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ALCMAN

Alkman hat das Schicksal fast aller der neun lyrischen Dichter,1 die um
200 v. Chr. von Aristophanes von Byzanz in den Rang der ejgkriqevnteç, der
Ausgewählten, erhoben worden waren, geteilt. Nur Pindar, dem princeps
der neun, gelang der Sprung in die mittelalterliche Überlieferung. Von Sap-
pho besitzen wir immerhin ein Fragment eines Kodexblattes aus Pergament
aus dem 6. – 7. Jh.,2 während Alkmans Werke schon nicht mehr vom Medi-
um der Rolle in das neue Medium des Kodex kopiert wurden, weil das In-
teresse erloschen war.
Welche Rolle das Anliegen der Schule und besonders der Rhetorenschulen
in der römischen Kaiserzeit für die weitere Überlieferung von Texten gespielt
haben, ist bekannt. Alkman eignete sich nicht dazu: für eine Gesellschaft ge-
schrieben, die sich in den Liedern wiedererkennen und daher direkte Bezüge
zu ihrer Gegenwart wollte, welche mit der Zeit verblassen musste,3 dazu in ei-
nem Dialekt, der kaum noch verstanden wurde, war das Verständnis von Alk-
mans Chorlyrik zu schwierig geworden (siehe dazu auch weiter unten, zur
Sprache). Wie sich ein solches Absterben des Verständnisses, und damit des
Interesses an dem Werk vollzieht, kann man an den papyrologischen Zeug-
nissen der Überlieferung des Dichters Alkman ablesen. Viele der Erklärungen
wirken hilflos. Das Wenige, was noch als Zitat in späteren Quellen vorhanden
ist, stammt wohl aus Anthologien (siehe unten).
Die papyrologische Überlieferung verliert sich im 3. Jh. n. Chr. Dies be-
deutet auch, dass im 4. Jh., als der Kaiser Konstantius, wie Themistius be-
richtet,4 sich bemühte, die Rettung der noch vorhandenen griechischen Lite-
ratur zu initiieren, Alkman schon vergessen war. Alle papyrologischen Zeug-
nisse seiner Werke sind zwischen dem 1. Jh. v. Chr. und dem 3. Jh. n. Chr. da-
tiert, besonders viele stammen aus dem 1. – 2. Jh. n. Chr. Da die spätere mit-

1
Pindar, Bakchylides, Sappho, Anakreon, Stesichoros, Simonides, Ibykos, Alkaios und Alkman;
so zusammengestellt in AP. IX 184; siehe dazu Pfeiffer 1970, 251-253.
2
P.Berol. inv. 9722 = Sapph. 96 Voigt; zuletzt dazu Bonanno 2007, 31-40.
3
Hinge 2006, 1-3 und 282ff. plädiert jetzt allerdings wieder dafür, dass es sich um zeitlose Na-
men von Rollen, nicht um wirkliche Namen der Zeit handelt.
4
Themistius IV 59d - 60c Downey I 85ff.; dazu Cavallo 1986, 83-172 und 246-271 = Cavallo 2002,
49-175, bes. 57ff.

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4 Alcman

telalterliche Überlieferung fehlt, lassen sich auch für die Scholien auf den Pa-
pyri keine Vergleichsmomente einer Entwicklung feststellen. In einem einzi-
gen Fall kann ein Scholion mit einem handschriftlich überlieferten Sekun-
därtext verglichen werden (P.Congr.XV 1 ⇒ 7).5

So vorsichtig man sein muss, was die Zufälligkeit der Funde ausmacht, so
wahrscheinlich ist im Falle Alkmans der Zusammenhang von Datierung und
Lokalisierung der Funde. Die meisten wurden in der Stadt Oxyrhynchus in
Mittelägypten gefunden, also einem Ort wo man sich besonders im 1. – 3. Jh.
n. Chr. kritisch mit den Texten der großen griechischen Literatur beschäftig-
te. Davon zeugen die vielen literarischen Papyri insgesamt, die an diesem
Ort ausgegraben wurden und enge Verbindungen zwischen Gelehrten in
Alexandria und Oxyrhynchus belegen. Und doch soll der Papyrus mit dem
größten Stück eines Parthenions Alkmans (das Pariser Parthenion ⇒ 5) nicht
in Oxyrhynchus gefunden worden sein, sondern auf einem Friedhof bei
Memphis (Sakkara), wo er angeblich in eine Mumie eingewickelt war.6 Aber
auch dieser, und gerade dieser Papyrus zeigt eine intensive wissenschaftliche
Beschäftigung mit dem Text. Bei einem weiteren Papyrus mit einem Rand-
scholion ist die Fundlage nicht ganz geklärt, möglicherweise stammt er aus
dem Fayum (P.Congr.XV 1 ⇒ 7).
Von den 24 Papyri und Pergamenten, welche die Leuven Database of An-
cient Books von den Werken Alkmans verzeichnet (darunter auch Stücke mit
kurzen Zitaten des Dichters), wurden 13 in die vorliegende Bearbeitung auf-
genommen, da sie entweder Kommentare zum Werk (⇒ 1a und b – 4; ⇒ 9;
⇒ Schede b und c), die Texte selbst mit Randscholien (⇒ 5-7; ⇒ 10; ⇒ Sche-
da a), oder ein Glossar (⇒ 8) enthalten, also eine wissenschaftliche Ausein-
andersetzung mit dem Werk in der Antike belegen. Nur drei Alkmantexte
auf Papyrus zeigen keine Randscholien, wobei zwei der Texte dem Dichter
nicht sicher zugewiesen worden sind; alle drei sind zudem sehr klein, so dass
vielleicht nur der Erhaltungszustand das Erkennen von Scholien verhindert.7
Die übrigen Papyri sind Kommentare zu anderen Dichtern, in denen auch
Alkman u. a. zitiert wird.8 Auch sie machen immerhin deutlich, dass das

5
Siehe auch das Glossar => 8, 8.
6
Siehe => 5, Fußnote 1; dieser Papyrus war einer der ersten literarischen Papyri, der nach Eu-
ropa schon im Jahre 1855 gelangte. In wie weit hier die Vorstellung, dass mit einem Fund in
Ägypten auch eine Mumie etwas zu tun haben müsse, eine Rolle spielt, bleibt dahingestellt.
7
P.Oxy. XXXVII 2801 und XLV 3213, wobei hier die Autorschaft umstritten ist; neuerdings hat G. Uc-
ciardello P.Berol. inv. 11777 wieder vorsichtig dem Dichter zugewiesen (PapCongr. XXIII, 693-701).
8
P.Oxy. XXXV 2737, Frg. 1 II 18 (=> Aristophanes 27); P.Lond.Lit. 181, Kol. II 50; P.Oxy. XX 2258
C 2v. 25; P.Oxy. XXXVII 2812, Frg. 1(a), Kol. I 7 und P.Oxy. II 220 Kol. V marg. (=> Aeschylus 8).

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Alcman 5

Werk in philologischen Kreisen zu dieser Zeit bekannt war; diese Texte stam-
men ebenfalls aus dem 1. – 2. Jh. n. Chr. Ein besonderer Fall ist P.Oxy. XX 2258
aus dem 7. Jh., ein Kommentar zu Kallimachos, in dem ein Vers Alkmans als
Parallele für eine Stilfigur zitiert wird; dieses Zitat stammt doch wohl aus ei-
ner Anthologie.
Soweit die papyrologische Überlieferung also ein Bild über die Kenntnis
des alkmanischen Werkes noch bis ins 3. Jh. n. Chr. zulässt, zeigt sich das Bild
der Gelehrtenstube, in der man sich mit dem Werk beschäftigte, nicht das
Bild eines Publikums, in dem Alkman aus Freude gelesen wurde, oder gar
das Bild der Rhetorenschule.
Zu diesem überhaupt nur noch von Gelehrten wahrgenommenen Dich-
ter passt das Erscheinungsbild der Bücher seiner Werke: viele der Hand-
schriften, der Zeit ihrer Entstehung entsprechend ausschließlich Rollen, sind
von eher nachlässigen Händen geschrieben, waren also nicht für den Ver-
kauf an ein größeres Publikum produziert, sondern für den Privatgebrauch.
Besonders augenfällig ist das Exemplar des 1. Parthenions (P.Paris 71 ⇒ 5),
welches in einer Hand mit zahlreichen kursiven Elementen geschrieben
wurde; dieselbe Hand steuerte auch zahlreiche Scholien am Rand bei: dies
ist offensichtlich ein Exemplar, welches der Gelehrte sich selbst hergestellt
hatte. Dagegen ist die Handschrift des Parthenions aus Oxyrhynchus (⇒ 6)
äußerst elegant, aber von zweiter Hand mit Scholien am Rand und Lesezei-
chen im Text versehen. Die weiten Ränder tragen sowohl zur Eleganz bei,
boten aber auch den Raum für die Scholien. Bemerkenswert ist in diesem
Zusammenhang auch die Ausgabe des Kommentars zum 1. Parthenion in
P.Oxy. XXIV 2389 (⇒ 1a): derselbe Kopist hat auch Exemplare von jambi-
schen Trimetern, frühen Elegikern, von Simonides und einem Kommentar
zu Ilias XVII produziert, also für eine äußerst gelehrte Klientel Bücher her-
gestellt.
Der äußeren Gestalt der Bücher entsprechen die zahlreichen kritischen
Zeichen, Lesehilfen und Korrekturen zwischen den Zeilen. Dazu gehören Pa-
ragraphoi und Koronides zur strophischen Einteilung ebenso wie Akzente
zum Wortverständnis und Längezeichen zum Verständnis des Metrums.
Eine genauere Betrachtung der Zeichen am Rand hat nun vielleicht zu einer
neuen Bewertung der Ausdehnung des 1. Parthenions geführt (siehe in ⇒ 5
Einleitung); es scheint auch, dass die Paragraphoi nicht nur zur Kenntlich-
machung eines Strophenendes eingesetzt wurden, sondern auch wie im Dra-
ma Sprecherwechsel anzeigen konnten (⇒ 5 zu V. 36ff.).
Die Akzente und Längenzeichen machen deutlich, dass die Sprache der
Texte selbst als ein Problem wahrgenommen wurde, das allerdings in den
Randscholien nicht tiefer gehend behandelt wird. Über das einfache Über-
setzen der dialektalen Wörter in das Attische gehen die Randscholien nicht

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6 Alcman

hinaus, obwohl Apollonios Dyskolos sich eingehender mit dem Dialekt Alk-
mans beschäftigte.
Die Frage nach der richtigen Benennung der Sprache Alkmans (Dorisch?,
Lakonisch?) und nach dem Verhältnis der Sprachformen, die wir in den Pa-
pyri finden, zu der Sprache Lakoniens im 7. Jh. v. Chr., hat erst in jüngster
Vergangenheit zu neuen Ansätzen der Betrachtung geführt. Sicher ist, dass
die sprachlichen Erscheinungen, wie sie uns in den Papyri entgegentreten
(besonders prominent die Ersetzung des q durch ç), nicht der Sprache des 7.
Jh. v. Chr. entsprechen, sondern eine spätere Entwicklung darstellen, die uns
so auch in den lakonischen Passagen bei Aristophanes begegnen.9 Anderer-
seits ist intervokalisches ç in den Papyri nie durch die Aspiration ersetzt, ob-
wohl gerade dieses Phänomen im Sparta des 7. Jh. v. Chr. zu erwarten wäre.10
Über solche Phänomene wissen die Randscholien nichts zu sagen. Die Erset-
zung des q durch ç ist aber in den Texten fast durchgehend gewahrt;11 an ei-
ner Stelle wird q durch von der Hand eines Korrektors darübergeschriebenes
ç ersetzt (⇒ 6, Frg. 3, Kol. I 2).12 Geschriebenes Digamma findet sich entgegen
manch anderslautender Versicherung im Pariser Parthenion nur an einer
Stelle, nämlich in der Kol. I 6, (nicht aber in Kol. II 41) und in ⇒ 7, 8 (beides-
mal in dem Wort a[[nax), galt aber bei Apollonios als typisch für Alkman, ob-
wohl es eher ein typisch äolisches, oder episches Sprachelement ist.13 Apol-
lonios nennt Alkman dann auch einen çunecw'ç aijolivzwn14. Hier mag die über
lange Zeit gehegte und auch in den antiken Kommentaren und Scholien pro-
minent vorgebrachte Auseinandersetzung über die Frage ihren Ursprung ha-
ben, ob Alkman aus Lakonien oder Lydien stammte. Wäre seine Heimat Ly-
dien gewesen, hätte man das Vorhandensein des Äolischen in seinem Werk
eher verstehen können.15 Gleichwohl spielt das Argument der Sprache in den
Diskussionen über seine Herkunft anscheinend keine Rolle.
Neuerdings hat Georg Hinge die Ansicht vertreten, dass der Alkmantext,
so wie wir ihn durch die Papyri und Zitate kennen, auf eine schriftliche Fi-

9
Die Erklärung E. Rischs, dass die Sprache Alkmans eine von den alexandrinischen Gelehrten
geformte Kunstsprache sei, die auf dem zeitgenössischen Dialekt der benachbarten Cyrenaica
basierte, ist überholt (Risch 1954).
10
Colvin 1999, 171.
11
Ausnahmen sind bei Arena 1982, 12-13 angeführt.
12
In der ed. pr. wurden hier zwei Tilgungspunkte gesehen; das sigma entspricht aber ganz der
kursiven Schrift der Scholien.
13
Zum Digamma im Alkmantext siehe Hinge 1997 (mit richtiger Angabe des Vorkommens).
14
De Pronominibus 76, 32; diese Charakterisierung findet in dem vorhandenen Textcorpus aller-
dings keine Bestätigung; siehe schon Page 1951, 155ff.
15
Cassio 2007, 39; mit der Frage der Herkunft Alkmans beschäftigen sich die Nummern => 1a,
Frg. 9; => 9, Frg. 1, Kol. III; => Schede (b) und (c).

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Alcman 7

xierung der Texte erst in spätklassischer oder hellenistischer Zeit zurückgeht;


diese schriftliche Fixierung gebe die Texte so, wie sie bei der noch andauern-
den Aufführungspraxis (!) gesprochen worden seien, also in der Sprache
Spartas der klassischen und hellenistischen Zeit, nicht der Zeit Alkmans.16

Den Gelehrten, die sich noch im 1. – 3. Jh. n. Chr. mit Alkman beschäftig-
ten, standen die Kommentare und Textausgaben verschiedener Autoritäten
zur Verfügung. Zwei Themen waren dabei, soweit unsere Überlieferung
zeigt, von wiederkehrendem Interesse: die Herkunft Alkmans (stammte er
aus Sparta selbst, oder war er ein Lyder?) und das Verständnis des 1. Par-
thenions, das uns durch den Pariser Papyrus zu großen Teilen überliefert ist.
Zu dem 1. Parthenion (⇒ 5) gibt es umfangreiche Randscholien und einen
Kommentar (⇒ 1a). Zum Problem, ob es sich dabei wirklich um das 1. Lied
im 1. Buch handelt siehe zu ⇒ 5, Einleitung.
In der Auswahl der kommentierten Phänomene zeigt sich das Übliche:17
Inhalt der Scholien sind:
1. Worterklärungen zum vordergründigen Verständnis des Textes durch
Übertragen der poetischen Wörter in die gängige Sprache der Zeit des Er-
klärers. Solche Basisinformationen erscheinen am Rand der Texte als Scholi-
en und in dem Glossar (⇒ 8), in dem die Erklärungen nicht alphabetisch,
sondern dem Text folgen.
2. Erweiterte Worterklärungen, die Synonyme anführen, oder durch Verweis
auf andere Dichter (Homer!) den Sinn des alkmanischen Ausdrucks zu er-
klären suchen.
3. Sprachliche Erklärungen zur Schreibung besonders von Namen, ihrer Ak-
zentuierung oder der Aspirierung, sowie ihrer prosodischen Wertung im Me-
trum.

16
Hinge 2006, 306-314 und Hinge 2009, 222ff. zur andauernden Aufführungspraxis. Immerhin
kann man auf Polybios IV 20, 9 verweisen, wo von der Sitte der Arkadier (!) die Rede ist, die ihre
Kinder von Jugend an die alten Lieder auf Heroen und Götter singen, aber auch die Lieder des
Philoxenus und Timotheus auswendig lernen und im Theater zu Gehör bringen ließen. Die an-
dauernde Aufführungspraxis könnte einen neuen Impetus in Sparta bekommen haben, als in
der Mitte des 3. Jh. v. Chr. im Zuge der „lakonischen Renaissance“ unter Agis IV und Kleome-
nes III die „traditionellen Chorlieder herausgegeben wurden, um zugleich das Goldene Zeital-
ter Spartas zu verherrlichen und die der spartanischen ajgwghv zugrundeliegenden Chöre maß-
gebend zu kodifizieren“ (2006, 311). Siehe dazu auch Cassio 2007, 35-36 und Cartledge-Spaw-
forth 1989, 207ff.; zuletzt Bierl 2011, 417-419, und kaum überzeugend Carey 2011, 446-456; vgl.
Aristophanes, Nubes 1353-1372, wo Strepsiades den Pheidippides auffordert, nach dem Abend-
essen ein Lied des Simonides vorzutragen, und Eupolis, Frg. 148 K.-A.: Ta; Çthçicovrou te kai;
ΔAlkma'noç Çimwnivdou te ajrcai'on ajeivdein; dazu Prauscello 2006, 86-87. Zum Problem der Au-
führungspraxis bis in die späte Zeit siehe auch Cassio 2007, 446-456.
17
Siehe jetzt Nünlist 2009, 14-17.

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8 Alcman

4. Textkritik zur Etablierung eines als „korrekt“ empfundenen Textes.


5. Sacherklärungen zur Geographie, Ethnographie, Zoologie, etc., im Falle
Alkmans besonders zur Biographie des Dichters (Herkunft). Bemerkenswert
ist das Interesse des Gelehrten, anscheinend selbst Kopist des Haupttextes
und vieler Randscholien, an der Morphologie des Chores und damit an der
Aufführungspraxis des 1. Parthenions. Zu der bis heute umstrittenen Frage,
ob ein Chor oder zwei Teilchöre sangen, hatte er oder die ihm noch vorlie-
gende Spezialliteratur eine dezidierte Meinung (⇒ 5).

Wie üblich werden zur Stützung der wissenschaftlichen Erkenntnis Auto-


ritäten angeführt; folgende sind in den Kommentaren und Randscholien der
Alkmanpapyri genannt:
1) von den großen Gelehrten in Alexandria: Aristophanes (⇒ 5, zu 32 und 95,
nicht zu 61, siehe dort); Aristarch (⇒ 1a, Frg. 6, 7; ⇒ 5, 37).
2) von den großen Gelehrten in Pergamon: Krates (?) (⇒ 1a, Frg. 6, 10; Frg. 9,
13 (?)).
3) von den späteren Gelehrten in Alexandria und Rom: Aristonikos (⇒ 6, Frg.
1, Scholion 1, 4); Nikanor (⇒ 10, Frg. 1, 1); Pamphilos (⇒ 5, zu 32); Ptole-
maios (⇒ 6, Frg. 1, Scholion 1, 4); Theon (⇒ 2, Frg. 2, 4-5); Tyrannion (⇒
2, Frg. 2, 5).
4) von Gelehrten in Sparta: Sosibios (⇒ 1a, Frg. 6 I 13 ?; ca. 200 v. Chr.).
5) fraglich, namentlich genannt: Dionysius von Halikarnass (?) (⇒ 4, 1); So-
siphanes (⇒ 5, zu 61; wenn nicht Sosibios gemeint ist); Stasikleides (⇒ 5,
zu 79; sonst nicht bekannt).
6) fraglich: ein Knidier, Eudoxos oder Ktesias (⇒ 1a, Frg. 6, 17).
7) von Dichtern: Homer (⇒ 1a, Frg. 35(g) + (i), 24; ⇒ 5, zu 49); Aischylos (?)
(⇒ 9, Kol. III 1-2); Pratinas (⇒ 9, Kol. III 1-2); ein lyrischer Dichter (Pin-
dar ?) (⇒ 1, Frg. 9, 8-10).
8) von Prosaschriftstellern: Aristoteles (⇒ 1a, Frg. 9, 12); Pherekydes (⇒ 5, zu
6); Theopomp (⇒ 1a, Frg. 35(g) + (i), 20).

Es fällt auf, dass die Gelehrten der römischen Zeit, denen diese Buch-
exemplare gehörten, sehr wohl auch auf das Wissen der großen Vorfahren ih-
rer Wissenschaft in Alexandria zurückgriffen, aber besonders an den Ergeb-
nissen der in Alexandria arbeitenden Kollegen ihrer eigenen Zeit interessiert
waren und diese gerne anführten. Das mag die spezielle Situation in Ägyp-
ten und besonders Oxyrhynchus widerspiegeln, wo man enge Kontakte nach
Alexandria pflegte, aber Alexandria war schließlich noch immer der Mittel-
punkt der philologischen Welt überhaupt. Sosibios, der als der große Spezia-
list für Alkman galt, kommt hingegen nur einmal vor, Philochoros, dem in
der Suda ein Werk Peri; ΔAlkma'noç zugeschrieben ist, gar nicht (FGrH 328 T1).

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Alcman 9

In wieweit die antiken Gelehrten dieselben Probleme bei der Interpretati-


on des Louvre-Parthenions hatten wie ihre neuzeitlichen Kollegen, zeigt sich
in dem Kommentar zu dem Lied ebenso (⇒ 1a + 1b) wie in den Randscholi-
en auf dem Pariser Papyrus (⇒ 5). Ob es da um einen Pflug als Weihge-
schenk geht oder um ein Gewand, und ob verschiedene Teilchöre sangen,
wird im Papyrus am Rand kommentiert. Die Frage, wie viel mehr die anti-
ken Gelehrten über die Aufführungspraxis und damit verbundene Riten
wussten, lässt sich kaum beantworten; sie kannten immerhin noch das ge-
samte, oder doch große Teile des Oeuvres Alkmans.
2008 hat Gloria Ferrari eine vollkommen neue Interpretation des Louvre-
Parthenions erwogen, welche von der Interpreation Calame’s entschieden
abweicht (Ferrari 2008). Während Calame (Calame 1977 und 2001) einen Rite
des Passage vom Kindsein in das Erwachsensein junger Mädchen als Hin-
tergrund der rituellen Handlung im Lied sah, will Ferrari den Rite de Passa-
ge als einen Übergang von einer Jahreszeit zur anderen sehen, nämlich vom
Herbst zum Winter im November, wenn die Zeit kommt, in der die Felder
mit dem Pflug (!) bearbeitet werden müssen. Für Ferrari ist es dieser Wech-
sel vom Herbst zum Winter, bei dem sich Sonne, Mond und bestimmte Ster-
ne in einer Konstellation treffen, die von dem Chor nachgestellt und im Ge-
sang rituell beschworen wird. „The chorus is performed by maidens, but it is
not about maidens, but about cosmos, both in the sense of political order and
constitution of state – and in that of the order of the universe“ (p. 17): Agido
ist die Sonne, Hagesichora der Mond und der Chor die Schar der Pleiaden
(oder Hyaden). Auch wenn in Ferrarris neuer Interpretation mancher Aspekt
auf den schwankenden Füßen einer nicht immer stringenten Folge von
Zeugnissen ruht, die zudem aus den verschiedensten Quellen archäologi-
scher und textlicher Natur stammen, kann gefragt werden, ob die Kommen-
tare und Scholien, die uns auf Papyrus erhalten sind, ein solches Verständnis
des Liedes eventuell im Blick hatten. Vielleicht lässt sich in den Randscholi-
en des Louvre-Parthenions selbst eine Ahnung von einer „kosmischen“ In-
terpretation gewinnen; siehe die Scholien zu 36-48, 49, 61 und 98.

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1a

P.Oxy. XXIV 2389 saec. Ip

Kommentar zu Alkmans 1. Parthenion

Prov.: Oxyrhynchus.
Cons.: Oxford, Sackler Library, Papyrology Rooms.
Edd.: LOBEL 1957, 28-48;
PAGE 1962, Frg. 1 Nr. 7; Frg. 3a Nr. 2 IV; Frg. 4 II Nr. 8; Frg. 6 S. 7-8; Frg. 7 S. 9;
Frg. 8 S. 9; Frg. 9 I Nr. 13; Frg. 23 Nr. 9; Frg. 35 Nr. 11.
CALAME 1983, Frg. 1 Nr. 19; Frg. 3 Nr. 2; Frg. 4 II 1-6 Nr. 20; Frg. 4 II 7-11 Nr. 21;
Frg. 6 I S. 44-45; Frg. 6 II S. 46-47; Frg. 7a S. 47-48; Frg. 8 S. 48-49; Frg. 9 S. 54; Frg.
23 Nr. 22; Frg. 33 Nr. 23; Frg. 35 Nr. 24.
CAMPBELL 1988, Frg. 1 Nr. 7; Frg. 3a Nr. 2; Frg. 4 II Nr. 8; Frg. 6 I Nr. 1 S. 374; Frg.
6 II Nr. 1 S. 374; Frg. 7 S. 376; Frg. 9 T8; Frg. 23 Nr. 9; Frg. 35 Nr. 11.
DAVIES 1991, Frg. 1 Nr. 7; Frg. 3a Nr. 2 S. 36; Frg. 4 II Nr. 8; Frg. 6 I Nr. 1 S. 32;
Frg. 6 II S. 33; Frg. 7 I S. 34; Frg. 7 II S. 35; Frg. 8 S. 35; Frg. 9 TA1a; Frg. 23 Nr. 9;
Frg. 35 Nr. 11.
TSANTSANOGLOU 2006, Frg. 6, 7, 8 und 13 S. 24-30.
MCNAMEE 2007, Frg. 6 I S. 161-163; Frg. 6 II S. 163-164.
Tabb.: P.Oxy. XXIV (= LOBEL 1957), IV, V, VI; www.papyrology.ox.ac.uk.
Comm.: MP3 81; LDAB 180        PEEK 1960, 163-180 (Frg. 3 und 4); BARRETT 1961, 685-
687 (Frgs. 1, 3, 4, 6, 7, 9, 35); DAVISON 1961, 30-48 (Frg. 4); GARZYA 1962, 209-211
(Frg. 6); TREU 1964, 120-121 (Frg. 7); WEST 1965, 188-202 (Bezug auf Frg. 6, 7 und
9); FÜHRER 1971, 233 (Frg. 9); CALAME 1983, 379-383 (Frg. 1); 306-311 (Frg. 3); 383-
387 (Frg. 4); 387-392 (Frg. 35); CALAME 1977 II passim (siehe Index); CALAME 2001
passim; JOHNSON 2004, 23.

Es besteht kein Zweifel darüber, dass die meisten der 34 Fragmente die-
ses Kommentars Verse aus dem Louvre-Parthenion behandeln (zu Frg. 35
siehe unten). Als Lemmata sind vorhanden oder als Gegenstand des Kom-
mentars zu identifizieren:
V. 58-63 Frg. 6 Kol. I und II
V. 75-79 Frg. 7 und 13
V. 82-83 Möglicherweise Frg. 8
V. 95 Möglicherweise Frg. 32
Bei mehreren Fragmenten ist es wahrscheinlich, dass sie Verse vom Be-
ginn des Parthenions behandeln, die uns im Louvre-Papyrus nicht erhalten
sind. Sie beziehen sich auf Lemmata, die von den Tyndariden und anderen
Gestalten des spartanischen Mythos handeln, nämlich Frg. 1-2 und Frg. 4;

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12 Alcman 1a

Frg. 3 handelt zwar von den Dioskuren, ist aber in einem anderen Metrum
geschrieben, und stammt aus einem anderen Lied, das offensichtlich zur Stel-
le im Louvre-Parthenion angeführt wurde.
Rätselhaft ist Frg. 4, in dem nach einem später getilgten Titel die Anfangs-
verse eines weiteren Liedes folgen, nachdem in den Z. vor dem getilgten Ti-
tel von Gestalten des spartanischen Mythos die Rede war.
Übereinstimmungen zwischen Erklärungen dieses Kommentars und den
Scholien im Louvre-Papyrus gibt es fast nicht (aber vgl. zu Frg. 6).

Die aufrechte klare Buchhand, die von Lobel in das 1. Jahrhundert nach
Christus datiert wurde, ist um Bilinearität bemüht. o kann aber sehr klein
ausfallen, oder auch über die obere Linie hinausgehen. Die meisten Buchsta-
ben sind höher als breit. a zeigt eine übergroße Schlaufe am Zeilenanfang.
Obwohl Frg. 35 ebenfalls einige dieser Charakteristika zeigt (o in zwei For-
men, übergroßes a am Zeilenanfang), fehlt die für die Hand der Fragmente 1-
34 so chrakteristische Streckung der Buchstaben. Die Hand macht insgesamt
einen nachlässigen Eindruck. Dazu kommt, dass in Frg. 35 eine Vielzahl von
Abkürzungen enthalten sind, die in den früheren Fragmenten völlig fehlen.
Möglicherweise ist dies derselbe Schreiber, der nun hastig und in der Voraus-
sicht, mit dem Platz kaum auszukommen, nachlässiger und mit Abkürzun-
gen schreibt. Vielleicht gehört das Stück aber auch in eine andere Rolle. Der
Gegenstand des Kommentars in Frg. 35 ist aber auch ein Parthenion.1

Die Hand der Frg. 1-34 gehört einem Schreiber, der auch andere Werke
kopierte (Scribe # A 19 Johnson). Dies sind:
P.Oxy. 2318 (Iambic Trimeters (?) in the Ionic Dialect; Archilochos? ⇒ Archi-
lochus 6)
P.Oxy. 2327 (Early Elegiacs)
P.Oxy. 2397 (Commentary on Iliad XVII; Lobel war anscheinend nicht ganz si-
cher, ob er diese Stücke derselben Hand zuschreiben sollte (Johnson
ist sicher, dass es sich um denselben Schreiber handelt)
P.Oxy. 2430 (Simonides)
P.Oxy. 3210 (Commentary on Alcman?; siehe hier ⇒ 1b).2
Dies ist eine höchst spezialisierte Auswahl von Schriften. Könnte man ve-
rifizieren, dass die an den Rändern oder zwischen den Z. dieser Stücke ein-

1
Auch M. Haslam sieht hier einen anderen Schreiber am Werk (Einleitung zu P.Oxy. XLV 3210).
2
P.Oxy. 2694 (⇒ Apollonius Rhodius 4) gehört wohl nicht derselben Hand. Die Zuordnung war
von Lobel vorgeschlagen worden (cf. P. Kingston, BICS 7, 1960, 45-56 Einleitung), und von M.
Haslam m. M. zu recht in der Einleitung zu 3210 verworfen worden; vgl. Johnson 2004, 23.

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P.Oxy. XXIV 2389 13

getragenen Scholien derselben (2.) Hand gehören, wäre daraus ein interes-
santer Schluss über einen Gelehrten zu ziehen, der Kopien bei einem be-
stimmten Schreiber in Auftrag gab. Die Randnotizen in diesen Stücken sind
jedoch zu gering, und ihr Duktus zu stark von den Platzverhältnissen be-
stimmt, als dass man zu einer sicheren Aussage kommen könnte.

Das Layout der Schrift ist großzügig; eine Kolumne enthielt mindestens
33 Z. (frg. 6 Kol. II); Maas’ Law ist in den Frg. 4 und 6 zu beobachten. Jede Z.
enthält um die 30 Buchstaben. Die Breite der Interkolumnien schwankt zwi-
schen 1 cm (Frg. 9) und 1, 8 cm (Frg. 6).3
Paragraphoi sind gesetzt in Frg. 6, Kol. II, unter 8 und 26 (unter 24 scheint
die Paragraphos ausgestrichen), Frg. 9, Kol. II unter Z. 7 über e, Frg. 23, un-
ter 2, 3 und 4.4 In Frg. 6, Kol. II 26 könnte die Paragraphos ein Lemma anzei-
gen, aber bei Z. 8 scheint es sich nicht um ein Lemma zu handeln. Frg. 23 ist
zu klein, um die Bedeutung der Paragraphos zu bestimmen.
In Frg. 4 steht nach Z. 6 eine schöne Koronis neben einer Diple; danach ein
eingerückter Titel, der ausgeklammert (getilgt?) wurde (vgl. im Kommentar
zu Frg. 4).
Der Kommentar zu Alkman wurde wohl von einer zweiten Hand mit
Nachbesserungen (Frg. 6 Kol. I 18 und II 26; Frg. 9, 14), Scholien zwischen
den Z. (Frg. 1, zwischen 16 und 17) am oberen (Frg. 17), unteren (Frg. 1) oder
linken Rand (Frg. 45), und mit Randzeichen versehen. Diese Randzeichen
sind: ein schräger Strich (Frg. 6, Kol. II vor Z. 8;6 Frg. 9, rechts von Z. 11;7 Frg.
35a, rechts von Z. 9), ein flacher Strich (Frg. 9, rechts von Z. 4). In Frg. 9, rechts
von Z. 6-7 steht eine unterstrichene Schräge von links unten nach rechts oben
mit einem Punkt oben links darüber; über dem Ganzen steht ein o; rechts von
9 steht wiederum eine Schräge von links unten nach rechts oben mit einem l
darüber; die Bedeutung dieser Zeichen, die gewiss zu der rechten verlorenen
Kolumne gehörten, ist nicht klar.
Frg. 1-34 enthalten keine Abkürzungen. Zu den Abkürzungen in Frg. 35
siehe dort.

3
Das Interkolumnium in Frg. 35 ist knapp 2 cm breit.
4
In Frg. 35c unter 23, 24 und 28. Die Paragraphos unter 24 korrespondiert offensichtlich zu ei-
nem Lemma, in den anderen Fällen ist der Sinn des Zeichens nicht klar.
5
Der Schreiber versuchte offensichtlich, das Scholion wieder zu löschen.
6
Der Strich korrespondiert hier zu einer Paragraphos.
7
Die rechte Kolumne ist hier nicht erhalten.

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14 Alcman 1a

Frg. 1 = Frg. 7 PMG


Erhalten sind vier Lemmata und drei Erklärungen, eine Worterklärung (2-
4) und zwei Sacherklärungen (6-12 und 15-17). Namen von Grammatikern
oder andere Autoritäten kommen nicht vor (oder sind verloren).
Dieses Fragment des Kommentars behandelt anscheinend Taten und
Schicksal der Dioskuren, und könnte sich auf die verlorenen Verse am An-
fang des Louvre-Parthenions beziehen.
Die Erwähnung von Therapnai als Verehrungsort der Dioskuren könnte
ein weiteres Indiz dafür sein, dass das Louvre-Parthenion aus dem ersten
Buch der Lieder des Alkman stammt (cf. zu 4-6; siehe zu Frg. 3 (a)).

(b) ä ä ä
º≤≤ª
ºeΔ d≤ª≤≤º≤kw'ma
ªçiw'n kw'ºma qe≥w'n dΔ ei[rh<
4 ªtai (<ke) º aj≥çanavtaç tele<
ªta;ç º ej≥tavrfqen frev<
ªna(ç) º≤ Men≥evlaoç
ºa≥≤d≤ª≤≤≤≤≤≤ aºujto;n tima'<
8 ªçqai ejn tai'ç Qeravpºnaiç meta; tw'n Dioçkouv<
ªrwn ºkoç ejn th'i Pelo≥ªponnhv<
ªçwi ºçª≤ºa≥i ÔElevnh kai≥ª
(a) º≤lego≥ª ºwn≥≤ª≤ºi≥afaª
12 º≤met≤≤≤d≥≤ª ºn ejn Q≥eravpnaiç ≤ª (c)
ª timºa;≥ç e[couçi poªlla;º dΔ ejmnavç≥antΔ oçª
ºan≥ aj≥phvr≥ªiºto≥n bª º≤≤wn kadª
º≤çen≥ª≤ºk≥a≤≤ ajmfiv≥bªolºon povt ≥ªeronº
16 º≤o≥u≥ç≥a≥≤≤ª º≤n e[rgwn ªejmºn≥hvçqh≥ªçan
ª º≤wç o≥i J Diovçko≥ªuºr≥ªoiº aidouç≥ª
ºaç≥an ª u{ºbrioç ajntΔ ojloa'ç kai; ajta≥ªçqaº<
[livaç

auf dem unteren Rand:

1 º≤kaqolouª
ºein≤ª
ä ä ä

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P.Oxy. XXIV 2389 15

2   eΔ d Pap.; d≤ª, Spuren einer Senkrechten      º≤, Punkt auf der Z.      kw'ma Pap.      3   dΔ Pap.      4
spatium vor a≥çanataç 6   º≤, o ist schwierig, eher ºg≥i ≥ oder ºt≥i ≥ 7   ºa≥≤, ºi≥ oder ]r≥ 12   ç≤ª,
Waagerechte auf halber Höhe der Z., q≥ª ?; Zeilenfüller ? (Lobel)      13   tΔ Pap.      14 º≤≤, k≥ oder
c≥, dann Punkt auf der Z. und kurze Waagerechte auf der oberen Linie      15   ≤ª, r≥ nicht unmö-
glich; ka≤≤, die beiden Punkte könnten zu einem n gehören. Trotzdem sind die Raumverhältnis-
se für paºr≥çenªiºkan≥ nicht günstig; es scheint zuviel Platz für nur i in der Lücke      16   º≤, w≥n nicht
ganz unmöglich, aber eher di oder li 17a   º≤, ºç≥ oder ºt≥ 2. Z. der Randnotiz: ≤ª, Buchstabe
mit Apostroph?
——
2   kw'ma çiw'n Campbell per errorem      3-4   ei[rh⁄ªtai vel (<ke) suppl. Page, Davies      4   ªka-
tacrhçtikw'çº Haslam      6   o{ºt≥i ≥ Haslam 8   ejn Qeravpºnaiç Lobel; ejn tai'ç Qeravpºnaiç Page, Da-
vies, Campbell      11   afaªrhtiad< ? Lobel, Page, Campbell, Davies      12   meta≥u≥t ≥ªoºu≥ d≥≤ª Bar-
rett      14   Bªavºk≥c≥wn Kavdªm Lobel et al.      15   ºiçe vel ºhçe nªivºkan Lobel, Page
Inter lineas 16 et 17   º≤wç o≥i J Diovçko≥ªuºr≥ªoiº ”Aidou≤ ª Lobel, Page, Calame, Davies, Campbell… º≤wç
o≥i J Diovçko≥ªuºr≥ªoiº a[idouç≥ªin Peek

Schlaf der Götter ... Schlaf der Götter wird genannt ... unsterbliche Riten ...
sie erfreuten sich ... Menelaos ... dass er verehrt wird in Therapnai mit den
Dioskuren ... in der Peloponnes ... Helena ... in Therapnai ... sie haben Vereh-
rung ... an vieles erinnerten sie ... grenzenlos ... Es ist unsicher, ob sie sich
der Taten erinnerten ... für ihre zerstörerische Maßlosigkeit und Bosheit

Das Verhältnis der Fragmente zueinander ist schon von Lobel richtig er-
kannt worden. Frg. (a) gehört sicher ganz dicht neben Frg. (c), da in Z. 13 mit
den vorhandenen Buchstaben die Zeilenbreite von ca. 30 Buchstaben schon
erreicht ist.
2-4    Die Ergänzung ªçiw'n am Anfang von Z. 3 scheint zwingend wegen
der folgenden Erklärung. Das Lemma handelt offensichtlich von den unter
der Erde lebenden Tyndariden; kw'ma bezeichnet ihren Zustand; das ist „a
magic sleep, caused by the gods for some special purpose“ (M. West zu He-
siod, Th. 798); siehe auch P. Wiesmann, Was heißt kw'ma ?, Museum Helveti-
cum 29, 1972, 1-11. Die Erklärung des Wortes im vorliegenden Kommentar ist
in der Lücke von Z. 4 verschwunden.
4-6        aj≥çanavtaç tele⁄ªta;ç Beginn des Lemmas (?); Gen. abhängig von
ej≥tavrfqen in Z. 5 oder Akk., welcher von einem anderen Verb abhängt; Lobel
schlägt oJrw'nteç vor. Es ist anzunehmen, dass die Dioskuren hier noch Subjekt
sind.
Das Lemma zieht offensichtlich längere Ausführungen (bis Z. 13) darüber
nach sich, dass neben den Dioskuren in Therapnai auch Menelaos und Hele-
na verehrt wurden; dies ist für die Zeit nach etwa 700 v. Chr. nachgewiesen
(vgl. P. Cartledge, Sparta and Laconia, A Regional History, London 1979, 210-
211). Die Verbindung der Dioskuren mit Menelaos als Schutzpatrone der
Spartaner rühmt auch Simonides; siehe Frg. 11, 30-31 West w{rmhçanº Zhno;ç
paiçi; çu;n iJppodavmoiç ⁄ ªTundarivdaºiç h{rwçi kai; eujrubivhi Menelavwªi.

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16 Alcman 1a

Wenn nicht an dieser Stelle (es gibt aber keine Spur von ejn Qeravpnaiç im
Lemma), hat Alkman den Ortsnamen zumindest in einem Vers im ersten
Buch seiner Lieder genannt. Denn Harpokration führt zu Isokrates, Helena
63, folgende Erklärung zum Ortsnamen Therapnai an: tovpoç ejçti;n ejn Lake-
daivmoni Qeravpnai, ou| mnhmoneuvei kai; ΔAlkma;n ejn A. Inhaltlicher Bezugspunkt
für Harpokration bei dieser Erklärung ist die göttliche Verehrung Helenas
zusammen mit Menelaos und den Dioskuren in Therapnai. Den Aufenthalts-
ort der Dioskuren erwähnt auch das Scholion zu Euripides, Troerinnen 210
(Schwartz II 353) oijkthvriovn façi ta;ç Qeravpnaç tw'n Dioçkouvrwn parovçon uJpo;
th;n gh'n th'ç Qeravpnhç ei\nai levgontai zw'nteç, wJç ΔAlkmavn fhçin. Es scheint, als
ob beide Erklärungen ein Lied des Alkman anführen, in welchem Therapnai
eben die Rolle spielt wie in dem Lied, welches in P.Oxy. XXIV 2389 kom-
mentiert wird. Bei Frg. 14b PMG könnte es sich um einen weiteren Vers eben
dieses Liedes handeln: kai; nao;ç aJgno;ç eujpuvrgw Çeravpnaç.
Zu Therapnai und der Rolle des Ortes in Festivals, auch zu Ehren von He-
lena, siehe Calame 2001, 193-202.
11    ºi≥afaª Nicht unbedingt ist hier von den Apharetiden die Rede, son-
dern andere Abtrennungen wie dºia; faª müssen erwogen werden. Die Apha-
retiden könnten immerhin als Gegner der Tyndariden erwähnt sein. In einer
von Plutarch gegebenen Fassung des Mythos entführten Idas und Lynkeus,
die Söhne des Aphareus, Helena, um sie dem Theseus zu geben, der sich wei-
gerte, sie ihren Brüdern (den Tyndariden) wieder zurückzugeben (Theseus 31,
1). Die Söhne des Aphareus waren in Sparta begraben (Pausanias III 13, 1; 14,
7), nach anderer Version aber in Messenien (Pausanias III 13, 1).
12-13    Wenn da timºa;ç≥ in Z. 13 stand, und der waagerechte Strich nach Qe-
ravpnaiç in Z. 12 zu einem q gehören würde, wäre an qeivaç zu denken. Die Waa-
gerechte ist allerdings für ein q ausserordentlich lang; also vielleicht qªeiv⁄aç oder
doch, wie Lobel vorschlug, ein Zeilenfüller (in ungewöhnlicher Form).
13-14 und 17: falls in Z. 14 bªù Þº≤t≥wn steckt, könnten die Lemmata dem
Metrum der Verse 11, 12 und 13 der Strophe des Louvre-Parthenions ent-
sprechen (trochäischer Dimeter, und 4 Daktylen), aber das kann Zufall sein.
14    ka'dªoç ? Lobel wendet selbst ein, dass die Töchter des Kadmos hier
nichts zu suchen haben. Die Lesungen sind zu unsicher. Ich kann keine bes-
sere anbieten.
15-16    Die Erklärung ist eingeleitet durch ajmfiv≥bªolºon povt ≥ªeronº, wodurch
sich zwei Möglichkeiten der Interpretation ergeben, für die nur eineinhalb Z.
zur Verfügung stehen. Das disjunktive h] ist entweder vor tºw'≥n e[rgwn ª in Z.
16 oder nach ªejmºn≥hvçqhªçan zu vermuten, danach könnte in ºn≥hçqh≥ª das Inter-
pretament zu ejmnavç≥antΔ der Z. 13 stecken.
17-18    Der Nachtrag zwischen den Zeilen zeigt, dass die Dioskuren noch
Subjekt sind (Lobel). u{ºbrioç ajntΔ ojloa'ç kai; ajta≥ªçqa⁄livaç. Vgl. Frg. Orph. 120,
2 Kern u{brioç ajntΔ ojloh'ç kai; ajtaçqalivhç uJperovplou.

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P.Oxy. XXIV 2389 17

Frg. 2

ä ä ä
1 ]ooimª
ºt≥wnª
ä ä ä

1   prºooimªi< Lobel

Frg. 3(a) = Frg. 2 PMG


Fragment 3 besteht hauptsächlich (Z. 3-7) aus einem Lemma, welches von
den Dioskuren und ihrem Aufenthalt unter der Erde zu handeln scheint. Die-
ser Teil des Kommentars bezieht sich nicht auf das Lied des Louvre-Papyrus,
da das Metrum des Lemmas ein anderes ist (dieses sind Iamben, keine Tro-
chäen). Das Zitat aus Pseudo-Herodian (cf. Z. 5-7) besagt, dass dieses Par-
thenion das zweite, doch wohl im ersten Buch der Lieder war; so auch Hin-
ge 2006, 289 und 317-318; vgl. ⇒ 8.
Bei der in Z. 8 einsetzenden Erklärung scheint es sich um eine Sacherklä-
rung zu handeln.

ä ä ä
1 º etw≤ª
ºh≥kw≤ª
ºo≥a≤≤ª≤º ç≥ioi'çi ≤ª
4 ªaijdºoieçtavtoi nªaivºoiçi nevªrqen ga'ç ajeizwviº<
ªoi çiºovdmato≥ªn tºevgoç Kavªçtwr te pwvlwnº
ªwjkevwnº dmath'ªreºç ªiJºppovtai≥ ªçofoi; kai; Pwluº<
ªdeuvkhçº k≥udrovç p≥≤≤g≥hçtwn≥ª
8 ºç o{ti oiJ me;n ouj touª
ºtwi puq≤ª
º≤i≥çtª
ä ä ä

Frg. 3(a), 1   Vor e anscheinend spatium      ≤ª, Rest einer Senkrechten      2   ºh≥ eher als ºn≥ ≤ª,
w≥ª oder ç≥ª 3   Nach o≥a die Füße zweier Senkrechten      ≤ª, p≥ª Lobel, g≤ª Page, aber g≥a≥ª mö-
glich      7   Nach p≥ Senkrechte, dann eine winzige Spur oben, danach eher g≥ als t≥ 9   ≤ª, Fuß
einer Senkrechten      10   º≤, Punkt auf der Z.
——
3-5   ç≥ioi'çi gΔ aj≥ªnqrwvpoiçi tΔ aijdºoieçtavtoi (ç≥ioi'çi tΔ aj≥ªnqrwvpoiçi (?) tΔ aijdºoieçtavtoi) vel çioi'çi pª Þ

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18 Alcman 1a

ù Þ ù aijdºoieçtavtoi Page; ªù Þº ç≥ioi'çi pªa'çi kajnqrwvpoiçin aijdºoieçtavtoi (sed spatio longius, ut vi-
detur) nªaivºoiçin ejªn filai'ç Çeravpnaiçin çiºodmavto≥ªn tºevgoç Barrett, Gnomon 33, 1961, 68
4-5   Page

Geachtet wie keiner unter Göttern und Menschen bewohnen sie [unter der
Erde ewig lebend] ein Haus von den Göttern gebaut, Kastor und der ruhm-
reiche Polydeukes, Bezwinger schnellfüßiger Fohlen und erfahrene Reiter.
... dass die einen nicht ...

Zu Teilen dieses Frg. gibt es drei verschiedene Testimonien:


A (Z. 3-4) Etymologicum Genuinum Ms A çuoi'çi kΔ ajnqrwvpoiçin aij-
doieçtavtoi
Etymologicum Genuinum Ms B naoi'çin ajnqrwvpoiçin aij-
doieçtavtoi
B (Z. 5) P.Oxy. 2393, 8 Çiodmavton≥ tevgªoç (Siehe ⇒ 8)
C (Z. 5-7) Ps. Herodian = Sch. Pindar, P. 4, 318 = Sch. Homer, Od. X
513 Kavçtwr < kudrovç… sim. Eustathius, Od. 1667, 34
Ps.-Herodian, Peri; çchmavtwn, Rhet. Gr. 8, 606 Walz, führt Kavçtwr < kudrovç
als die typische Alkmanische Stilfigur an, welche eujqu;ç gou'n ejn th'/ deutevra/
wj/dh'/ pareivlhptai. Gemeint sein muß das zweite Lied im ersten Buch (eujquvç).
Problematisch ist Testimonium A, weil der Papyrus offensichtlich einen
anderen Text hat als beide Handschriften des Etymologicums. Nach ç≥ioi'çi ist
entweder ga≥ª oder (weniger wahrscheilich) p≥ª zu lesen. Daraus ergeben sich
folgende Möglichkeiten für den Text:
çioi'çi gΔ aj≥ªnqrwvpoiçi tΔ aijdºoieçtavtoi (für çioi'çi tΔ aj≥ªnqrwvpoiçi tΔ aijdºoieçtavtoi
Page) oder çioi'çi pª Þ ù Þ ù aijdºoieçtavtoi unter Auslassung von ajnqrwvpoiçi. Ob
das Lemma noch weiter reichte, muss unsicher bleiben.

