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Dativfunktionen im Lateinischen

Außer dem Dativ als Dativobjekt existieren auch andere Funktionen.

Hier erstmal ein Beispiel für das Dativobjekt:

Agrippina filio suo credidit.

Im Dativ steht „filio suo“—ihrem Sohn. Es ist das Dativobjekt und antwortet auf die Frage wem?

Übersetzung: Agrippina vertraute ihrem Sohn.

Weitere Beispiele: Dominus servo libertatem dedit.

Suetonius nobis conscripitiones magnos reliquit. Die Übersetzungen findest du


am Ende.

Dativus possesivus—Dativ des Besitzes Einschub: Esse als Vollverb


Beispiel: Wenn ein ,,esse” ohne Bezugswort
Lucio patronus Pompeius erat. ,,Lucio… erat” = für Lucius (z.B. Adjektiv+ esse, PPP+ esse, …)
war da/ für Lucius existierte. dasteht, dann muss es als Vollverb
übersetzt werden. Also mit „es
Fazit: Wenn ein Dativ in Verbindung mit „esse“ steht, dann drückt es existiert“, „es gibt“. Beispiel: Flumen
im wörtlichen Sinne aus für wen (Dativform) etwas (Subjekt) existiert est arar—Es gibt den Fluss Arar.
(esse). Es zeigt damit einen Besitz an und kann deshalb auch mit
„haben“ übersetzt werden. Also: Lucius hat den Patron Pompeius.

Dativus commodi/ incommodi—Dativ des Vorteils bzw. des Nachteils

Non scholae, sed vitae discimus. Kann man es als Dativobjekt übersetzen? Nicht der
Schule, sondern dem Leben lernen wir. Das klingt schräg. Aber was sollte es aussagen? – Es zeigt
welchen Vorteil man aus dem Lernen ziehen kann. Hier eignet sich die Übersetzung mit „für“.

Also die verbesserte Version: Wir lernen nicht für die Schule, sondern für das Leben.

Fazit: Wenn dem Substantiv in der Dativform ein Vorteil oder Nachteil zukommt, eignet sich nicht
mehr die Übersetzung mit dem deutschen Dativ. Stattdessen verwendet man „für“.

Dativus finalis – Dativ des Ziels

Abstrakte Dinge Konkrete Dinge


Freude Tisch
Hilfe Fisch
Verzweiflung Krug
Mühe Kuh

Beispiel: Lepus canem auxilio vocavit.


Caesar senatum desperatione duxit. Beobachtung: Jedes Mal wird der Ausgang/ das
Resultat der Handlung beschrieben. Wie könnte man das richtig übersetzen? Der Hase rief den Hund
für die Hilfe? Nein, eher nicht. Hier würde am besten passen: Der Hase rief den Hund zur Hilfe.

Noch der zweite Satz: Caesar führte den Senat zur Verzweiflung.

Fazit: Beim Dativus finalis wird das Substantiv, das im Dativ steht in der Übersetzung mit „zu“
eingeleitet.

Königsdisziplin: Kombination aus Dativus finalis und Dativus (in)commodi

Beispiel: Nero Romanis salute erat. Hier kann man meistens zuerst mit „zu etwas gereichen“
übersetzen. Nero gereichte den Römern zum Wohlergehen. Anschließend kann man noch den Satz
anpassen: Nero war für die Römer das Wohl.

Lösungen für die ersten Sätze:

1.I Der Herr gab dem Sklaven die Freiheit.

2.I Sueton ließ uns bedeutende Schriften zurück.