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EINE GEOMORPHOLOGISCHE KARTE DER STEIERMARK

HERSTELLUNG, INTERPRETATION UND ÜBERTRAGUNG AUF EIN WEITERES


GEBIET

DISSERTATION
ZUR ERLANGUNG DES DOKTORGRADES DER NATURWISSENSCHAFTEN
AN DER KARL-FRANZENS-UNIVERSITÄT GRAZ

EINGEREICHT VON MAG. MARIA PLIENEGGER


A

AM

INSTITUT FÜR GEOGRAPHIE UND RAUMFORSCHUNG

ERSTBEGUTACHTER: AO. UNIV.-PROF. MAG. DR. GERHARD KARL LIEB


ZWEITBEGUTACHTER: AO. UNIV.-PROF. DR. REINHOLD LAZAR

2011
1
Vorwort
Die Steiermark wird als mein Heimatland für mich immer einen besonderen Stellenwert besitzen. Die
intensive Beschäftigung mit ihrer wunderschönen und vielfältigen Formenwelt über mehrere Jahre
hinweg hat sie mir noch näher gebracht. Es war nicht immer ein leichter Weg diese Arbeit zu
schreiben, aber meine Begeisterung für die Natur und Landschaft hat mich immer wieder bestärkt. Mit
dieser Arbeit hoffe ich den Grundstein gelegt zu haben, um möglichst vielen Menschen die
Geomorphologie der Steiermark näher bringen zu können. Ein weiterer Höhepunkt der
Forschungsarbeit war auf jeden Fall der Auslandsaufenthalt auf der faszinierenden Kanareninsel
Teneriffa, der mir vor allem das weite Feld der vulkanischen Formenwelt eröffnete.

An dieser Stelle möchte ich auch all jenen danken, die mich bei der Erstellung der Arbeit unterstützt
und gefördert haben. An erster Stelle sei mein Betreuer, Mag. Dr. Gerhard Karl Lieb, genannt, der mir
immer zur Seite stand, wenn ich wieder einmal nicht weiter wusste. Seine Geduld und fachliche
Kompetenz hat wesentlich zum Gelingen der Arbeit beigetragen. Ohne Mag. Christoph Kiedl wäre
diese Arbeit nicht zustande gekommen, da er zum einen in seiner Diplomarbeit den Grundstein für
diese Arbeit gelegt hat und zum anderen, da er einen großen Teil der praktischen Durchführung der
digitalen Analysen übernommen hat. Weiters möchte ich mich bei Mag. Dieter Pirker bedanken, der
die Zusammenarbeit mit dem Land Steiermark koordinierte sowie bei Herrn Alfred Sirk, der mich in
technischen Fragen unterstützte. Mein Dank gilt ebenfalls den Professorinnen an der Universidad de
La Laguna, allen voran Frau Carmen Romero-Ruiz, die mir den Zugang zum Digitalen Höhenmodell
Teneriffas ermöglichte und mich auch in fachlichen Fragen betreute.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Geomorphologischen Karten der Steiermark 1 : 50 000 und
1 :200 000 im Zuge von Projekten in Zusammenarbeit mit dem Land Steiermark entstanden sind und
somit auch dort aufliegen. Die Geomorphologische Karte von Teneriffa 1 : 50 000 ist im PDF-Format
der Arbeit auf CD beigelegt.

Schließlich und endlich wäre die Arbeit aber nicht ohne die Unterstützung meiner Familie möglich
gewesen. Meine Eltern boten mir die Ausgangsbasis für alles, was ich bisher erreichen konnte. Ich
kann jederzeit mit all meinen Problemen zu Ihnen kommen und werde stets in meiner Begeisterung für
die Geomorphologie bestärkt. Meinem gesamten familiärem Umfeld danke ich für das Verständnis,
das vor allem während intensiver Arbeitsphasen aufgebracht werden musste. Ganz besonderer Dank
gilt meinem Mann, Johann Plienegger, dafür, dass er mir in jeder Hinsicht, sei es durch Gespräche
und Hilfestellungen zum Thema oder durch gemeinsame Geländebegehungen geholfen hat, diese
Arbeit zu verwirklichen. Am wichtigsten war jedoch, dass er immer an mich geglaubt hat und mir durch
dieses Vertrauen die Kraft zum Fertigstellen dieser Arbeit gegeben hat.

Kontakt:
maria@plienegger.net
Telefon: +43 676 71 11 688

2
Zusammenfassung
Eine Geomorphologische Karte der Steiermark - Herstellung, Interpretation und Übertragung
auf ein weiteres Gebiet

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der GIS-gestützten Erstellung einer Geomorphologischen
Karte im Maßstab 1 : 50 000 für das Gebiet der Steiermark (Österreich). Das Gebiet von rund
16.400 km² beherbergt eine große Vielfalt von Landschaftseinheiten und -formen. Die Arbeit umfasst
einen breiten Teil der geomorphologischen Grundlagen, die für das Verständnis der Landschaft des
Bearbeitungsgebietes sowie des Vergleichsgebietes notwendig sind. Zur Kartenerstellung ergab sich
der Zugang über die Clusteranalyse aus einer Vorarbeit zum Thema. Als Datengrundlage diente ein
Digitales Höhenmodell, anhand dessen die Reliefparameter Hangneigung, Horizontalkrümmung,
Vertikalkrümmung und Reliefenergie berechnet wurden, die schließlich als Eingangsdaten für die
Clusteranalyse dienten. Um die Anwendbarkeit der Methode auch auf andere Gebiete zu überprüfen,
wurde ein Höhenmodell des Gebiets der Kanareninsel Teneriffa (Spanien) ebenfalls diesem Vorgehen
unterzogen. Da diese Analyse noch keine geomorphologische Karte darstellen kann, wurden weitere
Berechnungen und zum Teil manuelle Korrekturen durchgeführt, bis schließlich die vorliegende Form
erreicht war. In einem ausführlichen Erläuterungsteil werden die einzelnen Formen erklärt und weitere
Interpretationsmöglichkeiten geschildert. Zudem wurden weitere Produkte, nämlich eine generalisierte
Geomorphologische Karte 1 : 200 000 sowie eine Übersichtskarte im Format A4, geschaffen. Die
Bewertung der angewandten Methode ergibt, dass sie einen guten Zugang darstellt, um
geomorphologische Karten zu erstellen, dass jedoch eine Weiterentwicklung sowohl im technischen
Bereich als auch in der Methodik selbst, zahlreiche weitere Vorteile bringen kann.

3
Abstract
A geomorphological map of Styria – Production, interpretation and application to another
region

This dissertation deals with the production of a geomorphological map of Styria (Austria) at a scale of
1 : 50 000, supported by GIS means. The area of about 16.400 km² covers a huge diversity of
landscape units and forms. The paper comprises a general part of the geomorphological
fundamentals, that are essential for the comprehension of the investigated area and the area to be
compared with. The cluster analysis as approach concerning the production of the map was derived
from the findings of a previous paper. A digital elevation model was used as basic data set to calculate
the relief parameters slope, profile curvature, plan curvature and relief energy, that were used as input
data in the following cluster analysis. In order to test the applicability of the method on other regions,
the same procedure was applied to the digital elevation model of the Canary island of Tenerife. As this
mere analysis cannot represent a geomorphological map, further calculations and to some extent
manual adjustments had to be executed. An extensive explanation chapter describes the individual
landforms and offers possibilities of interpretation. In addition, two more products were created: a
generalised geomorphological map 1 : 200 000 and an A4 overview map. The evaluation of the
applied method shows that it offers a good approach to generate geomorphological maps, but that
further development, concerning the technical field and the method itself, will bring numerous new
advantages.

4
Inhaltsverzeichnis

Vorwort...................................................................................................................................................2
Zusammenfassung.................................................................................................................................3
Abstract..................................................................................................................................................4
1 Einleitung...........................................................................................................................................12
1.1 Problemstellung.........................................................................................................................12
1.2 Begriffsdefinitionen....................................................................................................................13
1.3 Bearbeitungsgebiet Steiermark..................................................................................................16
1.4 Bearbeitungsgebiet Teneriffa ....................................................................................................19
2 Methodik............................................................................................................................................22
2.1 Arbeitsansätze und Methoden in der Geomorphologie..............................................................22
2.1.1 Das geomorphologische System.......................................................................................24
2.1.1.1 Endogene Mechanismen und geologische Grundlagen............................................26
2.1.1.2 Exogene Mechanismen.............................................................................................28
2.1.2 Methodische Ansätze zur Reliefklassifikation....................................................................33
2.1.2.1 Grundlagen zur Reliefgliederung...............................................................................33
2.1.2.2 Praktische Anwendung von Reliefklassifikationen.....................................................37
2.1.3 Die geomorphologische Karte...........................................................................................39
2.1.3.1 Geomorphologische Karten im Vergleich...................................................................40
2.1.3.2 Geomorphologische Karten und Geographische Informationssysteme.....................42
2.1.3.3 Betrachtungsmaßstab................................................................................................44
2.2 Methodik des praktischen Teils der Arbeit..................................................................................45
2.2.1 Datengrundlage.................................................................................................................46
2.2.2 Automatisationsgestützte Reliefklassifikation mittels SAGA..............................................48
2.2.3 Weitere Analysen und Bearbeitungen................................................................................52
2.2.4 Die Geomorphologische Karte der Steiermark 1 : 200 000 ..............................................55
2.2.5 Die Geomorphologische Übersichtskarte der Steiermark im Format A4............................56
2.2.6 Anmerkungen zur Methodik im Bearbeitungsgebiet Teneriffa............................................57
3 Landschaftsformende Faktoren.........................................................................................................59
3.1 Landschaftsformende Faktoren in der Steiermark.....................................................................59
3.1.1 Geologisch-tektonische Entwicklungsgeschichte der Steiermark......................................59
3.1.2 Klimatologische Entwicklungsgeschichte der Steiermark..................................................62
3.1.3 Geologie der Steiermark....................................................................................................66
3.1.4 Aktuelle klimatische Verhältnisse in der Steiermark...........................................................70
3.1.5 Sonstige Einflussfaktoren in der Steiermark......................................................................75
3.2 Landschaftsformende Faktoren auf Teneriffa.............................................................................80
3.2.1 Landschaftsentwicklung und Geologie Teneriffas..............................................................80
3.2.2 Aktuelle klimatische Verhältnisse und die Vegetation Teneriffas........................................84
3.2.3 Sonstige Einflussfaktoren auf Teneriffa..............................................................................87

5
4 Eine geomorphologische Karte der Steiermark im Maßstab 1 : 50 000.............................................89
4.1 Das Ergebnis der Clusteranalyse im Programmsystem SAGA für die Steiermark.....................89
4.2 Das Endergebnis für die Steiermark..........................................................................................92
4.2.1 Formeninventar und Legende der Geomorphologischen Karte der Steiermark 1 : 50 00094
4.2.2 Flächenauswertung zur Geomorphologischen Karte der Steiermark 1 : 50 000................96
4.3 Erläuterungen zur geomorphologischen Karte der Steiermark 1 : 50 000 ................................98
4.3.1 Denudative Formenwelt.....................................................................................................98
4.3.1.1 Hang auf Karbonat.....................................................................................................98
4.3.1.2 Hang auf Nichtkarbonat.............................................................................................99
4.3.1.3 Hang auf Sediment..................................................................................................100
4.3.1.4 Hang auf vulkanischem Gestein..............................................................................101
4.3.1.5 Hangschleppen........................................................................................................102
4.3.1.6 Niveau im Vorland...................................................................................................103
4.3.1.7 Gipfel, Grate und Kammregionen............................................................................103
4.3.1.8 Riedelrücken............................................................................................................104
4.3.1.9 Reich gegliederte Hänge und Doppelgrate..............................................................105
4.3.2 Gravitative Formenwelt....................................................................................................106
4.3.2.1 Steinschlag- und Schuttrinnen.................................................................................106
4.3.2.2 Schuttkegel und -halden..........................................................................................106
4.3.2.3 Lawinenbahnen.......................................................................................................106
4.3.2.4 Gravitative Massenbewegungen.............................................................................107
4.3.3 Fluviatile Formenwelt.......................................................................................................108
4.3.3.1 Erosive Einschnitte..................................................................................................108
4.3.3.2 Schwemm- und Murenkegel....................................................................................108
4.3.3.3 Talböden..................................................................................................................109
4.3.3.4 Talböden im Beckenbereich.....................................................................................109
4.3.3.5 Terrassen.................................................................................................................109
4.3.3.6 Talformen.................................................................................................................110
4.3.4 Glaziale Formenwelt........................................................................................................112
4.3.4.1 Kare.........................................................................................................................112
4.3.4.2 Glazial geformte Täler..............................................................................................114
4.3.4.3 Gletscherüberformte Landschaften..........................................................................114
4.3.5 Periglaziale Formenwelt...................................................................................................115
4.3.5.1 Blockgletscher (Niedere Tauern)..............................................................................115
4.3.5.2 Glatthänge...............................................................................................................116
4.3.6 Karst................................................................................................................................116
4.3.6.1 Karsthohlformen.......................................................................................................116
4.3.6.2 Karstlandschaft........................................................................................................117
4.3.7 Gewässer.........................................................................................................................117
4.3.8 Anthropogen verändertes Relief.......................................................................................118
4.3.9 Regionale Besonderheiten...............................................................................................118
4.3.9.1 Moor, Torf, Versumpfung..........................................................................................118
4.3.9.2 Wasserfall................................................................................................................119

6
5 Abgeleitete Produkte der Geomorphologischen Karte der Steiermark 1 : 50 000............................120
5.1 Die Geomorphologische Karte der Steiermark 1 : 200 000.....................................................120
5.1.1 Formeninventar und Legende der Geomorphologischen Karte der Steiermark
1 : 200 000......................................................................................................................120
5.1.2 Erläuterungen zur Geomorphologischen Karte der Steiermark 1 : 200 000....................121
5.2 Die Geomorphologische Übersichtskarte der Steiermark im Format A4..................................123
5.2.1 Formeninventar und Legende der Geomorphologischen Übersichtskarte der
Steiermark.......................................................................................................................123
5.2.2 Erläuterungen zur Geomorphologischen Übersichtskarte der Steiermark.......................125
6 Die geomorphographische Gliederung Teneriffas............................................................................126
6.1 Das Ergebnis der Clusteranalyse im Programmsystem SAGA für Teneriffa............................126
6.2 Das Endergebnis der geomorphographischen Gliederung Teneriffas......................................127
6.2.1 Formeninventar und Legende der geomorphographischen Gliederung Teneriffas
1 : 50 000........................................................................................................................129
6.2.2 Flächenauswertung zur geomorphographischen Gliederung Teneriffas 1 : 50 000.........130
6.3 Erläuterungen zur geomorphographischen Gliederung Teneriffas...........................................132
6.3.1 Denudative Formen.........................................................................................................132
6.3.2 Fluviatile Formen.............................................................................................................132
6.3.3 Litorale Formen................................................................................................................133
6.3.4 Vulkanogene Formen.......................................................................................................133
6.3.5 Anthropogen verändertes Relief......................................................................................134
7 Bewertung der Ergebnisse anhand von einigen ausgewählten Landschaftseinheiten.....................135
7.1 Beispiel Wechselgebiet............................................................................................................135
7.2 Beispiel Schladminger Tauern ................................................................................................137
7.3 Beispiel Dachsteingruppe .......................................................................................................138
7.4 Beispiel Teno mit Steilküste ....................................................................................................139
7.5 Beispiel Teide - Cañadas ........................................................................................................139
8 Resümee und Ausblick....................................................................................................................141
8.1 Resümee.................................................................................................................................141
8.2 Mögliche Anwendungsbereiche...............................................................................................143
8.3 Ausblick...................................................................................................................................147
Quellen- und Literaturverzeichnis.......................................................................................................149

7
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Naturlandschaftsgliederung der Steiermark.....................................................................17
Abbildung 2: Profil durch die Steiermark vom Dachstein nach Bad Radkersburg.................................19
Abbildung 3: Landschaftseinheiten Teneriffas.......................................................................................20
Abbildung 4: Methodik in der Geomorphologie.....................................................................................24
Abbildung 5: Endogene und exogene Vorgänge formen die Oberfläche..............................................25
Abbildung 6: Prozesse im Hinblick auf die Materialfeuchte und die Bewegungsgeschwindigkeit.........29
Abbildung 7: Einfache, komplexe und kombinierte primäre Reliefparameter........................................34
Abbildung 8: Reliefklassen nach GAUSS 1828........................................................................................34
Abbildung 9: Reliefklassen nach TROEH 1964........................................................................................34
Abbildung 10: Beispiel für die Kombinationsmöglichkeiten der Formelemente.....................................36
Abbildung 11: Reliefklassifikation ESRI................................................................................................38
Abbildung 12: Reliefklassifikation SAGA..............................................................................................38
Abbildung 13: Reliefklassifikation Grass...............................................................................................38
Abbildung 14: Reliefklassifikation ILWIS...............................................................................................38
Abbildung 15: Die Informationsebenen der geomorphologischen Karte von Deutschland...................41
Abbildung 16: Ausschnitt von 5 km Breite aus der GEOMORPHOLOGISCHEN KARTE DER BUNDESREPUBLIK
DEUTSCHLAND 1 : 100 000 BLATT ROSENHEIM 1985 ...............................................................41
Abbildung 17: Zusammenhang zwischen Reliefgröße und Bildungs- bzw. Bestandszeit.....................44
Abbildung 18: Horizontalkrümmung (planc) und Vertikalkrümmung (profc)..........................................48
Abbildung 19: Beispiel der Hangneigungsberechnung in einer Höhen-Rastermatrix ...........................50
Abbildung 20: Beispiel der pctg-Berechnung........................................................................................51
Abbildung 21: Ausschnitt aus einer ersten Gliederung des Ergebnisses der Clusteranalyse im
Maßstab 1 : 50 000 und aus der geomorphologischen Karte 1 : 50 000 .......................52
Abbildung 22: Funktionsweise des Region Group................................................................................53
Abbildung 23: Beispiel für Focal Statistics............................................................................................53
Abbildung 24: Beispiel für die Anwendung von Zonal Statistics............................................................53
Abbildung 25: Die geomorphologische Karte 1 : 200 000 vor und nach der manuellen Korrektur der
Gipfelbereiche................................................................................................................54
Abbildung 26: Grobgliederung von KIEDL 2005, Geomorphologische Karte 1 : 50 000 und
generalisierte Geomorphologische Karte 1 : 200 000 ...................................................56
Abbildung 27: Kämme und Grate im Bereich des Cañadas-Gebäudes im Vergleich zu jenen im
Bereich der alten Massive Teneriffas.............................................................................58
Abbildung 28: Entwicklung der Alpen: a) Mittel- bis Obertrias, b) Oberjura bis Unterkreide,
c) Oberkreide bis Eozän, d) Oligozän............................................................................60
Abbildung 29: Die Vergletscherung der Steiermark im Würm...............................................................63
Abbildung 30: Die Gesteine der Steiermark.........................................................................................68
Abbildung 31: Klimaregionen der Steiermark.......................................................................................71
Abbildung 32: Schnee auf den Bergspitzen in der Steiermark am 1.September 2006.........................75
Abbildung 33: Fließgewässer - Haupteinzugsgebiete der Steiermark..................................................78
Abbildung 34: Rift-Achsen....................................................................................................................81

8
Abbildung 35: Geologische Einheiten und Historische Eruptionen Teneriffas.......................................83
Abbildung 36: Saharasand in der Luft über dem Meer.........................................................................85
Abbildung 37: Vegetationsstufen Teneriffas..........................................................................................86
Abbildung 38: Bebauung und landwirtschaftliche Nutzung im Süden der Insel....................................88
Abbildung 39: Ausschnitt aus einer ersten Gliederung des Ergebnisses der Clusteranalyse im
Wechselgebiet (Steiermark) im Maßstab 1 : 50 000.......................................................89
Abbildung 40: Ausschnitt aus einer ersten Gliederung des Ergebnisses der Clusteranalyse im
Bereich der Schladminger Tauern (Steiermark) im Maßstab 1 : 50 000.........................90
Abbildung 41: Ausschnitt aus einer ersten Gliederung des Ergebnisses der Clusteranalyse im
Bereich der Dachsteingruppe (Steiermark) im Maßstab 1 : 50 000................................91
Abbildung 42: Ausschnitt aus der Geomorphologischen Karte Steiermark 1 : 50 000 im Bereich des
Wechselgebietes............................................................................................................92
Abbildung 43: Ausschnitt aus der Geomorphologischen Karte Steiermark 1 : 50 000 im Bereich der
Schladminger Tauern.....................................................................................................93
Abbildung 44: Ausschnitt aus der Geomorphologischen Karte Steiermark 1 : 50 000 im Bereich der
Dachsteingruppe ...........................................................................................................94
Abbildung 45: Relative Flächenanteile nach dominanten Agentien......................................................97
Abbildung 46: Flächenanteile der Hänge nach Untergrund und Hangneigung.....................................97
Abbildung 47: Hänge auf karbonatischem Gestein, Kettengebirge und Plateaugebirge.......................99
Abbildung 48: Beispiel für Talasymmetrie im Oststeirischen Riedelland: flache Ost- und steile
Westabhänge...............................................................................................................101
Abbildung 49: Der Steinberg (mit Basaltsteinbruch) bei Feldbach und der Gleichenberger Kogel.....102
Abbildung 50: Hangschleppen und Niveaus im Vorland (Hangneigung < 2°) bei Söchau..................103
Abbildung 51: Höchstein und Hochwildstelle als Beispiele für Karlinge..............................................104
Abbildung 52: Beispiele für reich gegliederte Hänge und Doppelgrate im Bereich Stausee
Großsölk......................................................................................................................105
Abbildung 53: Überblendung der Geomorphologischen Karte mit dem Shape-File der
Lawineneinzugsgebiete...............................................................................................107
Abbildung 54: Bergsturzareal im Bereich Schladminger Tauern, Bodensee.......................................108
Abbildung 55: Talformen: a) Klamm (Raabklamm), b) Schlucht (Graggerschlucht), c) Kerbtal
(Kraubathgraben und Seitengräben), d) Muldental (Lafnitz-Ursprung),
e) Sohlental (Feistritztal)...............................................................................................111
Abbildung 56: Schematische Darstellung der Talformen Mulden-, Akkumulations- und
Erosionssohlental.........................................................................................................112
Abbildung 57: Kartreppe im Kristallin im Bereich Sonntagskar und Klafferkessel sowie Kare im
Karbonat der östlichen Haller Mauern..........................................................................113
Abbildung 58: Trogtal und glaziales Hängetal in den Schladminger Tauern........................................114
Abbildung 59: Gletscherüberformte Landschaft..................................................................................115
Abbildung 60: Glatthänge am Südabhang des Trübeck......................................................................116
Abbildung 61: Trockentäler und Blindtal im Grazer Bergland..............................................................117
Abbildung 62: Zahlreiche Wasserfälle am Toplitzsee..........................................................................119
Abbildung 63: Geomorphologische Übersichtskarte der Steiermark im Format A4............................124
Abbildung 64: Ausschnitt aus einer ersten Gliederung des Ergebnisses der Clusteranalyse im
Bereich Teno mit Steilküste (Teneriffa) im Maßstab 1 : 50 000.....................................126
Abbildung 65: Ausschnitt aus einer ersten Gliederung des Ergebnisses der Clusteranalyse im
Bereich Teide - Cañadas (Teneriffa) im Maßstab 1 : 50 000........................................127

9
Abbildung 66: Ausschnitt aus der Geomorphologischen Karte Teneriffa 1 : 50 000 im Bereich Teno
mit Steilküste................................................................................................................128
Abbildung 67: Ausschnitt aus der Geomorphologischen Karte Teneriffa 1 : 50 000 im Bereich
Teide-Cañadas.............................................................................................................128
Abbildung 68: Relative Flächenanteile nach dominanten Agentien auf Teneriffa................................131
Abbildung 69: Flächenanteile der Hänge nach Untergrund bzw. Landschaftseinheit und
Hangneigung auf Teneriffa ..........................................................................................131
Abbildung 70: Verkleinerte Darstellung von Abb. 39 und Abb. 42 ......................................................135
Abbildung 71: Verkleinerte Darstellung von Abb. 40 und Abb. 43.......................................................137
Abbildung 72: Verkleinerte Darstellung von Abb. 41 und Abb. 44.......................................................138
Abbildung 73: Verkleinerte Darstellung von Abb. 64 und Abb. 66.......................................................139
Abbildung 74: Verkleinerte Darstellung von Abb. 65 und Abb. 67.......................................................140
Abbildung 75: Beziehung zwischen geomorphologischer Umwelt und Mensch.................................143
Abbildung 76: Beziehung zwischen geomorphologischen Rohstoffen, Kapital und Ressourcen........144
Abbildung 77: Räumliche Bedeutungsebenen von geomorphologischem Kapital..............................145

10
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Eruptionsformen und vulkanische Produkte.........................................................................27
Tabelle 2: Reliefattribute und Kombinationsvarianten...........................................................................36
Tabelle 3: Genauigkeit des österreichischen DGM in Abhängigkeit von Geländebewuchs und -form. .47
Tabelle 4: Statistik zur Clusteranalyse für die A4 Übersichtskarte........................................................57
Tabelle 5: Übersicht über die wichtigsten Ereignisse für die Steiermark in der erdgeschichtlichen
Entwicklung..........................................................................................................................59
Tabelle 6: Ausgewählte Schneeparameter bezogen auf eine Seehöhe von 670 m..............................74
Tabelle 7: Moore der Steiermark...........................................................................................................77
Tabelle 8: Bodenfläche nach Nutzung und Funktion in Prozent 2009...................................................79
Tabelle 9: Abfolge vulkanischer Aktivität auf Teneriffa...........................................................................82
Tab. 10: Jahresmittelwerte der Temperatur nach Höhenstufen auf Teneriffa........................................85
Tabelle 11: Statistik zur Clusteranalyse für den Bereich Nordalpen......................................................91
Tabelle 12: Legende der geomorphologischen Formen der geomorphologischen Karte der
Steiermark 1 : 50 000.........................................................................................................96
Tabelle 13: Flächenangaben zu den Formen der geomorphologischen Karte der Steiermark
1 : 50 000 nach ihrer Genese.............................................................................................96
Tabelle 14: Legende geomorphologischen Formen der geomorphologischen Karte der Steiermark
1 : 200 000.......................................................................................................................121
Tabelle 15: Legende geomorphologischen Formen der geomorphologischen Übersichtskarte der
Steiermark im Format A4..................................................................................................123
Tabelle 16: Legende geomorphologischen Formen der geomorphologischen Karte Teneriffas
1 : 50 000.........................................................................................................................130
Tabelle 17: Flächenangaben zu den Formen der geomorphologischen Karte Teneriffas 1 : 50 000
nach ihrer Genese............................................................................................................130

11
1 Einleitung
Die Landschaft der Steiermark bietet zweifelsohne nicht nur ein spannendes Forschungsgebiet,
sondern ist in Anbetracht ihrer Schönheit zugleich faszinierend. Man wird kaum ein Buch über die
Steiermark zur Hand nehmen können, in dem nicht bereits auf den ersten Seiten das Wort "Vielfalt"
fällt. Imposante Gebirge, Seen, breite Täler und Becken mit intensiver Nutzung, Riedel und
Weinberge, die zweitgrößte Stadt Österreichs, ja sogar Vulkanrelikte, um nur einige Beispiele zu
nennen, trifft man auf dem Gebiet des Bundeslandes an. Das Ganze ist noch dazu in ein Klima
eingebettet, das der Landschaft durch den Wechsel der Jahreszeiten einen besonderen Reiz verleiht:
Narzissenwiesen im Ausseerland im Frühjahr, zu ausgedehnten Wanderungen einladende Almwiesen
im Naturpark Almenland im Sommer, bunte Wälder und Weinberge in der Südsteiermark im Herbst,
verschneite Landschaften und gefrorene Bäche im Ennstal im Winter kommen in den Sinn. Doch
genug geschwärmt. Die Landschaft ist in dieser Arbeit der Gegenstand der Untersuchung, die
einzelnen Elemente werden herausgefiltert, klassifiziert und näher beleuchtet. Ungeachtet dieses
"Zerpflückens" und Analysierens oder gerade deswegen soll diese Arbeit dazu beitragen, den Wert der
Landschaft besser erkennen und schätzen zu lernen.

1.1 Problemstellung
Im Zuge meiner Diplomarbeit "Physiogeographische Grundzüge der östlichen Schladminger Tauern"
(KAUFMANN 2005) beschäftigte ich mich intensiv mit der Erstellung einer geomorphologischen Karte.
Diese Arbeit gehörte zu einer Reihe von Diplomarbeiten und Dissertationen, die sich im Zuge der
umfangreichen Erforschung von Natura 2000 - Regionen in der Steiermark mit den
physiogeographischen Bedingungen im Allgemeinen, meist jedoch auch mit einer
geomorphologischen Kartierung des jeweiligen Gebietes im Besonderen auseinandersetzten. Daraus
wurde wiederum die Idee geboren, einen Versuch zu starten, diese Kartierungen automatisiert
durchzuführen, woraus die Diplomarbeit "Versuch einer GIS-gestützten Gliederung der Reliefeinheiten
der Steiermark" von KIEDL 2005 hervorging. In dieser Arbeit kristallisierte sich die Clusteranalyse als
geeignete Methode zur Durchführung dieses Vorhabens heraus. Nun lag es auf der Hand, dass mit
Hilfe der aus diesen Arbeiten gewonnenen Erkenntnisse eine flächendeckende geomorphologische
Kartierung für das gesamte Gebiet der Steiermark mit einer Fläche von rund 16.400 km² erstellt
werden sollte. Als geeigneter Betrachtungsmaßstab ergab sich 1 : 50 000 für eine detailliertere Karte
sowie 1 : 200 000 für eine Übersichtskarte (siehe Kap. 2). Als Arbeitshypothese kann also genannt
werden:

"Es ist möglich, mit Hilfe des automatisierten Verfahrens der Clusteranalyse eine
flächendeckende geomorphologische Karte der Steiermark herzustellen."

Da auf automatisationsgestütztem Weg eine praktisch ausschließlich morphographische Karte erstellt


wird, bedarf es der Miteinbeziehung der Genese und Dynamik der einzelnen Formen bzw. Gebiete um
schließlich eine geomorphologische Karte zu erhalten. Dieser Schritt der Interpretation, im Zuge
dessen auch die Evaluierung der Qualität des berechneten Ergebnisses erfolgen kann, ist daher
essentiell für die Erstellung einer geomorphologischen Karte.

12
Die Steiermark bietet eine große Bandbreite an verschiedenen geomorphologischen Formen, die
unter unterschiedlichsten Bedingungen entstanden sind. Um jedoch ein noch größeres Spektrum an
Formen abzudecken sowie um eine umfassendere Aussage zur verwendeten Methode treffen zu
können, war es mein Wunsch, ein weiteres Gebiet zu untersuchen. Die Insel Teneriffa bot sich in
mehrfacher Hinsicht an: zum einen zeichnet sie sich ebenso wie die Steiermark durch eine große
Diversität in vielerlei Hinsicht (z.B. biologisch, die anthropogene Nutzung betreffend und
geomorphologisch) aus, gleichzeitig ist sie von überschaubarer Größe und zu guter Letzt war mir die
Insel aus Vorlesungen sowie durch eine persönliche Reise bereits etwas bekannt und übte einen
besonderen Reiz auf mich aus. Als Erweiterung der oben angeführten Arbeitshypothese kann also
formuliert werden:

"Diese Methode ist auf jedes beliebige Gebiet anwendbar."

1.2 Begriffsdefinitionen
In dieser Arbeit werden einige Begriffe verwendet, die zwar allgemein bekannt sind, die aber auf
vielfältige Weise verwendet werden können. Um in weiterer Folge den Lesefluss nicht durch
Definitionen und Begriffserklärungen zu behindern, ist an dieser Stelle ein Kapitel mit alphabetisch
geordneten Begriffsdefinitionen vorangestellt.

Digitales Höhenmodell

" […] computergestützte Darstellung von Gelände- oder sonstigen Oberflächen durch digital abgespeicherte x,y,z-
Koordinaten von Punkten auf der Oberfläche." (DIERCKE WÖRTERBUCH DER ALLGEMEINEN GEOGRAPHIE 1998, S.140)

"Ein digitales Höhenmodell ist die Grenzfläche zwischen der Erdoberfläche und der Luft. Das Höhenmodell wird
durch eine repräsentative dreidimensionale Punktmenge modelliert (DHM). Es wird zwischen Digitalen
Geländemodellen (DGM) und Digitalen Oberflächenmodellen (DOM) unterschieden. Im DGM wird das Relief
durch eine (unregelmäßig), raster- oder linienförmig angeordnete, nach Lagekoordinaten, Höhenwerten und
geomorphologischen Informationen bestimmte Punktmenge nachgebildet, die die Geländeoberfläche in der
gewünschten Genauigkeit und Annäherung beschreibt. Das DOM berücksichtigt im Gegensatz zum DGM
zusätzlich alle sichtbaren, statischen Objekte (z.B. Gebäude und Vegetation) bei der Modellierung der
Grenzfläche zur Luft." (DIN Jänner 2011)

„The spatial form of surface topography is modelled in several ways. Digital representations are referred to as
either Digital Elevation Models (DEMs) or Digital Terrain Models (DTMs). A DEM is ‘an ordered array of numbers
that represent the spatial distribution of elevations above some arbitrary datum in landscape‘ (Moore et al. 1991,
4). DTMs are ‘ordered arrays of numbers that represent the spatial distribution of terrain attributes‘ (Moore et al.
1991, 4). DEMs are, therefore, a subset of DTMs. Topographic elements of a landscape can be computed directly
from a DEM“ (HUGGETT 2007, S.15)

In der vorliegenden Arbeit wird durch den Begriff "Digitales Höhenmodell (DHM), engl. digital
elevation model (DEM)" das in Breiten-, Längen- und Höhenkoordinaten gespeicherte Abbild der
Erdoberfläche beschrieben. Ein "Digitales Geländemodell (DGM), engl. digital terrain model (DTM)"
wird ebenfalls aus Breiten- und Längenkoordinaten sowie einer dritten Größe aufgebaut, die ein
beliebiges Reliefattribut (Höhe, Neigung, Exposition,...) darstellt.

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Geomorphographie, Geomorphometrie
„Geomorphographie ist die „Formbeschreibung“ zur Charakterisierung des Georeliefs nach Gestalt, Ausmaßen
und Vergesellschaftungen. Dies geschieht mit Hilfe der Fazetten und Georeliefelemente und mit deren
Einzelmerkmalen, z.B. der Wölbung, der Hangneigungsstärke („Neigungswinkel“), oder der Höhen, Längen und
Breiten. Eine „Georeliefbeschreibung“ (also die klassische - quasi „verbale“ - „Morphographie“) ist ohne
quantitative Angaben nicht mehr gefragt. Daher lassen sich Geomorphographie und Geomorphometrie auch nicht
mehr voneinander trennen“ (LESER 2003, S.34f, vgl. DIERCKE W ÖRTERBUCH DER ALLGEMEINEN GEOGRAPHIE 1998, S.258)

„Geomorphometrie ist die quantitativ-exakte Kennzeichnung des Georeliefs und seiner Formen und
Formenbestandteile […] in einer Art und Weise, die verschiedene Auflösungen bei der Darstellung, z.B.
geomorphologische Karten verschiedenen Maßstabs, zulässt.“ (DIERCKE WÖRTERBUCH DER ALLGEMEINEN GEOGRAPHIE
1998, S.260)

„Geomorphometry studies quantitatively the form of the land surface. […] Geomorphometry is an important
component of terrain analysis and surface modelling.“ (HUGGETT 2007, S.15)

„Geomorphometry is the science of quantitative land-surface analysis.“ (PIKE ET AL. 2009, S.3)

Geomorphographie ist hier eine Beschreibung der Formen, die sich der Geomorphometrie, der
quantitativen Analyse der Erdoberfläche, bedient. Sie dient unter anderem als Grundlage, um
zusammen mit dem Wissen um die jeweilige Geomorphogenese eine Geomorphologische Karte
erstellen zu können.

Geomorphologie, Geomorphogenese, Geomorphodynamik


„Erklärungs- und Forschungsgegenstand der Geomorphologie sind die Oberflächenformen (beliebig großer
Ausschnitte), das Relief der festen Erde. Die Geomorphologie beschreibt und ordnet die Formen systematisch
(unter verschiedensten Gesichtspunkten) und erklärt ihre Entstehung und Weiterbildung (nach Louis/Fischer
1979)“ (ZEPP 2004, S.13)

„[…] beschäftigt sich mit […] den Landformen der Erde, deren Gestalt, ihrer Anordnung im Raum und ihrer
Entwicklung. […] Die Geomorphologie ist Teilgebiet der Physiogeographie und wird als Allgemeine
Geomorphologie, also im Hinblick auf Regeln und Gesetze der Landformenbildung, und als Regionale
Geomorphologie betrieben. Letztere stellt Formen und Formentwicklung für Regionen, Landschaften oder
Territorien dar.“ (LESER 2003, S.8, vgl. auch DIERCKE W ÖRTERBUCH DER ALLGEMEINEN GEOGRAPHIE 1998, S.259)

„The word geomorphology derives from three Greek words: γεω (the Earth), μορφη (form), λόγος (discourse).
Geomorphology is therefore ‘discourse on Earth forms‘. It is the study of Earth‘s physical landsurface features, its
landforms. […] It investigates landforms and the processes that fashion them.“ (HUGGETT 2007, S.3)

„Die Formentstehung und -entwicklung sowie deren „Muster“ im Raum hängen von den „endogenen“ geologisch-
tektonischen Grundlagen (Größtformen, Georeliefstrukturen) und von den Geoökofaktoren in den
Landschaftsökosystemen der Klimazonen ab. Diese exogenen Vorgänge bewirken die feinere Gestaltung
(„Geomorphogenese“) der Landformen. Sie steht sowohl im Mittelpunkt des geomorphologischen
Fachinteresses, das sich sowohl den Vorzeitformen („Vorzeit-Geomorphodynamik“) als auch den aktuellen
Formen und Prozessen („Aktuelle Geomorphodynamik“) zuwendet.“ (LESER 2003, S.19)

Geomorphogenese ist die „Gesamtheit der exogenen und endogenen Prozesse, die zur Bildung des Georeliefs
führen […]. Obwohl auch aktuelle Formbildung (Geomorphodynamik) als Geomorphogenese bezeichnet werden
kann, wird der Begriff überwiegend auf vorzeitliche Georeliefbildung und -entwicklung bezogen.“

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„[...] In der Regel wird Geomorphodynamik für die aktuellen geomorphologischen Prozesse – im Sinne der
Aktualgeomorphodynamik – gebraucht, um sie von der vorzeitlichen Geomorphogenese abzusetzen.“ (DIERCKE
WÖRTERBUCH DER ALLGEMEINEN GEOGRAPHIE 1998, S.258)

„[...] hat sich als Teilgebiet der Erd- und Landschaftsgeschichte die historisch-genetische Geomorphologie
(Geomorphogenese) entwickelt, d.h. die langzeitliche Entwicklung der Formen der Erdoberfläche unter der
Einbeziehung von Ereignissen, die außerhalb des engeren Systems der Reliefentwicklung liegen, wie
Klimaentwicklung oder Vulkanismus.“ (BAUMHAUER 2006, S.1)

Geomorphologie wird hier im Sinne der Regionalen Geomorphologie verstanden, die Formen und
Formentwicklung und Prozesse für bestimmte Gebiete der Erdoberfläche beschreibt, erklärt und
darstellt.
Die Begriffe Geomorphogenese und Geomorphodynamik werden im Sinne der Definition nach
DIERCKE WÖRTERBUCH DER ALLGEMEINEN GEOGRAPHIE 1998 verwendet.

Tektogenese, Orogenese und Epirogenese


„Die tektonisch stabilen Kernbereiche der Kontinente werden als Kratone bezeichnet. […] Die tektonische
Aktivität im Bereich der Kratone beschränkt sich auf epirogenetische Deformation. Unter Epirogenese versteht
man lang andauernde Aufwölbung oder Einsenkung der Erdkruste, deren Ausdehnung zwischen einigen
hunderten und mehreren tausend Kilometern liegen kann. Im Bereich der Kratone wird die epirogenetische
Aufwölbung von Abtragungsvorgängen begleitet, so dass häufig das kristalline Grundgebirge zutage tritt. Das
Grundgebirge kann aber auch von Sedimenten, dem Deckgebirge überlagert sein. Im Gegensatz zur
Epirogenese bezeichnen Orogenesen kleinräumigere und zeitlich erheblich kürzere Gebirgsbildungsphasen im
geologischen Sinne von Krustendeformationen. […] Als Folge der Einengung bilden sich durch interne
Deformation charakteristische Strukturformen wie Falten, Überschiebungen und Decken.“ (BAUMHAUER 2006, S.18)

„Orogeny literally means the genesis of mountains, and when first mentioned it just meant that. Later, it became
associated with the idea of folding, and eventually it came to mean the folding of rocks in fold belts. As mountain
building is not associated with the folding of rocks, it cannot be synonymous with orogeny. [...] Epeirogeny is the
upheaval or depression of large areas of cratons without significant folding or fracture. The only folding
associated with epeirogeny is the broadest of undulations. Epeirogeny includes isostatic movements, such as the
rebound of land after an ice sheet has melted, and cymatogeny, which is the arching, and sometimes doming, of
rocks with little deformation over 10-1000 km.“ (HUGGETT 2007, S.104)

„Epirogenese: langzeitige und großräumige Erdkrustenverbiegung, bei der die Lagerungsverhältnisse der
Gesteine nicht wesentlich gestört werden. Bruchtektonik ist mit der Epirogenese nicht verbunden. Die
epirogenetischen Bewegungen werden durch Magmabewegungen unterhalb der Erdkruste verursacht und haben
isostatische Ausgleichsbewegungen zur Folge.“ (DIERCKE WÖRTERBUCH DER ALLGEMEINEN GEOGRAPHIE 1998, S.176)

„Orogenese: 1. Orogenese umfasste ursprünglich sämtliche tektonischen Prozesse, die Lagerungsstörungen zur
Folge hatten und die heute als Tektogenese bezeichnet werden. - 2. inzwischen wurde der Begriff eingeengt auf
jene geotektonischen Prozesse, die eine Änderung im Gefüge der Erdkruste im Sinne einer Gebirgsbildung
darstellen und die zu Faltengebirgen führen. (DIERCKE WÖRTERBUCH DER ALLGEMEINEN GEOGRAPHIE 1998, S.592)

„Tektogenese: Sammelbegriff für jene Vorgänge, die das Gefüge und die Lagerungsverhältnisse der Erdkruste
verändern und die der Epirogenese gegenübergestellt werden.[...]“ (DIERCKE WÖRTERBUCH DER ALLGEMEINEN GEOGRAPHIE
1998, S.871)

Unter Tektogenese werden sämtliche Verformungprozesse der Erdkruste verstanden, die zu einer
Änderung der Lagerungsverhältnisse führen und die mit Faltenbildung, Brüchen, Überschiebungen,...

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einher gehen. Orogenese stellt einen Spezialfall der Tektogenese dar, wobei die Deformation mit der
Bildung eines Faltengebirges assoziiert ist. Epirogenese ist die Verformung der Erdkruste, die zu
großräumigen Aufwölbungen und Einsenkungen führt, ohne dass die Lagerungsverhältnisse gestört
werden.

Tertiär und Quartär

Die Begriffe Tertiär und Quartär werden aufgrund der starken Verwendung in der Literatur weiter
nach folgender Definition verwendet: Das Tertiär wird der Zeit von etwa 70 bis 2 Mio. Jahre vor heute
zugeordnet. Das Quartär begann vor rund 2 bis 1,8 Mio. Jahre und dauert bis heute an. Soweit
möglich stützt sich die Gliederung der Erdzeitalter jedoch auf die Stratigraphische Tabelle von
Österreich von PILLER ET. AL. 2004.
Weitere Definitionen und Begriffserklärungen folgen weitgehend dem allgemeinen Verständnis bzw.
können im DIERCKE WÖRTERBUCH DER ALLGEMEINEN GEOGRAPHIE 1998 sowie in einführenden Werke zur
Geomorphologie wie HUGGETT 2007, LESER 2003 oder ZEPP 2004 nachgelesen werden.

1.3 Bearbeitungsgebiet Steiermark


Die Steiermark, das zweitgrößte Bundesland Österreichs, hat eine Fläche von 16.401 km² (LAND
STEIERMARK Jänner 2011). Die Lage am Alpen-Ostrand bedeutet zugleich große landschaftliche
Diversität. 305 der insgesamt 542 Gemeinden des Landes mit rund 12.700 km² gehören dem
Anwendungsbereich der Alpenkonvention an (BGBL 1995), werden also zum Alpen- und somit zum
Gebirgsraum gezählt (BUNDESMINISTERIUM FÜR UMWELT, NATURSCHUTZ UND REAKTORSICHERHEIT 2004). Den
höchsten Punkt markiert mit 2.995 m der Hohe Dachstein im Nordwesten des Landes, der tiefste
Punkt wird durch die Mur östlich von Bad Radkersburg mit 200 m eingenommen. Die Gliederung in
Landschaftshaupteinheiten aus dem SCHULATLAS STEIERMARK 2009 nennt für die Steiermark drei
Haupteinheiten: die Nordalpen, die Zentralalpen (Niedere Tauern und Steirisches Randgebirge) und
das Vorland (Abb. 1).

Die Nordalpen sind zum Großteil aus Kalk und Dolomit aufgebaut und meist als Hochgebirge eines
stark verkarsteten Plateau- oder Kettentypus ausgeprägt. Bekannter Vertreter der karbonatischen
Plateaugebirge ist beispielsweise die Dachsteingruppe. Zwischen Dachsteingebirge und Totem
Gebirge befinden sich die stark glazial geprägten Becken von Bad Aussee und Mitterndorf. Das
klassische Beispiel eines Kalkkettengebirges mit schroffen Formen und Gipfelketten stellen die Haller
Mauern der Ennstaler Alpen dar. Noch imposanter, jedoch in einzelne Massive aufgelöst, erscheint
das Gesäuse mit großen Reliefenergien - das Hochtor (2.369 m) liegt 1.800 m über Gstatterboden
(569 m) bei einer horizontalen Entfernung von rund 3.500 m. Im Bereich der Nordalpen sind aber auch
sanftere Formen anzutreffen, wie etwa die den Kalkvoralpen zuzurechnenden Türnitzer Alpen mit
karbonatischer Mittelgebirgsform zeigen. Das Hochtal von Mariazell weist viele Besonderheiten auf
und muss als eigenständige Landschaft betrachtet werden. Im Grenzbereich zwischen dem
Kalkplateauhochgebirge der Hochschwabgruppe und der südlich anschließenden Grauwackenzone
liegt das Aflenzer Becken. Das Trofaiacher Becken liegt gänzlich in der sanfte Formen bedingenden
Grauwackenzone, im Norden schließt aber wiederum ein Kalkhochgebirge, die Eisenerzer Alpen an.

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Abbildung 1: Naturlandschaftsgliederung der Steiermark (Quelle: SCHULATLAS STEIERMARK 2009)

Abbildung 1: Naturlandschaftsgliederung der Steiermark (Quelle: SCHULATLAS STEIERMARK 2009)

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Im Südosten der Nordalpen befinden sich die Mürzsteger Alpen, ebenfalls als Mittelgebirge
anzusprechen, welche im Osten vorwiegend aus Kristallin, im Bereich des Semmering jedoch wieder
vorherrschend von Kalken aufgebaut sind.

Die Nordalpen werden im Süden von der Nördlichen Längstalfurche sowie der Norischen Senke
begrenzt. Das sind Störungslinien, entlang derer sich die Täler von Enns, Palten, Liesing, Mur und
Mürz entwickelt haben (ÖH-SKRIPTUM 1988). Diese Talbereiche sind sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Der schmale Talraum des oberen Ennstales verbreitert sich im mittleren Ennstal beträchtlich, dessen
Talsohle viele Feuchtgebiete aufweist. Das Liesingtal, das zusammen mit dem Paltental früher als
Kammertal bezeichnet wurde, ist durch einen stark inhomogenen Talraum gekennzeichnet. Das Murtal
oberhalb des Judenburger-Knittelfelder Beckens liegt zur Gänze in den Zentralalpen, zwischen St.
Michael und Bruck an der Mur bildet es hingegen die Grenze zwischen Nord- und Zentralalpen. Zwei
große Beckenbereiche charakterisieren das untere und das mittlere Mürztal.

In den Zentralalpen können die Niederen Tauern einerseits und das Steirische Randgebirge
andererseits als große Teilgebiete ausgewiesen werden. Die Niederen Tauern finden ihre höchste
Erhebung im Hochgolling mit 2.862 m in den Schladminger Tauern, aber auch Wölzer, Rottenmanner
und Seckauer Tauern erreichen zum Teil beträchtliche Höhen und weisen mit zahlreichen Karseen und
-treppen, Trogtälern, Rundhöckerlandschaften und weiteren glazialen Formen die Charakteristika
eines eiszeitlich geprägten Hochgebirges auf. Die Murberge am Südabfall der Niederen Tauern zeigen
vor allem sanfte, gletschergeformte Landschaften und sind wesentlich niedriger als die sie
umgebenden Züge. Zwischen den Gurktaler Alpen, die von Höhen um 1.800 m im Osten auf rund
2.400 m gegen Westen aufsteigen, und den Seetaler Alpen, die im Zirbitzkogel 2.396 m erreichen,
befindet sich die Neumarkter Passlandschaft, eine breite, von Gletschern überformte Senke. Eine
weitere markante Senke, nämlich die Obdacher Passlandschaft, befindet sich zwischen Seetaler
Alpen und dem Steirischen Randgebirge.

Das Steirische Randgebirge ist überwiegend als Mittelgebirge anzusprechen, übersteigt aber doch im
Bereich der Stubalpe die Waldgrenze und hat dort im Amering mit 2.187 m seine höchste Erhebung.
Ebenfalls noch über die Waldgrenze reichen Koralpe sowie Gleinalpe. Östlich der Mur befinden sich
die Fischbacher Alpen, die neben dem allgemein überwiegenden Kristallin im äußersten Osten Anteil
an Kalkgestein haben. Südöstlich daran schließt das Wechsel-Gebiet an, dessen höchster Gipfel noch
1.743 m erreicht und das zum einen undeutlich in die Bucklige Welt, zum anderen zum Joglland
übergeht. Das Grazer Bergland kann in einen ost- und einen westmurischen Teil untergliedert werden
und ist geologisch sehr komplex aufgebaut. Meist können sanfte Formen mit kristallinen, schroffe
Formen mit karbonatischen Gesteinen in Verbindung gebracht werden. Innerhalb des Grazer
Berglandes befindet sich das Passailer Becken, am Rande zum Vorland liegen das Gratwein-
Gratkorner und das Köflach-Voitsberger Becken, wobei die Landschaft des letzteren stark von den
geologisch bedingten Kohlevorkommen und der damit verbundenen anthropogenen Veränderung
geprägt ist. Im äußersten Süden kann auch noch das nur mehr rund 1.000 m hohe Possruckgebirge
zum Steirischen Randgebirge gezählt werden.

Das Vorland wird wesentlich von den sanften Hügeln des Ost- bzw. Weststeirischen Riedellandes
charakterisiert, die aus Sanden, Tonen, Mergeln, Schottern und Konglomeraten aufgebaut sind. Eine

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Sonderstellung nimmt der Sausal ein, wo das Grundgebirge zu Tage tritt. Das weststeirische
Riedelland wird von den breiten Tälern der Kainach, Lassnitz und Sulm unterteilt, wobei das
verkarstete Plateau des Wildoner Berges eine Besonderheit darstellt. Ähnlich dazu verhält sich das
oststeirische Riedelland, das von den breiten Tälern der Raab, Feistritz und Lafnitz untergliedert wird.
Einige Erhebungen sind aus vulkanischen Gesteinen aufgebaut, die markanteste davon ist die
herausgewitterte Vulkanschlotfüllung, auf der die Riegersburg thront. Vor allem für die anthropogene
Besiedelung und Nutzung spielen die breiten Talräume der Mur unterhalb der Enge von Gösting eine
bedeutende Rolle. Das Grazer Feld ist mit der Landeshauptstadt Graz und den unmittelbaren
Umgebungsgemeinden (Feldkirchen bei Graz, Fernitz, Gössendorf, Grambach, Hausmannstätten,
Kalsdorf, Mellach, Pirka, Raaba, Seiersberg, Unterpremstätten, Werndorf, Wundschuh, Zettling) mit
über 3oo.ooo Einwohnern der bedeutendste Siedlungsraum der Steiermark (STATISTIK AUSTRIA Jänner
2011b). Auch das Leibnitzer Feld und das untere Murtal sind wichtige Siedlungsräume mit intensiv
anthropogen genutzten Flächen. (vgl. MORAWETZ 1973; LIEB 1985; SCHULATLAS STEIERMARK 2009)

Abbildung 2: Profil durch die Steiermark vom Dachstein nach Bad Radkersburg (eigene Darstellung,
Datengrundlage: Digitales Höhenmodell der Steiermark)

Diese kurze Beschreibung, wie auch das Profil durch die Steiermark vom höchsten zum niedrigsten
Punkt in Luftlinie (Abb. 2), zeigt bereits, welch große Vielfalt in der Steiermark vorhanden ist, und dass
diese "Inhomogenität" für eine automatisierte Erstellung einer morphographischen Karte eine
besondere Herausforderung darstellt. Zugleich bietet sich dadurch aber auch die Möglichkeit die
angewandte Methode besonders umfassend zu evaluieren. Da die von KIEDL 2005 getesteten Gebiete
in sich noch recht einheitlich waren, konnte zu diesem Zeitpunkt nur eine Prognose über die zu
erwartende gute Anwendbarkeit auf die gesamte Steiermark gestellt, jedoch noch keine endgültige
Aussage darüber getroffen werden, wie die Qualität des primären Ergebnisses einer
automatisationsgestützt erstellten geomorphographischen Karte sein würde.

1.4 Bearbeitungsgebiet Teneriffa


Teneriffa ragt mit einer Fläche von 2.034 km² (vgl. Bezirk Liezen 3.268 km²) aus dem Atlantischen
Ozean, mit dem Pico del Teide (3.718 m) als höchste Erhebung der Insel und zugleich Spaniens. Wie
CARRACEDO UND DAY 2002 so trefflich im Vorwort formulieren, denkt man dabei kaum daran, dass es sich
bei den Kanarischen Inseln um die höchsten Vulkane Europas handelt. Der Meeresgrund um die
Inseln liegt bei rund 3 bis 4 km unter dem Meeresspiegel, wodurch der Teide hinter Mauna Loa und
Mauna Kea auf Hawaii der dritthöchste Vulkan der Erde ist. Teneriffa besitzt 342 km Küste, wovon
258 km Steilküsten, 50 km niedrige Küste, 42 km Schotter- und Sandstrände, 25 km Sandstrände und
26 km künstlich angelegte Strände sind. (INSTITUTO CANARIO DE ESTADÍSTICA 2008)

19
In einem Versuch, die Insel in Landschaftseinheiten zu gliedern (siehe Abb. 3), wird der Nordosten
durch das bis zu 1.020 m hohe Anaga-Gebirge charakterisiert, das zu den ältesten Teilen der Insel
gehört und tiefe Barrancos und Abschnitte mit Steilküste aufweist. Zahlreiche freigelegte
Spaltenintrusionen treten hervor und formen eine bizarre Landschaft, die immer wieder von dichten
Buschwäldern bedeckt ist. Der Norden wird durch die beiden Valles, das Orotava-Tal und das Tal von
Icod dominiert. Der momentane Stand der Wissenschaft besagt, dass sie, wie auch das Tal von
Güímar durch enorme Rutschungen entstanden sind (vgl. auch VILLALBA 1996, CARRACEDO UND DAY
2002).

