You are on page 1of 52

UNSER PLAN

DAS WAHLPROGRAMM DER GAL


WAHLPROGRAMM FÜR DIE
BÜRGERSCHAFTSWAHL 2011
beschlossen auf der Landesmitgliederversammlung der 
GAL Hamburg am 08. Januar 2011 im Bürgersaal Wandsbek
INHALT
21  Die Kita: Lernen und Spielen
7  Präambel
23  G
 ute Schulen stärken: Gerechtigkeit und
Leistung für alle Schülerinnen und Schüler
9  1. Stadt mit Zukunft und Lebensqualität – 23  G
 anztägige Bildung und Betreuung:  
Ökologische Erneuerung und nachhal- Kostenfrei und für alle
tiges Wirtschaften 23  J edes Kind gehört dazu:  
Keine Ausgrenzung behinderter Kinder
9  W
 achstum überdenken –  
Alternativen diskutieren 23  Durchgängige Bildungswege ermöglichen

9  V
 erantwortung übernehmen und Zukunft 24  D
 oppelte Chancen:  
sichern: Klare Ziele für das Klima Berufsausbildung und Hochschulzugang

11  Ö
 kologisch aus der Krise:   24  A
 uf dem Weg in den Beruf:  
Neue Energie und neue Jobs Ausbildung und Durchlässigkeit
statt Warteschleifen
11  Wirtschaft: Grüne Ideen für schwarze Zahlen
24  Bildungsstätten als Orte des Arbeitens
13  Für Mensch und Natur: Das grüne Hamburg
25  H
 ochschulen:  
14  V
 erwerten statt vermüllen:   Ausbildung wie Forschung sind wichtig
Von der Abfall- zur Kreislaufwirtschaft
25  C
 hancen für alle:  
14  F ür eine lebenswerte Stadt:   Anerkennung ausländischer Qualifikationen
Mehr Wohnungen im urbanen Hamburg
15  Wohnungsbau: Klimagerecht und sozial!
15  K
 limafreundlich und stadtverträglich:   26  3. Stadt der Bürgerinnen und Bürger
Mobilität für alle
16  Öffentlich besser mobil 26  Freiheit, Selbstbestimmung, Verantwortung
17  Per Pedale ans Ziel 26  M
 itentscheiden und Mitverantworten:  
17  Transparent, partizipativ, stadtverträglich Für eine neue Beteiligungskultur

19  Recht auf saubere Luft und ruhigen Schlaf 28  M


 ehr Entscheidungen vor Ort treffen:  
Die kommunale Ebene stärken
19  Finanzen und HSH 28  Demokratie braucht Transparenz
29  Netzpolitik
21  2. Stadt der klugen Köpfe:  
29  S
 elbstbestimmung braucht Datenschutz
Für Bildungsgerechtigkeit  und Verbraucherrechte
und Spitzenleistungen
30  Eine Stadt lebt von ihrer Vielfalt
21  Grüne Bildungspolitik wirkt
31  G
 eschlechtergerechtigkeit  
21  Grüne Bildungspolitik lernt und neue Rollenbilder
31  E
 in Handlungsprogramm für Schwule,   41  W
 ohnung ist Grundrecht:  
Lesben und Transgender Wohnen statt unterbringen
32  V
 erantwortung wahrnehmen –   41  Gesundheit
Flüchtlinge schützen
42  D
 rogen und Sucht:  
32  S
 olidarität mit Opfern,   Helfen statt kriminalisieren
Prävention und Resozialisierung
42  Sport: Hamburg bewegt sich
33  E
 ine Stadt braucht Öffentlichkeit:  
Gegen Überwachung und Repression
34  H
 amburg ist nicht allein in der Welt:  
Europa & Internationales 43  5. Stadt der Wissenschaften  
und der Künste

35  4. Stadt der Solidarität 43  K


 unst und Wissenschaft:  
Tore zur Welt
35  Unsere Stadt: Lebenswert für alle 43  H
 amburg –  
Stadt der Wissenschaft
35  S
 oziale Wohnungspolitik:  
Die Verantwortung dieser Stadt 44  E
 xzellenz und Attraktivität:  
Hamburgs Hochschulen profilieren
36  S
 tadtteile:   und finanzieren
Vielfalt erhalten, Vielfalt schaffen
45  Demokratische Hochschulen
37  S
 tädtische Flächen:  
Wohnwert statt Verwertung 46  Hochschulausbau: Chance für die Stadt
38  Im Stadtteil zu Hause sein 46  Hamburg – Stadt der Künste
38  A
 rbeitsmarkt:   46  K
 ultur macht Hamburg attraktiv –  
Qualifikation statt Lohndumping Attraktivität muss sich bezahlt machen
38  Q
 uartier und Ökonomie:   46  M
 useen:  
Arbeiten für den eigenen Stadtteil Geschichte und Aufklärung
müssen etwas wert sein
39  Mobilität ist Teilhabe
47  Theater: Vielfalt ist Hamburgs Stärke
39  W
 achsen in der Stadt:   47  Musikstadt Hamburg
Gute Chancen für Kinder und Jugendliche
48  Kultur hält die Stadt zusammen
40  E
 ine neue Kultur des Alterns  
und der Alten 48  D
 ie Stadt braucht Kreativität –  
Kreative brauchen Räume
40  Pflege mit Würde

40  D
 ie Rechte von Menschen mit  
Behinderung verwirklichen 50  Neues Wahlrecht
IMPRESSUM

Bündnis 90 / Die Grünen GAL Hamburg

Burchardstr. 21 • 20095 Hamburg


Tel: 040 - 399 252 0 • Fax: 040 - 399 252 99

info@hamburg.gruene.de
hamburg.gruene.de

V.i.S.d.P: Mirko Seffzig


Grafik & Layout: Christoph Jöns
WAHLPROGRAMM DER GAL HAMBURG
ZUR BÜRGERSCHAFTSWAHL 2011

Liebe Hamburgerinnen ausgezeichnet. Die GAL hat viele Maß-


und Hamburger, nahmen ergriffen, die unsere Bildungsein-
richtungen gerechter und leistungsfähiger
am 20. Februar 2011 wählen Sie eine neue machen.Wir haben eine umfassende Bil-
Bürgerschaft – ein Jahr früher als vorge- dungsoffensive auf den Weg gebracht und
sehen. Der Rücktritt des Ersten Bürger- damit für alle Kinder und Jugendlichen die
meisters Ole von Beust und der verlorene Chancen auf Teilhabe an der Gesellschaft
Volksentscheid im Sommer 2010 waren erhöht. Wir haben als die Partei der Frei-
eine tiefe Zäsur. Wir hatten uns dennoch heits- und Bürgerrechte die direkte Demo-
im August für einen Neustart der Koalition kratie gestärkt und eine neue Debatte über
entschieden, der für uns an klare Bedin- Beteiligungsmöglichkeiten in unserer Stadt
gungen geknüpft war. Dieser Neustart ist angestoßen. Die Vielfalt der Gesellschaft
nicht gelungen – vor allem aufgrund der haben wir offensiv gefördert. Lesben und
Führungsschwäche, der Ideenlosigkeit und Schwule sind nun im gesamten Landesrecht
der zahlreichen personellen Wechsel bei der gleichgestellt.
CDU. Indem wir es grüner gemacht haben, haben
Wir haben aus dieser Situation die Konse- wir Hamburg verändert: In eine Stadt, die
quenzen gezogen und aus Verantwortung ökologische und ökonomische Ziele ver-
für die Stadt die schwarz-grüne Koalition folgt, weil sie lebenswert und wirtschaft-
verlassen. Das ist uns nicht leicht gefallen, lich erfolgreich ist. In ein Hamburg, in dem
aber es war die richtige Entscheidung für Bildung, Künste und Wissenschaften einen
Hamburg. Wir sind überzeugt, dass Neu- wichtigen Platz haben. In ein Hamburg, das
wahlen das ehrlichste Angebot an die Ham- sich gegen die Spaltung in Arm und Reich
burgerinnen und Hamburger sind. einsetzt, in dem weder Geschlecht noch
In den ersten zwei Jahren der Regierungs- Herkunft eine Rolle spielt und das alle Ta-
beteiligung haben wir für Hamburg viel lente als Chance sieht. Das waren und das
erreicht: Wir haben die ökologische Mo- bleiben unsere Ziele für unsere Stadt.
dernisierung der Stadt vorangetrieben und Wir mussten aber auch Rückschläge hin-
Maßstäbe beim Klimaschutz gesetzt. Die nehmen: Wir haben es nicht geschafft, das
Europäische Kommission hat Hamburg mit Kohlekraftwerk Moorburg zu verhindern.
dem Titel Umwelthauptstadt Europas 2011 Wir haben keine Mehrheit für die Primar-

7
schule gefunden und wir mussten auch in Anspruch, Beteiligungsverfahren weiter zu
anderen Bereichen manchmal schwierige verbessern. Wir nehmen die Bürgerinnen
Kompromisse machen. Auch wenn diese und Bürger ernst und wollen ihnen bei Ent-
Rückschläge hart waren: Die vergangenen scheidungen die Verantwortung geben, die
zweieinhalb Jahre haben sich aus unse- sie einfordern. Direkte und repräsentative
rer Sicht für Hamburg gelohnt! Die erste Demokratie dürfen sich nicht gegenseitig
schwarz-grüne Landesregierung hat viel aushebeln, sie müssen sich sinnvoll ergän-
Positives in Gang gesetzt, das klar auf das zen. Wir wollen eine politische Kultur ent-
Konto der GAL geht. wickeln, die sich am Gemeinwohl orientiert
Auch in Zukunft wollen wir in Hamburg und nicht nur am Interesse Einzelner.
mitreden. Wir machen der Stadt ein Ange- Hamburg steht besonders in der Pflicht,
bot, das heute schon an morgen denkt und für Klimaschutz zu streiten und ein hervor-
verharren – anders als die strukturkonser- ragendes Beispiel zu geben. Während die
vativen Volksparteien – nicht in alten Denk- Weltgemeinschaft in Kopenhagen in kol-
mustern. Unser Motto lautet „Gestalten lektiver Verantwortungslosigkeit resignier-
statt Verwalten“. Wer Hamburg politisch te, hat Hamburg sich unter grüner Führung
mitgestalten will, steht vor einigen Heraus- mit anderen Städten in der Erklärung der
forderungen. Hamburger Klimakonferenz 2009 zu einem
In den letzten Jahren hat die größte Fi- mutigen Schritt nach vorn verpflichtet. 80
nanz- und Wirtschaftskrise nach dem Krieg Prozent CO2 Reduktion bis 2050 sind aber
große Löcher in die öffentlichen Haushalte bei weitem kein Selbstgänger. Für Hamburg
vieler Staaten gerissen. Auch der Hambur- bedeuten sie vielmehr tiefgreifende Ände-
ger Haushalt blieb davon nicht verschont. rungen in Wirtschaft, Energie, Mobilität,
Zudem hat die Steuerpolitik der schwarz- Stadtentwicklung, Bildung und Wissen-
gelben Bundesregierung Hamburgs Steuer- schaft. Die notwendigen Änderungen sind
einnahmen stark geschwächt und die Ge- langfristiger Natur, sie müssen aber jetzt
staltungsspielräume eingeschränkt. Dazu angestoßen werden.
kommt, dass Hamburg über die letzten Wir wollen Hamburg ökologisch moderni-
Jahrzehnte zuviel Schulden angehäuft hat. sieren, sozial und bildungspolitisch gerech-
Daher muss die Stadt ihre Ausgaben und ter gestalten und gleichzeitig die Finanzen
Neuverschuldung zurückfahren, um auch in Ordnung bringen. Das alles geht nur im
in Zukunft handlungsfähig zu bleiben. Die Zusammenspiel mit den Menschen, die hier
Haushaltskrise zwingt uns, über politische leben und die alle gemeinsam unsere Stadt
Schwerpunktsetzungen zu entscheiden. ausmachen. Darum braucht Hamburg die
Wir haben erkannt, dass verbindliche GAL, und darum ist es notwendig, dass die
Volksentscheide die politische Landschaft GAL in der nächsten Bürgerschaft mit einer
in Hamburg stark verändert haben. Um noch stärkeren Stimme spricht.
unsere politischen Ideen und Projekte zu
verwirklichen, brauchen wir neben einer Hamburg ist Deine Stadt und Du hast die
parlamentarischen Mehrheit auch die breite Entscheidung. Jeden Tag, und ganz beson-
Zustimmung der Bevölkerung. Es ist unser ders am 20. Februar 2011.

8
1.  Stadt mit Zukunft und Lebensqualität – 
Ökologische Erneuerung 
und nachhaltiges Wirtschaften

Hamburg ist kreativ, großstädtisch und le- Gleichzeitig wollen wir eine gesellschaft-
bendig – und gleichzeitig eine grüne Stadt, liche Debatte zum Thema Konsum ansto-
die so viel Naturfläche schützt wie kein an- ßen, um die Menschen zu sensibilisieren,
deres Bundesland. Immer mehr Menschen für ein Umdenken zu werben und neue
leben in Hamburg – trotzdem muss es der Lösungswege zu suchen.

1. Stadt mit Zukunft und Lebensqualität – Ökologische Erneuerung und nachhaltiges Wirtschaften
Stadt gelingen, den Ressourcenverbrauch
deutlich zu senken. Hamburg geht beim Kli-
maschutz voran und schafft damit tausende Verantwortung übernehmen 
neue Jobs. Die GAL hat in den letzten Jahren und Zukunft sichern:
viel für die Hamburger Umwelt erreicht. Den Klare Ziele für das Klima
Titel „Europäische Umwelthauptstadt 2011“
hat die grün geführte Umweltbehörde nach Die Weltstadt Hamburg übernimmt Ver-
Hamburg geholt. Die Hamburgerinnen und antwortung für den globalen Klimaschutz.
Hamburger wissen, dass Umwelt- und Kli- Weltweit bedroht der Klimawandel schon
maschutz Voraussetzungen für Lebensquali- jetzt millionenfach Menschen, die viel
tät und wirtschaftliche Stärke sind. Hamburg weniger zu seinen Ursachen beigetragen
muss sich ökologisch und sozial modernisie- haben als wir. Aber auch wir sind vom
ren, damit die Stadt schön bleibt und noch Klimawandel betroffen: Der Anstieg des
zukunftsfähiger wird. Meeresspiegels gefährdet den Küsten-
schutz und die Sicherheit der Stadt. Auf
dieses globale Problem müssen wir eine
Wachstum überdenken –  lokale Antwort geben: Bis 2020 sollen
Alternativen diskutieren Hamburgs CO2-Emissionen deshalb im
Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu-
Wir brauchen eine kritische Auseinanderset- rückgehen, bis 2050 um mindestens
zung mit dem Thema Wachstum: Trotz Ef- 80 Prozent. Dafür muss die Stadt neue
fizienzsteigerungen, technischer Fortschrit- Wege einschlagen: Eine Verkehrswen-
te und Erneuerbarer Energien haben sich de, die ökologische Sanierung des Ge-
Ressourcenverbrauch und Klimabelastung bäudebestandes sowie der Ausstieg aus
nicht ausreichend verringern lassen. Nur ein der fossilen Energieerzeugung sind dafür
nachhaltiges Wachstum kann die Vorausset- ebenso notwendig wie die Änderung von
zung zur Lösung essenzieller Probleme wie Konsumgewohnheiten, für die wir die
Arbeitslosigkeit, Armut, Umweltverschmut- Voraussetzungen schaffen müssen. Wir
zung oder Klimawandel sein. werden diese Schritte auch im Hinblick

9
auf die weitergehende Verknappung und Fleischkonsums aufmerksam zu machen.
Verteuerung wichtiger Energierohstoffe Kantinen und Mensen öffentlicher Ein-
angehen müssen. Verbraucherinnen und richtungen weiten insbesondere an die-
Verbraucher können mit ihren täglichen sem Wochentag ihr vegetarisches und ve-
Konsumentscheidungen maßgeblich zum ganes Angebot deutlich aus, Restaurants
Klimaschutz beitragen. Um klimaverträg- können sich dem anschließen.
lichen Konsum zu unterstützen, wollen
wir geeignete Maßnahmen ergreifen und Zusätzlich wollen wir das von der grün ge-
den Zusammenhang zwischen Tierschutz, führten Umweltbehörde angestoßene For-
Klimaschutz und Konsumverhalten deut- schungsprogramm zur Minderung der Kli-
lich machen. Wir wollen mit einem stadt- mafolgen in der Metropolregion Hamburg
weiten Veggie-Day ein attraktives und und die Anpassung von Gesellschaft und
auf Freiwilligkeit basierendes Angebot Wirtschaft an die erhöhten Risiken durch
schaffen, um auf die Problematik des den Klimawandel zügig weiterführen.
1. Stadt mit Zukunft und Lebensqualität – Ökologische Erneuerung und nachhaltiges Wirtschaften

Das haben wir erreicht:

 Europäische Umwelthauptstadt 2011: indem wir die Mittel für den Radver-
Die grün geführte Umweltbehörde hat kehr vervierfacht und mit dem StadtRad
diesen Titel nach Hamburg geholt. Wir Deutschlands erfolgreichstes Fahrrad-
wollen ihn dafür nutzen, dass bei Natur- leihsystem geschaffen haben.
und Umweltschutz in Hamburg 2011
echte Fortschritte erzielt werden, und  Boom der Ökobranche: Hamburg ist
dass Hamburg auch nach 2011 Haupt- heute ein schnell wachsendes Zentrum
stadt für die Umwelt bleibt. für Erneuerbare Energien; bedeutende
Unternehmen insbesondere der inter-
 Energie für Hamburg: Hamburg hat seit nationalen Windkraftindustrie haben
2009 wieder ein städtisches Energieun- sich in den letzten zwei Jahren neu hier
ternehmen – HAMBURG ENERGIE – für angesiedelt.
die Versorgung aller Hamburgerinnen
und Hamburger mit kohle- und atomfrei-  Mobil mit öffentlichen Verkehrsmit-
em Strom, für Erneuerbare Energien und teln: Wir haben die Planung für die
für den Klimaschutz. Stadtbahn auf die Schiene gesetzt, das
Angebot im öffentlichen Nahverkehr
 Grün vor Beton: Wir haben zwei neue verbessert und Umwelttaxen einge-
Naturschutzgebiete geschaffen, haben führt.
den unkontrollierten Flächenfraß ge-
stoppt, die mit 40 Millionen Euro aus-  Deckel unter Dach und Fach: Wir ha-
gestattete Elbe-Stiftung gegründet und ben die Finanzierung des A7-Deckels
mit dem neuen Landesnaturschutzgesetz von Schnelsen bis zur S-Bahnstrecke
u.a. dafür gesorgt, dass Uferzonen na- S1 in Bahrenfeld gesichert. Diese Maß-
turbelassen bleiben und auch im Hafen nahme bringt Schutz vor Lärm für tau-
Naturschutzregeln gelten. sende Menschen, neue innenstadtnahe
Wohnungen und ist eine Riesenchance
 Hamburg steigt aufs Rad: Wir haben die für die Stadtentwicklung.
Trendwende fürs Fahrrad eingeleitet,

10
Ökologisch aus der Krise:  Die GAL unterstützt das Anliegen der Volks-
Neue Energie und neue Jobs initiative „Unser Hamburg Unser Netz“ zur
Übernahme der Netze in öffentlicher Hand
Erneuerbare Energien sind nicht nur die Al- mit dem verbindlichen Ziel einer sozial ge-
ternative zu atomarer und kohlebasierter rechten, klimaverträglichen und demokra-
Energieversorgung, sondern auch in Ham- tisch kontrollierten Energieversorgung aus
burg schon heute ein Jobmotor. Viele der Erneuerbaren Energien. Die GAL setzt sich
weltgrößten Windenergie-Unternehmen für eine möglichst weitgehende Übernah-
haben inzwischen hier ihre Deutschland- me ein, da die Vergangenheit zeigt, dass
oder Europazentrale. Diesen Ansiedlungs- eine Minderheitsbeteiligung keine Gestal-
und Wachstumsprozess leistungsstarker tungsmöglichkeit bietet. Dies soll über die
Windkraftunternehmen wollen wir weiter Gründung einer Gesellschaft erfolgen. In
unterstützen. Mit dem „Cluster Erneuer- der zu führenden Diskussion um ihre Ge-
bare Energien“ hat die Umweltbehörde sellschaftsform setzen wir uns dafür ein,

