Sie sind auf Seite 1von 10

Grundlagen der

Unternehmensführung

Kurseinheit:

Produktion und Logistik

Autor:

Prof. Dr. rer. pol. Frank Schultmann

Lehrstuhl für Bauwirtschaftslehre


Universität Siegen
Der Autor

Der Autor

Prof. Dr. Frank Schultmann, Jahrgang 1966, studierte Wirtschaftsingenieurwe-


sen an der Universität Karlsruhe (TH) und schloss 1993 sein Studium mit dem
Diplom ab. Anschließen war er an der Universität Karlsruhe mehrere Jahre am
Institut für Industriebetriebslehre und Industrielle Produktion sowie am
Deutsch-Französischen Institut für Umweltforschung als wissenschaftlicher
Angestellter tätig. Dort leitete er seit 1996 die Forschungsgruppe „Kreislauf-
wirtschaft, Bauökonomie und Umwelt“. Im Jahr 1998 promovierte er zum
Dr. rer. pol. und erhielt für seine Promotion den Klaus Tschira-Preis für ver-
ständliche Wissenschaft im Bereich Wirtschaftswissenschaften. Er übernahm
an den genannten Instituten zusätzlich die Leitung der Forschungsgruppe „In-
dustrielles Produktions- und Logistikmanagement“. 2003 habilitierte er sich mit
einer preisgekrönten Arbeit an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der
Universität Karlsruhe (TH) und erhielt die venia legendi für Betriebswirt-
schaftslehre. Im gleichen Jahr wurde er zum Hochschuldozenten ernannt und
übernahm Lehraufträge an der Universität Koblenz-Landau. Nach Rufen an die
Universitäten Bremen und Koblenz-Landau übernahm er im Jahr 2004 eine
Professur für Betriebswirtschaftslehre: Industrielles Management an der Uni-
versität Koblenz-Landau, wo er am Institut für Management als Leiter der Ar-
beitsgruppe Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Industrie, Produktion und
Logistik tätig war. Seit Dezember 2004 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Bau-
wirtschaftslehre an der Universität Siegen.

Seine Forschungsfelder umfassen derzeit die techno-ökonomische Modellie-


rung von Produktions- und Logistiksystemen sowie die Anwendung quantitati-
ver Methoden zur Entscheidungsunterstützung. Des Weiteren befasst er sich
mit Methoden der flexiblen Produktionsplanung und -steuerung sowie mit Fra-
gestellungen zum Aufbau und zur Bewertung nachhaltiger Produktions- und
Logistikstrategien, insbesondere der Gestaltung und der Lenkung von Wert-
schöpfungsnetzwerken und industrieller Kreislaufwirtschaftssysteme.

Er leitete zahlreiche national und international ausgerichtete Forschungsprojek-


te im Auftrag öffentlicher und privater Auftraggeber, auch in Kooperation mit
namhaften Industrieunternehmen, ist Mitglied in mehreren nationalen und in-
ternationalen Gremien sowie Autor mehrerer Bücher und zahlreicher Fachpub-
likationen in nationalen und internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften.

2 2. Auflage 2005
Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungs- und Akronymverzeichnis ................................................ 5

1. Einleitung ........................................................................................... 6

2. Einführung in die Produktion .......................................................... 7


Lernziele zu Kapitel 2 ....................................................................................7
2.1 Grundlegende Begriffe ...........................................................................7
2.2 Aufgaben und Ziele der Produktionsplanung und -steuerung ................9
2.3 Abgrenzung strategisch-taktischer sowie operativer
Planungsaufgaben des Produktionsmanagements ................................13
2.3.1 Strategisch-taktisches Produktionsmanagement .......................13
2.3.2 Planungsaufgaben des operativen Produktionsmanagements ...14
Übungsaufgaben zu Kapitel 2 ......................................................................16

