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SMARTPHONES

Android 11 ist da: Sämtliche Neuerungen


im Test
Neue Version umgehend für Pixel-Smartphones verfügbar, ausgewählte Geräte
von OnePlus, Xiaomi, Oppo und Realme sollen bald folgen
Andreas Proschofsky 8. September 2020, 19:00 9 Postings

Die Android-Entwicklung funktioniert mittlerweile wie ein gut geöltes Uhrwerk: Jedes
Jahr im Spätsommer gibt es eine neue Generation des Google-Betriebssystems. Und
diesen Rhythmus lässt man sich auch durch solch eine Kleinigkeit wie eine weltweite
Pandemie nicht durcheinanderbringen. Mit Android 11
[https://blog.google/products/android/android-11] gibt es nun also wieder einen großen
Versionssprung. Was dieser alles an für die Nutzer sichtbaren Neuerungen bringt, ist eine
Frage, der in Folge in gewohnter Ausführlichkeit nachgespürt werden soll.

Zu viele Benachrichtigungen

Es gab eine Zeit, da waren Benachrichtigungen auf einem Smartphone eine sehr einfache
Sache: Sie waren vor allem dazu da, die Nutzer über eingehende Nachrichten – einst vor
allem über SMS – oder verpasste Anrufe zu informieren. Mit der Zeit wurde dieses
System aber für immer mehr Aufgaben genutzt, was zwar in vielerlei Hinsicht durchaus
sinnvoll ist, es aber auch zunehmend schwerer machte, das wirklich Wichtige aus der
Masse herauszufiltern. Mit Android 11 versucht Google nun einen neuen Versuch, und
zwar, indem man das besonders herausstreicht, was schon einst besonders wichtig war:
die direkte Kommunikation mit anderen Menschen.
Android 11 ist da.
Foto: Proschofsky / STANDARD

Konversationen als Lösung

Unter dem Namen "Konversationen" gibt es im Benachrichtigungsbereich von Android


nun eine eigene Kategorie, die Messenger-Apps und ähnlichen Tools zur direkten
Kommunikation von Mensch zu Mensch vorbehalten ist. Diese erscheint nicht nur über
allen anderen Benachrichtigungen, sie wurde auch optisch umgestaltet, sodass etwa der
Avatar des Gegenübers gleich zu sehen ist. Innerhalb dieser Kategorie können dann
sämtliche Gespräche noch einmal mit unterschiedlichem Gewicht versehen werden.
Besonders wichtige Konversationen bekommen dann beispielsweise den Status
"Priorität", mit dem sie – wenn gewünscht – sogar den "Do Not Disturb"-Modus
durchbrechen können. Umgekehrt ist es aber auch möglich, einzelne Konversationen
komplett stumm zu schalten.

Und noch ein Detail: Der Avatar eines Einzel- oder Gruppengesprächs wird auch zur
Repräsentation der Benachrichtigung in der Statuszeile herangezogen, damit die Nutzer
gleich auf den ersten Blick sehen, wer da gerade kommunizieren will.

Kombiniert wird all das mit einem weiteren neuen Konzept, das bereits in Android 10 kurz
zu sehen war, aber nie fertig umgesetzt wurde: den Bubbles. Dabei handelt es sich um
eine Art systemweite Implementation von Facebooks Chat Heads. Einmal aktiviert,
werden die wichtigsten Mitteilungen als kleine Icons in Form des zugehörigen Avatars
über dem restlichen Smartphone-Geschehen eingeblendet. Tippt man auf dieses Icon,
wird dann das aktuelle Gespräch als Overlay eingeblendet, und es kann direkt an dieser
Stelle geantwortet werden, ohne auf die betreffende App wechseln zu müssen.

Sind mehrere solche Benachrichtigungen vorhanden, werden die Icons übereinander


gelagert. Erst nach dem Antippen werden sie dann nebeneinander angezeigt, und es
kann – ebenfalls ohne Wechsel in die zugehörigen Apps – rasch zwischen den
verschiedenen Diskussionsträngen gewechselt werden. Das Bubble-Icon kann dabei
mehr oder weniger frei positioniert werden, wobei die Einschränkung gilt, dass es immer
automatisch am Bildschirmrand angeordnet wird.

