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B4řD 20

Wolfgang Fleischer 5
16

Die deutschen Personennamen 16

Geschichte. Bildung und Bedeutung 16


30

Zweite, durchgesehene und ergänzte Auflage 40


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AKADEMIE-VERLAG
1Q68

B. Die Bildung der Familiennamen ................................................ 98


I. Die Bildung der Familiennamen aus Ruf-
namen ..................................................................................... 98
II. Die Bildung der Familiennamen aus Her-
kunftsbezeichnungen ..............................................................107
III. Die Bildung der Familiennamen aus Bezeich
nungen nach der Wohnstätte...........................................111
IV. Die Bildung der Familiennamen aus Berufs-
bezeichnungen ............................................114
V. Die Bildung der Familiennamen aus Übei-
namen............................................................................ 116
VI. Zur Movierung der Familiennamen . . 121
C. Die Bedeutung der Familiennamen.......................................... 122
I. Familiennamen aus Rufnamen .... 123
II. Familiennamen nach der Herkunft . . 128
III. Familiennamen nach der Wohnstätte . 133
IV. Familiennamen nach dem Beruf ... 1.38
V. Übernamen.....................................................................147
VI. Verhältnis der einzelnen Namengruppen 158
VII. Namenfelder.................................................................162
VTII. Konkurrenzen.....................................................................164
D. Zur geographischen Verbreitung der Personen
namen...........................................................................................167
I. Rufnamen ..........................................................................167
II. Familiennamen................................................................... 170
E. Nichtdeutsche Familiennamen..................................................179
Völkernamen...................................................................................... 186
Über die Erforschung der Personennamen . 189
Nachweis wichtiger Fachliteratur zur Namenkunde
(Personennamen)....................................................................1Ö4
Gesetzliche Bestimmungen (Anhang).................................
Namenverzeichnis...............................................................................203
Nachtrag zur 1. Auflage......................................................................239
Über Namen und Namengebung

Wenn wir einem Kreis von Menschen oder auch einem


einzelnen „im Namen“ unserer Mitarbeiter und zugleich
„in unserem eigenen Namen“ Glückwunsch oder Dank
überbringen, dann schwingt in dieser erstarrten Formel
noch etwas von dem ursprünglichen Wert und Gehalt des
Namens mit. Die Persönlichkeit, das ganze Wesen der
Glückwünschenden und Danksagenden ist damit gemeint;
N ime“ steht stellvertretend dafür. Die umschreibenden
Fügungen wibes name und mannes name entsprechen im
Mittelhochdeutschen dem einfachen wip ‘Frau’ und man
‘Mann’, fortgesetzt heute in dem vielerorts in volkstüm-
licher Sprache noch gebräuchlichen Weibsen und Mann-
sen „Ein Stück des Seins und der Seele“ wird der Name
m Thomas Manns Novelle „Die vertauschten Köpfe“ ge
rarnt, und welch magische Kraft dem Namen in bezug
auf seinen Träger zukam, zeigt uns etwa das Märchen
vom Rumpelstilzchen: Die Königin hat die Macht über
den (feist, als sie seinen Namen weiß. Was man nicht
„nennen“ kann, vermag man auch nicht zu bewältigen.
Jo werden in Goethes „Zigeunerlied“ auch die sieben
Hexen gebannt: „Da nannt’ ich sie alle bei Namen laut
VVas wulst du, Anne? Was willst du, Beth? Da rüttelten
sie siel da schüttelten sie sich Und liefen und heulten
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on “ „Wie nennst du dich?“ ist Fausts erste Frage
an len ihm aus des Pudels Gestalt gegenübertretenden
Mephisto, der die Antwort umschreibt, ohne seinen Namen
preiszugcben. Diese Scheu, dem möglichen Gegner den
eigenen Namen zu nennen, ist auf frühen Kulturstufen
bei vielen Völkern verbreitet und spiegelt sich im hero-
ischen Volksepos der Usbeken wie in unserer mittelalter
lichen Literatur. Sie führt mitunter auch dazu, daß man
zwei Namen trägt; für den täglichen Gebrauch einen All-
tagsnamen und einen Geheimnamen als „eigentlichen“
Namen. Auch die Schutzgottheit der Stadt Rom hatte
zum Beispiel einen Geheimnamen, der nur den Priestern
bekannt war ; wer ihn ausplauderte, wurde hingerichtet.
Andererseits macht erst der Name ein vollwertiges le-
bendiges Wesen. Parzival weiß von sich zunächst nur
daß man ihn zu Hause „guter Sohn, lieber Sohn, schöner
Sohn“ nannte; er ist namenlos, unbedeutend. Von Sigune
erfährt er seinen rechten Namen und wird damit erst zur
wirklichen Person. Nach altem Volksglauben finden
Kinder, die vor der Namengebung gestorben sind, kerne
Ruhe; sie schweifen als Irrlichter umher. Kennzeichnend
dafür ist auch die folgende Geschichte. Ein noch namen
loses Kind muß im Wilden Heer weinend mitziehen Eir
Mann sieht es und fragt erstaunt: „Armes Hascherle wat-
fehlt dir denn?“ Darauf jubelt das Kind: „0, jetzt hab
ich einen Namen!“ — und es war erlöst.
Kann man einen erschienenen Geist durch Nennung
semes Namens bannen, so kann man ihn aber auch durch
Aussprechen des Namens wider Willen herbeirufen. Des-
halb werden verhüllende Namen gebraucht, oder es wir 1
überhaupt eine direkte Nennung vermieden. So kommt
der Teufel zu den vielen volkstümlichen Bezeichnungen
der Schwarze, der Gottseibeiuns, der Leibhaftige, Waggerl
Ilörlmayer und viele andere. Die Ungenannten heißer, in
Mittelhochdeutschen auch der Teufel und die Geister
Wir sprechen in diesen und anderen Fällen von Nam en-
tabu. Die Namen sind tabuiert, d. h. es ist verboten vei
pönt, gefährlich, sie auszusprechen.
Thomas Mann hat in seinen Werken mehrfach an diese
uralten, mit Nambn und Namengebung verbundenen ma
gischen Vorstellungen angeknüpft. Im ersten Band uer
Josephs-Trilogie lesen wir ziemlich am Anfang: „Joseph
denn schließlich (zum fünften- und sechstenmal nennen
wir seinen Namen und mit Befriedigung; denn um len
Namen steht es geheimnisvoll, und uns ist, als gäbe sem

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Besitz uns Beschworerkraft über des Knaben zeit versun-
kene, doch einst so gesprächig lebensvolle Person) .
Und als die Brüder den Joseph verkaufen wollen, machen
sie ihn namenlos. „Der heißt nicht“, antworten sie auf
die Frage des Käufers nach dem Namen des Jünglings.
„Wie sollte er heißen? Der hat überhaupt keinen Namei
bis jetzt, denn wir sagten ja, daß er ein Niemandssohn
ist ein Bankert und Schilfgewächs wilder Zeugung, und
hat keine Sippe. Wir nennen ihn ,Heda‘ und .Du* oder
pfeifen auch bloß. Mit solchem Namen nennen wir ihn “
So ist der Name in diesem Sinne mehr als „Schall und
Bauch“. Davon zeugt auch noch die verletzende Kraft
unserer Spitznamen. Gegen Herders Spottvers auf Goethes
Namen („Der von den Göttern du stammst, von den
Goten oder vom Kote!“) wendet sich der Dichter selbst,
ernsthaft getroffen. Der Name eines Menschen sei, so
mahnt er, „wie die Haut selbst ihm über und über an-
gewachsen, an der man nicht schaben und schinden darf,
ohne ihn selbst zu verletzen“.
Der Namenspott benutzt gern die Spannung odei
auch die Übereinstimmung zwischen der einstigen Be-
deutung der Namenwörter — soweit sie noch erkennbar
werden kann — oder einem pseudoetymologisch eingec eil-
te ten Sinn einerseits und den Eigenschaften, der Bö
8cnaffenheit im weitesten Sinn, des Namenträgers an
dererseits. Das fängt schon an, wenn ein großer, langer
Mensch den Namen Purzel trägt, wenn ein Schiai iker
Feist, ein Kleiner Groß oder Langer heißt. In Namen w <e
Bosle) fleisch, Wüstling oder Kalb kann jederzeit der
ursprüngliche Wortsinn lebendig, „aktualisiert' werden
Das ist im allgemeinen bei einem Namen nicht der FaL.
Em Eigenname unterscheidet sich von einem Gattungs
w >rt einem Appellativum (so bezeichnen wir Sub-
stantive, die keine Eigennamen sind), gerade dadurch, daß
es ucht seine Aufgabe ist, eine lexikalische Bedeutung
aus zudrücken. Schuster, Fleischer, Bäcker vermitteln ab
Wörter des appellativischen Wortschatzes eine begriff
liehe Vorstellung, die auf dem lexikalischen Bedeu
tungsgehalt beruht. Sie beziehen sich nicht auf ein
Einzelwesen, sondern auf die Gattung, meinen alle
Menschen dieses Berufes, keinen bestimmten: sie .,be-
zeichnen“ einen Beruf, „nennen“ nicht einen Menschen
zum Unterschied von allen anderen. Anders der Name
Schuster, Fleischer, Bäcker. Er vermittelt keine lexika-
lische Bedeutung mehr. Wer Schuster oder Bäcker heißt,
kann Lehrer oder Fleischer oder Bauer sein. Dafür hat
der Name aber einen festen Gegenstandsbezug. Er hebt
ein Einzelwesen oder eine Gruppe (Familie) aus der Masse
der übrigen heraus. Das ist seine Funktion. Über die
Beschaffenheit dieses Einzelwesens sagt er nichts aus.
Dieser Unterschied zwischen Namen und Appellativum
zeigt sich auch in formaler Hinsicht. Zunächst ist der
Artikelgebrauch anders (wir beziehen uns im folgenden
nur auf den Personennamen, nicht auch Ortsnamen). Der
bestimmte Artikel wird gesetzt, wenn der Name von einem
Attribut begleitet ist (der junge Goethe-, der Goethe aer
Straßburger Zeit)-, zur Verdeutlichung des Kasus (die
Dramen des Sophokles)-, zur Kennzeichnung einer weib-
lichen Person (die Romane der Anna Seghers, der Huch)-,
vielfach bei der Pluralform (die Buddenbrooks, die Ottonen),
zum Ausdruck alltäglich-vertraulichen Umgangs, vor-
wiegend in Süd- und Mitteldeutschland (Schiller: Ich
will’s nicht glauben, daß mich der Max verlassen kann
in diesem Sinne auch schriftsprachlich weiter verbreitet
bei Namen als Titeln von Kunstwerken (Ich habe den
Laokoon gelesen, die Maria Stuart gesehen)-, präzisierend
und zugleich versachlichend, auch abschätzig in der
Kanzlbi- und Gerichtssprache (Die Müller legte ein Ge
ständnis ab. Die Vorstrafen des Schulte sind bemerkens-
wert). Der unbestimmte Artikel steht in Fällen wie. Wer
wird nicht einen Klopstock loben (Lessing: ‘einen Mann
wie K.’)? In den anderen Fällen fehlt der Artikel Auch
die Pluralbildung weicht teilweise von der bei Appella-
tiven üblichen ab. Vom Appellativum der Bock lautet der
Plural die Böcke; die Angehörigen einer Familie Bock aber
heißen die Bocks, ebenso die Schuster — die Schuster*

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die Großen (von der Große, als Appellativuni) —
die Großem
Auch im Lautlichen wird bisweilen eine Tendenz
zur
Isolierung vom Appellativum spürbar, so etwa,
wenn
das Wort Schmied als Name fast ausschließlich in
den
Formen Schmidt, Schmitt, Schmid erscheint. liier
wird
der Stammvokal als kurzes i auch dort gesprochen,
wo
diese Form in der Volkssprache nicht bodenständig
ist.
Wo man in volkstümlicher Sprache noch Fleesch
und
Fbeescher sagt für das Appellativum. kann von den
gleichen
Menschen der Personenname Fleischer (nicht
Fleescher}
ausgesprochen werden, also mit hochsprachlichem
Di
ph thong.
Ebenfalls zu nennen sind in diesem Zusammenhang die
oft zahlreichen orthographischen Varianten mancher Na-
men gegenüber dem Appellativum. Bekannt sind die
Schwierigkeiten bei der Schreibung des Namens Meier
Meyer, Maier, Mayer. Als Familienname wird meis r ge
schrieben Becker, Bekker, ganz selten nur — wie das
kppeilativum — Bäcker. Das Fernsprechverzeichnis von
Leipzig 1961 enthält keinen einzigen Bäcker, aber 36 Becker
nur 2 Hase — aber 20 Haase, nur einen Freier — aber
9 Freyer, keinen Brettschneider — aber 16 Bretschneider
Da die Schreibung der Eigennamen nicht der Norm des
Dudens unterliegt, zeigen sie teilweise bis heute Scnreib-
gew onnheiten des 17./18. Jahrhunderts mit den erwähnten
9
•Schwankungen. Weißbrot als Familienname ist viel sel-
tner als Weisbrod, Weisbrodt, Weißbrodt. Noch in den
achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts schrieben sich
• on zwei Schwestern in Luxemburg die eine Ney und die
andere Neu. Solche Variation des Namens für em una
iieselbe Familie ist heute allerdings nicht mehr möglich.
Die Schreibung des Familiennamens ist „gesetzlich ge-
scbutzt“ er ist erstarrt, von der lebendigen Fortentwnk
lang der Sprache jedenfalls in seiner schriftlichen Form
ausgeschlossen. Im Duden wird ausdrücklich hervor
gehoben, daß Familiennamen nicht den allgemeinen Rv
«pua der Rechtschreibung unterliegen, sondern die amtlich
eingetragene Schreibung maßgebend ist. Auch bei den

1
0
Vornamen ..wird dem einzelnen bei der amtlichen
Fest
Setzung der Schreibung eine gewisse Freiheit
zugebilligt“
Das ist bei der Schreibung von Personennamen zu
be-
achten. Es heißt also z B. Franz Liszt — aber
Friedrich
list, Adolph Menzel — aber Adolf v. Wilb?andt,
Gerhart
Hauptmann — aber Gerhard Pflüger, Gustav
Mahler — aber
Gustaf Gründgens, Joseph Haydn — aber Josef
Strauß,
Herman Grimm — aber Hermann Hesse, Stephan
Hermlin -
aber Stefan Zweig. Wie stark wir die schriftliche
Namens-
form mit der Person des Namen trägers in
Verbindung
bringen, zeigt z. B., daß wir gewisse Hemmungen
hätten,
die Schreibung Göthe oder Göte auf unseren
Dichter zu
beziehen. — Bei Vornamen, die heute neu gegeben
werden,
empfiehlt der Duden die Formen Dieter, Günter,
Walte*
(nicht -th-l); Karl, Kurt, Oskar (nicht Carl, Curt,
Oscar).
Unterschiede in der Schreibung von Namen gegenüber
den Appellativen sind schon alt. In den deutschen Ur
künden des 13. Jh. z. B. wird fast ausschließlich Cuno und
Conrad auch dort geschrieben, wo für Appellativs die

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1
Schreibung K- üblich ist. Das gleiche gilt für Niclaus,
Nicolaus, Jacob und Lucas.
Auf weitere Besonderheiten in der sprachlichen Form
des Namens gegenüber dem Appellativum (z. B. in der
Akzentuierung, der Flexion, der Syntax) kann hier nn ht
eingegangen werden. Es zeigt sich jedenfalls eine Tendenz
die unterschiedliche Funktion von Name und Appells
tivum — der Name „identifiziert“, das Appellativum
„charakterisiert“ (so A. Gardiner) — auch durch eine
formale Differenzierung zum Ausdruck zu bringen.
Allerdings verläuft zwischen dem appellativischen
Wortschatz und dem Namenschatz einer Sprache — wie
schon oben angedeutet — keine scharfe Grenze. Es gibt ver
schiedene Arten von Namen, und ihr Verhältnis zm
appellativischen Wortschatz ist unterschiedlich Der Per
sonenname, als das „Modell des Eigennamens“ wie mar
ihn auch genannt hat, und da wieder in erster Lime fei
Rufname, steht dem Appellativum am fernsten Der Ruf
name hat keinen „Sinn“; in den meisten Fällen kann

1
2
auch keine lexikalische Bedeutung mehr
„aktualisiert“
werden. Sehr fließend ist dagegen die Grenze
zwiscnen
Namen und Appellativum bei den sogenannten Flur-
namen, die für Wälder, Berge, Felder, Wasserläufe
usw
gelten. Ob es sich bei Bezeichnungen wie
Mühlgraben oder
Landgraben um Namen handelt oder nicht, ist von
Fall
zu Fall zu überprüfen. Flurnamen werden in der
Regel
auch mit dem Artikel gebraucht.
Eine Kategorie namenähnlicher Personenbezeichnungen
sind die Spitznamen. Sie stehen ebenfalls auf der Grenze
zwischen Appellativum und Namen. Vom Namen haben
sie den direkten Bezug auf ein bestimmtes Einzelwesen
oder eine Gruppe, vom Appellativum den oft — allerdings
nicht immer — recht aufdringlichen lexikalischen Be-
deutungsgehalt. Dann ist es zumindest den Eingeweihter»
klar warum einer Zwecke, Qualle, Zack, Niere heißt nach
einer merkwürdigen Kopfbedeckung, nach der äußerer)
Erscheinung, einer Redensart, einem kranken Organ
Diese Art von „Namen“ sagt etwas aus über die Be-
schaffenheit des Namen trägere; ihre „Bedeutung“ stimmt
mit der Realität überein. Und doch unterscheiden sie sich
auch von dem entsprechenden Appellativum; denn ein
Spitzname Niere bezeichnet nicht primär das- Organ
sondern einen Menschen mit einer besonders auffälligen
Beziehung zu diesem Organ. In vielen Fällen verdeut
liehen die Spitznamen als Beinamen den Familiennamen
besondere, wenn es in einem Dorf mehrere Familien des
gleichen Namens gibt. So wurden z. B. in einem säch
sischen Dorf vier verschiedene Familien Claus durch
»Spitznamen des Mannes unterschieden als der Leichen
wagen-Claus, der Goldzahn-Claus, der Sauf-Claus, der

1
3
Kiesgruben-Claus. Oder die Familien des Namens Dietzi
Coburger Dietze (hatte wiederholt von einer Reise nach
oder über Coburg erzählt), Rotznasen-Dietze, Mädel-Dietze,
Stnc/cdriesel-Dietze, Eck-Dietze (nach der Wohnung in
einem Eckhaus), Schwartermann-Dietze {schwarten ‘tanzen
auch ‘tüchtig arbeiten’), Seecher-Dietze (zu Seiger eine
besondere Art von Uhren). — Auch auf Menscheu-

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4
gruppeD können sich solche Spitznamen
beziehen. Für
die Bewohner eines Ortes sind sie besonders häufig
z. B
im Schwäbischen. Da gibt es etwa in benachbarten
Dörfern die KnoUebäuch, Hirsebäuch,
Schleimbäuch, Erbse
bäuch oder die Hornabsäger, HeidelbeerSchnitzler,
Klee-
samenspalter, Pfennigspalter. An der Ostseeküste
konnten
,,Partien“ gemeinsam arbeitender Fischer durch
solche
Spitznamen charakterisiert werden: die Städtschen
(in der
Innenstadt), die Schwarten, Swaarten (nach den
schwarzen
Booten), die Witten (Weißen), die Dullen (die wie
toll
Arbeitenden), die Stintköpp (die vorwiegend Stinte
fingen)
Wird der ursprüngliche Sinn eines Namens bewuöt wie-
der aktualisiert, dann sprechen wir auch von redenden
Namen. Sie werden bisweilen von Schriftstellern zur Er-
zielung besonderer Effekte benutzt. So spielt Wilhelm
Raabe in den Namen seiner Personen oft auf ihren Beruf an.
Ein Souffleur heißt Flüstervogel, ein Schauspieler Schmin-
kert, ein Buchhändler Papphof}, ein Lehrer mit satirischem
Akzent Klopffleisch oder Knutmann. Sonderlinge nennt
Otto Ludwig Xaver Lindenblatt, Flötenspiel, Entenfraß.
In Strittmatters „Wundertäter“ heißen — in deutlich
karikierender Absicht — ein Fabrikdirektor Drückdrauf,
ein Kanalräumer M odder pflüg, ein Nachtwächter Bären-
sohle, ein Imkerverbandsvorsitzender Brummensieg, ein
Werkmeister Treter, ein Gutsbesitzer H artwich vom Hart ern-
stem, ein Friseur Stufenschneider, ein Fuhrunternehmer