Abbildung 3: Landschaftseinheiten Teneriffas (Bezeichnungen nach der gängigen Verwendung am


Departamento de Geografía der Universidad de La Laguna, eigene Darstellung, Datengrundlage:
DHM Teneriffa)

Aufgrund der durch den Passat bedingten klimatischen Besonderheiten, ist diese Region die
wasserreichste der Insel. In der Nebelzone gedeiht immergrüner Lorbeerwald. Die recht einheitlich
geneigten Täler laufen relativ flach zum Meer hin aus, wodurch sich einige Sandstrände bilden
konnten. Die wenig verwitterten Vulkankegel bei Los Silos zählen zu den Zeugen des rezenten
Vulkanismus in diesem Bereich. Im Nordwesten trifft man aufgrund annähernd gleichen Alters auf
ähnliche Formen wie im Anaga-Gebirge. Das Teno-Gebirge, bis zu 1.346 m hoch, ist ebenfalls von
tiefen Barrancos durchzogen, die Steilküste bei Los Gigantes gibt Einblick in den Aufbau dieses
Inselteils. Der Südwesten der Insel im Bereich von Costa Adeje ist geprägt von mäßig verwitterten
Vulkanbauten, mit Ausnahme des Gebietes um Roque del Conde, welches altersmäßig mit dem

20
Anaga- und dem Teno-Gebirge zu vergleichen ist. Die Küstenbereiche sind recht flach, Niederschlag
ist selten, und das Klima ist im Winter sehr mild. Diese Bedingungen führten zu den
augenscheinlichen anthropogenen Veränderungen: Der gesamte Küstenstreifen ist stark touristisch
erschlossen und es reiht sich Hotel an Hotel, was so manche und so manchen dazu bewegt, von
„Urlauberschließfächern“ zu sprechen. Ebenso in diesem Bereich wie im Südosten, im Gebiet von El
Médano bis Güímar, ist die Vegetation von Sukkulenten geprägt. Daneben finden sich zahlreiche
Anbauflächen für Bananen und Papayas aber auch Gewächshäuser für Blumen wie Weihnachtssterne
und Usambaraveilchen. Bei El Médano sind in Meeresnähe sehr flache Krater auszumachen, die
darauf hinweisen, dass dieser Bereich einmal unter dem Meeresspiegel gelegen sein muss. In den
höheren Lagen treten einige etwas ältere Inselteile auf, die teilweise vom Esperanza-Wald bedeckt
sind und die einem sogenannten Dorsal-Vulkangebäude zuzuordnen sind. Bei La Laguna (eigentlich
San Cristóbal de la Laguna) und Santiago del Teide finden sich Verflachungen, die darauf
zurückzuführen sind, dass ursprüngliche Barrancos aus dem Anaga- bzw. Teno-Gebirge von
Sedimenten, die vor allem aus dem zentralen Inselbereich kamen, verfüllt wurden. La Laguna ist
mittlerweile mit Santa Cruz zusammengewachsen und bildet das Hauptsiedlungsgebiet der Insel. Im
Zentrum trifft man die wohl eindrucksvollsten Formen an. Eine Wandflucht mit dem Guajara als
höchste Erhebung (2.717 m) umgibt im Süden und Osten die Hochebene der Cañadas, die sich auf
einer Höhe von 2.000 m über rund 130 km² erstreckt. Rund 1.700 m darüber thront der Pico del Teide
(3.718 m). Aufgrund der extremen Sonneneinstrahlung, starker Trockenheit, Frost im Winter und
allgemein hohen Temperaturgegensätzen findet sich hier nur besonders angepasste und insgesamt
wenig Vegetation. Die vulkanischen Formen und Formationen sind daher besonders gut zu
beobachten. (vgl. FERNÁNDEZ 2006, BÖRJES 2002³, AIGNER 2006³)

21
2 Methodik
Die Analyse geomorphologischer Systeme erfordert das sorgfältige Beleuchten der einzelnen
Elemente ohne dabei den Überblick über die Gesamtheit zu verlieren. Ein Beispiel soll die Problematik
illustrieren: Natürlich kann man im Karstgebiet, das von Gletschern überzogen wurde, ebenso vielerlei
glaziale und periglaziale Formen antreffen. In den meisten Fällen sind diese Formen jedoch so stark
durch den Karst überprägt, dass die glaziale Formung für das aktuelle Erscheinungsbild der
Landschaft nur eine untergeordnete Rolle spielt. Es stellt sich aufgrund der Komplexität der Vorgänge,
die die Erdoberfläche formen, oft die schwierige Frage, welcher Prozess nun eigentlich für die
vorliegende Ausprägung entscheidend war. Die Antwort darauf findet man meist in systemanalytischer
Betrachtung der einzelnen Gebiete.

2.1 Arbeitsansätze und Methoden in der Geomorphologie


BUTWILOWSKI 2007 weist in seiner Einführung in die theoretische Geomorphologie darauf hin, dass in
den Geowissenschaften der deduktive Ansatz, wie er vergleichsweise in den klassischen exakten
Naturwissenschaften wie Physik oder Chemie bereits ausgereift ist, noch beinahe völlig fehlt. In den
Geowissenschaften ist es sogar eher üblich möglichst viele Komponenten gleichzeitig zu betrachten,
was der Findung und Formulierung von Grundgesetzen entgegensteht. Auch eine Trennung der
Teilbereiche Theorie, Experiment und Praxis ist kaum üblich, wodurch ein wichtiger Kontrollfaktor
außer Acht gelassen wird. Der Autor versucht, die Elemente des Georeliefs und Axiome sowie
Gesetze zur Entstehung und Entwicklung zu formulieren. So kritisiert er beispielsweise, dass unter
anderem in Klassifikationen der Reliefränge von KUGLER (z.B. KUGLER 1974 zitiert bei RASEMANN 2003)
zwar die Ausmaße exakt, aber keine Begründung für diese Ausmaße angegeben sind. Hier genauer
auf die theoretischen Konstrukte einzugehen, würde zu weit führen. Nichtsdestotrotz soll darauf
hingewiesen werden, dass dieser Zugang zum Teil recht stark von den bisherigen
geomorphologischen Standardwerken abweicht, und ihm allein schon deshalb Beachtung geschenkt
werden sollte, da neue Betrachtungsweisen in jedem Fall neue Erkenntnisse bringen können. Im
folgenden wird aber der Fokus auf die gängigsten Ansätze und Methoden gelegt. So unterscheidet
LESER 20038 drei Forschungsansätze in der Geomorphologie:

Der geomorphographisch-geomorphometrische Ansatz stellt die quantitative exakte Beschreibung


der Erdoberfläche in den Mittelpunkt. Das Ausdrucksmittel dieses Ansatzes ist die geomorphologische
Karte, die aus digitalen Geländemodellen gewonnen werden kann. Je gröber der Maßstab ist, desto
mehr entfernt sich der Bearbeiter bzw. die Bearbeiterin von einer quantitativen Beschreibung hin zu
einer annähernd qualitativen. Prinzipiell liegt der Anwendungsbereich dieses Ansatzes im Bereich
feinmaßstäbiger Karten und detaillierter Fragestellungen.

Der geomorphogenetisch-geomorphochronologische Ansatz richtet den Blick auf die Entstehung


der Landschaftsformen im Laufe der Erdgeschichte. Anhand von Beobachtungen in der aktuellen
Geomorphogenese können Rückschlüsse auf vorzeitlich wirkende Prozesse gezogen werden. Das
quantitative Element dieses Ansatzes ist die altersmäßige Bestimmung der Formen. In erster Linie

22
werden dabei größere Gebiete betrachtet. Die aktuelle Anwendung liegt vor allem im Bereich der
Klimaforschung. Dieser Ansatz entspricht der „historisch-genetischen Geomorphologie“ von BAUMHAUER
2006 bzw. der „historical geomorphology“ von HUGGETT 2007. Letzterer weist insbesondere darauf hin,
dass bei der ausschließlichen Herstellung von Analogschlüssen, ohne Rekonstruktion der
Umweltbedingungen wie etwa durch stratigraphische Analysen, große Vorsicht geboten ist, da
gleichartig erscheinende Formen nicht immer gleiche Entstehungsbedingungen bedeuten müssen.

Der systemanalytisch-geomorphologische Ansatz sieht das Geomorphotop als Betrachtungseinheit


in einem komplexen System im Zentrum der Betrachtung. Die Schwierigkeit stellt dabei die Messung
der einzelnen Prozesse dar, insbesondere wenn es sich um Vorzeitformen handelt. Für größere
Untersuchungsräume müssen schließlich Schätzungen anstelle von Messungen stehen. Der Vorteil
dieses Ansatzes liegt vor allem in der guten Kompatibilität mit Nachbardisziplinen.

BAUMHAUER 2006 spricht im Gegensatz zur historisch-genetischen Geomorphologie von der


funktionalen Geomorphologie, die größtenteils dem systemanalytisch-geomorphologischen Ansatz
entspricht, die sich aber vorwiegend mit aktuellen Formungsprozessen beschäftigt. HUGGETT 2007
beschreibt „process geomorphology“ als jenen Zugang zur Geomorphologie, der das Messen und
Modellieren geomorphologischer Prozesse in den Mittelpunkt stellt. Zusätzlich stellt er noch „applied
geomorphology“ als eigenen Ansatz dar, der sich mit konkreten anwendungsorientierten
Fragestellungen beschäftigt.

Analog dazu finden sich die Begriffe Morphographie, Morphogenese und Morphodynamik, die jeweils
den drei Ansätzen zugeordnet werden können. Schließlich kann die Geomorphologie also auf die drei
grundsätzlichen Elemente herunter gebrochen werden: Erkennen und Beschreiben - Erklärung der
Entstehungsbedingungen - Prozesse (ÖH-SKRIPTUM 1988).

Die wichtigsten Zugänge zum Betrachtungsobjekt in der Geomorphologie liegen in der Beschreibung
durch Feldarbeit einerseits und durch mathematische Beschreibung andererseits. Der
Betrachtungsgegenstand der Geomorphologie ist das Relief, der Ort komplexer Wirkungen und
Wechselwirkungen von Lithosphäre, Hydrosphäre, Biosphäre und Atmosphäre (siehe auch Kap. 1.2
und Kap. 3) (ZEPP 2004, PANIZZA 1996, S.1; vgl. BRIDGE UND DEMICCO 2008, S.9 u.v.m.). Das methodische
Vorgehen schließt dabei alle betroffenen Nachbardisziplinen mit ein, auch wenn LESER 20038 darauf
hinweist, dass die Daten dieser Nachbardisziplinen heute nicht mehr so entscheidend sind wie
ehemals, da die Geomorphologie eigene Fragestellungen beantwortet wissen will und nicht nur eine
Synthese der nachbarwissenschaftlichen Erkenntnisse sein soll (vgl. Abb. 4).

Um die geomorphologischen Erkenntnisse zu veranschaulichen und auch die Komplexität zu


reduzieren, bedient man sich der Modellbildung. Dabei können wiederum verschiedene Modellarten
herangezogen werden. Maßstabsmodelle sind dabei die dem Original am nächsten kommenden,
Analogmodelle können Karten oder Fernerkundungsdaten sein. Um grundsätzliche Strukturen zu
klären, können Konzeptmodelle erstellt werden. Diese gehen oft mathematischen Modellen voraus
und können in stochastische oder statistische Modelle, die Zufallsvariablen beinhalten, und
deterministische Modelle, die auf naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten beruhen, unterteilt
werden. (HUGGETT 2007, S.22ff)

23
Abbildung 4: Methodik in der Geomorphologie (nach LESER 2003, S.54, verändert)

Je nach Fragestellung kann daher ein geeigneter Zugang gewählt bzw. der Schwerpunkt auf einen
bestimmten Ansatz gelegt werden, da meist Überlegungen aus allen Ansätzen einfließen und kaum
einem Ansatz allein gefolgt wird. Der Zugang zur vorliegenden Arbeit ist ein geomorphographisch-
geomorphometrischer. Strikte Berechnungen der Reliefparameter wie Hangneigung oder -krümmung
und eine nachfolgende Clusteranalyse hatten eine morphographische Darstellung zum Ergebnis.
Doch das Endergebnis ist unter Miteinbeziehung morphogenetischer und morphodynamischer
Erkenntnisse eine geomorphologische Karte.

2.1.1 Das geomorphologische System

Die Landschaftsoberfläche wird also, wie in den vorangegangenen Ausführungen ersichtlich, durch
das Zusammenspiel von unterschiedlichen Prozessen geprägt. Diese Prozesse können nun
endogener oder aber exogener Natur sein, worauf im folgenden genauer eingegangen wird, da diese
Grundlagen von entscheidender Bedeutung für die weitere Arbeit und die Erläuterungen zur Karte
sind. Grob können Formen, die ihre Ausprägung endogenen Prozessen und auch Eigenschaften wie
z.B. Gesteinslagerung unterschiedlicher Abtragungsresistenzen verdanken, als Strukturformen
bezeichnet werden. Die durch exogene Mechanismen geformten Einheiten werden größtenteils als
Skulpturformen angesprochen, können dennoch ebenfalls, wenn die endogene Bestimmung im
Vordergrund steht, als Strukturformen ausgeprägt sein. ZEPP 2004 weist darauf hin, dass für die
Bezeichnung Strukturform entweder vulkanische Prozesse, unterschiedliche Widerstandsfähigkeit
gegen die Abtragung der Gesteine, die Gesteinslagerung oder unterschiedliche Hebung/Senkung von
Krustenteilen für die Formgebung eine Rolle spielen müssen (vgl. Kap. 2.1.1.1 und 2.1.1.2).

24
Ob eher kleine, ständig einwirkende Prozesse oder große, seltene, katastrophale Ereignisse
vorwiegend die Landschaft formen, ist noch Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Studien
belegen bisher, dass eher seltenere und größere Ereignisse große Wirkung auf die Erdoberfläche
haben. Dennoch ist anzunehmen, dass sowohl graduelle als auch katastrophale Ereignisse und
sämtliche Zwischenstufen zur Landschaftsformung beitragen. Offensichtlich haben gleichermaßen
Magnitude und Frequenz der Prozesse Einfluss, wobei je nach Bedingungen (z.B. Untergrund,
Vegetation, Hangneigung,...) unterschiedliche Schwellenwerte erreicht werden müssen, um eine
Umformung zu bewirken. (BAUMHAUER 2006, S.3; HUGGETT 2007, S.21f)
Um die Prozesse zu durchleuchten, wird, wie oben erwähnt, meist ein systemanalytischer Zugang
gewählt, wobei geomorphologische Systeme im Allgemeinen offene Systeme sind, in denen sowohl
Energie- als auch Materialflüsse von und zur Umgebung existieren. Dabei können die Prozesse in
endogene, von geologischen Kräften angetriebene, und exogene, von klimatischen Kräften
angetriebene, unterteilt werden, die sich in ihrer Wirkung meist gegenüberstehen (vgl. Abb. 5).

Extraterrestrische Energiezufuhr – Sonnenstrahlung


Exogene Prozesse
Verwitterung, Abtragung und Ablagerung
vorwiegend abbauend
Kruste und Oberflächenformen
- Dicke, interne Struktur und materielle Beschaffenheit der Kruste
- Relief, Geometrie und materielle Beschaffenheit der Oberfläche
Endogene Prozesse
Krustenbewegungen, Vulkanismus
vorwiegend aufbauend
Intraterrestrische Energiezufuhr
Abbildung 5: Endogene und exogene Vorgänge formen die Oberfläche (nach ZEPP 2004, S.18,
verändert)

Es ist möglich in Systemen nur die Formen und Topologien oder den Prozess oder aber den Prozess
mit all seinen Rückwirkungen auf das System und damit der Beeinflussung neuer Prozesse im System
zu betrachten. Geomorphologische Systeme können nur selten als einfache Systeme angesehen
werden, etwa wenn man Berechnungen über die Verlagerungsbedingungen von einzelnen Elementen
in einem Schuttkegel anstellt. Meist handelt es sich um komplexe geordnete Systeme, in denen viele
Regelkreise wirken und unterschiedliche Gleichgewichtszustände bestehen können. (nach HUGGETT
2007, S.16ff)
Ein stark vereinfachtes Beispiel kann eine Vorstellung über die Komplexität und die weitreichenden
Auswirkungen dieser Zusammenhänge geben: Junge Gebirge wie etwa der Himalaya in der stärksten
Hebungsphase verwittern relativ rasch. Durch diese Verwitterungsprozesse wird der Atmosphäre CO 2
entzogen indem es in lösliche Karbonate umgewandelt und im Meer abgelagert wird.
Reliefhypothesen wie diese besagen, dass die dadurch bedingte Abnahme von CO 2 zur Entstehung
der quartären Eiszeit beigetragen hat. (HUGGETT 2007, S.31, SKRIPTUM DIE EISZEITEN 1998)
Da sowohl die endogenen als auch die exogenen Prozesse und Strukturen im Gebiet der Steiermark
und ebenfalls Teneriffas von entscheidender Bedeutung sind, soll hier ein kleiner Exkurs geschehen
und ein wenig auf deren Grundlagen eingegangen werden.

25
2.1.1.1 Endogene Mechanismen und geologische Grundlagen

Die Erde kann anhand von sprunghaften Veränderungen seismischer Wellen in Erdkern, Erdmantel
und Erdkruste unterteilt werden. Der feste aber gering fließfähige Erdmantel reicht vom Erdkern bis
zur Mohorovičič-Diskontinuität (Moho), die ihn von der Erdkruste trennt. Hier unterscheidet man
kontinentale und ozeanische Kruste. Erstere misst durchschnittlich 35 bis 40 km, im Bereich von
Gebirgen bis zu 80 km, unter jungen Riftzonen nur 20 km mächtig, die ozeanische Kruste erreicht eine
Mächtigkeit von 3 bis 15 km (BAUMHAUER 2006, S.11). In der Steiermark liegen die Mächtigkeiten
zwischen rund 30 km im Südosten und 45 km im Nordwesten (HOFMANN UND SCHÖNLAUB 2007, S.58f). Im
Bereich der kanarischen Inseln liegt die Moho in einer Tiefe von rund 10 bis 20 km (HÄHNEL 1992,
S.28). Die Erdkruste kann aufgrund unterschiedlicher Eigenschaften in kontinentale und ozeanische
Kruste unterteilt werden, wobei erstere eine geringere Dichte (2,7-2,8 g/cm³) als zweitere (3,0 g/cm³)
aufweist. Die oberen Bereiche der kontinentalen Kruste bestehen vorwiegend aus sauren Magmatiten
und Sedimentgesteinen, tiefer nehmen Metamorphite zu. Die ozeanische Kruste besteht vor allem aus
basischen Magmatiten auf denen Tiefseesedimente auflagern. Die Lithosphäre ist der äußere feste
Teil der Erde, der die Erdkruste und den festen Bereich des Erdmantels bis zu einer Tiefe von rund
100 bis 250 km umfasst. Darunter folgt die zähplastische Asthenosphäre. (BAUMHAUER 2006, S.11f)

Den plattentektonischen Grundvorstellungen folgend, besteht die Lithosphäre aus unterschiedlich


großen Einzelteilen, die einerseits überwiegend aus ozeanischer, andererseits aus ozeanischer und
kontinentaler Kruste bestehen und die sich relativ zueinander mit unterschiedlichen
Geschwindigkeiten bewegen. Man unterscheidet im Allgemeinen divergente und konvergente
Plattengrenzen sowie Transformstörungen (BAUMHAUER 2006, S.13). Im Laufe der Entstehung des
Alpenraumes spielten sämtliche Formen der Plattengrenzen eine Rolle (siehe Kap. 3.1.3). Allgemein
kann eine Gebirgsbildung in eine Geosynklinalphase mit Absenkung und Sedimentanreicherung, eine
tektogenetische Phase mit Überschiebung, Deformation und Metamorphose sowie eine orogenetische
Phase mit der Heraushebung der entstandenen Strukturen gegliedert werden (ÖH-SKRIPTUM 1988). Im
Gegensatz zu den Alpen liegen die Kanarischen Inseln zwar weit entfernt von einer Plattengrenze,
doch auch hier dürften platten- sowie bruchtektonische Gegebenheiten entscheidend für die
Entstehung der Inseln sein (siehe Kap. 3.2.1). Als Antriebskräfte der Plattentektonik werden
Konvektionsströmungen und Gravitation angenommen. Für geomorphologische Betrachtungen sind
tektonische Strukturen von besonderer Bedeutung, da sie die Grundlage für die weitere Formung
bilden. Insbesondere gilt es Deformationen, die durch Kompression, Extension oder Scherung
entstanden sind, zu beachten. Sowohl die Änderung der Raumlage der Gesteine, beschrieben durch
das Streichen oder Fallen als auch die Lagerung, umschrieben mit Begriffen wie söhlig, saiger,
antiklinal oder synklinal gehen nicht unbedingt mit Brüchen einher. Diese bilden im Großen
Verwerfungen, an denen sich ganze Gesteinspakete überschoben haben können und die oft eine
Grundanlage für Talsysteme bilden. Im Kleinsten trifft man die Brüche als Klüfte in den Gesteinen an,
die durch Spannungsunterschiede entstanden sind und die Angriffsflächen für exogene Dynamik
vorzeichnen. (BAUMHAUER 2006, ÖH-SKRIPTUM 1988)

Der Magmatismus spielt natürlich im Bereich Teneriffas eine entscheidende Rolle, aber auch im
Alpenraum prägen Bildungen vulkanischer und plutonischer Natur die Landschaft. Die magmatischen

26
Gesteinsschmelzen aus dem Erdinneren können anhand des unterschiedlichen SiO2-Gehalts in saure
(> 65% SiO2), intermediäre (65-52% SiO2) und basische (< 52% SiO2) Magmen unterteilt werden. Man
unterscheidet Plutonite oder Intrusiva, also im Erdinneren erstarrte Gesteine von Vulkaniten oder
Effusivgesteinen. Intrusivgesteine sind aufgrund der langsameren Abkühlung auskristallisiert und
erscheinen grobkörnig, es handelt sich um massiges Gestein ohne Hohlräume. Vulkanite hingegen
sind aufgrund der raschen Abkühlung feinkristallin oder überhaupt glasig und sind häufig durch einen
hohen Gasgehalt von vielen Poren und Löchern durchsetzt. Der vulkanitische Basalt findet im Gabbro,
der saure Rhyolith im Granit sein plutonitisches Analogon. Die unterschiedlichen Eigenschaften der
Magmen führen zu verschiedenen Formen von Vulkanausbrüchen und vulkanischen Ablagerungen
(siehe Tab. 1).

Eruptionsformen Magmaeigenschaften Charakteristiken


isländisch flüssig (basisch) Fissureruptionen, nicht-explosive Emissionen mit großen Mengen an
basischer Lava, erzeugen weite ebene Bereiche, einige kleine Schlackenkegel
hawaiianisch flüssig (basisch) ähnlich der Isländischen, aber mit stärker auf ein Zentrum konzentrierten
Aktivität, häufiges Auftreten von großen Lavaquellen
strombolianisch mäßig flüssig, Basalte explosivere Eruptionen als die hawaiianischen, mit größerem Anteil an
dominieren Pyroklasten, rhythmische Aktivität, erzeugen in der Regel pyroklastische Kegel
vulkanianisch viskos, fest moderate bis heftige Explosivität mit Emissionen von festen und teilweise
verfestigten Pyroklasten, erzeugen Vulkankegel aus Pyroklasten
peleeanisch viskos, fest ähnlich der vulkanianischen aber explosiver, Emissionen von heftigen
pyroklastischen Strömen, erzeugt Lavadome und Vulkankegel aus Pyroklasten
plinianisch viskos, fest hoch explosiv mit großen Eruptionssäulen und pyroklastischen Strömen,
bewirken Asche- und Lapilli-Regen, können zu Kollaps des Vulkangebäudes
und Calderabildung führen
phreato-magmatisch Sonderform, heftige Explosionen unter der Mitwirkung von Wasser
Lavastromformen mehr oder weniger flüssige vulkanische Produkte, die sich über der bestehenden Landschaft
ausbreiten, im Allgemeinen besitzen sie größere Längen- als Breitenausdehnung
Pahoehoe-Lava sehr flüssig, assoziiert mit hohen Emissionstemperaturen (Formen: strickförmig, fladenförmig, in Falten,
verzweigt, Lavafälle)
Aa-Lava viskos, Degradation der Pahoehoe-Lava durch Temperatur- und Geschwindigkeitsverlust, der auch
schon im Förderschlot auftreten kann, chaotisches, irreguläres, fragmentiertes Aussehen
Lava in Blöcken größere Blöcke als bei der Aa-Lava, kurze, dicke Zungen, Kontraktionsklüfte, Prismen- und Säulenlava
Intrusivformen Erstarrungsformen, die durch Erosion an die Oberfläche gelangten
Batholith/Stock sehr großer Tiefengesteinskörper, meist granitische Struktur
Dique/Dike diskordanter Intrusivkörper, Spaltenfüllung aus vorwiegend basaltischem Material, das die Oberfläche
nicht erreicht hat
Sill wie Dique aber konkordant
Pyroklasten, Tephra bei explosiven Ausbrüchen durch die Luft beförderte Fragmente
Aschen Fragmente sauren Gesteins unter 2 mm
Lapilli/Bims Fragmente sauren/basischen Gesteins zwischen 2 und 30 mm
Blöcke Fragmente über 30 mm
Schlacke teilweise verfestigte Fragmente, formen Schlackenkegel (kaum verfestigtes Material) und Bomben
(stärker verfestigtes Material)
Bomben relativ kompaktes Fragment, das verfestigt auf den Boden auftrifft, durch die Bewegung, v.a. Rotation in
der Luft entstehen verschiedenste Formen (mandelförmig, spindelförmig, flammenförmig,
brotkrustenförmig)
Pyroklastischer Strom Laminare Ströme aus Fragmenten und Gas, hohe Dichte, hohe Geschwindigkeiten, entsteht meist bei
Kollaps von Vulkanbauten
Pyroklastische Wellen Turbulente Ströme aus Gas und Fragmenten, geringe Dichte, dry surges (mehr Magmaanteil als
Wasser), wet surges (mehr Wasseranteil als Magma), stehen oft am Beginn hydromagmatischer
Eruptionen
Tuff verfestigte Asche
Ignimbrit verfestigtes Material aus pyroklastischem Strom

Tabelle 1: Eruptionsformen und vulkanische Produkte (nach SKRIPTUM GEOMORFOLOGÍA VOLCÁNICA 2006
und HUGGETT 2007)

27
So hängt die Viskosität der austretenden Lava von der chemischen Zusammensetzung (je mehr
Silizium und Aluminium umso viskoser), dem Druck (wenig untersucht, Druckzunahme führt zu einer
leichten Abnahme der Viskosität), der Temperatur und dem Gehalt an Kristallen ab. Im Allgemeinen
kann gesagt werden, dass basaltische Laven eine höhere Austrittstemperatur, geringere Viskosität
und einen geringeren Gasanteil aufweisen als saure. Erstere sind prinzipiell von dunkler Farbe,
zweitere von heller. Eine Ausnahme bildet dabei Obsidian, das vulkanischen Glas, das beispielsweise
den Coladas Negras am Teide die schwarze Farbe verleiht.

2.1.1.2 Exogene Mechanismen

Die vielfältigen exogenen Mechanismen können hier nur kurz gestreift werden, wobei vorwiegend jene
in den Bearbeitungsgebieten auftretenden behandelt werden. Für detailliertere Informationen muss auf
die entsprechende Literatur verwiesen werden, deren Exzerpte auch hier verwendet wurden (HUGGETT
2007, BAUMHAUER 2006, ZEPP 2004, LESER 2003, ÖH-SKRIPTUM 1988).

Die Verwitterung führt als grundlegender Prozess der exogenen Mechanismen zur Lockerung und
Zerstörung festen Gesteins. Wichtige Einflussfaktoren sind dabei das Gestein selbst (Klüftung,
chemische Zusammensetzung,...) sowie die klimatischen Verhältnisse (Niederschlagsmengen und
-verteilung, Temperatur und Schwankungen der Temperatur,...). Man kann grob in physikalische, auf
mechanischem Wege wirkende und chemische Verwitterung unterscheiden, deren wichtigste
Ausprägungen folgende sind:

• Entstehung von Klüften durch Druckentlastung und Kontraktion im Zuge der Abkühlung von Magmen

• Wechsel Desorption und Absorption von Wasser; insbesondere in ariden Gebieten

• Temperaturwechsel: ebenfalls in ariden Gebieten; wird erst in Kombination mit dem Wechsel von
Desorption und Absorption wirksam

• Frostsprengung: bei Frostwechsel, insbesondere in den alpinen Regionen

• physikalisch-biogene Verwitterung: Pflanzenwurzeln, die durch Wasseraufnahme Druck auf das


umliegende Gestein ausüben

• Salzsprengung: besonders in semiariden und ariden Gebieten; größeres Volumen der


auskristallisierten Salze als in der ursprünglichen Form; thermische Ausdehnung der Salzkristalle

• Hydratation: Wassermoleküle legen sich um die Ionen eines Salzes an; in erster Linie in kühl-
humiden Klimaten

• Lösungsverwitterung: vor allem das Lösungsvermögen des Wassers spielt eine bedeutende Rolle; im
Zusammenspiel mit Säuren wie der Kohlensäure besonders wirksam (Karst)

• Oxidation: Aufnahme von Sauerstoff; gut sichtbar an Eisenverbindungen durch die rostbraune Farbe;
anthropogener Einfluss über den Ausstoß von Schwefeldioxid, das verbunden mit
Niederschlagswasser zu schwefeliger Säure wird, die zu Schwefelsäure oxidiert

• Hydrolyse: Wasser wirkt durch die OH- und H+-Ionen; betrifft vor allem Silikatgesteine; von großer
Bedeutung, da die Feldspäte rund 60% der Minerale der Erdkruste ausmachen; Produkte sind

28
Tonminerale, die eine entscheidende Rolle im Bodenwasserhaushalt spielen; reicht in tropischen
Klimaten sehr tief (Wollsackverwitterung)

• chemisch-biogene Verwitterung: z.B. durch CO2 ausstoßende Bodenbakterien und von Pflanzen
produzierte Säuren

Die Abtragung der gelockerten Gesteinsgefüge sowie schließlich die Ablagerung der Produkte sind die
nächsten Schritte der exogenen Dynamik. Verschiedene Prozesse können dabei zu Grunde liegen:
Die Mechanismen der denudativen Prozesse umfassen die Massentransportwirkung der Agentien
durch Wasser, Wind und Schwerkraft. Überwiegt der Einfluss der Schwerkraft, so wurden in der
vorliegenden Arbeit die Formen den gravitativen Prozessen zugezählt, wenn auch Gegenargumente
bestehen (siehe unten). Die große Klasse der Hänge verschiedener Neigung der geomorphologischen
Karte der Steiermark wurde den denudativen Prozessen zugeordnet, wodurch der Flächenanteil an
denudativen Formen in der Steiermark eindeutig überwiegt (vgl. Kap. 4.2.2). In diesem
Zusammenhang besonders wichtig ist die Frage der Stabilität der Hänge. Grundsätzlich sind Hänge
dann stabil, wenn die haltenden die treibenden Kräften überwiegen. Einflussfaktoren sind die
Hangneigung, die innere Reibung und die Kohäsion des Materials, die vorwiegend durch den
Wassergehalt gesteuert wird. Die langsamste Form der denudativen Abtragung ist das Boden- oder
Hangkriechen, das nicht unmittelbar beobachtet werden kann, aber durch Rasenwälzen, Viehgangeln
und Säbelwuchs von Bäumen erkennbar ist. Rutschungen oder Gleitungen können unterschiedliche
Geschwindigkeiten aufweisen, charakterisiert werden sie von unveränderten inneren
Lagerungsverhältnissen. Doppel- oder Reihengrate sowie reich gegliederte Hänge sind Zeichen
solcher Hanginstabilitäten. Als akkumulative Form der denudativen Prozesse können Hangschleppen
genannt werden, die aber selten monogenetisch entstanden sind, sondern häufig der Wirkung der
Kombination vieler Prozesse zugeschrieben werden müssen. Muren, also spontan auftretende
wassergesättigte Schuttströme, werden ebenfalls zu den denudativen Vorgängen gezählt, in der Karte
werden hingegen die Schutt- und Murenkegel zusammengefasst, und diese sind wiederum der
fluviatilen Formenwelt zugeordnet, da doch das Wasser hier insgesamt die entscheidende Rolle spielt.

Abbildung 6: Prozesse im Hinblick auf die Materialfeuchte und die Bewegungsgeschwindigkeit (nach
ZEPP 2004, verändert)

29
Es kann argumentiert werden, dass sämtliche Prozesse eine gravitative Komponente aufweisen. Hier
werden als gravitative Prozesse solche beschrieben, die überwiegend von der Schwerkraft gesteuert
werden, und die sich auf Abb. 6 vorwiegend im Bereich der trockenen Materialien und eher schnellen
Bewegung befinden. Einer der wichtigsten Prozesse ist der Steinschlag, zugehörige Formen sind die
Steinschlag- und Schuttrinnen als Abtragungsformen sowie Schuttkegel und -halden als
Akkumulationsformen. Die Schuttproduktion ist in Bereichen geringer Vegetationsbedeckung und
häufiger Frostwechsel besonders groß. Obwohl das Einzelereignis eines Steinfalles ein schnelles
Geschehen ist, handelt es sich bei den oben genannten Formen um kontinuierlich über längere Zeit
entstandene. Ein Bergsturz ist im Grunde ähnlich, aber ein einzelnes rasches Ereignis großen
Ausmaßes. Die Voraussetzung sowohl für einen Steinschlag als auch für einen Bergsturz ist, dass die
treibenden Kräfte über eine gewisse Schwelle anwachsen und somit plötzlich die haltenden Kräfte
überwiegen, was unter anderem durch Trennflächen im Gestein und Wasserdurchtränkung begünstigt
wird. Schuttakkumulationen weisen meist die Form von Kegeln auf, da das losgelöste Material meist
Rinnen folgt. Wenn eine große Felswand jedoch von vielen kleinen Rinnen durchzogen ist, können die
einzelnen Kegel zu einer Schutthalde zusammenwachsen. Abgelagerte Bergsturzmassen hingegen
sind charakterisiert durch chaotisch liegendes Gesteinsmaterial aller Größenklassen und werden als
Bergsturzhalde oder auch als Tomalandschaft bezeichnet.

Zu den vielfältigsten und am besten untersuchten Formen zählen in unseren Breiten die fluviatilen
Prozesse. Der Wirkungsgrad der Abtragung des fließenden Wassers hängt vor allem von der
Widerstandsfähigkeit des Gesteins, der Reliefenergie, der Wassermenge, der Menge des mitgeführten
Materials und der Vegetationsbedeckung ab. Unterschiedliche Verhältnisse von Tiefen- und
Seitenerosion schaffen dabei die unterschiedlichen Talformen (vgl. Kap. 4.3.3.6), so überwiegt
beispielsweise bei der Klamm die Tiefenerosion bei weitem, bei einem Kerbtal hingegen tragen sowohl
Tiefen- als auch Seitenerosion zur Formgebung bei. Talböden sind nur in Muldentälern, Sohlentälern
und Trogtälern ausgebildet, letztere zählen allerdings zum glazialen Formenschatz. Die Gerinne
können gerade, verzweigte oder mäandrierende Flussläufe aufweisen. Flussterrassen entstehen,
wenn ein Fluss gezwungen ist, sich neuerlich in den Talboden einzuschneiden. Daran sind wiederum
oftmals verschiedene Prozesse beteiligt. So können glaziale und periglaziale Prozesse zur Bildung
von großen Schotterflächen führen. Wird die Wirkung dieser Prozesse durch klimatische
Veränderungen eingestellt, überwiegt wieder die fluviatile Erosion. Aber auch eine Änderung der
Reliefenergie durch eine Lageänderung in Bezug auf die Erosionsbasis wie etwa eine
Meeresspiegelabsenkung oder durch tektonische Hebung bedingt eine Einschneidung des Gewässers
und damit die Entstehung von Terrassen. Nimmt die Fließgeschwindigkeit oder die Wassermenge
eines Gerinnes ab oder die Sedimentfracht zu, so werden ab einem gewissen Punkt die mitgeführten
Fragmente abgelagert. Ablagerungsformen sind unter anderem Schwemmkegel oder Flussdämme. So
können Terrassen sowohl als Abtragungsform als auch als Akkumulationsform verstanden werden.

Die drei grundlegenden glazialen Prozesse, die durch die Bewegung eines Gletschers bedingt sind,
werden Detersion (Abschleifen), Detraktion (Herausreißen) und Exaration (Herauspflügen und
Voranschieben) genannt. Hinzu kommt noch die Wirkung der Schmelzwässer des Gletschers. Zu den
glazialen Abtragungsformen zählen Rundhöcker, die auf der dem Eisfluss zugewandten Seite flacher

30
sind, da dort die abschleifende Wirkung des Eises eintritt, auf der abgewandten Seite überwiegt
hingegen die Detraktion, die hier eine Versteilung bewirkt. Diese Rundhöcker treten oft gehäuft in
Form von Rundhöckerlandschaften auf, die weit verbreitet in größeren Karräumen anzutreffen sind.
Kare sind meist aus Nivationsmulden entstanden und von Gletschern wurden die steilen Karwände,
der übertiefte Karboden und die Karschwelle herausgearbeitet. Eine weitere charakteristische von
Gletschern geschaffene Form sind die Trogtäler, die ebenfalls versteilte Trogwände mit Trogkanten an
der Obergrenze und darüber liegenden Trogschultern und Schliffgrenze sowie übertiefte Talböden
aufweisen. Hängetäler mit in der Mündungsstufe oft rezent tief eingeschnittenen Klammen, sind auf
das Zusammenfließen von Gletschern aus Seitentälern mit dem Gletscher des Haupttales
zurückzuführen (vgl. Kap. 4.3.4.2). Die Akkumulationsformen der Gletscher sind Moränen, die als
Grund-, Innen-, Mittel-, Seiten- und Endmoräne vorliegen können. Hinzu kommen zahlreiche
fluvioglaziale Ablagerungen wie Sander (flache Schwemmkegel), Oser (Ablagerungen in
Gletscherspalten), Kames (Ablagerungen zwischen Toteiskörpern) oder Eisrandterrassen.

Ein grundlegendes Element der periglazialen Prozesse ist das Bodenfließen. Im Umfeld von
vergletscherten Gebieten ist der Boden zum Teil bis in sehr große Tiefen gefroren, wohingegen die
oberflächlichen Schichten dem Wechsel von Auftauen und Wiedergefrieren unterliegen, wodurch
Material bewegt und sortiert wird. Der wirksamste Effekt besteht aber darin, dass der aufgetaute
Bereich auf dem darunter liegenden gefrorenen bereits ab sehr geringen Neigungen abgleiten kann,
wenn auch dieser Vorgang sehr langsam von statten geht. Diese Dynamik trug gleichermaßen zur
Entstehung von Hangschleppen bei, großflächig drückt sie sich vor allem in Glatthängen, also sehr
gleichmäßigen Hängen, aus. Ein weiteres Phänomen der periglazialen Region sind Blockgletscher,
also mit Eis durchsetzte Schuttströme unter Permafrostbedingungen, die in aktiver (enthält Eis und ist
in Bewegung), inaktiver (enthält Eis und ist nicht in Bewegung) oder reliktischer (enthält kein Eis und
ist nicht in Bewegung) Form vorliegen können. Die Entstehung von Staublehmen und Löss -
Feinmaterial, das aus zerkleinertem Material in Gletschervorfeldern abgeweht wurde - kann sowohl
den periglazialen als auch den äolischen Prozessen zugeordnet werden.

Die Sonderform Karst ist vorwiegend mit den Prozessen der Lösung und Abtragung von dafür
prädisponierten Gesteinen, insbesondere Kalk und Dolomit, durch Wasser bzw. durch Wasser in
Kombination mit Säuren assoziiert. Chemische Lösungsprozesse stehen im Vordergrund und es sind
typische Formen und Formengruppen damit verbunden. Die Prozesse besitzen die Besonderheit,
auch unter der Vegetationsbedeckung stark wirken zu können, daraus ergeben sich die
Bezeichnungen bedeckter Karst und nackter Karst. Verkarstete Gebiete zeigen eine besondere
hydrologische Situation mit kaum oberirdischem Abfluss, zahlreichen Trocken-, Blind- und Sacktälern,
Höhlen und an Schichtgrenzen austretenden Quellen. Neben vielfältigen Kleinformen des Karstes wie
verschiedenen Karrenformen, können Dolinen Ausmaße von mehreren hundert Metern Durchmesser
annehmen, Poljen weisen sogar eine Fläche von mehreren Quadratkilometern auf. Karstgebiete sind
vor allem aufgrund ihrer hydrologischen Gegebenheiten besonders sensible Bereiche.

Es ist wichtig, sich den Einfluss des Menschen auf die Landschaft vor Augen zu halten. Anthropogen
beeinflusste Prozesse können verschiedenster Art sein. Die folgende Gliederung lehnt sich an LESER
2003, S.367f an. So werden zum einen vom Menschen direkt neue Formen geschaffen. Dazu zählen

31
Hohlformen wie sie etwa im Bergbau im Tagebau oder durch Straßenanschnitte entstehen und
Vollformen, die unter anderem mit bergbaulichen Abraumhalden, Deponien, Aufschüttungen im Zuge
des Straßen- und Gebäudebaus oder landwirtschaftlicher Nutzung verbunden sind. Indirekt werden
vom Menschen beispielsweise instabile Hänge geschaffen. Zum anderen wirkt der Mensch auch auf
die formbildenden Prozesse ein. Dies kann wiederum direkt wie zum Beispiel durch Wildbach- und
Lawinenverbauungen geschehen oder indirekt durch die Errichtung von Staudämmen und
Wasserkraftwerken, was lokale Erosionsbasen schafft, oder durch die Entfernung der schützenden
Vegetationsdecke, wodurch Agentien wie Wasser und Wind verstärkt angreifen können. Im für den
Menschen schlimmsten Fall können selbst geomorphologische Prozesse katastrophalen Ausmaßes
wie Murenabgänge oder Bergstürze z.B. durch Rodungen, Hangunterschneidungen oder
Klimaveränderungen indirekt anthropogen ausgelöst sein. (vgl. MAIER 2009; EMBLETON-HAMANN 2007,
ZEPP 2004, S.300ff; LESER 2003, S.364ff) Eine quantitative Abschätzung des Einflusses des Menschen
gibt HUGGETT 2007, S.91f: Aus den Sedimentgesteinen lässt sich eine Höhenabnahme der
kontinentalen Oberfläche von Zehner-Metern pro einer Million Jahre durch natürliche Verwitterung
annehmen, die Abnahme durch anthropogene Aktivitäten hingegen beträgt einige hundert Meter pro
einer Million Jahre.

Die grundlegenden äolischen Prozesse sind Deflation (Ausblasen), Korrasion (Abschleifen) und
äolische Akkumulation. Eine große Rolle spielt der Feuchtigkeitsgehalt des Materials. Ist dieses
nämlich feucht, so wirken kohäsive Kräfte auf die Partikel, die den Transport behindern. Daneben
bestimmen Windgeschwindigkeit und Korngröße die Transportfähigkeit, so kann Staub (bis
0,01 mm Ø) bereits bei 0,1 m/s Windgeschwindigkeit transportiert werden, für Grobsand (bis
1,0 mm Ø) sind bereits rund 10 m/s nötig. Einer der wichtigsten Einflussfaktoren ist dennoch die
Vegetationsbedeckung des Untergrundes. Daraus ergibt sich, dass äolische Prozesse vor allem in
wüstenhaften Gebieten wirken können. Die abschleifende Wirkung des Windes schafft Formen wie
Pilzfelsen oder Windkanter, die deutlichsten Akkumulationsformen sind verschiedene Arten von
Dünen. Die direkte landschaftsformende Wirkung des Windes kam in unseren Breiten besonders
während der Hochglaziale im Sinne der Löss- und Staublehmdeckenbildung zum Tragen.

An den Küsten, wo Festland und Meer miteinander in direktem Kontakt stehen, spielen sich eine
Reihe bestimmter litoraler Prozesse ab. Die Bewegung des Wassers, die für die Küstenformung vor
allem in der Brandungszone bedeutend ist, bewirkt die Zerkleinerung und den Transport von Material.
In geomorphologischer Hinsicht findet die Küste landeinwärts dort ihr Ende, wo die Wirkung des
Meerwassers z.B. durch Sprühwasser oder Sturmfluten aufhört. Grob kann zwischen Flach- und
Steilküsten unterschieden werden. Erstere sind aus Lockermaterial aufgebaut, gliedern sich in
Schorre, die ständig der Wirkung des Wassers ausgesetzt ist, sowie den Strand. Strandwälle, die auf
die nachlassende Transportwirkung der Wellen zurückzuführen sind, sind häufig oberhalb der
mittleren Hochwasserlinie anzutreffen, landeinwärts finden sich weitere Strandwälle oder
Strandebenen. Dieser Bereich kann äolisch weiter geformt werden. Steilküsten hingegen bestehen
vorwiegend aus Festgestein, werden vor allem von mariner Abrasion geprägt und gliedern sich in Kliff
und Abrasionsplattform, wobei die Plattform unter dem oder am Meeresspiegel liegen kann.
(HUGGETT 2007, BAUMHAUER 2006, ZEPP 2004, LESER 2003, ÖH-SKRIPTUM 1988)

32
2.1.2 Methodische Ansätze zur Reliefklassifikation

Es existieren zahlreiche Ansätze zur Reliefklassifikation, von denen nur ein Teil hier Erwähnung finden
kann. Der Großteil der Information bezieht sich auf HENGL UND REUTER 2009, KIEDL 2005 und RASEMANN
2003. Alleine die theoretischen Grundlagen zur Reliefklassifikation füllen mittlerweile Bände von
Büchern, die Applikation durch verschiedene Programmsysteme weitere. Wiederum soll ein Überblick
gegeben werden, der eine ungefähre Orientierung im weiten Feld dieses Wissenschaftszweiges
erlaubt.

2.1.2.1 Grundlagen zur Reliefgliederung

Wie RASEMANN 2003 in seiner Dissertation feststellt, dürfte eine auf geometrischen Attributen
beruhende Reliefansprache und -analytik eine der am besten nachzuvollziehenden und
wiederholbaren Methoden der Reliefgliederung sein. Doch er stellt weiter fest, dass auch die
Geomorphogenese und die rezente Morphodynamik in eine Reliefgliederung mit einfließen müssen.
Eine Form lässt sich also offensichtlich nicht ausschließlich durch mathematische Werte beschreiben.
Wenn dem so wäre, wären sämtliche Geomorphologinnen und Geomorphologen überflüssig, sobald
für jede erdenkliche Form die geeigneten geometrischen Parameter gefunden wären. Der Einfluss des
Expertinnen- und Expertenwissens ist allerdings mit einer gewissen individuellen Interpretation und
Subjektivität verbunden, und um eine möglichst objektive Grundlage verwenden zu können, ist der
Weg über die geometrische Definition der Formen zu wählen. Die geometrischen Attribute können
aber ebenfalls wiederum je nach Autorin bzw. Autor oder Anwendungsgebiet unterschiedliche
Ausprägung besitzen. Auch PIKE 1995 weist darauf hin, dass die Subjektivität, die allein schon dadurch
bedingt ist, das alltägliche Begriffe wie rau oder flach gleichermaßen im wissenschaftlichen Kontext
verwendet werden, ohne jedoch genau definiert zu sein, starken Einfluss auf die Arbeit hat. Einen
Lösungsweg sieht er ebenfalls in der Anwendung von mathematischen und daher wiederholbaren und
somit bis zu einem gewissen Grad objektivierten Methoden. Bevor einige Ansätze zur
Reliefklassifikation vorgestellt werden, soll ein Blick auf die Reliefparameter geworfen werden, die
schließlich in die Klassifikationen einfließen.

Nach SCHMIDT UND DIKAU 1999 werden die grundlegenden geomorphometrischen Komponenten durch
den geomorphometrischen Punkt und das geomorphometrische Objekt (linienhafte oder flächige
Elemente, die entweder aus geomorphometrischen Punkten oder anderen linienhaften oder flächigen
Elementen aufgebaut sind) dargestellt. Diese können quantitativ durch Reliefparameter beschrieben
werden, qualitativ kann das durch Attribute geschehen. Durch die Parameter und Attribute können
geomorphometrische Komponenten höherer Ordnung beschrieben werden. SCHMIDT UND DIKAU 1999
gliedern primäre geomorphometrische Parameter in „einfach“ (z.B. Hangneigung), „komplex“ (z.B.
mittlere Hangneigung eines Einzugsgebietes) und „kombiniert“ (z.B. Oberflächenabflussvolumen oder
-geschwindigkeit). Die einfachen Parameter können mit Algorithmen berechnet werden, die den
betrachteten Punkt in das Zentrum eines gleitenden Fensters stellen. Komplexe Parameter benötigen
die gesamte Datengrundlage zur Analyse. Kombinierte Parameter können über analytisch-
mathematische Berechnung aus den einfachen und komplexen Parametern gewonnen werden (siehe
Abb. 7).

33
Abbildung 7: Einfache, komplexe und kombinierte primäre Reliefparameter (nach SCHMIDT UND DIKAU
1999, verändert)

FRIEDRICH 1996 hingegen unterscheidet nachbarschaftsbezogene geomorphometrische Reliefattribute,


analytische Reliefattribute und statistische Reliefattribute. Zu den ersteren, die durch benachbarte
Zellen abgeleitet werden können, zählen beispielsweise Neigung und Krümmung. Analytische
Reliefattribute beziehen sich auf Prozesse wie z.B. die Größe eines Lawineneinzugsgebietes. Wird
etwa der höchste und der niedrigste Punkt eines gleitenden Fensters im Sinne der Reliefenergie
eruiert, so handelt es sich um ein statistisches Reliefattribut.

Automatisierte Reliefklassifikationen beziehen sich meist auf bestehende Systeme manueller


Reliefklassifikationen. Die für die automatisierten Umsetzungen wichtigsten Grundlagen der manuellen
Zugänge sollen hier erwähnt werden. Bereits 1828 definierte GAUSS anhand der Gauss‘schen
Krümmung sowie der mittleren Krümmung vier Reliefklassen (siehe Abb. 8). TROEH‘s Schwerkraft-
orientierte Klassifizierung von 1964 und 1965 dient vor allem zur Festlegung von Abtragungs- und
Akkumulationszonen (siehe Abb. 9).

Abbildung 8: Reliefklassen nach GAUSS 1828 Abbildung 9: Reliefklassen nach TROEH 1964,
(nach MACMILLAN UND SHARY 2009, verändert) 1965 (nach MACMILLAN UND SHARY 2009, verändert)

Daneben existieren zahlreiche subjektive manuelle Systeme der Reliefklassifikation, die zuweilen weit
verbreitet sind. Gemeinsam ist ihnen meist eine hierarchische Gliederung, bevorzugt von oben nach
unten, d.h. beginnend bei größeren Einheiten, die immer weiter unterteilt werden. Im Allgemeinen ist

34
der Ansatz dieser Klassifizierungen eher synoptischer und synthetischer Natur, wobei mehrere
Kriterien gleichzeitig betrachtet werden. Dazu gehören etwa topologische Beziehungen, hydrologische
Faktoren oder Wiederholungsmuster von Formen (MACMILLAN UND SHARY 2009).

Einige Modelle sollen beispielhaft hier erwähnt werden: Dem gefügetaxonomischen Modell nach
KUGLER (KUGLER 1974 zitiert bei RASEMANN 2003) liegt ein hierarchisches System zu Grunde, wobei
einerseits von den komplexesten Einheiten immer homogenere herunter gebrochen werden können,
bis man schließlich zu den „atomaren Einheiten“ gelangt, oder auch in die andere Richtung, nämlich
zusammenfassend, vorgegangen werden kann. Darauf beziehen sich gleichfalls die Kriterien der
Klassifikation, die einerseits durch die Teilbarkeit in untergeordnete Einheiten und Einheitlichkeit nach
Merkmalen andererseits formuliert sind. Eine zentrale Rolle spielt der Betrachtungsmaßstab, der
durch die Fragestellung vorgegeben ist. KUGLER bedient sich hierzu Reliefleitflächen, das sind Flächen,
die jeweils an den Maßstab angepasste Formen repräsentieren, die also eine Grundlage für die
Generalisierung bieten. Als Reliefeinheiten definiert er Relief- und Formfazette (kleinste Einheit, nach
Exposition und Neigung homogen), zusammengefasst werden sie zuerst zu Fazettenassoziationen
und weiter zu Relief- und Formelementen (einheitliche Wölbung, in Fazetten teilbar). Diese werden
wiederum zu Elementassoziationen und weiter zu Reliefformen (in Fazetten und Elemente teilbar), die
als höchste Hierarchiestufe schließlich zu Formenassoziationen zusammengefasst werden. Diese
werden nicht mehr allein durch Wölbung, Neigung und Exposition charakterisiert und daher auch als
Figur bezeichnet. Eine eindeutige Zuordnung eines Landschaftsteiles ist nach KUGLER weder möglich
noch notwendig, da sich diese aufgrund der Fragestellung ergibt. Dieses Modell bildet die Grundlage
für die Geomorphologische Karte 1 : 25 000 der Bundesrepublik Deutschland (vgl. Abb. 15 und 16;
GEOMORPHOLOGISCHE KARTE DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND 1985).

Die Reliefklassifikation nach SPIRIDONOV (SPIRIDONOV 1973 zitiert bei RASEMANN 2003) zieht die
Reliefelemente Punkt (z.B. Gipfel), Linie (z.B. Wasserscheide) und Fläche (durch Neigung und
Wölbung definiert) als niedrigste und Reliefformen, die durch die Reliefelemente aufgebaut werden als
nächsthöhere Hierarchiestufe heran. Diese Reliefformen können einfach (z.B. Mulde) oder komplex
(z.B. Rundhöckerlandschaft) aufgebaut sein. Die Reliefformen können weiters in Gruppen auftreten.
Der Hauptunterschied zum Modell von KUGLER ist, dass die Fläche keine homogene Neigung und
Wölbung aufweisen muss, womit die Reliefelemente nicht eindeutig definiert sind. SPIRIDONOV weist
darauf hin, dass von der Form auf die Genese und die wirkenden Prozesse geschlossen werden kann
und das bei der Reliefanalyse die Gesamtheit der Landschaft betrachtet werden muss, da bei der
Analyse einzelner Elemente ohne Einbeziehung der Umgebung Information verloren geht. SPIRIDONOV
bedient sich ebenso der von KUGLER initiierten Reliefleitflächen zur Abstrahierung komplexer Einheiten.

Die an Schwellenwerte gebundenen Klassifikationsverfahren verwenden feste Schwellenwerte um


anhand von bestimmten Parametern Reliefeinheiten zu identifizieren. Das geographische
Reliefmodell von DIKAU versucht im Sinne einer computergestützten Umsetzungsmöglichkeit eine
exakte Definition der Reliefeinheiten zu formulieren. Die Anwendung des Modells konzentriert sich auf
mesoskalige Formen, die in Elemente und Fazetten gegliedert werden können. Formfazetten werden
durch Größe, Neigung, Exposition und Wölbung charakterisiert, Formelemente durch vertikale und
horizontale Wölbung sowie die Wölbungsstärke. DIKAU verwendet ein Wölbungsradiuskriterium von

35
600 m, dieser Wert kann aber in Abhängigkeit von der Fragestellung angepasst werden. Daneben
können beispielsweise Hangneigung, Position (Scheitel-, Hang-, Fuß-, ebene Lage) oder Diversität
der Mikroformen als Zusatzinformation herangezogen werden. DIKAU definiert Haupttypen der
Elemente, die durch Kombination eine sehr große Anzahl an möglichen Ausprägungen annehmen
können (siehe Abb. 10). Mit Hilfe dieser Vorgehensweise kann ein eindeutig definierter Formenkatalog
erstellt werden. (KIEDL 2005, RASEMANN 2003)

X......konvex
V......konkav
GR...gerade
GE...gestreckt
Abbildung 10: Beispiel für die Kombinationsmöglichkeiten der Formelemente, hier Haupttyp 1 nach
DIKAU (nach RASEMANN 2003, S.54, verändert); MACMILLAN UND SHARY 2009, S.238 zeigen die
Horizontalwölbung durch die Tangentialkrümmung ersetzt

Zu den an Schwellenwerte gebundenen Klassifikationsverfahren zählt auch die Methode von


HAMMOND, wobei hier Neigung (prozentualer Anteil ebener oder leicht geneigter Bereiche - weniger als
8% Neigung), Reliefenergie (Differenz zwischen dem höchsten und dem tiefsten Punkt eines
bestimmten Gebietes) und Profiltyp (relativer Anteil der ebenen oder leicht geneigten Bereiche, der als
Hochebene oder Tiefland ausgeprägt ist) herangezogen werden (siehe Tab. 2).