Die "Konversationen" werden nun getrennt von anderen Benachrichtigungen dargestellt


(links). Alternativ kann man diese auch fix als Bubbles über dem restlichen Smartphone-
Geschehen anzeigen lassen, dabei werden auch neue Nachrichten kurz eingeblendet (Mitte).
Nach dem Drücken auf das Icon bekommt man Zugriff auf den gesamten
Konversationsverlauf und kann direkt antworten (rechts).
Screenshots: Proschofsky / STANDARD

Ein neuer Ansatz

Ob man diese Bubbles mag oder nicht, ist ein klassischer Fall von Geschmackssache.
Was für die einen eine nützliche Neuerung ist, um immer Zugriff auf die wichtigsten
Konversationen zu haben, mag andere schlicht nerven – immerhin liegt hier dann auch
oft ein Icon über dem restlichem Smartphone-Geschehen. Für die zweite Fraktion gibt es
die gute Nachricht, dass all dies optional ist. Und natürlich kann man auch einzelne
Bubbles aus dem Weg räumen.

Unabhängig davon, ob man mit den Bubbles etwas anfangen kann: Von dem dahinter
stehenden Umbau des Benachrichtigungssystems zu einer App-übergreifenden
Konversationszentrale profitieren alle. Und der stellt eine durchaus interessierte
Verschiebung im Nutzungsmodell für Android dar. Weg von einem App-zentrierten
Ansatz hin zu einem mehr rund um Kontakte und einzelne Personen aufgebauten
Konzept. Eines, bei dem zunehmend unwichtiger wird, auf welchem Weg man mit
jemandem kommuniziert, und bei dem der Android-Benachrichtigungsbereich – oder
eben die Bubbles – zu einer Art Meta-Messenger werden. Zyniker könnten an dieser
Stelle nun anmerken, dass Google damit endlich die Lösung für sein Messenger-Problem
gefunden hat.

All das ist übrigens erst der Anfang: Dave Burke, Leiter der Android-
Entwicklungsabteilung bei Google, betonte vor einigen Wochen, dass kommende
Android-Versionen noch stärker in Richtung eines personenzentrierten
Nutzungskonzepts gehen sollen.

Einstellungen

Neben diesen größeren Fragen gibt es aber auch


noch einige interessante Details: So gibt es für
die Konversationen einen eigenen
Einstellungsbereich, damit die Nutzer nicht den
Überblick verlieren, was sie jetzt konkret für
welche Konversation festgelegt haben. Zudem
wurde auch sonst das Aussehen der
Benachrichtigungen verändert. Die einzelnen
Kategorien sind optisch stärker von einander
getrennt, gibt es mehrere Nachrichten in einer
zusammengehörigen Benachrichtigung, wird
deren Anzahl nun über ein Icon ausgewiesen.

Eine weitere nützliche Neuerung ist die


Notification History: Diese befindet sich in den Screenshot: Proschofsky / STANDARD

Systemeinstellungen und weist aus, welche


Benachrichtigungen zuletzt eingegangen sind. Sehr hilfreich, wenn man einmal
unabsichtlich eine Notification weggewischt hat.

Gerätesteuerung

Die zweite große Neuerung in Android 11 verbirgt sich hinter einem Langdruck auf den
Power Button. Dieser Bereich wurde nicht nur optisch umgestaltet, neben den gewohnten
Optionen zum Ausschalten und Neustarten gibt es nun die neue Gerätesteuerung, die als
Schnellzugriff für die wichtigsten Smart-Home-Aufgaben gedacht ist. Wer will, kann hier
also mit einem Touch all Lichter in der Wohnung abdrehen oder auch den Staubsauger
auf seine Runde schicken – ohne zuvor erst die passende App suchen zu müssen.

In der Praxis erweist sich dieser Ansatz als ein echter Gewinn für all jene, die solche
Geräte im Einsatz haben. Einfach weil dieser Zugriff wesentlich flotter ist, als zuerst
einmal die passende App suchen zu müssen.

Die aktuelle Implementation hat aber auch ihre Schwächen: Dadurch, dass diese Knöpfe
in einigen Fällen mehrere Funktionalitäten vereinen, kann es leicht passieren, dass man
Einstellungen unabsichtlich verändert. Ein konkretes Beispiel: Für Licht dient der
entsprechende Knopf sowohl für Ein/Ausschalten als auch für die Helligkeitsregelung
(über einen seitlichen Swipe). Wer hier etwas unentschlossen auf die Schaltfläche drückt,
kann schon mal unabsichtlich die Lichtintensität verändern. Das ist natürlich schnell
korrigiert, aber trotzdem immer wieder ein mühsames Ereignis, vor allem wenn es auch
noch Mitbewohner gibt, die sich wundern, warum das Licht plötzlich seine Helligkeit
ändert.