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5
Schnellreiser, ein Tischler Langlatte, ein Bürgermeister
Bleibtreu, der Räuber in einem Festspiel Lauermann.
Aber auch ohne Bewußtmachen des ursprünglicher'
Wortsinnes oder Eindeutung eines neuen können Namen
durch ihren Klang und die Assoziationen, die sie hervor-
rufen, Achtung und Sympathie oder Abneigung und Spott
wecken. Es wird in diesem Sinne auch von „suggestiven
Personennamen“ gesprochen. Damit rechnen die
Schriftsteller; sie können nicht jeder Person jeden be
liebigen Namen geben. In Hans Falladas Roman „Wolf
unter Wölfen“ heißt Joachim v. Prackwitz ein Ritterguts-
besitzer, Hauptmann a. D., Kniebusch ein alter ängstlicher

1
6
Förster, die schwarze Minna ein Dienstmädchen,
Petra
Ledig eine „nicht ganz verdorbene Straßendirne“,
Matzke
ein ausgebrochener Zuchthäusler. Ernst Penzoldt
erzählt
von Idolino, dem besonders Schönen, dessen Vater
der
Prophet Martin ist, von der tyrannisierenden Köchin
Agathe Köhler, von Amaryllis, der wunderschönen
Frau
des Emilio am Meer, von Doktor Jokim, dem Arzt,
der
auch Theologie studierte und als Kriminalist tätig
ist.
Felix Krull, Thomas Manns memoirenschreibender
Hoch-
stapler, berichtet von einem „würdigen Ehepaar
mit . .
un vermählter Tochter“, namens „Crequis de Mont-
en
fleur, und wie angenehm berührt zeigten sich alle
drei
von der korrekten Eleganz, mit der ich . . . diese
gleich-
sam aus Knistern und Kichern in nasale und
blumige
Poesie übergehende Namenkomposition ihrem . .
Leib
Rutscher zu Gehör brachte“.
Wie ein Appellativum zum Namen kann schließlich
auch ein Name wieder zum Appellativum werden
Dann wird er über den individuellen Träger hinaus, für
aen er zunächst gilt, auf eine Art oder Gattung an-

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7
gewandt. Er benennt keine bestimmte Person mehr, son
dem bezeichnet einen Begriff. Dies ist der Fall, wenn
z B. der Name des norwegischen Kollaborateurs Quisling
zur Bezeichnung von Vaterlandsverrätern überhaupt wird
In diesem besonderen Falle wird die Verwendung dee
Namens als Appellativum im Deutschen noch gestützt
Jurch Substantive auf -ling mit abschätziger Bedeutung
wie Dichterling, Schreiberling, Höfling. Hierher gehören
auch die Namen Goliath und Judas, appellativisch an
gewandt als Bezeichnungen für einen riesenhaften Men
sehen bzw. einen Verräter, ferner August im Sinne des
dummen Augusts, Kasper (vom Namen Kaspar), Metze
Dirne , ursprünglich Koseform zum Frauennamen Mecht-
hild. Einen anderen Typ solcher Appellativnamen ver
treten Bildungen wie röntgen und Dieselmotor) von
Familiennamen des Erfinders. Zu Wortbildungselementen
wurden Namen oder Namenglieder u. a. in Trunkenbold
Schlaumeier, Zigarrenjritze.

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Solche Wechselbeziehungen bestehen schließlich
nicht nur zwischen Namen und Appeliativum, sondern
auch zwischen den verschiedenen Namenarten. Ein
Personenname kann z. B. auch als Flurname, als Be-
nennung für einen Wald oder Acker verwendet werden.
So heißen z. B. in Dörfern der Dresdener Gegend Barthel
eine Wiese, der Karas ein Wald, der Kieselack ein Felsen.
Bisweilen läßt sich nachweisen, daß aus einer volleren
Fügung gekürzt wurde: 1548/64 Patzigs Holz — heute der
Patzig (in Freital b. Dresden). Der Lauxberg im Tha
randter Wald heißt kürzer auch der Laux. Schon älter
ist die Verwendung des reinen Personennamens zum Aus
druck des Besitz Verhältnisses, so in Dresden 1456 stucke
acker genant Der gleser (zum Familiennamen Gläser); 1511
stugk agkers Der Myrisch (zum slawischen Familiennamen
Mierisch). — Auch Tiere können Personennamen erhalten,
es tritt eine Art Personifizierung ein. So ist Lore ein
häufiger Papageienname, Pferde und Kühe heißen Liese
und Hans, Hunde Rolf und Harras. Noch weitergehend
gibt der Mensch schließlich Gegenständen, leblosen Dingen.
die ihm besonders vertraut sind, menschliche Namen In
Bonn hieß eine Kleinbahn der Feurige Elias, in GießeD
aas Lieschen. Die Windbergbahn von Freital b. Dresden
nach Possendorf nannte der Volksmund die Heddel (zum
Rufnamen Hedwig). Im Roman „Kleines Hotel mit Herz1
von Hans v. Oettingen (1958) heißt ein altes zusammen-
gebasteltes Auto Galilei. Schon 1388 ist für ein Geschütz
in Nürnberg der Name Chriemhild überliefert.
Neben dieser aus dem alltäglich-vertraulichen Umgang
erwachsenen Benennung mit Personennamen und neben
dei obenerwähnten Bezeichnung nach einem rechtlichen
Verhältnis steht auch noch die ehrende Benennung
durch Personennamen. Seitdem Heiligennamen als Be-
stimmungswörter von Ortsnamen verwendet werden
(Benediktbeuren, Maria-Zell), in humanistischer Zeit die
Universitäten die Namen ihrer Gründer erhalten (Philipps
Universität Marburg) und in städtischen Straßennamen
Fürsten und Bürgermeister geehrt werden (die Montz-

1
9
st^aße in Dresden schon im 16 Jahrhundert,
ähnliches in
Berlin erst seit dem 19. Jahrhundert), nehmen
derartige
Benennungen immer mehr zu. Auch der schon ältere
Gebrauch von Personennamen als Schiffsnamen trägt
da
zu hei. Unsere Handelsmarine hat heute Schiffe mit
Namen
wie Theodor Körner und Fritz Reuter. Fabriken,
Bergwerke,
Schulen und sonstige Institutionen tragen die Namen
be
kannter lebender oder toter Personen: das Braunkohlen
kombinat Otto Grotewohl in Espenhain, das
Kunstseiden
werk Wilhelm Pieck in Schwarza, die Leunawerke
Walter
Ulbricht und die Verwaltungsakademie Walter
Ulbricht in
Forst -Zinna, das Literaturinstitut Johannes R. Becher
in
Leipzig, das FDGB-Sanatorium Heinrich Heine in
Neu-
fahr1 and, die Schwermaschinenbaubetriebe Ernst
Thal
mann und Karl Liebknecht in Magdeburg, das Objekt
Marx-Engels im Kalikombinat Werra. Eine ganze
Reihe
von Landwirtschaftlichen
Produktionsgenossenschaften
trägt den Namen Thomas Müntzer-, in Mahlis heißt
die
LPG Friedrich Engels, in Börln Kr. Oschatz Helmut
2
0
Just.
In Frankfurt/Oder gibt es einen Klub Johannes R.
Becher,
in Leipzig eine Arbeitsgemeinschaft German
Stepanowitsch
Titow im Kabelwerk Köpenick eine Brigade Clara
Zetkin
Diese Namen werden gleichzeitig als Ehrung für den
vor
bildhaften Namenträger und als Verpflichtung, ihm
nach
zueifern, aufgefaßt. Das gilt auch für die
Jugendbrigade
1 Maiim Leipziger VEB Verlade- und
Transportanlagen,
eme „Brigade der sozialistischen Arbeit“.
Wir haben einen weiten Kreis abgeschritten, Namen unc
Namengebung in vielfältigen Zusammenhängen betrach-
tet , die Wechselbeziehungen zwischen Namen und Appej-
lad' TU und zwischen den verschiedenen Namenarten
kennen gelernt und mit den zuletzt erwähnten ehrenden
und verpflichtenden Benennungen den Kreis geschlossen
Namen sind mehr als „Schall und Rauch“.
W i" wollen im folgenden Ruf- und Famib’ennamen näher
untersuchen und wenden uns zunächst den Rufnamen zu

2
1
Rufnamen

A. Der Grundstock der heimischen Rufnamen


J. Die Bildung der heimischen Rufnamen

Der heimische Grundstock unserer Rufnamen reicht


mit seiner Bildungs weise in germanische Zeit zurück, wenn
auch nicht jeder einzelne Name; denn man muß mit Neu-
bildungen in altdeutscher Zeit rechnen.
Die alten germanischen Rufnamen sind zum größten
Teil aus zwei Bestandteilen, aus zwei Namengliedern
zusammengesetzt. Diese Zweigliedrigkeit ist für die Ruf-
namen der indoeuropäischen Völker überhaupt charakte-
ristisch; sie kennzeichnet z. B. auch die alten russischei
Rufnamen. Neben dem deutschen Waldemar steht russiscl
Bna^iiMiip, neben Friedbert ein russisches Mnpocjiaa
Bei der Bildung dieser Namen werden vorwiegend Sub-
stantive, häufiger auch Adjektive, ganz selten Wörter
anderer Art — etwa Präpositionen oder andere flexions-
lose Wörter — verwendet. Noch heute lebendige Namen
dieser Art sind z. B. (wir setzen zwischen die beidei
Namenglieder einen Bindestrich, um die „Komposition^
fuge“ hervortreten zu lassen) Sieg-fried, Wil-fried, Fried
bert, Hein-rich, Ger-hart, Rein-mar, Volk-(h)er (aus Folk-
hari),Gunt-(h)er (busGunt-hari), Walt-(h)er (aus Walt-hari'
Neben diesen männlichen Rufnamen stehen gleichgebaut
weibliche: Brun-hild, Hilde-gund, Wal-burga, Ger-trud,
Ger-lind(e), Wal-traut. Andere in alter Zeit übliche und
uns überlieferte zweigliedrige Rufnamen sind heute nicht
mehr in Gebrauch. Den Namen der Gotenkönigin Amala-
swinda trägt keine Frau mehr, und kaum ein Junge wird
von seinen Eltern Hildebrand oder Hadubrand genannt -
nach jenem Vater und Sohn, von denen im Hildebrandhed

2
2
berichtet wird, daß sie gegeneinander kämpfen mußten.
Vergangen sind auch Namen mit flexionslosem Wort als
erstem Glied, wie z. B. Ant-heri (ant ‘entgegen’), Gagan-
hart (gagan ‘gegen’), Un-nid ( Nicht-Feindschaft’).
Diese zweigliedrigen Namen sind nicht wie eine appella-
tivische Bestimmungszusammensetzung (Determinativ-
komposition) aufzulösen, zu ,,deuten“ etwa wie Haustür
als “Tür des Hauses’, Mondlicht als ‘Licht des Mondes’
Siegfried ist also nicht zu erklären als ‘Friede des Sieges’
oder ‘Sieg des Friedens’ und Gerhart nicht als ‘harter Ger’
oder ‘einen harten Ger besitzend'. Auch eine regelrechte
Kopulativkomposition — entsprechend etwa dem appella-
tivischen Hemdhose — liegt nicht vor. Allenfalls ließen
sich die Bildungen als einfache Additionen erklären, ohne
daß eine direkte semantische Beziehung zwischen ihnen
bestehen muß: Friede und Sieg, hart und Ger. Ob eine
solche Addition im Sinne einer Verstärkung zu deuten ist,
wie z. B. in nhd. Haderlump (so E. Schröder), ist zweifel-
haft. Manche Forscher wollten zwischen den Namen -
ghedern von Anfang an (also schon in indoeuropäischer
Zeit) keinerlei logische Beziehung sehen, sondern nahmen
an, die Namen Wörter seien ohne begrifflichen Gehalt von
mythischem Sinn erfüllt gewesen und nur so in ihrer Neben-
einanderstellung zu begreifen (so H. Henel). — Weiteres
s. unten S. 30ff.
Es gibt bestimmte Namenelemente, die sozusagen tra
ditionsgemäß vorwiegend als erste und andere, die vor
wiegend als zweite Glieder verwendet werden, manche
auch Kommen annähernd gleichmäßig in beiden Stellungen
wr Von Bedeutung ist dabei auch, ob es sich um Männer
oder um Frauennamen handelt (s. u.). Soweit bei der Ver-
aindung der Namenglieder zunächst noch gewisse „Re-
geln“ beachtet werden, sind es formale, nicht inhaltlich
bedingte. So meidet man möglichst die Verbindung voi
gleich anlautenden Namengliedern, die einen sogenannten
„Stabreim“ ergeben würden (auch Alliteration genannt)
Es werden also nicht gebildet Namen wie Herhart, Guntgĕr,
Brunburg. Auch endreimende Wörter verbindet man kaum

2 neuiscne Personennamen 23
zu einem Namen, wie etwa Waldbald, Lindswind u.
ä.
Der Stabreim wird jedoch benutzt, um in den
Rufnamen
die Zusammengehörigkeit der Sippe auszudrücken.
Die
Namen von Geschwistern oder von Eltern und
Kindern
haben dann den gleichen Anlaut, sie „staben“ mitein-
ander. Man denke z. B. an die königlichen Brüder
Gunther
— Gernot — Giselher aus dem Nibelungenlied oder
an die
Reihe Heribrant (Großvater) — HiUibrant (Vater)
-Iladu-
brant (Sohn) aus dem Hildebrand lied. Dieses Prinzip
der
Namengebung wird noch heute gelegentlich befolgt.
Schließlich begegnen keine zweiten Glieder mit
vokali-
schem Anlaut. Es fehlen Namen wie Frid-ort
(dagegen
gibt es Ort-frid), Hart-ebar (dagegen gibt es Eber-
hart}.
Die Möglichkeiten der Namenzusammensetzungen
sind
also gegenüber den appellativischen
Zusammensetzungen
durch eine Reihe formaler Grundsätze etwas
eingeschränkt.
Ein besonderes Wort verdienen noch die Frauen-
namen. In der zweigliedrigen Bildungsweise besteht kein
grundsätzlicher Unterschied zu den Männernamen, wohl
aber in der Wahl der dabei verwendeten Wörter. Als

2
4
zweites Glied erscheinen bei den Männemamen Sub
stantive männlichen, bei den Frauennamen solche weib-
lichen Geschlechts. Nur für Männernamen kommen aiso
als zweites Glied in FrageWörter wie: -jrid. -muot. -brana,
-gĕr u. a.; nur für Frauennamen -hild, -heit, -bürg u a.
Neutra erscheinen als zweites Glied zunächst nicht. Fin
Männername war demnach Hildgĕr, ein Frauenname Ger-
hild. — Auf Männer- und Frauennamen unterschiedlich
verteilt waren auch die Adjektive. Dabei spielte das gram-
matische Geschlecht allerdings keine Rolle, da ein Ad-
jektiv ja Formen für alle drei Geschlechter haben kann
Hier hatten sich durch die Tradition zwei entsprechende
Gruppen von Adjektiven herausgebildet: -bald, -berht
-höh, -mär, -hart können nur in Männernamen als zweite
Glieder erscheinen und -lind, -swind u. a. nur in Frauen-
namen. So ist noch heute Gerhart Männer-, Gerlind abei
Frauenname. Diese Trennung gilt aber nur für das zweite
Glied. Als erstes Glied enthalten Männer- und Frauen

2
5
namen die gleichen Wörter. Es gab hier nur wenige
Aus-
nahmefälle, so z. B. eher- nur in Männer- und swan-
nur
in Frauennamen. Diese Grenzlinien haben sich aber
bald
verwischt. — Manche Substantive schwanken
zwischen
männlichem und weiblichem Geschlecht und können
dann
als zweite Glieder sowohl bei Männer- als auch bei
Frauen-
namen auftreten. Neben dem Männernamen Hartmuot
(muot als Maskulinum) steht der Frauenname
Richmuoi
imuot als Femininum); vgl. nhd. die Sanftmut — der
Hoch-
mut. Heute kennzeichnen wir die weiblichen Namen
dann
bisweilen durch -e: Erdmut{h) männlich, Erdmut(h)e
weib-
lich. Allerdings herrscht da keine Konsequenz; Almut
ohne -e ist ebenfalls ein weiblicher Vorname neben
dem
männlichen Helmut usw. — Schließlich ist noch
bemerkens-
wert, daß Wafi'enbezeichnungen nicht als zweite
Glieder
von Frauennamen verwendet wurden. Sie waren den
Männernamen vorbehalten, auch wenn es sich — wie
später gelegentlich festzustellen ist — um Substantive
weiblichen Geschlechts handelte.
Neben der bisher erörterten gab es noch eine zweite
Möglichkeit, Frauennamen zu bilden: durch Ableitung

2
6
von Männernamen. Wir bilden heute im appellativischer
Wortschatz von der Berufsbeżeichnung Lehrer die ent
sprechende weibliche Form mit der Ableitungssilbe -in
Lehrerin, ferner Arzt — Ärztin usw. Solcherart von ■männ-
lichen Personenbezeichnungen abgeleitete weibliche nennt
man movierte Feminina, den Vorgang Movierung,
auch Motion. Auf ähnliche Weise konnte man früher mit
anderen Ableitungssilben aus Männernamen auch Frauen
namen gewinnen (vgl. auch die neueren Bildungen KiZ
heim — Wilhelmine u. a.). So erscheinen Frauennamen wie
Volfarda 741 zum Männernamen Wolfhart, Guntleiba 8. Jh
zun Männernamen Guntleib (-leif) u. a. Während man bis-
her der Meinung war, daß diese Bildungsweise der Frauen
namen jünger sei (E. Schröder), wird neuerdings die be-
gründete Ansicht vertreten, daß die -Movierungen den
ältesten indoeuropäischen Bildungstyp darstellen und
die oben geschilderte Verteilung der Namenwörter des

2
7
zweiten Gliedes auf Männer- und Frauennamen das
Ergebnis jüngerer Entwicklung im Germanischen ist
(G. Schramm).
Durch die Einschränkungen im Hinblick auf die Wahl
des zweiten Namengliedes erklärt es sich, daß die Zahl
der in dieser Stellung verwendeten Namen Wörter weit
geringer ist als die Zahl derjenigen Wörter, die als erster
Namenbestandteil vorkommen. In den Kölner Rufnamen
des 12. Jahrhunderts begegnen 134 Wörter als erstes
Namenglied, aber nur 62 verschiedene Wörter als zweites.
Bei den von H. Grünert untersuchten altenburgischen
Bei- und Familiennamen, denen altdeutsche Rufnamen
zugrunde hegen, finden sich als erstes Glied 78 ver
scliiedene Namenwörter, 18 als erstes und zweites Glied,
lediglich 7 nur als zweites Glied. 23 Rufnamen der
Dresdener Ratsmitglieder bis 1500 zeigen 19 verschiedene
Wörter als erstes, 11 als zweites Glied.
Neben den bisher erwähnten zweigliedrigen — zwei-
stämmigen — Rufnamen hat es schon in alter Zeit — aller
dings in geringerer Zahl — auch einstämmige gegeben-
Männernamen wie Bruno ‘der Braune’, Karl (zu mhd
karl ‘Mann, Ehemann’), dessen Ablautform Kerl sich bis
heute als Appellativum erhalten hat (mnd. kerle ‘freier
Mann nichtritterlichen Standes’), Ernst (alt Ernesi
Ernust, zum Appellativum nhd. ‘Ernst’), Kraft — oder
Frauennamen wie Gerda, Gisila, heute Gisela (nach
E. Schröder die junge Pflanze, den Schößling bezeich
nend; ähnlich nennen wir heute ein junges Mädcher
rank und schlank’ oder ‘gertenschlank’). Hierher gehören
auch die'von Völkernamen abgeleiteten Rufnamen wie
Franko, Hesso, Sahso, von denen Frank noch heute ge
bräuchlich ist, und die alten Partizipialbildungen Wlgant
zu wlgan ‘kämpfen’, Helfant zu helfan ‘helfen’, Wielant
wohl zu einem Verb, das wir im altnordischen vela
‘kunstfertig arbeiten’ wiederfinden. All diese Namen
waren entsprechend ihrer Bedeutung ursprünglich wohl
Beinamen (vgl. S. 76 f.) und sind dann erst allmählich
auch als Rufnamen verwendet worden.

