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Arbeiten von Zuhause: 9 gute Gründe dem Homeoffice den Rücken zu kehren

Mit dem Begriff Homeoffice verbinden viele Flexibilität, Selbstbestimmung und Work-Life-
Balance. Dabei gibt es zahlreiche Gründe, warum das Arbeiten von Zuhause aus nicht unbedingt
für jedermann geeignet ist.

«Du kannst im Homeoffice arbeiten? Ich wünschte, mein Arbeitgeber würde das auch endlich
anbieten. Das würde mir so viel Zeit sparen»

Immer mehr Angestellte wünschen sich mehr Flexibilität beim Arbeiten. Nach einer Studie von
Bitkom Research, deren Ergebnisse Anfang 2017 veröffentlicht wurden, arbeiten in Deutschland
derzeit 30% der Angestellten regelmäßig oder gelegentlich von zu Hause. Noch vor wenigen
Jahren waren es nur 20%.

Dank des technologischen Fortschritts ist es quasi möglich von überall aus zu arbeiten, eine
stabile und schnelle Internetverbindung vorausgesetzt. In Ländern wie den USA oder China bieten
die meisten Arbeitgeber ihren Mitarbeitern die Möglichkeit von Telearbeit an. In den
Niederlanden ist die Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten seit Mitte 2015 sogar gesetzlich
verankert. In 2016 forderte der Deutsche Juristentag ein Recht auf Homeoffice. Bisher ist es
hierzulande bei der Forderung geblieben.

Homeoffice – und alles wird gut?

Auf den ersten Blick scheint es nur Vorzüge zu geben, wenn du deine Arbeit von zu Hause
erledigen kannst. Angefangen von der zeitraubenden Pendelei zum Arbeitsplatz über
unangenehm volle Busse und Züge in den Hauptverkehrszeiten bis hin zu Gesprächen mit
nervigen Arbeitskollegen oder Blicken von vermeintlich überwachenden Vorgesetzten. Und ganz
abgesehen vom Geld fürs Benzin oder den Nahverkehr, das du sparst.

Die Schattenseiten des Homeoffice

Der Hype um das Homeoffice hat auch seine Schattenseiten. Vielen Arbeitnehmern, die sich die
Arbeit im Homeoffice wünschen, wird es von Unternehmensseite sehr schwer gemacht. Da ist
mitunter die Rede davon, dass die Heimarbeit nicht für alle Mitarbeiter möglich sei und nicht alle
gleich behandelt werden könnten. 46% der Unternehmen befürchten sogar, dass die Produktivität
ihre Mitarbeiter im Homeoffice leide, weil u.a. der direkte Austausch mit Kollegen und
Vorgesetzten fehle.

Diese Bedenken sind vielleicht nachvollziehbar, aber wer hätte gedacht, dass Homeoffice sogar
krankmachen kann? Die folgenden Gründe sprechen dafür, nicht im Homeoffice zu arbeiten, auch
wenn die Vorstellung verführerisch ist, im Pyjama vorm Rechner zu sitzen oder zwischendurch
auch mal kleine Einkäufe zu erledigen.

9 Gründe, die dich davon abhalten im Homeoffice arbeiten zu wollen

1. Gefahr der Vereinsamung

Wir Menschen sind soziale Wesen. Die meisten von uns brauchen den sozialen Austausch auch
im Berufsleben, um ihre Arbeit effizient und mit Freude zu erledigen. Ein Schnack an der
Kaffeemaschine mit der Lieblingskollegin tut einfach gut, wenn du zwischendurch mal eine Pause
benötigst. Wer regelmäßig oder ausschließlich von zu Hause arbeitet, dem fehlen die sozialen
Kontakte. Das kann bis hin zur sozialen Isolierung führen – insbesondere, wenn es im privaten
Umfeld nicht genügend Austausch gibt.
2. Kein Flurfunk

Die Gerüchte im Unternehmen, die sich die Kollegen im Vorbeigehen zurufen oder über die man
bei der Zigarettenpause spricht, sind ohnehin Zeitverschwendung? Weit gefehlt! Mitarbeiter, die
sich für genau diese “wertvollen” Informationen interessieren, wissen oft schon viel früher über
strategische oder personelle Entscheidungen Bescheid. Das kann für die eigene Karriere ganz
förderlich sein.

3. Ständiger Arbeitsmodus

Wenn du im Homeoffice arbeitest, vermischt sich Privates und Geschäftliches immer mehr,
insbesondere wenn es keinen getrennten Heimarbeitsplatz gibt. Sind dein Notebook und deine
Arbeitsunterlagen immer sichtbar, ist es wahrscheinlicher, dass du immer wieder an die Arbeit
erinnert wirst, auch wenn du schon im Feierabend bist.