Ein Langdruck auf diese Buttons offenbart üblicherweise weitere Detaileinstellungen,


etwa für die Lichtfarbe und die Möglichkeit, die Intensität feiner einzustellen. Zudem gibt
es an dieser Stelle dann auch einen Knopf, um zur zugehörigen App zu kommen.

App-Anbindung

Um all das zu ermöglichen, bietet Android 11 neue Schnittstellen, über die sich Smart-
Home-Apps mit diesem Bereich integrieren können. Derzeit wird dies vor allem von
Google Home unterstützt, es ist aber davon auszugehen, dass bald weitere Apps folgen
werden. Ein interessantes Beispiel für das Potenzial dieses Ansatzes liefert die
Automatisierungs-App Tasker: Ein experimentelles Plug-in erlaubt es dieser nämlich, in
den "Device Controls" beliebige Knöpfe unterzubringen.
Über die Schaltflächen können Geräte nicht nur ein- und ausgeschaltet werden, bei Licht
kann hier auch die Intensität geregelt werden (links). Ein Langdruck auf den Schalter gibt
Zugriff auf weitere Detaileinstellungen (Mitte). Ist der Lockdown-Modus aktiviert, werden
"Power Off" und "Restart" in einen Button zusammengefasst, es gibt in Folge also einen
weiteren Dialog zur Auswahl (rechts).
Screenshots: Proschofsky / STANDARD

Wer jetzt befürchtet, dass dieser Bereich mit dem Wildwuchs an Smart-Home-Apps
unterschiedlicher Hersteller schnell unübersichtlich werden könnte, der kann beruhigt
werden: Was hier angezeigt wird, steht unter voller Kontrolle der Nutzer. Sie können also
sowohl einzelne Apps ganz ausblenden – etwa wenn sie ihre Geräte sowohl in Google
Home als auch der Apps des jeweiligen Herstellers haben – als auch einzeln auswählen,
welche Devices dargestellt werden können.

Wer bekommt's?

Eine nicht ganz unwichtige Frage bleibt bei all dem allerdings offen, nämlich welche
Hersteller dieses Feature überhaupt übernehmen werden. Denn wie sich herausstellt, hat
Google die Device Controls in den Vorschriften für Android 11 nur als "empfohlen", aber
nicht als "vorgeschrieben" definiert. Das heißt, theoretisch könnten einzelne Anbieter
dieses auch komplett ignorieren. Angesichts der Nützlichkeit dieses Systems stellt sich
natürlich die Frage, warum sie das tun sollten. Umgekehrt wäre es aber nicht das erste
sinnvolle Feature, das von diversen Anbietern ignoriert wird.

In Zukunft will Google an dieser Stelle übrigens noch weitere Funktionen zum
Schnellzugriff bieten. In Ländern, in denen Google Pay verfügbar ist, kann schon jetzt
schnell zwischen verschiedenen Bezahlmitteln gewechselt werden. Auch Vorteilskarten
sowie der Boarding Pass für einen anstehenden Flug werden dann an dieser Stelle
positioniert. Und schon bald sollen hier auch Führerschein und andere digitale Ausweise
angezeigt werden. Immerhin unterstützt Android 11 den ISO-18013-5-Standard, der für
die sichere Speicherung solcher Informationen entwickelt wurde.

Mediensteuerung

Komplett neu gestaltet wird mit Android 11 die im Benachrichtigungsbereich


angesiedelte Mediensteuerung. Von Haus aus wird diese nun nämlich nicht nur
dauerhaft angezeigt, sie kann auch wesentlich mehr. Über eine seitliche Wischbewegung
kann auf die zuletzt gehörten Titel in anderen Apps gewechselt werden. So lässt sich
dann etwa von einem Musikstück schnell auf die zuvor gehörte Podcast-Folge oder auch
ein Youtube-Video wechseln. Diese Liste übersteht dabei sogar einen Neustart des
Geräts.

Was Google hier geschaffen hat, ist also eine Art Wiedergabezentrale für Android-
Medien-Apps. Wem das nicht gefällt, der kann dieses Feature übrigens auch deaktivieren,
womit es dann wieder das gewohnte Verhalten früherer Android-Versionen gibt.