Frg. 3(b), wohl auf gleicher Höhe wie 3(a), aus der folgenden Kol., darunter
(c), aber Lobel nennt dies „no more than a possibility“.
Das Fragment enthält nur Teile einer Erklärung, kein Lemma. Möglicher-
weise geht es um stilistische Fragen (cf. zu 6).

ä ä ä
1 ºmenª
º axioi≤ª
º≤twn Dioçkouvrwªnº
4 ºghçei ajntilevgwn
ºon ou{twç legome<
ºade≥i ≥an uJpo
ºkataçkeua<
ä ä ä

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P.Oxy. XXIV 2389 19

2    ≤ª, o≥ª oder b≥ª 3   º≤, am ehesten ºo≥ 7   e≥i ≥ vielleicht h≥

würdig | der Dioskuren | der Erklärung (?) widersprechend | so gesagt (?)


| sicheren Ort unter [der Erde] (?) / poetische Freiheit (?) | bereiten

4    ejn th'/ ejxhºghvçei ? Aber auch andere Worttrennungen müssen erwogen


werden: º gh'ç eij ajntilevgwn ⁄
6    Wenn ºadeian richtig gelesen ist: a[deian uJpo; ⁄ ªth'ç gh'ç ? a[deia kann aber
auch die poetische Freiheit bedeuten (cf. Apollonius Dyscolus, De Pronomini-
bus 38, 3 u. ö.); möglich auch eujfrºavdeian (= „richtiger Sprachgebrauch“) in
Zusammenhang mit ou{twç legome< in Z. 5?

Frg. 3(c)

ä ä ä
º≤ª
º≤çka≤ª
º≤≤hnª
4 ºnthç
º≤≤u
ä ä ä

1   d≥ oder z≥ 2   º≤, Punkt oben, ≤ª Senkrechte      3   º≤≤, Punkt auf der Z., dann hohe Waage-
rechte      5   º≤≤, Schräge von links oben nach rechts unten; dann hohe gebogene Linie vor gesch-
wungener Senkrechten; kaum u

Frg. 4 = Frg. 8 PMG


Fragment 4 zeigt den Übergang vom Kommentar eines Liedes zu den er-
sten Versen eines weiteren Liedes. Ein eingeschobener Schlusstitel wurde
später durch runde Klammern getilgt. Doch die Koronis am linken Rand, so-
wie der Beginn des neuen Lemmas mit einem Anruf der Musen scheinen
deutlich für den Anfang eines neuen Liedes zu sprechen.
Die Zeilen vor dem Schlusstitel behandeln anscheinend wiederum die
Ereignisse um die Dioskuren. Falls es sich um das Louvre-Parthenion
handelt, würden die letzten Zeilen zum Anfangsthema zurückgekehrt
sein.
Z. 0-2 sind möglicherweise ein Lemma. Die folgenden Erklärungen sind
Sacherklärungen und behandeln vielleicht stilistische Fragen (cf. zu 5).

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20 Alcman 1a

ä ä ä ä ä ä
(a) ajn<º
1 drodavmaª
ºn Foivbh kai; ªÔIlaveira
º toiç≥ tai ajpoll≤ª
4 º leu≥ çtrofe tonª (b)
çullhptikª
qew'n≥ª º≤≤ª
>––
≤ª ºw≥n g≥o≥≤ª
8 tª ( Tunºd≥ariv≥daiç ejk tw'n
Mwvçai mª Mnºamoçuvna mªi<º
gei'ça p≥o≥ª ≤≤ºo≥uç≥ ejg≥enna'to
≤≤≤ma≥ª ≤≤ºrqna≤içi tert≤ª

3   ≤ª, winzige Spur, w möglich      3-4   am linken Rand: die von Lobel angezeigte Tilgung sehe
ich nicht 7   ≤ª, p≥ am ehesten möglich      10   e≤, et≥ oder eg≥ eg≥ennato aus egein< oder eghn<
korrigiert      11   ≤≤≤m, zwei Punkte am oberen Rand der Z., dann u ?      a≤, ag≥≥ oder at≥ ≤ª, o≥ª
oder w≥ª
——
2      supplevit Lobel            3-4      toi'ç Leu(kippivdaiç) dub. Haslam 3      ΔApovllªwn dubitanter
Page      6   sed etiam qew'i ≥ª possis      8-9   Tªunºd≥ariv≥daiç ejk tw'n ⁄ ªMwvçai Mªnºamoçuvna mª Page, Da-
vies; spatium inter fragmenta collocavit Calame; Mwvçai mªakaivrai, ta;ç Dii; Mnºamoçuvna mªiºgei'ça
p≤ª Barrett, Campbell e. g.      11   terto≥ª, vgl. lesbisch tevrtoç = trivtoç, sollte dies ein Zitat sein?

männermordend (?) | Phoibe und [Hilaeira] | Apolls (?) | wendete den (?)
| zusammenfassend (?) | der Götter | den Tyndariden aus den |
Musen (Vokativ), Mnemosyne, die sich verband ... gebar

Es ist unklar, wie dicht die beiden Frg. aneinander gehören. Warum der
Schlußtitel getilgt wurde (zum Einklammern siehe ⇒ 6), ist nicht klar.
1-2    Phoibe und Hilaeira, die Töchter des Leukippos, waren in einer Ver-
sion des Mythos der Grund der Auseinandersetzung zwischen den Tyndari-
den und den Apharetiden. Die mit den Söhnen des Aphareus verlobten Mäd-
chen wurden von den Tyndariden geraubt. Der Kampf um sie führte zum
Tod der Apharetiden und des Kastor. Ob deshalb die Mädchen mit dem Bei-
wort ajndrodavmanteç belegt werden könnten? Bei Pindar, N. 9, 16, wird
Eriphyle ajndrodavmaç genannt, aber die Situation ist anders. Das Wort ist bis-
her nur für Pindar belegt, und sollte Teil eines Lemmas sein, so Calame 1983,
383-384. Calame überlegt auch, ob ajndrodavmanteç eher mit der Bedeutung
von davmnhmi „domptieren, zähmen“ zu verbinden sei, doch scheint der Ge-

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P.Oxy. XXIV 2389 21

danke der Leukippiden als „Männerdompteusen“ eher befremdlich.


Die Leukippiden sind anscheinend auch Gegenstand eines Liedes, das in
P.Oxy. XXIV 2390 Frg. 1a kommentiert wird (siehe ⇒ 2).
2-3    Nach Pausanias III 16, 1 waren die Leukippiden in den Kyprien die
Töchter Apolls (fr. 11 S. 51 Bernabé). Zu der Verbindung der Kulte von Leu-
kippiden und Apolls in Sparta siehe Calame 2001, 176-178.
4    çtrofe könnte Teil von ajpevºçtrofe sein: (der Dichter) ajpevºçtrofe to;n ªlov-
gon „wandelte die Rede um“; vgl. Aristonikos zu Ilias B 11 u. ö.
5    çullhptikovç, çullhptikw'ç ist ein in der Rhetorik benutzter Begriff zur
Beschreibung einer zusammenfassenden Ausdrucksweise („Syllepsis“),
wenn z. B. ein Verb mit zwei verschiedenen Objekten verbunden wird, einem
figurativen und einem nicht figurativen. Die erhaltenen Wortfragmente in
der Umgebung erlauben keine weiteren Schlüsse.
9    Dieses Lemma und Hesiod, Th. 53-55 sind die frühesten Belege für die
Musen als Töchter des Zeus und der Mnemosyne.
10        Mit migei'ça könnte das Lemma aufgehört haben, cf. Davison 1961,
30-48.

Frg. 5

ä ä ä
1 º≤io≤ª
ºdeotª
ºoihçª
ä ä ä

Frg. 5, 1   º≤, rechter Fuß eines l?      ≤ª, Fuß einer Haste

Frg. 6, Kol. I = Frg. 1 Schol. B PMG


Die Kolumne enthält nur Erklärungen, kein Lemma. Gegenstand sind die
Verse 58-59 des Louvre-Parthenions (Page, Davies)
58 aJ de; deutevra pedΔ ΔAgidw; to; Ûei'doç
59 i{ppoç ΔIbhnw'i Kolaxai'oç dramhvtai

Nach ΔAgidw; ist in V. 58 ein iota adscriptum zugefügt worden, darüber ein kleines n. Dies könn-
te bedeuten, dass der Schreiber hier eher den Akkusativ verstanden hat als den Nominativ.

Der Kommentar berührt sich in einem Punkt mit dem Scholion A zu eben
diesen Versen (siehe ⇒ 5), ohne dieses weiter ergänzen oder zum Verständ-
nis der Verse beitragen zu können. Der Erhaltungszustand des Papyrus er-

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22 Alcman 1a

laubt nicht, ohne Zweifel zu erkennen, wie das Verhältnis der beiden Mäd-
chen Agido und Hagesichora von dem Kommentator gesehen wurde.
Alle Erklärungen sind Sacherklärungen. Als Autoritäten werden Ari-
starch (Z. 7), Sosibius (?; Z. 13), eventuell Krates (Z. 12) und ein Knidier (Z.
17) angeführt.

Rand
11 º≤ç i{ppoç Kolaxai'oç
º ou{twç hJ ΔAgidw; pro<
deuºt≥ev≥r≥a kata; to; ei\doç
14 º i{ppoç Ko≥l≥ªaxai'oç pro;ºç ΔIbhno;n
wi
Kolºaxaivou d≤ª º≤ª≤≤≤ºo≥
ΔIbºhnou': peªri; de; tou' gevnoºuç tw'n
ªi{ppwºn ΔArivçtarcoç ou{≥ªtwç iJçtorºe≥i': ajm<
18 ªfovterºa tau'ta gevnh i{pªpwn ≤≤≤≤≤ºkav: lev<
ªgouçiº de; ajmfotevrwªn diapreºpovntwn
ªprofºevrein to;n ΔI≥bhnªovn ≤≤≤≤≤≤≤≤º t≥ou;ç
ªΔIbhnºouvç fhçin th'ç Lªudivaç e[qnoç ei\ºnai:
12 ªajpo; tºo≥uvtou de; bouvletªai ≤≤≤≤≤≤ o{tiº Lu<
ªdo;ç h\nº oJ ΔAlkmavn: Çwªçivbioç de; to; tºw'≥n
ªΔIbhnw'ºn e[qnoç ajpofªaivnei ≤≤≤≤≤≤≤º≤ri:
o
ºkei'çqai proçaªgovmenoç º≤dw
16 ª mºavrtun peri; de; tw'ªn Kolaxaivºwn
ª≤≤≤≤≤ºç oJ Knªivdºi≥oç dia≥ª ºneap≥ª
º≤≤≤ç grª ºde≤ª
º to;n ·to‚ povnEtonD tou'toªn
ä ä ä

Frg. (b), unter Frg. 6 Kol. I in Höhe von Z. 25-27 der Kol. II plaziert

ä ä ä
1 º≤
ºa≥n≥
ºae
4 º≤ia
ºki
ä ä ä

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Frg. 6 Kol. I
1   º≤, Punkt unten      4   Trema auf i von ΔIbhnovn 5   d≤ª, Rest einer Senkrechten      wi über
dem 4-3 Buchstaben vor dem Ende der Z.      º≤ª, ç≥ e≥ sim.      6   Spatium nach Ibºhnou' 12   ºlu,
unter dem u gebogene Linie, weit unter die Z. reichend      13   Spatium nach ΔAlkmavn 14   º≤ri,
d≥ri möglich, nach i anscheinend Hochpunkt      15   º≤, Punkt auf halber Höhe; kleines o über
dem w (Korrektur ?)      17   a≥ª oder m≥ neamª Lobel      18   º≤≤≤, ºl≥ oder ºa≥, dann r≥ oder i≥, dann
o≥i ≥ oder w≥ de≤, Senkrechte
Frg. b, 1   º≤, eine unter die Z. reichende Senkrechte      4   º≤, ºd≥ möglich
——
1   º wJ≥ç possis, Page      2-3   pro;⁄ç ÔAghçicovran: kai; ga;r deuºtevra dubitanter Page      7   iJçtorºe≥i' Lo-
bel      8   ejxwtiºkav Barrett post Page in scholio Parisino; opp. Lobel; Çkuqiºkav possis, cf. scholium
Parisinum      8-9   lev⁄ªgouçiº Page, Davies : lev⁄ªgetaiº Barrett      10   ª ou|toçº Barrett, [Kravthç de;º
possis      12   çumbavllein Page, spatio longius; dei'xai possis      13   Çwªçivbioç de; oJ Lavkºwn ⁄ ªΔIbh-
nw'ºn vel Çwªçifavnhç de; to; tºw'≥n ⁄ ªΔIbhnw'ºn Lobel; Çwªçivbioç de; e{terºon Barrett; Çwªçivbioç de; to; tºw'≥n
⁄ ªΔIbhnw'ºn Page, Davies            14-15      ajpofªaivnetai th'i Çuºriv⁄ai, Tsantsanoglou non possis           
15   proçaªgovmenoç Lobel      ]dw correctum in ]do, scil. ÔHrovºdo⁄ªton Barrett      17   Eu[doxoºç, sed
Kthvçiaºç non excludit Lobel

(wie) ein kolaxaisches Pferd | so ... Agido | als zweite an Schönheit | ein ko-
laxaisches Pferd mit einem ibenischen Pferd | des kolaxaischen Pferdes | des
ibenischen Pferdes. | Über diese Pferderassen berichtet Aristarch Folgendes:
Beide sind ...-ische Pferderassen. Man sagt, dass, während beide Rassen vor-
züglich sind, das ibenische Pferd besser sei - aber beide Rassen sind wohl
vorzüglich. Er (Krates ? aber) sagt, dass die Ibener ein Volk Lydiens seien.
Daher will er (?) ..., dass Alkman ein Lyder war. So[sibius] aber zeigt, dass
das Volk der Ibener um ... siedelt, und führt als Gewährsmann x an. Über die
[Kolaxaer erörtert x] von Knidos ...

Im Pariser Papyrus lautete das Scholion zu den Versen 58-59: ta; gevnh
ejçtin (zwischen den Z.) ≤≤≤≤ikw'n i{ppwn ª≤º≤⁄ eibhn ⁄ ≤≤≤≤ ⁄ ≤azeiag≥ª≤≤≤º≤≤≤ ⁄
thn; es liefert offenbar Informationen über die Pferderassen, trägt aber nicht
zum Verständnis der Verse bei (siehe ⇒ 5).
Um den Wert des antiken Kommentars zu erfassen, muss ein Blick zu-
nächst zu den modernen Kommentatoren gehen. Hier sind die Verse 58-59 in
verschiedener Weise verstanden worden:
pedΔ , so wurde argumentiert, gehört mit dramhvtai in Tmesis zusammen, und
Agido im Nominativ ist Subjekt des Satzes (so Calame; A), oder es ist als Prä-
position mit folgendem Akkusativ ΔAgidw; aufzufassen (Page, Campbell; B).
Lösung A (pedΔ gehört zu dramhvtai in Tmesis): „Nachstehend an Schön-
heit wird Agido laufen wie ein Kolaxaisches Pferd mit einem Ibenischen“.
Agido ist in diesem Satz Subjekt und an Schönheit Hagesichora unterlegen
(Calame; siehe seinen Kommentar und Les Choeurs II 49 mit Anm. 7 und 71
mit Anm. 50), doch pedΔ vor ΔAgidw; ist schwerlich als nicht dazugehörig zu
verstehen; die zuerst von Garzya 1962 und später von Calame angeführten
Beispiele von Tmesis über einen Vers hinweg bei Alkman (Frg. 27) überzeu-

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24 Alcman 1a

gen nicht (cf. Campbell, QUCC 26, 1987, 69-70).


Lösung B (pedΔ als Präposition mit Akk.) „Die zweite an Schönheit nach
Agido (= ?) wird laufen wie ein Kolaxaisches Pferd mit einem Ibenischen“.
Agido ist nicht Subjekt, aber Agido ist an Schönheit überlegen gegenüber
Hagesichora oder einer Dritten (Page, Campbell). Da ΔAgidwv auch Akkusativ
des Namens sein kann, steht dieser Interpretation nichts im Wege (Campbell,
QUCC 26, 1987, 69-70; cf. die Korrektur in V. 58).
In Lösung B vertraten Page und Campbell die Ansicht, dass mit der
„zweiten an Schönheit“ jedes andere Mädchen des Chores gemeint sein kön-
ne, nicht jedoch Hagesichora. Auch wenn an allen anderen Stellen im Lied
eine direkte Gegenüberstellung der beiden Mädchen vermieden wird (West
1965, 196-197), scheint es schwierig, Hagesichora nicht in der „zweiten“ zu
sehen, zumal sie gerade vorher erwähnt wurde. Die Gegenüberstellung muss
auch nicht als abwertend für die „Zweite“ verstanden werden (Puelma 1977,
1-55, bes. 29-33). Hagesichora nicht die schönste der Mädchen zu nennen, wi-
derspräche allerdings der Tradition der Mädchenchöre, in denen die Schön-
ste anführt (Calame 1977, 91-92; Id. 2001, 42-43).
Der antike Kommentar scheint zu sagen (Z. 1-6): Agido ist X unterlegen,
wie das Kolaxaische Pferd dem Ibenischen unterlegen ist. Dieses scheint
auch das Verständnis Aristarchs gewesen zu sein, der in Z. 7-11 angeführt
wird. Aber an der entscheidenden Stelle hat der Papyrus eine Lücke. Würde
der Kommentar gemeint haben, Agido sei die zweite an Schönheit im Ver-
gleich zu Hagesichora, müsste proç und nicht pro am Ende der Z. 2 stehen
(Page). Nun sehen die Trennungsregeln in den Papyri allerdings in der Re-
gel eine Trennung in der Kompositionsfuge bei Zusammensetzungen mit
amp, eiç, proç, çun und uJper vor, allgemein gilt jedoch eine streng syllabische
Trennung (E. Mayser, Grammatik der griechischen Papyri aus der Ptolemäerzeit I
46-47). Ich möchte trotz der von Page geäußerten Bedenken nicht ganz
ausschließen, dass im Papyrus pro⁄ªç ÔAghçicovran gestanden hat. Inhaltlich
entspräche dies der modernen Interpretation A.
An der praktischen Rolle Agidos im Chor zeigt der Kommentar, soweit
erhalten, kein Interesse (cf. Calame 1977 I, 21 und 140-143; Id. 2001, 4-6 und
73), anders als der Kommentator (Hand 3) am Rand des Louvre-Papyrus (sie-
he dort ⇒ 5).
1    Kolaxai'oç Hapax aus dem Louvre-Parthenion. Möglicherweise ver-
bunden, oder als verbunden verstanden mit dem mythischen zweiten König
der Skythen Kolaxavi >ç (Herodot IV 5 und 7); siehe den Ergänzungsvorschlag
von Barrett zu 15-16, und Z. 19, wo wohl vom Schwarzen Meer die Rede ist.
Das Scholion zu Vers 59 im Pariser Papyrus hat möglicherweise çkuqi–kw'n
i{ppwn (siehe dort). J. Devereux berichtet von mindestens zwei in Skythien
nachgewiesenen Pferderassen (Devereux 1965, 176-184; cf. Id. 1996, 129-134).

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4, 6, 10, 11 und 14    ΔIbhno;n et alii casus. Das einzige Testimonium für die-
ses Volk findet sich bei Stephanus von Byzanz, Ethnika 323 Meineke ΔIbai'oi,
oiJ kai; ΔIbhnoiv, e[qnoç Keltikh'ç. ΔIbhnoi; dΔ eijçi; kai; Ludivaç, oiJ kai; ΔIaoni'tai lev-
gontai „Die Ibäer, die auch Ibener genannt werden, ein keltisches Volk. Es
gibt aber auch Ibener in Lydien, welche auch Iaoniten genannt werden“. Der
Kommentar spricht anscheinend von den Ibenern in Lydien (10-12).
7-10    Das Zitat aus Aristarch endet mit ΔIbhnovn in Z. 10.
8    Vgl. das Scholion zu Vers 59 im Louvre-Papyrus (⇒ 5).
10    Zu der von Barrett vorgeschlagenen Ergänzung siehe zu Frg. 9. Kra-
tes soll Alkman für einen Lyder gehalten haben.
13        Çwªçivbioç Dieser Polymath schrieb über Alkman in drei Büchern
(FGrHist IIIB 595 F6). In einem Scholion zum Louvre-Parthenion ist aber
auch ein Sosiphanes genannt, der hier nicht ganz ausgeschlossen werden
kann. Die Erklärung des Kommentars passt allerdings vorzüglich zu dem
großen geographischen Interesse des Sosibios.
17    ª≤≤≤≤≤ºç oJ Knªivdºi≥oç Eudoxos oder Ktesias von Knidos könnten hier
angeführt sein. Eudoxos verfasste u. a. das Werk Gh'ç perivodoç, in dessen er-
stem Buch er die Völker rund um das Schwarze Meer, im zweiten die
Skythen behandelte. Auch Ktesias könnte in seiner perivodoç über die Kola-
xaier gesprochen haben.
19    Siehe zu 1.

Frg. 6, Kol. II
Die Kolumne enthält ein Lemma, welches in einzelnen Teilen wiederholt
wird. Z. 1-3 bieten die V. 60-63 des Louvre-Parthenions (Page-Davies)
60 tai; Pelhavdeç ga;r a\min
61 ojrqrivai fa'roç feroivçaiç
62 nuvkta diΔ ajmbroçivan a{te çhvrion
63 a[çtron ajuhromevnai mavcontai:
Der Anfang von 60 muss in der letzten Z. der vorhergehenden Kolumne I ge-
standen haben. V. 62-63 werden in 23-24 wiederholt. Demenstprechend han-
deln die Z. 3-22 zunächst von der Bezeichnung der Mädchen als Pelhavdeç.
Dazu wird ein Zitat aus Pindar N. 2, 11-12 bemüht (Z. 13-15), anscheinend als
Beleg für die Schreibung Pelhavdeç.
Die Verse 60-63 gehören zu den am meisten diskutierten des Louvre-Par-
thenions; es besteht wohl kein Zweifel, dass mit den Pelhavdeç die Mädchen
des Chores gemeint sind, bezeichnet als „Tauben“ (= Chorführerinnen) oder
als „die Plejaden“ (das Sternbild). Die Zusammenfassung der Forschungslage
findet man am besten bei Puelma 1977, 34-36. Scholion A zur Stelle (siehe ⇒ 5)
versteht die Pelhavdeç als Tauben. Der vorliegende Kommentar scheint beide
Möglichkeiten zu diskutieren (cf. zu Z. 16).

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26 Alcman 1a

1 a\min ojªrqrivai fa'roç feroivçaiç nuvkta diΔº


ajmbErDoçivaªn a{te çivrion a[çtron ajuhromevnaiº
mavcontaªi
4 eijrhmevnª
th;n ΔAgidw;≥ ª
aujtai'ç ojrªqri-
de; tou'to l ≥ª pleoº<
8 / navkiç eijç a≥ª ΔAº<
ä
tarnivdeç ≤ª
ª
ad≤≤≤n≥≤ª
12 contai ta;ç ªde; Pleiavdaç Pelhavdaç fhº<
çin kaqavper≥≥ ªkai; Pivndaroç ca. 5 ojreiº<
a'n ge Peleiªavdwn mh; thlovqen ΔWarivwnaº
nei'çqai eja;n≥ ª
16 ou{twç ajkou'çaªi hJ te ΔAghçicovº<
ra kai; hJ ΔAgidw; ≤ª
ou'çai to; tou' çirivªou a[çtron
macovmenai pe≥ª
20 Pleiavdwn to; aª
ga;r wJç peleiªavdeç
rouçin pa≤ª
n≥uvk≥t≥a diΔ ajªmbroçivan a{te çivrion a[çtron ajuhº<
24 ªroºmevnai mªavcºo≥ªntai
ªäº
pein ti: ei\nai ga;r ªto; nuvkta diΔ ajmbroº<
çivan ajntiv ·touvtwn‚ EçtrofoªnD tw'i pago;n ajeqlofovron kanaº<
ä
cavpoda w{çte hlª
28 leivpein: hJ≥mw'n ª
ª ≥ºn a[çtron a{te çª kata;º
lovgon toiou'ton ª
hJma'ç peri; th'ç ª
32 ª≤ºt≥o≥nou ajçtrª
ª ºa≥poª
ä ä ä

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Frg. 6 Kol. II
2   Das r ist nachräglich eingefügt      7   ≤ª, Fuß einer Senkrechten, etwas unter der Z. 8   Am
Rand Schrägstrich      9   ≤ª, winziger Punkt unten      11   ≤≤≤, Füße von vier Senkrechten, danach
möglicherweise n, di≥o≥m≥ Page für diΔ ambrªoçian 17   h aus gi verbessert, açidw Pap. ≤ª, Sen-
krechte     22  ≤ª, Punkt oben      25   Darüber getilgte Paragraphos; Hochpunkt nach tiv 26   Nach
anti Tilgung von pago, çtrofoª über der Z.; Tilgung von toutw Lobel      28   Nach pein hoher
Punkt, danach hJ≥mw'n möglich, timwn Lobel
——
7-8   pleoº⁄navkiç Lobel      8-9   ΔAº⁄tarnivdeç Lobel      13   levgei possis      16   hJ te ΔAghçicovº⁄ra Lo-
bel      24-25   façi; de; ejn toi'ç a[nw ejlleivº⁄pein ti dub. Page      26-27   kanaº⁄cavpoda Lobel      27-
28   w{çte h{lªion --- mh; ejkº⁄leivpein Lobel      29   kata;º⁄ lovgon Lobel

Uns am Morgen den ... bringend durch die ambrosische Nacht, aufgehend
wie der Siriusstern, im Kampf | gesagt | Agido (Akkus.) | ihnen (fem) |
aber dieses ... oft | Die Frauen von Atarneus | Die Plejaden nennt er Peleia-
den wie Pindar | Wenn | so zu verstehen | Hagesichora und Agido | den
Siriusstern | im Kampf | der Plejaden | denn wie Tauben | durch die am-
brosische Nacht, aufgehend wie der Siriusstern, im Kampf. | Das durch
die ambrosische Nacht ist das (metrische ?) Gegenstück zu der starke
Champion mit dem lauttönenden Huf | auszulassen. Von uns | Stern wie
| ein solches Wort | uns (Akkus.) wegen des (fem)

8-9 ΔAºtarnivdeç Der Bezug auf die weiblichen Bewohner der Stadt Atar-
neus an der kleinasiatischen Küste gegenüber Lesbos ist rätselhaft. Aber das
Wort erscheint auch in Frg. 10(a), 15 Page in einem Lemma, hier im Singular.
Cf. Frg. 35, 4, 17-18, 21, wo Pitane erwähnt ist, welches ein Nachbarort von
Atarneus war; Pitane war aber auch eine der Gründungssiedlungen Spartas,
deren Erwähnung durch Alkman mehr Sinn macht (siehe zu Frg. 35).
12-15        Es scheint um die poetische Form mit Längung Pelhavdeç für
Pleiavdeç, das Sternbild, zu gehen. Auch Pindar bezeichnet mit Peleiavdeç die
Sterne. Der Kommentator scheint also hier die Mädchen als Sterne, nicht als
Tauben zu sehen, anders als Scholion A. Andererseits zeigt Z. 21 mit wJç pe-
leiªavdeç außerhalb des Lemmas, dass hier eher die Bedeutung Taube, und
nicht das Sternbild verstanden ist (falls nicht ouj vor gavr stand).
13-15    Pindar, N. 2, 11-12 auch zitiert bei Athen. XI 490F aus Asklepiades
von Myrlea in Bithynien (1. Jh. v. Chr.), der u. a. peri; ojrqografivaç schrieb. Der
ganze Abschnitt bei Athenaios XI 489C-492D handelt von Sternen und Tau-
ben und zitiert neben Homer und Pindar auch Simonides (PMG 555); siehe
auch Sch. Pind. N. 1, 3; Eustath. Od. 1535, 50.
16    „(Must) take in this sense“ Lobel.
21    Vgl. das Scholion zu 61 im Louvre-Parthenion ⇒ 5.
24-25    Die von Page zweifelnd vorgeschlagene Ergänzung setzt voraus,
dass der Kommentator eine ungenaue Responsion zu finden glaubte, denn er

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28 Alcman 1a

schrieb die Verse 62-63 ganz aus, von den respondierenden Versen 48-49 aber
nur den ersten. Auch in 27-28 könne von ausgelassenen Wörtern (ejk⁄leivpein
?) die Rede gewesen sein, was aber ganz unsinnig sei („de omissione ... pror-
sus hariolatur“, Page). Sicher ist nur, dass mit ei\nai ga;r ... ajntivçtrofoªn tw'i ...
auf die Responsion dieser Verse hingewiesen wird.
26-27    kanaº⁄cavpoda kommt in V. 48 vor. Der Vers respondiert (ajntivçtro-
fon) mit 62 a{te çhvrion. Die Buchstabenzahl in Z. 26 ist noch akzeptabel (çtro-
foªn ist über der Z. und kleiner geschrieben). Mit diesem Textverständnis
können die nächsten beiden Z. aber nur schwer auf V. 41-43 des Parthenions
zurückverweisen, wie Lobel meint (siehe im Folgenden).
27-28    Wenn die von Lobel vorgeschlagene Ergänzung w{çte h{lªion --- mh;
ejkº⁄leivpein richtig ist, würde der Kommentator hier auf V. 41-43 w{tΔ a[lion,
o{nper a|min ΔAgidw; martuvretai faivnhn verweisen. Ein Zusammenhang mit
dem Vorigen ist sehr schwierig zu erkennen, aber auch dessen Ergänzung
und Interpretation ist ja nicht sicher.

Frg. 7 + 13 = Frg. 1 Schol. B PMG


Frg. 7(a) Kol. I + (b) gehören zu der Kol., die auf Frg. 6, Kol. II folgte, wobei
Frg. (a) rechts von Frg. 6 Kol. II 25ff. zu setzen ist. Das kleine Frg. (c) gehört auf
Grund der vertikalen Fasern der Rückseite über Frg. (a) Kol. II (Lobel).
Zwischen 7 (c) und (a) einerseits, und (a) und (b) andererseits sollten ins-
gesamt etwa 15 Z. fehlen. Lobels Plazierung der Fragmente ergibt eine Höhe
von etwa 40 Z. pro Kol. Frg. 13 scheint in der Tat links von (a) 4-5 zu gehören
(Lobel). Dass Frg. 7 direkt rechts von Frg. 6 folgt, scheint der Inhalt zu bestä-
tigen.
Frg. 7 (a) (Z. 2-3) bietet V. 75 und Teile von 76 des Louvre-Parthenions
(Page-Davies):
75 kai; potiglevpoi Fivlulla
76 Damarªevºta tΔ ejratav te Ûianqemivç,
Frg. 7 (b) (Z. 4-5) 77-79 (Page-Davies):
77 ajllΔ ÔAghçicovra me teivrei:
78 ouj ga;r aJ kallivçfuroç
79 ÔAghçicovra parΔ aujtei'
Frg. 7 (b) (Z. 11) 77 bis
Lobel wollte 7 (b) 6ff. so verstehen: „The poet does not mean that Agesicho-
ra is not there“ – this seems to imply that the commentator did not take ouj
ga;r aJ kallivçfuroç ÔAghçicovra parΔ aujtei' as a question but as a statement not
carrying its surface meaning – „but that if you go to Ainesimbrota’s you will
not be able to find any girl who ... “ . M. Wests Interpretation der Ainesim-
brota als einer Dame mit Erfahrung in Liebeszauber (1965, 200) hat Lobels In-
terpretation des Kommentars spezifiziert und wahrscheinlich gemacht. Page

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P.Oxy. XXIV 2389 29

hatte an eine reale Abwesenheit Hagesichoras im Hause der Ainesimbrota


gedacht. Der Kommentator scheint nicht über Magie zu sprechen, geht aber
von der spezifischen Negation der Anwesenheit der Hagesichora (Z. 6-7)
weiter zu der allgemeinen Negation „kein“, sc. Mädchen; Z. 9-10; eine
Gegenüberstellung der Hagesichora mit anderen Mädchen in Zusammen-
hang mit dem Haus der Ainesimbrota ist wahrscheinlich (vgl. auch Z. 2).

Kol. II
7 (c) ä ä ä
1 kaª
te≤ª
meª
ä
4 ek≥ª
ä ä ä
7 (a) Kol. I ä ä ä
1 Frg. 13 º≤ª
ªkai; potiglevpoiº Fivlulla Damarev< ä ä ä
ªta º≤kaqΔ uJpovqeçin tauv< eiçkª
ä
4 t≥ªhn tºh'ç Aijnhçimbrov< tado≤ª
taªç ºbou≥ª ≤ª
ä ä ä ä ä ä ä ä ä
7 (b) ä ä ä
º≤ª
1 º≤a blevphi ª
ta;ç lºoipa;ç parqªevnouç
ºrameª≤ºe≥i≤ª
4 º≤ ajllΔ ÔAghçicªovra me teivrei: oujº
ªga;rº aJ≥ kallivçfuroç ÔAghªçicovra parΔ aujtei'º
oºuj≥c wJç nu'n mh; parouvªçhç
tºh'ç ÔAghçicovraç ajlla; ª
8 ºt≥ai≥ o{ti eja;n eiª≤º≤t≥hª
e[lºq≥hiç oujdemivan ª
º≤ein paªrqºevnoªn
mºe≥ teivrªei

Frg. 7(c), 2   ≤ª, Unterer Teil einer Senkrechten      4   ≤ª, winziger Punkt oben

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30 Alcman 1a

Frg. 7(a)
Kol. I 3   º≤, winziger Punkt oben; nach tau zwei verschmierte Punkte übereinander
Kol. II 4   ≤ª, Senkrechte      5   ≤ª, oberes Ende einer Haste
Frg. 7(b) Vor 1   º≤ª, Fuß einer Haste auf der Z. 1   º≤, Punkt auf der Z. 3   ≤ª, Teil einer Sen-
krechten      4   º≤, oberer Teil einer Haste; Spatium vor dem Zitat      8   º≤, Punkt oben      10   º≤,
eher ºu≥ oder ºc≥ als ºt≥ oder ºg≥
Frg. 7(c), 6   Die Z. ist herausgerückt, doch enthält kein V. ein mögliches Lemma mit tado
——
7 (a) 3-4   Lobel      (b) 1   i{ºn≥a Page post Lobel      2   Lobel      3   ÔAghçivcoºra me ªtºeivr≥ªei Lobel,
excl. paramevªnºei sed possis            6-8      parouvªçhç meta; tw'n a[llwn tºh'ç ÔAghçicovraç ajlla; ªlevgein
bouvleºtai Page; parouvªçhç mevmnhtai Barrett      8   ei[ªçºw≥ th'ªç Aijneçimbrovtaç Page, sed spatio lon-
gius; eijªçº ΔA≥gh
≥ ªçicovran proç⁄blevºp≥hiç dub. Haslam per litt. 9   e[lºqhiç oujdemivan ªtoiauvthn dunhvçei
euJºr≥ei'n Page post Lobel, sed littera r legi nequit      10-11   Lobel

Möge mich Philylla anschauen und Damareta ... unter dieser Vorausset-
zung ... der Ainesimbrota ... soll schauen ... die übrigen Mädchen ... aber Ha-
gesichora macht mich verrückt. Denn die schlankfüßige Hagesichora ist
nicht hier ... nicht, als ob Hagesichora jetzt nicht da wäre, sondern dass,
wenn ... du kommst ... keines der Mädchen ... macht mich verrückt.

7 (a), 3    Das Wort uJpovqeçiç lässt erkennen, dass im Vorigen nicht nur die
beiden Namen zitiert wurden, sondern ein größerer Zusammenhang. Aine-
simbrota war in V. 73 erwähnt; anscheinend ist ihr Haus in 7 (b) 8 wieder Ge-
genstand des Kommentars. Tsantsanoglou fasst das Wort als die Bezeich-
nung einer rhetorischen Figur auf (quaestio specialis) und verweist auf Her-
mog. Id. I 11, 250.
7 (b), 1    blevphi mag 75 potiglevpoi kommentieren (Lobel); das Schauen ist
ein Schlüsselwort der erotischen Literatur, cf. Frg. 3, 62 PMG takerwvtera dΔ
u{pnw kai; qanavtw potidevrketai.
3    Falls V. 77 hier schon einmal zitiert ist (siehe Z. 11), könnte in der Lücke
eine Worterklärung zu teivrei gestanden haben (toutevçtin e[rwti pievzei Page
e.g.; contra M. Treu, der die Ergänzung für „unschön selbst für Scholiasten-
griechisch“ hält).
11    Die Schreibung im Louvre-Parthenion teivrei ist hier bestätigt, und da-
mit der Sinn „macht mich verrückt“. Manche haben threi' angenommen (sie-
he Calame 1983, 340).

Frg. 8

ä ä ä
1 ºmen t≥≤ª
ºw qeoi; deª
ä ä ä

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P.Oxy. XXIV 2389 31

1   ≤ª, unteres Ende einer Senkrechten


——
2   Möglicherweise Erklärung zu V. 82-83 çioiv, devxaçqe (Lobel)

Frg. 9 (= fr. 13 Page-Davies; TA1a Davies)


Die Z. behandeln die Herkunft Alkmans, die umstritten war (cf. testimo-
nia 1-9 Page; ⇒ 9, Frg. 1, col. III und ⇒ Schede b + c). Dazu wird ein nicht
identifiziertes Zitat eines lyrischen Dichters (Z. 8-10), Aristoteles (Z. 12), ein
weiterer Gewährsmann (Z. 14), und Verse aus dem zweiten Buch der Lieder
(Frg. 16 Page-Davies) angeführt.
Der lyrische Dichter bezeichnete Alkman als Lakonier, während Aristote-
les und der andere Gewährsmann (Krates?) für die Herkunft aus Lydien ste-
hen. Der Kommentator hält Aristoteles und seinen Genossen für ajpathqevn-
teç, vertritt also selbst die Meinung, dass Alkman aus Lakonien stammt.
In welchem Zusammenhang zum Parthenion die Herkunft Alkmans dis-
kutiert wurde, ist nicht klar.

Kol. I Kol. II
ä ä ä
1 ºcon ª
º≤o ª
ºn ª
4 ºçe≤ª≤º≤au / ≤ª
º≤ª≤≤≤ºn≥oç ejcevgguoç
o
º bebaiwth;ç a]n gevnoi< /
ªto o{tºi Lavkwn ei[h o{te fh< m≥ª
ä
8 [çiv: º ajntivfarin Lavkwni te< e≤ª
l
paºrqenivwn çofw'n ΔAlkma'< / ≤ª
ªni wºn te melevwn potivforon
º≤on ajllΔ e[oike Ludo;n auj< / [
12 ªto;n nomivºz≥ein o{ te ΔAriçtotevlhç kai;
çuvºmyhfo≥i ≥ ajpathqevnteç
oujk h\çº ajnh;r ajgrEeDi'oç o≥ujd≥ªe;
Rand

1      Über der Z. Spuren von ausgewaschener Tinte            2      º≤o, ºt≥o oder ºg≥o 4      çel≥ª oder
çem≥ª 5   º≤ª, k≥ ?      11   º≤, ºt≥ oder ºg≥ 13   fo≥i ≥ oder fe≥i ≥ 14   r aus e, dann e darüber zuge-
fügt
——

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32 Alcman 1a

8-9   tev⁄ªktona possis Lobel, defendit Barrett, tev⁄ªktoni Davison sane recte, cf. Führer, Gnomon 43,
1971, 233      10   kalw'ºn Cuartero, Calame, klutw'ºn Führer e.g. 11-12   suppl. Lobel      13   oJ
Kravthç Lobel      14   recognovit Lobel = Frg. 16, 1 Page

könnte wohl ein zuverlässiger ... Gewährsmann sein dafür, dass (Alkman)
ein Lakonier war, wenn er sagt „... den Rivalen des Spartaners Alkman, des
Zimmerers kunstvoller Mädchenlieder und ... Lieder, den passenden ... “.
Aber Aristoteles scheint ihn für einen Lyder zu halten, und mit ihm [Krates
?], beide irregeführt durch „er war kein ungehobelter noch [ ...“

8-10    Lobel schlug Pindar als Verfasser dieser Verse vor mit Hinweis auf
Pyth. 3, 113, wo tevktwn in der Bedeutung „Dichter“ erscheint (ejpevwn ... tevktoneç
oi|a çofoi; a{rmoçan), und Fr. 70b, 23 (ejme; dΔ ejxaivretoªnº kavruka çofw'n ejpevwn Moi'çΔ
ajnevçtaçΔ ”Elladi); ajntivfarin ist ein hapax (cf. ajntiferivzw, ijçofarivzw).
13    Krates ist einer dieser çuvmyhfoi; cf. TA 12: Suda, s.v. ΔAlkmavn: Lavkwn
ajpo; Meççovaç: kata; de; to;n Kravthta ptaivonta Ludo;ç ejk Çavrdewn (Frg. 82 Brog-
giato); cf. ⇒ 9 (P.Oxy. XXIX 2506) + ⇒ Scheda c (P.Oxy. L 3542).
14    Frg. 16, 1 Page, Davies. a[grioç Stephanus; ajgroi'koç Chrysippus.
Wenn das folgende Zitat ein Lemma ist, würde das bedeuten, dass wir es
hier mit einem Kommentar zu dem ersten Lied aus dem zweiten Buch zu tun
haben (Frg. 16, 1 Page; aus Stephanus von Byzantium, s.v. ΔEruçivch I 281 Mei-
neke dicw'ç ou\n e[çtai, w{ç ejçti dh'lon parΔ ΔAlkma'ni ejn ajrch'/ tou' deutevrou tw'n
parqeneivwn aj/çmavtwn. fhçi; gavr: ...). Der Kommentar würde hier also nicht
weiterhin das aus dem Louvre-Papyrus bekannte Parthenion betreffen, wel-
ches in das erste Buch gehört (vgl. oben zu Frg. 1). Es kann aber sehr wohl
sein, dass das Zitat hier als Erklärung dafür eingeführt ist, warum Aristote-
les und der andere Gewährsmann der irrigen (wie der Kommentator meint)
Meinung waren, dass Alkman ein Lyder war.
Als weiteres Argument gegen die beiden könnte die Form h\ç gedient ha-
ben; sie bezeichnet im lakonischen Dialekt die dritte Person Singular (vgl.
Eustathius, Od. 1892, 44). Die Aussage in Frag. 16, 1 sollte daher nicht eine
Aussage Alkmans zur eigenen Person sein; vgl. Davison 1961, 30-48, bes. 30-
31. Vgl. das Argument in Frg. 6, Kol. I 11ff. Eine dritte Person kann aber sehr
wohl über ihn so gesprochen haben.

Frg. 10

ä ä ä
1 º≤ª
ºfaçin ≤≤ª

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P.Oxy. XXIV 2389 33

ºecidnª
4 º d≥ioper ª
ä ä ä

1   º≤ª, l≥ oder c≥≥ 2      ≤≤ª, h≥d≥ª oder i≥r≥d≥ª

3    e[cidna „Viper“ oder „böse Frau“ oder „heimtückischer Freund“. Könn-


te dies ein Lemma sein? Oder zitierte der Kommentator Hesiod, Th. 298 ?

Frg. 11

ä ä ä
1 º≤l≥a≥ª
ºaç çtª
ºaloep≥ª
4 ºaqunª
º≤≤ri≥ª
ä ä ä

1   º≤, ºl≥ möglich      3   p≥ª, oder q≥ eher als ç 5 º≤, ºc≥ oder ºk≥, dann Senkrechte; ºh≥n≥ª Lobel

Frg. 12

ä ä ä
1 ºl≥o≥≤ª
ºw≥niel≥ª
ºlh a≤ª
ä ä ä

1   ≤ª, winziger Punkt      2  l≥ª, auch c≥ª möglich      3   Nach h entweder Spatium oder [iº ≤ª,Senk-
rechte

Frg. 13: bei Frg. 7

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34 Alcman 1a

Frg. 14

ä ä ä
1 ≤ª
onª
ª≤º≤ª
ä ä ä

1   ≤ª, winziger Punkt unten      2   Sehr große Buchstaben      3   º≤ª, winziger Punkt oben

Frg. 15

ä ä ä
1 teik≥ª
lab≥ª
w ª
ä ä ä

1   Das i ist gepunktet, möglicherweise ·i‚; k≥ª, w≥ª Lobel      3   Stichometrisches Zeichen? Es steht
jedoch zwischen den Zeilen

Frg. 16

Rand
1 ºa≥utª
bºaç≥i ≥leu;ç ª
ä ä ä

1   ºa≥ oder ºl≥

Frg. 17

Rand
1 toh≥tri≥ª 2. Hand
karchª
n≥ai ≤ª
ä ä ä

1   ton≥ tri≥ª ?      3   nach spatium ≤ª, Aufstrich zu l≥ oder d≥

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P.Oxy. XXIV 2389 35

1    h[trion ist „feines Gewebe“, Theokrit 18, 33 u.ö.


2    karchªçi- cf. 22, 3 Haslam.

Frg. 18

ä ä ä
1 kot≥ª
çiçª
ful≥ª
ä ä ä

Lobel: „Perhaps from the same neighbourhood as fr. 1“

Frg. 19

ä ä ä
º≤ª
ºçinod≤ª
ºei≥twnª
4 º≤ª≤≤º≤≤ª
ä ä ä
2   ≤ª, h≥ª oder i≥ª            3      Senkrechte über t, t aus r verbessert, pºer≥EiD twn ª ?      4   Winzige Spu-
ren      ≤ª wohl o

Frg. 20

ä ä ä
1 ºhnhmeraª
ºa≤ª
ä ä ä

2   ≤ª, Punkt oben

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36 Alcman 1a

Frg. 21

ä ä ä
1 ] apª
º ª
ºanqwª
4 º≤anª
ºfula≤ª
ä ä ä

1   Vergrößertes a 2    Die obere Schicht der Fasern fehlt und fehlte vielleicht schon, als die
Rolle beschriftet wurde, denn das a von Z. 3 reicht in den zerstörten Bereich      4   º≤, ºg≥ oder
ºt≥ 5   ≤ª, x≥ª, obwohl ich t nicht ganz ausschließen möchte; z Lobel

Wenn Z. 1 die Überschrift ist, dann sollte in Z. 3 ein Lemma beginnen,


aber Alkman würde anqewn schreiben (vgl. 92b a[nqeoç). Also doch wohl eine
Einleitung nach dem Titel oder Zwischentitel wie in Frg. 4 (ajnqΔ w|ªn ) ?

Frg. 22

ä ä ä
1 ºeli≥aç ≤i≥ª
ºnepeneª
º≤etoupothª
4 ºo≥ paiçanenª
ä ä ä

1   z≥i ≥ª or x≥i ≥ª 3   º≤, ºl≥ oder ºa≥ 4   pai'ç, oder ºe≥paivçan en (?), oder trºo≥paiç anen Haslam

Frg. 23

ä ä ä
1 podª≤º≤ª
rouçaut≥ª
ä
de; çfuª
ä
4 fu≥n≥≤ª
ä
≤u≤ª
ä ä ä

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P.Oxy. XXIV 2389 37

1   º≤ª, Punkt auf der Z.      4   n≥ oder a≥            ≤ª, zwei hohe Punkte, n≥ Lobel, danach ç ?      5   Der
rechte Teil einer Paragraphos, darunter r≥ oder b≥ ?      ≤ª, winziger Punkt oben

Frg. 24

ä ä ä
1 ºk≥alei≥ kª
ºç≥toª
ä ä ä

1   Punkt über e, Tilgung?; i sehr schwach

Frg. 25

Kol. I Kol. II
ä ä ä
ä ä ä 1 d≥ª
ä
1 ºfeç≥i ª
º≤andi aª
º≤hke 4 cª
4 ºo≥n tª
ºç≥oi qª
ºni: ≤ª
ä ä ä 8 tª
ä ä ä

Kol. I 1   f aus o (?) verbessert      2   Nach links aufsteigender Fuß einer Haste, l ?      3   º≤, dicker
Punkt oben, zu wenig rund für r, zu dick für Hastenende eines t 6      oder ºni>
Kol. II 1   Paragraphos unter d≥ª möglich      7   ≤ª, p≥ª oder g≥ª

Frg. 26
ä ä ä
1 º≤ª
ºe≥rdi≥a≥ª≤ºeiç dia≥ª
Rand

1   º≤ª, oberer Teil einer Haste, vielleicht interlinear      2   Vor r, e≥ mit sehr hoher Querhaste mö-
glich      a≥ª oder l≥ª
——
2   di≥a≥ªgºeiç ?

