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StadtNatur – Berlin Saison

ökologisch denken 2020/2021


Liebe Leserinnen,
liebe Leser!

Corona, Klimawandel, massenhaftes Arten­ Gerade in der Krisenzeit sind Dialog, Netz­
sterben, Fridays for Future und vieles mehr werk und das Miteinander wichtig. Die
– sind das alles apokalyptische Reiter, die ­Urania Berlin versteht sich als eine Platt­
den nahenden Untergang unserer irdischen form für Wissensvermittlung, offenen Aus­
Welt verkünden? Übergeben wir den nächs­ tausch und kontroversen Diskurs. Dabei ist
ten Generationen leere Hände? Der Versuch es uns wichtig, neue Themengebiete zu
der Menschen, die Natur als eine Art willen­ ­erschließen und diese mit fundiertem Wis­
loses Experimentierfeld zu benutzen, führt sen und interessanten Menschen zu füllen.
uns ganz offensichtlich an unsere ­eigenen Während des Covid-19-Lockdowns in
Grenzen und in eine Welt, in der die Ant­ Berlin wurde uns wieder deutlich, wie
worten den Fragen zuvorkommen. wichtig eine gesunde Umwelt für uns Men­
Zu wissen, „was die Welt im Innersten schen ist. Viele Bürgerinnen und Bürger
zusammenhält“, ist heute – wie zu Goethes ­haben sich wieder mehr auf die Natur be­
Zeiten – wichtig, bekommt aber im Zeitalter sonnen und die zahlreichen Grünanlagen
des Anthropozän, dem vom Menschen in und um Berlin genossen. Wir sind Teil
­dominierten Erdzeitalter, in der Wechsel­ einer enormen biologischen Vielfalt, die es
wirkung zur Ökologie eine ganz andere zu kennen und zu schützen gilt. In der kom­
­Dimension. Begreifen wir den Reset als evo­ menden Saison 2020/2021 „StadtNatur –
lutionäre Chance, alte Denkmuster zu ver­ Berlin ökologisch denken“ dreht sich daher
lassen und dabei insbesondere Wachstum alles um Klimabildung, Umweltbewusst­
neu zu definieren. Dazu müssen wir neue sein, Nachhaltigkeit und Artenvielfalt.
Wege finden durch Wissen, im Austausch, Ich lade Sie herzlich ein, die Saison
mit Freude und vor allem: gemeinsam. Wir, ­aktiv mitzugestalten und gemeinsam von
Sie und Ihre Urania Berlin. der Natur und voneinander zu lernen.

C Gabriele Thöne C Ulrich Weigand


Vorstandsvorsitzende Urania Berlin e. V. Direktor Urania Berlin e. V.

03
Liebe Berlinerinnen
und Berliner,

die gravierenden Veränderungen des Welt­ Ich bin dankbar, dass die Urania mit dem
klimas und die massiven Verluste von Bio­ Projekt „StadtNatur – Berlin ökologisch
diversität gehören zu den großen Über­ denken“ einen wichtigen Impuls zu den
lebensfragen unserer Zeit. Gerade für dicht vielfältigen Facetten dieser Themen an­
besiedelte Ballungszentren wie Berlin sind bietet. Sehr gerne unterstützen wir dieses
Natur in der Stadt und ihre Zugänglichkeit Projekt. Es ist wichtig, dass sich die Stadt­
von herausragender Bedeutung für unsere gesellschaft, gemeinsam mit unterschied­
Lebensqualität und auch eine Frage der so­ lichen Expertinnen und Experten, den
zialen Gerechtigkeit. Deshalb ist der Zu­ ­verschiedenen Fragestellungen widmet.
gang aller Berlinerinnen und Berliner zu Auf die Ergebnisse dieses Prozesses sind
grünen Erholungsräumen so wichtig. wir alle sehr gespannt.
Das Dreieck aus der Bekämpfung der Den Verantwortlichen in der Urania
Klimaerhitzung und ihrer Folgen, die und a­ llen Beitragenden danke ich für ihr
­B ewahrung von Biodiversität sowie die Engagement sehr herzlich und wünsche
vielfältige Rolle von Natur in der Stadt dem Projekt viel Erfolg, auch und weil wir
­bilden eine komplexe Herausforderung für gerade bei diesem für Berlin wichtigen
die Politik in Berlin. Aus Umweltschutz- ­Thema Fortschritte so dringend brauchen.
und Überlebensgründen, aber auch aus
Gründen des guten und gerechten Lebens
in der Stadt.

C Regine Günther
Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

05
06
Inhalt

StadtNatur – Wilde Nachbarn


Berlin ökologisch im Hinterhof
denken C Sophie Bengelsdorf 38
C Highlights der Saison 08
Grüne Stadt im
Waldextrakt Klimawandel
C Antje Boetius 14 C Peter Fehrmann 42

Das Ende des Ko statt Kuh


Kapitalismus C Christian Blees 45
C Ulrike Herrmann 18
Nutzungsdruck
Klimaschutz im contra
Alltag Artenvielfalt
C Fritz Reusswig 23 C Thomas Borsch 48

Cradle to Cradle Stadtökologie gibt


C Isabel Gomez 26 es nicht umsonst
C Christiane Heiß 53
Autolast statt
­Autolust Komm, wir
C Andreas Knie 30 retten Essen!
C Wenke Heuts, Theresa Keller 56
Kreisläufe
schließen Besucher­
C Thomas Klöckner 34 information /
Impressum 62

07
StadtNatur –
Berlin
ökologisch
denken

In der neuen Saison wird die Urania zur zentralen Anlauf­


stelle für die Stadtnatur Berlins. Unter dem Motto „Stadt­
Natur – Berlin ökologisch denken“ laden wir Sie ein,
Fragen zu stellen und gemeinsam mit Expert*innen,
Künstler*innen und Kurator*innen Vorschläge und
­Lösungen zu entwickeln oder sich auch einfach nur eine
eigene Meinung zu bilden.
08
StadtNatur möchte Berliner*innen für das C Saisoneröffnung 4.9.2020, 19:30 Uhr
vielseitige Thema der biolo­gischen Vielfalt Junge Initiativen, Aktivist*innen und
sensibilisieren und durch innovative Forma­ ­Politiker*innen auf der Suche nach der
te zeigen, dass auch Recycling und Themen, ökologischen Kehrtwende
die im Alltag eher „mitlaufen“ oder auch Mit Hanna Legleitner, Geschäftsleitung
­gerne mal unter den Teppich gekehrt werden, Restlos Glücklich e. V.; Marco C
­ lausen,
interessant und unterhaltsam sein können. ­Initiator von Kollektives Lernen;
Gemeinsam können wir unsere Stadt grüner, Jan Körbes, Refunc; Ulrich Weigand,
umweltverträglicher und lebenswerter ­Direktor der Urania.
­machen. Gefördert wird das Projekt durch Moderation: Tarik Tesfu
die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr
und Klimaschutz des Landes Berlin.
09
High-
lights
der
neuen Urania Goes Green

Saison
Was ist eigentlich Biodiversität? -
Eine Podcastreihe mit Tarik Tesfu
Was können die Berliner*innen für mehr
Artenvielfalt tun? Wie kommen wir zu

zu StadtNatur
einer autofreien Innenstadt? Diesen und
anderen Fragen zum Thema Stadtöko-
logie geht Tarik Tesfu auf den Grund. Er
Artenvielfalt ist das „Gesicht“ des fünfteiligen Online-­
Reportageprojekts „Urania Goes Green“.
Umwelt und Pro Folge besucht Tarik Tesfu zwei Pro-
tagonist*innen — von Bürger*innen über

Klimaschutz Kulturschaffende bis hin zu Wissenschaft-


ler*innen. Durch den offenen Dialog wird
einmal mehr deutlich: Der Erhalt der
biologischen Vielfalt und eines gesun-
den Stadtklimas betrifft uns alle. Und die
­Urania Berlin mischt vorne mit.

C Alle Podcasts finden Sie auf urania.de

Das Projekt StadtNatur wird geleitet von


High Art Bureau. Sie möchten sich ein-
bringen, haben Ideen und Vorschläge?
Dann wenden Sie sich bitte an Franziska
Benger unter stadtnatur@urania-berlin.de

10
Musik und Mode

Auch für die kreative Szene ist es


Smart ReUse
höchste Zeit, ökologisch Verantwortung
zu ­übernehmen.
Und weil Berlin ein Hotspot für Musi- Das Kollektiv Refunc schärft den
ker*innen und Modedesigner*innen aus Blick auf unseren Umgang mit gebrauch­
der ganzen Welt ist, hat die Musik- und ten Materialien aus dem Alltag.
Modeindustrie in unserer Stadt eine wich- Wie lassen sich diese vielleicht völlig
tige Rolle. Egal, ob es um die Energieeffi- ­anders nutzen, als wir es bislang gewohnt
zienz von Kulturstätten geht oder um den sind – und das mit so geringer Umwelt-
Einsatz umweltbelastender Materialien: belastung wie möglich? Beispiele zeigt
Radiohead, Coldplay, Peggy Gou und eine „Smart ReUse“-Workshopreihe, die
zahlreiche Künstler*innen in Deutschland Grundkenntnisse über Herkunft, Zusam-
gehen bereits mit gutem Beispiel voran. mensetzung, Eigenschaften, Verarbeitung
und Weiterverwendung von Ressourcen
C MI 30.9.2020, 17:30 Uhr und Restmaterialien vermittelt. So wird
Klimaneutrale Musiktourneen und etwa beim Workshop „Mobilität, African
-events Solutions und Reifenkunde“ erklärt, wie
Wie können internationale Musikveran- man aus dem synthetischen Gummi alter
staltungen umweltbewusst umgesetzt Reifen neue funktionelle Objekte herstel-
werden? Mit Fine Stammnitz (Green Tou- len kann – vom Spielgerät bis zur Sitzge-
ring Network), Ines Bartl (TMom Merch), legenheit.
Tine Theurich (Gründerin Superunknown,
Green Touring Network & Music Declares C SA 5.9.2020, 14:00 – 18:00 Uhr
Emergeny GER), Moderation: Mia Heresch Mobilität, African Solutions und
­Reifenkunde
C DI 21.10.2020, 19:30 Uhr Workshopleiter: Jan Körbes, Refunc
Musik im nachhaltigen Gewand
So beeinflusst Musik das Umweltbewusst- C SA 24.10.2020, 14:00 – 18:00 Uhr
sein von Mode. Mit Pete Boateng (Green Smart ReUse „House in a day“
Berlin), Hiwot Schulte (Nature Friend) und Workshopleiter: Jan Körbes, Refunc
Nicolas Reitmeier (KINAM), Layla Mül-
ler (Layla De Mue & Kaleidoscope Berlin),
Moderation: Mia Heresch
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Filmfestival Der Urania Garten

Kurzfilmabend 2020 StadtNatur auf dem Vorplatz der Urania


C SA 19.12.2020, 20:00 Uhr Die Aktiven von „Prinzessinnengartenbau/
Kurzfilmabend zum Thema „Biodiversität nomadisch grün“ stellen auf dem Urania
und Naturschutz in der urbanen Gesell- Vorplatz eine zweiteilige Installation zum
schaft“ Thema Stadtnatur auf. Um zwei mit Was-
ser gefüllte Container herum gruppieren
Naturfilmtage 2021 sich Beete und Aufenthaltsflächen. Alle
Im Oktober 2021 präsentiert das viertä- können sich an der Bepflanzung beteili-
gige Film- und Medienfestival zu „Bio- gen.
diversität und Naturschutz in der urba-
nen Gesellschaft“ ein buntes Programm Daneben gestaltet die Skulptur von Jan
aus Spiel-, Dokumentar-, Animations- Körbes den Vorplatz und bietet Raum für
und ­Experimentalfilmen. Herausragende, Ankündigungen und Botschaften. Nachts
preisgekrönte Produktionen verschiede- leuchtet das Objekt in alle Richtungen
ner Genres werden gezeigt, eingeführt und schickt die Nachrichten von Stadt-
oder von den Filmemacher*innen selbst Natur in die Stadt. Es ist ein Ort für alle,
vorgestellt. Im Anschluss daran ist das um sich zu informieren, auszutauschen,
Publikum eingeladen, mit den Filmma- zu sitzen, miteinander zu sein.
cher*innen zu diskutieren. Ein zusätzli-
ches Rahmenprogramm für Jugendliche Und gemeinsam mit dem Team von „Prin-
mit Workshops und Infoveranstaltungen zessinnengartenbau/nomadisch grün“
lädt zum Mitmachen ein. Viel Wert wird wird im Urania Garten natürlich auch ge-
dabei auf die Auswahl der Gäste und gärtnert und geerntet.
­Expert*innen gelegt.
C Jeden zweiten Donnerstag im Monat
17:00 – 19:00 Uhr Gartensprechstunde im
Urania Garten bis Oktober 2020 und ab
der neuen Gartensaison 2021

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Klimastreitgespräch Online-Fotowettbewerb

Die bekannte Fernseh- und Hörfunkjour- „Natur in Berlin entdecken“ – dazu lädt
nalistin Natalie Amiri moderiert die Reihe der Fotowettbewerb ein im Rahmen von
„Urania kontrovers“, bei der die Podiums- Urania Goes Green. Ist Ihnen in Ihrem
gäste mit unterschiedlichen Haltungen Kiez schon mal ein Fuchs begegnet? Wie
offen miteinander und dem Publikum dis- viele Vögel der Roten Liste haben Sie am
kutieren. Im Rahmen von StadtNatur wird Berliner Himmel beobachtet? An welchen
Natalie Amiri den kontroversen Dialog Berliner Gewässern sind Flusskrebse
fortsetzen. ­heimisch? Und standen Sie schon mal vor
dem ältesten Baum unserer Stadt? Wenn
C FR, 18. 9. 2020, 19:30 Uhr Sie Freude daran haben, schöne Natur-
Die Auflagen des Green Deal der EU bilder zu machen und diese auch mit
Sind sie der Corona-Pandemie g ­ eopfert ­anderen zu teilen, dann machen Sie mit!
worden? Oder hat der Kampf um den
­Klimaschutz in Europa gerade erst Vom 1.9. bis zum 30.11.2020 können Sie
­begonnen? Wie sollten die Subventio- sich am Wettbewerb beteiligen und uns
nen verteilt werden, um den Klimaschutz zu Bewusstsein bringen, wie vielfältig die
­bestmöglich zu fördern? Natur von Berlin ist.

C FR, 19. 10. 2020, 19:30 Uhr Auf der Website er Urania, auf Facebook
Die Zukunft der Mobilität in der Stadt und Instagram werden alle zwei Wochen
Die deutsche Automobilindustrie hinkt im neue Aufgaben zum Mitmachen veröf-
Vergleich zur internationalen Konkurrenz fentlicht.
um mehrere Jahre hinterher. Nach wie vor
setzen einheimische Fahrzeughersteller Als Begleitprogramm werden vier Natur-
auf komplexe Architekturen mit umfang- bzw. Fotoführungen rund um die Urania
reichen Lieferketten, die Innovationszy- organisiert.
klen sind zu langsam. Sind Kaufprämien
für Elektroautos sinnvoll? Oder halten wir C DO, 10.9., 24.9, 8.10. und 22.10.2020,
uns nicht ohnehin zu lange mit batterie- ­jeweils 18:00 Uhr
getriebenen Fahrzeugen auf?

