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14.11.

2010

Übersicht
• Visuelles System
Läsionen & Gesichtsfeldausfälle
Visuelles System V1 und weitere „visuelle“ Areale
(visuelles) Arbeitsgedächtnis • Was ist das Arbeitsgedächtnis? (WM)
Abgrenzung zu LZG (LTM = long term memory)
Modelle
Einführung Unterteilungen des Arbeitsgedächtnisses
Dr. Daniela Galashan Gedächtnis-Prozesse
Eigenschaften
• Visuelles System

Visuelles System
Sehbahn: Ausfallssymptome bei
entspr. Läsionen  Info des temporalen
Gesichtsfeldes trifft auf nasale
Netzhauthälfte & umgekehrt.

1 N. opticus = Sehnerv
2 Chiasma opticum,
3 Tractus opticus = Sehbahn
4 Corpus geniculatum laterale (CGL)
des Thalamus,
5 Radiatio optica = Sehstrahlung,
6 primäre Sehrinde (Area 17, V1),
7 Sulcus calcarinus (die Sehstrahlung der
unteren Netzhauthälfte wird auf die Region
unter dem Sulcus calcarinus, diejenige der
oberen Hälfte auf die Kortexregion über dem
Sulcus calcarinus projiziert).

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Normales Gesichtsfeld Visuelles System


Läsionen und Gesichtsfeldausfälle:

A: N.-opticus-Läsion li.: Blindheit des li. Auges.


B: N.-opticus-Läsion li. in Höhe des Chiasmas
von lateral her kommend: Hemianopsie
(halbseitiger Gesichtsfeldausfall) li. nasal &
Quadrantenanopsie re. temporal oben.
C: Chiasmaläsion (median): bitemporale
Hemianopsie.

D: Tractus-opticus-Läsion li.: homonyme


Hemianopsie nach re.

E: Läsion der im Temporallappen vorne


verlaufenden Sehstrahlung links: obere
Quadrantenanopsie rechts.

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Fullvf.png&filetimestamp=20071115134347

V1 Repräsentation des Gesichtsfelds


in V1
• Zentraler Bereich des
visuellen Feldes (Fovea)
 posterior repräsentiert,
nimmt großen Teil ein
• Peripherer Bereich des
visuellen Feldes weiter
anterior repräsentiert
• Oberer Teil des visuellen
Feldes ist ventral
repräsentiert, unterer Teil
des visuellen Feldes ist
dorsal repräsentiert

Principles of Neural Science, 2000, S. 532


http://thebrain.mcgill.ca/flash/d/d_02/d_02_cr/d_02_cr_vis/d_02_cr_vis.html

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V1 V1
• Orientierungssäulen
aus Zellen mit
• Info ist organisiert nach
gleichen Antwort- • - Ort auf der Netzhaut (im Gesichtsfeld)
Eigenschaften
windmühlenartig • - Orientierung
angeordnet, jeweils
alle Orientierungen • - Darbietung an rechtes oder linkes Auge
repräsentiert
• Augendominanz-
Säulen: jeweils ein
Auge dominant
repräsentiert

http://www.allpsych.uni-giessen.de/karl/teach/aka_files/image016.jpg

Okzipitallappen Temporallappen
WO

• BA 17 (V1): primär visuell BA 18


(V2), BA 19 auditiv
• Dorsale Bahn V1, V2, V3, MT
Parietallappen (visuell-räuml. visuel
WAS Information: Bewegung, Tiefe, l
Position, Orientierung)
• Ventrale Bahn V1, V2, V4 • ventraler Verarbeitungspfad BA 37, 21, 20, 38: Form, Farbe,
Gesichter...
inferiorer Temporallappen
• Temporalpol: Abruf langfristiger Info. Ventral & medial: Infospeicherung
(Form, Farbe, Gesichter) & Konsolidierung (parahippocampaler Gyrus, peri- & entorhinaler Kortex)

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Visuelle Hierarchie
beim Makaken

komplexe
Interaktionen zw.
den einzelnen
Arealen

Felleman, D. J. and Van Essen, D. C. (1991) Cerebral Cortex 1:1-47.