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38 Alcman 1a

Frg. 27

ä ä ä
1 ºçu≥ª
ºhnª
ä ä ä

Frg. 28

Rand
1 º≤lkª
ä ä ä

Frg. 29

ä ä ä
1 ºe
ºçi
ºe
ä ä ä

Frg. 30

ä ä ä
1 º≤≤qeª
º≤hç≤ª
ºtoio≥ª
4 º≤ª
ä ä ä

1   º≤≤, Reste einer Senkrechten, gefolgt von einem Punkt auf der Z.      2   º≤, ºt≥ oder ºg≥ ≤ª, p≥ª
oder ç≥ª 3   o≥ª, auch r≥ª möglich      4   º≤ª, oberer Teil einer leichten Rundung, p≥ ?

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Frg. 31

ä ä ä
1 º≤i≥ça≤ª
ºqhkenª
ºo≥u≥ª≤≤ºh≥ª
ä ä ä

1   º≤, n ?      ≤ª, Punkt auf der Z.      2   Über dem e Punkt unbekannter Bedeutung, von interli-
nearer Eintragung oder Tilgung      3   Oder ºt≥o≥ª

Frg. 32

ä ä ä
1 ºdefa≥ª
ºauxhp≥≤ª
ga;rª 2. Hand
ºatamenthª
4 ajºkouvein mouça≥ª
ºm≥wteraª
º≤ahdonoç≤ª
º th'ç melopªoi
8 º k≥ai wJç tovte o≥ª
ºçeir≤≤aç≤ª
º≤ª
ä ä ä

2      ≤ª, Fuß einer Senkrechten            5      Der rechte Teil des m scheint zu a verbessert worden zu
sein      6   º≤, g≥i ≥ oder t≥i ≥ ≤ª, p≥ª≥ möglich      9   r≤≤, ra≥i ≥ möglich wie rh≥n≥ ≤ª, u≥ª oder c≥ª ?      10
≤ª, Spuren einer Senkrechten
——
5   possis ajoidiºm≥wtevraªn

9    Falls hier Çeirh≥n≥aç steht, könnte es sich um einen Kommentar zu den


V. 95ff. handeln (vgl. zum folgenden Frg.).

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40 Alcman 1a

Frg. 33

ä ä ä
1 º≤hç ajrcwª
ºn oiJ de; uJperboª
tºh;≥n eijkaçivan de≤ª
4 ºmouçh≥çhçª
ºo≥ç≥ª
ä ä ä

1   º≤, Winziger Punkt im oberen Bereich der Z.      3   ≤ª, Fuß einer Senkrechten
——
2   possis uJperboªlikw'ç 4   possis º Mouvçh≥ç hçª, sed participium quoddam veri simile est

Vielleicht gehören Frg. 32, 3-9 und 33, 1-5 doch eng zusammen:

ga;rª 2. Hand
ºata me;n thª
4 ajºkouvein Mou'ça≥ªn ajºf≥Δ h|ç a[rcwªntai
ajoidiºm≥wtevra ªga;r h\ºn oiJ de; uJperbo≥ªlh'/
º≤ ajhdovnoç pªoiºei'n eijkaçivan dei'≥ªn
ajpo;º th'ç melopªoivouº Mouvçhç h≥ç≥ª
8 º k≥ai wJç tovte o≥ª
º Çeirhv≥n≥aç ≤ª

Die Einen sagen, man müsse nämlich die ... als Muse verstehen, mit der sie
anfangen wollen, denn sie war besser im Gesang. Die Anderen aber (sagten)
mit Übertreibung, man müsse anstelle der Nachtigall einen Vergleich mit der
liederschaffenden Muse anstellen, die ...

Zu Z. 4 vgl. h. 25, 1 Mouçavwn a[rcwmai, Hes. Th. 36; zu 7 vgl. Aristoph.


Thesm. 41-42 qivaçoç Mouçw'n ... melopoiw'n; siehe auch Platon, Kratylos 401B ajfΔ
ÔEçtivaç ajrcawvmeqa.

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P.Oxy. XXIV 2389 41

Frg. 34

ä ä ä
1 º≤≤wª
ºoçtrato≥ª
ºo≥ çunª
º≤≤≤≤ª
ä ä ä

1   º≤≤, ºg≥r≥ oder ºt≥r≥

2    Es kann sich wohl nur um einen Namen handeln; möglich sind etwa
Filºovçtrato≥ª (Gelehrter in Alexandria vor dem 2. Jh. n. Chr., dessen Werk sich
allerdings wohl besonders mit Plagiaten bei Sophokles beschäftigte; vgl.
LGGA s. v.) oder Nikºovçtrato≥ªç (Sohn des Menelaos und der Helene; vgl. He-
siod Frg. 175 Merkelbach-West).

Frg. 35 = Frg. 11 PMG


Lobel veröffentlichte dieses Frg. als Teil desselben Papyrus, von dem die
vorhergehenden Frg. stammen. Allerdings ist die Identität der Hände trotz
ihrer großen Ähnlichkeit sehr zweifelhaft (siehe dazu die Einleitung oben).
Dass der Text dasselbe Parthenion kommentiert, ist wohl auszuschließen.
Keines der erkennbaren Lemmata sind in Alkman 1 erhalten und ihr Metrum
ist ein anderes als in Alkman 1. Anscheinend handelt es sich bei dem kom-
mentierten Text aber um ein Parthenion (siehe Z. 1, 9-10 und 18).
Die jetzige Anordnung der 9 Einzelfragmente beruht auf der ingeniösen
Zusammensetzung der Frg. c, b und e durch Barrett, der den von Lobel be-
obachteten Verlauf der Fasern dabei nicht vernachlässigte. Die alte Bezeich-
nung der Frg. ist beibehalten.

Kol. I

(a) Rand
1 º≤parçenª
ºwidaidª
º≤ç eijçªh'ºktai ejn Pitav<
4 ªnhi º≤≤h≥ª≤≤ºun ga;r ejpi
º f≥(hçi;) d≥(e;) Dumai<
ªn< º≤≤n tan

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42 Alcman 1a

º≤ç d(e;) ta;ç Mouv<


8 ªçaç º≤e≥nthç k(ai;)
ºtaç parqev<
ªnouç ºogouª≤º
º( )ª
ä ä ä
(c) (b)+(e) ä ä ä
12 ]( )
]
]
ä ä ä ºutoufa<
16 ª≤º≤≤ª º≤ouç≤ª≤≤≤ºl≥akiç d(e;)
ªDºumainª< ºkonto eªijçº t(h;n) Pitav<
ªnºhn çu≤ª tºai'ç Pita≥n≥avtiçi
ä
ª ejºpevwn ª º≤xate ·k(ai;)‚
20 ª≤ºa≥ie·n‚EhDproª º≤çai ejn t≥ªh'iº
ªPiºtavnhi ç≤ª ºt≥açard≥ª
ª≤ºn ta;ç euJªrºevçeiç ª tºou;ªçº u}mnouªçº
(d) k(ai;) ta; e[pªh ºt≥e to; mevloªç k(ai;) th;ºn≥ levxin
ä
24 ejpevwn p≥ªteroevntwºn wJç ”O≥mh≥(roç) e[pea pterove ≥ªntaº
ä
ka[ma paªivgnia paºr≥çevnwªnº mavliªçºtΔ ajeivçat≥ªeº
aeiçieª ºt≥oçh'ª≤ºh≥otia≤ª
aeiçtaçepª ºhçai≤ª
28 reçceçqeª ºwmeª
ä
to; ajeivçate≤ª ºn≥ª
akaimeupª a[i-º
çate mavl≥ªiçta
32 ≤≤ª≤≤º≤≤( )ª
ä ä ä

1   º≤, Senkrechte      3   º≤, Reste einer Rundung, w ?      4   º≤≤, ºe≥i ≥ möglich      5   ]f≥  vd≥  v Pap.      6   º≤≤,
Fuß einer Senkrechten, dann e≥ 7   º≤, Punkt auf der Z.       8   º≤, ºa≥ oder ºl≥ oder ºc≥ 16   º≤,
winziger Punkt unten; ≤ª, Fuß einer Haste, die leicht unter die Z. geht            18      ≤ª, Senkrech-
te      19   Am Anfang der Z. Rest der Paragraphos; º≤, Senkrechte, r oder g; am Ende k verbes-
sert aus e ?      20   º≤, Senkrechte      21   Nach d≥ª nicht mehr als zwei Buchstaben      26   ºt≥, auch
ºg≥ möglich; Bogen über h, Circumflex ?      a≤ª, an möglich, ajn(ti;) ªtou' ?      27   aeiçtaçepª Lobel;
aeiçatepª per errorem Page, Calame, Campbell, Davies      29   ≤ª, m≥ª möglich
——

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P.Oxy. XXIV 2389 43

3   ei[çªhºktai Lobel; eijçªh'ºktai Barrett 4   nºu'n ga;r ejpi Lobel 3-4   ejn Pitav⁄ªnhi Lobel; cf. 17-
18, 18, 20-21 5   f≥(hçi;) d≥(e;) Lobel 19   ejxavrxate ?      21   ≤ª, Punkt auf der Z.; ta; Çardª vel
ta;ç ΔArdªalivdaç possis Lobel 24-25   construxit Barrett 24   p≥ªterwtw'ºn Lobel, sed brevius
spatio 25   paºr≥çevnwªnº excludit Lobel, defendit Barrett 27-28   pªaºrevçceç qeª vel çce çqeª pos-
sis Lobel 29   ajeivçate m≥ªavliçta possis Lobel; cf. 30-31

Mädchen ... wird zusammengeführt in Pitane ... er sagt aber „Dymainai“ ...
die Musen (Akk.) ... die Mädchen (15) oft aber kommen (?) die Mädchen aus
Dymaine nach Pitane ... mit den Mädchen von Pitane ... „der Worte“ ... in Pi-
tane ... die Mädchen von Atarnis (?) ... die Wortfindung ... die Lieder und die
Worte und die Melodie und den Ausdruck (alle Akk.). Der geflügelten Wor-
te wie Homer „geflügelte Worte“. Und meine Mädchenspiele singt vor al-
lem ... singt ... singt ... besonders

1    Anscheinend Lemma.
3 corºo;ç eijçªh'ºktai Calame mit Hinweis auf Aristophanes, Acharner 11,
wo ein Chor des Theognis mit diesem Wort eingeführt wird, aber hier sind
wir in Pitane und nicht im Theater.
5    Die Abkürzung f≥  vd≥  v für f≥(hçi;) d≥(e;) ist nicht gewöhnlich (vgl. McNamee
1992, 103-104), und die Interpretation der Zeichen mag nicht zutreffend sein
(auch Lobel hatte Zweifel).
6    º≤≤n tan möglicherweise Lemma, wieder aufgenommen im Kommen-
tar in Z. 8, aber die Spuren jeweils vor dem n scheinen dagegen zu sprechen
(so auch Lobel).
16-18    Barrett schlägt etwas kühn für diese Z. vor (S. 687): p≥ªolºl≥avkiç d(e;)
⁄ ªDºumainªw'n parqevnoi ajfivºkonto eªijçº t(h;n) Pitav⁄ªnºhn çug≥≥ªcoreuvouçai tºai'ç
Pita≥n≥avtiçi. Es scheint kein Zweifel zu bestehen, dass hier von den Mädchen
aus Pitane die Rede ist, welches einer der vier, später 5 Wohnhügel (wjbaiv)
von Sparta war. Die Mädchen gehören also zu dem bestimmten Stadtviertel
Pitane. Die Dymanes auf der anderen Seite waren die Angehörigen eines do-
rischen Stammes, definiert nicht durch ihre Zugehörigkeit zu einem Stadt-
viertel, sondern zu einer Phyle. Der Kommentator könnte diese verschiede-
nen Gruppen, auf deren Organisation und Vermischung, aber eben nicht
Trennung, der spartanische Staat beruhte, durcheinandergebracht haben. Es
könnte aber auch sein, dass sich hier ein Verständnis spiegelt, das auch bei
Hesych greifbar ist und das durchaus der historischen Situation nicht gerecht
wird: Duvmh: ejn Çpavrth/ fulhv, kai; tovpoç, also doch eine Überschneidung von
lokaler Bezeichnung und Stammeszugehörigkeit. Vgl. Calame 1977, 382-385;
Id. 2001, 219-220; zu dem historischen Hintergrund siehe M. Meyer, Aristo-
kraten und Damoden, Stuttgart 1989, 290-292.
In dem anderen Kommentar zu Alkman, P.Oxy. XXIV 2390 (⇒ 2) ist viel-
leicht von einem Chor der Duvmainai die Rede (Frg. 2, Kol. II 25). Eine Z. da-
vor wird eine fulhv von ºntidwn erwähnt, wobei t und i gepunktet sind. Mö-

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44 Alcman 1a

glicherweise ist dies eine verschriebene und notdürftig korrigierte Schrei-


bung von Pitaºnatidw'n. Lobel fragt jedoch zu Recht, ob eine fulhv durch ihre
weiblichen Mitglieder definiert werden könnte, aber hier geht es nur um die
Zugehörigkeit, nicht eine Definition.
Die Duvmainai spielen auch eine Rolle in Frg. 5, 4 von Alkman Frg. 4 Page,
wo sie wie in Euphorion, Frg. 47 Powell, filoplovkamoi genannt zu sein schei-
nen. Siehe auch P.Oxy. XXIX 2506, frg. 5 Kol. II 8-9 (⇒ 9).
19    Wenn die Ergänzung richtig ist, sollte es sich hier um dasselbe Lemma
handeln wie in 24. Für ªejºpevwn ª dürfte allerdings die Z. nicht ausgerückt sein.
21    Das von Lobel vorgeschlagene ΔArdalivdeç ist zu lang für das Zeilen-
ende, und müsste abgekürzt worden sein. Aber der Übergang zum Anfang
der nächsten Z. ist mehr als fragwürdig, und wenn nicht die Ergänzungen zu
den Lemmata in 24 und 25 so überzeugten, würde man Barretts Zusammen-
setzung der Fragmente doch anzweifeln.
22-23        Die Z. scheinen von der Komposition des Liedes zu handeln.
Eu{reçiç und levxiç sind Schlüsselwörter der literarischen Produktion, die auch
Lyriker verwenden. Alkman selbst hat die Begriffe e[ph und mevloç offensich-
tlich als kontrastierende Teile eines Ganzen gesehen, die gefunden werden
müssen (Frg. 39 Page): e[ph dev ge kai; mevloç ΔAlkma;n ⁄ eu|re geglwççamevnan ⁄
kakkabivdwn o[pa çunqevmenoç.
Calame vergleicht den Beginn von Pindars 3. Olympischer Ode, wo der
Dichter von der ejpevwn qevçiç spricht (V. 8).
In den beiden Z. des Kommentars scheinen mevloç und u{mnoi, und e[ph und
levxiç zu korrespondieren. Wie sie an das Vorhergehende angeschlossen sind,
ist nicht ersichtlich. Die Lieder von lyrischen Chören konnten u{mnoi genannt
werden (cf. Calame 1977, 145-147; Id. 2001, 74-76).

Frg. 35(f)

ä ä ä
1 ºfª
ºhnt≤ª
º ª
4 º≤≤≤ª
ä ä ä

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P.Oxy. XXIV 2389 45

Frg. 35(a) + (h)

Kol. II
ä ä ä
1 ª
ª
/a≥ª
ä ä ä
ä ä ä

12 irª
w≥ª

ä
ouª
ä ä ä

In den Z. 11-12 und 15 scheinen Lemmata zu stehen, da die Z. ausgerückt


sind.

Frg. 35(h)
Das Fragment scheint den linken Zeilenrand zu haben und kann daher
nicht rechts von Frg. (e) gehören, könnte aber unter Frg. (e) stehen oder über
Frg. (g) Wahrscheinlich sind dies die Zeilenanfänge der Kolumne von Frg. (g)
und (i) (siehe macª in Z. 3).

ä ä ä
dwnª
wçaçª
maci≥ª
ä ä ä

Frg. 35(g) + (i)


Die Fragmente wurden von Barrett zusammengefügt. Es scheint um die
streitbaren Einwohner verschiedener Landschaften, und um Orte mit dem
Namen Chalkis zu gehen. Theopomp (Z. 20) und Homer (Z. 23) werden als
Autoritäten angeführt.

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46 Alcman 1a

ä ä ä
ºd(e;) mavcimoi ª º
ΔIwnªivºai k(ai;) ejn Qeççaªli;ai Moº<
ä
16 loççoi; d(e;) th'ç ΔHpeivr≥ªou
ª≤≤º Cavonaç Qeçprwªtou;ç Kaççwº<
pa≥iv≥ouç oiJ de; Calkªidei'ç
eijçi de; kai; ejpi; Qravikhªç
20 Q≥eopom(p< ) e[çti k(ai;) Aijtwªl< oiJº
g(a;r) Aijtwloi; pavnteç ª
th'ç Aijtwlikh'ç Calkªivdoç
ei levgw(n) Calkivda tΔajgªcivalon Calkiº<
24 dei'ç ªtoºu;ç ejn E≥ujboivai ª
ä ä ä

14      ªh\çanº d(e;) mavcimoi ªouj movnoi ou|toi, ajlla; k(ai;) oiJ ejn Barrett, sed spatio longius, ut vide-
tur      16   pavlai kateçtrevyan⁄toº Barrett      17   suppl. Lobel; in lacuna ΔOrevçtaç dubitanter suppl.
Barrett      18   suppl. Lobel      19   suppl. Barrett; ejpi; Qravikhªi Lobel      20   Aijtwªlivaç Lobel;
Aijtwªl< Barrett      21   ªeijçi mavcimoi. tauvthç d(e;) suppl. Barrett      22   suppl. Lobel      22-23   
”Omhroç (iam Lobel) mnhmoneuvº⁄ei Barrett      23   suppl. Lobel      tou;ç d(e;) Calkº⁄dei'ç proposuit
Barrett      24   suppl. Lobel

kämpferisch (Plur.) ... in Ionien und Thessalien ... die Molosser (Nom.) aber
in Epirus ... die Chaonen, Thesproten ... und Kassopaier (alle Akk.). Die Leu-
te aus Chalkis aber ... es gibt (sie ?) auch in Thrakien ... (nach) Theopomp gibt
es auch ... Aitolisch ... Denn die Aitoler sind alle ... [Das erzählt Homer], der
sagt „Chalkis am Meer“ ... die Leute aus Chalkis auf Euboia ...

15    Es gibt auch eine Stadt Chalkis in Ionien; cf. Strabo XIV 1, 31.
16-17    Nach Theopomp gab es 14 Stämme im Epirus (zitiert bei Strabo
VII, 7, 5; FGrHist 2b 115F); die Chaones und die Molosser waren die ejndoxov-
tatoi. Es sieht aber so aus, als ob Theopomp hier eher über die Chalkidike in
Thrakien als Gewährsmann herangezogen werde (19-20).
22-23    Dionysius nennt in der Periegesis ein Chalkis, das in Aitolien liegt
(496); cf. den Kommentar zur Stelle von K. Brodersen, Dionysios von Alexan-
dria, Das Lied von der Welt, Hildesheim 1994.
Calkivda tΔ ajgªcivalon Ilias II 640; auch hier ist das aitolische Chalkis ge-
meint; cf. Strabo X 1, 9.
24    Eustathius, in Dion. periegesin 473 Bernhardy sagt, dass die Einwoh-
ner von Chalkis in Euboia poli'tai ajndrei'oi iJçtovrhntai.

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1b

P.Oxy. XLV 3210 saec. Ip

Kommentar zu Alkman ?

Prov.: Oxyrhynchus.
Cons.: Oxford, Sackler Library, Papyrology Rooms.
Ed.: HASLAM 1977, 6-12.
Tabb.: P.Oxy. XLV (= HASLAM 1977), II; www.papyrology.ox.ac.uk.
Comm.: MP3 0084.1; LDAB 182.

E. Lobel hatte die Zugehörigkeit dieser 10, zum Teil sehr kleinen Frag-
mente zu den Stücken der Rolle P.Oxy. XXIV 2389, Frg. 1-34 (⇒ 1a) schon er-
kannt. Die Hand ist dieselbe1, doch bieten diese Fragmente größere Schwie-
rigkeiten bei der Lesung, weil viele Buchstaben stark abgerieben sind. Die
Multispectral Images, die R.T. Macfarlane und G.A. Ware von der Brigham
Young University in Provo, Utah, USA, für mich herstellten, haben die Le-
sung kaum erleichtert2. Von vielen Buchstaben erscheinen auch auf diesen
Photos nur unsignifikante Reste. Eine genaue Beschreibung der Tintenspu-
ren erübrigt sich und wird hier nur für solche Stellen gegeben, an denen Text-
vorschläge von M. Haslam gemacht wurden; das Original bietet nicht mehr
an Klarheit als das Photo im Internet.
Die Lesung des Namens Sappho in Frg. 1, 9 ist sicher (weniger sicher in 1,
12). M. Haslam sah in Frg. 2, 6 die Möglichkeit, zu Archidamus zu ergänzen,
und damit auch einen Bezug zu Alkman herzustellen. Das spartanische
Geschlecht der Eurypontiden brachte mehrere Herrscher dieses Namens her-
vor, vgl. die Königsliste bei Herodot VIII 131. Ein Leotychidas ist in Kom-
mentar zu Alkman, P.Oxy. XXIV 2390 ⇒ 2, in Frg. 2, Kol. II 14 und 19 als Kö-
nig der Spartaner erwähnt. Die Erwähnung des spartanischen Königs ist das
einzige Indiz für die Zugehörigkeit der Fragmente zu einem Alkmankom-
mentar. Da wir von der Hand desselben Schreibers auch einen Kommentar
zur Ilias besitzen (s. P.Oxy. XXIV 2397), kann es sich hier sehr wohl auch um
einen Kommentar z. B. zu Sappho handeln, der einen kurzen Ausflug zu Alk-
man und in die Poesie Spartas unternimmt. Weitere Themen des Kommen-
tars bieten nicht mehr Anhaltspunkte: in Frg. 1 geht es anscheinend um Vo-

1
Siehe oben die Einleitung zu ⇒ 1a.
2
Ihnen sei trotzdem für die Mühe, auch diesen Papyrus aufzunehmen, herzlich gedankt.

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48 Alcman 1b

kale und Konsonanten, in Frg. 2 vielleicht um verschiedene Schreibungen in


den verschiedenen Dialekten; in Frg. 3 ist Askalaphus erwähnt (oder eine
Eule?); Frg. 5 bietet kºulindroª als einziges signifikantes Wort, das aber nicht
weiterführt.

Frg. 1

Kol. I

ä ä ä
1 º≤≤≤t≥i ≥
º≤≥n≥a
º≤ar≤
4 º≤i≥ode
º≤nia≥
º≤ª≤≤ºwi
º≤≤ª≤ºka
8 º≤≤≤elq≤ª≤º≤h
º≤≤ Ç≥apfw; ª≤º≤ç≥e ≥
º ote dia≥ due≥i ≥n≥ f≥w≥nhen
º≤≤≤≤mfwnaE≤≤Dlhvgei
12 ]x≥e ≥i ≥d≥≤≤≤ Ç≥a≥p≥f≥w; dia;
]en≥twn e≤ çuvmfwnon
º≤≤n≤≤≤≤≤ª≤º≤≥e≤≤p≥r≥a
º≤≤≤≤er≥≤≤≥ou≥≤niça≥r≥h≥t ≥e ≥on
16 º≤≤≤hç≥ f≥hçin o{ti para; to;n
º≤≤≤≤≤E≤≤Dª≤≤º≤≤≤ei≥th≤
ºk≥o≥nrª ºa
]wç≤ª
20 ]d≥o≥x≤ª
º≤≤pª≤≤ºa≤≤ª
Rand?

Von Kol. II gibt es winzige Schriftspuren einzelner Z.

3   º≤, Senkrechte      ≤, d≥ oder a≥ ?      6   º≤, Haste unter der Linie, f≥ oder r≥ ?      8   º≤≤, zwei Senk-
rechte unter der Linie      ≤ª, Senkrechte      º≤, d≥ oder l≥ 9   º≤≤≥, zwei Punkte, der zweite unter
der Z.      º≤, Senkrechte      11   º≤≤, schwache Spuren, wohl nicht d≥e (Haslam); danach ç≥u≥mfwna
möglich      14   º≤≤, d oder l, dann runder Buchstabe; nach n≥ schwache Spuren von zwei oder

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P.Oxy. XLV 3210 49

drei Buchstaben, dann a, l oder d; am Ende p≥r≥a eher als ç≤≤a (Haslam)      16   Spuren von min-
destens zwei Senkrechten
——
12   lhvºx≥e ≥i ≥, vel levºx≥e ≥i ≥ Haslam      13   fwnhºevntwn e}n çuvmfwnon Haslam      15   peri;≥ t≥ou' k≥ni'ça
rJhtevon ªo{ti Haslam valde dubitanter      16   º≤≤≤hç finis nominis grammatici cuiusdam esse pot-
est (Haslam)

10-13    Wie M. Haslam schon feststellte, geht es hier anscheinend um Vo-


kale und Konsonanten, ohne dass eine klare Linie erkennbar wird.
10-11    dia; duei'n fwnhevn⁄ªtwn „with two vowels“; 11 çuvmfwna lhvgei „ends [in
x ?] consonants“ Haslam mit Diskussion einer Stelle in Hephaistion (Ench. I 3 S.
2 Consbruch) über Positionslängen mit einem Zitat aus Alkman (PMG 15).

Frg. 2

ä ä ä
0 º≤ª≤º≤ª
1 º≤≤≤≤≤h≥≤≤p≥anª
º≤≤çku≥ª
º≤≤≤≤≤ª≤º≤n≥≤a≥≤dam≥ª
4 ºta≤en≥≤≤≤≤ª≤º≤≤ª
º≤ª ºta≤ª
ºarcidª
º≤≤≤ª≤≤≤≤º≤≤ª
8 º≤≤≤≤ª≤º≤ª≤≤º≤ª
ºt≥h≤≤≤≤≤≤≤thn gaª
ºa≥tert≥≤≤≤( ) E≤ª ≤gºravfeçqaiD g≥ravfeçqai ª
ºuqwç ejçtin ga;r oª
12 ºiçfai≥romo≤ª
º≤≤o≥≤ª
ºeiç kaqa≤ª
ºfatoç≥p≥ª
16 º≤≤i eiç h ª
º≤çu;n twª
º≤ª ºa≥iandeª
º duvnatai p≥aª
20 º≤≤anhg≥≤ª
ºeideçª

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50 Alcman 1b

º≤nqi≥ª
º≤≤≤qeian am≥≤≤≤ª
24 º≤eç≤≤≤u≥çfwª
º≤≤≤≤wçewçf≤ª
ºdEoiD≤≤≤≤≤ª
ºarEe≥Dia≤ª≤≤≤º≤≤≤≤ª
Rand

2   eke≥ª Haslam, çkoª möglich ?      3   Unsignifikante Buchstabenspuren; Haslam: „I have reject-


ed the more suggestive alternatives to Arcidamª (Lewtucivdan, ÔIppokrativdan, pai'da, etc.), but I am
not altogether convinced that Arcidamª is compatible with the traces“            4      en≥ : ek≥
Haslam      9   ≤≤≤≤thn : p≥ar≥a≥ thn Haslam      12   ºiçfai≥rom≥i≤≤ª Haslam; Spuren von Schrift über
der Z. (t≤≤)      23   º≤≤≤, Senkrechte, einzelner Punkt in der Mitte der Z. und kurze Schräge rechts
oben            al≤≤≤ª : men≤ª Haslam            24      º≤eç≤≤ : º≤h≥eç≥ç≥a≥ Haslam            25      º≤≤≤≤ : ºr≥c≥e ≥ç≥e
Haslam      26   ≤≤≤≤≤ª, h≥klwª≤º≤ª möglich
——
10   a[ter tou' i — (or h— or e —) gravfeçqai Haslam dubitanter      11   (ajn)akoloºuvqwç Haslam dubitan-
ter      oJ ªlovgoç Haslam      16   a—i— eijç h— Haslam dubitanter      20 panhguªr Haslam      23 eujqeivan,
vix orqeian 25      ºrce≥ç e≥wç ewçfo≥ªr- vel ºrce≥çe≥wç ewçfo≥ª Haslam            26      vix apalw
(Haslam)      27   bºarei'an ªtavºçin „grave accent“ Haslam

6    Zu Archidamus, der offensichtlich hier erwähnt wird, s. unten in ⇒ 2.


12    çfairom≥or Haslam dub. per litt.
25    e{wç eJwçfo≥≥ªr- „bis Morgenstern ...“ Haslam.

Frg. 3 (nach Haslam wohl über Frg. 4 zu plazieren).

Kol. I Kol. II
Rand 2. Hand ≤≤hrª
eika≥l≥o≥ª
1 1. Hand ºqaih 1. Hand º≤eçtª
º≤atonaª≤≤ºE≤D menoupª
º≤utamen ajçkavlaf≥ª
4 ºpeª≤≤º≤≤≤≤≤ª≤º t≥inaª
º≤ fhç≤ª
º≤≤≤toç ª º
ºmaceçqai a≥ª
8 ºb≥ª ≤ª
ä ä ä ä ä ä

I 5   º≤, runder Buchstabe      6   levºg≥ontoç Haslam


II   Unter eika≥l≥o≥ª eine Z. Zwischenraum

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P.Oxy. XLV 3210 51

II 3    Die mythische Figur Askalaphos, Sohn des Ares und der Astyoche,
der vor Troja kämpfte und von Deiphobos getötet wurde (Il. XIII 518ff.); er ist
auch einer der Argonauten und Freier Helenas (Apollodor I 113; III 130; Hyg.
Fab. 81). Oder der Dämon der Unterwelt, Sohn des Acheron und der Gorgy-
ra (oder der Nymphe Orphne), der bezeugte, dass Persephone dem Pluto ge-
höre. Persephone (Ovid, Met. V 539ff) oder Demeter (Apollodor I 33) ver-
wandelten ihn in eine Eule, als Herakles den Stein hob, unter dem Askala-
phos lag. Bei Aristoteles, HA. 509a21 wird ein Vogel mit diesem Namen er-
wähnt.

Frg. 4

Kol. I Kol. II

ä ä ä
1 ºhmeiç ª
ºkeinoi qª
º≤çe≥ ta≥ª
4 º≤≥ot≥ª toª
ºy≥eud≥ª tª
º ª
º≤ ª
8 º ª
º ª
ºr≥ ª
ºwi ª
12 º oª
º t≥ª
º ª
º ≤ª
ä ä ä

I 5   y oder f d oder l 10   Nur Unterlänge des r


II 14   Hoher Bogen, wohl o

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52 Alcman 1b

Frg. 5

ä ä ä
1 ºe≥≤ª
º≤ª
º≤o≥≤r≥ª
4 º≤ª
º≤≤≤oª
º≤ª≤≤º≤≤ª
º≤eo≥rat≤ª
8 ºulindroª
ä ä ä

1      ≤ª, winzige Spur auf der Z.            2      Zwei Senkrechte            3      Spuren oben            4      Spur un-
ten      5   Winzige Spuren unten      6   Am Anfang Spur unten, dann Spuren oben      7   eher o≥
als q≥

Frg. 6

ä ä ä
1 º≤≤ª
ºfai≤≤ª
ºrhteiª
4 ºoniçaª
ºin≤ª
º≤≤ª
º≤≤≤≤nª
8 º≤≤ª
ä ä ä

Alle Spuren sehr schwach; in Z. 7 vielleicht ºd≥

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P.Oxy. XLV 3210 53

Frg. 7

ä ä ä
1 ºr≥ª º ª
ºnª º ª
º ≥onª º ª
4 º ª
ºp≤≤ d≥ª
ä ä ä

3   º≤, winziger Punkt oben

Frg. 8

ä ä ä
1 ºpeª
ä ä ä

Frg. 9
ä ä ä
1 º≤a≥ª
º≤ka≥ª
ä ä ä

1   º≤, Punkt unten

Frg. 10

ä ä ä
ºi≥e ≥ª
ä ä ä

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2

P.Oxy. XXIV 2390 saec. IIp

Kommentar zu mindestens zwei Liedern Alkmans und Liedern anderer Au-


toren (?)

Prov.: Oxyrhynchus.
Cons.: Oxford, Sackler Library, Papyrology Rooms.
Edd.: LOBEL 1957, 49-69; PAGE 1962, Nr. 5; CALAME 1983, Frg. 1 a-e Nr. 79, S. 100-101;
Frg. 2 Nr. 80 und 81, S. 102-107; Frg. 30, Nr. 280, S. 203; CAMPBELL 1988, Nr. 5, S.
388-395; DAVIES 1991, Nr. 5, S. 49-53.
Tabb.: P.Oxy. XXIV (= LOBEL 1957), pl. VII-IX; CPF IV 2, pl. 186 (Frg. 2); www.papyro-
logy.ox.ac.uk.
Comm.: MP3 82; LDAB 185
Zu allen Frg.: CALAME 1983, 428-454.
Zu Frg. 2, Kol. I 13-22: DAVISON 1961, 32-34; WEST 1965, 189; HARVEY 1967, 62-73;
WEST 1992, 1-9.
Zu Frg. 2, Kol. II 22ff.: MOST 1987, 1-19; umfangreiche Bibliographie zu Frg. 2, Kol.
II 22 ff. bei FUNGHI-MOST 1995, 3-4; seitdem: STEINER 2003, 21-30; FERRARI 2008, pas-
sim.

Was von dieser Rolle übrig blieb, ist in 50 Fragmente zerfallen; die runde
Schrift zeigt wenig Formalität bei großen Schwankungen der Buchtaben-
größe und -formen. Charakteristisch ist das Epsilon mit vollkommen selb-
ständigem Mittelstrich und das in einem Zug geschriebene, geschwungene
Ypsilon, das neben der eckigen, nach oben offenen Form gebraucht wird. Der
Tintenfluss ist nicht ganz professionell von dem Schreiber kontrolliert, so
dass manche Z. geradezu verschmiert aussehen, andere hingegen eine ge-
spaltene Feder verraten. Einige der Fragmente mögen einer anderen Rolle
angehören.
Als Zeichen erscheinen die „forked paragraphos“ an den Stellen, an de-
nen Lemmata eingeführt werden,1 und die Paragraphos bei Sinnabschnitten;2
dazu gehören in beiden Fällen Spatien in den Z. Eine Koronis weist wahr-

1
In Frg. 2 II nach Z. 13, 22, III nach Z. 20, 21 und 25 sowie in Frg. 14 nach 1, 2 und 5; Frg. 19 nach
3; Frg. 33 (d) nach 5 und 6; Frg. 45 (b), nach 1 und 3; Frg. 49 Kol. II nach 12.
2
Sicher in Frg. 2 III nach Z. 8; in III nach Z. 3 würde man wohl eine „forked paragraphos“ er-
warten, da hier ein Lemma zu beginnen scheint; Fehler des Schreibers?

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P.Oxy. XXIV 2390 55

scheinlich auf den Beginn eines Kommentars zu einem weiteren Lied hin
(Frg. 2 II nach Z. 22). An Abkürzungen werden, wie oft in Kommentaren (vgl.
z. B. P.Oxy. VIII 1086), gebraucht: m  v = mevn3, É = e[çtin4, t  v = tw'n, J = ai5, wäh-
rend kaiv und gavr anscheinend fast immer ausgeschrieben sind.6 Iotazistische
Schreibungen erscheinen an mindestens zwei Stellen: oioni; für oionei; (III 8
und 15).
Ein größerer Textzusammenhang ließ sich nur im Bereich des Frg. 2 mit
den Kol. II und III herstellen, wo nun hintereinander jeweils 29 Z. zu lesen
sind. Am linken Rand der Kol. II steht nach Z. 22 die Koronis. Die an dieser
Stelle einsetzende Kommentierung eines Liedes des Alkman, das als kosmo-
gonische Allegorese interpretiert wird, ist von Most 1987 zum ersten Mal ver-
standen und dann von Funghi-Most 1995 wiederum eingehend erklärt wor-
den. Ihr Text wird hier wieder abgedruckt.

Weniger Aufmerksamkeit als dem „kosmogonischen Lied“ und seiner


Kommentierung ist bisher den Zeilen davor geschenkt worden, von den Frg.
1a-1e bis Frg. 2 Kol. II Z. 22.

Frg. 1a-e
Lobel vermutete, dass die Fragmente 1a-e irgendwie nahe zueinander ge-
hören; seine Frg. 1a und b sind heute zu 1a vereinigt, wohl doch nicht zu
recht, denn 1. entsteht so eine Kol. von nur 19 Z. (in Frg. 2 haben wir 29 Z.),
und 2. gibt es an der Bruchstelle zwischen den beiden Frg. Tintenspuren, die
zu verschiedenen Z. zu gehören scheinen. Ich drucke daher die Frg. wieder
so wie bei Lobel; dass die beiden Stücke zu derselben Kol. gehören könnten,
hatte auch Lobel gesehen.

1a    Es sieht so aus, als ob das hier kommentierte Lied die Dioskuren be-
sänge und im Zusammenhang damit auch die Leukippiden. In Z. 3 und 7 ist
Polydeukes erwähnt, in Z. 5 vielleicht Kastor. Etwas „der Schwesten“
(kºa≥çignhtw'n Z. 11) könnte den Leukippiden gehören (siehe auch Frg. 1c); das
Lemma stünde in Z. 10. Die Leukippiden Foivbh und ÔIlaveira sind auch Ge-
genstand des Kommentars in P.Oxy. XXIV 2389 Frg. 4 (⇒ 1a). Für die Erwäh-
nung einer kriegerischen Auseinandersetzung könnte Z. 8 e[blayen sprechen.

3
In Frg. 2 Kol. III 14
4
In Frg. 2 Kol. II 24; 3, 3 (?) und 7; 30, 2, vgl. McNamee 1992, 17-18.
5
In Frg. 1c 2 und 3.
6
kaiv ist abgekürzt in Frg. 34, 10 mit kºJ.

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56 Alcman 2

Frg. 1a
Kol. I Kol. II
ä ä ä
º ª
1 ä ä ä lo≥≤≥ª
º≤≤≤ª≤≤≤≤≤º oi≤ª
ºou Poludeu≥< oª
4 ºrcaç ode≥xo ä ä ä
ºwr e[wç tou'
º oç ≤≤h≥nexo
ºg≤ ajpefeu<
8 º≤≥e[blayen
Pºo≥ludeuvkhç
ºnhtan ça
º≤ç≥i ≥gn≥ht  v
12 º≤≥aiçth
ºau≥ta≥
ä ä ä

1   ≤ª, vielleicht n            2   º≤≤≤ª, ºa≥g≥r≥ª möglich      ≤ª, am ehesten o≥ª            6   ≤≤, oberes linkes Ende ei-
ner schrägen Haste, danach Punkt auf der Mitte der Z.      7   ≤, h möglich, das von Lobel vor-
geschlagene g≥a≥r≥ wohl zu breit      8   º≤≥, Teil einer leicht nach rechts gebogenen Schrägen im obe-
ren Bereich der Z., r ?      11   ≤, a sehr gut möglich      12   º≤, Punkt unten

Polydeukes ... der aber [ ] bis [ ] ... entfloh ... verletzte (3. Sing. Akt.) ... Poly-
deukes (Nom.) ... der Schwestern (?) ... Schwestern (?)...

4-6    Vielleicht oJ dΔ ejxoª, (oder oJ dΔ ejx oª; nicht dexo, vgl. Z. 6) davor Spa-
tium, also wohl Beginn des Lemmas, dessen Zitat bis Z. 5 vor e[wç tou' reicht
(Kavçtºwr ?). Danach folgt wohl der Kommentar (auch vor oç≤≤≤h≥nexo scheint
es ein Spatium zu geben). exo in Z. 6 könnte das Lemma am Ende der Z. 4
wieder aufnehmen.
10    kaçigºnhta'n Lobel. Gen. Plural oder Akk. Sing.; auch in 11 unklar; ça
als Teil des Lemmas für qa, ça⁄ªleran ? Haslam

1b    Das Frg. enthält in Z. 4 das Wort ajgevrwcoç, welches von Alkman an-
stelle von çemnovç verwendet wurde: Eustathius, Il. 314, 43 (I 489 van der Valk)
dhloi' dev, façivn, ou{twç hJ levxiç tou;ç çemnouvç, wJç ΔAlkma;n bouvletai. Das Wort

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P.Oxy. XXIV 2390 57

kommt wohl auch vor in ⇒ 9 Frg. 5 Kol. II 15 (siehe dort), und vielleicht in
P.Oxy. XLV 3209, Frg. 2, 7 (sehr unsichere Lesung).

ä ä ä
1 º≤ª º≤
ºfronala≥ ä ä ä
º≤≥rwn allh ≤ª
4 º ajgevrwce h au≤ª
ºiçtodivkh koª
º≤ blefavrwn tª
ºtoçonei nª
8 ºrwn mou ä ä ä
º≤ oujk er≤≥

1   Zwei Unterlängen, die erste leicht nach links, die zweite nach rechts gebogen      3   º≤, am
ehesten a 6   º≤, wohl w 9   º≤, am ehesten ç
——
7   ojnei⁄ªr< Haslam      9      ou ker<, spatium prae ou recognovit Haslam

erhaben ... [ ]istodike ... der Augenlider ...

4 ajgevrwce In ⇒ 9, Frg. 5 Kol. II 15 bezeichnet das Wort die Chorführe-


rinnen; möglicherweise folgt der Name einer von diesen hier in Z. 5; auch
blefavrwn könnte zu einer Beschreibung der Mädchen gehören (so Calame
1983, 430).
5    ºiçtodivkh kann wohl nur zu Pleiçtodivkh (Page 1962), ΔAriçtodivkh (er-
wogen von Calame 1983, 430) oder Qemiçtodivkh ergänzt werden; Pleiçtodivkh
kommt zweimal bei Sappho, Frg. 213, 4 und 9 vor; beschäftigt sich der Kom-
mentar hier doch mit Sappho? Dagegen spricht Z. 4. ΔAriçtodivkh erscheint in
verschiedenen Epigrammen der Anthologie, meist der hellenistischen Zeit
(VI 281, 2; 356, 1; VII 539, 5; IX 262, 1; XI 328, 2; XIV 138, 3). So auch Qemiçto-
divkh (AP. VI 271).
6    Ob blefavrwn in Zusammenhang mit Tod oder Schlaf verwendet ist,
bleibt unklar (vgl. ⇒ 1a, Frg. 1, 2-3); siehe aber Calame zu 4.

1c
ä ä ä
1 º≤≤≥a≤≤ª≤≤ºwª
º≤ t(w'n) Foiba≥ªivºwn e≥o≥ª
ºçthn tw'n Foib(aiv)wªn

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58 Alcman 2

4 ajºnalambanomª
º≤nwç(ai) allaª
ºç≥ti çumfora≥ª
ä ä ä

1   º≤≤, rechter Teil eines a und eines runden Buchstabens, oder m ≤≤ª, fr ?      2   º≤, Punkt auf
der Mitte der Z.      t  v Pap.      3   foibJwª Pap.      5   º≤, Punkt im unteren Bereich der Z.      çJ
Pap.
——
1   si f≥r≥ª, f≥r≥ªenºw'ªnº vel ajf≥r≥ªovnºwªnº possis Maehler

[das Fest] der Phoibaia ... der Phoibaia ... wieder aufnehmen ... Unglück

2-3    Wohl zweimal tw'n Foibaivwn (auch Z. 2, wo t  v abgekürzt ist; t(h;n) Ca-


lame 1983); wie Lobel bemerkt, gehört das Adjektiv Foivbaioç eher zu Foivbh
als zu Foi'boç. Der Begriff Foivbaia ist aber nirgendwo belegt; möglicherwei-
se handelt es sich um ein Fest zu Ehren der Leukippidin Foivbh, wozu nähe-
res allerdings nicht bekannt ist (Z. 2 ist eJ≥o≥ªrthvn möglich; dass es in diesen er-
sten Fragmenten von ⇒ 2 um die Leukippiden geht, dazu siehe oben Frg. 1a,
10-11).
Von einem Fest zu Ehren der Leukippiden spricht Pausanias III 16, 1, ohne
den Namen des Festes zu nennen; bedenklich ist, dass das Fest dann nur
nach einer der Schwestern benannt wäre. Calame 1983, 430 erwägt, dass es
hier um den Kult für Dionysos Kolonatas geht und verweist auf Paus. III 13,
6f. (vgl. Calame I 323), oder dass hier von dem Tempel der Leukippiden die
Rede ist und verweist auf Paus. III 14, 9; III 20, 2 und auf Herodot VI 61 (Ca-
lame I 336).

1d ä ä ä
1 º≤ewª
ºpeuçª
ºnni≥≤≤ª
4 ºnwtw≥ª
º≤ª
ä ä ä

1   º≤, winzige Spur kurz unter der Z.      3   ≤≤ª, i≥ç≥ und winzige Spuren oder h≥ und winzige Spu-
ren      5   º≤ª, winzige Spur oben

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P.Oxy. XXIV 2390 59

1e ä ä ä
1 º≤≤ lai≥fª
ºon apª
ºneitawª
ä ä ä

1   º≤≤, die Enden zweier Hasten, die zu einem Buchstaben gehören könnten.

Frg. 2
Zur eingehenden Interpretation des Kommentars von Kol. II 22ff. bis
einschließlich Kol. III ganz siehe Funghi-Most 1995; mit neuem Ansatz Fer-
rari 2008 passim.

Kol. II

1 º≤ ouª
º≤≤n oud≤ª
º paraçtaqei'çan
4 º th;n ΔAfrodivthn Qev<
wn ª kai; Tºurannivwn ajnagi<
nwvçkouªçi cruçw'º kata; genikhvn, i{nΔ h\i:
oujde; ei|ç ªçe mevmºyetai plhçivon cruçou'
8 çta'çan oujªde;º ej≥ªxelºevgxei çe cruçovç, ajlla;
dioivçeiç aujtovn. ouj ga;r poluphvmwn Kav<
ªlaºiçoç ajnh;r pedΔ ajndrw'n oujªdΔº a[grioç: ejk≥
tou' ejnantivou to; ejnantivon. oujk (ejçti;) poluphv<
12 mwn oJ Kavlaiçoªç ajºllΔeujdaivmwn oujdΔ a[grioç
ajlla; h{meroç. nu'n dΔ i[omeç tw' daivmonoç

e{w(ç) tou' paiªdw'nº ajrivçtan: Lewtucivdaç
ªLºakedaiªmonivºw≥n≥ baçileuvç. a[dhlon de;
16 ª qºugavthr hJ Timaçimbrovta
ª º≤ai tinoç. fua;n de ≤≤en
ª pºaidi; xanqw'i Poludwvªrºwª
ª º Lewtucivda uiJovç ejçti tou'
20 ª º baçilevªwºç ª≤≤ºu dΔ Eujru≤ª≤º≤

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60 Alcman 2

Kol. I ª Poluvdºwroç kai; Timªaçimºbrovta


ºepiçta qugavªthr º≤a≥ livççomai t≥ª ºwn mav<
>ää
º≤n≥arçi liçta ª ºu≥çaç uJper ≤ª º≤atroç
24 º kata ti proç th'ç tªw'n ºntivdwn ful≥ªh'ç º≤roç (ejçti)
ºetai ejcqran Dumaª ºtra Dumaª ejn dºe; tauv<
ºcolai pro thi th'i wjidªh'i ΔAlºk≥ma;n fuç≥ª≤≤≤≤≤eºkqh
º≤lhptevon ≤ª≤ºmeqa dª ºo≥kounta hª mºeta; ta;ç
28 º≤kaçden tw'n loipw'ªn ºraç Gh'ç ª º Mouvçaªç
ºnoil≥wn qugatevraç wJç Mivmnermªoç ...

