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Brüssel, den 10. Januar 2011

Digitale Agenda: „Ausschuss der Weisen“ fordert


„neue Renaissance“ durch Zusammenführung des
kulturellen Erbes Europas im Netz

Der Bericht des „Ausschusses der Weisen“, einer hochrangigen


Reflexionsgruppe zur Digitalisierung des kulturellen Erbes Europas, wurde
heute an die für die Digitale Agenda zuständige Vizepräsidentin der
Europäischen Kommission, Neelie Kroes, und an die für Bildung und Kultur
zuständige Kommissarin Androulla Vassiliou übergeben. In dem Bericht
werden die EU-Mitgliedstaaten aufgerufen, sich intensiver darum zu
bemühen, die in sämtlichen Bibliotheken, Archiven und Museen
vorhandenen Sammlungen online ins Netz zu stellen, und es werden die
Vorteile einer leichteren Zugänglichkeit der Kulturgüter und des Wissens
Europas herausgestellt. Daneben wird auf den potenziellen wirtschaftlichen
Nutzen der Digitalisierung hingewiesen, der – auch im Rahmen öffentlich-
privater Partnerschaften – mit der Entwicklung innovativer Dienstleistungen
in Bereichen wie Tourismus, Forschung und Bildung verbunden ist. Die
Reflexionsgruppe spricht sich in ihrem Bericht für die Zielsetzung der
Digitalen Agenda aus, die europäische digitale Bibliothek Europeana zu
stärken, und schlägt Lösungen vor, wie urheberrechtlich geschützte Werke
online verfügbar gemacht werden können. Dem „Ausschuss der Weisen“ zur
Digitalisierung gehören Maurice Lévy, Elisabeth Niggemann und Jacques de
Decker an (siehe IP/10/456). Die in dem Bericht ausgesprochenen
Empfehlungen werden in die umfassende Strategie der Kommission im
Rahmen der Digitalen Agenda für Europa einfließen, mit der Kultur-
einrichtungen der Übergang ins digitale Zeitalter erleichtert werden soll.