http://webvision.umh.es/Webvision/imageswv/Visual-Cortex1.jpg http://www.hms.harvard.edu/bss/neuro/bornlab/lab/figures/FVE_cnx.html)

Definition Arbeitsgedächtnis Abgrenzung


• Traditionelle Sicht: Trennung zw. STM und LZG, aber
• Schnittstelle zw. Gedächtnis & komplexen kognitiven Einfluss von LZG-Wissen & Fertigkeiten auf STM (z.B.
Prozessen
Atkinson & Shiffrin, 1968; ähnlich Baddeley & Hitch 1974)
• on-line cognition – the moment-to-moment monitoring,
processing, and maintenance of information both in
laboratory tasks and in everyday cognition.
• Baddeley & Logie (1999): it comprises those functional
components of cognition that allow humans to
comprehend and mentally represent their immediate
environment, to retain information about their immediate
past experience, to support the acquisition of new Atkinson & Shiffrin
knowledge, to solve problems, and to formulate, relate,
and act on current goals.

Grafik: http://en.wikipedia.org/wiki/Memory

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Abgrenzung Modelle I
• Traditionelle Sicht: Trennung zw. STM und LZG, aber • Multi-store model (1968, Atkinson-Shiffrin-Modell, modal
Einfluss von LZG-Wissen & Fertigkeiten auf STM (z.B. model):
Atkinson & Shiffrin, 1968; ähnlich Baddeley & Hitch 1974) • Sensory memory: modalitätsspezifisches „Nachbild“:
Sensorisches Arbeitsgedächtnis iconic, echoicT, nur wenige Sekunden, nimmt schnell ab
Register
visuell Subsysteme
Zentrale Exekutive
 Baddeley & Hitch
(Sperling, 3x4 Matrix, untersch. hoher Ton)
auditiv -phonologische Schleife
haptisch
olfaktorisch
-visuell-räumlicher Notizblock • STM: bis 20-30sec, 7+/-2 items, Vergessen durch
gustatorisch Interferenz, akustische Kodierung
Langzeitgedächtnis • LTM: permanenter Speicher, unendliche Kapazität &
Deklaratives System (Explizites Gedächtnis):
-episodisches Wissen (autobiographisch) Dauer, semantische (Bedeutungs-) Kodierung, kein
-semantisches Wissen (Fakten)
Nondeklaratives System (Implizites Gedächtnis): Vergessen, aber Zugangsverlust möglich H.M. LTM
-perzeptuelles Wissen
-prozedurales Wissen gestört
Kontroll-
• Kontrovers diskutiert prozesse
• Andere Sichtweise: WM als aktivierte Inhalte des LZG
(z.B. Cowan, O‘Reilly)
Grafik: http://www.simplypsychology.pwp.blueyonder.co.uk/multi-store.html

Baddeley, 2000 Modelle II


Baddeley & Hitch, 1974:
Phonologische Schleife (phonological loop) mit subvocal
rehearsal (subvokales Wiederholen = inneres Sprechen)
• akustische & artikulatorische Info, eher linkshemisphärisch
(Broca-Areal, Frontal- u. posteriorer Parietallappen);
• Effekt artikulatorischer Suppression: Störung, wenn man laut
Worte aussprechen muss
• Wortlängeneffekt (einsilbige Worte leichter erinnert als
fünfsilbige; weil Aussprache länger dauert)
• Effekt phonologischer Ähnlichkeit (z.B. „C, B, D, T, W“ werden
schlechter in Reihenfolge behalten als unähnliche
Buchstaben)
• Effekt unbeachteter Sprache (aufgabenirrelevante
Hintergrundgeräusche mindern Behaltensleistung für
gelesene Worte, v.a., wenn Geräusche der zu behaltenden
Info ähnl. sind)