Kol. I      23   º≤, unterer Teil einer Rundung      27   º≤, am ehesten o 28   º≤, am ehesten n


Kol. II      1   º≤≤, Spitze einer Waagerechten, ç oder t 2   º≤≤, zwei unter die Z. reichende Ha-
sten      ≤ª, Senkrechte      11   / Pap. 13 i>omeç P 17   º≤, zwei Punkte auf der Z.      ≤≤, Schrä-
ge von links oben nach rechts unten (darunter Punkt am Ende der Haste des e, dann nach Lücke
Senkrechte; in dieser Lücke könnte nur ein i Platz finden; dΔ e[oªiºken (Lobel) möglich      20   ≤ª,
Senkrechte, nach der lacuna lang auslaufender Strich des a, k≥ªrºa≥ möglich      22   º≤≥, kleine run-
de Spur oben      23   ≤ª, Punkt unten auf der Linie wie von a, m, l; º≤, am ehesten rechter Teil ei-
nes m 24   º≤, Punkt auf Mitte der Linie      27   ≤ª, Bogen unter der Linie, am ehesten u
——
Kol. I 23-24   o[nar çi⁄ªofin e. g. Haslam 26   º colai', Lemma ? Haslam      27   prºolhptevon vel
ajpºolhptevon Haslam      28   katadºi≥kaçden Lemma ? Haslam
Kol. II 15-17   a[dhlon de; ⁄ ªpovteron touvtou qºugavthr hJ Timaçimbrovta ⁄ ªh] eJtevraç mevmnºh≥t ≥aiv tinoç West
1992 : a[dhlon de; ⁄ ªtivnoç e[çtin qºugavthr hJ Timaçimbrovta ⁄ ªkai; tivç oJ uiJo;çº k≥aiv tinoç Harvey 1967 bre-
vius spatio ut videtur      17-22   fua;n dΔ e[o≥ªiºk≥en ⁄ ªEujrukrat ... pºaidi; xanqw'i Poludwvªrºwªiº ⁄ ªEuj-
rukrat ...º Lewtucivda uiJovç ejçti tou' ⁄ ªproeirhmevnouº baçilevªwºç, ªto≥ºu' dΔ Eujruk≥ªrºa≥ ⁄ªt uiJo;ç Poluv-
dºwroç kai; Timªaçimºbrovta ⁄ qugavªthr West 1992      19   ÔIppokrativdaçº Lewtucivda Page 1959 : Euj-
rukrativdaçº ΔAnaxavndrou corrigendum esse censuit Barrett 1961      20   Lakedaimonivwnº Lobel,
Calame : proeirhmevnouº West 1992      ªtoºu' dΔ Eujruk≥ªrºa≥< Lobel, Eujrukrav⁄touç Page 1959      22   çe;
Mw'ºç≥a≥ Page; w\ Mw'ºç≥a≥ Barrett; livççomai p≥ªantºw'n dub. Lobel, prob. Page 1962, retr. 1974, denuo Ca-
lame; livççomaiv t≥ªe Barrett, livççomaiv t≥ªe çiºwn e.g. West, t≥ªw'n çiºw'n Lasserre apud Calame      23   ta;ç
Moºu≥çaç Page; <ºu≥çaçΔ sicut partem lemmatis Barrett; º m≥atro;ç dub. Lobel, Barrett; quºg≥atroç
Maehler dub.      24   tªw''n Eujrupwºntivdwn Barrett      24-25   ful≥ªh'ç de; oJ cºorovç (ejçti) ⁄ Dumaªivnhç
(vel Dumavªnidoç) Barrett

... noch ... wenn sie neben ... steht ... Aphrodite. Theon ... und Tyrannion le-
sen cruçw' als Genetiv, um den Sinn zu geben: Weder wird jemand dich ta-
deln, wenn du nahe dem Golde stehst, noch wird das Gold dir Schande ma-
chen, sondern du wirst darüber erhaben sein. Denn Kalaisos ist kein leid-
bringender Mann unter Männern, noch ist er ein Wilder. Das ist ironisch
gemeint. Kalaisos erleidet nicht viel, sondern ist glücklich, noch ist er wild,
sondern mild. Von Nun aber wollen wir gehen ... des Gottes bis zu die be-
ste seiner Kinder: Leotychidas ist ein König der Spartaner. Es ist unklar, [ob]
Timasimbrota [seine] Tochter [ist], [oder ob er] jemand anderen meint. An
Gestalt gleicht sie dem blonden Polydorus, [dem Sohn des Eurykrat...].

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P.Oxy. XXIV 2390 61

[Eurykrat...] ist der Sohn des Leotychidas, des [vorhin genannten] Königs,
aber Sohn des Eurykrates ist Polydorus, und Timasimbrota ist seine Tochter.
Ich flehe ... vor allen: Die Musen wegen ... aus der Phylé der ...tiden, (der)
Chor (aber) besteht aus Dyma(inai?) ... Dyma( ). In diesem Lied (gibt) Alk-
man eine Welterklärung. Wir werden unsere Auffassung darlegen nach den
Versuchen (?) der Übrigen. Er nennt die Musen Töchter der Erde, wie Mim-
nermos ihre Abstammung dargestellt hat ...

2-9    Das Spatium vor oud≤ª scheint zu bedeuten, dass hier ein Lemma an-
fängt, welches möglichweise bis in Z. 4 reicht und in Z. 7-8 paraphrasiert
wird. Ob ΔAfrodivthn zu paraçtaqei'çan gehört, bleibt unklar.
4-5    Qevwn der Grammatiker aus augusteischer Zeit (Pfeiffer 1968, 272).
5    Tºurannivwn Entweder Tyrannion der Ältere, Zeitgenosse Ciceros, oder
Tyrannion der Jüngere, sein Schüler (Pfeiffer 1968, 290).
9-10    Kavlaiçoªç Der Name kommt nur hier vor und ist wohl lakonisch
für Kavlaiqoç; vgl. den weiblichen Namen Kalaiqivç bei Theokrit 5, 15; dazu
West 1965, 188; im Zusammenhang mit dem Folgenden kann es sich wohl
nur um einen Spartaner handeln, den jeder kannte.
10-11 ejk≥ tou' ejnantivou to; ejnantivon Terminus technicus nicht nur für Iro-
nie, cf. in den Rhetorica Anonyma, Peri; poihtikw'n trovpwn III, S. 213, 17 Spen-
gel Kæ Eijrwneiva dev ejçtin lovgoç uJpokritiko;ç ejk tou' ejnantivou to; ejnantivon dhlw'n;
siehe auch Aristonicus, De signis Iliadis zu A 330 S. 50 Friedländer (von Goo-
gle digitalisiert), sondern auch für litotes (= ajntivfraçiç oder ajntenantivwçiç),
vgl. Tryphon, Peri; trovpwn p. 204 ΔAntivfraçivç ejçti levxiç dia; tou' ejnantivou h]
parakeimevnou to; ejnantivon pariçtw'ça cwri;ç uJpokrivçewç, provçkeitai de; cwri;ç
uJpokrivçewç dia; th;n eijrwneivan. dia; me;n tou' ejnantivou to; ejnantivon ajntifravzetai
ou{twç, ejpei; ou[ min ajfaurovtatoç bavlΔ ΔAcaiw'n: ajllΔ oJ a[riçtoç dhlonovti. kai; oujdΔ
a[ra twv ge ijdw;n ghvqhçen ΔAcilleuvç: ajlla; çunecuvqh kai; ejluphvqh. Entsprechend
Alexander Soph., Peri; çchmavtwn 23; vgl. auch H. Lausberg, Elemente der lite-
rarischen Rhetorik, München 1963, 76. Gemeint ist also „Kalaisos ist kein Leid-
bringender und kein Wilder“ (sondern ein rechtschaffener und umgängli-
cher Mann). Der Kommentator fasst jedoch ouj poluphvmwn passivisch als
„nicht viel erleidend“ = eujdaivmwn auf, und entsprechend oujdΔ a[grioç als
h{meroç. Die passive Bedeutung von poluphvmwn kommt aber ausschließlich
und erst bei Manetho vor (1, 85). Schwer wiegt auch, dass das Wort hier mit
a[grioç („wild, gefährlich“) gepaart sei, welches doch eine aktive negative Be-
deutung hat. Daraus folgt, dass der Kommentator die Bedeutung von
poluphvmwn missverstanden hat.
13    Wovon der Genetiv tw' daivmonoç abhängt, bleibt unklar.
14-22    Wohl ausgehend von paidw'n ajrivçtan schließt sich eine Abhand-
lung über die Verwandtschaftsverhältnisse um den spartanischen König

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62 Alcman 2

Leotychidas an. West (1992) hat diesen Z. eine eingehende Untersuchung ge-
widmet und die von Harvey (1967) vorgeschlagenen Ergänzungen zurück-
gewiesen. West berücksichtigt dabei überzeugend den Zusammenhang zu
dem, was von dem Lemma erhalten ist; auch sind seine Ergänzungen paläo-
graphisch eher zu vertreten als die Harveys. Meine Übersetzung folgt daher
den Textvorschlägen Wests 1992. Danach sollte Leotychidas in dem Lemma,
dessen Anfang und Ende zitiert wird (13-14), erwähnt worden sein. Auch
von Timasimbrota sollte vorher die Rede gewesen sein. Im nächsten Lemma
(17-18) ist sie mit Polydorus verglichen.
Wests Rekonstruktion beruht auf folgenden Überlegungen: Jemand ist
der Sohn des vorher geannten Leotychidas. Dies kann nicht Polydorus sein,
denn in den Z. 20-21 scheint es, als ob Polydorus und Timasimbrota beide
Kinder eines Eurykrat- seien. Daher sollte der Vater des Polydorus auch der
Sohn des Leotychidas sein.
Der Nachfolger des Leotychidas war ein Hippokratidas, dessen Name
auch in 19 in die Lücke gesetzt wurde. Aber die fehlenden Namen in 18 und
19 sollten dieselben sein, und also jemand mit Namen Eurykrates oder Eury-
kratidas. Die Namen Polydorus, Eurykrates und Eurykratidas gehören alle
in die Agiadendynastie. Eurykrat- kann hier aber nicht als König gemeint
sein, denn er ist nach dieser Rekonstruktion der Sohn des Leotychidas, und
der war kein Agiade. Also müssen wir annehmen, dass diese Namen in bei-
den Dynastien vorkamen, oder dass Barrett 1961 recht hat, der die Z. 19-21
unter Berücksichtigung eines angenommenen Fehlers des Schreibers so re-
konstruieren wollte: Eujrukrativdaçº ΔAnaxavndrou uiJoçv ejçti tou' ªLakedaimonivwnº
baçilevwç. Damit wären alle Genannten Agiaden (aber „ne mutaveris iuxta la-
cunam“). Siehe auch die von Campbell 1983 erstellte Liste auf S. 391.
Zur Problematik, überhaupt etwas Wahres über die spartanischen Könige
der frühen Zeit herausbekommen zu können, nachdem man auch in helleni-
stischer Zeit nichts Sicheres mehr wusste, äußert sich Clauss 1983, 123-126,
bes. 124: „Die mitunter abenteuerlich anmutenden modernen Versuche, Kö-
nigslisten zu harmonisieren oder die Anbindung der Listen an die Chrono-
logie zu erklären, vermitteln allenfalls eine ungefähre Vorstellung davon, wie
unsystematisch auch die antiken Autoren vorgegangen sein dürften“; vgl.
auch Thommen 2003, 93.
Mit Wests Rekonstruktion ist Timasimbrota die Tochter des Eurykrat-. Für
die Datierung Alkmans bedeutet dies für West einen neuen Ansatz: Leoty-
chidas sollte zwischen 665 und 640 geboren sein, also hätte er kaum vor 600
eine Enkelin (Timasimbrota) in heiratsfähigem Alter. Daraus folgt, dass das
hier kommentierte Lied erst ab 600 entstanden sein kann, vielleicht sogar
(West) um 570! Tw' daivmonoç in Z. 13 könnte sich auf den verstorbenen König
Leotychidas beziehen (so Davison 1961, 32-34, bes. 33). Selbst wenn dies so

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P.Oxy. XXIV 2390 63

ist, kann eine Enkelin eines um 665 geboreren Mannes durchaus schon um
620 im heiratsfähigen Alter sein!
Auch mit der von Barrett erwogenen Ergänzung (Eurykratidas, Sohn des
Anaxandros) als Vater von Polydorus und Timasimbrota käme man auf eine
Zeit um 625.
Der in ⇒ 1b erwähnte Archidamus gehört in dieselbe Generation wie
Eurykratidas (West 1992, 7 zu ⇒ 1b).

Frg. 2, Kol. III

ä ä ä
1 ≤n≤ª
pavntwn ≤≤≤ª
tiç ejk de; tw' pª tevº<
ä
4 kmwr ejgevneto tª
moª≤º ejnteu'qen ei≤ª
povron ajpo; th'ç por≤ª≤≤º≤ª
wJç ga;r h[rxato hJ u{lh kataçkeua≥ªçqh'naiº
8 ejgevnetªoº povroç tiç oiJonei; ajrchv: l≥ªevgeiº
ä
ou\n oJ ΔAlkma;n th;n u{lhn pavnªtwn tetaº<
ragmevnhn kai; ajpovhton: ei\ta≥ ªgenevº<
çqai tinav fhçin to;n kataçkeuav≥ªzontaº
12 pavnta, ei\ta genevçqai ªpovºron, to≥ªu' de; povº<
rou parelqovntoç ejpakolouqh'ªçai tevº<
kmwr: kai; (e[çtin) oJ m(e;n) povroç oi|on ajrchv, to; de; tev<
kmwr oiJonei; tevloç. th'ç Qevtidoç geno<
16 mevnhç ajrch; kai; tevªlºo≥ªç tau'tºa pavntwn ej<
gevneto, kai; ta; me;n pavnta≥ ªoJmoºiv≥an e[cei
th;n fuvçin th'/ tou' c≥alk≥o≥u'≥ u{lh/, hJ de;
Qevtiç tªh'/º tou' tecnivtou, oJ de; povroç kai; to; tev<
20 kmwr th'/ ajrch'/ kai; tw'/ tevlei. prevçgªuçº
>—
d(e;) ajn(ti; tou') preçbuvthç. kai; trivtoç çkovtoç:
>—
dia; to; mhdevpw mhvte h{lion mhvte çe<
ªlºhvnhn gegonevnai ajllΔ e[ti ajdiavkrit≥ªoºn≥ (ei\nai)
24 ªtºh;n u{lhn: ejgevnonto ou\n uJpo≤ª≤º≤≤ p≥ov<
roç kai; tevkmwr kai; çkovtªoç º≤ª a\mavr
>—

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64 Alcman 2

te kai; çelavna økai; trivton çkovtoçØ: taç


marmarugaç: a|mar ouj yilw'ç ajlla;
28 çu;n hJlivw/: to; me;n provteron h\n çkovtoç mov<
non, meta; de; tau'ta diakriqevªntoºç≥ aujtou'

1   ≤n≤ª, Senkrechte, die leicht unter die Linie reicht, n, dann weitere Senkrechte, etwas kürzer
und leicht nach rechts gebogen      2   ≤≤≤ª, nach kleinem spatium Punkt oben und Senkrechte, u
?, dann Linie auf dem Boden wie von d, dann Anfang einer Schrägen von links unten nach rechts
oben, u≥d≥≤ª Lobel      5   ≤ª, sehr wahrscheinlich g 6   ≤ª≤≤º≤ª, Punkt oben, dann Lücke, dann kur-
ze gebogene Haste auf der Linie, e oder ç 7   hu>lh Pap.      8   oioni> Pap.      ≤ª, Schräge oben
wie von l 15   oioni> Pap.      18   thn fuçin thn tou c≥alk≥o≥u≥ ulhi Pap., wobei das c aus k ver-
bessert worden zu sein scheint; über dem k≥ von c≥alk≥o≥u≥ ist ein lª geschrieben; ursprünglich mag
hier th;n fuvçin th;n tou' kavll≥ouç u{lh/ intendiert gewesen sein      24   ≤ª≤º≤≤≤ pov, hohe Waagerech-
te, dann wohl kurze Lücke, dann Spur oben und unten wie von ç (auch a möglich), dann wie-
der hohe Waagerechte, dann eventuell p, aber ganz unsicher      25   º≤ª, Punkt wohl unten auf
der Zeile; hier fehlt eine ganze Schicht von Fasern
——
2-3   Qevº⁄tiç restituit Lobel      3   ejk de; tw' pªrevçguç West 1967 (ejk de; tw' pªrevçguç Povroç ⁄ Tevkmwr te:
kai; trivtoç çkovtoç)      3-4   tevº⁄kmwr Lobel, ejk de; tw' pªovrw to; tevkmwr: to; de; tevº⁄kmwr ejgevneto tªw'i
povrwi ajkovlouqon Page; ejk de; tw' pªrevçguç Povroç Tevkmwr: West 1963 (cf. 1967),
Davies      6   poriv≥ªmoºu ªpavntwn ajrch'ç Page dubitanter, th'ç pore≥ªivaç (vel poriv≥ªaç pro pore≥ªivaç) Ric-
ciardelli      7   kataçkeua≥ªçqh'naiº Lobel      9   pavn≥ªtwnº Page      9-10   tetaº⁄ragmevnhn Lobel      11-
13   suppl. Lobel      16   tau'tºa Page, a{mºa Lobel dub.      21   Kai; trivtoç çkovtoç: ex insequenti lem-
mate (v. 26) hic perperam commentatorem posuisse censuit Page (1959), probante Barrett, sed
explicavit Ricciardelli 1979; cf. 26, ubi lemma perperam additum esse censuit Lobel probantibus
fere omnibus      24-25   uJpo; t≥ªaºuj≥t ≥o;≥ Lobel dub.      26   fort. ãe{wçà taç marmarugaç debuit: alioquin
obscurum quomodo intellegi possit, Page      26-27   ta;ç marmaruga;ç in textu Calame (comm. 451),
sine accentu ceteri, vocem corruptam pro kajmarugaç (sic) proposuit West 1963, 156 dubitanter

Übersetzung nach Funghi-Most


Von allen ... Und aus dem ... aber entstand ein Endpunkt (?) ... und von da-
her ... ein Weg von der ... Als nämlich die Materie zu Beginn gebildet wurde,
entstand der Weg gleichsam als Anfang. Alkman sagt also, dass die Materie
aller Dinge verworren und unvollendet war. Dann, so sagt er, sei jemand auf-
getreten, der alles ordnete, und dann sei der Weg entstanden. Als aber der
Weg vorangeschritten sei, sei der Endpunkt gefolgt. Und der Weg ist wie ein
Anfang, der Endpunkt aber wie ein Ziel. Als Thetis geboren wurde, wurden
diese zum Anfang und Endpunkt aller Dinge, und diese Dinge haben alle
eine ähnliche Natur wie die Materie des Erzes, Thetis gleicht dem Handwer-
ker, der Weg aber und der Endpunkt gleichen dem Anfang und dem Ende. -
Presgys ist anstelle von pre‡buvth‡ („alter Mann“) gebraucht. Und als Drittes
Dunkelheit: weil es noch weder Sonne noch Mond gab, sondern die Materie
noch ununterscheidbar war. Es entstanden nun aber unter ... der Weg, der
Endpunkt, und die Dunkelheit ... Der Tag, der Mond, und als Drittes die
Dunkelheit. Das Schimmern (Glimmen?): Nicht einfach der Tag, sondern zu-
gleich mit der Sonne, denn vorher gab es nur Dunkelheit, danach aber, als ...
geschieden wurde.

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P.Oxy. XXIV 2390 65

Frg. 3 (Lobel: „appears to come from the centre of the upper part of fr. 2 col.
II“)

ä ä ä
1 º≤≤ª
º≤h≥mw≥ª
º≤ap≥i ≥c≥≤≤ª
4 ºo≥n pan≥d≤ª
ºnwde≤ª
ºeuaa≤ª
ºçe m(e;n) ª
ä ä ä

1   º≤≤ª, verschmierte Buchstaben, der erste könnte ein p sein      2   Nach rechts gebogener Fuß
auf der Linie, p ?      3   º≤, n möglich      ≤≤≤ª, h und Strich für ejçti ?      ≤ª, unterer Teil einer Senk-
rechten      5   ≤ª, oberer Teil eines Buchstabens in Form eines Bogens, am ehesten ç 6   ≤ª, ç ?
7   çem  v Pap.

Frg. 4 (Lobel: „Perhaps from fr. 2 col. II“)

ä ä ä
1 º≤≤≥ª
ºl≥apa≥ª
ä ä ä

1   º≤≤ª, eine schräg nach rechts unten auslaufende Haste und ein Punkt auf der Z.

Frg. 5 (Lobel: „Apparently from the neighbourhood of the left-hand side of


fr. 2“)
ä ä ä
1 º≤≤mª
ºutwª
ºa≥nt≤ª
ä ä ä

1   º≤≤, kleiner Bogen oberhalb einer kurzen Waagerechten auf der Linie; danach Senkrechte.

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66 Alcman 2

Frg. 6 (Lobel: „Apparently from the neighbourhood of the right-hand side of


fr. 2“)
ä ä ä
1 ºtw≥ti ª
Rand

Frg. 7 (Lobel: „Apparently from the neighbourhood of fr. 2, col. III“)

ä ä ä
1 º≤≤≤e≤ª
ºa≥kap≥ª
ä ä ä

1 º≤≤≤, ºara möglich; e≤ª, am ehesten p

Frg. 8 (Lobel: „May come from the neighbourhood of fr. 2, col. IV“)
ä ä ä
1 ºrª
º≤ek≤ª
º≤a≤ª
4 ºd≤ª
º≤ª
ä ä ä

2      º≤, mittlerer Teil einer leicht geschrägten Senkrechten; ≤ª, unterer Teil einer Senkrech-
ten      3   º≤, eine Senkrechte mit nach rechts gebogenem Fuß; ≤ª, hohe Senkrechte, vielleicht f
oder y; º≤ª, Waagerechte

Frg. 9
ä ä ä
1 ºae≥ª
ºo≥ua≥ ≤ª≤º≤ª
ºw≥çperª
4 ºk≥atwª
º≤en≥w≥ª

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ºam≥ª
ä ä ä

2   ua≥ ≤ª, nach a Haken nach rechts im unteren Bereich der Zeile

Frg. 10 (Lobel: „Frr. 10-13 also may come from the neighbourhood of the left-
hand side of fr. 2“)

ä ä ä
1 º≤oçako≤ª
º≤≥ot≥e≤ª
ä ä ä

1   º≤, winziger Punkt auf halber Höhe an das o anschließend; ≤ª, u möglich      3 º≤, Waagerechte
auf halber Höhe; ≤ª, Punkt unter dem Querstrich des e

Frg. 11
ä ä ä
1 ºagka≥ª
ä ä ä

Unter der erhaltenen Zeile ist der Papyrus von anderen Fasern überdeckt.

Frg. 12
ä ä ä
1 º≤ª
ºa≥fe≥≤ª≤º≤ª
ºo≥≤ª
ä ä ä

2   ≤ª, Punkt oben; ª≤º, hohe Waagerechte      3   statt o≥ könnte man auch ein r≥ lesen; Schräge von
links oben nach rechts unten

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68 Alcman 2

Frg. 13
ä ä ä
1 º≤≤ª
ºç≥apla≤ª
º≤ç≤≤ª
ä ä ä

1   ≤ª, unterer Teil von e oder ç, davor Punkt auf der Z.      3 º≤ç≤≤ª, e≥ oder ç≥, danach ϲ gefolgt
von a≥ und schließlich oberer Punkt einer Senkrechten

Frg. 14. Der Inhalt des Fragments ist unkenntlich; anscheinend weisen „fork-
ed paragraphoi“ an drei Stellen auf Lemmata hin.

ä ä ä ä ä ä
1 1 ºof≥qª≤º≤ªºof≥qª≤º≤ª
>]— >]—
p≤≤ionol≥p≤≤ionol≥
ª ª
>— >—
difu≤ap≥a difu≤ap≥
nª anª
4 ≤≤≤r≥≤agwgonª
4≤≤≤r≥≤agwgonª
ª≤º≤≥eceim≤ª
ª≤º≤≥eceim≤ª
>]— >]—
ª≤ºe≥d≤ª
ª≤ºe≥içferei içferei d≤ª
ºd≥e t≥ob≥ª ºd≥e t≥ob≥ª
8 8 º≤i≥oç≥ª º≤i≥oç≥ª
ä ä ä ä ä ä

1   º≤ª, nach rechts oben gerichteter Fuß einer Haste      pl≥e ≥ion nicht unmöglich      3   divfui≥a panª
am ehesten möglich      4   º≤≤≤≥r≥≤, oberes Ende einer Haste nach rechts oben zeigend, p≥e ≥r≥i ≥ nicht
unmöglich (wohl eher als muriavgwgon)      5   º≤, nach rechts zeigender Fuß einer Haste unter der
Linie      ≤ª, linker Teil eines runden Buchstabens      6   ≤ª, winzige Spur rechts des d, die noch
Teil des d sein könnte      7   º≤, eher d als l 8   º≤, Spur am oberen Rand der Z.

Frg. 15

ä ä ä
1 >—ª

liª
Rand ?

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Frg. 16

Rand
1 ºeko≥imª
º panemª
º≤ oª
ä ä ä

3   º≤, z, x oder b möglich

Frg. 17

ä ä ä
1 º≤p≥aç≥ª
ºe≥ç≥uebl≥ª
º≤çetonpª
ºn≥dwra≥ª
ä ä ä

1      º≤, Schräge und Senkrechte ºa≥l≥ oder ºl≥i ≥: das p könnte auch ti, sofern die Tintenspur oben
rechts nicht zu einer vorhergehenden Z. gehört      2   ºe≥, nur Waagerechte, auch q möglich, da-
nach eher ç als e

Frg. 18

ä ä ä
1 º≤iª≤º≤ª
º≤gwu≥≤ª
º≤lit≤ª
4 ºormhª
º≤≤≤≤ª
ä ä ä

1   º≤i, hohe Waagerechte; º≤ª, Punkt auf der Linie      2   º≤, Waagerechte, etwas tiefer als die des
g 3   º≤, am ehesten e; ≤ª, Senkrechte      5   Zunächst drei Spitzen, dann Buchstabe in Korrek-
tur, danach m oder l und winzige Reste einer Senkrechten

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70 Alcman 2

Frg. 19. Unkenntliche Reste; eine „forked paragraphos“ zum Anzeigen eines
Lemmas.

ä ä ä
1 r≥on≥ª
oti ≤ª
taiª
>—
ai>≤ª
t≥et≥ª
ktaª
lhk≥ª
ä ä ä

2   ≤ª, linker Teil eines runden Buchstabens      4   ≤ª, f≥ möglich

Frg. 20; unten möglicherweise Rand

ä ä ä
1 ºfip≥ª
º≤≤el≤ª
ºr≥o≤ª
4 ºr≥al≥k≥ª
ºomaçpa≥ª
ºeminteª
ä ä ä

1   oder ºfi t≥w≥ª 2   º≤≤, Haken unten auf der Linie, dann Punkt auf der Z.; ≤ª, Beginn einer ho-
hen aufsteigenden Schrägen von links nach rechts      3   ≤ª , oberer Teil einer Senkrechten

Frg. 21

ä ä ä
1 ºwnª
º≤ª
ä ä ä

2   º≤ª, oberer Teil einer Schrägen von links oben nach rechts unten

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P.Oxy. XXIV 2390 71

Frg. 22

ä ä ä ä ä ä
1 º≤oª 1 º≤oª
ºnialª ºnialª
ºçe≤ª ºçe≤ª
ä ä ä ä ä ä

1      º≤, Linie auf der Z.

Frg. 23

ä ä ä
1 ºalleigaª
ºa kaitohª
ºp≥wn eçti≥ dΔ ª
4 ºn qe≤≤ª
ä ä ä

4   ≤≤ª, Punkte oben

Frg. 24; anscheinend großzügiger unterer Rand

ä ä ä
1 º≤e≥i ≥açfª
ºwpuroç≥ª
Rand

1   º≤, p≥ möglich

Fragment 25 und 26 kommen „evidently from the same neighbourhood“ (Lobel)


Frg. 25

ä ä ä
1 ºa≥rk≥iª
º≤fide≥t ≥on

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72 Alcman 2

ºwnrun
4 ºerte≤≤n
º≤a≥ç≥
ºpaª
ä ä ä

1   Über der linken Haste des k Strich, wie ein Akut (Tilgungszeichen ?); k weit auseinanderge-
zogen und nicht typisch für die Hand      2   º≤, m möglich
——
3   ÔRuvndakoç admonet Haslam (cf. Bacchylides, Fr. 50)

Frg. 26 (Fragment ist heute verloren; app. pal. nach Lobel)

ä ä ä
1 º ª
º≤≥ aª
ºk≥ai ª
4 ºi≥o≥ç ª
ä ä ä

1   Nicht sicher, ob oberer Rand      2 º≤, vielleicht r, aber h, p nicht ausgeschlossen      4   o ist
atypisch, aber ich sehe keine andere Kombination der Spuren, welche eine sinnvolle Lösung er-
möglichen würde.

Frg. 27

ä ä ä
1 ºnhç ª
º≤epipo≥ª
º≤n≥nu≥≤ª
4 ª º
º≤≤ª
º≤foinª
ä ä ä

2   º≤, ç möglich    3   ≤ª, kurze hohe Waagerechte, die auf Senkrechte stößt, ?      6   º≤, Punkt auf
der Z. wie von a, l oder m

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Frg. 28

ä ä ä
1 ºoe≥i ≥ eiç≥i ≥ª
ºegiçtonª
ºw≥ legei≥ª
4 ºperign≥ª
ºçaigaª
ºo≥n en≤ª
ºr≥ipar≥aª
8 º≤ cr≤ª
ä ä ä

1   Lange Waagerechte über dem unsicheren ei, danach ei ungewöhnlich groß      8   º≤, ç gut mög-
lich; ≤ª, Buchstabe mit rundem Rücken

Frg. 29; in Z. 5 anscheinend eine dorische Form.

Rand
1 º≤li≤≤≤n≥ª
º≤r≥ etekª
ºpe≥≥rt≥eaª
4 º≤eo≤a≥p≥r≥o≤ª
ºde ti;n mª
ºetiçma≥nª
ºt≥açhçf≤ª
ä ä ä

1   º≤, Waagerechte und daran anschließend gebogener kurzer Strich, a ?      ≤≤≤, Fuß einer nach
rechts oben zeigenden Haste, danach Fuß einer nach rechts unten zeigenden Haste (etwas hö-
her), danach winzige Spuren und das obere Ende einer Senkrechten      2   º≤, zwei winzige Waa-
gerechte auf der Mitte der Z.      4   º≤, kleine gebogene Linie auf der oberen Z.      ≤ª, winziger
Punkt oben      7   ≤ª, anscheinend Teil eines gebogenen Buchstabens
——
5   ti;n proposuit Page

5    Es scheint keine andere Wortabtrennung möglich; also hier vielleicht


Lemma mit dem dorischen Dativ.

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74 Alcman 2

Frg. 30; in Z. 2 scheint eine Erklärung für das Wort k≥akivzein zu stehen.

ä ä ä
1 º≤boia≥ ª
º k≥akivzein / kuª
º≤ein katalin≥ª
4 ajr]iqmou' aujlo≥ª
ºetai aujloª
º≤≤daimo≤ª
ä ä ä

1   º≤, Punkt im oberen Bereich der Z.      3   º≤, eher a als l 6   º≤≤, sehr verschmierte Spuren;
au möglich      ≤ª, Punkt auf der Linie
——
1   eºu≥boia ? (vgl. Frg. 31, 2; Frg. 49 Kol. I 7); spatium finem notae indicatur 2   kuªdavzein vel
kuªdavzeçqai Lobel : kuªdavçden suppl. Page 1962 3   aujºlei'n kata; Livn≥ªon Haslam

... bedeutet kakivzein. kuª ... der Zahl ... Flöten- ... Flöten-

2    Der einfache Strich zwischen den beiden Wörtern kann als e[çtin in-
terpretiert werden (so Page 1962, der einen entsprechenden Vorschlag zur Er-
gänzung von kuª macht); dann hätten wir aber ungewöhnlicherweise zu-
nächst das Interpretament und dann das Lemma. Vielleicht eher º k≥akivzein
(ejçti;) kuªrivwç kakologei'n, vgl. Hsch. k 303 kakivzei: kakologei'. Möglicherwei-
se ist aber der Strich hier nur als Trenner zwischen dem Ende eines Interpre-
taments und dem Beginn eines neuen Lemmas. Zur mannigfachen Bedeu-
tung des einfachen Strichs in Kommentaren siehe McNamee 1992, 17-18.
4-5    Geht es hier um das Spiel auf der Flöte?

Frg. 31 (möglicherweise unterer Rand erhalten)


ä ä ä
1 ºhneudª
ºboian≥ª
º ª
ä ä ä

2   Vgl. Frg. 30, 1

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Frg. 32

ä ä ä
1 º≤e≥k≥≤ª≤º≤ª
ºde≥≤≤≤i≥pe≥ª
º≤exeto≥
4 º≤≤lh
º≤≤≤aç
Rand

1   º≤, Punkt auf der Z., dann Reste einer Senkrechten; ≤ª≤º≤ª, untere Teile von runden Buchsta-
ben      3   º≤, a oder m 4   º≤≤, Punkte auf der Z.      5   Vor a Senkrechte

Frg. 33 (nach Lobel ist die Position der Fragmente durch die waagerechten
Fasern für (a) – (d) und die senkrechten Fasern für (a) – (b) gesichert)

(a) (c) (d)


Rand Rand Rand
1 º≤ap≥ª ºm≥ww≥ª tª
ºpaª º≤d  v anponª nª
ºeu≥ª º≤e; alª ≤ª
4 (b) º ≤ aª ºraiçpª ≤ª
ºewç≥ª ºbroto≤ª ª
>—[
ºç≥ª ºi>kn≤ª cª
>—[
ä ä ä º≤qaum≥ª lª
º≤ta≥l≥l≥ª É ≤ª
8 ºn≥nª ≤ª
ä ä ä ≤ª
≤ª
ä ä ä

(b) 1   º≤, Senkrechte      (c) 3   º≤, Senkrechte, auch mit diakritischem Zeichen ?      5   ≤ª, u mög-
lich      ≤ª, Rücken eines runden Buchstabens
——
(c) 3   Geht es um eine Variante bei der Akzentuierung ? Haslam      6   Lemma, wegen des Tre-
mas auf i ? Haslam

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76 Alcman 2

Frg. 34; Erwähnung des Namens Alkman und eines ersten Buches; die Schrift
ist hier besonders schmierig.

ä ä ä ä ä
1 1 º≤≤ª º≤≤ª
ºl≥h≥ª ºl≥h≥ª
ºn≥aª≤ºmhªºn≥aª≤ºmhª
4 º≤eipep≤ª
4 º≤eipep≤ª
º≤inmenam≥ º≤inmenam≥
o≥iç ≤ª o≥iç ≤ª
º≤ª º≤maª º≤ª º≤maª
º≤ ΔAlkmªan º≤ ΔAlkmªan
8 8 ejºn tw'i a—ejºªn tw'i a— ª
ºf≥alloiª≤ºd≥ºf≥aelloiª≤ºd≥
≥ª e ≥ª
º k(ai;) y≤mwª≤º≤ª
º k(ai;) y≤mwª≤º≤ª
º≤≤ª º≤≤ª
12 12 ºn≥t ≥ª ºn≥t ≥ª
ºhn≤≤ª ºhn≤≤ª
Rand
Rand oder zweioder zwei Leerzeilen
Leerzeilen

4   º≤, Spur im unteren Bereich der Z.      ≤ª, linker Teil eines gebogenen Buchstabens      5   am≥o≥iç
vel al≥l≥o≥iç º≤, Punkt auf der Z.      6   º≤ª, oberer Teil eines runden Buchstabens;      º≤, oberer
Teil einer senkrechten, bis über die Z. reichend      7   º≤, Punkt im unteren Bereich der Z.      10   y≤,
kann wohl nur ein i sein      º≤ª, Waagerechte auf der oberen Linie

Alkman ... im ersten Buch

7    Wohl ΔAlkmªan.
8    Wohl „Im ersten Buch“. Wenn dies nicht ein Hinweis auf ein anderes
Lied ist, welches anders als das hier kommentierte Lied, im 1. Buch steht, be-
zöge sich der vorliegende Kommentar auf ein Lied des 1. Buches, also ein
Parthenion; siehe aber Frg. 49, Kol. II 11, wo ein zweites Buch erwähnt wird
(dort dann in Hinblick auf ein anderes Lied?) und Frg. 2 Kol. II, 22 ff.
9    Das f ist sehr unsicher; ijquºf≥avlloi Haslam vorsichtig.

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Frg. 35

ä ä ä
1 º≤ª≤º≤ª
ºl≥a≤çoª
º≤ª≤º≤o≥um≤ª≤º≤≤≤ª
4 ºh≥tle≥ra≤ª≤ºf≥ª
º≤thimw≤ª
ºarmuriag≥ª
ºc≥ni≤ª
8 º≤q≥ª
ä ä ä

1   º≤ª, unterer Teil eines zumindest zum Teil runden Buchstabens      2   ≤, Punkt oben      3   º≤ª,
Punkt wie die Faser zu drehen ist, muss unklar bleiben      4   hochgestelltes l wie in Frg. 33(c)
3; in Frg. 35 ist keine Korrektur davor zu sehen wie in 33 (c); von dem f≥ ist nur ein winziger
Punkt unten auf gebogener Faser zu sehen      5   º≤, Punkt unten; ≤ª, Punkt unten      7   Statt c
auch k möglich      8   º≤, Senkrechte
——
6   gºa;r muriva g≥ ª Haslam

Frg. 36 (rechter Kolumnenrand)

ä ä ä
1 º≤u
º≤h≥ç≥
º≤≤af≤
4 ºron
ºuchç
ºker≥a≤
ä ä ä

1   º≤, Punkt oben      2   º≤, Punkt, wohl auf der Z., Faser eventuell nicht in situ 3   º≤≤, e≥ç≥ ?; f≤,
Punkt weit unten      6   lange, hohe Senkrechte

Fragmente 37-39 „come from the same neighbourhood“ (Lobel); die drei
Fragmente sind auffällig hell gefärbt.

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78 Alcman 2

Frg. 37

ä ä ä
1 º≤≤≤ª
º≤gatere≥ª
ºçq≥akr≥it≤ª
ä ä ä

1      Die erste von Lobel noch als mögliches ç oder q gesehene Buchstabenspur ist fast ganz
verschwunden; danach a≥i ≥ möglich, gefolgt von einem Punkt auf Mitte der Z.      2   º≤, Punkt
oben, u möglich, qºu≥gatevre≥ªç (pace Lobel)      3   ≤ª, runder Buchstabe
——
3   könnte Lemma sein, Haslam

Frg. 38 (möglicherweise unterer Rand erhalten)


ä ä ä
1 º≤≤b≥ei≤ª
ºhç≤ª
ä ä ä

1   º≤≤b≥, kurze Waagerechte auf der Mitte der Z. nach rechts an ein g≥ heranreichend, dann statt b
auch a möglich; ≤ª, wohl p

Frg. 39

ä ä ä
1 º≤≤ª≤º≤ª
ºwçak≥ª
ä ä ä

1   º≤≤ª≤º≤ª, Fuß einer Senkrechten, dann a, schließlich Punkt auf der Z.

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P.Oxy. XXIV 2390 79

Frg. 40

ä ä ä
1 º≤bihpioª
º≤ko≥u≥nto≥≤ª
º ÔHrakleian≥ ª
4 ºou≤≤≤o≤ª
ä ä ä

1   º≤, Senkrechte      2   º≤, Punkt oben; o≥≤ª w≥≤, dann Punkt oben, der doch o und folgend Punkt
oben und unten      4   ≤≤≤o≤ª, Lobel sah hier xe; danach Spitze einer Senkrechten und mögli-
cherweise u
——
1   Ionisch ? Haslam

Frg. 41

ä ä ä
1 ºt≤ª
ºk k≥≤ª
º≤ake≤ª
4 ºç≥at≥o≥ª
ä ä ä

1   ≤ª, oberer Teil einer Senkrechten      2   über dem ersten k— waagerechter Strich; nach zweitem
k Punkt auf mittlerer Z.      3   º≤, ç≥ oder k≥; ≤ª, runder Buchstabe

Frg. 42

ä ä ä
1 º≤n≤ª
º≤n≥ç≥ª
ºn≥ ≤ª
4 ºn≥ e≥ª
ºl≥einª
ºe≥mª
ºwª
ä ä ä

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80 Alcman 2

1   º≤, zwei Punkte unten; ≤ª, Punkt oben      2   º ≤, hohe Waagerchte, die an eine Senkrechte stößt,
t≥i ≥ ?      3   Ob wirklich spatium, nicht sicher; ≤ª, oberer Teil einer Senkrechten

Frg. 43

ä ä ä
1 º≤≤ª
ºnwª
ºn≥≤el≥ª
4 ºw≥çdiª
º≤onl≥ª
ºb≥a≥le≥ª
ä ä ä

1   º≤≤ª, untere Enden zweier runder Buchstaben 3   ºn≥≤, nach n zwei Punkte auf mittlerer
Höhe      5   Rest einer Schräge von links oben nach rechts unten

Frg. 44; vielleicht rechter und unterer Rand erhalten

ä ä ä
1 º≤≤≤ª
ºpo≤ª
ºryu ª
4 º≤ ª
ä ä ä

2   ≤ª, Punkt auf halber Höhe

Frg. 45 (a) und (b) gehören nach Lobel zu derselben Kolumne, jedoch passen
(a) 3 und (b) 1 nicht direkt zusammen.
(a)
ä ä ä
1 º nop≥h≥i ≥≤ª
ºwçbor≤ª
º≤a≥iwª
ä ä ä

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1   p≥ oder h≥; ≤ª, zwei schräg nach rechts zeigende Enden von Hasten 3 oberes Ende einer von
links oben nach rechts unten verlaufenden Schräge

(b)
ä ä ä
[
1 >—
t≤ª
t≥≤≤≤≤i≥ ≤ª
>—[
ä ä ä

2   ≤ª, Rundung auf der Z.      3   ≤≤≤≤i≥, a, dann Senkrechte mit Strich nach links oben (?), dann
n≥, dann ein oben runder Buchstabe wie b, danach die Senkrechte des i≥; ≤ª, runder Buchstabe

Frg. 46; linker Kolumnenrand

ä ä ä
1 ouª
kh≥ª
bo≤ª
4 bh≥ª
twª
alª
odu≥ª
8 hlª
eçª
pr≥ª
ä ä ä

Frg. 47

ä ä ä
1 º≤≤ª
ºu≥de≥ª
ºa≥n ª
4 ºtan≥ª
ä ä ä

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82 Alcman 2

1      º≤≤ª, halb abgeriebene Spuren

Frg. 48

ä ä ä
1 º≤toª
ºutaª
ºu≥ç ª
4 º≤wª
ºataª
ºh≥ª º ª
ºnoª
ä ä ä

1   º≤, winziger Punkt neben der Waagerechten des t 4   º≤, Waagerchte, die an das w heran-
reicht

Frg. 49
Reste von zwei Kolumnen, von der ersten Zeilenenden, der zweiten Zei-
lenanfänge. In Kol. I 1-12 mag es um etwas gehen wie in Hesiod, Th. 375ff.
(siehe im Kommentar). Kol. II 11 enthält einen Hinweis auf das „Zweite Buch
der Partheneia“ oder das „Zweite Partheneion“, nach zwei Z., folgt dann
eine „forked paragraphos“.

Kol. I Kol. II
ä ä ä ä ä ä
1 ºk≥riª
ºperçh≥ª ª≤≤º≤ª
ºn≥eçqaª≤º çti≥n≥k≥≤≤≤ª
4 º≤hon klh gar≥u≥ç≥eç≥ ≤ª
º≤≤hn pr≤ª≤≤º≤≤ª
º≤genei gamon≥≤ª
ºu≥boian hpeigo≤ª
8 º ≤de kal ga;r ajndr≤ª
ºi≥trofouç e[peita ≤ª
ºr≥açthn mhdiw≤ª
ºode ejn b— pa≤ª

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P.Oxy. XXIV 2390 83

12 º≤riare naineª
>—
º≤ª≤º≤ª≤≤º genea ≤ª
º piptw≥ª
º uJper≥k≥a≥ª ajm<º
16 º fotevrwç ti ≤ª
ä ä ä

Kol. I   4   º≤, Punkt in der Mitte der Z., ç ?      5   º≤≤, e≥n≥ möglich      6   º≤, Senkrechte      8   º≤,
Punkt auf der Linie      12   º≤, Waagerechte, die das r berührt, b möglich      13   º≤ª≤º≤ª , winzige
Spuren
Kol. II   3   ≤≤≤ª, letzter Buchstabe rund, davor sind die Fasern zu ungeordnet, um etwas zu er-
kennen zu geben            4      ≤ª, Punkt, der aber nicht zu lokalisieren ist, da die Fasern verrückt
sind      5   Einige hohe Punkte, deren Lokalisierung nicht sicher ist      7   ≤ª, einzelner Punkt im
Gestrüpp der Fasern; siehe auch Z. 8-10      11   ≤ª, hoher Punkt, der zu fast jedem Buchstaben
gehören könnte      13   ≤ª, a oder d ?      16   ≤ª, Punkt in der Mitte der Z.

im zweiten Buch ...

Kol. I
1-2    Vgl. Hesiod, Th. 375ff. Krivw/ dΔ Eujrubivh tevken ... Pevrçhn (Lobel).
7    Eºu[≥boian Page, vgl. Frg. 30, 1.
8  de; kal⁄ªl- ? Haslam.
12        Möglicherweise geht es hier um Briareos, den 100köpfigen Riesen
(Lobel).
Kol. II
4    garuvçe≥ç≥ªqai Page
11    ejn b— par≥ªqeneivwn Lobel, -neiw/ ? Haslam.

Frg. 50
Verschiedene ionische Formen machen es eher unwahrscheinlich, dass der
Kommentar in diesem Fragment Lieder des Alkman behandelt. Zur Plazie-
rung der Fragmente und ihrem Verhältnis zueinander müssen wir uns auf
das, was Lobel sagte, verlassen: „(a) – (d) Though these four fragments may
be supposed to come from the same neighbourhood I cannot determine their
exact positions in relation to one another. I should say that (a) and (b) cer-
tainly belong to the same column and that the interval between them cannot
be very great; from the colour of the papyrus I should infer that (a) is to be
placed to the left of (c) not lower than l. 20, and (b) to the left of (c) not higher
than l. 21. The same criterion would lead me to place (d) to the right of (c), in
which case (d) I 4, 6, 7, 10 have reasonably satisfactory continuations in (c) ll.
5, 7, 8, 11, though I cannot with complete confidence trace the fibres across

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84 Alcman 2

from one fragment to the other. For considerations relating to a different lo-
cation for (b) see the commentary at l. 26.“

Kol. I
ä ä ä
0 º≤ >—
º ϯ͂ oiktrª (d) Kol. I Kol. II
º authgeª ä ä ä
º ≤puretoç ª º çu≥ª
4 º lev≥gein m≥ª º≤ç ajndrei< ka≤ª
º açanagn≤ª º≤≤ide touª
>—
] ≤w≥daim≤ª ºt≥hken ajpo≥dª
] ΔAriçtofanª ºn komi pl≥ª
8 º zwn i>çwª º≤çaçon≥ wª
º twç aujto;n≥≤ª ºpetaxen onª
º o≥uçª≤ºn≥≤ª ºnª≤ºne≤≤ tª

º rwta eçhn≥ª º≤e≥ª ≤≤ª
12 º p≥i ≥paçin tou;ç ª ä ä ä
º peroum≥ª≤º≤≤ª≤≤≤≤ºein lª
º diav≥xein ka≥ªtºa≥ç≥trefeiª
º de; ouj polu;n crovnon oª
(a) 16 ä ä ä ei\nai dioiçª≤≤ºn≥ou≥ polu≥ª
º≤≤ª≤≤≤≤≤º≤≤ zhçeçqai menqhrhm≤ª
ºhteitai ejk men≥qhraç k≥alou'çi ta;ç ≤ª
º≤çhna kai; f≥ronª≤º≤daç dize≤ª
>—
(b) 20 <<<<<< dizhª º hdhn≥ª
<<<< >—
º≤çin quraç ≤ª
ºm≥idou qevlein çin tauvthª
º aujtoi'ç iç  v eiç menª
24 º≤çaida ce p≥epoihª
ºnwçaç çtelleª
ºaç krhthvraç to ejpile≤ª
º ej≥pi; touç te r≥ouçihçª
28 º≤ko≥uçaç kai; kaiouçª
º≤tª≤ºu≥ç ko≥≤ç≥ epeçt≤ª
ä ä ä ä ä ä

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P.Oxy. XXIV 2390 85

(a) 17   º≤≤ª, d und breiter, unten runder Buchstabe; º≤≤, Haste unter die Z. reichend mit leicht
nach rechts gebogenem Fuß; danach a mit langem Schweif nach rechts
(b) 22   ºm≥ oder ºa≥ 23   Nach zweitem ϲ langer Strich nach rechts oben      24   º≤, runde Spur
auf der Linie, nicht u 28   º≤, Ende von a oder l 29   º≤, oberes Ende einer leicht gekrümmten
Haste; ko≥≤ç, ko≥u≥ç ?
(c) Links neben den Z. 1-2 großes Zeichen, bestehend aus einer Senkrechten, die von einer Waa-
gerechten auf halber Höhe durchzogen und von einem Kreis oben umfangen wird; die ge-
krümmte Linie darüber (hier 0 º≤), mag zu diesem Zeichen gehören; Hinweis auf eine wichtige
Stelle im Text ? vgl. McNamee 1992, 20-22            5      ≤ª, kleiner Kreis im oberen Bereich der Li-
nie      6   ≤ª, Oberer Teil einer Schrägen von links oben nach rechts unten      9   ≤ª, Senkrechte
mit Waagerechter, am ehesten h            10      ≤ª, Punkt auf der Linie      13   º≤≤ª, Senkrechte, dann obe-
rer Teil eines runden Buchstabens      15   Über dem oª ein Zeichen für metrische Kürze, oder ab-
gekürztes ou ?      18   ≤ª, auf der Linie nach rechts aufsteigende Haste, m≥ª ?      19   º≤, r ?; º≤, run-
der Buchstabe 21   ≤ª, e oder q 25 Das t ist von der ersten Hand über ein erstes e geschrie-
ben     26   ≤ª, wohl linker Teil eines p 29   ≤ª, Senkrechte mit dem t oben verbunden, i
(d) 4 º≤, am ehesten unterer Ausläufer eines h; ≤ª, kai möglich      5   º≤≤≥, Waagerechte oben, an
einen runden, oben offenen Buchstaben anstoßend      8   º≤, Bogen auf der Linie wie von ç oder
e 10      ≤≤, am ehsten a, dann eine weit nach rechts ausgezogene Waagerechte auf halber
Höhe      11   º≤, Waagerechte, dann daran anstoßend runder Buchstabe; ≤≤ª, oberer Teil eines run-
den Buchstabens, dann Senkrechte
——
17-19 men≥qhvraç k≥alou'çi ta;ç m≥ªerivmnaçº ⁄ kai; fronªtºivdaç Lobel, vgl. Hsch. m 849 und 851, EM. 580,
6 und Suda; das Wort findet sich auch bei Panyassis Frg. 16, 16. Falls auch Alkman das Wort ge-
braucht hätte, müsste man im Lemma natürlich die dorische Form erwarten; da es hier die ioni-
sche Endung -rh hat, ist es wahrscheinlicher, dass Frg. 50 nicht zum Alkman-Kommentar gehört,
sondern einen anderen Dichter bespricht.

