Sie sind auf Seite 1von 6

© PPVMEDIEN 2007

recording
MIXDOWN Keyboards sinnvoll integrieren

Fette Flächen
PLATZ IN DER MISCHUNG

W I E I H R TA S T E N I N S T R U M E N T E I N E U R E M T R A C K P R Ä S E N T M I S C H T O H N E A L L E S Z U V E R D E C K E N

Wahrscheinlich habt ihr auch schon mal die Erfahrung


gemacht, dass Keyboard-Klänge mitunter schwierig in
einem Mix zu platzieren sind. Sind sie nur etwas zu lei-
se, kann man sie kaum mehr wahrnehmen, sind sie nur
Fotos: R. Wilschewski; Montage: KvG

etwas zu laut, decken sie fast alles andere zu – eine


Position dazwischen scheint es nicht zu geben.
Wir schauen uns einmal näher an, warum das so
ist und wie man dem begegnen kann.

74 recording magazin 1/08


© PPVMEDIEN 2007

Man kann das Wort Keyboards als dieser Gattung in einen Topf zu werfen.
Überbegriff verstehen für letztlich alle Es ist einfach logisch, dass eine Geige
Instrumente, die über eine Tastatur ver- tontechnisch anders behandelt wird als
fügen. Wir sollten uns also vielleicht erst ein Heavy-Metal-Hackbrett, das über
mal etwas näher anschauen, womit wir 3 Ver stärkertürme zu Gehör gebracht
es denn hier zu tun haben. Beim Begriff wird. Bei Keyboards hingegen findet die-
„Saiteninstrumente“ käme nämlich nie- se Aufteilung oft nicht statt, obwohl die
mand auf die Idee, sämtliche Vertreter Unterschiede ähnlich krass sind.

www.recmag.de 75
© PPVMEDIEN 2007

recording
MIXDOWN Keyboards sinnvoll integrieren

Eine etwas humorige Möglichkeit der


Unterscheidung ist die Aufteilung in brenn­
bare und nicht brennbare Instrumente.
Zur ersten Gruppe gehören so genannte
Naturinstrumente, deren Tonerzeugung meist
mechanisch ist: Klavier und Flügel, Kirchenorgel
und Harmonium, Cembalo und Spinett. Auch
elektrische Pianos wie ein Fender Rhodes, ein
Wurlitzer oder ein
Ist dein Tasteninstrument Clavinet besitzen
eine mechanische
brennbar oder nicht brennbar? Tonerzeugung, die
über Pickups abge-
nommen und dann verstärkt wird. Instrumente
mit elektromechanischer Tonerzeugung rechne ich
ebenfalls noch zu dieser Gruppe, der bekannteste
Vertreter dürfte die Hammond-Orgel sein.

Zur nicht brennbaren Gruppe kann man


all die modernen Synthesizer­Keyboards
zählen. Sie befinden sich meist in vergleichswei-
se kleinen Kunststoff- oder Metallgehäusen, ihre
Tonerzeugung geschieht auf digitalem Weg und
in aller Regel werden keine Mikrofone benötigt,
um sie aufzunehmen oder zu verstärken. Genau
genommen gehören auch Sampler in diese
Gruppe, sie nehmen jedoch eine Sonderstellung wird man im Mix dann auch wie ein richtiges
ein. Sie sind nämlich die Simulanten unter den Klavier behandeln. Lädt man dagegen Synth-
Keyboards, sie geben ständig vor, etwas anderes Sounds oder dreht mit Filtern und Hüllkurven
zu sein. Ein Sampler produziert nicht wirklich ei- einen Streichersound so durch den Fleischwolf,
nen eigenen Klang, sondern man lädt ihn, wie dass er sich wie ein Synthesizer verhält, wird
Original Hammond TTR 100 der Name schon sagt, mit Samples – beispiels- man ihn letztlich im Mix auch wie einen solchen
& Leslie 147: Viel Spielfreude weise eines Klaviers, um den Klang eines au- behandeln. Die Übergänge sind also fließend.
– viel Wartungsaufwand. thentischen Flügels zu erhalten. Das Endergebnis Und auch im Bereich der Software-Instrumente
gibt es mittlerweile jede Menge an Simulationen
aller möglichen Keyboards, brennbarer wie nicht
Das PlugIn B4 II von Die Orgelsimulation ist vom
Original praktisch nicht zu
brennbarer. Per Definition sind das elektro-

Native Instruments unterscheiden.


nische Instrumente. Wenn die Simulation aber
gelungen und das Ergebnis praktisch nicht vom
Original zu unterscheiden, wird man im Mix ei-
ne simulierte Orgel nicht anders behandeln als
eine echte.