In der neuen Medienzentrale kann über eine seitliche Wischbewegung zwischen den zuletzt
genutzten Apps gewechselt werden (links). Zum Vergleich: Die selbe Benachrichtigung unter
Android 10 (Mitte). Der Output Switcher lässt schnell zwischen verschiedenen Geräten
wechseln (rechts).
Screenshots: Proschofsky / STANDARD

Mit diesen funktionellen Änderungen geht ein Redesign einher: Im Vergleich zu Android
10 ist die Mediensteuerung nun etwas kompakter. Vor allem gibt es die Möglichkeit auf
eine andere Stelle innerhalb eines Lieds zu wechseln erst nach dem vollen Entfalten des
Benachrichtigungsbereichs. Das hat auch einen guten Grund: In der nach dem ersten
Swipe von oben präsentierten Miniansicht würden sich sonst der Wechsel zwischen
verschiedenen Apps mit dem Fortschrittsbalken allzu leicht in die Quere kommen.

Ausgabe

Neben einer neuen Abspiel-Animation fällt optisch sonst vor allem eine Änderung auf:
Rechts oben ist immer deutlich zu sehen, auf welchem Gerät aktuell die Wiedergabe
stattfindet. Ein Klick darauf öffnet dann den neuen "Output Switcher", der von unten über
das restliche Smartphone-Geschehen geblendet wird. Damit lässt sich dann rasch
zwischen den Lautsprechern des Smartphones oder auch verbundenen Kopfhörern und
Bluetooth-Geräten wechseln. Theoretisch wäre es sogar möglich, in dieser Liste Geräte
mit Chromecast-Support anzuzeigen, derzeit wird diese Option aber noch von keiner App
umgesetzt.

Eine kleiner Neuerung, die mit all dem genaugenommen nur am Rande zu tun hat, aber
irgendwie doch dazu passt: Aufrechte Bluetooth-Verbindungen werden beim Aktivieren
des Flugzeugmodus nun nicht mehr beendet. Das sollte sich als äußerst nützlich
erweisen, falls man jemals wieder dazu kommt, ein Flugzeug zu betreten.

Teilen statt herrschen

Als sehr sinnvoll erweist sich eine Modifikation der Share-Funktion von Android. Hier
werden nun nämlich mehrere Einträge einer einzelnen App zusammengefasst. Erst wenn
man das zugehörige App-Icon anwählt, werden alle Optionen angezeigt. Das ist
deswegen zu begrüßen, weil hier manche Apps die Liste regelrecht zugespammt haben,
die neue Lösung ist da wesentlich übersichtlicher. Ein weiteres Detail: Wurde eine App fix
ganz oben zum Schnellzugriff gepinnt, wird dies jetzt über ein eigenes Icon symbolisiert.
Von links: Der neue Screen Recorder. Der neue Share Dialog. Und: Die Bild-in-Bild-Darstellung
lässt sich nun vergrößern – allerdings nur sehr begrenzt.
Screenshots: Proschofsky / STANDARD

Ein Feature, das man schon von vielen Android-Varianten anderer Hersteller kennt, landet
nun endlich auch offiziell im Code des Betriebssystem: Mit Android 11 gibt es einen
Screen Recorder, der über einen neuen Eintrag in den Schnelleinstellungen aufgerufen
werden kann. Beim Start können die Nutzer dabei auswählen, ob Touch-Eingaben
visualisiert und Ton aufgezeichnet werden soll. Dabei können sowohl eingesprochene
Texte via Mikrofon als auch die Ausgabe des Geräts gespeichert werden – oder beides
gleichzeitig.

Zu den weiteren Detailverbesserungen gehört, dass sich die Größe des Fensters im Bild-
in-Bild-Modus nun in ihrer Größe anpassen lässt. Dazu reicht es, das betreffende Fenster
vom Eck nach außen zu ziehen. Allzu viel Spielraum gewährt Google dabei allerdings
nicht, eine Ausdehnung auf die volle Breite ist also nicht möglich. Sehr nett ist hingegen,
dass es in den WLAN-Einstellungen nun die Option gibt, die automatische Verbindung mit
einzelnen Netzwerken gezielt zu deaktivieren. So kann man dann das WLAN-Passwort
dauerhaft speichern, aber die Verbindung nur auf Wunsch vornehmen. Und dann wäre
noch der Umstand, dass alle Smartphones mit Android 11 nun Android Auto drahtlos
nutzen können.