1. Stadt mit Zukunft und Lebensqualität – Ökologische Erneuerung und nachhaltiges Wirtschaften
unter grüner Führung eine Plattform ge- dass sich die Hamburger Bürgerinnen und
schaffen, die den weiteren Ausbau voran- Bürger beteiligen können.
bringen wird. Viele Arbeitsplätze werden
durch Investitionen in Energieeffizienz und
durch die energetische Modernisierung von Wirtschaft: Grüne Ideen für schwarze Zahlen
Gebäuden geschaffen und gesichert. Von
der Ausstattung der Ampeln mit effizienten Um unsere Stadt fit für die Zukunft zu ma-
LED-Leuchten bis zum Energiemanagement chen, darf es keine eindimensionale Wirt-
in Behörden und Betrieben werden wir diese schaftspolitik geben – auch wenn Handel
Strategie weiter verfolgen. und Hafen immer wichtig bleiben. Ham-
Die Vorfestlegung des CDU-Vorgänger- burg ist besser als andere Städte durch die
Senats und ein Beschluss des Oberverwal- Wirtschaftskrise gekommen. Das liegt weni-
tungsgerichts hatten es juristisch unmög- ger am Hafen als an anderen erfolgreichen
lich gemacht, den Bau des Kohlekraftwerks Wirtschaftszweigen wie der Windindustrie,
Moorburg zu verhindern. Immerhin konnte Dienstleistungen, Medien, IT und Flugzeug-
die Umweltbehörde strenge Auflagen zum bau. Der Hafen wächst zwar wieder, ist aber
Schutz der Elbe durchsetzen. Und: Seit noch weit von seinen Vorkrisen-Rekorden
2009 hat Hamburg wieder ein städtisches entfernt. Wir haben daran gearbeitet, dass
Energieunternehmen, dessen Gewinne Hamburg die Bereiche Erneuerbare Energi-
vorrangig in Hamburg investiert werden. en, Umwelttechnik und Kreativwirtschaft
HAMBURG ENERGIE bietet kohle- und weiter ausbaut und mehr Geld in Forschung
atomfreien Strom an und hat innerhalb und Entwicklung investiert. Daher sollen
weniger Monate mehr Solar- und Wind- auch die Hochschulen der Stadt Hamburg
kraftprojekte in Hamburg auf den Weg ihren Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz
gebracht als andere Energieversorger in im Bereich Forschung und Lehre stärker aus-
den Jahren davor. Diesen Weg wollen wir bauen und koordinieren. Diesen Kurs wollen
fortsetzen, mit Bürger-Solarkraftwerken, wir fortsetzen.
dezentralen Block-Heizkraftwerken und Grüne Wirtschaftspolitik versucht Ökono-
mit neuen Windkraft-Standorten. mie und Ökologie zum Wohle aller zu ver-

11
binden. Wo dies nicht gelingt, zeichnet sie planung vom Ergebnis her völlig offen. Die
sich durch stärkere Gewichtung der Öko- Sedimentsverlagerungen, die Strömungs-
logie beim Abwägen der Vor- und Nach- verstärkung und die Sauerstoffversorgung
teile für Wirtschaft und Umwelt aus. Wir würden durch eine weitere Vertiefung die
haben dafür gesorgt, dass auch der Hafen ökologische Situation des Flusses weiter
nicht länger eine naturschutzfreie Zone ist. verschlechtern. Eine ernsthafte Hafenko-
Für Eingriffe in die Natur werden auch hier operation als Alternative zum ökologisch
Ausgleichsmaßnahmen fällig. Im Hafen und ökonomisch unsinnigen Wettbewerb
wurden Mieten und Pachten erhöht. Das der großen Häfen fehlt noch immer. Wir
schafft Anreize, um mit Flächen sparsamer werden weiter für unsere Position kämp-
und effizienter umzugehen. fen, sind aber realistisch genug, um zu
Wir haben die „Stiftung Lebensraum Elbe“ wissen, dass es für unsere Position in Ham-
gegründet. Sie wird zum Teil durch eine burg gegenwärtig keine politische Mehr-
Abgabe von Hafengebühren, die u.a. hier- heit gibt. Die wiederholten „Nachbesse-
1. Stadt mit Zukunft und Lebensqualität – Ökologische Erneuerung und nachhaltiges Wirtschaften

für erhöht wurden, finanziert, damit auch rungen“ am Vertiefungsvorhaben zeigen


die Elbe vom Wachstum des Hafens pro- jedoch deutlich, dass die traditionelle Pla-
fitiert. Die Stiftung wird eine Vielzahl von nung der Hafenwirtschaft „mit dem Kopf
Maßnahmen zur Verbesserung der ökolo- durch die Wand“ nicht zukunftsfähig ist.
gischen Situation der Elbe in die Wege lei- Für uns steht das Ziel im Vordergrund,
ten. Das Hafengeld soll sich darüber hinaus die ökologische Situation der Elbe zu ver-
in einer relevanten Höhe an Klima- und bessern. Mit der Gründung der „Stiftung
Umweltverträglichkeit der Schiffe ausrich- Lebensraum Elbe“ sind dafür erste Schrit-
ten und Umrüstungen so auch wirtschaft- te getan, die nun konsequent fortgesetzt
lich ermöglichen. Auch die im Stadtgebiet werden müssen. Aber auch die im Tide-
eingesetzten Fähren und Schlepper sollen elbekonzept vorgesehenen naturräumli-
sauberer fahren. chen Verbesserungen und die Senkung des
Das neue Fraunhofer-Center für Maritime Tidehubs müssen engagiert weiterverfolgt
Logistik und Dienstleistungen (CML) stärkt werden. Darüber hinaus setzen wir uns für
die Forschung für Hafen und Logistik. Im einen integrierten Naturschutz- und Be-
Mittelpunkt stehen Projekte für CO2-mi- wirtschaftungsplan für die Elbe von Ham-
nimierende maritime Logistikketten. Das burg bis zur Mündung ein.
Projekt „Green Maritime Logistics“ forscht Damit die städtebaulichen Rahmenbe-
zu ökologischen Verbesserungen in diesem dingungen für den Sprung über die Elbe
Bereich. verbessert werden, hat der schwarz-grüne
Die Unterelbe-Häfen Hamburg, Stade, Senat den Freihafen verkleinert und damit
Brunsbüttel und Cuxhaven haben ein Ko- gleichzeitig den Verkehrsfluss verbessert.
operationskonzept in Angriff genommen, Der Sprung über die Elbe bietet für Wil-
um die Zusammenarbeit in der Metropol- helmsburg und Harburg viele Chancen.
region zu stärken. Die Elbvertiefung halten Mit den Planungen und Bauarbeiten für
wir auch weiterhin für nicht notwendig die Neue Mitte Wilhelmsburg und die In-
und für falsch. Das Planfeststellungsver- ternationale Bau- und Gartenausstellung
fahren haben wir nicht stoppen können, es sowie der Entlassung von Teilen des Har-
ist aber rechtlich, politisch und in der Zeit- burger Binnenhafens aus dem Hafenent-

12
wicklungsgesetz haben wir viele Impulse volle Biotope, Freiräume und Grünflächen
gesetzt. Wir haben Hapag-Lloyd vor der erhalten bleiben. Das hat Hamburg gegen-
Pleite gerettet und die Traditionsreederei über vergleichbaren deutschen und eu-
mit vielen Arbeitsplätzen in Hamburg ge- ropäischen Städten immer ausgezeichnet
halten. und macht den besonderen Reiz der Stadt
Wir wollen in Hamburg die ökologische aus. Dabei setzen wir uns auch für mehr
Landwirtschaft fördern, da sie eine beson- ökologische „Wildnis“ in großen Grünan-
ders umwelt- und ressourcenschonende lagen und im Siedlungsbereich ein.
Form der Bodennutzung gewährleistet. Wir wollen diejenigen Gewässer ökologisch
Stadteigene Flächen sollen vorrangig an sanieren, die durch einseitige Konzentrati-
ökologisch arbeitende Betriebe verpach- on auf ihre Entwässerungsfunktion zu na-
tet werden. Regionale sowie ökologische turfernen, betonierten „Kanälen“ verbaut
Produkte sollen speziell gefördert werden. wurden. Dafür muss die Entwicklung na-
Hamburg soll gentechnikfreie Stadt wer- turnaher Ufer und Auen als Lebensraum

1. Stadt mit Zukunft und Lebensqualität – Ökologische Erneuerung und nachhaltiges Wirtschaften
den und sich der Initiative „Gentechnik- für wildlebende Tiere und Pflanzen ge-
freie Regionen“ anschließen. fördert werden. Dies dient zugleich der
Großen Tiermastanlagen erteilen wir aus- Wasserrückhaltung im Gelände (Hochwas-
drücklich eine Absage. Wir setzen uns da- serschutz) und gewinnt angesichts des
für ein, dass solche Betriebe in Hamburg drohenden Klimawandels zunehmend an
nicht entstehen können. Bremen hat es Bedeutung. Insbesondere sollen die Alster
– Hamburg braucht es: das Verbandskla- und die Wandse wieder für Fische durch-
gerecht im Tierschutz, das es Verbänden lässig werden.
ermöglicht, sich einzusetzen, wenn Tiere Bei der Förderung von Trinkwasser im Um-
bedroht sind. land muss Hamburg verantwortungsvoll
vorgehen: Der Wasserbedarf soll weiter
gesenkt werden. Ökologische Schäden
Für Mensch und Natur:  müssen vermieden werden, begleitend sol-
Das grüne Hamburg len ökologische Aufwertungsmaßnahmen
im Einvernehmen mit den Landkreisen
Eine Stadt braucht Natur- und Erholungs- durchgeführt werden.
räume. Tiere und Pflanzen sollen auch in Auch im Hafen soll mehr Natur zugelassen
der Stadt bessere Lebensbedingungen werden. Auf nicht genutzten Flächen sollte
vorfinden. Wir wollen daher die auf unser sich die Natur im Hafen zumindest zeitwei-
Betreiben im Naturschutzgesetz festge- se ungestört entwickeln dürfen. Besonders
legte Zielvorgabe eines Biotopverbundes hochwertige Bereiche, die seit langer Zeit
auf mindestens 15 Prozent der Stadtflä- aus der Nutzung genommen sind, sollen
che durch einen tatsächlichen, effektiven dauerhaft für die Natur erhalten bleiben.
Schutz der erforderlichen Flächen verwirk- Insbesondere die Peute und die Hohe
lichen. Wir setzen uns dafür ein, die dazu Schaar zählen dazu.
notwendigen personellen und finanziellen Hamburg verdankt seinen Ruf als „Grüne
Mittel bereitzustellen. Metropole“ nicht zuletzt seinem Baumbe-
Auch in der Stadt müssen zum Schutz der stand. Die in Hamburg noch vorhandenen
Stadtnatur und der Lebensqualität wert- rund 230 000 Straßenbäume prägen das

13
Stadtbild und haben eine wichtige Funk- Verwerten statt vermüllen: 
tion für das städtische Klima und als Le- Von der Abfall- zur Kreislaufwirtschaft
bensraum. Daher wollen wir für einen
Ausgleich der in den letzten Jahren ent- Beim Recycling hat Hamburg Nachholbe-
standenen Nachpflanzdefizite sorgen, da- darf. Wichtige Schritte haben wir schon
für auskömmliche Mittel bereitstellen und getan. Die stadtweite getrennte Sammlung
auch die Engpässe bei der vor Nachpflan- von Bio-Abfall, Papier und Wertstoffen ist
zungen notwendigen Kampfmittelsondie- vorbereitet und wird jetzt eingeführt. Die
rung beheben. neue Gebührengestaltung ist ein Fortschritt
Die Naturschutzverwaltung muss auf bei der Förderung umweltgerechten Ver-
städtischer und bezirklicher Ebene ge- haltens. Hier wollen wir weitermachen und
stärkt werden. Um diese Aufgaben wahr- Hamburgs Abfalltrennung deutlich verbes-
zunehmen, müssen die Bezirke wieder sern. Innovative und ökologisch verträgliche
eigenständige Naturschutzreferate er- Nutzung von Biomasse soll zur klimafreund-
1. Stadt mit Zukunft und Lebensqualität – Ökologische Erneuerung und nachhaltiges Wirtschaften

halten. Wir wollen die Ausweitung der lichen Energieproduktion beitragen und ein
Naturschutzgebiete Die Reit und Ro- wichtiges Forschungsthema werden.
denbeker Quellental zu Ende bringen, in
Volksdorf das Naturdenkmal Kiebitzmoor
ausweisen und die Naturschutzgebiete Für eine lebenswerte Stadt: 
Auenlandschaft Norderelbe sowie den Mehr Wohnungen im urbanen Hamburg
Wohldorfer Wald erweitern. In diesem
Zusammenhang wollen wir auch prüfen, Hamburg ist attraktiv, seine Bevölkerung
inwieweit der von der CDU noch in Allein- wird in den nächsten Jahren weiter wach-
regierung beschlossene Bebauungsplan an sen. Deshalb braucht Hamburg mehr Woh-
der Hoisbüttler Straße in der bestehenden nungen. Um den Wohnungsneubau zu
Form wieder rückgängig gemacht wer- fördern, müssen mehr geeignete Flächen
den kann, um die ökologisch hochwer- für den Wohnungsbau entwickelt werden.
tigen Grünflächen am Wohldorfer Wald Dafür wollen wir Entscheidungsstrukturen
von einer Bebauung freizuhalten und eine effizienter und ergebnisorientierter ausrich-
ähnlich große Anzahl von Wohnungen ten. Unser Leitbild für die Stadtentwicklung
auf ökologisch unbedenklichen Flächen in bleibt dabei die kompakte Stadt der kurzen
der Region zu realisieren. Wir wollen den Wege. Das bedeutet, dass wir den Flächen-
Wilhelmsburger Osten einschließlich der verbrauch reduzieren, indem wir Innenent-
Wiesen westlich der Autobahn als Land- wicklung und Flächenrecycling vorantrei-
schaftsschutzgebiet ausweisen, durch Be- ben. Im Vordergrund einer innerstädtischen
bauungspläne absichern, die Feldmarken Entwicklung steht neben der Schaffung
schützen und durch Bebauungspläne absi- von Wohnraum die Berücksichtigung von
chern. Ausgleiche für Eingriffe im Süderel- Naturschutzbelangen durch die frühzeitige
beraum sollen künftig auch nur im Süde- Einbindung naturschutzfachlicher Vorgaben
relberaum stattfinden. Die Verwirklichung in Bebauungsplanverfahren. Denn auch in
von Ausgleichsmaßnahmen muss durch urbanen neuen Baugebieten ist ausreichend
flexiblere Flächenerwerbsmöglichkeiten Grün und Natur wichtig. Mit einer Reform
gefördert werden. der Abwassergebühren wollen wir zudem

14
Anreize setzen für flächensparendes Bauen angemessenen Beteiligung der Vermieter,
und für die Entsiegelung von Böden. die damit eine langfristige Wertsteigerung
Wir wollen Grünachsen und Stadtränder ihrer Immobilie erreichen, sorgen wir dafür,
vor der Zersiedelung bewahren, bestehende dass die Wohnungen bezahlbar bleiben. So-
Quartiere attraktiver machen und dort neu- weit die Hamburger Fernwärme bisher aus
en Wohnraum schaffen. Dabei soll der Woh- Kohle erzeugt wird, soll sie perspektivisch
nungsbau mit dem Ausbau des öffentlichen durch regenerative Energien oder Gas-KWK
Verkehrs und der Entwicklung von Parks erzeugt werden.
und Grünflächen Hand in Hand gehen. Wo die Stadt selbst baut und modernisiert,
Die Nutzung von Industrieflächen (Beispiel: soll der Passivhausstandard gelten. Im Woh-
Bahngelände in Altona) für den Wohnungs- nungsneubau werden wir die Förderpro-
bau soll zügig voran gebracht werden. Im gramme auch weiterhin so ausgestalten,
knapp bemessenen Raum der Stadt müssen dass der Passivhausstandard die Mieten
Flächen effizient genutzt werden, auch Ge- nicht belastet.

1. Stadt mit Zukunft und Lebensqualität – Ökologische Erneuerung und nachhaltiges Wirtschaften
werbeflächen, besonders im Hafengebiet. In Altona, wo mit der „Neuen Mitte Altona“
Langfristig können sich auf Flächen wie dem auf dem ehemaligen Bahngelände das größ-
Kleinen Grasbrook neue Perspektiven für te Entwicklungsgebiet in Hamburg entsteht,
lebenswertes innerstädtisches Wohnen und setzen wir gezielt auf nachhaltiges Wohnen
Arbeiten entwickeln. Hamburg soll in seinem mit möglichst wenig Autoverkehr. Dazu sol-
Zentrum wachsen, nicht auf der „grünen len autoarmes und autofreies Wohnen in
Wiese“. möglichst großem Umfang gefördert, Rad-
Um eine höhere Flächeneffizienz zu bewir- und Fußverkehr viel Raum erhalten und der
ken, wollen wir bei der Reform der Grund- ÖPNV ausgebaut werden.
steuer prüfen ob die verbindliche Bauleitpla- Im östlich angrenzenden Gebiet arbeiten wir
nung als einfache Berechnungsgrundlage weiter an der Umsetzung der Ergebnisse der
dienen oder die Höhe der Grundsteuer sich Planungswerkstatt Stresemannstraße.
direkter an den öffentlichen Infrastruktur-
kosten orientieren kann.
Klimafreundlich und stadtverträglich: 
Mobilität für alle
Wohnungsbau: Klimagerecht und sozial!
Wir wollen den Verkehr stadt- und umwelt-
Mit einem neuen Hamburger Klimaschutz- verträglich organisieren – für mehr Lebens-
gesetz, umfangreicher Förderung und qua- qualität in Hamburg und so erreichen, dass
lifizierter Beratung durch die Stadt wollen Menschen gern auf ihr Auto verzichten. In
wir die energetische Sanierung von Gebäu- der Vergangenheit wurden der Autover-
den systematisch vorantreiben. Ziel dabei kehr, Rad- und Fußgängerverkehr immer
ist das 3-Liter-Haus beim Heizwärmebedarf gegeneinander ausgespielt. Nur gemeinsam
im Bestand. Gleichzeitig setzen wir uns für kann die Verkehrswende in der Stadt ge-
den ökologischen Mietspiegel ein, welcher lingen. Statt Verdrängung gilt es nun den
die gezahlte Warmmiete widerspiegelt. Mit begrenzten Raum für alle zu gestalten. Das
städtischen Förderprogrammen, die an ener- bedeutet für uns: den öffentlichen Verkehr
getische Standards gekoppelt sind, und einer weiter ausbauen, die Parkraumbewirtschaf-

15
tung intensivieren, den Anteil des Fahrrad- tisch erreichen und wirksam von den nega-
verkehrs steigern, mehr Platz für Fußgänger tiven Folgen des Straßenverkehrs entlastet
und Tempo-30-Zonen schaffen, sowie das werden kann. Dafür braucht Hamburg die
Car-Sharing ausbauen. Die Vorteile der mit Stadtbahn. Sie ist die wirksamste, kosten-
Ökostrom betriebenen Elektromobilität wol- günstigste und stadtverträglichste Möglich-
len wir für alle Verkehrsmittel (Auto, Fahrrad keit, dass der ÖPNV bei stetig wachsenden
und Nahverkehr) stärker nutzen. Die Unter- Fahrgastzahlen auch künftig zuverlässig und
haltung eines überdimensionierten Straßen- komfortabel sein kann. Ein Stadtbahnsystem
netzes für den Autoverkehr ist dagegen – koppelt Stadtteile ohne Schienenanbindung
wie die Schlaglöcher des letzten Winters uns an und macht überfüllte Buslinien überflüs-
deutlich vor Augen geführt haben – lang- sig. Damit wir in Hamburg zukünftig kom-
fristig nicht finanzierbar. Die hohen Kosten fortabler und schneller ans Ziel kommen, ist
müssen im Sinne einer Nahverkehrsabgabe die Stadtbahn notwendig. Weil ein solches
auf die Verursacher umgelegt werden. Wir Großprojekt die Zustimmung der Bürgerin-
1. Stadt mit Zukunft und Lebensqualität – Ökologische Erneuerung und nachhaltiges Wirtschaften

arbeiten weiter am Konzept der City Maut, nen und Bürger braucht, wollen wir die bis-
Lösungen könnten aber auch in einer kon- herigen Planungen in einem Bürgerdialog
sequenten Parkraumbewirtschaftung oder offen zur Diskussion stellen – so wie es der
einer allgemeinen Parkplatzabgabe liegen. Senat auf grüne Initiative hin bereits be-
Letztere wären intelligente Mautsysteme für schlossen hatte.
den ruhenden Verkehr. Das bestehende Angebot von Bahn und Bus
Ein hamburgweites Verkehrskonzept soll auf wollen wir ausweiten und verbessern. Dazu
längere Sicht für eine breite Akzeptanz der zählen weitere Taktverdichtungen, der barri-
Maßnahmen sorgen. erefreie Ausbau der Haltestellen und attrak-
Um in belebten Quartieren die Straße wie- tive Tarife. Das Tarifsystem wollen wir durch
der als Raum für Alle zurückzugewinnen, elektronische Guthabenskarten einfacher
wollen wir den Prozess zur Einführung von und flexibler machen.
Gemeinschaftsstraßen fortsetzen und den Auf stark frequentierten Buslinien, die ab-
ruhenden Verkehr mit einfacheren Regeln sehbar nicht zur Stadtbahn werden, sollten
und einer wirksamen Parkraumbewirtschaf- Ampelvorrang-Schaltungen die Betriebskos-
tung besser organisieren. Dabei ist für uns ten senken und die Zuverlässigkeit erhöhen.
zentrale Voraussetzung, dass die Gemein- Die auf grüner Initiative hin eingeführte
schaftsstraßen in bezirklichen Beteiligungs- Sozialkarte soll beibehalten und attraktiver
verfahren gemeinsam mit den Anwohnerin- gestaltet werden. Um Pendlern den Umstieg
nen und Anwohnern geplant und entwickelt auf die Bahn zu erleichtern, wollen wir den
werden. Bau der S4 nach Ahrensburg vorantreiben,
die S-Bahn-Kapazitäten Richtung Harburg
ausbauen und Park+Ride-Angebote an der
Öffentlich besser mobil Peripherie verbessern.
Die Verbindung der stadtverträglichen und
Der öffentliche Nahverkehr ist beliebt und umweltfreundlichen Verkehrsmittel Fahrrad
wächst. Diese positive Entwicklung müssen und ÖPNV erfordert die Fahrradmitnahme in
wir weiter verstärken, damit Hamburg seine den Schnellbahnen. Andere Großstädte mit
ehrgeizigen Klimaschutzziele verkehrspoli- ähnlicher Infrastruktur beweisen, dass dies