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3

P.Oxy. XXIV 2391 saec. Ip

Kommentar zu lyrischer Dichtung in dorischem Dialekt, möglicherweise


Alkman

Prov.: Oxyrhynchus.
Cons.: Oxford, Sackler Library, Papyrology Rooms.
Edd.: LOBEL 1957, 70-78; Frg. 4 + 21: PAGE 1962, Nr. 6; CALAME 1983, Nr. o259, o260;
CAMPBELL 1988, Nr. 6; DAVIES 1991, Nr. 6.
Tab.: P.Oxy. XXIV (= LOBEL 1957), pl. X; www.papyrology.ox.ac.uk.
Comm.: MP3 83; LDAB 181      PAGE 1959, 16 (nur erwähnt); CALAME 1983, 629-631.

Die Papyrusrolle ist in zahlreiche z. T. sehr kleine Fragmente zerfallen; zu


den 36 Stücken, die Lobel 1957 edierte, sind noch zwei winzige Stücke dazu-
gekommen, die jetzt auf der Internetseite zu sehen sind. Neues ergibt sich
hier nicht.
Die Schrift ist unbeholfen; Akzente oder sonstige Lesezeichen kommen
nicht vor, doch findet sich anscheinend ein Zeichen zur Angabe für metrische
Kürze in Frg. 34, 2.
Offensichtlich handelt es sich um einen Kommentar zu Dichtung in dori-
schem Dialekt; der Name eines Dichters ist anscheinend an zwei Stellen er-
halten (1, 4 und 21 (a) 5), wobei in 1 nach den Trennungsregeln sowohl
ΔAl≥⁄ªkai'oç als ΔAl≥⁄ªkmavn angenommen werden kann, während in 21 die Le-
sung ΔAlkmavªn ganz unmöglich ist; eher wohl ΔAlk(ai')ªoç. Die Erwähnung
von Amyklai in Frg. 21 (b) 9 könnte aber auf Alkman weisen.
In Frg. 5 geht es vielleicht wieder um die Herkunft des Dichters Alkman;
der Inhalt von Frg. 23 scheint grammatischer Natur zu sein.

Frg. 1
Kol. I Kol. II
ä ä ä
1 ºepito≥ ª
ºdhlounpe ª
ºçhdikeitouç u≥ª
4 ºqwçodeal≥ tª

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P.Oxy. XXIV 2391 87

º≤ pª
º≤ p≥ª
º≤ª
ä ä ä

1   o≥, nur die linke Hälfte des Buchstabens, auch i möglich      4   l≥, d≥ nicht unmöglich      5   º≤,
Senkrechte      6   º≤, rechter Teil einer Rundung      7   º≤, Spitze einer Senkrechten
——
2-3   º dhlou'n pe⁄ri; ?      3   ºç hjdivkei tou;ç ?      4   ºqwç (aor. pass. part. vel e. g. ajkolouvqwç); oJ de;
ΔAl≥⁄ªkman vel ΔAl≥⁄ªkai'oç Haslam; cf. Frg. 21 (a) 5, ubi nomen non est perscriptum (ΔAlk( )ª ).

Frg. 2

ä ä ä
1 ºç≥em≥ª
º poiei' dia; ga;r eª
º a≥ujth;n kai; ejnt≥ª
ä ä ä

3   kai; ejn t≥ªw'/ ... (sc. biblivw/) ? Haslam

Frg. 3

ä ä ä
1 º≤inkuª
ºn≥iwnª
ä ä ä

1 º≤, Ende einer von links oben nach rechts unten laufenden Schräge

Frg. 4

ä ä ä
1 ºqnª º≤ª
ºargurouª≤º≤ª
ºevcein ejke≥ivnh ª
4 º fati; filenª

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88 Alcman 3

º fhçin hJ filª
ºhr dio didwª
º≤ot≤≤ª
8 º pathr≥ ª
ºh≥ç hdeª
ºleoi≥ç≥e ≥ª
ºç≥ domª
12 º≤t≥oçec≥ª
ºkaleiwª
ºatwª
º≤v≥ª ºad≤ª
16 ºyª
ä ä ä

1   º≤ª, Fuß einer Haste      2   º≤ª, linker Teil einer Rundung      7   º≤, leicht gebogene Waagerechte
auf Höhe der oberen Zeilenlinie      ≤≤ª, Punkt oben an der Zeile, dann leicht gebogene Senk-
rechte, k ?      12   º≤, Punkt auf der Z.      15   º≤v≥ª, schwache Haste über der Z., Akzent?      ≤ª,
Rücken einer Rundung
——
4   fati; filenª feminae verba esse videntur (l. 5 ou{twçº fhçi;n hJ filª ); filen infinitivi forma dori-
ca sec. Calame p. 630, sed filenªdox< vel filenªqe< ?      6   patºhr, cf. 8, Haslam; diΔ o{ divdwªçin Ca-
lame      9   ºh≥çh deª vel ºh≥ çh deª 11   vel ºç≥domª = zom Haslam 13 kalei w ... vel wªç vel
didaçºkaleiw Haslam

Frg. 5

ä ä ä
1 ºa≥t ≥ª
º≤k≥wnª
ºdemu≤on≥ª
4 ºtraou≤ª
º≤w≥nª
ä ä ä

2   º≤≤, h≥k≥ eher als e≥i ≥k≥ 3   an das o reicht eine Waagerechte von links heran (q hat in dieser Hand
keinen langen Strich nach rechts), ç≥ ist möglich      4   ≤ª, eher z≥ als d≥ 5   m≥ oder l≥
——
3   º de; Mu'ç≥on≥ ? De origine poetae narratur ? oiJ de; Mu'ç≥oi≥ Haslam      4 quvgaºtra Haslam, cf. Frg.
7, 1

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P.Oxy. XXIV 2391 89

Frg. 6

ä ä ä
1 º≤≤ª
ºç≥ti≤≤≤ª
º≤tik≤ª
ä ä ä

2   Nach i unterer Teil einer Senkrechten, dann Punkt auf halber Höhe, dann wieder Senkrech-
te      3   º≤, hohe Senkrechte von h oder k ?  ≤ª, linker Teil eines runden Buchstabens

Frg. 7

ä ä ä
1 ºtra≤ª
ºnoi≤ª
ºnoi≥ª
4 ºarqe≥n≥ª
ä ä ä

1-3   Der rechte Rand des Fragments ist stark zerfasert, einzelne Tintenspuren vielleicht nicht in
in situ
——
1   quvgaºtra Haslam, cf. Frg. 5, 4      4   pºarqe≥n≥ª< ?

Frg. 8

Rand
1 ºçenqª
º≤hçc≥rª
ä ä ä

2   º≤, zwei hohe leicht gebogene Senkrechte, w ?


——
1   enqª pro elqª ? Lemma introducitur (Haslam)

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90 Alcman 3

Frg. 9

ä ä ä
1 ≤ª
≤ª
la≥ª
4 glukew≥ª
par e≥aEu‹t≥ª
t≥eronª
e≥i ≥peª
8 ≤≤e≤ª
ä ä ä

1   ≤ª, Fuß einer schräg nach rechts oben führenden Haste      2   ≤ª, Fuß einer Senkrechten      5   e
verschmiert      8   ≤≤, q≥r≥ª möglich      ≤ª, g oder t
——
4   glukewªç vel glukewªn

Frg. 10

ä ä ä
1 º≤lullª
ºntoç≥ª
ºnª
ºhª
ä ä ä

1   º≤, winziger Punkt im unteren Bereich der Z.


———
1   Fºiv≥lullªa Page 1959, cf. ⇒ 5, Vers 75

Frg. 11

ä ä ä
1 º≤≤≤ª
º ª
ºoçmª
4 ºrdiaª

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P.Oxy. XXIV 2391 91

Kºupridª
º fuvçei ga≥ª
Rand

2   Der Abstand zwischen den Z. 1 und 3 ist größer als zwischen den anderen Z., aber wohl nicht
groß genug für eine ganze Z.
——
4   kaºrdia cf. Kºupridª et Frg. 59 PMG, Haslam

Frg. 12

ä ä ä
1 º≤ª
ºo≥nta≥ª
ºarth≤≤ª
4 ºnonoukª
º≤≤≤ntou≥ª
º≤≤od≥h≤ª
ä ä ä

1   º≤ª, g oder p 3   ≤≤≥ª, ç≥e oder e≥ç≥ ?      5   q≥e ≥w≥n mit großer Vorsicht schon in ed. pr. vor-
geschlagen      6   º≤≤, Punkt auf halber Höhe, danach q≥ möglich; statt d≥ auch l≥ möglich, am
Ende wohl n≥ª

Frg. 13

ä ä ä
1 ºnª
º≤≤ane≤ª
º≤ieip≤ª
Rand

2   º≤≤, zwei dicht beieinanderliegende Punkte auf der Zeile, ≤g, aber g wäre sehr dicht am a; eher
º≤i 3   º≤, Waagerechte, welche das folgende i berührt; ≤ª, linker Teil eines runden Buchstabens

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92 Alcman 3

Frg. 14

ä ä ä
1 º≤ª
ºtª
ºnª
4 º≤aiwçh≤ª
ºi≥toteaª
ä ä ä

1   º≤ª, a oder l 4   Punkt hoch in der Zeile; ≤ª, p oder g

Frg. 15

ä ä ä
1 º≤ª
º≤w≥çª
ºe≥itw≥ª
4 º≤oiça≥ª
º≤ª≤ºq≥ª
ä ä ä

1   Unteres Ende einer Haste      2   º≤, Punkt auf der Linie      4   º≤, ºl≥ oder ºm≥ 5   º≤ª, Spitze ei-
ner kleinen Schlaufe

Frg. 16

ä ä ä
1 º≤i≥≤ª
º≤id≥w≥≤ª
ºnaçaª
4 º≤nª
ä ä ä

1   º≤, ein kurzer unterer Teil einer Senkrechten, darüber ein dachähnliches Zeichen (?); ≤ª, unte-
res Ende einer nach oben rechts aufsteigenden Schräge, die weit unter Zeilenniveau beginnt;
oder Zeichen zwischen den Zeilen ?      2   º≤, k oder c; durch den rechten Teil des w scheint eine
Waagerechte gezogen, danach ein großer runder Buchstabe      4   º≤, Senkrechte

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P.Oxy. XXIV 2391 93

Frg. 17

ä ä ä
1 ºei≥aip≥ª
º≤ª≤ºa≤ª
ä ä ä

2   a≤ª, wohl p

Frg. 18

ä ä ä
1 ºaioi≤ª
º≤açi≥ª
ºlaª
ä ä ä

1   ≤ª, linker Teil eines großen runden Buchstabens

Frg. 19

ä ä ä
1 ºk≤ª
º≤çiª
ºhç≤ª
ä ä ä

1   k≤ª, Senkrechte      2 º≤, Fuß einer leicht gekrümmten Haste

Frg. 20

ä ä ä
1 º ª
ºuroª
º≤a≥≤ª
ä ä ä

1   Faserschicht weggerissen  3   º≤, oberes Ende einer Schräge nach rechts unten; ≤ª, oberes
Ende einer Senkrechten

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94 Alcman 3

Frg. 21; die einzelnen Teile sind in ihrem Verhältnis zueinander klar durch
die Faserstruktur der Rückseite festgelegt (Lobel, 74).

(a) ä ä ä
1 ºnemme≥≤≥ª
º≤ penqeroª
º≤toç penqe≥ªro
4 ºoç kei'qi dhçª
º≤≤ª≤ºo oJ ΔAlk( )ª
ä ä ä
(b) 1 ºnei≤ª
ºçdhep≥ª
ºç≥ouka≤ª
4 ºe≥on≤≤apai≤ª
º≤≤≤kal≤ª≤º≤nahrª
paºralhvllwç≥ to; aujtoª
º t≥eqnhwvtwn laª
8 º çunouçivan gaª
ºa≥ç ΔAmuvklaç kaª
º≤d≥r≥o≥mon fula≥ª
ºeuou≤ª
ä ä ä
(c) 1 º≤o≥≤≤ª
º g≥lukhaª
º≤ª≤ºç diade≤ª
Rand

(a) 1 ≤ª, leicht schräge Haste, g oder p            2  º≤, Ende einer absteigenden Haste, a ?      3   º≤, un-
teres Ende einer Haste, die unter die Z. reicht      5   º≤≤ª, kleine Rundung, dann Schräge nach
links, dann leicht gebogene Senkrechte, r≥a≥n≥ªtºo möglich; nach k hochgestellter kleiner runder
Buchstabe, dessen linke Hälfte sichtbar ist, am ehesten w oder auch o, wenn nicht mit Lobel eine
Abkürzung für ai in Form einer Schlangenlinie anzunehmen ist; m unmöglich.
(b) 1   ≤ª, Senkrechte, die unter die Z. reicht, r ?      3   ≤ª, Punkt oben auf der Z., t ?      4   Zwi-
schen n und a unterer Teil einer Senkrechten, danach Spur im oberen Bereich der Z.      ≤ª, Spur
eines runden Buchstabens      5   º≤≤≤, Fuß einer nach rechts fallenden Haste (l ?), dann unterer
Bogen von e oder ç, danach je ein Punkt auf der Z.      ≤ª, oberes Ende einer nach rechts geneig-
ten Haste            º≤, Ende eines bis zum n reichenden Querstriches, ºe≥n ?          7      Spatium nach
t≥eqnhwvtwn, Ende des Lemmas ? (Page)      10   º≤, Spitze eines Buchstabens (a oder o ?)      11   ≤ª,
g oder ç möglich
(c) 1      º≤, Fuß einer nach rechts geneigten Haste            ≤≤ª, winziger Punkt auf der unteren Li-
nie      3   º≤ª, Fuß einer bis unter die Z. reichenden Senkrechten      ≤ª, Spur einer bis unter die Z.
reichenden Senkrechten

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P.Oxy. XXIV 2391 95

——
(a) 4   kei'qi, quod verbum apud Homerum (Il. III 402) et Pindarum (N. 9, 11) invenitur, pars aut
lemmatis alcmanici aut versus alterius poetae esse potest.
(b) 6   to auto ªtwi Haslam      7   t≥eqnhwvtwn : cf. Hom. Il. IX 633 teqnhw'toç; teqnhw< pro teqneiw<
praescripsit Aristarchus in Homero (Scholl./Did.); non lemma, sed verba aliunde allata delibe-
rat Haslam, nekuwn katateqnhwtwn (de abundatia verborum ?) vel kat<hria teqnhwtwn (cf. l. 5
hrª).
(c) 2   g≥lukha : cf. P.Oxy. XXIV 2387, Frg. 3 II 3 = PGM 3, 63

Frg. 22

ä ä ä
1 º≤ª
º≤deçpa≥ª
ºç≥ton≤ª
4 º≤≤≤ª
ä ä ä

1   º≤ª, Fuß einer Senkrechten      2   º≤, o möglich; a≥ª oder l≥ª            3 ≤ª, leicht unter die Zeile rei-
chende Spur, e ?      4   Winzige Spuren von oberen Enden von Buchstaben

Frg. 23; ajkªovºlouqon≥ª in Z. 5, dªwºrikw'ç in Z. 7, und der Begriff çun≥dªeºçmo;ç


(„Konjunktion“) in Z. 8 zeigen den grammatischen Inhalt des Fragments an.
Pavlin (Z. 9) ist typisch für die Fortführung der Argumentation auch in gram-
matischen Abhandlungen.

ä ä ä
1 ºm≥h≥ª
ºi≤ª
ºe≥ª≤ºmª
4 º≤euç≤≤≤nª≤º≤hkª
ºwçt≥≤akª≤ºlouqon≥ª
ºwª≤≤ºdiamen≤ª
ºk≥e ≥ndª≤ºrikwç≥d≥ª
8 ºçun≥dª≤ºçmoçaª
º palin≤ª≤≤≤ºn ≤≤ª
º≤eoikª
º≤≤ª
ä ä ä

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96 Alcman 3

2   ≤ª, stark abgerieben, am ehesten l 4   º≤, Ende einer Schrägen, l oder m; euç≤≤≤, Schräge von
links unten nach rechts oben, danach großer runder Buchstabe, danach Waagerechte auf Höhe
der Zeilenmitte; º≤, l oder m 5   Nach t≥ o oder e 6   ≤ª, g oder p 7   ºk≥, auch ºc≥ möglich      9   n
über der Zeile zugefügt, danach in Z. 9 unsichere Spuren eines runden Buchstabens, gefolgt von
einem oben waagerechten Buchstaben      10   º≤, am ehesten d 11   º≤≤ª, a gefolgt von l ?
——
5 º w{çt≥e ≥ ajkª≤ºlouqon≥ ªei\naiº Haslam      7   ei[rhºk≥e ≥n dªwºrikw'ç≥ d≥ª Haslam

Frg. 24

ä ä ä
1 ºnª
ºau≤ª
ºwn≤ª
4 ºnaut≥ª
º≤ª
ä ä ä

2   ≤ª, unteres Ende einer weit unter die Z. reichenden Senkrechten      3   ≤ª, Punkt auf mittlerer
Höhe

Frg. 25

Rand
1 º≤atizoª
ºmenh≤ª
º≤ª
ä ä ä

1   º≤, Punkt auf der Z.      2   ≤ª, unteres Ende einer Senkrechten, leicht unter die Linie reichend

Frg. 26

ä ä ä
1 ºwçtu≤ª
ºaiwç≥ª
ºa≥q≥ea≥ª
ä ä ä

1   ≤ª, n≥ ? 3   a≥ª oder d≥ª

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P.Oxy. XXIV 2391 97

Frg. 27; am ehesten gibt º≤rull≥on ≤ª in Z. 5 einen Anhaltspunkt, worum es


hier geht, aber die Ergänzung ist nicht klar: q≥ruvllon „Lärm“, bºhv≥rullon
„Beryll“ sind beide paläographisch möglich, weniger wahrscheinlich ist zu-
nächst b≥ruvllon, nach Sch. in Aristoph. Ran. 242a, 5 gewöhnlicher Ersatz für
çcoi'noç. Wenn çi≥to≥f≥ªag in Z. 4 richtig ist, gäbe das letztere wohl eher Sinn als
die beiden erst genannten.

ä ä ä
1 ºthç≤ª
ºqaitoutª
ºonakiçª
4 ºnçi≥to≥f≥ª
º≤rull≥on ≤ª
ºpolu≥ª≤º≤ª
º≤o≤ª
ä ä ä

1   ≤ª, Senkrechte mit nach links gebogenem Fuß, der leicht unter die Zeile reicht, wie es manch-
mal bei p der Fall ist      5   º≤, Punkt auf halber Höhe der Z.; ≤ª, noch ein n ?      6   º≤ª, zwei hohe
Punkte, wie von einem Trema, aber ungewöhnlich weit auseinander      7   º≤o≤ª, r oder b, dann
nach dem o g oder p
——
3   pleºonavkiç ª 4   ºn çi≥to≥f≥ªag ? Haslam      6   polu≥i?≥çtwr vel sim. Haslam

Frg. 28

ä ä ä
1 º≤aª
º≤oua≥ª
ºpª
4 º≤ç≥e≤ª
ä ä ä

1   º≤, Punkt auf der Z.      2 º≤o, ºt≥o oder ºg≥o; a≥ª oder c≥ª 4   º≤ç≥, doppeltes ç ?; ≤ª, Senkrechte

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98 Alcman 3

Frg. 29

Rand
1 º≤wnª
ºal≥l≥ª
ä ä ä

1   ≤ª, möglicherweise oberer Teil eines k

Frg. 30

ä ä ä
1 º≤ª
ºç≥ça≤e≤ª
ºp≤ª
4 ºeto≤ª
ºwnoç≥ª
ºome≤ª
ºonte≤ª
8 º≤ton≤ª
ºo≥çpuª
Rand

1   º≤ª, winiger Punkt auf der Linie      2   Nach a l oder d, nach e h oder k 3   ≤ª, runder Buch-
stabe      4   ≤ª, Punkt auf der Linie      6   ≤ª, Senkrechte      7   ≤ª, Punkt auf der Linie, i nicht mög-
lich      8   º≤, Ende einer Schräge von a oder l; ≤ª, am ehesten l
——
2   ºç≥çΔ ajl≥ek≥ªt ? vel ºç≥ça lek≥ª<, si forte lemma deliberat Haslam

Frg. 31

ä ä ä
1 º≤w≤≤ª
º≤≤u
ºolu≥
ä ä ä

1   º≤, am ehesten ein e; ≤≤ª, zweimal l ?      2   Lobel sah hier ein m in Korrektur, und dann nur
einen Buchstaben vor dem u

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P.Oxy. XXIV 2391 99

Frg. 32; ºmeqa in Z. 2 könnte für Lemma oder Paraphrase sprechen.

ä ä ä
1 ºçallw
ºmeqato
º≤≤çoikon
4 º≤uani≥
ºfh
º≥m≥a
º ≥po
Rand

1   Lobel deutet auf das verkümmerte zweite l hin und schließt m nicht aus      3   º≤≤, wohl h
oder doch ei ? to oder go nicht unmöglich      4   º≤, Punkt oben direkt am u 6   ºm≥, auch ºl≥l≥
möglich      7   º≤, p, h oder u möglich
——
4   º k≥uani≥⁄z< ? Haslam      7   possis iJºp≥po⁄<

Frg. 33

ä ä ä
1 º≤ato ª
ºtoiç ª
ºg≥ar≥ª
ä ä ä

1   º≤, Senkrechte

Frg. 34; das Fragment verdient besonderes Interesse, da hier anscheinend ein
Zeichen für metrische Kürze auftaucht (Z. 2). An dieser Stelle wäre also wie-
der ein Lemma eingeführt.

ä ä ä
1 ºoupeiª
º g≥a;r laÿª
ºwn ª
4 ºt≥ihç
º≤≤ª
ä ä ä

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100 Alcman 3

2   Über dem zweiten a Zeichen für metrische Kürze      5   Bedeutungslose Spuren, vielleicht zu-
nächst ein n
——
2   laªbh (Alcaeus 33, 2) vel laªgwvç vel sim.

Frg. 35; in Z. 2 verbirgt sich wohl ein Lemma: ºlato rJoaª< ?

ä ä ä
1 º≤ª
ºlatoroaª
º≤hnproteª
4 ºwndoçeiª
ºepi≤ª
ä ä ä

1   º≤ª, linker, unterer Teil einer Rundung      5   ≤ª, hohe Waagerechte, t ?


——
3   º t≥h;n protevªran Haslam

Frg. 36; das Fragment ist an einzelnen Stellen stark abgerieben, Fasern liegen
lose. Ohne eine eingehende Restaurierung wird man zu keinen neuen Le-
sungen kommen können. Meine Lesungen folgen fast überall denen Lobels.

ä ä ä
1 ºpan≥ ≤ª≤ºk≥aª
ºe≥i ≥nt≥ou≥çpolit≥a≥ª
ºt≥oeiçaqa≥n≥ai≥ ≤≤≤eiçª
4 ºç≥polewç≥alle≥p≥itw ≤ª
º pole≥≤çe≥n≥e ≤l≥oiçª
º≤gwno≥ ≤ª≤º≤a≥k≥ta≥≤ª
ºown ≤ª ºkpª
8 º≤≤≤≤≤≥ª ºd≥ontª
º≤≤≤ª
ä ä ä

2   t≥ou;≥ç polivt ≥a≥ªç 3   eijç ΔAqa≥n≥aiva≥n≥, lemma adversus eijç ? Haslam     4   th'ºç≥ povlewç≥ 5   povle≥o≥ç

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P.Oxy. XXIV 2391 101

Extras
(a) Stark zerfasert wie 36 und kaum lesbar; Reste zweier Zeilen
(b) anscheinend rechter Rand der Kol. erhalten;

ä ä ä oder Rand
1 ºç≥a
ºwn
º≤≤ç
ä ä ä

1   oder e≥ 3   º≤≤, Senkrechte dann vielleicht o

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4

P.Oxy. XXIV 2392 saec. IIp

Kommentar eines Dionysios zum 4. Buch der Lieder des Alkman (eher ein
Buchtitel als ein Sillybos)

Prov.: Oxyrhynchus.
Cons.: Oxford, Sackler Library, Papyrology Rooms.
Edd.: LOBEL 1957, 79; PAGE 1962, Nr. 18; CALAME 1983, Nr. 10; CAMPBELL 1988, Nr. 18;
DAVIES 1991, Nr. 18.
Tabb.: P.Oxy. XXIV (= LOBEL 1957), pl. III; www.papyrology.ox.ac.uk.
Comm.: MP3 84; LDAB 192      CALAME 1983, 369-370.

Das kleine Fragment von 4 × 9 cm zeigt in der unteren Hälfte Reste von
vier Zeilen; wie viele Buchstaben rechts und links von den erhaltenen Buch-
staben fehlen, ist nicht klar, doch lässt sich darüber spekulieren, da die Zei-
len um eine imaginäre Mittellinie zentriert zu sein scheinen (s. u.); nach oben
findet sich ein fast 4 cm breiter Rand. Die Schrift verläuft mit den Fasern, die
Rückseite ist leer.
Die Schrift ist die kleine runde Schrift des 2. Jh. n. Chr.; die abschließende
Kürzel für Hypomnema in Z. 4, ein großes pi mit eingeschriebenem ypsilon,
ist in größeren Buchstaben geschrieben. Oberhalb und unterhalb der 1.-3.
Zeile sind Zierstriche angebracht.
Ob es sich hier um ein Kolophon handelt oder einen Sillybos, ist schwer
zu entscheiden, doch scheint die Tatsache, dass der Text mit den Fasern ge-
schrieben wurde und das Layout der Zeilen vertikal, nicht horizontal ausge-
richtet ist, eher für die Eintragung am Schluss des Textes zu sprechen als für
das Etikett einer Buchrolle.1

Lobels Edition lautete


º Dionuçivou e≥po≤ª
º ΔAlkma'noç ª º ª

1
Zu den Sillyboi, den kleinen Anhängern von Papyrusrollen mit Titel und Autor der in der Rol-
le enthaltenen Schrift siehe Dorandi 1984; Dorandis Liste umfaßt sieben Beispiele von Sillyboi,
von denen drei aus Pergament und vier aus Papyrus bestehen. Mehr Material hat jetzt Caroli
2007 (Caroli bespricht diesen Oxyrhynchuspapyrus nicht); siehe zuletzt auch P.Oxy. LXXII 4853.

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P.Oxy. XXIV 2392 103

º mel≥ªw'ºn É d´ ª
4 º uJp(ovmnhma) ª
º ª

Hypomnema des Dionysios, des Ependichters (?), zum 4. Buch der Lieder
Alkmans.

Unklar blieb die Ergänzung der ersten Zeile; Lobel schlug zunächst
ej≥pop≥ªoiou'º vor und verwarf die Ergänzung dann wegen des fehlenden Arti-
kels. Zudem war es schwierig, einen Dionysios ejpopoiovç zu finden, der einen
Kommentar zu den Liedern Alkmans verfasst hätte (zur Identifizierung des
Dionysios s. weiter unten). ΔE≥pon≥ªomazomevnouº, das zumindest ein weiteres
Wort in dieser Zeile verlangt hätte, schien Lobel die Symmetrie der Sub-
scriptio zu zerstören.
Die neue Lesung eines Buchstabens eröffnet zwar Möglichkeiten zu einer
anderen Ergänzung, doch ergeben sich auch hier, und zwar unüberwindliche
Schwierigkeiten. Es sei trotzdem hier der Versuch unternommen, eine neue
Perspektive für die Interpretation dieses Stückes zu finden. Das von Lobel in
Z. 1 identifizierte, aber mit einem Punkt versehene Epsilon sieht in der Tat
ganz anders aus als das Epsilon in mel≥ªw'ºn in Z. 3. Dort ist der Querstrich ge-
rade nach rechts durchgezogen. Er berührt weder die Rundung des Buchsta-
bens links noch das Ende der Rundung oben. Das, was zunächst wie ein
Querstrich in dem fraglichen Buchstaben in Z. 1 aussieht, ist leicht gebogen
und berührt den von oben kommenden Bogen der Rundung, ja er scheint an
diese Rundung angesetzt zu sein. Einen kleinen Haken, der an das obere
Ende der Rundung angesetzt ist, haben auch die Sigmas in Dionuçivou (Z. 1)
und ΔAlkma'noç. Das Sigma scheint allerdings etwas zu tief in der Zeile zu
hängen. Wenn wir uns aber die obere Rundung des Buchstabens voller vor-
stellen (zweifellos war diese Rundung voller, denn hier fehlen mehrere Fa-
sern), fällt die Position des Buchstabens in dieser unregelmäßigen Hand
nicht mehr ins Gewicht.
Am Ende der Zeile ist ein Ny mit einer kleinen Haste nach links wie im
Ny bei ΔAlkma'noç möglich.2
Die neue Lesung ç≥pon≥ªdeivwnº brächte das fragliche Wort in Zusammen-
hang mit melw'n in Z. 3; damit gewänne auch die schräge Haste vor dem

2
Auch Lobel hatte diese Lesung nicht ausgeschlossen; zu sehen ist nur ein kleiner Punkt auf der
Höhe der oberen Spitzen der Buchstaben; Bastianini lehnt die versuchte neue Lesung nach Stu-
dium des Originals ab.

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104 Alcman 4

nachfolgenden d die Bedeutung, welche diesem Zeichen zukommen kann


(vor allem in dokumentarischen Texten) = ejçtivn.3 Merkwürdig bleibt aller-
dings bei dieser Lösung die Wortstellung, welche den Namen des Autors
zwischen melw'n und das dazugehörige Adjektiv drängt.
Es sieht also so aus, als ob auch diese, gewiss unsichere Lesung, nicht zu
einer Lösung des Problems führt.
Über das vierte Buch der Lieder Alkmans wissen wir inhaltlich bisher
nichts. In der Suda steht, dass Alkman sechs Bücher Lieder und die
kolumbw'çai geschrieben hat.4 Nach welchen Kriterien die alexandrinischen
Gelehrten die Einteilung in sechs Bücher vornahmen, ist nach den vorhan-
denen Zeugnissen nicht festzustellen. Lediglich von zwei Büchern wissen
wir, daß sie ihrem Inhalt nach zusammengefügt worden waren: sie enthiel-
ten die Partheneia.5 Die weiteren Bücher könnten nach ihrem Metrum (wie
einige der Bücher Sapphos) oder nach ihrem ei\doç (Inhalt und Anlass) geord-
net gewesen sein (wie z. B. die Bücher Pindars). Bis auf das rätselhafte ko-
lumbw'çai ist kein Buchtitel überliefert; Alkmans Bücher werden in den vor-
handenen Quellen stets nur mit ihrer Nummer zitiert, nicht mit einem Titel.
Als Verfasser des Kommentars steht auf dem Papyrus der Name eines
Dionysios (Z. 1). Bisher ist kein Grammatiker dieses Namens bekannt, der ei-
nen Kommentar zu den Liedern Alkmans verfasst hätte.
Lobel dachte an folgende zwei Möglichkeiten der Identifizierung:
1. Es könnte sich um einen Dionuvçioç handeln, der im Etymologicum Ma-
gnum unter dem Namen Dionuvçioç oJ Çivditoç als Gewährsmann für eine Er-
klärung zu uJpoptevrwn ojneivrwn angeführt wird; dieses Lemma stammt offen-
sichtlich aus dem Partheneion Alkmans, welches in P.Louvre, Kol. II 15 (⇒ 5)
überliefert ist. ÔO Çivditoç steht möglicherweise fehlerhaft für oJ Çidwvnioç; die-
ser war ein Schüler des Aristarch und beschäftigte sich besonders mit Homer.
Sein Name taucht auch in Scholien zu Pindar auf (zu P. 1, 172 und vielleicht
zu P. 1, 109).6
2. Dionysios Thrax wird großes Interesse an den frühen griechischen Lyri-
kern nachgesagt. Donat bezeichnet ihn in Zusammenhang mit prosodischen
Problemen in De arte grammatica (Grammatici Latini, ed. Keil, IV 529) als

3
Vgl. Del Fabbro 1979 bes. 90; McNamee 1992, 17-18.
4
S.v. ΔAlkmavn I 117 Adler = TB1 Davies S. 16 (Test. 4 Calame) e[graye bibliva e}x, mevlh kai; ko-
lumbw'çai; das Problem, ob die kolumbw'çai Inhalt eines der Bücher waren oder ein Buch für sich
außerhalb der anderen sechs, ist weiterhin nicht klar; siehe dazu auch Haslam im Kommentar
zu P.Oxy. XLV 3209 S. 2.
5
P.Oxy. XXIV 2390 ⇒ 2 (Frg. 49 Kol. II 11) ejn b par≥ªqeneivwnº und Stephanus von Byzanz, s.v. ΔEru-
çivch (Testimonium I zu Frg. 16 Davies; 8 Calame) ejn ajrch'/ tou' deutevrou tw'n parqeneivwn aijçmavtwn.
6
Siehe RE V (1905) s.v. Dionysios Nr. 135, Sp. 983-984 (L. Cohn); Der Neue Pauly III (1997) Nr.
16 Sp. 632 (F. Montanari); LGGA.

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P.Oxy. XXIV 2392 105

„lyricorum poetarum longe studiosissimus“. Wie weit dieses Interesse ging,


läßt sich nicht feststellen, doch scheint es eher abwegig, von Dionysios Thrax
eine Abhandlung über die Lieder des Alkman zu erwarten.
Eine weitere mögliche Identifizierung scheint weniger abwegig:
3. Ein Dionysios, dem man den Beinamen oJ mouçikovç gegeben hatte,
scheint ein guter Kandidat zu sein. Dionysios von Halikarnass lebte zur Zeit
des Kaisers Hadrian. Die Suda berichtet noch folgendes über ihn (s.v. 1171):
çofiçth;ç kai; mouçiko;ç klhqei;ç dia; to; plei'çton ajçkhqh'nai th'ç mouçikh'ç. e[graye
de; rJuqmikw'n uJpomnhmavtwn bibliva kd  v, Mouçikh'ç iJçtorivaç bibliva l": ejn de; touv-
toiç aujlhtw'n kai; kiqarw/dw'n kai; poihtw'n pantoivwn mevmnhtai: Mouçikh'ç
paideivaç h] diatribw'n bibliva kb, Tivna mouçikw'ç ei[rhtai ejn th'/ Plavtwnoç Politeiva/
bibliva eV.7
4. Nicht vergessen werden sollte als möglicher Kandidat – darauf macht
mich M. Haslam aufmerksam – ein Dionysios von Korinth, über den es in der
Suda heißt (d 1177): Dionuvçioç Korivnqioç, ejpopoiovç: ÔUpoqhvkaç, Ai[tia ejn biblivw/
aV, Metewrologouvmena: Kai; katalogavdhn ÔUpovmnhma eijç ÔHçivodon.

7
Siehe auch RE V (1905) s.v. Dionysios Nr. 142 Sp. 986-991 (L. Cohn), Der Neue Pauly III Nr. 20
Sp. 638-639 (F. Montanari). Seine Gleichsetzung mit dem Attizisten Dionysios von Halikarnass,
der ebenfalls unter Hadrian lebte, ist weiterhin umstritten; LGGA.

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5

P.Louvre E 3320 (= P.Paris 71) saec. Ip

Parthenion mit Randscholien (PMG 1)

Prov.: Memphis, Saqqara.


Cons.: Paris, Louvre.
Edd.: Ed. pr. EGGER 1863, 159-175; PAGE 1951, die Scholien auf den S. 9-16; PAGE 1962,
Nr. 1, Scholien auf S. 6; CALAME 1983, Nr. 3, Scholien auf den S. 40-44; CAMPBELL
1988, Nr. 1, Scholien auf den S. 370-373; DAVIES 1991, Nr. 1; Scholien auf S. 31;
HUTCHINSON 2001, 8-13; TSANTSANOGLOU 2006, 7-30; MCNAMEE 2007, 158-165;
TSANTSANOGLOU 2012.
Tabb.: Ausschnitt (Kolumnen II und III, sowie Teil der Scholien zu Kol. I): E. TURNER,
GMAW1 Nr. 16; GMAW2 Nr. 16 (dieses Photo ist weniger gut als das der Erstaus-
gabe); C. QUESTA, R. RAFFAELLI, Atti del convegno internazionale, Il libro e il testo,
edd. C. Questa, R. Raffaelli, Urbino 1984 pl. 13 (schwaches Photo mit demselben
Ausschnitt wie bei Turner); TSANTSANOGLOU 2012, pll. 2-10; ⇒ tabb. I-VII.
Comm.: MP3 78; LDAB 179      BERGK 1865, 1-16; BLASS 1878, 15-32; BLASS 1885, 1-24;
BERGK 1914, 23-44; PEEK 1960, 163-180; MARZULLO 1964, 174-210; WEST 1965, 188-
202; ROSENMEYER 1966, 321-359; DEVEREUX 1965, 176-184; DEVEREUX 1966, 129-134;
WEST 1967, 1-15; WEST 1970, 205-215; CUARTERO 1972, 23-76; GENTILI 1976, 59-67;
CALAME 1977, passim; PUELMA 1977, 1-55; IRIGOIN 1984, 85-102; PERON 1987, 35-53;
MOST 1987, 1-19; TURNER 1987, Nr. 16; PAVESE 1992, passim; CASSIO 1993, 24-36; CA-
LAME 2001, passim; HUTCHINSON 2001, 8-13; VALENTE 2009, 61-66; FERRARI 2008, pas-
sim; TSANTSANOGLOU 2012.

Der Papyrus wurde 1855 von Mariette in Saqqara gefunden1 und gelang-
te als einer der ersten literarischen Papyri nach Europa. Er überliefert das
größte zusammenhängende Stück von Alkmans Chorlyrik, 7 ½ fast vollstän-
dige Strophen zu je 14 Versen.2

1
Die dem Erstherausgeber Egger mitgeteilten Fundumstände seien hier kurz angeführt, obwohl
sie der Glaubwürdigkeit durchaus entbehren: Dans une lettre qu’il m’adressa à ce sujet le 27 fé-
vrier 1855, M. Mariette m’apprend que ce papyrus, rapporté par lui d’Égypte après sa grande
exploration du Sérapéum, provenient d’une momie découverte par les Arabes dans le voisinage
de la deuxième pyramide de Sakkarah; entre les jambes de la momie se trouvait le papyrus rou-
lé dans une enveloppe de mousseline (Egger 1863, 159).
2
Wie schon Blass 1885, 15 richtig gesehen hat, gehören die Schriftspuren am unteren Rand der
Rolle nicht zum Text (das zeigt schon die Schrift); sie stehen auf dort aufgeklebten Papyrus-
stücken, die vielleicht den unteren Rand verstärken sollten.

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P.Louvre E 3320 (= P.Paris 71) 107

Die eingehende Inspektion des Originals, welche sich vor allem auf die
Randscholien konzentrierte, hat einige neue Lesungen bewirkt. Fragen nach
der möglichen Aufstellung des Chores in zwei Teilchören und nach dem Um-
fang des Liedes können dadurch neu gestellt werden.
Das Fragment einer Rolle (die Rückseite ist leer) misst 27 × 22 cm. Erhal-
ten sind die Zeilenenden von Kol. I, die bis auf kleinere Fehlstellen vollstän-
digen Kol. II und III, sowie Randzeichen und Buchstabenspuren im unteren
Bereich der Kol. IV. Die Kolumnen enthalten 34 (I und II) bzw. 33 Z. (III). Die
Interkolumnien sind zumindest neben den Langversen knapp (1, 3 cm).
Zwischen den Kolumnen und am oberen und unteren Rand des Manu-
skripts sind ingesamt 19 Scholien von verschiedenen Händen geschrieben.
Am linken Rand der Kolumnen II und III haben sich Zeichen von unter-
schiedlicher Bedeutung erhalten.
Die Schrift des Haupttextes ist flüssig ausgeführt und mit vielen kursiven
Elementen durchsetzt, typisch für Hypomnemata (Turner 1987, 44). Dieselbe
Hand hat auch die meisten der Randscholien geschrieben. Von ihr stammen
außerdem zahlreiche Lesehilfen in Form von Akzenten und Längezeichen.
Offensichtlich war dies eine Kopie des Textes, die von einem Gelehrten
selbst angefertigt und benutzt wurde. Spätere Benutzer, oder Kollegen, de-
nen er die Rolle überließ, haben weitere Randscholien zugefügt.
Bei den Randscholien lassen sich 4 Hände von einander unterscheiden.
Hand 1 ist die Hand des Haupttextes und der Lesehilfen, nur kleiner und
mit noch mehr kursiven Elementen (Scholien zu Z. 2, 14, 49, 59, 61, 70, 81, 83,
88, 95, 98). Zu den meisten Eintragungen der Hand 1 gehört ein c am linken
Rand, wie es in Manuskripten üblich ist, in denen auf ein Hypomnema in ei-
ner separaten Rolle verwiesen wird.3 Hier scheinen die cs jedoch auf die
Scholien der Rolle selbst hinzuweisen, ob von einem separaten Hypomnena
übernommen oder nicht. Sie könnten in der Tat auch zur Vorbereitung eines
Hypomnemas dienen. Wie in solchen Hypomnemata, werden die von dieser
Hand geschriebenen Randscholien im Papyrus mit o{ti eingeleitet. Die von
den anderen Händen geschriebenen Scholien haben diese Besonderheit
nicht.
Hand 2 führte eine dickere Feder und zog leicht nach rechts geneigte,
schmälere Buchstaben (zu Z. 6, 37, 79). Alle von Hand 2 geschriebenen Scho-
lien zitieren Gelehrte namentlich.
Hand 3 ist sehr ähnlich wie Hand 1, aber noch kleiner und deutlich spä-
ter geschrieben, denn sie weicht Scholien der Hände 1 und 2 aus (zu Z. 32,
36, 43, 48, 61(?)). Ich möchte nicht ausschließen, dass diese wiederum Hand

3
Turner 1987, 14.

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108 Alcman 5

1 in einem späteren Stadium ist. Der Schreiber dieser Hand ist besonders an
der Zusammensetzung des Chores und an der Beteiligung der Chormitglie-
der am Vortrag interessiert.
Hand 4 benutzt eine dicke unsaubere Feder. Dieser Gelehrte fügt einmal
eine Worterklärung zwischen den Z. zu, und wiederholt diese Worterklä-
rung, wo das Lemma am unteren Rand der Kolumne II in einem Scholion
steht (zu 61, Zusatz zum Scholion zu 98). Er kommentiert wiederum ein
Scholion am unteren Rand der Kol. III.
Die Zeichen am linken Rand der Kolumnen II und III sind die schon er-
wähnten c der Hand 1 sowie ein schwer zu definierendes Zeichen vor V. 87
in Kol. II [tab. VI(a)]und vor dem vermeintlich letzten Vers des ganzen Lie-
des, vor Z. 4 der Kol. IV (= Vers 105), die nicht erhalten ist. Zu sehen ist vor
Vers 87 ein großes Delta mit drei groben Punkten unter der Basislinie und ei-
nem ebensolchen Punkt links neben dem Delta, sowie eine Waagerechte da-
rüber. Das Zeichen neben Kol. IV sieht fast genauso aus, nur fehlt hier die
Waagerechte über dem Delta, und der Punkt links ist zur Kugel vergößert und
hat einen Schweif. Die Bedeutung dieses Zeichens ist schwer zu fassen. Eine
stichometrische Angabe (d = 400 Verse) scheidet deshalb aus, weil das Zeichen
anscheinend in fast derselben Form zweimal auftaucht. Fast alle Gelehrten
nach Blass 1878, 16 haben dies in seiner Position vor V. 4 der Kol. IV (= V. 105)
als den Schlussasteriskus angesehen, der das ganze Lied abschloss. Gegen die-
se Bedeutung des Zeichens spricht nicht nur, dass es in fast derselben Form
schon einmal vor Vers 87 auftaucht, sondern auch, dass der Text auf der Rolle
hier durchaus nicht abbricht, sondern wie die Buchstabenspuren und das c im
unteren Bereich des rechten Papyrusrandes zeigen, sehr wohl weiterging. Ob
nämlich ein spatium nach Vers 105 folgte, ist nicht sicher, weil die Bruchstelle
des Papyrus direkt unter 105 keine Spuren zeigt, sondern, erst im unteren Be-
reich, wo die Kolumne nach Maas’ Law sich nach links ausdehnte. Hier hat
entweder ein weiteres Lied gestanden, oder das Parthenion ging weiter. Das
ist nicht zu entscheiden; es ist aber zu bedenken, dass Hephaistion in Peri;
çhmeivwn 4, 74 Consbruch behauptet, dass Alkman Lieder von 14 Strophen
geschrieben habe; wir hätten also in dem Papyrus nur etwas mehr als die Hälf-
te des vollständigen Liedes, nämlich 7 ½ Strophen, vorliegen.
In diesem Zusammenhang kann das Zeichen nach V. 77 am Ende der 6 er-
haltenen Strophe von Bedeutung sein. An den übrigen Strophenenden ste-
hen, soweit erhalten, Paragraphoi. An dieser Stelle aber fügte der Schreiber,
der ja auch ein Gelehrter war, eine diplh' e[xw blevpouça ein.4 Solch ein Zei-

4
Zu diesem Zeichen siehe Ercoles 2009, der allerdings weiterhin annahm, dass das Parthenion
mit dem (teilweise) erhaltenen Vers 105 endete.

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P.Louvre E 3320 (= P.Paris 71) 109

chen, sagt Hephaistion (loc. cit.), werde in der Mitte des Liedes gesetzt, näm-
lich zwischen der 7. und der 8. Strophe. Der Wechsel des Metrums, den He-
phaistion in der Mitte des alkmanischen Liedes annimmt, lässt sich jedoch in
dem Pariser Parthenion durchaus nicht feststellen. Dennoch könnte die Di-
ple an dieser Stele die Mitte des Liedes bezeichnen, auf die noch 7 Strophen
= 98 Verse folgten, von denen uns 24 erhalten sind (von den weiteren Versen
nur einzelne Buchstaben in Kol. IV). Dies würde auch bedeuten, dass wir vor
Kol. I noch weitere 1 ½ Strophen, oder 21 Verse zu erwarten haben, die aber
nicht eine ganze Kolumne füllen würden. Wenn die Annahme, dass dieses
Parthenion das erste im 1. Buch war, stimmt, muss hier ein wie immer ge-
stalteter Titel gestanden haben. Für eine solche Position des Titels gibt es al-
lerdings bisher in den Papyri kein Beispiel (siehe Caroli 2007, 53-54). Diese
Berechnungen erschüttern die Annahme, dass das Louvre - Parthenion wirk-
lich das erste Lied im 1. Buch war, wie so oft angenommen (vgl. auch S1).
M. Haslam schlägt jetzt vor, das große Delta mit den drei Punkten als eine
Kürzel für Didymus oder Dionysius zu lesen. Dann würde man wohl aber
auch eine weitere Eintragung erwarten, welche einen Kommentar des Ge-
lehrten enthält.
Am linken Rand von Kol. II stehen mehrere Paragraphoi. Ihre Bedeutung
wird unten im Zusammenhang mit den Scholien zu 36ff. besprochen. Einige
von ihnen geben den Schluss der Strophen an. Es gibt keine Paragraphoi in
Kol. III.
Als Lesezeichen werden Längenstriche und Akzente, sowie spiritus (Tur-
ners Formen 1 und 2)5 gegeben.
Die Scholien sind die übliche Mischung aus reinen Worterklärungen,
prosodischen Alternativen, oder inhaltlichen Erklärungen. Von besonderem
Interesse sind die von Hand 3 geschriebenen Anmerkungen zur Morpholo-
gie des Chores.
Als Gewährsmänner werden genannt: Pherekydes (zu 6), Aristophanes
(zu 32, 95), Pamphilos (zu 32), Aristarch (zu 37), Sosiphanes (zu 61) und ein
Stasikleides (?) (zu 79).

Im apparatus criticus werden Lesungsvorschläge nicht aufgeführt, die


mir aufgrund meines Studiums des Originals in Paris paläographisch un-
möglich scheinen.

V. 2 Scholion am rechten Rand der Kolumne; 13 Z., welche sich fort-


schreitend nach links verlängern (extreme Form von Maas’ Law, die sich in

5
Turner 1987, 11.

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110 Alcman 5

diesem Fall am linken Rand der folgenden Kolumne orientiert). Das Scholi-
on zu Z. 6 ist nicht unbedingt früher geschrieben worden (so McNamee 2007,
158); es sieht vielmehr so aus, als ob es in den freien Raum zwischen Haupt-
text und dieses Scholion zu 2 gezwängt wurde.
Gegenstand ist die Frage, was Alkman mit ajlevgw meint (Z. 1-5), und warum
er den Luvkaiçoç und die anderen Deretiden, die er namentlich erwähnt hat, in
einer bestimmten Weise behandelt (das Verb ist weggebrochen) (Z. 6-13).
Hand 1 = Hand des Haupttextes ⇒ tab. II

oujk ejgw;ºn≥ Luvkaiçon ejn kamou'çin ajlevgw o{ti toiauvth hJ


diav(noia): to;n Luvkai<
on ouj çugkata<
4 riqm(w') tª≤≤º≤a≤≤≤≥
ª º≤≤ª≤º≤≤ª≤º≤tivdaiç
o≥um≤ª≤≤≤≤º≤≤
tou≤ª≤≤≤≤≤≤º
8 d≥≤e≥ial≥ª≤º≤a≤ª º≤≤
eitai o≥uj movnon
to;n Luvkaio(n) ajlla;≥
k≥ai; tou;ç loipou;ç
12 Dhrhtivdaç ou}ç ejpΔ oj<
novmatoç levgei.