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Wald-
extrakt
Antje Boetius

Stadtwälder können wir in sehr heißen Sommern, von


denen wir künftig immer mehr erleben werden, gar nicht
genug wertschätzen. Sie spenden Schatten, schaffen ein
kühleres Mikroklima, erhöhen die Luftfeuchtigkeit,
bieten Singvögeln ein Heim und vieles mehr. Zudem gibt
es unglaublich alte Bäume, die einiges an Stadtgeschichte
miterlebt haben.
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Ich bin Meeresforscherin und daher sind für Vor 300 Millionen Jahren wuchsen
mich Bäume eine ganz besondere, eher ­d amals an Land unter warm-feuchten
neue Naturerfindung. Denn die Meere ent­ ­Bedingungen riesige Wälder aus Farn-, Bär­
standen schon kurz nach der Geburt der lapp- und Schachtelhalmbäumen in einem
Erde, vor ca. 4.5 Milliarden Jahren. Sie be­ günstigen tropischen Klima. Die wesentli­
decken 70 Prozent der Erde und vermutlich che Erfindung der landbesiedelnden Pflan­
ist auch das erste Leben in ihnen entstan­ zen bestand darin, emporzuwachsen, der
den. Das erste Leben, das mit Hilfe von Son­ Sonne entgegen. Durch die Veränderung der
nenlicht Photosynthese betreiben und da­ klimatischen Bedingungen, die Formung
bei Sauerstoff produzieren konnte, waren von Landschaften, das Auffalten von Gebir­
sogenannte Blaualgen – Cyanobakterien. gen, aber auch den Krieg der Pflanzen un­
Ihre Nachfahren leben heute als Symbion­ tereinander um Platz, Licht und Wasser
ten in allen Pflanzenzellen und vollziehen entstanden neue Gewächse, die Holzpflan­
diesen eigenartigen Prozess, der die Erd­ zen.
atmosphäre lebensfreundlich macht: Sie
nutzen Sonnenlicht als Energiequelle für VERHOLZUNG ERMÖGLICHT
die Fixierung von Kohlenstoffdioxid in Bio­ STABILE STRUKTUREN
masse, sie spalten dabei Wasser und produ­ Das war erst vor ca. 200 Millionen Jahren.
zieren Sauerstoff als Abfallprodukt – wofür Holzbildung bedeutet, dass die Zellwände
wir allen Pflanzen so dankbar sein müssen. der Pflanzen aus Zellulose verholzen, bis
Im Meer gibt es keine Bäume, dort sind die Zellen absterben. Dazu lagert sich
bis heute (wie zum größten Teil der Erd­ ­Lignin ein, schwer abbaubares Material. Die
geschichte) Einzeller für die Produktion Verholzung ermöglicht es der Pflanze, sehr
von Biomasse aus Sonnenlicht und Wasser stabile Strukturen zu bilden. Im Meer
zuständig. Sie produzieren ungefähr die braucht es kein Holz, denn es reichen ein
Hälfte des Sauerstoffs, den wir atmen. Die paar Gasblasen in Blättern und Stengeln
andere Hälfte kommt von den Bäumen und von Algen, dann erledigt der Auftrieb das
Gräsern an Land. Aber das ist erdgeschicht­ Emporwachsen in Richtung Sonnenlicht.
lich eben erst seit kurzer Zeit so. Im Meer Die Sümpfe speicherten damals un­
entstanden die ältesten Algenwälder schon glaubliche Mengen an Waldbiomasse. Das
vor 2,5 Milliarden Jahren. Erst vor rund 400 abgestorbene Pflanzenmaterial bleibt im
Millionen Jahren entwickelten sich aus den sauerstofffreien Sumpf liegen, wird dann
Wasserpflanzen die ersten einfachen Land­ immer wieder von Flusssedimenten und
pflanzen. Baumartiges Leben entstand Geröll bedeckt, von neuen Wäldern besie­
dann vor 300 Millionen Jahren, im Karbon delt. Was darauf wächst und abgelagert
– der sogenannten Steinkohlezeit. Damals wird, verdichtet durch sein Gewicht das be­
waren alle Kontinente noch in einem grabene Material und presst den Pflanzen­
­Urkontinent vereint – diesen nennen wir saft aus. Unter hohem Druck und Tempe­
Pangaea. Deutschland lag damals ungefähr ratur entsteht über Millionen von Jahren
am Äquator, es entstand aus sich auffalten­ erst Braun- und dann Steinkohle.
dem Meeresboden. Das beweisen heute Nadelbäume und Laubbäume, die
noch die Kalksteine aus Ablagerungen ma­ ­unsere heutigen Wälder formen, entstan­
riner Lebewesen auf der Zugspitze, unse­ den recht spät. Europa kühlte weiter ab und
rem höchsten Berg. die Eiszeiten kamen. Die europäische Land­
15
schaft wurde seit ungefähr drei Millionen RODUNGEN WAREN
Jahren von Eiszeiten geprägt. Erst seit dem ANFANGS SCHWIERIG
Rückzug der letzten großen Inlandverei­ Nach ein paar Jahrhunderten hatte der
sungen vor 20.000 Jahren und der ­Zunahme Wald den Lebensraum der Menschen und
der Temperatur auf recht stabile, für die ihrer Jagdbeute in Mitteleuropa stark
Entwicklung der Menschheit zuträgliche ­eingeschränkt. Aus archäologischen Gra­
Klimaverhältnisse vor 8.000 Jahren blieb bungen wissen wir, dass Menschen seit
zerfurchter, nasser, aber sehr fruchtbarer ­B eginn der Landwirtschaft den Wald zu­
Boden zurück. Die Bäume mussten den Bo­ rückzudrängen versuchten. Mit Steinwerk­
den dann neu besiedeln. Zunächst war das zeug waren Rodungen schwierig, zum
Land eher tundra- und steppenartig, die Brand­roden war es oft zu feucht – Siedlun­
Menschen waren Jäger, zum Beispiel von gen entstanden also an den Sonnenseiten
Rentieren, denen sie hinterher zogen. Der von Tälern, um Lichtungen oder an Fluss­
Meeresspiegel war noch wesentlich tiefer – ufern oder in der Nähe von Hochmooren –
gute 15 Meter – und England war noch mit überall dort, wo Wald aus natürlichen
dem Kontinent verbunden. Es wanderten Gründen licht blieb. Der Übergang in die
dann zunächst sogenannte Pionierbaumar­ Bronzezeit vor ca. 4.000 Jahren erlaubte
ten wie zum Beispiel Birken, Fichten und den Menschen, immer mehr Fläche vom
Kiefern ein – die sich gegen Kräuter und Wald abzugewinnen, durch Beschneiden
Gräser und die jungen Triebe abgrasenden und Roden mit zunehmend besserem,
Tiere durchsetzen mussten. Die Besiedlung schärferem Werkzeug. Seit damals sind im­
Europas durch Mischwälder erfolgte vor al­ mer größere Teile der Wälder durch Acker­
lem durch widerstandsfähige Bäume, die bau, Tierhaltung und Besiedlung beein­
aus der Landschaft des Tertiärs nach der flusst. Die Einführung von Eisen als
Eiszeit ins Holozän zurückfanden – wie Werkstoff, Technologien wie Pflug, Winden,
Tanne, Haselnuss und Eiche. Sägemühlen ließ den Menschen den Krieg

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Urania-Medaille 2020
Am 3. 12. 2020 wird Prof. Dr. ­Antje
Boetius die Urania-­Medaille
­verliehen. Diese geht an Persönlich­
keiten, die sich über ihre inter­­na­
tional heraus­ragende f­achliche
­Leistung hinaus um die V ­ ermittlung
von ­Bildung und Auf­klärung an eine
­breite Öffentlichkeit b
­ esonders
­verdient gemacht haben. Frau Prof.
Dr. Antje Boetius erhält die Aus­
zeich­nung für ihre Arbeiten zur
Erforschung der ­Tiefsee und der
Polarregionen, ihr außerordent­liches
Engagement für den K ­ lima- und
­Umweltschutz und ihre inter­diszi­
plinär ange­legte und so anschau­
liche Vermittlung von W
­ issen.

gegen den Wald gewinnen. Holz war das Waldes killt den Wald der Gegenwart. Wir
wichtigste Material zum Bauen und Heizen haben auch noch so viel Kohle im Erdboden
– die Wälder fielen. Im 18. Jahrhundert weltweit, dass wir durch ihre Verbrennung
brach ein solcher Holznotstand aus, dass die Erde um über 6° C Durchschnittstem­
der Begriff „Nachhaltiges Wirtschaften“ er­ peratur aufheizen könnten und damit voll­
funden wurde. Größere Waldflächen blie­ ständig und eventuell für immer das Holo­
ben in Europa vor allem dort bestehen, wo zän – also den Klimabereich, der für uns
Adelige ihre Jagdgebiete schützten. Welt­ Menschen förderlich ist – verlassen würden.
weit waren von ehemals zwei Dritteln Wald­ Das geht uns alle an. Denn durch unseren
besiedlung der Erde nach der Industriellen hohen Energieverbrauch in Europa bräuch­
Revolution nur noch ein Drittel der Land­ te jeder von uns ungefähr 1.000 erwachsene
fläche der Erde bewaldet, heute ist es nur Eschen, damit unserer jährlicher Ausstoß
noch ein Viertel. So gehen auch die großen neutralisiert wird. Was wäre das für ein
Leistungen des Waldes verloren. Wälder Stadtwald …­
stabilisieren Klima und Wasserhaushalt,
bieten einer riesigen Lebensvielfalt von Tie­ C Prof. Dr. Antje Boetius ist Polar- und Tiefseeforscherin
ren und Pflanzen Schutz, spenden Schatten, und leitet seit 2017 das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-
Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Seit 2009 ist sie
speichern CO2 und produzieren Sauerstoff. Professorin für Geomikrobiologie an der Universität
Neben Brandrodungen und nicht Bremen. Ihr besonderes Interesse gilt der Tiefsee und den
Aus­wirkungen des Klimawandels in den polaren Regionen.
nachhaltiger Forstwirtschaft ist zuneh­ Ihre Arbeit führte sie auf fast 50 Schiffsexpeditionen, von
denen sie viele geleitet hat. Als Wissenschaftskommuni­
mend der Klimawandel der Feind des Wal­ katorin wurde sie mit dem Communicator-Preis der DFG
ausgezeichnet. Unter der Schirmherrschaft der Humboldt-
des. Es sind genauer gesagt die riesigen Universität zu Berlin hat sie mit dem Dramaturgen Frank
Mengen Kohle, die wir weltweit verfeuern. Raddatz das Projekt „Theater des Anthropozän“ gegrün-
det. Die Aufführung „Requiem für den Wald“ beschäftigt
Irgendwie grausig – das Konzentrat des Ur- sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Wald.

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Das
Ende

des

Kapitalis-
mus
Ulrike Herrmann

Essay

Klimaschutz kann nur gelingen, wenn das Wachstum


aufhört. Was sich aus der Corona-Krise lernen lässt –
und von der britischen Kriegswirtschaft ab 1940.