Neigung - Klassen des Anteils ebener Bereiche Reliefenergie - Klassen Profiltyp - Klassen
A > 80 % Häufigkeit von < 8 %Neigung 1 < 30,5 m a > 75 % der < 8 % Neigung im Tiefland
B 0-80 % Häufigkeit von < 8 %Neigung 2 30,5-91,4 m b 0-75 % der < 8 % Neigung im Tiefland
C 20-50 % Häufigkeit von < 8 %Neigung 3 91,4-152,4 m c 50-75 % der < 8 % Neigung im Hochland
D < 20 % Häufigkeit von < 8 %Neigung 4 152,4-304,8 m d > 75 % der < 8 % Neigung im Hochland
5 304,8-914,4 m
6 > 914,4 m
Beispiele für die Kombinationsmöglichkeiten zu Reliefeinheiten in drei Hierarchiestufen
Typ Klasse Subklasse (Code)
Ebenen Flache oder beinahe flache Ebenen A1a, A1b, A1c, A1d
Ebenen mit etwas Relief A2a, A2b, A2c, A2d
...
Hügel und Berge Sehr niedrige Hügel D1a, D1b, D1c, D1d
...
Hohe Berge D6a, D6b, D6c, D6d
Tabelle 2: Reliefattribute und Kombinationsvarianten nach HAMMOND 1964, zitiert bei KIEDL 2005

Zu den multivariaten Distanzverfahren, deren Grundlage ist, dass Distanzen zur Bildung von
Einheiten herangezogen werden, gehört beispielsweise die Clusteranalyse. Bei dieser Methode
werden Gruppen zusammengefasst, die in sich möglichst homogen und von den anderen Gruppen

36
möglichst verschieden sind. Um einen unterschiedlichen Einfluss stark und schwach streuender
Merkmale zu vermeiden, sollte eine Standardisierung der Merkmale durchgeführt werden. Für die
Clusteranalyse selbst werden meist iterative Verfahren herangezogen, da die Datenmenge bei
hierarchischen Verfahren oft schwer zu bewältigen ist. Eine Verbesserung der Ergebnisse einer
solchen Clusteranalyse kann dadurch erzielt werden, dass dem räumlichen Zusammenhang
Rechnung getragen wird und so nur Einheiten zusammengefasst werden, die sich in den Merkmalen
ähnlich sind und in einem räumlichen Naheverhältnis stehen, wie das im raumbezogenen iterativen
multivariaten Distanzverfahren nach FRIEDRICH 1996 geschieht. Einem Problem, das sich bereits in den
Grundlagen zur Reliefgliederung gezeigt hat, nämlich dass es oft schwierig ist, einen Landschaftsteil
eindeutig zuzuordnen, trägt die kontinuierliche Klassifikation basierend auf der „fuzzy set theory“
Rechnung. Dabei wird eine Zelle nicht eindeutig einer Klasse zugewiesen, sondern der Grad an
Zugehörigkeit zu den Klassen ausgedrückt. Da diese Methode jedoch sehr ressourcenintensiv ist und
teils zu schwer visualisierbaren Ergebnissen führt, wird sie vorwiegend für analytische Fragestellung
herangezogen. Zu den multivariaten Distanzverfahren können auch überwachte Verfahren gezählt
werden, die von den Anforderungen her bereits in die Nähe der oben erwähnten an Schwellenwerte
gebundenen Verfahren kommen. Der Vorteile der überwachten Klassifikation ist die bessere
Steuerbarkeit, wodurch wiederum die Objektivität beeinflusst werden kann. Zudem sind die
überwachten Methoden oft mit einem sehr hohen Arbeitsaufwand verbunden. (KIEDL 2005)

2.1.2.2 Praktische Anwendung von Reliefklassifikationen

Zahlreiche Programmsysteme und -pakete haben mittlerweile die Ermittlung verschiedenster


Reliefparameter implementiert. Oft liegt ein Schwerpunkt beispielsweise in hydrologischen oder
pedologischen Fragestellungen, manchmal sogar im geographischen Informationssystem selbst.
Gemeinsam ist allen die Verarbeitung von georeferenzierten Daten, insbesondere digitalen
Höhenmodellen. Die grafischen Benutzeroberflächen erleichtern den Zugang und das Kennenlernen
der Funktionalitäten. Die Weiterentwicklung und angepasste Anwendbarkeit der Systeme beruht im
Übrigen auf der Möglichkeit zumindest kleinere Applikationen zu programmieren.

Es gibt eine Vielzahl von Programmen, mit deren Hilfe geomorphometrische Analysen durchgeführt
werden können. Das von der größten Benutzergemeinde angewandte Programmpaket ist ArcInfo bzw.
ArcMap der Firma ESRI. Es gehört zu den am weitest verbreiteten GIS-Programmen. Obwohl die
Berechnung zahlreicher Reliefparameter bereits inkludiert ist, gehört die Generierung von
Reliefklassifikationen nicht zu den Kernkompetenzen. Durch die große Anzahl an Nutzerinnen und
Nutzern wurden aber auch auf diesem Gebiet bereits Skripts entwickelt, wie beispielsweise
simpelfabc.aml für das Beispiel in Abb. 11.

In der vorliegenden Arbeit wurde die Reliefklassifikation mit dem Programmsystem SAGA erstellt, das
auf einem analytischen Zugang basiert. Der Schwerpunkt des relativ kleinen, gut nachvollziehbaren
Open-Source-Programms liegt vor allem in der Reliefanalyse. Nach KÖTHE 1988 und KÖTHE ET AL. 1996,
beide zitiert bei KIEDL 2005, werden dabei keine starren Schwellenwerte sondern innerhalb bestimmter
Grenzen veränderliche Werte herangezogen, womit der Variabilität in der Landschaft und deren
Genese Rechnung getragen wird. Ein Beispiel dazu findet sich in Abb. 12.

37
Abbildung 11: Reliefklassifikation ESRI Abbildung 12: Reliefklassifikation SAGA

Abbildung 13: Reliefklassifikation Grass Abbildung 14: Reliefklassifikation ILWIS


Abbildung 11 bis 14: Beispiele von Reliefklassifikationen in unterschiedlichen Programmen (nach
HENGL UND REUTER 2009, verändert)

Grass ist das größte Open-Source GIS-System, das den Vorteil einer großen Zahl an Nutzerinnen und
Nutzern hat, die zugleich am Programm mitarbeiten, die Weiterentwicklung läuft daher relativ rasch.
Auch hier sind sämtliche Möglichkeiten der Reliefparameter-Berechnung offen. Die in Abb. 13
dargestellte Reliefklassifikation beruht auf einer Methode von WOOD 1996, die in der Software von
LandSerf weiterentwickelt wurde, einem Programm, das vor allem Stärken im Bereich der Interaktion
zwischen Darstellung und Analyse aufweist.

In Vertretung für zahlreiche weitere Programme soll hier noch ILWIS genannt werden (siehe Abb. 14).
Ebenfalls Open-Source kann es zwar laufend weiterentwickelt werden, aufgrund einer eher limitierten
Nutzergemeinde wird es aber vorwiegend im wissenschaftlichen Bereich angewandt. Die Nachteile
liegen vor allem in geringer Benutzerfreundlichkeit aufgrund von Command-Line-Eingabe, Problemen
bei Import und Export zum bzw. vom ILWIS-Format und kaum organisiertem Support.

Beispielhaft sind in den Abb. 11 bis Abb. 14 die Ergebnisse von automatisierten Reliefklassifikationen
in einzelnen Programmen für ein Testgebiet im Baranja-Hügelland im östlichen Kroatien dargestellt.
Auch wenn zum Teil große Unterschiede erkennbar sind, so liegt das nicht nur an der verwendeten
Software, sondern oft mehr an den eingesetzten Algorithmen, den Eingangsparametern sowie den
gewählten Klassen.

Es ist wichtig, sich immer bewusst zu sein, dass keine aus einem digitalen Höhenmodell abgeleitete
Karte definitiv sein kann, da sich die Ableitung der Reliefparameter sowohl räumlich als auch zeitlich

38
unterscheiden kann und verschiedene mathematische Algorithmen herangezogen werden können. Da
es sich um mathematische Modelle handelt, die prinzipiell jederzeit wiederholbar und nachvollziehbar
sind, ist man dazu geneigt, den Ergebnissen blind zu vertrauen. Diese Modelle können dennoch,
insbesondere wenn nur eine geringe Anzahl von Parametern herangezogen wird, die Erdoberfläche
keinesfalls in ihrer komplexen Gesamtheit wiedergeben. Eine Relativierung der Ergebnisse ist also
jedenfalls notwendig. (vgl. PIKE ET AL. 2009)

2.1.3 Die geomorphologische Karte


„Karten sind eine fassbare Form räumlicher Wahrnehmung, und das Schwankende, Wechselhafte unseres
Sehens wirkt sich auf unser Verständnis von Karten aus.“ (JEREMY BLACK IN CLARK 2005, S.9)

Im gleichen Sinne gilt in der geomorphologischen Kartographie, dass eine Karte, so objektiv sie wirken
mag, stets eine nicht zu unterschätzende subjektive Komponente beinhaltet, die vom Einfluss aller an
der Herstellung Beteiligten bis hin zur Wahrnehmung der Kartennutzerin bzw. des Kartennutzers
reichen kann. Grundsätzlich werden die Ansprüche der Lesbarkeit (Erkennbarkeit, Eindeutigkeit,
Deutbarkeit), Richtigkeit, Vollständigkeit und Zweckmäßigkeit an eine Karte gestellt. Vor allem in
modernen Darstellungen wird dabei eine objektive Allgemeingültigkeit suggeriert, die es erschwert,
sich die subjektive Komponente bewusst vor Augen zu halten. (vgl. JANSEN 2007)

Da die Inhalte geomorphologischer Karten sämtliche Bereiche umfassen können, die in die
Geomorphologie einfließen, d.h. geologische, ökologische, topographische,... Aspekte, können die
Karten sowohl sehr komplex aufgebaut sein, als auch sehr unterschiedliche Darstellungsformen
annehmen. Häufig werden sogenannte pragmatische geomorphologische Karten hergestellt, die sich
mit sehr spezifischen Fragestellungen wie beispielsweise Hangrutschungen in einem eng
umschriebenen Raum beschäftigen. Diese, eher als Werkzeuge in der Geomorphologie eingesetzten
Karten, zählen im weiteren Sinn zu geomorphologischen Karten. Im engeren Sinn versteht man
jedoch darunter Karten, die Grundlagenforschung im Bereich der Geowissenschaften repräsentieren
und eine Landschaft möglichst in ihrer Gesamtheit widerspiegeln sollen. (vgl. GUSTAVSSON 2005,
GUSTAVSSON ET AL. 2006, JANSEN 2007)

Grundsätzlich gibt es je nach Schwerpunktsetzung, dargestellten Inhalten oder auch betrachteter


Dimension verschiedene Formen geomorphologischer Karten. Morphographische Karten geben das
Relief wieder, wie das anhand von Isohypsen, Schraffen und Schummerung geschehen kann. Zu
dieser Gruppe gehören des Weiteren Karten, die zum Beispiel die Reliefenergie oder Hangneigungen
darstellen. Geomorphologische Karten hingegen geben geomorphologische Formen vorwiegend
durch unterschiedlich eingefärbte Flächen wieder. Hierbei können wiederum vor allem je nach
inhaltlichem Schwerpunkt verschiedene Kartenformen benannt werden. So stellen petrographisch-
geomorphologische Karten die Hänge nach Gesteinen dar. Strukturell-geomorphologische
Karten finden eher in feineren Maßstäben Anwendung und beinhalten tektonisch-strukturelle
Elemente. Chronologisch-geomorphologische Karten versuchen die zeitliche Abfolge der Formen
darzustellen, chorologisch-geomorphologische Karten haben Landschafts-Raumeinheiten wie z.B.
„intensiv gefaltete Gebirge“ oder „Inversionsrelief“ zum Inhalt. In dynamisch-geomorphologischen

39
Karten stehen die formenden Prozesse im Mittelpunkt der Betrachtungen, genetisch-
geomorphologische Karten legen den Schwerpunkt auf die Entstehung der Formen. Im Endeffekt
wirken die Fragen, die sich allgemein in der Geomorphologie stellen, auch auf die Kartenerstellung,
wobei sich immer wieder die zentrale Frage stellt, auf welche Weise eine Klassifikation vorgenommen
wird (vgl. ERGENZINGER UND JANNSEN 1969).

Es stehen heute zahlreiche technische Hilfsmittel in der Erstellung geomorphologischer Karten zur
Verfügung, die zugleich aber auch das Aussehen der Karten beeinflussen. So können zum einen die
Darstellungsvarianten vom Programm bis zu einem gewissen Grad vorgegeben sein, selbst wenn sich
die Möglichkeiten ständig verbessern und erweitern, zum anderen ergeben sich vor allem dadurch,
dass in einer digitalen Karte verschiedene Schichten übereinander eingeblendet werden können,
insbesondere die Informationsdichte betreffend neue Perspektiven. Aus den technischen
Möglichkeiten resultiert ebenso die Präsentationsform der Karte, die zum einen traditionell gedruckt
oder in digitaler Form beispielsweise als CD oder in online abrufbarer Form vorliegen kann, wodurch
auch die Nutzerin und der Nutzer größeren Einfluss erhält.

2.1.3.1 Geomorphologische Karten im Vergleich

Obwohl topographische Karten ebenfalls viele geomorphologische Informationen beinhalten, hat die
Erstellung von geomorphologischen Karten im engeren Sinn eine relativ kurze Geschichte und beginnt
etwa im frühen 20. Jahrhundert. Es gibt für geomorphologische Karten auch heute noch kein
international anerkanntes einheitliches Kartiersystem und keine allgemein gültige
Darstellungskonvention. Bei dem Versuch, die Anforderungen an eine geomorphologische Karte zu
definieren, zeigt sich, dass beinahe unerfüllbare Forderungen gestellt werden: Die Karte soll natürlich
die Landschaft darstellen, sämtliche geomorphologischen Prozesse, das Substrat, die hydrologische
Situation, zudem Alter und Entwicklung, sowie eine Vorhersage über die Weiterentwicklung erlauben.
Diese Liste ist keineswegs vollständig und so verwundert es nicht, wenn kaum eine Karte die
Ansprüche erfüllen kann und noch keine Vereinheitlichung erzielt werden konnte. Die INTERNATIONAL
GEOGRAPHICAL UNION (IGU) richtete 1965 bei dem Kongress in Rio de Janeiro eine Subkommission für
Geomorphologische Kartierung ein. Aus dieser ging die Definition hervor, dass eine
geomorphologische Karte „das Resultat von Feldkartierungen, in einem Maßstab von 1 : 10 000 bis
1 : 100 000 sein soll, und ein vollständiges Bild der Landschaft geben soll, die Morphographie, Morphometrie,
Genese und Alter zeigen soll, unter Benutzung von farbigen Symbolen, die die Elemente im Maßstab
repräsentieren, die Lithologie soll mit speziellen Symbolen hervorgehoben werden und die Legende in genetisch-
chronologischer Ordnung angeführt sein“ (KLIMASZEWSKI 1982 zitiert in GUSTAVSSON 2005, übersetzt). Dadurch
war ein annähernd ähnlicher Inhalt gewährleistet. Zahlreiche Versuche, die Legenden zu
vereinheitlichen, kämpfen mit der Komplexität der Thematik und der Vielfalt der Formen, was sich zum
Teil in über 500 Symbolen ausdrückt, die in der Praxis kaum nutzbar sind. (GUSTAVSSON 2005, vgl.
GUSTAVSSON ET AL. 2006, JANSEN 2007 S.26ff)

Einen guten Überblick über verschiedene nationale Kartiersysteme geben GUSTAVSSON 2005 sowie
GUSTAVSSON ET AL. 2006. So wird dort die Vergleichsarbeit von GILEWSKA 1967 erwähnt, die das
französische, ungarische, sowjetische und polnische System beleuchtet und zum Schluss kommt,

40
dass zwar jede Karte wertvolle Informationen enthält, aber keine der Karten eine befriedigende
Interpretation der Landschaft darstellt. Die Legende der IGU umfasst zwar 353 Symbole, trotzdem
wird kritisiert, dass diese in der praktischen Anwendung noch weiter ergänzt werden müssen. Das
System des INTERNATIONAL INSTITUTE FOR AERIAL SURVEY AND EARTH SCIENCES ITC hat den Vorteil relativ flexibel
zu sein, wobei für verschiedene Kartentypen (Entwurf (preliminary), Allgemeine Karten (general-
purpose), Spezielle Karten - für technische bzw. Schutzgebiets-Planung und hydrologische
Anwendungen (special-purpose - morpho-conservation, hydro-morphological)) unterschiedliche
Symbole definiert wurden. Eine vollständige Beschreibung der Landschaft ist mit Hilfe dieses Systems
zwar nicht möglich, die Karte ist aber gut lesbar und die einzelnen Einheiten treten deutlich hervor.

Ein weiteres Beispiel für eine zumindest national einheitliche Darstellung ist die Geomorphologische
Karte von Deutschland im Maßstab 1 : 25 000 bzw. 1 : 100 000, die seit den 1970er Jahren entwickelt
wird. Als Grundinhalte wurden Relief, oberflächennaher Untergrund sowie Morphogenese bzw.
-dynamik definiert, die durch Erläuterungsschriften ähnlich den geologischen Karten ergänzt werden.
Die Karte enthält eine Vielzahl von Informationsebenen und einzelnen Signaturen, was zum einen
eine hohe Informationsdichte, zum anderen eine stark erschwerte Lesbarkeit bedeutet, was einen
häufigen Kritikpunkt darstellt (vgl. Abb. 15 und Abb. 16; GEOMORPHOLOGISCHE KARTE DER BUNDESREPUBLIK
DEUTSCHLAND). (JANSEN 2007)

Abbildung 15: Die Informationsebenen der Abbildung 16: Ausschnitt von 5 km Breite aus der
geomorphologischen Karte von Deutschland GEOMORPHOLOGISCHEN KARTE DER BUNDESREPUBLIK
(nach JANSEN 2007, verändert) DEUTSCHLAND 1 : 100 000 BLATT ROSENHEIM 1985

Das Kartiersystem der Schweiz ging aus Naturgefahrenkarten hervor und wurde im Maßstab
1 : 10 000 aufgenommen. Vom ursprünglichen Anwendungsgebiet stammt die Auswahl der für diese
Fragestellung relevanten Informationen, die schließlich in die Legende aufgenommen wurden
(GUSTAVSSON 2005).

41
In Spanien wurde für die Erstellung geomorphologischer Karten ein bestimmtes Schema festgesetzt.
Die Kompetenzen liegen dabei im INSTITUTO GEOLÓGICO Y MINERO DE ESPAÑA, dem Institut für Geologie und
Bergbau Spaniens, das zu dem Ministerium für Ausbildung und Forschung gehört. Die Karten im
Maßstab 1 : 50 000 sind stark an die geologischen Karten angelehnt. In der gedruckten Version der
Karte werden Informationen wie regionale Morphostrukturen, grundlegende klimatische Daten oder
Hangneigungen in kleinen schematischen Karten am Rand dargestellt, was der Lesbarkeit der
Hauptkarte zu Gute kommt. (MAPA GEOMORFOLÓGICO 1 : 50 000 LLEIDA 1995) In einer technischen
Richtlinie, den „Normas de organisación de la información del Mapa Geomorfológico Nacional digital“
(Richtlinien zur Informationsorganisation der digitalen nationalen geomorphologischen Karte), wird die
genaue Vorgangsweise bei der Kartenaufnahme in digitaler Form gegeben. Dabei werden nur
Elemente aufgenommen, die weiteren Analysen zugänglich sind. Diese Elemente erhalten eine
Codierung, wobei beispielsweise die ersten beiden Stellen die Genese repräsentieren (RODRÍGUEZ-
GARCÍA UND PÉREZ-CERDÁN 2006).

In den geomorphologischen Karten, die vorwiegend durch Feldarbeit für Teilgebiete der Steiermark
erstellt wurden, werden einzelne Formen durch Polygone dargestellt, die je nach Farbton einem
dominantem Formungsprozess zugeordnet werden können. Zusätzliche Informationen wie regionale
Besonderheiten werden durch Punktsignaturen repräsentiert, das Gewässernetz durch Linien.
Grundlegende topographische Informationen dienen der räumlichen Orientierung. Es wurde bewusst
davon abgesehen, beispielsweise eine vollständige topographische Karte oder flächendeckende
Neigungsangaben einzublenden, um die gute Lesbarkeit der Karte zu gewährleisten. (HOCHSTEGER
2000, REMICH 2001, DAMOSER 2002, HASIBA 2002, PROCHASKA 2002, EDLER 2003, HASENHÜTTL 2004,
KAUFMANN 2005) Zudem liegen viele der für geomorphologische Karten geforderten Informationen in
anderen Kartenwerken wie geologischen oder topographischen Karten vor. Da diese Karten
mittlerweile vollständig digital erhältlich sind, können die einzelnen Informationsschichten ohne
Probleme mittels GIS-Software übereinander gelegt, analysiert und weiterverarbeitet werden. (vgl.
Kap. 2.1.3.2 und Kap. 2.2)

Die große Herausforderung der geomorphologischen Karte liegt ohne Zweifel in der großen
Komplexität der repräsentierten Sache, nämlich der Landschaft mit sämtlichen Elementen und
Prozessen. Zum einen ist natürlich eine gewisse Standardisierung der Erstellungsverfahren im Sinne
einer besseren Vergleichbarkeit wünschenswert, andererseits stellt sich die Frage, ob um jeden Preis
ein System geschaffen werden soll, in das sämtliche Fragestellungen gezwängt werden. Auch eine
Karte, wie die geologische Karte, weist bei genauerer Betrachtung trotz weitgehender
Standardisierung große Unterschiede je nach Bearbeiter bzw. Bearbeiterin auf. Es scheint also bis zu
einem gewissen Grad unvermeidlich, subjektive Einschätzungen aus den Karten zu eliminieren.
Solange für dieses Problem noch keine definitive Lösung gefunden ist, sollten sich alle, die mit Karten
zu tun haben, der enthaltenen Subjektivität bewusst sein und diese zugleich bestmöglich nutzen.

2.1.3.2 Geomorphologische Karten und Geographische Informationssysteme

Ob nun Geographische Informationssysteme (GIS) selbst Forschungsgegenstand sind oder ein


Hilfsmittel zur Verarbeitung und Visualisierung raumbezogener Daten darstellen, kann an dieser Stelle

42
nicht geklärt werden, obwohl meiner Ansicht nach beide Zugänge zugleich gültig sind. Im Falle der
vorliegenden Arbeit wird GIS in erster Linie als Handwerkszeug zur Erstellung und Darstellung einer
geomorphologischen Karte benutzt. Die Vorteile der Nutzung eines GIS sind vielfältig und liegen auf
der Hand: Es kann unter anderem mit großen Mengen verschiedenartiger Daten gearbeitet werden,
die Aktualisierung der Daten ist relativ einfach, die Darstellung kann jederzeit innerhalb gewisser
Grenzen modifiziert werden und raumbezogene Daten können mit vielfältigen Attributen
geomorphologischer oder anderer Natur verknüpft werden. (GUSTAVSSON 2005)

Viele Grunddaten werden aus Satelliten- und Luftbildern gewonnen, wobei Satellitenbilder große
Flächen abdecken können und sowohl eine gute zeitliche als auch spektrale Auflösung aufweisen und
Luftbilder insbesondere aufgrund der guten räumlichen Auflösung für geomorphologische
Fragestellungen wichtigen Informationsgehalt besitzen. Luftbilder sind jedoch teurer als
Satellitenbilder und werden daher in größeren zeitlichen Intervallen aufgenommen. Vor allem
Methoden der aktiven Abtastung der Erdoberfläche, d.h. es werden Signale ausgesandt und die
reflektierten Signale wieder aufgefangen, liefern sehr detailreiche Informationen, doch zugleich kann
die zu verarbeitende Datenmenge enorm hoch sein (vgl. GAJSKI 2004). Fernerkundungsmethoden
kämpfen mit Problemen, die durch verschiedene Gegebenheiten wie unterschiedliche
Bodenbedeckung oder stark variierende Hangneigungen entstehen, doch diese können durch
Korrekturverfahren meist bereinigt werden (vgl. Kap. 2.2.1). Der große Vorteil in der Fernerkundung
liegt vor allem darin, dass große Flächen betrachtet werden können, insbesondere wenn die Flächen
schwer zugänglich sind. Diese Grunddaten werden ebenso für geomorphologische Untersuchungen
herangezogen, womit auch in diesem Bereich Zeit und Geld eingespart werden kann.

Berechnungen von Hangneigung, Exposition und nicht zuletzt der Klassifikationen von
geomorphologischen Formen, wie es in dieser Arbeit gezeigt wird, können durch GIS-Anwendungen
genauso für größere Flächen automatisiert durchgeführt werden. Darüber hinaus bieten sich
zahlreiche Applikationen zur dreidimensionalen Darstellung von Oberflächen an, die sowohl der
Visualisierung als auch Analyse dienlich sein können (vgl. SCHLIMM 2003). Ein weiterer Vorteil liegt in
der pragmatischen und wiederholbaren und somit weitest gehenden Objektivierbarkeit der Methodik
und der Ergebnisse (vgl. auch Kap. 2.1.2). (ASSELEN UND SEIJMONSBERGEN 2006)

In Geographischen Informationssystemen können Daten im Vektor- oder Rasterformat vorliegen,


wobei jede Form bestimmte Vor- und Nachteile besitzt. Vektordaten erlauben präzise Angaben zur
Geometrie und zahlreiche Attribute, Rasterdaten hingegen können genauso kontinuierliche Daten
beschreiben und aufgrund weniger komplexer Strukturen leichter und schneller verarbeitet werden.
Vektordaten benötigen in der Verarbeitung schnelle Rechner, Rasterdaten nehmen bei Erhöhung der
Auflösung rasch an Größe zu. Trotz aller Vorteile muss sich die GIS-Nutzerin bzw. der GIS-Nutzer der
Probleme bewusst sein, die auftreten können. So variiert beispielsweise die Qualität der
herangezogenen Daten oft stark, Transformationen aus unterschiedlichen Koordinatensystemen oder
Datenimporte verursachen möglicherweise Fehler. Darüber hinaus dürfen die schnellen
Veränderungen auf den technologischen Sektor nicht außer Acht gelassen werden, Datenformate,
Software und Speichersysteme ändern sich oft in kürzester Zeit.

43
2.1.3.3 Betrachtungsmaßstab

HENGL UND EVANS 2009 stellen fest, dass die Maßstabs-Abhängigkeit einer der wichtigsten Aspekte in
der Geomorphologie ist, der vorab geklärt werden muss, da jedes Oberflächenmodell eine Abstraktion
darstellt, und Ungenauigkeiten nicht vermeidbar sind, wenn Interpolationen zwischen Datenpunkten
oder Oberflächenglättungen zur Datenfehlerausgleichung durchgeführt werden: „Any surface model is
an abstraction, and [...] uncertainty of shape (local form) is unavoidable as we interpolate between data points, or
fit a smoother surface to compensate for data error.“ (HENGL UND EVANS 2009, S.32, vgl. auch EVANS 2003)
Auch LANG UND BLASCHKE 2007 konstatieren, dass der optimale Betrachtungsmaßstab dazu geeignet
sein muss, die meisten und vor allem die relevanten Informationen über einen Prozess oder ein
Phänomen zu sammeln, wobei für die Klasseneinteilung die thematische Auflösung entscheidend ist.

In der Geomorphologie können also sowohl sehr kleine Einheiten wie Gletscherschrammen, als auch
sehr große Einheiten wie ganze Landschaftsräume Gegenstand der Betrachtung sein. Diese
Betrachtungen können aber nicht nur räumlich sondern auch zeitlich stark variieren. PIKE ET AL. 2009
weist darauf hin, dass Reliefelemente, als morphometrisch relativ homogene Einheiten, sich stets auf
eine zeitliche und räumliche Auflösung beziehen. Der Abdruck, den ein Regentropfen hinterlassen hat,
kann nach Minuten bereits wieder verschwunden sein, Gebirge sind das Ergebnis von Entwicklungen,
die sich über Millionen von Jahren ausgedehnt haben. Zwischen der räumlichen und der zeitlichen
Komponente ist jedoch ein Zusammenhang ersichtlich: im Allgemeinen ist es für die Erklärung
kleinräumiger Formen nicht nötig, sehr weit in der Entwicklung zurückzublicken, je größer der
Betrachtungsraum, umso weiter muss man in der Geschichte zurück gehen, um die Hintergründe der
Entstehung erfahren zu können (vgl. Abb. 17). (vgl. auch BAUMHAUER 2006, HUGGETT 2007, ZEPP 2004)

Abbildung 17: Zusammenhang zwischen Reliefgröße und Bildungs- bzw. Bestandszeit (nach
BAUMHAUER 2006, S.3, verändert)

Neben diesem zeitlichen Betrachtungsmaßstab ist aber vor allem der räumliche in jeder Fragestellung
von hoher Wichtigkeit. Einfach formuliert, hängt die Wahrnehmung stark davon ab, wie genau man
hinsieht. Wenn man sich auf mikroskalige Einheiten wie Gletscherschrammen oder Karren
konzentriert, kann man gleichzeitig kaum die Charakteristik des umgebenden Hochgebirges,
Hügellandes oder der Ebene wahrnehmen bzw. darstellen. Umgekehrt kann bei der Betrachtung eines
Kontinents nicht mehr auf das Detail einzelner kleiner Kerbtäler eingegangen werden. Die
hierarchische Herangehensweise, wie sie in Kap. 2.1.2.1 bei einigen Methoden zur Reliefklassifikation

44
erwähnt wurde, trägt diesen Bedingungen Rechnung. In diesem Zusammenhang kann auch von der
„Dimensionsorientierung“ des Georeliefs gesprochen werden, wonach zum einen die für
Klassifikationen verwendeten Attribute angepasst werden müssen und sich zum anderen die
Aussagekraft der Attribute ändert. Großmaßstäbige Einheiten können demnach durch Attribute wie
Krümmung oder Neigung beschrieben werden, kleinmaßstäbige hingegen erfordern synoptische
Attribute wie Rauheit oder Variabilität. Im Bezug auf die Verwendung von digitalen Grunddaten kann
diese Dimensionsorientierung auf verschiedene Arten umgesetzt werden. So können unterschiedliche
Zellgrößen definiert werden oder gleitende Fenster, Filtertechniken und Generalisierungsverfahren zur
Anwendung gelangen. (RASEMANN 2003, S.30ff; MACMILLAN UND SHARY 2009, S.231ff)

Um welche konkreten Zahlen handelt es sich nun, wenn von klein-, mittel- oder großmaßstäbigen
Karten gesprochen wird? Auch in diesem Punkt gibt es keine generelle Aussage. Nach einer Definition
der INTERNATIONAL GEOGRAPHICAL UNION weisen großmaßstäbige Karten einen Maßstab zwischen 1 : 1 und
1 : 100 000, mittelmaßstäbige zwischen 1 : 100 000 und 1 : 1 000 000 und kleinmaßstäbige zwischen
1 : 1 000 000 und 1 : 30 000 000 auf (GUSTAVSSON 2005). LESER 2003 hingegen erwähnt beispielsweise
im Zusammenhang mit dem geomorphographisch-geomorphometrischen Ansatz, dass dieser
vorwiegend in großmaßstäbigen Betrachtungen, hier definiert mit ca. 1 : 5 000 bis 1 : 25 000, seine
Anwendung findet. In kleineren Maßstäben können laut dem Autor Informationen nicht mehr rein
quantitativ erfasst werden, sondern erfahren eine quasiquantitative und zum Teil sogar qualitative
Komponente. Die quasiquantitativen Ausdrucksmittel sind dazu die geomorphologische Datenbank
sowie die (digitale) geomorphologische Karte. Zudem verlangen großmaßstäbige Karten
Geländekartierungen, kleinmaßstäbige können auf Basisdaten aus digitalen Geländemodellen
zurückgreifen. Eine allgemeine Konvention existiert zwar nicht, worin sich jedoch alle Autorinnen,
Autoren und Institutionen einig sind, ist, dass der Betrachtungsmaßstab sowohl eine große Rolle in
der Erstellung einer geomorphologischen Karte als auch im schließlich ausgewiesenen Inhalt spielt.

Im Falle der vorliegenden Arbeit wurde eine generalisierte Karte im Maßstab 1 : 200 000 sowie eine
digitale Karte im Maßstab 1 : 50 000 erstellt. Letztere achtet in weitestgehender Weise auf die
Objektivität und Nachvollziehbarkeit, in die generalisierte Karte wurde etwas stärker manuell
eingegriffen, im Allgemeinen folgen beide Karten jedoch den gleichen Erstellungskriterien. Zusätzlich
wurde eine Übersichtskarte im Format A4, Maßstab 1 : 750 000 abgeleitet, zu deren Generierung eine
geringere Auflösung gewählt, aber prinzipiell ebenfalls die gleiche Methodik angewandt wurde. (siehe
Kap. 2.2).

2.2 Methodik des praktischen Teils der Arbeit


Nach LANG UND BLASCHKE 2007 reichen automatisierte Ansätze trotz einer mittlerweile hohen
Leistungsfähigkeit nicht an die Interpretationsleistung der menschlichen Wahrnehmung heran. So
arbeitet eine Maschine mit Hilfe der Unterscheidung von Grauwerten oder Verarbeitung diverser
digitaler Informationen, ein Mensch kann jedoch Strukturen erfassen, kontextbezogene Informationen,
Wissen und Erfahrung mit einfließen lassen. Die Vorteile beider, sowohl des leistungsfähigen
Computers als auch der menschlichen Expertin bzw. des Experten, heranzuziehen, verspricht die
besten Ergebnisse.

45
Die Erstellung der vorliegenden geomorphologischen Karte beruht auf der Anwendung
geomorphometrischer Methoden, also der quantitativen Analyse der Erdoberfläche (vgl. Kap. 1.2),
insbesondere der Ermittlung von Reliefparametern und Oberflächenformen aus digitalen
Höhenmodellen. Auf die benutzte Datengrundlage, die vorwiegend aus den Höhenmodellen der
Steiermark bzw. Teneriffas bestand, wird in Kap. 2.2.1 näher eingegangen. Die Ableitung der
Parameter und Formen wird in Kap. 2.2.2 und 2.2.3 näher beleuchtet. Zuletzt wird ein kurzer Blick auf
die Ergebnisse geworfen (Kap. 2.2.4 bis Kap. 2.2.6).

2.2.1 Datengrundlage

Die Datengrundlage bildet das Digitale Geländemodell (DGM) von Österreich - Ausschnitt Steiermark -
des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen mit einer Auflösung von 10 m. Die erste Variante
des DGM ging aus der Österreichischen Luftbildkarte (ÖLK) hervor. Deren Bildflüge waren so nach
einem Blattschnittsystem ausgelegt, dass ein Blatt der ÖLK von zwei photogrammetrischen Modellen
gedeckt war und ein zentrales und zwei Bilder am Rand die Grundlage für die Stereoauswertung
darstellten. Der mittlere Bildmaßstab betrug 1 : 30 000 mit einer Basislänge von 2,5 km. Die Daten
wurden vorwiegend für die Neuaufnahme und Fortführung der Österreichischen Karte (ÖK)
herangezogen. Die Datenaufnahme des DGM erfolgte durch die Erfassung paralleler Profile mit
konstantem Wegintervall, woraus im Gebirge eine Datendichte von 30 m und im Flachland von 160 m
resultierte. Mit dem Ergänzen von Strukturelementen wie Kanten oder Extremwerten wurden
zusätzliche Informationen mit einbezogen. Ein statistisches Kontrollverfahren wurde außerdem zur
Qualitätssicherung eingeführt.

Die neuere Variante des DGM entstand durch die Notwendigkeit einer exakten Grundlage mit der
Möglichkeit zur Verschneidung mit Katasterplänen in Zusammenhang mit der Bergbauernförderung.
Die Bildflüge erfolgten mit einem mittlerem Maßstab von 1 : 15 000, mit einer Längsüberdeckung von
80 %. Bei dem achtjährigen Plan für die Befliegungen wurde auf eine gleichmäßige Verteilung
geachtet, um meteorologische Risiken möglichst zu minimieren. Vor den Flügen wurden Punkte des
Festlandpunktfeldes markiert, wodurch die Koordinaten der Verknüpfungspunkte mit einer
durchschnittlichen Genauigkeit von ± 10 cm in der Lage und ± 15 cm in der Höhe angegeben werden
konnten. Die statistische Qualitätskontrolle wurde direkt in die Auswertegeräte integriert, was eine
sofortige Fehlerbehebung ermöglichte.

Bei der Neuberechnung des flächendeckenden 10 m-DGM‘s traten einige Probleme auf. Dazu
gehörten Scanfehler bis zu 20 m Höhe, die als Streifen in Profilrichtung in Erscheinung treten. Diese
wurden durch eine spezielle Berechnung eliminiert. Der Problematik unterschiedlichen Bildmaterials
konnte durch die geeignete Wahl von Filterbeträgen begegnet werden. Vor allem bei der Erstellung
von Neigungsmodellen brachte die inhomogene Verteilung von Stützpunkten und
Strukturinformationen unerwünschte Ergebnisse. Die Homogenisierung der Datendichte erfolgte durch
das Auffüllen von Bereichen ohne Stützpunkte mittels eines zuvor berechneten gröberen Modells, wie
beispielsweise eines 25 m-DGM. Die hohe Datendichte im Bereich der Kanten konnte durch die
Bestimmung des Umfanges des Teilgebietes relativiert werden.

46
Das Endprodukt stellt ein sogenanntes hybrides DGM dar, nämlich ein Modell, welches neben den
Höheninformationen auch morphologisch relevante Strukturen umfasst. Die Datenverwaltung ist auf
laufende Aktualisierungen ausgelegt (MANDLBURGER UND FRANZEN 2003; BEV Jänner 2011). Wie Tab. 3 zu
entnehmen ist, hängt die Genauigkeit stark von Geländebewuchs und -form ab.

Geländebewuchs und -form alte Profilmessungen neue Rastermessung mit Strukturinformation


offen und flach ±2 m - ±5 m ±1 m - ±3 m
offen und hügelig ±5 m - ±10 m ±3 m - ±5 m
Wald und Hochgebirge ±10 m - ±25 m ±5 m - ±20 m

Tabelle 3: Genauigkeit des österreichischen DGM in Abhängigkeit von Geländebewuchs und -form
(Quelle: BEV Jänner 2011)

Mit knapp 60 % Waldanteil ist die Steiermark das waldreichste Bundesland Österreichs (STATISTIK
AUSTRIA Jänner 2011a), wobei Österreich mit etwa 40 % an Waldflächen zum oberen Drittel der Länder
der europäischen Union zählt (EUROPÄISCHE GEMEINSCHAFTEN 2008 und MCPFE 2007). Der Einfluss der
Vegetation auf die Genauigkeit des Höhenmodells insbesondere in gebirgigen Regionen ist also in der
Steiermark von relativ großer Bedeutung (siehe Tab. 3). Im gewünschten Betrachtungsmaßstab (vgl.
Kap. 2.1.3.3) für die geomorphologische Karte der Steiermark beeinträchtigt diese
Höhenungenauigkeit das Ergebnis der Berechnung jedoch nur wenig.

Die Rasterdatenstruktur des DGM weist eine Reihe von Nachteilen auf, wie beispielsweise den hohen
Speicheraufwand oder die rechteckige Datenanordnung, die oft nicht zur Morphologie des
Untersuchungsgebietes passt. Für geomorphometrische Zwecke ist aber die Definition über die
räumliche Auflösung als „cell size“, die üblicherweise in Metern angegeben wird, und die einfache
Struktur von Vorteil.

Weitere wichtige digitale Grunddaten stellen insbesondere die Geologische Karte 1 : 200 000 und die
ÖK 1 : 200 000 sowie 1 : 50 000 dar, die in erster Linie zur Orientierung sowie Identifizierung und
Verortung dienten. Die Aufnahme der geologischen Karte der Steiermark ist zum Teil stark davon
abhängig, wer das Gebiet bearbeiten hat (vgl. KAUFMANN 2005). Zusätzlich standen Daten aus Polygon-
und Linien-Shapefiles zu geologischen Spezialthemen (Moränen, tektonische Bruchzonen,...) sowie
zu den Themenbereichen Gewässer, Wildbäche, Lawinen, Landschaftsgliederung, Straßennetz,
Grenzen und Waldbedeckung zur Verfügung. Die Qualität und Vollständigkeit dieser Daten ist im
Allgemeinen sehr gut.

Zusätzlich zu den Daten, die mehr oder minder direkt in die Kartenerstellung eingeflossen sind,
wurden auch Informationen aus dem Digitalen Atlas der Steiermark (Luftbilder, Katasterpläne,...),
Kartierungen aus der Literatur sowie Fotodokumentationen in das Endergebnis mit einbezogen.

47
2.2.2 Automatisationsgestützte Reliefklassifikation mittels SAGA
„SAGA ist ein quelltextoffenes Softwaresystem für die Bearbeitung, Analyse und Modellierung raumbezogener
Daten […]“ (CONRAD 2006, S.2). SAGA wurde aus dem System zur Automatischen Reliefanalyse
(SARA), mit dessen Hilfe von Reliefbasisdaten wie digitalen Höhenmodellen im Rasterformat
geomorphometrische Reliefparameter abgeleitet werden konnten, weiterentwickelt. Auch das System
zur Analyse und Diskretisierung von Oberflächen (SADO) mit Schwerpunktsetzung auf statistische
Analysen sowie das Programm DiGeM, das auf Fragestellungen in Bezug auf hydrologische
Reliefparameter ausgelegt war, flossen in das SAGA ein. Verschiedene Methoden werden im SAGA
durch Module repräsentiert, für den Bereich Reliefanalyse stehen eine Vielzahl davon zur Verfügung.
Innerhalb der einzelnen Module bieten sich wiederum unterschiedliche Berechnungsmethoden an.
Zudem können durch das quelltextoffene System ständig weitere Komponenten programmiert und
implementiert werden.

Das Ausgangsprodukt, das für die Reliefklassifikation herangezogen wird, ist das Digitale
Höhenmodell mit einer Auflösung von 10 m (siehe Kap. 2.2.1). Da ein Berechnungslauf über die
gesamte Steiermark aufgrund der begrenzten Leistung der zur Verfügung stehenden Rechner nicht
möglich war, wurde die Steiermark anhand der Landschaftseinheiten von LIEB 1991 bzw. LIEB 1997 in
mehrere Teilbereiche zerlegt (Nordalpen, Zentralalpen Nordwest, Randgebirge West, Randgebirge
Ost, Vorland). Von diesen wurden jeweils die Parameter Hangneigung, Vertikal- und
Horizontalkrümmung (vgl. Abb. 18) sowie die Reliefenergie abgeleitet, die in Folge in die Analyse
einflossen und nun näher erläutert werden.

Abbildung 18: Horizontalkrümmung (planc) und Vertikalkrümmung (profc) (nach FRIEDRICH 1996,
verändert)

Die Ermittlung und Bewertung der für die Analyse verwendeten Reliefparameter erfolgte in der Arbeit
von KIEDL 2005. Wie dort geschildert, beziehen sich Hangneigung, Vertikal- und Horizontalkrümmung
auf die Methode von ZEVENBERGEN UND THORNE 1987. Die Berechnungen und Algorithmen greifen meist
auf topographische Beziehungen bzw. „neighbourhood“-Operationen zurück. Dabei durchläuft ein
Fenster zuvor bestimmter Größe die Rastermatrix vom oberen rechten bis zum unteren linken Ende,
um mathematische Formeln auf die betrachteten Zellen anzuwenden. Die Definition von
„benachbarten Zellen“ erfolgt dabei vorwiegend durch ihre Lage zu einer zentralen Zelle (PIKE ET AL.

2009).

48
Betrachtet man nun beispielsweise neun Punkte eines 3x3 großen gleitenden Fensters, so können
diese durch eine Polynomfunktion mit 9 Koeffizienten beschrieben werden. Der Algorithmus von
ZEVENBERGEN UND THORNE 1987 beruht auf einer partiellen quadratischen Polynomfunktion:

r⋅x²   t⋅y²
z= A⋅x²⋅y²B⋅x²⋅y C⋅x⋅y²  s⋅x⋅y   p⋅xq⋅yD [2.2.2.1]
2 2

Die Koeffizienten werden folgendermaßen definiert:


∂ z  z6−z4  ∂ z  z2 −z8 
Entsprechend der ersten Ableitung: p=  ∂ x  = 2⋅s ; q= ∂ y  =  2⋅ s [2.2.2.2]

bzw. entsprechend der zweiten Ableitung:


∂ 2 z  z4 z6−2⋅z5  ∂ 2 z  −z1z3z7 −z9   ∂2 z z2 z8 −2⋅z5 
r= = ; s= = ; t= = [2.2.2.3]
∂ x²   s²  ∂ x ∂ y   4⋅s²  ∂ y²   s²

Die restlichen Koeffizienten lauten:


z1z3 z7 z9−2⋅ z2z4 z6 z84⋅z5   z1z3−z7 −z9 −2⋅z2 −z8 
A= 4
; B=
 4⋅ s   4⋅ s3 

−z1z3 −z7 z9 2⋅ z4−z6 


C= ; D =z5 [2.2.2.4]
 4⋅ s 3

(ZEVENBERGEN UND THORNE 1987, HENGL UND EVANS 2009, S.59f, THORNE ET AL. 1987)

Die erste Ableitung kann herangezogen werden, um Hangneigungen zu bestimmen. In Abb. 19 wird
ein Beispiel dargestellt, wie der mathematische Algorithmus der Hangneigungsberechnung auf eine
Rastermatrix angewandt wird. Die Methode beruht auf dem grundlegenden Konzept der
Vektorrechnung, wonach die Neigung dem Gradienten entspricht. In einem Skalarfeld, wo jedem
Punkt eine reelle Zahl zugeordnet ist, ist der Gradient ein Vektorfeld, das in die Richtung der
maximalen Änderung der Werte des Skalarfeldes zeigt. Der Gradient wird beschrieben durch:

∇ Z=  ∂z ∂z
;
∂ x ∂y . [2.2.2.5]

Der Hangneigungsgradient kann als maximale Änderungsrate der Höhenwerte verstanden werden
und ist definiert durch den inversen Tangens dieser Änderungsrate:

Hangneigung=arctan∣∇ Z∣ . [2.2.2.6]

Diese Gleichung bezieht sich auf den Winkel zwischen der horizontalen Ebene und der tangentialen
Ebene zur Oberfläche. Die tangentiale Ebene wird durch den Gradientvektor definiert und steht daher
normal zur Oberfläche. Meist wird die Hangneigung in % angegeben, welche sich aus dem Tangens
der Hangneigung ergibt: Hangneigung %=tanHangneigung ⋅100 . [2.2.2.7]

In Abb. 19 wurde direkt die Hangneigung in % ermittelt. Der Hangneigungsgradient kann für jede Zelle
über die partielle Ableitung der angenäherten Funktion berechnet werden. Im vorliegenden Fall wird
[2.2.2.2] nach dem Algorithmus von ZEVENBERGEN UND THORNE 1987 angewandt. Setzt man schließlich in
[2.2.2.6] ein, wird berechnet: Hangneigung=arctan  p² q²  . [2.2.2.8]

Normalerweise können solche Operationen nur für Zellen durchgeführt werden, die von 8
unmittelbaren Nachbarn umgeben sind. In den Randbereichen werden die Randzellen dupliziert, so
dass die Eingabegröße des Bereiches der Ausgabegröße entspricht (siehe Abb. 19).

49
Beispieldatensatz Höheninformation (Δs = Zellgröße in m = 10; Größe des gleitenden Fensters: 3x3)

Ableitung in x-Richtung Ableitung in y-Richtung


∂ z  z6−z4   419−416  ∂ z z2 −z8  417−419
p= = z.B.: =0,15 q= = z.B.: =−0,10
 ∂ x  2⋅s  2⋅10 ∂ x  2⋅ s  2⋅10

Hangneigung in %
Hangneigung %=  p² q² ⋅100 z.B.:  0,15²−0,10² ⋅100=18

Abbildung 19: Beispiel der Hangneigungsberechnung in einer Höhen-Rastermatrix (nach PIKE ET AL.

2009, S.9ff; OLAYA 2009, S.144ff; HENGL UND EVANS 2009, S.59ff, THORNE ET AL. 1987, S.122ff, verändert)

Geht man nun den Schritt zu den zweiten Ableitungen, also zu der Frage, ob eine Kurve konkav oder
konvex ist, gelangt man zur geomorphometrischen Anwendung der Krümmung. Die Berechnung der
Krümmung in horizontaler und vertikaler Richtung ist mit Hilfe dieser Algorithmen wieder für jede
einzelne Zelle möglich. Auf die gesonderte Darstellung wurde verzichtet, da die Vorgehensweise
analog zur Hangneigungsermittlung, wie in Abb. 19 dargestellt, mit Hilfe unten genannter Gleichungen
nachvollzogen werden kann. Die Formeln für die Horizontalkrümmung bzw. Vertikalkrümmung lauten
wie folgt, wobei p,q,r,s und t für die Methode nach ZEVENBERGEN UND THORNE 1987 in [2.2.2.2] und
[2.2.2.3] definiert sind:

−p²⋅r−2⋅p⋅q⋅s−q²⋅t 
profc = [2.2.2.9]
 p² q² 

q²⋅r −2⋅p⋅q⋅sp²⋅t 
planc = − [2.2.2.10]
 p² q² 

50
Im Allgemeinen hat man sich in den Geowissenschaften darauf geeinigt, dass in Bezug auf
Krümmungswerte positive Vorzeichen für konvexe Formen und negative Vorzeichen für konkave
Formen stehen (OLAYA 2009, S.149ff).

Gelangen wir nun zu dem Parameter, der die Reliefenergie repräsentiert. Die meisten
Geländeattribute werden unmittelbar lokal, d.h. von den direkten Umgebungszellen bestimmt. Oft ist
es hingegen sinnvoll, einen größeren Bereich mit einzubeziehen. WILSON UND GALLANT 2000 benutzen
dazu den Parameter "percentile", der durch Zählung der Punkte niedriger als der zentrale Punkt
ermittelt wird und die lokale topographische Position beschreibt. Die leichter umsetzbare Alternative
mit ähnlicher Aussagekraft ist der Parameter „percentage“ oder „pctg“, die relative Höhe eines Punktes
bezogen auf das betrachtete Fenster in Prozent oder anders gesagt die Höhe als eine Prozentangabe
des Höhenunterschiedes. Dieser letzte Parameter, der in die Clusteranalyse einfloss, zeigt kleinere
topographische Änderungen stärker an, als das z.B. bei der Abweichung von der mittleren Höhe der
Fall ist. (W ILSON UND GALLANT 2000, S.75f)

 z i −z min 
Die Formel für die Berechnung lautet: pctg = 100⋅ [2.2.2.11]
 z max −z min 

Zurückgreifend auf das Beispiel in Abb. 19 kann dieser Parameter folgendermaßen dargestellt
werden:

Beispieldatensatz Höheninformation  z i −z min 


pctg = 100⋅
 z max −z min 
 416−415
z.B.: 100⋅ =10
425−415
Beispiel mittels Schlussrechnung:
absolut: zi = 416
zmin = 415
zmax = 425
relativ: zi - zmin = 1≙ x %
zmin - zmin = 0 ≙ 0 %
zmax - zmin = 10 ≙ 100 %
100
10: 100=1 : x  x = 1⋅ = 10
10
Abbildung 20: Beispiel der pctg-Berechnung (eigene Darstellung)

Mittels Formel [2.2.2.11] kann für jeden Punkt der pctg-Wert berechnet werden. Dem kleinsten Wert
des betrachteten Fensters entspricht 0 %, dem größten Wert 100 %. Diese Tatsache kann mittels der
beispielhaften Schlussrechnung nachvollzogen werden (Abb. 20). In der vorliegenden Karte wurde ein
Fenster mit einem Radius von 10 m gewählt.

Der pctg-Parameter wurde im ESRI-Programmpaket ArcMap-ArcInfo ermittelt. Die anderen Parameter


sowie die Berechnung der Clusteranalyse erfolgten im Programmpaket SAGA. Dazu wurde das
Höhenmodell nach dem Import, der mit der Funktion „Import GDAL (various raster formats)“
durchgeführt wurde, mittels Gauss-Filter mit einer Standardabweichung von 1 und einem Suchradius
von 2 geglättet. Die einzelnen Parameter wurden einer Normalisierung unterzogen, um nicht durch
eine stärkere Streuung eines Parameters eine unabsichtliche Gewichtung zu erhalten. Die
Normalisierung kann im Zuge der Clusteranalyse durchgeführt werden, wie es im Fall der A4-

51
Übersichtskarte geschehen ist (vgl. Kap. 2.2.5, Tab. 4). Bei größeren Datenmengen musste die
Normalisierung dagegen separat erfolgen, um einen Programmabsturz zu vermeiden (vgl. Kap. 4.1,
Tab. 11). Im Anschluss wurde die Clusteranalyse unter Auswahl der Methode „Hill-Climbing (Rubin
1967)“ mit der Vorgabe 15 Klassen zu ermitteln durchgeführt. Das Ergebnis ist das Ausgangsprodukt
für weitere Bearbeitungen, die im nächsten Kapitel näher erläutert werden.

2.2.3 Weitere Analysen und Bearbeitungen

Abbildung 21: Ausschnitt aus einer ersten Gliederung des Ergebnisses der Clusteranalyse im Maßstab
1 : 50 000 (oben) und aus der geomorphologischen Karte 1 : 50 000 (unten) (eigene Darstellung)

Wie in Abb. 21 ersichtlich, ist das Ergebnis der Clusteranalyse keinesfalls ident mit dem Endergebnis
der geomorphologischen Karte.

52
Auf die Einzelheiten zu den jeweiligen Formen wird in Kap. 4.3 eingegangen. Im Allgemeinen wurden
für die weiteren Analysen, die hauptsächlich in ESRI ArcMap-ArcInfo durchgeführt wurden, vor allem
statistische Auswertungsmethoden angewandt. Dazu musste vorweg ein „Region Group“ durchgeführt
werden, um jeder Pixelgruppe einen eindeutigen Wert zuzuweisen (siehe Abb. 22).

Input Output

Abbildung 22: Funktionsweise des Region Group (eigene Darstellung)

Statistische Auswertungen erfolgten mit der Funktion „Focal Statistics“. Die Logik entspricht dabei
derselben, wie im Fall der Hangneigung oder des pctg-Wertes in Kap. 2.2.2 (Abb. 19 und 20)
geschildert. Es werden also die benachbarten Zellen rund um eine zentrale Zelle betrachtet, und
anhand von statistischen Berechnungen wird dieser ein neuer Wert zugewiesen. Mittels „Focal
Statistics“ können unterschiedliche statistische Algorithmen wie unter anderem Maximal-, Minimalwert,
Streuung oder der Mittelwert im betrachteten Fenster zuvor definierter Größe angewandt werden.
Betrachtet man beispielsweise die Streuung der Höhenwerte eines Bereiches, so erhält man höhere
Werte für Gebiete mit höherer Reliefenergie, d.h. mit stärker unterschiedlichen Werten (siehe
Abb. 23). Die Berechnung des Mittelwerts hingegen bewirkt eine gewisse „Glättung“ der Werte.
a) b)

Abbildung 23: Beispiel für Focal Statistics, Streuung (Range), Ergebnis bei geringeren (a)) und
größeren (b)) Höhenunterschieden in einem 5x5 Fenster (eigene Darstellung)

Um die aus diesen Berechnungen gewonnenen Ergebnisse auf das Resultat der Clusteranalyse zu
beziehen, wird die Funktion „Zonal Statistics“ herangezogen (siehe Abb. 24).

a) b)

1 1 2 3 3

4 1 2 5 5

4 2 2 5 5

4 6 6 6 7

6 6 7 7 7

Abbildung 24: Beispiel für die Anwendung von Zonal Statistics, Eingangsdaten: Streuung der
Höhendaten mittels Focal Statistic (a)), Region Group der Clusteranalyse (b)), statistische Methode:
Maximum (eigene Darstellung)

53
Dabei werden, wiederum mittels statistischer Parameter, die Werte einer Datei (z.B. das Ergebnis der
„Focal Statistics“ Mittelwertberechnung) den Zonen eines anderen Datensatzes (z.B. den mit „Region
Group“ ermittelten Zonen) zugeordnet. Es gelangen wieder verschiedene statistische Methoden wie
Minimum- oder Maximum-Ermittlung oder Mittelwert-Berechnungen zum Einsatz.

Auf empirische Weise wurden aus diesen statistischen Berechnungen Grenzwerte ermittelt, um
beispielsweise konventionelle Gipfelbereiche ausweisen zu können. Da die Charakteristika
unterschiedlicher Landschaftseinheiten oft stark voneinander abweichen und aufgrund teilweise langer
Rechenzeiten wurden Untergliederungen in Teilgebiete vorgenommen. Die Grenzen der
Naturräumlichen Gliederung (LIEB 1991, LIEB 1997) dienten dazu, landschaftlich möglichst homogene
Gebiete zu extrahieren und durch jeweils angepasste Parameter und Grenzwerte die
Analyseergebnisse zu optimieren. Es wurde versucht, die Auswertungen in Modellen abzubilden, um
die Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten. Zudem muss festgestellt werden, dass sich einige Formen
sehr gut durch wenige einfache Parameter definieren lassen, andere nach ausgeklügelten
operationalen Definitionen verlangen (vgl. auch PIKE ET AL. 2009). Je komplexer diese Definitionen
werden, um so geringer ist der Zeitgewinn durch die automatisationsgestützte Eruierung der
Landformen. Natürlich kann damit weiterhin größtmögliche Objektivität angestrebt werden. Im Sinne
der Erstellung der vorliegenden Karte stand aber vor allem die Zeit- und Kostenersparnis im
Vordergrund. So wurde bei Problemfällen, wenn selbst durch weiterführende Analysen kein
befriedigendes Ergebnis erzielt werden konnte, auf manuelle Korrekturen zurückgegriffen (vgl.
Abb. 25).