3. Modellierung von Produktionssystemen ....................................... 17


Lernziele zu Kapitel 3 ..................................................................................17
3.1 Einführung............................................................................................17
3.2 Zur Rolle von Produktionsfunktionen bei der Modellierung von
Produktionssystemen............................................................................17
3.3 Betriebswirtschaftliche Produktionsfunktionen ...................................19
3.3.1 Struktur betriebswirtschaftlicher Input-Output-Modelle...........19
3.3.2 Leontief-Produktionsfunktion ...................................................24
3.3.3 Gutenberg-Produktionsfunktion................................................25
3.3.4 Heinen-Produktionsfunktion .....................................................26
3.3.5 Pichler-Konzept.........................................................................27
3.3.6 Kloock-Produktionsfunktion.....................................................27
3.3.7 Cobb-Douglas-Produktionsfunktionen......................................27
3.4 Ingenieurwissenschaftliche Produktionsfunktionen .............................28
3.4.1 Grundlagen................................................................................28
3.4.2 Vorgehensweise bei der Modellierung von Engineering
Production Functions ................................................................29
3.4.3 Beispiel zur Herleitung einer Engineering Production
Function: Starkstromleitung......................................................30
3.5 Aktivitätsanalytische Modellierung von Produktionssystemen............34
3.5.1 Grundlagen................................................................................34
3.5.2 Beispiel: Aktivitätsanalytische Modellierung von
Emissionsminderungsmaßnahmen ............................................35
Übungsaufgaben zu Kapitel 3 ......................................................................46

© 2004, 2005 Universität Koblenz-Landau 3


Inhaltsverzeichnis

4. Einführung in die Logistik und das Supply Chain Management 47


Lernziele zu Kapitel 4 ..................................................................................47
4.1 Grundlegende Begriffe .........................................................................47
4.2 Grundgedanken des Supply Chain Managements ................................48
4.3 Zielsetzungen und Planungsaufgaben des Supply Chain
Managements........................................................................................51
4.4 Supply Chain Prozesse und Referenzmodelle ......................................54
4.4.1 SCOR-Modell ..........................................................................54
4.4.2 Ebenen des SCOR-Modells.......................................................55
4.4.3 Erweiterungen des SCOR-Modells ...........................................57
Übungsaufgaben zu Kapitel 4 ......................................................................61

5. Planungs- und Steuerungssysteme für Produktion und Logistik 62


Lernziele zu Kapitel 5 ..................................................................................62
5.1 Einführung............................................................................................62
5.2 Aufgaben und Ziele von Produktionsplanungs- und
-steuerungssystemen (PPS-Systemen)..................................................62
5.3 Grundaufbau von PPS-Systemen..........................................................63
5.4 Zentrale versus dezentrale PPS-Systeme..............................................66
5.5 Schwächen erzeugnisorientierter PPS-Systeme ...................................67
5.6 Advanced-Planning-Systeme................................................................72
Übungsaufgaben zu Kapitel 5 ......................................................................73

Lösungen der Übungsaufgaben ........................................................... 74

Literaturverzeichnis.............................................................................. 76

Index ....................................................................................................... 80

Glossar.................................................................................................... 81

4 2. Auflage 2005
Abkürzungs- und Akronymverzeichnis

Abkürzungs- und Akronymverzeichnis

APO Advanced Planner and Optimizer


APS Advanced-Planning-Systeme
ATP Available-To-Promise
CIM Computer-Integrated Manufacturing
CRP Continuous Replenishment Program
EAF Electric Arc Furnace (Elektrolichtbogenofen)
ECR Efficient Consumer Response
EDI Electronic Data Interchange
EPF Engineering Production Function
ERP Enterprise-Resource-Planning
MRP Material Requirements Planning
MRP II Manufacturing Ressource Planning
POS Point Of Sale
PPS Produktionsplanung und -steuerung
QR Quick Response
SCC Supply Chain Council
SCM Supply Chain Management
SCOR Supply Chain Operations Reference (-Modell)
SCP Supply Chain Planning
VMI Vendor Managed Inventory