2   dian Pap.      3   çunkata Pap. 4   riqm Pap., nach t Lücke und schwache Spuren; tªoi'çº
k≥am≥o≥u'≥ªçºi≥ nicht unmöglich            5      ªÔIºp≥p≥ªoºk≥ªwºn≥tivdaiç vielleicht eher möglich als ] D≥h≥ªrºi≥tiv-
daiç 6   o≥u oder q≥u; º≤≤, a≥i ≥ vielleicht      7   ≤ª, f? Am Ende der Z. Schatten einer Spur      8   d≥
oder l≥, danach winzige Spur oben; º≤a≤ª, möglicherweise Abkürzung, dann a vor Senkrechter;
º≤≤, º≤ç≥ möglich, aber wegen der folgenden Z. nicht zu erwarten, ªpºo≥i ≥ ? 9      eitai si-
cher      10   tan, Luvkaio Pap. 12   dhritidaç Pap.      13   Strich unter der letzten Z. zum Ab-
schluss des Scholions
——
4   toi'ç kamou'çi dubitanter Blass; toi'ç a[lloiç Cuartero 1972, 32 nota 20, sed cf. Blass      4-8   alia
Tsantsanoglou      5   ªÔIºp≥p≥ªoºk≥ªwºn≥tivdaiç Blass; D≥h≥ªrºi≥tivdaiç Diels dubitanter, ejn toi'ç D≥h≥ªrºi≥tivdaiç
Scheidweiler      6   o≥uj mov≥ªnon Diels dub.      7-8   tou'ªton eijç ajpwvº⁄leian Diels, sed leian non lege-
re possis      9   eitai iam Blass      8-9   ªpºo≥i ≥⁄eitai Haslam 12   ou}ç ãoujkà Pavese

( ) weil dieser Sinn gemeint ist: Den Lykaios zähle ich nicht zu den ... Er ...
nicht nur den Lykaios, sondern auch die übrigen Deretiden, die er beim Na-
men nennt.

2-4    Das Verständnis von ajlevgw entspricht etwa dem in Sch. Pind. O. 2,


142 (I p. 96 Drachm.): ajlevgein: ajriqmei'n; dagegen hat Sch. Pind. O. 11, 15a (I

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p. 346 Drachm.) ajlevgwn: uJmnw'n, zitiert dann aber den 2. Vers des Parthenions
und paraphrasiert ajlevgein mit frontivda poiei'n (ähnlich Sch. 15c: ejn frontivda
e[cwn). Zum Sprachgebrauch siehe Bonanno 1982, 65-68.
Über Luvkaiçoç (Luvkaiqoç, Luvkaioç), Sohn des Dhreivthç (cf. Z. 9-12), wissen
wir nichts. Auch von diesem Vater ist nichts mehr bekannt, außer dass er
Sohn des Harpalos, Enkel des Amyklas und Vater eines Aiginetes war (Pau-
sanias VII 18, 5). Auch der Vater von Tyndareos und Hippokoon war ein En-
kel des Amyklas. Danach gehört Luvkaiçoç in die Generation von Tyndareos
und Hippokoon, aber nicht in die von deren Söhnen (was in der künstleri-
schen Ausführung des Mythos kein Problem ist).
Apollodor nennt einen der Söhne des Hippokoon Luvkaiqoç (III 124). Das
Verständnis, welchem Mythos Alkman (und der Kommentator) hier folgen,
hängt zunächst davon ab, ob man in Z. 5 ªÔIºp≥p≥ªoºk≥ªwºn≥tivdaiç akzeptiert oder
D≥h≥ªrºi≥tivdaiç, wie von Diels und Scheidweiler vorgeschlagen wurde, aber
eher nicht gelesen werden kann. Da das Original an dieser Stelle stark abge-
rieben ist, wird eine Klärung nicht möglich sein.
Die Z. 10-13 scheinen deutlich zu machen, dass neben den im Text fol-
genden Hippokoontiden auch eine Reihe von Deretiden in dem verlorenen
vorhergehenden Teil aufgeführt worden waren. Solange wir keine Verse aus
diesem ersten Teil besitzen, sollte Paveses Einfügung der Negation mit Vor-
sicht behandelt werden.

V. 6 Scholion am rechten Rand der Kolumne, zwischen dem Haupttext


und dem Scholion zu V. 2, die Namensform ΔArhvi >on betreffend. Als Ge-
währsmann wird Pherekydes angeführt.
Hand 2 ⇒ tab. II

Eujteivchº te Ûavnaktav tΔ ΔArhvi>on Ferekuv(dhç) e{n≥a≥


t(w'n) ÔIppokwntid(w'n)
ΔArhvi >ton. mhvpo<
4 tΔ ou\n k(ai;) w|de çu;n tw'/ tv
dei' to( ) h] t(o;n) ΔArhvi >ton
oJ ΔAlkm(a;n) ΔArhvi >o≥n≥ lev≥g(ei)

1   fereku Pap. 2   t;, ippokwntid Pap. 3   i> in 3, 5 und 6      4   kv Pap.      5   Die Lesung to ist
sicher; gr(avfein) (alle Editionen, auch Tsantsanoglou und McNamee) ist nicht möglich. Aufzu-
lösen ist vielleicht zu to(u'ton) (cf. P.Oxy. 1604, Frg. 1, Kol. I zu l. 6, Z. 2) oder t(o;) o[(noma); danach
muss dann grafein ausgefallen sein; tv Pap. 6   alkm; arhi>on; le≥g Pap. (Tsantsanoglous Lesung
eines c mit darübergestelltem i halte ich für unmöglich)

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112 Alcman 5

Pherekydes nennt einen der Hippokoontiden Areitos. Vielleicht ist auch hier
nötig, den Namen mit t zu (schreiben), oder Alkman nennt den Areitos
Areios.

Pherekydes Frg. 3 F 6 = Frg. 172A Fowler (R.L. Fowler, Early Greek Mytho-
graphy, I, Oxford 2000, 326).
In keiner Liste der Namen der Söhne des Hippokoon, welche in der
Schlacht gegen Herakles fielen, findet sich ΔArhvi >oç oder ΔArhvi >toç (Apollodor
III 124; Pausanias III 15, 2). Dies mag darauf zurückzuführen sein, dass der
Name einem Adjektiv entspricht und daher verlorenging. Immerhin kannte
Pherekydes den Namen noch (cf. Page 1951, 26-30).

V. 14 Scholion am rechten Rand der Kolumne in 3 Z. mit einer Erklä-


rung, dass Povroç derselbe wie Cavoç bei Hesiod sei.
Hand 1 ⇒ tab. II

ºar Ai\ça pantw'n


º geraitavtoi o{ti to;n Povron ei[rhke to;n aujto;n
tw'/ uJpo; toEu'≥D ÔHçiovdo(u) memuqologh<
mevnwi Cavei

2   Das zugefügte u sieht eher wie ein n aus; hçiodo Pap.

( ) weil er Povroç denselben nennt, der von Hesiod in seiner Mythologie


Cavoç genannt wird.

In dem verlorenen Text wird der Name Povroç erwähnt worden sein: kai;
Povroçº geraitavtoi ⁄ çiw'n: Blass; Ergänzungsvorschläge zum Text bei West
1967, 9 Fußnote 1.
Der Kommentator bezieht sich offensichtlich auf Hesiod, Th. 116 und 123.
Was das punctum comparationis zwischen Poros und Chaos ist, muss unklar
bleiben. Bergk 1865, 3-4 sah Poros und Chaos dadurch verbunden, dass sie in
verschiedenen Traditionen beide als Vater des Eros angesehen werden. Die
Eltern des Eros sind im Symposion 203 b Poros und Penia, im Scholion zu
Theokrit XIII 1 (S. 258 Wendel) und zu Apollonius Rhodius 496-498a (S. 44
Wendel) Poros und Ge. Dieses mag der Kommentator im Sinne gehabt ha-
ben, auch wenn im Haupttext nicht von Eros die Rede ist (anders Bergk).
Most 1987, 1-19, bes. 13, sieht hier dagegen eine „philosophische Ausle-
gung“, welche der im Kommentar zu Alkman (⇒ 2) verwandt ist. Es müsste
dann hier mit der komplizierten Annahme gespielt werden, dass Chaos als
der leere Raum zwischen Himmel und Erde (oder Himmel und Unterwelt)

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und Poros der Weg durch diese Leere sei, eben anders als bei Hesiod (vgl. zu
den verschiedenen Konzepten M. West zu Hesiod, Th. 116). Ein anderes Zeu-
gnis, in dem beide gleichgesetzt werden, gibt es bisher nicht.

V. 32 Zwei Z. am rechten Rand, die Schreibung des Namens ΔAi?daç be-


treffend. Als Gewährsmänner werden Aristophanes und Pamphilos genannt.
Hand 3 ⇒ tab. III(a)

º≤en ΔAidaç ΔAriçto(favnhç) ai>daç Pavmfilo(ç)


ajidaç
1   ariçto, pamfilo Pap. ai>daç Pap. (vix ai>da–ç Tsantsanoglou)

Aristophanes (Frg. 384A Slater) schreibt ai>daç, dreisilbig ù ù Þ, Pamphilos


ajidaç, zweisilbig Þ Þ. Der Haupttext zeigt einen Längenstrich und einen spi-
ritus lenis über dem ersten a, und ein Trema über dem i. In der Dreisilbigkeit
entspricht die Schreibung des Aristophanes der des Haupttextes, der ande-
rerseits durch die Längung des ersten a metrisch unmöglich ist.
Das Metrum von Vers 11 der Strophe ist gewöhnlich: Þ ù Þ ù Þ ù Þ x. Dem
entspricht exakt nur die von Pamphilos vorgeschlagene Schreibung mit dem
langen Diphthong als Penultima. Allerdings begegnet eine Auflösung der
Penultima zu zwei Kürzen auch in V. 2 (dazu Page 1951, 24), sodass die von
Aristophanes gegebene Schreibung auch akzeptabel und wohl vorzuziehen
ist, da ΔAi>daç bei Homer und in der Chorlyrik fast immer dreisilbig gemes-
sen wird (cf. Schmidt 1968, 3-4).
Pamphilos ist der jüngste der im Papyrus genannten Gewährsmänner. Er
lebte in Alexandria im 1. Jahrhundert n. Chr. Die Suda (p 142 Adler) nennt
ihn grammatiko;ç ΔAriçtavrceioç, „Grammatiker auf dem Lehrstuhl des Ari-
starch“, übersetzt Wendel). Der Besitzer des in das 1. Jh. n. Chr. datierten
Papyrus könnte hier sogar einen Zeitgenossen zitieren. Zu Pamphilos siehe
C. Wendel, RE XVIII 3, 336-349. Die Suda führt nach den Hauptwerken des
Pamphilos a[lla plei'çta grammatikav an, unter denen auch eine Schrift über
Prosodie gewesen sein muss (vielleicht ΔIliakh; proçw/diva ?, s. Wendel 344);
daraus könnte die Anmerkung stammen.

Die Scholien neben den Versen 36, 43 und 48 werden im Folgenden zu-
sammen besprochen. Sie stammen alle von derselben Hand und betreffen
eine Aufteilung des Chores in zwei Teile, sowie die alternierende Abfolge des
Gesanges der beiden Chorteile.

V. 36 Scholion am rechten Rand (rechts liegen lose Fasern auf); eine Z.


einer Anmerkung zum Problem, wer singt.

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114 Alcman 5

Hand 3 ⇒ tab. III(b)

e[çti tiç çiw'n tivçiç: aiJ p(ro;ç) th'(ç) ΔAgidou'ç a[ido≥u≥ç≥(in)

p;, th, aido≥u≥ç≥ Pap.

Die Mädchen auf der Seite der Agido singen.

Die Abkürzung der Präposition ist an allen drei Stellen (auch 43 und 48)
als p mit einem Gravis geschrieben; die gängige Abkürzungsform im Papy-
rus des Anonymus Londiniensis für provç (ed. Manetti 2011, p. XI), während
der Gravis über p in der ΔAqhnaivwn Politeiva auf parav weist (ed. Chambers
1986, IX). provç scheint doch den Sinn besser zu treffen; vgl. Schwyzer II 514
mit Beispielen.

V. 43 Scholion am rechten Rand; zwei Z. Anmerkung dazu, wer singt.


Hand 3 ⇒ tab. III(c)

faivnhn: ejme; dΔ ou[tΔ ejpainh'n ejnteu'qen aªiJº p≥(ro;ç) th'ç ÔAghçicovr(aç)


pavli≥n≥ ªlevºg≥ouçin

1   ejnteu'qen schon Blass; pv, aghçicor Pap. 2   pali≤ª, pali≥n≥ möglich, nicht a≥ª; º≤, t≥, g≥ möglich,
nicht u≥ oder e≥ (McNamee)

Von hier ab sprechen wiederum die Mädchen auf der Seite der Hagesichora.

V. 48 Scholion am rechten Rand; das Scholion weicht der offensichtlich


früher geschriebenen Randnotiz zu 49 aus.; Anmerkung, wer singt.
Hand 3 ⇒ tab. III(d)

pago;n ajeqlofovron kanacavpoda


aiJ p(ro;ç) th'(ç) ΔAgidou'(ç) tou'tΔ a[≥idou≥ç≥i ≥n≥
e≥i \≥ta aiJ p(ro;ç) th'(ç) ÔAghçicov(raç)

1   p;, th, agidou Pap.      2   e≥i \≥ta Calame; para; + Dat. Rosenmeyer; p;, th, aghçicor Pap.

Die Mädchen auf der Seite der Agido singen dies, dann folgen die Mädchen
auf der Seite der Hagesichora.

Um die genaue Position dieser Scholien und ihren Zusammenhang mit


den Paragraphoi am linken Rand zu zeigen, wird hier der Text von Kol. II in

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einer diplomatischen Umschrift, d. h. mit Worttrennung, aber ausschließlich


den antiken Lesezeichen abgedruckt. Eingetragen sind außerdem die Para-
graphoi.

35 erga pavçon kaka mh;ça;mevnoi


eçtiv tiç çiw'n tivçiç aiJ p(ro;ç) th'(ç) ΔAgidou'ç a[ido≥u≥ç≥(in)
o} d olbi;oç oçtiç eufrwn
ameran ªdiºaplekei
avklautoç: egwn d aeivdw
ä
40 ΔAgidwç to fw'ç orw'
ç w{t avlion onper a[min
ΔAgi;dw' martu–vretai
favinen: eme d out eph;ne;n ejnteu'qen aªiJº p≥(ro;ç) th'ç ÔAghçicovr(aç)
ää
oute mw;mevçqai nin a–J klenna–v coragoç pavli≥n≥ ªlevºg≥ouçin
45 oud aJmw;ç e;h'i: dokeei gar hmen auta
ekprephç tw;ç wivper aitiç
en botoi'ç çta–v çeien ippon
pa–;gon aeqlofovron ka;na;capoda aiJ p(ro;ç) th'(ç) ΔAgidou'(ç) tou'tΔ a[≥idou≥ç≥i ≥n≥
twn upopetridivwn onevirwn ei\ta aiJ p(ro;ç) th'(ç) ÔAghçicov(raç)
ä
50 h' ouc orhç o men kevlhç
ene–tikovç: a–;de caita
ta'ç ema'ç aneyia'ç
Aghçicovraç epanqei'
cruçoç wç akhvratoç
55 to t argurion provçwpon
diafravdan ti toi legw
Aghçicovra men a{uta

39   aklauçtoç Pap. 45   eivmen Pap. ante corr.      56   diaf·r‚adan Pap.

Der Kommentator war offensichtlich der Überzeugung, dass jeweils nur


Teile des Chores sangen, je nachdem, ob Agido oder Hagesichora gerühmt
wurden. Die Gründe, warum auch moderne Gelehrte hier Einschnitte an-
nahmen, sind klar ersichtlich: in V. 39-43 wird das Lob der Agido gesungen
(39-40 ejgw;n dΔ ajeivdw ΔAgidw'ç to; fw'ç oJrw'ç(a)), in V. 43-49 steht die Chorführerin
im Mittelpunkt (43-44 ejme; dΔ ou[tΔ ejpainh'n ou[te mwmhvçqai nin aJ klenna; corago;ç
ejhi' ), dann wieder Agido, ab V. 50 folgt wieder das Lob der Hagesichora.

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116 Alcman 5

Die Paragraphoi stehen exakt unter den betreffenden Versen (nach 39, 43,
49). Ein Randscholion korrespondiert ebenso exakt zu Vers 43. Das letzte der
drei betreffenden Scholien, welches wir neben V. 50 erwarten, fand dort kei-
nen Platz mehr (hier steht das Scholion zu den Träumen unter den Felsen),
und wurde so um zwei V. nach oben verschoben. Hier endet auch die Stro-
phe! Schwieriger ist die Plazierung des ersten Scholions zu erklären. Wir
würden es neben V. 39 erwarten, wo auch genug Platz gewesen wäre, es un-
terzubringen. Da, wo es steht, neben V. 36 sind wir noch in dem gnomischen
Teil des Liedes; allerdings bezeichnet das e[çti tiç çiw'n tivçiç: in V. 36 einen
Höhe- und Umkehrpunkt in den gnomischen Versen. Sollte der antike Ge-
lehrte verstanden haben, daß hier ein Teilchor einsetzte? Soweit ersichtlich,
steht hier keine Paragraphos am linken Rand des Textes. Ist dies also ein Ver-
sehen des Scholiasten, der seine Anmerkung eigentlich neben V. 39 hätte pla-
zieren wollen?
Alle drei Scholien lassen keinen Zweifel darüber, daß der antike Gelehrte
zwei Teilchöre, die sich im Gesang abwechseln, annahm. Über die Möglich-
keit eines geteilten Chores ist in der Moderne heftig gestritten worden. Fast
alle Gelehrten haben die raschen Wechsel zwischen den Lobpreisungen des
einen, und dann wieder des anderen Mädchens in den Versen 39-59 als irri-
tierend empfunden. Selbst Page, einer der heftigsten Vertreter des ungeteil-
ten Chores, war bereit anzunehmen, dass vielleicht zwei Chorteile getrennt
tanzten, doch nicht getrennt sangen (1951, 48-49). In der Formulierung der
Scholien ist diese Auffassung unmöglich.
Die meisten modernen Kommentatoren haben die Möglichkeit eines ge-
teilten Chores abgelehnt. Page’s Hauptargumente gegen eine solche Teilung
waren 1) der Text ist zu unregelmäßig geteilt, und 2) es gibt keine Zeichen für
Sprecherwechsel im Papyrus (1951, 57-62; cf. Calame 1977, 130-132 mit Fuß-
note 166). Es gibt aber im Papyrus sehr wohl Paragraphoi, das gängige Zei-
chen für Sprecherwechsel, und diese finden sich nur in der zweiten Kolum-
ne, zu der auch die Scholien gehören.
Das Verblüffende an der Auffassung des antiken Gelehrten ist, dass er
eine solche Teilung des Chores offensichtlich nur zwischen den Versen 39
und 50 annimmt, denn in der Kol. III gibt es keine Paragraphoi und keine
Scholien dieser Art. Er scheint zu verstehen, dass von Vers 50 an nur noch die
Mädchen bei Hagesichora singen (ei\ta aiJ p(ro;ç) th'(ç) ÔAghçicov(raç)). Er
scheint sich weder an der unregelmäßigen Aufteilung der Verse zwischen 39
und 50 gestört zu haben, noch an der Tatsache, dass dieses nur ein kurzer
Abschnitt im Lied war, in dem ein solcher Wechselgesang stattfand (aber
vielleicht gab es mehrere solcher Stücke im Lied, die nicht erhalten sind?);
siehe dazu hier am Ende.
Ein engagierter moderner Verfechter der These, dass der Chor geteilt war,

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ist Rosenmeyer 1966, 321-359 (in Fußnote 1 findet sich auch die gesamte Li-
teratur zu diesem Thema angegeben). Er beruft sich u.a. auch auf die Scho-
lien am Rand, die damals allerdings erst zum Teil gelesen waren. Rosenmey-
er gelingt es, von der These der miteinander kämpfenden Halbchöre wegzu-
kommen, und argumentiert für zwei Halbchöre, die sich im Wechselgesang
(„amoebean“) gegenüber stehen, aber nicht kämpfen. Die im Appendix an-
geführten Beispiele für Teilchöre aus der Alten Komödie (Lysistrate) und
dem Drama (Pratinas, Hyporchema ?) zeigen zwar eine gewisse Tradition;
sie befriedigen jedoch nicht, weil keines dieser Beispiele eine Teilung mitten
im Vers aufweist.
Jacques Peron hat das Thema wieder aufgenommen (Grazer Beiträge
1987). Er sieht (wie Rosenmeyer) den Chor in zwei Teilen, wobei sich die Mäd-
chen um Agido und Hagesichora abwechseln. Der Halbchor bei Agido singt
von 39-43, 50-51; ihm antwortet der Halbchor um Hagesichora in 43-49, 51-57.
Peron sieht hier ein psychologisches Spiel, in dem die unterschiedlichen Cha-
raktere der beiden Mädchen verdeutlicht sind (wohl überinterpretiert).
Wie ernst wir den antiken Kommentator mit seiner Aufteilung des Chores
nehmen wollen, hängt davon ab, wie viel Gewicht wir der Tatsache beimes-
sen, daß er sicherlich das gesamte Gedicht kannte, und sich auf Kommentare
stützte, die wahrscheinlich das gesamte Oeuvre Alkmans umfassten, wenn er
dieses Gesamtwerk nicht selbst kannte. Aufgrund dieser Tatsache sollte er
mindestens so ernst genommen werden wie Wilamowitz oder Page.
Falls G. Ferrari (2008) mit ihrer Interpretation recht hat, dass in dem Par-
thenion das Aufscheinen von Mond, Sonne und Sternen, die in der mor-
gendlichen Dämmerung im Wettstreit miteinander stehen, rituell nachvoll-
zogen wird, wäre leichter zu verstehen, dass dieser schnelle Sprecherwech-
sel nur an dieser Stelle im Lied stattfindet (siehe oben). Allerdings würden
wir dann nach 49 und – wie es aussieht – bis zum Schluss des Liedes eben
nicht Hagesichora, die nach Ferrari der Mond ist, als Protagonistin erwarten,
sondern die aufgehende Sonne, und das ist nach 40ff. Agido.

V. 37 Scholion am rechten Rand; eine Z. zur Akzentuierung mit Hinweis


auf Aristarch.
Hand 2 ⇒ tab. III(b)

oJ dΔ o[lbioç, o{çtiç eu[frwn ΔAriv(çtar)c(oç) o{ ª

o{ dΔ Haupttext      arico{ª Pap.

Aristarch liest o{ ª der, ... welcher (auch immer)

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118 Alcman 5

Der Hinweis stellt eine Variante zu der im Haupttext gebrauchten Ak-


zentuierung dar. Aristarchs Akzentuierung soll klarstellen, dass oJ hier nicht
der Artikel, sondern das demonstrativ-anaphonische Pronomen ist; vgl.
Apollonius Sophista p. 118, 2 mit Verweis auf Ilias I 9.

V. 49 Scholion am rechten Rand in 13 Z., von denen die letzte zwischen


die Verse 58 und 59 geschrieben wurde. c am linken Rand der Kolumne.
Z. 1-6 kommentieren die Vorliebe von Dichtern, Wunderbares mit Träu-
men zu verbinden; 7-13 sind ein Versuch, zu erklären, warum die Träume un-
ter Felsen wohnen. Das Homerzitat leistet kaum etwas zum Verständnis. Das
Schlüsselwort mag aber vielleicht das neu gelesese ajnªhºl≥i ≥vw≥/ in Z. 9, ejn
ajnªhºl≥i ≥vw≥/ tovpw/:, sein, wodurch das Homerzitat genau im Sinne von Ferraris
kosmischer Interpretation in seinem Gehalt erläutert wird (2008, 41 und 50).
Hand 1 ⇒ tab. IV

c tw'n uJpopetridivwn ojneivrwn o{ti ta; qauma≥<


çta; kai; teratwvdh oiJ
poihtai; eijwvqa(çi) toi'ç
4 ojneivroiç proçavptein ka≥i ;≥
økai;Ø oJmoiou'EnD dia; to; faivneçqai
kata; to;ªnº o[neiron toiau'ta:
uJªpoºpªetºridivo(uç) ei[rhke wJç
8 uJpo; pevtra/ oijkou'ntaãçÃ
ejn ajnªhºl≥iv≥w≥ tovpw/: paragravf(ei)
de; ”Omh(ron) wJç ejn th'/ ΔOduççeivai:
(Od. XXIV, 11-12) Pa;r dΔ i[çan ΔWkeanoi'o rJoa;ç
12 kai; Leukav<
da pevtrhn hjde; parΔ hjelioi'o puvlaç kai; dh'mo(n) ojneivrwn

2   ai Pap. 3   Langer Strich nach qa 5   paromoioun Page et al. : øk(ai)Ø omoioun Tsantsano-
glou 2006, 12      7 und 8 weichen einem am linken Rand der folgenden Kolumne stehenden sti-
chometrischen (?) Zeichen aus; uªpoºpªetºridio, eirhke Pap. 9   a≤ª, Punkt oben und unten, für
i zu kurz, eher t, p oder n; º≤≤≤, winziger Rest eines Buchstabens am oberen Rand, dann lange
Senkrechte, am ehesten i, gefolgt von w, das anscheinend nachgetragen wurde; bisher vor-
geschlagene Ergänzungen waren paläographisch unhaltbar; paragraf Pap. 10      omh
Pap. 13   dhmo Pap., Strich unter kai dhmo zum Abschluss des Scholions

( ) weil die Dichter das Erstaunliche und Wunderbare mit Träumen zu ver-
binden und auf eine Stufe zu stellen pflegen, da sie (diese Dinge) im Traum
als solche erscheinen. Er nannte sie (die Träume) „unterfelsig“, weil sie unter
Felsen wohnen an einem sonnenlosen Ort. Er umschreibt damit wie Homer

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P.Louvre E 3320 (= P.Paris 71) 119

in der Odyssee (sagt): Sie wanderten entlang der Fluten des Ozeans und des
Leukadischen Felsens, vorbei an den Pforten der Sonne und dem Land der
Träume.

Die aus der Odyssee angeführten Verse beschreiben den Weg in die Un-
terwelt. Sie nehmen mehr als nur die im Vers vorgefundenen Wörter uJpope-
tridivwn ojneivrwn wieder auf. Vielmehr suggeriert der Kommentator hier, dass
auch die Träume in der Unterwelt zuhause sind, indem er ihnen den „son-
nenlosen Ort“ zuweist, denn der Weg in die Unterwelt führt „vorbei an den
Pforten der Sonne“. Durch die neue Lesung ejn ajnhlivw/ tovpw/ scheint es mir
ganz sicher, dass paragravfei sich auf den Dichter Alkman bezieht, nicht auf
einen nicht namentlich genannten Kommentator (pace Valente 2009, 61-65),
wobei die Konstruktion ei[rhke ... paragravfei dev ... ohnehin den Dichter auch
als Subjekt von paragravfei nahelegt.

V. 59 Scholion am rechten Rand mit Resten von 6 Z. die Pferderassen be-


treffend, und Eintragung zwischen den Z. Zwischen dieser Eintragung und Z.
2 des Scholions gibt es keine Schriftspuren. c am linken Rand der Kolumne.
Hand 1 ⇒ tab. IV

c i{ppoç ΔIbhnw'i Kolaxai'oç dramhvtai ≤≤≤≤


ta; gevnh ejçti;n ikwn i{ppwn ª≤º≤≤ª≤≤º
≤≤≤ ei≥bhn ≤≤ª≤≤≤≤º
4 ≤≤≤ t≥ªw'ºn≥ o≥i ≥kei≤ª≤≤≤≤º
k≥avzei agi≥≥ª≤≤º≤ k≥ai;
th≤( )

1   Winzige Spuren, ç≥k≥u≥q≥ möglich, jedoch nicht açiat oder exwt; çkuq⁄ Bergk 1882      2   Keine Tin-
tenspuren zwischen ejçti;n und ikwn… º≤≤ª, Spuren von Buchstabenköpfen      3   Spuren vor ei≥bhn
minimal      4   a≥p≥o≥ nicht unmöglich; ≤ª, winzige Spur oben, w möglich. o≥ij≥keivw≥ªn ?      5   agi≥≥ª oder
ap≥ª; º≤, ol ?, ΔAg≥iªdw; kºol(axaivw/) ?            6      Über dem unsicheren Buchstaben Waagerechte th'/
eJ≥(tevra/) ist eher möglich als thvn≥

Das sind die Rassen von skythischen (?) Pferden ... Ibenisch (?) die einheimi-
schen (?) Pferde (?) ... er vergleicht ....

Das sechszeilige Scholion leidet unter der größten Fehlstelle im Papyrus;


viele Buchstaben sind zudem stark abgerieben.
Es sieht zunächst so aus, als ob die Eintragung zwischen den Z. und das
Scholion nicht zu derselben Anmerkung gehörten. Die Eintragung zwischen
den Z. kommentiert zweifellos die in dem darüberliegenden V. 59 erwähnten
Pferderassen; über dem Vers war der Platz bereits durch das vorhergehende

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120 Alcman 5

Scholion eingenommen, darum wurde wohl der Platz unter dem zu kom-
mentierenden Vers gewählt. Wir würden hier allerdings eher gevnh i{ppwn
ejçtivn erwarten. Mehr Sinn macht die Formulierung, die hier steht, wenn wir
darin den Anfang des Scholions sehen, das neben Vers 59 angefangen, und
unter dieser ersten Z. des Scholions fortgeführt wurde. Erklären ließe sich
diese etwas verwirrende Vorgehensweise mit dem nur beschränkt zur Verfü-
gung stehenden Raum über und neben V. 59. Die merkwürdige, unsyllabi-
sche Trennung in ikwn ließe sich vielleicht auch so erklären. Alle Herausge-
ber nach Blass haben dies als ein Scholion angesehen.
1    Falls die sehr unsichere Lesung ç≥k≥u≥q≥ richtig ist, sollte dieses Wort wohl
auch in ⇒ 1a, Frg. 6 I 8 gestanden haben. Siehe dort im Kommentar.
4    Wertung der skythischen Pferde im Vergleich zu den einheimischen?
4-5    eij⁄kavzei wohl sicher; daher wäre der Dativ in Z. 6 nicht zu gebrau-
chen, falls agi≥≥ª wirklich zu ΔAg≥iªd(w;) zu ergänzen ist. eijkavzein auch im Scho-
lion zu V. 61 am unteren Rand.

V. 61 Worterklärung über der Z. von Hand 4, ⇒ tab. IV


c am linken Rand der Kolumne, auf die Eintragung am unteren Rand ver-
weisend.

aroto
c ojrqrivai faroç feroivçaiç

aroto l. a[rotron fa'roç Pap. (pace Tsantsanoglou, Priestly)

Ob mit faroç ein Pflug oder ein Gewand gemeint ist, wurde unter Ge-
lehrten heftig diskutiert, zuletzt von Priestly 2007, die versucht, für „Ge-
wand“ zu argumentieren (wohl nicht überzeugend). Die Benutzer des Papy-
rus im 1. Jh. n. Chr. hatten über die Bedeutung des Wortes faroç möglicher-
weise auch keine klare Vorstellung. Herodians Eintrag zu favroç im Neutrum
hilft nicht viel zum Verständnis des Problems: çhmantiko;n tou' iJmativou h] kai;
tou' ajrovtrou, wJç kai; parΔ ΔAlkma'ni (Vol. III 1, 393).
Der Zirkumflex über faroç im Papyrus könnte bedeuten, dass der Ge-
lehrte, der den Text schrieb, das Wort selbst als „Gewand“ verstand. Aller-
dings sieht es so aus, als ob der Zirkumflex von Hand 4 mit ihrer groben Fe-
der nachgetragen worden sei. Diese Akzentuierung widerspricht dem Ver-
ständnis des Wortes als „Pflug“, die Hand 4 über der Z. angibt.
Auslassung von Liquiden nach Dentalen (aroto) ist relativ häufig zu beo-
bachten (Gignac I, 107-108) und kommt auch im Scholion am unteren Rand
vor.

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Zu diesem Vers am unteren Rand: Scholion in zwei Z. von zwei ver-


schiedenen Händen und einer Eintragung über der ersten Z. Hand 1
schrieb bis thn in Z. 2; danach folgt ein spatium und von anderer Hand
(Hand 3 ?) der Rest des Satzes. Die Eintragung über der ersten Z. gilt dem
gleichen Wort wie oben im Text und wurde von derselben Hand geschrie-
ben (Hand 4). ⇒ tab. V(a)

Hand 4 aroto
Hand 1 ojrqãrÃivai favroç: Çwçifavnhç a[rotron. o{ti
Hand 1 + 3 (?) th;n ΔAg≥i ≥dw; kai; ÔAghçicovran periçterai'ç eijkavzouçi

1   Kein Akzent über dem a von faroç 2   ag≥i ≥zw Pap.

Pflug (?)
In der Frühe den Pflug (?). Sosiphanes „Pflug“; ( ), weil sie die Agido und
Hagesichora mit Tauben vergleichen.

1    Die für die Eintragung über der Z. von E.G. Turner vorgeschlagene Le-
sung ΔAriçto(favnhç) ist nicht haltbar (Greek Manuscripts of the Ancient World,
2nd. ed. 1987, Nr. 16 S. 14-15; so auch McNamee S. 162, Davies). aroto ist hier
wie oben über V. 61 sicher. Campbells Aufteilung des Textes in
1) ΔAriçtofavnhç ojrqrivai
2) favroç: Çwçifavnhç a[rotron
ist damit gegenstandslos und schon wegen der verschiedenen Hände im Text
nicht möglich (QUCC 26, 1987, 71-72).
Es ist auffällig, dass im Scholion zwei Wörter zitiert sind, aber nur eines
davon (von Sosiphanes) kommentiert wird. Daher ist ojrqivai als Variante zum
Haupttext und als Dativ zu (Artemis) Orthia gesehen worden (ojrqiv–ai =
ojrqeivai). Diese Lesung passt allerdings nicht zu dem einheitlich für V. 61 gel-
tenden Metrum Þ ù Þ x Þ ù Þ x mit einer Kürze in zweiter Position. Das Scho-
lion versteht also den Text entweder anders als der Haupttext und nimmt da-
für einen metrischen Fehler in Kauf („für Artemis Orthia“), oder das Scholion
enthält einen Schreibfehler und zitiert das Wort nur beiläufig zusammen mit
dem nächsten Wort faroç. Auslassung von Liquiden nach Dentalen ist rela-
tiv häufig zu beobachten (siehe oben, Gignac I, 107-108, allerdings kein Bei-
spiel mit q). In einer archaischen Inschrift scheint jetzt aber ΔOrqiva als Name
der Göttin belegt zu sein; siehe Vegas Sansalvador 1996, 275-288.
Das Wort ojrqrivai wurde darum am unteren Rand wiederholt (mit Fehler),
obwohl es dann nicht kommentiert wurde, weil so das Auffinden der Z. oben
im Text erleichert wurde (wie üblich in den Scholien). Ob man es als Dativ
Singular („für Orthria“, Calame, Campbell) oder Nominativ Plural („wir,

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122 Alcman 5

früh am Morgen“, Page, Davies, Ferrari), verstand, geht aus den Anmerkun-
gen im Papyrus nicht hervor. Vgl. unten zu V. 81.
Ein Gelehrter namens Sosiphanes ist nicht bekannt, wenn wir ihn nicht mit
dem Sosiphanes identifizieren wollen, der in dem Scholion A zu Ilias IX 453
genannt wird. Sollte sich der Scholiast hier vertan und Sosiphanes anstelle
von Sosibius, dem berühmten Kommentator des Alkman, geschrieben haben?
Tsantsanoglou (S. 14) sieht hierin merkwürdigerweise eine Bestätigung von
Turners Lesung ΔAriçtofavnhç, die ich trotzdem nicht für richtig halte.
Zu dem Vergleich der Mädchen mit Tauben, im Lied Pelhavdeç, siehe ⇒ 1,
Frg. 6 II 21; es ist nicht klar, welche das Subjekt zu eijkavzouçi sein könnten
(vgl. zu V. 59, 4-5); sind es die Mädchen um Hagesichora (wie nach V. 50 zu
erwarten), die hier das Lob aller singen ? Es ist vielleicht bemerkenswert,
dass in dem betreffenden V. 60 zum ersten Mal das Kollektiv a\min auftaucht,
also singen von hier ab alle zusammen ? Dazu gibt es aber keine Angabe am
Rand.

V. 70 Scholion von 6 Z. am oberen Rand über Kolumne III; die ersten


drei Z. sind stark abgerieben. Auch in den folgenden Z. erübrigt sich eine
Beschreibung der Buchstabenspuren. Die Punkte können nur eine ungefähre
Zahl der einst vorhandenen Buchstaben anzeigen.
Hand 1 ⇒ tab. V(b)
Das Scholion scheint von der Zahl der Mädchen und ihren Funktionen im
Chor zu handeln. Es kommentiert die Aufzählung der Mädchen von V. 70-76,
und zitiert diese Verse mit Einschüben und Auslassungen (Z. 4-6). Tsantsa-
noglous Lesungen sind für mich nicht verifizierbar.

1 º≤≤≤≤ª º≤≤ª º≤≤≤dw≤≤≤≤llaª


º≤≤≤≤≤≤≤ k(ai;) ag≤≤≤≤≤≤≤≤≤( )≤ª
º≤ª≤≤º c≥o≥r≥o≥didavçkaloç t≥≤≤≤ç≥e ≥n k(ai;) oi≤≤≤≤ aiJ g(a;r) par≥ªqevnoi
4 º≤≤≤≤≤h≥≤t( ) ajriqm( ) ≤≤ib prwtoçtavtideç ≤≤ oujde; tai; Nanªnw'ç kovmai
º≤a≥nae≤≤≤≤≤≤≤≤ ΔAreta ≤ª≤≤º eªi\ºt≥a Çulakivç t(e) k(ai;) Klehçiçhvra ª
ªtºe k(ai;) ΔAçtafi;ç ≤≤≤≤≤ k(ai;) Fivllula ≤≤ k(ai;) Damarevta k(aiv) ΔIanqemªivç

2   k  v Pap. 3   k  v, gv Pap. 4   t  v, ariqm Pap. 5   a≥n oder w≥n; über ç q geschrieben, vielleicht
von derselben Hand, EQDulakivç; t  vk  vk  v Pap. (Abkürzungsstrich wie über vorhergehendem
k)      6   k  v, ianqem Pap.

3   c≥o≥r≥o≥didavçkaloç: Leider wird aus dem bruchstückhaften Text nicht klar,


ob der Kommentator Hagesichora in der Rolle eines c≥o≥r≥o≥didavçkaloç sieht,
oder ob er bewusst den c≥o≥r≥o≥didavçkaloç unterscheidet von der coragovç (V. 44).
4    prwtoçtavtide≥ç: Alkman selbst gebraucht [coºroçtavtiç in V. 84. Dies ist

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ein hapax, abgeleitet von dem maskulinen coroçtavthç, worin der erste Be-
standteil Objekt des zweiten ist, also „der, der einen Chor aufstellt“. Zum Be-
griff siehe Calame 2001, 45-46.
Ebenso ist prwtoçtavtiç ein hapax, abgeleitet von dem maskulinen
prwtoçtavthç (zunächst ein militärischer Begriff, der bei den Kirchenschrift-
stellern gerne im übertragenen Sinn gebraucht wird). In diesem Wort ist der
zweite Teil intransitiv; es bezeichnet die, die in der ersten Reihe stehen; in
diesem Falle wohl die, die in der ersten Reihe singen. Die Zahl 12 vor dem
Wort zeigt deutlich, dass das Scholion diesen Begriff nicht als „Chorführerin-
nen“ versteht (prwtoçtavthç in der Bedeutung „Chorführer“ bei Themistius,
Eijç to;n aujtokravtora Kwnçtavntion Hardouin 53b 6 und ΔErwtikovç 175b 4).

V. 79 Scholion am rechten Rand in drei Z., von denen 1 eine Worterklä-


rung ist; Z. 2-3 scheinen einen Gewährsmann einzuführen.
Hand 2 (so auch Blass 1885, 3) ⇒ tab. VI(b)

ÔAghçicªovºra parΔ aujtei' ajn(ti;) aujtou'


o≥≥≤≤ Çtaçikleid≥( )
≤≤ª≤≤≤º≤≥

an Pap.
——
2   çtaçiavz≥e ≥i ≥ legit Tsantsanoglou, vix recte

Die Form aujtei' für aujtou' wird von verschiedenen Grammatikern als Phä-
nomen des Dorischen angeführt; siehe Apollonius Dyscolus, De adverbiis II,
Vol. 1, 1, 207, 18; Herodian, De prosodia catholica 3,1, 504; Theognostos Gram-
maticus, Canones sive De orthographia, 960, 6.
Ein Stasikleides ist bisher als Gelehrter nicht belegt.

V. 81 Scholion am rechten Rand, den Anlass des Festes betreffend. c am


linken Rand der Kolumne.
Hand 1 ⇒ tab. VI(b)

c≥ qwçthvrªiav tΔº a{mΔ ejpainei' qwçthvria: eJort(h;) aª

eort Pap. Das a ist heute bis auf zwei winzige Punkte reduziert, doch zeigt ein älteres Photo noch
deutliche Spuren, die nur zu einem a gehören können
——
Cf. Hsch. q 1025 Latte: qwçthvria: eujwchthvria kai; o[noma ãeJorth'çÃ

Festival: Fest der A[

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124 Alcman 5

Das aª zeigt nun, dass der Kommentator eine Vorstellung davon hatte,
wem das Festival galt, und dass mit qwçthvria ein spezifisches Fest gemeint
war. Das scheint auch noch Hesych oder seiner Vorlage bekannt gewesen zu
sein, wo qwçthvria als o[noma doch wohl eines Festes gegeben wird. Die von
Hesych zuerst gegebene Definition eujwchthvria taucht als Glosse zu ejnhbhthvria
in Herodot II 133 in der Suda (e 1299) und in Glossaren zu Herodot auf und
bezeichnet einen Ort, an dem gefeiert wird. Das hiesige Scholion versteht da-
gegen die qwçthvria als Namen des Festivals.
Das nur auf dem alten Photo vorhandene aª hilft für die Identifizierung
der Gottheit, der dieses Festival galt, nicht viel. Calame hat die Möglichkei-
ten ausführlich erläutert (2001, 142-202; siehe auch Cyrino 2004-2005, die für
Aphrodite argumentiert). In Frage kämen Artemis (Caciagli 2009, 31-44), Ao-
tis, oder auch Aphrodite. Calame insistiert, dass das Festival am ehesten He-
lena gegolten habe, die mit Aotis (= Göttin der Morgendämmerung) gleich-
gesetzt wurde (1977, 121-127). Phoebe, die Tochter des Leukippos (s. Garvie
1965, 185-187), ist als Göttin des Festivals nun auszuschließen.

V. 83 Am rechten Rand; Worterklärung; c am linken Rand der Kolumne.


Hand 1 ⇒ tab. VI(b)

c devxaçqe: ªçiºw'n ga;r a[na o{ti to; a[na a[nuçiç

( ) weil a[na a[nuçiç ist.

Das Scholion entspricht einer Eintragung im Lexikon des Photios, s.v. a[na
(1393).

V. 88 Am rechten Rand; Worterklärung, sowohl die Bedeutung als auch


die grammatische Form zweier Wörter kommentierend.
Hand 1 ⇒ tab. VI(b)

Ûandavnhn ejrw': povnwn ga;r ajrevçkein ejpiqumw'

Zirkumflex über w

Ich möchte gefallen.

V. 95 Am rechten Rand; Erklärung der syllabischen Auslegung eines


Wortes, und damit das Metrum betreffend.

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Hand 1 ⇒ tab. VII(a)

khj≥n na'i> mavli≥ç≥t≥Δ aj≥k≥o≥uv≥h≥n≥: ªkhjºn n≥a'i': n≥ai' ΔAriçto(favnhç)

ΔAriçto(favnhç) Blass

Im Scholion steht der Zirkumflex über a und i (über a im Haupttext); das


Scholion hat kein Trema über i. Aristophanes folgt als Gewährsmann. Auch
in Vers 32 handelt es sich um ein prosodisches Problem, und auch dort wird
Aristophanes angeführt. Allerding hätte Aristophanes bei Vers 95 nicht auf-
gepasst. Dieses ist der vierte Vers in der Strophe, dessen metrisches Bild Þ Þ
ù ù Þ ù Þ x ergeben sollte. Die vorgeschlagene Variante passt nicht hinein.
Dass ausgerechnet Aristophanes das Metrum nicht verstanden haben sollte,
ist wenig wahrscheinlich. Vielleicht hat also nur der Schreiber des Scholions
nicht aufgepasst. Der doppelte Zirkumflex ist schon an sich merkwürdig. M.
Haslam nimmt an, dass es hier um ein Problem der Akzentuierung ging, les-
bisches Properispomenon gegen dorisches Oxytonon (?).

V. 98 Langes Scholion am rechten Rand beginnend und am unteren


Rand zuendegeführt; c am linken Rand der Kolumne.
Hand 1 (1-9) und 4 (10) ⇒ tab. VII(b)

c çiai; gavr, ajntªi; dΔ e{ndeka ≤≤≤ e{nde≥ka ≤


paivdwn dekªa;ç a{dΔ ajeivdºei: ta≤≤≤p≥o≤≤do( ) ei[rhke
ajlla; dia;
4 to; to;n
coro;n o{te me;n ejªxº i—a— parqevnwn o{te de; ejk i—: fh(çi;n) ou\n
th;(n) corhgo;n ≤≤≤g≥g≥≤≤ ajnti; i—a— a[idein i—: ejxh'n ga;r a[l(lon)
ajriqmo;n eijpei'n ≤≤≤≤ ei[≥per oujk ejbouvleto to;n ajriqm(o;n) tªw'ºn≥
8 parqevnwn ≤≤≤≤ ai thi ma≥
≤≤≤ai ΔOlumpiª º≤≤≤≤≤
i—q— ejxh'n

1   Vor e{nde≥ka≥ ≤ vielleicht Spuren, möglich wäre o{≥t ≥i ≥ (cf. die anderen Scholien, welche von einem
c am linken Rand begleitet werden), danach 1 oder 2 Buchstaben      2   Spuren von etwa 9 Buch-
staben; sie beginnen dicht bei dem Haupttext (gleich rechts von Z. 99). Hier sollte eine Vernei-
nung stehen, wenn sie nicht schon am Ende der Z. 1 gestanden hat      5   fh Pap. 6   th  v, al
Pap.      7   Winzige Spuren von drei oder vier Buchstaben auf der Z.; ariqm Pap.      9   Die Spu-
ren am Ende der Z. scheinen schon von Hand 4 zu stammen

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126 Alcman 5

11 sagte er, (nicht) ... , sondern weil der Chor mal aus 11, mal aus 10 Mädchen
bestand. Er sagt also, dass die Chorführerin (deklamiert und) anstatt von 11
(daher nur) 10 singen. Es wäre möglich gewesen, eine andere Zahl zu nen-
nen, (oder ?) wenn er die Zahl der Mädchen nicht hätte (näher bestimmen)
wollen, ... Musen ... 19 wäre möglich gewesen.