2
8
Aus zweigliedrigen Rufnamen entstanden sind Namen
wie Otto (aus Audo-berht), Hugo (aus Hug-berht), Berta
(aus Adal-berhta), Ida (aus Idu-berga'l)-, sie werden z T.
schon sehr früh als isolierte einstämmige Formen auf-
gefaßt. Eine besondere Stellung nehmen die sogenannten
Lallnamen ein. Sie sind, wie ihre Lautgestalt zeigt
meist im Kindermund entstanden, zumindest teilweise in
erleichternder Aussprache — auch als Koseformen ver
wendet — aus vollen zweigliedrigen Namen, z. B Atto
Poppo, Mammo, Nanno u. a. Sie können aber auch un-
abhängig von Vollnamen im Kindermund gebildet sein
wie dies noch heute gelegentlich vorkommt. Eine mii
bekannte Frau, die eigentlich Ruth heißt, nannte sich
selbst als Kind Atti (Adi) und hat diesen Namen bis
heute behalten. Es ist hier auch an das gotische atta
‘Vater’ zu erinnern, mit dessen Diminutivform Attila
‘Väterchen’ der bekannte Hunnenkönig bezeichnet wurde
Die zweigliedrigen Vollformen oder Vollnamen
konnten auch in alter Zeit schon vereinfacht, gekürzt
werden — ähnlich wie heute ein Friedrich auch Fried.
em Gerhard Gerd, eine Waltraud Traudel, eine Lieselotte
Lilo genannt werden können. Heute können diese Kurz-
formen als selbständige Rufnamen auftreten. Bisweilen
ist auch der etymologische Zusammenhang zwischen Voll-
form und Kurzform verlorengegangen. In alter Zeit wird
die Kurzform neben der Vollform im täglichen Umgans
verwendet worden sein — als bequemere, lässigere Variante
Sie ist nicht immer als Koseform aufzufassen, wie heute
etwa WÖljchen oder Ingelein. Auch im Bereiche des appel-
xativischen Wortschatzes kennen wir die bequeme Kurz-
:orm alltäglich-vertraulichen Umganges. So sprechen die
Studenten vom Äfip(endium) und vom Pro(rektor), und
auch der Kirsch und der Äorn(schnaps) sind auf diese
Weise entstanden.
Unter den Kurzformen sind verschiedene Typen zu
mterscheiden. Nicht als „echte“ Kurzformen werden
mitunter solche Bildungen bezeichnet, die durch Zu-
sammenziehung von Vollnamen entstanden sind

2
9
Bernd aus Bernhard, Gert aus Gerhart, Alf aus
Adolf,
Witym aus Wilhelm, Kurt aus Kuonrät, 1256 Curat,
Aleid
aus Adelheid. Sie begegnen in der schriftlichen Über-
lieferung nur vereinzelt vor dem 13./14. Jahrhundert,
sind
also jünger.
Demgegenüber werden die sogenannten echten Kurz-
formen meist von einem der beiden Bestandteile des
Vollnamens gebildet (einstämmige Kurzformen); bis-
weilen kann von dem zweiten Glied allerdings auch noch
ein Teil hinzutreten (zweistämmige Kurzformen):
Thimo aus Dietmar, Rüpel aus Ruodbald. Sehr oft läßt
sich von einer solchen Kurzform aus der zugehörige Voll
name nicht rekonstruieren, da eine ganze Reihe von
Wörtern als zweites Namenglied in Frage kommt. Ein
Kurzname Wolf z. B. kann von den Vollnamen Wolfberhl
(-brecht), -gang, -hart und anderen gebildet sein, eine Kurz-
form Hertel von Vollnamen wie Hartwig, Hartmuot, Hart
lip, Hartrich und ähnlichen. Man muß sich bei der Er-
klärung dann mit der Feststellung begnügen, daß die
Kurzform Wolf zu einem Vollnamen mit dem ersten Glied
Wolf- gebildet ist — wie etwa Wolfhart. Eindeutige, sichere
Zuordnungen sind nur möglich, wenn ,,Namenglei-
chungen“ überliefert sind, d. h. wenn dieselbe Person
einmal mit der Kurzform und ein anderes Mal mit der
Vollform überliefert ist. So finden wir z. B. folgende Be
merkung aus dem 10. Jahrhundert: Ipsum Vodalricurn
ob leporem vocaverunt Uozonem ‘ebendiesen Uodalricus
nannte man kosend auch Uozo’. Oder von einem Werin-
herus wird gesagt, daß er auch Weczil genannt wird. Wir
haben also in diesen Fällen die Gleichungen Uodalricum
— Vozonem (im latinisierten Akkusativ), und Werinherus
— Weczil-, dadurch ist eine eindeutige Rückführung de)
Kurzformen auf die Vollformen möglich.
Kurzformen können mit oder ohne Ableitungssilben
(Suffixe) gebildet werden. Ohne Suffixe entstanden
sind Namen wie das obengenannte. Wolf, ferner etwa
3
0
Bern (= Berngerus 12. Jh. in Köln), Hug, Will (zu Wil-
helm), Gust (zu Gustav), Fried (zu Friedbert)-, das zweite

3
1
Namenglied wird hierzu seltener verwendet: Brand
Hilde-
brand 1368, Brecht 14. Jh. zu Albrecht (aus
Adalber[a\ht).
In den meisten Fällen wird zur Bildung der Kurzformen
ein Suffix verwendet. Diese Namensformen können dann
auch eher kosenden Charakter haben; man vergleiche
noch heute Wolfgang — Wolf — Wölfchen — Wolfi.
Die wichtigsten Suffixe sind im folgenden mit einigen
Beispielen verzeichnet.
1. Ahd.-o (männlich), -a (weiblich), z. B. Kuono zu
Kuonrät, Eppo Geizse — Eberhart Zeisse 1299 (Socin),
Adela zu Adelheida, so im 11. Jh. belegt. Dieser Typ von
Kurzformen flektiert schwach, d. h. die KasusformeD
außer dem Nominativ des Singulars enden auf -en
Kuonen usw. In dieser Form erscheinen die betreffenden
Personennamen dann in den damit gebildeten Ortsnamen
des hohen Mittelalters; z. B. die Kurzform Bero in Beeren
aorf b. Delitzsch, 1349 Berndorf-, Benno in Benndorf b.
Delitzsch, 1349 Bennendorf; Poppo in Poppendorf b. Halle;
Azzo in Aitzendorf Kr. Rochlitz, 1374 Atzendorff-, Otto in
dem mehrfach in Sachsen vorkommenden Ottendorf.—
Die beiden Vokale -o bzw. -a sind im Laufe der sprach-
lichen Entwicklung entweder abgefallen oder zu -e „ab-
geschwächt“ (reduziert) worden. So ergibt sich Ott(e) aus
Utto, Hein(e) aus Heino (zu Heinrich o. ä.). Wir verwenden
heute als Rufnamen in der Regel allerdings nicht diese
.lautgesetzlich reduzierten Formen, also Ott oder Otte
Haug (aus Hugo), Braun (aus Bruno), sondern unter dem
Einfluß von Latinisierungen Otto, Bruno, Hugo.
2. Recht beliebt ist auch — mit landschaftlichen Unter-
scnieden — ein i-Suffix, in dem verschiedene Suffixe
(ahd -in und ein altes -/«-Suffix; dies allerdings wohl
seltener, da die männlichen -ja-Stämme nicht häufig sind)
zusammengefallen sind. Neben Konrad Hunn steht in
Schillers „Wilhelm Teil“ Kuoni, der Hirte (mit der zu
Konrad gehörenden -i-Kurzform), neben Werner Stauf
facher begegnet uns Werni, der Jäger, und Geßlers Stall
meister Rudolf der Harras hat sein Namengegenstück in

3
2
Ruodi, dem Fischer. Nicht zu einem altdeutschen, sondern

3
3
3. zu dem Fremdnamen Johannes (darüber S. 46,
54) gehört
die Kurzform Jenni für den Fischerknaben, zum
Fremd-
namen Joseph die Kurzform Seppi für den
Hirtenknaben.
Viele von diesen z-Formen haben in weiten Teilen
Deutsch-
lands so starke kosende Funktion, daß sie auf den
fami-
liären Gebrauch, im allgemeinen auch nur auf Kinder,
beschränkt sind: Karli, Hansi, Wolfi, Heini. Einige
sind
allerdings in weiterem Kreise gebräuchlich, so z. B.
Rudi
Si(e)gi. Kennzeichnend für die z-Kurzformen ist, daß
sie
häufig nicht deutlich erkennen lassen, ob es sich um
die
Kurzform eines Männer- oder eines Frauennamens
han-
delt. Si(e)gi kann zu Siegfried oder Sieglind(e)
gehören.
Henni oder Henny (z. Id.Hans Henny Jahnri) und
Toni
(z. B. Tony Buddenbrooks, aber der Skiläufer Toni
Sailer)
können sich auf Männer wie auf Frauen beziehen.
Bei älteren Bildungen begegnet auch Umlaut des
Stammvokals: Hübi zu Hubert. Erni zu Arnulf o. ä.
Bürki zu Burkhart o. ä. Der Umlaut kann aber auch ein-
treten, ohne daß ein altes -in- (bzw. -ja-) als Suffix vor
liegt. Wir sprechen dann von analogischem Umlaut,
da die neuen Umlautformen in Analogie zu den alten
Namen mit Umlaut, in Angleichung an sie gebildet werden.
3
4
Hierher gehört z. B. der Name des bekannten Radsport-
lers Täve Schur, eine Kurzform aus Gustav (-tav\) mit
analogischem z-Umlaut. Der Name Gustav (nach dem
Schwedenkönig Gustav Adolf) ist in Deutschland erst seit
der 200-Jahr-Feier der Schlacht bei Lützen (1832) beliebt.
Auch der weiter verbreitete weibliche Rufname Änne ist
hier zu nennen, ferner die rheinische Kurzformen Kobes
für Jakob, Klees für Nikolaus. Eine ebensolche Umlaut -
form des Namens Braun (ahd. Bruno) enthält der mehi
fach in Sachsen vorkommende Ortsname Braunsdorf. Im
appellativischen Wortschatz entspricht etwa die Kose-
form Männe zu Mann.
Das z-Suffix ist heute vor allem für den oberdeutschen
Sprachraum charakteristisch, hat aber auch im Mittel-
und Niederdeutschen nicht gefehlt, wie z. B. der Name
Göthe, Goethe zeigt, eine Kurzform zu Vollnamen wie Gott-

3
5
fried -hart o ä., den Hunderte von Familien in
Mittel-
und Norddeutschland tragen.
4. Unter den konsonantischen Suffixen sind von größerer
Bedeutung -z-, -l- und -k- (im Hochdeutschen verschoben
zu -ch-). Alle drei können Kurzformen mit kosendem Sinn
bilden.
Das -z-Suffix erscheint im Althochdeutschen als -(i)zo
bei Männer- und als -(i)za bei Frauennamen; diese sind
also hier zum Unterschied vom -i-Suffix deutlich ge-
schieden: Hugizo = Hucbertus 978, Imiza = Irmintrud
Nizo — Nythardus 958, Hezza, Heze = Hedwig, Metza 1328
= Mechthild u. a. Die Schreibung schwankt zwischen z.
tz, cz und noch einigen anderen Variationen. Wie schon
oben erwähnt, werden auslautendes -o, -a allmählich zu
-e abgeschwächt oder fallen auch ganz ab. In dieser Form
erscheinen die Rufnamen teilweise noch heute, vor allem
als männliche Vornamen: Heinz (zu Heinrich oder einem
ähnlichen Vollnamen mit Hein- als erstem Glied), GöL
(zu Gottfried o. ä.), Lutz (zu Ludwig o. ä.), Fritz (zu Fried
rieh o. ä.). Utz (zu Ulrich o. ä.). Volkssprachlich und fa-
miliär wird in manchen Gegenden auch heute noch die
Form mit -e, bisweilen bei einem stärkeren Grad der
Vertraulichkeit, gebraucht: unser Fritze. Gleichartige
weibliche Rufnamen begegnen kaum noch; ein Einzelfall
wie die Kätz für Katharina ist nicht eindeutig. Nachdem
ahd. -(i)zo und -{i)za in einem tonlosen -(z)e zusammen-
gefallen waren, das zudem auch noch schwinden konnte,
war auch bei diesen Kurzformen der Unterschied zwischen
Frauen- und Männernamen nicht mehr deutlich. Die Ge
fahr von Verwechslungen taucht aber nicht (mehr) auf.
aa die -z-Kurzformen auf Männernamen „spezialisiert"
worder^ sind. Ähnlich gelten die obenerwähnten -t-Kurz-
formen in den meisten Gebieten Deutschlands in erstei
Linie für Frauennamen. So wird das Bedürfnis nach
Unterscheidung männlicher und weiblicher Kurzformen
heute weitgehend durch die Wahl verschiedener Suffixe
oefnedigt. Wie oben gezeigt, gibt es allerdings trotzdem
noch doppeldeutige Einzelfälle.

3
6
Eine Reihe Kurzformen mit -z-Suffix sind heute nicht
mehr als Vornamen gebräuchlich, sondern begegnen höch-
stens noch in den von Rufnamen gebildeten Familien-
namen. Das betrifft nicht nur die Frauennamen, sondern
auch Männernamen wie Kunz(e) zu Kuonrät, D^tz(e) zu
Dietrich, Seitz(e) zu Siegfried, Walz zu Walther { ». eiteres
unten S. 101, 124). Manche, wie Metze (s. oben S. 13),
werden heute auch als Appellativa gebraucht.
Die Herkunft des -z-Suffixes ist noch umstritten. In
unserem Zusammenhang braucht auf diese Frage nicht
näher eingegangen zu werden. Wer sich orientieren will
sei verwiesen auf das im Literaturverzeichnis genannte
Werk von A. Bach, § 101.
Eine Variante des -z-Suffixes ist -tsch-, im Bereiche
des Ostmitteldeutschen meist -tzsch- geschrieben. Es kam
nicht, wie bisher meist geschehen, in erster Linie durch
die Einwirkung eines slawischen -Š- Suffixes erklärt werden
denn es ist — in unterschiedlicher Dichte — nahezu in ganz
Deutschland verbreitet, jedenfalls auch dort, wo keine
Möglichkeit slawischer Berührung besteht, z. B. am Mittel
und Oberrhein, in der Pfalz: Fritzo dictus Frange 1369
— Fritsche genant Franke 1386; Dietzenn Nickel 153/
= Dietschen Nickel 1542; Lenhart Bertz 1439 steht neben
Hans Bertsche (zu Berthold). In Bamberg finden wn
Margret Hernhoferin 1453 = Martsch Hemhoferin 1453
Margreth Köchin 1487 = Martsch Köchin 1487. Eine
Frauwe gnant Katzsche 1441 in Dresden kann eine Kurz
form von Katharina darstellen. Auch in Tirol ist der Typ
belegt: Fritsche 1288, Frizhinus 13. Jh. Schreibungen mit
-cz-, -z- sind nicht eindeutig; sie können den Lautwert
oder auch [Zs] wiedergeben, z. B. in Dresden Apecz
Becker 1308, Friczingus de Polsnicz 1309, Ticzce Jockrim
1337, Niccze Donyn 1388/89. Eindeutig auf [Zs] weisen
Friczche Kundege 1366, No. Friczsche mit dem barthe 1406,
Cunczsche Siechtiger 1434. — In den modernen Vornamen
kommen die Kurzformen auf -t(z)sch- kaum noch ^or,
sie haben sich aber in entsprechenden Familiennamen
erhalten, z. B. Diet(z)sch, Ni(e)t(z)sche, Frit(z)sche (s. unten

3
7
S. 175). Den Lautwechsel ta/ts findet man, allerdings
seltener, auch im appellativischen Wortschatz, in
volks-
sprachlichen Formen Pfützsche, Putsche für Pfütze,
Stein -
ritze neben Steinritsche in Thüringen für die Streifen
von
Steinhaufen am Rande der Felder; auch unser
Gletscher
hat sich aus älterem Gletzer ergeben. Die Ursache für
diesen Lautwechsel ist zunächst wohl in der
schwierigen
Artikulation des -s- zu suchen, das zumal in der Ver-
bindung mit t eine Neigung zu palataler Verschiebung
hat. Man denke auch an das bekannte „Lispeln“ des s.
Das [Zä] kann schließlich als „lautstilistische
Variante“
des [Zs], geschrieben z, einen besonders starken
emotio-
nalen Ausdruckswert entwickelt haben — in
kpsendem
oder auch in anderem Sinne. Das slawische s-Suffix
hat
jedenfalls höchstens stützend gewirkt. Daneben gibt es
allerdings auch Namen, wo -tsch- aus einem
slawischen
Š-Suffix nach Ausfall des unbetonten Endsilbenvokals
Lervorgegangen ist: Bartusch zu Bartsch (vgl. auch S.
181)
— Am Rande sei darauf hingewiesen, daß ein -S-/-8-
Suffix
auch in deutschen Kurzformen begegnet: Dresden
1512
Marssche michel torschmides . . . witwe (Margarethe);
3
8
1500
Gerdrudt sein eeliche Wirtin — Gerße Sein eeliche
wirtin.
5. Die Verkleinerungssuffixe (Diminutivsuffixe)
-Z- und -k- (hochdt. -ch-) sind heute in Deutschland geo-
graphisch unterschiedlich verteilt: Der Süden hat -Z- (in)
der Norden -k-, Im appellativischen Wortschatz der Lite
"atursprache ist dieser Unterschied nicht so ausgeprägt
nier stehen nebeneinander Dörfchen und Dörflein, Häus-
chen und Häuslein, bei manchen Wörtern allerdings mit
gewissen Bedeutungsunterschieden oder unterschiedlicher
Stilfärbung. Auch in den altdeutschen Rufnamen werden
k- und -Z- nebeneinander gebraucht, wobei allerdings -k-
auf hochdeutschem Boden in der Regel zu -ch- verschoben
worden ist. Den niederdeutschen Kurzformen Adiko
1
0. Jh. (zu Adalberht o. ä.), Badiko (zu Badu-), Wulvikin,
Sibuko entsprechen die hochdeutschen Formen Baducno
8 Jh.. Wulficho 8. Jh., Sibicho = Sigebodo 1039. Daneben
Oegegnen im Gebiet hochdeutscher Mundarten auch un-

3
9
6. verschobene -Ä;-Formen, z. B. dominus Wicko
1296 =
Witcho 1280 und vroHelka 1276 am Oberrhein. Sie
werden
durch latinisierte Formen wie Henricus, Fridericus,
Ludo-
wicus (c = k) gestützt worden sein. In den deutsch
slawischen Berührungsgebieten kann auch das
slawische
-fc-Suffix mit hineinspielen, das in slawischen
Kurzformen
wie Stanek und Stanka zu Stanislav u. ä. vorkommt.
Noch
im 14. Jh. finden sich in Dresden, also auf
hochdeutschem
Gebiet, Rufnamen mit -fc-Suffix: 1315 her Frizke von
Strele, 1388/89 Anneke filia Johannis Magni. Es ist
auch
mit modischer Übernahme von Formen aus dem
Niederdeutschen zu rechnen (über Namenmoden s.
unten
S. 69ff.). Dort bleibt das -Ä:-Suffix charakteristisch. Der
niederdeutsche Reinke de Vos steht neben dem hoch
deutschen Reinhart Fuchs. In Braunschweig werden im
14. Jh. z. B. genannt Berneke (zu Bern-), Brendeke (zu
Brand-), Bruneke, Ebbeke (zu Egbert, Eberhart), Eyke (vgl.
Eike von Repgow; zu Agin-, Egin-), Ghereko, Gherke (zu
Gĕr-), Heykke (zu Hein-, Hogan-), Ludeko, Ludeke (zu
Lud ), Otteke, Werneke, Wilke. Nicht alle davon sind noch
heute als Rufnamen gebräuchlich, immerhin begegnet
neben Männernamen wie Heiko und Eike häufiger der
Frauenname Elke. Storms „Schimmelreiter“ heißt Hauke
Haien, seine Frau Elke, seine Tochter Wienke. Auch em
Harke Jens wird erwähnt. Wie Wineke, Wienke zeigt sind
diese Kurzformen in bezug auf das Geschlecht nicht ein-
deutig; die meisten werden aber heute als Männernamen