16
auch in der Rushhour funktionieren kann. Wir die Radwegebenutzungspflicht ersatzlos
setzen uns daher für einen Modellversuch ein, entfallen. Hier wollen wir spürbare Fort-
der fachkundig begleitet z.B. entgegen der schritte erreichen, denn das Fahren auf der
Hauptlastrichtung oder auf bestimmten Lini- Fahrbahn ist die sicherere und komfortablere
en stattfinden könnte. Längerfristig müssen Alternative zu Radwegen. Zudem können so
die Schnellbahnwaggons fahrradkompatibel Konflikte zwischen Verkehrsteilnehmerinnen
ausgestattet werden. Die Bedingungen für und -teilnehmern gemindert werden.
die Nutzung von Fahrradstationen ist denen In Anwohnerstraßen können beruhigte Zo-
der Park+Ride-Häuser anzupassen, insbeson- nen eingerichtet werden, wo Parkbuchten
dere im Hinblick auf die Gebühren. auf einem Abschnitt von 50 bis 200 m zu-
gunsten von Aufenthaltsräumen mit Park-
bänken, Anpflanzungen etc. zurückgebaut
Per Pedale ans Ziel werden.
In einer Stadt wie Hamburg mit viel Grün

1. Stadt mit Zukunft und Lebensqualität – Ökologische Erneuerung und nachhaltiges Wirtschaften
Fahrradfahren ist eine der umweltfreund- und vielen lokalen Zentren bietet sich das
lichsten und stadtverträglichsten Verkehrs- Zufußgehen an. Dennoch können hier vie-
arten überhaupt: Fahrradfahren schont das lerorts die Bedingungen noch deutlich ver-
Klima, erzeugt keine gesundheitsgefährden- bessert werden. Bettelampeln sind nicht
den Abgase oder Feinstäube, und ist leise. fußgängerfreundlich, viele Straßen haben
Je mehr Menschen in Hamburg das Fahrrad immer noch zu schmale und oft zugestellte
nutzen, umso mehr wird die Umwelt ent- Bürgersteige, auf denen mancherorts auch
lastet und die Gesundheit aller gefördert. noch die Radwege verlaufen. Wir streben,
Deshalb dient eine Förderung des Fahrrad- wo möglich, eine intelligente Umverteilung
verkehrs nicht nur denen, die Fahrrad fah- des Straßenraums an.
ren, sondern liegt im Interesse der ganzen
Stadt. Zudem ist die Förderung des Fahrrad-
verkehrs im Vergleich zu den Kosten ande- Transparent, partizipativ, stadtverträglich 
rer Verkehrsarten wesentlich günstiger und
nachhaltiger. Daher haben wir die Mittel für Straßenbauprojekte müssen stadtverträg-
den Radverkehr vervierfacht. lich sein. Darum haben wir die Finanzie-
Wir wollen vorrangig mehr Radfahrstreifen rung des A7-Deckels gesichert und die
einrichten, die Velorouten zügig fertig stel- Verlegung der Wilhelmsburger Reichs-
len und in weiteren Stadtteilen und Bezirken straße vorangetrieben. Beide Maßnah-
StadtRad-Stationen einrichten. Wir setzen men verbinden optimalen Lärmschutz mit
uns dafür ein, dass eine Größenordnung von neuen Chancen für die Stadtentwicklung.
20 km Fahrradstrecken pro Jahr adäquat In Wilhelmsburg haben wir ein umfang-
hergestellt werden. Wir wollen die Pflege reiches Beteiligungsverfahren durchge-
und Reinigung von Radwegen sicherstellen führt; auch in Zukunft werden wir bei In-
und in weiteren Stadtteilen und Bezirken bis frastrukturprojekten für Transparenz und
zu 50 neue StadtRad-Stationen einrichten. Beteiligung sorgen. Es war richtig, bei der
Grundsätzlich muss Radfahren auf der Fahr- Hafenquerspange anstelle der bisher ge-
bahn auch in Hamburg endlich zum Nor- planten Nordtrasse – die die Menschen in
malfall werden – auf vielen Straßen könnte Wilhelmsburg und auf der Veddel über-

17
mäßig belastet und den Sprung über die Der Hamburger Hafen ist ein enorm wich-
Elbe verhindert hätte – eine Südvariante zu tiges Ziel und eine Quelle für den Landver-
entwickeln. Die durch Hafeninteressen ver- kehr. Gelingt es hier die Güter auf die Bahn
hinderte Führung der Südvariante nördlich zu bringen, so wirkt sich dies in Form von
von Moorburg wäre aus Sicht der Grünen Terminals und Gleisanschlüssen in ganz Eu-
aber die natur- und stadtverträglichere Lö- ropa aus. Hamburg kann hier einen ganz
sung. Auch die verkehrliche Notwendigkeit wichtigen Beitrag zum umweltfreundlichen
muss vor dem Hintergrund eines Gesamt- Verkehr liefern. Dazu ist es nötig, das Eisen-
Verkehrskonzepts für den Süderelberaum bahnnetz im Knoten Hamburg und in Rich-
neu bewertet werden. Vor dem Hinter- tung Süden und Südost deutlich zu stärken.
grund der immensen Kosten dieser Straße Dies hat zudem eine positive Auswirkung
ist aber fraglich, ob die Planung im nächs- auf die Verkehrsmittelwahl der Pendler aus
ten Bundesverkehrswegeplan im vordring- den südlich angrenzenden Landkreisen.
lichen Bedarf landen wird. Daher ist unsere Uns ist bewusst, dass der Schienenverkehr
1. Stadt mit Zukunft und Lebensqualität – Ökologische Erneuerung und nachhaltiges Wirtschaften

Priorität, die Verkehrsprobleme im Hafen auch Probleme im Bereich des Lärmschutzes


pragmatisch, z.B. durch den Ausbau der mit sich bringt. Nur durch die Konzentration
Haupthafenroute anzugehen. der Mittel auf Modernisierung und Ausbau
Nach dem derzeitigen Stand der Planfeststel- der Bahnverbindungen aber kann der Hafen
lung in Niedersachsen und den Verkehrswe- ökonomisch und ökologisch wettbewerbs-
geplanungen des Bundes ist mit einer Reali- fähig bleiben. Um dabei die Belastung der
sierung der A 26 auf Hamburger Gebiet noch Harburger Innenstadt durch den Bahnver-
in diesem Jahrzehnt zu rechnen. Wir Grüne kehr im Hafen zu senken, werden wir die
wollen bei einem anstehenden Planfeststel- Planungen für eine Landschaftsbrücke über
lungsverfahren für Hamburg einen geringst die Gleise und über die Bundesstraße 73
möglichen Eingriff in Natur und Umwelt vorantreiben.
sowie die Realisierung umfangreicher Lärm- Bei den Planungen im Hafen hat auch künftig
schutzmaßnahmen für die Bevölkerung si- für uns Grüne der Erhalt des Dorfes Moor-
cherstellen. Ein eingriffsadäquater Ausgleich burg Priorität. In diesem Zusammenhang
soll im Süderelberaum erbracht werden. müssen auch andere Konzepte als die Hafen-
Uns ist bewusst, dass insbesondere in Wil- nutzung geprüft und weiterentwickelt wer-
helmsburg, Harburg und in den Süderelbe- den. Die Untersuchungen der Hamburg Port
Stadtteilen viele Menschen besonders unter Authoriy (HPA) haben uns recht gegeben:
den Belastungen durch die Hafenverkehre lei- Der Schlickhügel in Kirchsteinbek ist nicht als
den. Der Hamburger Hafen hat bisher davon Deponie für die weitere Ablagerung von Bag-
profitiert, dass er gute Anbindungen ins Hin- gergut aus dem Hafen geeignet; die Stand-
terland hat. Gleichzeitig lebt der Hafen aber ortentscheidung für Moorburg erfolgte je-
auch von der Akzeptanz der Hamburgerinnen doch auf lückenhafter Datengrundlage und
und Hamburger. Für viele Probleme, die die kann nicht ohne weiteres so umgesetzt wer-
Hafenverkehre auslösen, gibt es keinen gol- den. Unser vorrangiges Ziel ist die Vermei-
denen Weg. Wir wollen daher die Verkehrs- dung von Hafenschlick, die jedoch nicht zu-
anbindungen – die alten und neuen Lösungen lasten der Wasserqualität der Elbe gehen darf.
– in einem breit angelegten und öffentlichen Die nichtvermieteten Häuser in Neuenfelde
Prozess mit allen Beteiligten diskutieren. sollten endlich wieder vermietet werden.

18
Recht auf saubere Luft und ruhigen Schlaf der Seeschifffahrt beginnend mit den Kreuz-
fahrtschiffen systematisch reduzieren. Das
Der Straßenverkehr ist ein Hauptversursacher würde sich – ebenso wie eine umweltfreund-
der Luftbelastung durch Feinstaub und Stick- liche Landstromversorgung – auch spürbar
oxide. Um die verbindlichen Grenzwerte der auf die Luftqualität in Hamburg auswirken.
EU für diese gesundheitsschädlichen Schad- Mit dem neuen Hamburgischen Lärmschutz-
stoffe einhalten zu können, muss die Stadt gesetz haben wir für mehr Rechtssicherheit
aktiv werden. Ein wirksames Instrument, für gesorgt, insbesondere auch für den Bau von
das wir uns einsetzen, ist eine großflächige Kitas in Wohngebieten. Der Lärmschutz bei
Umweltzone. Sie muss, um einen größtmög- der Güterumgehungsbahn, dem A7-Deckel
lichen Nutzen zu erzielen, so gestaltet sein, und bei der Verlegung der Wilhelmsbur-
dass die Bereiche, die außerhalb dieser Zone ger Reichsstraße bedeutet Entlastung von
liegen, nicht zusätzlich belastet werden – zum Verkehrslärm für tausende von Menschen.
Beispiel durch Ausweichverkehr oder durch Für konkrete Schritte zur Verminderung des

1. Stadt mit Zukunft und Lebensqualität – Ökologische Erneuerung und nachhaltiges Wirtschaften
erhöhten Parkdruck. Viele andere deutsche Lärms in besonders belasteten Gebieten wol-
Großstädte haben eine solche Maßnahme len wir einen Lärmaktionsplan und dabei be-
bereits umgesetzt, die nur schadstoffarmen sondere Aufmerksamkeit auf sozial benach-
Fahrzeugen die Zufahrt gestattet. Hamburg teiligte Gebiete richten. Auch der Flughafen
kann also von bestehenden Beispielen lernen. muss Lärm- und Schadstoffbelastungen wei-
Wir wollen die „grüne Schifffahrt“ ausbauen ter reduzieren. Wir setzen uns dafür ein, dass
und in Zusammenarbeit mit der EU und an- das Nachtflugverbot wirklich eingehalten
deren Hafenstädten den Schadstoffausstoß wird – auch bei wachsendem Flugverkehr.

Finanzen und HSH

Die vergangenen Jahrzehnte waren ge- In Deutschland scheint die Wirtschaftskrise


prägt von der Haltung, dass sich der an- zunächst überstanden, aber die Lage in vielen
geblich ineffiziente Staat zurückzieht. Er Staaten Europas und der Welt ist weiterhin
solle öffentliche Unternehmen privatisieren, unsicher. Und an den Finanzmärkten droht
Steuern senken und alles dem freien Spiel eine neue Krise: die der Währungen. Der Staat
des Marktes überlassen. Die Finanz- und muss seine Ausgaben und Schulden drastisch
Weltwirtschaftskrise hat uns eines Besse- zurückfahren, um handlungsfähig zu bleiben.
ren belehrt und diesen Irrglauben beendet. Die erdrückenden Zinszahlungen und die
Spekulation und Gier haben die Welt an Steuersenkungen der letzten Jahre gingen
den Rand des Abgrundes getrieben. Es war vor allem zu Lasten der Bundesländer und der
die Politik, die als letzte Instanz eingegrif- Kommunen. Sie haben dazu geführt, dass die
fen und das Schlimmste verhindert hat. Es Finanzierung der staatlichen Dienstleistungen
wurde deutlich, dass wir einen aktiven Staat nicht mehr im gewohnten Umfang gewähr-
brauchen, der die Märkte reguliert und für leistet ist. Die Stadt hat zu wenig Geld für den
sozialen und ökologischen Ausgleich sorgt. notwendigen Ausbau von Kinderbetreuung,
Die Staaten in Europa haben milliarden- Bildung, Wissenschaft und sozialer Infrastruk-
schwere Rettungsschirme aufgespannt und tur. Daran ändern auch die gegenwärtigen
Konjunkturpakete geschnürt und mussten Steuermehreinnahmen nichts, da diese ledig-
dafür zusätzliche Schulden in horrender lich die ohnehin geplante Neuverschuldung
Höhe aufnehmen. mindern.

19
weiter: Finanzen und HSH

Man muss kein Mathematiker sein, um zu den damit möglichen Einsparungen durch ein
erkennen, dass die Stadt nicht gleichzeitig einheitliches Energiemanagement. Wir wollen
massiv in Kinderbetreuung, Verkehrsprojekte, diese Probleme gemeinsam mit den Beschäf-
Bildung und Wissenschaft investieren, Ge- tigten und mit allen anderen Beteiligten an-
bühren senken und weitere Steuersenkungen gehen und dafür sorgen, dass die Hamburger
verkraften kann. Verwaltung noch effizienter, moderner und
Die Haushaltskrise zwingt zur politischen bürgerfreundlicher wird.
Schwerpunktsetzung. Einsparungen müssen Vor dem Ende der Koalition haben wir einem
die bildungspolitische, kulturelle, soziale und Haushaltsplan mit ehrgeizigen Sparzielen zu-
ökologische Infrastruktur schützen und die gestimmt. Auch wenn dieser Haushalt nicht
Handlungsfähigkeit der Verwaltung im Inter- mehr wie geplant verabschiedet werden kann,
esse der Bürgerinnen und Bürger garantieren. bleibt die Notwendigkeit zur Konsolidierung
Wir wollen diese Zielkonflikte nicht mehr der Finanzen. Wer auch immer nach der Wahl
durch neue Schulden und zu Lasten kom- regiert, muss sich dieser Aufgabe stellen. Die
1. Stadt mit Zukunft und Lebensqualität – Ökologische Erneuerung und nachhaltiges Wirtschaften

mender Generationen auflösen. Daher treten Zeit der Wahlgeschenke ist vorbei!
wir für eine wirksame Begrenzung der Staats-
verschuldung ein und wollen den Hamburger HSH Nordbank | Zu Recht sind die Men-
Haushalt auf die Schuldenbremse vorbereiten, schen wütend auf verantwortungslose Spe-
die ab dem Jahr 2020 ein Schuldenverbot kulanten und Banker, die die weltweite Fi-
vorsieht. Hierfür brauchen wir ein verbindli- nanz- und Wirtschaftskrise ausgelöst haben.
ches und schrittweises Vorgehen, und müssen Deshalb stoßen Rettungspakete für Banken
schon jetzt die Neuverschuldung begrenzen. verständlicherweise auf wenig Gegenliebe.
Zur Verbesserung der Einnahmen wollen wir Dennoch war es richtig und notwendig, dass
die Zahl der Steuerprüfungen erhöhen. Wir der schwarz-grüne Senat die HSH Nordbank
Grüne setzen uns ein für die Erhöhung der gerettet hat. Praktisch die gesamte Reederei-
Erbschaftssteuer – auch aus Gerechtigkeits- und Hafenbranche, das Herz der Hamburger
gründen der Vermögensverteilung – und des Wirtschaft, wird von der HSH mit Krediten
Spitzensteuersatzes und die teilweise Um- versorgt. Jedes zweite mittelständische Un-
wandlung des Solidaritätszuschlages in einen ternehmen in Nordeutschland mit mehr als
„Bildungs-Soli“, der den Ländern zugute 100 Millionen Euro Umsatz hatte die HSH als
kommt. Außerdem stehen wir für die Ab- Hausbank. Hamburg hätte im Fall der Pleite
schaffung des Kooperationsverbots von Bund mit bis zu 40 Milliarden Euro für die Schulden
und Ländern in Fragen der Bildungspolitik. der Bank haften müssen. Eine Insolvenz der
Auch eine zeitlich begrenzte Vermögensab- HSH Nordbank hätte Hamburg und die Wirt-
gabe halten wir für sinnvoll. Die Hoheit dafür schaft nicht nur in Norddeutschland sondern
liegt aber beim Bund. Dort wollen wir uns für europaweit in den Abgrund gerissen und
diese Maßnahmen stark machen. eine ähnliche Krise auslösen können wie die
Weiterhin wollen wir die Gewerbesteuer als Lehman-Pleite 2008. Hamburg lässt sich das
wichtigste kommunale Einnahmequelle ver- Rettungspaket mit einer guten Verzinsung
stetigen. von der HSH bezahlen. Die Bank erholt sich,
Dennoch führt an Einsparungen kein Weg und es besteht die Hoffnung, sie bald verkau-
vorbei. Diese werden ohne eine Reform der fen zu können. Wir haben durchgesetzt, dass
Hamburgischen Verwaltung nicht möglich der skandalumwitterte Vorstandsvorsitzende
sein. An einigen Stellen gibt es Doppelarbeit Dirk Jens Nonnenmacher endlich seinen Hut
und unklare Zuständigkeiten. Zum Beispiel nehmen muss. Wir werden sehr genau darauf
fehlt es bisher an einem gemeinsamen Ma- achten, dass sein Nachfolger die Bank umsich-
nagement aller öffentlichen Gebäude und tig und erfolgreich führt.

20
2.  Stadt der klugen Köpfe: 
Für Bildungsgerechtigkeit 
und Spitzenleistungen

Grüne Bildungspolitik wirkt worter des längeren gemeinsamen Lernens.


Dies lag auch an eigenen Fehlern: Wir
In den vergangenen zweieinhalb Jahren haben die Einführung des längeren ge-
haben wir in der Stadt für eine bessere und meinsamen Lernens an den Anfang eines
gerechtere Bildungspolitik gekämpft. Wir umfassenden Reformprozesses gesetzt.

2.Stadt der klugen Köpfe: Für Bildungsgerechtigkeit und Spitzenleistungen


haben gezeigt, dass Grün in der Bildung den Längeres gemeinsames Lernen bleibt un-
Unterschied macht. Wir konnten eine Kehrt- ser Ziel. Denn nur so ist langfristig ein
wende einleiten hin zu moderner Bildung, gerechtes und leistungsstarkes Bildungs-
mehr Gerechtigkeit und Integration. system erreichbar. Es kann allerdings nicht
Diese Wende ist bitter nötig. Denn zu viele von oben verordnet werden – aber es kann
Jugendliche schaffen keinen Schulabschluss, von unten wachsen. Dieses Wachstum
zu wenige schöpfen ihre Möglichkeiten voll wollen wir begleiten und unterstützen.
aus und zu wenige erreichen Spitzenleist- Dazu gehört auch, die Bildungseinrichtun-
ungen. Unser Bildungssystem benachteiligt gen zu mehr praktizierter Demokratie zu
massiv Kinder und Jugendliche, die aus sozi- ermutigen. Für die vielen neuen Projekte,
al benachteiligten Familien kommen. die wir auf den Weg gebracht haben, be-
Bildung ist ein Schlüssel für den wirtschaft- nötigen Schulen Unterstützung und Zeit,
lichen Erfolg Hamburgs, aber vor allem ein um diese Vorhaben sorgfältig umzusetzen.
Menschenrecht. Sie ermöglicht gesellschaft-
liche Teilhabe und individuelle Karrieren. Wir
Grüne sind die Bildungspartei Hamburgs. Die Kita: Lernen und Spielen
Bildung wird weiterhin ein Schwerpunk der
GAL bleiben. Kinder und Eltern sollen sich in ihrer Kita
wohlfühlen. Frühkindliche Bildung und liebe-
volle Betreuung sollen Hand in Hand gehen.
Grüne Bildungspolitik lernt Deshalb wollen wir die Kita als frühkindliche
Bildungseinrichtung stärken und die Quali-
Das längere gemeinsame Lernen war immer tät des Bildungs- und Betreuungsangebots
ein wichtiges Ziel grüner Bildungspolitik – weiterentwickeln. Wir wollen die Personal-
weil es kombiniert mit besserem Unterricht ausstattung in den Kitas verbessern. Insbe-
die Bildungsgerechtigkeit erhöht und die sondere die Kitas, in denen zusätzliche An-
Leistungen verbessert. Der verlorene Volks- forderungen an Integration und Förderung
entscheid zur Primarschule war ein Rück- die Arbeit prägen, sollen besser ausgestattet
schlag für alle Befürworterinnen und Befür- werden. Außerdem wollen wir, dass mehr

21
pädagogisches Personal mit Hochschulab- Ab August 2013 soll für alle Kinder ab dem
schluss und mit angemessener Bezahlung vollendeten ersten Lebensjahr ein bundes-
in den Kitas eingestellt werden kann. In den weiter Rechtsanspruch auf Kindertagesbe-
ersten Kita-Jahren muss es noch mehr geziel- treuung eingeführt werden. Das ist uns zu
te Sprachförderung geben. Die Übergänge spät. Wir wollen zeitnah allen Zweijährigen
von der Kita in die Schule müssen durch in- unabhängig von der Lebenslage der Eltern
tensive Kooperation besser gestaltet werden. einen fünfstündigen Betreuungsplatz an-
Wir wollen die beitragsfreie frühkindliche Bil- bieten. Diese Ausweitung des allgemeinen
dung schrittweise einführen. Wir haben ver- Rechtsanspruches hatten wir uns schon für
standen, dass die Kita-Gebührenerhöhung die vergangene Wahlperiode vorgenom-
im vergangenen Jahr für viele Familien eine men. Sie ließ sich wegen der schwierigen
zu große Belastung darstellt. Wir wollen Haushaltslage leider nicht umsetzen. Der
deshalb das Elternbeitragssystem neu über- frühe Zugang zur Bildungseinrichtung Kita
arbeiten und als ersten Schritt unmittelbar ist und bleibt ein wichtiger Beitrag für mehr
2.Stadt der klugen Köpfe: Für Bildungsgerechtigkeit und Spitzenleistungen

eine Entlastung schaffen, insbesondere für Bildungsgerechtigkeit. Aus Gründen der Bil-
Familien, die sie am dringendsten benötigen: dungsgerechtigkeit werden wir uns auf Bun-
Familien mit mehreren Kindern oder von Be- desebene auch gegen die Einführung des
hinderung betroffenen Kindern, sowie für sogenannten Betreuungsgeldes (“Herdprä-
Erwerbslose und Geringverdiener. mie“) stellen.