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Modelle II Modelle II
Visuo-räumlicher Notizblock ( visuo-spatial sketchpad) Zentrale Exekutive (central executive)
• eher rechtshemisphärisch (präfrontal, prämotorisch, • präfrontaler Kortex
Parietal- u. Okzipitallappen) • kontrollierendes Aufmerksamkeitssystem
• Visual cache (Speicherkomponente), inner scribe • vor allem gefordert bei nicht-automatisierten Prozessen
(dynamischerer Abruf- & rehearsal-Prozess) • Restkategorie für alle möglichen Prozesse, die man dem
• eine Komponente für räumliche Info WM zuordnen kann, aber nicht der Schleife & dem
• eine Komponente für Objektmerkmale (Farbe, Form, Notizblock
etc.) (eher linker Parietallappen u. inferiorer • Evidenz für Trennung von phonolog. Schleife & visuo-
Temporallappen) räuml. Notizblock: verbale WM-Leistungen stärker durch
• Transfer zwischen Kodierungen: visuell präsentierte verbale als durch visuelle Zusatzaufgaben beeinträchtigt
items benennen und subvokal wiederholen transferiert Für visuelle umgekehrt.
von visuellem zu auditorischem Code

Modelle II Modelle III


• Embedded-Processes Model (Cowan, 1988)
Episodischer Speicher (episodic buffer) Baddeley, • Hierarchisch angeordnet: LTM, momentan aktiviertes
2000
Subset des LTM (zeitl. limitiert), Subset des LTM im Fokus
• Integration von phonolog., visueller & räuml. Info in einer
episodischen Repräsentation, multi-dimensionale von Aufm. & Bewusstsein (kapazitätslimitiert)
Kodierung Verbindung zw. Sklavensystemen und LTM • Zentrale Exekutive (absichtlich) & attentional orienting
• Verbindung zw. WM und episodischem LTM (Austausch) system (unwillkürlich) kontrollieren Aufm.-Fokus
• Wird auch von Zentraler Exekutive kontrolliert
• Biologisch: evtl. durch synchrones Feuern?

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Unterteilungen Gedächtnis-Prozesse
• Nach Modalität: visuell, auditorischT
• Nach Inhalt: Objekt-WM, räumliches WM, verbales WM • Enkodierung (encode)
• funktionell-anatomische Organisation im präfrontalen
Kortex: 2 Positionen: • Aufrechterhalten (maintenance)
• 1.) domänenspezifisches Modell (Goldman-Rakic):
Organisation des PFC basiert auf dem Inhalt der Info  • Abruf (retrieval/recall)
alle präfrontalen Regionen erfüllen ähnliche Aufgaben
(Halten, evtl. auch Manipulieren), sind auf versch.
Modalitäten spezialisiert (Tierexperimente, DMTS, dorsal
eher visuell-räumliche, ventral eher objektbezogene Info)
• 2.) funktionsspezifisches Modell (Petrides): PFC
arbeitet polymodal, einzelne Areale sind auf best. kognitive
Funktionen spezialisiert (Meta-Analyse, ventrolateraler
PFC =VLPFC BA 47, 44, 45 eher für das Halten/ dorsolat.
PFC = DLPFC BA 9, 46 eher für Manipulation der Info).
Aber: DLPFC auch beim Halten wenn hoher load

Eine Aufgabe zur Wahrnehmung:

Ist das Wort in Großbuchstaben? TISCH

JA oder NEIN?

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Freiheit WOLKE

HAUS Fuchs

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So, nun kommt eine neue Aufgabe: Würde das Wort in den vorher
gezeigten Satz passen?

JA oder NEIN?

Er traf einen T auf der Straße. Freund

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Sie isst gern ... Kissen

Er geht oft T schwimmen

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Sie kauft einen neuen T Schlaf

Er liebt T Musik

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Recall
• Bitte schreibt die Worte auf, die ihr eben
gesehen habt und bitte tauscht euch nicht
untereinander aus!!!
Hering
• Recognition:
• War das Wort T dabei? JA oder NEIN?