© 2004, 2005 Universität Koblenz-Landau 5


Einleitung

1. Einleitung

Die vorliegenden Unterlagen sollen einen thematischen Einstieg in das umfang-


reiche Feld der wirtschaftswissenschaftlichen Grundlagen der Produktion und
Logistik verschaffen. Sowohl produktionswirtschaftliche als auch logistische
Fragestellungen unterliegen in den letzten Jahren einem enormen Wandel. Ein-
flüsse wie Globalisierung, sich schnell wandelnde Märkte und Produktanforde-
rungen, Flexibilisierung der Arbeitswelt, zunehmende Durchdringung informa-
tionstechnischer Dienste oder auch die zunehmende Belastung der Umwelt
durch produktionsinduzierte und logistische Tätigkeiten führen zu einem Um-
denken in der Produktion und Logistik, so dass sich dem Interessierten ein
spannendes Themenfeld mit enormer Bedeutung für die Wirtschaft öffnet.

Diese Unterlagen erheben dabei keinen Anspruch auf eine umfassende Abhand-
lung der angesprochenen Themen, sondern können allenfalls Anregungen zu
einem vertiefenden Studium hier behandelter, ausgewählter Teilaspekte liefern.
Das Kursmaterial zielt dabei auf die Vermittlung von zentralen wirtschaftswis-
senschaftlichen Grundlagen. Es ist so aufgebaut, dass einerseits grundlegende
Aspekte der Produktion (bzw. der Produktionswirtschaft) und Logistik ange-
sprochen werden, andererseits aber auch konkrete Fallbeispiele ausgewählte
Themengebiete vertiefen. Zahlreiche weiterführende Literaturhinweise sollen
dazu anregen, sich bei Interesse mit den jeweiligen Inhalten vertieft zu befas-
sen.

Produktion und Logistik sind nicht immer isoliert voneinander zu betrachten,


sondern weisen zahlreiche Schnittstellen auf. Teilweise, denkt man etwa an
Fragen der „Produktionslogistik“, sind die Gebiete sogar als weitgehend de-
ckungsgleich anzusehen. Der Aufbau des Kursmaterials versucht diesen Aspek-
ten Rechnung zu tragen und trotzdem innerhalb der einzelnen Kapitel gewisse
Schwerpunkte herauszuarbeiten.

Im Folgenden werden hierzu in vier Kapiteln ausgewählte Aspekte der Produk-


tion und Logistik behandelt. Die Kapitel 2 und 3 beschäftigen sich vorwiegend
mit wirtschaftswissenschaftlichen Fragestellungen der Produktion, dabei einer-
seits mit grundlegenden Aspekten (Kapitel 2), andererseits speziell mit der Mo-
dellierung von Produktionssystemen. Kapitel 4 wendet sich primär logistischen
Aufgaben zu, wobei hier das in den letzten Jahren in den Mittelpunkt des Inte-
resses gerückte „Supply Chain Management“ im Vordergrund der Betrachtun-
gen steht. Das fünfte Kapitel behandelt abschließend Planungs- und Steue-
rungssysteme für Produktion und Logistik, wobei hier weniger auf einzelne,
kommerziell verfügbare Systeme abgezielt wird, sondern vielmehr grundlegen-
de Funktionsweisen vorgestellt werden. Übungsaufgaben zu ausgewählten
Themen sollen dem Leser helfen, den Stoff zu vertiefen.

6 2. Auflage 2005
Einführung in die Produktion

2. Einführung in die Produktion

Lernziele zu Kapitel 2
Ziel dieses Kapitels ist die grundlegende Einführung in Aufgaben und Ziele der
Produktion. Nach Erarbeiten dieses Kapitels sollten Sie in der Lage sein,
♦ grundlegende Begriffe der Produktion zu rekapitulieren,
♦ Aufgaben und Ziele der Produktionsplanung und -steuerung kennen,
♦ Planungsaufgaben hinsichtlich Ihres zeitlichen und inhaltlichen Umfangs
abgrenzen können.