Abbildung 25: Die geomorphologische Karte 1 : 200 000 vor und nach der manuellen Korrektur der
Gipfelbereiche, weiß umrandet die manuell erstellten Polygone, restliche Legende siehe
Geomorphologische Karte der Steiermark 1 : 200 000, Kap. 5.1.1 (eigene Darstellung)

54
Im Allgemeinen wurden die Analysen kaum mit der Gesamtheit aller Klassen durchgeführt, sondern
natürlich auf jene Klassen zurückgegriffen, die die herauszufilternde Form am besten beschrieben. So
wurden beispielsweise für die weitere Analyse der Talböden nur jene Klassen verwendet, die in der
primären Clusteranalyse Teile der Klasse „Talboden“ umfassten (siehe auch Kap. 4.1). In einem
letzten Schritt wurden gewisse Datenlayer aus bereits vorhandenen Datensätzen in die Karte
eingebunden. Dazu zählten insbesondere das Straßennetz sowie die Moore. Das Flussnetz ist nur ein
eingeblendeter Layer, auf eine fixe Einbindung in den Rasterdatensatz wurde verzichtet, da die
Genauigkeit nicht überall zufriedenstellend ist.

Insbesondere in der Ausführung 1 : 200 000 der geomorphologischen Karte der Steiermark wurden
einige manuelle Änderungen durchgeführt. Dazu wurden vorwiegend Polygon-, zum Teil auch Linien-
Shape-Files erstellt, die entweder die unerwünschten oder erwünschten Bereiche abdeckten. Die
jeweils betroffenen Klassen wurden extrahiert und durch den Befehl „Extract by Mask“ mit dem
Polygon-File verschnitten. Die unerwünschten Bereiche wurden im einfachsten Fall durch
Reklassifizierung einer anderen Klasse zugeordnet. Oft mussten diese Bereiche jedoch wiederum in
verschiedene Klassen aufgeteilt werden und konnten erst nach weiteren Bearbeitungsschritten wieder
zu einem Ergebnis mit dem Befehl „merge“ zusammengeführt werden. Diese Vorgehensweise wird am
deutlichsten in der Bereinigung der Gipfelbereiche zu einem möglichst klaren Gratnetz in der Karte im
Maßstab 1 : 200 000 (siehe Abb. 25).

2.2.4 Die Geomorphologische Karte der Steiermark 1 : 200 000

Die Grundlagen der generalisierten Geomorphologischen Karte 1 : 200 000 waren zum einen die
Geomorphologische Karte 1 : 50 000, zum anderen die von KIEDL November 2005 erstellte
Geomorphologische Grobgliederung. Die Geomorphologischen Karte 1 : 200 000 unterscheidet sich in
erster Linie durch die gröbere Auflösung von 40 m (siehe Abb. 26) sowie durch weniger Klassen,
nämlich nur 26 statt 38, von der detaillierten Reliefklassifikation.

Die Erstellung erfolgte nicht wie bei der Geomorphologischen Karte 1 : 50 000 mittels Clusteranalyse
sondern durch eine Generalisierung der Karte 1 : 50 000, die schließlich zu einer Auflösung von 40 m
führte, aber prinzipiell noch alle Klassen umfasste. Eine weitere Vereinfachung stellte die Eliminierung
einiger Klassen und deren Zuordnung zu den Umgebungsklassen dar. Die Hangbereiche wurden einer
neuen Untergliederung unterzogen, wobei der Grenzwert von 30° Neigung aufgrund der Bedeutung
für Lawinenabgänge gewählt wurde, wonach Abbrüche bei 30° bis 45° Neigung am häufigsten
auftreten (POSCH 2004).

Die Grobgliederung wurde in erster Linie dazu herangezogen, gewisse Bereiche wie Gipfelbereiche
oder Talböden einzuschränken. Doch im Allgemeinen ist die Auflösung der Grobgliederung ebenfalls
zu hoch, als dass sie direkt in die generalisierte Karte einfließen könnte, wie an den erosiven
Einschnitten in Abb. 26 ersichtlich ist. Zudem wurden, wie bereits in Kap. 2.2.3 erwähnt, einige
manuelle Korrekturen, insbesondere die Gipfelbereiche betreffend, ausgeführt (vgl. Abb. 25).

55
Abbildung 26: Grobgliederung von KIEDL 2005, Geomorphologische Karte 1 : 50 000 und generalisierte
Geomorphologische Karte 1 : 200 000 (eigene Darstellung)

Das endgültige Erscheinungsbild der Karte mit den topographischen Bezeichnungen orientiert sich an
den Konventionen des SCHULATLAS STEIERMARK 2009 bzw. auch des UMWELTALTLAS STEIERMARK 2006 und
hier wiederum im Besonderen an der geologischen Karte in der Bearbeitung von KROBATH.

2.2.5 Die Geomorphologische Übersichtskarte der Steiermark im Format A4

Die Übersichtskarte wurde auf Basis des Höhenmodells mit einer generalisierten Auflösung von 150 m
erstellt. Es handelt sich also nicht um eine Generalisierung der Karte im Maßstab 1 : 200 000, sondern
um eine auf Grundlage einer automatisierten Berechnung, wie im Kap. 2.2.2 und 2.2.3 für die
geomorphologische Karte im Maßstab 1 : 50 000 dargestellt, erzeugte Karte.

56
Die 10 anhand der Clusteranalyse ermittelten Klassen mit den jeweiligen Charakteristika sowie einer
kurzen Beschreibung finden sich in Tab. 4. Die Spalte „Elements“ enthält die Anzahl der Zellen in der
jeweiligen Klasse. Darauf folgen die einzelnen Reliefparameter, die in die Clusteranalyse einflossen:
pctg steht für die Reliefenergie wie in Kap. 2.2.2 geschildert, slope bezeichnet die Hangneigung, planc
die Krümmung in Horizontalrichtung und profc die Krümmung in Vertikalrichtung. Es ist also
ersichtlich, dass Talböden durch die geringste Reliefenergie, ausgesprochen geringe Hangneigung,
sehr geringe Konkavität in horizontaler Richtung und geringe Konkavität in vertikaler Richtung
gekennzeichnet sind. Im Gegensatz dazu sind etwa Gipfelbereiche durch sehr hohe Reliefenergie,
hohe Hangneigung und hohe Konvexität in Horizontal- und Vertikalrichtung charakterisiert.

ID Elements pctg slope planc profc Beschreibung


0 68345 36.20 0.272 -0.00147 -0.00046 erosive Einschnitte
1 142558 24.88 0.323 -0.00005 -0.00062 Hangfusszone
2 122019 63.41 0.365 -0.00028 0.00016 obere Hangbereiche
3 57341 72.41 0.363 0.00159 0.00079 steilere Gipfelregionen
4 184591 44.18 0.113 -0.00002 -0.00002 Verebnung
5 75598 43.87 0.572 0.00022 0.00001 gering gekrümmte, stark geneigte Hangbereiche
6 144245 75.29 0.134 0.00030 0.00044 flachere Gipfelregionen
7 114154 46.32 0.300 0.00070 0.00021 mäßig gekrümmte/geneigte, untere Hangbereiche
8 2985 41.80 1.270 0.00260 0.04712 Rand (Artefakt)
9 196309 13.93 0.077 -0.00012 -0.00039 Talboden
Tabelle 4: Statistik zur Clusteranalyse für die A4 Übersichtskarte (Elements = Anzahl der Zellen,
pctg = Reliefenergieparameter, slope = Hangneigung, planc = plan curvature = Horizontalkrümmung,
profc = profile curvature = Vertikalkrümmung) (eigene Darstellung)

Die Klasse der Hänge wurde nach Untergrund in „Karbonatisch“, „Nichtkarbonatisch“, „Lockergestein“
und „Vulkanite“ unterteilt. Auch die Klasse der flacheren Gipfelbereiche, Hochebenen sowie Ebenen
wurde nach diesem Schema aufgeteilt, erhielt aber eine dunklere Färbung. Auf die Unterteilung nach
Hangneigung musste verzichtet werden, da diese nicht mehr klar darstellbar gewesen wäre.

Die flächigen Gewässerbereiche wurden der Karte 1 : 50 000 entnommen, auf eine Auflösung von
150 m reduziert, generalisiert und eingefügt. Die Endversion der Übersichtskarte (Abb. 63) enthält 12
Klassen. Zusätzlich wurden lineare Fließgewässer als eigener Layer eingeblendet. Eine stark
generalisierte Darstellung der Ausdehnung der hochglazialen Vergletscherung erfolgt ebenfalls mittels
eigenem, stark transparentem Layer und soll diese wichtige Zusatzinformation bieten, ohne die
Lesbarkeit maßgeblich zu beeinträchtigen.

2.2.6 Anmerkungen zur Methodik im Bearbeitungsgebiet Teneriffa

Grundsätzlich gibt es keine Unterschiede in der Bearbeitung der beiden Arbeitsgebiete, da bewiesen
werden soll, dass das Relief zweier völlig unterschiedlicher Gebiete mit Hilfe des gleichen Verfahrens
analysiert werden kann. Die Datengrundlage bildete wie auch für die Steiermark ein Digitales
Höhenmodell mit einer Auflösung von 10 m, das dankenswerterweise von dem Departamento de
Geografía der Universität von La Laguna zur Verfügung gestellt wurde. Höhenschichtlinien mit einer

57
Äquidistanz von 5 m hätten die Erstellung eines Höhenmodells mit einer besseren Auflösung erlaubt,
aber im Sinne der Vergleichbarkeit wurde das Höhenmodell mit 10 m-Auflösung verwendet. Da das
Gebiet Teneriffas weit kleiner ist als das der Steiermark, war eine Zerteilung in Einzeleinheiten für die
Clusteranalyse nicht nötig. Die Normalisierung der Eingangsdaten musste nichtsdestotrotz ebenso wie
für die Steiermark in einem gesonderten Schritt vor der Analyse ausgeführt werden. In die
Clusteranalyse flossen wie in der geomorphographischen Gliederung der Steiermark die Parameter
Hangneigung, Horizontal- und Vertikalkrümmung sowie die Reliefenergie ein (siehe Kap. 2.2.2). Nach
anfänglichen Schwierigkeiten im Datenmanagement wurden zwei Clusteranalysen mit je 10 bzw. 15
Klassen erstellt, die beide in weiterer Folge herangezogen wurden.

Die weiteren Analysen wurden methodisch gleich wie für die Steiermark durchgeführt. Natürlich
erfolgte eine Anpassung an die vorherrschende Formenwelt, da allein schon das Vorhandensein
anderer Formen Adaptationen der weiteren Auswertungen erforderte. Aufgrund des überwiegenden
Anteils des Untergrundes auf vulkanischem Gestein, meist Basalten und Tuffen (siehe Kap. 3.2.1),
war eine Gliederung nach unterschiedlichem Gestein, wie sie für die Steiermark vorgenommen wurde,
nicht sinnvoll. Da hier insbesondere das Alter für die Ausprägung der Landschaftsformen eine
entscheidende Rolle spielt, wurde eine Untergliederung nach annähernd gleichaltrigen
Landschaftseinheiten gewählt. Ein Großteil der weiterführenden Analysen wurde innerhalb dieser
Einheiten durchgeführt, da auf diesem Weg Parameter und Grenzwerte günstig gewählt und so
insgesamt bessere Ergebnisse erzielt werden konnten (vgl. Kap. 2.2.3). Als illustrierendes Beispiel
sollen hier die Gipfel-, Kämme und Grate genannt werden, die in den unterschiedlichen Bereichen
stark differierende Ausprägungen besitzen (Abb. 27).

Abbildung 27: Kämme und Grate im Bereich des Cañadas-Gebäudes im Vergleich zu jenen im
Bereich der alten Massive Teneriffas (Geomorphologische Karte Teneriffas 1 : 50 000)

58
3 Landschaftsformende Faktoren
Im folgenden Kapitel wird einleitend ein kurzer Abriss der Landschaftsentwicklung der Steiermark bzw.
Teneriffas gemacht, sowie unter Berücksichtigung der Bedeutung für das jeweilige Gebiet auf die
aktuelle geologische Situation zum einen und auf die für das momentane Landschaftsbild besonders
bedeutenden exogenen Prozesse zum anderen eingegangen.

3.1 Landschaftsformende Faktoren in der Steiermark


Die Landschaft der Steiermark ist von vielfältigen Faktoren geprägt worden (siehe auch Kap. 2.1.1).
Ein Blick auf die geologische und klimatische Entwicklungsgeschichte, die aktuellen klimatischen
Gegebenheiten, auf die Vegetation und den Einfluss des Menschen soll das Verständnis der
geomorphologischen Karte erleichtern und mit dem nötigen Hintergrund ausstatten. Es können hier
nicht sämtliche Einflussfaktoren dargestellt werden, der Fokus wird auf jene gerichtet, die für die
Landschaft der Steiermark von wichtiger Bedeutung sind.

3.1.1 Geologisch-tektonische Entwicklungsgeschichte der Steiermark


Da die Steiermark großteils von den Alpen eingenommen wird bzw. überall stark von deren Einfluss
geprägt ist, muss ein Blick auf die Entstehungsgeschichte des Alpenraumes geworfen werden.
Tabelle 5 soll einen skizzenhaften aber keineswegs vollständigen Überblick über die Entwicklung des
Alpenraumes und somit auch des Gebietes der Steiermark bieten und in erster Linie der raschen
Orientierung dienen.
1000-550 Mio. a Proterozoikum Superkontinent Rodinia
550-495 Mio. a Kambrium Großkontinent Gondwana
Paläozoikum

495 Mio. a Kambrium/Ordovizium Absplitterung von Krustenteilen, Wanderung nach N Richtung


Äquator
495-440 Mio. a Ordovizium Metamorphe Basalte und Inselbogenvulkanite
440-359 Mio. a Silur und Devon Äquatoriale Lage des Alpenraumes
359-299 Mio. a Karbon Variszische Orogenese
299-199 Mio. a Perm und Trias Ausweitung des Tethys-Ozeans
ab 175 Mio. a Mitteljura Zerfall Pangäas
Mesozoikum

160-145 Mio. a Oberjura Einengung des Tethys-Ozeans


145-100 Mio. a Unterkreide Endgültiger Zerfall Pangäas, Entstehung des Mittelmeeres,
Subduktion des Tethys-Ozeanbodens, Penninischer Ozeanboden
100-55 Mio. a Oberkreide und Subduktion penninischer Ozeanboden, Gosauentwicklung,
Paläozän Ablagerung von Flyschsedimenten
55-35 Mio. a Eozän Höhepunkt der alpidischen Orogenese
35-23 Mio. a Oligozän Hebung der Alpen, abwechselnd mit Ruhephasen, flächenhafte
Abtragung
Känozoikum

23-5 Mio. a Miozän Einsetzen der Seitwärtsverschiebung


5-1,81 Mio. a Pliozän Abkühlung, lineare Abtragung dominiert
1,81-0,01 Mio. a Pleistozän Glaziale und periglaziale Morphodynamik
seit 0,01 Mio. a Holozän Geringe Morphodynamik
Tabelle 5: Übersicht über die wichtigsten Ereignisse für die Steiermark in der erdgeschichtlichen
Entwicklung (eigene Darstellung, Quellen: ÖH-SKRIPTUM 1988, KRENMAYER 2002, PILLER ET AL. 2004)

Die Geschichte des Alpenraumes vor der alpidischen Gebirgsbildung ist umso schwieriger
nachzuvollziehen, je länger sie zurückliegt. Gesteine aus dem Proterozoikum sind in Österreich in der
Böhmischen Masse sowie dem Alpenkörper anzutreffen, wobei angenommen wird, dass zu dieser Zeit

59
der Superkontinent Rodinia bestand, von dem sich einzelne Landmassen abspalteten. Das Gebiet des
Alpenraumes dürfte sich im Bereich eines nordwestafrikanischen Plattensegmentes befunden haben.
Im Kambrium waren Afrika, Südamerika, Indien, Australien und die Antarktis zum Großkontinent
Gondwana zusammengefasst, was mit der cadomischen Gebirgsbildung einher ging, deren Spuren
ebenfalls in der Böhmischen Masse anzutreffen sind. Der Alpenraum war höchstwahrscheinlich Teil
Gondwanas und lag in äquatorialen Breiten. In weiterer Folge lösten sich an der Wende zum
Ordovizium kleinere Krustenbereiche, die teilweise dem heutigen Alpenraum zugeordnet werden
können, von Gondwana und drifteten in nördliche Richtung. Metamorphe Basalte von Ozeanböden
und Inselbogenvulkanite, die auf ein Subduktionsgeschehen hindeuten und die in den Alpenkörper
eingegliedert sind, sind Reste aus dieser Phase. Bis ins Karbon bewegte sich der Raum in Richtung
Äquator und lag meist in tropischen Breiten, was Korallen belegen. Im Karbon gliederten sich im Zuge
der variszischen Gebirgsbildung, die mit großflächigen Deckenüberschiebungen und metamorphen
Überprägungen verbunden war, die Krustenteile an Pangäa, einen erneuten Großkontinent, an.
Granite wie die Grobgneise des Semmering- und Wechselgebietes sind Zeugen aus dieser Zeit.

Gegen Ende des Karbon begann sich der Bereich des Tethys-Ozeans aufzuweiten, was Ganggesteine
in Sau- und Koralpe belegen. Dieses Aufweiten war mit einem mittelozeanischen Rücken verbunden
und dauerte bis in die Trias an. Die variszischen Gebirge wurden abgetragen und deren Material in
dem Ozeanbecken abgelagert, wobei es klimatisch bedingt auch zur Ausfällung von Salz und Gips
kam. Die Lage dieses seichten Meeres in tropischen Breiten bedingte die Bildung von großen
Korallenriffen, die durch gleichzeitige Absenkung des Untergrundes über 2.000 m mächtige
Kalkschichten aufbauten (vgl. Abb. 28 a)).

Abbildung 28: Entwicklung der Alpen: a) Mittel- bis Obertrias, b) Oberjura bis Unterkreide,
c) Oberkreide bis Eozän, d) Oligozän (nach KRENMAYER 2002, verändert)

60
Ab dem mittleren Jura setzte der Zerfall des Kontinents Pangäa und die Entstehung des
Meeresbecken des Atlantik ein. In dieser Phase wurden einzelne Schichten des Ostalpin bereits einer
starken Metamorphose unterzogen sowie Deckenpakete verformt und überschoben, so dass teils
ältere Schichten über jüngeren zu liegen kamen. Die Lithosphäre teilte sich horizontal, der untere
Bereich wurde subduziert, höhere Bereiche wurden über große Entfernungen verlagert. Auch die Teile
der variszischen Gebirgsbildung wurden stark überprägt (vgl. Abb. 28 b)).

In der Oberkreide ragten bereits Berge aus dem Meer empor und es begann die Entwicklung der
Gosauschichten, die ihren Abschluss gegen Ende der Kreidezeit fand, als das gesamte Gebiet wieder
überflutet war und flyschartige Sedimente abgelagert wurden. Der penninische Ozeanboden wurde
teils unter die Ostalpinen Decken subduziert, was mit der Bildung eines Tiefseegrabens am
Kontinentalrand, der als Ablagerungsraum für Flyschsedimente diente, einher ging. Schichten des
Ostalpin wurden ebenfalls deformiert und verschoben und bilden heute beispielsweise im
Semmeringgebiet das Unterostalpin (vgl. Abb. 28 c)).

Schließlich wurden alle Bauelemente der Alpen von der Umformung erfasst. Sedimentdecken wurden
gestaucht, gekippt, überfahren und kamen oft erst weit entfernt von ihrem ursprünglichen
Ablagerungsorten zur Ruhe. Die ursprünglichen kristallinen Sockel und deren Sedimenthüllen wurden
gefaltet, gerieten in große Tiefen und wurden in der Tauernkristallisation zu metamorphen Gesteinen.
Durch die Verdickung und das Hinabdrücken der leichteren kontinentalen Kruste in den schwereren
oberen Erdmantel setzten im Eozän Ausgleichsbewegungen ein, die die Aufwölbung der Alpen
bewirkten. Westlich der Inntalfurche bestand bereits gebirgiges Relief, östlich davon befand sich ein
von Flüssen durchzogenes Schwemmland, dessen Zeugen kristalline Augensteine auf karbonatischen
Plateaus wie dem Schneeberg-Rax-Gebiet sind. Im Oligozän waren die Alpen aus dem Meer
herausgehoben, das nördliche Vorland sank jedoch ab und bildete einen großen Sedimentationsraum,
die Molassezone. Dieses Gebiet wurde zum Teil wiederum in die nordwärts gerichtete Überschiebung
und Verformung miteinbezogen. Hinzu kamen wiederholte Änderungen des Meeresspiegels, die
unterschiedliche Ablagerungsverhältnisse zur Folge hatten. Die Hebung der Alpen erfolgte nicht
kontinuierlich, sondern ruckartig in Abwechslung mit Ruhephasen, was aufgrund der Lage in
subäquatorialen Bereichen zu flächenhafter Abtragung führte. Im Miozän setzte eine in den
pannonischen Raum gerichtete Seitwärtsverschiebung entlang von Störungszonen, wie dem
periadriatischen Lineament, der Salzach-Enns-Störung oder der Mur-Mürztal-Störung ein (vgl.
Abb. 28 d))

Gleichzeitig entstanden die an Störungszonen gebundenen inneralpinen Becken als sogenannte „pull-
apart-Becken“. Das steirische Becken, das den Übergang zwischen den Alpen und dem gewaltigen
pannonischen Tiefland bildet, ist ein Dehnungsbecken mit zahlreichen Gräben und Horsten, die das
Becken in unterschiedliche Teilbecken gliedern. Im Zuge dieser Dehnungsvorgänge kam es zu einem
erhöhten Wärmefluss im Erdinnern, wodurch die Thermalwässer und Vulkanite erklärbar sind, die sich
an Störungszonen befinden. (HOHENEGGER ET AL. 2009) Im Pliozän änderte sich das Klima dahingehend,
dass die Dominanz der flächenhaften Abtragung in Richtung linienhafter Erosion verschoben wurde.
(ÖH-SKRIPTUM 1988, KRENMAYER 2002, BAUMHAUER 2006, SKRIPTUM GEOLOGIE VON ÖSTERREICH 2008)

61
3.1.2 Klimatologische Entwicklungsgeschichte der Steiermark

Wenn nicht anders gekennzeichnet, stützen sich die folgenden Ausführungen auf GEIGER 2001,
SKRIPTUM „DIE EISZEITEN“ 1998, VAN HUSEN 2000 sowie LIEB 1985.

Das Klima der Erde wurde größtenteils von akryogenen Phasen, also Zeitabschnitten ohne
nennenswerte Vereisungen, dominiert. Diese Phasen wurden von kryogenen Zeiten, den Eiszeiten,
unterbrochen. Die Spuren der vorpaläozoischen und paläozoischen Vereisungen sind auf dem Gebiet
der heutigen Steiermark nicht sichtbar. Das Mesozoikum von vor 225 bis vor 65 Mio. Jahren stellte ein
eisfreies Zeitalter dar und auch der Beginn des Känozoikum war noch weitgehend akryogen und
wärmer als heute. Vor allem im Bereich der Koralpe sind Vorzeitformen auszumachen, die unter
diesen feucht-warmen Klimabedingungen entstanden sind. Markante Beispiele sind die Öfen, das sind
Felsblöcke, die unter flächenhafter Tiefenverwitterung entstanden und nunmehr an die Oberfläche
gelangt sind. Die Temperaturen sanken immer weiter ab, so dass es im Pleistozän vor rund 1,6 Mio.
Jahren schließlich zur letzten Eiszeit kam. Dabei folgten mehrere Phasen der relativen Abkühlung und
Erwärmung aufeinander. Die vier letzten und morphologisch bedeutendsten Kaltzeiten tragen im
Alpenraum die Bezeichnung Günz, Mindel, Riss und Würm.

Während der pleistozänen Kaltzeiten waren die Alpen weitgehend von Eis bedeckt, die Randgebiete
wurden durch periglaziale Prozesse geprägt. Obwohl die Vereisung im Allgemeinen im Mindel- und
Riss-Glazial größer als im Würm gewesen ist, hinterließ diese jüngste Abkühlung die deutlichsten
Spuren in der Landschaft, weshalb im folgenden auf die Vereisungssituation zu dieser Zeit etwas
näher eingegangen werden soll. Das Würm wird in die Zeit von vor rund 70 000 Jahren bis vor 10 000
Jahren eingegliedert. Glaziale können wieder in relativ wärmere und kühlere Phasen, Interstadiale und
Stadiale, untergliedert werden, wie es sie auch im Würm zahlreich gegeben hat, wobei die maximale
Vergletscherung im Hochglazial C vor rund 20 000 Jahren aufgetreten sein dürfte. Obwohl es
schwierig ist, einzelne Elemente des Vorzeitklimas zu rekonstruieren, da ein feuchteres Klima sowohl
durch höhere Niederschlagsmengen als auch durch niedrigere Temperaturen gesteuert sein kann,
wird angenommen, dass eine Erhöhung des Niederschlags zum Anstieg der Eismassen geführt hat,
da die Temperaturen bereits vor dem Hochglazial C ähnlich tief waren.

Für die konkrete Vereisungssituation zur Zeit des Würm-Hochglazials zeigt sich folgendes Bild (vgl.
Abb. 29): Durch die geringeren Gipfelhöhen sowie die Abgeschirmtheit und damit geringeren
Niederschläge im Osten der Steiermark nahm die Vereisung von West nach Ost ab. Die bedeutendste
Vereisung in der Steiermark bildeten der Enns- und der Murgletscher, die hauptsächlich aus den
Niederen Tauern heraus ernährt wurden. Der Ennsgletscher hing mit dem Salzachgletscher
zusammen und überfloss an zahlreichen Stellen das Gebirge nach Norden hin, wodurch sich eine
Verbindung zum Traungletscher ergab. Im Gebiet von Liezen teilten sich drei Äste auf, wovon einer
nach Norden über den Pyhrnpass, einer in das Paltental und einer dem Ennstal folgend bis Admont
strömte, wo sich die Eismassen neuerlich aufteilten. Ein Teil überwand den Buchauer Sattel und der
Rest drang schließlich in das Gesäuse ein und endete in der Nähe von Hieflau. Die durchschnittliche
hochglaziale Schneegrenze lag bei etwa 1.400 bis 1.500 m. Der Murgletscher, dessen Schneegrenze
sich auf einer Höhe von rund 1.500 bis 1.600 m befand, bildete analog zum Ennsgletscher durch die
Ernährung aus Nordwest zahlreiche Überfließungen nach Süden hin aus, woraus Verbindungen zum

62
Metnitz- und Draugletscher resultierten. Die Passlandschaft des Neumarkter Sattels ist das
eindrucksvolle Ergebnis dieser glazialen Prägung. Am östlichen Ende floss ein kleiner Teil des Eises
über den Pölshals in das Pölstal während der würmzeitliche Gletscher des Murtales bei Grünhübl vor
Judenburg endete. Das Murtal wurde durch die Vergletscherung deutlich übertieft (60 m bei Unzmarkt,
Bohrungen östlich von St. Georgen ob Judenburg erreichten bei 88 m bzw. 174 m noch nicht das
anstehende Festgestein). Übertiefungen in Form eines risszeitlichen Zungenbeckens finden sich
ferner östlich von Judenburg (UNTERSWEG 1992).

Abbildung 29: Die Vergletscherung der Steiermark im Würm (Quelle: GEIGER 2001)

Innerhalb des Eisstromnetzes, das die gesamten Alpen durchzog, lagen abgesehen von den oben
erwähnten folgende Landschaftseinheiten: das Tote Gebirge und die Dachsteingruppe sowie Ausseer
und Mitterndorfer Becken, die Schladminger sowie ein Großteil der Wölzer Tauern, die Gurktaler Alpen
und die Murberge.

Die Kalkplateaus des Toten Gebirges und der Dachsteingruppe sowie die dazwischen liegenden
Becken waren vollständig von Eismassen bedeckt, abgesehen von einigen Nunatakkern, die darüber
aufragten. Auf den Plateaus wirkte das Eis durch geringe Bewegung eher formkonservierend. Bereits
zuvor durch tektonische Anlagen und Karstprozesse geschaffene Formen wurden weiter heraus
gearbeitet. Auch dort, wo eindeutige Spuren glazialen Formenschatzes zu finden sind, sind sie häufig
durch Verkarstungserscheinungen verwischt worden. Das Gletschereis kann in den Bereichen, wo
Vegetations- und Schuttdecken abgetragen wurden, karstfördernd wirken, im Gegensatz dazu kann
die Ablagerung von Moränenmaterial einen karsthemmenden Effekt haben. So kann determiniert
werden, ob sich nach dem Abschmelzen bedeckter oder nackter Karst entwickelt (vgl. auch BAUER
2009, z.B. S.22) Gletscher, die sich auf verkarstungsfähigem Gestein befinden, zeichnen sich zudem
häufig durch unterirdische Entwässerung aus (vgl. MOSER 1997, S.82ff).

63
Das Becken von Bad Aussee wurde in erster Linie vom Traungletscher geprägt, der in östlicher bis
nordöstlicher Richtung floss. Eine Bohrung, die einen aufgrund einer Schwereanomalie
angenommenen Salzkörper aufklären sollte, ergab das überraschende Ergebnis eines mindestens
900 m glazial übertieften Beckens, das mit Seesedimenten verfüllt worden war. Diese enorme und für
so einen engen kurzen Trog ungewöhnliche Tiefe dürfte dadurch entstanden sein, dass ein
ursprünglich vorhandener Salzkörper durch Gletscherschmelzwässer gelöst worden war. Darüber liegt
eine mächtige Grundmoränendecke mit einigen deutlichen Drumlins und zahlreichen Moränenwällen
(VAN HUSEN UND MAYR 2007).

Im Hochglazial strömte ein Arm des Ennsgletschers über den Pass Stein in das Mitterndorfer
Becken, das gleichfalls vom Eis von Lokalgletschern gefüllt war. Es wird angenommen, dass sich ab
dem Bereich von Krungl das Eis einerseits nach NW Richtung Ausseer Becken, andererseits nach SE
in das Ennstal bewegte. Das Becken von Bad Mitterndorf zeichnet sich heute durch eine besondere
Entwässerungssituation mit drei Abflussbereichen aus, die zum einen auf geologische Ursachen, zum
anderen auf die glaziale Umgestaltung zurückzuführen ist. So weisen Trockentäler darauf hin, dass
die Gerinne nicht immer den heutigen Läufen folgten (vgl. auch EBERS 1942). Den Gerinnen wurde
durch die Eismassen selbst, durch Toteiskörper sowie durch Aufschüttung von Moränenwällen und
Eisrandterrassen der Lauf vorgegeben.

Die Schladminger Tauern sowie ein Großteil der Wölzer Tauern waren ebenfalls bis auf einige
Nunatakker von Eis bedeckt. Durch den kristallinen Untergrund, der ein dendritisches
Entwässerungsnetz induzierte, waren die Bedingungen für die Eismassenbewegung andere. Die
ursprünglich vorhandenen Quellmulden wurden häufig zu geräumigen Karen, durch die höhere
Fließgeschwindigkeit die Kerb- zu Trogtälern umgeformt. Eine ähnliche Situation stellte sich in den
Gurktaler Alpen ein, doch durch die geringeren Höhen bildeten sich weniger und kleinere Karräume
aus. Die Murberge waren bis auf Stolzalpe und Pleschaitz praktisch vollständig von den Eismassen
des Murgletschers bedeckt. Durch die anschließenden periglazialen Materialablagerungen sowie die
darauf folgende fluviatile Überprägung sind eher wenige glaziale Formzeugen anzutreffen.

Weitere Bereiche der Steiermark waren von lokalen Talgletschern und Eiskappen bedeckt. Hatte der
Murgletscher Schneegrenzhöhen von bis zu 1.600 m, lagen sie in den Seetaler Alpen aufgrund
geringer Niederschläge durch die relativ abgeschirmte Lage bei rund 1.750 m. Vom zentralen
Vereisungsbereich rund um den Zirbitzkogel gingen nur wenige Talgletscher ab. Durch die Lee-
Situation bildeten sich die Gletscher vorwiegend an der Ostabdachung aus. Richtung Westen sind die
Eismassen im Greitherbachtal zu erwähnen, die mit dem Murgletscher kommunizierten.

Im östlichsten Teil der Niederen Tauern, den Seckauer Tauern, lag die Schneegrenze im Würm bei
etwa 1.600 m. Eine recht großflächige zentrale Vereisung, von der einige Talgletscher bedeutender
Länge ausgingen, die beispielsweise den Ingering- und Gaalgraben oder das Triebental erfüllten,
prägten das Gebiet. Erwähnenswert ist im Bereich der Seckauer Tauern die Passlandschaft von
Hohentauern, die zwischen dem Eisstromnetz und der Lokalvergletscherung der Seckauer Tauern lag,
und die neben einer komplexen Vergletscherungsgeschichte eine nicht minder komplexe Geologie am
Kontakt des zentralalpinen Kristallin mit der Grauwackenzone aufweist (LIEB UND SULZER 1992).

64
Die Eisenerzer Alpen waren insbesondere durch geringere Niederschläge nicht so stark
vergletschert, wie man annehmen könnte. Die Schneegrenzlage war je nach Bereich, beispielsweise
mit 1.550 m im westlichen Teil des Hauptkamms bis 1.400 m am Kaiserschild, recht unterschiedlich.
Bedeutendere Vergletscherung ging entlang des Hauptkamms von einigen Karen aus, weiter östlich
erreichte der Gletscher vom Grübl ausgehend sogar das Vordernberger Tal. Daneben war auch der
Bereich Kaiserschild sowie Reiting von lokaler Vergletscherung geprägt.

Die Kalkketten der Haller Mauern und Ennstaler Alpen boten mit ihren steilen Hängen zwar nicht
optimale Bedingungen für die Ansammlung der Eismassen, dennoch wiesen sie weitläufige
Vereisungen auf. Aufgrund der unterschiedlichen Gegebenheiten ergaben sich recht unterschiedliche
Schneegrenzhöhen mit 1.300 m im östlichen Anteil der nördlichen Gesäuseberge und bis zu 1.500 m
im südlichen Bereich. Einzelne Talgletscher, wie beispielsweise die von der Südseite des Buchstein
ausgehenden Eismassen, standen in Verbindung mit dem Ennsgletscher.

In den Ybbstaler Alpen bildeten sich aufgrund von höheren Niederschlägen in Staulage trotz der
relativ geringen Höhen kräftige Lokalgletscher aus. Im Bereich Kräuterin mit einer Schneegrenze von
rund 1.300 m gingen von einer kleinen Plateauvergletscherung nur sehr kleine Gletscherzungen aus.
Am Nordabhang der Zeller Hüte konnte sich hingegen ein Talgletscher bilden. Das
Hochschwabgebiet war ähnlich der Dachsteingruppe von einem Plateaugletscher überdeckt, von
dem zahlreiche Talgletscher ausgingen. Die Schneegrenze lag aufgrund von etwas geringeren
Niederschlägen bei etwa 1.400 m. Die einzelnen Plateaus der Mürzsteger Alpen, wie Schneealpe
und Rax, waren wie das Hochschwabgebiet von Plateaugletschern bedeckt. Die Talgletscher, die von
davon abgingen, waren hingegen noch kürzer und erreichten die Haupttäler nicht. Die Schneegrenze
lag wie in den Ybbstaler Alpen bei rund 1.300 m.

Im Steirischen Randgebirge konnten sich noch im Bereich der höchsten Erhebungen einige
Lokalvergletscherungen ausbilden. Die Schneegrenze lag dabei im Bereich der Koralpe bei rund
1.600 bis 1.700 m und sank Richtung Wechsel bis auf 1.400 m. Die größten Vergletscherungen waren
auf der Koralpe anzutreffen, im Bereich Stubalpe bildeten sich noch zwei Lokalgletscher aus, die
Gleinalpe hatte nur mehr sehr geringe Vereisungen aufzuweisen. In den Fischbacher Alpen konnten
sich kleinere Gletscher an der Nordabdachung im Bereich Stuhleck ausbilden. Am Wechsel gab es auf
steirischem Gebiet keine nennenswerten Eismassen, im Nordosten, bereits auf
niederösterreichischem Boden, befand sich jedoch der östlichste würmzeitliche Alpengletscher.

Einige Bereiche der Steiermark sind glazial überprägt, obwohl sie in obiger Auflistung keine
Erwähnung finden. Wie bereits oben angemerkt, hatte die Vereisung im Mindel und Riss eine größere
Ausdehnung. Die Spuren dieser Kaltzeiten wurden aber vielfach durch fluviatile Prozesse in den
dazwischen liegenden Warmzeiten und periglaziale Prozesse in den nachfolgenden Glazialen
verwischt. Trotzdem gibt es Gebiete, wie beispielsweise die Mariazeller Passlandschaft, die ihre
Prägung vorwiegend in der Riss-Eiszeit erhalten haben dürfte.

Zu den direkt vom Eis geformten Landschaften, deren Verortung aus obiger Beschreibung ableitbar
ist, kommen die Formen hinzu, die durch glazifluviale sowie periglaziale Prozesse entstanden sind
(siehe Kap. 2.1.1.2). So sind in der gesamten Steiermark Formen vorhanden, die mit den Vereisungen
zumindest im weitesten Sinne assoziiert sind.

65
Auf das Hochglazial C folgt das Spätglazial, das in drei Interstadiale und Stadiale gegliedert wird und
von dem zahlreiche Gletscherstände bekannt sind. Heute befinden wir uns höchstwahrscheinlich in
einem Interglazial, auf das wieder eine Kaltzeit folgen müsste. Die Klimaphasen im Holozän sind
ebenfalls von Schwankungen geprägt, wobei einige Zeiten davon sogar wärmer waren als heute.
Heute befinden wir uns im Subatlantikum, das seit 2500 Jahren andauert und wiederum in einzelne
Phasen unterteilt wird. Dem Hauptpessimum, einer deutlichen Kaltphase folgte das warme und
niederschlagsreiche Optimum der Römerzeit. Das Pessimum der Völkerwanderungszeit wurde vom
Mittelalterlichen Optimum, das deutlich wärmer als heute war, abgelöst. Die sogenannte Kleine Eiszeit
setzt mit dem Hochstand von 1850 die Vergleichsmarke für Schneegrenzen. Das momentane
moderne Optimum ist höchstwahrscheinlich anthropogen bedingt, zumindest wohl anthropogen
überlagert.

3.1.3 Geologie der Steiermark

In groben Zügen betrachtet, kommen in der Steiermark drei große Gesteinsgruppen vor.
Sedimentgesteine können in organogene Sedimente aus Skelettbestandteilen von Korallen,
Muscheln etc. und Sedimente von zerkleinertem Gestein, die in weiterer Folge zum einen zu
Kalkgestein, zum anderen zu Ton-, Sand- und Schotterlagen werden, unterteilt werden. Diese
Schichten spiegeln ihre Entwicklung vor allem dann deutlich wieder, wenn sie noch nicht zu stark von
anderen Prozessen überformt wurden. Der Dachsteinkalk ist beispielsweise im Wesentlichen von
Korallenriff-Resten aufgebaut, was ein flaches, relativ warmes Meeresbecken voraussetzt. Die Dicke
dieser Sedimentationsschicht von über 1.000 m lässt sich daher nur durch eine gleichzeitige
Absenkung des Meeresbodens erklären. Beispiele in der Steiermark für Sedimentablagerungen völlig
unterschiedlichen Alters, Verfestigungsgrades und unterschiedlicher Genese finden sich in großem
Ausmaß in den Nördlichen Kalkalpen bzw. im Steirischen Hügelland.

Erstarrungsgesteine in Form von Plutoniten sind in der Steiermark überall dort anzutreffen, wo die in
der Tiefe erstarrten Gesteine in die Höhe gehoben worden sind, ohne davor stark umgewandelt zu
werden, wie es etwa in Teilen der Schladminger oder der Seckauer Tauern der Fall war. Spricht man in
der Steiermark von Vulkaniten, also Magmatiten, die erst an der Oberfläche auskühlten, so denkt man
in erster Linie an die Reste des Vulkanismus im Oststeirischen Riedelland. Doch auch einige Teile der
Grauwackenzone sind aus Vulkaniten aufgebaut. Diese wurden bereits im Silur abgelagert, erreichen
eine Dicke von bis zu 800 m und sind meist schwach metamorph.

Metamorphite, die durch Umwandlung von Sediment- und Erstarrungsgesteinen unter


unterschiedlichen Temperatur- und Druckverhältnissen, entstanden sind, prägen große Bereiche in
den Zentralalpen. Der dominante Gneis und Glimmerschiefer wurde bei hoher Temperatur und relativ
geringem Druck aus Tonstein und Granit umgewandelt. Eingelagert sind kleinräumigere Vorkommen
von Marmor (aus Kalk oder Dolomit), Amphibolit (aus Basalt) und Serpentinit (aus Peridotit, einem
ultrabasischen Tiefengestein). (METZ 1971)

Folgend der Darstellung aus dem SCHULATLAS STEIERMARK 2009 (Abb. 30) können grob die Bereiche
Nördliche Kalkalpen und Gosau, Grauwackenzone und Paläozoikum, Zentralalpen und Känozoikum
unterschieden werden. Die Nördlichen Kalkalpen bestehen vorwiegend aus marinen Ablagerungen

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des Mesozoikums, wobei die Trias überwiegt. Schichten aus hellen Kalken und Dolomiten bilden
Steilhänge und schroffe Grate sowie stark verkarstete Plateaus aus. Die triadischen Ablagerungen
sind sehr mächtig und stark faziell aufgesplittert. An der Basis befinden sich die Tonschiefer und
Sandsteine der Werfener Schichten, die örtlich mit Salz und Gips als Ablagerungen eines flachen
Meeres verknüpft sind. Diese Schichten bilden sanfte Geländeformen. Die Kalkwände sind
vorwiegend der Mitteltrias zuzuordnen (Gutensteiner Kalk/Dolomit, Ramsaudolomit,
Wettersteinkalk/Dolomit). Die Karnische Stufe weist abermals eine starke Faziesdifferenzierung
(Cardita Fazies, Aflenzer Fazies, Mürztaler Fazies, Lunzer Fazies) und deutlichen Festlandeinfluss
auf, wobei die Ablagerungen nur von geringer Mächtigkeit sind. Der Obertrias, die wieder vollmarine
Verhältnisse zeigt, gehören die mächtigsten und wichtigsten Gesteinsfolgen der Kalkalpen an (teils
gebankter teils riffartig-massiger Dachsteinkalk, Hauptdolomit, Hallstätterkalk). Die eher
geringmächtigen fossilreichen Schichten des Rhät schließen die Schichtfolgen der Trias ab. Die
Schichten des Jura sind ebenfalls geringmächtig und weniger verbreitet, dennoch treten helle Kalke
(Plassenkalk, Tressensteinkalk) als landschaftsprägender Faktor hervor.

Ebenso lückenhaft sind die Ablagerungen der Kreide, die in der Oberkreide auftretenden
Gosauschichten (Brekzien, Sandsteine, Tonschiefer, Mergel, Kalke) sind jedoch wieder häufiger. Die
Kainacher Gosau, räumlich von der kalkalpinen Gosau getrennt, besteht gleichermaßen aus Sand-
und Tonsteinen und wurde in der Karte der Gesteine des SCHULATLAS STEIERMARK 2009 derselben Einheit
zugeordnet. Für die Entwässerung spielen die wasserstauenden Schichten der Werfener Schiefer, der
Lias-Fleckenmergel und die Gosau-Ablagerungen, an deren Grenzfläche zu den Karbonatgesteinen
sich Schichtgrenzquellen mit teils enormer Schüttung ausbilden, eine wichtige Rolle. In der
Dachsteingruppe liegen über Ennstaler Phylliten, die der Grauwackenzone zuzuordnen sind, die
Werfener Schichten und darüber die Hauptmasse bildender Dachsteinkalk. Aus diesem ist auch das
Tote Gebirge vorwiegend aufgebaut. Im Salzkammergut sorgt die Besonderheit der Hallstätter Fazies,
die aus Werfener Schichten, Haselgebirge mit Steinsalzlagen und Gipslagen, Gutensteiner Kalken
und Dolomiten aufgebaut ist, immer wieder für Kontroversen (vgl. FRISCH UND GAWLICK 2001). Im Bereich
der vorwiegend aus Dachsteindolomit und -kalk aufgebauten Haller Mauern, im Westen von der
Pyhrnlinie, im Osten von der Buchauer Störung begrenzt, sind quarzitische Werfener Schiefer
besonders mächtig. Ebenfalls Dachsteinkalk, Dachsteindolomite sowie Ramsaudolomite, die äußerst
viel Schutt liefern, dominieren den Aufbau der Gesäuseberge. Diese finden ihre Fortsetzung in der
Hochschwabgruppe, wobei hier neben den überwiegenden Wettersteinkalken auch Werfener
Schichten, Gutensteiner Kalke, Dolomite sowie Wettersteindolomite am Aufbau beteiligt sind. Die
Berge nördlich der Hochschwab-Schubmasse (Kräuterin, Göstlinger Alpen) gehören der Ötscher-
Schubmasse an. Schneealpe und Rax besitzen einen ähnlichen Schichtaufbau, wobei die
Wettersteinkalke überwiegen, das Gebiet der Rax wurde aber abgetrennt und verschoben. Zudem
treten hier die Werfener Schichten zum Teil mit großer Mächtigkeit auf.

Im Süden schließt die Grauwackenzone an, die entlang der Enns noch recht schmal ist, weiter
entlang des Palten- und Liesingtal verläuft, ihre größte Breite zwischen Eisenerz und Leoben erreicht
und schließlich entlang des Mürztales verläuft. Diese Zone ist aus vielfältigen Gesteinen
zusammengesetzt, die zum Teil bereits in der variszischen Gebirgsbildung tektonisch verformt wurden.

67
Abbildung 30 : Die Gesteine der Steiermark (nach SCHULATLAS STEIERMARK 2009, verändert)
A

bbildung 30: Die Gesteine der Steiermark (nach SCHULATLAS STEIERMARK 2009, verändert)

68
Altersmäßig überwiegen die Gesteine des Paläozoikums. Der Zeit um die Wende von Ordovizium zu
Silur sind Tonschiefer, Sandsteine, Kieselschiefer sowie die gewaltige Eruptivplatte des Blasseneck-
Porphyroids zuzuordnen. Im Devon entstanden mächtige Kalke (Sauberger Kalk, “Erzführender Kalk“)
und Tonschiefer, im Karbon bildeten marine und limnische Ablagerungen die Grundlage für die
Entstehung von Kalkgesteinen sowie Quarzkonglomeraten, Sandsteinen und Tonschiefern. Es können
zwei Züge unterschieden werden: Der nördliche besteht hauptsächlich aus Schiefer, Porphyroiden und
Erzführendem Kalk des Paläozoikums. Der südliche Bereich zwischen Kammern und Mautern bis ins
Stanztal ist aus drei Gesteinsgruppen zusammengesetzt. Dem Karbon sind Tonschiefer, Sandsteine,
Quarzkonglomerate und Kalkzüge zuzuordnen. Die Rannachserie (phyllitisch-metamorphe Quarzite,
Quarzkonglomerate, Schiefer) gelangte durch tektonische Vorgänge an die Basis der
Grauwackenzone. Daneben kommen Phyllite und Schollen kristalliner Gesteine (Gneis,
Glimmerschiefer, Amphibolit, Marmor) vor. Eine besondere Bedeutung kommt dieser Zone durch den
Lagerstätten-Reichtum (z.B. Erz und Magnesit) zu.

Das Paläozoikum von Murau-Neumarkt sowie das Grazer Paläozoikum ist aus ähnlichen
Gesteinen aufgebaut wie die Grauwackenzone. Im Gebiet des Murauer Paläozoikum liegen über
Glimmerschiefern paläozoische Gesteine (Kalke, Tonschiefer, metamorphe Diabase). Das Grazer
Paläozoikum, das im Süden von jüngeren Sedimenten überlagert wird, tritt im Sausal sowie südlich
von Arnfels-Leutschach neuerlich zu Tage. Die untersten Schichten bestehen aus tonigen und tonig-
sandigen Gesteinen mit karbonatischen Einlagerungen und metamorphen Diabasen und Tuffen. Dem
Devon lassen sich zum Teil mächtige, faziell aufgegliederte Kalke zuordnen, darüber folgen Kalke und
Tonschiefer aus dem Karbon.

Die Zentralalpen sind keineswegs ein homogenes Gebilde, weder dem Alter noch der tektonischen
Prägung nach. Die große Gemeinsamkeit besteht darin, dass die meisten Gesteine ein kristallines
Gefüge aufweisen, wobei je nach Metamorphose-Intensität phyllitische Gesteine, Glimmerschiefer und
Gneise oder Gneise und Eklogit entstanden sind. Am häufigsten treten Glimmerschiefer und Gneise
auf. Man unterscheidet nach der Prägungszeit in Altkristallin (variszische Gebirgsbildung) und
Jungmetamorphe Gneismassen (alpidische Gebirgsbildung). Zwei Beispiele können die Unterschiede
recht gut illustrieren: Das Altkristallin im Bereich der Gleinalpe besteht aus einem Granodiorit-Kern,
einer unteren Hülle aus Gneisen, Glimmerschiefern, Amphiboliten und Serpentin und schließlich einer
oberen Hülle mit dunklen Glimmerschiefern, Marmorzügen und Pegmatiten. Die Seckauer Tauern, ein
Beispiel für einen jungkristallinen Bereich, bestehen aus verschiedensten Typen granitischer und
tonalitischer Gesteine und zahlreichen Gneisen, weisen hingegen keine Marmor- und Amphibolitzüge
auf. Aus altkristallinen Gesteinen sind die Wölzer Tauern, Seetaler Alpen, Gleinalpe, Stubalpe und ein
kleiner Bereich bei St. Radegund bei Graz aufgebaut. Die Gesteine der ebenfalls zum Altkristallin
zählenden Koralpe waren höherem Druck und höheren Temperaturen ausgesetzt, daher dominieren
Gneise und Glimmerschiefer. Jungmetamorphe Gesteinsmassen trifft man in den Schladminger
Tauern, den Seckauer Tauern sowie im Bereich Fischbacher Alpen – Wechsel – Joglland.

Den Großteil der in der Karte als Känozoikum bezeichneten Kategorie bilden die tertiären
Ablagerungen im Vorland. Die Sedimentation der Verwitterungsprodukte aus den sich hebenden
Alpen fand im Miozän und Pliozän ihren Höhepunkt. Diese Sedimente kommen auch in inneralpinen

69
Bereichen wie beispielsweise dem Aichfeld vor, an der Basis des Neogen treten hier Kohleflöze auf.
Im Vorland wird das Steirische Becken durch Schwellen in Teilbecken untergliedert. Das seichtere,
rund 800 m tiefe Weststeirische Becken wird in der Tiefe von grobem Schutt ausgefüllt, darüber folgen
limnische und fluviatile Schotter, Sande und Tone. Auch hier treten an der Basis z.B. im Köflach-
Voitsberger Bereich Kohleflöze auf. Von diesem Teilbecken trennt die Sausalschwelle, an der das
Paläozoikum zu Tage tritt, das mit über 3.000 m deutlich tiefere Oststeirische Becken ab. Hochmarine
tonig-mergelig-sandige Sedimente sind Zeugen des Eindringens des Meeres in diesem Bereich. Etwa
zugleich kam es zum älteren miozänen Vulkanismus, der vorwiegend Schildvulkane und Lavadecken
hervorbrachte, und dessen Spuren in Form von Trachiten und Andesiten im Gleichenberger Massiv zu
finden sind. Es folgen weitere marine Mergel, Sandsteine und Tone. Eine zweite vulkanisch aktive
Phase, der jüngere pliozäne Vulkanismus, war vorwiegend basaltisch und erzeugte Lavadecken sowie
Formationen, deren Reste in Form von Tuffschloten heute zum Beispiel die Riegersburg tragen. Die
südburgenländische Schwelle, die bei St. Anna am Aigen zum Vorschein kommt, trennt das steirische
Becken vom pannonischen. Die Riedellandschaft des Vorlandes ist vielfach von Lehmschichten
bedeckt, was die Infiltration des Niederschlages behindert und den oberirdischen Abfluss verstärkt.

Die jungpleistozänen bis holozänen Sedimente sind sehr junge Ablagerungen, die vorwiegend
während der Kaltzeiten aufgeschüttet wurden (vgl. Kap. 3.1.2). Diese Sedimente wurden durch
Eiswirkung, von Flüssen oder durch Murenabgänge, Bergstürze etc. abgelagert und werden auch
rezent noch weiter gebildet. Die eiszeitlichen Sedimente, insbesondere Terrassensedimente, zählen
zu den wichtigsten Grundwasserleitern in der Steiermark. Diese Schotterablagerungen sind häufig von
Aulehm überdeckt, was die Wasserqualität positiv beeinflusst. (SCHULATLAS STEIERMARK 2009, GRÄF 1972,
METZ 1971, METZ 1959, MAURIN UND ZÖTL 1973, FLÜGEL UND NEUBAUER 1984)

3.1.4 Aktuelle klimatische Verhältnisse in der Steiermark

Mit „Witterung und Klima in der Steiermark“ von WAKONIGG 1978 wurde ein Standardwerk geschaffen,
auf das noch immer zurückgegriffen wird und auf das an dieser Stelle für detaillierte Fragen verwiesen
wird. Seit 2007 existiert zudem ein aktueller „Klimaatlas der Steiermark“, dessen Daten sich Großteils
auf den Zeitraum 1971 bis 2000 beziehen. Neben einer umfassenden Aufbereitung der Einzelfaktoren
können die Informationen nach Klimaregionen gegliedert abgerufen werden unter
http://www.umwelt.steiermark.at/cms/ziel/25206/DE. Die folgenden Informationen wurden, wenn nicht
anders gekennzeichnet, den beiden oben genannten Quellen, den Klimaatlas betreffend insbesondere
PODESSER UND WAKONIGG 2007, entnommen. Hier wird nun auf die Charakteristika der im Klimaatlas
(PODESSER UND RIEDER 2007) und auch Schulatlas (SCHULATLAS STEIERMARK 2009) ausgewiesenen
Klimaregionen (siehe Abb. 31) sowie auf die wichtigsten Klimafaktoren kurz eingegangen.

Die Hochlagen im Nordstaugebiet sind, wie der Name schon besagt, von Staulagen geprägt.
Insbesondere atlantische Luftmassen bewirken ein maritim gefärbtes Klima mit geringen Tages- und
Jahresschwankungen und den höchsten Niederschlägen in der Steiermark. Diese bringen kühle,
regenreiche Sommer, hohe Schneemengen im Winter und lange Schneebedeckung mit sich. Weiters
sind niedrige Sonnenscheindauer und häufiger Nebel durch aufliegende Bewölkung kennzeichnend.
Vor allem in den Kammlagen treten hohe Windgeschwindigkeiten auf, der Hauptkamm der

70
Hochschwabgruppe gehört zu den windreichsten Gebieten der Steiermark. Dieses raue und
niederschlagsreiche Klima führt zu tiefen Vegetationsgrenzen und hohem Wasserreichtum und
insbesondere in Verbindung mit dem geologisch bedingten Steilrelief zu hoher Muren- und
Lawinentätigkeit.

Abbildung 31: Klimaregionen der Steiermark (nach PODESSER UND RIEDER 2007 und SCHULATLAS STEIERMARK
2009, verändert)

Die Tallagen im Nordstaugebiet weisen ähnliche Merkmale wie die Hochlagen im Nordstaugebiet
auf, das Temperaturniveau ist aber aufgrund ihrer geringeren Seehöhe höher. Vor allem der Bereich
des Mariazeller Beckens zeichnet sich durch thermische und strahlungsmäßige Ungunst aus, wobei
Wald- und Kulturgrenzen auftreten, die zu den niedrigsten in ganz Österreich zählen. Winterliche
Inversionen tragen ebenfalls zur thermischen Ungunst der Beckenbereiche bei. Das Becken von Bad
Aussee gehört zur niederschlagsreichsten Region der Steiermark und ist, wie auch das Becken von
Bad Mitterndorf, durch große Schneemengen und lange Schneedeckendauer charakterisiert. In den
weiter südlich gelegenen Tallagen im Bereich von Eisenerz nimmt der maritime Charakter bereits
etwas ab.

Das Talbecken des oberen Ennstales, das im Sinne der Landschaftsgliederung nach LIEB 1985 auch
das mittlere Ennstal und das Paltental umfasst, weist geringere Niederschlagsmengen bei annähernd
gleicher -häufigkeit wie im Nordstaugebiet auf. Thermisch wird der Bereich durch kalte Winter und
mäßig warme Sommer gekennzeichnet. Durch die Abgeschlossenheit und damit schlechte
Durchlüftung insbesondere im mittleren Ennstal ist die Nebelhäufigkeit hoch. Vor allem im Paltental
nimmt der Schneereichtum ab. Das schluchtartig eingeschnittene Ennstal im Bereich des Gesäuse ist
durch starke Sonn- und Schattseiten-Unterschiede sowie hohe Lawinengefährdung geprägt.

71
Der Hauptkamm der Niederen Tauern wirkt als Wetterscheide, wobei die Nordseite der Niederen
Tauern ein zweites Staugebiet hinter den Nordalpen gegenüber Wettereinflüssen aus Westen bis
Norden darstellt. Die Niederen Tauern sind gegenüber den Nordalpen klimatisch begünstigt. Der
Niederschlagsreichtum ist hier nicht mehr so hoch, was unter anderem eine höhere Waldgrenze zur
Folge hat. Im Winter sind tiefe Temperaturen und hohe Windgeschwindigkeiten typisch für das Gebiet.