In erster Linie hängt die Integration in


den Mix auch davon ab, um welche Art
Musik und Arrangement es sich dreht. Ob
man bei einem Refrain, wenn Drums und Bass
Vollgas geben, zwei verzerrte Gitarren Chords
braten und ein mehrstimmiger, gedoppelter Chor
die Hookline singt eine weiche Synth-Fläche noch
Fotos: Wilschewski, Eisner

wirklich hörbar hinbekommt, ist mehr als fraglich.


Bei einer minimalistischen Elektro-Produktion
mit 808-Drumsounds, Moog-Bass und einer
Leadstimme dürfte der gleiche Sound hingegen
keine Probleme haben, sich durchzusetzen.

76 recording magazin 1/08


© PPVMEDIEN 2007

eine Produktion mit mehreren Instrumenten


billiger
ist ja letztlich nur die Fortsetzung des kaufen...
Orchester-Gedankens mit anderen Mitteln:
Verschiedene Instrumente bedienen verschie- frei Haus
dene Frequenzbereiche um so am Schluss ein
großes Ganzes zu ergeben. Klarinette oder mehrere
Fagott beispielsweise setzen sich deshalb so tausend
gut durch, weil sich ihr Klangspektrum haupt- Instrumente
sächlich in einigen wenigen, aber durchdrin- Versandbereit
genden Frequenzbändern abspielt, die so von
keinem anderen Instrument bedient werden.
Also das genaue Gegenteil dessen, was ein
Synthesizer vermag.

Doch der Synthesizer kann das auch,


wenn man sich nur traut, ihn richtig ein­
zusetzen. Und natürlich gelten dafür wie
überall die Grundregeln einer Mischung: Ein
Einzelsound ist immer nur so gut, wie er sich
mit dem restlichen Arrangement verträgt. Im
Wer viele Synthesizerklänge
Mittenbereich stehen nun mal alle Melodie- Der Music Store....ca. 13.000m2 Lager,
miteinander kombiniert, Service-, Demofläche
und Akkordinstrumente und auch die Stimmen
muss wissen, was er tut.
im Wettbewerb um die Aufmerksamkeit. Da
Sonst kann das Ergebnis auch
ist kreative Klangarchitektur gefragt, wenn
ein pappiger Klangbrei sein.-
alles noch hörbar sein soll. Obertonreiche
Sounds wie sie zahlreiche Brass-Presets er-
Damit kommen wir auf den Punkt, dass zeugen, werden sich immer mit verzerrten
der Grundstock eines guten Mixes nicht Gitarren in die Quere kommen, einfach weil
erst am Mischpult sondern schon beim die Klangstruktur sehr ähnlich ist. Andererseits
Arrangement gelegt wird. Oder provokant könnte gerade dieser Mischsound aus bei-
ausgedrückt: Der natürliche Feind der Gitarre den das sein, was die Geschichte interessant
ist der Synthesizer und das liegt nicht am macht. So ist zwar eventuell nicht mehr klar
Synthie selbst, sondern am Umgang damit. erkennbar, wer was gespielt hat, aber man be-
Dieses Instrument hat nämlich ein Feature, handelt diesen Mischsound dann als Ganzes.
Andersherum, wenn ein Klang
sich nicht wirklich durchsetzt,
Viele Keyboard-Sounds bedienen das eigentlich aber wichtig wä-
re, darf man sich auch nicht
gesamte hörbare Frequenzspektrum. scheuen, ihn mal in seinen
Frequenzbereichen ordentlich
das es bei fast keinem anderen Instrument zu beschneiden und andere Bereiche dazwi-
gibt, es deckt frequenzmäßig den gesamt- schen ordentlich anzuheben, je nachdem wo
en hörbaren Bereich ab, zumindest theore- in der Mischung noch ein Frequenzbereich
tisch. Natürlich hat ein Flügel einen ähnlich frei ist. Das kann dann, solo abgehört, durch-
großen Tonumfang, um aber das gesamte aus wie durchs Telefon klingen, wird jedoch
Frequenzspektrum praktisch gleichzeitig er- im Gesamt-Mix das Problem oft lösen und
klingen zu lassen, muss man unter Einsatz al- auch richtig gut klingen.
ler zehn Finger ganz schön schnelle Arpeggios
spielen. Für einen Synthesizer hingegen ist es Ein weiterer Ansatz, Keyboards besser
bei entsprechender Programmierung über- hervortreten zu lassen ist die Zuordnung
haupt kein Problem, mit einem dreistimmigen im Stereospektrum. Ein breiter, fetter
Akkord genau das zu tun. Viele Synth-Sounds Sound in Ultrawide-Superstereo klingt – für
sind einfach zu fett. Was für sich alleine ge- sich alleine genommen – erstmal Spitze.
nommen gigantisch klingt, ist im Kontext einer Das entspricht jedoch in weiten Teilen nicht
Mischung oft pures Gift. Eine Band oder auch unserer Hörerfahrung. Im echten Leben, will