4
0
gebraucht.
Das -Z-Suffix (-ilo, -ila) erscheint in alter Zeit eben-
falls im niederdeutschen Gebiet: Eddila (weibl.) 9 Jh.
steht neben Ediko, Odil neben Odico 9. Jh. Später konzen-
trieren sich die -Z-Formen auf Süddeutschland. Kenn-
zeichnend sind hier die Namen mit auslautendem i:
Sigili 9. Jh., Gunzili 11. Jh., als weibliche Namen Triutili,
Hathli 9. Jh. Die übliche Reduzierung des auslautenden
-o, -a in -ilo, -ila ergab die Formen auf -el(e), die heute
nur noch in wenigen Fällen als Rufnamen gebräuchlich
sind (Friedel als männlicher und weiblicher Name, Rudel

4
1
zu Rudolf o. ä., TiU zu Diet-, vgl TiU Ulenspiegel),
sich
aber als Familiennamen erhalten haben (darüber S.
123ff):
Dietel, Hertel, Brendel, Kühnel, Seidel, Merkel gehen
alle
auf solche -Z-Kurzformen eines Vollnamens mit
Diet-,
Hart-, Brand-, Kuon-, Mark- zurück; Seidel zu Sivrit
(Siegfried).
Im appellativischen Wortschatz der Literatursprache
sind -l- und -k- als Diminutivsuffixe (ursprünglich Formen
für alle drei Genera) mit -in erweitert worden: -l-in ergab
-lein -ch-in dagegen ohne Diphthongierung mit Kürzung
-i- zu -i- und Reduktion in unbetonter Endsilbe -chen.
Diese Erweiterungen (von denen der neutrale Einheits-
typ des Diminutivums ausging: das Mädchen) begegnen
auch im Namenschatz, und zwar -lin schon seit dem 7. Jh.,
-kin, -chin hingegen häufiger erst seit dem 10./11. Jh.:
Bezilin 7. Jh., Sigilin 7. Jh., Richilin 9. Jh., Hildelin
10. Jh. — Baldechin 9. Jh., Brunikin 10. Jh., Hildikin
10 Jh. -lein und -chen haben heute bei Rufnamen eben-
so wie -i (s. oben) so stark kosende Bedeutung, daß sie
kaum auf Erwachsene angewandt werden. In Storms
Novelle ,,Viola tricolor“ wird die kleine Ines kosend auch
als Nesi oder auch Neschen angesprochen. Man denke
auch an das bekannte Kinderlied „Hänschen klein“ und
das Märchen von Hänsel und Gretel. Beim -z-Suffix (s. oben)
ist der kosende Sinn heute dagegen stark abgeschwäcnt.
5 Auch das germanische Suffix -ing mit den ablauten
len Nebenformen -ung, seltener -ang, das vor allem zur
Bildung patronymi8cher Beinamen verwendet wird (vgl.
S. 104), kann neue Rufnamen bilden, von denen einzelne
noch heute üblich sind, wie z. B. Henning.
6. Zur Bildung von Kurzformen wird auch das Sub-
stantiv man ‘Mann’ verwendet; es hat dabei im Grunde
die Funktion eines Suffixes. Natürlich kommt es nur für
Männernamen in Frage. Alt sind z. B. Karlman 8. Jh.,

4
2
Baldman 9. Jh. Die Masse der Bildungen erscheint aber
wohl erst im 13./14. Jh. Als Rufnamen sind diese Formen
heute kaum noch bewahrt, allenfalls Karlmann-, der Ver
fa8ser unseres bedeutendsten etymologischen Namen

4
3
7. buches hięb Josef Karlmann Brechenmacher. Das
weib-
liche Gegenstück ist wlp ‘Frau’, z. B. Azawip,
Guotwip,
Gerwif, Hadwif (die beiden letzten im 12. Jh. in Köln).
Schließlich findet sich auch hint ‘Kind’: Widukind 8.
Jh.,
Wittekind 9. Jh.
8. Häufig werden mehrere Suffixe bei der Bildung einer
Kurzform kombiniert. Neben den schon erwähnten -l-in
und -ch-in, die für uns heute zu einem Suffix verschmolzen
sind, treten uns z. B. Kombinationen von -k- und -l-
(Godikilo, Godiliko} sowie vor allem .auch Kombinationen
von -z- mit -l- oder -k- entgegen (Heinzel, Fritzel, Fritzke)
— Die Suffixe können beim gleichen Rufnamen auch
wechseln: Henman Romer =■■ Henni Romer — Heintzm
Romere 14. Jh.
An Vollnamen fügt man diminuierende Suffixe zu-
nächst nicht; einzelne Fälle finden sich erst in mittel
hochdeutscher Zeit; der letzte Staufer im 13. Jh. heißt
Kuonrätel-, ferner 1290 Albertelin Lonbardus. Heute gilt
diese Einschränkung längst nicht mehr. Der Zusammen
hang zwischen Kurz- und zugehöriger Vollform ist oft
verlorengegangen. Manche Kurzform wird als selbstän-
diger «Rufname betrachtet und bevorzugt, der ent-
sprechende Vollname ist kaum noch gebräuchlich. Gesine
ist nichts anderes als eine Kurzform zu dem bei weiten«
nicht mehr so gern gegebenen Namen Gertrud', T(h)ilc
gehört zu Dietrich oder einem anderen Vollnamen mit
Diet-.

II. Die Bedeutung der heimischen Rufnamen

Ursprünglich war die Namengebung eine Art kultischer


Handlung, verbunden mit einem „Heilwunsch“. Ein
Eberhart sollte stark wie ein Eber werden. Mit Rudolf
verband sich der Heilwunsch nach Ruhm (ahd. hröd
hruod ‘Ruhm’). Die in den Namenwörtern ausgedrückter,
4
4
oder durch sie assoziierten Eigenschaften sollten durch
einen Namenzauber auf den Namenträger übergehen. Die

4
5
Bedeutung der Namenwörter war also durchaus von Be-
dang Aber das reicht weit in die germanische Zeit zurück
und trifft für das Althochdeutsche, seit dem 6 /7. Jh.,
im allgemeinen nicht mehr zu. Man hat einen gewissen
Vorrat von Namenwörtern zur Verfügung, die längst
nicht mehr alle in ihrem eigentlichen Wortsinn durch-
schaut werden. Die Namengeber wissen schon in der
zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends unserer Zeitrech-
nung in den meisten Fällen so wenig, was der Name ur-
sprünglich „bedeutete“, wie die Eltern heute, wenn sie
ihren Sohn Michael oder Norbert und ihre Tochter Sieg-
linde oder Andrea nennen (vgl. hierzu S. 64ff.). Die bei
der Namenbildung verwendeten Wörter werden zu einem
großen Teil schon in althochdeutscher Zeit nicht mehr
als Appellativa gebraucht, begegnen uns nur in Namen,
wie z. B. gund- und hadu-, nand und swind, hruod und
badu-, ragan (in Namen Rein-), magan {Mein-), ber{a)hi.
Sie sind der Sprache des alltäglichen Umgangs entrückt
leben allenfalls noch in feierlicher, gehobener Dichter-
sprache — wie heute in unserer Literatursprache etwa
Roß, Antlitz, schreiten, hehr u. a. Manche hatten auch
direkt sakralen Charakter (s. unten). Andere haben aller-
dings ihre Beziehung zum appellativischen Wortschatz
ois heute nicht verloren: adal, hart, rieh u. a. Daß man meist
schon in althochdeutscher Zeit keinen Sinnzusammen-
hang zwischen den beiden Namengliedern sehen darf, zeigen
z. B. deutlich Namen wie Fruot-gĕr (‘klug’ und ‘Ger’)
Muot-helm, Frid-gund (.‘Friede’ und ‘Kampf’). Die so oft
gestellte Frage nach der „Bedeutung“ hat bei diesen Ruf
namen nur so weit einen Sinn, als man ermitteln will,
welche germanischen oder althochdeutschen Wörter in
den Namen enthalten sind, aus welchen Bereichen sie
gewählt wurden. Es lassen sich daraus kulturgeschicht
liehe Schlüsse ziehen, wenn man weiß, ob diese Namen
Wörter vorwiegend aus den Bezeichnungen für Kampf
und Waffen oder für Blumen oder für die Götter gewählt
worden sind, oder ob man schließlich ganz nüchtern die
Kinder einfach numeriert hat: der Erste, der Fünfte,

4
6
Sechste usw. wie die Römer mit den häufigen
Vornamen
Primus, Quintus, Sexlus. Ähnliche nüchterne
Benennungen
sind übrigens auch dem Altdeutschen nicht völlig un-
bekannt. Es sind uns da Namen überliefert wie Boran
der Geborene’, Coman ‘der Angekommene’, Funtan
‘der
Gefundene’, Wortan ‘der Gewordene’. Es begegnen
als
Namen auch die Wörter Friunt, Ginoz ‘Genosse’,
Suestar
‘Schwester’. Tohtar ‘Tochter’, Vadar, Modar
‘Mutter’,
Wifekin ‘Weibchen’. Etwas mehr Sinn für poetische
Namengebung verraten dann schon Bezeichnungen
wie
Liobsun, Liubchind, WiUicumo, Herzlib, Filuliub. In
diesen
teilweise wohl als Beinamen aufzufassenden
Bildungen
(s. unten S. 7üff.) war natürlich die Bedeutung der
Namen-
wörter den Eltern durchaus gegenwärtig. Wo das der
Fall
ist, hat man neuerdings von Primärkombinationen
gegenüber der großen Zahl von Sekundärkombina-
tionen gesprochen (0. Höfler).
Bei den letzteren ist die „Freude am bloßen Zusammen-
klang der Namen“, das „Spiel des Namenschöpfens"
(G. Schramm) wirksam; es werden vorbildhafte Namen
träger und die Namenbildung innerhalb der Sippe be-
rücksichtigt. Auf den Stabreim als Mittel solcher Bindung
war schon hingewiesen worden (S. 18). Auch gleiche Kom-
positionsglieder können binden: der Vater des Ostgoten-
4
7
königs Theoderich hieß Thiudimer (in beiden Fällen das
erste Glied ahd. diot ‘Volk’). Die Gefolgsmannen des
Wolfdietrich der Heldensage heißen Wülfinge; darunter
gibt es einen Woljhart und einen.Wolfwin. Diese formale
Namenbindung ging schließlich so weit, daß man die
Namen der Kinder mechanisch aus einzelnen Teilen der
Elternnamen bildete. Deren eventuelle „Bedeutung“ war
dabei — wie gesagt — ohne Belang. So konnte ein Ehe-
paar Gerhart und Gundhild seine Söhne Gundhart und
Hildgĕr und seine Tochter Gerhild nennen. In diesen Bin-
dungen mögen zunächst auch noch die alten Vorstellungen
von der magischen Kraft des Namens mitgewirkt haben,
durch die ein „Stück des Seins und der Seele“ der Eltern
auf die Kinder übertragen werden sollte.

4
8
All diese Hinweise waren notwendig, damit die folgende
Übersicht über die wichtigsten Sachgruppen, denen die
althochdeutschen Namenwörter entstammen, richtig ver-
standen werden. Daß die germanischen Männernamen
„im Prinzip . . . dichterische Umschreibungen . . . des
idealisierten Angehörigen einer Kriegeroberschicht“ ge-
wesen seien (G. Schramm), ist wohl etwas zu einseitig
formuliert. Es handelt sich dabei doch wohl um eine Ver-
bindung von Bauerntum und Kriegertum.
Immerhin sind die Namenwörter aus dem Bereiche des
Kampfes, des Kriegers und seiner Tugenden außer-
ordentlich zahlreich. Eine ganze Reihe von Wörtern be-
deutet einfach ‘Kampf’, zunächst wohl mit gewissen Be-
aeutungsunterschieden, die wir heute nicht mehr fassen
können: badu, gund, hadu, hilt(ja), wig. Als Appellativs
erscheinen dafür strit, werra, kämpf (aus lateinisch cam-
pus), die entsprechend dem oben Gesagten in den Namen
fehlen. Hierher gehören auch (h)nöt(öri) ‘Speerschwung’,
das sich nach Abfall des anlautenden h- vor Konsonant
mit not ‘Bedrängnis im Kampf’ vermischt hat; ferner
degan ‘Krieger’, hari (heri) ‘Heer, Volk’ (dafür auch folk),
»nagan (megin, mein) ‘Kraft, Tüchtigkeit’, nlt ‘Haß,
Kampfzorn’, sign ‘Sieg’. In der Bedeutung ‘kühn’ treffen
sich die Adjektive bald, hart, kuoni, nand, den klugen
Ratgeber und listigen, starken Kämpfer bezeichnen rät
und swind (jenes ein Substantiv, dieses ein Adjektiv),
eine Eigenschaft des Kriegers meint auch wackar ‘wach-
(sam)’. Heiß ersehnt wird der Heldenruhm: hierzu die
Substantive hröd, hruod, hröm, hruom und die Adjektive
märi (‘berühmt’), hlüt (auch germ. AZud-,urspr. ‘gehört, hör
bar’) und ber(a)ht (eigentlich ‘strahlend, glänzend’). In den
Zusammenhang dieser Bedeutungsgruppe sind auch die
Waffenbezeichnungen zu stellen. Auch hier handelt
es sich nicht um allgemein gebräuchliche Wörter des All
tags, wie etwa swert oder sper, sondern um altertümliche
(archaische) Wörter der Dichtersprache: brant, eigentlich
Feuerbrand’, dann ‘Schwert’, gĕr ‘Wurfspeer’, gis(il}
Pfeilschaft’(?), ort ‘Schwert-, Speerspitze’, ebenso ecka

3 Deutsche Personennamen 49
(aus germ. *agjo, das auch als Agin-, Egin-, Ein- [vg'.
Einhart], Agil-, Egil-, Eil- auftritt), rant ‘Schild’,
ebenso
linta, brunia ‘Brünne, Rüstung’, isan ‘Eisen’, heim
‘Helm ,
barta ‘Streitaxt’. Zur Veranschaulichung seien für
diese
sehr kennzeichnende Sachgruppe einige Beispiele
genannt:
die ganze Fülle solcher Namen läßt sich hier nicht auf
zählen. Im Nibelungenlied treffen wir z. B. auf
Männer
namen wie Gĕrbart, Gernot, Giselher, Gunther (aus
Gund-
hari), Helmnöt, Herman, Hildebrant, Kuonrät, Nltgĕr
Rüedeger (aus hruod- mit Umlaut und -gĕr), Sigeher,
Slfrit
(aus Sigefrid), Volker (aus Volk-hari), Wlchart (aus
wlg-
und -hart). Ihnen stehen zur Seite die Frauennamen
Diet-
lind (über diet- s. unten), Hadeburc (über buro s.
unten).
Herlint, Herrät, Hildeburc, Hildegunt, PrünhiU
(brunia),
Sigelint. Die Frauennamen sind also grundsätzlich aus
dem gleichen „Stoff“ gebildet wie die Männernamen!
In
den zweiten Gliedern bestehen die oben (S. 18f.)
erwähn-
ten Unterschiede. Das Kudrunepos kennt die Männer-
namen Hartmuot, Herwlc, Ortwin (über -win 8. unten)
und
die Frauennamen Gĕrlint, Hilde, Hildeburc, Ortrün
5
0
(über
-rün s. unten). Der erste Bestandteil des Namens
Küdrün
Gudrun bietet eine dem althochdeutschen gund ent
sprechende nordische Form und fügt sich also auch
hiei
ein. Von Namen historischer Persönlichkeiten seien
ge-
nannt die Frankenkönige Chlodwig (gest. 511) und
Chlo-
tharius (beide zu germ, hluda-, ahd. auch hlüt)‘, aus
dem
letzten unser Lothar; Hildibertus, Theudebald,
Theudebert
und der Vandalenkönig Hildimer (zu -märi).
Den in Namen verwendeten Tierbezeichnungen
lagen Vorstellungen zugrunde, die den Kämpfer auch
dazu veranlaßten, sich Tierköpfe aufzusetzen oder in
Tierfelle zu hüllen: er wurde dann als Tier und Mensch
zugleich aufgefaßt — wofür sich die Bezeichnung Wer
wolf ‘Mann und Wolf’ bis heute erhalten hat (mit wehren
hat das Wort nichts zu tun!). Stärke, Gewandtheit und
List des Tieres waren für den Krieger erstrebenswerte
Eigenschaften. Besonders häufig begegnen in den Namen
der Wolf (Wolfgĕr, -hart, -berht), der Eber (ahd. ebur)

3» 51
{Eberhart, -heim, -muot), der Bär (germ.
*beron-, ahd. bero)
(Bernhart, -frid, -ulf [zu -wolf]), der Adler, ahd.
aro, am
(Arnfrid, -heim, -ulf, -old [zu -bald]), seltener
bestimmte
Ausdrücke für das Pferd, germ. *marha- ‘Streitroß’
(unser
Mähre), ahd. hros (Marolf, Hrosmar), den
Auerochsen,
ahd. ür (Urolf), den Wisent, ahd. Wisund, Wirund
(z. B.
der ostfränkische Dichter Wirnt von Grafenberg,
Anfang
des 13. Jh.) und auch den Hirsch, ahd. hiru%. Mit
dem
Raben Odins hängt sicher die Beliebtheit des
Raben in
den Rufnamen zusammen, ahd. hraban:
Hrabangĕr, -frid
-berht. Als zweites Glied ist das Wort meist zu
-ram (in-
folge von Assimilation des Labials an den Nasal)
zu
sammengezogen: Wolfram, Bertram, Gundram.
Auch sonst
treten lautliche Veränderungen, meist
Reduktionsvor-
gänge, vor allem beim zweiten Glied ein (s. S. 41
f.)
Seltener sind Tierbezeichnungen in Frauennamen
wie
altsächs. Bia 1040 (‘Biene’), Mese (‘Meise’).
Während Tiernamen wie Wolf, Bär, Rabe bei Männer
5
2
namen im ersten wie im zweiten Glied vorkommen
können (Eber findet sich auch bei Männernamen nur als
erstes Glied), werden sie bei Frauennamen natürlich nur
als erste Glieder verwendet: Wolfhild, -lind-, Eberhild,
Bergund, -lind,Arnhildu. a. Bevorzugt Frauennamen bildet
swan- als erstes Glied, unser ‘Schwan’: Swanburg, -hild
■gart, -Zmd.Doch fehlen auch Männernamen -wivSwanberhi,
-bald, -gĕr, -hart nicht. Als jüngeren Namen christlicher
Zeit (seit dem 6. Jh.) betrachtet man Leonhart (zu ahd.
lĕwo ‘Löwe’), worin der Name des Löwen als Symbol
les Evangelisten Markus steckt. Der Name wird heute noch
gelegentlich als Vorname verwendet; ihn trug z. B. der
Dichter Leonhard Frank. — Ein altes Wort für die Maske,
die Larve — bezogen auf die Tiermaske — (altnord. grima)
später wohl angelehnt an grim ‘schrecklich, grimmig’,
steckt in Namen wie Grimfrid, -bart (so heißt der Dachs in
,,Reineke Fuchs“), Isangrim (so heißt der Wolf) und viel-
leicht auch im Namen der Kriemhilt des Nibelungenliedes Q
Die sogenannten theophoren Namen enthalten Be
Zeichnungen für Götter und sonstige überirdische W’esen

3» 53
und was damit zusammenhängt (überirdische Kräfte u.
ä.)
Ein altes Wort für Gott ist germ, ans, in der
nordischen
Form Ase(ri) mit der Edda bei uns bekanntgeworden;
es
steckt in den Namen Ansfrid, -heim, -hild, -lind. Die
angelsächsische Form ós kennen wir in dem noch
heute
gebräuchlichen Vornamen Oswald. Auch ahd. got
‘Gott’
erscheint schon in vorchristlicher Zeit als erstes
Namen-
glied: Gotbrand, -frid, -hart, -lind, -hild. Es ist
ursprüng-
lich Neutrum und wird nicht als zweites Namenglied
ver-
wendet. Die Bezeichnung für die Elben (Elfen), ahd.
alb,
alp (vgl. den Albdruck und Albtraum, die nichts mit
den
Alpen zu tun haben!) enthalten Namen wie Alberich,
Alphild; die angelsächsische Form celf, altnord. älfr
der
heute noch gebräuchliche Rufname Aljred. Namen
ein-
zelner Götter treten in den Rufnamen nicht allzu
häufig
und wohl erst in jüngerer Zeit auf. Man schließt
daraus
daß die persönlichen Göttergestalten der Germanen
noch
nicht so klar ausgeformt waren, als die alten
Rufnamen
5
4
entstanden. Auch komme darin die stärkere Bindung
an
die Gesamtheit der Götter, weniger an einen
einzelnen,
zum Ausdruck. Solche Namen treten später vor allem
im
germanischen Norden auf, wo Thor sehr behebt wird
als
erstes Namenglied (Thorstein, -hild u. a.). In den Ruf-
namen produktiv geworden sind auch die
Bezeichnungen
germanischer Kultverbände wie der Ingaevonen und
Erminonen. Hierzu Ingram (-hraban), -frid, -bürg;
Irmin-
(Ermin-) -frid, -bald, -trud, -rich, -wald. In den
Bereich
von Zauber und Kult gehören schließlich auch die
zahl-
reichen vor allem weiblichen Rufnamen mit rün ‘Rune
Zauberspruch’: Rünfrid, -gĕr; -hild, -lind, -trud;
Fridrun
Sigrun, Ortrün, Wolfrün. — Noch nicht völlig
aufgeklärt
sind Sinn und Anwendung des Wortes rag an, regin
(rein-),
das im Althochdeutschen nicht mehr als
Appellativum.
sondern nur noch in Namen vorkommt und
gewöhnlich
mit der Bedeutungsbezeichnung ‘Ratschluß des
Schick-
sals, der Götter’ versehen wird. Eine Reihe damit ge-
bildeter Namen ist noch lebendig: Reinhart, -mar, -bot
Ragnahilda war die Frau des westgotischen Königs
3» 55
Euncus.