2.1 Grundlegende Begriffe


Unternehmen werden in der Produktionstheorie als Produktionssysteme aufge- Produktionssysteme
fasst (Dyckhoff 1994, S. 3). Produktionssysteme sind einerseits nach außen hin
in ein wirtschaftliches, ein gesellschaftliches und ein natürliches Umsystem,
ihre Umwelt, eingebunden, wobei es zu engen Wechselwirkungen kommt. An-
dererseits können Produktionssysteme selber in kleinere, miteinander vernetzte
Sub- oder Teilsysteme (z. B. Werke, Produktionsanlagen, Baustellen oder Ar-
beitsplätze) aufgespaltet werden.

Dem Produktionsmanagement obliegt die Willensbildung und -durchsetzung Produktions-


im Bereich der Leistungserstellung eines Unternehmens. Neben der Personal- management
führung ist damit die zielorientierte Planung und Steuerung der Produktion
gemeint. Dem Willensbildungsprozess entspricht die Planung. Produktions- Produktionsplanung
planung hat dabei die Aufgabe, die gegenwärtigen Handlungsmöglichkeiten
systematisch zu identifizieren und diese so festzulegen, dass die Ziele möglichst
günstig erfüllt werden. Gegenstand der Steuerung ist die Umsetzung der Pro- Steuerung
duktionspläne im täglichen Produktionsablauf. Aufgrund möglicher Störungen
(wie z.B. Bedarfsverschiebungen, Ausfälle von Maschinen) die auf das Produk-
tionsgeschehen einwirken, gehören hierzu sowohl eine Kontrolle der Aufga-
benerfüllung, eine Analyse von Soll-Ist-Abweichungen und letztlich Maßnah-
men, die darauf abzielen, Abweichungen der Ist- von den Soll-Daten zukünftig
zu vermeiden bzw. zu vermindern.

Die Aufgaben des Produktionsmanagements können anhand des in Abbildung


2.1 (in Anlehnung an Zäpfel 2001 sowie Dyckhoff 2000) dargestellten Regel-
kreises der industriellen Produktion verdeutlicht werden.

© 2004, 2005 Universität Koblenz-Landau 7


Einführung in die Produktion

Führungsgrößen
(übergeordnete Ziele, Planvorgaben)

Information Information
von außen nach außen
Produktionsmanagement
(Regler)

Stellgrößen Regelgrößen
(Sollvorgabe): (Istwerte):
Produktionsziele, Rückmelde-
Planvorgaben informationen

Transformations-/Wertschöpfungsprozess
Input:
Elementarfaktoren Output:
(Primär-/Sekundärrohstoffe Physisches Produktionssystem Leistungen
Betriebsmittel (Produkte,
menschliche Arbeitsleistung (Regelstrecke)
Emissionen, Abfälle)
Energie)

Störgrößen
(Planabweichungen)

Abb. 2.1: Regelkreiskonzept zur Planung und Steuerung industrieller Produktions-


systeme.

Regelkreiskonzept Im Sinne der Regelungstechnik (vgl. Föllinger 1994) bildet das physische Pro-
duktionssystem dabei die Regelstrecke, deren Ausgangsgröße (Output) einen
gewünschten Verlauf annehmen soll. Um dies zu erreichen, wird auf die Regel-
strecke (das Produktionssystem) eine Stellgröße (Sollvorgabe) geschaltet, die
sich in einem genügend großen Bereich verstellen lässt und die Ausgangsgröße
maßgeblich beeinflusst. Die gezielte Beeinflussung der Ausgangsgröße wird
jedoch wesentlich durch den Einfluss besagter Störgrößen erschwert, die hin-
sichtlich ihrer Art, ihres Ausmaßes sowie ihres zeitlichen Verhaltens oftmals
nur ungenau bekannt sind. Die regelungstechnische Aufgabe besteht nun darin,
der Ausgangsgröße (dem Output) der Regelstrecke (des Produktionssystems)
gegen den Einfluss der unvollständig bekannten Störgröße ein gewünschtes
Sollverhalten aufzuprägen. Zu diesem Zweck wird die Strecke (das Produkti-
onssystem) laufend beobachtet bzw. gemessen und die so gewonnene Regel-
größe (Istwerte, etwa Produktionsmengen) an den Regler (das Produktionsma-
nagement) rückgemeldet1, der diese zur Veränderung der Stellgröße (Sollvor-
gabe) derart verwendet, dass diese trotz der Störgrößeneinwirkung die Aus-
gangsgröße (den Output) an den gewünschten Sollverlauf angleicht.2