Das haben wir erreicht:

 Mehr Betreuung für Hamburgs Kinder –  Keine Restschule mehr: Die Hauptschule
mehr Spielraum für Hamburgs Eltern: Die wurde abgeschafft. Sie galt als Abstell-
Kita-Betreuung ist erheblich ausgebaut gleis. Mit der neuen Stadtteilschule gibt
worden. es ein attraktives Angebot für alle – bis
hin zum Abitur.
 Auf den Anfang kommt es an: Für fast
alle Gebührenfreiheit in der Vorschule  Mit sieben neuen Produktionsschulen in
und für 5 Stunden in Kita, und Tagespfle- ganz Hamburg haben wir hunderten Ju-
ge im Jahr vor der Schulpflicht. gendlichen echte Chancen gegeben, den
Anschluss an Ausbildung und Arbeit zu
 Mehr Lernzeit für Kinder: Wir haben 38 schaffen.
neue Ganztagsschulen eingerichtet. Das
schafft gute Startbedingungen für die  Keine Ausgrenzung behinderter Kin-
Kinder und entlastet berufstätige Eltern. der: Kinder mit Behinderung haben das
gesetzlich festgelegte Recht, eine all-
 Bessere Lernbedingungen an den Schulen: gemeine Schule zu besuchen und dort
Wir haben die Klassen verkleinert und hun- sonderpädagogisch gefördert zu wer-
derte zusätzliche Lehrer eingestellt. Diese den. Dadurch sind schon über 70 neue
haben künftig mehr Zeit für jedes einzelne Integrationsstandorte entstanden.
Kind. Wir haben eine neue Lernkultur ein-
geführt und Sitzenbleiben weitgehend ab-  Neue Formen der Mitbestimmung: Wir
geschafft. Jedes Kind wird individuell und haben Regionale Bildungskonferenzen
nach seinen Talenten gefördert. eingeführt.

22
Gute Schulen stärken: Gerechtigkeit und Hortträgern und Schulen in der offenen
Leistung für alle Schülerinnen und Schüler Ganztagsbildung und -betreuung. Wir
wollen die pädagogische Kompetenz der
Unsere Grundschulen bilden mit ihrer er- Hortträger nutzen, statt sie zu verdrängen.
folgreichen pädagogischen Arbeit das Das Ziel ist ein pädagogisch gutes Angebot
Fundament eines gerechten und leistungs- von Bildung und Betreuung aus einer Hand
starken Schulsystems. Im Anschluss an – kostenfrei mindestens von 8 bis 16 Uhr.
die Grundschule stehen den Schülerinnen Besonders wichtig: Das Angebot ist offen
und Schülern in Hamburg zwei allgemein- für alle Kinder, egal ob ihre Eltern berufs-
bildende Schulformen zur Verfügung: die tätig sind und damit das Recht auf einen
Stadtteilschule und das Gymnasium. Beide Kita-Gutschein haben oder nicht. Für alle
Systeme werden so ausgestattet, dass die Familien gilt: Die verlässliche Betreuung an
Kinder und Jugendlichen optimal gefördert Schulen soll inklusive Mittagessen für nie-
und unterstützt werden. Auf beiden Wegen manden teurer werden als die jetzige Hort-

2.Stadt der klugen Köpfe: Für Bildungsgerechtigkeit und Spitzenleistungen


werden Begabtenförderung und die Unter- Betreuung im Rahmen des Kita-Gutschein-
stützung hoher Leistungen ermöglicht. Systems.
Die soziale Spaltung und die Ungerechtig-
keit im Bildungswesen werden gemildert,
wenn Jede oder Jeder die Chance be- Jedes Kind gehört dazu: 
kommt, den für sie oder ihn besten erreich- Keine Ausgrenzung behinderter Kinder
baren Abschluss zu machen – egal, wie ge-
bildet die Eltern sind, wo sie wohnen oder Kinder mit Behinderung haben das Recht,
woher sie stammen. Schulen werden daher gemeinsam mit allen zu lernen. Im Schul-
insbesondere in den sozial benachteiligten gesetz haben wir dieses Recht verankert.
Stadtteilen besser ausgestattet. Entspre- Schritt für Schritt wird dieses nun umge-
chende Modelle werden gemeinsam mit setzt. Hierfür benötigen die Schulen eine
den Schulen entwickelt. gute Ausstattung. Wir wollen sie mit dem
nötigen sonderpädagogischen, therapeu-
tischen und sozialpädagogischen Personal
Ganztägige Bildung und Betreuung:  ausstatten. Bei besonderen Bedürfnissen
Kostenfrei und für alle der Kinder sollen die Schulen zusätzliche
Unterstützung erhalten.
Wir wollen in großem Umfang weitere
Ganztagsschulen einrichten. Sie sind die
richtige Antwort auf die veränderten Be- Durchgängige Bildungswege ermöglichen
dürfnisse von Familien und geben mehr
Zeit für modernen Unterricht und individu- Hamburgs Eltern und Kinder sollen auch
elle Förderung. Ganztagsschulen arbeiten die Möglichkeit haben, sich für längeres
mit Freizeiteinrichtungen, Sportvereinen, gemeinsames Lernen zu entscheiden. Wir
Kultur und Jugendhilfe zusammen. Sie ent- wollen das Angebot von Langformschulen
wickeln sich nicht von oben, sondern in der von der 1. bis zur 13. Klasse erhalten und
Region und im Dialog. sie sollen dort möglich werden, wo sie vor
Wir setzen dabei auf die Kooperation von Ort gewünscht sind. Langfristig werden

23
dadurch durchgängige Bildungswege ohne teilschulen und berufliche Schulen eng zu-
Brüche in den Bildungsbiographien der sammen. Das Ziel lautet: „Kein Abschluss
Kinder ermöglicht. Darüber hinaus muss ohne Anschluss“.
der Übergang von der Grundschule an die Entweder erhalten die Jugendlichen einen
weiterführende Schule systematisch ge- Ausbildungsplatz in einem Betrieb oder sie
staltet und begleitet werden. Dazu gehört, werden in berufsbildenden Schulen in Ko-
dass Kooperationen von Grundschulen und operation mit freien Trägern ausgebildet. Für
weiterführenden Schulen in ihrer jeweiligen diejenigen, die noch eine intensive Beglei-
Region unterstützt werden. tung im Übergang von der Schule in den Be-
ruf benötigen, gibt es Produktionsschulen.
Wir wollen die berufsbildenden Schulen
Doppelte Chancen:  unter gleichberechtigter und paritätischer
Berufsausbildung und Hochschulzugang Beteiligung weiterentwickeln zu Kompe-
tenzzentren für die berufliche Aus- und
2.Stadt der klugen Köpfe: Für Bildungsgerechtigkeit und Spitzenleistungen

Grüne Bildungspolitik hat das Ziel, Mög- Weiterbildung. Dazu gehört auch ein
lichkeiten der Doppelqualifizierung zu Schulentwicklungsplan für die berufsbil-
schaffen. Wir wollen es Menschen mit be- denden Schulen. Arbeitgeber und Arbeit-
ruflicher Qualifizierung erleichtern, ohne nehmer sollen mit gleichen Stimm- und
Abitur zu studieren. Unter dem Ziel der Mitwirkungsrechten an den Gremien des
Gleichwertigkeit der allgemeinen und der Hamburger Instituts für Berufliche Bildung
beruflichen Bildung wird Menschen mit (HIBB) und der Hamburger beruflichen
einer Berufsausbildung der Zugang zur Schulen beteiligt werden.
Hochschule ermöglicht. Der offene Hoch-
schulzugang nach dem Modell der ehema-
ligen Hochschule für Wirtschaft und Politik Bildungsstätten als Orte des Arbeitens
(HWP) soll dabei erhalten bleiben und aus-
gebaut werden. Kitas, Schulen, Hochschulen und Weiter-
bildungseinrichtungen müssen den Men-
schen, die dort arbeiten, gute Arbeits-
Auf dem Weg in den Beruf:  bedingungen und eine funktionierende
Ausbildung und Durchlässigkeit Organisation bieten. Die gestiegenen An-
statt Warteschleifen forderungen im Bildungsbereich kosten alle
Beteiligten viel Kraft. Wir setzen uns daher
Junge Menschen sollen eine Ausbildung dafür ein, die Personalentwicklung an den
genießen, statt Zeit zu verlieren. Aus die- Kitas und Schulen systematisch zu unter-
sem Grund wollen wir Jugendliche durch stützen. Wir wollen auch die unterschied-
eine Stärkung der Berufs- und Studien- lichen Arbeitszeitmodelle und Vergütungs-
orientierung besser auf den Übergang in situationen gemeinsam mit den Betroffenen
Ausbildung und Studium vorbereiten. Alle überprüfen und gerechter gestalten. Für die
Schülerinnen und Schüler sollen am Ende Weiterbildungsbranche machen wir uns für
der 10. Klasse eine Orientierung über ihren einen Mindestlohn stark. Wir setzen uns
weiteren Weg bekommen und bereit für ein für einen Mix der Professionen in Ki-
die Ausbildung sein. Dazu arbeiten Stadt- tas und Schulen sowie ein ausgewogenes

24
Geschlechterverhältnis in allen Bildungssta- Der Zugang zu höherer Bildung darf nicht
tionen ein und wollen den Anteil an Päda- vom Geldbeutel abhängen. Im schwarz-
goginnen und Pädagogen mit Migrations- grünen Bündnis haben wir eine Reduzie-
hintergrund noch weiter erhöhen. rung der Studiengebühren durchgesetzt.
Fällig werden sie zudem erst nach dem Ex-
amen und bei einem Einkommen ab 30.000
Hochschulen:  Euro jährlich. Das Modell hat aber leider
Ausbildung wie Forschung sind wichtig nicht den gewünschten Erfolg gebracht und
hat trotz der vereinbarten Verbesserungen
Hamburgs Hochschulen sind ein Schlüs- negative Auswirkungen. Ein gebührenfreies
sel zur Zukunft der Stadt. Die Lehre darf Erststudium bis zum Master bleibt weiter-
sich nicht allein an kurzfristigen Interessen hin unser erklärtes Ziel. Daher werden wir
einzelner Wirtschaftszweige orientieren. uns für die Abschaffung der Studiengebüh-
Hamburg muss als Metropole des Nordens ren einsetzen. Dadurch darf sich aber nicht

2.Stadt der klugen Köpfe: Für Bildungsgerechtigkeit und Spitzenleistungen


einen größeren Beitrag zur Erhöhung der die Qualität der Lehre verschlechtern.
Studierendenquote leisten. Der Anteil der
Berufstätigen mit Hochschulabschluss ist im
Vergleich zu anderen Großstädten zu gering. Chancen für alle: 
Hier müssen wir aufholen, weil der Bedarf Anerkennung ausländischer Qualifikationen
an Absolventinnen und Absolventen steigt.
Dafür müssen sich die Hochschulen auf un- Wir brauchen alle Fachkräfte. Auslän-
terschiedliche Zielgruppen einstellen. Noch dische Bildungsabschlüsse sollten daher
immer studieren überwiegend Kinder aus besser und schneller anerkannt werden.
Akademikerfamilien. Wir arbeiten bereits Deshalb haben wir uns für die Schaffung
daran, dass mehr Kinder Abitur machen. Der einer zentralen Anlaufstelle für Betroffene
nächste Schritt muss sein, mehr Jugendliche in Hamburg eingesetzt, die seit kurzem
an die Hochschulen und zum Studienerfolg ihre Beratungstätigkeit aufgenommen hat.
zu führen. Um dies zu ermöglichen, wird Für Ausbildungen und Berufe in Landes-
es nötig sein, die Anzahl der Bachelor- und zuständigkeit wollen wir einen Rechtsan-
Master-Studienplätze auszubauen spruch auf ein schnelles und transparentes
Die Lehre und Ausbildung an Hochschulen Anerkennungsverfahren schaffen. Dabei
ist genauso wichtig wie die Forschung. Noch muss der Vergleich tatsächlich vorhan-
immer ist die Zahl der Masterstudienplätze dener Kompetenzen der Ausgangspunkt
zu gering. Dies führt dazu, dass gerade in sein. Das Angebot von Nach- und An-
kleineren Fächern keine Masterabschlüsse schlussqualifizierungen und die damit
angeboten werden. Wir wollen ausreichen- verbundenen Stipendienprogramme wol-
de Plätze für Masterstudiengänge in allen len wir ausbauen. Wir werden uns dafür
Fachrichtungen. Zugangsberechtigung für einsetzen, dass die Länder ihre jeweiligen
den Master soll dabei allein ein fachlich ein- Anerkennungsergebnisse gegenseitig ak-
schlägiger Bachelorabschluss sein. Es muss zeptieren. Für die Berufe, für die der Bund
klar und nachvollziehbar werden, wie man zuständig ist, setzen wir uns für einen
den Zugang zu einem Masterprogramm er- entsprechenden Rechtsanspruch in einem
reicht. Bundesgesetz ein.

25
3. Stadt der Bürgerinnen und Bürger 

Freiheit, Selbstbestimmung, Verantwortung Erforderlich für die Weiterentwicklung


unserer Stadt ist das Entstehen einer Pla-
Großprojekte, Stadtplanung oder Bildung: nungskultur, die die Bürgerinnen und Bür-
Bürgerinnen und Bürger mischen sich ein, ger zeitnah und aufrichtig informiert und
artikulieren ihre Interessen und machen einbezieht, damit sie ihre Standpunkte
3. Stadt der Bürgerinnen und Bürger

klar, dass parlamentarische Mehrheiten fachlich fundiert vortragen zu können.


nicht ausreichen, wenn der gesellschaft- Wir setzen uns ein für eine offene Gesell-
liche Rückhalt fehlt. Das ist Ausdruck le- schaft, in der alle Menschen frei und ohne
bendiger Demokratie. Und dies stellt nicht Angst leben können. Eine konsequente
nur Parteien, sondern auch Kirchen, Ge- Kriminalitätsbekämpfung und die Wah-
werkschaften und andere Verbände vor rung von Bürgerrechten sind für uns kein
neue Herausforderungen. Ihre Mechanis- Gegensatz.
men zum Ausgleich von Interessen wer- Dafür brauchen wir demokratische und
den in Frage gestellt. Das gesellschaftliche transparente Strukturen bei Polizei und
Leitbild der Grünen ist geprägt von anre- Justiz. Denn nur so können sie Kriminalität
gender Vielfalt statt Einfalt, von Eigenini- bekämpfen, ohne Angst zu schaffen.
tiative statt Bevormundung, von Gemein- Das behördenübergreifende Senatskon-
sinn statt Eigeninteresse zept „Handeln gegen Jugendgewalt“ wird
Wir sind Bürgerinnen und Bürger und kritisch auf seine Wirksamkeit überprüft
keine Kunden des Staates. Wir müssen und weiterentwickelt. Dabei legen wir ins-
selbstbestimmt und verantwortlich han- besondere Wert auf präventive Maßnah-
deln, um uns nicht in gegenseitiger Blo- men, um die Ursachen von Gewalthandeln
ckade lahm zu legen. Voraussetzungen frühzeitig zu bekämpfen.
dafür sind die Transparenz politischer
Entscheidungen, der freie Zugang zu den
für eine Abwägungsentscheidung not- Mitentscheiden und Mitverantworten: 
wendigen Informationen und die freie Für eine neue Beteiligungskultur
Meinungsäußerung ohne Angst vor Re-
pression und Überwachung. Werte wie Aus der Niederlage beim Volksentscheid
Solidarität, Toleranz und Verlässlichkeit zur Primarschule haben wir gelernt: Wir
gilt es zu bewahren. Minderheiten brau- brauchen nicht weniger, sondern mehr –
chen verlässlichen politischen Schutz. und vor allem andere – Mitwirkungsmög-
Auch die leiseren Stimmen müssen wei- lichkeiten. Denn Beteiligung ist mehr als
terhin gehört werden. die Abstimmung über Sachfragen. Aktive

26
Information steht am Anfang, nicht am Kinder und Menschen ohne deutschen Pass –
Ende des Entscheidungsprozesses. Volks- Berücksichtigung finden. Vermittlung
und Bürgerentscheide sind nur ein letztes durch Mediation kann dazu beitragen,
Mittel der Mitbestimmung. Beteiligung Kompromisse zu finden und Lösungsalter-
und Verantwortung gehen Hand in Hand. nativen herauszuarbeiten. Wir setzen uns
Beteiligungsverfahren müssen so ausge- dafür ein, Mediation als ein Verfahren zur
staltet sein, dass Mitentscheidung kein einvernehmlichen Beilegung von Konflik-
Privileg einer gebildeten, wohlhabenden ten in allen gesellschaftlichen Bereichen
Minderheit ist. Wir wollen Beteiligung und zu etablieren. Jugendliche wollen wir über
Mitsprache durch ein Kommunales Wahl- eigene Jugendparlamente in allen Bezirken
recht für Migrantinnen und Migranten, die besser an Entscheidungen beteiligen und
hier ihren festen Wohnsitz haben – auch sie eigene Entscheidungen fällen lassen, für
wenn sie keinen deutschen Pass besitzen. die auch finanzielle Budgets zur Verfügung
Es muss sichergestellt sein, dass auch die gestellt werden sollen. Zur Einführung

3. Stadt der Bürgerinnen und Bürger


Interessen derer, die von formalen Betei- dieser Parlamente haben wir ein Konzept
ligungsverfahren ausgeschlossen sind – erarbeiten lassen, das aufzeigt, wie sie an

Das haben wir erreicht:

 Wir haben in Hamburg die direkte De- behandlung und Geschlechtergerech-


mokratie verbindlich gemacht und die tigkeit, des Rassismus und Rechts-
Mitbestimmungsmöglichkeiten beim extremismus, der sexuellen Identität
Wahlrecht ausgeweitet. und dem Schutz vor Diskriminierung
geschaffen.
 Wir haben mit einem neuen Informati-
onsfreiheitsgesetz die Auskunftsrechte der  Wir haben im Landesrecht Schwule
Bürgerinnen und Bürger erweitert. und Lesben vollständig mit der Ehe
gleichgestellt. Das Handlungskonzept
 Wir haben den Hamburgischen Strafvoll- Vielfalt wirkt gegen Ausgrenzung von
zug auf eine neue gesetzliche Grundlage Lesben und Schwulen an Schulen.
gestellt und einen Umstrukturierungspro-
zess eingeleitet.  Wir haben das Recht auf Bildung für
Kinder von Papierlosen gesichert.
 Wir haben für Flüchtlinge 500 Plätze pro
Jahr in Deutschkursen geschaffen.  Wir haben Anti-Konflikt-Teams bei der
Polizei geschaffen.
 Wir haben die Abschiebung von Flüchtlin-
gen in den Iran, nach Syrien, Afghanistan  Wir haben das Prioritäre Jugendstraf-
und nach Guinea gestoppt. Es gab keine verfahren eingeführt, das der schnel-
Rücküberstellungen nach Griechenland leren Verurteilung von Schwellentätern
mehr, und keine Abschiebung von Min- dient.
derheiten in den Kosovo.
 Wir haben strenge Regeln für die Vi-
 Wir haben mit der Arbeitsstelle Vielfalt deoüberwachung öffentlicher Gebäude
eine Anlaufstelle für Fragen der Gleich- durchgesetzt.