Die Corona-Pandemie machte das Undenk­ Staat Kredite aufnimmt. Im wahrsten Sinne
bare denkbar: Plötzlich flogen keine Flug­ des Wortes wird die Corona-Krise mit Geld
zeuge mehr, der Ausstoß an Treibhausga­ zugeschüttet. Die EU mobilisiert mehr als
sen sank rapide, Öl wurde zur Ramschware, eine Billion Euro; Deutschland ist bei denk­
und viele Länder führten eine Art bedin­ baren Hilfen von etwa 1,4 Billionen Euro
gungsloses Grundeinkommen ein. Der angekommen. Es ist unmöglich, diese gi­
Staat hatte allerorts das Sagen, und sogar gantischen Schulden zu tilgen und zurück­
die Neoliberalen forderten plötzlich milliar­ zuzahlen. Stattdessen setzt man auf Wachs­
denschwere Konjunkturprogramme. Die tum. Sobald die Wirtschaftsleistung steigt,
Globalisierung schien genauso beendet wie verlieren die Schulden an Relevanz – bis sie
der ungebremste Kapitalismus. Es wirkte, irgendwann vergessen sind.
als wäre ein Weg gefunden, der zu mehr Bleibt nur ein Problem: Die Klima­
Nachhaltigkeit führt. schützer*innen haben ja Recht, dass man
Doch dieser Schein trügt. Die Corona- in einer endlichen Welt nicht unendlich
Krise zeigt gerade nicht, wie man den Kapi­ wachsen kann. Die Europäer*innen, inklu­
talismus verlassen kann – sondern beweist sive Deutschland, hinterlassen einen öko­
im Gegenteil, dass unser Wirtschaftssystem logischen Fußabdruck, als könnten sie drei
zum Wachstum verdammt ist. Der Lock­ Planeten verbrauchen, aber bekanntlich
down dauerte in den meisten Ländern nur gibt es nur die eine Erde.
wenige Wochen, und dennoch belaufen sich Bisher hoffen die Regierungen, dass
die Corona-Schäden nun auf Billionen Dol­ sie Wirtschaft und Umwelt langfristig
lar. Längst wären viele Unternehmen pleite ­i rgendwie versöhnen könnten. Die Stich­
und fast alle Beschäftigten arbeitslos, wenn worte heißen „Green New Deal“ oder „Ent­
die Staaten nicht permanent neue Hilfspro­ kopplung“ von Wachstum und Energie.
gramme auflegen würden, um die Wirt­ Auch in den jetzigen Pandemiezeiten wird
schaft zu stabilisieren. intensiv diskutiert, wie sich der Wiederauf­
Momentan besteht der Trick darin, bau nach der Corona-Krise ökologisch
einfach neues Geld zu „drucken“, indem der ­gestalten ließe.
19
Angeblich wäre es sogar billig, die Welt gestaltet werden. So wird bei der deutschen
zu retten. Die meisten Studien gehen davon CO2-Abgabe diskutiert, dass der Staat auf
aus, dass ein vernünftiger Klimaschutz nur die Einnahmen verzichtet und ein „Energie­
maximal ein bis zwei Prozent des Bruttoin­ geld“ an die Haushalte auszahlt. Arme Fa­
landsprodukts kosten würde. Fragt sich bloß, milien würden profitieren, weil sie eher we­
warum sich in der Umweltpolitik so wenig nig Energie verbrauchen, während die
tut, wenn sie doch fast umsonst wäre? Ir­ Reichen belastet würden. So gerecht diese
gendwo muss sich ein Denkfehler verbergen. Umverteilung wäre: In der Summe hätten
die Haushalte genauso viel Geld wie vorher,
KLIMASTEUERN um zu fliegen, Auto zu fahren und im Inter­
Um diesem Fehler auf die Spur zu kommen, net zu surfen.
lohnt sich ein Blick auf die CO2-Steuer, die Die Politik verwechselt Betriebs- mit
demnächst in Deutschland eingeführt wird Volkswirtschaft: Ein höherer CO2-Preis hat
und das „Herzstück“ der hiesigen Klima­ zwar eine Lenkungswirkung – aber nur
politik sein soll. Ab 2021 wird die Abgabe beim einzelnen Produkt. Die Gesamtwirt­
bei 25 Euro pro Tonne CO2 liegen, dann bis schaft wird weiter in die Klimakatastrophe
2025 auf 55 Euro steigen und anschließend gesteuert. Die Deutschen tappen in eine alt­
55 bis 65 Euro betragen. bekannte Falle, die Bumerangeffekt heißt.
Kritiker bemängeln vor allem, dass die
Steuer viel zu niedrig sei. So fordert das Um­
weltbundesamt, dass der CO2-Preis bei 180
„In der Umweltpolitik hat es
Euro die Tonne liegen sollte. Um diese daher wenig Sinn, nur auf
­abstrakten Zahlen in die konkrete Welt zu
übersetzen: Ein Liter Diesel würde dann
Preise und Marktmechanis­
etwa 50 Cent mehr kosten. men zu setzen. Das weiß
Das ist viel Geld. Doch leider gilt auch
hier, dass der Satz „viel hilft viel“ falsch ist.
auch die Politik.“
Dem Klima würden die „Klimasteuern“
nichts nützen. Denn egal, wie hoch die Dieses Paradox wurde bereits 1865 vom
Energiesteuern sind: Dieses Geld ver­ ­b ritischen Ökonomen William Stanley
schwindet nicht. Es wird nicht in einen tie­ ­Jevons beschrieben und ist eine der wenigen
fen Brunnen geworfen, um dort zu ver­ Voraussagen über den Kapitalismus, die sich
schimmeln, sondern bleibt im System. Die als richtig herausgestellt haben: Wer Energie
Bürger*innen müssten zwar tiefer ins Porte­ oder Rohstoffe spart und mit weniger Mate­
monnaie greifen, wenn sie Energie verbrau­ rialeinsatz die gleiche Gütermenge herstellt,
chen – aber ihr Geld landet dann beim Staat, der steigert in Wahrheit die Produktivität
der es wieder ausgeben kann und damit für und ermöglicht damit neues Wachstum.
neue Nachfrage und neue CO2-Emissionen In der Umweltpolitik hat es daher we­
sorgt. Die OECD musste bereits feststellen, nig Sinn, nur auf Preise und Marktmecha­
dass es „keinen klaren Zusammenhang gibt nismen zu setzen. Das weiß auch die Politik.
zwischen den Emissionen eines Landes und Die große Hoffnung ist daher, dass man die
der Energiebesteuerung“. gesamte Wirtschaft komplett auf Ökostrom
An diesem Befund ändert sich auch umstellen könnte – ob Verkehr, Industrie
nichts, wenn die Energiesteuern sozial aus­ oder Heizung.
20
Diese Idee klingt jedoch nur so lange Hälfte der Nettoenergie liefern kann, die
gut, wie man die offensichtlichen Probleme sich mit fossilen Varianten erzeugen lässt.
dahinter verschweigt. Ein E-Auto ist, auch Das ist bitter. Denn damit ist klar, dass Öko­
wenn es mit Ökostrom fährt, keineswegs strom teuer ist und sich die Effizienz hal­
umweltfreundlich, sobald auch die rohstoff­ bieren würde. Sobald aber die Produktivität
intensive Herstellung berücksichtigt wird. sinkt, kann es kein Wachstum mehr geben.
Zudem entsteht Ökostrom nicht aus dem Die Wirtschaft muss schrumpfen, wenn
Nichts, sondern produziert ebenfalls Folge­ man sie allein mit Ökostrom antreiben will.
kosten. Windräder sind zwar längst nicht so Es ist also ein Denkfehler zu glauben, es
umweltschädlich wie Kohlekraftwerke, aber wäre mit Kosten von einem bis zwei Prozent
auch sie greifen in die Landschaft ein und der Wirtschaftsleistung getan, wenn man
werden bald zu einem Müllproblem. Denn vernünftigen Klimaschutz betreiben will.
Windräder laufen nur maximal 30 Jahre Aber wie soll man sich dieses Schrump­
und sind anschließend eine Industrieruine fen der Wirtschaft vorstellen? Es hilft, vom
aus neunzig Metern Schrott. Bisher ist noch Ende her zu denken. Wenn Ökostrom
völlig unklar, wie man die verschlissenen knapp bleibt, dann ist eine klimaneutrale
Rotorenblätter ­eigentlich recyclen soll. Wirtschaft nur denkbar, wenn man auf
Vor allem aber: Ökostrom wird immer sämtliche Flug­reisen und das private Auto
knapp bleiben. Diese Aussage mag ­zunächst verzichtet. Auch Banken und Versicherun­
seltsam wirken, denn die Sonne schickt gen sind weitgehend überflüssig, wenn eine
10.000 Mal mehr Energie zur Erde, als die Wirtschaft schrumpft. Gleiches gilt für PR-
sieben Milliarden Menschen benötigen Berater*innen, Reisebüros, Messelogisti­
würden, wenn sie alle den Lebensstandard ker*innen oder Grafik­­designer*innen.
der Europäer*innen genießen könnten. An In einer klimaneutralen Wirtschaft
physikalischer Energie fehlt es also nicht, würde niemand hungern – aber Millionen
und dennoch wäre es eine Milchmädchen­ von Arbeitnehmer*innen müssten sich um­
rechnung zu glauben, dass Ökoenergie im orientieren. Zum Beispiel würden sehr viel
Überfluss zur Verfügung stehen kann. mehr Menschen in der Landwirtschaft und
Denn Sonnenenergie allein nutzt gar auch in den Wäldern benötigt, um die Fol­
nichts; sie muss erst eingefangen werden. gen des Klimawandels zu lindern.
Solarpanele und Windräder sind jedoch
technisch aufwändig – jedenfalls deutlich ALTERNATIVLOS
aufwändiger, als Kohle, Öl oder Gas zu för­ Diese Sicht auf die Zukunft mag radikal
dern und zu verbrennen. Momentan wirkt ­erscheinen, aber sie ist im wahrsten Sinne
der Ökostrom konkurrenzfähig, weil damit des Wortes „alternativlos“. Wenn wir unse­
„nur“ fossiler Strom ersetzt wird – und zwar ren CO2-Ausstoß nicht auf netto null redu­
im laufenden Betrieb. Die Bilanz wird sofort zieren, geraten wir in eine „Heißzeit“, die
schlechter, wenn der Ökostrom gespeichert von selbst dafür sorgt, dass die Wirtschaft
und in der gesamten Wirtschaft eingesetzt schrumpft. In diesem ungeplanten Chaos
werden soll. Erhellend ist der „Erntefaktor“ käme es wahrscheinlich zu einem Kampf
EROI, der misst, wie viele Energieeinheiten aller gegen alle, den die Demokratie nicht
investiert werden müssen, um neue Ener­ überleben würde.
gieeinheiten zu gewinnen. Dabei stellt sich Der Rückbau des Kapitalismus muss
dann heraus, dass Ökostrom maximal die geordnet vonstattengehen. Zum Glück gibt
21
es bereits ein historisches Schrumpfungs­ gel, aber es wurde rationiert. Die Briten er­
modell, an dem man sich orientieren könn­ fanden also eine private und demokratische
te: die britische Kriegswirtschaft ab 1940. Planwirtschaft, die mit dem dysfunktiona­
Damals standen die Briten vor einer mons­ len Sozialismus in der Sowjetunion nichts
trösen Herausforderung. Sie hatten den zu tun hatte.
Zweiten Weltkrieg nicht kommen sehen Die staatliche Lenkung war ungemein
und mussten nun in kürzester Zeit ihre populär. Wie die britische Regierung bereits
Friedenswirtschaft auf den Krieg umstellen, 1941 feststellen konnte, war das „Rationie­
ohne dass die Bevölkerung hungerte. rungsprogramm“ einer der größten Erfolge
Das erste Ergebnis war eine statisti­ an der „Heimatfront“. Denn die verordnete
sche Revolution: Damals entstand die volks­ Gleichmacherei erwies sich als ein Segen:
wirtschaftliche Gesamtrechnung, die bis Ausgerechnet im Krieg waren die unteren
he u te e i n St a nd a rd we rk z e u g a l le r Schichten besser versorgt als je zuvor. Zu
­Ö konom*innen ist. Mit diesem neuen Friedenszeiten hatte ein Drittel der Briten
nicht genug Kalorien erhalten, weitere
zwanzig Prozent waren zumindest teilwei­
„In einer klimaneutralen se mangelernährt. Nun, mitten im Krieg,
Wirtschaft würde niemand war die Bevölkerung so gesund wie nie.
Heute herrscht zum Glück Frieden,
hungern – aber Millionen aber die gesamtgesellschaftliche Aufgabe
von Arbeitnehmer*innen ist beim Klimawandel ähnlich groß. Wieder
geht es ums Überleben der Menschheit. Aus
müssten sich umorientieren. der Corona-Krise lässt sich zwar nicht viel
Zum Beispiel würden sehr für die Zukunft lernen, aber eine Lektion
hält sie doch parat: Der Staat hat erneut ge­
viel mehr Menschen in zeigt, dass er schnell und wirkmächtig han­
der Landwirtschaft und deln kann. Diese Kompetenz muss er als
Nächstes nutzen, um geordnet aus dem
auch in den Wäldern benö­ Wachstum auszusteigen.
tigt, um die Folgen des
Klimawandels zu lindern.“ C Ulrike Herrmann wird im ­kommenden
Jahr im Rahmen des Projekts „StadtNatur“
in der U
­ rania auftreten.
I­ ­nstrument ließ sich ausrechnen, wie viele
Fabriken man nutzen konnte, um Militär­
ausrüstung herzustellen, ohne die zivile
Versorgung zu gefährden.
Es entstand ein Kapitalismus ohne
Markt, der bemerkenswert gut funktionier­
te. Die Fabriken blieben in privater Hand,
aber die Produktionsziele von Waffen und
C Ulrike Herrmann ist ausgebildete Bankkauffrau und hat
Konsumgütern wurden staatlich vorgege­ Geschichte und Philosophie an der FU Berlin studiert.
ben – und die Verteilung der Lebensmittel Neben ihrer aktuellen Tätigkeit als Wirtschaftskorrespon-
dentin der „tageszeitung“ (taz) ist sie Buchautorin und
öffentlich organisiert. Es gab keinen Man­ regelmäßiger Gast in Radio und Fernsehen.

22
Klima-
schutz im
Alltag

Fritz Reusswig

365 Tage, 100 Haushalte, ein Ziel: CO2-neutral leben in


­Berlin! Was Klimaschutz ganz praktisch im Alltag bedeu­
tet, haben Familien mit Kindern, Lebenspartnerschaften,
Wohngemeinschaften und Singles im Rahmen des
Projekts „Klimaneutral leben in Berlin“ (KliB) getestet.
Wir geben Einblicke in die E­ rgebnisse eines faszinieren­
den Klimaschutz-Reallabors.
23
Wie groß ist mein persönlicher CO2-Fuß­ weniger als zu Beginn und damit rund 35
abdruck? Wie kann ich ihn reduzieren? Prozent besser als der deutsche Durch­
­Fragen dieser Art hat sich jeder von uns schnitt.
schon einmal gestellt. Und sie dann schnell Unterstützt wurden die Teilneh­
wieder vergessen. Zu kompliziert. Ich als mer*innen von unserem eigens entwickel­
Einzelperson kann sowieso nichts ändern ten „Carbon Tracker“, einem Klimarechner
– diese Antworten und Ausflüchte hört man für PCs und mobile Endgeräte. Er baut auf
immer wieder im Klimadiskurs. Doch dass dem CO2-Rechner des Umweltbundesamtes
auch kleine Veränderungen viel bewirken auf und wurde für das wöchentliche
können, hat unser durch das Bundesminis­ ­Tracking weiterentwickelt. Der Tracker
terium für Umwelt finanziertes Mitmach- ­dokumentiert den persönlichen CO2-Fuß­
Projekt KliB gezeigt, ein gemeinsames abdruck, zeigt auf, wie sich die eigene
­Pilotprojekt des Potsdam-Instituts für Kli­ ­Klimabilanz aufsummiert und erklärt, wo
mafolgenforschung (PIK), verschiedener Emissionen eingespart werden können.
klimafreundlicher Berliner Unternehmen Besonders erfolgreich waren Haushal­
und Nichtregierungsorganisationen. te, die im Rahmen des Reallabors Energie­
In einem einjährigen Feldversuch ha­ beratungen beanspruchten – sie konnten
ben die 100 teilnehmenden Haushalte aus ihren CO2-Fußabdruck um bis zu 40 Pro­
Berlin einen klimafreundlichen Lebensstil zent senken. Insgesamt haben wir im Rah­
geführt. Dabei ging es insbesondere darum, men von KliB beobachtet, dass schon relativ
Handlungsfelder aufzuzeigen, in denen gro­ kleine Veränderungen im Alltag einen gro­
ßes Potenzial steckt, CO2-Emissionen ein­ ßen Beitrag zur Klimastabilisierung leisten
zusparen – sei es beim alten Kühlschrank können: sei es eine Ernährung mit mehr
mit zu hohem Verbrauch, beim Fleischkon­ Gemüse und wenig Fleisch, öfter auf Rad
sum zu jeder Mahlzeit oder beim Auto als oder öffentliche Verkehrsmittel umzustei­
bevorzugten Fortbewegungsmittel. gen oder zu Hause auf Grünstrom umzu­
stellen.
DIE BILANZ:
VON 11,6 AUF 7,8 TONNEN CO2 NOCH WEIT ENTFERNT
Derzeit kommen auf die Bundesbürger*in­ VOM PARISER
nen pro Kopf im Schnitt 11,6 Tonnen CO2 KLIMAABKOMMEN
pro Jahr. Dieser Wert umfasst alle Emissio­ Andere Haushalte waren weniger erfolg­
nen entlang des Lebenszyklus der Produk­ reich dabei, Emissionen einzusparen – etwa
te und Dienstleistungen, auch wenn sie im wenn in Familien mit Kindern ein Schüler­
Ausland anfallen. Die KliB-Pionier*innen austausch nach Neuseeland zwar den
waren von Anfang an schon deutlich klima­ ­Horizont, aber auch die Klimabilanz um
sensibler; sie starteten zum Projektbeginn ­einige Emissionen erweiterte. Insgesamt
mit gut 8,7 Tonnen (also 25 Prozent unter müsste ein persönlicher CO2-Fußabdruck,
dem Bundesdurchschnitt). Obwohl ihr CO2- der mit den globalen Klimaschutzzielen von
Fußabdruck schon deutlich besser war als Paris, den Klimaschutzzielen des Bundes
der Durchschnitt, haben sie es dank der und dem Klimaneutralitätsziel des Berliner
KliB-Interventionen geschafft, noch mehr ­Senats für 2050 übereinstimmt, nochmals
CO2 einzusparen: Am Ende des Projekts erheblich schrumpfen: auf maximal eine
waren es mit 7,8 Tonnen pro Kopf 11 Prozent Tonne pro Kopf und Jahr.
24
OHNE DIE POLITIK miert werden. Und wie die Landwirtschaft
GEHT ES NICHT oder die deutsche Industrie produzieren,
Eine der wichtigsten Erkenntnisse unseres lässt sich durch Einzelne auch schlecht be­
Klimaschutz-Reallabors nach einem Jahr: einflussen.
Den Bürger*innen liegt unsere Zukunft am Hier sollte sich die Politik dafür ein­
Herzen; sie wollen und können ihren CO2- setzen, für Rahmenbedingungen zu sorgen,
Fußabdruck signifikant reduzieren, wenn die einem klimafreundlicheren Alltag ent­
sie gut informiert und motiviert werden. gegenkommen. Gerade bei der Ernährung
Den persönlichen CO2-Austoß auf 7,8 Ton­ oder dem öffentlichen Verkehr braucht es
nen zu reduzieren, könnte für jeden Haus­ weitergehende Anstrengungen. Dort müs­
halt relativ leicht und ohne große Komfort­ sen Politik und Wirtschaft ansetzen und
einbußen möglich sein – und das wäre nachhaltigere, bessere Rahmenbedingun­
bundesweit schon eine ganze Menge. gen und Infrastrukturen für einen klima­
Unser Reallabor hat jedoch auch sehr freundlichen Alltag schaffen. Das wün­
klar die Grenzen des/der Einzelnen aufge­ schen sich auch unsere Haushalte.
zeigt: Selbst ambitionierte Haushalte kön­
nen ihre Klimabilanz maximal halbieren, C Zu diesem Thema plan das PIK 2021
doch dann ist irgendwann Schluss. Ab ei­ eine Veranstaltung in der Urania.
nem bestimmten Punkt hilft nur eine ande­
C Dr. Fritz Reusswig ist Soziologe und leitender Forscher
re Politik. Denn sogenannte öffentliche beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).
Emissionen – etwa durch Straßenbeleuch­ 2005 war er Gastwissenschaftler am Caribbean Communi-
ty Climate Change Center und der Kennedy School of
tung, Krankenwagen oder auch die Bundes­ Government in Harvard. Seine Forschungsschwerpunkte
sind Lebensstil und Konsumentwicklung sowie soziologi-
wehr – können nicht von Einzelnen mini­ sche Fragen globaler Umweltveränderungen.
25
Cradle
to
Cradle
Isabel Gomez

Begrünte Wände, die schick aussehen und die Luft reini­


gen. Teppiche, die Wohnlichkeit verbreiten und Feinstaub
binden. Und Büromöbel, die auch für die Umwelt gut
sind: Das C2C LAB der Cradle to Cradle NGO an
der Landsberger Allee ist die weltweit erste Sanierung
einer bestehenden Gewerbeeinheit, die konsequent nach
eigenen Kriterien durchgeführt wurde.
26
Rohstoffe gehen hier nicht verloren, son­
dern können nach ihrem Einsatz wieder­
verwendet werden. Das Leuchtturmprojekt
ist ein begeh- und erlebbares Beispiel für
ressourcenschonendes Bauen und zeigt,
dass aus dem Berliner Bestand heraus ge­
sunde und kreislauffähige Räume zum
Wohnen und Arbeiten entstehen können.
Ohne zusätzlichen Flächenverbrauch und
ohne Bauschutt.
2018 fand die Cradle to Cradle NGO auf
der Suche nach einem Büro für das wach­
sende Team in ganz Berlin schlicht kein Ge­
bäude, das C2C-Ansprüchen entsprach: ma­
terialgesund, reversibel, kreislauffähig. Es
gab aber diese ehemalige Apotheke in einem
klassischen Ost-Berliner Plattenbau, deren
Finanzierung die NGO gerade so stemmen
konnte. Also packte das Team die Sanierung
der 400 Quadratmeter großen Gewerbeein­ Großer C2C-Congress 2020 mit Bundesumweltministerin
heit an – mit Unterstützung zahlreicher Svenja Schulze in der Urania.