4. Ablenkung pur

Im Büro lässt du dich gerne von Kollegen oder von Telefonanrufen ablenken? Im Homeoffice gibt
es da noch viel mehr Dinge, die dich behindern können, konzentriert bei der Arbeit zu
bleiben: übervolle Wäschekörbe, der bellende Hund in der Nachbarschaft, das nörgelnde
Kleinkind, die Anrufe deiner Mutter oder der Postbote, der immer dann klingelt, wenn du mitten
im Flow bist.

5. Aussicht auf Beförderung sinkt

Du kennst es bestimmt: Dein Kollege, der immer abends sehr lange im Büro bleibt, weil er so viel
zu tun hat, ist gerade bei den Vorgesetzten positiv angesehen. Wer freiwillig Überstunden macht
und viel Zeit in das Unternehmen investiert, zeigt vollen Einsatz und gibt alles für die Karriere, so
die landläufige Meinung. Arbeitest du dagegen oft von zu Hause, bist du im Büro nicht präsent.
Dein Vorgesetzter sieht dich nicht und nimmt dich und deine Arbeit womöglich weniger wahr. So
hast du schlechtere Chancen auf eine Beförderung.

6. Weniger innovativ

Eine Studie der Stanford University hat zwar herausgefunden, dass Menschen im Homeoffice
produktiver arbeiten als solche in (Großraum-)Büros. Innovative Ergebnisse entstehen
allerdings eher z. B. beim Brainstormen im Unternehmen. Der IT-Konzern IBM hat nach
Yahoo und HP u.a. aus diesem Grund seine Homeoffice-Regelungen rückgängig gemacht.

7. Fehlender Teamgeist

Du arbeitest gerne im Team und magst es, wenn es im Projekt richtig gut läuft und ihr euch im
Team gegenseitig unterstützt? Diesen ‚Spirit‘ kannst du im Homeoffice weniger bis gar nicht
spüren. Hier erledigst du quasi als Einzelkämpfer deine Aufgabe.

8. Technikprobleme, ja sie gibt es noch immer

Die Digitalisierung ist im vollen Gange. Wir sind alle mobil mit Smartphones unterwegs und
können theoretisch von überall aus ins Internet oder auch per Fernzugriff auf den
Arbeitscomputer in der Firma zugreifen. Theoretisch! Die Technik funktioniert noch längst nicht
so stabil wie wir es uns wünschen. Besonders in ländlichen Regionen lässt die Internet-
Performance oft zu wünschen übrig. Das ist ärgerlich und lässt dich oft genug auch länger
arbeiten, weil du z. B. deine Dateien per Fernzugriff nicht öffnen und bearbeiten kannst.
9. Homeoffice kann krankmachen

Im Homeoffice schaut dir dein Vorgesetzter zwar nicht ständig über die Schultern. Sofern du aber
mit deinem Chef deine Aufgaben für den Tag vereinbart hast, stehst du unter Druck, am Ende des
Tages deine Ergebnisse zu liefern. Eine Anfang 2017 veröffentlichte Studie der ILO (International
Labor Organization) belegt, dass Telearbeit Stress und Schlafstörungen auslösen kann.

Eine Mischung aus Bürotagen und Homeoffice kann die Lösung sein

Manches von den genannten Punkten hast du nicht in der Hand, wenn du im Homeoffice arbeitest,
etwa technische Probleme oder der Small-Talk unter Kollegen, den du nicht mitbekommst. Wenn
du dich aber gut organisierst, diszipliniert an die Arbeit gehst und gleichzeitig aber auch Pausen
einlegst, um neue Energie zu tanken, kann das Arbeiten von zu Hause für dich sinnvoll sein.

Ausschließlich von zu Hause arbeiten? Was für viele Selbstständige und Freiberufler gang und
gäbe ist, können sich die meisten Arbeitnehmer nicht vorstellen. Für viele macht es die
Mischung, etwa drei volle Tage in der Firma und zwei von zu Hause arbeiten.

Die Forderung von Angestellten im Homeoffice arbeiten zu können ist ungebrochen. Arbeitgeber
müssen sich darauf einstellen und flexible Lösungen anbieten, um gut ausgebildete Fach- und
Führungskräfte rekrutieren zu können. Angestellte, aber auch alle Selbstständigen und
Freiberufler, sollten sich im Klaren darüber sein, welche Gefahren im Homeoffice lauern. Nicht
jeder wird sofort krank, wenn er regelmäßig von zu Hause ausarbeitet. Diese möglichen,
negativen Auswirkungen werden aber oft vergessen.