Emoji Time

Keine neue Android-Release ohne zusätzliche Emojis: Dank Emoji-13.0-Support gibt es in


Android 11 also 117 neue Minigrafiken. Die Neuzugänge reichen von einer Transgender-
Flagge über einen Ninja bis zum Boomerang. Gleichzeitig hat Google den Stil vieler
bisheriger Emojis überarbeitet, wovon auch die am meisten genutzten Smileys betroffen
sind. Einem Wunsch so mancher Android-Fans
kommt der Softwarehersteller nach, in dem der
Look einzelner Tiere – allen voran der
Schildkröte – auf einen älteren, niedlicheren
Einige der neuen Emojis in Android 11. Look zurückkehren.

Verbesserungen gibt es beim Autofill-Support:


Hier können nun Vorschläge des Systems direkt
in einer Zeile der Tastatur-App angezeigt werden.
Die Art wie das implementiert ist, sorgt dafür,
dass die Tastatur aus Datenschutzgründen
Zurück ins Jahr 2013: Die alte Schildkröte
zunächst einmal nicht sieht, was alles so
ist wieder zurück.
Grafik: Emojipedia
vorgeschlagen ist, erst bei der Auswahl werden
die Informationen weitergereicht. Googles
Gboard hat dieses Feature bereits integriert.

Sprachsteuerung

Ein Punkt, der bei solchen Betrachtungen neuer Features oft viel zu wenig Beachtung
findet, ist die Barrierefreiheit. Und in dieser Hinsicht macht Android 11 einen wichtigen
Sprung. So werden nun mithilfe von Maschinenlernen sämtliche Objekte am Bildschirm
automatisch indiziert. Damit ist es dann bei aktivierter Sprachsteuerung beispielsweise
möglich, "Twitter" zu sagen, um die entsprechende App zu starten oder "scroll down" um
hinunter zu scrollen. Bisher wurden einfach sämtliche Elemente mit Nummern versehen,
die angesagt werden müssen. Der neue Ansatz ist da wesentlich natürlicher.

Privacy

Auf all die strukturellen Verbesserungen von Android 11 – und das sind jede Menge –
wurde bereits in einem anderen Artikel ausführlich eingegangen
[http://www.derstandard.at/story/2000119330653/android-11-im-detail-was-die-neue-version-smartphone-
nutzern] . Insofern an dieser Stelle nur im Schnelldurchlauf die aus einer Nutzersicht
wichtigsten Verbesserungen, und dabei geht es vor allem um den Bereich Privacy. So
können nun Einmalberechtigungen für Standort, Mikrofon und Kamera vergeben werden.
Perfekt wenn man einer App keinen dauerhaften Zugriff auf eine gewisse Ressource
geben will.
Mit Android 11 nimmt Google einige Privacy-Verbesserungen am Berechtigungssystem vor.
Der dauerhafte Hintergrundzugriff auf die Standortberechtigung kann direkt in der App gar
nicht mehr erteilt werden (links), ganz neu sind Einmalberechtigungen (Mitte) und die
Storage-Berechtigung hat nicht nur einen neuen Namen sondern auch wesentlich weniger
Möglichkeiten zum Datenzugriff als bisher (rechts).
Screenshots: Proschofsky / STANDARD

Bei länger nicht genutzten Apps werden mit der neuen Version die erteilten
Berechtigungen automatisch wieder entzogen, außerdem stellt Google neue Hürden auf,
um den dauerhaften Zugriff auf die Standortberechtigung zu erschweren. In Zukunft soll
es diesen aus einer Privatsphärenperspektive besonders sensiblen Zugriff überhaupt nur
mehr nach einer Vorabprüfung durch Google geben – also zumindest für Apps, die aus
dem Play Store installiert werden. Eine weitere Neuerung ist, dass mit Android 11 nun die
Kontaktnachverfolgung mittels Covid-19-Apps auch ohne Aktivierung der
Standortdienste funktioniert. Hier hat Google eine für diesen Fall unerfreulich
Verquickung unterschiedlicher Privatsphäreneinstellungen aufgedröselt.