Partnerunternehmen und der städtischen


Wohnungsbaugesellschaft G ­ ewobag, Eigen­ werden, entsteht Müll. In den meisten Fällen
tümerin des Gebäudekomplexes. ist das Sondermüll, weil M­ aterialien verbaut
Die Bauwirtschaft ist nicht nur eine der wurden, die nicht vollständig und ohne Qua­
ressourcenintensivsten Branchen über­ litätsverlust recycelt werden können. Sei es,
haupt. In Deutschland ist sie auch für rund weil sie aus Verbund­stoffen bestehen, die
60 Prozent des gesamten Müllaufkommens nicht rückstandslos trennbar sind. Oder weil
verantwortlich. Gleichzeitig erfordern Ur­ Materialien Schadstoffe enthalten. Obwohl
banisierung und Bevölkerungswachstum in der Nutzungsphase oft klimaneutral, tra­
weltweit neue Wohn- und Bürogebäude in gen diese Gebäude damit langfristig nicht
Städten. dazu bei, Umweltprobleme zu lösen. Sie ver­
lagern sie zeitlich nur nach hinten.
KLIMANEUTRAL ALLEINE Sogenanntes nachhaltiges Bauen geht
IST NICHT GENUG zudem oft mit Abriss und Neubau oder der
Um diesen Anforderungen zu begegnen, Erschließung neuer Bauflächen einher.
wurden Nachhaltigkeitskriterien für Bau­ Speziell in Berlin, wo Tausende von Be­
vorhaben entwickelt. Es reicht allerdings standsgebäuden vorhanden sind, ist das
nicht aus, Gebäude zu dämmen, um CO2 ein­ Verschwendung auf Kosten der Natur. Pro­
zusparen oder Regenwasserkonzepte und jekte wie das C2C LAB zeigen, dass selbst
Dachbegrünungen umzusetzen. Sie helfen in älteren Bestandsgebäuden gesunde, res­
nicht dabei, die drohende Ressourcen- und sourcenschonende und moderne Räume
Müllkrise aufzuhalten. Wenn diese Gebäude entstehen können. Wo bestehende Struktu­
in einigen Jahrzehnten wieder abgerissen ren abgerissen werden, entsteht unweiger­
27
lich Müll. Und wo neue Bauflächen er­
schlossen werden, werden dadurch Flächen
versiegelt.
Cradle to Cradle geht als ganzheitlicher
Ansatz, und damit auch im Baukontext, da­
her weit über das Konzept der Nachhaltig­
keit hinaus. Statt klimaneutral zu sein, ist
klimapositiv das Ziel. Bei der Sanierung des
C2C LAB wurden daher überwiegend nach
Cradle to Cradle zertifizierte oder davon in­
spirierte Materialien verbaut. Die Zertifizie­
rung beinhaltet unter anderem die Kriterien
Materialgesundheit, Verwendung erneuer­
barer Energien und ressourcenschonender
Umgang mit Wasser bei der Herstellung.
Zudem sind C2C-Produkte so entwickelt,
dass ihre Bestandteile entweder kompos­
tierbar sind oder ohne Qualitätsverlust im­
mer wieder recycelt und wiederverwendet
werden können. So wird der Abbau weiterer
 euer Kern in alter Schale: Die gesamte Einrichtung des LAB ist
UN
Ressourcen perspektivisch überflüssig. Und komplett kreislauffähig.
 ine Besuchergruppe der Deutschen Gesellschaft für Internationale
DE
alle Materialien sind so verbaut, dass sie Zusammenarbeit (GIZ) nimmt mit Vertretern aus der Mongolei die

rückstandslos entnommen und weiterver­ C2C-Einrichtung im LAB gründlich in Augenschein.

arbeitet werden können.


entweder biologisch abbaubar sind oder im­
VOM HAUS ZUR mer wieder weiterverwendet werden kön­
MATERIALDATENBANK nen.
Bevor die Sanierung losgehen konnte, Deutlich wird das Prinzip am Beispiel
musste die ehemalige Apotheke zunächst der Fenstersysteme im LAB. Die Alu-Fens­
von schadstoffhaltigen Materialien befreit terrahmen sind nicht verschäumt, sondern
werden. Die größte Schwierigkeit bestand mit Blenden verschraubt. Das Fensterglas
darin, diese zu identifizieren, denn entspre­ besteht aus recycelten Glasscherben. Soll ein
chende Daten waren für das 1986 erbaute Fenster vergrößert werden, kann das Alumi­
Gebäude schlicht nicht vorhanden. Neben nium der Rahmen herausgeschraubt, einge­
den genannten Schwerpunkten war bei der schmolzen und zu neuen, passenden Rah­
Sanierung daher ein Ziel, eine digitale Da­ men gefertigt werden. Die Fensterscheiben
tenbank aller verbauten Materialien und werden entnommen, eingeschmolzen und
Stoffe zu erstellen. Auch in 50 Jahren, wenn wiederverwendet. Es entsteht kein Müll und
aus dem C2C LAB vielleicht wieder eine die wichtige Ressource Aluminium geht
Apotheke oder eine Wohnung werden soll, nicht verloren. Wird dieses Prinzip konse­
ist dann nachweisbar, welcher Baustoff an quent zu Ende gedacht, entstehen für Bau­
welcher Stelle in welcher Form verwendet unternehmen oder Materiallieferanten gänz­
worden ist. Der Wert des Gebäudes besteht lich neue Geschäftsmodelle. Sie verbauen
in den darin verwendeten Ressourcen, die einen Rohstoff, behalten den Wert des Roh­
28
Cradle to Cradle – so geht morgen zahlt wird. Er hat dadurch einen Anreiz, die
Im menschlichen Denken und Handeln Maschine so herzustellen, dass sie einfach
von ­morgen ist Cradle to Cradle (wört- reparierbar, rückstandslos in ihre Einzeltei­
lich: „von Wiege zu Wiege“, sinngemäß: le zerlegbar und möglichst lange nutzbar ist,
„vom Ursprung zum Ursprung“) selbst- um so lange wie möglich so viele Waschgän­
verständlich. Nach dem Vorbild der ­Natur ge wie möglich zu verkaufen. Gepaart mit
ist jeglicher ­Abfall Nährstoff für etwas einer Grauwasseraufbereitung entsteht ein
Neues. Das destruktive ­Konzept „Müll“ Wasserkreislauf, der der Verschwendung
kennt kein Mensch mehr. Alles besteht sämtlicher involvierter Ressourcen vor­
aus gesunden und geeigneten Materia- beugt. Diese Innovationen und die Partner­
lien. Nutzungsszenarien sind konsequent schaft mit ihren Herstellenden geben dem
durchdacht. Alles zirkuliert in kontinuier- LAB den Charakter eines Reallabors. Es ist
lichen Kreisläufen. ­Technologische, bio- Anreizgeber und Ideenpool. Zu den nächs­
logische und kulturelle Vielfalt ist überall ten geplanten Projekten gehören unter an­
fest verankert. Energie wird ausschließ- derem eine Zinkfassade mit eingebautem
lich regenerativ gewonnen. Arbeitsbe­ Fahrradständer, die perspektivisch begrünt
dingungen sind fair, soziale ­Strukturen und mit einem Grauwasseraufbereitungs­
intakt. Mit der Denkschule und dem system versehen werden soll. Mehr als 40
­Designkonzept von Cradle to Cradle hin- Partnerunternehmen haben die Sanierung
terlassen wir Menschen einen positiven und Ausstattung des LABS unterstützt.
ökologischen Fußabdruck. Das ist die
­Vision von Cradle to Cradle. EINGEBETTET IN EIN
KOMMUNALES C2C-KONZEPT
Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit aus
stoffes aber in ihren Büchern. Nach der Nut­ dem LAB heraus ist die Begleitung von
zungsphase eines Gebäudes für einen be­ Städten und Kommunen, die C2C in ihrer
stimmten Zweck entnehmen sie den Rohstoff Region verankern wollen. Durch ihre Ver­
wieder, recyceln und verarbeiten ihn weiter. waltungsbehörden und angeschlossenen
Der Wert des Rohstoffs geht ebenso wenig staatlichen Institutionen wie städtische
verloren wie der Rohstoff selbst. Vielmehr Baugesellschaften sind Städte und Kommu­
kann die Nutzung ein und desselben Roh­ nen die größten Beschaffer des Landes. Sie
stoffs mehrfach verkauft werden. sind einer der größten Hebel, Cradle to
Cradle in der Fläche einzuführen und somit
VERWENDEN STATT zu einem schonenden Umgang mit Res­
BESITZEN sourcen beizutragen und das von Menschen
Dieser Ansatz findet sich im LAB bereits an gemachte Prinzip Müll abzuschaffen. Beide
anderen Stellen. Die PVC-freien Böden im Probleme sind letztlich eine der Ursachen
LAB bestehen unter anderem aus recycel­ für die Klima- und Umweltprobleme, die
ten Windschutzscheibenfolien. Der Her­ unsere Gesellschaft dringend bewältigen
steller recycelt die Bodenfliesen und stellt muss, um eine lebenswerte Zukunft für
daraus neue her. Sie werden nicht verklebt, Mensch und Umwelt zu sichern.
sondern schwimmend verlegt. C Isabel Gomez ist Kommunikationsreferentin bei Cradle to
Die Spülmaschine im LAB ist vom Her­ Cradle NGO und für die Pressearbeit zuständig. Sie hat
Volkswirtschaftslehre studiert und war anschließend zehn
steller geliehen, der für die Waschgänge be­ Jahre als Wirtschafts- und Finanzjournalistin tätig.

29
Andreas Knie
Interview
Christian Blees

Autolast
statt Autolust
Mit dem im Juni 2018 vom Abgeordnetenhaus verab­
schiedeten Mobilitätsgesetz schreibt der Berliner Senat
Maßnahmen vor, durch welche die Leistungsfähigkeit
des Verkehrssystems in seiner Gesamtheit verbessert
­werden soll. Mit dieser Frage beschäftigt sich der Leiter
der Forschungsgruppe „Digitale Mobilität und gesell­
schaft­liche Differenzierung“ am Wissenschaftszentrum
Berlin für Sozialforschung (WZB) schon seit mehreren
Jahren. Im ­Interview mit der Urania verrät Andreas Knie
unter an­derem, ­warum er die Hauptstadt gerne in die
1960er Jahre zurück­versetzen möchte, Stadtrand­-
bewohner*innen zunehmend von Armut bedroht sind –
und was ­Berlins Autoverkehr aus seiner Sicht mit dem
­Rauchverbot in Restaurants zu tun hat.
30
Inwiefern gehören hat der Verkehr derart viel Reformeifer gebaut
­„digi­tale Mobilität“ und zugenommen, dass bei wurden, wie etwa in Berlin
„gesellschaftliche Diffe- vielen Menschen die die Gropiusstadt oder das
renzierung“ zusammen – Autolust inzwischen zur Märkische Viertel. Sie alle
und woran forschen Autolast mutiert ist. Aber dienten ursprünglich dazu,
Sie genau? es ändern sich Dinge. Weil die Menschen aus den
Wir analysieren zunächst heutzutage praktisch alles, dunklen und schmutzigen
einmal, wie sich unsere was wir tun, ohne Smart­ Innenstädten herauszuho­
Gesellschaft bewegt – und phone kaum noch denkbar len und weiter draußen mit
dies gleich in doppelter erscheint, sprechen wir in reichlich Licht, Luft und
Hinsicht. Bei der soge­ diesem Kontext gerne von Sonne zu versorgen.
nannten sozialen Mobilität digitaler Mobilität. Wir Leisten konnten sich das
geht es um die Frage, wie fragen: Wie wirkt sich seinerzeit eigentlich nur
sich der Einzelne innerhalbdiese „digitale Mächtigkeit“ solche Bürger*innen, die
der Gesellschaft entwi­ auf gesellschaftliche über ein eigenes Auto –
ckelt: Welche Aufstiegs­ Strukturen aus? Lassen und somit über einen
möglichkeiten hat er und sich dadurch soziale gewissen Wohlstand – ver­
was können wir tun, um Ungerechtigkeiten abbau­ fügten. Das hat sich im
hier Chancengleichheit zu en? Oder werden diese Laufe der Jahrzehnte
erreichen? Was in diesem vielleicht sogar eher noch verschoben: In den vergan­
Zusammenhang oft verges­ größer und damit die genen Jahren sind die
sen wird, ist die Rolle derMöglichkeiten des Einzel­ Leute zunehmend an den
verkehrlichen Mobilität: nen, in unserer Gesell­ Stadtrand gezogen, weil
Wie bewegen sich Men­ schaft voranzukommen, das Leben im Zentrum für
schen im wahrsten Sinne geringer? sie zu teuer wurde. Zwar
des Wortes, um gesell­ besitzen viele Bewohner in
schaftliche Chancen Können Sie diese Frage den Großsiedlungen am
überhaupt wahrnehmen zu schon beantworten? Stadtrand nach wie vor ein
können? Wir glauben, dass diese eigenes Auto. Doch ist das
Hypothese in vielerlei inzwischen kein Ausdruck
Früher hieß es: Hinsicht durchaus noch persönlichen Wohlstands
Nur wer sich bewegt, zutrifft – dass aber ausge­ mehr, sondern reine
kommt ­voran … rechnet in solchen Gebie­ Notwendigkeit: Die Betref­
… und zwar am besten mit ten, in denen sich früher fenden arbeiten nicht
dem eigenen Pkw. Das galt sozialer Wohlstand entwi­ selten in systemrelevanten
in den 1960er Jahren ckelte und viele Autos als Berufen – wie etwa als
zunächst im Westen Wohlstandsindikator Krankenschwester oder als
Deutschlands, nach dem galten, mittlerweile ein Servicetechniker –, in
Fall der Mauer auch im verstärktes Armutsrisiko denen sie wegen einer
Osten. Heute ist das anders. erkennbar ist. schlechten ÖPNV-Anbin­
Die wachsende Zahl der dung oder aus Mangel an
Fahrzeuge hat das Voran­ Welche Gebiete sind das? anderen verkehrlichen
kommen immer beschwer­ Vor allem Großsiedlungen Alternativen schlicht auf
licher gemacht. Insgesamt am Stadtrand, die einst mit einen eigenen Pkw ange­
31
Sharing-Fahrzeuge dagegen
blieben erlaubt, ebenso wie
Fahrräder und E-Roller.
Dadurch würde sich die
Lage drastisch ändern: Alle
Autofahrenden wären
aufgerufen, darüber nach­
zudenken, ob sie tatsächlich
einen eigenen Pkw brau­
chen. Im Resultat würden
wir in Berlin vermutlich nur
noch die Hälfte der Autos
haben, aber insgesamt noch
genauso mobil sein und
wiesen sind. Ihre verkehrli­ arbeiten. Zudem stehen hätten gleichzeitig deutlich
che Mobilität, die soge­ ihnen verkehrliche Alter­ mehr Platz gewonnen.
nannte Verkehrsleistung, nativen zur Verfügung.
fällt insofern zwar hoch Auch gesellschaftlich Würden dadurch aber
aus, das persönliche kommen diese Menschen nicht zumindest in der
Einkommen und ihre vergleichsweise besser Anfangsphase vor a ­ llem
beruflichen Aufstiegsmög­ voran als jene, die am Besserverdienende be-
lichkeiten bleiben dagegen Stadtrand leben, weil es in
vorteilt, weil nur sie sich
vergleichsweise gering. Der den Innenstädten heute einen eigenen Stellplatz
Stadtrand könnte zu einer mehr Optionen gibt. und erhöhte Parkgebüh-
gefährlichen Armutsfalle ren leisten können?
werden. Wie könnte man die Das stimmt. Darum müss­
Hauptstadt in ten wir für die Menschen,
Wie ist es um das Ver­ Sachen Verkehr auf den die am Stadtrand wohnen,
hältnis von der ver- richtigen Weg bringen? gleichzeitig Möglichkeiten
kehrlichen zur sozialen Eigentlich wäre es ganz finden, damit sie dorthin
Mobilität bei den Besser- einfach: Wir müssten auf kommen. Das könnten
verdienenden bestellt, den Status quo von vor 1965 beispielsweise autonom
die sich mittlerweile zurückgehen. Bis dahin war fahrende Shuttledienste
­wieder verstärkt in den es schlicht verboten, ein sein, wie zum Beispiel
Innenstädten ansiedeln? Auto auf öffentlichem beim Projekt „Emily“:
Die Vertreter*innen dieser Raum dauerhaft zu parken. Zwischen Dezember 2017
sogenannten urbanen Elite Angesichts der eingetrete­ und April 2018 war auf
besitzen zwar oft ebenfalls nen Situation würden wir dem EUREF-Campus in
ein eigenes Auto, doch folgende Regeln vorschla­ Schöneberg ein fahrerloser
wird das im Alltag eher we­ gen: Zunächst wird das Par­ Shuttlebus im Einsatz. So
nig genutzt – unter ande­ ken verteuert. Anschlie­ etwas würde auch am
rem auch deshalb, weil die ßend wird das Angebot Stadtrand funktionieren:
Betreffenden zumindest ab verknappt. Und zu guter Wenn ich als Kranken­
und an im Homeoffice Letzt wird es verboten. schwester oder -pfleger
32
früh morgens oder spät Gibt es denn aus ande- ge. Aber der klassische
abends zum Schichtdienst ren Großstädten Pilot­ Fließverkehr wird nicht
aufbrechen will, dann projekte, die beweisen, mehr stattfinden. Das wird
drücke ich ganz einfach auf dass derlei radikale Än- zu einer deutlichen Quali­
einen Knopf und der derungen tatsächlich tätsverbesserung führen.
fahrerlose Shuttle holt funktionieren und auch Am Ende werden sich alle
mich an der Haustür ab. von der Bevölkerung an- fragen: Wie haben wir hier
genommen werden? jemals Autos durchfahren
Das klingt geradezu In Wien wurden immer lassen können?
traumhaft. Aber wie rea- mehr Straßen in autofreie
listisch ist die Umsetzung? Zonen umgewandelt, allen Wovon träumen Sie, wenn
Verkehr findet statt und voran die Mariahilfer Sie an den Verkehr in un-
wird von uns in Routinen Straße, eine große, ur­ serer Stadt in zehn oder
abgelegt. Das heißt: Wir sprünglich mehrspurige 20 Jahren denken?
wissen, wo und wann der Einkaufsstraße. Als der Irgendwie fühle ich mich
nächste Bus fährt oder wie Wiener Magistrat bekannt­ dabei an das Rauchverbot
ich am schnellsten mit dem gab, diese nach und nach in in Restaurants erinnert:
Pkw die Stadtautobahn eine Fußgänger- und Alle wussten, dass Rau­
erreiche. Sobald es aber zu Begegnungszone umwan­ chen ungesund ist. Aber
einer nur kleinen Ände­ deln zu wollen, gab es weil es nicht verboten war,
rung kommt – das kann zunächst einen Riesenauf­ wurde weiter geraucht. Als
eine Umleitung sein oder schrei. Daraufhin wurde dann das Rauchverbot
mein plötzlich besetzter das Vorhaben zunächst kam, wurde es über Nacht
Lieblingsparkplatz –heißt temporär begrenzt. Doch sofort von allen akzeptiert.
es sofort: „Oh Schreck, was die Menschen waren schon So stelle ich es mir auch
ist denn jetzt los?“ Denn nach wenigen Wochen total mit den Autos vor: Es muss
niemand möchte seine begeistert. Seitdem ist die gären und irgendwann
Routinen gerne ändern. Straße autofrei geblieben. passiert etwas. Dann
Wenn man aber sieht: Es werden wir alle morgens
gibt zwar jetzt keine In Berlin ist ähnliches wach werden und haben
Pkw-Stellplätze mehr, aber für die Friedrichstraße plötzlich eine völlig andere
ein alternatives Mobilitäts­ geplant … Verkehrslandschaft. Es gibt
angebot, das zudem schnell Unsere Prognose lautet: keine Privatautos mehr
verstanden wird, dann sind Sobald das Pilotprojekt mit und alle sind dennoch hoch
Menschen sehr wohl zu der autofreien Friedrich­ mobil.
Veränderungen bereit. Das straße erst einmal begon­
zeigen unsere Erfahrungen. nen hat, wird der Bereich
C Prof. Dr. Andreas Knie studierte
Allerdings muss diese vom S-Bahnhof Friedrich­ Politikwissenschaften in Marburg und
Schwelle erst einmal straße bis zur Ecke Leipzi­ Berlin, erlangte seine Promotion 1990
und seine Habilitation 1994 an der TU
überwunden werden. ger Straße auf Dauer Berlin. Dort war er ab 1996 als
Professor für Soziologie tätig, bevor er
autofrei bleiben. Taxis von 2006 bis 2018 Geschäftsführer
des Innovationszentrums für Mobilität
werden dort nach wie vor und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ)
fahren können, eventuell GmbH wurde. 2017 wechselte er als
Leiter der Forschungsgruppe
auch Carsharing-Fahrzeu­ „Wissenschaftspolitik“ an das WZB.