Der Bereich der Talbecken des oberen Murtales ist gegen die Einflüsse aus Westen und Norden
schon stark abgeschirmt, jene aus Süden gewinnen demgegenüber zunehmend an Bedeutung. Im
Allgemeinen zählen diese Talbereiche zu den niederschlagsärmsten und sonnenreichsten der
Steiermark, wobei andererseits im Winter durch Kaltluftseebildung in schlecht durchlüfteten Lagen
sehr tiefe Temperaturen und Nebel auftreten können. Die Neumarkter Passlandschaft ist durch starke,
insbesondere den Niederschlag betreffende Kontinentalität ausgezeichnet und weist zugleich
ausgeprägte geländeabhängige Eigenheiten auf. So findet sich bei Mühlen mit bis zu -40°C im Winter
und möglichen Sommerfrösten einer der Kältepole der Steiermark. Das Judenburg-Knittelfelder
Becken ist durch eine hohe Inversionsbereitschaft und damit Frostgefährdung und Nebel im Herbst
und Winter geprägt.

Die Talbecken des Mur- und Mürztales liegen in ihrer Charakterisierung zwischen den
Klimabereichen „Talbecken des oberen Ennstales“ und „Talbecken des oberen Murtales“. Die
Niederschlagsmengen nehmen Richtung Norden sowie entlang des Haupttales von Südwest nach
Nordost zu. Der westliche Bereich ist recht trocken und von warmen Sommern, zugleich aber von
hoher Bereitschaft zur Bildung von Hochnebeldecken gekennzeichnet. Der östliche Bereich ist sowohl
von südlichen als auch von nördlichen Einflüssen abgeschirmt, jedoch bewirkt die abnehmende Höhe
des Hauptkammes keine vollständige Abschirmung der Einflüsse aus West und Nord und damit eine
Zunahme der Niederschläge. Die Inversionsbereitschaft ist aufgrund geringer Durchlüftung hoch.

Zum Klimabereich „Hochlagen der Inneralpen“ zählen die Höhenlagen der Südabdachung der
Niederen Tauern, der Murberge sowie der Gurktaler und Seetaler Alpen. Diese Bereiche sind
charakterisiert durch für die Seehöhe relativ hohe Temperaturen. Die kontinentale Prägung drückt sich
in geringen Niederschlägen, insbesondere Schneearmut, aus. Dazu kommt eine hohe Anzahl an
Sonnenstunden im Winter. Diese Faktoren bewirken eine hohe Lage der Waldgrenze bei rund
2.000 m. Der Bereich der Seetaler Alpen gehört zu den gewitterreichsten Gebieten der Steiermark.

Im Steirischen Randgebirge ist vor allem die Wirkung der Einflüsse aus dem Süden und Südosten
von Bedeutung. Relativ milde Winter, geringe Niederschläge und eine hohe Gewitter- und
Hagelwahrscheinlichkeit zeichnen diesen Raum aus. Das Murtal zwischen Bruck an der Mur und Graz
gehört zu den vor allem durch die Wirkung des Murtal-Windsystems am besten durchlüfteten und
somit thermisch begünstigten Talräumen der Steiermark. Charakteristisch sind gewitterreiche
Sommer. Die Becken des Bereiches, wie das Gratkorner Becken, sind durch eine schlechtere
Durchlüftung mit einer höheren Anzahl an Tagen mit Nebel und Frostgefahr gekennzeichnet. Das
Semriacher Becken ist auch im Sommer nicht frostfrei. Während die Kammlagen, insbesondere der
Koralpe, sehr windexponiert sind, sind an der Ostabdachung von Glein-, Stub- und Packalpe und auch
Koralpe lokale Tal- und Hangwindsysteme entwickelt. Aufgrund der Lage über der winterlichen
Hochnebeldecke ergibt sich eine höhere Sonnenscheindauer als im Vorland. Wie die Höhenlagen des

72
gesamten Gebietes sind die der Fischbacher Alpen, des Wechsel und des Grazer Berglandes
gleichfalls durch kalte Winter und kühle Sommer geprägt.

Das Vorland ist allgemein kontinental geprägt und durch milde Winter und warme Sommer
gekennzeichnet. Es bestehen aber große geländebedingte Unterschiede zwischen winterkalten
Tallagen und milderen Temperaturen in den höheren Bereichen. Aufgrund schlechter Durchlüftung in
generell abgeschirmter Lage dominieren Nebel im Winter. Im Südweststeirischen Riedelland findet
sich auch der Kältepol des südöstlichen Alpenvorlandes mit annähernd gleich vielen Frosttagen wie
Zeltweg. Die höheren Erhebungen wie Wildoner Berg, Sausal und die Windischen Bühel sind hier
begünstigt. In den warmen sonnigen Sommern tritt ebenfalls aufgrund Windarmut Schwüle auf, hinzu
kommt eine starke Gewitterneigung für das gesamte Gebiet. Feuchtigkeit erhält der Raum vor allem
aus dem Süden, nach Nordosten nimmt der Niederschlag ab. Der Bereich von Klöch zählt zu den
wärmsten Gebieten der Steiermark.

Wie sich der Faktor Seehöhe auf die Temperatur auswirkt, zeigt sich besonders eindrucksvoll, wenn
man das Jahresmittel des höchsten und tiefsten Punktes der Steiermark miteinander vergleicht: ca.
-4,8°C am Dachstein und 9,3°C südöstlich von Bad Radkersburg. Dieser Unterschied von 14 K
entspricht dem Temperaturunterschied von 27 Breitengraden (z.B. Bad Radkersburg bis südliche
Arktis). Die wichtigsten Einflussfaktoren für die Temperatur sind Seehöhe und Geländeform, wobei bei
gleichen Bedingungen Vollformen wärmer und Hohlformen kälter als der Durchschnitt sind.
Luftmassen, die ihre Prägung in fremden Gebieten erfahren haben und diese nun auf das
Ankunftsgebiet übertragen, steuern einen großen Teil zum thermischen Geschehen bei. Weitere
Faktoren sind Stau- und Föhneffekte sowie der zentral-periphere Formenwandel, was zu einem
kontinentaleren Klima im Inneren eines Gebirges und maritimeren Zügen in den äußeren Bereichen
führt. Auf das Lokalklima haben zusätzlich kleinere Geländeformen sowie die Bodenbedeckung
Einfluss (WAKONIGG 2007a). Die Temperaturen nehmen im Monatsmittel im Jänner Werte zwischen -2°C
im Vorland, -4°C bis -6°C in den kalten Tälern und Beckenlagen und um -7°C in einer Höhe von rund
2.000 m an. Die Julimittel liegen bei über 19°C im Vorland, in der Mur-Mürzfurche bei 18-16°C, im
Ennstal und Salzkammergut um 17-15°C und bei 9°C in 2.000 m Höhe. Winterminima liegen im
Vorland kaum unter -25°C, in den Tälern der Obersteiermark sind aber Temperaturen bis -30°C
möglich, geländebedingt können bis zu -40°C auftreten. Die Maximalwerte liegen zwischen über 30°C
in den obersteirischen Tälern und über 35°C im Vorland (MORAWETZ UND W AKONIGG 1973, vgl. WAKONIGG
2007 ). Die durchschnittliche Dauer der Vegetationsperiode mit Temperaturen über 5°C beträgt im
a

Riedelland rund 240 Tage, was den Anbau von anspruchsvolleren Pflanzen ermöglicht, am Dachstein
beträgt sie nur noch 20 Tage. Die durchschnittliche Zahl der Frosttage zeigt, dass die Beckenlagen
deutlich stärker frostgefährdet sind als Höhenlagen, was beispielsweise eine Frostwahrscheinlichkeit
im Kernwinter von 93 % in Zeltweg und nur 86 % am Schöckl belegen. In Gunstlagen sind 210 Tage
frostfrei, in ungünstigeren Gebieten wie Kaltluftbecken kann diese Periode auch nur 120 Tage
betragen. In den zentralen Hochgebirgen sind jedenfalls in allen Monaten Fröste möglich (WAKONIGG
2007a). Kahlfröste, also Temperaturen unter Null Grad bei fehlender Schneedecke, besitzen aufgrund
der direkten Frosteinwirkung und damit Verwitterung durch Frostsprengung besondere
geomorphologische Relevanz. Sie treten vor allem in den schneearmen Becken auf (WAKONIGG 2007d).

73
Die durchschnittliche tatsächliche Sonnenscheindauer im Jänner zeigt eine Begünstigung von
Kuppen und Gipfeln bzw. eine Ungunst der Tallagen, die auf Nebel und die Horizontüberhöhung
zurückzuführen ist. Im Juli hingegen wird im südöstlichen Alpenvorland mit rund 8 Sonnenstunden pro
Tag der höchste Wert in der Steiermark verzeichnet (PODESSER 2007). Im Allgemeinen kann gesagt
werden, dass vor allem inneralpine Beckenlagen und Tallagen des Vorlandes besonders anfällig für
Nebel sind, wobei die Häufigkeit für Nebel im Herbst und Winter am größten ist. Im Hochgebirge tritt
Nebel als aufliegende Bewölkung auf. Der Jahresgang der Bewölkung hängt stark von der Witterung
ab, daher zeigen sich insgesamt ein Wintermaximum und ähnlich wie bei den Niederschlagsdaten
höhere Werte in den Nordstaulagen und geringere im Vorland. Im Hochgebirge wird aufgrund häufiger
Konvektionsbewölkung ein Sommermaximum registriert (PODESSER UND W ÖLFELMAIER 2007).

Die Einflussfaktoren für den Niederschlag entsprechen weitgehend jenen der Temperatur (siehe
oben). Die meisten Tage mit Niederschlag und die höchsten Mengen sind in der Steiermark umso
eindeutiger im Sommer verzeichnet, je weiter südlich das Gebiet liegt. Im Norden ist der
Niederschlags-Jahresgang mit einem leichten Sommermaximum relativ ausgeglichen. Im Vorland sind
die konvektiven Niederschläge, in den Nordalpen die Stauniederschläge von größerer Bedeutung. Der
durchschnittliche maximale Niederschlag zeigt eine ausgesprochene Unwettergefährdung für die
Weststeiermark. Im Vorland konzentriert sich die Hauptsumme der Niederschläge auf wenige
Ereignisse, im Norden dominieren häufige Niederschläge mit geringeren Mengen. Die
niederschlagsreichste Region der Steiermark ist das Nordstaugebiet, die niederschlagsärmsten
Bereiche sind in den inneralpinen Tälern sowie an der burgenländischen Grenze anzutreffen
(WAKONIGG 2007b). Der Niederschlag nimmt mit der Höhe im Allgemeinen zu, am Ostalpenrand nur in
geringem Ausmaß, in den Niederen Tauern mäßig und im Salzkammergut stark. Die absoluten Werte
liegen im Vorland bei rund 800-900 mm, im Randgebirge bei 1300-1500 mm, in der Mur-Mürz-Furche
um 750-950 mm, im Ennstal bei 1000-1200 mm, in den Niederungen des Steirischen
Salzkammergutes erreichen sie 1600-2100 mm und schließlich in dessen Höhen über 2500 mm
(MORAWETZ UND W AKONIGG 1973, vgl. auch W AKONIGG 2007b). Den Schnee betreffend wurde im Klimaatlas
eine regionsweise Zusammenfassung mit einer durchschnittlichen Seehöhe von rund 670 m
vorgenommen (siehe Tab. 6). Im Vorland und Randgebirge sind die Stationswerte zum Teil
inhomogen, da der Südwesten generell schneereicher als der Nordosten ist.

Nordstaugebiet Oberes Ennstal Oberes Murtal Vorland/


Randgebirge
Ø Zahl der Tage mit Neuschnee 43 32 18 20
Ø Summen der Neuschneehöhen 363 cm 183 cm 86 cm 108 cm
Veränderlichkeit der Σ d. Neuschneehöhen 42 % 37 % 46 % 52%
Ø Beginn der Schneedecke 08.Nov 12.Nov 21.Nov 23.Nov
Ø Ende der Schneedecke 19.Apr 13.Apr 01.Apr 04.Apr
Ø Zahl der Tage mit Schneedecke 123 98 66 60
Ø Beginn der Winterschneedecke 11.Dez 22.Dez 31.Dez 01.Jän
Ø Ende der Winterschneedecke 23.Mär 04.Mär 13.Feb 10.Feb
Ø Zahl der Tage mit Winterschneedecke 102 72 37 38
Ø maximale Schneehöhen 90 cm 46 cm 29 cm 34 cm
Tabelle 6: Ausgewählte Schneeparameter bezogen auf eine Seehöhe von 670 m (Quelle: WAKONIGG
UND PODESSER 2007)

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Die Veränderlichkeit der Summe der Neuschneehöhen kann als Wert der Schneesicherheit betrachtet
werden (bei geringer Veränderlichkeit hohe Schneesicherheit). Im Allgemeinen kann festgestellt
werden, dass die Schneemenge und die Zahl der Tage mit Schneefall mit der Seehöhe zunehmen,
und dass das Nordstaugebiet sowie das Obere Ennstal schneereich und -sicher sind, das
abgeschirmte Obere Murtal hingegen recht schneearm ist (WAKONIGG UND PODESSER 2007). Abb. 32 zeigt
die Situation von spätsommerlichem Schneefall in den Bergen.

Abbildung 32: Schnee auf den Bergspitzen in der Steiermark (Grimming rechts oben,
Dachsteingruppe links oben, Rest Schladminger Tauern) am 1.September 2006 (Aufnahme aus dem
Flugzeug, Blickrichtung N)

3.1.5 Sonstige Einflussfaktoren in der Steiermark

Die Vegetationsgeschichte der Steiermark geht mit den Erläuterungen in Kap. 3.1.1 und Kap. 3.1.2
konform. Fossile Funde weisen auf eine tropische voreiszeitliche Vegetation hin, durch die
klimatischen Veränderungen waren die Pflanzen gezwungen sich anzupassen oder starben aus.
Insbesondere Pollenanalysen zeigen, dass während der Eiszeiten die eisfreien aber von
Permafrostböden geprägten Gebiete vorwiegend von Moos- und Zwergstrauchtundren bedeckt waren.
Die aus den nunmehr eisbedeckten Alpen verdrängten Florenelemente siedelten sich in Bereichen am
Rande der Vereisungen an, die heute vielfach Reliktstandorte repräsentieren, oder überdauerten
innerhalb der vergletscherten Gebiete auf eisfreien Nunatakkern. Während der Interglaziale war das
Klima zum Teil wärmer als heute, mit einer Schnee- und Waldgrenze, die etwa 600 m höher lag als
aktuell. Im Postglazial wird etwa für den Raum um Graz grob folgende Entwicklung des Waldes
dargestellt: Koniferenzeit mit Tanne und Kiefer - Buchenzeit - Eichenmischwaldzeit mit Eiche, Linde,
Tanne und Kiefer - 2.Koniferenzeit. Hinweise auf Ackerbau in größerem Ausmaß finden sich durch die
ersten Kulturpflanzenpollen aus der Zeit um 860 v. Chr., Hinweise auf Ackerbau im Allgemeinen
stammen sogar aus der jüngeren Steinzeit (3000 bis 2000 v. Chr.). Ab dem jüngeren Subatlantikum,
also ca. dem 12. Jh., wurde der Waldbestand in großem Maß durch den Menschen verändert und
geprägt, indem er zugunsten Ackerland und Weideflächen gerodet wurde. Zudem wurde der natürliche
Wald in den letzten Jahrhunderten durch Aufforstung in seiner Zusammensetzung stark modifiziert.

75
Darüber hinaus führt die Einschleppung und bewusste Verbreitung von Neophyten zu einer ständigen
anthropogen bedingten Veränderung der Pflanzenwelt.

„Das Pflanzenleben ist in erster Linie von Klima, Boden, Relief und der lebenden Umwelt abhängig.“ (MAURER
1981, S.54) Zugleich beeinflusst aber auch die Vegetation das Relief. Insbesondere das Fehlen einer
Vegetationsdecke wirkt sich auf die Morphogenese aus. Daher wird ein kurzer Abriss über die
Vegetation der Steiermark gegeben:

Eine Stufengliederung der Vegetation gibt einen ersten Überblick. Die colline Stufe von ca. 200 bis
400/500 m ist durch wärmeliebende Laubmisch- und Rotföhrenwälder charakterisiert. Dieser Bereich
ist im Übrigen von anthropogener Nutzung durch Obst- und Weinanbau geprägt. Darauf folgen die
submontane Stufe mit vorwiegend Rotbuchen- und Rotföhrenwäldern von rund 400/500 bis
600/700 m, die montane Stufe von 600/700 bis 1.200/1.400 m mit Fichten-, Fichten-Tannen- und
Fichten-Tannen-Rotbuchenwäldern und die subalpine Stufe mit Latschen- und Grünerlengebüschen,
Lärchen-Zirbenwäldern und hochstaudenreichen Fichtenwäldern von 1.400 bis 1.900/2.000 m. Die
alpine Stufe mit Zwergstrauch- und Grasheiden ist von etwa 1.900 bis 2.500 m anzutreffen. Die
subnivale Stufe über rund 2.500 m mit Pflanzenteppichen und -polstern und die Schneestufe, mit
vereinzelten Pflanzen, Moosen, Flechten und Algen treten lokal auf, wobei letztere in der Steiermark
kaum von Bedeutung ist (MAURER 1981, SKRIPTUM HOCHGEBIRGE I 1998, SKRIPTUM HOCHGEBIRGE II 1999).

Im Vorland dominiert die Laubmischwaldstufe, nur die Vegetation der höheren Bereiche wie Sausal,
Wildoner Buchkogel und die vulkanischen Erhebungen in der Oststeiermark gehört bereits der
Buchenstufe an. Das Klima begünstigt den Anbau von Wein, Obst und Mais, wobei die Tallagen durch
Nebel- und Frostgefahr dafür eher gemieden werden (siehe Kap. 3.1.4). In den Wäldern herrschen
Hainbuche, Stieleiche und Buche vor. Der am häufigsten vorkommende Wiesentyp ist die
Glatthaferwiese, die frische und gedüngte Bedingungen anzeigt. An den Nordhängen der Riedel ist
häufig Laubmischwald, an den Rücken Föhren-Stieleichenwald und an den Südhängen sind Wiesen
und Äcker vorherrschend.

Das Steirische Randgebirge bleibt zwar meist unter der Waldgrenze, bereits deutlich wird aber das
Gipfelphänomen, das durch höhere Trockenheit durch den rascheren Abfluss, stärkere Austrocknung
durch den Wind, Nährstoffarmut und Abspülung der feinen Sedimente beschrieben wird.
Anthropogene Rodungen haben zudem zur Waldfreiheit der Gipfelbereiche beigetragen. Die voll
entwickelten Stufen sind die Buchenstufe, die subalpine Fichtenstufe sowie die Übergangs-
Strauchstufe. Die Buchenstufe wird oft nicht so sehr von der Buche dominiert, wie es der Name
erwarten lassen würde, da sie vielfach anthropogen bedingt durch die Fichte ersetzt wurde. Daneben
wird diese Stufe durch die Tanne charakterisiert. Die darüber liegende Fichtenstufe, die im unteren
Bereich von Laubbäumen und im oberen Bereich von der Lärche durchsetzt ist, zeigt ungünstigere
klimatische Bedingungen an.

Die Kristallingebirge und die Nördlichen Kalkalpen reichen deutlich über die Waldgrenze hinaus, die in
den Zentralalpen bei rund 2.000 m, in den Nördlichen Kalkalpen bei ca. 1.800 m liegt. Da die
Kristallingebirge vorwiegend aus Granit, Gneis und Glimmerschiefer aufgebaut sind, weisen sie vor
allem saure Böden auf. Die Nördlichen Kalkalpen sind von basischen, in Bewegung befindlichen

76
Böden gekennzeichnet. Die Vegetation dieser beiden Bereiche ist daher stark vom Untergrund
geprägt. Die typischen Gesellschaften der Übergangs-Strauchstufe sind Hoch- und Zwergsträucher
wie Grünerlen, Latschen, Alpenrose und Heidelbeergebüsch.

Die Vegetationsgesellschaften sind häufig geländeabhängig, so trifft man in den Gräben Fichte und
Lärche, darüber Grauerle und ab 1.600 m Grünerle. Die Karböden hingegen sind, wenn sie nicht von
Seen erfüllt sind, Standorte für Grasfluren (siehe auch KAUFMANN 2005). Die Grasheidenstufe fehlt in
den Nördlichen Kalkalpen fast völlig, da die dafür typische Krummsegge kalkfreien sauren Boden
benötigt. Dort bildet in dieser Höhe die Polsterseggenmatte eine Dauergesellschaft. In den Nördlichen
Kalkalpen ist ein Voralpenwald mit Buche und Fichte von 1.100 bis 1.400 m, darüber reiner
Fichtenwald ausgebildet. Die Übergangsstufe ist charakterisiert durch Lärchen- und Zirbenwald,
Latschen und Alpenrosen, Zwergsträuchern und Polsterseggenrasen. In der Pionierstufe gedeihen
vorwiegend noch Flechten. (SCHARFETTER 1973 und MAURER 1981)

An- davon Gesamt- davon


zahl Nieder- Hoch- Hoch- voll- fläche in Nieder- Hoch-
moore moore mit moore ständig ha moor- moor-
Nieder- zerstörte fläche fläche
Bezirk moorgürtel Moore
Liezen 41 5 9 21 6 959,5 189 770,5
Leoben 1 - - 1 - 5 - 5
Bruck/Mur 10 2 - 7 1 20,4 2,15 18,28
Mürzzuschlag 13 1 - 12 - 66 4,5 61,5
Hartberg 4 - - 4 - 11 - 11
Weiz 2 - - 2 - 12 - 12
Leibnitz 1 1 - - - 3,5 3,5 -
Deutschlandsberg 3 - - 3 - 37 - 37
Voitsberg 1 - - 1 - 2 - 2
Graz Umgebung 3 - - - 3 - - -
Judenburg 5 - - 5 - 22 - 22
Murau 12 6 - 3 3 67 46 21
Gesamt 96 15 9 59 13 1205,4 245,15 960,25
Tabelle 7: Moore der Steiermark (nach INSTITUT FÜR UMWELTWISSENSCHAFTEN 1980, verändert)

In der Betrachtung der Vegetation dürfen natürlich auch Moore nicht unerwähnt bleiben (siehe Tab. 7),
wobei die wichtigsten Moorgebiete die Talmoore im Enns- und Paltental, sowie die Moränenmoore im
Mitterndorfer Becken, in der Ramsau und bei Schladming sowie bei Mariazell vorliegen. (SCHARFETTER
1973) Nach dem INSTITUT FÜR UMWELTWISSENSCHAFTEN 1980 betrug in diesem Jahr die Gesamtfläche rund
1200 ha, während eine Erhebung von 1911 für 68 Moore eine Gesamtfläche von rund 2230 ha
feststellte. Wenn auch die Erhebung von 1911 nicht direkt mit jener von 1980 verglichen werden kann,
so wird doch der Rückgang der Moorflächen deutlich. Dieser ist einerseits durch die direkte Nutzung
der Moore, andererseits durch indirekte Zerstörung durch Umweltveränderungen, anthropogen
bedingt. An dieser Stelle sei auch eine Moorerhebung für die Steiermark erwähnt, die im Jahr 2008
veröffentlicht wurde und die 389 Moore verzeichnet (MATZ UND GEPP 2008).

Die Böden haben direkt keinen großen Einfluss auf die Geomorphologie, können aber wichtige
Hinweise liefern. Kurz charakterisiert kann gesagt werden, dass in Kalkgebirgen Rendsinen und
Braunlehme, auf den Kalkplateaus Kalkrückstandsböden anzutreffen sind. In den Zentralalpen wie
auch im Randgebirge dominieren Felsbraunerden, Semipodsole und Podsole. In den eiszeitlich

77
geprägten Tälern kommen Lockersedimentbraunerden vor. Im Vorland wurden die pleistozänen
Staublehm-Ablagerungen zu Pseudogleyen degradiert, daneben existieren Braunlehme und
Parabraunerden (FINK 1973, MAURER 1981).

Auf die hydrologischen Gegebenheiten der Steiermark tiefer einzugehen, würde den Rahmen der
Arbeit sprengen. Darum wird nur ein kurzer Blick auf die Talverläufe sowie die Abflussregimes
geworfen. Aus Abb. 33, die die Haupteinzugsgebiete der Steiermark zeigt, ist klar ersichtlich, dass die
Gewässerverläufe oft kuriose Wege nehmen und die Länge und Aufteilung der Zubringer sehr
unterschiedlich ist. Meist ist dies geologisch-tektonisch bedingt und die Anlage der Talverläufe zu
Beginn der Alpenhebung erfolgt. So sind Mur- und Raab-Anlagen als Abdachungsflüsse zu verstehen,
die Rückzugsabschnitte des pontischen und pannonischen Sees erkennen lassen. Auch der Verlauf
anderer Gerinne des Steirischen Randgebirges wie Sulm und Laßnitz bzw. Feistritz und Lafnitz ist nur
im Sinne eines Abdachungsflusses erklärbar. Spätere diverse tektonische Bewegungen verursachten
Flusslaufverschiebungen, so fließt die Mur heute ca. 20 km weiter südlich als zu jungpliozäner Zeit.
Bei Katsch- und Wölzerbach ist gleichfalls erkennbar, dass sie Richtung Süden in das Kärntner
Becken entwässerten. Durch Laufverlegungen fielen ursprüngliche Flusstalbereiche trocken. Daneben
spielt die Gesteinsart eine bedeutende Rolle für die Ausprägung des Talnetzes. So weist etwa die
Enns den Großteil der Zuflüsse rechtsufrig auf, die vorwiegend in kristallinem Gestein entspringen,
wohingegen im verkarstungsfähigen Kalk die Zuflüsse geringer und kürzer sind. Praktisch jedes Tal
weist in irgendeiner Form Besonderheiten auf, seien es Verlegungen, Anzapfungen, Verdrängungen,
Damm-Aufschüttungen oder ähnliche Phänomene (SÖLCH 1928).

Abbildung 33: Fließgewässer - Haupteinzugsgebiete der Steiermark (nach DIGITALER ATLAS DER

STEIERMARK, August 2010, verändert)

78
Das Abflussverhalten der Fließgewässer wird maßgeblich durch den Niederschlag (Art, Höhe,
Jahreszeitliche Verteilung, Häufigkeit, Intensität und Dauer), Temperatur, Evapotranspiration,
Geologie, Boden und Vegetation und menschliche Einflüsse geprägt. Natürlich wird es gleichermaßen
von geomorphologischen Faktoren beeinflusst, wie es seinerseits auch wiederum zur
Landschaftsformung beiträgt. Der Großteil der steirischen Fließgewässer ist nival geprägt. Gewässer
einfachen Abflussregime wie es beispielsweise die Mur ist, treten in der Steiermark vorwiegend als
gemäßigt nival mit einem durch die Schneeschmelze gesteuerten Maximum im Mai auf. Die meisten
Abflussregime sind allerdings komplexer Art, d.h. sie weisen mehrere Maxima auf. Beim winternivalen
Regime (z.B. Erzbach) tritt neben dem Maximum im Mai ein Zweitmaximum im Winter durch
Tauperioden und Niederschläge auf. Nivopluviale (Maximum im April bis Mai) und pluvionivale
(Maximum im März bis April) Regime (z.B. Raab, Weiße Sulm) sind durch Schneeschmelze,
Retentionsvorgänge und Niederschlag geprägt. Sommerpluviale Regime zeichnen sich durch ein
Maximum im Sommer, das durch die sommerlichen Niederschläge entsteht und einem nival bedingten
Zweitmaximum im März/April, aus. Dieser Typus ist kennzeichnend für den Südosten Österreichs (z.B.
Lafnitz, Kainach). Winterpluviale Regime (z.B. Safenbach, Ilzbach) weisen ein Maximum im Winter
auf, das auf die geringe Verdunstung zurückzuführen ist, ein Zweitmaximum tritt durch sommerliche
Niederschläge auf (MADER ET AL. 1996).

Anthropogene Veränderungen des Reliefs sind so selbstverständlich, dass sie uns meist nicht
bewusst sind. Der Mensch ist mittlerweile zum geomorphologischen Hauptagens aufgestiegen (vgl.
Kap. 2.1.1.2) (HUGGETT 2007, S.91f). Als Beispiele für deutliche Eingriffe in die Landschaft, werden
einige Zahlen den Bergbau, die Deponierung, die Wildbach- und Lawinenverbauung und die
Wasserkraftwerke betreffend genannt, um zu illustrieren wie groß die Veränderungen durch den
Menschen auch im Bundesland Steiermark sind. Daneben zeigt Tab. 8 eine Aufgliederung der
Nutzung der Fläche der Steiermark, die verdeutlicht, dass rund 30 % einer intensiven anthropogenen
Umgestaltung unterliegt. Der Anteil des Dauersiedlungsraumes beträgt ebenfalls ca. 30 % (AMT DER

STEIERMÄRKISCHEN LANDESREGIERUNG 2010, S.5).

Baufläche Landw. Nutzung Gärten Weingärten Alpen Wald Gewässer Verkehrsfläche Sonstige
0,6 24,0 % 2,2 % 0,3 % 6,5 % 57,2 % 0,9 % 2,0 % 6,3 %
Tabelle 8: Bodenfläche nach Nutzung und Funktion in Prozent 2009 (nach AMT DER STEIERMÄRKISCHEN
LANDESREGIERUNG 2010, S.5, verändert)

Die Zahl der bergbaulichen Betriebe hat stark abgenommen, jedoch geschah das erst in den letzten
Jahrzehnten weshalb die Spuren oft noch sehr deutlich im Gelände zu erkennen sind. Das
gesamtösterreichische Projekt des Bergbau- und Haldenkatasters umfasst in der Steiermark 990
Einzellokalitäten, davon Abbaugebiete von 625 Erzrohstoffen, 159 Industriemineralen (Asbest, Talk,
Grafit, Magnesit, Salz, Gips, Baryt) und 206 Energierohstoffen (Anthrazit, Braunkohle, Steinkohle)
betreffend. Neben 3400 Stollen und 390 Schächten wurden in der Steiermark 200 Tagbau- und 1495
Haldenflächen erfasst (SCHEDL ET AL. 2008). Nach 1945 waren insgesamt 125 Gewinnungsbetriebe
aktiv, davon bauten 81 Kohle ab. Insgesamt wurden zwischen 1945 und 2002 365 Mio. t Rohstoffe
abgebaut, vorwiegend Eisenerz und Kohle (156 t Eisenerz, 133 t Braunkohle) (PROSKE 2008). Aktuell
zeigt sich folgendes Bild: In der Steiermark wurden 2007 Eisenerz (Eisenerz), Salzsole/Steinsalz

79
(Aussee, Untertage), Gips und Anhydrit (Grundlsee, Weng), Grafit (Kaisersberg, Untertagebau), Talk
und Leukophyllit (Lassing, Rabenwald, Kleinfeistritz), Magnesit (Breitenau und 5 weitere
Betriebsstätten (Btrst.), vorwiegend Untertagebau), Kalkstein (rund 40 Btrst., auch Untertagebau), Ton
(12 Btrst., neogene und quartäre Sedimentkörper), Diabas und basaltische Gesteine (Klöch, weitere
Btrst.), Dolomit (14 Btrst.), Quarz und Quarzit (10 Btrst.), Serpentinit (Kraubath und 2 weitere Btrst.),
Gneis (3 Btrst.) und Lockergesteine (rund 50 Btrst., quartäre Sedimentkörper, Hangschuttmassen,
neogene Beckenablagerungen) gewonnen. Die Zahlen sind aufgrund mangelhafter Erfassung vor
allem sehr kleiner Betriebe im Allgemeinen als zu gering aufzufassen (BMWA 2010, EBNER 2008).

In der Steiermark gibt es neun Massenabfalldeponien (Frohnleiten, St. Johann in der Haide,
Judenburg/Gasselsdorf, Eisenerz, Bad Aussee, Liezen, Allerheiligen/Mürztal, Halbenrain und Köflach/
Rosental), auf denen jährlich rund 200 000 m³ deponiert werden (MITTERWALLNER Jänner 2011).
Daneben stehen 17 Deponien für Baurestmassen und 34 Deponien für Bodenaushub zur Verfügung.
Insgesamt fielen 2009 40 300 t an Baurestmassen an, wovon rund 12 000 t Aushubmaterial waren.
(LAND STEIERMARK ABFALLWIRTSCHAFT Jänner 2011, W INTER UND FELSBERGER, 2010).

840 Wildbäche, 90 Lawinengebiete und 50 Risikogebiete (Steinschlag, Rutschung) sind in der


Steiermark mit Schutzmaßnahmen versehen. 2008 wurden für die Wildbachverbauung bei Erd- und
Dammbauarbeiten 247 000 m³ bewegt, bei Beton- und Stahlbetonbauarbeiten 17 000 m³ verbaut,
46 000 m³ an Grobsteinen geschlichtet, und 2000 m³ Holz verbaut. 482 lfm an Stützverbauungen und
Verwehungsverbauungen wurden für den Lawinenschutz aufgewendet. Knappe 2000 m³ an
Felsankern und Vernetzungen wurden zum Erosionsschutz angebracht, rund 50 ha wurden
aufgeforstet bzw. die Wälder saniert. (LEBENSMINISTERIUM 2008) In der Steiermark gibt es rund 1700
Wasserkraftwerke, wovon 7 Speicherkraftwerke, 95 Laufkraftwerke und der Rest
Ausleitungskraftwerke sind. Da die Wasserkraft als erneuerbare Energie zukunftsträchtig ist, muss mit
einer Zunahme an Kraftwerken gerechnet werden (WASSERWIRTSCHAFT LAND STEIERMARK Jänner 2011).

Die anthropogenen Einflüsse reichen so weit, dass unter anderem die indirekte Wirkung von
Luftschadstoffen (Schwefeldioxid, in Verbindung mit Regen schwefelige Säure) durch die Verstärkung
der Verwitterung Änderungen in geomorphologischen Prozessen hervorrufen (LESER 2003, S.166). Die
Komplexität des geomorphologischen Systems wird auch in Kap. 2.1.1 geschildert.

3.2 Landschaftsformende Faktoren auf Teneriffa


Auf der Vulkaninsel Teneriffa spielt für die Landschaftsformung das geologische Geschehen eine
herausragende Rolle. Daneben sind die klimatischen Verhältnisse sowie die (zum Teil fehlende)
Vegetationsbedeckung von großer Wichtigkeit. Im Gegensatz zur Steiermark ist die Klimageschichte
aufgrund geringeren Alters und der besonderen Lage kaum von Bedeutung.

3.2.1 Landschaftsentwicklung und Geologie Teneriffas

Die Entstehung Teneriffas soll kurz in den Kontext des Ursprungs der kanarischen Inseln gestellt
werden. Plattentektonisch gesehen befinden sich die Inseln auf ozeanischer Kruste, wodurch der
Ansatz nahe liegt, dass die Inseln durch einen Hot-Spot entstanden sind (ROTHE 2008). Dafür spricht,

80
dass die östlichsten, nämlich Lanzarote und Fuerteventura zugleich die ältesten, die westlichsten, La
Palma und El Hierro, die jüngsten Inseln sind, was mit der Bewegungsrichtung der afrikanischen
Platte nach NNE übereinstimmt. Kritiker der Theorie weisen aber unter anderem darauf hin, dass der
rezente Vulkanismus auf den jeweils äußersten Inseln, Lanzarote und La Palma, nicht in die Hot-Spot-
Theorie eingereiht werden kann (ARAÑA UND CARRACEDO 1978, S.29), und dass das Alter Gomeras nicht
in die Abfolge passt (ROTHE 2008, S.52). Auch dass keine Schwereanomalien wie bei anderen Hot-
Spots unter den Inseln gefunden wurden, spricht gegen diese Theorie. Die Anomalien könnten
dagegen wiederum durch eine dicke mesozoische Sedimentdecke maskiert sein (FERNÁNDEZ 2006,
S.25). Diese Sedimentschicht, die mit einigen 1.000 m Mächtigkeit den Untergrund überdeckt,
erschwert ebenfalls die Aussagen zur Krustenart und somit zur Entstehung des Kanarenvulkanismus
im Allgemeinen offensichtlich beträchtlich (ROTHE 2008, S.48).

Neben der Hot-Spot-Theorie gibt es weiters Überlegungen, die die Tektonik in den Mittelpunkt stellen.
Zum einen wird ein Zusammenhang mit der Süd-Atlas-Störung diskutiert (ARAÑA UND CARRACEDO 1978,
S.26), wobei aber eine Fortsetzung bis in den Atlantik nicht nachgewiesen werden kann, zum anderen
besteht auch die Möglichkeit einer über den gesamten Atlantik verlaufenden Bruchzone. Die
Altersdaten der Inseln lassen zudem keine sichere Aussage über eine zeitliche Korrelation mit der
Gebirgsbildung im Atlas sowie in den Alpen zu (ROTHE 2008, S.53).

Eine weitere Variante sieht die Inseln in einer geschwächten Übergangszone zwischen ozeanischer
und kontinentaler Kruste, die auf einzelnen, unterschiedlich stark gehobenen Blöcken liegen (ARAÑA
UND CARRACEDO 1978, S.29). ROTHE 2008 spricht gleichfalls von einer Übergangskruste, wobei diese
aber offensichtlich nach neueren Quellen erst östlich Lanzarotes und Fuerteventuras beginnen soll.
ROTHE 2008, S.59 stellt sogar eine eigene geologische Entstehungsgeschichte für jede Kanaren-Insel
(außer dem Komplex Fuerteventura-Lanzarote) in den Raum. Diese Annahme erscheint mir jedoch zu
einfach, vor allem, wenn sie aus dem Grund momentan mangelnder Informationen und
Interpretationsmöglichkeiten getroffen wird. Aus aktueller Sicht scheint eine Kombination
unterschiedlicher Faktoren wahrscheinlich, wobei sowohl eine Art Hot-Spot als auch besondere bruch-
und plattentektonische Gegebenheiten eine Rolle spielen. (vgl. VIÑUELA MANGAS 2007, W AKONIGG 2008)

Abbildung 34: Rift-Achsen (nach FERNÁNDEZ 2006, S.30, verändert)

81
Zur konkreten Landschaftsgeschichte Teneriffas zeigt sich folgendes Bild: Der Vulkanismus Teneriffas
orientiert sich an den Rift-Zonen, drei Achsen, die annähernd im 120°-Winkel voneinander abgehen
und in deren Zentrum die Cañadas-Caldera mit dem Teide - Pico Viejo - Komplex liegt. Nach ROTHE
2008, S.196 ist vor kurzem innerhalb der Cañadas-Caldera ein Graben nachgewiesen worden, der der
tektonischen Richtung der NE-Rift entspricht. Die beiden weiteren Achsen verlaufen NW sowie SSW
(siehe Abb. 34) (FERNÁNDEZ 2006, S.30 und ARAÑA UND CARRACEDO 1978, S.32f). Die ältesten Teile an der
Oberfläche der Insel befinden sich im Bereich von Roque del Conde (deutlich älter als 11 Mio. a),
Anaga (8-4,2 Mio. a) und Teno (6-6,4 Mio. a) (ROTHE 2008, S.179-202; vgl. Tab. 9 und Abb. 35).
Sowohl im Bereich des Anaga- als auch des Teno-Massivs können aufgrund von Diskordanzen drei
vulkanisch aktive Phasen nachgewiesen werden, welche sich mit Ruhephasen, gekennzeichnet durch
großmaßstäbige Bergrutsche sowie tiefgreifende Erosion und Bodenbildung, abwechselten. (ROTHE
2008, S.179-202) Die tiefen Barrancos und Schluchten weisen auf ein vormals humideres Klima hin,
wobei angenommen werden kann, dass eine weltweite Temperaturzunahme für Teneriffa eine
Zunahme der Niederschläge bedeutet (vgl. SPERLING ET AL. 2004). Im Bereich von La Laguna wurden
bei Bohrungen Küsten- und Flachmeersedimente gefunden, was beweist, das Anaga ursprünglich
eine eigene Insel bildete, von der heute nur mehr die Südhälfte vorhanden ist (CARRACEDO UND DAY
2002, S.138f und FERNÁNDEZ 2006, S.32). Das Teno-Gebirge ist desgleichen tief verwittert, was sich
besonders imposant an der Steilküste von Los Gigantes und den von dort in nordöstlicher Richtung
eingeschnittenen Barrancos zeigt.

Vor rund 3,3 Mio. Jahren begann sich ein verbindendes Cañadas-Gebäude zu entwickeln (siehe
Tab. 9), deren Eruptionen anfangs basaltisch, danach zum überwiegenden Teil jedoch silikatisch
waren. Dabei dürften sich mindestens zwei Mal über 3.000 m hohe Gipfel aufgebaut haben. An der
Caldera-Wand können drei Phasen nachvollzogen werden: Die erste korrespondiert mit der Ucanca-,
die zweite mit der Guajara- und die dritte mit der Diego-Hernández-Formation, was eine Sukzession
von West nach Ost erkennen lässt (FERNÁNDEZ 2006, S.33ff).

Bereich außerhalb der Cañadas Cañadas-Bereich


Rezente Basaltserie Pico de Teide – Pico Viejo-Komplex 0,18 Mio. a bis heute
Serie der Cumbre Dorsal

Obere Cañadas Gruppe Caldera-Einbruch / 0,18 Mio. a


> 1 Mio. a bis heute

Bergrutsch von Icod


Diego-Hernández 0,37-0,18 Mio. a
Formation
Basalte der Serie III Ruheperiode 0,56 Mio. a
Caldera-Einbruch /
Bergrutsch von Orotava
Guajara Formation 0,85-0,57 Mio. a
Bergrutsch von Güímar ~ 0,83-0,56 Mio. a
Ruheperiode
Caldera-Einbruch
Ucanca Formation 1,57-1,07 Mio. a
Ruheperiode
Untere Cañadas Gruppe Nicht differenziert 3,3-2 Mio. a
Altbasaltische Serien der Halbinseln von Anaga, Teno und Roque del Conde ~ 12-3,3 Mio. a

Tabelle 9: Abfolge vulkanischer Aktivität auf Teneriffa (nach ROTHE 2008 S.179-202, verändert)

82
Das Gebäude der Cordillera Dorsal wird als eigenes Gebiet betrachtet, da die Produkte im
Unterschied zum Cañadas-Gebäude vorwiegend basaltisch sind und es sich an der nordöstlich
verlaufenden Rift-Achse orientiert. Zwei zentrale Vulkane, der ältere von Güímar sowie der jüngere
von Orotava, bilden den Unterbau. Das Alter des Dorsal-Gebäudes ist weitgehend unbekannt, die
vorhandenen Daten zeigen synchrone Aktivität mit den jüngsten Teilen des Cañadas-Gebäudes. Die
Basalte der Serie III (siehe Tab. 9) sind in den Tiefländern sowie im Bereich des Cumbre Dorsal mit
gut erhaltenen Vulkankegeln und Lavaströmen verbunden. (ROTHE 2008, S.179-202)
Entweder die Kollapse der entleerten Magma-Kammern oder Bergrutsche oder eine Verknüpfung
verschiedener Ereignisse in Kombination mit hochexplosiven, plinianischen Eruptionen ließen die
ursprünglichen Gipfel der Cañadas-Gebäude sowie des Dorsal-Gebäudes wieder verschwinden.
Sediment-Ablagerungen im Meer, insbesondere nördlich der Insel, sowie Schichten von Brekzien sind
Hinweise auf diese Geschehnisse. Die stark überformten und wieder gefüllten Täler (nicht im engeren
Sinn der Bildung durch fluviatile Erosion) von Icod, Orotava und Güímar einerseits und die zweiteilige,
von den Roques de García getrennte Cañadas-Caldera andererseits sind das Ergebnis von diesen
gewaltigen Rutschungen und Einbrüchen (nach FERNÁNDEZ 2006, S.36f; ROTHE 2008, S.179-202;
CARRACEDO UND DAY 2002, S.139ff; W AKONIGG 2008, S.33ff).
Aktuell bedeckt der imposante Stratovulkan des Teide - Pico Viejo - Komplexes und dessen Material
einen Großteil der Cañadas-Caldera. Auch das Tal von Icod ist weitgehend wieder verfüllt worden. Die
Tendenz zu silikatischen Eruptionen in den höher gelegenen Bereichen bzw. basaltischem
Auswurfmaterial am Caldera-Boden dürfte der Hinweis auf eine geschichtete Magmakammer sein.
(CARRACEDO UND DAY 2002, S.142)

Abbildung 35: Geologische Einheiten und Historische Eruptionen Teneriffas (nach CONCEPCION 1990
und FERNÁNDEZ 2006, S.42, verändert)

83
Die rezenten Eruptionen sind in erster Linie an den Riftzonen anzutreffen, wobei die Lavaströme
vielfach das Meer erreichten und auf diese Art neues Land schufen. Die wichtigsten historischen
Eruptionen auf Teneriffa finden sich in Abb. 35. Die größte Zerstörung richtete dabei der Ausbruch der
Montaña Negra an (3), der 1706 einen großen Teil der Siedlung Garachico sowie den wichtigsten
Hafen der Insel vernichtete. Die in Abb. 35 dargestellten Einheiten werden nun folgend erläutert.

Die alten Massive sind vorwiegend aus basaltischen Laven aufgebaut, wobei im oberen Bereich
Anagas auch phonolitisches Material vorkommt (CARRACEDO UND DAY 2002, S.139). Besonders das
Anaga-Gebirge im Nordosten wird von zahlreichen intrusiven Gang-Schwärmen, den Dykes und Sills,
durchzogen. Über den basaltischen Laven liegen große strombolianische Schildvulkane mit
pyroklastischen Kegeln und basaltischen Laven. Vulkanische Brekzien sind auf große Rutschungen
zurückzuführen. In den obersten Teilen und im Kern des intrusiven Komplexes kommen gleichfalls
phonolithische Gesteine vor. Im Teno-Gebirge im Nordwesten treten weniger pyroklastische
Materialien auf. Dort sind zwei große basaltische Formationen, die durch eine mächtige Brekzien-
Schicht getrennt sind, nachweisbar. Das Gebiet um Roque del Conde im Süden ist ebenso basaltisch,
aber nur von wenigen Gängen durchzogen.

Die Cañadas-Bauten waren enorme Vulkane, die über das Ausmaß der heutigen Nord-Süd-
Ausdehnung hinausgingen und die in eine untere und eine obere Gruppe unterteilt werden können.
Die untere ist vorwiegend aus basaltischen und trachybasaltischen Laven, Schlacken und Brekzien
aufgebaut. Die obere wird weiter in die Formationen Ucanca, Guajara und Diego-Hernández
untergliedert. Bei ersterer dominieren phonolithische Laven und Pyroklastika, bei zweiter finden sich
dicke Lagen phonolithischer Pyroklastika, dazwischen Ignimbrite und Brekzien und letztere ist
charakterisiert durch bimshältige Ignimbrite und Schlackekegel. Der Dorsal-Vulkanbau wird aus
mächtigen basaltischen Laven aufgebaut.

Der Teide - Pico Viejo - Komplex und deren periphere Vulkane werden auch als Postcaldera-Bauten
bezeichnet. Die zugehörigen Eruptionen beinhalten Basanite und Phonolithe. Die peripheren Bauten
werden durch saure Magmen, sehr zähflüssige Lavaströme und heftige plinianische Eruptionen (z.B.
Montaña Blanca) charakterisiert. Die vorherrschenden Gesteine sind Phonolithe und saure
Pyroklastika.

Entlang der Rift-Achsen etablierte sich ein vorwiegend basaltischer Vulkanismus strombolianischen
Typs. Viele Vulkankegel dieses rezenten Vulkanismus sind oft sehr gut erhalten und die Lavaströme
konnten an mehreren Stellen dem Meer Land abgewinnen. Die historischen Eruptionen schließlich
machen nur einen geringen Anteil aus, waren allesamt basaltisch, strombolianischen Typs und
vorwiegend effusiv. (CARRACEDO UND DAY 2002, FERNÁNDEZ 2006; siehe auch Kap. 2.1.1.1)

3.2.2 Aktuelle klimatische Verhältnisse und die Vegetation Teneriffas

Teneriffa liegt auf 28° nördlicher Breite und weist subtropisches Klima auf. Ähnlich wie in der
Steiermark ist gleichfalls der Einfluss der Seehöhe sehr bedeutend. Der Atlantik hat eine
ausgleichende Wirkung, wobei der Teneriffa umfließende Kanarenstrom, ein kühler Meeresstrom, der
an der Westküste Afrikas nach Südwesten fließt, vor allem für die geographische Breite

84
vergleichsweise kühle Sommer bewirkt. Daneben wird das Inselklima stark von der Zirkulation
beeinflusst. Der Passat, ebenfalls aus Nordost kommend, hat im Sommer eine Beständigkeit von bis
zu 95 % mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 6 m/s. Im Winter herrscht vor allem
Hochdruckwetter vor, es kommt aber relativ häufig zu zyklonaler Witterung. Dadurch wird der Winter
zur Hauptniederschlagszeit, wobei die Niederschläge häufig mit Unwettern verbunden sind und große
Niederschlagsmengen in kurzer Zeit fallen können. Eine Besonderheit stellt die Passatinversion dar,
die eine deutliche Trennung zwischen einem durch den Kontakt mit dem kühlen Meer kühlem und
feuchtem Luftkörper unten und einer durch Absinkbewegungen warmen, extrem trockenen Luftmasse
oben hervorruft. An der Grenze kommt es in einer Höhe von 800 bis 1.600 m zur Bildung des „mar de
nubes“ („Wolkenmeer“), einer Hochnebel ähnlichen Stratocumulusbewölkung. Diese Bewölkung bildet
sich im Laufe des Vormittages und nimmt am Abend wieder ab. Es kommen auch afrikanische
Warmlufteinbrüche vor, die durch große Hitze und Sand in der Luft gekennzeichnet sind (siehe
Abb. 36).

Abbildung 36: Saharasand in der Luft über dem Meer (Standort: etwas westlich von Las Aguas,
Blickrichtung: E, Aufnahmedatum: 18.12.2006)

Ein Blick auf die Temperatur zeigt, dass bis zu einer Höhe von 1.200 m kein Frost vorkommt. Die
Mittelwerte liegen auf Meeresniveau im Februar bei rund 17°C und im August bei 22-25°C, auf
1.000 m Höhe bei 9-10°C im Februar und 17-18°C im August, die Mittelwerte nach Höhenstufe
können zusätzlich Tab. 10 entnommen werden.

Untere subtropische Stufe (0 - 50 m) 20,0 - 26,0°C


Obere subtropische Stufe (50 - 350 m 17,5 - 20,0°C
Übergangsstufe (350 - 750 m) 15,0 - 17,5°C
Untere gemäßigte Stufe (750 - 1.250 m) 12,5 - 15,0°C
Obere gemäßigte Stufe (1.250 - 2.000 m) 10,0 - 12,5°C
Subalpine Stufe (2.000 - 3.200 m) 7,5 - 10,0°C
Tab. 10: Jahresmittelwerte der Temperatur nach Höhenstufen auf Teneriffa (nach FERNANDOPULLÉ 1976)

Die Niederschläge werden vornehmlich von der Wetterscheidenwirkung geprägt, die Jahresmittelwerte
zeigen für die Südküste unter 100 mm, die Nordküste über 300 mm und die feuchtesten Regionen
über 600 mm (vgl. SANTANA-PÉREZ 2008). Der Niederschlag fällt meist in relativ wenigen
Starkregenereignissen, die, in Kombination mit der raschen Verwitterung basaltischer Vulkanite im
subtropischen Klimabereich und der Wechsellagerung der härteren Basaltschichten mit weniger
widerstandsfähigen Aschenlagen oder Almagres (alten Bodenhorizonten), zu hohen Erosions- und

85
Transportleistungen führen. Schneefall ist oberhalb von 1.500 m zu erwarten. Insbesondere durch die
große Trockenheit in den hohen Lagen ist die aktuelle Geomorphodynamik recht gering. Der
Nebelniederschlag ist eher von geringer Bedeutung (max. 200 mm/a). (SKRIPTUM ATLANTISCHE INSELN
2003, WAKONIGG 2008, RACHOINIG Jänner 2011, CARRACEDO UND DAY 2002, S.12f, MARZOL JAÉN ET AL. 2006)

Abbildung 37: Vegetationsstufen Teneriffas (nach SKRIPTUM ATLANTISCHE INSELN 2003 und WALTER Jänner
2011, verändert)

Da die Vegetation eng mit den klimatischen Gegebenheiten der Insel verknüpft ist, folgt nun ein Blick
auf die Vegetationsstufen: Eine Wüstenstufe (Abb. 37; 1a) mit extrem xeromorpher Vegetation
befindet sich auf Teneriffa nur im Bereich von El Médano, die restliche Küstenstufe zeigt
halbwüstenartige Vegetation. Im Küstenbereich (Abb. 37; 1) finden sich insbesondere in der
Sprühzone salzliebende Pflanzen, Halb- und Zwergsträucher sowie Flechten. Die Sukkulentenstufe
(Abb. 37; 2) reicht an der Südseite weiter hinauf als an der Nordseite und wird durch hohe
Temperaturen, niedrige Niederschläge und beständige Winde geprägt. Nach den Leitpflanzen kann in
Tabaibal im unteren Bereich und Cardonal in der oberen Sukkulentenstufe unterschieden werden. Hier
kommen außerdem zahlreiche Neophyten, vor allem Agaven und Opuntien vor. Die thermophilen
Buschwälder (span. „bosque termófilo“) (Abb. 37; 3) bilden einen Übergang zur Lorbeer- bzw.
Kieferwaldstufe. Dieser Bereich wurde intensiv genutzt und der ursprüngliche Wald ist nur noch an
wenigen Stellen, wie etwa im Anaga-Gebirge, erhalten. Der Lorbeerwald kann als „fossile
Pflanzenwelt“ aufgefasst werden, die vor dem Pleistozän im gesamten Mittelmeerraum bestand,
während der darauf folgenden Abkühlung dort aber verschwand und nun nur mehr auf den westlichen
Kanareninseln anzutreffen ist. Daraus kann gefolgert werden, dass sich die klimatischen Bedingungen
in der Geschichte Teneriffas in relativ geringem Ausmaß geändert haben. Dieser besonders sensible,
an Epiphyten und Unterwuchs reiche Wald ist an Bereiche höherer Feuchtigkeit und somit an die Zone
der aufliegenden Bewölkung gebunden. In durch Nutzung degradierten Bereichen sowie an klimatisch
ungünstigeren Stellen findet sich in dieser Stufe ein Baumheide-Buschwald (span. „fayal-brezal“). In
höheren (ab ca. 1.200 m) oder trockeneren, im Süden zum Teil in rund 800 m Höhe direkt an die

86
Sukkulentenstufe angrenzenden Lagen findet sich Kiefernwald (Abb. 37; 4) mit der Kanarenkiefer als
einziger Baumart. Die Kiefernwaldstufe reicht bis zur Waldgrenze bei rund 2.000-2.400 m, wobei diese
Grenze vorwiegend eine edaphisch bedingte Trockengrenze ist, da ältere, stärker verwitterte Gesteine
ein größeres Wasserspeichervermögen aufweisen als junge, unverwitterte. Diese Wälder sind recht
oft von Waldbränden betroffen, die der Kanarenkiefer aufgrund ihrer dicken Borke aber relativ wenig
anhaben können. Über der Waldgrenze sind die klimatischen Bedingungen aufgrund hoher
Strahlungswerte, geringer Niederschläge, starker Temperaturschwankungen und Frösten auch im
Sommer besonders rau. Eine angepasste Gebüschformation mit zahlreichen Endemiten wie dem
Teide-Ginster bildet hier den Bestand und reicht bis maximal 3.100 m hinauf (Abb. 37; 5). Die alpinen
Steinschuttfluren (Abb. 37; 6) sind artenarm, wobei das Teide-Veilchen als Endemit für diese Zone
charakteristisch ist. In der Kryptogamenstufe (Abb. 37; 7) über 3.200 m finden sich nur mehr Moose,
Algen und Flechten. (SKRIPTUM ATLANTISCHE INSELN 2003, WAKONIGG 2008, W ALTER Jänner 2011)

Auf den Kanaren sind Waldbrände keine Seltenheit und ihre Zahl war in den Jahren 2004 bis 2008 mit
33 bis 38 jährlich annähernd gleich hoch, im besonders betroffenen Jahr 2007 betrug die betroffene
Fläche 169 km², in den anderen Jahren zwischen rund 0,2 und 0,6 km² (INSTITUTO CANARIO DE ESTADÍSTICA
2008).