5
6
Die bäuerliche Welt von Grundbesitz und Sippen-
bindung und damit zusammenhängender rechtlicher Ver-
hältnisse finden wir in den folgenden Namenwörtem
ahd. kunni ‘Geschlecht’ {Kuniberht, -gund), adal ‘edles
Geschlecht, vererbter Adel’ {Adalbrand, -frid, -heim
-gundf, hagan ‘Dornstrauch’, dann aber auch ‘umhegter
Ort’, produktiv in Personennamen mit der kontrahierten
Form Hein-I {Heinrich, -berht, -frid, -bürg) und auch in
mittelalterlichen Ortsnamen, wo es zunächst den um-
hegten Wald bezeichnet (z. B. Falkenhain, Gräfenhain.
Lauenhain u. a. im Kreis Rochlitz/Sa.) — orthographisch
von Hein- in Personennamen (nur als erstes Glied!)
differenziert; ferner land ‘Eigenland der Sippe’ {Land-
berht, daraus Lamprecht, Lambert, -bürg, -wart, -frid\ alt
sächs. Frauennamen 1037/52 Landburg, Landegardis; auch
als zweites Glied, aus ursprünglichem -nand durch Dissi
milation entstanden: R atlant, Everland), erda ‘Erde’ {Erd
mar, -rün, -muot). In diesen Zusammenhang ist auch eine
Wurzel zu stellen, die sich im got. auda-hafts ‘beglückt’
audags ‘selig’, im altnord. audr ‘Reichtum’, altsächs. öd
‘Besitz, Erbgut’ findet. Wir kennen eine fränkische Kö-
nigstochter Audafleda (zu -flat, s. unten), einen Ostgoten
Odoin (zu -win, s. unten), langobardische Könige Auduin
und Authari und Namen wie Otfrid, -bürg. Dazu auch
die ahd. Form uoddl- in Uodalfrid, -berht (über Uodalbreht
zu unserem Ulbricht), -heim, -bürg, -hild. Daß auch das
Wort gast ‘Gast’ in die gehobene Sphäre der Namenwörter
aufgenommen wurde, ist mit der besonderen Bedeutung
der Gastfreundschaft, des Gastrechts in Zusammenhang
zu bringen {Gasträt, Herigast, Rätgast). Weit häufiger be-
gegnet das Wort allerdings in slawischen Personennamen.
Das niederfränkische Epos „Karel ende Elegast“ über-
liefert uns einen Namen mit -gast, dessen erstes Glied ein
Wort für ‘der andere’ enthält, got. aljis (es steckt auch
im Namen Elsaß)', so auch der Frauenname Aliberga.
wohl für eine Burgunderin.

I Namen wie Heinrich werden z. T. aber auch auf Heimrich zurückgehen.


5
7
Die Gestalt des Herrschers, der, mächtig und gerecht,
befiehlt und Schutz gewährt, spiegelt sich in den folgenden
Namenwörtem: bürg ‘Schutz, Beschützer’ (mit bergen zu-
sammenhängend) in Burgheri, -wald, -wart, -hart, als
zweites Glied für Frauennamen verwendet (Hildburg, Sige-
burg u. a.); munt ‘Schutz, Beschützer’ (vgl. unser Vor-
mund, Mündel) in Muntfrid, -helm,, -rieh, Adal-, Bald-,
Rätmunt; jridu ‘Friede, Sicherheit’ in Fridbrand, -gĕr,
-helm, -rieh, Helm-, Sigefrid; wald (walt) zu waltan ‘herr-
schen, regieren’ in Waldjrid, -gĕr, -mär, -bürg, -hild, -berht
Ans-, Sige-, Berhtwald; wart ‘Hüter’ (vgl. Wartburg, Wär-
ter) in Wartgĕr, -burg, Ger-, Hrödwart; richi ‘Herrscher,
mächtig’ in Richhelm, -muot, -wald, -bürg, -gund, -lind,
Hein- (aus Hagan- oder Heim-), Uodal-, Wini-; böd zu
gibiotan ‘befehlen, gebieten’ in Bodjrid, -wald, Hildi-,
Her-, Gundbod (oder -bot); diot ‘Volk’ in Dietfrid,- mar,
-munt, -ram (aus -hraban), -rieh.
Weitere Namenwörter weisen schließlich auf Liebe
und Freundschaft und auf das Lob körperlicher
Schönheit (dies besonders bei Frauennamen). Zu wini
‘Freund, Gebebter’ gehören Win(i)frid, -gĕr, -burg, On
win, Hartwin; zu ahd. trüt ‘traut, heb’ (für älteres drüd)
Trudhelm, -heri, -hild, Gertrud; zu liob ‘heb, geliebt’ Liob-
gĕr, -fr id, -munt. Gĕrliob, Wolfliob; zu scöni ‘schön’ Scöni-
burg, -hild; zu zei$ ‘zart, anmutig’ Zeizfrid, -heim, -munt,
-lind; zu flät ‘Sauberkeit, Schönheit’ (heute nur noch in
Unflat mit der negierenden Vorsilbe un-) Berhtflät, Regin-
flät (zu ragan-), Flätberga.
Auch Völkernamen (s. S. 186ff.) und möglicherweise
Ortsnamen konnten als namenbildende Elemente füi
Personennamen verwendet werden: Warin-hari, Wernher,
Werner enthält den Namen der Warnen (auch Warinbald,
-berht, -bürg), ferner Swäbger, auch Svafhere Osnabrück
1096 (entspricht ahd. Swäbheri), schon im 5. Jh. Svaba
harjaR auf einem Runenstein, alles zum Namen der
Sweben, Schwaben; Winidharius, Winitger Corvey ll.Jh.,
Vuinithere Corvey 12. Jh. zeigen den Volksnamen der
Wenden, bei Plinus und Tacitus Venedi, Venethi, zu einer

5
8
Wurzel ♦uen ‘geliebt, befreundet, versippt’.
Wendilburg
Windilburga 12. Jh. in Verden bzw. Halberstadt,
Windil-
bern Minden 1096, Uuendilger Helmstedt 11. Jh.
über-
liefern dagegen den Namen der Wandalen. In
Walahfrid
Reginwalh steckt unser welsch, zu ahd. Walh
‘Romane’
ursprünglich allerdings ein Name für die keltischen
Nach-
barn der Germanen, die von Caesar so genannten
Volcae
(vgl. die englischen Namen Wales, Cornwall-, auch
Wal-
nuß}). Die langobardi8chen Namen Romuald,
Rumetrude
könnten Rüma, den Namen der Stadt Rom,
enthalten,
und Rinbald, -bürg, -frid könnten auf den Rhein
weisen.
Die Endglieder der Namen sind — wie schon angedeu-
tet — stärkeren formalen Regelungen unterworfen, aber
auch vom Sinn her stärker typisiert als die Anfangs-
glieder, die zahlreicher sind und einen weiteren Bedeu-
tungsbereich umfassen. In den von W. Schlaug (s. S. 191)
untersuchten altsächsischen Personennamen des 11. und
12. Jahrhunderts treten z. B. nie als Endglieder auf adal,
alt, alb, ans, ask ‘Esche’, badu, bil ‘Beil’, blid(i) ‘fröhlich’
bittar ‘bitter’, blank, brunnia ‘Brünne’, kunni, töJ‘Tat',
truht ‘Gefolgschaft’, dank ‘Dank’, diot, ebur, ecka ‘Schneide,
Schwert’, egil, eis (zu eislich ‘schrecklich’-: Eiswart Hildes-
heim 1103), ellan ‘Kraft, Mut’ (Ellenhart Hildesheim 11031
erda, erkan ‘tüchtig, echt’, erl ‘Edelmann’ (Erloljus Verden
12. Jh.), erpf ‘braun’ und viele andere. Unter Berück

5
9
8ichtigung nur der Endglieder würde G. Schramms Auf-
fassung, wonach diese Namen den Idealtyp einer Krieger-
gesellschaft umschreiben, eher zutreffen (s. oben S. 33).
Er faßt deren Sachbereiche unter die Überschriften Der
Krieger, Der Stammesgenosse, Der Fürst, Der Götter-
sproß und Götterknecht, Der Maskenträger, Der Mann
ais Tier, Der Mann als Ding (Baum, Stab, Waffe).
Unterschiede soziologischer Art in der Namenwahl
zwischen Gefolgsherr und Gefolgsmann, zwischen Fürst
und Bauer sind bisher für die ältere Zeit noch nicht deut
lieh herausgearbeitet worden. W. Schlaug betont aus
Irücklich, daß „Namen, die sich in hocharistokratischen
Familien vererben“, „auch von einfachen Manzipien ge-

6
0
tragen“ werden. Allerdings werden die Namen der
Herr-
schenden in weit größerem Ausmaß als
Vollformen, die
des gemeinen Mannes häufiger als Kurzformen
überliefert.
Im Urkundenbuch des Klosters Fulda z. B., in dem
für
die Zeit von 744—802 sehr viele Zinspflichtige
verzeichnet
sind, stehen massenhaft Kurzformen: Arn, Bern,
Ebur,
Uuelpf (ahd. hwelf ‘Tierjunges’), Uuini, Erpf
(‘braun’,
s. oben), Hlud, Suuab, Uuentil, Uuern; Bero,
Manno,
Reccheo, Sceppo, Uro, Wolfo, Theota, Liuta (zu
Hut ‘Volk’),
Sinda (zu sind ‘Weg’); Boto, Gippio (zu geb an
‘geben’),
Vnno (zu unnan ‘gönnen’), Thiha (zu thihan
‘gedeihen’)
A.so, Uualaho (zu walk), Hessa, Inga (Volksname
der
Hessen und Ingaevonen), Uuesant, Uuirunt
(‘Wisent’),
Scoran (‘der Geschorene’). Besonders hoch ist hier
mit
8,2% der Anteil der sogenannten hypokoristischen
Formen, kosender Kurznamen, mit expressiver
Laut-
doppelung: Abbo (zu Adalberht), Batto (zu Badu-),
Titto
(zu Diet-), Hatto (zu Hart-), Otto (s. oben S. 21,
6
1
37), Siggo
(zu Sige-), Uuacco (zu WacJcar-), Belta (zu
Berht-), Tetta
(zur unverschobenen Form von ahd^ zetj, altsächs.
tĕt),
Hitta (zu HiUi-), Hucca (zu Hugu-), Offa (zu -olf).
Solche
Quellen, in denen nicht ausschließlich oder
überwiegend
die Namen von Fürsten und Bischöfen oder anderen
Herrschenden überliefert werden, sind für die Zeit
vor
1000 besonders wichtig, weil hier volksläufige
Namens-
formen in größerer Zahl zu erwarten sind aus einer
Zeit,
aus der wir von der volkstümlichen Sprache nur
sehr
wenig wissen.

III. Die geschichtliche Entwicklung der heimischen Rufnamen


bis zum Ausgang des Mittelalters

Als das „klassische Zeitalter“ der einheitlichen germa-


nischen Rufnamenbildung bezeichnet E. Schröder die Zeit
von etwa 700—400 v. u. Z. Für sie gelten zunächst die
oben dargelegten Bildungsgesetze und -regeln. Dann

6
2
nimmt die Zahl von Sekundärbildungen (s. oben
S. 32)
immer mehr zu; die Namengebung hat immer
weniger
mit der einstigen „Bedeutung“ der Namenwörter zu
tun.
Ursache und Wirkung verflechten sich hier
teilweise. Das
Zurücktretep der Bedeutung ermöglicht die
mechanische
Verknüpfung von Teilen der Elternnamen, dieser
Brauch
wiederum fördert den „Sinnverlust“ der Namen.
Dazu
kommen lautliche Reduktions Vorgänge, Dissimila
tion und Assimilation, Abschleifung zweiter Namen
glieder bis zur Unkenntlichkeit. Wer vermutete in
-ram
(Wolfram) das Namen wort -hrabanl Wolf verliert
als
zweites Glied sein -w- in Namen wie Gund(w)olf,
Adalolf
Reginolf 826. -bald und -wald fallen als zweite
Glieder
vielfach in -old zusammen (Arnold, Bertold,
Remold)
-hart, -her(i) und andere mit h- anlautende Wörter
geben
dies auf (da h vom Reibelaut zum Hauchlaut
geworden
ist). Für den Vollnamen Berhtwald erscheinen z. B.
im
Braunschweig des 14./15. Jh. die Formen Bertold,
Bertol,
6
3
Berteld, BerteU-, für Eckehart schreibt man Egert,
Echard
Eckert; für Gebehart lesen wir Ghevert, Ghefert,
für Sigfrid
Sivert und für Warinhari, Wernher ein Werner. Die
Masse
der Formen mit erhaltenem -h- noch im 13. Jh.
findet sich
im Südwesten, in der Schweiz; der -h-Ausfall vor
allem
im Niederländischen und Niederdeutschen.
Gelegentlich
wird versucht, das abgeschwächte zweite Namen-
glied wieder als Sinnwort zu rekonstruieren,
bisweilen
mit „falscher“ Rückbildung zu einem Wort, das mit
dem
ursprünglichen gar nichts zu tun hat. So entsteht z.
B
Reinhold unter Anlehnung an das Adjektiv hold aus
ab-
geschwächtem Reinold (wo -bald oder -wald
zugrunde
hegen). Dieser Typ ist im 13. Jh. im allgemeinen
noch
selten, häufiger allenfalls am Oberrhein und in der
Nord
Schweiz. Dem Ortsnamen Rennersdorf b. Dresden
hegt
1284 Reinmarstorf voraus; schon 1287 wird
Rennerstorp
geschrieben, dies 1393 als Reynharczdorf
„rekonstruiert“.
Vgl. auch München 1368 Volckmar Smid — 1369
6
4
Volckman
Smid = 1371 Volckmair Smid. — Besonders reiche
Vari
ationen bietet das alte Namenwort berakt ‘hell,
glänzend’,

6
5
(las offenbar schon sehr früh seinen Sinn verloren
hatte
Es ist auch als Anfangsglied schon in Namen des 8.
«Th
zu berht, perht, praht, bert abgeschliffen. In den
Urkunden
des Klosters Fulda (744—802) haben von den mit
-beraht
als Endglied gebildeten Namen 93 die Form -praht
und
58 -braht (entspricht unserem -brecht), 4 zeigen
schon -bert
67 noch die volle Form -peraht oder -beraht.
Soweit es
in noch lebendigen Vornamen heute vorkommt,
lautet
es -brecht (Albrecht, Ruprecht, Wiprecht,
Lamprecht) oder
-bert (Albert, Bertram, Egbert, Gisbert, Humbert).
— Schor
sehr früh zeigen kontrahierende Formen die
Namen-
wörter mit intervokalischem -g-, wie hagan,
magan, ragan
zu hein, mein, rein.
Neben den lautlich abgeschwächten Formen treten seit
dem 13. und besonders im 14. Jh. auch die eigentlichen
Kurzformen stärker in der Überlieferung hervor. Sie
waren früher dem alltäglich-vertraulichen Umgang vor
behalten und seltener aufs Pergament gebracht worden
In den Braunschweiger Namen des 14. Jh., die W. Scharf
untersucht hat, findet sich die Vollform Fredericus, Fre-
deric, Vredderilc o. ä. 11 mal, die zugehörigen Kurzformen
Fricko, Vricke u. ä. dagegen 47mal. Ähnlich ist das Ver-
hältnis zwischen Burghart, Bor chart u. ä. (15) und den

6
6
Kurzformen Bosse, Bosseke (30), zwischen Gerhart (7) und
Ghert, Ghereke (42), Gotfrid (3) und Ghodeke, Götze (28)
Einen Sonderfall bildet das häufige Conrad. Konrat (147!),
dem aber auch noch 173 Kurzformen Cort, Cone, Kuntze
u. ä. gegenüberstehen. Auffallend wieder Dietrich (65)
gegen Thilo, Tileko, Tymme u. ä. (311!). All diese Kurz
formen gewinnen große Bedeutung für die aus Rufnamen
entstehenden Familiennamen. Um diese erklären zi
können, muß man die Variationsmöglichkeiten der vor
einem Vollnamen zu bildenden Kurzformen kennen (s
unten S. 123 ff.).
Die Mode der Rufnamengebung (über die für die
Gegenwart noch ausführlicher zu sprechen ist; vgl. S. 69 ff)
ist auch schon in althochdeutscher Zeit und im Mittel-
alter für die Beliebtheit mancher Rufnamen verantwort-