27
die bestehende Bezirksstruktur angedockt dann von den zentralen Stellen erledigt
werden können und was nötig ist, damit werden, wenn sich die zentrale Zuständig-
sie wirklich funktionieren. Alle Hamburger keit als eindeutig wirtschaftlicher erweist.
Bezirke müssen sich in Bezug auf die An- Die Bezirke sollen nicht nur für Tiefbau und
wendung des § 33 Bezirksverwaltungsge- Grünflächen zuständig bleiben, auch die
setz (Kinder- und Jugendbeteiligung) ver- örtlichen Straßenverkehrsbehörden müs-
bindlich festlegen. sen mit Personal von der Polizei auf die
Wir wollen eine diskriminierungsfreie Ge- kommunale Ebene verlagert werden, wie
sellschaft. Dazu gehört eine Demokratie, dies auch in allen anderen Bundesländern,
in der alle mitbestimmen dürfen: auch Ju- außer in Bremen, üblich ist.
gendliche. Ihnen wird durch das Wahlalter
die Möglichkeit genommen, sich mit in die
Politik einzubringen. Daher setzen wir uns Demokratie braucht Transparenz
für eine Absenkung des Mindestwahlalters
3. Stadt der Bürgerinnen und Bürger

bei Bezirks- und Bürgerschaftswahlen auf Mit dem Informationsfreiheitsgesetz haben


16 Jahre ein. wir die rechtliche Grundlage für Transpa-
In Bezug auf Bürgerbegehren und Bürger- renz von Behördenhandeln geschaffen.
entscheide steht der Ausbau von Mode- Die Informationen gehören nicht dem Be-
rations- und Einigungsmöglichkeiten vor amtenapparat, sondern den Bürgerinnen
einem Bürgerentscheid. Wir wollen ein und Bürgern. Öffentlich finanzierte Daten
Hamburger Modell der Internetpetition wie digitale Karten, Statistiken und Gut-
entwickeln. achten gehören der Allgemeinheit. Daher
Wir streben an, Hamburg.de zu dem Web- wollen wir einen Open-Data-Prozess un-
portal weiter zu entwickeln, auf dem Mit- ter Berücksichtigung des Datenschutzes
sprache im Internet über wichtige Themen anstoßen. Hamburg liegt hier im europä-
der Stadt stattfindet. ischen Vergleich weit zurück. Wir wollen
Eine funktionierende Beteiligung ist keine das ändern und auf lange Sicht das Niveau
Garantie für einen Erfolg in der Sache. Aber Englands (http//data.gov.uk/data) errei-
sie wird immer häufiger eine wesentliche chen. Wir wollen außerdem eine leicht zu
Voraussetzung dafür sein – und sie verleiht bedienende Internetplattform einrichten,
Legitimation und schafft damit Akzeptanz auf der alle Bau- und Planungsvorhaben
für kontroverse Entscheidungen. der Stadt und der Bezirke verständlich mit
allen öffentlichen Unterlagen zur Verfü-
gung gestellt werden. Transparenz erzeugt
Mehr Entscheidungen vor Ort treffen:  Rechtfertigungsdruck, deshalb kann sie zu
Die kommunale Ebene stärken sachgerechten und tragfähigen Entschei-
dungen beitragen.
Wir wollen, dass die Aufgabenentflech- Transparenz gilt für alle, die Macht und
tung zwischen Bezirken und Fachbehörden Einfluss haben. Daher müssen auch die Ini-
konsequent weiterentwickelt wird. Durch- tiatorinnen und Initiatoren von Volks- und
führungsaufgaben gehören grundsätzlich Bürgerbegehren sowie ihre Unterstützer
in die Bezirke, weil sie leichter für Bürger- offenlegen, wer sie sind und wie sie sich
nähe sorgen können. Aufgaben sollen nur finanzieren.

28
Ebenso muss eine demokratische und orientierte Ausrichtung des Urheberrechts
transparente Entscheidungsfindung Maß- findet und die Entwicklung von neuen Ge-
stab für die Fortentwicklung staatlicher schäftsmodellen als Teil der Lösung gegen
Strukturen sein – etwa bei der Gewährung eine Umsonstkultur für kreative Werke
größerer Autonomie für Staatsanwalt- auslotet. Wir wenden uns aber gegen eine
schaft und Gerichte. In den vergangenen weitreichende Kriminalisierung, gegen
Jahren haben wir in Hamburg solche Au- den Versuch überkommene Geschäftsmo-
tonomiemodelle entwickelt, nun wollen delle per Gesetz zu retten, sowie gegen
wir uns auf Bundesebene für eine stärkere Abmahn-Abzocke.
Selbstständigkeit der Justiz einsetzen. Die Zustimmung der GAL zum Jugend-
medienschutz-Staatsvertrag im November
2010 war ein Fehler. Jetzt steht die Neu-
Netzpolitik verhandlung an und die GAL wird sich erst
positionieren, nachdem sie einen Dialog

3. Stadt der Bürgerinnen und Bürger


Das Internet hat eine gesellschaftliche mit den Hamburger Akteuren geführt hat.
Revolution ausgelöst, indem es unser Ar- Ein neuer Versuch muss auf Regelungen
beiten, unsere Kommunikation und kul- verzichten, die lediglich zu einer Verlage-
turellen Aktivitäten massiv verändert. Der rung von Online-Angeboten führen.
Staat hinkt mit seinen Reaktionen auf diese Die GAL setzt sich für die stärkere Förde-
Entwicklung hinterher: Er reagiert lang- rung einer mehrsprachigen Medienkompe-
sam, wenig koordiniert und häufig mit tenzbildung an Schulen ein. Damit werden
dem Versuch, herkömmliche Regelungen die medienpädagogisch und gesellschaft-
zu übertragen – was im Internet oft nicht lich wirksamen Voraussetzungen bei der
funktionieren kann. Eine aktive Netzpolitik Neuverhandlung des Jugendmedien-
ist uns deshalb ein wichtiges Anliegen. Sie schutz-Staatsvertrags sowie für die neue
muss Freiheiten schützen und regeln, was individualisierte Lernkultur geschaffen.
sinnvoll geregelt werden kann.
Für uns gilt der Grundsatz der Netzneu-
tralität: Die Freiheit, Daten zu versenden Selbstbestimmung braucht Datenschutz 
und zu empfangen, darf nicht beschränkt und Verbraucherrechte
werden; es darf auch kein Internet der
zwei Klassen geben. Wir sind gegen Netz- Ein selbstbestimmter Umgang mit den eige-
sperren und gegen eine flächendeckende nen Daten setzt voraus, dass die Einzelnen
Überwachung des Internets. Verbraucher- über Preisgabe und Verwendung bewusst
und Datenschutz muss auch im Internet selbst entscheiden können. Dazu müs-
gewährleistet sein. Dafür brauchen wir sen wir sie schützen – vor wirtschaftlichem
wirksame Regeln. Die Verhandlungen zum Druck und vor staatlicher Überwachung. Ob
Urheberrecht zwischen Ländern und Bund Google Street View, Arbeitnehmerdaten-
haben für Hamburg als Content-Standort schutz oder der Austausch von Finanz- und
besondere Bedeutung. Wir haben daher Fluggastdaten: Wir wollen unseren erfolg-
maßgeblich dafür gesorgt, dass das Hans- reichen Einsatz für den Datenschutz fortset-
Bredow-Institut im Auftrag der Stadt mit zen – mit Initiativen für Hamburg, im Bund
allen Akteuren einen Weg für eine nutzer- und auf internationaler Ebene.

29
Verbraucherinnen und Verbraucher haben prüfen. Chancengleichheit, soziale Gerech-
einen Anspruch auf gute, gesunde und tigkeit und bürgerliche Mitverantwortung
faire Produkte. Dies gilt für die gesamte sind Grundwerte unserer Gesellschaft. Sie
Palette von Lebensmitteln über Großgerä- müssen für alle Menschen Geltung erlan-
te bis hin zu Finanzdienstleistungen. Jeder gen, die absehbar dauerhaft hier leben. Die
soll wissen, woher sie stammen, wie sie Optionspflicht im Staatsbürgerrecht muss
hergestellt werden und was sie enthalten. abgeschafft werden.
Wer wählen will, braucht Auswahl. Die Er- Die populistische Debatte um die so ge-
gebnisse amtlicher Kontrollen von Lebens- nannte „Integrationsverweigerung“ be-
mittelbetrieben sind zu veröffentlichen und dient verbreitete Vorurteile und sie fordert
bei Restaurant im Eingang durch Smilies eine einseitige Anpassung. Sie ist vor allem
auszuhängen. Auch in Zukunft werden wir eine Integrationsbremse, stigmatisiert den
uns für Transparenz und echte Wahlfreiheit Migrationshintergrund insgesamt und ig-
einsetzen. noriert das überwiegend gut funktionie-
3. Stadt der Bürgerinnen und Bürger

rende Zusammenleben von Menschen un-


terschiedlicher Nationalitäten und Kulturen
Eine Stadt lebt von ihrer Vielfalt in Hamburg.
Diskriminierung hat viele Gesichter, sei es,
In unserer Stadt leben Menschen unter- dass Menschen mit Migrationshintergrund
schiedlichen Alters, unterschiedlicher Her- auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt, Frau-
kunft, Hautfarbe, unterschiedlicher poli- en beim Zugang zu Leitungsebenen be-
tischer Überzeugung, Religion, sexueller hindert werden oder Lesben und Schwule
Identität oder mit Handicap. Die Förde- gewalttätige Übergriffe fürchten müssen.
rung von Vielfalt ist und bleibt für uns eine Mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungs-
wichtige Aufgabe. Seit Jahrhunderten hat gesetz gibt es eine rechtliche Handhabe
Hamburg von Vielfalt wirtschaftlich und gegen Benachteiligungen aus Gründen der
kulturell profitiert. Herkunft, des Geschlechts, der Religion
Wenn die Menschen, die diese Vielfalt oder Weltanschauung, einer Behinderung,
ausmachen, ihre Potenziale in Freiheit und des Alters oder der sexuellen Identität. Wir
gegenseitiger Anerkennung voll entfalten wollen die von uns eingerichtete behördli-
können, führt das zu einer sozialen und che Information und Beratung in Diskrimi-
nachhaltigen Entwicklung unserer Stadt. nierungsfällen weiterführen und ausbauen.
Voraussetzungen für eine erfolgreiche In- Vielfalt ist nicht zu verwechseln mit Be-
tegration in die Gesellschaft sind der Ab- liebigkeit. Toleranz und Respekt bedingen
bau von struktureller Diskriminierung, ge- einander. In allen gesellschaftlichen Grup-
genseitiger Respekt, ein selbstbewusster pen unabhängig von Alter, Geschlecht,
Umgang mit der eigenen Identität und Herkunft, Religion, Erwerbsstatus, Partei-
eine gemeinsame Sprache. Integration oder Gewerkschaftszugehörigkeit treffen
ist für uns ein gesamtgesellschaftlicher Rassismus, Chauvinismus, Homophobie
Prozess. Man kann nicht über Integra- oder Antisemitismus immer wieder auf
tionsunwilligkeit von Migrantinnen und Zustimmung. Die Anzahl rechtsmotivier-
Migranten sprechen, ohne zugleich die ter Gewalttaten steigt. Dagegen müssen
Integrationsfähigkeit der Gesellschaft zu wir handeln und gleichzeitig werben für

30
Toleranz und ein demokratisches Bewusst- der Geschlechter entwickelt. Wir setzen
sein. Dazu wollen wir zivilgesellschaftliche uns dafür ein, dass Gesetze und deren Aus-
Initiativen fördern, ein Landesprogramm wirkungen sowie der Hamburger Haushalt
gegen Rechtsextremismus aufbauen, die nach Gender-Kriterien überprüft werden.
politische Bildung weiterentwickeln und Geschlechtergerechtigkeit ist eine gesamt-
stärken und die Arbeitsstelle Vielfalt weiter gesellschaftliche Herausforderung, Frauen-
nutzen. förderung ist dabei nur ein Teil der Lösung.
Wir wollen traditionelle Rollenbilder auf-
brechen: Davon profitieren alle Menschen
Geschlechtergerechtigkeit  – unabhängig davon, welchem Geschlecht
und neue Rollenbilder sie sich zugehörig fühlen.

Für einen gerechten Anteil von Frauen


an Führung und Verantwortung müssen Ein Handlungsprogramm für Schwule, 

3. Stadt der Bürgerinnen und Bürger


Männer und Frauen Familie und Beruf Lesben und Transgender
besser miteinander vereinbaren können.
Dafür braucht es konkrete Perspektiven Wir Grüne haben dafür gesorgt, dass Les-
für Wiedereinstieg und Aufstieg nach einer ben und Schwule im Landesrecht gleich-
Familienphase ebenso wie flexible Arbeits- gestellt sind. Über den Bundesrat werden
zeitmodelle und den Ausbau einer guten wir uns entschieden dafür einsetzen, dass
Kinderbetreuung. endlich auch im Bundesrecht die Diskrimi-
Frauen verdienen bei gleicher Qualifika- nierung beendet wird. Dies gilt besonders
tion und Tätigkeit immer noch weniger für das gemeinsame Adoptionsrecht. In
als Männer. Eine Angleichung der Löhne Hamburg geht es darum, dass die Gleich-
bleibt deshalb ein zentrales Anliegen unse- berechtigung im Gesetz auch in allen Tei-
rer Gleichstellungspolitik. len der Stadt ankommt und angenommen
Wir wollen, dass mehr Frauen in Auf- wird. Dafür wollen wir ein Maßnahme-
sichtsräte und Vorstände der großen Un- paket zur Bekämpfung von Homophobie
ternehmen einziehen – und auch ins Ma- auf den Weg bringen, wie es der Berliner
nagement der öffentlichen Unternehmen Senat auf Anregung der Berliner Grünen
Hamburgs. Wir haben uns für eine bun- verabschiedet hat.
desgesetzliche Regelung zur Erhöhung des Hamburg braucht mehr Hilfe für schwule
Anteils von Frauen in Führungspositionen Jugendliche. Das Jugendzentrum haben wir
eingesetzt und wir wollen per Bundesrats- vor dem Ende der Koalition ausfinanziert.
initiative ein Gleichstellungsgesetz für die An diesem Zentrum halten wir weiter fest.
Privatwirtschaft auf den Weg bringen. In Gleichzeitig wollen wir, dass die Jugendar-
Hamburg wollen wir eine geschlechterge- beit sich auch gegen die wachsende Homo-
rechte Besetzung von Gremien, bei denen phobie engagiert. Unser Handlungskonzept
die Stadt Hamburg Mitglieder benennt, an den Schulen wollen wir vertiefen und
verankern. Wir setzen uns dafür ein, dass ausbauen. Das auf unseren Vorschlag ein-
Hamburg der EU-Charta zur Gleichstellung stimmig beschlossene Konzept gegen Ge-
von Frauen und Männern beitritt und ei- walt an Lesben, Schwulen und Transgender
nen Landesaktionsplan zur Gleichstellung muss vom neuen Senat umgesetzt werden.

31
Die Geschichte der Verfolgung von homo- genauso ab wie Rücküberstellungen nach
sexuellen Männern und Frauen bis 1969 in Griechenland.
Hamburg ist noch verstärkt aufzuarbeiten. Auch Menschen ohne Aufenthaltspapie-
Ziel muss eine Entschädigung der Opfer sein. re haben das Recht auf Bildung und Aus-
Wir wollen uns verstärkt für die Beendi- bildung, auf gesundheitliche Versorgung
gung der Diskriminierung von Transgender und auf Lohn für geleistete Arbeit. Dafür
einsetzen und dazu eine Bundesratsinitia- wollen wir uns einsetzen. Wir wollen, dass
tive starten. Flüchtlingsorganisationen in der Härtefall-
kommission vertreten sind.

Verantwortung wahrnehmen – 
Flüchtlinge schützen Solidarität mit Opfern, 
Prävention und Resozialisierung
In Hamburg leben etwa 5 000 Menschen
3. Stadt der Bürgerinnen und Bürger

jahrelang nur „geduldet“, sie dürfen hier Kriminalitätsraten und die sozialen und
nicht arbeiten oder wohnen. Wir möch- kulturellen Lebensbedingungen hängen
ten, dass sie endlich in Hamburg ankom- miteinander zusammen. Daher sind bes-
men und ihr Leben eigenverantwortlich sere Bildung, bessere Wohnverhältnisse
führen können. Dafür wollen wir landes- und der Einsatz für gerechte Teilhabe am
politische Spielräume ausschöpfen, um ih- gesellschaftlichen Reichtum die beste Prä-
nen den Zugang zu Deutschkursen, Kita ventionsstrategie. Das umfasst die konse-
und Schule, Ausbildung, Arbeit und Woh- quente Bekämpfung von Obdachlosigkeit,
nung zu gewähren. Die Beschränkungen wirksame Hilfen für Drogenkonsumierende
durch öffentliche Unterbringung und Re- und eine Stadtplanung, die Angsträume
sidenzpflicht müssen abgeschafft werden. vermeidet.
Die Unterbringung von Flüchtlingen in Wir brauchen schnelle und eindeutige
Nosdorf/Horst wollen wir beenden. Reaktionen der beteiligten Personen und
Abschiebungen und Abschiebehaft sind Stellen. Um kriminelle Karrieren zu stop-
traumatische Erlebnisse. Wo wir sie po- pen, müssen Strafen angemessen und
litisch nicht verhindern können, müssen spürbar sein – und gleichzeitig die Situati-
höhere Mindestanforderungen als bis- on der Jugendlichen berücksichtigen. Dem
her gelten. Besonders schutzbedürftige schnellen und vernetzten Eingreifen dient
Gruppen wie Minderjährige, Schwangere, das von uns eingerichtete Projekt PriJus
Kranke und Alte sollen nicht in Abschie- (Prioritäres Jugendstrafverfahren), das wir
behaft genommen werden. In der Ab- fortsetzen und ausbauen wollen. Dabei
schiebehaft wollen wir die Bedingungen müssen wir unser Augenmerk besonders
verbessern, das gilt insbesondere für Be- auf männliche Jugendliche richten, die
ratungs- und Kontaktmöglichkeiten. Wir überdurchschnittlich oft Täter, aber auch
brauchen Clearingverfahren für Flücht- Opfer von Gewalttaten sind.
linge. Das bisher angewandte Verfahren Die Prävention, Sanktion und Überwin-
zur Altersfeststellung lehnen wir ab. Ab- dung von geschlechtsspezifischer Gewalt,
schiebungen in Krisengebiete wie Tschet- ob im öffentlichen oder privaten Raum,
schenien, Iran oder Guinea lehnen wir bleiben wichtige Themen. Traumatisie-

32
rungen aufgrund von Gewalterfahrungen Die Polizei muss präsent und ansprechbar
haben für alle Opfer einschneidende, nicht sein, dafür ist bürgernahe Polizeiarbeit die
selten lebenslange Folgen. Wir setzen uns wichtigste Grundlage. Knappe Ressour-
für die Weiterentwicklung des Opferhilfe- cen erfordern eine flexible Strategie, die
systems in Hamburg ein und fordern ins- zum Beispiel eine zeitweise Verstärkung
besondere die Stärkung der Opferzeugen- in Brennpunkten zulässt. Dies kann An-
begleitung im Strafverfahren. sprechbarkeit und Prävention verbessern.
Ein Strafvollzug, der auf Resozialisierung Polizei muss sich nicht verstecken und kann
ausgerichtet ist, schützt die Opfer – weil Kritik aushalten. Daher sollten alle Polizis-
er künftigen Straftaten vorbeugt. Mit tinnen und Polizisten durch Namensschil-
der Neuordnung des Erwachsenen- und der oder Kennnummern eindeutig identi-
Jugendstrafvollzugs sowie der Untersu- fizierbar sein. Unabhängige Beauftragte
chungshaft haben wir die kurzsichtige sollen Missstände oder Gewaltvorfälle auf-
Law-and-Order-Politik des CDU-Senators klären und Sanktionen einleiten können.