3.2.3 Sonstige Einflussfaktoren auf Teneriffa

Auf Teneriffa ist der Bach im Barranco del Infierno das einzige perennierende Gewässer. Das Wasser
wird vorwiegend durch Stollen, sogenannte „galerías“ gewonnen. Das einzige stehende Gewässer war
der See von La Laguna, der eine Ausdehnung von rund einem halben Quadratkilometer hatte und
durch die starke Wassernutzung im 18. Jh. verlandete (WAKONIGG 2008, S.115f). Die Kombination aus
der Neigung zu torrentialen Regenfällen (siehe Kap. 3.2.2) und relativ kleinen Einzugsgebieten erhöht
die Gefahr von katastrophenartigen Ereignissen wie Überschwemmungen, Murenabgängen und
Schlammlawinen (MARZOL JAÉN ET AL. 2006). Vor allem das Inselinnere weist kein organisiertes
Abflussnetz auf, was nur zum Teil mit dem fehlenden Niederschlag und hoher Evapotranspiration,
wohl aber durch die hohe Porosität und Durchlässigkeit der rezenten vulkanischen Ablagerungen
erklärt werden kann (ROMERO-RUIZ ET AL. 2006).

Auf der 2.034 km² großen Insel leben rund 907 000 Menschen, was eine Einwohnerdichte von
446 Einwohner/km² bedeutet (Steiermark: 16.401 km², 1 207 000 Einwohner, 74 Einwohner/km²). Zu
diesem recht starken Bevölkerungsdruck kommen noch rund 5 Mio. Touristen jährlich. Gesamt gab es
auf der Insel 2009 über 36 Mio. Nächtigungen (Steiermark: 10,7 Mio. Nächtigungen). Die
Tourismusintensität (Nächtigungen pro Wohnbevölkerung) betrug im Jahr 2009 40
(36 124 706 Nächtigungen / 899 833 Einwohner) (Steiermark: 9). Über 134 000 Betten standen 2009
auf der gesamten Insel den Urlauberinnen und Urlaubern zur Verfügung, die Auslastung betrug im
Schnitt 54 % und war mit 65 % in den Hotels des Südens am höchsten (Steiermark: 115 300 Winter,
122 600 Sommer; Auslastung: 26-28%). Der Teide-Nationalpark wurde im Jahr 2009 über 3 Mio.
Menschen besucht. Dieser enorm hohe anthropogene Druck konzentriert sich auf die Zone im Süden,
auf die Region La Laguna-Santa Cruz de Tenerife sowie auf die Bereiche Valle de Icod und Valle de

87
Orotava und zeigt sich besonders durch die starke Bebauung der Insel. 146 km² (7,2 % der
Gesamtfläche) der Insel sind bebaut oder Baugrund. Insbesondere im Süden sind die
Beherbergungsbetriebe sehr landschaftsprägend. Mit der hohen Bevölkerungszahl sind Probleme wie
ein hoher Wasserbedarf, hohes Müllaufkommen oder auch ein hoher Bedarf an Infrastruktur
verbunden, wobei zu diesen Punkten kaum konkrete Zahlen zu eruieren sind. Neben den bebauten
Flächen wird das Land intensiv landwirtschaftlich genutzt (siehe Abb. 38).

Abbildung 38: Bebauung und landwirtschaftliche Nutzung im Süden der Insel (Blick im Anflug auf den
Flughafen Reina Sofia Richtung N auf Las Galletas, Aufnahmedatum: 12.2.2007, Aufnahme:
HOLZWARTH)

237 km² der Inseln (11,7 % der Gesamtfläche) wurden 2008 für den Anbau von Wein, Bananen,
Kartoffeln, Tomaten, Stecklinge, Schnittblumen und anderen Kulturen verwendet (Steiermark:
4468 km²; 27 % der Gesamtfläche). Die Veränderung der Landschaft durch die Landwirtschaft ist
häufig deutlich sichtbar. Es wurden aufgrund des Steilreliefs zahlreiche Terrassen angelegt,
Gewächshäuser sollen die klimatischen Bedingungen optimieren und da es an vielen Stellen an
günstigen Böden fehlt, werden diese oft an anderer Stelle abgetragen und auf den landwirtschaftlichen
Flächen aufgebracht. In der Wüsten- und Sukkulentenzone kommen vorwiegend Xerosole vor, in der
Lorbeerwaldzone finden sich äußerst günstige sandig-lehmige humose Braunerden, in den
Kiefernwäldern dominieren hingegen braune Lehmböden und Ranker (SKRIPTUM ATLANTISCHE INSELN,
2003). Im Allgemeinen werden in den tieferen Lagen Exportgüter der innovativen Landwirtschaft wie
Blumen, Papayas oder Avocados und in den höher gelegenen Regionen eher traditionelle Kulturen
wie Gemüse und Kartoffeln angebaut. In starkem Kontrast zu diesen ausgesprochen intensiv
genutzten Flächen stehen 988 km² (48,6 % der Gesamtfläche), die unter Schutz gestellt sind. Davon
nimmt 190 km² der Teide-Nationalpark ein, 466 km² sind als Naturpark, 225 km² als Landschaftspark,
70 km² als Naturreservat, 63 km² als Naturmonument, 83 km² als geschützter Landschaftsteil und
4 km² als Ort wissenschaftlichen Interesses ausgewiesen. (Daten Teneriffa: INSTITUTO CANARIO DE

ESTADÍSTICA Jänner 2011, TURISMO DE TENERIFE 2009, INSTITUTO CANARIO DE ESTADÍSTICA 2008; Vergleichsdaten
Steiermark: AMT DER STEIERMÄRKISCHEN LANDESREGIERUNG 2010)

88
4 Eine geomorphologische Karte der Steiermark im Maßstab
1 : 50 000
Ein integraler Bestandteil der geomorphologischen Karte der Steiermark ist der Erläuterungsteil. Die
Interpretation bzw. das korrekte Lesen der Karte ist nur mit Hilfe der unten angeführten Erklärungen
möglich, da ein derart komplexes Thema nicht ausschließlich in einer Karte dargestellt werden kann.
Wie bereits in den Ausführungen zur geomorphologischen Karte in Kap. 2.1.3 erwähnt, sollte mit der
vorliegenden Arbeit nicht eine informationsüberfüllte, kaum zu lesende Karte geschaffen werden,
sondern eine Karte, die größtmögliche Objektivität besitzt und die charakteristische Formenwelt der
einzelnen Landschaftseinheiten möglichst deutlich wiedergibt. Im Folgenden wird ein Überblick über
die verwendeten Signaturen gegeben, die aus der geomorphographischen Analyse abgeleitet wurden.
Anschließend werden die einzelnen Formen, gegliedert nach Prozessen, erläutert. Zugleich wird
dargestellt, wie von den einfachen, eher morphographischen Einheiten auf die komplexen
geomorphologischen Formen geschlossen werden kann.

4.1 Das Ergebnis der Clusteranalyse im Programmsystem SAGA für die


Steiermark
Anhand von einigen ausgewählten Regionen wird nun das Ergebnis der Clusteranalyse dargestellt
und ein wenig beschrieben. Mittels der gewählten Gebiete werden die Vor- und Nachteile der
Methodik illustriert und erläutert. Drei Bereiche in der Steiermark werden zu diesem Zweck
herangezogen, zwei Bereiche auf Teneriffa folgen in Kap. 6.1.

Beispiel Wechselgebiet (Abb. 39)

Abbildung 39: Ausschnitt aus einer ersten Gliederung des Ergebnisses der Clusteranalyse im
Wechselgebiet (Steiermark) im Maßstab 1 : 50 000 (eigene Darstellung)

89
Die Legende in Abb. 39 gibt nur Anhaltspunkte und keine genaue Definition der einzelnen Klassen.
Wie in Abb. 39 ersichtlich, sind die Talbereiche in dem primären Ergebnis der Clusteranalyse recht gut
definiert. Insbesondere die breiteren Talböden und die untersten Hangbereiche, zum Teil
Hangschleppen, kommen sehr gut zur Geltung. Problematisch gestaltete sich hingegen die
Abgrenzung der Gipfelfluren. Die breiten, sanften Formen in den höchsten Lagen bewirken sehr breite
Gipfelregionen, sattelartige Strukturen sind mitunter in derselben Klasse wie die oberen Hangbereiche
anzutreffen. Zur weiteren Analyse der Gipfel, Kämme und Grate mussten daher zumindest die
Klassen 6,7,8 und 12, zum Teil zusätzlich noch die Klasse 0 herangezogen werden.

Beispiel Schladminger Tauern (Abb. 40)

Wie in Abb. 40 erkennbar, sind die Gipfelfluren in den Schladminger Tauern viel stärker durch Kämme
und Grate definiert als im Beispiel Wechselgebiet. Auch die erosiven Einschnitte kommen sehr
deutlich zur Geltung. Nicht dem gängigen Bild entsprechend und somit etwas problematisch ist in
diesem Bereich, dass die Kämme und Rücken zum Teil sehr weit in tiefe Lagen reichen. Zahlreiche
weitere Analysen erweisen sich als notwendig, um bestimmte Klassen, wie etwa Karböden,
Schwemmkegel oder Terrassen heraus zu filtern. So enthält beispielsweise die Klasse 11 sowohl Tal-
als auch Karböden und Seen.

Abbildung 40: Ausschnitt aus einer ersten Gliederung des Ergebnisses der Clusteranalyse im Bereich
der Schladminger Tauern (Steiermark) im Maßstab 1 : 50 000 (eigene Darstellung)

Beispiel Dachsteingruppe (Abb. 41)

Dieses Gebiet ist stark durch Verkarstung geprägt, an den Abhängen kommen durch das Auftreten
von Grauwacke sowie durch die holozänen Schuttablagerungen zudem sanftere Formen vor. Bei der
Dachsteingruppe handelt es sich um ein Plateaugebirge, was sich im Ergebnis der Clusteranalyse
deutlich durch eine hohe Dichte an Gipfel-, Kamm- und Gratbereichen ausdrückt. Die

90
Herausforderung bestand dabei in der Verdeutlichung der markanten Erhöhungen. Die erosiven
Einschnitte kommen größtenteils gut zur Geltung, zum Teil sind sie etwas zu eng definiert. Auch hier
enthält die Klasse der Verflachungen, und teils jene der Talböden, Eintiefungen, die in
geomorphologischer Hinsicht zum einen den Karsthohlformen und zum anderen den glazialen
Abtragungsformen zugerechnet werden können und die erst mit Hilfe des Eingreifens durch den
Bearbeiter bzw. die Bearbeiterin mehr oder weniger gut herausgelöst und bestimmt werden können.
Eine automatische Definition ist aufgrund der morphographischen Ähnlichkeit der Objekte nicht
möglich.

Abbildung 41: Ausschnitt aus einer ersten Gliederung des Ergebnisses der Clusteranalyse im Bereich
der Dachsteingruppe (Steiermark) im Maßstab 1 : 50 000 (eigene Darstellung)

ID Elements slope planc profc pctg Beschreibung


0 4674920 -1.0951 -0.1261 -0.0779 -0.5540 flacher Hangbereich: Hangneigung, Krümmung und pctg gering
1 4134257 0.1905 -0.4050 -0.5565 -0.9536 Hangbereich unten: Krümmung und pctg gering
2 8529909 0.0571 0.0116 -0.0108 -0.0195 Hangbereich mitte-unten: Hangneigung, Krümmung & pctg gering
3 6308911 1.0821 -0.1200 -0.0538 -0.0074 Hangbereich mitte: höhere Hangneigung, geringerer pctg
4 4483158 0.3802 0.2340 0.4621 0.8449 Hangbereich oben-mitte: mittlere Hangneigung, mittlerer pctg
5 1187898 0.7757 -3.0009 -0.5662 -0.4352 erosiver Einschnitt: Konvexität in Horizontalrichtung hoch, pctg gering
6 647127 1.3468 0.5511 2.8780 1.3383 Kamm, äußerer Bereich: Hangneigung hoch, mittlere Konkavität in
Vertikalrichtung, pctg hoch
7 1678401 0.8288 1.7911 0.3516 0.5085 Kamm unten: mittlere Konkavität in Horizontalrichtung, pctg gering
8 2533882 -1.3170 -0.2665 -0.5671 -2.1251 Talboden: Hangneigung, Krümmung und pctg gering
9 2144340 -0.9791 0.4583 0.6826 2.0786 flacher Gipfelflurbereich: Hangneigung gering, pctg hoch
10 4685874 -0.9566 0.1121 0.1359 0.6407 flache Erhebung: Hangneigung und Krümmung gering
11 101181 2.6586 -2.3176 -7.8877 -1.0000 Hangbereich, Geländekante: Hangneigung und Konvexität in vertikaler und
horizontaler Richtung hoch
12 287981 1.5046 5.0555 1.8925 1.0115 Kamm, Geländekante: Konkavität in Horizontalrichtung und pctg hoch
13 86310 2.4342 2.9611 8.9218 1.6216 Kamm, Grat: Hangneigung, Konkavität in vertikaler Richtung & pctg hoch

Tabelle 11: Statistik zur Clusteranalyse für den Bereich Nordalpen (Elements = Anzahl der Zellen,
pctg = Reliefenergieparameter, slope = Hangneigung, planc = plan curvature = Horizontalkrümmung,
profc = profile curvature = Vertikalkrümmung) (eigene Darstellung)

91
Für dieses Beispiel ist auch eine statistische Auswertung der Clusteranalyse beigefügt, ähnlich wie in
Kap. 2.2.5, Tab. 4. Die in Tab. 11 dargestellten Parameter zeigen die bereits normalisierten
Eingangsdaten, da die Normalisierung vor der Clusteranalyse aufgrund der großen Datenmenge
separat durchgeführt werden musste (vgl. Kap. 2.2.2). Daher können aus Tab. 11 nur die Verhältnisse
der einzelnen Parameter zueinander beurteilt werden, nicht jedoch die absoluten Werte. Trotzdem ist
eine gute Abschätzung möglich. So tritt beispielsweise deutlich hervor, dass die höchsten pctg-Werte
den Erhebungen, die niedrigsten den Talbereichen zufallen.

4.2 Das Endergebnis für die Steiermark


Um das Endergebnis der Geomorphologischen Karte 1 : 50 000 ein wenig zu erläutern, werden
wiederum die selben Beispiele herangezogen wie in Kap. 4.1. Hier soll keine ausführliche Erläuterung
zu den einzelnen Formen gegeben werden, diese findet sich in Kap. 4.3.

Beispiel Wechselgebiet (Abb. 42)

Wie bereits in Kap. 4.1 geschildert, war insbesondere die Herauslösung der Klasse der Gipfelfluren
problematisch. Das Ergebnis in der Karte 1 : 50 000 ist das bestmögliche Ergebnis, das unter
Wahrung einer größtmöglichen Objektivität und Nachvollziehbarkeit zu erzielen war. Die erosiven
Einschnitte, die bei größerer Hangneigung als Schuttrinnen ausgewiesen sind, sowie die Talböden,
entsprechen der allgemeinen Vorstellung. Der Ausschnitt scheint relativ wenige Klassen zu umfassen,
es ist allerdings zu bedenken, dass mit den insgesamt 37 verwendeten Formen die gesamte
Steiermark beschrieben wird. Das relativ homogene Wechselgebiet wird daher in erster Linie durch
Hänge unterschiedlicher Neigung beschrieben, wobei Hangneigungen zwischen 5° und 30° besonders
häufig vorkommen. Diese können zudem zu weiterer Interpretation herangezogen werden (vgl.
Kap. 4.3).

Abbildung 42: Ausschnitt aus der Geomorphologischen Karte Steiermark 1 : 50 000 im Bereich des
Wechselgebietes (eigene Darstellung)

92
Beispiel Schladminger Tauern (Abb. 43)

Das Ergebnis im Bereich der Schladminger Tauern zeigt ein deutlich differenzierteres Bild. Im
Vergleich zum vorhergehenden Beispiel fallen sofort die klar hervortretenden Kämme und Grate ins
Auge. Aufwändig gestaltete sich hier vor allem die Elimination der bis in tiefe Lagen reichenden
Kamm- und Gratbereiche. Daneben prägen zahlreiche erosive Einschnitte und Schuttrinnen das Bild,
wobei die Schuttrinnen als erosive Einschnitte über einer bestimmten Hangneigung verstanden
werden können. Verflachungen in großen Höhen sind zumeist als Karböden definiert. Weitere glaziale
Formen, wie etwa Karwände oder Trogtäler oder -schultern, können mithilfe weiterführender
Interpretation heraus gelesen werden. Die Blockgletscher wurden manuell mit Hilfe eines bereits
existierenden Daten-Layers ergänzt.

Abbildung 43: Ausschnitt aus der Geomorphologischen Karte Steiermark 1 : 50 000 im Bereich der
Schladminger Tauern (eigene Darstellung)

Beispiel Dachsteingruppe (Abb. 44)

Im Bereich des Karstplateaus der Dachsteingruppe und dessen Abhängen war die Dichte der Kamm-
und Gratformen zum Teil zu hoch. Auch kleinere Erhebungen zwischen karstgeprägten Hohlformen
wurden automatisiert dieser Klasse zugewiesen.

Diese mussten durch weitere Analysen, die sich vorwiegend auf die Reliefenergie bezogen, eliminiert
werden. Es wurde darauf geachtet, dass die Erhebungen an den Randabfällen, die zwar keine
Gipfelflur im engeren Sinn darstellen, sehr wohl aber in ökologischer Hinsicht mit Gipfelfluren
vergleichbar sind, in die Klasse der Gipfel, Kämme und Grate fallen. Da dieses Karstgebiet während
der Eiszeiten vergletschert war, ist insbesondere die Unterteilung der Verflachungen und Eintiefungen
im Plateaubereich in Glazial- und Karstformenschatz nicht zuletzt deshalb sehr schwierig, weil
Karstdynamik und Eisschliff sich oft überlagerten und zum Teil die eintiefende Wirkung gegenseitig
verstärkten (vgl. Kap. 3.1.2). Die Differenzierung erfolgte in erster Linie aufgrund der Lage im Raum.

93
Ebenfalls teilweise nicht eindeutig definierbar sind die Schwemm-, Schutt- und Murenkegel, da diese
oft aus unterschiedlichen Lagen aufgebaut sind und unter anderem auch Moränenmaterial enthalten
können. Wichtig ist aber, dass die Charakteristik dieser Landschaft, nämlich ein eiszeitlich geprägtes
Karstplateau, ein Randabfall, sowie ein Tal, das vor allem von den Schuttmassen, die von diesem
Gebirgsblock ausgehen, gekennzeichnet ist, deutlich zur Geltung kommt.

Abbildung 44: Ausschnitt aus der Geomorphologischen Karte Steiermark 1 : 50 000 im Bereich der
Dachsteingruppe (eigene Darstellung)

4.2.1 Formeninventar und Legende der Geomorphologischen Karte der


Steiermark 1 : 50 000

Das Formeninventar besteht in erster Linie aus den Grundformen, die sich in der Karte durch
Kombination zu komplexeren Formen zusammensetzen lassen, wie es in den Erläuterungen zur
Formenwelt in Kap. 4.3 erklärt ist. Grundsätzlich entspricht die Unterteilung den überwiegenden
Agentien. Aus diesen 37 Elementen kann aber nicht nur eine Vielzahl von geomorphologischen
Formen interpretiert, sondern, teilweise unter Heranziehung von weiterer Informationen, auf die
formenden Prozesse und die Genese geschlossen werden. Und durch diesen Schritt schließlich
unterscheidet sich eine geomorphographische Analyse von der hier gewünschten
geomorphologischen. Die Auswahl der ausgewiesenen Formen stützt sich zum einen auf die
zahlreichen Diplomarbeiten, die sich mit der Geomorphologie von kleineren Teilbereichen der
Steiermark auseinander setzten (DAMOSER 2002, EDLER 2003, HASENHÜTTL 2004, HASIBA 2002, HOCHSTEGER
2000, KAUFMANN 2005, REMICH 2001). Zum anderen orientiert sie sich an der Arbeit von KIEDL 2005, im
Rahmen derer eine computergestützte Reliefanalyse der zuvor manuell erarbeiteten Gebiete der
Schladminger Tauern sowie des Sausal durchgeführt wurde.

94
R G B
Denudativ
150 220 240 Niveau auf Karbonat (< 5°)
130 200 220 Flacher Hang auf Karbonat (5° bis 20°)
110 180 200 Mittelsteiler Hang auf Karbonat (21° bis 30°)
90 160 180 Steiler Hang auf Karbonat (30° bis 45°)
70 140 160 Fels auf Karbonat (> 45°)
210 200 150 Niveau auf Nichtkarbonat (< 5°)
190 180 130 Flacher Hang auf Nichtkarbonat (5° bis 20°)
170 160 110 Mittelsteiler Hang auf Nichtkarbonat (21° bis 30°)
150 140 90 Steiler Hang auf Nichtkarbonat (30° bis 45°)
130 120 70 Fels auf Nichtkarbonat (> 45°)
255 255 200 Niveau auf Sediment (< 5°)
235 235 180 Flacher Hang auf Sediment (5° bis 20°)
215 215 160 Mittelsteiler Hang auf Sediment (21° bis 30°)
195 195 140 Steiler Hang auf Sediment (30° bis 45°)
175 175 120 Fels auf Sediment (> 45°)
200 180 240 Niveau auf vulkanischem Gestein (< 5°)
180 160 220 Flacher Hang auf vulkanischem Gestein (5° bis 20°)
160 140 200 Mittelsteiler Hang auf vulkanischem Gestein (21° bis 30°)
140 120 180 Steiler Hang auf vulkanischem Gestein (30° bis 45°)
120 100 160 Fels auf vulkanischem Gestein (> 45°)
250 220 140 Hangschleppe
250 200 120 Niveau im Vorland
160 50 45 Gipfel, Kamm, Grat
200 90 85 Riedelrücken
Gravitativ
90 70 40 Steinschlag- und Schuttrinne
110 90 0 Schuttkegel und -halden
Fluviatil
70 50 20 Erosiver Einschnitt
170 210 120 Schwemm- und Murenkegel
50 85 25 Talboden
35 115 0 Talboden im Beckenbereich
130 170 80 Terrasse
Glazial
215 150 165 Karboden
Periglazial
50 80 80 Blockgletscher

95
Karst
30 100 120 Hohlform im Karstgebiet
Anthropogen
40 40 40 Anthropogen verändertes Relief
Regionale Besonderheiten
120 130 70 Moor, Torf, Versumpfung

0 75 170 Gewässer
Tabelle 12: Legende der geomorphologischen Formen der geomorphologischen Karte der Steiermark
1 : 50 000; die Spalten R, G und B geben die Farbwerte im RGB-Modus an (eigene Darstellung)

Wie bereits in Kap. 2.1.3 ausführlich erläutert, gibt es zahlreiche unterschiedliche


Darstellungsmöglichkeiten für geomorphologische Karten. In der vorliegenden Karte werden die
einzelnen Elemente durch verschiedenfarbige Flächen repräsentiert. In der Farbgebung erfolgte eine
Anlehnung an die bereits existierenden Arbeiten (siehe oben), zusammengehörige Gruppen erhielten
ähnliche Farben bzw. Farbabstufungen (siehe Tab. 12). Dabei wurde auch das Ziel verfolgt, der Karte
auf den ersten Blick ein plastisches und logisches Erscheinungsbild zu geben. Zusätzliche
Informationsschichten wie Ausdehnung der Vereisung während des Würm-Hochglazials, Wasserfälle
und Quellen, Streichen und Fallen der Schichten,... könnten recht einfach als unabhängige Layer
integriert werden. Die weiteren, insbesondere der Orientierung dienenden, kartographischen
Elemente, wie Ortschaften, Gipfel oder Pässe, wurden aufgrund des ähnlich dichten
Informationsgehaltes der geologischen Karte aus dem UMWELTATLAS STEIERMARK 2006 in der Bearbeitung
von KROBATH angepasst.

4.2.2 Flächenauswertung zur Geomorphologischen Karte der Steiermark


1 : 50 000

Tabelle 13: Flächenangaben zu den Formen der geomorphologischen Karte der Steiermark 1 : 50 000
nach ihrer Genese (eigene Darstellung)

96
Wie in Tab. 13 und vor allem Abb. 45 ersichtlich, nimmt der denudative Formenschatz flächenmäßig
den größten Anteil ein. In Abb. 45 wurden der Übersichtlichkeit halber die Sonderformen, Gewässer
und der Anteil der Hänge auf vulkanischem Gestein zusammengefasst. Diese Grafik kann nur einen
groben Überblick über die dominanten Formungsvorgänge geben, da zum einen, wie bereits mehrfach
erwähnt, die meisten Formen multifaktoriell bedingt sind und zum anderen aufgrund der
Darstellungsart insbesondere die Formen glazialer und periglazialer Genese stark unterrepräsentiert
sind, da sie vielfach erst durch weiterführende Interpretation in der Karte lesbar sind. Auch die
Flächenanteile der Sonderformen sind in natura um ein vielfaches größer anzunehmen, vor allem was
den Karstformenschatz betrifft. Diese Tatsache stellt ein zentrales Problem der Methode dar, die
Erarbeitung von Verbesserungsansätzen könnte Gegenstand weiterer Forschung sein.

1% 1%
15%

Sonderf ormen (Karst,


Anthropogen, Moor,
Gew ässer, Hang auf
vulk. Gestein)
Gravitative Formen
Fluviatile Formen
Denudative Formen

83%

Abbildung 45: Relative Flächenanteile nach dominanten Agentien (eigene Darstellung)

Die drei flächenmäßig größten Anteile der denudativen Formen, die Hänge auf Sediment, Karbonat
und Nichtkarbonat sind in Abb. 46 weiter aufgegliedert. Die Hänge auf nichtkarbonatischen Gesteinen,
die mit rund 6150 km² die größte Formengruppe darstellen, sind zu einem großen Teil durch Hänge
der Neigung von 21° bis 30°, also mittelsteilen Hängen charakterisiert, ferner machen die flachen
Hänge (5° bis 20°) mehr als ein Drittel aus. Die Hänge auf Sediment weisen überwiegend eine mittlere
Hangneigung (21° bis 30°) auf. Dem hohen Anteil an flachen Hängen wurde mit der Einführung der
Klasse „Niveau im Vorland“ mit einer Hangneigung von 0° bis 2° Rechnung getragen. Hingegen ist die
Fläche der extrem steilen Hänge (über 45°) auf Sediment verschwindend klein. Der Anteil der sehr
steilen und steilen Hänge (über 30°) ist auf karbonatischem Gestein auffallend groß, was auf die
Neigung zu Wandbildungen des Kalkgesteins zurückzuführen ist.

Fels > 45°


Steiler Hang 30-45°
Hang auf
13% 1% 61% 17% 8% 4162 km² Mittelsteiler Hang 21-30°
Sediment
Flacher Hang 5-20°
Niveau < 5°
Niveau < 2°
Hang auf 1% 25% 30% 37% 7% 2607 km²
Karbonat

Hang auf 1% 35% 37% 25% 2% 6148 km²


Nichtkarbonat

0 1000 2000 3000 4000 5000 6000 km²

Abbildung 46: Flächenanteile der Hänge nach Untergrund und Hangneigung (eigene Darstellung)

97
4.3 Erläuterungen zur geomorphologischen Karte der Steiermark
1 : 50 000
Die folgende Erläuterung zur Formenwelt der Steiermark ist nach Prozessen zusammengefasst, wobei
praktisch alle Formen nicht ausschließlich einem Prozess zugeordnet werden können, sondern aus
einer Kombination mehrerer Vorgänge zugleich oder nacheinander entstanden sind. Es wurde
versucht, die Formen dem dominanten Prozess zuzuordnen. Innerhalb dieser prozessorientierten
Gliederung, sind die Formen von erosiv zu akkumulativ gegliedert. Anschließend an die Elemente, die
der Legende entsprechen, werden in der Erläuterung auch jene Formen beschrieben, die sich aus
Grundformen zu komplexen Einheiten zusammensetzen oder die Spezialformen darstellen.

4.3.1 Denudative Formenwelt

Die Hänge werden zum einen nach ihrer Hangneigung, zum anderen nach ihrem Untergrund
unterschieden. Hellere Farbtöne weisen auf flachere Bereiche hin, je steiler die Hänge sind, desto
dunkler sind sie gehalten.

4.3.1.1 Hang auf Karbonat

Die Gebiete karbonatischen Untergrundes wurden mit Hilfe der geologischen Karte der Steiermark
(AMT DER STEIERMÄRKISCHEN LANDESREGIERUNG 2006b) ausgewiesen. Das Hauptverbreitungsgebiet dieses
Formentyps ist der steirische Anteil der Nördlichen Kalkalpen, hinzu kommen einige Bereiche
karbonatischen Untergrundes im Bereich des Grazer und Murauer Paläozoikums. Die grobe
Unterscheidung zwischen Kettengebirgen wie den Haller Mauern und Kalkplateaus wie dem
Hochschwab-Massiv (siehe Abb. 47) kann auf der geomorphologischen Karte sehr einfach
vorgenommen werden.

Niveaus (Hangneigung < 5°) auf karbonatischem Untergrund sind zum einen gleich wie Niveaus auf
Nichtkarbonat auf Zeiten geringerer Hebung in der Gebirgsbildung zurückzuführen. Zugleich treten sie
aber auch in den Kalkplateaustöcken häufiger auf, was in der Schichtung und der Lagerung des
Materials begründet ist, welche ebenfalls mit der Gebirgsbildung zusammenhängen (siehe
Kap. 3.1.1und Kap. 3.1.3). Flache Hänge (Hangneigung 5°-20°) treten auf Karbonatgestein wie die
Niveaus häufig in den Gipfelbereichen der Plateaus auf und stellen zum Teil in diesen Regionen sogar
die dominante Form dar. Leichte Schrägstellungen der Schichten sowie exogene Überformung können
diese Tatsache erklären. Diese Form findet sich des Weiteren in größeren Flächenanteilen in den
karbonatischen Teilen des Grazer Berglandes. Wie auf nichtkarbonatischem Untergrund sind flache
Hänge auch in den Karen anzutreffen. Der Anteil der mittelsteilen Hänge (Hangneigung 21°-30°) ist
im Bereich der Karbonate der Grauwackenzone (z.B. Teile der Eisenerzer Alpen, Grebenzen und
Pleschaitz, sowie der karbonatische Teil des Grazer Berglandes) besonders hoch. In den
Plateaugebirgen sind weniger mittelsteile Hänge anzutreffen, da meist Niveaus und flache Hänge das
Plateau bilden und die Abhänge naturgemäß sehr stark geneigt sind. Steile Hänge (Hangneigung
31°-45°) sowie Fels (Hangneigung >45°) treten typischerweise zum einen an den markanten
Randabhängen der Plateaus, zum anderen an den schroffen Gipfelbereichen der Bergketten auf.

98
Abbildung 47: Hänge auf karbonatischem Gestein, Kettengebirge (oben) und Plateaugebirge (unten)
(Geomorphologische Karte der Steiermark 1 : 50 000)

In der Fußzone dieser Felswände sind häufig Schutthalden und -kegel (siehe Kap. 4.3.2.2) zu finden.
In der Karte weist nicht nur die Form „Schuttkegel“ darauf hin, sondern auch die Hänge diverser
Neigung auf Sediment inmitten umgebenden karbonatischen Materials (siehe Abb. 47). Aufgrund des
karbonatischen Untergrundes im Zusammenspiel mit der starken Hangneigung sind diese Flächen
meist vegetationsfrei oder nur spärlich bewachsen. Darüber hinaus befinden sich in diesen steilen
Hängen häufig Höhlenausgänge von mehr oder minder tiefen Karst-Höhlen-Systemen (z.B. Lurgrotte
bei Peggau).

4.3.1.2 Hang auf Nichtkarbonat

Natürlich gibt es unter den verschiedenen nichtkarbonatischen Gesteinen große Unterschiede.


Zugunsten der besseren Lesbarkeit wurde jedoch auf eine weitere Untergliederung verzichtet. In
diesem Zusammenhang sei auf die geologische Karte der Steiermark hingewiesen, deren
Zuhilfenahme durch das Einblenden einer zusätzlichen Ebene einfach möglich ist und welcher sehr
detaillierte Informationen entnommen werden können.

99
Niveaus (Hangneigung < 5°) finden sich vor allem im Steirischen Randgebirge, das allgemein
geringere Hangneigungen aufweist. Aber auch im Hochgebirge sind, wenn auch kleinräumig, immer
wieder solche Niveaus anzutreffen. Diese alten Verebnungsflächen weisen auf Zeiten des Stillstandes
oder der langsameren Hebung in der Gebirgsbildung hin und geben wichtige Hinweise auf deren
Ablauf (vgl. Kap. 3.1.1). Flache Hänge (Hangneigung 5°-20°) sind ebenfalls vorwiegend im
Randgebirge anzutreffen. In den zentraleren Regionen sind sie oft Hinweise auf alte
Verebnungsflächen, die schon stärker überformt worden sind als die Niveaus. Häufig trifft man flache
Hänge des Weiteren im unteren Teil der glazial geformten Kare (siehe Kap. 4.3.4.1), der Trogtäler
sowie im Bereich der Trogschultern (siehe Kap. 4.3.4.2) an. Mittelsteile Hänge (Hangneigung 21°-
30°) dominieren in der Grauwackenzone. Diese von sanfteren Formen gekennzeichnete Zone ist vor
allem entlang der Enns bis Admont, entlang des Palten-, sowie des Liesingtales anzutreffen. Die
Gebiete des Grazer und Murauer Paläozoikums weisen gleichfalls zahlreiche Hänge mittlerer Neigung
auf (vgl. Kap. 3.1.3). Verständlicherweise befindet sich ein großer Anteil der steilen Hänge
(Hangneigung 31°-45°) in den zentralalpinen Bereichen und hier vorwiegend in den Gipfelregionen.
Übersteilte Karwände (siehe Kap. 4.3.4.1) und auch Trogwände (siehe Kap. 4.3.4.2) sind oftmals als
steile Hänge ausgewiesen. Häufig ist in diesen Arealen die Hangneigung aber über 45°, wodurch sie
als Fels definiert wurden. Diese Hänge können von der Pflanzenwelt nur äußerst schwer besiedelt
werden und sind damit größtenteils felsige Flächen. Unter diesen steilen Felswänden sind häufig
Schuttkegel und -halden anzutreffen (siehe Kap. 4.3.2.2), wenn auch meist nicht in dem Ausmaß, wie
es auf karbonatischem Gestein der Fall ist. Größere Felsflächen können zudem auf
widerstandsfähigeres Gestein hinweisen und sind meist ein Zeichen für schroffe Landschaftsaspekte.

4.3.1.3 Hang auf Sediment

Betrachtet man die Hänge auf Sediment, muss festgehalten werden, dass grundsätzlich zwischen
miozänen und pliozänen sowie pleistozänen und holozänen Sedimenten unterschieden werden kann
(siehe Abb. 30 Kap. 3.1.3, dort: tertiäre bis altpleistozäne Lockergesteine sowie jungpleistozäne bis
holozäne (Fluss-)Sedimente). In der geomorphologischen Karte wird diese Untergliederung nicht
unmittelbar vorgenommen, da sich meist aus dem Kontext ergibt, ob es sich um rezente Ablagerungen
oder präpleistozäne Sedimente handelt. Letztere bauen vorwiegend das Ost- und Weststeirische
Riedelland auf, daneben sind sie in einigen Beckenlagen anzutreffen. Pleistozäne und holozäne
Sedimente bilden jüngere Terrassen und überdecken das Grundgestein der meisten Talräume und
Kare, oft mehrere 10er Meter bis hin zu mehreren 100 m Mächtigkeit aufweisend (vgl. VAN HUSEN 1990,
VAN HUSEN 2000, S.141, VAN HUSEN UND MAYR 2007). Doch nicht nur das Alter der Sedimente weist
große Unterschiede auf, sondern auch die Zusammensetzung kann sehr unterschiedlich sein. Allein
der Aufbau des Südöstlichen Alpenvorlandes ist sehr komplex: Meeressedimente, Korallenriffe, See-
und Flusssedimente liegen in unterschiedlicher Mächtigkeit und Verteilung über- und nebeneinander,
wurden im Nachhinein noch unterschiedlich stark gehoben und verschoben. Wiederum wurde
zugunsten der besseren Lesbarkeit auf eine weitere Untergliederung verzichtet. Im Allgemeinen sind
die Gebiete auf Sediment häufig von Hangrutschungen betroffen, die zum Teil schon bei geringer
Hangneigung einsetzen (vgl. MORAWETZ 1971, S.85f, LIEB 1985, z.B. S.15ff, HABERLER ET AL. 2009). Auf

100
Sediment sind Niveaus (Hangneigung < 5°) sehr häufig, insbesondere im Ost- und Weststeirischen
Riedelland. Auch über große Entfernungen können Niveaus gleicher Höhe, unter Beachtung einer
stärkeren Hebung des Weststeirischen Riedellandes, entwicklungsgeschichtlich miteinander in
Verbindung gebracht werden (vgl. SÖLCH 1928).

Abbildung 48: Beispiel für Talasymmetrie im Oststeirischen Riedelland: flache Ost- und steile
Westabhänge (Geomorphologische Karte der Steiermark 1 : 50 000, verkleinerte Darstellung,
Fließgewässer aus UMWELTATLAS STEIERMARK 2006 – Geologie)

Der Großteil des Ost- und Weststeirischen Riedellandes weist flache Hänge (Hangneigung 5°-20°)
auf. Das Material begünstigt hier die Entstehung sanfter, eintöniger Hügel. Des Weiteren tritt diese
Hangform in den Tälern der Hochgebirge in Erscheinung. Dort ist sie meist ein Hinweis auf Trogtäler,
wobei die flachen Hänge auf Sediment die Trogtalfußzone darstellen (siehe Kap. 4.3.4.2). In den
Karen deuten die gleichfalls meist flachen Hänge auf Sediment auf Moränenmaterial hin (siehe
Kap. 4.3.4.1). Im Ost- und Weststeirischen Riedelland ist der Anteil an mittelsteilen Hängen
(Hangneigung 21°-30°) bereits relativ gering. Sie sind hier in den höheren Bereichen sowie auf den
steileren Abhängen der asymmetrischen Täler anzutreffen (vgl. Abb. 48). Sowohl tektonische
Grundlagen, als auch die Art des Untergrundes, sowie klimatische Ursachen wie periglaziale Prozesse
des Bodenfließens oder der Einfluss der Luv-Lee-Situation dürften diese auffällige Asymmetrie bewirkt
haben (vgl. MORAWETZ 1967, ROFFEIS 2005, HERGARTEN ET AL. 2006, ROFFEIS ET AL. 2007). Auffallend ist ein
höherer Anteil an mittelsteilen Hängen im Vorland im Bereich der Windischen Bühel. Diese können
zwar noch zu den Riedeln gezählt werden, weisen aber zum Teil Mittelgebirgscharakter auf, was sich
neben den steileren Hängen auch in einer größeren Zerschneidung zeigt. Steile Hänge
(Hangneigung 31°-45°) und Fels (Hangneigung > 45°) sind auf Sediment sehr selten und betreffen
meist einzelne Zellen. Größere Anteile sind in den Windischen Büheln anzutreffen und treten im
Hochgebirge als Moränen bedeckte steil liegende Karbereiche bzw. in den oberen Teilen der
Hangfußzonen auf.

4.3.1.4 Hang auf vulkanischem Gestein

Der Anteil der Hänge auf vulkanischem Gestein ist in der Steiermark insgesamt sehr gering, größere
Bereiche gibt es nur im Oststeirischen Riedelland. Die mit ihnen verbundenen Formen sind jedoch
sehr markant und auch aus Sicht der anthropogenen Nutzung (Basaltsteinbruch am Steinberg bei

101
Feldbach, günstige Standorte für den Weinbau z.B. bei Klöch) von Bedeutung (vgl. Abb. 49). Es
können zwei Phasen vulkanischer Aktivität unterschieden werden, wobei der ältere, miozäne durch
sauren Laven und der jüngere, pliozäne durch basaltische Materialien charakterisiert ist (KOLLMANN
1959, S.160; LIEB 1985, S.15; ÖH-SKRIPTUM 1988, S.98; SLAPANSKY ET AL. 1999, SKRIPTUM GEOLOGIE VON

ÖSTERREICH 2008; vgl. auch Kap. 2.1.1.1).

Abbildung 49: Der Steinberg (mit Basaltsteinbruch) bei Feldbach und der Gleichenberger Kogel
(Geomorphologische Karte der Steiermark 1 : 50 000, verkleinerte Darstellung, Fließgewässer aus
UMWELTATLAS STEIERMARK 2006 – Geologie)

Niveaus (Hangneigung < 5°) und flache Hänge (Hangneigung 5°-20°) sind einerseits mit dem
jüngeren Vulkanismus verbunden, der mit zähflüssigerer Lava hauptsächlich Lavadecken bildete.
Reste davon sind beispielsweise im Gebiet um den Stradnerkogel vorhanden. Die basischen und
daher aus dünnflüssigerer Lava in Schichten aufgebauten Vulkane bildeten Vulkankegel. Zeuge davon
ist heute nur mehr der Gleichenberger Kogel, der durch flächen- und linienhafte Abtragung umgeformt
worden ist (siehe Abb. 49). Im Vergleich zu den Hängen auf Sediment in der Umgebung der
Vulkanreste, ist der Anteil der mittelsteilen Hänge (Hangneigung 21°-30°) recht groß, was in der
größeren Widerstandsfähigkeit der vulkanischen Gesteine begründet liegt. Überreste des jüngeren
Vulkanismus sind aber nicht nur Lavadecken sondern auch Intrusionen, deren Ummantelungen
abgetragen wurden und die so heute an der Oberfläche liegen (z.B. Riegersburg). In diesen Bereichen
sind überwiegend steile Hänge (Hangneigung 31°-45°) oder Fels (Hangneigung > 45°) anzutreffen.

4.3.1.5 Hangschleppen

Hangschleppen stellen einen sehr allmählichen Übergang des Hanges zur angrenzenden Verebnung
dar. Im Bereich des Hangfußes angesammeltes Lockermaterial schafft einen langsamen Übergang
zum Talboden, meist eines Sohlentales. Diese Form wird im Ost- und Weststeirischen Riedelland
gesondert ausgewiesen, da sie sich, durch die allgemein geringe Hangneigung und Sediment als
vorherrschendes Gestein, sonst als flacher Hang auf Sediment zu wenig von der Umgebung abheben
würde (vgl. Abb. 50). Auch die Fußzone der glazial geformten Trogtäler kann als Hangschleppe

102
angesprochen werden. Auf eine Zuordnung zu dieser Klasse wurde jedoch verzichtet, da sich hier die
flachen Bereiche auf Sediment von der stärker geneigten Umgebung auf Festgestein sehr deutlich
abheben, und so die genauere Information über die kleinräumig unterschiedliche Hangneigung nicht
verloren geht.

Abbildung 50: Hangschleppen und Niveaus im Vorland (Hangneigung < 2°) bei Söchau (Geomorph.
Karte der Steiermark 1 : 50 000, Fließgewässer aus UMWELTATLAS STEIERMARK 2006 - Geologie)

4.3.1.6 Niveau im Vorland

Niveaus auf den jeweiligen Gesteinen sind im Allgemeinen Bereiche mit einer Hangneigung unter 5°.
Aufgrund der insgesamt niedrigen Hangneigung im Steirischen Alpenvorland hat sich empirisch
herausgestellt, dass es sinnvoll ist, eine weitere Klasse, nämlich ein Niveau mit einer Neigung unter
2°, einzuführen (vgl. Abb. 50). Einige dieser Bereiche können zwar im weiteren Sinn als Terrasse
angesprochen werden, doch werden unter der Form Terrasse vorwiegend junge oder rezente Formen
verstanden. Hier handelt es sich aber um ältere Terrassen, deren Erscheinungsbild schon stärker
überformt worden ist und deren Böden schon deutlich längere Entwicklungen durchgemacht haben.
Die Zuordnung zur Klasse Terrasse wäre also etwas unklar und möglicherweise missverständlich.
Zudem sind Flächen mit dieser extrem geringen Hangneigung zum Teil landschaftsprägend und
charakteristisch für größere Bereiche, was ebenfalls die Heraushebung dieser Form zu einer eigenen
Klasse rechtfertigt.

4.3.1.7 Gipfel, Grate und Kammregionen

Als Gipfel, Grate und Kammregionen wurden jene Bereiche ausgewiesen, die durch hohe
Krümmungswerte, hohe Hangneigung und hohe Reliefenergie charakterisiert sind. Tritt die Form
punktförmig oder in Kreuzungspunkten linienhafter Ausprägung auf, so handelt es sich meist um einen
Gipfel, Grate sind schmäler und steiler als die Kämme. Diese Klasse erscheint in erster Linie
beschreibend, denn die Begriffe "Gipfel, Grat und Kamm" lassen zunächst noch keinen Rückschluss
auf die Entstehung zu. Die Zuordnung zur denudativen Formenwelt ergibt sich aus einem hohen Anteil
denudativer Vorgänge, was aber nicht bedeuten soll, dass ausschließlich denudative Genese
zugrunde läge. Zur Beantwortung der Frage der Genese müssen die Gipfel, Kämme und Grate in
Zusammenhang mit den sie umgebenden Hängen betrachtet werden, sowie die Form und Art der
Gipfel-, Grat- und Kammregion selbst genauer untersucht werden. So sind schmale Grate bis hin zu

103
pyramidenartigen Gipfeln (Karlinge) in ehemals vergletscherten Gebieten ein Hinweis auf die
Schaffung dieser Form durch Kargletscher, die von mehreren Seiten die Hänge rückschreitend
erodierten (siehe Abb. 51, vgl. HASENHÜTTL 2004, S.35).

Abbildung 51: Höchstein und Hochwildstelle als Beispiele für Karlinge (Geomorphologische Karte der
Steiermark 1 : 50 000, Fließgewässer aus UMWELTATLAS STEIERMARK 2006 - Geologie)

Im Gegensatz dazu stehen die breiten Gipfelregionen im Steirischen Randgebirge, die durch das
Gestein (sowohl Alter als auch Chemismus), die Großteils fehlende Vergletscherung sowie periglaziale
Vorgänge geprägt wurden. Relativ schmale lineare Formen zum Beispiel im Bereich des Grazer
Berglandes sind auf fluviatile Mechanismen zurückzuführen. Im Hochgebirge sind meistens ebenfalls
fluviatile Überformungen für die linienhaften Kämme, die sich mit erosiven Einschnitten abwechseln,
verantwortlich.

Im Bereich der Karstplateaus wurde teilweise die automatisiert erstellte Klasse der Gipfel-, Kamm- und
Gratregionen manuell eliminiert, da sämtliche kleineren Erhebungen über den Karst-Hohlformen
dieser Klasse zugefallen wären. Da das aber nicht nur den geomorphologischen Konventionen
widerspräche sondern auch einen Informationsverlust bedeuten würde, erfolgte eine manuelle
Umklassifizierung zu den Hängen jeweiliger Hangneigung (vgl. Abb. 47 unten)

Zum Teil sind breitere Gipfelregionen, wie sie etwa im Wechselgebiet auftreten, laut automatisierter
Klassifikation nicht dieser Klasse zugeordnet, da sie in mathematischer-objektivierter Betrachtung
nicht dieser Klasse zugehörig sind. Ob nun eine Gipfelregion in geomorphologischer Hinsicht vorliegt,
oder ob der mathematischen Definition gefolgt werden sollte, ist eine beinahe philosophische Frage,
der noch weiter nachgegangen werden sollte (siehe auch Kap. 8.3).

4.3.1.8 Riedelrücken

Die meisten Erhebungen im Ost- und Weststeirischen Riedelland, die relativ breit sind, wurden der
Klasse "Riedelrücken" zugewiesen. Riedel sind niedrige, eher langgestreckte, rückenartige Vollformen
(DIERCKE WÖRTERBUCH DER ALLGEMEINEN GEOGRAPHIE 1998). Im südöstlichen Alpenvorland entstanden diese

104
typischen langgezogenen Hügelformen durch Akkumulation von Sedimenten aus den sich hebenden
Alpen und anschließender fluviatiler Zerschneidung (vgl. Kap. 3.1.1). Die Grundlage für diese sanften
Formen bilden wenig widerstandsfähige miozäne, pliozäne und altpleistozäne Sedimente.
Untergliedert werden die Riedel durch Dellen in den oberen und Tobel in den unteren Hangbereichen,
wobei die zum Teil recht großen hervortretenden Schwemmfächer wenig rezente Aktivität verzeichnen
und auf stärkere Erosionsvorgänge vor allem unter periglazialen Bedingungen schließen lassen (vgl.
MORAWETZ 1967, MORAWETZ 1968). Ebenso wie die Gipfelregionen wurden die Riedelrücken der
denudativen Formenwelt zugeordnet, da der Anteil dieser Vorgänge besonders hoch ist. Die
Riedelrücken weisen insgesamt ähnliche absolute Höhen auf, es ragen nur in seltenen Fällen Gipfel
über die Rücken auf. Diese Gipfel sind dann an widerstandsfähigere Gesteine gebunden, wie
beispielsweise der Stradner Kogel oder der Königsberg bei Klöch, die aus vulkanischem Gestein
aufgebaut sind.

4.3.1.9 Reich gegliederte Hänge und Doppelgrate

Abbildung 52: Beispiele für reich gegliederte Hänge (orange


Linie) und Doppelgrate (gelbe Linie) im Bereich Stausee
Großsölk (Geomorph. Karte der Steiermark 1 : 50 000,
Fließgewässer aus UMWELTATLAS STEIERMARK 2006 - Geologie)

Reich gegliederte Hänge sowie Doppel- und Reihengrate sind als weitere Formen der denudativen
Gruppe ableitbar. Die reich gegliederten Hänge sind erkennbar an den auf kleinem Raum stark
wechselnden Hangneigungen (siehe Abb. 52, orange Linie). Die Ursache dafür sind tiefgründige
Hangdeformationen und -auflockerungen, die ihrerseits auf der Gesteinsstruktur und Störungslinien
beruhen. Darüber hinaus spielte die glaziale Formung eine wichtige Rolle, da durch den
Gletscherschurf die Talflanken übersteilt wurden. Knapp nach Abschmelzen des stützenden Eises
wurden diese Hänge instabil und es traten vermehrt Fels- und Bergstürze sowie Sackungen auf. In
Karräumen ist ebenfalls ein verstärktes Auftreten dieser instabilen Hänge, die dort auch reichlich
Schuttmaterial liefern können, zu verzeichnen. Im Bereich reich gegliederter Hänge besteht erhöhte
Gefahr von Großrutschungen, Bergstürzen und Muren. Ein weiterer Hinweis auf derartige
Rutschungs- und Sackungsvorgänge sind in geringem Abstand nebeneinander verlaufende

105
Gipfelregionen, die als Doppel- oder Reihengrate bezeichnet werden (siehe Abb. 52, gelbe Linie).
Diese entstehen durch ein Absacken im Kammbereich. Häufig können zudem kleine Nackenseen und
vernässte Stellen zwischen den beiden Erhebungslinien beobachtet werden. (vgl. VAN HUSEN 2000,
HERMANN 1997, HERMANN UND BECKER 2000, HERMANN ET AL. 2000)

4.3.2 Gravitative Formenwelt

4.3.2.1 Steinschlag- und Schuttrinnen

Eine Sonderform der erosiven Einschnitte bilden die Schuttrinnen. Diese sind als vegetationsarme
baumfreie Rinnen definiert, die vorwiegend im Hochgebirge anzutreffen sind. Die geringe bis fehlende
Vegetationsbedeckung trägt zur erhöhten Erosionsanfälligkeit bei, und die daraus resultierende starke
Materialverlagerung und die ungünstigen (klein)klimatischen Bedingungen verhindern ihrerseits wieder
die Besiedelung durch höhere Pflanzen. Sind diese Rinnen eng aneinander gereiht, können sich in der
Hangfußzone Schutthalden befinden. In der Karte wurden die Steinschlag- und Schuttrinnen in erster
Linie anhand der Geländeneigung und der Lage von den erosiven Einschnitten abgegrenzt. Im
Gegensatz zu den erosiven Einschnitten sind die Schuttrinnen sehr selten von perennierenden
Gewässern erfüllt.

4.3.2.2 Schuttkegel und -halden

Im Hochgebirge, wo durch den Frostwechsel und die fehlende Vegetationsdecke laufend neues loses
Lockermaterial geschaffen wird, finden sich Schuttkegel am Ausgang von Schutt- und
Steinschlagrinnen, die unter steilen Felswänden zu Schutthalden zusammenwachsen können (siehe
auch Abb. 47). Schuttkegel und -halden bestehen aus unkonsolidierten Komponenten
unterschiedlichster Größe, wobei die größeren Bestandteile aufgrund der größeren
Bewegungsenergie beim Sturz weiter unten zu liegen kommen. In Abhängigkeit von der Größe sowie
Form der Gesteinsstücke und der Wassersättigung und somit der inneren Reibung kann eine
bestimmte Neigung nicht überschritten werden. Dieser sogenannte natürliche Böschungswinkel liegt
meist bei etwa 25-35° (ZEPP 2004). Die Abgrenzung von Schwemmkegeln erfolgte wie bei den Rinnen
aufgrund der Lage im gebirgigen Bereich bzw. in Bezug auf die Lage zu den Steinschlag- und
Schuttrinnen.

4.3.2.3 Lawinenbahnen

Lawinenbahnen wurden in der Geomorphologischen Karte der Steiermark nicht als eigene Form
ausgewiesen, da ein Datensatz der Lawineneinzugsgebiete bereits vorhanden ist, der als zusätzlicher
Layer unkompliziert eingeblendet werden kann. Wie Abb. 53 verdeutlicht, würden durch die
Darstellung dieser Form als eigene Signatur aufgrund deren flächiger Ausdehnung andere
Informationen verloren gehen. Abgesehen davon sind Lawinenbahnen aus der geomorphologischen
Karte indirekt ableitbar. Meist folgen sie erosiven Einschnitten bzw. Steinschlag- und Schuttrinnen und
auch die Schutt- und Schwemmkegel an deren Ausgang können Hinweise auf Lawinenbahnen sein.

106
Nach POSCH 2004, auf deren ausführliche Arbeit zum Thema Lawinen in der Steiermark verwiesen
werden kann, sind die häufigsten Abbrüche bei Hangneigungen von 30 bis 45° zu erwarten. Unter 30°
ist die Scherspannung gering, über 50° treten meist nur kleinere Lockerschneelawinen auf und über
60° sind die Schneeansammlungen zu gering. Die Exposition kann im gleichen Sinne zur Ableitung
der Lawinenbahnen herangezogen werden, wobei sich der Schnee auf Südhängen im Hochwinter
schneller stabilisiert, im Spätwinter hingegen durch höhere Temperaturen Entfestigungen stattfinden
können. Nordhänge sind im Allgemeinen länger gefährdet, es kommt häufiger zu
Oberflächenreifschichten und Schwimmschneebildung. Da die Hauptniederschläge in der Steiermark
aus dem Nordwesten kommen, befinden sich auf den Ost bis Südost exponierten Hänge aufgrund der
Windverfrachtung die höchsten Schneeansammlungen. Natürlich spielt nicht zuletzt die
Geländerauigkeit eine wichtige Rolle, die sich in etwas größeren Dimensionen auch durch reich
gegliederte Hänge ausdrücken kann (vgl. Kap. 4.3.1.9).

Legende
siehe
Abb. 51

Abbildung 53: Überblendung der Geomorphologischen Karte mit dem Shape-File der
Lawineneinzugsgebiete (rote Flächen) (Geomorph. Karte der Steiermark 1 : 50 000, Fließgewässer
aus UMWELTATLAS STEIERMARK 2006 - Geologie, AMT DER STEIERMÄRKISCHEN LANDESREGIERUNG 2006c)

4.3.2.4 Gravitative Massenbewegungen

Bei der Geologischen Bundesanstalt sind zahlreiche Berg- und Felssturzareale in der Steiermark
abfragbar (GBA August 2010). Laut dortiger Angabe, handelt es sich nicht um eine vollständige
Erfassung, sondern um solche Bereiche, die wegen ihrer Größe, Erwähnung in den Medien oder aus
Forschungsprojekten aufgenommen wurden. Gesondert wurden Berg- und Felssturzareale nicht in der
geomorphologischen Karte ausgewiesen, aber auch hier wäre eine Überblendung mit dem Datensatz
der Geologischen Bundesanstalt möglich. Zudem weisen unruhige Hangformen ähnlich den reich
gegliederten Hängen, allerdings kleinräumiger und fast ausschließlich in Tallagen befindlich, sowie
aufgestaute Seen auf derartige Areale hin. In Abb. 54 ist ein von gravitativer Massenbewegung
geprägtes Areal deutlich erkennbar an dem Untergrund (der hier aufgrund der Topographie nicht
glazial bedingt sein kann), der Aufstauung des Bodensees, der Fließgewässerabdrängung und der
Hangform. Felssturzbereiche weisen oft Überschneidungen mit Schutthalden auf (vgl. Kap. 4.3.2.2)

107
Abbildung 54: Bergsturzareal (rote Linie) im Bereich Schladminger Tauern, Bodensee (Geomorph.
Karte der Steiermark 1 : 50 000, Fließgewässer aus UMWELTATLAS STEIERMARK 2006 - Geologie)

4.3.3 Fluviatile Formenwelt

4.3.3.1 Erosive Einschnitte

Durch linienhafte Erosion entstandene Rinnen und Tobel wurden als "erosive Einschnitte" definiert.
Diese kleinen Kerbtalformen durchziehen insbesondere Hänge auf nichtkarbonatischen Gesteinen. Oft
beherbergen sie perennierende Gewässer und da die Tiefenerosion hier über die Seitenerosion
überwiegt, nimmt das Gewässer den gesamten Talboden ein. Am unteren Ende der erosiven
Einschnitte sind häufig Schwemm- oder Murenkegel anzutreffen, die aus dem Material aufgeschüttet
sind, das durch die erosiven Rinnen kanalisiert wurde. Häufig dienen diese Einschnitte als
Lawinenbahnen (vgl. Kap. 4.3.2.3). Talformen wie Kerbtäler und Klammen, die anhand der erosiven
Einschnitte in Kombination mit den Umgebungshängen interpretiert werden können, sind in
Kap. 4.3.3.6 beschrieben.