www.recmag.de 77
© PPVMEDIEN 2007

recording
MIXDOWN Keyboards sinnvoll integrieren

sagen bei einer richtigen Band, haben wir es orchestraler Eindruck und man kann sie wesent-
mit verschiedenen Signalen zu tun, die einzeln lich einfacher im Hintergrund verstecken, gerade
mehr oder weniger mono sind aber aus ver- weil sie keine konkrete Position haben.
schiedenen Richtungen an unsere
Ohren dringen. Das hilft bei der Wer alles zumatscht, dem
Unterscheidung ungemein. Darum
lohnt es vielfach, bei widerstrei- wird die Frequenz entzogen.
tenden Keyboard-Klängen, deren
jeweilige Stereobreite einzuengen und ihnen Nun wollen wir uns noch ein wenig
mit brennbaren Instrumenten und deren
Simulationen beschäftigen. Natürlich sind
diese nicht wirklich mono – wer schon mal vor
einem geöffneten Flügel stand, wird das bestä-
tigen können. Auf einer Bühne stehend kommt
er für den Zuhörer unten aber dann doch wie-
der mehr aus einer bestimmten Richtung, wenn
auch nicht komplett mono. Wie weit ich das
Stereobild im Mix nun spreize, hängt nicht zu-
letzt davon ab, wie viele weitere Signale ich in
der Mischung unterbringen muss. Bei einem
Jazztrio bestehend aus Schlagzeug, Kontrabass
und Flügel habe ich viel Platz, da kann die
Spreizung schon mal relativ breit ausfallen.
Bei einer Pop-Produktion mit vielen anderen
Instrumenten hingegen wird der Flügel tatsäch-
lich fast mono gemischt werden.

recmag
recmag
wissen
tipp
Quick & Dirty
Frequenzaufteilung im Mix
Oft muss man bei einem Instrument
Ein wirksames Mittel zur Bändigung dann verschiedene Positionen im Stereo-Bild bestimmte Frequenzbereiche be-
von Keyboard-Sounds im Mix: Die sinn- zuzuweisen. Das klingt meist auch wesentlich schneiden um Verdeckungseffekte
mit anderen Klängen im selben
volle Verteilung im Stereopanorama. breiter, als eine Vielzahl von Stereosounds, die Band zu eliminieren. Wie kann
alle nach jeweils ganz außen gepant sind und solch ein, einzeln abgehört, unter
aus der ganzen Sache eine Art breite Mono- Umständen unschön und unaus-
Mischung machen. Dann wabert zwar alles ir- gewogen wirkender Sound im
entsprechenden Arrangement
gendwie stereo herum aber keiner der Sounds trotzdem fetter und durchsetzungs-
hat eine konkrete Position, was letztlich dazu fähiger sein als das Instrument mit
führt, dass die gesamte Mischung schwammig seinem vollem Frequenzumfang?
wirkt. Unsere akustische Wahrnehmung
hat bekanntermaßen sehr viel mit
Psychologie zu tun. Und im Kon-
Ein wenig anders verhält sich die Sache text einer Mischung werden die
bei Keyboard­Klängen, die gar nicht un­ abgeschnittenen Bereiche ja von
bedingt bewusst wahrgenommen werden den anderen Instrumenten bedient
– und in unserer Wahrnehmung
sollen. Weiche Synth-Flächen (Pads) aber auch sozusagen die Löcher wieder auf-
verhaltene Akkord-Layer aus einer Orgel und gefüllt. Wenn außerdem durch den
ähnliches sollen oftmals einfach eine Stimmung Eingriff noch der Soundbrei einer
Foto: Wilschewski