Ebenfalls komplett umgebaut wird die Storage-Berechtigung. Das Unterfangen nennt sich
"Scoped Storage" und soll grob vereinfacht bewirken, dass einerseits künftig deutlich
weniger Apps überhaupt die Storage-Berechtigung brauchen, und dass sie selbst dann
nur mehr einen stark eingeschränkten Zugriff auf die gespeicherten Daten haben.
Strukturell ist dies sicher die wichtigste Änderung in Android 11. Insofern sei noch mal
auf den Hintergrundartikel dazu verwiesen, in dem all den zugehörigen Details
nachgespürt wird [http://www.derstandard.at/story/2000119330653/android-11-im-detail-was-die-neue-
version-smartphone-nutzern] . Und dann wird auch noch jenes "Project Mainline", mit dem
Teile des Systems seit Android 10 als standardisierte Module direkt von Google an alle
Geräte geliefert werden, deutlich ausgeweitet. 21 solcher Module gibt es in Android 11
jetzt.

Pixel only

Und dann wären da noch eine ganze Reihe von Änderungen, die in diesem Artikel
bewusst separat ausgewiesen werden sollen. Handelt es sich dabei doch um
Neuerungen, die Google zunächst vor allem für seine Pixel-Smartphones vornimmt, und
bei denen unklar ist, ob sie von anderen Herstellern schlussendlich übernommen werden.

Am Homescreen gibt es nun unten eine neue


Reihe mit vom System vorgeschlagenen Apps,
also jene von denen Android glaubt, dass man sie
in der aktuellen Situation gerade brauchen kann.
Zur Orientierung: Die vorgeschlagenen Diese besteht aus fünf Einträgen, wobei allerdings
Apps sind jene, die mit einer jeder einzelne davon auch fix gepinnt werden
semitransparenten Farbe umgeben kann. Dies ermöglicht einen Mix aus dynamischen
sind. Die anderen drei Einträge sind fix
App-Vorschlägen und fix positionierten Einträgen.
gepinnt. All das lässt sich aber auch
deaktivieren, zudem können einzelne
Das bedeutet auch: Wer das nicht mag, kann
Apps ausgenommen werden.
einfach alle Positionen zupinnen, und verzichtet
Screenshots: Proschofsky / STANDARD
damit auf die Vorschlagsfunktion. Oder aber man
deaktiviert sie gleich in den Einstellungen. Apropos: Dort gibt es dann nun auch die
ebenfalls neue Funktion, einzelne Apps immer von diesen Vorschlägen auszunehmen.

Task Switcher

Diese Neuerung geht mit einer weiteren Änderung einher: Der Task Switcher wurde
nämlich optisch überarbeitet. Wo ist hier nun der Zusammenhang? Bisher gab es in
dieser Ansicht eine Reihe an vorgeschlagenen Apps, die wird mit Android 11 aber
gestrichen. Auch die Google-Suchzeile ist an dieser Stelle nicht mehr zu finden. Den
gewonnenen Platz nutzt man einerseits für eine größere App-Vorschau, andererseits
aber auch für zwei neue Buttons: Einer, um einen Screenshot vorzunehmen, und der
andere für die Auswahl von einzelnen Passagen aus der App.

Bei beiden lohnt es sich, etwas näher hinzusehen: Mit dem Screenshot-Button erleichtert
man für viele Nutzer die Erstellung von Bildschirmfotos, bisher musste man hierfür zur
gewohnten Tastenkombination greifen. Passend dazu, wurde auch gleich die grafische
Umsetzung dieses Features neu gestaltet: Nach jedem Screenshot wird jetzt eine
Miniansicht links unten präsentiert, über die dann die Share- und Edit-Funktionen schnell
erreichbar sind.

Am Rande: Wer sich fragt, was aus den im Vorjahr versprochenen, scrollbaren
Screenshots geworden ist: Dieses Features soll tatsächlich erst mit einer kommenden
Version folgen, da man nicht zeitgerecht fertig geworden ist, lautet die etwas
verblüffende Antwort von Google zu dem Thema. Zumindest sind auch in dieser Hinsicht
manche Dritthersteller schon weiter.