6
7
lich zu machen. Der heimische Namenschatz ist
nicht
starr und unveränderlich; es entstehen und vergehen
immer wieder Namen; jüngere und ältere
Namenschichten
lassen sich abheben. Im großen und ganzen
verringert
sich die Vielfalt gebräuchlicher heimischer Namen;
vor
allem die zweiten Glieder — ohnehin weniger
zahlreich —
gehen noch mehr zurück. So finden sich z. B. in den
Tra-
ditionen des Hochstifts Freising bis zum 10. Jh. 28
Namen
mit Berht- (-drüd, -flat, -frid usw.), danach nur noch
3
(-ni, -old, -swind). Von 90 Namen mit -berht als
zweitem
Glied sind nach dem 10. Jh. noch 41 vorhanden;
über
das 11. Jh. hinaus reichen nur 28. Gleichmäßig
häufig
über die Jahrhunderte hinweg sind nur Berhtold und
Adal-
berht. Der heimische Rufnamenschatz wird also
verein
heitlicht. Einige wenige Namen werden besonders
beliebt,
kommen in großer Zahl vor, die meisten anderen
sterben
ab. In Lübeck heißen z. B. bis zur Mitte des 14. Jh.
von
6700 Personen insgesamt 190 Heinrich, 323
6
8
Hermann
177 Gerhart, 157 Thidemann (zu Diet-rich), 143
Konrad;
163 Adelheid, 26 Mechthild, 22 Gertrud. In der
scnwä
bischen Stadt Ravensburg sind im 14./15. Jh. am
belieb-
testen Konrad, Heinrich, Ulrich, Berthold,
Friedrich; Adel-
heid, Aella, Guota, Mechthild. Im mittelalterlichen
Zerbs*
smd die entsprechenden Favoriten Heinrich,
Dietrich,
Konrad, Arnold; Gertrud, Adelheid. Dabei sind die
neuen
Fremdnamen (Johannes usw.) nicht mit
berücksichtigt
über sie vgl. S. 46ff. In Erfurt heißen 1288 von 288
Per
sonen 38 Heinrich, 30 Dietrich, 25 Konrad, 13
Berthold
In Köln stehen im 12. Jh. ebenfalls an erster Stelle
Hein-
rich, Hermann, Dietrich, Gerhart, Konrad, Gotfrid.
Unter
uen Dresdener Ratsmitgliedern sind die häufigsten
hei
mischen Namen im 14. Jh. gleichfalls Heinrich und
Diet
"ich. In Barth ist von 1324—1505 die
Häufigkeitsreihen
folge Heinrich, Hermann, Dietrich, Gerhart. —
Mitbestimmt
ist die Bevorzugung dieser Namen sicherlich durch
6
9
die
Kaiser und Könige namens Heinrich, Konrad usw.,
die
als Vorbild gegolten haben. Doch das reicht zur
Erklärung
nicht aus. Otto und Friedrich fehlen unter den
häufigsten

7
0
Namen — trotz den Sachsen- und Staufenkaisern.
Anderer-
seits dürfte sich die Beliebtheit von Dietrich eher
durch
die Heldensage erklären (Dietrich von Bern!).
Ältere und jüngere Rufnamenschichten lassen sich
auch erkennen, wenn man etwa die in thüringischen Orts-
namen steckenden Personennamen mit denen in (Ober-)-
Sachsen vergleicht, wo die deutschen Bauernsiedlungen
erst seit dem 12. Jh. entstanden sind. Ortsnamen der
Kreise Arnstadt und Ilmenau enthalten z. B. u. a. die
Rufnamen bzw. Anfangsglieder (bei Kurzformen) Agil-,
Alah-, Angil-, Bero, Bezzo, Elger, Atto, Hatto-, im Kreis
Rudolstadt sind es u. a. Amalung, Egil, Sizzo, woneben
allerdings auch Albrecht und Dietrich. Im Kreis Dresden
begegnen dagegen Brün, Eckehart, Gerhart, Hermann,
Kuonrät, Reinmar, Rüedeger, Unkhart (zu unk ‘Schlange’),
Warinher, Wilhelm. Dieser Namenschatz trägt deutlich
jüngeres Gepräge.
Die Germanen haben auch Rufnamen von anderen
Völkern entlehnt und andererseits ihnen ihre Namen
zugeführt. Der Name des Kimbernkönigs Boiorix wird
für keltisch gehalten. Manche Namen sind aus einem
keltischen und einem germanischen Bestandteil gemischt.
So steckt offenbar im Namen des 58 v. u. Z. von Caesar
geschlagenen Swebenkönigs Ariovist als erstes Glied ein
keltisches Wort, das dem altirischen aire ‘primus’ ent-
spricht; der zweite Bestandteil gehört zu altnord. visir
Keim, Sproß’, altengl. wise ‘Sproß, Stengel’ — insgesamt
also ‘Edelgeborener’. Es gibt eine ganze Reihe germa-
nischer Rufnamen mit dem Anfangsglied Tag-, z. B. ahd
Tagarih u. a. Da sich dieses Wort nur schwer als Namen-
wort verstehen läßt, hat man neuerdings an eine Ent-
lehnung aus dem Keltischen gedacht, wo es Namen wie
Dagorlx häufiger gibt. Dort bedeutet dieses Wort ‘gut’
und ist also als Namenwort völlig einleuchtend. Auch
römische Namen werden von Germanen getragen, vor
allem wenn sie in römischen Diensten standen wie die
Konsuln Flavius Merobaudes (377) und Flavius Banto

7
1
(385). Der Name des Cheruskerfürsten Arminius ist um

7
2
stritten. Er muß nicht lateinisch sein, sondern
könnte
auch mit dem oben erwähnten germanischen
Namenwort
Ermin-, Irmin- Zusammenhängen.
Von der sprachlichen Gestalt des Namens aus darf also
nicht ohne weiteres auf die Volkszugehörigkeit des Namen-
trägers geschlossen werden. Das zeigen auch slawische
Namen, die seit der mittelalterlichen deutschen Ost-
expansion von Deutschen getragen werden (und um-
gekehrt). Unter den Burggrafen von Dohna b. Dresden
gibt es die Rufnamen Jeske (Jeschke-, Diminutivum zu
Johannes) und Mui (1388; s. S. 180) sowie Hlabaczsch
(1448). Schon 1234 begegnet uns ein Ritter Zdislaus von
Schoninberc (vgl. auch S. 181 ff.).
Nach der Übernahme durch andere Völker wur-
den die germanischen Rufnamen in der Regel dem Laut-
system der fremden Sprache eingefügt und entsprechend
umgeformt. Sie sind dann häufig gar nicht mehr auf den
ersten Blick als germanische oder deutsche Namen zu
erkennen. Heinrich ergab im Französischen Henri, im
Italienischen Enrico, im Tschechischen Jindfich. Hinter
dem französischen Guillaume, Gautier, Thibaut steckt
nichts anderes als unser Wilhelm, Walther, Dietbald
Othello ist eine im Italienischen suffigierte Form des
deutschen Namens Otto. Die russischen Namen Olga und
Oleg gehen auf den altnordischen Namen Helga (weibl)
bzw. Helgi (männl.) zurück; Igor ist altnordisches Ingvarr
Heimische Neubildungen aus christlichem Ideen-
gut sind Namen wie Himildrud 8. Jh., Himilger 10. Jh.,
Tuifeihart, Buazfrit, Engilscalk 1122, Gotesburga $10, -drut
8. Jh., -degen 824. Das sind natürlich Primärbildungen,
in denen der Wortsinn noch lebendig war. Die stärkste
Bereicherung unseres Namenschatzes sollten aber die
christlichen Fremdnamen bringen (darüber S. 46ff.).

7
3
B. Die mittelalterlichen Fremdnamen

I. Aufkommen und Ausbreitung. Historische Zusammenhänge

Nach der oben geschilderten Schrumpfung wird unser


Rufnamenschatz neu gespeist durch den Zustrom der
fremdsprachigen christlichen Namen, die noch heute ein
bestimmendes Element unserer Rufnamengebung bilden.
Sie beginnen seit der zweiten Hälfte des 8. Jh. in Er-
scheinung zu treten, bleiben aber zunächst im wesent-
lichen auf die Klöster und die Geistlichkeit überhaupt be-
schränkt. In dieser ersten Welle christlicher Personen-
namen überwiegen die Namen aus dem Alten Testament;
sie sind hebräisch: Abraham ‘der Vater ist erhaben’, Adam
'Erdgeborener, Mensch’, Daniel ‘Gott hat gerichtet’, David
‘Geliebter, Liebling’( ?), Isaak ‘der Heitere’ (eigentlich
‘er lacht’), Moses (ägyptisch) ‘geboren; Sohn des ...
Samuel ‘von Gott erhört’. Entsprechende Frauennamen
begegnen seltener, z. B. Judith ‘Frau aus Jehud’, Susanne
‘Lilie’. Daneben finden sich allerdings auch schon Namen
aus dem Neuen Testament, wie Andreas (griechisch) ‘der
Mannhafte’ (in Freising 780), Johannes (hebräisch) ‘Gott
ist gnädig’ (Jochanari) (in Murbach 730), Lazarus ‘Gott
hat geholfen’ (757 in St. Gallen), Petrus (griechisch)
Fels’ (in Saargau 847) u. a. Die Vorhebe für alttestament-
liche Namen hat man mit dem Einfluß des orientalischen
Christentums in Verbindung gebracht, der von Palästina
und Syrien her auf Europa und damit auch auf Deutsch
land wirkte. Auch an Beeinflussung von Norditalien und
Frankreich — später von großer Bedeutung (s. unten
S. 84) — ist schon zu denken. Sie bringt weitere christ-
liche Namen „in Mode“, und zwar neben griechischen
auch lateinische: Benedictus ‘der Gesegnete’, Christianus
(Ableitung von Christus), Clemens ‘der Milde’, Dominikus
‘dem Herrn gehörig’, Constantinas ‘der Standhafte
Gregorius (griechisch) ‘der Wachsame’; Elisabeth (hebrä-
isch) ‘mein Gott ist mein Eid’ (?), Beata (lateinisch) ‘die
Glückselige’. Als keltisch-christlicher Name wird Brigida

7
4
v unser Brigitte) betrachtet, ‘die Hohe, Erhabene’
(?)• Ein
merkwürdiger Fall ist Jordan (in Mainz 779), nach
dem
Fluß in Palästina, besonders beliebt seit den Kreuz-
zügen, da man die Kinder mit Jordan wasser zu
taufen
pflegte. In dem vonW. Scharf vorgelegten Braun
schweige r
Material des 14. Jh. erscheint dieser Name 24mal als
Jorden oder Jordan. Produktiv blieb er in Belgien
und
den Niederlanden, wo man auch neue zweigliedrige
Namen
davon bildete: Jordoinus, Jordildis (mit den
germanischen
Namenwörtem -wini und -bild).
Doch der Anteil solcher christlichen Namen in jenen
Jahrhunderten darf nicht überschätzt werden. Die Mehr-
zahl auch der Geistlichen trug immer noch deutsche
Namen. Bei den Basler Kanonikern des 9. Jh. finden sich
nur 7 fremde gegenüber 220 deutschen Namen (s. auch
8. 49).
Nach der Wende des ersten Jahrtausends treten die
alttestamentlichen Rufnamen zurück. Sie werden weit
hin als jüdisch betrachtet, verschwinden aber nicht völlig
Im Braunschweig des 14. Jh. sind mehrfach Daniel, David
Elias verzeichnet. Von 160 Personen tragen in Köln im
12. Jh. 18 einen Rufnamen aus dem Alten Testament.
Der bisher erwähnte Zufluß fremder Namen hat den
altdeutschen Namenschatz nur unbeträchtlich ergänzt.
Unsere Namen Heinrich, Dietrich, Konrad usw. herrschten
nach wie vor bis ins hohe Mittelalter. Diese Lage ändert
sich erst seit der zweiten Hälfte des 12. Jh. mit der ge-
steigerten Heiligenverehrung. In dem Heiligenkult
hatte die katholische Kirche ein außerordentlich volks-
tümliches Mittel zur Förderung der Religiosität der breiten

7
5
Volksmassen entwickelt, und zwar in einem internatio-
nalen Rahmen. Heilige wurden Schutzpatrone bestimmter
Berufe, Länder und Stämme, Ortschaften und — seit dem
15./16. Jh. vor allem — Einzelpersonen: Nikolaus für See-
fahrer und Kaufleute, Georg für die Ritter, Hubertus für
die Jäger, Lukas für die Maler. Im deutschen Michel von
heute lebt Michael als Schutzpatron der Deutschen fort
in Bayern war dies Ruprecht, in Mainfranken Kilian.

7
6
Nach dem Heiligenkalender, nach den Heihgentagen
wurden die Termine des alltäglichen Lebens und der
Festtage bestimmt. Im bäuerlichen Leben hat sich
diese
Gepflogenheit mit Jahresmarkierungen wie zu
Johanni
und zu Michaeli(s) und mit der Martinsgans bis in
unser
Jahrhundert erhalten. Eine besondere Rolle bei der
Pflege
des Heiligenkultes kam den volkstümlichen Orden der
Franziskaner und Dominikaner zu. die seit Anfang des
13. Jh. auch in Deutschland tätig waren. Auch das Wall-
fahrtswesen und die Popularisierung der Heiligen, ihrer
Namen und Symbole in Baukunst und Malerei, auf
Münzen und Siegeln trugen zur Festigung des Heiligen-
kultes im Volke bei. Die Namen der Heiligen wurden
auf Krankheiten bezogen, die sie heilen sollten (St. Blasius
Blasen- und St. Augustin Augenkrankheiten usw.). Unter
diesen Umständen ist es ganz natürlich, daß die Heiligen
auch immer stärkeren Eingang in die Rufnamengebung
fanden. Ein Maler konnte seinen Sohn Lukas, ein
Kaufmann ihn Nikolaus nennen und damit den Schutz-
patron seines Berufes im Namen des Kindes ehren. Das-
selbe gilt für die Schutzherren von Ländern, Stämmen
und Städten. Aber es brauchten auch gar keine solchen
Beziehungen vorzuhegen. Der Heilige war ganz allgemein
nachahmenswertes Vorbild, und schließlich wurde der
Name einfach Mode. Die einstige sprachliche „Bedeutung“
dieser meist hebräischen, griechischen oder lateinischen
Namen konnte hier natürlich gar keine Rolle mehr spielen
und blieb den Massen völlig unbekannt. Die Kirche hatte
es nicht nötig, eigens noch offiziell für die Wahl solcher
kirchlichen Rufnamen einzutreten. Das geschah erst mit
der Gegenreformation: Das Konzil von Trient (1545—1563)
forderte christliche Taufnamen und verwarf die so-
genannten „heidnischen“.
Norditalien und Südfrankreich waren Deutschland
7
7
hierin vorausgegangen. Dort waren manche dieser Namen
schon üblich, bevor sie im Rahmen des Heiligenkultes
ihre Bedeutung gewannen. Von Frankreich ging auch der
Dominikaner-, von Italien der Franziskanerorden aus.

7
8
Schließlich stand Deutschland unter starkem kulturellem
und ökonomischem Einfluß der Romania, der romani-
schen Welt, die auch in ihrer gesellschaftlichen Entwick
lung viel weiter fortgeschritten war (darüber auch unten
S. 84).
Der Zustrom fremder kirchlicher Namen drängte die
heimischen Männer- und Frauennamen stark zurück und
hat seine Bedeutung bis in die Gegenwart behalten.
Bezeichnenderweise machten mit der Mode nicht die
herrschenden Schichten der Feudalgesellschaft, nicht der
hohe Klerus und der Adel den Anfang. Unter den Erz-
bischöfen und Bischöfen von Köln, Mainz und Trier be-
gegnen uns zwischen 750 und 1500 nur 14 fremde Namen
gegenüber 136 heimischen; von 49 Corvey er Äbten zwi-
schen 822 und 1504 trägt ein einziger, von 23 Freisinger
Bischöfen 993—1410 tragen 3 einen Fremdnamen. Di**
deutschen Könige führten bis zu Maximilian I. deutsche
Namen — mit zwei Ausnahmen: Philipp von Schwaben
(1198—1208) und Wenzeslaus (1378—1400) aus dem luxem-
burgisch-böhmischen Hause, Sohn Karls IV. Der neuen
Mode aufgeschlossener war das Bürgertum, auf das ja
auch weitgehend die Popularisierung der Heiligen zunächst
abgestimmt war.
Für die räumliche und zeitliche Ausbreitung
der neuen Namen ist — entsprechend dem oben über den
Einfluß der romanischen Welt Gesagten — die West-Ost-
Richtung kennzeichnend. Allerdings bedarf diese grobe
Angabe im einzelnen berichtigender Ergänzungen. So
bleiben etwa Württemberg und die Steiermark hinter den
anderen südwestlichen und östlichen oberdeutschen Ge
bieten zunächst etwas zurück. In Köln finden sich schon
im 12. Jh. 137 Fremdnamen (= 14% aller Namen), in der
Gegend von Basel nehmen die Fremdnamen seit 1270
stärker zu. In Bayern dagegen herrschen im 13. Jh. noch
die heimischen Namen vor. Im schwäbischen Ravensburg
überwiegen unter den Männernamen die heimischen nocl
am Ende des 14. Jh., während die Frauennamen — aller
dings in weit geringerer Anzahl belegt — schon von aer

» Deutsche Personennamen 79
ersten Hälfte des 14. Jh. an mehr Fremdnamen auf
weisen; diese nehmen stetig zu und betragen am Ende
des 14. Jh. fast schon das Vierfache der heimischen
Namen. Einige Beispiele aus dem Osten: in Breslau sind
bis 1320 69% der Rufnamen deutsch, in der Zeit von
1361—1400 51%. Von den Dresdener Ratsmitgliedern
tragen im 14. Jh. 49 einen heimischen und 59 einen frem-
den Namen, im 15. Jh. ist das Verhältnis schon 15 : 134
In Zerbst nehmen die Fremdnamen folgendermaßen zu:
1329 - 57,2%, 1399 - 73,5%, 1449 - 81,2%, 1572 - 93%.
In Hamburg begegnen im 13. Jh. 556 deutsche gegen-
über 60 fremden Rufnamen. Dabei ist jedoch zu bedenken,
daß zwar die Zahl verschiedener Fremdnamen geringer
sein kann als die verschiedener deutscher Namen, die
Fremdnamen aber dennoch von einer größeren Personen
zahl getragen werden können, weil eben sehr viele Jo-
hannes und Nikolaus heißen. In Lübeck z. B. beträgt der
Anteil der Fremdnamen bis 1350 15%, sie werden aber
von 27% der Bevölkerung getragen.
War im Laufe des Mittelalters schon bei den heimischen
Rufnamen eine Verteilung von immer weniger Na
men auf immer mehr Personen eingetreten, so gilt
das in ganz besonderem Maße für die Fremdnamen. Eine
ganze Reihe von ihnen, wie z. B. Brictius, Elegius, Eusta
chius, Gallus, Hilarius, Kilian,Quirinus u. a., haben kaum
mehr als örtliche Bedeutung erlangt. Die außerordent
liehe Zunahme der fremden Namen besteht vor allem
darin, daß einige wenige von ihnen überall behebt wurden
und in den verscliiedensten lautlichen Varianten er-
scheinen (darüber unten S. 53 ff.).
Die verbreitetsten männlichen Fremdnamen sind
Johannes, Nikolaus und Petrus, gelegentlich tritt noch
Jakob hinzu. Johannes heißen zwar 994 Heilige, aber dei
Rufname bezieht sich meist auf Johannes den Täufer
er steht in den meisten Gegenden weit an der Spitze
In der Dachauer Gegend tragen 1532 32% aller gezählter
Personen diesen Namen, in Zerbst erreicht er 1399 einen
Anteil von 26,8% am Gesamtnamenschatz. Der Rufname

B
0
Nikolaus (griechisch), ‘Sieg’ und ‘Volk’ als Wortstämme
enthaltend, geht auf den Bischof Nikolaus von Myra in
Kleinasien zurück (gest, um 350), Petrus ist einer der
populärsten Apostel. All diese Heiligennamen sind auch
eng mit volkstümlichem Brauchtum verknüpft. Auf die
Namen der Dresdener Ratsmitglieder bis 1500 verteilen
sich die Johannes, Nikolaus und Petrus wie folgt:
14. Jh. 15. Jh.
Johannes 30,5% 33,6%
Nikolaus 23,7% 13,4%
Petrus 15,2% 370/0
Gelegentlich ist die Reihenfolge auch etwas anders. In
Bern folgt 1375/76 Johannes (184mal) auf Petrus (192).
danach Nikolaus (34) und Jakob (15). In Breslau steht
Nikolaus (26,4%) in der Zeit von 1361—1400 vor Johannes
(2O,2°/o), was man mit der Nikolaus Verehrung im siato
sehen Umkreis in Verbindung gebracht hat. Doch deck'
sich die Verbreitung eines Heiligennamens nicht immer
mit dem Kultraum. So ist z. B. der Name Maternus
(Matern, Ternes) in der Umgebung des Kultzentrums
Trier selten, weit häufiger dagegen in der CSSR, Polen
und Ungarn, wo der Heilige teilweise nie verehrt-wurde
Seit dem 15. Jh. wächst — landschaftlich unterschied-
lich — die Zahl verschiedener Rufnamen wieder etwas an
— durch neue, teilweise nicht-kirchliche fremde und hei-
mische Namen. So geht die Konzentration auf bestimmt*
wenige Modenamen wieder zurück, abgesehen vielleicht
von Johannes. In katholischen Kreisen wurde später aller
dings auch dieser Name durch Joseph, bezogen auf der
Zimmermann, den Vater von Jesus, zurückgedrängt
dessen Name wurde seit 1729 in der Allerheiligenlitane1
geführt, und er wurde 1870 zum Patron der römischen
Kirche erklärt.
Die Verbreitung der weiblichen Fremdnamen steh
nicht mit der gleichen Deutlichkeit vor uns, da Frauen
namen in der schriftlichen Überlieferung, den Urkunden