erzeugen ohne dabei selbst besonders in den Durchsichtigkeit gewichen ist, trägt
das natürlich auch zu einem posi-
Vordergrund zu treten. Hier bietet sich sehr breites tiven Klangeindruck bei.
Stereo-Panning geradezu an: Es entsteht ein leicht

78 recording magazin 1/08


© PPVMEDIEN 2007

Und nun kommt ein Satz, der möglicher­ scheitere. Dies gilt so ähnlich für alle E-Pianos die in der Lage ist, im Mix eine Gitarre zu ver-
weise einige vor den Kopf stoßen wird: und Clavinets (respektive guter Software- decken. Umgekehrt gilt das übrigens gleicher-
Prinzipiell setzen sich Naturinstrumente im Mix Simulationen) gegenüber entsprechenden maßen – ein Umstand, den man sich gerade
besser durch als elektronische. Kein Gesetz oh- Sounds aus Synthesizern. Und auch ein synthe- im Zuge des grassierenden Gitarren-Revivals in
ne Ausnahme, aber diese Faustregel habe ich tisierter Flügel-Sound wird nie an einen echten der Popmusik zu Nutze machen kann. Solltet
in meiner langjährigen Praxis gelernt. Das gilt Steinway heran reichen. Möchte ich den Klang also euer Track noch Keyboard-Klänge ver-
auch für gut programmierte Simulationen. Eine eines E-Pianos haben, sollte ich nach Möglichkeit tragen, geht mit Bedacht an die Sache heran
Hammond-Orgel nebst zugehörigem Leslie auch ein solches verwenden. Wenn man Zugriff und dezente Untermalung sowie fulminante
möchte ich als „Naturinstrument“ bezeichnen auf entsprechende Hardware hat, spart das viel Arrangements werden möglich.
– zumindest brennt beides gut, weil viel Holz im Arbeit, klingt authentisch und macht entspre-
Spiel ist. Sowohl eine echte Hammond als auch chend viel Spaß. Und die Durchsetzungskraft
beispielsweise die B4 von Native Instruments dieser Instrumente erlaubt es meist, sie im Mix
kann ich im Mix extrem leise machen, man wird etwas leiser zu fahren – und das schafft wiede-
sie immer noch gut durchhören. Versuche ich rum mehr Raum für den gesamten Rest.

Eine Einengung der Stereobreite Für viele Musikstile kommt


ein weiterer Vorteil dieser Vin­
sorgt oft schon für Klarheit. tage­Keyboards zum Tragen. Der Autor
Sie vertragen sich allesamt ausge- Ulli Eisner
das Gleiche mit einem orgelähnlichen Sound zeichnet mit Gitarren. Man muss sich ziemlich Freier Toningenieur und Produzent.
Fachautor unter anderem des Buches
aus einem Synthesizer, kann es sein, dass anstrengen, um mit einem E-Piano, Clavinet
„Mixing Workshop“.
ich ohne massive Nachbearbeitung kläglich oder einer Orgel eine Performance hinzulegen,

billiger kaufen...frei Haus


mehrere tausend Gitarren Versandbereit

em
r n S ie in unser sicstore.de
tte .mu
fo r m ie ren: blä log! unter www
r in ta
Schöne en Blätterka
t iv
interak

Vom
Blätterkatalog
sind Sie mit nur
einem Klick wieder
im Shop...
Preise
topaktuell!
www.recmag.de 79