Neelie Kroes erklärte: „Ich danke den drei „Weisen“ für ihre konstruktiven Vorschläge
dazu, wie wir eine „digitale Renaissance“ in Europa in Gang bringen können. Die
Bereitstellung der Sammlungen von Museen und Bibliotheken im Netz bringt nicht
nur die reiche Geschichte und Kultur Europas zur Geltung, sondern kann auch mit
neuen Vorteilen bei Bildung, Innovation und der Schaffung neuer wirtschaftlicher
Betätigungsfelder einhergehen. Auf diese Weise werden hochwertige Inhalte für
viele Generationen ins Netz gestellt.“
Androulla Vassiliou ergänzte: „Die Gruppe hat die Interessen der Werkschaffenden
mit den Anforderungen eines sich wandelnden Umfelds im digitalen Zeitalter zum
Ausgleich gebracht. Wir müssen Mittel und Wege finden, um dies in all den
Bereichen zu bewerkstelligen, in denen der Kultur- und Kreativsektor den aus dem
Übergang in das digitale Zeitalter erwachsenden Herausforderungen
gegenübersteht. Kultur und kulturelles Erbe im digitalen Zeitalter eröffnen den
Volkswirtschaften und Gesellschaften Europas neue Chancen.“
Wesentliche Schlussfolgerungen und Empfehlungen des Berichts „Die neue
Renaissance“:
- Das Portal Europeana sollte zum zentralen Bezugspunkt für das kulturelle Erbe
Europas im Netz werden. Die Mitgliedstaaten müssen sicherstellen, dass alle
mit öffentlicher Förderung digitalisierten Materialien über diese Internetseite
zugänglich sind, und ihre öffentlich zugänglichen Meisterwerke bis 2016 in
Europeana einbringen. Kultureinrichtungen, die Europäische Kommission und
die Mitgliedstaaten sollten Europeana aktiv und umfassend fördern und dafür
werben.
- Urheberrechtlich geschützte Werke, die nicht länger gewerblich vertrieben
werden, sollten online verfügbar gemacht werden. Die Digitalisierung und
Verwertung dieser Werke obliegt hauptsächlich den Rechteinhabern. Falls die
Rechteinhaber dies nicht tun, müssen Kultureinrichtungen die Möglichkeit
haben, Material zu digitalisieren und es der Öffentlichkeit zugänglich zu
machen, wofür die Rechteinhaber eine Vergütung erhalten sollten.
- EU-Regeln für verwaiste Werke (Werke, deren Rechteinhaber nicht ermittelt
werden können) müssen so bald wie möglich erlassen werden. Im Bericht
werden acht Grundbedingungen festgelegt, die für alle denkbaren Lösungen
gelten.
- Die Mitgliedstaaten müssen ihre Mittel für die Digitalisierung erheblich
aufstocken, um Arbeitsplätze zu schaffen und künftiges Wachstum zu fördern.
Die für den Bau von 100 km Straße notwendigen Mittel würden ausreichen, um
16 % aller in den Bibliotheken der EU vorhandenen Bücher oder alle Audio-
Inhalte der Kultureinrichtungen der EU-Mitgliedstaaten zu digitalisieren.
- Öffentlich-private Partnerschaften für die Digitalisierung sind zu fördern. Sie
müssen transparent, nichtausschließlich und gegenüber allen Partnern gerecht
sein und grenzübergreifenden Zugang zu digitalisierten Materialien für alle
schaffen. Die Vorzugsnutzung von digitalisierten Materialien durch den privaten
Partner sollte für längstens sieben Jahre gewährt werden.
- Um die Erhaltung von Sammlungen in digitalisierter Form zu gewährleisten,
sollte eine zweite Kopie dieser Kulturgüter bei Europeana archiviert werden.
Außerdem sollte ein System entwickelt werden, bei dem kulturelles Material,
das derzeit in mehreren Ländern deponiert werden muss, nur einmal zu
deponieren ist.
Die Empfehlungen des „Ausschusses der Weisen“ werden Eingang finden in die
umfassendere Strategie der Kommission im Rahmen der Digitalen Agenda für
Europa, mit der Kultureinrichtungen beim Übergang in das digitale Zeitalter und bei
der Suche nach neuen und wirksamen Geschäftsmodellen, die eine beschleunigte
Digitalisierung mit einer eventuell erforderlichen fairen Vergütung der Rechteinhaber
ermöglichen, unterstützt werden (siehe IP/10/581, MEMO/10/199 und
MEMO/10/200). Die Empfehlungen werden auch dem Plan der Kommission zugute
kommen, bis 2012 ein nachhaltiges Finanzierungsmodell für Europeana zu
entwickeln.
Bereits heute bietet das Portal europeana.eu Zugang zu über 15 Millionen
digitalisierten Büchern, Landkarten, Fotografien, Filmen, Gemälden und
Musikstücken, was jedoch nur einen kleinen Teil der Werke ausmacht, die sich im
Besitz europäischer Kultureinrichtungen befinden (siehe IP/10/1524). Bei den
meisten digitalisierten Materialien handelt es sich um ältere Werke im öffentlichen
Bereich, bei denen keine Rechtsstreitigkeiten wie bei urheberrechtlich geschützten
Werken drohen.

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Hintergrund
Der „Ausschuss der Weisen“ setzt sich zusammen aus Maurice Lévy (Chairman und
CEO des französischen Werbe- und Kommunikationsunternehmens Publicis),
Elisabeth Niggemann (Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek und
Vorsitzende der Stiftung für die Europäische Digitale Bibliothek) sowie Jacques De
Decker (Schriftsteller und Ständiger Sekretär der belgischen Königlichen Akademie
der französischen Sprache und Literatur).
Empfehlungen des „Ausschusses der Weisen“:
http://ec.europa.eu/information_society/activities/digital_libraries/index_en.htm