Text- und Bilderkennung

Mit dem zweiten Button im Task Switcher macht man eine der nettesten, versteckten
Funktionen von Googles Android-Variante offensichtlicher: Nämlich, dass an dieser Stelle
beliebiger Text aus allen Apps kopiert werden kann. Und zwar selbst, wenn er in der App
selbst gar nicht als Text ausgeführt ist, sondern etwa in einer Grafik enthalten ist.
Möglich ist dies, da hierfür lokales Maschinenlernen eingesetzt wird, dass den Inhalt
analysiert. Mit Android 11 werden nun neben Text auch noch Bilder automatisch erkannt
und lassen sich ebenfalls herauskopieren. Wer will, kann sich so dann – um ein
konkretes Beispiel nennen – die Album Art aus einem Musik-Player lokal abspeichern –,
obwohl dies sonst von der betreffenden App gar nicht vorgesehen wäre.

Der neue Task Switcher bietet mehr Platz für die Vorschau und zwei Funktionen: Einen
schnellen Zugriff für einen Screenshot der gerade angezeigten App, sowie die smarte Text-
und Bildauswahl.
Screenshots: Proschofsky / STANDARD

All das hat aber auch einen nicht zu unterschätzenden Nachteil: Man kann nämlich nun
vom Task Switcher aus nicht mehr direkten auf den App Launcher wechseln. Bisher ging
dies mit einem zweiten Swipe nach oben. Nun kommt man nicht mehr herum, zunächst
von der aktuellen App auf den Homescreen zu wechseln. Wirklich langsamer ist das zwar
auch nicht, allerdings müssen sich hier wohl viele erst wieder umgewöhnen.

Files by Google statt Files

Eine weitere Neuerung: Auf den Pixel-Geräten ersetzt "Files by Google" den alten
Dateimanager. Die App ist ursprünglich für Android-Go-Geräte entstanden, hat sich aber
auch jenseits solcher Low-End-Smartphones als äußerst populär erwiesen, warum dieser
Wechsel nicht ganz überraschend kommt.
Neben den eigentlichen Dateimanagerfunktionen glänzt die neue App vor allem mit
diversen Aufräumoptionen. So werden etwa länger nicht mehr benutzte Apps oder große
Dateien zum Löschen vorgeschlagen. Zudem gibt es mittlerweile auch die Möglichkeit,
einen "sicheren" Ordner anzulegen, der die darin gespeicherten Daten über einen Pin
zusätzlich schützt – auch das kennt man zum Teil schon von anderen Herstellern.

Verfeinert wurde an vielen Stellen die optische Gestaltung des Dark Mode, zudem wurde
an vielen Stellen Feinschliff am Timing der Animationen vorgenommen und auch ein
paar Übergänge ganz neu hinzugefügt. Und dann wäre da noch eine kleine Erweiterung
der Pixel Styles App: Konkret bedeutet dies, dass einige neue Formen für die Icon-
Darstellung zur Verfügung stehen.

Easter Egg

Was bei einer neuen Android-Generation natürlich nicht fehlen darf, ist ein neues Easter
Egg. Und dieses Mal fällt es besonders aufwändig auf: Wie gewohnt, kann dieses
zunächst einmal über ein mehrfaches Antippen der Android-Version in den
Systeminformationen aufgerufen werden. Anschließend ist ein Drehregler zu sehen, der
sich zunächst nur in zehn Stufen drehen lässt. Erst nach mehreren Versuchen dringt man
dann zur elften Stufe durch, und das Ganze verwandelt sich in das Android 11 Logo.

Wem es nicht aufgefallen ist: All das ist eine popkulturelle Referenz auf eine
Dokumentation über die Band Spinal Tap, in der zu sehen ist, dass deren Gitarrist einen
Verstärker hat, dessen Laustärkerregler bis zur Stufe 11 reicht, statt wie sonst üblich 10.
Daher entstammt der Begriff "up to eleven", auf den man sich damit bezieht.

Das ist aber nicht das Ende des Easter Eggs, sondern erst dessen Anfang. Wird durch all
das doch erst ein anderes Feature freigeschaltet: In der zuvor erwähnten, neuen
Gerätesteuerung finden sich nämlich plötzlich "Cat Controls". Dort lassen sich dann
virtuelle Katzen-Devices wie Spielzeug sowie Wasser- und Futternapf einrichten. Wer
diese regelmäßig bedient und nachfüllt kann damit dann Katzen anlocken. Dieser
erscheinen ein paar Minuten später als Bubble am Smartphone, ein Touch auf diese
offenbart dann, wie viele davon man bereits gesammelt hat. Denn es gibt natürlich ein
paar hundert unterschiedliche Katzenstile, die dann auch als Grafik mit anderen geteilt
werden können.
Das neue Easter Egg von Android 11 ist ein nett gemachtes Spiel.
Screenshots: Proschofsky / STANDARD

Wem das irgendwie bekannt vorkommt, der hat recht. Diese Katzen kamen schon für das
Easter Egg von Android 7 zum Einsatz. In der neuen Version werden sie nun genutzt, um
auch gleich ein paar der Highlights von Android 11 vorzuzeigen.