3. Stadt der Bürgerinnen und Bürger


Roger Kusch beendet. Teure Überkapazi- Den Anteil von Menschen mit Migrations-
täten werden abgebaut. Wir wollen, dass hintergrund im Polizeidienst wollen wir
der Offene Strafvollzug als Brücke in ein weiter steigern. Fortbildung und Personal-
verantwortliches Leben in Freiheit weiter entwicklung sind Schlüsselfaktoren moder-
ausgebaut wird. Dazu muss die beschlos- ner Polizeiarbeit.
sene Umstrukturierung des Strafvollzugs Notwendig sind aber auch demokrati-
jetzt umgesetzt werden. schere Führungsstrukturen und flachere
Hierarchien. Der starke Zentralismus der
Polizei hat zu üppig ausgestatteten Füh-
Eine Stadt braucht Öffentlichkeit:  rungsstäben, fehlender Verantwortung
Gegen Überwachung und Repression im Mittelbau und einsamen Entscheidern
an der Spitze geführt. Wir werden uns für
Der öffentliche Raum muss öffentlich blei- eine umfassende Struktur- und Effizienzun-
ben. Ein Verdrängen von gesellschaftlich tersuchung des Polizeiapparates einsetzen,
marginalisierten Gruppen wird es mit uns um dieses Missverhältnis zu beenden. Wir
nicht geben. Die Videoüberwachung öf- halten es außerdem für falsch, in Zeiten
fentlicher Straßen und Plätze wollen wir knapper Kassen ein Polizei-Orchester zu
zurückdrängen. unterhalten.
Die Demonstrationsfreiheit ist ein hohes Kriminalität ändert sich ständig: Natur-
Gut. Sie verträgt sich nicht mit massiven und sozialwissenschaftliches Know-how
Polizeiketten, hinter denen das Anliegen und die Beherrschung moderner Kommu-
der Demonstrierenden verschwindet. Auch nikationsmittel müssen gezielt entwickelt
in kritischen Situationen halten wir Au- werden. Zur wirksamen Bekämpfung von
genmaß und deeskalierende Maßnahmen Kriminalität braucht eine moderne Groß-
für wichtig. Wir haben die Einführung von stadtpolizei auch eine wissenschaftliche
Anti-Konflikt-Teams bei der Polizei durch- Polizeiausbildung. Sie könnte beispielswei-
gesetzt. Sie müssen konsequent eingesetzt se als Teil der HAW-Forschung ermöglicht
werden. Verstärkter Grundrechtsschutz ge- werden und ihre Abhängigkeit von der Po-
hört in ein novelliertes Polizeigesetz. lizeiführung überwinden.

33
Hamburg ist nicht allein in der Welt:  facher macht, sozialökologisch handelnde
Europa & Internationales Unternehmen in der Hansestadt zu fördern.
Hamburg als Welthandels- und herausra-
Hamburg trägt als Weltstadt globale Ver- gender Konsularstandort pflegt internati-
antwortung. Aus diesem Grund wollen wir onale Kontakte zu fast allen Staaten der
in Hamburg koloniale Spuren aufarbeiten, Erde. Die Stadt kann sich für die Rechte
Hamburg zu einer fairen Handelsstadt der demokratischen und friedlichen Op-
weiterentwickeln und den Rat für nach- positionen im Ausland einsetzen und muss
haltige Entwicklungspolitik stärken. Ob Verstöße gegen Demokratie und Men-
Wirtschaft, Umwelt, Bildung, Kultur oder schenrechte im Gespräch mit den Partnern
Migration: Hamburg muss in seiner Ent- offen ansprechen.
wicklungszusammenarbeit und mit seinen Erfolgreiche Partnerschaftsprogramme
Städtepartnerschaften mehr tun. werden fortgesetzt und die neue Part-
nerschaft mit Dar es Salaam soll lebendig
3. Stadt der Bürgerinnen und Bürger

Im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit gestaltet werden. Schul- und Jugend-


sollen zivilgesellschaftliche Organisationen austauschprogramme sowie Studen-
auch wieder institutionell unterstützt werden. tenaustauschprogramme sind weiterhin
Mit der Kleinstmittelförderung sollen auch unabdingbar. Der Ostseeraum hat das
kleinere Initiativen wieder die Möglichkeit der Potenzial zu Europas internationaler Mo-
Förderung erhalten. Ein Schwerpunkt muss dellregion zu werden, in der wir in einer
insgesamt auf die entwicklungspolitische modernen, nachhaltigen und damit zu-
Bildungsarbeit gelegt werden. Dazu gehört kunftsfähigen Gesellschaft leben.
auch, dass migrantischdiasporische Selbst- Der EU-Reformvertrag von Lissabon und
organisationen im Rahmen der Entwick- der Subsidiaritätsgrundsatz bieten die Mög-
lungspolitik der Hansestadt gefördert wer- lichkeit, sich auf vielfältige Weise in den
den. Das Ziel einer Fairhandelsstadt soll wei- Gesetzgebungsprozess der Europäischen
ter verfolgt werden. Die Stadt Hamburg baut Union mit einzubringen. Diese Gelegenheit
darüber hinaus ihr Beschaffungsmanage- soll nicht ungenutzt bleiben. Hamburg soll
ment so um, dass beim öffentlichen Einkauf Vorbild darin werden, dass die Menschen
noch breiter und verbindlicher auf soziale über anstehende europäische Entscheidun-
und ökologische Kriterien geachtet werden gen informiert und an der Positionierung
kann. Mit Wirtschaftsverbänden und zivilge- der Stadt beteiligt werden. Hierzu zählt
sellschaftlichen Organisationen soll die Stadt die Unterstützung der neuen Europäischen
einen Fairness-Code vereinbaren, der es ein- Bürgerinitiative.

34
4. Stadt der Solidarität 

Unsere Stadt:  setzen uns auf Bundesebene für einen


Lebenswert für alle deutlich höheren Hartz-IV-Regelsatz ein
und werden in Hamburg die Richtwerte zur
Immer noch haben viele Menschen keine Übernahme der Kosten der Unterkunft je-
Teilhabe am Wohlstand, immer mehr Men- weils am aktuellen Mietspiegel ausrichten.

4. Stadt der Solidarität


schen sind arm, haben kaum Bildungs-
chancen und keine ausreichenden Mög-
lichkeiten, ihre Interessen zu artikulieren. Soziale Wohnungspolitik: 
Wenn relevante Teile der Bevölkerung von Die Verantwortung dieser Stadt
Teilhabe und Mitgestaltung ausgeschlos-
sen sind, steht der Zusammenhalt der Stadt Bis 2008 wurde der Wohnungsbau ver-
in Frage. nachlässigt. Eigentum wurde besonders
Die Grünen setzen auf die Weiterentwick- gefördert, bezahlbarer Wohnraum ist des-
lung Hamburgs als gerechte und lebens- halb inzwischen knapp in Hamburg.
werte Stadt, auf die Stärkung des sozialen Wir haben für eine Umsteuerung gesorgt
Zusammenhalts und die Entfaltungsmög- und wollen diesen Weg mit aller Kraft als
lichkeiten jedes Einzelnen. Bildung, Arbeit, einen unserer Schwerpunkte weiterverfol-
Wohnungsversorgung und Familienförde- gen. Die beschlossenen Maßnahmen für
rung haben dabei einen besonderen Stel- mehr sozialen Ausgleich greifen nicht so-
lenwert, ebenso die Integration von Men- fort am Wohnungsmarkt, wir wollen die
schen mit Migrationshintergrund. Umsetzung intensivieren. Wir haben die
In Netzwerken, Initiativen und selbst- Zahl der jährlich geförderten Sozialwoh-
verwalteten Projekten engagieren sich nungen von 600 auf 1.200 verdoppelt, zu-
zunehmend Menschen für ihr Leben im züglich über 1.400 Sozialbindungen durch
Quartier. Das ist ein oft unbequemes, aber Modernisierungsförderung geschaffen,
notwendiges Korrektiv auch grüner Politik. den Geschoss- und Mietwohnungsbau ge-
Wir setzen uns für den Erhalt der Roten zielt gefördert und dafür gesorgt, dass bei
Flora als selbstverwaltetes Stadtteilkultur- allen größeren Wohnungsbauvorhaben
zentrum ein. mindestens 20-30 Prozent Sozialwohnun-
Die Hartz-IV-Politik der CDU/FDP-Bun- gen realisiert werden sollen. Dies wurde
desregierung ist von einer eher ignoranten erst von der GAL ermöglicht.
Haltung gegenüber den tatsächlichen so- Wir wollen die SAGA/GWG wieder zum
zialen Problemlagen geprägt und belastet maßgeblichen Wohnungsbauer der Stadt
auch das soziale Klima in Hamburg. Wir machen, mit einem sozialen Mietenkonzept.

35
Die freie Wohnungswirtschaft und -Bau- Stadtteile: 
genossenschaften müssen verstärkt beim Vielfalt erhalten, Vielfalt schaffen
Sozialwohnungsbau in die Pflicht genom-
men werden. Eine zeitgemäße Hamburger Der Druck auf die Stadtteile der inneren
Mischung aus Sozial-, Genossenschafts-, Stadt nimmt stetig zu. Es besteht für vie-
Baugemeinschafts-, Eigentums- und frei- le Menschen vor Ort die akute Gefahr der
finanziertem Wohnungsbau hat sich be- Verdrängung durch Luxussanierung und
währt und wird von uns weiterverfolgt. Umwandlung in Eigentumswohnungen.
Sozialbindungen sollen in ausreichen- Dies ist eine Folge der Politik bis 2008. Wir
dem Maße angekauft und wieder mit haben angefangen, dem entgegen zu steu-
Bindungszeiten bis 30 Jahren versehen ern. Zum Schutz der Mieterinnen und Mie-
werden. Baugemeinschaften fördern die ter haben wir in St. Georg, St. Pauli, dem
Vielfalt und den sozialen Zusammenhalt Ottenser Osterkirchenviertel, in Altona-
der Quartiere und verhindern den Weg- Altstadt und dem Schanzenviertel soziale
4. Stadt der Solidarität

zug von weniger finanzstarken Familien Erhaltungsverordnungen auf den Weg ge-
ins Umland. Die begonnenen Fördermaß- bracht. Die Vorprüfungen für Eimsbüttel-
nahmen wollen wir fortsetzen. Um den Süd laufen schon, und für Ottensen-West,
Druck auf den Sozialwohnungsbestand Bahrenfeld, Hohenfelde sollen sie zügig
zu nehmen, wollen wir mit einem neuen angegangen werden. Das Vorkaufsrecht
geförderten Preisbereich von 7 bis 9 Euro zur Verhinderung von spekulativen Haus-
pro Quadratmeter Wohnfläche Haushal- verkäufen soll ausgeübt werden. Weiter-
ten mit mittleren Einkommen ein zusätzli- verkäufe sollen bevorzugt an Mieterge-
ches Angebot machen. nossenschaften oder Eigentümer erfolgen,

Das haben wir erreicht:

 Die soziale Stadtteilentwicklung wurde  3.000 Plätze in der Quartiersarbeit wur-


neu aufgestellt und intensiviert. den geschaffen.

 Wir haben Maßnahmenbündel für mehr  Wir haben die Maßnahmen insbesonde-
bezahlbaren Wohnraum in Hamburg ge- re für sozial benachteiligte Familien und
schnürt: Der soziale Wohnungsbau wur- Jugendliche ausgebaut: Es gibt mehr
de verdoppelt, Gewerbeflächen werden Eltern-Kind-Zentren, mehr Straßen-
für Wohnungsbau freigegeben, alteinge- sozialarbeit und auch mehr Familien-
sessene Bewohner in beliebten Quartie- hebammen.
ren werden vor Verdrängung und Luxus-
sanierungen besser geschützt, städtische  Wir haben seit 2010 ein strenges Pas-
Grundstücke werden nicht mehr nur im sivraucherschutzgesetz: Rauchen ist fast
Höchstpreisverfahren verkauft. nur noch in kleinen Kneipen ohne Spei-
seangebot erlaubt.
 Mobilität für sozial Benachteiligte: Das
Sozialticket wurde wieder eingeführt.

36
die Garantien über Miethöhen abgeben können. Den Aufbau von Privatvermögen
und auf Umwandlung in Wohneigentum durch Wohneigentumsförderung wollen
verzichten. Die Wohnungen und Gewer- wir nicht mehr aus dem Hamburger Haus-
bebauten sollen insbesondere den Miete- halt fördern.
rinnen und Mietern angeboten werden,
die von Verdrängung im Stadtteil betroffen
sind. Wohnungsleerstand gilt es verstärkt Städtische Flächen: 
zu bekämpfen. Wohnwert statt Verwertung
Ein wesentlicher Bestandteil unserer Politik
ist es, die Stadtteile für alle Hamburger at- Die GAL hat durchgesetzt, dass städtische
traktiv und lebenswert zu gestalten: nicht Flächen im sogenannten Höchstgebotsver-
nur Szene-Stadtteile, sondern ganz Ham- fahren nicht mehr ausschließlich meistbie-
burg. Hier liegen die Potenziale für den tend an Investoren gehen: Künftig muss
dringend benötigten Wohnungsbau. Wir die Grundstückvergabe nach der Quali-

4. Stadt der Solidarität


wollen mit den Menschen den öffentlichen tät der eingereichten Konzepte erfolgen.
Raum gestalten, Möglichkeiten und Räu- Mietwucher wollen wir einen Riegel vor-
me für die Teilnahme am öffentlichen Le- schieben. Das Land Hamburg hat dafür
ben schaffen. Wir wollen neue Quartiers- wenig Handhabe, deshalb wollen wir eine
plätze einrichten, wo sich die Menschen entsprechende Regelung im Bund voran-
gern aufhalten und miteinander in Kontakt bringen.
kommen. Schulen und Plätze sollen sich Wegweisende Stadtentwicklungsprojekte
verstärkt zum Mittelpunkt eines Stadtteiles sind auf den Weg gebracht. An mehre-
entwickeln und Raum für Aktivitäten bie- ren Orten entsteht neuer und bezahlbarer
ten. Projekte wie das Wilhelmsburger Bil- Wohnraum, beispielsweise auf den ehe-
dungszentrum „Tor zur Welt“ sind für uns maligen Bahnflächen von „Mitte Altona“,
ein maßgebendes Beispiel. in Jenfeld, Wilhelmsburg oder in der Ha-
Freiräume müssen sein: Deshalb wollen wir fencity. Durch unsere Initiativen konnten
mehr Platz für Bauwagen. viele soziale und ökologische Zielsetzun-
Das gemeinschaftliche Bauen in einer gen in den Planungen verankert werden.
Genossenschaft oder Stiftung fördert die Hier sollen mehr Baugemeinschaften, Ge-
Vielfalt und den sozialen Zusammenhalt nossenschafts- und Sozialwohnungen ent-
der Quartiere, sichert langfristig günstigen stehen. Wir wollen uns dafür einsetzen,
Wohnraum und verhindert den Wegzug dass neue Konzepte für gute günstige und
von weniger finanzstarken Familien ins auch kleine Wohnungen entwickelt und
Umland. Wir wollen, dass sie 20 Prozent umgesetzt werden. Darüber hinaus wol-
aller zu vergebenden städtischen Grund- len wir auch das Wohnen an und auf dem
stücke plus Förderung bekommen. Wasser mit „schwimmenden Häusern“
Auch Wohnprojekte für Menschen mit fördern.
psychischen Erkrankungen, Behinderun- Wir haben durchgesetzt, dass Gewerbe-
gen oder Suchtproblematiken brauchen flächen künftig für Wohnungsbau frei-
genügend Wohnraum in Hamburg, damit gegeben werden, beispielsweise in Oth-
diese Gruppen im Zentrum der Stadt und marschen und Lurup. Wir machen uns für
damit im Zentrum der Gesellschaft bleiben weitere Umwidmungen stark.

37
Zur Aktivierung und Erschließung von vor der Krise. Wir werden uns deshalb auf
Wohnungsbaupotenzialen in den Bezirken Bundesebene für einen gesetzlichen Min-
muss diesen der Zugang zu Grundstücken destlohn für alle Branchen einsetzen. Bei
erleichtert werden. Gleichzeitig muss die Beschäftigungsträgern von Maßnahmen
Motivation der Bezirke zur Nachverdich- für Langzeitarbeitslose muss – analog den
tung gestärkt werden. Anforderungen von Maßnahmen des Euro-
päischen Sozialfonds – die Anwendung des
Tarifvertrags der Länder (TV-L) durchgesetzt
Im Stadtteil zu Hause sein werden. Unser Ziel ist es, dem ruinösen
Wettbewerb in diesem Bereich zu begegnen
Um die soziale Integrationskraft der und die Beschäftigten umfassend vor Nied-
Quartiere zu stärken, hat die GAL im Juli riglohn zu schützen.
2009 das Rahmenprogramm Integrierte Nachhaltige grüne Arbeitsmarktpolitik will
Stadtteilentwicklung (RISE) auf den Weg Erwerbslose stärken, damit sie auf Dauer
4. Stadt der Solidarität

gebracht. Die Stadtteilentwicklung wur- wieder im Arbeitsmarkt Fuß fassen. Nie-


de damit grundlegend reformiert. Ziel mand darf ohne Chance bleiben. Das heißt:
des Programms ist es, durch Bildung und Wir müssen mit einer beruflichen Bildungs-
Qualifizierung die individuellen Voraus- offensive dem Facharbeiter-Mangel begeg-
setzungen der Menschen zur gesellschaft- nen. Wir müssen alle Menschen gut ausbil-
lichen Teilhabe zu verbessern. Grundlage den und gezielt fördern und die vielfältigen
dafür ist das von uns initiierte Sozialmo- Hilfen für Arbeitslose besser auf die Bedürf-
nitoring, das fundierte und vergleichbare nisse im Einzelfall zuschneiden. Dafür setzen
Informationen über die Situation in den wir auf gut ausgebildetes Personal in den
Stadtteilen liefert und Ressourcen gezielt Jobcentern und wollen auch die Position der
in besonders benachteiligte Gebiete steu- Hilfesuchenden durch unabhängige Sozial-
ert, um der Spaltung in arme und reiche beratung stärken. Insgesamt wollen wir die
Stadtteile entgegen zu wirken. 24 Gebiete Hamburger Zuständigkeiten für die Grundsi-
haben Zielvereinbarungen erhalten, für cherung (SGB II und SGB XII) wieder in der
vier Stadtteile werden gegenwärtig Ent- Sozialbehörde bündeln.
wicklungskonzepte erarbeitet. Für den
Osdorfer Born, Neuwiedenthal und Neu-
allermöhe sind Entwicklungsverfahren in Quartier und Ökonomie: 
Vorbereitung. Es ist uns wichtig, den mit Arbeiten für den eigenen Stadtteil
RISE eingeschlagenen Weg der integrier-
ten Stadtteilentwicklung fortzusetzen. Der Arbeitsmarkt bleibt der wirksamste Mo-
tor der gesellschaftlichen Integration. Die
Verknüpfung von Beschäftigungsförderung
Arbeitsmarkt:  und Stadtteilentwicklung ist für uns ein so-
Qualifikation statt Lohndumping zialpolitischer Handlungsschwerpunkt. Wir
müssen öffentlich geförderte Beschäftigung
Obwohl die Konjunktur brummt, wächst anbieten und individuelle Hilfe mit der Ar-
die Zeitarbeit, und es gibt in fast allen Bran- beit in sozialen und ökologischen Projekten
chen mehr prekäre Arbeitsverhältnisse als besonders in den Stadtteilen verbinden.

38
Wir setzen uns dafür ein, dass in der ÖRA Zeitkarte für die ärmsten Hamburgerinnen
(Öffentliche Rechtsauskunft) eine Ombuds- und Hamburger gesorgt. Mehr als 46.000
stelle geschaffen wird, an die sich langzeit- Menschen nutzen derzeit diese Karte. Ob-
arbeitslose Sozialleistungsempfängerinnen wohl die Sozialkarte bereits in ihrer jetzigen
und -empfänger in Konfliktfällen mit der Form ein großer Erfolg ist, suchen wir nach
team.arbeit.hamburg wenden können. Möglichkeiten für ihre Verbesserung. Eine
Die Bundesregierung kürzt 2011 massiv Übertragbarkeit von CC-Karten innerhalb
die Fördermittel für Arbeitslose. Ham- von Familien ist eine Option, damit sich
burg muss deshalb seine aktive Arbeits- benachteiligte Familien kostengünstig in
marktförderung beibehalten und beson- der Stadt bewegen können. Außerdem
ders benachteiligte Zielgruppen fördern setzen wir uns für die Abschaffung des
sowie Quartiersarbeit unterstützen. Ar- Schnellbus-Zuschlags ein.
beitsmarktpolitik wird hauptsächlich vom
Bund bezahlt. Hamburg kann durch eine

4. Stadt der Solidarität


kluge, behördenübergreifende Politik der Wachsen in der Stadt: 
Kofinanzierung gemeinsame Programme Gute Chancen für Kinder und Jugendliche
initiieren und beispielsweise für sozialver-
sicherungspflichtige Arbeitsplätze – auch Wir wollen ein starkes Netz für Kinder
für Menschen mit Beschäftigungshemm- und Jugendliche in unserer Stadt. Etwa
nissen – in der stadtteilorientierten Be- jedes vierte Kind in Hamburg ist armuts-
schäftigungspolitik nutzen. gefährdet. Der Teufelskreis aus Armut und
Geprüft werden soll außerdem, ob das In- schlechten Bildungs- und Berufschancen
strument der Integrationsfirmen, welches lässt sich nicht allein durch Geld vom Staat
momentan nur für Menschen mit Behin- durchbrechen. Daher wollen wir allen Kin-
derungen eingesetzt wird, weiter ausge- dern und Jugendlichen unabhängig von
weitet werden kann, um noch mehr Men- ihrer Herkunft die Chance auf einen er-
schen mit Beschäftigungshemmnissen am folgreichen Bildungsweg eröffnen. Dieser
Erwerbsleben teilhaben zu lassen. fängt schon in der Kita an.
Für erfolgversprechend halten wir Mo- Den Kinderschutz durch eine aufsuchen-
delle, die Unterstützungsleistungen für de Arbeit von Familienhebammen haben
Arbeitslose – wie den Regelsatz, Unter- wir ausgebaut und wollen ihn weiter ver-
kunftskosten und Maßnahmekosten – in bessern. Eltern brauchen Anlaufstellen im
reguläre Arbeitslöhne umwandeln. Für Stadtteil. Die Erfahrungen mit den neuen
diesen kreativeren Einsatz staatlicher Eltern-Kind-Zentren zeigen, dass die Ver-
Transferleistungen müssen im Bund die knüpfung von Betreuung und Beratung gut
Voraussetzungen geschaffen werden. ankommt. Wir setzen uns dafür ein, dass
alle Kinder durch verbindliche Einladungen
an den Vorsorgeuntersuchungen bei Kin-
Mobilität ist Teilhabe  derärztinnen und -ärzten teilnehmen.
Kinder und Jugendliche brauchen Bewe-
Mobilität ist eine Notwendigkeit für alle gung, Natur, Freiräume als Treffpunkte
Menschen. Wir Grüne haben für die Wie- auch für ihre Familien und ausreichend
dereinführung einer vergünstigten HVV- Spielplätze – gerade in einer Großstadt.