4.3.3.2 Schwemm- und Murenkegel

Schwemmkegel entstehen dadurch, dass die Bäche aus den Nebentälern aufgrund des
nachlassenden Gefälles das mitgeführte Material fächerförmig in das Haupttal ablagern, wobei das
feine Material umgekehrt zu den Schuttkegeln am weitesten transportiert wird und größere
Gesteinsteile oben abgelagert werden. Die Schwemm- und Murenkegel bewirken oft eine Abdrängung
des Hauptgerinnes. Murenkegel unterscheiden sich von den Schwemmkegeln vor allem durch die
steilere, unregelmäßige Form und durch die fehlende Schichtung des Substrats. Da eine
Unterscheidung rein auf Grund von Reliefparametern insbesondere in diesem Betrachtungsmaßstab
nicht möglich ist, wurden sie zu einer Klasse zusammengefasst. Oft ist selbst im Gelände eine
Unterscheidung zwischen Schwemm- und Murenkegel schwierig, da die Kegel mitunter durch
wechselnde Ereignisse aufgebaut wurden. Schwemmkegel sind im gleichen Sinne wie Terrassen
bevorzugte Siedlungsträger, zum Teil wird auch an Schwemmkegeln Schotter gewonnen.

108
4.3.3.3 Talböden

Die Talböden sind jene Bereiche, die eine geringe Reliefenergie, geringe Krümmung und im
Allgemeinen eine geringe Hangneigung aufweisen. Ebenso wie für die Klasse der „Gipfel, Kämme und
Grate“, ist der Begriff "Talboden" rein deskriptiv. Jedoch können auf einfache Weise Talformen und in
weiterer Folge auch deren Genese interpretiert werden, wie am Ende des Hauptkapitels dargestellt ist
(Kap. 4.3.3.6). Die Zuordnung zur fluviatilen Formenwelt erfolgte wiederum aufgrund des dominaten
Agens. Klarerweise waren insbesondere in nichtkarbonatischen, vormals vergletscherten Gebieten
glaziale Prozesse maßgeblich an der Talformung beteiligt, die Sonderform des Trogtales wird daher
unter den glazialen Formen behandelt (siehe Kap. 4.3.4.2). Darüber hinaus spielen denudative
Prozesse in der Talbildung eine wesentliche Rolle, die Talböden selbst verdanken ihr Erscheinungsbild
aber meist dem zugehörigen Gerinne.

4.3.3.4 Talböden im Beckenbereich

Die inneralpinen Becken sind an tektonische Störungszonen gebundene und in der Hebung stark
zurückgebliebene Bereiche, wobei deren Entstehung rein terrestrisch erfolgte, wodurch in diesen
Bereichen zwar Kohle aber kein Erdöl gefunden werden kann (SKRIPTUM GEOLOGIE VON ÖSTERREICH 2008,
vgl. Kap. 3.1.1). Die anthropogene Überformung durch den Kohleabbau wird vor allem im Köflach-
Voitsberger Bereich deutlich. Um die Sonderstellung der Becken hervorzuheben, wurde die Klasse
"Talboden im Beckenbereich" eingefügt. Die Talböden als Form unterscheiden sich nicht von den
anderen breiten Talböden der großen Täler, die meist als Sohlentäler ausgeprägt sind, wurden aber
anhand der Landschaftsgliederung nach LIEB 1991 bzw. LIEB 1997, in der ebenfalls auf die
eigenständige Stellung der Becken hingewiesen wird, zu dieser Klasse umgeformt. Natürlich weisen
die Becken eine größere Ausdehnung auf als lediglich die Talböden. Dennoch wurde die Information
„Becken“ an die Talböden gebunden, da eine Klassifizierung der gesamten Becken als eigene Form
natürlich zahlreiche andere Formen wie Terrassen oder Hänge unterschiedlicher Neigung, die
ihrerseits wiederum weitere Interpretation zulassen, überdeckt hätte und wichtige Informationen
verloren gegangen wären. Des weiteren ist es klarerweise recht einfach möglich, die Becken der
Naturlandschaftsgliederung nach LIEB 1991 bzw. LIEB 1997 mit der geomorphologischen Karte zu
überblenden und so die gesamte Beckeneinheit betrachten zu können. Die Klassifizierung der
Talböden als Talböden im Beckenbereich ergibt auch in Hinblick auf lokalklimatische Fragestellungen
Sinn, da die tiefen Lagen meist am stärksten von derartigen Besonderheiten betroffen sind und oft
diese Form für weitere Aufgabenstellungen herangezogen wird.

4.3.3.5 Terrassen

Als Terrasse wird eine Geländeverflachung bezeichnet, die von einem Terrassenabhang begrenzt
wird. In der vorliegenden Karte wurden jene Bereiche als Terrasse klassifiziert, die in erster Linie aus
(rezenten) Flusssedimenten aufgebaut werden. Durch hohes Schutt- und geringes Wasserangebot
wurden vorwiegend während der Kaltzeiten die Talbecken mit Schottern und Sanden gefüllt. In den
Interglazialen schnitten sich die Gerinne in diesen „neuen“ Talboden ein und es entstanden Terrassen,
die über dem heutigen Talboden liegen. Entlang der Mur können die Abfolgen der Kalt- und

109
Warmzeiten anhand des dort besonders schön ausgeprägten und gut erhaltenen Terrassensystems
sehr gut nachvollzogen werden. Der Großteil der Terrassen in der Steiermark ist zum einen in den
inneralpinen Becken und Tälern, zum anderen im Ablagerungsraum des Südöstlichen Alpenvorlandes
anzutreffen. (SÖLCH 1928, S.94; ÖH-SKRIPTUM 1988, S.99f; SKRIPTUM DIE EISZEITEN 1998)

Kaum eine Terrasse wurde noch nicht anthropogen überformt. Sei es dadurch, dass es sich um
günstige Standorte für Siedlungsgründungen oder agrarische Nutzung handelt, da sie sich zum einen
über dem überschwemmungsgefährdeten Talboden befinden, zum anderen zumindest teilweise
bereits über der Inversionsgrenze liegen und somit thermisch begünstigt sind. Oder sei es durch die
Nutzung des leicht zugänglichen Materials, das in zahlreichen Schottergruben abgebaut wird.

4.3.3.6 Talformen

Wie oben bereits angedeutet, können zahlreiche Talformen unter Betrachtung der Talböden und
erosiven Rinnen in Kombination mit den umgebenden Hängen abgeleitet werden.

Starke Tiefenerosion und sehr geringe Seitenerosion führen zu tief eingeschnittenen Gerinnen
umgeben von senkrechten oder gar überhängenden Felswänden, die als Klamm bezeichnet werden.
Abb. 48 a) zeigt die Raabklamm, wobei deutlich wird, dass das Gewässer die gesamte, insgesamt
sehr geringe Breite einnimmt. Die umgebenden Hänge sind sehr steil bis felsig.

Sind die Hänge etwas weniger steil, meist aufgrund weniger widerstandsfähigen Gesteins, spricht man
von Schluchten, wie es in Abb. 48 b) ersichtlich ist. Die Graggerschlucht, die vom Ursprungbach
durchflossen wird, ist ebenfalls von felsigen bis steilen Hängen charakterisiert, und abschnittsweise
kann unter Umständen auch von klammartigem Charakter gesprochen werden, doch insgesamt tritt
der Einschnitt viel weniger schroff hervor. Klammen und Schluchten sind in diesem
Betrachtungsmaßstab zum Teil etwas schwierig voneinander zu unterscheiden, und oftmals ist diese
Unterscheidung für weitere Fragestellungen nicht zwingend erforderlich.

Deutlich zu erkennen sind wiederum Kerbtäler, die von starker Tiefenerosion und ebenso starker
Seitenerosion charakterisiert sind und die in der Karte anhand sehr schmaler Talböden oder auch
meist etwas breiterer erosiver Rinnen umgeben von steilen Hängen erkennbar sind. Abb. 48 c) zeigt
den Kraubathgraben sowie kleinere parallele und davon abgehende Gräben. Es ist erkennbar, dass
hier das Gerinne ebenfalls den Talboden einnimmt, die Hänge dagegen nach oben hin deutlich
auseinandertreten und ein V-förmiger Talquerschnitt entsteht. Die Hänge weisen meist Neigungen
zwischen 31° und 45° auf, können ansonsten mit 21°-30° oder vor allem in den oberen Bereichen
sogar mit 5°-20° relativ flach sein.

Muldentäler entstehen in unseren Breiten vorwiegend materialabhängig aus verfüllten Kerbtälern, da


in gemäßigten Klimaten die Tiefenerosion meist die denudativen Vorgänge überwiegt. Ein Beispiel für
ein Muldental, das aus einer breit angelegten Quellmulde hervorgeht, ist der oberste Bereich des
Lafnitztales (Abb. 48 d)). Auffällig sind die flachen bis mittelsteilen Hänge und zum Teil nicht
vorhandenen Talböden oder erosiven Einschnitte, da eben ein völlig gleichmäßiger Übergang
zwischen Talboden und den Hängen besteht, der in dieser Art der Kartenerstellung nicht klassifiziert
werden kann.

110
Abbildung 55: Talformen: a) Klamm (Raabklamm), b) Schlucht (Graggerschlucht), c) Kerbtal
(Kraubathgraben und Seitengräben), d) Muldental (Lafnitz-Ursprung), e) Sohlental (Feistritztal)
(Geomorph. Karte der Steiermark 1 : 50 000, Fließgewässer AMT DER STEIERMÄRKISCHEN LANDESREGIERUNG,
f
2006 )

Die deutlichsten Talböden sind bei den breiten Sohlentälern erkennbar, die sowohl durch Abtragung
als auch durch Aufschüttung von größeren, mäandrierenden Gewässern entstanden sein können. Vor
allem die größeren Gerinne des Ost- und Weststeirischen Riedellandes fließen über weitere Strecken
in Sohlentälern, wie beispielsweise in Abb. 48 e) anhand des Feistritztales dargestellt. Die meisten

111
Sohlentäler der Steiermark können als Akkumulationssohlentäler verstanden werden. Der breite
Talboden ist von zahlreichen zum Teil offensichtlich regulierten, zum Teil noch mehr oder minder frei
mäandrierenden Fließgewässern durchzogen, die Hänge weisen Neigungen zwischen 5° und 20° auf,
nach oben hin schließen häufig Niveaus mit Neigungen unter 5° oder sogar unter 2° an, wodurch der
kastenartige Querschnitt des Sohlentales trotz geringer Neigungsunterschiede hervortritt.
(ÖH-SKRIPTUM 1988, S.27f; LESER 2003, S.267ff; BAUMHAUER 2006, S.70f)

Die Unterschiede zwischen Muldental, Akkumulations- bzw. Erosionssohlental sollen anhand Abb. 56
verdeutlicht werden.

Muldental Akkumulationssohlental Erosionssohlental


Abbildung 56: Schematische Darstellung der Talformen Mulden-, Akkumulations- und
Erosionssohlental (nach ÖH-SKRIPTUM 1988, S.27f; LESER 2003, S.267ff; BAUMHAUER 2006, S.70f)

4.3.4 Glaziale Formenwelt

Die Vergletscherung der Steiermark wird im Kap. 3.1.2 näher beleuchtet. Eine umfassende
Literaturaufarbeitung und Kartendarstellung, die ehemals vergletscherten Gebiete der Steiermark
betreffend, bietet die Arbeit von GEIGER 2001. Rund ein Drittel der Steiermark war in der Würm-Eiszeit
von Eis und Firn bedeckt, Talgletscherströme waren im Bereich des Enns-, Palten- und Murtales
vorhanden. Im Gebiet der ehemals vergletscherten Steiermark (siehe Kap. 3.1.2, Abb. 29) ist
jedenfalls mit glazialen Formen zu rechnen, wenn auch diese, unterschiedlich stark je nach
geologischem Untergrund, teils wieder stark überformt wurden. So ist in verkarsteten
Hochgebirgslagen zum einen durch hohe Schuttproduktion mit der Überdeckung glazialer Formen zu
rechnen, zum anderen wurden glaziale Formen durch Lösungsvorgänge bereits stark verändert oder
sogar abgetragen. Auch Formen, die in dieser Arbeit einem anderen Agens zugeordnet wurden,
können, sofern sie in diesen Gebieten liegen, durch die Wirkung der Gletscher geschaffen worden
sein.

4.3.4.1 Kare

Obwohl in der Legende nur die Form „Karboden“ gesondert ausgewiesen wird, soll hier der gesamte
Karraum beschrieben werden: In den glazial überprägten Gebieten entstanden durch die Aushöhlung
des Hanges, meist in Zusammenhang mit bereits bestehenden fluviatilen Systemen oder
Verebnungsflächen, bedingt durch den Eisdruck die charakteristischen Karräume. Durch den Rückzug
des Gletschers fehlte den übersteilten Hängen der stabilisierende Druck. Folgen davon waren Fels-
und Bergstürze und somit die Auffüllung der Karböden mit Schutt und grobem Blockwerk. Daneben
sind die von den Gletschern vertieften Karböden oft mit stehenden Gewässern gefüllt, die unter
anderem aufgrund hoher Schuttzufuhr zur Verlandung neigen (vgl. Kap. 2.1.1.2).

112
Abbildung 57: Kartreppe im Kristallin im Bereich Sonntagskar und Klafferkessel sowie Kare im
Karbonat der östlichen Haller Mauern; rote Linie: Karräume mit ausgewiesenen Karböden, gelbe Linie:
Karräume ohne ausgewiesene Karböden, orange Linie: Karschwellen (Geomorphologische Karte der
Steiermark 1 : 50 000, Fließgewässer aus UMWELTATLAS STEIERMARK 2006 - Geologie)

Die Karböden selbst konnten als besonders charakteristisches Merkmal dieser Formengruppe
deswegen meist ohne größere Schwierigkeiten ausgewiesen werden, da sie keine anderen
Informationen überdecken und auch in der computergestützten Klassifikation deutlich hervortreten.
Morphologisch können sie als kleinräumige Verebnungen oder Vertiefungen beschrieben werden. Die
Abgrenzung zwischen Hohlformen im Karstgebiet und Karböden musste manuell erfolgen, da die
mathematische Beschreibung keine zureichende Differenzierung zulässt. Teils ist eine Abgrenzung
zwischen Hohlformen im Karstgebiet und Karböden ebenda ohne Geländekenntnis nicht möglich.

Wie in Abb. 57 illustriert, sind die Karräume mit den Einzelelementen wie Karschwelle, Karboden und
Karwänden, gebunden an die ausgewiesene Form der Karböden, indirekt ableitbar. Die Karräume sind
charakterisiert durch meist halbkreis- oder mondförmige schmale Gipfelregionen. Nach unten hin
folgen steile Hänge, die häufig von Rinnen durchzogen sind. In der Karwandfußzone finden sich
Schuttansammlungen mittlerer Hangneigung. Im Zentrum des Karraumes liegt der Karboden, der
eben gesondert ausgewiesen sein oder andernfalls unter Schutt begraben liegen kann, so dass die
objektive computergestützte Analyse diese Bereiche aufgrund der Geländegegebenheiten nicht als
Karboden klassifiziert. Besonders in verkarstetem Gebiet sind solche Karräume ohne die Bindung an
Karböden (Abb. 57 gelbe Linie) oft indirekt ableitbar. Den unteren Bereich des Karraumes bildet die
Karschwelle, die ebenfalls anhand der charakteristischen Abfolge Karboden-mittelsteiler Hang-steiler
Hang abgeleitet werden kann (Abb. 57 orange Linie). Vor allem in den höchsten Bereichen der
Niederen Tauern finden sich einige imposante Kartreppen, d.h. übereinander angeordnete Karböden
(Abb. 57 oben).

113
4.3.4.2 Glazial geformte Täler

Abbildung 58: Trogtal und glaziales Hängetal in den Schladminger Tauern: Trogtalboden (1),
Trogtalfußzone (2), Trogtalwand (3), Trogschulter (4), Mündungsstufe aus dem glazialen Hängetal (5)
(Geom. Karte der Steiermark 1 : 50 000, Fließgewässer aus UMWELTATLAS STEIERMARK 2006 – Geologie)

Die wichtigste Einheit der glazial geformten Täler bildet das Trogtal (vgl. Kap. 2.1.1.2), das in der
Karte als komplexe, zusammengesetzte Form erkennbar ist: mäßig breite Talböden (Abb. 58 (1)),
anschließende schuttgefüllte flache Trogtalfußzonen (Abb. 58 (2)), nach oben hin folgend steile Hänge
(Abb. 58 (3)). Klassischerweise folgt darauf die Trogschulter, ausgedrückt durch recht abrupt flacher
werdende Hänge (Abb. 58 (4)). Diese Zone ist jedoch oft wenig deutlich ausgeprägt bzw. bereits
überformt.

Die im Querschnitt U-Form aufweisenden Täler können Seen und Moore aufweisen, die sowohl aus
Zungenbecken, wie der Riesachsee in Abb. 58, als auch durch Aufstauungen durch Berg- und
Felsstürze im Spät- und Postglazial entstanden sein können. Durch weitere Interpretation können
sogenannte glaziale Hängetäler erfasst werden, die dadurch entstanden sind, dass die Erosionskraft
des Seitentalgletschers geringer ist als die des Hauptgletschers. Dadurch liegt der Talboden des
Seitentales hoch über dem Niveau des Haupttales. Häufig weisen aus Seitentälern einmündende
Wasserfälle oder tiefe erosive Einschnitte, die durch rückschreitende Erosion entstanden sind, auf
diese Form hin (Abb. 58 (5)).

4.3.4.3 Gletscherüberformte Landschaften

Wie in Abb. 59 illustriert, zeigen insbesondere große Karräume das spezielle, von Gletscherschurf
geformte Bild der Rundhöckerlandschaft. In der geomorphologischen Karte ist diese Form anhand
eines sehr unruhigen Bildes in den Karräumen erkennbar. Dieses kommt dadurch zustande, dass auf
kleinstem Raum die Hangneigungen stark wechseln und zahlreiche kurze erosive Einschnitte oder
Schuttrinnen auftreten, die eher Vertiefungen darstellen als tatsächliche Rinnen. Meist sind die Kare

114
von Moränenmaterial bedeckt und mit mehr oder weniger deutlichen Moränenwällen ausgestattet, die
aber im vorliegenden Betrachtungsmaßstab computergestützt nicht erfassbar waren. Die
Moränenlandschaften der Karräume sind ähnlich wie die Rundhöckerlandschaften durch das unruhige
Bild charakterisiert, die Hänge unterschiedlicher Neigung befinden sich hier hingegen auf
Lockermaterial.

Abbildung 59: Gletscherüberformte Landschaft (Geomorphologische Karte der Steiermark 1 : 50 000,


Fließgewässer aus UMWELTATLAS STEIERMARK 2006 – Geologie)

4.3.5 Periglaziale Formenwelt

4.3.5.1 Blockgletscher (Niedere Tauern)

Ein Blockgletscher ist ein durchfrorener Schuttstrom, wobei der Schuttanteil über das Eis, das an der
Oberfläche nicht sichtbar ist, überwiegt. Die meisten Blockgletscher der Steiermark sind reliktisch, d.h.
sie befinden sich nicht in Bewegung und enthalten kein Eis (vgl. Kap. 2.1.1.2). Die
Entstehungsbedingungen für Blockgletscher, welche im Spätglazial optimal waren, sind reichlich
Schutt, ein Jahresmittel von mindestens –2°C und relativ geringer Niederschlag (vgl. LIEB 1996, LIEB
2006).

Insbesondere in Bereichen mit hohem grobblockigen Schuttangebot sind zahlreiche Blockgletscher


anzutreffen. Die vorliegende Kartierung umfasst die Niederen Tauern, in deren Gebiet sich ein Großteil
der steirischen Blockgletscher befindet. Daher wurde diese Kartierung mit der geomorphologischen
Karte der Steiermark verschnitten und die Form mit dem Hinweis "Niedere Tauern" versehen. Ähnlich
wie Moränenwälle konnten sie im konkreten Betrachtungsmaßstab anhand der computergestützten
Klassifikation nicht eruiert werden. Da von dem Vorkommen von Blockgletschern auf, wenn auch
großteils nicht mehr rezenten Permafrost geschlossen werden kann, kommt dieser Form besondere
Bedeutung zu. Die Wirkung des Permafrost auf die Landschaftsformung wird in Kap. 2.1.1.2 erläutert.

115
4.3.5.2 Glatthänge

Abbildung 60: Glatthänge (rote Linie) am Südabhang des


Trübeck (Geomorph. Karte der Steiermark 1 : 50 000,
Fließgewässer aus UMWELTATLAS STEIERMARK 2006 – Geologie)

Meist sind es mittelsteile bis steile Hänge, die über größere Flächen eine außergewöhnlich einheitliche
Neigung aufweisen und als Glatthang (siehe Abb. 60) angesprochen werden können. Durch
periglaziale Solifluktion in Kombination mit der Wirkung von Lawinen entstanden diese gleichmäßig
geneigten Hänge. Das periglaziale Bodenfließen wird in Kap. 2.1.1.2 erläutert. Oft sind die Glatthänge
an Westhängen anzutreffen, was neben tektonischen auch klimatologische Ursachen hat, da diese
Seite meist der windexponierten Seite entspricht. Dadurch wird aufliegender Schnee abgeblasen,
wodurch die Solifluktion vor allem bei fehlender Vegetationsbedeckung besonders gut ansetzen
konnte. Rezent unterliegen die Glatthänge häufig einer fluviatilen Überprägung und werden von
zahlreichen kleinen Rinnen durchzogen. (vgl. LAZAR UND LIEB 1996 und FABIANI 1963)

4.3.6 Karst

4.3.6.1 Karsthohlformen

In den Gebieten karbonatischen Untergrundes wurden die Hohlformen als sogenannte


Karsthohlformen in einer Klasse zusammengefasst. Es handelt sich dabei meist um Dolinen, die
stellvertretend für die vielfältigen Karstformen in diesen Regionen stehen. Diese Hohlformen können
ferner, meist in Kombination mit der Form Talboden, sogenannte Trockentäler oder auch Blindtäler
darstellen (Abb. 61). Erstere weisen kein Gerinne mehr auf, zweitere sind durch "verschwindende"
Gerinne charakterisiert. Sind nichtkarbonatische Schichten in das Kalkgestein eingeschaltet, wie es
beispielsweise die Werfener Schiefer im Hochschwab-Massiv sind, dienen diese als Wasserstauer,
wobei an der Schichtgrenze in dem sonst so quellenarmen Kalkgebirge zahlreiche Quellen austreten
(vgl. Kap. 3.1.3). Die Unterscheidung zwischen Karsthohlformen und den glazial bedingten Karen
erfolgte manuell (vgl. Kap. 4.3.4.1).

116
Abbildung 61: Trockentäler (rote Linie) und Blindtal (gelbe Linie) im Grazer Bergland
(Geomorphologische Karte der Steiermark 1 : 50 000, Fließgewässer AMT DER STEIERMÄRKISCHEN
LANDESREGIERUNG, 2006f))

4.3.6.2 Karstlandschaft

Die verkarsteten Gebiete der Steiermark sind in der geomorphologischen Karte in erster Linie am
karbonatischen Untergrund in Kombination mit Hohlformen (vgl. Abb. 47) zu erkennen. Die
Karstlandschaften zeichnen sich durch die zahlreichen besonderen Formen aus, die größtenteils so
klein sind, dass sie im vorliegenden Betrachtungsmaßstab nicht dargestellt werden können (vgl.
Kap. 2.1.1.2). Vor allem im Bereich der ausgedehnten Kalkplateaus, die zudem kaum von Vegetation
bedeckt sind, sind derartigen Karstlandschaften sehr deutlich ausgeprägt (vgl. Abb. 47). Es treten aber
praktisch in allen Gebieten karbonatischen Untergrundes diverse Karstformen auf. Für weiterführende
Informationen zum Karst in der Steiermark wird auf BAUER 2007 sowie auf BAUER 2009, wo ein Fokus
auf die Interaktionen zwischen Mensch und Karst gelegt wird, verwiesen.

4.3.7 Gewässer

In der Karte wurden zum einen stehende Gewässer, zum anderen die Mur und die Mürz direkt in die
geomorphologische Karte aufgenommen. Die größeren Seen des Ausseerlandes sind
Zungenbeckenseen, deren Becken also vom Gletscher geschaffen wurde, die zugleich an eine
tektonische Störungslinie gebunden sind, wodurch sich die teilweise sehr großen Tiefen erklären
lassen. Die Becken der kleineren Karseen, wie sie vor allem in den Niederen Tauern vorkommen,
entstanden ebenfalls durch die Wirkung der Gletscher (siehe Kap. 4.3.4.1). Dazu kommen noch
anthropogen geschaffene Gewässer wie Schotter- oder Fischteiche sowie Stauseen, die meist in
Kombination mit der Signatur "anthropogen verändertes Relief" auftreten.

117
Da sehr gute, genaue und mit zahlreichen Zusatzinformationen verknüpfte Datensätze zu den
Fließgewässern der Steiermark existieren, erscheint es für die restlichen Gerinne als sinnvoller, diese
Datensätze mit der geomorphologischen Karte durch Überblendung zu verknüpfen als lediglich die
Grundinformation direkt in die geomorphologische Karte aufzunehmen.

4.3.8 Anthropogen verändertes Relief

Die Eingriffe des Menschen in die Landschaft sind vielfältig (siehe Kap. 3.1.5). In die Karte wurden
jene aufgenommen, die sich in der Clusteranalyse ausgedrückt haben bzw. die sich besonders
deutlich in der Landschaft abzeichnen. Wiederum ist es auch eine Frage des Betrachtungsmaßstabes
(vgl. Kap. 2.1.3.3), denn völlig vom Menschen unberührte Erdoberfläche gibt es kaum noch. In der
Karte werden eben jene Elemente dargestellt, die dominant in Erscheinung treten. Eine automatische
Erkennung anthropogen veränderten Reliefs ist nicht möglich, da es kein einheitliches
Erscheinungsbild hat. Gut erkennbar sind Steinbrüche (z.B. Abb. 61) und große Abraumhalden,
Schottergruben sowie zum Teil Straßen, insbesondere Autobahnen und Schnellstraßen
(z.B. Abb. 55 e)). Da Siedlungsgebiete kaum zum Ausdruck kommen, sind sie nicht als anthropogen
überformtes Relief ausgewiesen worden. Natürlich ist aber insbesondere im Ballungszentrum des
Grazer Raumes die Wirkung des Menschen auf das Relief derartig hoch, das die originäre
Erdoberfläche doch in ihrer Bedeutung völlig zurücktritt, wenn auch beispielsweise die ursprünglichen
Terrassen zum Teil noch recht deutlich nachvollziehbar sind.

4.3.9 Regionale Besonderheiten

4.3.9.1 Moor, Torf, Versumpfung

Rein aus der Geländeform ist diese Klasse nicht abzuleiten, daher wurde sie in erster Linie der
geologischen Karte entnommen. Diese Formen geben wichtige Hinweise auf die Umweltbedingungen
zur Zeit ihrer Entstehung und somit sind auch Rückschlüsse auf die Entstehung der gleichaltrigen sie
umgebenden Formen möglich. In Bezug auf weiterführende Anwendungsmöglichkeiten wie etwa
Vegetationskarten oder klimatologische Auswertungen kommt dieser Klasse gleichfalls eine
besondere Bedeutung zu.

Zur Verlandung tragen laut NAGL 1972 fluviatile, biologische und periglaziale/nivale Prozesse bei. An
Seen, die von Fließgewässern gespeist werden, bewirken die einfließenden Gerinne durch die
Ablagerung der mitgeführten Sedimente dessen Verlandung vom oberen Ende her. Zudem bewirken
biologische Prozesse die mehr oder minder gleichmäßige Verfüllung der Seebecken. Aufgrund der
Temperaturabhängigkeit der biologischen Prozesse, nimmt ihre Bedeutung mit zunehmender Höhe ab
und in großen Höhen kann das Verlandungsgeschehen bis zu 95% durch periglaziale und nivale
Vorgänge wie Lawinen, Fels- und Steinschlag oder Schuttströme gesteuert sein.

In der Steiermark sind vernässte Zonen vorwiegend entweder an Verflachungen auf kristallinem
Untergrund oder an glaziale Übertiefungen gebunden. Ersteres trifft vor allem im Steirischen
Randgebirge zu, wo die Moore wie im Moorbad Schwanberg auch für Heilanwendungen genutzt

118
werden. Moore und vernässte Gebiete, die nach dem Rückzug der Gletscher entstanden, befinden
sich vor allem in den größeren, ehemals stark vergletscherten Tälern wie etwa dem Ennstal sowie
kleinräumiger in den Karen, die zum Teil noch von Seen gefüllt sind (siehe Kap. 4.3.4.1). Im
subalpinen Bereich, in dem sich die Kare befinden, können aufgrund der klimatischen Gegebenheiten
keine Hochmoore im eigentlichen Sinn mehr entstehen und es bilden sich sogenannte Insel-Moore,
also Niedermoore mit torfmoosreichen Bülten. (ÖH-SKRIPTUM 1990, S.118ff; SCHARFETTER 1938)

4.3.9.2 Wasserfall

Wasserfälle wurden nicht gesondert in der geomorphologischen Karte ausgewiesen. Es wurde aber
ein Datenlayer geschaffen, in dem die sie erfasst wurden und der optional einblendbar ist. Oft sind die
Wasserfälle assoziiert mit Hängetälern (siehe Kap. 4.3.4.2) oder Karschwellen (siehe Kap. 4.3.4.1).
Die Morphodynamik ist in diesen Bereichen aufgrund der hohen Wassergeschwindigkeit recht hoch,
wodurch es durch rückschreitende Erosion zur Einschneidung der Gerinne und somit zu Klamm- bzw.
Schluchtbildung kommen kann. In einem Punktlayer wurden die in der ÖK enthaltenen Wasserfälle
erfasst. Die größte Zahl an Wasserfällen befindet sich in den Hochgebirgen, insbesondere in den
Niederen Tauern sind die Bildungsbedingungen für Wasserfälle günstig.

Abbildung 62: Zahlreiche Wasserfälle am Toplitzsee (Geomorphologische Karte der Steiermark


1 : 50 000, Fließgewässer AMT DER STEIERMÄRKISCHEN LANDESREGIERUNG, 2006f))

119
5 Abgeleitete Produkte der Geomorphologischen Karte der
Steiermark 1 : 50 000
In diesem Kapitel werden nun nicht mehr ausführlich die einzelnen Formen behandelt, die in den
abgeleiteten Produkten, also der Geomorphologischen Karte 1 : 200 000 und der Übersichtskarte im
Format A4, vorkommen. Es soll vielmehr in kompakter Weise das Formeninventar dargestellt und auf
diverse Besonderheiten in der Erläuterung hingewiesen werden. Die grundlegenden Erläuterungen
können Kap. 4.3 entnommen werden, über die Besonderheiten zur Methodik geben Kap. 2.2.4 bzw.
Kap. 2.2.5 Auskunft.

5.1 Die Geomorphologische Karte der Steiermark 1 : 200 000


Die Geomorphologische Karte der Steiermark 1 : 200 000 soll einen guten Überblick über die
geomorphologischen Einheiten der Steiermark geben, ohne so sehr ins Detail gehen zu können, wie
die Geomorphologischen Karte der Steiermark 1 : 50 000. Zugleich soll sie natürlich über mehr
Information verfügen, als eine bloße Übersichtskarte. Es musste also ein Mittelweg zwischen hoher
und niedriger Informationsdichte gefunden werden, wobei gerade bei diesen abgeleiteten Produkten
auf die leichte optische Erfassbarkeit und gute Lesbarkeit Wert gelegt wurde. Das wurde zum Teil
durch manuelle Eingriffe erreicht, womit die Objektivität weiter eingeschränkt wurde.

5.1.1 Formeninventar und Legende der Geomorphologischen Karte der


Steiermark 1 : 200 000

Formeninventar und Legende der Geomorphologischen Karte der Steiermark 1 : 200 000 sind in
großen Teilen mit jener im Maßstab 1 : 50 000 identisch (siehe Tab. 14, vgl. Kap. 4.2.1, Tab. 12). Der
größte Unterschied besteht in der Untergliederung der Hänge je nach Untergrund in nur drei
Hangneigungsklassen an Stelle von fünf. Zudem wurde auf die Klasse der Niveaus im Vorland unter
2° Hangneigung verzichtet. Wie in Kap. 2.2.4 geschildert, bezieht sich der Grenzwert von 30° Neigung
zwischen Hängen und steilen Hängen auf die Bedeutung für Lawinenabgänge. Die Klasse dominant
gravitativer Prozesse fehlt, da die Schuttkegel nicht von der Klasse der Schwemm- und Murenkegel
getrennt wurden und Schuttrinnen in der Klasse der erosiven Einschnitte enthalten sind. Die weiteren
Klassen sind prinzipiell gleich, wenn auch die Auflösung natürlich gröber ist und daher zahlreiche
kleinere Elemente nicht mehr aufscheinen.

R G B Denudativ
150 220 240 Niveau auf Karbonat (< 5°)
110 180 200 Hang auf Karbonat (5° bis 30°)
70 140 160 steiler Hang auf Karbonat (> 31°)
210 200 240 Niveau auf Nichtkarbonat (< 5°)
170 160 110 Hang auf Nichtkarbonat (5° bis 30°)
130 120 70 steiler Hang auf Nichtkarbonat (> 31°)

120
255 255 200 Niveau auf Sediment (< 5°)
215 215 160 Hang auf Sediment (5° bis 30°)
175 175 120 steiler Hang auf Sediment (> 31°)
200 180 240 Niveau auf vulkanischem Gestein (< 5°)
160 140 200 Hang auf vulkanischem Gestein (5° bis 30°)
120 100 160 steiler Hang auf vulkanischem Gestein (> 31°)
250 220 140 Hangschleppe
160 50 45 Gipfel, Kamm, Grat
200 90 85 Riedelrücken
Fluviatil
70 50 20 Erosiver Einschnitt
170 210 120 Schwemm-, Schutt- und Murenkegel
50 85 25 Talboden
35 115 0 Talboden im Beckenbereich
130 170 80 Terrasse
Glazial
215 150 165 Karboden
Periglazial
50 80 80 Blockgletscher (Niedere Tauern)
Karst
30 100 120 Hohlform im Karstgebiet
0 75 170 Gewässer
Anthropogen
40 40 40 Anthropogen verändertes Relief
Regionale Besonderheiten
120 130 70 Moor, Torf, Versumpfung

Tabelle 14: Legende geomorphologischen Formen der geomorphologischen Karte der Steiermark
1 : 200 000; die Spalten R, G und B geben die Farbwerte im RGB-Modus an (eigene Darstellung)

5.1.2 Erläuterungen zur Geomorphologischen Karte der Steiermark 1 : 200 000

In Bezug auf die denudative Formenwelt wurde in erster Linie die Angaben zur Hangneigung
generalisiert. Die Information zum Untergrund sollte jedenfalls erhalten bleiben, aber eine zu stark
detaillierte Untergliederung der Hänge wäre kaum lesbar gewesen. Diese drei Klassen sind recht
einfach erfassbar und Gebiete mit steilen Hängen im Hochgebirge, mäßiger geneigten Hängen im
Randgebirge und flachen Hängen im Vorland heben sich gut voneinander ab. Natürlich ist es durch
diese Generalisierung schwieriger, abgeleitete Formen zu interpretieren. So sind beispielsweise reich
gegliederte Hänge (vgl. Kap. 4.3.1.9) meist nur mehr dann als solche wahrnehmbar, wenn sie
großflächiger und ausgeprägter auftreten. Doppelgrate sind aufgrund der Generalisierung praktisch
nicht mehr erkennbar. Die Gipfelbereiche wurden stark manuell bearbeitet (siehe Kap. 2.2.3, Abb. 25),
auch um ein klareres Bild zu erhalten und das Hauptgratnetz deutlich hervortreten zu lassen.

121
Die Elemente der gravitativen Formenwelt, die in der Geomorphologischen Karte der Steiermark
1 : 50 000 ausgewiesen wurden, nämlich Schuttrinnen und Schuttkegel, fallen im Maßstab 1 : 200 000
den Elementen „erosive Einschnitte“ und „Schwemm-, Schutt- und Murenkegel“ der fluviatilen
Formenwelt zu. Dieser Informationsverlust entsteht vor allem aus der notwendigen Generalisierung
wodurch viele Schuttrinnen und Schuttkegel wegfielen. Die korrekte Interpretation der „Schwemm-,
Schutt- und Murenkegel“ als Schuttkegel ist bei ihrem Auftreten in Karräumen beziehungsweise nahe
von Gipfelbereichen recht einfach möglich.

Die fluviatile Formenwelt unterscheidet sich wiederum kaum von jener der Karte im Maßstab
1 : 50 000. Durch die Generalisierung entstanden teilweise größere Flächen, die der Form der
erosiven Einschnitte zugeordnet sind, was in einer hohen Dichte an erosiven Rinnen begründet liegt.
In den Hochgebirgsbereichen tritt durch dieses Phänomen der Eindruck der möglichen
Lawinenbahnen besser hervor. Die Schwemm- und Murenkegel wurden um die Schuttkegel erweitert,
kleinere Kegel entfielen, zahlreiche nebeneinander liegende sind flächig miteinander verwachsen. Die
Talböden sowie Talböden im Beckenbereich blieben unverändert, kleinere Talboden-Bereiche
scheinen nicht mehr auf. Eine Interpretation der Talformen ist zwar auch aufgrund der geringeren
Hangneigungsklassen erschwert, aber nicht unmöglich. Klamm- und Schluchtbereiche sind an den
fehlenden Talböden und steilen Hängen deutlich erkennbar. Kerbtäler weisen, abgesehen von den
größeren Tälern, ebenfalls kaum Talböden auf, steile bis mittelsteile Hänge umgeben das Gerinne.
Sohlen- und Muldentäler sind durch die große Entfernung zu den nächstliegenden Gipfelbereichen
sowie die breiten Talböden gekennzeichnet.

Die der glazialen Formenwelt zugehörigen Trogtäler können nach folgenden Kriterien erkannt
werden: Sie liegen innerhalb des ehemals vergletscherten Gebietes (diese Information kann mittels
eines zusätzlichen Layers dargestellt werden), die größeren Trogtäler weisen breite Talböden auf, die
Hänge sind im unteren Bereich mäßig steil und nach oben hin sehr steil, meist beherbergen sie
zahlreiche Schwemmkegel. Die direkt dargestellte glaziale Form der Karböden wurde lediglich
generalisiert.

Gleichermaßen wurde mit den Blockgletschern der Niederen Tauern verfahren. Die abgeleitete Form
der periglazialen Formenwelt, die Glatthänge, können wie die oben erwähnten reich gegliederten
Hänge, nur mehr schwer interpretiert werden. Durch die Zusammenfassung der Hangneigungsklassen
weisen jetzt große Hangbereiche scheinbar gleichförmige Neigungen auf, wodurch hier die Gefahr für
Fehlinterpretationen besteht. Der Karstformenschatz wurde desgleichen beibehalten, d.h. die
Karsthohlformen wurden stark generalisiert. Das generelle Bild der Bereiche, in denen Karst auftritt,
wird jedoch nicht beeinträchtigt, da dieses durch die Darstellung des geologischen Untergrundes
gewährleistet ist. Desgleichen wurden die Gewässer belassen, auch hier wurden nur die stehenden
Gewässer sowie Mur und Mürz direkt in die Karte integriert. Die anthropogene Formenwelt
entspricht gleichfalls jener der Karte im Maßstab 1 : 50 000. Die regionalen Besonderheiten wurden
auf die größeren Moore in den inneralpinen Bereichen beschränkt. Natürlich ist eine Überblendung mit
den Punktinformationen zu den Wasserfällen ebenso wie bei der Karte im Maßstab 1 : 50 000
möglich.

122
5.2 Die Geomorphologische Übersichtskarte der Steiermark im Format
A4
Die Übersichtskarte im Format A4 (siehe Abb. 63) wurde für eine mögliche edukative Verwendung
geschaffen. Dazu könnte die geomorphologische Karte der Steiermark im Maßstab 1 : 50 000 in
digitaler Form verwendet werden, die generalisierte Karte im Maßstab 1 : 200 000 als Hängekarte ein
etwas detaillierteres Bild zeigen und die Übersichtskarte schließlich als Arbeitskarte Anwendung
finden. Wie in Kap. 2.2.5 geschildert, handelt es sich hierbei nicht um ein „abgeleitetes“ Produkt im
engeren Sinn, sondern eine eigens erstellte Karte geringer Auflösung mit einer stark eingeschränkten
Anzahl an Klassen.

5.2.1 Formeninventar und Legende der Geomorphologischen Übersichtskarte


der Steiermark

Wie in Tab. 15 ersichtlich, finden in der Übersichtskarte nur mehr 12 Klassen Verwendung. Auch die
dargestellte Zahl der einzelnen Prozesse ist auf zwei beschränkt. Hier können aber wiederum die zu
den restlichen Prozessen gehörigen Formen, zumindest teilweise, abgeleitet werden. Es wurde
besonderer Wert darauf gelegt, dass das Gesamterscheinungsbild der einzelnen Kartenformate
ähnlich ist. Für die Übersichtskarte stellten sich dadurch besondere Herausforderungen. Schließlich
wurden auf empirischer Grundlage die Klassen teils gänzlich umformuliert und neue Klassen
eingeführt. Die Klassen „Hochplateau“ sowie „Hochebenen, sanfte Erhebungen auf Nichtkarbonat“
erschienen insbesondere sinnvoll, um die Gesamtcharakteristik einzelner Gebiete besser darstellen zu
können.

R G B Denudativ
70 140 160 Hang auf Karbonat
150 120 240 Hochplateaus auf Karbonat
130 120 70 Hang auf Nichtkarbonat
170 160 110 Hochebenen, sanfte Erhebungen auf Nichtkarbonat
255 255 200 Hang auf Lockersediment
120 100 160 Hang auf vulkanischem Gestein
160 50 45 Erhebungen, Gipfel und Riedelrücken
Fluviatil
50 30 10 Erosiver Einschnitt
170 210 120 Hangfußzone
215 215 160 Riedel und Terrassen
50 85 25 Talboden
0 75 170 Gewässer
Tabelle 15: Legende geomorphologischen Formen der geomorphologischen Übersichtskarte der
Steiermark im Format A4; die Spalten R, G und B geben die Farbwerte im RGB-Modus an (eigene
Darstellung)

123
Abbildung 63: Geomorphologische Übersichtskarte der Steiermark im Format A4

Abbildung 63: Geomorphologische Übersichtskarte der Steiermark im Format A4

124
5.2.2 Erläuterungen zur Geomorphologischen Übersichtskarte der Steiermark

Der Großteil der Formen wurde der denudativen Formenwelt zugeordnet. Die Hänge je nach
geologischem Untergrund wurden wie bei den anderen Kartenformaten beibehalten, auf
unterschiedliche Neigungsklassen musste verzichtet werden. Hänge auf Karbonat wurden um die
Form Hochplateaus auf Karst ergänzt. Diese Klasse erleichtert die Erkennbarkeit der großen
Karstplateaus. Zudem sind auch Karstprozesse mit diesen Formen verbunden. Die Hänge auf
Nichtkarbonat fanden ebenfalls eine Ergänzung in den Hochebenen bzw. sanften Erhebungen auf
Nichtkarbonat, die das Steirische Randgebirge charakterisieren. Die Hänge auf Lockersediment
befinden sich vor allem im Bereich der Windischen Bühel, die nicht als Riedel im engeren Sinn
bezeichnet werden können. Einige kleinere Hänge auf Lockersediment finden sich in den größeren
Tälern, wo sie Riedel-ähnliche Formen oder stärker überformte Terrassen darstellen. Trotz der
geringen Vorkommen, wurden die Hänge auf vulkanischem Gestein ausgewiesen, da sie von
besonderer Bedeutung für die Identität der Region sind. Die Erhebungen und Gipfel wurden nicht von
den Riedelrücken getrennt. In der Übersichtkarte ist die Problematik der Gipfelregionen im
Randgebirge ebenso erkennbar (vgl. Kap. 4.1, Abb. 39 und Kap. 4.2, Abb. 42). Die fluviatile
Formenwelt ist grundsätzlich ähnlich wie in den anderen Kartenformaten. Die erosiven Einschnitte
sind aufgrund des Betrachtungsmaßstabes des öfteren kleinere Kerbtäler. Die Talböden umfassen die
Beckenbereiche, die anhand der besonderen Form erkennbar sind. Riedel und Terrassen wurden in
einer Klasse zusammengefasst, da gerade im Vorland zahlreiche ältere Terrassen in die Riedel
übergehen. Die Charakteristik des Vorlandes kommt damit recht gut zur Geltung. Die Klasse der
Hangfußzone soll zum einen die Bereiche der zahlreichen Schwemm-, Schutt und Murenkegel
abdecken, zum anderen schließt sie kleinere Randterrassen mit ein und auch die Trogtalfußzone kann
daraus entnommen werden. Diese gehört bereits zum glazialen Formenschatz, der der
geomorphologischen Übersichtkarte nicht direkt entnehmbar ist. Um diese wichtige Information nicht
zu verlieren, wurde ein zusätzlicher Polygon-Layer geschaffen, der die Grenze der ehemaligen
Vereisung anzeigt. Daraus kann abgeleitet werden, in welchen Bereichen mit dem Auftreten von
glazialem Formenschatz gerechnet werden muss und welche Täler mit großer Wahrscheinlichkeit als
Trogtäler angesprochen werden können. Der periglaziale Formenschatz ist vorzugsweise ebenfalls
in diesem Bereich anzutreffen, einzelne Formen wären nicht darstellbar gewesen. Mit den Gewässern
wurde gleichartig vorgegangen wie bei den anderen Kartenformaten, das übergeordnete
Gewässernetz wurde zusätzlich eingeblendet. Auf die Darstellung der anthropogenen Formen sowie
regionalen Besonderheiten wurde verzichtet.

125
6 Die geomorphographische Gliederung Teneriffas
Um die Methodik noch erweitert prüfen zu können, wurde das gleichfalls relativ heterogene Gebiet der
Kanareninsel Teneriffa herangezogen. Der Schwerpunkt wurde hier auf die computergestützte
Klassifikation und weniger auf die mögliche geomorphologische Interpretation gelegt, da dieses Gebiet
in erster Linie eben der Evaluierung der angewandten Methodik dienen soll. Aus diesem Grund war
der Arbeitsablauf so weit wie möglich identisch mit der Vorgehensweise für die Steiermark.
Besonderheiten, die Methodik für das Bearbeitungsgebiet Teneriffa betreffend, finden sich in
Kap. 2.2.6.

6.1 Das Ergebnis der Clusteranalyse im Programmsystem SAGA für


Teneriffa
Analog zu den Beispielen für die Steiermark soll hier anhand von zwei Musterbereichen das Ergebnis
der Clusteranalyse illustriert und erläutert werden. Die Auswahl zwei stark konträrer Gebiete soll
mittels weniger Beispiele ein möglichst großes Spektrum der Formen und zugleich der Vorteile und
Probleme der Methode darstellen.

Beispiel Teno mit Steilküste (Abb. 64)

Abbildung 64: Ausschnitt aus einer ersten Gliederung des Ergebnisses der Clusteranalyse im Bereich
Teno mit Steilküste (Teneriffa) im Maßstab 1 : 50 000 (eigene Darstellung)

Dieses Gebiet weist eine gewisse Ähnlichkeit zu den Schladminger Tauern auf, mit ebenfalls deutlich
definierten Kämmen und Graten sowie erosiven Einschnitten, hier größtenteils als tiefe torrential
geformte Barrancos ausgeprägt. Wie auch in den Schladminger Tauern reichen die Grate zum Teil
weit in tiefe Lagen hinunter. Die Steilküste liegt in den gleichen Klassen wie die Einschnitte und
Vertiefungen, kann jedoch durch weitere Analysen, die sich auf die Randlage beziehen, relativ leicht
ermittelt werden. Flachere Küstenteile entsprechen derselben Klasse wie breite Lavafelder und
Vertiefungen, können aber gleichermaßen recht einfach herausgefiltert werden.

126
Beispiel Teide - Cañadas (Abb. 65)

Abbildung 65: Ausschnitt aus einer ersten Gliederung des Ergebnisses der Clusteranalyse im Bereich
Teide - Cañadas (Teneriffa) im Maßstab 1 : 50 000 (eigene Darstellung)

Ein völlig anderes Gebiet ist das durch Vulkankegel und Lavafelder geprägte Inselinnere. Die
Lavafelder sind in der Klasse der flächigen Erhebungen und Verflachungen enthalten (vor allem
Klassen 2, 8 und 12). Geländekanten und Vertiefungen ermöglichen die Abgrenzung der separaten
Felder. Die einzelnen Lavaströme an den Abhängen des Teide und Pico Viejo treten durch
abwechselnde Hohl- und Vollformen deutlich hervor. Die Kraterränder und Vulkankegel sind zwar klar
erkennbar, aufgrund der zum Teil stark abweichenden Morphologie mussten die Gebiete der Kegel
grob manuell definiert werden und konnten daraufhin durch weitere Analysen erhoben werden. Die
„erosiven Einschnitte“ sind in diesem Bereich weniger als Abtragungsform zu verstehen sondern sind
meist im Zuge der eruptiven Geschehen als Hohlformen geschaffen und erst anschließend durch
Verwitterungswirkung vertieft worden (vgl. Kap. 3.2.2).

6.2 Das Endergebnis der geomorphographischen Gliederung Teneriffas


Beispiel Teno mit Steilküste (Abb. 66)

Wie bereits in Kap. 6.1 erwähnt, besitzt der Bereich Teno eine gewisse Ähnlichkeit mit den
Schladminger Tauern. Sowohl die Kämme und Grate als auch die Barrancos und erosiven Einschnitte
sind gut definiert. Es ist hier aber augenfällig, dass die Täler bzw. Barrancos enger und die Talwände
steiler sind. In diesem Fall reichten die automatisch generierten Klassen der Erhebungen gleichfalls
recht weit in die tiefen Lagen, so dass bereinigend eingegriffen werden musste. Der kleine
Küstenbereich, der dargestellt ist, zeigt eine eindeutige Dominanz der Steilküste. Die Küstenbereiche
sind durch die Entfernung zum Meer definiert und wurden nur grob in Steil- bzw. Flachküste
untergliedert. Die Form der Talböden unterscheidet sich durch die speziellen Gegebenheiten von

127
jenen der Steiermark. Da es praktisch keine perennierenden Gewässer gibt, wurden jene Bereiche als
Talboden definiert, die die größten und am besten verfolgbaren Eintiefungen im Bereich darstellten.

Abbildung 66: Ausschnitt aus der Geomorphologischen Karte Teneriffa 1 : 50 000 im Bereich Teno mit
Steilküste (eigene Darstellung)

Beispiel Teide - Cañadas (Abb. 67)

Abbildung 67: Ausschnitt aus der Geomorphologischen Karte Teneriffa 1 : 50 000 im Bereich Teide-
Cañadas (eigene Darstellung)

Da das Gebiet Teneriffas nur als Vergleichsgebiet dienen soll, wurde darauf verzichtet, zahlreichere
Einzelformen zu unterscheiden. Eine relativ pragmatische Untergliederung in Lavafelder, Lavaströme,
Vulkankegel und Kraterränder leitet sich sowohl aus der guten optischen Unterscheidung dieser
Elemente ab, als auch daraus, dass sie in der automatisierten Klassifikation prägnant hervortraten. Es

128
ergab sich aber daraus des Weiteren die Frage, wie diese Elemente abgegrenzt und definiert werden
sollten. Die Definition der Klasse der Lavaströme und Ränder der Lavafelder in Kombination mit den
erosiven Einschnitten erleichtert die Interpretation der Ausdehnung und Ausbreitung der einzelnen
Elemente. Vulkankegel und Kraterränder heben sich zumeist eindeutig von der Umgebung ab und
sind auch in der automatisierten Gliederung gut erkennbar (siehe Abb. 65). Im Falle der enormen
Kegel des Teide bzw. des Pico Viejo, die ja größtenteils von Lavaströmen bedeckt sind, wurde die
Hauptform der Klasse Vulkankegel zugewiesen, die erosiven Einschnitte, die durch endogene
Mechanismen geschaffen und durch exogene Vorgänge weiter vertieft wurden sowie einige deutliche
Lavaströme weisen auf die Strukturierung der Kegel hin.

6.2.1 Formeninventar und Legende der geomorphographischen Gliederung


Teneriffas 1 : 50 000

Das Formeninventar Teneriffas wurde wie bereits erwähnt vorwiegend nach praktischen
Gesichtspunkten ausgewählt. Wie für das Gebiet der Steiermark ist eine Zuordnung zu den
dominanten Agentien meist gut möglich, wobei natürlich die vulkanische Tätigkeit insgesamt im
Vordergrund steht. Insgesamt wurden 31 Formen erfasst (siehe Tab. 16), aus welchen wiederum
durch weiterführende Interpretationen komplexere Formen und weitere Informationen abgeleitet
werden können. Die Auswahl der Formen erfolgte nach einer groben Analyse des Ergebnisses der
Clusteranalyse. Die angewandte Farbgebung wurde in erster Linie gewählt, um die einzelnen Formen
möglichst gut unterscheiden zu können und richtet sich nicht nach möglicherweise bestehenden
Konventionen. Vorrangig war wie im Bereich der Steiermark eine möglichst gute optische
Erfassbarkeit der geomorphographischen bzw. geomorphologischen Gegebenheiten der
Landschaftseinheiten.

R G B Denudativ
255 235 175 Niveau auf Sediment (< 5°)
255 210 125 Flacher Hang auf Sediment (5° bis 20°)
235 190 110 Mittelsteiler Hang auf Sediment (21° bis 30°)
215 170 90 Steiler Hang auf Sediment (30° bis 45°)
185 150 70 Fels auf Sediment (> 45°)
150 60 50 Geländekanten auf Sediment
215 200 160 Niveau in den Cañadas (<5°)
195 180 140 flacher Hang in den Cañadas (5°-20°)
175 160 120 mittelsteiler Hang in den Cañadas (21°-30°)
155 140 100 steiler Hang in den Cañadas (31°-45°)
135 120 80 Fels in den Cañadas (>45°)
170 0 0 Gipfel, Kamm, Grat
Vulkanogen
150 100 55 Lavafelder
100 65 40 Lavaströme

129
140 70 100 Vulkankegel
215 155 190 Kraterränder
200 215 160 Niveau in rezenten Bereichen (<5°)
180 185 140 flacher Hang in rezenten Bereichen (5°-20°)
160 165 120 mittelsteiler Hang in rezenten Bereichen (21°-30°)
140 145 100 steiler Hang in rezenten Bereichen (31°-45°)
120 125 80 Fels in rezenten Bereichen (>45°)
Fluviatil
0 0 0 Erosiver Einschnitt
60 75 0 Barrancos
160 190 215 Niveau in den Massiven (<5°)
140 170 195 flacher Hang in den Massiven (5°-20°)
120 150 175 mittelsteiler Hang in den Massiven (21°-30°)
100 130 155 steiler Hang in den Massiven (31°-45°)
80 110 135 Fels in den Massiven (>45°)
Litoral
160 170 215 Flachküste
70 80 135 Steilküste
Anthropogen
80 80 80 Anthropogen verändertes Relief
Tabelle 16: Legende geomorphologischen Formen der geomorphologischen Karte Teneriffas
1 : 50 000; die Spalten R, G und B geben die Farbwerte im RGB-Modus an (eigene Darstellung)

6.2.2 Flächenauswertung zur geomorphographischen Gliederung Teneriffas


1 : 50 000

Tabelle 17: Flächenangaben zu den Formen der geomorphologischen Karte Teneriffas 1 : 50 000 nach
ihrer Genese (eigene Darstellung)

130
Wie in Tab. 17 und Abb. 68 ersichtlich, sind ein Großteil der Formenwelt Teneriffas, was wenig
verwunderlich erscheint, von vulkanischen Vorgängen geprägt. Die Hänge wurden in dieser
Flächenauswertung anders als in der Auswertung für die Steiermark nicht generell dem denudativen
Formenschatz zugeordnet. Da die Hänge sich hier nicht nach dem Untergrund untergliedern, sondern
nach Landschaftsbereichen, wurden sie unterschiedlichen Agentien zugewiesen. So sind Hänge auf
Sediment sowie solche, die dem Cañadas-Gebäude zugehörig sind, in erster Linie von denudativen
Vorgängen geprägt, Hänge in den Massiven jedoch insbesondere von der Torrentialität und Hänge im
rezenten Bereich noch kaum von anderen Agentien überformt.

