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Kurzgeschichten untersuchen und

beschreiben

1 „Ich wollt ich wäre du“ ist der Titel der Kurzgeschichte, die du gleich lesen wirst.
Überlege, ob es in deinem Leben bereits eine Situation gab, in der du dir gewünscht
hast, jemand anderes zu sein. Notiere deine Gedanken.

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2 Lies nun die Kurzgeschichte mindestens zweimal gründlich durch und verschaffe dir
einen ersten Überblick über die Handlung.

Ich wollt, ich wäre du (Irmela Brender)

Ich wollt, ich wäre du, Marktfrau. Du stehst da so freundlich und heiter und verkaufst
deine Blumen und dein Obst und alles ist klar. Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu
haben. Du musst nicht zur Schule gehen mit dem Gefühl, dass heute der große Krach
kommt; dass du aufgerufen wirst und versagst; dass sie dir den Brief geben, in dem
steht: Versetzung gefährdet. Du brauchst keine Angst zu haben vor Lehrern und Eltern.
Du bist schon groß und dir kann keiner. Ich wollt, ich wäre du, Marktfrau!

Ich wollt, ich wäre du, Kundin. Du kommst hübsch und gepflegt über den Markt, dein
Kind an der Hand und suchst dir in Ruhe die schönsten Äpfel aus.
Du hast keine Geldsorgen, du musst dir keine Gedanken darüber machen, wie du
morgen die neue Ware bezahlen sollst und nächste Woche den Standplatz hier. Du hast
keine schmerzenden Beine und dauernd die Angst, dass der Arzt sagt: Schluss jetzt mit
der Steherei auf dem Markt. Was soll dann werden? Ich wollt ich wäre du, Kundin!

Ich wollt, ich wäre du, Autofahrer an der Ampel. Dein Wagen ist elegant und schnell, ein
Wagen, wie Erfolgreiche ihn haben. Du bist nicht eingesperrt mit Haushalt und Kindern,
du kennst nicht diese Langeweile, die einen erdrückt, wenn ein Tag vergeht wie der
andere. Du weißt nicht, wie es ist, ohne Aufgabe zu sein, ohne Abwechslung, ohne
Abenteuer, nur mit der Aussicht, dass es immer so bleibt, wie es jetzt ist. Ich wollt, ich
wäre du, Autofahrer an der Ampel!

Ich wollt, ich wäre du, Kind mit der Schulmappe. Du gehst so langsam über die Straße
wie jemand, der Zeit hat, ein Leben lang Zeit. Du musst nicht hetzen von einer Sache zur
andern und jede halb getan zurücklassen, weil die nächste wartet: Du kennst nicht die
Angst, es nicht zu schaffen, überholt zu werden, verbraucht zurückzubleiben. Du musst

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nicht zittern vor dem Augenblick, der der letzte sein könnte. Ich wollt, ich wäre du, Kind
mit der Schulmappe!

3 Betrachte nun die vier Teile des Textes einzeln und beantworte jeweils die folgenden
Fragen dazu. Halte deine Antworten in Stichworten fest.

a) Wo stellst du dir die Szene des ersten Abschnitts (usw.) vor (z.B. in der Großstadt, im
Büro, auf dem Spielplatz…) und bei welcher Tageszeit spielt sich die Handlung deiner
Meinung nach ab?

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b) Wie stellst du dir die Person vor (Alter, Aussehen,…)?

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c) Welche Personen tauchen auf? Der Text gibt dir Hinweise, um wen es sich handeln
könnte.

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d) Welche Stimmung herrscht vor?

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e) Sprechen die Personen miteinander?

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4 Fertige zum Ort der Handlung eine Skizze bzw. einen „Lageplan“ an. Zeichne darin alle
Personen und den von dir vermuteten Handlungsort ein. Vergiss nicht die Skizze zu
beschriften.

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5 Beschreibe nun in einem zusammenhängenden Text, welche vier Personen sich hier
wann und wo begegnen/sehen/beobachten. Hier kannst du dir auch deine bildliche
Umsetzung/Skizze zu Hilfe nehmen.
Begründe deine Angaben zum Handlungsort und zur Zeit des Geschehens am
Text. Mache deutlich, wenn es sich bei deinen Aussagen um Vermutungen handelt.

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6 Ein Schulkind, eine Marktfrau, eine Kundin und ein Autofahrer werden jeweils von
einer anderen Person beobachtet. Wie werden sie von der anderen Person
wahrgenommen/beschrieben? Finde die Beschreibungen im Text u. trage sie in die
Tabelle ein.
Schulkind Marktfrau Kundin Autofahrer

so wird die Person vom anderen beobachtet:

7 Jede der Personen beobachtet aber auch selbst eine der anderen Personen und macht
sich Gedanken über sie. Was wird über das Schulkind, die Marktfrau, die Kundin und den
Autofahrer gedacht. Vervollständige die Tabelle.

das denkt die Person über, die Personen, die er/sie beobachtet:
Schulkind denkt Marktfrau denkt Kundin denkt Autofahrer denkt
„du brauchst kein „keine Geldsorgen“ „nicht eingesperrt mit „musst nicht hetzen
schlechtes Gewissen Haushalt und Kindern“ von einer Sache zur
zu haben“ anderen und jede halb
getan zurücklassen,
weil die nächste