39
Daher treten wir für eine Stadtplanung ein, generationengerechte und nachhaltige
die diese Belange berücksichtigt. Für alle Finanzpolitik mit Umbau der Gesundheits-
Kinder und Jugendlichen wollen wir die und Sicherungssysteme ein.
Einrichtungen der offenen Kinder- und Ju-
gendarbeit wohnortnah im Stadtteil erhal-
ten. Zudem wollen wir mehr Straßensozial- Pflege mit Würde
arbeiterinnen und -arbeiter auf Hamburgs
Straßen und Plätzen haben. Mit dem demographischen Wandel steigt
Mädchen und Jungen brauchen Angebo- die Zahl pflegebedürftiger Menschen.
te zur Entwicklung einer selbstbewussten Gleichzeitig verändern sich familiäre und
Identität jenseits von Rollenstereotypen. soziale Netzwerke. Wir müssen auf diese
Stärker als bisher wollen wir Jungen fördern, Entwicklungen reagieren und die Qualität
denn sie haben zunehmend Probleme, ihre der Pflege verbessern. Menschenwürde
Rolle in der heutigen Gesellschaft zu finden. und soziale Teilhabe müssen dabei ge-
4. Stadt der Solidarität

Durch Maßnahmen in Schule und Jugend- währleistet bleiben. Wir setzen uns für die
einrichtungen wollen wir Jugendlichen bei Stärkung der Rechte älterer und betreu-
der Entwicklung ihrer sexuellen Identität ungsbedürftiger Menschen ein. Vorrangig
helfen – das gilt auch für Schwule, Lesben wollen wir jene Wohnformen fördern, die
und Transgender. die Selbständigkeit sowie nachbarschaftli-
ches und generationenübergreifendes Zu-
sammenleben mit professioneller Hilfe und
Eine neue Kultur des Alterns und der Alten Pflege verbinden. Wir treten ein für eine
kultursensible Pflege. Die Anforderungen
Wir wollen Selbstbewusstsein, Eigenver- an die Pflege steigen, Fachpersonal fehlt
antwortung und Würde der Älteren und und Pflegekräfte sind häufig überlastet.
Alten erhalten und fördern. An die Stelle Deshalb müssen wir die Attraktivität der
von Altersdiskriminierung und Ausgren- Pflegeberufe verbessern. Wir treten für
zung sollen Selbstbestimmmung und Le- eine bessere Bezahlung der Fachkräfte ein
bensqualität treten. Ältere sollen stärker und wollen für Hamburg eine Reform der
an gesellschaftlichen und politischen Ent- Pflegeausbildungen erreichen.
scheidungen beteiligt sein und mehr Aner-
kennung für ihre vielfache ehrenamtliche
Arbeit erfahren. Wirtschafts- und Arbeits- Die Rechte von Menschen mit 
marktpolitik, Bildungspolitik und Stadt- Behinderung verwirklichen
entwicklung müssen sich angesichts des
demographischen Wandels auf die Fähig- Die UN-Behindertenrechtkonvention for-
keiten und Bedürfnisse Älterer und ande- dert, dass sich Unterstützungsleistungen
rer Menschen mit Unterstützungsbedarf an den Lebensbedingungen von Menschen
einstellen. Der Übergang in den Ruhestand mit Behinderungen orientieren. Dies drückt
soll fließend sein und möglichst viel von den Wandel von einer Politik der Fürsorge
der Erfahrung Älterer bewahren. Einerseits hin zu einer Politik kultureller, politischer
gilt es Altersarmut zu vermeiden und ab- und sozialer Rechte aus. Diesem Leitge-
zubauen, andererseits treten wir für eine danken fühlen wir uns verpflichtet. Ein

40
zentrales Instrument dabei ist die Erarbei- trächtigungen sowie für junge Wohnungs-
tung eines Landesaktionsplans zur Umset- lose und Frauen vorhält.
zung der UN-Konvention in Hamburg.
Kinder mit Behinderung haben nun auch
in Hamburg das Recht, eine Regelschule Gesundheit
zu besuchen. Eine unerlässliche Voraus-
setzung für Teilhabe ist die Barrierefreiheit. Der Gesundheitssektor ist für Hamburg
Dies betrifft beispielsweise rollstuhlgerech- ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, den wir
te Verkehrsmittel sowie Hilfen für Seh- behördenübergreifend weiter fördern
oder Hörbehinderte und Informationen in wollen. Diese Förderung muss auch eine
einfacher Sprache. zentrale soziale Komponente beinhal-
Wir haben uns nicht nur erfolgreich gegen ten. Dafür wollen wir die Wettbewerbs-
eine Streichung des Blindengeldes ein- nachteile öffentlicher Gesundheitseinrich-
gesetzt, sondern dieses auch noch an die tungen abbauen und den Qualitätswettbe-

4. Stadt der Solidarität


Rentenentwicklung gekoppelt. Wir wollen werb voranbringen. Patientenrechte müssen
das auch in Zukunft so beibehalten. gestärkt, gute, familienfreundliche Arbeits-
bedingungen sowie die wohnortnahe Ge-
sundheitsversorgung aller Bürgerinnen und
Wohnung ist Grundrecht:  Bürger sichergestellt werden. Diese Versor-
Wohnen statt unterbringen gung muss weiterhin wohnortnah und ohne
lange Wege zur Verfügung stehen. Wir wol-
Die Zahl der Wohnungslosen so gering wie len der Abwanderung von Kassenärztinnen
irgend möglich zu halten, ist die Aufgabe und -ärzten aus den Stadtteilen entgegen-
einer integrativen Wohnungspolitik. Dra- wirken und setzen dazu auf den Dialog mit
matisch ist die Situation von Behinderten, der Kassenärztlichen Vereinigung und den
chronisch Kranken und Alten. Weniger Verbänden der Krankenkassen. Dafür wollen
als ein Drittel der anerkannt vordringlich wir eine Vernetzung von Praxisanteilen der
Wohnungssuchenden dieser Gruppe be- medizinischen Ausbildung mit der Arbeit von
kam 2009 eine Wohnung vermittelt. Gesundheitshäusern und medizinischen Ver-
Die Zahl der Wohnungslosen in öffentlicher sorgungszentren in benachteiligten Stadttei-
Unterbringung liegt relativ stabil bei rund len. Zurzeit werden Studierende erst viel zu
3.000. Die wachsende Anzahl von Obdach- spät mit der Realität von niedergelassenen
und Wohnungslosen ist für uns Hamburger Ärztinnen und Ärzten, aber auch anderen
beschämend. Die Öffnung eines Bunkers als Gesundheitsberufen vor Ort konfrontiert.
Erfrierungsschutz ist keine nachhaltige Ant- Gesundheitsförderung und -vorsorge muss
wort. Ein Ausbau bestehender Hilfen, der durch kontinuierliche und in der Praxis be-
öffentlichen Unterbringung sowie des Win- währte Projekte sowie durch eine organisier-
ternotprogramms ist deshalb erforderlich. te Zusammenarbeit von Sozial-, Bildungs-
Wir wollen eine bedarfsgerechte Obdach- und Gesundheitseinrichtungen ausgebaut
losenhilfe, die in ausreichendem Umfang und nachhaltig gesichert werden. Wir wol-
kleinteilige und dezentrale Unterbringungs- len den schulärztlichen und schulzahnärzt-
möglichkeiten insbesondere für Menschen lichen Dienst stärken und weiterhin in den
mit körperlichen oder psychischen Beein- bezirklichen Gesundheitsämtern verankern.

41
In den Hamburger Krankenhäusern wollen für eine sinnvolle Regulierung ausschöp-
wir die unabhängige Patientenberatung fen und eine Bundesratsinitiative starten.
durch den Sozialdienst sichern und die
Zahl der Infektionen mit multiresistenten
Keimen durch Erlass einer Hygieneverord- Sport: 
nung reduzieren. Eine Privatisierung des Hamburg bewegt sich
UKE oder den Zukauf von Krankenhaus-
kapazitäten durch Asklepios lehnen wir Bewegung und Sport erzeugen großen sozi-
weiter ab. alen, medialen und ökonomischen Nutzen in
Wir haben die Aids-Prävention entschei- unserer Gesellschaft. Gesundheit, Integration
dend gestärkt und ausgebaut. Dies wollen und Gewaltprävention sind Handlungsfelder,
wir auch in Zukunft so fortführen. die durch Bewegung und Sport unterstützt
werden. Die Sportvereine leisten hierbei un-
verzichtbare Arbeit und sind wichtige Part-
4. Stadt der Solidarität

Drogen und Sucht:  ner. Wir wollen die Handlungsfähigkeit der


Helfen statt kriminalisieren Sportvereine angesichts der Aufgabenfülle
stärken. Leistungs- und Breitensport erfüllen
Legaler und illegaler Drogenkonsum sind unterschiedliche, wichtige Funktionen.
gesellschaftliche Realität. Abhängigkeit Die GAL will durch effektive Vernetzung
kann dabei mit Repression nicht wirk- mit Schulen die Bildungschancen aller Ta-
sam bekämpft werden, daher stellen wir lente fördern. Sanierung und Neubau von
Prävention und Hilfen für Betroffene ins Schulsportstätten müssen der geänderten
Zentrum unserer Politik. Neue Ansätze Standortplanung zügig angepasst werden.
gegen die Drogenkriminalität wollen wir Die Sanierung öffentlicher und vereinseige-
unvoreingenommen prüfen, etwa partiel- ner Sportanlagen wird die GAL fortführen.
le Legalisierung oder staatlich kontrollierte Die Sportentwicklungsplanung wollen wir
Drogenabgabe. Die kontrollierte Abgabe zu Ende führen und umsetzen. Die Bewe-
von Diamorphin an Heroinabhängige in gungsangebote für Kinder im Vorschulalter
Hamburg wollen wir fortführen. Zudem sollen ausgebaut werden. Die Vergabe
unterstützen wir das Pilotprojekt „Drug- von Nutzungszeiten für Sportstätten soll
checking“ für Hamburg, das Konsumenten optimiert werden, um mehr Menschen in
vor gepanschten Drogen schützt. Bewegung zu bringen. Bewegungsmög-
Wir wollen das Suchthilfesystem kontinu- lichkeiten für Menschen aller Generationen
ierlich evaluieren und weiterentwickeln, wird die GAL stärker in der Freiraumpla-
besonders bei Verhaltenssüchten wie etwa nung berücksichtigen, damit noch mehr
der Spielsucht. Es wird angestrebt, für das Menschen ohne Sportvereinsmitglied-
Glücksspiel eine nachhaltige und Rechts- schaft Sport treiben können. Die GAL setzt
sicherheit bietende Lösung zu schaffen, sich für die verbesserte Verankerung des
die das staatliche Glücksspielmonopol im Behindertensports ein.
Zentrum hat. Für eine wirksame Präven- Den schwul-lesbischen Sport haben wir
tion ist es unerlässlich, Spielhallen und u.a. bei der Teilnahme an den Gay Games
Spielautomaten stärker zu regulieren. Hier entscheidend gefördert. Dies wollen wir
wollen wir landesrechtliche Möglichkeiten ausbauen.

42
5.  Stadt der Wissenschaften 
und der Künste 

Kunst und Wissenschaft:  Hamburg – 
Tore zur Welt Stadt der Wissenschaft

Hamburg war stets eine Stadt des Han- Hamburg verfügt über zahlreiche Einrich-

5. Stadt der Wissenschaften und der Künste


dels und der Schifffahrt, weniger ein Ort tungen von nationaler und internatio-
der Wissenschaft und Künste. Eine Stadt, naler Bedeutung: das DESY, in dem eine
die Metropole sein will, braucht mehr als internationale Physikerelite die Grund-
ein Standbein für ihre Identität und den strukturen der Materie und den Aufbau
wirtschaftlichen Erfolg. Hamburg ist kein des Kosmos erforscht, am Klimacampus
Hochschulstandort mit jahrhunderte lan- werden die Veränderungen des Klimas
ger Tradition, da die Kaufmannschaft eine und die weitreichenden Auswirkungen auf
Universität auf Grund mangelnder Weit- die Menschheit untersucht. Die vernetzte
sicht lange für überflüssig hielt. Wir sind Zusammenarbeit von Natur- und Sozial-
stolz darauf, dass die Universität Ham- wissenschaften soll dabei Ausgangspunkt
burg 1919 als erste in Deutschland durch für eine neue interdisziplinäre Forschungs-
ein parlamentarisches Gesetz geschaffen kultur sein. Hamburg verfügt über renom-
wurde. mierte sozial- und geisteswissenschaftliche
Einrichtungen, etwa das Institut für Frie-
Hamburg verfügt über große und bedeu- densforschung und Sicherheitspolitik, die
tende Bühnen, Museen und Hochschulen. Forschungsstelle für Zeitgeschichte, das
Hamburgs Hochschulen sind leistungs- Institut für die Geschichte der deutschen
fähig, haben aber auch Probleme. Ihre Juden oder das Hamburger Institut für So-
Qualität und ihr Ruf müssen verbessert zialforschung. Die Universität Hamburg
werden. Wissenschaft und Kunst sollen umfasst weitere Spitzenforschung, etwa
stetig mehr Forscher und Kunstschaffende in den Bereichen Mehrsprachigkeit oder
in die Stadt holen. Um dies zu erreichen, Governance. Das UKE wird seinem An-
sind große Anstrengungen und eine klu- spruch als Exzellenzeinrichtung der medi-
ge Förderung nötig. Verlage, Film- und zinischen Forschung mehr und mehr ge-
Musikindustrie, Werbung und Design sind recht, wie die vielfältigen nationalen und
Arbeitgeber für zehntausende Menschen. internationalen Spitzen-Auszeichnungen
Dieses Potential müssen wir nutzen und der jüngsten Vergangenheit belegen. Auf
ausbauen. Betreiben der GAL ist die Ernst Cassirer

43
Stiftung gegründet worden. Sie fördert Exzellenz und Attraktivität: 
Hamburger Forschungsprojekte mit zu- Hamburgs Hochschulen profilieren
sätzlichen 11 Millionen Euro jährlich. Mit und finanzieren
der Akademie der Weltreligionen wurde in
der letzten Wahlperiode eine fächerüber- Dennoch hat Hamburg Nachholbedarf.
greifende Einrichtung an der Universität Der Großteil der Forschungsförderung des
geschaffen, in der zur Rolle der Weltreli- Bundes ging bisher an süddeutsche Adres-
gionen in unserer heutigen Gesellschaft sen. Im Bereich der angewandten Wissen-
geforscht wird. Gleichzeitig sollen dort schaften ist es zwar gelungen, ein Center
universitäre Ausbildungen für Religions- für Maritime Logistik und Dienstleistung
lehrerinnen und -lehrer der verschiedenen (CML) nach Hamburg zu holen. Das CML
Richtungen stattfinden. Diese Akademie muss zu einem Fraunhofer-Institut wei-
soll dem interreligiösen Dialog weitrei- ter entwickelt werden. Aber das ist noch
chende Impulse geben. nicht genug. Mit Universität, TUHH und
5. Stadt der Wissenschaften und der Künste

Das haben wir erreicht:

 Hamburg will nach oben: Wir haben die wicklung der Universität in Eimsbüttel
Wissenschaftsstiftung ins Leben gerufen, wurde getroffen.
um exzellente Forschungsvorhaben ge-
zielt und qualitätsorientiert zu fördern.  Erhalten und gestalten: Hamburg hat das
Damit stärken wir den Wissenschafts- Gängeviertel zurückgekauft und vor dem
standort Hamburg. Abriss bewahrt. Wir wollen, dass gemein-
sam mit den Kulturschaffenden der Initiati-
 Brücken bauen: Mit unserer Unterstüt- ve „Komm in die Gänge“ das Gängeviertel
zung hat die Universität die Akademie wieder zu einem lebendigen Ort wird.
der Weltreligionen gegründet, um den
interreligiösen Dialog der großen Glau-  Film ab: Wir haben die Mittel für die Film-
bensgemeinschaften zu fördern. förderung und die lesbisch-schwulen Film-
tage deutlich erhöht – damit Hamburg in
 Mehr Frauen in die Wissenschaft: Erst- der internationalen Filmproduktion hand-
mals wird mit dem Programm „pro ex- lungsfähig bleibt.
cellenzia“ weiblicher Nachwuchs in der
Hamburger Hochschullandschaft gezielt  Mehr für die Off-Kultur: Die freie Szene
gefördert. Das Programm hat insbeson- und die Off-Kultur geben entscheidende
dere den Nachwuchs aus den Naturwis- Impulse für innovative Entwicklungen
senschaften sowie Musik, Kunst und Ar- im Hamburger Kulturleben. Aus diesem
chitektur im Fokus, weil in diesen Fächern Grunde bekommen sie erstmals Förder-
der Frauenanteil besonders gering ist. mittel.

 Hamburg baut: Der Campus Finkenau  Kulturschaffende und Kreative stärken: Wir
wurde ausgebaut, die TU in Harburg haben die „Hamburg Kreativ Gesellschaft“
bekommt ein neues Hauptgebäude, der gegründet und mit entsprechenden Mit-
Grundstein für die Hafen-City-Universi- teln ausgestattet. Sie soll für alle Künstler
tät (HCU) ist gelegt. Die Grundsatzent- und Kreativen in der Stadt Anlaufstelle sein,
scheidung zu Erhalt und baulicher Ent- um drängende Probleme zu lösen.

44
HAW hat Hamburg große und erfolgreiche einen Tarifvertrag und eine Personalvertre-
Hochschulen. Hier gäbe es Chancen, wei- tung geben. Außerdem wollen wir gezielt
tere Projekte anzusiedeln, und auch an den Juniorprofessuren in Potenzialbereichen
anderen Hamburger Hochschulen könnten schaffen.
die Kapazitäten für grüne Technologien Die Wissenschaftsfinanzierung muss über-
ausgebaut werden. Hier gäbe es Chan- dacht werden. Zur Zeit müssen die Bundes-
cen Projekte anzusiedeln, beispielsweise länder die staatlichen Hochschulen allein
in den Bereichen Off-Shore-Windenergie grundfinanzieren, der Bund darf sich gar
und Umwelttechnik. Dafür muss auch die nicht beteiligen. Dieses Kooperationsver-
Kooperation zwischen den Hamburger bot muss aus unserer Sicht schnellstmög-
Hochschulen gestärkt und Differenzierung lich aufgehoben werden. Die staatlichen
innerhalb von Einrichtungen zugelassen Hochschulen bilden dringend benötigte
werden. Es ist unser Ziel, die nachhaltige Akademikerinnen und Akademiker aus;
Hochschule zum Leitbild unserer Wissen- das sollte auch der Bund anerkennen und

5. Stadt der Wissenschaften und der Künste


schaftspolitik zu machen. Hamburg stärkt finanziell unterstützen.
darüber hinaus die Internationalisierungs- Die Wissenschaftsstiftung soll Grundlagen-
bemühungen seiner Hochschulen. forschung auch unabhängig von aktuellen
Die Hamburger Hochschulen haben sich Trends verlässlich finanzieren, auch in tra-
aus eigener Kraft auf den Weg gemacht, ditionell weniger drittmittelstarken Berei-
neue Exzellenzbereiche aufzubauen. Diese chen wie den Geisteswissenschaften. Dafür
Anstrengungen können jedoch nur zum müssen Qualitätssicherungsmechanismen
Erfolg führen, wenn Hamburg seine Uni- so gestaltet sein, dass sie innovative Ansät-
versitäten auskömmlich finanziert, ihren ze fördern. Finanzierte Forschungsergeb-
Ausbau garantiert und eine gleichberech- nisse sollen in Open Access veröffentlicht
tigte Teilhabe der Geschlechter ermöglicht. werden.
Besonders wichtig ist uns die Förderung
des akademischen Nachwuchses. Für den
weiblichen Nachwuchs geschieht dies be- Demokratische Hochschulen
reits vorbildlich im Programm „pro exzel-
lenzia“. Die Einführung von so genannten Für gute Arbeitsbedingungen an den Hoch-
Tenure Tracks – also verlässlichen Wegen schulen sind leistungsfähige Kommunikati-
zu einer unbefristeten Stelle – ist ein wich- onswege und nachhaltige Entscheidungs-
tiger Schritt, dass der wissenschaftliche strukturen notwendig. Die Beschränkung
Nachwuchs bessere und verlässliche Pers- von Mitwirkungs- und Kontrollrechten
pektiven bekommt. Befristete, prekäre und 2003 unter der CDU-Alleinregierung hat
nebenberufliche Beschäftigungsverhältnis- den Hochschulen Schaden zugefügt und
se dürfen für Daueraufgaben in Forschung ist in Teilen verfassungswidrig. Wir wol-
und Lehre nicht länger der Normalfall sein. len Selbstverwaltungsstrukturen unterhalb
Um zu attraktiveren wissenschaftsadäqua- der Fakultätsebene wieder ermöglichen
ten Bedingungen zu kommen, setzen wir und demokratische Verfahren zur Wahl
uns dafür ein, die Tarifsperre im Wissen- und Abwahl von Präsidium und Dekanat
schaftszeitvertragsgesetz aufzuheben. einführen. Hochschulräte sollen von Auf-
Auch für studentische Beschäftigte soll es gaben entlastet werden, die sie strukturell

45
nicht wahrnehmen können. Die gewählten die Politik die Kulturstätten ausreichend fi-
Selbstverwaltungsgremien werden mit an- nanzieren. Die Aufgabe der Kulturstätten
gemessenen Kontroll- und Mitwirkungs- ist es, mit interessanten Konzepten und
rechten ausgestattet und die Beteiligung Vorstellungen Besucher und Gäste anzu-
der Studierenden bei der Studienreform ziehen.
wird gestärkt.