33
34
Kreisläufe
schließen
Thomas Klöckner

Wenn das Frühstück aufgegessen ist, bleibt immer etwas


übrig – die leere Milchpackung landet in der Wertstoff­
tonne, das Marmeladenglas wandert in den Glascontainer.
Doch was wird aus den Resten von Äpfeln, Bananen und
Weintrauben? Denen kommt eine besondere Aufgabe zu:
Sie sind Biogut und die BSR macht das Beste daraus.
35
U Die Berliner Stadtreinigung hat zwei Kreisläufe zusammengeführt: Bioabfall wird zu Treibstoff, damit der Hausmüll klimaschonend gesammelt
­werden kann. Die verbleibenden Gärreste aus der Biogasanlage werden kompostiert oder in der Landwirtschaft als Bodenverbesserer eingesetzt.

Bereits Mitte der 1990er Jahre führte die Bioabfall aus Berliner Haushalten - ein Kli­
Berliner Stadtreinigung (BSR) die getrennte maschutzprojekt mit Vorbildcharakter. Die
Sammlung von Bioabfällen in Berlin ein, um Biogasanlage der Berliner Stadtreinigung
den Hausmüll, der damals noch auf Bran­ setzt jährlich rund 70.000 Tonnen Bioabfall
denburger Deponien landete, von organi­ zu Rohbiogas um. Die BSR bereitet das
schen Abfällen zu entlasten. Die Deponien ­Biomethangas auf und speist es ins lokale
für Hausmüll sind übrigens in Deutschland Erdgasnetz ein. Pro Jahr erzeugt die Anlage
seit 2005 geschlossen. Die ersten Vorsor­ knapp 30 Millionen thermische Kilowatt­
tierbehälter für Bioabfall verteilte die Stadt­ stunden (kWhth) Biomethan. Die BSR
reinigung damals innerhalb des dicht besie­ ­betankt mit diesem Gas auf eigens einge­
delten Innenstadtrings, weil Haushalte in richteten Gastankstellen 165 Müllsammel­
diesen Quartieren kaum Möglichkeiten hat­ fahrzeuge. Aus dem in Ruhleben angeliefer­
ten, ihre Bioabfälle selbst zu kompostieren. ten Bioabfall können theoretisch bis zu
Diese brachte die BSR in Brandenburger 21.600 Lkw mit je 90 Kilogramm voll be­
Kompostieranlagen. Im März 2013 nahm die tankt werden. Damit ersetzt die Stadtreini­
BSR dann in Ruhleben eine Vergärungsan­ gung jährlich rund 2,5 Millionen Liter ­Diesel.
lage in Betrieb, mit deren Gas etwa die Hälf­ Zusätzlich zu dieser Vermeidung von
te ihrer rund 330 Müllsammelfahrzeuge Klimagasen fahren die gasbetriebenen Ab­
unterwegs ist. fallsammelfahrzeuge auch erheblich leiser
Die Bioabfallverwertung von reiner und stoßen keinen Feinstaub aus, was wie­
Kompostierung auf die Erzeugung von Bio­ derum die Berliner Luft entlastet. Die ers­
methan umzustellen, war eine Entschei­ ten erdgasbetriebenen Abfallsammelfahr­
dung für mehr Klima- und Ressourcen­ zeuge nahm die BSR bereits Ende der
schutz. Die BSR schließt auf diese Weise 1990-er Jahre in Betrieb.
wichtige Kreisläufe bei der Verwertung von

L Bis auf den letzten Rest – die Siebtrommel trennt Vergärbares von nicht Vergärbarem. Alles, was durch die Löcher fällt, wird vergoren.
Der Rest wird im Müllheizkraftwerk Ruhleben thermisch verwertet.

36
NACHHALTIGKEIT DURCH und sechs Prozent kompostieren selbst. Im
GESCHLOSSENE KREISLÄUFE Ergebnis stieg die Menge an getrennt ge­
Die BSR stellt sicher, dass das, was in der sammeltem Biomüll, der neben der Vergä­
Biotonne landet, sowohl energetisch als rungsanlage dann auch in Kompostierungs­
auch stofflich verwertet wird. Dementspre­ anlagen außerhalb der Stadt verwertet wird,
chend wird bei der Vergärung nicht nur auf von 50.000 Tonnen 2013 auf über 100.000
die Herstellung des Biomethans geachtet, Tonnen 2019.
sondern auch auf die stoffliche Verwertung
der organischen Reste. Das sind immerhin ORGANISCHER ABFALL MIT
jährlich etwa 21.000 Tonnen feste Gärreste, MEHRFACHNUTZEN
die zu Kompost aufbereitet werden, sowie Die Umstellung von Kompostierung auf
etwa 38.000 Tonnen flüssige Gärreste, die Vergärung der Bioabfälle – mit Nutzung des
direkt als Flüssigdünger eingesetzt werden erzeugten Biomethans als Kraftstoff –
können. Landwirte berichten übrigens, bringt viele Vorteile: Im Saldo spart die BSR
dass Pflanzen flüssige Gärreste besser auf­ 149 Kilogramm CO2-Äquivalente je Ge­
nehmen als künstlichen Dünger. wichtstonne Bioabfall, den sie vergärt. Das
entlastet das Klima um 9.000 Tonnen CO2-
HERAUSFORDERUNG Äquivalente pro Jahr.
METROPOLE Wird Biomethan aus Bioabfall herge­
Die Biogasanlage befindet sich 450 Meter stellt, bestehen zudem keine Flächenkon­
von den nächsten Wohngebäuden entfernt. kurrenzen, wie beispielsweise beim Anbau
Die BSR nahm auch deshalb von Beginn an von Mais, der zu Biomethan vergoren wird.
Befürchtungen von Anwohnenden und Um­ Bei Methan aus Bioabfall gibt es eben keine
weltverbänden bei Methanemissionen, Lärm „Tank-Teller-Debatte“, weil der Bioabfall ja
und Gerüchen sehr ernst. So ist – gemessen ohnehin da ist und nicht erst für die Vergä­
an ihren Emissionen – im Jahr 2013 eine der rung angebaut werden muss.
saubersten Anlagen Deutschlands in Betrieb Die Produkte Biomethan und flüssige
gegangen. wie trockene Gärreste können sehr flexibel
Um den Einsatz der Biotonne und die eingesetzt werden: Biomethan kann in allen
ordentliche Trennung des Bioabfalls zu för­ Sektoren und an jedem Ort mit Gasan­
dern, klärt die BSR in Werbekampagnen schluss verwendet werden. Die Gärproduk­
und Informationen für Mieter*innen über te werden in der Landwirtschaft eingesetzt.
das Thema Biosammlung auf. Fremdstoffe Weil die BSR selbst 165 Abfallsammelfahr­
wie Plastiktüten oder andere Gegenstände zeugen mit Biomethan betankt, fährt sie die
gibt es somit erfreulicherweise nur wenige. Hälfte aller Müllsammelkilometer klima­
Seit 2019 gilt in Berlin eine Biotonnenpflicht neutral, ohne dass dafür extra Pflanzen an­
für alle privaten Haushalte. Die BSR hat da­ gebaut werden müssen.
für knapp 20 neue „Biotouren“ eingerichtet.
Das heißt, rund 60 neue Beschäftigte in der
Müllabfuhr eingestellt und 20 neue Fahr­
zeuge angeschafft. Von den knapp zwei Mil­
lionen Wohneinheiten in Berlin sind nun 99
Prozent an eine Bioabfallentsorgung ange­ C Dr. Thomas Klöckner ist einer der Pressesprecher*innen
der BSR. Er hat schon häufig auswärtige Gäste durch die
schlossen: 93 Prozent haben eine Biotonne Biogasanlage in Ruhleben geführt.

37
Wilde
Nachbarn im
­Hinterhof

Sophie Bengelsdorf

Mit über 20.000 Tier- und Pflanzenarten ist Berlin ein


wahrer Hotspot des Artenreichtums. Die neue Internet­
plattform ArtenFinder der Stiftung Naturschutz Berlin soll
nun diese Arten punktgenau erfassen. Dabei kann jeder
seine Beobachtung melden und an der Datenbank mit­
arbeiten, die ein wichtiges Ziel verfolgt: den Naturschutz
in Berlin weiter voranzutreiben.
39
Wenn Susanne Bengsch morgens in den den etwa Verbreitungskarten von bestimm­
Hinterhof ihres Wohnhauses tritt, hat sie ten Arten erstellt, erklärt die Biologin am
dieses süße Gefühl von Anspannung und Beispiel des Haussperlings. „In Berlin ist er
Erwartung im Bauch. Auch ihr kleiner noch gut vertreten, aber in München bei­
Sohn Richard ist kaum zu bremsen und spielsweise fast verschwunden. Wenn wir
stürmt in die hinterste Ecke des Hofes. Hier jetzt Daten sammeln, können wir verlässli­
hängt seit zwei Wochen eine Kamerafalle, che Aussagen über langfristige Entwick­
die mit Infrarottechnik alles aufzeichnet, lungstrends treffen und Schutzmaßnahmen
was sich auf Kniehöhe bewegt. Plötzlich ergreifen.“ Die gesammelten Daten können
taucht im Kameradisplay das Gesicht eines in bereits bestehende Datenbanken integ­
Waschbären auf. Richard quietscht vor Be­ riert werden. „Außerdem bauen wir so ein
geisterung. „Ein alter Bekannter“, kommen­ interdisziplinäres Netzwerk auf aus interes­
tiert Bengsch, die Leiterin der Koordinie­ sierten Laien, Verbänden, Vereinen sowie
rungsstelle Fauna der Stiftung Naturschutz wissenschaftlichen und nichtwissenschaft­
Berlin, das Foto. lichen Institutionen.“
„Jeden Samstag bekommen wir Be­ Wenn die Nacht über Berlin hereinein­
such von diesem Waschbären.“ Aber auch bricht, kommen beim ArtenFinder auch
andere Wildtiere hat die Kamerafalle schon Fledermausdetektoren zum Einsatz. Wie
eingefangen. „Wir haben das Glück, in einer die Wildtierkameras können diese in der
Metropole mit einer Vielzahl von Lebens­ Stiftung Naturschutz Berlin ausgeliehen
räumen und einer Fülle an Arten zu leben. werden. „Fledermäuse brauchen in Berlin
Füchse, Wildschweine und Waschbären unsere besondere Aufmerksamkeit, damit
sind im Berliner Stadtbild keine Seltenheit.“ sie nicht aus der Stadt verschwinden. Ge­
Bisher fehlen allerdings verlässliche Daten bäudesanierungen oder -abrisse gefährden
zu Flora und Fauna im Berliner Raum. Die zunehmend ihren Bestand“, betont Susanne
Online-Plattform ArtenFinderBerlin.de soll Bengsch. Sie und ihr Team setzen bei der
das ändern und setzt dabei auf die Unter­ Sichtung der nachtaktiven Flugsäuger auf
stützung der Bevölkerung. viele freiwillige Naturbegeisterte.
„Oft besitzen Bürgerinnen und Bürger Der bisher exotischste Fund im Rah­
ziemlich erstaunliche Artenkenntnisse“, men des Projektes ArtenFinder wurde vom
stellt Susanne Bengsch fest und lädt alle Müggelsee gemeldet. Hier lebt offenbar ein
dazu ein, jede Wildtierbeobachtung zu mel­ Mink. Leicht zu verwechseln mit einem
den. Wichtig ist dabei der Beleg durch ein Fischotter, handelt es sich bei dem nord­
Foto der gesichteten Spezies, aufgenommen amerikanischen Nerz um eine zugewander­
mit der eigenen Kamera, dem Smartphone te Art. Eine Prüfung durch die Expert*in­
oder Wildtierkameras, wie sie die Stiftung nen der Stiftung Naturschutz konnte den
Naturschutz kostenlos verleiht. Fund tatsächlich bestätigen.
Fünf einfache Schritte – Wildtier ent­ Seinen Ursprung hat das Projekt in
decken, fotografieren/Ton aufnehmen, be­ Rheinland-Pfalz. Dort kann man nach einer
stimmen, erfassen und von Expert*innen fast achtjährigen Laufzeit bereits auf über
bestätigen lassen – sorgen dafür, dass sich 3.500 aktive Nutzer*innen mit mehr als
die Plattform schnell zu einem verlässlichen 541.000 Meldungen verweisen.
Instrument für den Naturschutz entwickeln
C Sophie Bengelsdorf ist Referentin für Öffentlichkeits-
kann. Mit Hilfe der gesammelten Daten wer­ arbeit und Social Media der Stiftung Naturschutz Berlin.