1
Im Sinne der Regelungstechnik erfolgt die Beobachtung der Strecke mit Hilfe einer
Messeinrichtung, welcher die Ausgangsgröße der Strecke als Regelgröße zugeführt
wird. Die Ausgangsgröße der Messeinrichtung enthält somit Informationen über das
unbekannte Verhalten der Störgröße und wird in der Regelungstechnik nicht mehr
als Regel-, sondern als Rückführgröße bezeichnet.
2
Eine derartige Anordnung wird als Regelung bezeichnet.

8 2. Auflage 2005
Einführung in die Produktion

Aufgrund der Komplexität und Vielschichtigkeit realer Produktionssysteme ist


die Auslegung einer derartigen Regelung mit erheblichen Problemen behaftet.3
Allgemein gültige Aussagen können in der Regel nur auf einem gewissen Abs-
traktionsniveau gemacht werden, wobei bestimmte, unwesentliche Aspekte
nicht beachtet werden (vgl. Dyckhoff 2000, S. 7). Hierbei ist allerdings in der
Regel davon auszugehen, dass der Vorteil einer Übertragbarkeit derartiger Aus-
sagen bzw. Ansätze zu Lasten der Anwendbarkeit auf reale Produktionssysteme
geht.

2.2 Aufgaben und Ziele der Produktionsplanung und


-steuerung
Aufgabe der „Produktionsplanung4 und -steuerung5 ist es, aufgrund von Produktionsplanung
erwarteten und/oder vorliegenden Kundenaufträgen den mengenmäßigen und und -steuerung:
zeitlichen Produktionsablauf unter Beachtung der verfügbaren Kapazitäten Aufgaben
durch Planvorgaben festzulegen, diesen zu veranlassen sowie zu überwachen
und bei Abweichungen Maßnahmen zu ergreifen, so dass bestimmte betriebli-
che Ziele erreicht werden.

Das Handeln von Unternehmen unter ökonomischen Gesichtspunkten ist grund-


sätzlich durch das Ziel bestimmt, dauerhaft Unternehmensgewinn zu erwirt-
schaften. Dieses Ziel kann die Produktionsplanung und -steuerung über eine
Erhöhung der Erlöse einerseits und über die Senkung der Kosten andererseits
unterstützen.

Wenn durch gute Entscheidungen der Umfang der in einer Periode abgewickel- Entscheidungs-
ten Aufträge erhöht werden kann, dann tritt eine Erlöswirkung ein. Ebenso kön- relevante Kosten
nen eine hohe Termintreue, welche durch eine hohe Planungssicherheit begüns-
tig wird, und Einhaltung der Qualitätsanforderungen über so genannte Good-
will-Effekte zu einer längerfristigen Erlössteigerung führen.6 Durch eine hohe
Flexibilität in der Produktionsplanung und -steuerung kann das Unternehmen

3
Im Gegensatz zur Regelungstechnik weist die Produktionstheorie zudem keine so
enge Verzahnung zwischen Regler und Strecke auf. Im Sinne der Produktionswirt-
schaft werden Regler und Strecke als Managementprozess sowie Wertschöp-
fungsprozess bezeichnet (vgl. Dyckhoff 2000, S. 7 f.). Letzterer ist wiederum Ge-
genstand der Theorie betrieblicher Wertschöpfung.
4
Planung lässt sich als „gedankliche Vorwegnahme zukünftigen Handels durch
Abwägen verschiedener Handlungsalternativen und Entscheidung für den günstigs-
ten Weg“ definieren (vgl. Wöhe 1996, S. 140)).
5
Steuerung lässt sich „Willensdurchsetzung der gedanklichen Ordnung, des Plans, in
die Realität“ definieren. Im Fall des Fehlens von Störungen, welche die Pläne in
Frage stellen, ist mit dem Auslösen und Realisieren die Durchsetzung beendet. Auf-
grund der Abweichungen müssen aber Kontroll- und Sicherungsmaßnahmen erfol-
gen (vgl. Zäpfel 1982, S. 34).
6
Vgl. Adam, 2001, S. 548.