Ein Codename, der keiner ist

Bliebe noch eine Frage, die in den vergangenen Jahren einen zuverlässigen Quell für
Spekulationen aller Art bildete: nämlich welchen Codenamen die neue Version trägt.
Leider wurde diese Tradition aber schon mit Android 10 eingestellt, und auch der
Nachfolger muss nun ohne einen solchen Kosenamen auskommen. Zumindest offiziell,
den mittlerweile hat Android-Chefentwickler Dave Burke ausgeplaudert, dass intern der
Name "Red Velvet Cake" verwendet wird.

Fazit

Mit Konversation, Gerätekontrollen und der neuen Mediensteuerung führt Google in


Android drei große Änderungen an seinem Betriebssystem ein, die alle etwas eint: Mit
ihnen schafft man zentrale Ort für einzelne Aufgaben, bei denen die einzelnen Apps in
den Hintergrund treten. Das ist nicht nur aus einer philosophischen Perspektive in
Hinblick auf das Nutzungskonzept von Android spannend, diese Dinge sind allesamt
auch ein echter Gewinn für die User.

Gleichzeitig setzt sich aber auch der Trend der vergangenen Jahre fort: Die Zahl der
wirklich sichtbaren Neuerung ist überschaubar. Das liegt einerseits daran, dass Google
viele Änderungen laufend über App-Updates oder die Aktualisierung der Play Services
ausliefert – zuletzt wurde auf diesem Weg etwa mit "Nearby Share" erst ein vollständiges
AirDrop-Pendant an praktisch alle Android-Geräte geliefert. Zudem ist aber unübersehbar,
dass sich Google viele Features für die Vorstellung seiner jeweils gerade neuesten
Generation an Pixel-Smartphones aufbehält, die diese dann noch dazu oft – zumindest
vorübergehend – exklusiv bekommen.

Android 11 bringt viele Verbesserungen für die Nutzer – die meisten davon sieht
man aber nicht.
Foto: Por

Das bedeutet nicht, dass Android 11 eine unwichtige Release ist, ganz im Gegenteil. Die
relevanten Änderungen finden sich nur vornehmlich an anderer Stelle, nämlich "unter der
Haube". Und hier hat die neue Softwaregeneration gerade in den Bereichen Privacy und
Security wieder jede Menge zu bieten, von dem alle profitieren werden – egal ob ihnen
das jetzt oberflächlich bewusst ist oder nicht.

Verfügbarkeit

Android 11 steht ab sofort für alle noch unterstützten Geräte von Googles Pixel-Reihe
zum Download – also ab dem Pixel 2. Parallel dazu spricht die offizielle Ankündigung
aber auch von der umgehenden Verfügbarkeit der neuen Version für "ausgewählte
Smartphones von OnePlus, Xiaomi, Oppo und Realme. Laut einem Bericht von XDA
Developers [https://www.xda-developers.com/android-11-stable-google-pixel-oneplus-xiaomi-realme-
oppo] soll es sich dabei aber noch nicht um stabile Updates handeln sondern um neue
Testversionen. Konkret ist die Rede von neuen Betas für OnePlus 8, OnePlus 8 Pro,
Xiaomi Mi 10, Xiaomi Mi 10 Pro, OPPO Find X2, OPPO Find X2 Pro, OPPO Ace2, OPPO
Reno3 4G, OPPO Reno3 Pro 4G und Realme X50 Pro. Andere Hersteller sollen dann in
den kommenden Monaten folgen, oder wie gewohnt: auch nicht. (Andreas Proschofsky,
8.9.2020)

Link

Offizielle Ankündigung von Android 11


[https://blog.google/products/android/android-11]

Zum Thema
Android 11 im Detail: Was die neue Version Smartphone-Nutzern bringt
[http://www.derstandard.at/story/2000119330653/android-11-im-detail-was-die-neue-
version-smartphone-nutzern]

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