40
Grüne Stadt
im
Klimawandel

Peter Fehrmann

2020 scheint Berlin endlich wieder einmal einen ganz


„normalen“ Sommer zu erleben: Kühlere und wärmere
beziehungsweise trockene und nasse Tage wechseln sich
ab, die große Hitze bleibt weitgehend aus. Dennoch droht
es ungemütlich zu werden – die zurückliegenden Jahre
haben in unterschiedlicher Weise bereits einen Vorge­
schmack auf die Veränderungen und insbesondere auf die
Wetterextreme gegeben, auf die sich die Hauptstadt in
einem sich verändernden Klima einstellen muss.
42
U Auch die vielen grünen Dächer sind ein wichtiger Teil des Berliner Stadtgrüns. Im Sommer verdunstet hier Wasser und kühlt so die Umgebung.
­ udem helfen bewachsene Dächer, bei Starkregen die Kanalisation vor Überflutung zu schützen, indem sie das Wasser zurückhalten. Und ganz
Z
nebenbei sind sie eine wichtige Oase für Insekten und Wohlfühlräume für die Bewohner*innen.

Klimaprojektionen verheißen für die Stadt (CCN), einem Forum für den Erfahrungs­
im ungünstigsten Fall einen Anstieg der austausch zur Bewältigung der Hitzeanpas­
jahresgemittelten Tageshöchsttemperatur sung in Metropolen. Dieser Austausch lie­
um bis zu vier Grad und mehr bis zum Jahr fert Anregungen, Erfahrungen und
2100. Zum Vergleich: Im Verlauf des 20. Fallbeispiele für die eigene Arbeit und zeigt
Jahrhunderts stieg die Durchschnittstem­ Möglichkeiten für eine kritische Selbstre­
peratur in Berlin um „nur“ ein Grad! Die flektion im direkten Vergleich mit anderen
Zahl der heißen Tage (Tagesmaximum ab Städten auf. Dabei zeigt sich beispielsweise,
30°C) würde sich in einem solchen Szenario dass die Umsetzung des Schwammstadt­
bis zur Mitte des Jahrhunderts etwa ver­ prinzips – damit sind das Zurückhalten und
doppeln und bis 2100 auf mehr als 26 Tage Ausnutzen überschüssigen Regenwassers
nahezu verdreifachen. für die Stadtnatur gemeint – einen wesent­
Um gegenüber zukünftigen klimati­ lichen strategischen Ansatz für Metropolen
schen Herausforderungen besser gewapp­ weltweit darstellt.
net zu sein, bedient sich Berlin unter ande­ Mit dem Stadtentwicklungsplan (StEP)
rem seiner inzwischen fünfzehnjährigen Klima hat Berlin bereits vor zehn Jahren die
Mitgliedschaft im Städtenetzwerk C40, ei­ Grundzüge einer klimagerechten und
nem der größten und wichtigsten interna­ ­klimaangepassten Stadtentwicklung skiz­
tionalen Städtenetzwerke im Bereich des ziert. 2016 wurde der Fokus auf die Ent­
Klimaschutzes. Außerdem ist die Haupt­ wicklung einer wassersensiblen und hitze­
stadt seit 2018 im Cool-Cities-Network angepassten Stadt gelegt. Die systematische
43
sungsmaßnahmen finanziell zu fördern. In
Kombi­nation von BEK 2030 und dem Berli­
ner Programm für Nachhaltige Entwicklung
(BENE) bietet Berlin somit ein fast einzig­
artiges Spektrum an Fördermöglichkeiten –
von Maßnahmen zum Schaffen, Erweitern
und Vernetzen von Grünanlagen über Ge­
wässerrenaturierung bis hin zu technischen
Innovationen bei der Pflege des Stadtgrüns.
Ergänzt und erweitert wird diese ­sogenannte
Anpassungsförderung durch zusätzliche
Programme wie etwa „GründachPLUS“ und
„Green Roof Lab“, das­­„Aktionsprogramm
Trinkwasserbrunnen“ oder die Kampagne
„Stadtbaum“.

WIRKSAMER KLIMASCHUTZ
BRAUCHT VORSORGE
Inzwischen haben immer mehr öffentliche
und private Akteure erkannt, dass für einen
wirksamen Klimaschutz auch deutlich mehr
U Berlin hat über 430.000 Straßenbäume. Rund 2.000 Euro kosten ein Vorsorgemaßnahmen nötig sind, um eine
Berliner Straßenbaum und die ersten drei Jahre besonderer Pflege. Mit
einer Baumspende kann man helfen – privat oder als Unternehmen. Metropole wie Berlin an nicht mehr abzu­
D Das gute Berliner Leitungswasser fließt aus 149 Brunnen an wendende Klimaveränderungen anpassen
­ ffentlichen Plätzen – kostenlos und gut gekühlt. Was in vielen warmen
ö
Ländern bereits Usus ist, wissen auch die Berliner*innen zu schätzen. zu können. So werden in dieser Hinsicht
Und es ist zugleich umwelt- und klimafreundlich.
immer mehr Ideen und Projektskizzen dis­
Verknüpfung von Hitze- und Niederschlags­ kutiert – und nach und nach auch umge­
management wurde dabei zu einer zentra­ setzt. Um diesen Prozess zu beschleunigen,
len Leitplanke. Dazu zählen zum Beispiel braucht es allerdings eine noch bessere
­dezentrale Regenwasserbewirtschaftungs­ stadtgesellschaftliche Kommunikation und
systeme, mit deren Hilfe Regenwasser Vernetzung. Mit dem Ziel, den Ausbau
­gespeichert und als Grauwasser in Gebäu­ ­dezentraler Lösungen für die Regenwasser­
den genutzt oder in bepflanzte Bereiche bewirtschaftung zu beschleunigen, hat
eingeleitet werden kann. Das Einleiten von ­Berlin daher im Mai 2018, gemeinsam mit
Regenwasser in künstliche Gewässer und den Berliner Wasserbetrieben, die Berliner
die damit verbundene Verbesserung der Regenwasseragentur gegründet. Diese
bioklimatischen Bedingungen durch Ver­ ­leistet seitdem wichtige Beratungs- und
dunsten ist eine weitere unter vielen denk­ Vernetzungsarbeit und ist unverzichtbarer
baren Nutzungsmöglichkeiten. Multiplikator für Fragen des Regenwasser­
Mit dem 2018 vom Abgeordnetenhaus managements.
beschlossenen Berliner Energie- und Kli­
maschutzprogramm (BEK 2030) wurde zu­
dem eine Grundlage geschaffen, um umfas­ C Peter Fehrmann ist Mitarbeiter in der Abteilung III
(Klimaschutz, Naturschutz und Stadtgrün) der Berliner
sende Klimaschutz- und Klima­a npas- Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

44
Ko
statt
Kuh
Christian Blees

Nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie gewinnt


das Leben auf dem Land für immer mehr Menschen an
Attraktivität: In Zeiten wachsender Verkehrs- und Um­
weltbelastung sowie steigender Mieten kehren vor allem
Familien mit Kindern Großstädten verstärkt den Rücken.
Manche von ihnen erfinden das Landleben sogar
völlig neu – beispielsweise eine Gruppe aus visionären
Architekt*innen, Handwerker*innen und anderen Kreati­
ven, die es von Berlin in die Gemeinde Wiesenburg im
Landkreis Potsdam-Mittelmark zieht.
45
Etwa vor fünf Jahren wurde Frederik nicht unbedingt entscheiden zwischen
­Fischer erstmals so richtig bewusst, was ihn Stadt und Land? „Immerhin existierte
an der deutschen Hauptstadt zunehmend ­damals allein um Berlin herum schon rund
störte: „Immer mehr Lärm und Verkehr in ein Dutzend Coworkingspaces, die Frei­
Verbindung mit einer Architektur, die zu­ schaffende und Firmen zumindest zeitwei­
nehmend das Stadtbild verschandelte“, er­ se in die Provinz lockten.“ Fischer bekam
innert sich der 39-Jährige rückblickend. dadurch den Eindruck, dass es wohl tat­
Wie für viele andere Menschen erschien sächlich eine Option gab für ein „anderes
dem gebürtigen Bayern das Leben in der Leben“: eines, das gute mitmenschliche
Metropole stattdessen vor allem als eine Art ­Beziehungen ebenso ermöglicht wie einen
Notwendigkeit: „Hier sind Arbeit, Bildung, direkten Zugang zur Natur, ein schönes
Kultur und Freunde. Und das alles zusam­ ­Zuhause sowie sinnstiftende Tätigkeiten.
mengenommen, diesen Lebensstil, wollte Nach einer langen, intensiven Pla­
ich eigentlich ungern ablegen – auch, wenn nungsphase nimmt der Traum vom „ande­
ich es in vielen Momenten durchaus gerne ren Leben“ für ihn und rund 60 Gleichge­
getan hätte.“ sinnte jetzt endlich konkrete Formen an: In
Dieses „eigentlich“ löste in Frederik Wiesenburg soll ein sogenanntes KoDorf
­F ischer schließlich einen gedanklichen entstehen – eine durchaus liebevoll ge­
Prozess aus, in dessen Verlauf sich dem stu­ meinte, sprachliche Symbiose der Begriffe
dierten Medienwissenschaftler und Volks­ „Kuhdorf“, „Coworking“ und „Kooperation“.
wirt immer stärker vor allem eine Frage Die neuartige Siedlung soll auf dem Gelän­
aufdrängte: Vielleicht musste er sich gar de eines ehemaligen Sägewerks errichtet
D Das alte Sägewerk wird künftig das Herz der Gemeinschaft im KoDorf von Wiesenburg sein.

46
werden und rund drei Dutzend eher kleine
Wohnhäuser (mit 25 bis 80 Quadratmetern
Fläche) sowie diverse größere Gemein­
schaftsgebäude umfassen. „Dazu gehören
unter anderem Coworkingspaces, Gemein­
schaftsküchen und ein Hofladen, in dem
Landwirte aus der Region ihre Produkte
anbieten können“, erklärt Frederik Fischer.
Er und seine Mitstreiter haben zu diesem
Zweck eine Genossenschaft gegründet, bei
der jedes Mitglied über ein Mitsprache­ Bislang sind laut Fischer 35 der insge­
recht an den gemeinschaftlich zu nutzen­ samt 40 geplanten Wohnhäuser bereits
den Flächen verfügt. Insgesamt handele es ­reserviert, wobei die KoDorf-Einheiten auch
sich um eine „bunte Mischung“, erzählt der für Durchschnittsverdiener erschwinglich
KoDorf-Initiator, „deren Großteil aus seien: „Weil wir eine Genossenschaft sind,
­jungen Familien mit Kindern besteht.“ Von können wir auch Menschen einbeziehen,
diesen stammen fast alle aus Berlin, die über wenig Eigenkapital verfügen. Und
­„ außerdem zwei der zukünftigen KoDorf- wer nach ein paar Jahren nicht mehr über­
Bewohner direkt aus Wiesenburg und zwei zeugt ist oder durch bestimmte Umstände
weitere kommen aus München.“ zum Umzug gezwungen wird, kann aus der
Wenn alles glatt geht, soll das KoDorf Genossenschaft austreten und sein Glück an
in Wiesenburg im Sommer 2022 bezugs­ einem anderen Ort suchen.“
fertig sein. Die Bewilligung des Bebau­ Von der Infrastruktur her werde das
ungsplans stehe jedenfalls kurz bevor, sagt KoDorf zwar nicht ganz mit Berlin mithal­
­Fischer. Gleichzeitig betont er, dass das von ten können, räumt Frederik Fischer ein,
ihm erdachte Konzept „weit über die Trend­ doch stünden die wesentlichen Dinge des
themen Coworking und Coliving hinaus“ modernen Lebens rechtzeitig zur Verfü­
gehe: „Durch die Mischung aus privatem gung – nicht zuletzt modernes Breitband­
Rückzugsort im eigenen Haus und niedrig­ internet. Schon jetzt vorhanden ist eine
schwelligem Zugang zur Gemeinschaft ­(zumindest geografisch) optimale Bahnan­
bleibt es den Genossenschaftsmitgliedern bindung: Bis zum Bahnhof Wiesenberg,
selbst überlassen, wie sie ihre Zeit auf dem von dem aus derzeit stündlich ein Regional­
Land nutzen wollen. Konzentriertes Arbei­ express nach und von Berlin verkehrt, sind
ten ist im eigenen Garten ebenso möglich es nur wenige Minuten Fußweg.
wie im Coworkingspace. K ­ ochen kann man
am eigenen Herd oder gemeinsam mit an­ C DO, 8.10.2020, 19:30 Uhr
deren in der Gemeinschaftsküche. Dadurch Kuhdorf! KoDorf! Neues Leben und
wird Gemeinschaft immer nur zur Mög­ ­Arbeiten auf dem Land
lichkeit, nie zum Zwang.“ Last but not least Vortrag und Gespräch mit Frederik ­Fischer
solle so umweltgerecht beziehungsweise
-effizient gebaut werden wie möglich – un­
C Frederik Fischer ist Mitgründer des KoDorfs, Initiator des
ter anderem durch begrünte Dächer und Summer of Pioneers und Berater für Transformationspro-
eine eigene Wärme- und Energieversor­ zesse im ländlichen Raum. Er hat Medienwissenschaft und
Volkswirtschaft in Hannover, Aarhus, Amsterdam, London
gung. und Washington studiert.

