die ihnen ge«
bühreode Verbreitung 7,u finden.

Zehnter Band, VIII, 324 S. gr. 8. Preis y Mark.


Inhalt: Cornelü Taciti de vita et moribus Julii Agricolae liber. Äd fidem
codicum ed. A E. iSchocne. — Q. Öoerres, Studien zur griechischen
Mythologie. Brate Folge. -~ Friederioh Soltaa, Znr Brklftrang der in
Pmitcher Sprache gebiltenen Beden de« Kartbagioienaeri Hanno im
6. Akt der KomOdie Poennloa ?on Plantni.

Die HBerllneF Stadien" ersebelnen in Binden in je drei Heften, weldie


aucb zu einem höheren Preise einzeln abgegeben werden; die Abnahme des
ersten Heftes zum Subscriptionsproi«>c verpfltchlet gleichieitig aar Abnahme
der beiden folgenden Hefte des liandes.

Neu eintretenden Abonnenten werden die ersten beiden Binde zur Hälfte
daa Prtiaaa »19 iWarii abgegeben.

Inhalt und Echtheit der Platonischen Dialoge


auf Grund logischer Analyse
von

lY, 48 S. gr. 8. Einzelpreis 2 Mark.

Von demselben Terfaafler erschien Im vorigen Jahre:

Des Aeneas Irrfahrt


von Troja nach Karthago.
Epische Dichtung aus üer Zeit des Augustns.
UebmlraguDg des ersten nnd dritten Bnches der Vergilieehen Aeneis in
Oktaven nebst Einleitung
XX, 80 8ei1»ii. gr. 8. 3 Mark 20 Pf.

Die Nene Philologieohe Rundsohau 1889 Ko ß schreibt u A.: »Die Über-


letznng legt Zen^^niHs davon ab» dass Trooat eine nicht an faraebtende
poetisdie Begabung besitzt.

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SI4 AiiteigeUaCt

Nmter Verlag t>o» 8* Oalvary A €^ im BeHiku

Wir übernahmen die Kestvnrrathe von

MAGROBII
OPERA
BD.
LÜDOYICÜS JANUS.
2 foll. gr. 8. Qaeditnbargae 1848 -1862
unr^ setzen deu Preis für das Exemplar vorläufig von IH Marie auf ß MetHk
herab» wobei wir ans ap&tere Freiaerhöhang vorbehalten.

JAHRESBERICHT Ober

allgemelDe mi vergleicbeode Sprachwissenschaft


mit besonderer Rücksicht aui die alten Sprachen
um rastend die Jalire —
Von Dr. Hermann Ziemer.
Separat'Abdroek ans Boraiao-lwan MQller'i Jahnaberidit Ober
die Fortachritte der dassiscben AUerthanMwiaaoiiachaft
348 8. gr. 8. PrelB 8 Marir.

HERAI^ISTN BONITZ.
Ein Nachruf
TODTÄ. Gomperi$»
62 S. gr. 8. Preia 2 Marh.

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(Victor Palme's Agentur.)

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le Oomte de Ma$ Latrie
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Preia 100 Francs 80 Mark. =
DiospR wichtige und besonders für I?iMinthekpn tinonthr'hrliche Werk ist
nur in klt iner Auflage gedruckt worden und wird bald im Preise erhöht werden.
Bestellungen können direkt, wie durch jede Buchhandlung gemacht weidaa.
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