© 2004, 2005 Universität Koblenz-Landau 9


Einführung in die Produktion

auf Kundenwünsche besser reagieren und eingehen, was sich ebenfalls positiv
auf die Erlöse auswirken kann. Eine Reihe von Kosten können durch die Pro-
duktionsplanung und -steuerung nicht mehr beeinflusst werden, z.B. sind Löhne
und Gehälter bereits durch Arbeits- und Tarifverträge weitgehend vorgegeben
oder Stückbearbeitungskosten auf einer Maschine durch das Rechnungswesen
festgelegt. Die Kosten, welche durch Produktionsplanungs- und -steuerungs-
maßnamen noch beeinflusst werden können, werden als entscheidungs-
relevante Kosten bezeichnet.7 Hierzu gehören:
♦ Einrichte- und Rüstkosten zur Vorbereitung der Produktionsanlagen,
♦ Leer- und Stillstandskosten von Produktionsanlagen,
♦ Lagerhaltungskosten für Rohstoff-, Zwischen- und Endlager,
♦ Kosten der Vermeidung absehbarer Terminüberschreitungen, wie z.B. Über-
stunden, Zusatzschichten oder zusätzliche Speditionskosten bei Teilliefe-
rungen sowie
♦ Kosten bei Nichteinhaltung von Lieferterminen, wie z.B. Konventional-
strafen oder Preisnachlässe.

Ersatzziele Wenn man auf Grundlage der Erlöse und der entscheidungsrelevanten Kosten
eine Produktionsplanung und -steuerung vornehmen wollte, dann müssten sich
alle diese Erlöse und Kosten zum Zeitpunkt der Produktionsplanung bzw.
-steuerung genau quantifizieren lassen. Dies ist aber nicht der Fall, da bei-
spielsweise die Lagerhaltungskosten für Zwischenlager sehr schwer be-
stimmbar sind, da die genaue Kapitalbindung des Zwischenproduktes nur un-
genau ermittelbar ist. Aus diesem Grund arbeitet man in der Produktionspla-
nung- und steuerung mit Ersatzzielen,8 von denen man weiß oder vermutet,
dass sie mit den ursprünglichen Zielen konform sind.

Eine Klassifikation dieser Ersatzziele kann etwa in Mengen- und Zeitziele


(Kurbel 2003, S. 20), monetäre und nicht-monetäre Ziele (Schultz/Mertens,
2000, S. 58) oder, wie im Folgenden, in durchlauforientierte, kapazitäts-
orientierte und terminorientierte Ziele erfolgen (Domschke et al. 1997, S. 297).

Durchlauforientierte Durchlauforientierte Ziele sollen eine Reduzierung der Durchlaufzeiten und


Ziele Wartezeiten garantieren, was wiederum zu einer Senkung der in der Produktion
vorhandenen Bestände führt. Als Durchlaufzeit wird die Zeitspanne bezeichnet,
die zwischen Produktionsbeginn und Fertigstellung eines Auftrags vergeht.9
Die durchlauforientierten Ziele spiegeln eine Auftragssicht wider, da es für
Aufträge günstig ist, wenn sie schnell bearbeitet werden und jeweils nur kurz
warten müssen.10 Die Reduzierung der Bestände wird durch die verringerten

7
Vgl. Kurbel 2003, S. 20
8
Vgl. Adam 2001, S. 548
9
Vgl. Adam 2001, S. 549
10
Vgl. Adam 2001, S. 535

10 2. Auflage 2005