47
Nutzungsdruck
contra
Artenvielfalt
Thomas Borsch

Interview
Christian Blees

Mit rund 20.000 lebenden Pflanzenarten auf 43 Hektar


Fläche sind der zur Freien Universität gehörende Bota­
nische Garten und das Botanische Museum (BGBM)
deutschlandweit die größte Einrichtung ihrer Art. Der seit
2008 amtierende BGBM-Direktor Thomas Borsch und
seine rund 200 Mitarbeiter*innen sammeln und hüten das
„grüne Erbe der Menschheit“. Dabei sind sie mit derselben
Leidenschaft am Werk wie einst Alexander von Humboldt –
und bewahren zum Beispiel mit der Wiederansiedlung der
Duft-Skabiose eine Pflanzenart vor dem Aussterben, die zu
Humboldts Zeiten im Tiergarten noch häufig war.
48
In seinen „Botanischen
Studien“ schrieb Johann
Wolfgang von Goethe
einst: „Seit einigen Jah-
ren verschwinden Pflan-
zen aus der Gegend, wo
ich wohne, die sonst häu-
fig da waren.“ Wenn Sie
den Blick über die Zäune
des Botanischen Gartens
hinaus richten: Wie sehr
hat die biologische Viel-
falt seit Goethes Zeiten
speziell bei uns in Berlin
gelitten?
Da muss man differenzie­
ren – und zwar zwischen
Berlin als Stadt und dem
Umland. Klar: In früheren das direkte Umland. So Die Stadt Berlin wirbt
Zeiten gab es mehr biologi­ sind Pflanzen, die auf – seit neuestem auch
sche Vielfalt. Das zeigen früher artenreichen Wie­ verstärkt im Tourismus­
bereits die Roten Listen mit sen gedeihen, durch eine marketing – immer ­wieder
den bedrohten Arten. intensivere landwirtschaft­ mit ihren zahlreichen
Demnach ist gut ein Drittel liche Nutzung und andere Grünflächen. Sind d ­ iese
der Pflanzenarten hierzu­ Umweltveränderungen quasi automatisch
lande gefährdet, auch in stark zurückgegangen. In ­gleichzusetzen mit bio­
Berlin. Meistens handelt es Berlin gibt es diesen logischer Vielfalt?
sich dabei um Organismen, „Nutzungsdruck“ durch die Wenn man die Land­
die an anspruchsvollen, Landwirtschaft nicht, aber schaftsparks mit dazurech­
also nährstoffarmen in Brandenburg ist das ein net, bis hin zur Glienicker
Standorten vorkommen, großes Problem. Unsere Brücke, dann könnte man
wie etwa Trockenrasen, Erhebungen zeigen, dass durchaus sagen: Die Stadt
Feuchtgebiete oder Moore. dort beispielsweise der verfügt über artenreiche
Was man jedoch nicht Bestand des Breitblättrigen Areale, in denen der
vergessen darf, sind Knabenkrauts – eine Naturschutz eine große
sogenannte mittelhäufige einheimische Orchideen­ Rolle spielt, wo es auch
Pflanzen, deren Populatio­ art, die auf Feuchtwiesen vielfältige Insektenwelten
nen in den vergangenen vorkommt – durch Grund­ gibt. Dabei existieren
Jahrzehnten sehr stark wasserabsenkung, Wiesen­ einzelne, regelrechte
nachgelassen haben und umbruch und Aufdüngung Biodiversitäts-Hotspots,
die dadurch immer seltener alleine in den letzten 20 wie etwa die Lichterfelder
werden. Das wiederum Jahren auf ein Drittel Weidelandschaft. Die Frage
betrifft weniger Berlin als zurückgegangen ist. Das ist ist nur: Werden derlei
Großstadt, sondern mehr katastrophal. Biotope auf Dauer erhalten
49
– oder irgendwann viel­ städtische Mikroklima Berlin hat enorme Poten­
leicht doch irgendeiner zweifellos sehr wichtig sind. ziale. So gibt es bereits
Bebauung geopfert? Auch Aber man muss auch einen digitalen Umweltat­
der Botanische Garten schauen: Sind dort, wo las mit einer flächende­
weist eine hohe Diversität etwas wächst, auch stand­ ckenden Biotoptypenkarte
nicht nur an Pflanzen, orttypische Pflanzen als Planungsgrundlage und
sondern auch an Insekten vorhanden? Es genügt auch sehr viel Offenheit
auf – allein 160 verschiede­
ne Wildbienenarten!
„Berlin besitzt an vielen Orten natur­
Wie steht Berlin in Sachen
biologischer Vielfalt denn
nahe Lebensräume und zeichnet sich
im Vergleich zu anderen dadurch gegenüber anderen Metro­
Großstädten da?
Ein genereller Vergleich ist
polen aus. Durch die zunehmende
sehr schwierig, weil die Verdichtung – die wachsende Stadt
Struktur der einzelnen
Städte so unterschiedlich
– steigt der Druck auf die Natur auch
ist. Berlin besitzt an vielen in Berlin.“
Orten naturnahe Lebens­
räume und zeichnet sich nämlich nicht, zu sagen: gegenüber Natur- und
dadurch gegenüber ande­ „Wir mähen aus Natur­ Umweltthemen in der
ren Metropolen aus. Durch schutzgründen den Rasen Bevölkerung – aber wir
die zunehmende Verdich­ in unserer Grünanlage müssen noch genauer
tung – die wachsende Stadt nicht mehr.“ Denn wenn Sie hinschauen, wo welche
– steigt der Druck auf die das mit gezüchteten Arten vorkommen und
Natur auch in Berlin. Grassorten machen, die überlegen, was diese zum
Neben dem direkten einen dichten Grasteppich Leben brauchen, und das in
Verlust an Lebensräumen bieten, dann mag es Entscheidungen einbezie­
durch Bebauung wirken zunächst schön klingen, hen. Dazu braucht es die
sich Faktoren wie Nähr­ das Gras hochwachsen zu Mitwirkung der gesamten
stoffeinträge und Grund­ lassen. Aber das hat lange Gesellschaft.
wasserabsenkung auf die nicht den gleichen Effekt
Artenvielfalt aus. wie ein Trockenrasen mit Beschränkt sich die
den dafür typischen Arten ­Tätigkeit des Botanischen
Was könnte man denn – viele der selteneren Gartens darauf, Pflanzen
in Berlin tun, um wirklich Wildbienenarten sind auf aus aller Welt zusammen-
Vorreiter für Natur in der solche Lebensräume zutragen, zu dokumen-
Stadt zu sein? angewiesen. Es geht ja tieren, zu erforschen und
Wichtig wäre vor allem, die darum, die Vielfalt aller auf dem eigenen Gelän-
Qualität der Biodiversität Arten zu erhalten. Mit de zu präsentieren? Oder
zu fördern. Das ist mehr, als Qualität meine ich die leisten Sie darüber hinaus
lediglich Straßenbäume zu Artenausstattung und den auch einen Beitrag zur
erhalten – die für das Zustand der Lebensräume. Erweiterung der biologi-
50
schen Vielfalt an anderen
Orten unserer Stadt?
Im Rahmen verschiedener
Projekte verknüpfen wir
Forschung mit konkreten
Artenschutzmaßnahmen.
Um ein Beispiel zu nennen:
Eine in Berlin gefährdete
Pflanzenart ist die Duftska­
biose, Scabiosa canescens.
Diese Art kommt auf
Sandtrockenrasen vor,
Anfang des 19. Jahrhun­
derts unter anderem auch
im Tiergarten. Dort ist sie
inzwischen längst ausge­
storben, und auch bundes­
weit existiert sie kaum
noch. Das letzte Vorkom­
men in Berlin beschränkt
sich auf wenige und kaum
blühende Rosetten in den
Baumbergen, einem von
einer Binnendüne domi­
nierten Naturschutzgebiet
im Ortsteil Heiligensee.
Im Rahmen eines durch
das Bundesprogramm
U Von der Aufzucht der Duftskabiose bis zur Wiederansiedlung im freien Gelände – die Mitarbei-
„Biologische Vielfalt“ ter des Botanischen Gartens bewahren das heimische Vorkommen dieser Art vor dem Aussterben.

geförderten Projekts haben


wir die genetische Diversi­ de und der Stiftung Natur­ diversität in unserer Stadt
tät der noch vorhandenen schutz Berlin haben wird zu fördern? Unter an-
Populationen der Duftska­ dann im Jahr 2015 zu­ derem gibt es in B ­ erlin
biose bundesweit unter­ nächst 1.923 Jungpflanzen, immerhin fast 70.000
sucht und Saatgut gesam­ 2019 dann weitere 364 Kleingärten, die rund drei
melt. Dadurch konnten wir Jungpflanzen von Scabiosa Prozent der Fläche aus-
herausfinden, welches canescens in der Nähe des machen …
Saatgut für Wiederansied­ Restvorkommens ange­ Naturnahe Kleingärten sind
lungsmaßnahmen geeignet pflanzt. Dadurch ist es uns sehr wichtig, aber nur ein
ist, und haben daraufhin gelungen, das Vorkommen Teil der in Berlin heimi­
im Botanischen Garten der Art zu sichern. schen Arten kommt dort
Pflanzen angezogen. In vor. Wir müssen uns daher
Zusammenarbeit mit der Was können Einzelne immer wieder fragen:
Oberen Naturschutzbehör­ dazu beitragen, die Bio- Welche Arten müssen wir
51
erhalten und wie sehen Kann das sogenannte
deren Lebensräume aus? Urban Gardening, das in „Was wir
Um biologische Vielfalt zu
erhalten und zu schaffen,
den vergangenen Jahren
sehr in Mode gekommen
­brauchen, ist
genügt es nicht, schöne, ist, dazu einen Beitrag eine biologische
bunte Blumen anzupflan­
zen. Frei nach dem Motto
leisten?
Ja, das ist in diesem Zu­
Alphabetisierung:
„Wir tun etwas gegen das sammenhang ein ganz Wir müssen
Bienensterben“ werden im zentrales Thema. So sind
Baumarkt oft alle mögli­ wir zurzeit damit beschäf­
­dafür sorgen,
chen Saatguttütchen tigt, im Botanischen Garten dass die
angeboten, die in Sachen einen Nutzpflanzengarten
Biodiversität meist nicht wieder aufleben zu lassen
­Menschen mehr
viel bringen – und oft leiderund neu zu gestalten, den ­Wissen über die
noch invasive Pflanzen es bei uns früher schon
enthalten, die einheimi­ einmal gab. Denn die
Natur erhalten.“
schen Arten verdrängen. Ernährung der Stadtbevöl­
Kleingärten haben aber kerung hat einen massiven
noch eine andere Bedeu­ Einfluss auf die Biodiversi­
tung für die Biodiversität: tät: Berlinerinnen und
Dort werden Nutzpflanzen, Berliner konsumieren
oft auch seltene regionale Nahrungsmittel, die auf
Sorten, angebaut und damit dem Land angebaut wer­
erhalten. den. Wir müssen verdeutli­
chen, dass unsere Ernäh­
Was würden Sie sich in rung ohne Pflanzenvielfalt
Sachen Biodiversität nicht funktioniert. Aber
noch wünschen? letztlich muss uns allen klar
Was wir brauchen, ist eine sein: Als Verbraucher
biologische Alphabetisie­ tragen wir zu den Verlusten
rung: Wir müssen dafür an Biodiversität in land­
sorgen, dass die Menschen schaftlichen Gebieten
mehr Wissen über die Natur unmittelbar mit bei. Nur,
erhalten. Das heißt auch: wenn wir unser Konsum­
Wissen über Arten. Natur verhalten in der Masse in
ist nicht austauschbar. Die Richtung Nachhaltigkeit
Menschen müssen verste­ verändern, lässt sich C Prof. Dr. Thomas Borsch arbeitete
nach seiner Promotion am zur
hen, dass es nicht nur um letztlich auch der Verlust an Universität Bonn gehörenden
bunte Blüten geht, sondern Biodiversität aufhalten. Nees-Institut für Biodiversität der
Pflanzen. Seit 2007 ist er Sachver-
um bestimmte Pflanzenar­ ständiger der Kommission für Botanik
an der Akademie der Wissenschaften
ten in spezifischen Lebens­ und der Literatur in Mainz. Im selben
Jahr erfolgte der Ruf an die Carl von
raumtypen, so dass letztlich Ossietzky Universität Oldenburg und
eine Vielfalt auch für die Berufung als Leiter des dortigen
Botanischen Gartens, bevor er 2008
Insekten entsteht. in seine aktuelle Position wechselte.

52
Stadtökologie
gibt es nicht
umsonst

Christiane Heiß

Berlin erneuert seine öffentliche Infrastruktur. Dabei ist


die wachsende Bevölkerung mindestens so eine treibende
Kraft wie der Klimaschutz und die Anpassung der Stadt
an sich wandelnde Umweltverhältnisse. Je dichter die
Stadt bebaut wird, desto mehr besinnen wir uns wieder auf
­unsere Abhängigkeit von guter Luft, Grünflächen und
nächtlicher Stille.
53
U Neuer Blumenschmuck für den Gutspark Marienfelde. Die Auszubildenden des Fachbereichs Grünflächen kümmern sich darum.

Die „grüne“ und „blaue“ Infrastruktur ist als gische und soziale Qualität des Stadtgrüns
Quelle von Lebensqualität Stadtgespräch als auch die Pflegerückstände durch die öf­
und gilt als genauso wichtiger Standortfak­ fentliche Armut des letzten Jahrzehnts.
tor wie die Architektur. Die Stadtnatur in Schöne Gesamtkunstwerke aus Archi­
Parks, Straßen und an Gewässern soll uns tektur und Stadtgrün sind zum Beispiel die
Erholung verschaffen, den Stress nehmen Ceciliengärten oder der Viktoria-Luise-
und ein Refugium für selten gewordene Platz. Sie zeigen, welches fachliche Niveau
Tiere und Pflanzen sein. Der Bauboom in mit entsprechendem Aufwand geht und für
der wachsenden Stadt lenkt aber auch den die öffentlichen Räume insgesamt gelten
öffentlichen Blick auf bisher vernachlässig­ sollte. Aber die meisten Parks waren über
te Flächen und die Einbindung von Natur­ Jahre vor allem sich selbst und der Natur
schutz in die Gestaltung aller öffentlichen überlassen. Besonders die Teiche und Pfuh­
Freiräume. Multifunktionalität und mehr le haben unter Laub, Müll und Überdün­
Grünpflege weisen uns den Weg zu einer gung durch Entenfutter gelitten. Deshalb
schönen, nützlichen und nachhaltigen haben wir bei den Teichen angefangen.
Stadtnatur. Mit einem Investitionsvolumen von ca.
Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg 1.280.000 Euro fördert das Berliner Pro­
spiegelt mit seinen 275 Hektar Grünanla­ gramm für Nachhaltige Entwicklung
gen, 62 Hektar Straßenbegleitgrün und (BENE) die Sanierung des Tempelhofer
rund 63.000 Bäumen sowohl das Engage­ Grünzuges Bosepark, Lehnepark, Alter
ment des Grünflächenamtes um die ökolo­ Park und Franckepark. Neben einer Verjün­
54
gung der Gehölze und barrierefreien Wegen vor allem auf die Verkehrssicherheit und
war die Sanierung des Naturdenkmals anspruchsloses Grün, das mit möglichst
Franketeich ein zentrales Ziel des Natur­ wenig Aufwand kurzgehalten wurde. Diese
schutzes. Flächen sind aber auch ökologisch wichtige
Der Blümelteich im historischen Gar­ Biotopverbindungen und Rückzugsorte für
tendenkmal Volkspark Mariendorf dient vor Kleintiere und Insekten. Gerade Mittelstrei­
allem als Regattastrecke für Modellboote, fen werden nur von wenig Menschen betre­
hat aber auch einen naturnahen Bereich mit ten und bieten Platz für Insekten, Gräser
Ufervegetation, der die Wasserqualität er­ und Wildstauden. Zurzeit erproben wir des­
hält. Die Sanierungsarbeiten am Teich und halb neue Pflegeschnitte, die nur am Fahr­
im Umfeld dauerten über ein Jahr mit einer bahnrand einen Streifen von ca. 0,5 Meter
Investitionssumme von rund 2,5 Millionen kurzhalten und die Pflanzen in der Mitte der
Euro. Ca. 5.000 Tonnen Faulschlamm wur­ Fläche stehen lassen. Auf weiteren vier
den ausgebaggert. Das Gewässer und die Testflächen (Nelly-Sachs-Park, Alarich­
Teichsohle wurden saniert und die Gewäs­ platz, Friedhof an der Eythstraße, Park am
serökologie durch neue Uferpflanzen ver­ Hundsteinweg) haben wir letztes Jahr
bessert. Die Treppenanlage am Ostufer Wildblumenwiesen angelegt. Die Verbin­
wurde denkmalgerecht saniert und die dung von Gestaltung für Insekten mit Um­
Uferwege barrierefrei erneuert. Ein neuer weltbildung im Stadtraum erproben wir
Tiefbrunnen gewährleistet die Wasserver­ auch im Rahmen des Projekts „Mehr Bienen
sorgung des Blümelteichs auch in trocke­ für Berlin – Berlin blüht auf !“ Um möglichst
nen Sommern. Davon profitieren auch die alle Wildbienenarten zu fördern, wurde
benachbarten naturbelassenen Pfuhle. ­e igens für dieses Projekt ein regional
­z ertifiziertes Saatgut entwickelt, deren
PFLEGEBUDGET PRO BAUM ­A rten­z usammensetzung explizit auf die
VERDOPPELT Nahrungsspezialisten unter den Wild­
Klimawandel und schlechte Standortbedin­ bienen abgestimmt ist.
gungen setzen den rund 36.000 Straßen­
bäumen immer mehr zu. Der Senat hat da­
her das Pflegebudget pro Baum verdoppelt
und investiert mit der Stadtbaumkampagne
in die natürliche Kühlwirkung der Bäume.
Allein im Jahr 2020 kann der Bezirk 600
Bäume neu pflanzen.
Während sich in den Gründerzeitvier­
teln die Baumscheiben durch ehrenamtli­
che Pflege, mit Blumen und allerlei Boden­
deckern zu Kleinkunstwerken entwickeln,
verharrt das Straßenbegleitgrün noch weit­
hin ungezähmt. Die Gestaltung von Ver­
kehrsinseln und Mittelstreifen bleibt eine
Herausforderung. Bei einem Pflegebudget
von 73 Cent pro Quadratmeter und Jahr C Christiane Heiß ist Bezirksstadträtin für Bürgerdienste,
Ordnungsamt, Straßen- und Grünflächenamt im Bezirk
richtete sich das fachliche Interesse lange Tempelhof-Schöneberg.
55
Komm,
wir retten
Essen!