Das Scholion betrifft zwei Verse, die in engem Zusammenhang mit den
vorhergehenden und folgenden gesehen werden müssen, und deren Bedeu-
tung weiterhin umstritten ist.
96 aJ de; ta'n Çhrhnªivºdwn
ajoidotevra mªe;n oujciv,
c çiai; gavr, ajntªi; dΔ e{ndeka
paivdwn dekªa;ç a{dΔ ajeivdºei:
100 fqevggetai dΔªa[rΔº w{ªtΔ ejpi;º Xavnqw rJoai'çi
kuvknoç: aJ dΔ ejpimevrwi xanqa'i komivçkai
Die Schwierigkeiten betreffen einerseits die Frage, wer mit aJ in 96 ge-
meint, wie 99 zu ergänzen, und wer das Subjekt zu fqevggetai (V. 100) ist.
e{ndeka wurde aus dem Randscholion in den Haupttext übernommen.
Da die vorhergehenden Verse die Rolle der Chorführerin rühmen, ist an-
zunehmen, dass Hagesichora in 96 gemeint ist. Von der Mühll (Museum Hel-
veticum 15, 1958, 83) und ihm folgend West 1967, 11-15 haben aujdav anstelle
der Verneinung in 97 angenommen, aber der Sinn ist fast derselbe: „Hagesi-
chora kann (trotz allem) nicht besser als die Sirenen singen, denn die sind ja
Göttinnen“ oder „Die Stimme der Sirenen ist schöner (als die der Hagesicho-
ra), denn sie sind ja Göttinnen“.
Die von Wilamowitz vorgeschlagene Ergänzung in 99 ist von Page, Da-
vies und Campbell übernommen worden. Puelma bestreitet ihre Richtigkeit.
Er setzt ein wJç vor ajeivdºei (1977, 46-49 „doch sie singt gegenüber 11 Mädchen
wie eine Zehnerschaft“). Puelma sieht also in diesem Vers den Chor einer-
seits, und die Chorführerin andererseits erwähnt, aber er vergisst, dass diese
Worte von dem Chor selbst gesprochen werden, und er übersieht das Scho-
lion, das doch auf dem intakten Text beruht. ajntªi; ist im Scholion als „anstelle
von“ verstanden (Z. 1-5), und damit scheidet wJç aus.
Nach Hagesichora in 96-97, rühmt sich also in 98-99 der Chor, in dem an-
stelle von 11 nur 10 Mädchen singen.
Die Hauptfrage des Scholions ist: „Warum sagt der Dichter 11?“ oder
„Warum ist der Dichter so präzise mit der Zahl?“ Die erste Antwort ist durch
eine negative Praeambel verstärkt, die kaum zu entziffern ist; der Kommen-
tator versteht aber anscheinend die Heraushebung von 11 anstelle von 10 als
einen Hinweis darauf, dass der Chor mal aus 11 mal aus 10 Mitgliedern be-

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P.Louvre E 3320 (= P.Paris 71) 127

stehen konnte (Z. 3-5). In der speziellen Situation dieses Liedes macht die
Chorführerin den Unterschied aus zwischen 10 und 11 Mädchen (Z. 5-6). Sie
ist also mal dabei, und mal nicht dabei. Der Kommentator mag eine kühne
Unterscheidung zwischen fqevggeçqai und a[idein vornehmen. Zu fqevggetai in
V. 100 kann eigentlich nur Hagesichora Subjekt sein (anders Campbell); das
ergänzte a[rΔ – dies ist allerdings der einzige Beleg für diese Partikel in Alk-
man – unterstützt diesen Sinn. Das Scholion könnte also verstehen: „10 sin-
gen (a[idein) anstelle von 11, weil die Chorführerin (jedenfalls jetzt) fqevgge-
tai“. Dann sollten Z. 5-6 lauten: f≥q≥ev≥gg(eçqai) w{≥ç≥t ≥Δ ajnti; i—a— a[idein i—: oder
f≥q≥ev≥gg(eçqai) k≥(ai;) ajnti; i—a— a[idein i—: Das doppelte g sind allerdings die einzigen
verifizierbaren Buchstaben.
Insgesamt verstand West 1967, 11, Fußnote 4, den Kommentator wohl
ähnlich: „...: he is (subtracting) the choir-leader and saying that 10 are singing
instead of 11. For he could have said ... without a number (6-7 aj≥n≥⁄avriqmon
Merkelbach bei West 1967, 11 Fussnote 4), if he did not want (to state) the
number of the girls“. Die neue Lesung ejxh'n ga;r a[l(lon) ajriqmo;n eijpei'n
scheint zunächst keinen Sinn zu machen („denn er hätte eine andere Zahl
nennen können“), wird aber durch den Zusatz von Hand 4 in Z. 10 iq ejxh'n
gestützt („19 wäre möglich gewesen“). Soweit wir sehen, kann dies nur eine
kommentierende Note zu dem Scholion, nicht zu dem Haupttext sein. Der
Nachsatz „wenn er die Zahl der Mädchen nicht hätte (näher bestimmen)
wollen“, ist auch durch drei bis vier unentzifferbare Buchstaben von dem
„denn er hätte eine andere Zahl nennen können“ getrennt, so dass der Nach-
satz nur eine Einleitung zu einer Alternative zu sein scheint.
In Z. 10 gibt die Erwähnung der Musen (ΔOlumpiªavdeç ?) eine Idee, wie in
dem von der ersten Hand geschriebenen Teil weiter argumentiert worden
war, vielleicht mit 10 Sängerinnen und 9 Musen?
Calame’s Bemühungen, aus archäologischen Zeugnissen die geläufige
Zahl von Chormitgliedern zu rekonstruieren, führt leider nicht weit (2001,
21-25). Ebensowenig fruchtet der Versuch, das Problem der eigentlichen Mit-
gliederzahl des Chores durch die Zahl der im Text angeführten Mädchenna-
men zu lösen (Puelma 1977, 48). Ein ähnlicher Versuch scheint aber im Scho-
lion zu 70 unternommen worden zu sein, wo „12 Mädchen erwähnt sind, die
in der ersten Reihe singen“ (siehe oben). Zur Zahl der Sängerinnen siehe
auch Ferrari 2008, 98-99.

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6

P.Oxy. XXIV 2387 saec. Ia vel Ip

Parthenion mit Randscholien (PMG 3)

Prov.: Oxyrhynchus.
Cons.: Oxford, Sackler Library, Papyrology Rooms.
Edd.: LOBEL 1957, 8-22; PAGE 1962, Nr. 3; CALAME 1983, Nr. 26, Scholion auf S. 78;
CAMPBELL 1988, Nr. 3, Scholion auf S. 380; DAVIES 1991, Nr. 3, Scholion auf S. 37;
HUTCHINSON 2001, 17-18; MCNAMEE 2007, 165-166.
Tabb.: P.Oxy. XXIV (= LOBEL 1957), Plates I und II; TURNER 1987, Nr. 15 (Frg. 1 und 3);
CALAME 1983, nach S. 80 (Frg. 1 und 3).
Comm.: MP3 79; LDAB 191      CALAME 1983, 393-420, bes. 394-395; CASSIO 1993, 24-36;
CASSIO 1997, 187-214; HUTCHINSON 2001, 104-106.

P.Oxy. XXIV 2387 besteht aus zwei größeren und 31 zum Teil minimalen
Fragmenten. Frg. 1 und 3 überliefern das nach dem Stück im Louvre (⇒ 5)
am besten erhaltene Parthenion Alkmans mit 10 bzw. 25 meist bruchstück-
haften Z. Das Lied ist in Strophen zu jeweils 9 Versen gegliedert. Frg. 1 ent-
hält den Liedanfang, wie es scheint mit der Anrufung der Musen, und in der
1. Person Singular gesprochene Worte.
Die Frg. 1 und 3 zeigen einen hohen oberen Rand (4 bzw. 5 cm); die In-
terkolumnien sind knapp bemessen mit weniger als 1,5 cm bei Langzeilen.
Die Schrift ist eine elegante aufrechte Buchhand mit vertikal gestreckten
Buchstaben. e und ç sind etwas nach links gelehnt. Rundungen sind oft durch
eckige Formen ersetzt (vor allem in w).
Strophenende nach jeweils 9 Versen wird durch Koronis (Frg. 3, Kol. II
nach Z. 3; Kol. III, nach Z. 9) angezeigt; nach jeweils drei Versen steht eine Pa-
ragraphos (Frg. 3 in Kol. II und III).
Der erste Schreiber und ein weiterer haben im Text Akzente, Spiritus und
Längenzeichen eingefügt. Silben vor enclitica tragen einen Akut (z. B. periv me
Frg. 1, Z. 1); der Gravis steht auf unakzentuierten Silben in Wörtern, welche
lang und ungewöhnlich sind wie z. B. ‘Açtu;mevloiça (Frg. 3, Kol. II 4) oder
di;ai;pethç (Frg. 3, Kol. II 7). Der Gravis zeigt also an, dass das Wort ein Com-
positum ist und nicht nach der Silbe mit dem Gravis getrennt werden darf.
Spiritus erscheint in Turners Form 1 (Frg. 3, Kol. II 20 und 24).1

1
Turner 1987, 11.

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P.Oxy. XXIV 2387 129

Korrekturen stammen von der zweiten Hand. Über dem q von qanavtwi
(sic, aber dies ist ein Genetiv) steht ein kursives ç. Der Korrektor war also der
Auffassung, dass der lakonische Dialekt ein ç statt eines q verlangte (das fal-
sche iota adscriptum wurde jedoch nicht korrigiert).2
Die 7 erhaltenen Scholien wurden in einer Kursive des 1. Jh. n. Chr. auf
den oberen Rand in Frg. 1 und rechts neben eine verlorene Kol. in Frg. 3
geschrieben. Weitere Zeichen finden sich neben einzelnen Versen der erhal-
tenen Kol. in den Frg. 1 und 3.
Schrift, Lesezeichen und Korrekturen, sowie die Scholien machen deut-
lich, dass diese Kopie von einem Gelehrten benutzt wurde, der sie mit ande-
ren Exemplaren verglich.

Frg. 1, Scholion 1 (am oberen Rand von Frg. 1)


Das Fragment enthält Reste von 10 Z.; der obere und rechte Rand sind er-
halten. Nach links fehlen etwa 3-4 Silben jedes Verses, also etwa 3-4 cm bis
zum linken Kolumnenrand. Die Anrufung der Musen in Z. 1 identifiziert die
Z. als den Anfangsvers des Parthenions.
Am oberen Rand stehen 5 fragmentarische Z. eines Scholions in kursiver
Schrift mit zahlreichen Abkürzungen. Der linke Rand ist im Scholion wie im
Haupttext weggebrochen.

1 ºtaª º
pºarengrav(fetai) ejn≥ ªtoºi'ç ajntigrav(foiç) au{th
hJ ... ejn (tw'i)º p≥evmptwi ≤ª≤≤º ka≥i ;≥ ejn ejkeivnw≥i
4 ejn me;n tw'iº ΔAr(içto)niv(kou) periegevgra(pto), ejn de; tw'i Ptol(emaivou)
ajperªivºgra(ptoç) h\n

2   pºarengra (l. pareggra), antigra Pap.      3   ≤ª, winziger Punkt auf der Z. b≥ªi(blivw/) nicht unmög-
lich; die Fasern im oberen Bereich sind ganz weggebrochen, oder gibt es hier Interpunktion und
spatium (M. Haslam) ? 4   arni, perigegra, ptol Pap.      5   aperªiºgra Pap.
——
1   diaferetai tauºta M. Haslam dub.      2   pareggra(fetai), ejn≥ ªtoºi'ç ajntigrav(foiç) Lobel      3   hJ
wjidhv vel çtrofhv Lobel, hJ wjidhv vix çtrofhv Page; Calame, Hutchinson; kajn (tw'i)º pevmptwi Lobel;
Page; de spatio post pevmptwi desperavit Lobel      4   suppl. Lobel      5   supplevit et resolvit Lo-
bel

2
Zu dieser Auffassung des Dialektes bei den alexandrinischen Gelehrten, welche eine Sprach-
stufe nicht vor dem 5. Jh. spiegelt, siehe Einleitung und Cassio 1993 und 1997.

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130 Alcman 6

Dieses [Lied] steht in den (vorliegenden) Exemplaren fälschlicherweise (auch


?) in Buch 5, und in jenem (Buch) ist es im Exemplar des Aristonikos einge-
klammert, während es im Exemplar des Ptolemaios nicht eingeklammert ist.

Lobel hat den Sinn des Scholions in der ed. pr. wohl schon richtig erkannt
(S. 11-12).3
Es scheint zu erklären, dass etwas (au{th, Z. 2; dazu siehe unten) fälschlich
geschrieben war (pºareggrav(fetai), Z. 2) in gewissen Exemplaren (ªtoºi'ç ajnti-
grav(foiç), Z. 2) in Buch 5 (Z. 3), dass es aber in jenem Buch (ejn ejkeivnw≥i, Z. 3)
im Exemplar des Aristonikos eingeklammert sei (ªejn me;n tw'iº ΔAr(içto)niv(kou)
periegevgra(pto), Z. 4), im Exemplar des Ptolemaios aber nicht eingeklammert
(ejn de; tw'i Ptol(emaivou) ajperªivºgra(ptoç) h\n, Z. 5).
Die Konsequenzen aus dem, was der Gelehrte hier im 1. Jh. n. Chr. an den
Rand geschrieben hat, können aber wohl noch präzisiert werden.
Wenn die Interpretation Lobels richtig ist, signalisiert das Scholion, dass
die Klassifizierung der Lieder des Alkman durch die alexandrinischen Ge-
lehrten nicht stabil war, sondern dass wenigstens ein Lied (oder eine Stro-
phe) sich sowohl in einem Buch der Parthenia, aber auch/oder in Buch 5 wie-
derfinden konnte.4
Lobel wollte es unentschieden lassen, ob der Gelehrte eine Strophe oder
das ganze Lied mit au{th (Z. 2) meinte. Dazu weiter unten.
Ob wir annehmen sollen, dass das Lied in manchen Handschriften in
zwei verschiedenen Büchern stand, oder ob es Handschriften gab, in denen
es in Buch 1, und andere, in denen es in Buch 5 stand, hängt davon ab, ob
wir in Z. 3 mit Lobel kai; ejn tw'iº ergänzen wollen, oder nur ejn tw'iº. In Zu-
sammenhang damit steht die Frage, welche Exemplare mit ejn ªtoºi'ç ajntigrav-
foiç gemeint sind.
Es gibt zwei Möglichkeiten:
a) ejn ªtoºi'ç ajntigravfoiç bezeichnet eine unbestimmte Zahl von Exempla-
ren, welche dem Besitzer von P.Oxy. XXIV 2387 bekannt waren, eingeschlos-
sen doch wohl dasjenige, welches seinem Schreiber als Vorlage diente. Der
Schreiber hatte das Lied als Teil von Buch 1 oder 2, den Parthenionbüchern,
abgeschrieben, denn das Scholion am oberen Rand dieses Textes zeigt deut-
lich, dass wir uns hier in einem von Buch 5 verschiedenen Buch befinden.5

3
Anders Calame 1983, 394-395, der ejn ejkeivnw/ auf ajntivgrafon beziehen möchte, nicht auf ein Buch
der Lieder Alkmans.
4
Zu den Problemen der Klassifizierung von griechischer Lyrik durch die alexandrinischen Ge-
lehrten siehe Harvey 1955, 157-175; Pfeiffer 1968, 181-184.
5
Anders Calame 1983, 394-395, dessen Gedankengang aber nicht nachzuvollziehen ist.

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P.Oxy. XXIV 2387 131

Wenn dies die Bedeutung von ejn ªtoºi'ç ajntigravfoiç ist, muss das Lied folglich
an zwei Stellen im Werk des Alkman aufgetaucht sein, und Lobels Ergän-
zung kai; ejn tw'iº ist richtig.
b) ejn ªtoºi'ç ajntigravfoiç bezeichnet nur die im Folgenden genannten
Exemplare der Gelehrten Aristonikos und Ptolemaios, und schließt nicht die
Vorlage des Schreibers ein. Die Exemplare dieser Gelehrten gäben dann als
einzige das Lied im 5. Buch, und die Ergänzung ejn tw'iº ist richtig.
Bei der Entscheidung zwischen a) und b) können Platzgründe kaum hel-
fen, da ejn nur um einen Buchstaben kürzer ist als kajn. Aber das Argument ist
insgesamt schwach; wir wissen nicht, ob das Scholion einem geraden linken
Rand folgte. Z. 2 kann mit pºareggrav(fetai) begonnen haben, und ist so viel
kürzer nach links als die folgenden Z.
Die Frage, ob es sich um die falsche Plazierung eines ganzen Liedes oder
einer Strophe handelt, ist gewiss eher zugunsten von wjidhv zu entscheiden.6
Doch kann nicht ganz ausgeschlossen werden, dass nur die erste Strophe, in
der die Musen angerufen werden, aber kein spezifischer Mädchenname ge-
nannt wird, sondern die Person des Dichters (?) im Vordergrund steht, als
Versatzstück auch in einem anderen Lied, eben im 5. Buch fungieren könnte.
Wir wissen bisher nur von einem weiteren Fall, wo die Klassifizierung
von lyrischen Versen unsicher war und sie in zwei verschiedenen Büchern
auftauchten. Ian Rutherford hat in Pindars Paean-Papyrus (P.Oxy. V 841) am
Rand zur dritten Triade von Paean VI den Titel Aijgªinhvtaºiç ªeijºç Aij≥aªko;ºn≥
proçªovºd≥ion entziffert.7 Dazu steht am rechten Rand eine Anmerkung, welche
G.B. D’Alessio als ejn tw'i a≥ ªtºw'n proçodivªwºn fevretai wohl richtig gelesen hat.8
Die dritte Triade war also einerseits als Teil eines Paeans, und andererseits
selbständig mit eigenem Titel als Prosodion überliefert. Auch wenn es sich
hier um den Teil eines Liedes handelt, der selbständig in einem anderen Buch
auftaucht, ist die Situation insofern vergleichbar, dass es sich in beiden Fäl-
len um eine Unsicherheit der Klassifizierung nach dem Anlass der Verse han-
delt. Rutherford und D’Alessio haben die Gründe für eine solche Doppel-
klassifizierung für die Genres von Paean und Prosodion überzeugend dar-
gelegt.9
Was könnte zu einer Doppelklassifizierung eines Parthenions geführt ha-
ben? Die Suda sagt, dass Alkman sechs Bücher Lieder und die kolumbw'çai
geschrieben hat. Nach welchen Kriterien die alexandrinischen Gelehrten die

6
So auch Page 1962.
7
Rutherford 1997, 1-21.
8
D’Alessio 1997, 23-60.
9
A. a. O.

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132 Alcman 6

Einteilung vornahmen, ist nur für die beiden ersten Bücher sicher, welche die
Parthenia enthielten. Es sieht so aus, als ob auch die folgenden Bücher nach
ihrem Inhalt oder Anlass geordnet gewesen seien. Bis auf das rätselhafte
kolumbw'çai ist kein Titel überliefert (siehe zu ⇒ 4, Einleitung).
Von Buch 5 haben wir zwei Fragmente sicher, ein weiteres Fragment
könnte ebenfalls aus diesem Buch stammen. Die Verse von Frg. 19 und 20
PMG werden bei Athenaios als Verse aus Buch 5 zitiert (sie haben unter-
schiedliche metra).10 Frg. 96, welches im Inhalt und im Metrum Frg. 19 nahe
ist, wurde von Wilamowitz und Von der Mühll demselben Lied zugeschrie-
ben.11 Diese beiden Fragmente sprechen von großzügigen Speisen, Frg. 19
deutlich von einem Bankett. Dabei könnte es sich um eine kopivç handeln, ein
rituelles Mahl bei Festen in Sparta.12
Die Tatsache, dass das ganze Lied in manchen Handschriften auch oder
nur im 5. Buch stand, könnte mehr Aufschlüsse über den Charakter dieses
Buches geben.

Die Hände der Randscholien dürften alle in das 1. Jahrhundert n. Chr. ge-
hören, kommen also zeitlich sehr nahe an die Lebenszeit des Aristonikos –
Strabon nennt ihn seinen Zeitgenossen (siehe im Kommentar) – und Ptole-
maios heran. Es sieht so aus, als ob der Besitzer der Papyrusrolle direkten
Zugang zu den Exemplaren der beiden Gelehrten hatte. Die Suda nennt al-
lerdings Rom als den Ort, an dem sie tätig waren. Die Präsenz beider Ge-
lehrter in den P.Oxy. scheint allerdings für eine lang anhaltende Tätigkeit in
Alexandria zu sprechen.
1    Dies scheint die erste Z. des Scholions zu sein; es fällt auf, dass sie we-
sentlich kürzer ist als die folgenden (um wieviel, ist durch die Lücke un-
kenntlich).
2    pareggavfein ist terminus technicus für das fälschliche Eintragen; siehe
Strabon, über das „Hineinmogeln“ von Salamis durch Peisistratos oder So-
lon in den Schiffskatalog (9, 1, 10); Galen verwendet das Wort regelmäßig,
um spuriöse Einfügungen in das Werk des Hippokrates zu bezeichnen (e. g.
In Hippocratis de victu acutorum comm. IV, Kühn 15, 733, 11 u. ö). Aber hier
geht es nicht um das „Hineinmogeln“ eines nicht dem Autor gehörenden
Textes, sondern um die Zuweisung eines Textes in ein bestimmtes Buch, wie
schon Lobel bemerkte (S. 11).

10
Die für Frg. 19 in allen Handschriften gefundene Angabe ejn tw'/ ie ist unhaltbar.
11
Von Wilamowitz-Möllendorff 1921, 285 Anm. 2; Von der Mühll 1951, 208-214, bes. 212-213.
12
Calame I 1977, 298-302 und 305-323; 2001, 169-172; 174-185 beschreibt die Hyacinthien und Ti-
thenidien als solche Feste.

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P.Oxy. XXIV 2387 133

ejn≥ ªtoºi'ç ajntigrav(foiç) Das Folgende scheint zu implizieren, dass mit den
Exemplaren die des Aristonikos und des Ptolemaios gemeint sind. Für eine
ähnliche Situation von zwei dem Gelehrten vorliegenden Exemplaren ver-
weist Lobel auf P.Oxy. IX 1175, Frg. 5 I 20 ou{(twç) h\n mov(non) ejn eJt(evrw/).
3        Die Ergänzung b≥ªi(blivw/) ist zwar paläographisch nicht unmöglich,
wäre aber inhaltlich in der Sprache der Kommentare überflüssig.
4        arni das Iota ist in das Ny hineingeschrieben, wie auch in anderen
Papyri zu beobachten; siehe z. B. P.Oxy. IX 1174 und Kommentar zu IV 20
(Sophokles, Ichneutai); McNamee 2007, 39.
Aristonikos war Gelehrter in Alexandria zur Zeit Strabons (Strabon I 2, 31
oJ kaqΔ hJma'ç grammatikovç); nach Athenaios XI 481d und Sch. Iliad IV 423 war
er der Vater des Ptolemaios (erwähnt in Z. 4), während die Suda Aristonikos
als den Sohn des Ptolemaios wiedergibt (p 3036).
perigravfein heisst „in Klammern setzen“, im Sinne von „Tilgen“ auch in
den Papyrusurkunden (siehe z. B. schon in Ptol. Zeit UPZ 199, „eine Anwei-
sung aus den Büchern der Bank tilgen“; aus röm. Zeit P.Oxy. I 173, Bitte um
die Tilgung eines Namens aus der Steuerliste, 2. Jh. n. Chr.). Zum Verständ-
nis, inwieweit oder ob überhaupt das perigravfein von ajqetei'n verschieden
ist,13 leistet das Scholion keinen Beitrag. Der Besitzer der Rolle fand die Ver-
se im Exemplar des Aristonikos eingeklammert vor, und schloss offensich-
tlich daraus, dass Aristonikos sie dort für fehl am Platz hielt (siehe
pºarengrav(fetai) in Z. 2).

Scholion 2 (rechts neben Vers 3)

o
m≥≥ p≥ h≥ª

Die Zeichen links scheinen dieselben zu sein wie in Scholion 6 (wo sie
deutlicher sind; siehe dort); diese hier sind gröber ausgeführt und vielleicht
von anderer Hand.
Das kursive h rechts am Bruchrand dürfte eher etwas mit der nächsten
Kolumne zu tun haben. Lobel las hier w≥ª.

Frg. 3, Scholion 3 (rechts neben der verlorenen Kol. 1; auf der Höhe von Vers
3-4 der Kol. II)

kºruerav yucrav

13
Siehe die Zusammenfassung der entsprechenden Diskussion bei Nickau 1977, 10-12.

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134 Alcman 6

Erstarren machend. Kalt

yucrav ist vielleicht von anderer Hand und größer geschrieben; die Tinte
ist bei beiden Wörtern braun. Hsch. k 4247 kruerhvn: yucravn r. kruçtallwvdh.
McNamee 2007, 166 verweist auch auf Sch. Oppian, Hal. I 572 kruerovn:
yucrovn, qanavçimon, to;n qanathrovn, „erstarren machend“, vom Gift der
Schlange. Das Wort kommt bei Homer nur im Sinne von „Erstarren ma-
chend“, „Schrecklich“ vor.

Scholion 4 (rechts neben der verlorenen Kol. 1; auf der Höhe von Vers 5 der
Kol. II); von anderer Hand und mit intensiverer Tinte geschrieben als Scho-
lion 3.

ajparce
t≥i ≥e

2    pe Lobel

Ohne das Lemma sind kaum Schlüsse möglich.


ajpavrcein kann terminus technicus für das Anführen von Tänzern sein;
siehe Dionysios von Halikarnass 7, 73 (dub. l.) und AP. IX 189.

Scholion 5 (rechts neben Vers 72)


Spur eines Buchstabens in intensiver Tinte; wenn es nicht an dieser Stelle un-
möglich wäre, könnte man diese kleine Schlangenlinie für den Teil einer Ko-
ronis halten. Vielleicht also stichometrisches Zeichen a— = 100, welches links
neben Vers 102 in Kol. III gehört.

Scholion 6 (rechts neben Vers 79)

o
m≥≥ p≥

Lobel interpretierte die Zeichen als mov(non, -nwç) P(tolemai'oç). Für die Ab-
kürzung mov(non) in dieser Weise gibt es Parallelen in P.Oxy. IX 1174 und 1175
(Sophokles, Ichneutai und Eurypylos) aus dem 2. Jh. n. Chr. Weitere Belege bei
McNamee 1981, 61; vgl. McNamee 2007, 165.
Das p ist hier wie in Scholion 6 außerordentlich rund. Was „nur bei Ptole-
maios“ stehen sollte, ist nicht klar. Es ist wohl kaum damit zu rechnen, dass
einzelne Wörter nur in dem Exemplar von Ptolemaios standen.
Dasselbe Zeichen vielleicht oben in Scholion 2.

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P.Oxy. XXIV 2387 135

Scholion 7 (rechts neben Vers 82)

m
o p≥

Das erste Zeichen sieht aus wie die Umkehrung der Zeichen in Scholion
2 (?) und 6. Lobel las hier anders: „Possibly oJm(oivwç) or ou{(tw), though the su-
spended letter is not readily to be read as either m or u“. Ich halte m für sehr
gut möglich, es ist aber stark beschädigt.

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7

P.Congr.XV 1 saec. Ia/Ip

Verse des Alkman mit Lesezeichen und einem Randscholion

Prov.: Arsinoites (?).


Cons.: Istituto di Papirologia dell’Università Cattolica di Milano (P.Med. inv. 72.10).
Edd.: DARIS 1979, II 9-13; CALAME 1983, Nr. 160; CAMPBELL 1988, Nr. 93; DAVIES 1991, Nr.
93; MCNAMEE 2007, 166.
Tabb.: P.Congr.XV, Pl. I (a); ⇒ tab. VIII.
Comm.: MP3 80.2; LDAB 190      CALAME, 1981, 17-24; CALAME 1983, 581-584; MAEHLER
1986, 80.

Fragment einer Rolle (5 × 8 cm) mit den Enden der letzten 8 Zeilen einer
Kolumne und einem Scholion von drei fragmentarischen Zeilen rechts von
der Kolumne, darunter ein 3 cm breiter Rand; die Rückseite ist leer.
Die Schrift des Haupttextes, welche parallel zu den Fasern verläuft, ist
eine recht große Majuskel mit Zierhäkchen. Der Text weist Lesezeichen (spi-
ritus asper und Zirkumflex) auf und enthält die bemerkenswerte Schreibung
Ûavnax mit Digamma in Z. 8. Auch der Haupttext zeigt also, daß es sich um
eine Ausgabe von einigem philologischen Niveau handelt.
Die Z. 7-8 entsprechen Frg. 93 bei Page etc., welches von Ammonius über-
liefert wurde (De adfinium vocabulorum differentia S. 64, 4-14 Nickau) i\peç kai;
qrivpeç kai; kiveç kai; i\keç diafevrouçin. i\peç me;n ga;r levgontai qhrivdia ta; diabrw-
tika; tw'n keravtwn ... i\keç de; ta; dieçqivonta tou;ç ojfqalmou;ç tw'n ajmpevlwn:
ΔAlkmavn: kai; poikivlon i\ka to;n ojfqalmw'n ajmpevlwn ojleth'ra. [ajmpevlwn :
aJpalw'n corr. Reiske apud Valckenaer (ed.2 Leipzig 1822, p. 74); ajmpelivnwn
coni. Bergk; ajmpevlwn del. Schneidewin]. Der Papyrus könnte Reiskes Kor-
rektur bestätigen.
Bei gerade diesen Versen steht auf dem Papyrus das Randscholion mit
drei Zeilen in einer kleineren Schrift, die kursive Elemente zeigt und etwa
derselben Zeit entstammt. Dieses ist der einzige Fall, bei dem ein auf Papy-
rus überliefertes Scholion zu Alkman mit anderen handschriftlich überliefer-
ten Secundärtexten verglichen werden kann.

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P.Congr.XV 1 137

7 ªkai; poikivlonº i\ka to;n oj< a ojrnevou t≥i gevn≥o≥≤≥ ªejçqivon to;n ojº<
b fqalmo;n th'ç ajmªpevlou
8 ªfqalmw'n aJpaºlw''n ojleth'ra, Ûavnax c lª

a   t≥, gerade horizontale Haste und leicht nach links gebogener Fuß      n≥, zwei vertikale Hasten
mit Ansatz der Diagonalen oben links      ≤ª, winziger Tintenrest im oberen Bereich der Zeile      b-
c   Ob das l zu ajmªpevlou gehört ist nicht sicher, da die Zeilenlänge unbestimmt bleiben muß
——
a-c   ojrneou≤≤m≤ ªojº⁄fqalmo;n th'ç ajmªpevº⁄lªouº ed. pr. : o[rne(on) ouj(k) a[mpelon ajlla; to;n tofqalmo;n
th'ç ajmpevlou ejçqivon Daris e.g.; ojrneou≤≤≤≤≤ ªojº⁄fqalmo;n th'ç ajmªpevº⁄l≥ªouº Calame : ojrnevou ti gev≥n≥ªoç
Maehler dubitanter

Eine Vogelart, welche die Sprossen des Weinstockes frisst.

Ammonius benutzt die Alkmanverse als Beleg für das seltene Wort i\keç;
die spätere Lexikographie kennt die Alkmanverse nicht mehr, weiß aber
noch von der vernichtenden Tätigkeit der i\keç:
Herodian III 1, 396, 25 i[x qhrivdiovn ti ejçqivon ta;ç ajmpevlouç … cf. Hsch., s.v. i[x.;
Etymologicum Magnum s.v. i[y. i\peç de; eijçin oiJ çkwvlhkeç oiJ ejçqivonteç ta; kevra-
ta, ... i\keç de; oiJ ejçqivonteç ta;ç ajmpevlouç h] tou;ç ojfqalmou;ç tw'n ajmpevlwn;
Etymologicum Gudianum s.v. i\keç: zw/uvfia ta; ejçqivonta tou;ç ojfqalmou;ç tw'n
ajmpevlwn… siehe auch s.v. i[y ... i\keç de; (sc. çkwvlhkeç) oiJ ejçqivonteç ta;ç ajmpevlouç;
s.v. çhvç. ... i[y oJ ta; kevrata kai; ta;ç ajmpevlouç blavptwn.
Das Scholion des Papyrus spezifiziert als einzige Quelle, daß es sich bei
den i\keç um Vögel handelt; die Zuordnung der i[keç zu dem gevnoç Vogel ist
das Anliegen dieses Scholions. Alle anderen Belege bezeichnen die i\keç als
Würmer oder implizieren diese Tierart. Ammonius begreift die i\peç als Wür-
mer, da sie Tierhörner fressen (Il. XXI 395); die i\keç sind für ihn qhrivdia, die
offensichtlich keiner anderen Spezies angehören (nach Alkman ? und ohne
wirkliche Kenntnis der Sachlage).
Das Scholion des Papyrus, dessen Niederschrift zeitlich nicht weit vor der
Quelle des Ammonius liegt, schöpft also aus einer anderen Tradition als jene
Quelle und die späteren Etymologica.
Möglicherweise steht diese Tradition hinter den lateinischen Texten zu
Schädlingen, welche die Sprossen der Weinrebe fressen.
Bei Columella, De arboribus 15 (ed. Lundström), gilt neben den Mäusen
eine andere Tierart als schädlich für die jungen Sprossen: Genus est animalis,
volucra appellatur; id fere praerodit teneros adhuc pampinos et uvas [am Rand der
Handschriften: Ne volucra vitem ledat SA; ne volucres vitem ledant b und m].
Die gewöhnlich als “Wickelraupe” übersetzte volucra taucht wieder in De
re rustica 10, 333 (ed. Boldrer) auf, hier in einer für den Singular volucra un-
gewöhnlichen Form des Plurals:

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138 Alcman 7

saepe etiam gravidis inrorat pestifer undis


e quibus infestae Baccho glaucisque salictis1
nascuntur volucres serpitque eruca per hortos.
[volucres SR; volucre A];
auch Plinius d.Ä. kennt ihr Unwesen (Nat. Hist. 17, 28, 47 § 265; ed. Sillig),
und wiederum erscheint der Name des Tieres in einer anderen Form: aliqui
volucre appellant animal praerodens pubescentes uvas [volucre Td; volvere a; volu-
crem Pius in Gruteri lamp. 1, 555 ex codice antiquissimo).2 Nur wenige Zeilen
davor hat Plinius den gängigen terminus technicus für die Wickelraupe, con-
volvulus, gebraucht.
Die drei verschiedenen grammatischen Formen des Tiernamens lassen
sich alle als Formen des Adjektivs volucer, volucris, volucre “geflügelt”, bzw.
volucris, volucris, f. “Vogel” erklären (Columella, De arboribus, müßte zu volu-
cre, wie bei Plinius, geändert werden). Nachdem sich herausgestellt hat, daß
in einer Tradition über die Schädlinge der jungen Weinreben i\keç eine Rolle
spielten, und diese Tiere nicht Würmer sind, sondern Vögel, ist der Weg frei,
auch die volucres in ihrer wirklichen Bedeutung als geflügelte Wesen zu be-
greifen.3
Aber diese Vogelart muß schon eine ganz besondere gewesen sein, viel-
leicht sehr klein, sicher ist es nicht ein gewöhnlicher Vogel wie der “rötliche
Star” (Sturnus roseus), welcher schwarze und rosarote Federn hat und ein
Allesfresser ist (A.G. Arnott bei Daris, S. 9 Anm.3).
Insgesamt wird hier vielleicht zu viel mögliche naturwissenschafliche
Kenntnis in die Philologie hineinprojiziert. Die antiken Philologen hatten
wohl wenig Interesse daran, wie das Tier denn aussah.

1
Salictae, Korbweiden, wurden in Weinbergen gepflanzt, damit man daran die Reben festbinden
konnte.
2
Der weitere Text an dieser Stelle über die Bekämpfung solcher Schädlinge zeigt, daß Plinius
von Columella abhängig ist.
3
Calame 1981 möchte in dem fragmentarischen Lied einen Bezug zu Dionysos erkennen, wozu
gewiss besser Vögel als Würmer passen.

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8

P.Oxy. XXIV 2393 saec. IIp

Glossar, wahrscheinlich zum 2. Lied im 1. Buch der Lieder des Alkman

Prov.: Oxyrhynchus.
Cons.: Oxford, Sackler Library, Papyrology Rooms.
Edd.: LOBEL 1957, 80-81; Frg. 1, 4-10 bei PAGE 1962, Nr. 12; Frg. 1, 8-9 auch bei Nr. 2 iii;
Frg. 1, 1-7 bei CALAME 1983, Nr. 25 a-d, Frg. 1, 8-9 bei Nr. 2; Frg. 1, 4-10 bei DAVIES
1991, Nr. 12; Frg. 1, 8-9 auch bei Nr. 2 iii.
Tab.: P.Oxy. XXIV (= LOBEL 1957), pl. IX.
Comm.: MP3 85; LDAB 185      CALAME 1983, 379-383.

Zwei kleine Fragmente einer Rolle (Frg. 1: 3,4 × 4cm; Frg. 2: 2,7 × 5,8 cm),
durch Wurmfraß weiter reduziert, mit Resten von jeweils 10 Z. Die Rücksei-
te ist leer.
Ein Rand scheint an keiner Seite erhalten,1 doch zeigt Frg. 1 Zeilenanfän-
ge, während Frg. 2 Zeilenenden bietet. Ein direkter Zusammenhang zwi-
schen den Fragmenten läßt sich nicht herstellen. Die Schrift zeigt wenig pro-
fessionelle, runde Einzelbuchstaben.
Das Glossar ist in der Art der scholia minora zu Homer aufgebaut: den
Lemmata, die nicht in alphabetischer Reihenfolge, sondern offensichtlich
nach ihrem Aufkommen im Text geordnet sind, folgt jeweils das Interpreta-
ment, welches oft bis in die nächste Z. reicht. Diese zweite Z. eines Interpre-
taments ist stets eingerückt. Die Anfangsbuchstaben der Lemmata sind ge-
genüber den anderen Buchstaben leicht vergrößert.
Während dorische Formen poetischer Wörter (Frg. 1, 4; 6; 8;) schon auf
Alkman weisen, scheint die Zugehörigkeit des Glossars zu einem seiner Lie-
der durch das Lemma in Frg. 1, 8 gesichert. Die Wortfolge Çiodmavton≥ tevg≥ªoç
ist Teil eines Lemmas, welches in P.Oxy. XXIV 2389 Frg. 3(a), 5-7, einem Kom-
mentar zu Alkman (⇒ 1a), auftaucht. Dort lautet das Lemma: aijdºoieçtavtoi
nªaivºoiçi neª--- ⁄ --- çiºovdmatoªn tºevg≥oç Kavªçtwr te pwvlwn ⁄ wjkevwnº dmath'ªreºç
ªiJºppovtaªi çofoi; kai; Pwlu⁄deuvkhçº kudrovç. Ps.-Herodian, Peri; çchmavtwn, Rhet.
Gr. 8, 606 Walz, führt Kavçtwr – kudrovç als die typische Alkmanische Stilfigur

1
Das nicht beschriebene Stück Papyrus am unteren Ende von Frg. 2 kann ebenso ein spatium
zwischen Lemma und Interpretament sein wie vorzeitiges Zeilenende anzeigen.

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140 Alcman 8

an (Sing. – Plur. – Sing), welche eujqu;ç gou'n ejn th'/ deutevra/ wj/dh'/ pareivlhptai. Mit
deutevra wj/dhv kann nur das zweite Lied im ersten Buch gemeint sein (eujquvç !).

Frg. 1 Frg. 2
—   —   — —   —   —
1 ≥ar≥ª 1 º≤≤auª
h≥ ≥ª ºwç mh≥b≤ª
Epª≤ºh≥pi≥ ≤ª ºdomei'n
4 Ciovfin ª 4 ºn≥ t≥için
≥w≥ª ºwn oijko<
Aijcmaªtºa;ç≥ ç≥t≥r≥a≥ªtovç polemi<º ºp≥oih≥çin
ko;n a[qroi≥çma ª ºt≥h≥n
8 Ciodmavton≥ tevgªoç to; tw'n Di<º 8 º≤≥mhoinª
oçkouvrwn oi[≥ªkhma ºeiçt≥ª
ª≤≤º≤≤ª º≤na≤ª
—   —   — º ª

Frg. 1
1   ≤ar≥ª: am Bruchrand Reste einer Senkrechten, danach gebogener Fuß einer Senkrechten, eher
p≥ar≥ als h≥ar≥… die Tinte im rechten Teil des a ist gebrochen, daher sah Lobel hier ≤ç≥i ≥f≥, jedoch sind
die Sigmas in dieser Schrift gewöhnlich nicht so klein      2   h≥≤ª wohl richtig, obwohl ich g≥a≥ª nicht
ganz ausschließen möchte; unter dem ersten Buchstaben ein kürzerer und ein längerer
Strich            3      Epe≥ç≥p≥i≤ª ebenfalls möglich; i≥, auch r≥ möglich, danach Punkt am Boden der Zei-
le      5   t≥w≥ª möglich 6   Aus Platzgründen eher ºaç≥ als ºan≥… die Unterlänge des r und der un-
tere Teil des a scheinen deutlich genug       7   Spitze des i≥ oberhalb der Z. vorhanden
Frg. 2
2   Deutliches spatium nach ºwç, daher wohl Ende des Lemmas      6   Zusammengedrängtes n,
wohl wegen des Zeilenendes      7   ºt≥h≥ oder ºg≥h≥, wobei es möglicherweise dazwischen einen wei-
teren Buchstaben gibt; sehr breites n wegen Zeilenende      8   oinª eher als çinª
——
Frg. 1, 3   ejpªeºç≥p≥ivªtn- (dein ejpeiçpivpt-) Haslam 5   t≥w≥ªn qewn Haslam
Frg. 2, 4   vel froºn≥t ≥için e. g. Haslam      5   vel ºwn oi ko⁄ vel ºwnoi ko

Frg. 1, 4 (Gen./Dat., Sing,/Plur.) Gott/Götter [der Götter (?)]


6 Lanzenbewehrtes Heer Kriegerische Schar
8 Von Göttern erbautes Haus [Die Wohnstatt] der Dioskuren

Frg. 2, 3 [ ] bauen;
5 [ ] Haus-;

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9

P.Oxy. XXIX 2506, Frg. 1, 4, 5 und 17 saec. I/IIp

Kommentar zu lyrischen Dichtern, auch Alkman

Prov.: Oxyrhynchus.
Cons.: Oxford, Sackler Library, Papyrology Rooms.
Edd.: PAGE 1963; PAGE 1962, Nr. 10 (Frg. 1, Kol. III und 5, Kol. II), Nr. 13 (Frg. 4, 5 und
17); CALAME 1983 Test. 5 (Frg. 1, Kol. III), Test. 40 (Frg. 4), Nr. 82 (Frg. 5, Kol. II),
°°295 (Frg. 1, Kol. II 6-15); CAMPBELL 1988 Test. 9 (Frg. 1, Kol. II), Nr. 10b (Frg. 5,
Kol. II), 13b (Frg. 4), 13c (Frg. 5, Kol. I), 13d (Frg. 17); DAVIES 1991, TA2 (Frg. 1, Kol.
III), TB 14 (Frg. 4) und Nr. 10 (Frg. 1, Kol. III und 5, Kol. II).
Tabb.: P.Oxy. XXIX (= PAGE 1963), pl. I-X; www.papyrology.ox.ac.uk.
Comm.: MP3 1950; LDAB 193      LLOYD-JONES 1964, 17-18; ID. 1965, 71; FÜHRER 1973;
HUXLEY 1974, 210 mit n. 19; CALAME 1983, 454-461; RADT 1985, 489, S. 511.

Die Reste dieser Papyrusrolle sind in 176 z. T. winzige Fragmente zerfal-


len. Eine genaue Beschreibung findet sich in CLPG I.1.1 bei ⇒ Alcaeus 13, S.
197-199, da die biographisch- historischen Themen dieses Textes neben Alk-
man auch Alkaios, Stesichoros und Sappho betreffen. Die Handschrift ist
nicht unelegant.
Von Alkman handeln mit Sicherheit (weil sein Name erwähnt wird) nur
die hier angeführten Frg. 1, 4, 5 und 17. Gegenstand des Kommentars ist die
in der Antike viel diskutierte Frage nach der Herkunft Alkmans. Als Autori-
täten werden Pratinas (?) und ein Aischylos angeführt (Frg. 1, Kol. III 1-2).
In Frg. 5, Kol. II 8 ist durch neue Lesungen vielleicht ein Ansatz zu einer
neuen Interpretation gelungen.
Frg. 1 ist aus mindestens 11 Fragmenten zusammengesetzt; aus den Frag-
menten (a), (b), (h), (k), (d), (s) und (o) ergibt sich ein größeres Stück einer Ko-
lumne von 45 Z., wobei der obere und der untere Rand erhalten sind; links
davon sind im oberen Bereich Zeilenenden einer weiteren Kolumne sichtbar.
Aus den Fragmenten (c), (n) und (e) ließ sich eine weitere Kolumne zu-
sammenfügen. Page 1963 hat die Lokalisierung der Fragmente genau nach
dem Faserverlauf verifizieren können; dies ist nicht mehr nachprüfbar, da die
Gläser in Oxford nicht geöffnet werden dürfen. Er bezeichnete zwei Kolum-
nen als col. ii; ich nenne die auf den Frg. (c) etc. erhaltene Kolumne „Kolum-
ne III“.
Frg. (g) ist heute nach Pages Angaben zwischen (a) und (c) plaziert (siehe
Photo im Internet), doch passen die auf (g) vorhandenen Buchstaben kaum

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142 Alcman 9

hierhin, was Page bereits bemerkt hatte; ich lasse daher Frg. (g) weg. Der Ab-
stand zwischen (a), (b) und (c) ist größer als im Internet zu sehen; pro Z. sind
etwa 20 Buchstaben zu erwarten.
Inhalt der Kolumne II scheint u. a. die Kunst des Leierspiels in Sparta zu
sein (siehe Z. 1-3 und 8-9). In den Z. 9ff. wird das Zitat eingefügt. Es ist mög-
lich, dass Pindar zusammen mit Alkman genannt wird (Z. 36-37).
Inhalt der Kol. III ist die Frage nach der Herkunft Alkmans. Dazu werden
mindestens zwei Autoritäten angeführt (Z. 1-3); das folgende Zitat (Z. 3 oder
4-8) könnte einem Aischylos (oder doch Alkman?) gehören; die Z. 12 und 14-
15 sind wiederum im dorischen Dialekt verfasst und gehören in ein Zitat;
über den Autor lässt sich weiterhin nichts sicheres sagen.
Der Gedankengang in Kol. III könnte ungefähr so verlaufen sein (folgend
Page 1963): in Z. 24ff. scheint ausgedrückt, dass Alkman kein Lyder war
(sonst hätte Xanthos erwähnt, dass er ein Lyder war); Z. 29ff. besagen aber
wohl, dass Alkman aus Lydien stammte, dagegen die Z. 38ff. wiederum, dass
er ein Spartaner war. Wie diese Gedanken verbunden waren, erkannte auch
Page nicht. Davies 1991 hat folgendes zum Verständnis von 39ff. nach Page
zusammengefasst: sunt qui Lacedaemonium factum Alcmanem concedant, natum
negent: in carminibus enim (Frg. 16, 5 Çardivwn ajpΔ ajkra'n) Lydum se esse iactare:
fuisse ergo Lydum, in civitatem Lacedaemoniorum adscriptum. – haec manifeste fal-
sa sunt, nam si in civitatem adscriptus fuisset, nequaquam se barbarum esse natum
iactasset. restat ut asseveret hic commentator ne verum quidem esse, Alcmana genus
barbarorum iactasse: versus enim istos non ab ipso Alcmane sed a choro esse canta-
tos, ita ut dubitationi fuerit locus, quisnam hominum commemoratus sit.