5
1
und Stadtbüchern usw. viel weniger auftreten.
Immerhin
gibt es einige Anhaltspunkte. Im mittelalterlichen
Zerbst
stehen an der Spitze Margarethe (griechisch,
orientalisch),
wohl ein Wort für Perle enthaltend, mit 22,7% und
Katharina (griechisch) ‘die Reine’ mit 18,1%, weiter
zurück folgt Elisabeth (4,7%). Dieser Name wurde
aller-
dings nach dem 13. Jh. durch die heilige Elisabeth von
Thüringen weithin beliebter und nimmt unter den Lü-
becker Frauennamen bis zur Mitte des 14. Jh. die erste
Stelle ein, gefolgt von Greta (Margarethe). Im
schwäbi-
schen Ravensburg ist im 14. und 15. Jh. die
Reihenfolge:
Elisabeth, Anna, Ursula (lateinisch) ‘die kleine Bärin’
(Stadtpatronin von Köln), Margarethe. Anna ist als
Kurz-
form zu Johanna hebräisch und entspricht Johannes
(s. dort S. 46); es gibt aber auch einen deutschen
Frauen-
namen Anna als Femininum zu Anno, Kurzform eines
Vollnamens mit dem Anfangsglied Arn-. Beliebt
wurde
der Name jedoch erst mit dem Kult von Marias
Mutter,
besonders seit dem 15. Jh. In dem Märchen ,,Hänsel
und
Gretel“ hat der Volksmund also den verbreitetsten
männ-
lichen mit einem der beliebtesten weiblichen
Rufnamen

5
2
des späten Mittelalters gekoppelt.
Eine Reihe von Heiligen trug auch heimische,
deutsche Namen. Diese blieben dann mit den fremden
Heiligennamen „produktiv“. Das gilt z. B. für Konrad
(so hießen 35 Heilige), Burkhart, Leonhart, Bernhart
Wolfgang, Heinrich u. a. Bisweilen konnte ein Kind nach
einem Heiligen einen recht seltsamen Vornamen erhalten
In einer bestimmten Gegend des ehemaligen Hochstiftes
Bamberg wurde ein Fuhrmann namens Überkum (gest,
um 1440) als Lokalheiliger verehrt und sein Name dann
als Rufname verwendet. 1588 heißt einer überkum Seel-
mann, un) 1590 Uberkhum Künig.
Auch außerhalb des Heiligenkultes wurden natürlich
fremde Namen übernommen, die aus Sage, Ge
schichte oder Literatur bekannt und beliebt waren
Doch ist ihre Zahl weit geringer. Sie sind in der Regel
auf bestimmte Bevölkerungsschichten, vor allem Adel

5
3
und Bürgertum, beschränkt und haben sich meist auch
nicht bis heute als Vornamen erhalten. So erscheinen
Achilles und Alexander schon im 12. Jh. in Köln, im
14. Jh. Sander(us) aus Alexander in Braunschweig,
dort
auch 1402 Pylates, 1230 Menelaus in Koblenz.
Darius
tritt im 15. Jh. wiederholt im ehemaligen Hochstift
Bam
berg auf. Reflexe von Wolframs von Eschenbach „Par
zival“ sind im Namenschatz vielfach zu finden:
PirzevaU
von Eltz ist 1225 ein Domherr in Trier; K. Arneth
(Bam
berg) nennt für das 15. Jh. Parzival Marschalk. 1415
Parzefall von Seckendorf} 1484/90, auch schon einen
ent-
sprechenden Familiennamen (s. unten S. 123ff.) Fritz
Partzefal 1402. 1349 wird in Braunschweig erwähnt
ein
Hannese Roseken, de nu het Hannes Pertzeval. Es
begegnet
auch der Frauenname Herzeloyde und in Heilbronn
1442
ein Hans von Michelfeld, gen. Klingssore. Mehrfach
tritt
uns auch schon im Mittelalter der Name des Sultans
Saladin entgegen, den wir aus Lessings „Nathan“
kennen.
Ob der Name Rosamunde, der schon um 700 als Ros
munda, Rosemunda für eine Tochter des
Gepidenkönigs
Cunimundus und Gemahlin des Langobardenkönigs
Al-

5
4
boin auftaucht, ursprünglich mit lat. rosa ‘Rose’ zu
sammenhängt, ist fraglich.
Im slawisch-deutschen Berührungsgebiet erscheinen
manche der bekannten Heiligennamen in slawisierter
Form, meist mit einem slawischen Suffix versehen, so m
Dresden 1467 ein Nicoleschko (zu Nikolaus), 1501 Bartisch
titteler (zu Bartholomäus), 1456 Jaksche (zu Jakob). Dar
über auch unten S. 181f.

II. Die sprachliche Form der Fremdnamen. „Eindeutschung«'

Mit der Aufnahme in unseren Namenschatz wurden aie


Fremdnamen, gleichviel ob Heiligennamen oder nicht,
dem deutschen Laut- und Formensystem angepaßt und
allmählich „eingedeutscht“, wie es auch sonst mit Lehn-

5
5
Wörtern geschieht. Ebenso wie den Wörtern Fenster,
Ziegel,
Mauer heute nicht ohne weiteres mehr anzusehen ist,
daß
sie — allerdings weit früher als unsere Namen — als
lat.
fenestra, tĕgula, mürus ins Deutsche übernommen
wurden,
so bringt der Laie auch die Namen Matz, Jupp und
Tünnes
kaum noch mit Matthias (oder Matthäus), Joseph und
Antonius in Verbindung. Sie sind im deutschen Mund
weiterentwickelt, umgebildet worden.
Diese Umbildung ist zunächst die Folge der deutschen
Akzentuierung. Für die germanischen Sprachen ist der
sogenannte exspiratorische, dynamische Akzent kenn-
zeichnend. Er fällt in der Regel auf die erste Silbe; die
übrigen Silben werden lautlich reduziert und können
schließlich ganz schwinden. Das geschieht gerade bei den
Namen sehr oft, deren Lautkörper nicht durch einen
„Sinn“, eine lexikalische „Bedeutung“ (s. oben S. 7f.)
gestützt wird. So entstehen Kunst aus Konstantin, Finzel
aus Vincenz (lat. ‘der Sieger’), Lienert aus Leonhart, Zacher
aus Zacharias (hebr. ‘Gott hat gedacht’), Pitt aus Petrus,
Else aus Elisabeth, Käthe aus Katharina, Jan, John aus
Johannes und die weithin bekannten Formen Barthel aus
Bartholomäus (aramäisch ‘Sohn des Tholmai’) Michel aus
Michael (hebr. ‘wer ist wie Gott?’), Nickel aus Nikolaus,
die an deutsche Formen mit -LSuffix, z. B. Hertel (vgl.
S. 28f.) anzulehnen sind. Marx aus Marcus finden wir als
) Vorname z. B. in Theodor Storms Erzählung „Auf dem
Staatshof“. — Wenn die fremde Betonung auf der zweiten
oder dritten Silbe des Namens im Deutschen beibehalten
wird, dann kann auch der erste Bestandteil reduziert
werden und abfallen. So entsteht z. B. aus Nikolaus statt
Nickel (bei Anfangsbetonung) die Form Klaus mit End-
betonung. Weiterhin z. B. Hans aus Johannes statt Jan,
John, Görres aus Gregorius (griech. ‘der Wachsame’),

5
6
Dre(e)s aus Andreas, Dewes oder Debes aus Matthäus
(aramäisch ‘Geschenk Gottes’), Thies, Theis aus Matthias
(dasselbe), Lez aus Alexius (Kurzform zu Alexander,
griech. ‘Männer abwehrend’), Kobes aus Jacobus (hebr
‘[Gott] schützt’), Dix, Dictus aus Benedictus, 7;enz aus

5
7
Vincentius, Mewis aus Bartholomäus, Lipps aus
Philippus
(griech. ‘Freund der Rosse'), Sander aus Alexander,
Renz
aus Laurentius (lat. ‘der Lorbeergeschmückte’ oder
‘der
aus Laurentum’), Bohr, Borries aus Liborius (lat., un-
klar), Carges aus Eucharius, Stachies aus Eustachius.
Von
Frauennamen seien hier als Beispiele genannt Nelly,
Nele
(so heißt Till Ulenspiegels Gebebte) aus Cornelia
(ent-
spricht Cornelius, zu lat. cornus ‘Korneikirschbaum’
dessen hartes Holz als Zeichen der Stärke galt), Bete
aus
Elisabeth, Fia 13. Jh. aus Sophia (griech. ‘Weisheit’),
Trine aus Katharine, Bille aus Sibylle (griech.), Lene
aus
Helene (griech.) oder Magdalene (‘Frau aus Magdala’,
am
Galiläischen Meer).
Der Umlaut eines nichtpalatalen Tonsilbenvokale
durch i, j in der folgenden Nebensilbe ist bis ins 14 Jh
hinein produktiv gewesen. Davon zeugen auch die fremden
Rufnamen. Lat. Martinus ergibt im Deutschen Merten —
mit Umlaut a zu e. Entsprechend haben wir Jörg, Jürgen
aus Georgius (griech. ‘Landmann’) mit j- für g-, da g-
vielfach als Reibelaut gesprochen wurde (vgl. die be-
kannte jute jebratene Jans des Berliners), Juditha wurd^
über Jutta zu Jeut (so bei K. Arneth). — Es können auch
sogenannte analogische Umlautformen gebildet wer
den. In solchen Fällen enthält der Name gar kein t,
sondern der Umlaut ist „in Analogie“, in Angleichung
an solche Namen gebildet, wo ein i lautgesetzlichen Um-
aut verursacht hat. Bisweilen lassen sich beide Typen

5
8
licht streng auseinanderhalten. Henne aus Johann, Änne
aus Anna, Anne, Kläre aus Klara (französ. Claire) sind
weithin verbreitet. Auch Frentz 1510 in Dresden für Franz
aus Franziskus (mittellateinische Weiterbildung zu einem
germanischen Namen mit Frank-) gehört vielleicht hier-
her Heute ist der Frauenname Franze aus Franziska allen
falls noch gebräuchlich. Überhaupt scheinen sieh solche
f ormen mit analogischem Umlaut, der offenbar eine
kosende Funktion hat, in überlandschaftlicher Verbrei-
tung heute vor allem auf Frauennamen zu erstrecken.
Im Rheinland und einigen anderen westdeutschen Ge-

5
9
bieten, wo der analogische Umlaut besonders gehäuft
auf
tritt, gilt das allerdings nicht. Hier finden wir Kön,
Kün
(Konrad), Lern (Lambert), Hüp (Hubert), Kobes
(Jakob),
Jüs (August), Enders (Andreas), Paul, Riis (Rosa), Sis
(Susanna), Söff, Zöff (Sophie) (vgl. S. 24)! Denken wir
auch an die witzigen Kölner Tünnes (zu Antonius)
und Schäl (nicht ganz eindeutig)!
Ein weiteres Zeichen der Eindeutschung von Fremd-
namen ist die BildungvonKurzformenmitHilfe
deutscher Suffixe oder die Zusammensetzung
mit deutschen Namengliedern. Besonders häufig
erscheinen in Verbindung mit fremden Namen die Dimi-
nutivsuffixe -chen und -lein, -el, mit oder ohne Umlaut.
Stößel aus Christoph (griech. Christophoros ‘Christus
träger’), Brösel aus Ambrosius (griech. ‘der Unsterbliche’).
Hänsel, Hensel aus Johannes, Thomel aus Thomas (hebr.
Zwilling’), Lorel zu (E)leonore oder Lorenz, Pestel zu
Sebastian, -chen ist seltener als -el: Dresden 1362 Jenchin
Grose. Bei diesen Kombinationen kann der Name weit-
gehend umgestaltet werden. K. Arneth bringt für Pan-
kratius (griech. ‘Allherrscher’) die Kurzformen Banlein
Leicht 1555, Ponlein Hilpert 1561, Bonie Mager vor 1590.
Ponnla Zimmermann 1568, ja sogar Pola Schubei 1524
Auch andere der uns bekannten Suffixe begegnen in Ver-
bindung mit den Fremdnamen: Henning zu Johannes
(noch heute gebräuchlich), Peter mann. Kopeke zu Jakob
erscheint nach 1320 in Braunschweig, Jenicko (zu Jo-
hannes) 1482 in Dresden. Petz wird meist als Kurzform
zu Petrus betrachtet (Dresden 1362 Peez Munczer = Peter
Munczer 1337), entsprechend auch Petzold (noch erweitert
durch das deutsche Namenelement -old aus -wald, -bald),
als Rufname in Dresden 1328 Petzoldus Ruo. Andererseits
ist für Nürnberg aber auch die Namengleichung Perchtolt
putner 1363 = Petzolt Pütner 1370 belegt. Beide Erklä-
rungen sind also bei diesem Namen zu berücksichtigen

6
0
Bisweilen wird in die unverständlichen Fremdnamen
auch unter Anlehnung an deutsche Wörter sekundär ein
neuer Sinn eingedeutet. Durch solche pseudoetymolo-

6
1
gische Eindeutung wird z. B ein Balthasar zu einem
Waldhauser. Und wer vermutet in einem Baumgratz
ein
altes Pankraz, Pankratius, hinter einem Kehrein einen
Quirin (mit Diphthongierung i zu ei wie min zu
mein)II.
Ebenfalls infolge der Diphthongierung von i zu ei
finden
wir den Frauennamen Pia, 1338 Bige von Schaumberg
(mit hiatusfüllendem -g-), als Bei v. Heldritt 1337.
Die gleiche fremde Ausgangsform kann also im
Deutschen unter Umständen zahlreiche Varianten
ergeben. Die folgenden Namen gehören z. B. alle zu Niko-
laus: Nitz, Nit(z)sche, Niet(z)sch(e), Nitschke, Mikusch
Ni(e)kisch, Nickel, Niklas, Klaus, Clauß, Klawes, Klaas,
Klose, Klasen, Klasing, Klaßmann; zu Bartholomäus.
Bart(h)el, Bartusch (slaw.), Bartsch, Bartke, Mewes; zu
Margarethe: Marga, Grete, Grit, Gretel, Meta (vgl. auch
S. 127f.).
Viele dieser ehemals als Rufnamen üblichen Formen
begegnen uns heute nur noch als Familiennamen. Die
Vornamen werden in jeder Generation neu gegeben di<
Eltern greifen dann lieber auf die volleren Namen, nicht
auf die als,, volkssprachlich“, mundartlich, nicht als,,hoch
deutsch“ angesehenen Umformungen zurück. Die fesT
gewordenen Familiennamen dagegen lassen sich nicht
mehr ändern; oft ist auch die Beziehung zu dem Vor-
namen, von dem sie gebildet sind, völlig verlorengeganger
(vgl. S. 123ff ).

II Die Entwicklung seit dem Mitteialter

Die Entwicklung unseres Rufnamenschatzes seit dem


Mittelalter ist gekennzeichnet durch verschiedene Na
menmoden, von denen einerseits die Grundsätze der
Namengebung überhaupt beeinflußt wurden, die anderer
seits zur Bevorzugung bestimmter einzelner Rufnamen

6
2
C. Die Rufnamen vom Mittelaller bis zur Gegenwart

6
3
führten. Der Grundstock unserer Rufnamen hat sich
seit-
dem nicht mehr wesentlich verändert. Namen wie
Peter,
Michael, Hans, Bernhart, Konrat, Andreas, Brigitte,
Pia,
Judith, Hanna, Cornelia werden den Kindern heute
wie
vor 800 Jahren gegeben. Manche sind allerdings als
Ruf-
namen geschwunden oder zurückgetreten, wie z. B.
Kuni-
bert, Nlthart (Neithart), Gĕrwlc, Desiderius,
Dominikus,
Emerentia u. a., und neue sind aus fremden Sprachen
aufgenommen worden (darüber S. 63 f.). Einige
Rufnamen
haben sich auch geographisch auf bestimmte
Gegenden
„spezialisiert“ (s. unten S. 168).
Eine bemerkenswerte Erweiterung in der Rufnamen-
gebung stellen die Doppelvornamen dar. Sogar drei
und mehr Vornamen können einem Kinde später gegeben
werden. Weite Verbreitung gewinnt diese Sitte erst seit
dem 16. Jh. Einzelfälle hat es auch vorher gegeben. So
kennen wir Holfdietrich und Hugdietrich aus der Helden
sage; Kaiser Friedrich II. (1194—1250) hieß nach seinen
beiden Großvätern Friedrich Roger-, in einer Wiener Ur
künde begegnet 1211 ein Reinoldus Dietricus filius Bite-
rolfi. Aber abgesehen von diesen seltenen Zeugnissen
trugen unsere Kaiser und Könige ebenso wie die Bürger
und Bauern im Mittelalter nur einen Rufnamen: Otto,
Heinrich, Friedrich, Konrad. — Häufiger werden in
Deutschland die Doppelvornamen zunächst beim Adel,
und zwar im Süden und Südwesten. Im 16. Jh. treten sie
bei den Bürgern der Städte auf — in der geographischen

6
4
Verbreitung allerdings unterschiedlich. In den nord-
deutschen Städten überwiegen bis ins 17. Jh. die einfachen
Rufnamen, in den thüringischen Städten Eisenberg und
Altenburg sind die Bürger 1555/56 noch ohne Doppel-
vornamen, unter 256 Schülern der Fürstenschule Meißen
1571—1580 sind nur 12 mit Doppelvornamen (meist Ad
lige); in Freiburg im Breisgau dagegen sind diese schon
relativ häufig. Auch für Bamberg bringt K. Arneth schon
im 16. Jh. Beispiele wie Heintz Ruprecht Quas 1520, Hans
Marx Marckmüller 1552, Hans Wilhelm Schöner 1574
Hans Jacob Allinger, Hans Hektor Schadt, Hans Cunrat

6
5
But'lein, Hans Werner Kerleußer 1588. Hier setzt man
dem sehr häufig vorkommenden Rufnamen Hans noch
einen zweiten wohl zur besseren Unterscheidung bei.
Auch
das Bestreben, mehrere Paten oder Vorfahren im
Namen
des Kindes zu ehren, mag diesen Brauch gefördert
haben
Bei Katholiken kann auch der Wunsch mitgewirkt
haben,
dem Kinde den Schutz mehrerer Heiliger oder
Namens-
patrone zu verschaffen. Schließlich hat auch ein
gewisses
Geltungsbedürfnis, eine Art Prunksucht mitgespielt —
so
wenn eine 1891 geborene österreichische Erzherzogin
20 Vornamen erhielt. Mehrfach erließen die Behörden
Vor-
schriften gegen diesen ,,Namenluxus“. Nach der
Magde-
burger Kirchenordnung von 1685 waren nur zwei Vor-
namen gestattet.
Heute begnügen wir uns in der Regel mit zwei, allen-
falls drei Vornamen. Erhält ein Kind mehr, dann emp-
finden wir das schon als übertrieben. Mehr verbreitet ist
hingegen die Gepflogenheit, zwei Vornamen zu einem zu
verschmelzen — mit oder ohne Bindestrich geschrieben
Auf diese Weise erhalten vor allem alltägliche Namen wie
Hans, Hanne, Grete in der Vorstellung der Eltern einen
,,aparten Klang“: Hanswerner, Hans-Gert, Hans-Christoph,
Hans-Uwe, Hans-Michael, Hansjürgen, Hansjoachim;
Hannelore, Annegret, Anne-Dore, Annemarie; Karlheinz,
Klaus-Jürgen, Frank-Michael. Anne allein heißt heute
kaum noch ein Mädchen, und auch der NameHu/o allein
nimmt sich recht sonderbar aus (deshalb Hugo Leichtsinn