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wartet.“
„dass heute der „keine Gedanken „kennst nicht diese „kennst nicht die
große Krach kommt“ darüber machen, wie Langeweile, die einen Angst, es nicht zu
du morgen die neue erdrückt, wenn ein Tag schaffen, überholt zu
Ware bezahlen sollst vergeht wie der werden, verbraucht
und nächste Woche andere.“ zurückzubleiben.“
den Standplatz“
„versagst“ „keine „ohne Aufgabe zu sein“ „nicht zittern vor dem
schmerzenden Augenblick, der der
Beine“ letzte sein könnte“
Brief geben- „Angst, dass der Arzt „ohne Abwechslung“
Versetzung gefährdet kommt: Schluss jetzt
mit der Steherei…“
„Angst vor Lehrern „ohne Abenteuer“
und Eltern“

„schon groß, dir kann „mit der Aussicht, dass


keiner“ es immer so bleibt, wie
es jetzt ist.“
   
will will will will

………………………………. …………………………….. ……………………………. …………………………..


sein sein sein sein

8 Was sagen diese Gedanken über die Person selbst bzw. über ihre Situation aus? Fülle
die Tabelle entsprechend aus.

So geht es dieser Person wirklich / das sagt sie indirekt über sich selbst:
hat sehr viel Arbeit, hetzt
hat ein schlechtes Gewissen hat Geldsorgen fühlt sich eingesperrt mit von einer Sache zur
Hausarbeit und ihren anderen, ohne etwas richtig
Kindern erledigt zu haben - Stress

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9 Trage deine Erkenntnisse über die Personen in einem Text zusammen und beschreibe
sie ausführlich.
 Was erfährt man über die einzelnen Personen?
 In welcher Situation befinden sie sich (vermutlich)?
 Wie wirken sie auf die anderen?
 Welche Vorteile oder Nachteile ihres Lebens werden genannt?
 In welcher „Beziehung“ stehen die Personen zueinander bzw. was haben sie
miteinander zu tun?

10 Unterstreiche mit einem roten Stift alle Passagen/Textstellen, die dir Hinweise zum
Aufbau des Textes geben.
Gemeint sind hier z.B.
 wiederkehrende Elemente,
 wiederkehrende Formulierungen,
 ähnliche Beschreibungen usw.
 Es geht hier nicht nur um wörtlich wiederkehrende Sätze, sondern auch um
inhaltliche Wiederholungen.
Notiere anschließend in Stichworten wie der Text sich zusammensetzt bzw. wie er
aufgebaut ist.
Z.B. 1. Einleitungssatz „Ich wollt ich wäre du, XY“
2. Direktes Ansprechen der Person, Nennung von deren
Vorteilen: „Du...“
3. ...

11 Formuliere nun deine Beobachtungen zum Textaufbau in einem zusammen-


hängenden Text.

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12 Merkmale der Kurzgeschichte

Woran ist erkenn- und nachweisbar, dass es sich bei dem Text um eine Kurzgeschichte
handelt? Benenne vorhandene Merkmale und finde Textbelege für deren Auftreten.
Fülle hierzu die folgende Tabelle aus.

Fachbegriff für das Beleg für das Auftreten des Merkmals im vorliegenden
auftretende Merkmal Text (z.B. durch ein Zitat)

Kürze Der Text umfasst nur X Seiten.

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13 Sprache und Stil
In Kurzgeschichten wird in der Regel Alltags- und sogar Umgangssprache verwendet, die
leicht verständlich ist und sehr realistisch wirkt.
Bei der Beschreibung von Sprache und Stil schreibst du in der Textbeschreibung über
Besonderheiten, die du beobachtest. Dabei solltest du z.B. auf
- die Zeichensetzung,
- auf Satzarten (Fragesätze, Befehle, Verwendung von Nebensätzen usw.),
- auf Stilmittel achten, die in Kurzgeschichten oft benutzt werden, um
sprachliche Bilder zu zeichnen und eine bestimmte Wirkung hervorzurufen.
Folgende Stilfiguren sind in „Ich wollt, ich wäre du“ enthalten. Versuche, sie im Text zu
finden, markiere sie in einer bestimmten Farbe und notiere in der Tabelle, in welcher
Zeile sie zu finden sind. Überlege dir, welche Wirkung die Stilfiguren im Text haben.
Manche Stilfiguren kommen nicht nur einmal vor. Markiere und notiere alle Stellen.

Stilfigur Erklärung Zeile Wirkung


Auslassen eines oder
mehrerer Buchstaben
Elision in einem Wort, z.B.
Wandrer statt
Wanderer.
Wörter, Satzteile oder
Sätze werden
Wiederh
wiederholt.
olung

Umstellung des
Satzbaus. Statt „Er hat
Inver- mir die Uhr geschenkt.“
sion Z.B. „Mir hat er die Uhr
geschenkt.“

Auslassen von Wörtern


in einem Satz. Statt
„Das Rauchen ist hier
Ellipse
verboten.“ Z.B.
„Rauchen verboten.“

Etwas wird mit etwas


anderem verglichen.
Vergleic Dafür wird in der Regel
h das Wort „wie“
verwendet. Z.B. „er
singt wie ein Engel“

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Ein sprachliches Bild
entsteht, das nicht
Metaphe wörtlich zu nehmen ist,
r jedoch verdeutlicht,
was gemeint ist. Z.B.
„Am Fuß des Berges“