Wenke Heuts

Theresa Keller

Jedes Jahr landen in Deutschland 18 Millionen Tonnen


Lebensmittel im Müll – über die Hälfte davon wäre noch
einwandfrei genießbar. Diese Lebensmittelverschwen­
dung belastet unser Klima und unsere Umwelt enorm.
Der gemeinnützige Berliner Verein „Restlos Glücklich“
setzt sich dafür ein, dass Menschen ihre Lebensmittel
wieder mehr wertschätzen.
57
2014 taten sich zwei Berlinerinnen mit dem damit eine Lastwagenkarawane von Berlin
Ziel zusammen, Lebensmitteln zu mehr bis nach Kapstadt befüllen könnte. Jahr für
Wertschätzung zu verhelfen. Inspiriert von Jahr. Die Verschwendung von Lebensmit­
einem dänischen Restaurant, das mit über­ teln zieht sich dabei durch die gesamte
schüssigen Lebensmitteln kocht, gründeten Wertschöpfungskette: 55 Prozent entstehen
Anette Keuchel und L ­ eonie Beckmann, ge­ in der Landwirtschaft, bei der Weiterver­
meinsam mit vielen ­ehrenamtlichen Hel­ arbeitung, beim Transport und im Groß-
fer*innen, ein Jahr später „Restlos Glück­ und Einzelhandel. Ist die Kartoffel zu klein
lich“ – das erste Lokal Deutschlands, in dem oder die Karotte krumm, bleibt sie direkt
mit aussortierten Lebensmitteln gekocht auf dem Feld liegen und wird gar nicht erst
wurde. geerntet. Wird ein Apfel beim Transport be­
Das kleine Restaurant in Neukölln gibt schädigt oder welkt der Salat im Regal, wer­
es heute nicht mehr. Doch der Verein ist ak­ den auch sie aussortiert. Die Märkte verlan­
tiver denn je. Noch immer klappern die Töp­ gen Perfektion, die ästhetischen Ansprüche
fe, brutzelt es in den Pfannen. Noch immer sind hoch.
werden mehrmals wöchentlich Lebensmittel Die restlichen 45 Prozent der Lebens­
wie krummes Gemüse, Brot vom Vortag oder mittel wandern in der Gastronomie und in
falsch etikettierte Ware von kooperierenden privaten Haushalten in die Tonne (Quelle:
Supermärkten gerettet und zu extravaganten WWF-Studie „Das große Wegschmeißen“,
Menüs verarbeitet. Optisch wie kulinarisch 2015). Ungefähr jedes vierte Lebensmittel,
– das Auge isst mit. Allerdings landen die
Menüs heute nicht mehr auf den Tellern und
in den Mägen der zahlenden Kundschaft: In „Was vielen dabei nicht
den vergangenen Jahren hat sich der Verein
zunehmend auf Bildungsarbeit für Kinder
­bewusst ist: Auch wertvolle,
und Erwachsene fokussiert. Angeboten wer­ teils limitierte Ressourcen
den nun Koch- und Bildungsworkshops,
Team-Events, Mitmachaktionen und
wie Ackerfläche oder
­Vorträge zu den Themen Lebensmittelwert­ ­Wasser werden mit jedem
schätzung und klimaverträgliche Ernäh­
rung. Das ambitionierte Ziel: gesunde,
weggeworfenen Nahrungs­
­klimafreundliche Ernährung aus der Öko- mittel verschwendet.“
Nische herauszuholen und zu einem neuen
Standard unserer Esskultur zu etablieren.
Lebensmittelwertschätzung soll Main­ das wir kaufen, wird von uns nach Hause
stream werden – doch bis es so weit ist, ist getragen, im (Kühl-)Schrank verstaut – und
es noch ein weiter Weg. nach einigen Tagen oder Wochen im Müll
entsorgt: weil das Mindesthaltbarkeits­
ZACK UND WEG … datum überschritten wurde oder die Ware
Weltweit landen jedes Jahr 1,3 Milliarden verdorben ist (84 Prozent), wir mal wieder
Tonnen Nahrungsmittel im Müll. Das Para­ zu viel gekauft haben (25 Prozent), die
doxe: ein Drittel davon wäre noch einwand­ ­Packung zu groß war (19 Prozent) oder das
frei genießbar. In Deutschland sind es 18 Produkt nicht geschmeckt hat (16 Prozent).
Millionen Tonnen. Das ist so viel, dass man Wohlstand macht verschwenderisch.
58
U „Restlos Glücklich“ im Haus der Statistik in Berlin-Mitte beim Kiez-Kochworkshop „Zusammen ist man besser“.

Was vielen dabei nicht bewusst ist: Es KLIMA RETTEN


sind nicht nur die Lebensmittel, die im Müll SCHMECKT!
landen. Oder das Geld, das wir dafür bezahlt Wir können Bäume pflanzen, bewusster
haben und genauso gut aus dem Fenster konsumieren, auf energiesparende Elektro­
­hätten werfen – oder besser: einem guten geräte umsteigen oder zu Ökostrom wech­
Zweck hätten zuführen können. Auch wert­ seln. Aber auch: fürs Klima essen.
volle, teils limitierte Ressourcen wie Acker­ Hier in Deutschland ist unsere Ernäh­
fläche oder Wasser werden mit jedem weg­ rung für rund 17 Prozent der gesamten
geworfenen Nahrungsmittel verschwendet. Treibhausgasemissionen verantwortlich.
Mal mehr, mal weniger: In einem Kilo Rind­ Das ist eine ganze Menge. Die gute Nach­
fleisch stecken 15.000 Liter Wasser, in einem richt: Selbst kleine Veränderungen unserer
Kilo Brot dagegen 1.500 Liter – und in einem Essgewohnheiten haben eine große Wir­
Kilo Äpfel nur 750 Liter. kung auf das Klima. Wenn wir öfter zu kli­
Alle Lebensmittel müssen produziert mafreundlichen Alternativen greifen und
und transportiert, oft weiterverarbeitet, ge­ nachhaltiger und effektiver mit unseren Le­
kühlt, verpackt und gelagert werden. Dabei bensmitteln umgehen, lohnt sich das nicht
werden Treibhausgase freigesetzt. Umsonst, nur finanziell – auch unsere CO2-Bilanz
wenn die Lebensmittel am Ende im Müll lässt sich dadurch stark verbessern.
landen. 3,6 Gigatonnen CO2 werden welt­ Wer beim Einkauf zu regionalen Pro­
weit durch Lebensmittelverschwendung dukten – also statt zur Avocado lieber zur
verursacht. Die Treibhausgase führen dazu, Roten Bete – greift, kann viel bewirken. Der
dass unsere Erde immer wärmer wird und Vorteil regionaler Produkte: Die Transport­
wir dringend handeln müssen. wege sind kurz, das spart eine Menge CO2.
59
Auch Obst und Gemüse der Saison spielen Der Verein „Restlos Glücklich“ ver­
eine wichtige Rolle: Durch den Wegfall von sucht, durch motivierende Aufklärungs­
Lagerung und Beheizung wird sehr viel we­ arbeit und niedrigschwellige, kurzweilige
niger CO2 erzeugt und Wasser verbraucht. Aktionen möglichst viele Menschen zu
Auch pflanzliche Produkte sind gut fürs Kli­ ­erreichen, zum Mit- und Umdenken anzu­
ma – je frischer und weniger verarbeitet, regen und positive Impulse zu setzen. Mit
desto besser. wachsendem Erfolg: In den vergangenen
fünf Jahren konnten so über 35.000 Men­
BIS AUF DEN LETZTEN schen zu Lebensmittelretter*innen ausge­
KRÜMEL bildet und insgesamt ca. 49 Tonnen Lebens­
Im Februar 2019 verkündete CDU-Land­ mittel vor dem Müll gerettet werden.
wirtschaftsministerin Julia Klöckner die Im Sommer 2020 starten gleich zwei
„Nationale Strategie gegen die Verschwen­ neue Projekte: Das Bildungsprojekt „Bis auf
dung von Lebensmitteln“. Das Ziel: Essens­ den letzten Krümel“ soll Kitas bei der Um­
abfälle bis 2030 zu halbieren. Klöckner setzt setzung des Berliner Bildungsprogramms
dabei auf Freiwilligkeit – in der Landwirt­ unterstützen und die Vorschulkinder für
schaft, der Industrie, im Handel. Doch Lebensmittelwertschätzung und Abfallver­
reicht das aus? Kann es ohne verbindliche meidung begeistern. Mit dem „Restlos Rad“
Vorschriften und Gesetze zu einem Umden­ – einer mobilen Fahrradküche – tourt der
ken in Unternehmen und in privaten Haus­ Verein durch die Stadt. Es wird gemeinsam
halten kommen? gekocht und gegessen und obendrein kurz­

U School Lunch – in diesem Bildungsprojekt werden Berliner ­Schüler*innen zu Lebensmittelretter*innen ausgebildet.

60
CO 2- Fu abdruck der Tomate
Lebensmittel im Vergleich wie viele
im Vergleich
Treibhausgase stecken in 1 Kilo Essen?
Lebensmittel im Vergleich wie viele
Die angegebenen Zahlen beziehen sich auf die
Treibhausgase
Lebensmittel stecken
im pro 1in
Vergleich
freigesetzten Treibhausgase 1 Lebensmittel.
Kilo Kilo
wie Essen?
viele
Treibhausgase stecken in 1 Kilo Essen?
Die angegebenen Zahlen beziehen sich auf die
freigesetzten Treibhausgase pro 1 Kilo Lebensmittel.
Die angegebenen Zahlen beziehen sich auf die
Butter: 18.000g CO
freigesetzten Treibhausgase pro 1 Kilo Lebensmittel.
2
Rind: 16.900g CO 2
Butter: 18.000g CO 2
Rind: 16.900g CO 2
Butter: 18.000 g CO
Käse: 9.200 g CO
2
2
Rind: 16.900g CO 2

Käse: 9.200 g CO 2
Reis: 6.200 g CO 2 *Hˊ¾JHO 5.200 g CO 2

Käse: 9.200 g CO 2 Reis: 6.200 g CO 2 *Hˊ¾JHO 5.200 g CO 2

Reis: 6.200 g CO 2 *Hˊ¾JHO 5.200 g CO 2

Obst:800 g CO2
DX¡HU=LWUXVIU¾FKWH Kartoffeln: 500 g CO 2

Obst:800 g CO2
DX¡HU=LWUXVIU¾FKWH Kartoffeln: 500 g CO 2

Obst:800 g CO2
Kartoffeln: 500 g CO
DX¡HU=LWUXVIU¾FKWH 2

Je größer die Tomate, desto


größer ist ihr CO2-Fußabdruck.

weiliger Input zu abfallreduzierter Ernäh- aus Gewohnheit oder Unwissen im Biomüll


rung serviert. Auch die Online-Workshops landet, ist lecker und gesund und kann zu
und -Kochkurse sollen ausgebaut und inter- ganz außergewöhnlichen Gerichten weiter-
national angeboten werden. verarbeitet werden: Möhrenschalen-Chips
Ganz ohne erhobenen Zeigefinger – da- oder Blumenkohlblätter-Suppe, Bananen-
für mit einer großen Portion Spaß und Kre- schalen-Pancakes oder Melonenschalen-
ativität – vermittelt der Verein hilfreiche Chutney. Die passenden Rezepte verrät
Tipps, um Lebensmittelverschwendung zu „Restlos Glücklich“ auf seiner Homepage.
minimieren. Zum Beispiel: den eigenen
­Sinnen wieder mehr zu vertrauen als einem
Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Sprich:
gucken, riechen, probieren. Joghurt bei-
spielsweise kann ungeöffnet bis zu mehrere
Wochen nach Ablauf des MHD verzehrt wer-
den, Käse viele Tage. Vorausgesetzt, die
­Lebensmittel wurden direkt nach dem Kauf
im Kühlschrank aufbewahrt. Nudeln oder
Reis können sogar mehrere Jahre länger hal-
C Wenke Heuts und Theresa Keller arbeiten in der
ten als angegeben. Öffentlichkeitsabteilung von Restlos Glücklich e. V.
und engagieren sich ehrenamtlich und beruflich für mehr
Auch eine abfallreduzierte Zuberei- Lebensmittelwertschätzung – ob bei der Nachernte
tung und Verwertung – vom Blatt bis zur auf dem Feld oder beim Teilen von Zero-Waste-Tipps:
Ihnen geht es um ein ganzheitliches Bewusstsein für
Wurzel – wird empfohlen. Denn vieles, was (Lebens­mittel-)Konsum und eine neue Werteorientierung.

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Die Urania Berlin - Besucherinformation Impressum
das Forum für Neugierige
Die 1888 in Berlin als weltweit erstes Science Urania Berlin e. V. V. i. S. d. P.: Ulrich Weigand,
Center gegründete Urania Berlin ist heute ein An der Urania 17 Geschäftsführender Direktor
weit über die Grenzen Deutschlands hinaus 10787 Berlin
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senschaft und Öffentlichkeit. Täglich vermittelt Telefon: (030) 2 18 90 91
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Wissen aus den Bereichen Kultur, Gesellschaft, urania.de
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Stadtentwicklung. Führende Expert*innen Verkehrsverbindung Sophie Bengelsdorf, Christian Blees,
referieren über ihr jeweiliges Arbeits- und U-Bhf. Wittenbergplatz: Prof. Dr. Antje Boetius, Prof. Dr. Thomas Borsch
Forschungsgebiet. Die Urania begreift sich als U1, U2, U3 Peter Fehrmann, Wenke Heuts, Inez Gomez,
Bürgerforum, das den Austausch zwischen U-Bhf. Nollendorfplatz: Christiane Heiß, Ulrike Herrmann,
Wissenschaft, Politik und einer vielfältigen U1, U2, U3, U4 Theresa Keller, Dr. Thomas Klöckner,
Gesellschaft stärken will. Bushaltestelle „An der Urania“: Dr. Andreas Knie, Dr. Fritz Reusswig
M19, M29, M46, 106, 187
Wissenschaftliche Bildung für alle und die Bushaltestelle „Schillstraße“: 100 Bildnachweise:
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die es selbst neu gewonnen haben, das ist Öffnungszeiten Koschel; S. 3 (beide) © Leona Goldstein,
das Erfolgsrezept der Urania, das bis auf Tageskasse S. 5: © Roland Horn; S. 6, 27 © Cradle to
Alexander von Humboldt zurückgeht. Mit Mo. – Fr. 15:00 bis 20:30 Uhr Cradle NGO / Max Arens; S. 9 © Werner Huth-
Wilhelm ­Foerster, Wilhelm Meyer und Werner Samstag, Sonntag: eine Stunde vor macher; S. 10 © Tarik Tesfu; S. 11 links © Raden
von Siemens fanden sich dann Begründer Veranstaltungsbeginn Prasetaya; rechts © Refunc; S. 13 links ©
einer Einrichtung, die seit 1888 gleichzeitig als Änderungen vorbehalten Johannes Moths; S. 13 rechts © Adobe Stock,
wissenschaftliches Theater, öffentliche Stern- Dalia & Giedrius; S. 14, 16 © Andreas Deinert;
warte und physikalisches Kabinett den Begriff Eintritt und Ermäßigungen S. 17 © Jewgeni Roppel; S. 18 © iStockphoto.
„Urania“ prägte und viele Nachahmungen im Vorträge und Filme: com, baona; S. 23 © iStockphoto.com, Arnon
In- und Ausland gefunden hat. 11 €, ermäßigt* 9 €, Mitglieder 7 €, Mungyodklang; S. 25 © Andree Kaiser; S. 26 ©
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Der Verein Tageskasse zzgl. 1 € Servicegebühr für alle Cradle to Cradle NGO; S. 30 © iStockphoto.
Die Urania ist einer der größten gemein- Preiskategorien. com, suteishi; S. 32 © David Ausserhofer;
nützigen Vereine in Berlin. Finanziert wird der S. 34, 36 © BSR; S. 38, 41 © Stiftung Natur-
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oder Premiummitgliedschaft. Als Mitglied Humboldt-Saal stehen drei Rollstuhlplätze
­erhalten Sie und eine Begleitperson eine zur Verfügung. Die Zufahrt erfolgt über die Grafik:
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