Freiheit Schwimmbad

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Bücher Bett

Eigenschaften I
• Levels of Processing (Craik & Lockhart, • Wortlisten lernen Serieller Positionseffekt
1972) Gedächtnis als Kontinuum (serial position effect): Deese & Kaufman (1957),
abhängig von Enkodierung. Murdock (1962)
• Primacy effect / recency effect
• Verarbeitungstiefe: physikalische,
phonologische, semantische
Charakteristiken

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Eigenschaften II Eigenschaften II

Bitte merkt euch folgendes Wort LNFBIPPTSTMFMRIAST


möglichst schnell!

Eigenschaften II

Bitte das Wort aufschreiben,


ohne euch mit dem Nachbarn LN FBI PPT STM FMRI AST
auszutauschen!

“Chunking“ hilft mehr Infos in größere


Einheiten zu packen

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Eigenschaften III
Limitationen:
• 7 +/- 2 Informations-"chunks" (Miller, 1956;
chunk = unabhängiges Informations-Item)
• Dauer: 18 - 20 sec (Peterson & Peterson,
1959)
• Verarbeitung: oft verbal enkodiert, um
rehearsal zu ermöglichen

WM-Aufgaben I
z.B. 2-back:
• WM-Aufgaben:
bitte dann JA sagen, wenn der
• Häufig: n-back oder delayed match-to-
sample (DM(T)S) bzw. Sternberg item
Buchstabe gleich dem Buchstaben
recognition task (SIRT) ist, der als vorletzter Buchstabe
gezeigt wurde

A TBTCTB

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B Z

V Z

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U A

X A

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Delayed match-to-sample:
n-back task Bitte merkt euch diese Figur und
• Die einzelnen Phasen wie Enkodierung,
antwortet mit „JA“, wenn ihr sie
Aufrechterhalten, Manipulation und Abruf wieder erkennt!
sind nicht trennbar

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Neue Figur

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dor2

Möglichkeiten der Modulation Definition: WM isT


in Gedächtnisaufgaben • Those mechanisms or processes that are involved in the
control, regulation, and active maintenance of task-
• Anzahl der items (item set size) relevant information in the service of complex cognition,
including novel as well as familiar, skilled tasks.
• Dauer des Aufrechterhaltens (delay • It consists of a set of processes and mechanisms and is
not a fixed „place“ or „box“ in the cognitive architecture.
duration) • It is not a completely unitary system in the sense that it
involves multiple representational codes and/or different
• Stimulusmaterial subsystems.
• Trainingseffekte • Its capacity limits reflect multiple factors and may even be
an emergent property of the multiple processes and
• Enkodierungsstrategie (z.B. durch mechanisms involved.
• WM is closely linked to LTM, and its contents consist
Instruktion: Begriff dafür ausdenken vs. primarily of currently activated LTM representations, but
sich räumlich merken) can also extend to LTM memory representations that are
closely linked to activated retrieval cues, and, hence, can
be quickly reactivated.
(Miyake & Shah, (1999), „models of working memory“, Cambridge University Press, p. 450)

Literatur
• Baddeley, A. (2000). The episodic buffer: a new • Optische Täuschung:
component of working memory? Trends in
Cognitive Sciences, 4 (11), 417-423. http://www.michaelbach.de/ot/mot_rotsnak
• Craik, F.I.M., & Lockhart, R.S. (1972). Levels of e/index.html
processing: A framework for memory research.
Journal of Verbal Learning and Verbal • Kandel, E.R., Schwartz, J.H., Jessell, T.M.
Behavior,11, 671-684. 2000. Principles of Neural Science, 4th ed.
• Miyake, A. & Shah, P. (1999). Models of McGraw-Hill, New York.
Working Memory. Cambridge University Press.
• Sternberg, S. (1969), High-speed scanning in
human memory, Science 153, pp. 652–654.
• Trepel, M. (2004). Neuroanatomie. 3. Auflage.
München: Urban & Fischer.

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Folie 78

dor2 emergent property: auftauchende Eigenschaft


DOR; 10.11.2007
14.11.2010

Quiz
• Welche Komponenten gehören laut Baddeley
zum WM?
• Welche 2 Sichtweisen gibt es in Bezug auf die
Organisation des WM im Frontalcortex?
• Welches sind die bekanntesten WM-Aufgaben &
worin unterscheiden sie sich?

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