Frg. 1
Rand
Kol. I Kol. II Kol. III
(a) (b) (c)
1 º ≤ª≤≤ºo≥kª ºtoiç L≥ªa< ≤≤º F≥l≥e ≥ªiºavçioç ª
º kedaim≥ªonivoiç º≤qethª ªΔAºiçcuvªlºoç omª≤º≤aª
ºu≥ kiqariçª ä ä ä ªLºakedaªiºmovnion ajªpofaiv<º
4 ºe ga;r an ≥ª (c) nei to;n ΔAlªkmºa'na ª: º
º mhte≤ª ºçen ga;r ejn toi'ç ÔUakinªqivoiç º
º ≥ aujth;n ª º≤ai a[kouça tan ajhdªon<
º kai; e≥kaª º≤toiç parΔ Eujrwvta ≤ª
8 º Lakeda≥ªimon º kiqa< tan ΔAmuklaª
º riçtikhª º o menai tatª

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P.Oxy. XXIX 2506 143

º ¸ tw pimª º paiç ton eujnomw≥ª


º kalw'ç ª ºou ouçan auta≤ª
12 º patro;ç≥ ª º ≥ ajretan tanª
º ≥ damaçª º pou meleçi≤ª
º ≤≤opat≥ª º tallan tan t≤ª
º ª≤º≤dh≤ª º ΔAtarnivda en≥ª
16 º ª º ejn ga;r touvtoªiç
º gravfein tapª
(h) me≥≤ª º ΔAlkma'no≥ç≥ ª
on th'ç ª º ton alª
20 noçotª º ejpileª
tou;ç eg≥ª (k) ä ä ä ä ä ä
ºta≥≥ª ºmoª (n) [ ºa≤ª
ä ä ä ºona≥ª ª ºnonª
24 ºn≥daª ª ºqopª (e)
ºdenª ª ºnq≤ª º≤ia≤ª
ºu≥çanª ª ΔAºlkmªavn: oujdºe; ga;r a[ªl<º
ºoidaª l≥o tw'n ejn ≤ª paºralevlªoi<º
28 º≤ate≤ª pen oujdªe;n tw'n kaºta; miªkro;nº
ºf≥ª ajxivwn lovªgou gegenºhmev<
ä ä ä nwn: ejçtiª≤≤º oujde; ≤ª≤º≤ª
wJç Lakedaªiºmovnioi tovtªeº
32 (d) ºm≤ª ejpevçthçan Ludo;n o[nªtaº
ºaqewª didavçkalon tw'n qugatªev<º
(s) ºoron < rwn kai; ejfhvªbwºn patrivªoiçº
º ≤ª ºout≥e < coroi'ç toª≤≤≤º≤twn ª aj<º
36 º th≤ª ºdaroç gwnivçaçqaªi dºe; mhdevpw ª
º kai≥aª º≤mar < kai; nu'n e[ti ªxeºnikw'i kevcrhªn<º
º tu≥r≥h≥k≥ª ºoni tai didaçkavlwi coªrw'n kai;º
º m≥e ≥ª≤º≤ª (o) ºu≥ton ªgºa;r eij dia; ªtºh;n çofivaªnº
40 º ≥ª ºa≤a≤ª ºn≥i < ª≤º≤≥thn ejpªoºihvçanto ª
º ≤≤h≥n≥ª ºenª ºq≥ª º < ejçtin eJaªuºtoªu'º kathªgorei'nº
º neio≤ª º≤ranª º≤ª ≤h toi'ç a[ªiçºmaçin to;n ªΔAlkma'<º
º ka≤≤≤ª ºrafª ä ä ä na kai; levgein o{ti bavªrbaroçº
44 º epiª º≤prª h\n kai; Ludo;ç uJperl≥ª
º qe≤≤ª ºoçt≥ª ªpºatrivdoç kai; geª
º ≤≤≤ª ºfwª ª≤≥ºou kaito≥ª≤º≤ª
Rand Rand

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144 Alcman 9

Kol. II
1   ≤ª, Fuß einer Senkrechten;≤ª, Punktion auf der Z., l≥ möglich      2   º≤, oberes Ende einer Senk-
rechten oder sehr steiles Ende der Rundung eines ç ? l (Page: h\ºl≥qe) unmöglich      4   ≤ª, runder
Buchstabe      5   ≤ª, Punkt auf der Z.      6   º≤, q möglich      7   º≤, wohl ç 9   Spatium vor
o 12   º≤, Senkrechte      14   ≤≤ª, sehr breites t oder p, oder p≥ªrº ?      15   º≤, oberes Ende einer
Senkrechten, am ehesten wohl h ≤ª, runder Buchstabe, am ehesten wohl ç 18   ≤ª, Fuß ei-
ner Senkrechten      24   oder ºi≥daª 28   º≤, l ?      ≤ª, runder Buchstabe      32   ≤ª, runder Buch-
stabe 36   ≤ª, winziger Tintenrest auf der Z.      37   º≤, runder Buchstabe      39   º≤ª, winziger
Rest oben      40   ≤ª, winziger Punkt unten      ºa≤a≤ª, m≥ian≥ möglich      41   ≤≤h≥n≥ª, unsignifikante
Reste      42   ≤ª, leicht geschwungene Senkrechte, könnte zu n gehören      º≤, winzige Spur un-
ten      º≤ª, Punkt auf der Z.      43   ≤≤≤ª, unsignifikante Reste      44   º≤, m möglich      45   ≤≤ª,
Senkrechte gefolgt von Fuß auf der Z.      46   ≤≤≤ª, vier obere Hastenenden gefolgt von Senk-
rechter mit Oberlänge, oder t≥≤ f≥ª
——
14   p≥ªrºopavt ≥ª ?      36-37   Pivnºdaroç ⁄ kai; ΔAªlkmavn Page      37-38   mºe≥mar⁄t≥u≥rhv≥k≥ªaçin Page

10    Am linken Rand das Zeichen ¸; ob dieses für crh'çiç steht und ein Zi-
tat anzeigt oder crhçtovn bedeutet, ist weiterhin ungeklärt (siehe McNamee
1983, 20-21); vielleicht begann das Zitat mit o[tw/ nach dem Spatium in Z. 9;
damit würde es sich also um das Zitat eines Attikers handeln. Möglich ist na-
türlich auch, dass oJ zu pai'ç gehört. pimª wohl eher von pivmplhmi als von
pivmprhmi.
13    Page verweist auf einen Davmaç, der in der Suda s.v. ΔAlkmavn (TA12
Page, Davies; Test. 4 Calame) als Vater Alkmans genannt wird („is only one
of numerous possibilities here“): lurikovç. uiJo;ç Davmantoç h] Titavrou. In Zu-
sammenhang mit der Frage der Herkunft Alkmans könnte der Name des Va-
ters allerdings eine Rolle spielen (siehe auch Page 1951, 167-170, bes. 170).

Kol. III
2      º≤, Fuß einer leicht gerundeten Senkrechten            7      ≤ª, Ansatz einer Waagerechten
oben      9   Kleines Spatium nach menai 11   ≤ª, Oberer Ansatz einer Senkrechten      13   ≤ª, ge-
krümmte Haste eines Buchstabens, n möglich            14      ≤ª, winzige Spur einer Schrägen oben
rechts      15   Kleines Spatium nach atarnida 22   fast sicher ç 25   ≤ª, fast sicher e º≤, r
möglich            ≤ª, unteres Ende einer Senkrechten            27      ≤ª, Fuß auf der Z. wie von a, d oder
l 30   ≤ª, zwei Punkte auf der unteren Z.      º≤ª, Spuren wohl zweier Buchstaben, Page las a≥u≥,
dann fehlte davor aber kein Buchstabe      35   º≤, Punkt oben; ich sehe keine Spuren von Schrift
über der Z. (pace Page 1962)      38   Spatium nach dideçkalw (lies didaçk-)      40   º≤, winziger
Punkt auf einer einzelnen Faser      42   Senkrechte am Anfang der Z., am ehesten n 46   º≤ª,
Reste einer Rundung im oberen Bereich der Z.
——
1   Fleiavçioç Page    2   Mªaºiaªndrivou Radt vel o{mªoºi'ia potius quam oJ Mªeºgaªreu;ç, Mªeºtaªpovn-
tioç Radt      3-4   ajªpofaivºnei Page 1962      4   levgei Page      5   ÔUakinªqivoiç Page dub.; ÔUakinªqia-
koi'ç Radt      6   ta;n ajhdªovnwn Page dub.      6-7   tai; parΔ Eujtwvta rJ≥ªoai'çi Page 1962 dub.      8   ta;n
ΔAmuvklaªian Page dub.            9      p≥at non possis; cf. Lloyd-Jones            10      eujnomwªtavton Cuarte-
ro            25      Xavºnqoªç Page 1962            26ff. cf. textum a Pagio dubitanter constitutum (ll. 21-45):
ΔAºlkmªa;n oujde; ga;r a[ªlº(27)lo tw'n ejn Lªuvdoiç paºralevlªoiºpen oujdªe;n tw'n kaºta; miªkro;nº ajxivwn lovªgon
gegenºhmevnwn: ejçti; ªde;º oude; q≥a≥u≥ªmavçionº wJç Lakedaªiºmovnoi tovtªeº (32) ejpevçthçan Luvdon o[nta
didavçkalon tw'n qugatevrwn kai; ejfhvªbwºn patrivoªiçº coroi'ç toª≤≤≤º≤twn ªajº(36)gwnivçaçqaªi dºe;
mhdevpwª º kai; nu'n e[ti ªxeºnikw'i kevcrhªnºtai didaçkavlwi corªw'n --- gºa;r eij dia; ªtºh;n çofivaªn
polº(40)ivthn ejpªoºhvçanto ªoujk eijkovçº ejçtin eJaªuºtou' kathªgorei'nº phi toi'ç a[lloiç a[ªiçºmaçi to;n

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P.Oxy. XXIX 2506 145

ªΔAlkma'ºna kai; levgein o{ti bavªrbaroçº (44) h\n kai; Ludo;ç uJpe;r Lªudivaç pºatrivdoç kai; gevªnouç ...
27   ejn Lªuvdoiç longius spatio ut videtur; e[nd≥ªon ?      38   kai; vel pw'ç Haslam 42   ≤h, h cer-
tum, pace Lloyd-Jones

Kol. III
aus Phleious ... Aischylos ... deklariert den Alkman als Spartaner. Dieser
[sang] nämlich bei (?) den Hyakinthien: Ich hörte der Nachtigallen [Lied],
welche an den Strömen des Eurotas ... Amyklai ... mit guten Gesetzen ... Tu-
genden ... Atarnis ... Darin nämlich ... schreiben ... des Alkman ... Xanthos (?)
... Alkman. Er ließ nämlich nichts von dem aus, was bei ihnen (?) von irgend-
einem Interesse sein könnte. Und es ist in keiner Weise [erstaunlich], dass die
Spartaner damals einen Lyder zum Leiter der lokalen Chöre ihrer Töchter und
Epheben machten ... kämpfen in keiner Weise ... . Auch jetzt noch haben sie ei-
nen Lehrer aus dem Ausland für ihre Chöre eingestellt. Wenn nämlich die
Spartaner ihn wegen seiner Fähigkeiten zum Spartaner gemacht (eingebür-
gert) hätten, ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass Alkman sich in den ande-
ren Liedern selbst angeklagt und gesagt hätte, dass er ein Barbaros und Lyder
sei, weil Lydien seine Heimat und seine Abstammung war. ...

1-2        Ein Aijçcuvloç oJ Fleiavçioç tritt in Xenophons Symposion 4, 63 als


Freund des Sokrates auf (Page 1962). Die Herkunftsbezeichnung Fleiavçioç
könnte aber gut zu einer zuvor genannten Autorität gehören, wohl am ehe-
sten Pratinas, der aus Phleious stammte (Lloyd-Jones 1964; Page 1963). Mit
Aischylos wäre dann wohl der Tragödiendichter gemeint. Diese Annahme
führt jedoch zum Problem der Z. 5ff.
5ff.        ejn toi'ç ÔUakinªq        Dies kann kaum der Titel einer Tragödie des
Aischylos sein. Entweder stand vor Z. 5 eine Infinitivkonstruktion mit Alk-
man als Subjekt und es folgte ein Alkmanzitat (Page 1963), oder hier beginnt
ein Chorlied des Aischylos. Ersteres wird von Page zu Recht verworfen, da
es kaum anzunehmen ist, dass der Kommentator auf Aischylos verweist und
dann Alkman anführt. Handelte es sich um ein Chorlied des Aischylos, wäre
folgender Text möglich: ªΔAºiçcuvªlºoç o{mªoºi≥≥a ªtouvtwiº ⁄ ªLºakedaªiºmovnion ajªpo-
faivº⁄nei to;n ΔAlªkmºa'na: ªlevgeiº ⁄ ga;r: ejn toi'ç ÔUakinªqivoiç (oder ªΔAºiçcuvªlºoç
oJmªoºi'≥a ªtouvtoiçº ... ; mit touvtwi wäre Pratinas gemeint, mit touvtoiç Pratinas
und andere, die eventuell vorher genannt wurden.
Trotzdem bleibt ein Unbehagen darüber, dass die Hyakinthien, ein Festi-
val in Sparta, hier nicht im Werk Alkmans, sondern bei Aischylos vorkom-
men soll. Radt verzeichnet das Fragment denn auch nur als letztes unter den
Dubia des Aischylos: „fort. Aeschylum tragicum significari verbaque eius af-
ferri censuit Page, vix recte“ (TrGF III 489, S. 511). Vielleicht könnte man die-
sem non liquet entgehen, indem man nicht ªlevgeiº ⁄ ga;r: ... , sondern [e[legenº
oder ªh\/çenº ergänzt und so den Alkman zum Sänger des folgenden macht.

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146 Alcman 9

Dann wäre aber der Aischylos eben nicht der Tragödiendichter, sondern ein
Gelehrter, der das folgende Zitat für seine Argumentation benutzte. Vgl auch
Hinge 2006, 287, der des Zitat für alkmanisch hält.
8      tan ΔAmuklaª ; die Erwähnung des Ortes Amyklai, welcher nahe bei
Sparta lag, könnte mit der Erwähnung der Hyakinthien in Z. 5 zu tun haben;
in Amyklai stand das Heiligtum des Apollon Amyklaios, in welchem das
Grab des Hyakinthos verehrt wurde; beim Fest der Hyakinthien beschritt
man den Prozessionsweg zwischen Sparta und Amyklai (Calame 1977, 305-
323; Id. 2001, 174-185)
15   ΔAtarnivda en≥ª Vgl. ⇒ 1a Frg. 6 Kol. II 8-9; auch hier ist das Wort rät-
selhaft.

Frg. 4
In Z. 15 ist Alkman erwähnt; wenn Lobels und Pages Ergänzungen rich-
tig sind, geht es ab Z. 10 um den Stoff seiner Dichtungen, davor möglicher-
weise um die Mädchen von Pitane (Z. 4-5).

ä ä ä
1 ª≤≤ºçou ga;r dª
ªtuºgcavnei aª
ª≤≤ºew frazª
4 ajrivçtaç deª
pitª≤≤º≤ª
plaª≤º≤ª
tai kai; b≤≤ª º
8 kecumevnoç ª ej<º
pifaivnwn fª
te polla; kai≥ª pe<º
riplevkei,      ejzªhvthçe ga;r w{ç<º
12 per e[fhn      hdª º
touvçaiç kai; mh;≥ ª iJçto<º
rivaiç crh'çqai kª
ejçti peri; ΔAlkmªa'noç
Rand

5   º≤ª, Punkt in der Mitte der Z., wenn er überhaupt hierhin gehört      6   º≤ª, Rundung von un-
terem Teil eines Buchstabens (tief), ç oder e wohl eher als a, aber a möglich      7   b≤≤ª, ba≥l≥ª mög-
lich 10   kai≥ oder kak≥ 11   Spatium nach plevkei 12   Spatium nach e[fhn
——
2   tuºgcavnei Page dubitanter      3   ªcrºew; fravzªeçqai ?      5   Pitªanºi≥ªd<?      6   Plaªtºa≥ªniçt<

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P.Oxy. XXIX 2506 147

supplementum audacius ut videtur      10   empe<º Page      10-15   suppl. Page      11   vel ejzªhvtei


Haslam

... denn ... zufällig ... die besten (fem.) ... von Pitane (?) ... Platanistas (?) ... zei-
gend ... vieles ... er umfasst ... er bemühte sich nämlich, wie ich sagte ... Ge-
schichten zu benutzen ... (Dabei) geht es um Alkman (?) ... .

3    crew; fravzeçqai steht bei Manetho in den Apotelesmatica 6, 311 ejn qumw'/
dh; prw'ta crew; fravzeçqai ajriqmovn, o{ççoi ejfΔ wJronovmou zwvw/ tritavtw/ kaqorw'/ntai;
zu denken ist auch an a[nºew „schweigend, lautlos“ (Homer).
4-5    Falls das Femininum in Z. 4 mit den Buchstaben in Z. 5 zusammengeht,
könnte man die Ergänzung Pitªanºivª≥ daç oder Pitªanºi≥ªdw'n erwägen; die Mäd-
chen aus der Obe von Pitane in Sparta formten neben den Dymainai einen
Chor; die Dymainai sind hier wohl in Frg. 5, 8-9 erwähnt; eine Rolle spielen sie
auch in ⇒ 1a, Frg. 35, 16-18 (siehe dort den Kommentar) und in ⇒ 2, Frg. 2, 24ff.
6        Plaªtºa≥ªnivçtaç ?, der Ort, an dem ein Heiligtum der Helena stand,
nach Pausanias neben dem Grab des Alkman (Paus. III 14, 6ff. und III 15, 3).
Zur Funktion im Kult siehe Calame 1977, 336-339; Id. 2001, 193-195.
10-15    peº⁄riplevkei,  ejzªhvthçe ga;r w{çº⁄per e[fhn  h[dªh diallatº⁄touvçaiç kai; mh;≥
ªkoinai'ç iJçtoº⁄rivaiç crh'çqai kª Page 1963; Lloyd-Jones 1965, 71 „10-13, the sup-
plements are highly probable; but should they be in the text?“ Die Spatia
nach plevkei und e[fhn geben allerdings zu denken. Möglich wäre auch:
hJdªeivaiç kai; diallatº⁄touvçaiç kai; mh;≥ ªkoinai'ç iJçtoº⁄rivaiç crh'çqai, welches den
Platz in Z. 12 besser füllt.

Frg. 5
Das aus den Stücken (a) und (b) zusammengefügte Fragment zeigt Reste
von zwei Kolumnen. Stück (c) gehört nach dem Fasernverlauf auf die Höhe
der unteren Z. von (a) und (b), doch ist hier ein Teil einer weiteren Kolumne
erhalten, deren Abstand zu den anderen Stücken nicht zu bestimmen ist
(Page; hier nicht wiedergegeben).
Inhalt der Kol. I ist wahrscheinlich die Herkunft Alkmans (Z. 21-22); Kol.
II handelt von der Jugendlichkeit eines männlichen Chorführers, dem noch
kein Bart wächst (Z. 2 und 19-20) und dessen Gesichtsfarbe anscheinend mit
Elfenbein verglichen wird (Z. 6-7). Es folgen zwei Zitate, in denen wiederum
die Dymainai eine Rolle spielen (Z. 8-9); dies könnte dafür sprechen, dass die
Zitate aus einem Partheneion stammen und also in das erste oder zweite
Buch Alkmans gehören.
Der Name des jugendlichen Chorführers ist Hagesidamos, Sohn des Da-
motimidas (Z. 11-12); beide Namen sprechen für eine hohe Abstammung in
Sparta. Die neue Lesung ajrcevtan≥ in Z. 8 unterstützt diese Annahme (auch
wenn es sich nur um einen ajrcevtaç in den ajgevlai handelt).

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148 Alcman 9

Die beiden Zitate sind durch die kurze Bemerkung kai; mik≥r≥ªo;n pºroelqw;n
peri; th'ªçº hJlªikivaçº aujtou' levgei kai; tovªde:º zueinander in Beziehung gesetzt.
Die Jugendlichkeit des Hagesidamos war also das Hauptthema dieses
Abschnitts im Kommentar; möglicherweise steht dieses Thema in Zusam-
menhang mit der Herkunft des Alkman (siehe unten).
In den Zitaten hat R. Führer eine metrische Responsion festgestellt; sie
dürften also aus zwei aufeinander folgenden Strophen stammen (Führer
1973, 130).

Kol. I Kol. II
ä ä ä
ºoiç poi≤ª
ºç ajlla; ajgªevneioç
ª th;n hJºlikivan o≥ª ºh≥ª º≤ª
4 ºç≥ Dªiºoçkouvªrºwn kaª
ä ä ä ä ä ä ºaj≥n a[gei pro;ç to; cªrºw'<
º mªa º ejlefanti<
ºuba noª º proçonoªmºavzein.
8 ºtwi tu; dª ºl≥aiç ajrcevtaç≥ª º Du<
ºç≥anti maiªn º Tundaridan≥ ena≥
º≤nhn e≥r≥aª ºen aijcma'i≥, çiøoØ<
ºno ofile;ç coªraºge; ÔAghçivdame,
12 ºpiçteu kleeªnnºe; Damotimivda kai;
ºxh mik≥r≥ªo;n pºroelqw;n peri; th'ªçº
ºolou hJlªikivaçº aujtou' levgei kai; tovªde:º
ä ä ä ≤gerwvcwç khjratw;ç co<
16 ªraºgwvç, auta ga;r aJmw'n h{li<
ä ä ä ªkºe≥ç neanivai fivloi tΔajgªevºnei<
º≤l≤ ªoi kºajnuvpanoi. aujtovn te ga;r
ºhma ªto;ºn ΔAghçªivºdamon ajgevnei<
20 ºmana ªonº ajpofaªivnei ºn çun
ºç oujde; ª º≤dedeiª º aujtw'i
º Çardiv< ª ºt≥on pwªgwn ºn≤ª≤º≤≤ª
º≤mai ºmenon ≥ª
24 º≤o ºh aionª
ºamoç tª
ºi≥dadouª

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P.Oxy. XXIX 2506 149

ºwi gep≥ª
28 ºqein e≥≥ª
ä ä ä

Kol. I
Am Ende der Z. 11, 13, 19 und 24 stehen kurze Füllstriche.
10   º≤, e≥ möglich      12   eu kleiner geschrieben, um den Rand nicht zu verletzen      18   º≤l≤, a≥li≥
möglich      23   º≤, oberes Ende einer Senkrechten      24   º≤, t oder g
Kol. II
1   ≤ª, leicht gebogener Fuß einer Haste      3   º≤ª, wohl h º≤ª, Punkt auf der Z.      5   º≤, Punkt
unten, a möglich;≤ª, Punkt unter der Z., a, c oder l 8   oder ajrcevtan≥ 9   Lustiger Schnörkel
an der oberen Spitze des d; Tundaridai'≥ç≥ na≥ oder Tundarida'n≥ ena 10   e≥r≥aª oder e≥ç≥aª, wenn nicht
eher q≥r≥aª 13 mik≥r≥ªo;n, i unnatürlich über die Z. verlängert, wenn hier nicht doch etwas ande-
res steht und i nur über den Z. nachgetragen ist      15   oberer Teil eines runden Buchstabens,
nicht a oder w 21   º≤, oberer Teil einer Senkrechten mit leichter Rundung nach links      22   ≤ª,
ç≥ º≤≤ª, oberes Ende einer Senkrechten, dann aufsteigende Linie nach oben rechts (im Interko-
lumnium)      23   ≤ª, Punkt etwas unter der Z., wohl a, davor kleines Spatium
——
2-3   suppl. Lobel      5-6   c≥ªrºw⁄mªa Page dubitanter      8   ejçqºlai'ç dubitanter M. Treu, RE Suppl.
XI 26, sed ajgevºl≥aiç sensu proprior videtur      8-9   a[rce tai'ç Du Page; TundaridΔ aije ;n a≥, aienaevç,
dai ena deliberat Page; Tundaridai; ejnaªivº⁄eçan Calame      10   potius aijcma'i quam ai'cmaiv consi-
deravit Page; coragev hiatus non toleratur, Page, sed cf. Führer 1973            11      suppl.
Page      12   kleªnnºe; corr. Page, cf. ⇒ 5, 44      15-16   suppl. Page; aujtoiv, aujtei' Page dubitanter;
aJmw'n et a{likeç debuit, Page      17-18   suppl. Page

Kol. II
... sondern bartlos ... die Jugendlichkeit ... der Dioskuren ... führt (?) er zur
Farbe ... [sodass ? er ihn] elfenbeinweiß nennt: „Dich aber, fürstlicher Füh-
rer in den Scharen der Dymainai, [und wie] einen der Tyndariden mit küh-
ner [Kraft ?] im Kampf, von den Göttern geliebter Chorführer, Hagesida-
mos, ruhmreicher Sohn des Damotimidas“, und wenig später sagt er auch
über dessen Jugendlichkeit: „Die edlen und geliebten Chorführer; denn
hier sind die mit uns gleichaltrigen Jünglinge, Freunde ohne Bart und
ohne Schnurrbart“. Denn ihn, den Agesidamos, stellt er als bartlos dar ...
Bart ...

Kol. I
21-22    Page verweist auf Frg. 16, 4-5 Page ΔEruçicai'oç oujde; poimhvn, ajlla;
Çardivwn ajpΔ ajkra'n, aber die Z. wäre um etwa 5 Buchstaben zu kurz, wollte
man nur dies ergänzen.

Kol. II
2-3    Page schlägt vor: ºç ajlla; ajgªevneioçº ⁄ ª--- th;n hJºlikivan oJ≥ ªÔAgºhªçºiv≥⁄ªda-
moçº; ajgªevneioç scheint nach Z. 19-20 plausibel; mit [damoçº wäre Z. 4 schon
fast gefüllt.

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150 Alcman 9

5-6    Wenn die Ergänzung zu cªrºw'mªa in Z. 6 richtig ist, sollte ejlefavnti-


noç metaphorisch für „elfenbein“ = „weiß“ gebraucht sein (vgl. Krates Com.
Frg. 29, 1 Kock [tarivcoç ejlefavntinoçº und Anacreontea Frg. 16, 12 [ejlefavnti-
non mevtwponº); der Mann ist bartlos, also weiß im Gesicht.
6-7    Vielleicht w{çteº ejlefavnti⁄noªn aujto;nº proçonoªmºavzein.
8-9    tuv dªΔ ejn ajgevºl≥aiç ajrcevtaç≥ Du⁄maiªna'n. tuv könnte auch dorischer Ak-
kusativ sein (vgl. Aristoph. Eq. 1225; Schwyzer, Gr. Grammatik I 602f.). Dann
könnte man an tu; dªΔ ejn ajgevºl≥aiç ajrcevtaç≥ Du⁄maiªna'n oi|av teº Tundarida'n e{na ⁄
q≥r≥aªçuvguion denken: „Dich (?) aber, fürstlicher Führer, ... “ siehe die Überset-
zung. qraçuvguioç wird bei Pindar, P. 8, 37 ein Ringkämpfer genannt.
ajgevlh bezeichnet die Gruppen, in denen Jungen in Sparta trainiert wur-
den (cf. Ephorus, Frg. 149, 9; 88-93 [Jacoby F 2a, 70 F]; Plutarch, Lycurgus 16),
sonst aber auch Scharen von Mädchen oder Frauen (cf. Pindar, Frg. 112 ajgevlh
parqevnwn; Eur. Bac. 1022 ajgevlh mainavdwn). Das Wort käme hier zum ersten
Mal bei Alkman vor, und zwar vielleicht eben nicht für die Scharen der jun-
gen Männer in Sparta, sondern für die Scharen von jungen Mädchen, wenn
das folgende Du⁄maiªna'n richtig im Genetiv darauf zu beziehen ist. Es wäre
die Schar der Dymainai, der Hagesidamos vorsteht, wobei männliche Führer
dieser Chöre anscheinend eine vertraute Institution waren (Calame 1977,
115-124; 2001, 58-63).
Die Dumaivnai sind als Chormitglieder auch in ⇒ 2, Frg. 2, Kol. II 25 er-
wähnt; Hsch. s.v. Dumaivnai: aiJ ejn Çpavrthi corivtideç Bavkcai; dazu zu ⇒ 1 Frg.
35, Kol. I 5.
9-10    Siehe oben zu 8-9.
10-12    „The hiatus after coragev is intolerable unless interlinear“, so Page,
der an einen Einschub dachte, welcher möglicherweise nicht zum Zitat ge-
hört; die Entdeckung Führers (1973), der eine genaue metrische Responsion
zwischen Z. 10-12 und 15-17 gesehen hat, spricht allerdings dagegen. Nun
scheint auch klar, dass coragev in fine periodi steht, wo hiatus tolerierbar ist.
Führer erkannte die folgende metrische Struktur:
ù º ejn aijcma'i ⁄ çiofile;ç coragev ùºùÞÞà ÞùÞùÞÞà à
ÔAghçida'me ⁄ klenne; Damotimivda: ùÞùÞÞà ÞùÞùÞùÞà

ªajºgerwvcwç khjratw;ç coragwvç: ùºùÞÞà ÞùÞùÞÞà à


aujta'/ ga;r aJmw'n ⁄ h{likeç neanivai ÞÞùÞÞà ÞùÞùÞùÞà
Metrisch muss es kleªnnºe; heißen, nicht kleeªnnºe;, wie im Papyrus geschrie-
ben und merkwürdigerweise auch von Führer gedruckt wird.
11    Der Name ÔAghçivdamoç ist vor dem 4. Jh. v. Chr. selten belegt: im 5. Jh.
nur bei Pindar, O. 10, 92 und O. 11, 12 (aus Lokroi Epizephyrioi); N. 1, 29 und
N. 9, 42 (aus Akragas). Seit dem 4. Jh. begegnet der Name häufig auf Rhodos,
einmal in Athen und einige Male in der Peloponnes. M. Treu hat 1968 im

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P.Oxy. XXIX 2506 151

Suppl. XI der RE Sp. 26 schon darauf hingewiesen, dass Alkman der Freige-
lassene eines Agesidamos gewesen sei (sic). Die Quelle ist allerdings nicht
Herakleides Pontikos (so Treu und Calame 1983, Test. 14), sondern, wie man
jetzt weiß, die Epitome der Verfassungen griechischer Städte des Aristoteles,
die Herakleides Lembos im 2. Jh. v. Chr. zusammenstellte (Frg. 611, 9 Rose; S.
16 Dilts; zu der Epitome vgl. M. Hose, Aristoteles, Werke Bd 20, 3, Die histori-
schen Fragmente, Darmstadt 2002, 259-261). Die Überlieferung ist nicht so ein-
deutig, wie Treu glauben machte. In der Epitome heißt es: th;n Lakedaivmona
politeivan tine;ç Lukouvrgw/ proçavptouçi pa'çan. oJ de; ΔAlkma;n oijkevthç h\n ΔAghçiv-
dou, eujfuh;ç de; w}n hjleuqerwvqh, kai; poihth;ç ajpevbh (Test. 12 Page, Campbell; TA
11a Davies). In Roses kritischem Apparat erfährt man, dass die wichtigste
Handschrift dieses Textes, der Codex Vaticanus 997 bombyc. s. XIII (= Parisi-
nus gr. 352; bei Dilts Ms V) die Schreibung aghçid  v zeigt, was durchaus auch
zu ÔAghçidavmou aufzulösen wäre. Hose (S. 91) übersetzt weiterhin: „Alkman
war ein Sklave des Agesidas“. Das ist nach Lage der Handschriften schwer
zu widerlegen, da zumindest die Handschrift d bei Dilts (Laurentianus LX.
19 [14. Jh.], fol. 210 v, Plate 2 bei Dilts) deutlich aghçidou hat. d ist wie a (Par.
gr. 1693) und b (Par. gr. 1694) gemeinsam von einer verlorenen Handschrift x
abhängig, in welcher der Name vermutlich wie im Vatic. 997 mit aghçid v ab-
gekürzt war, was in d zu aghçidou aufgelöst ist. Der Name ΔAghçivdaç ist je-
doch nach Ausweis des Lexicon of Greek Personal Names nirgends belegt.
Deshalb hat Huxley 1974, sicher zu Recht, weiter eine Identifikation des in
der Epitome genannten mit dem ÔAghçivdamoç in ⇒ 9 angenommen.
Denn: falls der Name in der Handschrift d verfälscht wiedergegeben wur-
de (was leicht möglich ist) oder Herakleides Lembos schlecht excerpiert hat
(Dilts nennt ihn einen „careless excerptor“) und ein Mann mit Namen Hage-
sidamos im Leben des Alkman diese entscheidende Rolle gespielt hat, ließe
sich für den Kommentar in ⇒ 9 immerhin ein Sinn für die beiden Zitate in
dieser Kol. finden. In Kol. I war es in den Z. 21-22 offensichtlich um Alkmans
Herkunft gegangen (siehe dort). Wollte der Kommentator hier eine histori-
sche Einordnung der Ereignisse versuchen, in dem er das Alter dessen vage
bestimmte, der Alkman freigelassen hatte?
Das Interesse des Aristoteles an der Frage der Herkunft Alkmans ist auch
in ⇒ 1 Frg. 9, Kol. I deutlich (zum Interesse des Aristoteles an biographischen
Fragen siehe Huxley 1974).
15    ajgevrwcoç ist für Alkman bei Eustath. Il. 314, 43 belegt; siehe auch ⇒
2 Frg. 1 (b) 4, aber a ist unmöglich. Schreibfehler?
16    auta vielleicht für aujtei' „hier“? Page.

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152 Alcman 9

Frg. 17
Offensichtlich geht es auch in diesem Fragment um die Herkunft Alk-
mans (siehe vor allem Z. 6).

ä ä ä
1 º≤≤ª≤≤º≤≤ª
ºu≥ton ejn Lªuv<º
ªdoiç ºenwnª
4 º≤daçk≥u≥-
ºekton≤≤≤
ª ΔAlkºma;n ejn Luvdoiç
ºç≥ai to≥ªu'º mevlouç
8 ºç≥k≤ª≤ºi≥naiçar-
ºuton eu
º ª
ä ä ä

1   º≤≤ª, lang ausgezogener Abstrich eines l, danach Spatium ?; unterer Teil einer leicht geboge-
nen Senkrechten, n ?      º≤≤ª, gebogenere Fuß einer Senkrechten, t oder u; Linie auf der Z., o oder
w ?      4   º≤, runder Buchstabe, o oder w 5   ≤≤≤, eher çe≤ (Zeilenfüller ?) als ot≥i ≥ Page      7   o≥ª,
oder w 8   ≤ª, am ehesten a
——
2-3 ejn Lªuv⁄doiç Calame      4-5   Daçkuv⁄ªleion Page dubitanter      6   suppl. Page      7   suppl.
Page      8   klªeºinai; Çavr⁄ªdeiç vel Çavr⁄ªdieç Page

... bei den Lydern ... Daskyleion (?) ... Alkman bei den Lydern ... des Liedes ...
das berühmte Sardes (?) ...

4    Daskyleion, am südlichen Rand des Marmarameeres nahe dem heuti-


gen Ort Bandırma gelegen, war nach dem lydischen König Daskylos be-
nannt, dem Vater des Gyges.

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10

P.Oxy. XXIV 2394 saec. II/IIIp

Anmerkungen zu einem chorlyrischen Text im dorischen Dialekt (Alkman?)

Prov.: Oxyrhynchus.
Cons.: Oxford, Sackler Library, Papyrology Rooms.
Edd.: LOBEL 1957, 81-86; PAGE 1962, 85-87 Nr. 162; CALAME 1983, 184-187 Nr. °239 +
°240; CAMPBELL 1987, Nr. 162; DAVIES 1991, Nr. 162.
Tabb.: P.Oxy. XXIV (= LOBEL 1957), pl. XI; www.papyrology.ox.ac.uk.
Comm.: MP3 1890; LDAB 189        PAGE 1959, 21; LOBEL, P.Oxy. XLV, 17; CALAME 1983,
622-626; HINGE 2006, 144, 332; MCNAMEE 2007, 167.

Erhalten sind 14 z.T. sehr kleine Fragmente einer Rolle in einer aufrechten
Buchschrift des späten 2./ frühen 3. Jh.n.Chr., in der die Buchstaben meist
deutlich von einander abgesetzt sind, ähnlich wie z.B. in P.Oxy. XIII 1611 und
1624 (Abb. in CPF IV.2, 170-172); auffällig ist die Form des Y, dessen beide
Arme meist einen flachen Bogen bilden ( I )͝ , wie z.B. in P.Oxy. XLIV 3156 und
XLVII 3326. Der Haupttext ist mit Akzenten (meist Akut, je einmal Gravis
und Zirkumflex), Kürze- und Längezeichen, Apostroph, Trema, Paragraphos
mit Koronis, Verweiszeichen (c), einer Korrektur sowie Randnotizen in klei-
ner, leicht nach rechts geneigter Schrift versehen. Auch die Randnotizen wei-
sen Akzente und Apostroph auf. Außerdem ist das N von egwn in Fr. 1(b) Kol.
II 4 durch Punkte getilgt (:N:),1 und an zwei Stellen ist ou über w gesetzt (Fr.
2(c), 5 und Fr. 6, 2); zu diesen scheinbaren „Korrekturen“ s. unten Anm. 2.
Dass es sich um Chorlyrik handelt, ergibt sich zweifelsfrei aus dem Scho-
lion zu Frg. 1(a) Kol. I 5 ou{(twç) dia; th;n ajntivçtrofoªn. Die Zuschreibung an
Alkman beruht auf 1. den Dialektformen ç für q in Frg. 2(a), 8, ejgwvn (vgl. dazu
Hinge 2006, 169) und dem Gen. sing. muvrw Frg. 2(c), 5; 2. dem Umstand, dass
z.T. dieselben Verse sich anscheinend in 2 weiteren Papyri finden (P.Oxy.
XXVI 2443 und XLV 3213, von denen der letztere dieselben sprachlichen
Merkmale aufweist wie ⇒ 10; und 3. den Akzenten, Paragraphoi und ande-
ren Lesehilfen, den Korrekturen, Verweiszeichen (c) und Randnotizen in den
genannten Papyri, die folglich alle drei von sorgfältig edierten, kritischen
Textausgaben stammen, wie sie wohl nur für einen der neun „kanonischen“

1
Der 2. Punkt ist weggebrochen.

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154 Alcman 10

Lyriker anzunehmen sind; von diesen kommt aber in diesem Fall nur Alk-
man in Frage („the text ... has formal features that prima facie rule out all but
Alcman of the known lyric poets that come into consideration as author“, Lo-
bel zu P.Oxy. XLV 3213). Der Inhalt, soweit kenntlich, steht dem nicht entge-
gen, vgl. Calame 1983, 622-626.2

Frg. 1(a) Kol. I


ä ä ä
º≤kw enaª
º
º
1 oJºmavlika±ç : duvΔ ujmavlik(aç) Ni( )

Scholion, oberer Rand: º≤, a oder l


1   duumalik μ Pap.

„zwei Gleichaltrige,“ Ni(kanor ?)

3 ºç≥eiª≤≤≤º≤≤oç :çeiwnoç:
:o:
4 ºuçivai ajfneavi t Δ : plouç≥iv≥a≥ªi :

5 º≤ª º≤ ou{(twç) dia; th;n ajntivçtrofoªn


6 º≤an

3   Scholion: :çeiwn:o Pap.


4   Scholion: afneavi (suprascr. :o:) t Δ : plouç≥iv≥aª

und (?) wohlhabend - ·reich‚

2
Page 1959, 21 hatte gegen die Zuschreibung an Alkman eingewandt, dass 1. mehrere für Alk-
man charakteristische Formen interlinear „korrigiert“ seien, und 2. das Digamma vor i>teva≥ªç in
Fr. 2(c), 6 nicht berücksichtigt sei, was ein für Alkman singulärer Fall sei. Diese Einwände sind
wohl nicht stichhaltig: 1. Die „Korrekturen“ der Gen. sing. – Endung murw durch übergeschrie-
benes w in Fr. 2(c), 5 und vielleicht in Fr. 6, 2 von ⇒ 10, ebenso wie die von kwrid< zu kourid< in
P.Oxy. XLV 3213, 7, dürften eher als Verständnishilfen für Leser gemeint sein, die mit der dori-
schen (lakonischen) Vokalisation nicht vertraut waren; 2. Hinge 2006, 105-112 hat nachgewiesen,
dass Alkman keineswegs immer anlautendes Û berücksichtigt.

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P.Oxy. XXIV 2394 155

5   Scholion: ou diathnantiçtrofoª

so (geschrieben) wegen der Antistrophos

Frg. 1(b) Kol. I

1 º≤ ≤≤≤≤e≥teron t(o;n) apª


nª≤º≤≤≤≤≤≤≤≤o≥u≥d≥ª
2 º≤e≥i≥ : ≤ª≤≤≤≤º≤≥a≥ª

1   Scholion: ≤≤≤≤e≥teront  vapª Pap.

Frg. 1(b) Kol. II

9 c t≤≤ª≤ºçe≤ª
w
10 c kal·u‚çu> ª≤º≤ª
çigal≥ª
ää
lao≤ª
13 ºçaam hji?çaª
º≤çal
14 º≤ ≤≤≤ª

Vor 9 und 10 c als Hinweis auf Kommentar      Unter 11 Paragraphos; links neben 12 geschwun-
gene, von unten links nach oben rechts führende Linie, die möglicherweise mit der Paragraphos
unter l. 11 zusammenstößt

Fr. 2(a)

8 parºçeniçk≥ª

Scholion auf dem unteren Rand: pºarçeniçkai


ºai

junge Mädchen

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156 Alcman 10

Extra 2: ç– te≥ª
Eines der neu unter das Glas gebrachten Fragmente, „Extras“, hat vor Zei-
lenbeginn ein Sigma mit Strich darunter und darüber, also das Zeichen für
200, wohl auf die geschriebenen Stichen bezogen.

Frg. 1(a) Kol. I


1    Die Composita mit ujm< sind äolisch, nicht dorisch, vgl. Thumb-Sche-
rer 1959, 89 § 225, 5. Warum die äolische Form beigeschrieben ist, und von
wem, ist nicht ersichtlich.
Steht die Abkürzung Ni( ) für Nikanor, und ist dieser der Verfasser des
Werkes über homerische Interpunktion (Peri; çtigmh'ç th'ç kaqovlou), oder der
von Athenaios VII 296d erwähnte Verfasser von Metonomaçivai ? Dieselbe Ab-
kürzung des Namens findet sich u.a. auch in einem Scholion zu Alkaios 77 V.
= P.Oxy. XVIII 2166(c) Kol. I (⇒ Alcaeus 3, S. 105) und in einer Notiz zu Sap-
pho in PSI II 123, 2 (tw'mon).
3    Die Punkte links und rechts von :çeiwn:o könnten bedeuten, dass die-
se Form als Korrektur von ç≥eiª≤≤≤º≤≤oç beigeschrieben, dann aber wieder ge-
strichen wurde.
4    ajfneaiv tΔ scheint Variante oder Korrektur zu ploºuçivai im Haupttext
zu sein; dann sollte das danach wiederholte und mit Punkt (oder 2 Punkten)
versehene : plouçivaªi : (?) vielleicht anzeigen, dass dieses Wort aus dem
Haupttext zu streichen war. Entsprechendes könnte für das über ajfneavi ge-
setzte :o: gelten, d.h. die Änderung zu ajfneoiv wurde wieder rückgängig ge-
macht.
5    Die Anmerkung scheint sich auf die Responsion und daher wohl auf
die Kolometrie zu beziehen, oder eher auf die Quantität einer Silbe ? (Has-
lam).

Frg. 1(b) Kol. II


13    Die beiden Zeilen des Scholions beziehen sich vermutlich auf einen
Vers der vorhergehenden Kolumne, obwohl dort keine Spuren zu sehen sind;
aber der Papyrus ist stark abgerieben.

Frg. 2(a)
8    Zu den Diminutivsuffixen <içkoç, <içka bei Alkman vgl. Hinge 2006,
275. Das Scholion auf dem unteren Rand der Kolumne erklärte das Wort viel-
leicht mit kovrºai.

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Alcman - schede 157

SCHEDE

(a)

P.Oxy. XXIV 2388


Saec. IIp. Ed.: PAGE 1962, Frg. 4; DAVIES Nr. 4; CAMPBELL Nr. 4; CALAME Nr. 57-78.
Comm.: MP3 80; LDAB 183.
22 (+6) Fragmente, die wohl Verse Alkmans enthalten; dafür sprechen das
Vorkommen von Klhçimbªrovta (Frg. 1, 9), Dumaivªnaiç (5, 4) und Ǻeravpnaª (8,
4), sowie dialektale Formen wie malçakav (1, 5) und ejdeivxan (1, 6; Akzent im
Papyrus). Bis auf weitere Akzente gibt es keine Spuren philologischer Betäti-
gung in diesen Fragmenten. Es sind allerdings 6 kleinere bis ganz kleine
Fragmente (ohne Nummern, „Extras“) dazugekommen, die anscheinend
von derselben Hand stammen. Auf dem linken Rand des größten dieser
Fragmente ist ein Anker zu sehen, der nach links unten weist; wie gewöhn-
lich sollte dieses Zeichen auf einen zunächst ausgelassenen und dann am
Rand nachgetragenen Vers deuten.
Die Reste der philologischen Betätigung sind insgesamt so gering, dass es
sich nicht lohnt, den Text in das Corpus aufzunehmen. Wer den Anker sehen
will, möge die Homepage der Oxyrhynchus Papyri ansehen; dort sind auch
die neuen Fragmente abgebildet. Davies 1986b, 25-27 über den Inhalt.

***

(b)

P.Oxy. XXXVII 2802


Saec. IIp. Ed.: PAGE 1962, S 5; DAVIES TA11b; CAMPBELL T29; CALAME T13. Comm.:
3
MP 83.1; LDAB 4843; TSANTSANOGLOU 1973, 107ff.; LUPPE 1973, 322.
Das Fragment enthält auf der Vorderseite, aber quer zu den Fasern (ï),
eine Notiz zur Genealogie und zur Verbannung der jüngeren Theoxena,
Tochter des Agathokles und der Theoxena und Mutter des jüngeren Agatho-
kles (P.Oxy. XXXVII 2821). Auf der Rückseite, um 90º gedreht (ï), stehen Re-
ste von 29 Zeilen eines Prosatextes, in dem anscheinend von der Lebenszeit
Alkmans im Verhältnis zu der eines anderen Dichters (? Musaios: Z. 17 mouª,
s. unten) die Rede ist. Der Name Alkman ist zweimal genannt (Z. 5 und 17),
an der ersten Stelle nach dem Zahlzeichen „2“ (o{ºti b— ΔAlkmaªn<). Während
Lobel an eine Aufzählung, vielleicht an einen Katalog dachte, sah Tsantsano-
glou darin einen Hinweis auf einen „zweiten“ Alkman, der die Erwähnung
eines „ersten“ Alkmans voraussetze.1 Einen „zweiten“ Alkman nennt auch

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158 Alcman - schede

die Suda (a 1289 Adler = Test. 4 Calame), aber Tsantsanoglou weist selbst
darauf hin, dass dieser offenbar einem Missverständnis eines Ortsnamens
entstammt (Meççova = Meççhvnh).2
Der Name könnte auch im Genetiv gestanden haben ( b— ΔAlkma'ªnoç =
„zweiter nach Alkman“, zeitlich oder dem Range nach). In Z. 7 ist nicht
preçbºuvteroç oJ d(e;) nªewvteroç (Tsantsanoglou) zu lesen, sondern ºe≥ç≥teroç o dD
n≥ª (progenºev≥ç≥teroç = „älter“, oder „Vorläufer“?). In Z. 14 ist wohl von Alkmans
Lebenszeit die Rede (crovnºw≥n kaqΔ ou}ç ejg≥ev≥neªto ?), in Z. 15 von paideiva, und
wenn in Z. 17-18, wie Lobel unter Vorbehalt vermutet hat, Musaios genannt
war (mouª ), könnte der in Z. 15 mit fh(çin) zitierte Autor gesagt haben, dass
dieser lange vor Alkman gelebt habe (Z. 17-18 w{çte Mouªçai'on ... pºro; aujtou'
polu; geªnevçqai).3 Nichts deutet darauf hin, dass dieses Fragment aus einem
Hypomnema stammen könnte;4 eher wird es zu einer biographischen Ab-
handlung gehören.

***

(c)

P.Oxy. L 3542
Saec. IIIp. Ed.: DAVIES TA3. Comm.: MP3 2077.1; LDAB 5396; DAVIES 1986a, 385.
Das Fragment einer Rolle zeigt Reste von zwei Kolumnen, wobei von der
ersten Kol. nur einzelne Zeilenenden vorhanden sind. Die Schrift ist eine for-
male, nicht unelegante, leicht nach rechts geneigte Hand im „formal mixed
style“.
Der Text der zweiten Kolumne handelt anscheinend von Lakonien (Z. 10
ÔHrakleidw'≥n≥; 15 Lukou'rgon) und von der umstrittenen Herkunft einer Person
und deren Übersiedlung nach Lakonien (Z. 17-23). Obwohl dies ein rein bio-
graphischer Text ist, sollen die besser erhaltenen Z. hier wiedergegeben wer-
den, da das Thema von Alkmans Herkunft auch in den Kommentaren ⇒
1a+b und ⇒ 9 Thema ist (siehe dort und ⇒ scheda (b)).
Alle Ergänzungen stammen von E. Lobel.

1
Tsantsanoglou 1973, 107-112.
2
Id. 111ff.
3
Dieser Autor wird derselbe sein, der in Z. 4 namentlich (?) angeführt worden war: ºnoç ejn g—
p(eri;) eª.
4
Wegen Z. 20 aJpºaxavpant(aç), das meist in der Komödie vorkommt, hatte Luppe 1973, 322 an ei-
nen Komödienkommentar gedacht; das Wort findet sich aber auch z.B. in den Hesiodscholien.

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Alcman - schede 159

Kol. II, 9-26:

9 ruço≥ª≤≤≤≤≥º≤≤≤≤a≥
ÔHrakleidw'≥n≥ ≤≤≤≤ª kat<
twEivDkhçan para≥ª
12 neçtavtou: ei\naªi
kakivzeçqai dedª
çewç t≥o;n ÔHraklª
kata; Lukou'rgon ª Lakedai<
16 movnion aujto;n ª
peri; de; tou' gevnouªç aujtou'
pantelw'ç ajmfi≥ªçbhtei'tai.
ä
oiJ me;n gavr façi Dªavmanta
20 tou patevra ejk≤ª
Ludikou' kata; fa≥ç≥≤ª
de≤ ª ºm≥etaçt≥h'≥naªi
ç≥u;n aªujtºw'≥EiD e[ti paªidi;
24 d≥ª º≤ç≥e ≥a≥ tonon≥ª
t≥ª ºpa≤≤ª

26-29 Reste von 4 Zeilenanfängen, durch Schmutz unlesbar


ä ä ä

9   ≤ª, stark gebogene Linie, am ehesten w; nach der Lücke die unteren Hastenenden von 5 (?)
Buchstaben      10   ≤ª, winzige Spur unten auf der Z.      11   çan verbessert aus çen 12   Nach
dem Hochpunkt spatium von einem Buchstaben            20      ≤ª, unlesbar, durch Schmutz ver-
deckt      21   ≤ª, oberer Teil einer Senkrechten      22   t≥h,≥ stark verschmutzt      23   ≤ª, a oder
l 24   ç≥ea≥ ≥ Ú stark verschmutzt; über e≥ eine Tintenspur, anscheinend kein Akzent; über a≥ ein hoch-
gestelltes ç ?      ≤ª, oberer Teil einer Senkrechten, vielleicht n 25   ≤≤ª≤, p≥w≥ oder g≥≤≤, kaum r≥e≤≥ ª

Der Herakliden ... getadelt zu werden ... zur Zeit des Lykurgos ... Aber über
seine Herkunft besteht völlige Unklarheit; die einen nämlich sagen, dass sein
Vater Damas aus dem Lydischen ... mit ihm umgesiedelt sei, als er noch ein
Kind war ...

19–20 Dªavmanta to;n auj<


tou' patevra î

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