Kultur macht Hamburg attraktiv – 
Hochschulausbau:  Attraktivität muss sich bezahlt machen
Chance für die Stadt
Der Kulturetat ist unterfinanziert. Deshalb
Die Modernisierung und Erweiterung am hat die GAL die Idee einer Kulturtaxe ins
Standort Eimsbüttel muss beschleunigt und Spiel gebracht: Auf jede Hotelübernach-
in nachhaltiger Bauweise vorangetrieben tung in Hamburg soll eine geringe Gebühr
5. Stadt der Wissenschaften und der Künste

werden. Wir wollen, dass dabei der Neu- erhoben werden, die jährlich rund 10 Mil-
bau des Klimacampus als Modellprojekt für lionen Euro einbringt. Nach Ende der Ko-
nachhaltiges Bauen gestaltet wird. Wichtig alition war die Kulturtaxe eines der ersten
ist uns, dass alle Plan- und Genehmigungs- grünen Projekte, das die CDU-Restregie-
verfahren intensiv diskutiert und abge- rung von der Tagesordnung gestrichen hat.
stimmt werden. Hamburg soll jährlich bis Wir wollen diese Abgabe rechtssicher und
zu 100 Millionen Euro in die Erweiterung konkret einführen: Damit der Kultur dau-
und Modernisierung seiner Hochschulbau- erhaft zusätzliche Mittel zufließen – und
ten investieren. zwar nicht für Eventkultur oder Hamburg-
Der Universität Hamburg muss aber auch Marketing, sondern zur Sicherung der
die Möglichkeit gegeben werden an ande- bestehenden Kulturinstitutionen und für
rer Stelle in Hamburg zu wachsen, wenn deren Ausbau.
dies notwendig sein sollte.

Museen: 
Hamburg – Stadt der Künste  Geschichte und Aufklärung
müssen etwas wert sein
Die Kultur ist den Hamburgerinnen und
Hamburgern eine Herzensangelegenheit. Die Museen sind gegenwärtig das Pro-
Das hat sich im Herbst gezeigt, als Tausen- blemfeld der Kulturpolitik. Nahezu alle
de für das Altonaer Museum, die Bücher- städtischen Museen Hamburgs stecken in
hallen und das Schauspielhaus auf Straßen finanziellen Schwierigkeiten. Leider ge-
und Bühnen demonstrierten. Im kulturel- lingt es einigen Häusern immer weniger,
len Alltag bleibt diese Resonanz manch- ausreichend Besucherinnen und Besucher
mal leider aus. Wir haben verstanden: Die anzuziehen. In den vergangenen Jahren
Kultureinrichtungen sollen bleiben – und hat die Stadt große Anstrengungen un-
dafür müssen wir sie ändern. Das ist die ternommen, um die Museen aus der Krise
Aufgabe, die Politik und Kultureinrichtun- zu führen. Die Häuser wurden mehrfach
gen gemeinsam lösen müssen. Dabei muss entschuldet, die städtischen Zuwendun-

46
gen wurden erhöht. Damit konnten nicht Es hat sich in kurzer Zeit in die Herzen der
alle Probleme gelöst werden: Die Museen kleinen und großen Hamburgerinnen und
müssen moderner werden und sich stärker Hamburger gespielt.
an den Bedürfnissen der Menschen orien- Kampnagel ist ein Beispiel dafür, wie eine
tieren. Bei diesem Modernisierungsprozess Kulturstätte sich auf die Menschen in der
wollen wir sie unterstützen. Daher setzen Stadt und ihre Themen einlässt. Kampna-
wir uns dafür ein, dass die Sparvorgabe gel hat sich in den letzten Jahren in die De-
ausgesetzt wird. Die Stiftung Historische batten der Stadt eingeschaltet oder solche
Museen erarbeitet derzeit ein inhaltliches angestoßen – und verzeichnet nun stei-
Konzept zur Weiterentwicklung der Häu- gende Besucherzahlen.
ser – damit die Geschichte unserer Stadt Daneben muss die freie Theaterszene
nicht nur bewahrt, sondern immer wieder mehr in den Blickpunkt rücken. Sie kann
neu erzählt werden kann. oft mit relativ kleinen Fördersummen ihre
Produktionskosten absichern. Wir wollen

5. Stadt der Wissenschaften und der Künste


die kreativen Potenziale der freien Thea-
Theater: Vielfalt ist Hamburgs Stärke terschaffenden fördern und die Off-Büh-
nen stärken. Das Fördersystem soll dazu
Hamburg ist Theaterhauptstadt. Mit der überarbeitet und ein Produktions- und Bil-
Staatsoper, dem Schauspielhaus, dem Tha- dungszentrum für alle Theaterschaffenden
lia-Theater, Kampnagel, 27 Privattheatern, in der Stadt etabliert werden. Darüber hin-
den großen Musical-Bühnen, der Freien aus setzten wir uns für die Erstellung eines
Szene und zahlreichen Varietés und Klein- Theaterentwicklungsplans ein.
kunstbühnen verfügt die Stadt über ein Die Mittel der Filmförderung sind in der
außergewöhnlich breites und attraktives letzten Legislaturperiode um zwei Millio-
Bühnenangebot. nen Euro erhöht worden. Das war wichtig,
Das Schauspielhaus ist in den letzten Jah- damit Hamburg weiter national und inter-
ren in Schwierigkeiten geraten. Die größte national im Filmgeschäft mitmischen kann.
deutsche Sprechbühne ist ein Haus von
großer Tradition. Erfolg und Misserfolg
liegen hier nah beieinander. Das Haus hat Musikstadt Hamburg
mehr Besucher verdient. Sie zu gewinnen
wird Aufgabe der neuen Intendanz sein – Wir halten an dem Ziel fest, Hamburg zu
damit das Theater weniger abhängig wird einer Stadt der Musik zu machen. Musik
von den Zuwendungen der Stadt. Dem ist eine Sprache, die so viele Menschen wie
neuen Team darf die Stadt keine Steine möglich kennenlernen sollen. Wie bei allen
in den Weg legen. Deshalb wollen wir die Sprachen gilt auch für die Musik: Auf den
vom Senat beschlossenen Kürzungen zu- Anfang kommt es an. Die Schulbehörde
rücknehmen. Das Geld soll dafür einge- fördert deshalb mit großem Engagement
setzt werden, die Zuschauer langfristig an Programme wie „Jedem Kind ein Instru-
das Haus zu binden. Dafür soll die Stadt ment“. Dies wollen wir fortführen.
das Schauspielhaus beim Aufbau eines Unter dem Eindruck von scheinbar kos-
neuen Abo-Systems unterstützen. Das Jun- tensicherer Planung und der Absicherung
ge Schauspielhaus muss erhalten bleiben. durch entsprechende Verträge hat die Bür-

47
gerschaft 2005 auch mit Stimmen der GAL und bieten Entfaltungsmöglichkeiten für
den Bau der Elphilharmonie unterstützt. die verschiedenen kulturellen und sozi-
Durch Missmanagement des CDU-Senats al geprägten Nachbarschaften. Bei der
und die drastische Kostensteigerung hat Neuausrichtung der Mittelvergabe für die
das Projekt an Rückhalt verloren. Die Kos- Stadtteilkultur setzen wir uns dafür ein,
ten dürfen nicht weiter steigen, die Stadt dass gewachsene, gut funktionierende An-
muss gegenüber Baukonzern und Archi- gebote auch weiterhin auskömmlich finan-
tekten hart verhandeln. Wir wollen, dass ziert werden und Raum für neue Initiativen
die Elbphilharmonie zu einem von allen ge- geschaffen wird. So unterstützen wir daher
schätzten Wahrzeichen unserer Stadt und beispielsweise die Planung zur Einrichtung
ihre Arbeit für Kinder und Jugendliche vor der Bramfelder Kulturinsel.
Ort in den Stadtteilen verstärkt wird. Im Koalitionsvertrag hatten wir die Einrich-
tung einer Gedenkstätte für die Opfer der
NS-Deportationen am Lohseplatz verein-
5. Stadt der Wissenschaften und der Künste

Kultur hält die Stadt zusammen bart. Die GAL will erreichen, dass das ent-


wickelte Konzept umgesetzt wird und dass
Für den Zusammenhalt in der Bevölkerung die Erinnerung an die grausame Geschichte
ist es wichtig, dass alle Menschen Zugang dieses Ortes in der neuen HafenCity be-
zu Kultur haben. Wir wollen niedrigschwel- wahrt bleibt.
lige Angebote fördern und für sozial be-
nachteiligte Gruppen Zugang zu allen Kul-
turangeboten gewährleisten. Die Stadt braucht Kreativität – 
Trotz diverser Sparrunden in den vergan- Kreative brauchen Räume
genen Jahrzehnten haben es die Hambur-
ger Bücherhallen (HÖB) geschafft, die Zahl Mit der Besetzung des historischen Gän-
der Besucherinnen und Besucher und der geviertels haben Kulturschaffende erfolg-
Medienausleihen seit 20 Jahren unvermin- reich für den Erhalt des Quartiers demons-
dert hoch zu halten. Auch die HÖB sollten triert und eine Wende in der Kultur- und
einen hohen – zu hohen – Sparbeitrag leis- Standortpolitik des Senats angestoßen.
ten. Es ist dieser Einrichtung gelungen, die Durch den Rückkauf und die Verhandlun-
Grenze der Belastbarkeit aufzuzeigen und gen mit der Initiative ist es gelungen, dass
die eigenen Entwicklungsmöglichkeiten zu Kunst, Kultur und soziale Projekte an die-
verteidigen. Diese müssen auch in Zukunft sem Ort gesichert sind.
erhalten bleiben. Die GAL will die Standor- Kreative „Raumpioniere“, ob sie nun ver-
te der HÖB erhalten. Darüber hinaus gilt nachlässigte Immobilien nutzen oder in
es – auch in Kooperation mit Schulen – das Bauwagen oder auf Hausbooten leben,
Angebot vor Ort auszuweiten. sollten vor allem als Impulsgeber zur kul-
Gleiches gilt für die Einrichtungen der turellen Neuorientierung und Neubesie-
Stadtteilkultur. Sie übernehmen als quar- delung von Räumen verstanden werden,
tiersnahe Treffpunkte und Veranstaltungs- und nicht als Bedrohung städtischer In-
orte mit vielfältigen kulturellen Angebo- teressen. Nach dem Verkauf des Frap-
ten wichtige Funktionen im Stadtteil. Sie pant-Gebäudes und dem Umzug der
vernetzen sich mit Schulen und Vereinen Künstlerinnen und Künstler in die Vikto-

48

gerschaft 2005 auch mit Stimmen der GAL und bieten Entfaltungsmöglichkeiten für
den Bau der Elphilharmonie unterstützt. die verschiedenen kulturellen und sozi-
Durch Missmanagement des CDU-Senats al geprägten Nachbarschaften. Bei der
und die drastische Kostensteigerung hat Neuausrichtung der Mittelvergabe für die
das Projekt an Rückhalt verloren. Die Kos- Stadtteilkultur setzen wir uns dafür ein,
ten dürfen nicht weiter steigen, die Stadt dass gewachsene, gut funktionierende An-
muss gegenüber Baukonzern und Archi- gebote auch weiterhin auskömmlich finan-
tekten hart verhandeln. Wir wollen, dass ziert werden und Raum für neue Initiativen
die Elbphilharmonie zu einem von allen ge- geschaffen wird. So unterstützen wir daher
schätzten Wahrzeichen unserer Stadt und beispielsweise die Planung zur Einrichtung
ihre Arbeit für Kinder und Jugendliche vor der Bramfelder Kulturinsel.
Ort in den Stadtteilen verstärkt wird. Im Koalitionsvertrag hatten wir die Einrich-
tung einer Gedenkstätte für die Opfer der
NS-Deportationen am Lohseplatz verein-
5. Stadt der Wissenschaften und der Künste

Kultur hält die Stadt zusammen bart. Die GAL will erreichen, dass das ent-


wickelte Konzept umgesetzt wird und dass
Für den Zusammenhalt in der Bevölkerung die Erinnerung an die grausame Geschichte
ist es wichtig, dass alle Menschen Zugang dieses Ortes in der neuen HafenCity be-
zu Kultur haben. Wir wollen niedrigschwel- wahrt bleibt.
lige Angebote fördern und für sozial be-
nachteiligte Gruppen Zugang zu allen Kul-
turangeboten gewährleisten. Die Stadt braucht Kreativität – 
Trotz diverser Sparrunden in den vergan- Kreative brauchen Räume
genen Jahrzehnten haben es die Hambur-
ger Bücherhallen (HÖB) geschafft, die Zahl Mit der Besetzung des historischen Gän-
der Besucherinnen und Besucher und der geviertels haben Kulturschaffende erfolg-
Medienausleihen seit 20 Jahren unvermin- reich für den Erhalt des Quartiers demons-
dert hoch zu halten. Auch die HÖB sollten triert und eine Wende in der Kultur- und
einen hohen – zu hohen – Sparbeitrag leis- Standortpolitik des Senats angestoßen.
ten. Es ist dieser Einrichtung gelungen, die Durch den Rückkauf und die Verhandlun-
Grenze der Belastbarkeit aufzuzeigen und gen mit der Initiative ist es gelungen, dass
die eigenen Entwicklungsmöglichkeiten zu Kunst, Kultur und soziale Projekte an die-
verteidigen. Diese müssen auch in Zukunft sem Ort gesichert sind.
erhalten bleiben. Die GAL will die Standor- Kreative „Raumpioniere“, ob sie nun ver-
te der HÖB erhalten. Darüber hinaus gilt nachlässigte Immobilien nutzen oder in
es – auch in Kooperation mit Schulen – das Bauwagen oder auf Hausbooten leben,
Angebot vor Ort auszuweiten. sollten vor allem als Impulsgeber zur kul-
Gleiches gilt für die Einrichtungen der turellen Neuorientierung und Neubesie-
Stadtteilkultur. Sie übernehmen als quar- delung von Räumen verstanden werden,
tiersnahe Treffpunkte und Veranstaltungs- und nicht als Bedrohung städtischer In-
orte mit vielfältigen kulturellen Angebo- teressen. Nach dem Verkauf des Frap-
ten wichtige Funktionen im Stadtteil. Sie pant-Gebäudes und dem Umzug der
vernetzen sich mit Schulen und Vereinen Künstlerinnen und Künstler in die Vikto-

48
ria-Kaserne im vergangenen Jahr hat sich sorgt. Neben der Vernetzung, Beratung und
dieses Kunstprojekt in Altonas-Altstadt Förderung von Kreativen liegt ihre Aufgabe
gut etabliert. Wir wollen die Kaserne län- in der Vermittlung geeigneter Arbeitsräu-
gerfristig als Standort für kreatives Schaf- me. Dabei leistet sie auch wertvolle Arbeit
fen erhalten. Um ein kreatives Nutzungs- beim Suchen und Erschließen von unterge-
konzept für das alte Finanzamt in der nutzten Gebäuden und Arealen. Wir wol-
Großen Bergstraße wird zwischen Bezirk, len uns dafür einsetzen, dass leerstehende
Bürgerschaft und Finanzbehörde gerun- Immobilien zukünftig für eine temporäre
gen. Auch hier werden wir weiter intensiv Nutzung vermietet werden können.
für eine kommunale und kreative Nut- Die GAL Hamburg setzt sich insbesondere
zung werben. dafür ein, das weibliche Gründungspoten-
Die Umnutzung der alten Rindermarkt- tial in unserer Stadt auszuschöpfen und zu
halle in St. Pauli sorgte für heftige Dis- fördern. Hierzu dient das von uns initiierte
kussionen. Neben Einzelhandels- und Interkulturelle Frauenwirtschaftszentrum.

5. Stadt der Wissenschaften und der Künste


Marktflächen ist eine kulturelle und krea- In der HafenCity wollen wir ein Areal am
tivwirtschaftliche Nutzung gut vorstellbar. Oberhafen zu einem Kreativbereich ent-
Wir wollen das Planungsverfahren des- wickeln, die alten Schuppen und Hal-
halb gemeinsam mit den Menschen vor len sollen dort erhalten bleiben. Mit-
Ort neu starten. telfristig soll sich dort ein Kreativ- und
Um Kulturschaffende und Kreative zu un- Kulturquartier entwickeln, das auch mit
terstützen, hat die GAL für die Gründung Rothenburgsort, dem Brandshof sowie der
der „Hamburg Kreativ Gesellschaft“ ge- Museumsmeile vernetzt ist.

49
Neues Wahlrecht 

Im Vergleich zur Wahl 2008 hat sich das en und Kandidaten häufeln und verteilen.
Wahlrecht in Hamburg nochmals verändert. Wichtig ist aber: Vergeben Sie mehr als fünf
Alle 121 Bürgerschaftsabgeordneten und 51 Stimmen pro Wahlzettel, ist Ihr Wahlzet-
Mitglieder je Bezirksversammlung können tel ungültig. Das gleiche gilt für den roten
nun direkt von den Wahlberechtigten selbst Stimmzettel: Hier können Sie mit fünf Stim-
Neues Wahlrecht

auf den Wahllisten gewählt werden. Wie das men Kandidaten Ihres Vertrauens in Ihrem
funktioniert, erklären wir Ihnen hier in aller Wahlkreis wählen.
Kürze:
Parallel zur Bürgerschaftswahl finden auch
Sie haben insgesamt 4 Stimmzettel auf de- die Wahlen zu den Bezirksversammlungen
nen Sie je fünf Kreuze machen können – ins- statt. Das Wahlrecht zu den Bezirksver-
gesamt können Sie also 20 Kreuze setzen, sammlungen funktioniert so ähnlich wie das
d.h. 20 Stimmen abgeben. zur Bürgerschaft. Es gibt wieder zwei Stimm-
Zwei der vier Stimmzettel sind für die Bür- zettel, einen für den Wahlkreis, einen für den
gerschaftswahl. Dabei ist der gelbe Zettel gesamten Bezirk mit jeweils fünf Stimmen.
der Landeslistenzettel. Er ist für das Ge- Der grüne Stimmzettel mit der Bezirksliste
samtergebnis einer Partei der entscheidende bestimmt über die Zusammensetzung der
Stimmzettel, weil die Landeslistenstimmen Bezirksversammlungen. Wenn Sie die Grü-
über die Zusammensetzung der Bürgerschaft nen im Bezirk stärken wollen, müssen Sie mit
entscheiden. Wenn Sie die Grünen stärken diesen Stimmen die GAL wählen. Auch im
wollen, müssen Sie mit diesen Stimmen die Bezirk können Sie zwischen Listenstimmen,
GAL wählen. Dabei hat man zwei Möglich- mit denen Sie die Liste einer Partei bestäti-
keiten: gen, und Personenstimmen, mit denen Sie
Personen direkt wählen, entscheiden.
1. Sie wählen die Gesamtliste einer Partei Über den blauen Stimmzettel wählen Sie die
und bestätigen damit die Kandidaten- Wahlkreiskandidaten im Bezirk. Hier haben
auswahl der Partei. Sie ebenfalls fünf Stimmen, die Sie auf Kandi-
daten Ihres Vertrauens verteilen können.
2. Sie wählen selbst die Kandidatinnen und Das klingt jetzt vielleicht alles etwas kompli-
Kandidaten aus, die Sie bevorzugen. ziert, doch eigentlich ist es recht einfach: Am
Ende sollten Sie auf jedem Stimmzettel fünf
Grundsätzlich sind Sie bei Ihrer Stimmenver- Kreuze gemacht haben – am besten bei Grün!
gabe immer frei: Sie können die Stimmen
nach Ihrer Entscheidung zwischen Partei- Geben Sie uns vier mal fünf!

50
HERAUSGEBERIN:
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN GAL HAMBURG
BURCHARDSTR. 21
20095 HAMBURG
INFO@HAMBURG.GRUENE.DE
HAMBURG.GRUENE.DE