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Grundwissen Stoa

Ethik

summum bonum = virtus = honestum = recta ratio = beatitudo

was bedeutet virtus?


virtus ist richtige Einsicht (recta ratio)
sie zeigt sich in den vier Kardinaltugenden Tapferkeit, Besonnenheit, Gerechtigkeit und
Einsicht
wobei es v.a. auf letztere ankommt, da die drei Ersten nur angewandte Einsicht in die
wahren Wertverhältnisse sind

 Dreiteilung der Güter:


 gut = allein Tugend ; übel = allein Untugend; gleichgültig = alles andere (Adiaphora)
Es git zwar bevorzugte ( utile bzw. iucundum) und zurückgesetzte Adiaphora , aber diese
sind dem Stoiker im Grunde egal: er meidet sie nicht, er sucht sie aber auch nicht zu
erreichen, er nimmt sie einfach so, wie sie kommen

=> es gibt keine Güter außer der virtus1

was gefährdet virtus?

Affekte bzw. die falsche Einschätzung der Güter (Adiaphora)

Durch die recta ratio kann der Mensch aber alle Gefährdungen des Glücks = Affekte
meistern, weil alles von der ratio beherrschbar ist, auch Lust und Unlust

Die recta ratio bewirkt also nicht nur das Glück, sondern ist bereits das Glück

Diese Grundüberzeugung der Ethik ist der Ausgangspunkt für die Physik.
Die Physik wird nämlich so entworfen, dass sie den Optimismus im Hinblick auf den
Menschen ermöglicht.

Physik
Der Mensch und die Welt entsprechen sich als Makro- und Mikrokosmos:
Die Welt ist aus göttlichem Geist (Urfeuer ~ ratio) entstanden und von diesem durchdrungen
und gelenkt (providentia). Alles läuft nach einem festen Plan ab (fatum; series causarum),
an dessen Ende es zu einem großen Weltenbrand kommt, in dem auch die Götter sterben;
dann beginnt alles wieder neu.
Der Mensch trägt einen Funken der göttlichen ratio in sich, nämlich in seiner Seele; dadurch
ist er gleichsam Mitbürger der Götter: Mit dem Tod des Menschen trennt sich seine Seele
vom Leib: sie ist zwar wie alles andere sterblich,, löst sich aber nicht sofort auf, sondern
zieht sich zur Kugel zusammen und lebt in Kugelform unter dem Mond bis ihre Spannkraft
nachlässt; länger als bis zum nächsten Weltenbrand besteht aber auch sie nicht.

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da man virtus entweder nur ganz oder aber gar nicht besitzen kann, virtus als Glück jedoch
Freiheit von allen Affekten bedeutet, wird Glück zu einem Ziel, das nahezu unerreichbar
wird. Diesen Mangel der älteren Stoa versucht v. a. Panaitios (185 –110 v. Chr.). aufzulösen
Er deutet virtus als allmählichen Lernprozess, auf dem der weise immer mehr voranschreitet
=> Glück wird so zumindest teilweise möglich
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Aus dieser Physik folgt für die Ethik

 Alle Menschen sind wegen ihres Anteils an der ratio gleich => Aufhebung des
Nationalgedankens => Kosmopolitismus
 Wie die Welt von der göttlichen ratio gelenkt ist, so soll sich der Mensch von seiner ratio
leiten lassen und damit die Welt lenken, denn er kann es.
 Aktiver Einsatz ist ohne Hervorrufung von Affekten möglich, da alles durch die ratio
kalkulierbar und bewältigbar ist und man so Problemen nicht aus dem Weg gehen muss

Die ratio verleiht dem Menschen die Fähigkeit, alle Affekte beherrschen zu können

Ethik

wie erreicht man also virtus?


durch Orientierung an der recta ratio

 secundum rationem vivere = secundum naturam vivere

gemäß der Natur lebt allerdings der, der sich dem Schicksal (fatum) nicht widersetzt,
sondern sich gelassen in sein Schicksal fügt, in der Gewissheit, dass ihm immer ein letzter
Ausweg offen steht:
der Selbstmord, mit dem sich der Mensch letztlich seine Willensfreiheit erhält.