Abbildung 68: Relative Flächenanteile nach dominanten Agentien auf Teneriffa (eigene Darstellung)

Die Auswertung der Hangneigungen nach Landschaftseinheit (siehe Abb. 69) zeigt, dass trotz
ähnlichen Untergrundes deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Bereichen bestehen. So ist
der Anteil der steilen bis sehr steilen Hänge in den stark überformten, zum Teil sehr tief durch
Barrancos zerschnittenen alten Massiven besonders hoch. Außerdem gibt es im Gebiet des ebenfalls
bereits überformten Cañadas-Gebäudes einen relativ hohen Anteil an steilen Hängen. In den
Regionen des rezenten Vulkanismus dominieren die Hänge zwischen 5° und 20° Neigung, doch auch
der Anteil an Niveaus ist besonders hoch, was durch die besondere Lage großer rezenter Lavafelder
in den Cañadas zu erklären ist.

Fels > 45°


Hang auf Steiler Hang 30-45°
Sediment 82% 17%1% 22 km²
Mittelsteiler Hang 21-30°
Flacher Hang 5-20°
Niveau < 5°
Hang in den
2% 19% 22% 45% 11% 209 km²
Massiven

Hang in den
9% 55% 19% 15% 3% 561 km²
Cañadas

Hang im
26% 69% 3%2% 677 km²
rezenten Bereich

0 100 200 300 400 500 600 700

Abbildung 69: Flächenanteile der Hänge nach Untergrund bzw. Landschaftseinheit und Hangneigung
auf Teneriffa (eigene Darstellung)

131
6.3 Erläuterungen zur geomorphographischen Gliederung Teneriffas
Anders als für die geomorphologische Karte der Steiermark werden hier keine detaillierten
Informationen zu den einzelnen Formen gegeben, da das keinen Schwerpunkt der Arbeit bildet. Eine
allgemeine Darstellung der Formengruppen nach dominanten Agentien sowie eine grobe Erläuterung
der ausgewiesenen Formen soll hier dennoch erfolgen, um die Karte möglicherweise auch einer
weiteren Verwendung zuführen zu können, was ohne zumindest kurze Erklärung wohl kaum möglich
wäre.

6.3.1 Denudative Formen

Zu den denudativen Formen zählen die Hänge auf Sediment und die Hänge des Cañadas-
Gebäudes jeweils nach unterschiedlichen Neigungsklassen. Es gibt auf der Insel insgesamt vier
Sedimentationsbereiche, wovon sich der größte im Gebiet von La Laguna befindet. Wie in Kap. 1.4
und Kap. 3.2.1 bereits erläutert, war der Bereich von Anaga ursprünglich eine eigenständige Insel. Im
Zuge des Zusammenwachsens mit der Dorsal de la Esperanza wurde ein tiefes Tal des südwestlichen
Abfalles der Anaga-Insel abgeschlossen und mit vulkanischem Material aus dem rezenten Bereich
sowie Sedimentationsmaterial aus dem Gebiet des Anaga-Gebirges verfüllt (CARRACEDO UND DAY 2002,
S.147). Die anderen Sedimentationsbereiche entstanden auf ähnliche Art und weisen vorwiegend sehr
flache Hänge auf (siehe Abb. 69).

Das Cañadas-Gebäude ist gleichfalls stark von denudativen Vorgängen geprägt. Insbesondere die
großen Rutschungen sind diesem Formenkreis zuzuschreiben. Doch auch rezent spielt die
flächenhafte Abtragung eine wichtige Rolle, da in vielen Bereichen, in denen dieser Teil zum Vorschein
kommt, die Niederschläge sehr gering sind und daher die Bedeutung der fluviatilen Formung stark
zurücktritt und so eine Kombination aus Insolationsverwitterung, Frosteinwirkung und periglazialer
Verwitterung zum Tragen kommt (vgl. Kap. 3.2.2).

Die Gipfel-, Kamm- und Gratregionen werden wie im Gebiet der Steiermark der denudativen
Formenwelt zugeordnet. Sie sind vor allem im Bereich der alten Massive von Bedeutung. Die
unterschiedliche Ausprägung wird zudem in Kap. 2.2.6, Abb. 27 illustriert.

6.3.2 Fluviatile Formen

Die fluviatile Formenwelt tritt besonders deutlich im Bereich der alten Massive, also Anaga, Teno und
im Bereich um Roque del Conde in den Vordergrund, was in der Karte dadurch hervorgehoben wird,
dass die Hänge in den Massiven ebenfalls dieser Formenwelt zugeordnet wurden (vgl. Abb. 66).
Durch die Torrentialität der Niederschlagsereignisse sowie rückschreitende Erosion bei hoher
Reliefenergie und zum Teil vorhandener leicht verwitterbarer vulkanischer Asche entstanden aus
erosiven Einschnitten oft tiefe Barrancos. Es kann auch Reliefinversion beobachtet werden:
Ursprüngliche Vertiefungen wurden von Lava verfüllt, die in Folge widerstandsfähigeres Material
darstellte als das umgebende Gestein. Durch Erosion wurde die Umgebung abgetragen und das
Verfüllungsmaterial blieb bestehen (SKRIPTUM GEOMORFOLOGÍA VOLCÁNICA 2006). Durch die

132
Niederschlagsmuster, sowohl in räumlicher als auch in zeitlicher Hinsicht, ergeben sich für den
begrenzten Raum der Insel stark differenzierte Bedingungen. So herrschen im Süden sowie im
Inselinneren annähernd wüstenhafte Verhältnisse vor, die feuchten Lagen des Nordens erhalten
mittlere Jahresniederschläge von über 600 mm. In temporärer Hinsicht stehen
Starkniederschlagsereignisse mit hohem Schadenspotential kontinuierlich aufliegender
Inversionsbewölkung gegenüber, die zwar Vorgänge der chemischen Verwitterung begünstigen, aber
keine geomorphologischen Großereignisse auslösen kann. Im Zusammenhang mit der fluviatilen
Formenwelt muss nochmals erwähnt werden, dass das Gerinne im Barranco del Infierno das einzige
perennierende Gewässer der Insel ist (siehe auch Kap. 3.2.2 und Kap. 3.2.3).

6.3.3 Litorale Formen

Im litoralen Bereich werden in der vorliegenden Karte lediglich Flach- und Steilküsten unterschieden,
da dieser hoch komplexe Bereich einen sehr kleinen Raum einnimmt und weitere Differenzierung im
vorliegenden Maßstab kaum leserlich gewesen wäre. Um ein möglichst einfaches und
geomorphologisch relevantes Kriterium einzusetzen, wurde die Hangneigung herangezogen. Der
litorale Bereich wurde anhand ausgewählter Klassen der Clusteranalyse sowie durch eine bestimmte
Entfernung zum Meer, empirisch erwiesen sich 150 m als praktikabel, definiert. Die Steilküsten
dominieren in den Gebieten der alten Massive, also vorwiegend im Teno- und Anaga-Gebirge, da die
Abtragung dort besonders weit fortgeschritten ist. Die Reliefenergie beträgt oft mehrere hundert Meter.
In den übrigen Bereichen, also dem Cañadas-Gebäude sowie dem rezenten Bereich vorwiegend im
Norden, sind die Steilküsten weniger deutlich ausgeprägt und weisen geringere relative Höhen auf.
Die Flachküsten wurden ebenso empirisch über die Hangneigung von weniger als 30° definiert. In
Zusammenhang mit diesem relativ hohen Hangneigungswert ist der Begriff Flachküste etwas
irreführend, entsprechend der Definition in Kap. 2.1.1.2 und unter Betrachtung des maximalen
Böschungswinkels von etwa 25-35° (vgl. Kap. 4.3.2.2) ist diese Grenze jedoch nachvollziehbar. Diese
Küstenform tritt vorwiegend im Süden der Insel in Erscheinung. Der litorale Bereich wurde ebenfalls in
großem Maß von vulkanischen Vorgängen gestaltet, die in Kombination mit wechselndem
Meeresspiegel eine komplexe Landschaft formten. Feine Sandstrände sind in natürlicher Form eher
selten und bestehen im Norden aus dunklem basaltischen Material, im Süden eher aus hellerem,
leicht verwitterbaren sauren Material sowie Bimsstein.

6.3.4 Vulkanogene Formen

Den größten Anteil an geomorphologischen Prozessen haben ohne Zweifel vulkanische Vorgänge.
Auch hier wurden die einzelnen Formen in möglichst pragmatischer Weise voneinander abgegrenzt.
Lavafelder traten bereits in der Clusteranalyse deutlich hervor und prägen in erster Linie den Bereich
der Cañadas. Sie bestehen zum überwiegenden Teil aus zähflüssigem Material. Lavaströme treten in
großer Zahl im rezenten Bereich auf. Zur Abbildung der Ströme, die sich vielfach überlagern, wurde
eine Darstellung gewählt, die die Ränder der Lavaströme bzw. Lavafelder hervorhebt. Dadurch
können die einzelnen Ströme voneinander abgegrenzt werden (vgl. Abb. 67). Die Länge sowie die

133
Richtung und der Verlauf der Ströme wurde durch die Materialeigenschaften und die zuvor
existierenden Geländeformen determiniert.

Eine weitere prominente Form sind die Vulkankegel, an deren oberem Rand die Kraterränder
auffällig hervortreten. Anhand der Kraterränder ist meist nachvollziehbar, in welche Richtung die
Lavaströme aus den Kegeln austraten. Es wurden nur Vulkankegel erfasst, die anhand der
Clusteranalyse erkennbar sind, sehr flache Vulkankegel scheinen daher nicht auf. Auf die einzelnen
Formen der Vulkankegel einzugehen, die aus unterschiedlichem Material aufgebaut sein können und
sich oft überlagern, scheint an dieser Stelle nicht angebracht. Es soll daher auf die speziellen Arbeiten
zu diesem Thema wie beispielsweise ROMERO-RUIZ 1986 verwiesen werden.

Die Hänge im rezenten Bereich wurden der vulkanogenen Formenwelt zugewiesen. Grundsätzlich
könnten alle Hänge der Insel diesem Formenkreis zugeordnet werden, im rezenten Bereich sind die
anderen Prozesse jedoch von ausgesprochen geringer Bedeutung. Insbesondere in den sehr hohen
Lagen, in denen rezent geringe geomorphologische Dynamik herrscht, sind die ursprünglichen
Formen sehr gut erhalten. Die Hänge sind sowohl aus Lavaströmen als auch vulkanischen Aschen
aufgebaut. Diese Materialien verfüllen außerdem die Rutschungstäler von Güímar, Icod und Orotava
(vgl. Kap. 3.2.1).

6.3.5 Anthropogen verändertes Relief

Aufgrund des relativ hohen Siedlungsdruckes bzw. der intensiven touristischen Inanspruchnahme der
nutzbaren Teile der Insel sind große Gebiete stark anthropogen beeinflusst (vgl. Kap. 3.2.3). Wie auch
in der Karte der Steiermark wurde die normale Bebauung und landwirtschaftliche Nutzfläche nicht den
anthropogen veränderten Formen zugezählt. Ausgewiesen wurden die Autobahnen, Bereiche
oberirdischen Materialabbaus sowie entlang der Küsten Häfen und diverse Verbauungen. Die
Erfassung dieser Bereiche erfolgte überwiegend manuell, orientierte sich jedoch an dem Ergebnis der
computergestützten Reliefklassifikation.

134
7 Bewertung der Ergebnisse anhand von einigen ausgewählten
Landschaftseinheiten
In diesem Kapitel werden mittels der bereits bekannten Beispiele die Vor- und Nachteile der
Clusteranalyse sowie des durch weitere Analysen gewonnenen Endergebnisses erläutert. Es kommen
nicht alle einzelnen Formen dabei zur Sprache, wie es in den Erläuterungen zur Karte der Fall war.
Das Ziel ist ein guter Gesamtüberblick sowie ein Fokus auf einige wenige Formen, anhand derer die
Probleme aber ebenso die positiven Aspekte der computergestützten Erstellung einer
geomorphologischen Karte in diesen Maßstäben verdeutlicht werden. Diese Thematik wurde zum Teil
bereits in der Methodik sowie den erläuternden Kapiteln angeschnitten, hier wird sie ins Zentrum
gestellt und zusammenfassend behandelt.

Wie bereits in Kap. 4.2 erwähnt, ist das Ziel der Karte vor allem einen guten visuellen Eindruck über
die geomorphologischen Gegebenheiten eines Gebietes zu gewährleisten. Eine sehr detailreiche
geomorphologische Karte ist lediglich auf Basis einer computergestützten Klassifikation nicht
generierbar. Sehr wohl kann aber oben genanntes Ziel erreicht werden, wobei sowohl die Vorteile der
Zeitersparnis als auch der Objektivität hervorgehoben werden müssen. Ersterer Vorteil muss zwar
etwas relativiert werden, da zahlreiche Kontrollen und teilweise zusätzlich umfangreiche Korrekturen
vor allem in der Einführungsphase einer neuen Methode oft die ursprünglich erreichte Zeitersparnis
wieder aufwiegen und manchmal sogar überwiegen. Für zukünftige Anwendungen kann jedoch vor
allem für bestimmte Formen in gewissen Gebieten ein deutlicher Nutzen aus der
Computerunterstützung gezogen werden. Auf diese Vorteile und einige Nachteile wird nun anhand der
Beispiele eingegangen.

7.1 Beispiel Wechselgebiet

Abbildung 70: Verkleinerte


Darstellung von Abb. 39 (li.) und
Abb. 42 (re.), Legende siehe
dort

In diesem Gebiet wird die Problematik bei der computergestützten Eruierung von Gipfelfluren, wenn
diese sehr breit und flach sind, besonders deutlich. Wie in Kap. 4.1, Abb. 39 ersichtlich, können zwar
diese Bereiche im Groben ermittelt werden, aber zum Teil sind die Fluren nicht zusammenhängend,
zum Teil sind sie zu umfangreich. Das Problem ergibt sich in logischer Folge aus der Definition der
Gipfelfluren: Ein Zellfenster, das von Zellen umgeben ist, die niedrigere Seehöhenwerte enthalten,
wird dieser Klasse zugewiesen. Ist nun ein Gipfelbereich sehr flach, müsste des Fenster sehr groß

135
sein, damit es zu einer den Konventionen entsprechenden Zuordnung kommt. Teilweise schafft aber
sogar die Vergrößerung des gleitenden Fensters keine Abhilfe. Die verwendeten Parameter -
Hangneigung, Krümmung in horizontaler und vertikaler Richtung sowie die Reliefenergie – ähnlich wie
die Geländehöhe selbst, bedingen in diesen Bereichen nach der zuvor festgelegten Definition, dass
diese Zellen nicht zur Klasse der Gipfelfluren, sondern der Verflachungen oder Hangbereiche
zugeordnet werden. Wie bereits in Kap. 4.3.1.7 angedeutet, handelt es sich bei dieser Fragestellung
beinahe um philosophische Betrachtungen. Nach der gängigen Konvention der Geomorphologie
wären diese Bereiche als Gipfelfluren zu definieren, was auch im Sinne der weiteren Anwendung in
vielen Nachbarwissenschaften wäre. So unterliegt die Pflanzenwelt in flachen und breiten Gipfelfluren
den großteils gleichartigen Stressfaktoren wie an engeren Graten, wie beispielsweise höheren
Windgeschwindigkeiten und größerer Trockenheit. Andererseits regt die computergestützte
Klassifikation durchaus dazu an, die bestehende Definition in diesem Bereich zu überdenken. Können
diese flachen Bereiche überhaupt einer Gipfelflur zugeordnet werden? Wo soll die Grenze gezogen
werden? Betrachtet man die Pflanzenwelt, kann auch das Argument herangezogen werden, dass
flache Gipfelfluren sehr wohl andere Standortbedingungen bieten als Kämme oder Grate. Gleichwohl
stellt sich wieder die Frage, wo die Grenze gezogen werden soll. Diese wird uns noch ein wenig in
Kap. 8 beschäftigen.

Die Erhebung der erosiven Einschnitte und Talböden wird durch die computergestützte Klassifikation
wesentlich erleichtert. Gleichfalls aus Abb. 39 entnehmbar ist, dass die linearen Vertiefungen klar
hervortreten. Die Einschnitte sind in diesem Bereich ziemlich eng, was die automatische Erkennung
vereinfacht. Einzelne Bereiche sind analog zu oben beschriebenem Problem zu breit ausgeprägt und
so entstehen zum Teil unterbrochene Einschnitte, die nach manueller Kartierung durchgehend erfasst
werden würden. Insbesondere sehr kleine Mulden und Verflachungen erschweren die durchgehend
einheitliche Klassifikation der erosiven Einschnitte.

Die Einteilung der Hänge nach Hangneigung und Untergrund ist in den relativ homogenen Bereichen
besonders aufschlussreich und lässt, wie in den Erläuterungen (Kap. 4.3) geschildert, zahlreiche
Schlüsse zu. Auch hier ist die computergestützte Analyse von großer Bedeutung und die manuelle
Erfassung wäre weitaus zeit- und arbeitsintensiver. Insbesondere da das Ziel die Kartierung des
umfangreichen Gebietes der gesamten Steiermark war, wäre eine händische Aufnahme kaum möglich
gewesen. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass letztere Methode andere Formen erfasst
hätte als die computergestützte. Hieraus ergibt sich ein Hinweis auf die Gefahr der Methode, nämlich
dass vorwiegend die Möglichkeiten des Mittels ausgeschöpft werden und weniger das Mittel an das
Ziel angepasst wird. Doch dazu soll ebenfalls noch mehr in Kap. 8 gesagt werden.

Im Allgemeinen muss das Endergebnis der Geomorphologischen Karte der Steiermark 1 : 50 000 in
diesem Gebiet als verbesserungswürdig angesehen werden. Es handelt sich keineswegs um ein
falsches Bild, das gezeichnet wird. Dennoch sind gewisse Formen unterrepräsentiert, andere könnten
zusätzlich aufgenommen werden, um mehr Informationen darzustellen und die Landschaft besser in
der Karte abzubilden.

136
7.2 Beispiel Schladminger Tauern

Abbildung 71: Verkleinerte


Darstellung von Abb. 40 (li.) und
Abb. 43 (re.), Legende siehe
dort

Wie in Kap. 4.1, Abb. 40 bereits ersichtlich, ist der Gewinn durch die computergestützte Klassifikation
in diesem Gebiet weitaus größer. Insbesondere die hohe Zahl an erosiven Einschnitten, deren
manuelle Erfassung zwar nicht schwierig, aber sehr zeitaufwändig wäre, trägt zu diesem positiven
Aspekt bei. Nicht zuletzt die Art der Gipfelregionen, nämlich überwiegend schmale Grate, lässt eine
sehr gute automatisierte Erfassung zu. Problematisch ist hier lediglich, dass die Elemente der Klasse
der Erhebungen oft sehr weit in die Talbereiche hineinreichen. Ein zufriedenstellendes Endergebnis
konnte nur mittels manueller Korrekturen erreicht werden. Trotzdem liegt für die Gipfelfluren ein
gewisser Vorteil in der computergestützten Erfassung, da so größtmögliche Objektivität gewahrt
werden kann und zumindest teilweise eine Zeitersparnis gegenüber der manuellen Kartierung besteht.

Die Eruierung der Karböden als Verflachungen funktioniert zwar recht gut automatisiert, aber da diese
Form nicht immer den klassischen Vorstellungen entspricht, ist die Vollständigkeit und teils die
Genauigkeit nicht optimal. Die manuelle Erfassung der oft mit zahlreichen Klein- und Kleinstformen
ausgestatteten Karräume ist der maschinellen jedenfalls überlegen. Auf den ersten Blick zeigt sich ein
klarer Vorteil in der Anwendung der Clusteranalyse im Bereich der Schwemm-, Schutt- und
Murenkegel, die bereits im ersten Ergebnis (siehe Kap. 4.1, Abb. 40) deutlich erkennbar sind. Doch
auch hier werden des öfteren Kegel, die nicht der Standardform entsprechen, nicht dieser Klasse
zugeteilt, was wiederum zu einer gewissen Unvollständigkeit in der Karte führt. Eine ähnliche
Sachlage zeigt sich im Bereich der Terrassen.

Vorteilhaft ist jedenfalls wieder die einfache und objektive Klassifizierung der Hänge nach
unterschiedlichen Neigungsklassen. Für die Information über den Untergrund wurde auf Daten aus der
Nachbarwissenschaft der Geologie zurückgegriffen, die manuell erfasst wurden und deren Qualität
von Gebiet zu Gebiet variiert (siehe Kap. 2.2.1). Mit Hilfe dieser unterschiedlichen Hangbereiche ist
die Ableitung weiterer Formen, wie bereits oben erwähnt, sehr gut möglich.

Die Darstellung der Gebiete ähnlicher Landschaftsausprägung ist in der Geomorphologischen Karte
1 : 50 000 weitgehend gut. Es werden sowohl zahlreiche Formen dargestellt, darüber hinaus sind
zusätzlich viele weitere Formen interpretierbar, wie in den Erläuterungen geschildert. Die
computergestützte Analyse stellt eine große Erleichterung dar und die endgültige Karte kann in ihrer
vorliegenden Form als durchaus zufriedenstellend angesehen werden.

137
7.3 Beispiel Dachsteingruppe

Abbildung 72: Verkleinerte


Darstellung von Abb. 41 (li.) und
Abb. 44 (re.), Legende siehe
dort

Das Beispiel der Dachsteingruppe bietet die Besonderheit des Karstgebietes. Zusätzlich zu den oben
insbesondere im Gebiet der Schladminger Tauern angeführten Bewertungen, die gleichfalls für dieses
Gebiet gelten, kommt die Problematik der Überschneidung des Karst- und Glazialformenschatzes zum
Tragen. Da diese Unterscheidung auch im Falle einer rein manuellen Kartierung, teils sogar einer
Kartierung direkt vor Ort, oft sehr schwierig ist, muss festgestellt werden, dass sie mit Hilfe der
computergestützten Klassifikation und nachfolgender Analysen nicht in ausreichender Qualität möglich
ist. Dazu wäre eine Analyse der einzelnen (möglichen) Karräume unter Einbeziehung der Literatur
sowie unter Umständen die Anwendung diverser Methoden der Feldforschung vonnöten.

Nur teilweise befriedigend war das Ergebnis der automatischen Klassifizierung der Gipfelbereiche (vgl.
Kap. 4.1, Abb. 41). Aufgrund der speziellen Situation eines Plateaugebirges war die Dichte der
Kämme und Grate insbesondere im Bereich des Plateauabfalles zu hoch und musste manuell
korrigiert werden. Die erosiven Einschnitte, die sehr zahlreich und dicht vorkommen, werden in der
Clusteranalyse bereits sehr gut ausgewiesen. Lediglich kleinere weiterführende Analysen waren nötig
um ein passables Ergebnis zu erreichen. Hier ist die Anwendbarkeit und Qualität des Resultates auch
im Sinne der Objektivität der verwendeten Methode deutlich vorteilhaft sogar gegenüber der
manuellen Kartierung im Gelände.

Bereiche größerer Schuttansammlungen konnten mittels Clusteranalyse nur unzureichend erfasst


werden. Besonders in den Wandabfällen der Karstplateaus finden sich meist ausgedehnte
Schutthänge, die aber nicht oder nur undeutlich durch ihre Form charakterisiert sind. Eine zusätzliche
Miteinbeziehung von Luft- und/oder Satellitenbildern wäre hierzu nötig. In der Karte wird auf diese
Information hauptsächlich durch die Hänge auf Sediment hingewiesen. Die Methode selbst lässt
jedoch diese Klassifizierung nicht zu.

Im Bereich der verkarsteten Gebiete ist das Endergebnis der geomorphologischen Karte generell,
abgesehen von der Trennung glazialer Hohlformen von Karsthohlformen, recht gut. Auch hier ist der
verzeichnete Formenschatz ausreichend und es können etliche weitere Formen und Informationen
unter Zuhilfenahme der Erläuterungen sowie Kenntnis der landschaftsformenden Faktoren interpretiert
werden.

138
7.4 Beispiel Teno mit Steilküste

Abbildung 73: Verkleinerte


Darstellung von Abb. 64 (li.) und
Abb. 66 (re.), Legende siehe
dort

Dadurch, dass das Gebiet Teneriffas für die Clusteranalyse nicht aufgeteilt werden musste, sondern
für das gesamte Gebiet im Ganzen berechnet werden konnte, und vor allem sich durch homogenere
Landschaften als die Steiermark auszeichnet, ist insgesamt das Ergebnis der automatischen
Klassifikation für dieses Vergleichsgebiet etwas besser. Wie bereits aus Kap. 6.1, Abb. 64
entnehmbar, ist die Problematik mit den in tiefe Lagen reichenden Vollformen, die den Hauptteil der
Gipfelregionen ausmachen, ähnlich wie im Gebiet der Schladminger Tauern. Natürlich kann auch hier
nicht von einem grundsätzlichen „Fehler“ der automatischen Klassifizierung ausgegangen werden,
denn die in den betroffenen Klassen zusammengefassten Zellen weisen tatsächlich in sich homogene
Werte der Eingangsparameter auf. Dennoch entsprechen sie nicht dem, was der Geomorphologe als
Form beschreiben würde. Wieder gelangen wir an die oben angerissene Frage, welche Definition nun
angewandt werden soll. Die computergestützte Analyse regt zumindest das Überdenken dieser
festgelegten Standards an, zugleich sollen aber dadurch in Zukunft nicht ausschließlich Formen
kartiert werden, die mittels Computeranalyse relativ einfach ermittelbar sind.

Das computergestützte Ergebnis der Vertiefungen, also der Barrancos und tiefen Einschnitte, ist im
Bereich des Teno-Gebirges sehr gut. Lediglich in starken Verengungen sind zusammenhängende
Formen zum Teil unterbrochen, was auf die Auflösung der Datengrundlage zurückzuführen ist. Des
Weiteren sind die Küstenbereiche sehr gut dargestellt, insbesondere wenn nur die einfache
Unterscheidung in Steil- und Flachküste erfolgen soll. Obwohl für das Endergebnis die
Hangneigungsdaten herangezogen wurden (vgl. Kap. 6.3.3 und Kap. 6.2, Abb. 66), ist bereits in der
Klassifikation eine gute Gliederung dieses Bereiches erkennbar (siehe Abb. 64).

7.5 Beispiel Teide - Cañadas


Als letztes Beispiel dient wieder das Zentrum der Insel, das von rezenten vulkanischen Formen
geprägt ist. Deutlich treten die Lavaströme und -felder bereits in der Clusteranalyse hervor,
Vulkankegel sind ebenso sehr gut erkennbar. Trotzdem stellt sich das Problem, diese eindeutig
erkennbaren Formen in der geomorphologischen Karte umzusetzen. In der vorliegenden Arbeit wurde
dieses Ergebnis mittels eines Kunstgriffes erreicht. So wurden Ränder der Lavafelder und die
Lavaströme zu einer Klasse zusammengefasst. Würden sie der Klasse der Lavafelder zugeordnet, zu
der die Ränder der Lavafelder ja streng genommen gehören, könnten die einzelnen Lavafelder kaum
noch als getrennt voneinander erkannt werden. Wie aus den Abbildungen zum Ergebnis der

139
Clusteranalyse und dem Endergebnis ersichtlich (Kap. 6.1, Abb. 65 und Kap. 6.2, Abb. 67), ging diese
grobe Zusammenfassung mit einem relativ großen Informationsverlust einher. Die Möglichkeiten, die
die Clusteranalyse geboten hätte, wurden also nicht voll ausgeschöpft. Es kann daher gesagt werden,
dass die angewandte Methode in diesem Gebiet durchaus Vorteile gegenüber einer zeitaufwändigen
und subjektiven manuellen Kartierung bieten würde, die aber nicht in vollem Maße genutzt wurden.
Schließlich war der Zweck nicht die Erstellung einer detaillierten geomorphologischen Karte Teneriffas,
sondern zu zeigen, dass die Methode auf jedes beliebige Gebiet übertragen werden kann.

Abbildung 74: Verkleinerte


Darstellung von Abb. 65 (li.) und
Abb. 67 (re.), Legende siehe
dort

Natürlich können auch hier die Besonderheiten, wie die Arten der Vulkankegel, nicht mit Hilfe der
Clusteranalyse erhoben werden. Die Art der Lavaströme, also beispielsweise ob dünnflüssige
basische oder zähe saure Laven beteiligt waren, wäre ebenfalls nur sehr schwer über Umwege wie
Informationen über Breite und Länge der einzelnen Ströme klassifizierbar. Für die Beantwortung
dieser speziellen Fragestellungen ist immer noch der Geomorphologe vor Ort am besten befähigt.

Erwähnenswert ist ein Artefakt am Abhang des Teide (Kap. 6.1, Abb. 65), das seine Begründung in
einem Fehler im Höhenmodell findet. Diese auffällige bogenförmige Erscheinung wurde nicht
bereinigt, um die Auswirkungen eines solchen Fehlers zu verdeutlichen. Die Qualität des
Höhenmodells ist also absolut ausschlaggebend für die Qualität des Endproduktes. Diese Tatsache
darf nie aus den Augen verloren werden, da sonst die Gefahr besteht, Dinge als gegeben und wahr
anzunehmen, weil sie sich am Computerbildschirm in einer gewissen Weise zeigen, die jedoch in der
Realität keine Entsprechung finden, da sie auf möglicherweise fehlerhaften Eingangsdaten oder
anderen Fehlern beruhen. Die kritische Betrachtung der Ergebnisse ist daher unbedingt notwendig.

140
8 Resümee und Ausblick
In diesem Kapitel wird nun zusammengefasst, welche Schlüsse aus der vorliegenden Arbeit gezogen
werden können, und es werden Verbesserungsmöglichkeiten sowie Anwendungsbereiche erläutert
und ein Blick auf zukünftige Entwicklungen geworfen. Diesem Teil kommt vor allem deshalb große
Bedeutung zu, da sowohl Anwendungs- als auch Weiterentwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt werden,
die die Grundlage für den Fortschritt in Forschung und Praxis darstellen. Da sich die Dissertation auf
technologische Methoden stützt, die einer rasanten Dynamik unterliegen, kann dieses Arbeit nur ein
Schritt in diesem Prozess sein.

Das Spezifikum der Dissertation „Eine Geomorphologische Karte der Steiermark – Herstellung,
Interpretation und Übertragung auf ein weiteres Gebiet“ ist der große Umfang. Sowohl inhaltlich als
auch räumlich werden nicht Details genau untersucht, wie es in den meisten wissenschaftlichen
Fragestellungen heutzutage der Fall ist, sondern es wurde versucht, ein möglichst umfassendes
Produkt für ein relativ großes Gebiet zu erstellen. Wie eben erwähnt, gibt es in der aktuellen
Forschung kaum Publikationen zu umfassenden Themen oder Regionen. Der Klimaatlas der
Steiermark (PODESSER UND RIEDER RIEDER 2007, WAKONIGG 2007a, W AKONIGG 2007b, W AKONIGG 2007c,
W AKONIGG 2007d, PODESSER 2007, PODESSER UND W AKONIGG 2007, W AKONIGG UND PODESSER 2007, PODESSER
UND WÖLFELMAIER 2007) stellt hier eine bedeutende Ausnahme dar. Viele Veröffentlichungen behandeln
sehr spezifische Fragen und sind meist auch räumlich sehr begrenzt. Dadurch mussten viele einzelne
Quellen studiert werden. Des Weiteren erforderte das Thema selbst, nämlich die Geomorphologie mit
zahlreichen Einflussfaktoren sowie die der Kartenerstellung zugrunde gelegte Methodik das Verstehen
und Verinnerlichen von vielfältigen Themenbereichen. Die größte Kunst lag schließlich in der
Zusammenfassung der einzelnen Erkenntnisse, so dass in der vorliegenden Dissertation ein guter,
runder Überblick über die wichtigsten Bereiche, die für die geomorphologische Karte der Steiermark
von Bedeutung sind, in einer Arbeit konzentriert sind.

8.1 Resümee
Um nun zum Resümee zu kommen, rufen wir uns nochmals die anfänglich gestellten
Arbeitshypothesen in Erinnerung:

"Es ist möglich, mit Hilfe des automatisierten Verfahrens der Clusteranalyse eine
flächendeckende geomorphologische Karte der Steiermark herzustellen."
Und in Erweiterung wurde formuliert:

"Diese Methode ist auf jedes beliebige Gebiet anwendbar."


Es ist also an der Zeit zu beurteilen, ob diese Hypothese als wahr oder falsch gelten kann. Blicken wir
etwas zurück auf die vorangegangenen Kapitel. Zu Beginn wurden die Bearbeitungsgebiete ein wenig
grundsätzlich vorgestellt (Kap. 1.3 und Kap. 1.4) und darauf folgte ein Überblick über die
geomorphologische Methodik inklusive der Grundlagen zur Reliefklassifikation (Kap. 2.1). Ein großer
Teil der Arbeit beschäftigte sich naturgemäß mit dem praktischen Teil der Methodik (Kap. 2.2), wobei

141
auch ein wenig auf die mathematischen Grundlagen eingegangen wurde. Und hier zeigte sich bereits,
dass der Ansatz des automatisierten Verfahrens der Clusteranalyse, das sich auf bestimmte Relief-
Eingangsparameter stützt, grundsätzlich als geeignetes Denkmodell zur Erhebung von homogenen
Landschaftsformen gelten muss. Das darauf folgende Kapitel der landschaftsformenden Faktoren
(Kap. 3) ist zwar nicht unmittelbar mit der Methode der Clusteranalyse assoziiert, es umfasst dennoch
maßgebliche Informationen zum richtigen Verständnis und zur korrekten Interpretation des
Ergebnisses der Clusteranalyse und somit für den Schritt von der morphographischen zur
geomorphologischen Karte. Dass es möglich ist, eine geomorphologische Karte der Steiermark mittels
Clusteranalyse herzustellen, erweist sich endgültig in Kap. 4. Die Erläuterungen zum Ergebnis der
Berechnungen bzw. zum Endergebnis ergeben, dass diese Methode einen durchaus passablen Weg
darstellt. Es ist allerdings wichtig, sich vor Augen zu halten, dass die Clusteranalyse nur ein Hilfsmittel
darstellt und zahlreiche weitere Analysen und zum Teil manuelle Eingriffe notwendig waren. Das
widerspricht jedoch nicht der Arbeitshypothese, die fordert, dass die Karte mit Hilfe des
automatisierten Verfahrens generiert wird. Unter Betrachtung der abgeleiteten Produkte in Kap. 5 zeigt
sich der Ansatz gleichermaßen als geeignet. Für die generalisierte Karte 1 : 200 000 gilt das
selbstverständlich, da sie aus der Geomorphologischen Karte 1 : 50 000 erstellt wurde. Die
Übersichtskarte im Format A4 wurde nach dem gleichen Schema wie die detaillierte Karte berechnet,
lediglich mit einer stark herabgesetzten Auflösung. Dabei wird deutlich, dass diese Clusteranalyse
nicht nur für detailreiche feinmaßstäbige sondern auch für grobmaßstäbige Karten sehr gut eingesetzt
werden kann. Wie in Kap. 6 dargelegt, brachte die automatisierte Gliederung für das Gebiet Teneriffas
sogar ein zumindest teilweise besseres Ergebnis als jene für die Steiermark, was auf die geringere
räumliche Ausdehnung und das etwas homogenere Landschaftsbild zurückzuführen ist. Das heißt,
dass in diesem Vergleichsgebiet die Methode ebenfalls sehr gut anwendbar ist und somit die zweite
Hypothese höchstwahrscheinlich Gültigkeit besitzt. Eine globale Aussage dazu zu treffen ist nicht
möglich, da mit dem Gebiet der Steiermark und jenem Teneriffas zwar ein großer Teil möglicher
geomorphologischer Formen abgedeckt ist, aber keineswegs auch nur annähernde Vollständigkeit
bieten kann, wie ein Blick auf Kap. 2.1.3 zeigt, in dem erwähnt wird, dass mehr als 500 Symbole in
geomorphologischen Karten verwendet werden können. Um das Bild abzurunden wurde in Kap. 7
eine kurze Evaluierung der Anwendbarkeit der Methode sowie des Ergebnisses anhand von einigen
ausgewählten Gebieten vorgenommen. Ein Fokus auf die Stärken und Schwächen zeigt, dass der
Ansatz einen durchaus gangbaren Weg repräsentiert. Die einzelnen Schritte der Methode führen, je
nach betrachteter Einheit, zu einem annehmbaren bis guten Resultat. Durch Integration weiterer
Erkenntnisse aus der Forschung sowie neuer technischer Möglichkeiten ist durchaus mit einer
Optimierung der GIS-gestützt erstellten geomorphologischen Karte zu rechnen.

In diesem Resümee möchte ich ferner erneut auf die Thematik eingehen, dass durch die partielle
Inkongruenz des Ergebnisses der Clusteranalyse mit den üblichen geomorphologischen Vorstellungen
ein neuer Blick auf gängige Definitionen angeregt wird. Da die Reliefanalyse völlig objektiv die
eingegebenen Reliefparameter auswertet, wäre es durchaus zu überlegen, ob nicht etwa Vollformen
tatsächlich bis in die Talbereiche als zusammenhängende Form definiert werden sollten. Die
Bezeichnung „Gipfel, Kämme und Grate“ wäre dann zwar nicht mehr korrekt und es müsste zudem

142
eine neue Nomenklatur gefunden werden, aber das sollte kein Hindernis sein, nicht zumindest
dahingehende Überlegungen anzustellen. Ähnlich stellt es sich bei den üblicherweise als breite
Gipfelfluren bezeichneten Bereichen dar, die in der objektiven Computeranalyse nicht in die Gruppe
derselben, sondern meist in jene von Verflachungen fallen. Ob nun die objektive Definition des
Rechners die korrektere sein kann, könnte nur eine Studie zu dieser Thematik klären. Eine Möglichkeit
wäre die Auswahl von einigen Testgebieten, deren Formeninventar in mehrerlei Hinsicht (z.B. Genese,
Morphodynamik, Landschaftsökologie,...) auf ihre Homogenität untereinander bzw. ihre Heterogenität
zu der jeweils abgegrenzten Einheit untersucht wird. Die Erkenntnisse daraus müssten mit dem
Ergebnis der Clusteranalyse verglichen werden und dadurch könnte ermittelt werden, ob
möglicherweise eine Reevaluierung der Definitionen geomorphologischer Einheiten angebracht wäre.

Andererseits besteht natürlich immer die Gefahr, dass durch die Methode dem Ergebnis zumindest
eine bestimmte Richtung vorgegeben wird. So wird eine Darstellung, die am Computer erstellt wurde,
praktisch immer anders aussehen, als eine Karte, die mit der Hand gezeichnet wurde. Das soll
keineswegs heißen, dass das eine besser oder schlechter wäre als das andere, doch man muss sich
stets vor Augen halten, dass die Methode auch einen Einfluss auf das Ergebnis hat. Das kann so weit
gehen, dass die Fragestellungen an die verfügbaren technischen Mittel angepasst werden und nicht
umgekehrt versucht wird, die Mittel so anzupassen oder einzusetzen, das ein bestimmtes Problem
möglichst gut bearbeitet werden kann. Es ist natürlich immer legitim, eine Methode wie in der
vorliegenden Arbeit zu testen und die Möglichkeiten so gut es geht auszuschöpfen. Es sollte aber
nicht in eine Sackgasse führen, sondern ständig Wege gesucht werden, das Endprodukt zu
verbessern.

8.2 Mögliche Anwendungsbereiche


Meist steht die Anwendung geomorphologischer Forschung zur Diskussion. Der Zugang, den PANIZZA
1996 wählt und dem hier gefolgt wird, legt einerseits einen Fokus auf die Gefahrenquellen, die mit
Hilfe der Geomorphologie erfasst werden können und an die zumeist als erstes in Zusammenhang mit
geomorphologischen Fragestellungen gedacht wird, zum anderen auf den Nutzen der
Geomorphologie, die dem Menschen durch die Analyse der Potentiale eines Gebietes offen stehen.
Der grobe Zusammenhang zwischen geomorphologischer Umwelt und dem Menschen wird von ihm
folgendermaßen dargestellt (Abb. 75):

Abbildung 75: Beziehung zwischen geomorphologischer Umwelt und Mensch (nach PANIZZA 1996, S.5,
verändert)

143
Gefahren können dabei insbesondere durch Bodenerosion mittels Wasser und Wind,
Hangrutschungen, Flusserosion und -instabilität, marine Vorgänge wie Küstenveränderungen, glaziale
und periglaziale Ereignisse, durch seismische Aktivitäten ausgelöste Prozesse und vulkanische
Tätigkeit entstehen. In allen Bereichen lassen sich exakte Verfahren anwenden, um etwa quantitative
Aussagen über das Gefahrenpotential oder über Eintrittswahrscheinlichkeiten zu treffen. Dazu ist aber
die intensive Beschäftigung und eingehende Untersuchung der jeweiligen Gefahr in einem definierten
Betrachtungsgebiet notwendig (PANIZZA 1996).

Auch FERRANDO UND FRANCISCO 2005 weisen darauf hin, dass das Verständnis der Landschaft und der
beteiligten Prozesse die Grundlage des Katastrophenschutzes und schließlich der Raumordnung sein
muss. Gerade für diverse Planungsfragen, sei es nun auf der Potenzial- oder der Gefahrenseite, wie
etwa betreffend landwirtschaftliche, infrastrukturelle oder wissensvermittelnde Belange, können
geomorphologische Informationen große Zeit- und Kostenersparnis bedeuten.

Geht es um die konkrete Anwendung der geomorphologischen Karte, so formuliert GUSTAVSSON 2005,
dass diese meist nicht das Endprodukt darstellt, sondern die Ausgangsdaten für bestimmte
Fragestellungen bietet, und zwar oft zu einem klar umrissenen Gebiet. Vor allem unter Heranziehung
von Informationen aus anderen Fachbereichen wie beispielsweise Klima- oder Vegetationskarten kann
sich ein großer Mehrwert ergeben. Jedenfalls ist es unumgänglich die Karten an die gegebene
Problematik anzupassen und die nötigen Schwerpunktsetzungen, oder, im Falle einer bereits
vorliegenden Karte, Modifikationen vorzunehmen.

Die vorliegende geomorphologische Karte lässt keine direkten Aussagen zu etwaigem


Gefährdungspotential bestimmter Gebiete zu. Der Hauptgrund liegt in dem relativ groben Maßstab,
wodurch viele Details, die für gewisse Problemstellungen notwendig wären, nicht dargestellt sind.
Darüber hinaus sind für die meisten Untersuchungen zu Gefährdungen durch Umweltvorgänge sehr
spezifisch, was den Fokus auf bestimmte geomorphologische Einheiten oder Prozesse und somit
stark auf die Anwendung abgestimmte Kartenerstellung notwendig macht. Trotzdem kann die
Geomorphologische Karte der Steiermark 1 : 50 000 natürlich als Hilfsmittel herangezogen werden um
derartige Spezialkarten zu erstellen. Betrachtet man das Gebiet der Steiermark, so spielen zahlreiche
geomorphologische Prozesse eine bedeutende Rolle, die ein gewisses Gefahrenpotenzial innehaben.
Die Arbeit von MAIER 2009 beschäftigt sich mit den wichtigsten Naturgefahren des Bundeslandes und
fasst sie in einer Karte zusammen. Die Kombination mit der vorliegenden geomorphologischen Karte
wäre ein Schritt, der in Zukunft neue Erkenntnisse bringen kann.

Die geomorphologische Umwelt spielt freilich nicht nur im Sinne der Gefahren und des Risikos eine
Rolle, sondern auch als Raum, der Rohstoffe, Kapital und Ressourcen bereithält (vgl. Abb. 75 und
Abb. 76). Die Evaluierung, ob ein Rohstoff nun wertvoll ist oder nicht, muss für jede Einheit und
natürlich jede Fragestellung wieder neu vorgenommen werden.

Abbildung 76: Beziehung zwischen geomorphologischen Rohstoffen, Kapital und Ressourcen (nach
PANIZZA 1996, S.9 verändert)

144
Als klassisches Beispiel für die Anwendung geomorphologischer Grundlagen sei hier die GIS-
gestützte Erstellung einer digitalen Bodenkarte für eine Karstlandschaft bei Blaubeuren erwähnt. Zu
diesem Zweck wurden auf Basis eines digitalen Höhenmodells die Reliefparameter Hangneigung,
Horizontalkrümmung, Vertikalkrümmung und ein Topographic Wetness Index berechnet, die mit Hilfe
von Trainingsgebieten und einer Maximum-Likelihood-Analyse zu einer Bodenkarte weiter verwertet
werden konnten (KÖBERLE UND KÖBERLE 2002). Es wurden also ähnliche Eingangsdaten verwendet, wie
für die Erstellung der Geomorphologischen Karte der Steiermark, aber die spezielle Fragestellung
erforderte sowohl die Anpassung der Eingangsparameter als auch der Vorgehensweise.

Die Aussage von SCHARFETTER 1973 zeigt ebenfalls die Bedeutung der Geomorphologie für ein
benachbartes Fachgebiet, wobei für diese Anwendung eine feinmaßstäbige Karte besonders gut
geeignet ist, wenn auch eine grobmaßstäbigere wie etwa die Geomorphologische Karte der
Steiermark 1 : 50 000 bereits eine gewisse Grundinformation bieten kann: „Meines Erachtens gibt es für
die Vegetationsbeschreibung eines bestimmten Gebietes, wobei man vom Raum ausgeht, keine bessere
Methode, einen raschen und auch botanisch richtigen Überblick über die Vegetation zu gewinnen, als sich an die
Kleinformen des Gebietes zu halten“ (SCHARFETTER 1973, S.113).

Darüber hinaus behandeln angewandte geomorphologische Themenbereiche beispielsweise zu


Sonneneinstrahlung, Wasser, Gletschern oder geothermaler Energie wichtige Grundlagen zur
Erschließung natürlicher und nachhaltiger Ressourcen.

Eine Methode zur Erfassung, Kartierung und Bewertung von Oberflächenformen als
geomorphologisches Kapital bedient sich einer detaillierten geomorphologischen Karte, mit deren Hilfe
der Wert der einzelnen Einheiten festgelegt wird. Dabei wird die Bedeutung nicht zuletzt im Hinblick
auf das wissenschaftliche Interesse eingeschätzt (siehe Abb. 77). Die Evaluierung kann sowohl
manuell als auch automatisiert vorgenommen werden, in letzterem Fall müssen zuvor die Parameter
für die jeweiligen Einheiten definiert werden. Insbesondere automatisiert erstellte Bewertungen haben
den Vorteil, ständig aktualisiert werden zu können. (PANIZZA 1996)

Abbildung 77: Räumliche Bedeutungsebenen von geomorphologischem Kapital (nach PANIZZA 1996,
S.31 verändert)

Hier soll natürlich keine Evaluierung in dieser Hinsicht mehr folgen, das könnte Thema einer weiteren
wissenschaftlichen Arbeit sein. Betrachtet man aber Abb. 77, so kann man sowohl für das
Bearbeitungsgebiet der Steiermark als auch für das Vergleichsgebiet Teneriffa ohne Zweifel
feststellen, dass Einheiten vorhanden sind, die zumindest der Wissensvermittlung dienen können und
somit von überregionaler Bedeutung sind. Teilweise handelt es sich sogar um Landschaftsbereiche

145
(z.B. glazial geformte Landschaften in den Niederen Tauern oder die rezent vulkanisch geprägten
Cañadas), die als Modelle geomorphologischer Vorgänge gelten können.

In weiterer Weise kann geomorphologisches Wissen angewandt werden, wenn erkannt wird, dass
auch geomorphologische Einheiten als solche gefährdet und daher unter Schutz gestellt werden
sollen. Es ist längst Teil unseres Alltages geworden, dass Faunen- oder Florenelemente, ökologisch
bedeutende Bereiche oder Geotope als schützenswert eingestuft werden. Nach einem geschützten
Geomorphotop, zumindest nach einem explizit als solchen ausgewiesenen, sucht man wohl
vergeblich. Geomorphotope werden nichtsdestotrotz beispielsweise herangezogen, um die
Gefährdung von Biotopen zu definieren, wie die Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen Österreichs
des Umweltbundesamtes zeigt. Eine der fünf Hauptgruppen nennt sich „Geomorphologisch geprägte
Biotoptypen“. Zu den als gefährdet eingestuften Biotopen zählen etwa Serpentinfelswände (durch
Materialabbau), Karbonatschutthalden der tieferen Lagen (durch Straßenbau, Schotterabbau) oder
Steilwände aus Lockersubstrat (z.B. durch die Unterbindung der Seitenerosion durch
Flussregulierungen) (UMWELTBUNDESAMT, 2005). Hier werden offensichtlich geomorphologische Kriterien
zur Einteilung und Beurteilung mit herangezogen und die Bezeichnung „geomorphologisch geprägte
Biotoptypen“ ist bereits ein großer Schritt.

Abgesehen von diesen Ausnahmen stellt sich die Frage, ob die Geomorphologie, die so viele
Teilbereiche umfasst, nicht ein wenig selbstsicherer vertreten werden sollte. Momentan hat sich diese
Wissenschaft in erster Linie in der Anwendung im Bereich der Naturgefahren etabliert. Diese ist ohne
Zweifel von großer Bedeutung, jedoch wird die umfassende geomorphologische Komponente oft
aufgrund vieler anderer Eingangsparameter kaum wahrgenommen. Es ist keineswegs so, dass sich
zu wenige Forscher mit der Geomorphologie an sich oder mit der Theorie der Angewandten
Geomorphologie beschäftigen würden, aber das Kerngebiet der Geomorphologie wurde bis jetzt noch
kaum der breiten Bevölkerung vermittelt. Eine Schutzkategorie der „Geomorphotope“ könnte zum
einen eine große Bandbreite anderer schützenswürdiger Elemente mit abdecken, zum anderen die
Geomorphologie als Wissenschaft den Menschen näher bringen. Ziel ist schließlich durch
Informations- und Bildungsprogramme das Wissen und Bewusstsein um die Umweltbedingungen, in
die die jeweilige Kultur eingebettet ist, zu verbessern. Die Beziehung zwischen kulturellen Ressourcen
und Umweltbedingungen kann im Sinne der Umweltgefahren verstanden werden, also den
Gefährdungen, die in Verbindung mit der Erde (Erosion, Erdbeben, Vulkanismus,...), dem Wasser
(Überflutungen, Meeresspiegeländerungen, Wasserverschmutzung,...), der Luft (Stürme,
Luftverschmutzung,...) und den Lebewesen (menschlicher Einfluss, degradierte Gebiete,...) stehen.
Gleichzeitig haben diese Umweltfaktoren aber zu der Verwirklichung und der Art kultureller
Ressourcen geführt, wie sie heute vorhanden sind. Das Wissen darum ist also ebenso zum
Verständnis der Vergangenheit wie als Grundlage für Vorhersagen über mögliche Veränderungen von
großer Bedeutung, und zwar sowohl in struktureller Hinsicht als auch in Hinsicht auf die Nutzung (vgl.
auch PANIZZA 1996).

146
8.3 Ausblick
Wie in den vorangegangenen Kapiteln geschildert, sind geomorphologische Erkenntnisse und Karten
sowohl von grundsätzlich wissenschaftlichem als auch auf spezielle Anwendungen gerichtetem
Interesse. JANSEN 2007, S.99 fasst in seiner Arbeit zahlreiche Expertinnen- und Experteninterviews
zusammen, deren Tenor darin besteht, dass ein großes Potenzial in der geomorphologischen
Kartographie zu sehen ist. Forderungen an zukünftige Entwicklungen sind nach diesen Expertinnen
und Experten ein vermehrter Fokus auf die geomorphologischen Grundlagen sowie die
wissenschaftliche Ausrichtung der Karten, um eine Region möglichst vollständig und unter Integration
aller die Geomorphologie berührenden Teilbereiche abbilden zu können.

Nach JANSEN 2007, S.100, dessen Arbeit einen Schwerpunkt auf die Geomorphologische Karte
Deutschlands legt, sollen die Informationsschichten der Karte im Rahmen eines geomorphologischen
Informationssystems getrennt zugänglich gemacht werden (vgl. Kap. 2.1.3.1, Abb. 15 und Abb. 16).
Für die Geomorphologische Karte der Steiermark wäre in diametraler Richtung die Integration und
zum Teil Erstellung weiterer Informationsschichten eine gute Erweiterung. Vorstellbar wäre
beispielsweise eine Karte der Ausdehnung der Vergletscherung während des letzten Glazials, wie sie,
stark vereinfacht, für die Überblickskarte der Steiermark im Format A4 bereits eingesetzt wurde (vgl.
Kap. 5.2, Abb. 63). Weiters wäre eine gewisse Anlehnung an die Geomorphologische Karte
Deutschlands mit der Erfassung der Kleinformen oder der Miteinbeziehung hydrologischer Daten
denkbar.

Wie bereits am Anfang von Kap. 8 angedeutet ist, werden insbesondere die technischen
Voraussetzungen, die der digitalen Erstellung einer geomorphologischen Karte zugrunde liegen,
ständig weiterentwickelt. Die räumliche Auflösung der Geländemodelle liegt dank des Einsatzes von
Laser-Scannern bereits im Zentimeter-Bereich, wobei diese Daten zumindest im Moment noch vor
allem für kleinräumigere Anwendungen herangezogen werden, da das Datenvolumen bei dieser
Genauigkeit natürlich enorm ist. Gleichermaßen wird die Kapazität und Leistung der Rechner ständig
verbessert, wodurch die Verwendung genauer Daten auch für umfangreiche Gebiete in Zukunft in
größerem Ausmaß möglich sein wird. Mathematisch genaue morphographische Definitionen einzelner
Formen durch bestimmte Reliefparameter sowie die Heranziehung weiterer Daten wie Satellitenbilder,
die heute für weitläufige Gebiete noch einen zu großen Aufwand bedeutet, sind in Zukunft aufgrund
der laufenden Forschungen und der besseren Leistung der Computer durchaus denkbar. Auch eine
internationale Einigung auf ein einheitliches Kartiersystem und eine allgemein gültige
Darstellungskonvention wäre wünschenswert.

Trotz all der Möglichkeiten sollen nicht die Grundlagen der Geomorphologie vergessen werden. Die
Feldforschung und Geländebegehungen sind immer noch wichtige Herangehensweisen, die nicht
durch Fernerkundungsmethoden ersetzt werden können. Auch in der Steiermark gibt es Gebiete, die
noch nicht eingehend geomorphologisch untersucht wurden. Die Validierung geomorphologischer
Karten ist auf die Erkenntnisse aus diesen Untersuchung vor Ort angewiesen.

Ausgehend von der Geomorphologischen Karte sind ebenso weitere Arbeiten vorstellbar. Eine
Analyse des geomorphologischen Potentials und der Ressourcen, wie in Kap. 8.2 geschildert, könnte

147
vorgenommen werden. Besonders in Kombination mit den Klimakarten zu Temperatur und
Niederschlag wären Karten zu ökologischen Themen denkbar.

Die Geomorphologische Karte der Steiermark 1 : 50 000 kann in digitaler Form im Rahmen eines
geographischen Informationssystems einem breitem Nutzerfeld zugänglich gemacht werden. Durch
die Möglichkeiten der Überblendung verschiedener Informationsschichten erhält die Karte somit
zusätzlich eine interaktive Komponente. Insbesondere die Geomorphologische Karte der Steiermark
1 : 200 000 und die Übersichtskarte im Format A4 sind auf die Anwendung zur Wissensvermittlung
ausgelegt. Die Erarbeitung des konkreten Einsatzes in der Schule könnte die Aufgabe einer
weiterführenden Arbeit sein.

Abschließend soll gesagt werden, dass eine derart komplexe Wissenschaft wie die Geomorphologie
mit beinahe unerschöpflichen Erweiterungsmöglichkeiten stärker in der Öffentlichkeit von den
bearbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vertreten werden sollte. Zu häufig wird das
Thema entweder nur hinter Universitätstüren bearbeitet oder als reines Mittel zum Zweck betrachtet.
Es bleibt zu hoffen, dass die Geomorphologie irgendwann in unserer Gesellschaft eine genauso
selbstverständliche Stellung wie etwa die Geologie einnehmen wird.

148
Quellen- und Literaturverzeichnis
Anmerkung: Internetquellen, die zusätzlich zu einer gedruckten Version angeboten werden, sind kursiv
gehalten. Der letzte Zugriff auf diese Quellen erfolgte im Jänner 2011

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Aufnahmen

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AMT DER STEIERMÄRKISCHEN LANDESREGIERUNG, 2006d: Wald
AMT DER STEIERMÄRKISCHEN LANDESREGIERUNG, 2006e: Landnutzung
AMT DER STEIERMÄRKISCHEN LANDESREGIERUNG, 2006f: Gewässernetz
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BEV (BUNDESAMT FÜR EICH- UND VERMESSUNGSWESEN), 2006c: Digitales Geländemodell, Bereich Steiermark
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- Geologie, Bearbeitung Krobath, Jänner 2006

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