6
6
als personifizierter Begriff in Verkehrserziehung und Ar-
beitsschutz), aber Hans-Hugo ist recht „brauchbar“. Eine
Koppelung von zwei auffälligen, ungewöhnlichen Namen
wird dagegen weithin als zu „dick aufgetragen“ gemieden
und, begegnet sie doch, belächelt: Ines-Andrea, Helke-
Isolde.
In so „verfeinerter“ Form hat also der Rufname Hans
seine außergewöhnliche Beliebtheit vom Mittelalter bis
Heute bewahrt. In einem Ort der Pfalz tragen von
1662—1705 77 Kinder (von insgesamt 90) einen Doppel-
vornamen ; sie führen mit einer Ausnahme alle den Namen

6
7
Johannes oder Hans an erster Stelle Von 114
weiblichen
Doppelvomamen weisen 75 Anna. 27 Maria auf. Das
mag
in katholischen Gegenden mit darin begründet sein,
daß
es sich um Namen besonders hoch angesehener
Heiliger
handelte, die das Kind neben anderen unbedingt tragen
sollte.
Kennzeichnende Züge in der Entwicklung unserer Ruf-
namen seit dem Mittelalter sind weiterhin die Ausein
andersetzung zwischen den Anhängern der katholischen
Heiligennamen und den Verfechtern deutscher Namen
sowie die Erweiterung des Namenschatzes durch Namen
aus fremden Sprachen und nach literarischen Vorbildern.
Wenn im Zeitalter des Humanismus sogar Familien-
namen ins Lateinische oder Griechische übersetzt
wurden (s. unten S. 95 f.), so läßt sich denken, daß die
Lektüre antiker Schriftsteller auch die Rufnamen
Q beeinflußte. Es erscheinen Vornamen wie Ovidius, Hektor,
Hannibal, Caesar. Brandenburgische Kurfürsten heißen
Albrecht Achilles (1470—1486) und Johann Cicero (1486 bis
1499). Alte deutsche Namen wurden zu lateinischen um
gedeutet: Gerhart zu Erasmus, Jost zu Justus. Manche
dieser Namen, so Caesar und Cicero, sind heute noch al«
Hundenamen beliebt. Als Vornamen haben sich nur
wenige gehalten, so z. B. Augustus) (zu lat. augustus ‘hei-
lig, erhaben’), der 1526 im Hause Wettin auftaucht, und
Julius, den 1528 ein Weifenprinz bekommt.
Die Ablehnung der katholischen Heiligen-
namen im Zusammenhang mit Humanismus und Refor-
mation und der Entwicklung des Protestantismus führte
einerseits zu einer Bevorzugung von Namen des Alten
Testaments, andererseits zu einer Besinnung auf die alten
deutschen Rufnamen und sogar zur Bildung neuer Christ
licher V ornamen, die nichts mit irgendwelchen Heiligen zu
tun hatten (allerdings nicht überall, wie z. B. H. Wesche

6
8
neuerdings mit Bezug auf bäuerliche Kreise im Nord-
westen einschrärikt). Vornamen wie Holofernes, Abraham
David, Tobias, Isaak. Rebekka, Esther, Sarah, Salome, u a
sind also nicht auf jüdische Kreise beschränkt. Die katholi-

6
9
sehe Kirche wendet sich gegen diese Namen, weil
sie darin
ein Ausweichen vor den Heiligennamen sieht.
Georg W it z e 1
weist 1541 in seinem Onomasticon Ecclesiae bis
auf
wenige Ausnahmen die alttestamentlichen
Rufnamen
ebenso zurück wie die deutschen Rufnamen. Den
„christ-
lichen“ und „feinen“ Namen wie Agnes und
Sebastian
stellt er die „barbarischen“ deutschen Namen Wolf,
Ebert
Utz, Kunz, Fritz usw. gegenüber. Er lehnt auch die
ein-
gedeutschten Kurzformen der christlichen Namen
wie
Hans für Johannes usw. ab: „Es ist furwar nicht
fein /
das eben wir Deudschen Christen also unfleissig
und faul
sind / unsere eigen Tauffnamen auszusprechen /
Haben
uns darzu gewehnet / das wir offt schoene Namen
kaum
halb aussprechen / und machen so lame ding daraus
/
aas 8poettlich laut. Sollen wir Johan sagen / so
sprechen
wir Hen oder Hensel / Sollen die Sachsen Andres
sagen /
so spreken sie Drebes / und für Matthes / Debes /
für Eras-

7
0
mus I Kres I für Hieronymus machen etliche
Gruner / für
Egidius / Gilgen / für Cyriacus / Cilies . . . Und
solche Ver-
kürtzung der Tauffnamen wirt noch mehr gehoeret /
wenn
man die weibsbild nennet / da wirt gestümmelt der
name
Elisabeth / darfür etliche Lys sagen / und für
Catharin
sagen etliche Crein / etliche Trin / für Cecilia /
Cilien
für Apollonia / Ploen / für Gertrud Gele / für
Margret / Maret
oder Gret / für Künigund Koen / für Magdalen /
Lene / für
7/ucža / Cey . . . für Agnes / Nese / für Dorothe /
Doerdel
oder Doerle / für Sophia / Zoff.“ — Demgegenüber
tritt
Johann Fischart in seiner „Geschichtklitterung“
(1582'
mit Nachdruck für die deutschen Rufnamen ein.
„Soit
ein Kabisbauer in seim Kabiskopff nit besser
verstehn,
wann ich jhne nennt Wolff harte, Hildebrand,
Sigfrid, Fride
rieh, Gottfrid, Winrich, Hartmann . . . Eberhart vnd
Degen-
hartl Was? solt ich bei Männlichen Leuten nicht an-
genemer werden, wann ich ein solchen
Knebelbartfressiger
Namen hette, der von gethoen vnnd hall den Leuten
7
1
auszusprechen ein lust gibt, als Eisenbart, Kerle,
Hoere
brand, Hartdegen, Schartdegen . . . Helmschrot ...
Sh
den Teuffel . . . usw.“

7
2
Die hier bei Fischart anklingenden Töne werden dann
vor allem von den Sprachreinigern des 17. Jh. auf-
genommen, deren Bemühungen der Ausmerzung von
„Fremdgut“ auch unter den Vornamen gelten. Philipp
von Zesen (1619—1689) übersetzt z. B. klassische Namen
ins Deutsche. Für Dorothea sagt er Himmelshulde, Phi-
lipp verdeutscht er mit Marhold, Markhold, Ritterhold.
Die antiken Götternamen Venus, Flora, Diana ersetzt er
durch Lustinne, Bluhminne, Weidinne usw. Auch bildet
er in diesem Geiste neue deutsche Namen wie Deutsch-
lieb, Dichtreich, Klugemunde, Rosalinde, Rubinemunde
Zum Unterschied von manchen Verdeutschungsvorschlä-
gen im Bereich der Appellativa (z. B. Mundart, Trauer
spiel, Verfasser, lustwandeln) haben sich diese verdeutsch-
ten Vornamen der Sprachreiniger kaum durchgesetzt
Ähnliche Bestrebungen wirken bis ins 19. Jh. Christian
H. Wolke aus Jever, ein Freund Campes, bildete z. B. die
Namen Blumine, Duldine, Sanftine, Wollustine, Anmu-
t(in)a, Heila, Wonna. Ganz vereinzelt begegnen solche
Namen noch heute, vor allem in Kreisen, die bewußt Ruf
namen mit kirchlich-religiösen Assoziationen meiden. So
las man 1961 in der Zeitung von einer 75jährigen Bluma.
Die neuen deutsch-christlichen Vornamen pro-
testantischer Kreise, die im 17. Jh. aufkommen, gewinnen
größere Verbreitung. Namen wie Gotthold, Gottlieb, Gott-
heit, Fürchtegott, Traugott, Thurecht, Leberecht, Ehrenfried
Erdmann (als Übersetzung von Adam), dazu auch Erd-
mandine (in Berlin um 1900) bilden für zwei Jahrhunderte
ein wesentliches Kennzeichen unseres Rufnamenschatzes,.
Man denke an Christian Fürchtegott Gellert (ein Brudei
von ihm hieß Christlieb Ehregott), an Friedrich Gottlieb
Klopstock, Gotthold Ephraim Lessing. Diese neuen Namen
sind gebildet wie die altdeutschen zweigliedrigen Ruf
namen, wie Gotthart und Siegfried. Heute sind nur noch
wenige davon gebräuchlich, so vielleicht Gotthold.
So wie die Sprachgeschichte nur im Zusammenhang
mit der Geschichte des Sprachträgers, des Volkes,
verstanden werden kann, so spiegeln sich auch in der

7
3
Geschichte der Rufnamengebung politische Verände
rungen, kulturelle Entwicklungen, ideologische Strö-
mungen. Das ist schon bei der Erörterung der altdeutschen
Rufnamen deutlich geworden, gilt ebenso für die Ent
faltung der Heiligennamenmode des hohen Mittelalters
und ließ sich auch bei der nachmittelalterlichen Entwick-
lung beobachten.
Unter diesem Gesichtspunkt sei hier noch kurz auf die
literarischen Einflüsse hingewiesen. Die volkstüm-
lichen Ritter- und Räuberromane des 16. und 17. Jh.
kultivierten vor allem Namen wie Benno, Berthold, Bruno
(so hießen vorwiegend „böse“ Ritter und Mönche), Erich,
Georg, Franz (diese beiden in Goethes „Götz“), Hugo,
Kuno u. a.; Adelheid (ebenfalls im „Götz“), Agnes, Bertha,
Hulda, Kunigunde, Othona, Wulfhilde u. a. Die von Theo-
krit und Vergil herkommende Schäferpoesie des Rokoko
förderte die Übernahme fremder Namen wie Damis
und Chrysander (in Lessings „Jungem Gelehrten“). Da
mon, Phyllis, Chlorinde, Lucinde (vgl. Schlegels „Lu
cinde“), die allerdings — bis auf Doris — ohne nachhaltige
Wirkung geblieben sind, aber die Ossian-Fälschur.g des
Schotten Macpherson brachte eine Reihe von Namen,
unter denen Malwine und Selma — dies eigentlich ein
Ortsname! — bei uns längere Zeit heimisch geblieben sind
In Klopstocks Gedicht „Selma und Selmar“ begegnet uns
sogar eine zu Selma gehörige männliche Form.
Französische Namen wurden zumal seit dem wach-
senden politischen und kulturellen Einfluß des Reiches
des „Sonnenkönigs“ behebt. Lisette und Henriette heißen
Mädchen in Lessings Jugenddramen; ferner Annette,
Babette, Charlotte, Louise, Claire (also besonders weibliche
Vornamen!), Louis, Jean. Wie im appellativischen Wort-
schatz so traten auch im Namenschatz neben die franzö-
sischen Entlehnungen im 19. Jh. immer stärker die eng-
lischen. In Berlin sind um 1900 weibliche Vornamen im
Zunehmen wie Daisy, Cary, Ellen, Ellinor, Harriet, Lizzi
u. a. Teilweise schon eher kennen wir Willy, Harry, Ed
win, Edith, Jenny, Betty, Maud (= Mathilde, Magdalene'

7
4
MoUy (= Mary). Aus slawischen Sprachen haben
wir
entlehnt Feodor(a), Kathinka, Olga, Wanda,
Ludmilla,
Casimir, Wenzel; aus dem Nordischen z. B. Sigrid,
In-
grid, Knut, Hjalmar. Welche Ursachen den
einzelnen
Namen jeweils besonders gefördert haben, läßt sich
nicht
immer, aber doch in einer Reihe von Fällen
erkennen.
Davon soll unter anderem im nächsten Abschnitt die
Rede sein.

II. W ie nennen wir unser Kind J

Den kultischen „Heilwunsch“ unserer Vorfahren ver-


binden wir heute nicht mehr mit der sprachlichen „Aus-
sage“ des Namens, den wir unserem Kinde geben. Die
Namen haben in diesem Sinne — wie schon mehrfach
betont — keine lexikalische „Bedeutung“ mehr. Und doch
ist uns nicht gleichgültig, welchen Namen das Kind be-
kommt. Bisweilen wird lange überlegt, verschiedene Ge-
sichtcpunkte werden erwogen, jener Name wird verworfen,
dieser nach langer Prüfung gewählt. Man befolgt Storms
Ratschlag: „Bedenk es wohl, eh du sie taufst! Bedeut-
sam sind die Namen; Und fasse mir dein liebes Bild Nun
in den rechten Rahmen. Denn ob der Nam’ den Menschen
macht, Ob sich der Mensch den Namen, Das ist, weshalb
mir oft, mein Freund, Bescheidene Zweifel kamen; Eine
aber weiß ich ganz gewiß. Bedeutsam sind die Namen!...“
„Bedeutsam“ ist hier nicht gemeint im Sinne einer
lexikalischen „Bedeutung“, sondern im Sinne der Asso-
ziationen, die ein Name hervorruft, oder auch der ästhe-
tischen Wirkungen, die von ihm ausgehen, wenn es bei
Storm später heißt: „Auch fing sich oft ein Freier schon,
7
5
Dem Fischlein gleich am Hamen, An einem ambra-
duftigen, Klanghaften Mädchennamen“.
Die seit dem 15./16.Jh. so kennzeichnende Namen
gebung nach einem (oder mehreren) Heiligen als
Schutzpatron des Kindes ist heute in katholischen
Gegenden noch bis zu einem gewissen Grade üblich. Auch

7
6
mer ist aber eine ..Mechanisierung eingetreten. Man
wählt einfach den Namen des Kalenderheiligen des Ge-
burts- oder Tauftages oder kirchlichen Festes, nicht den
Namen eines bestimmten, besonders beliebten oder für
das betreffende Kind aus irgendwelchen Gründen gerade
gewünschten Heiligen. Infolge dieses mechanischen Vor
gehens kommt es zu Rufnamen wie Petri Kettenfeier
Rosegger (so hieß eigentlich Peter Rosegger) oder Natalie
laus dies natalis ‘Jahrestag’), sogar Omnes Sancti (Frei
bürg i. Br. schon im 16. Jh. Allerheiligen Kögel). Wahr
scheinlich hat dieser Brauch auch mitgewirkt bei der
Wahl des Namens Maria für Männer {Carl Maria v. Weber.
Rainer Maria Rilke, Oskar Maria Graf). — In manchen,
auch nichtkatholischen, Gegenden ist es bis in jüngste
Zeit hinein üblich, auch die Paten bei der Namengebung des
Kindes zu berücksichtigen. Manche tragen drei oder mehi
Vornamen, damit jeder Pate „zu seinem Recht kommt
Bis heute wirksam sind auch die Motive der „tradi
tionellen“ Namengebung, vor allem nach Großelteri
und Eltern: Dresden 1511 Hanß windisch sampt seinen
sone auch Hansen gnant. Alt ist der Brauch, den Enkel
nach dem Großvater zu benennen. Karl der Große wai
der Enkel Karl Martells, Pippin der Kleine der Enke)
Pippins von Heristal. Davon erzählen uns auch die ab
nordischen Sagas und die Überlieferungen von West
germanen und Goten. Wenn ein Kind heute mehrere Vor
namen erhält, dann entspricht einer meist dem der Mattei
oder Großmutter bzw. des Vaters oder Großvaters. Das
tut man in der Regel mechanisch, ohne „tiefere“ Beweg
gründe, höchstens in einer gewissen Pietät. Ursprünglich
mag dabei der Glaube an die Wiedergeburt des Groß-
vaters im Enkel und später auch das Bestreben mit
gewirkt haben, einen „günstigen“, „glückbringenden"
Namen in der Familie zu behalten, oder es hat sich um
corbildgemäße Namengebung gehandelt: Das Kin<
sollte dem Vorfahren nacheifern, so tüchtig werden wie
er. In Ostfriesland glaubt man z. B. noch heute, daß
Kinder dem gleichen werden, dessen Namen sie tragen

5 Deutsche Personennamen 77
In einer Gegend Badens gab der Arme seinem
Kinde den
Namen eines Reichen, damit es reich werde wie er.
Solcher vorbildgemäßen Namengebung entspricht es
letzten Endes auch, wenn das Kind den Namen eines
Herrschers — wir sprechen dann von dynastischen
Motiven —, unter Umständen auch eines Politikers, Heer-
führers, Künstlers erhält. Allerdings kann sich hierbei die
Blickrichtung auch etwas verschieben und weniger ein
Wunsch für das Kind als vielmehr eine Ehrung für den
vor bildhaften Namenträger damit zum Ausdruck kom-
men. Neben der üblichen Mode können auch nationale
und nationalistische Beweggründe mit im Spiele
sein. Die Bevorzugung ganz bestimmter Rufnamen durch
die großen Feudalgeschlechter spiegelt sich teilweise in
der Namengebung der von ihnen beherrschten ,,Unter-
tanen“ wider. So sind die Wittelsbacher in Bayern ge-
kennzeichnet durch Leitnamen wie Luitpold, Ruprecht
Arnulf, die Habsburger zunächst durch Leopold, Rudolf
Albrecht, Heinrich, Friedrich, wozu später noch Otto, Sigis-
mund, Maximilian, Joseph u. a. treten. Bei den Wettinern
in Sachsen heißt man August, Johann, Albert, bei den
Hohenzollern in Preußen Albrecht, Friedrich, Wilhelm,
Luise. In Weimar waren die Doppelnamen sehr beliebt
Karl August, Karl Friedrich, Karl Alexander, Wilhelm-
Ernst. Heinrich schätzen, angefangen bei dem Sachsen-
könig Heinrich I. (919—936), die meisten deutschen
Kaisergeschlechter; der Name hat dadurch in ganz
Deutschland weite Verbreitung erlangt, in jüngerer Zeit
besonders in den Formen Heinz und Heiner). Als Voll
form begegnet er heute wieder öfter in Doppelnamen;
Hans-Heinrich, Horst-Heinrich u. ä. Bei den Frauen-
namen hängt die einstige Beliebtheit der Namen Mathilde
un<l Adelheid auch mit deren Bevorzugung durch das
sächsische Herrscherhaus zusammen. Mathilde hieß die
zweite Frau Heinrichs I., Adelheid die zweite Frau Ottos I
Der Vorname Gustav ist weithin im Andenken an den
Schwedenkönig Gustav-Adolf gegeben worden, vor allem
nach der 200-Jahr-Feier der Schlacht bei Lützen 1832

7
8
Auch Adolf hatte aus diesem Grunde größere
Verbreitung
erlangt, wird aber heute bewußt gemieden, da man
keinem
Kinde zumuten will, mit dem Vornamen Hitlers durch
die Welt zu gehen. Alexander war bis 1800 in Deutsch
land ziemlich selten. Seine steigende Beliebtheit nach
den Freiheitskriegen ist sicher an die Person des
russischen
Zaren Alexander geknüpft und ein Hinweis auf die da-
malige deutsch-russische Waffenbrüderschaft. Die Be
geisterung im Freiheitskampf gegen Napoleon hat aber
auch recht merkwürdige Blüten von Vornamen hervor
gebracht: Mädchen wurden Blücherine und
Gneisenauette
ja sogar Katzbachine (nach der Schlacht an der Katz
bach
1813) und Jungen Waterloo (1815) genannt, auch
Land
sturmine begegnet. — Eine Urenkelin Emst Moritz
Arndts
1872 in Koblenz geboren, erhielt die Namen Claudia
Caroline Sedanie Arndt (nach der Schlacht bei Sedan
1870). Der auch sonst in jenen Jahren vorkommende
Name Sedanie mag immerhin an Sidonie angelehnt
sein,
ebenso wie Gravelotte (1870) an Charlotte. Aber
Napoleor
verlor seine Anziehungskraft nicht völlig: um ’ 900 er
scheint der Vorname in Berlin. Auch Bismarck,
Zeppelin
Hindenburgia sind als Vornamen verwendet worden.
In
Mecklenburg soll in der Zeit der faschistischen
5’ 79
Herrschaft
sogar der Name Hitler ine, gegeben worden sein. —
Der
Dichter und Musiker E. T. A. Hoffmann hatte sich der
Vornamen Amadeus aus Verehrung für Wolfgang
Amadea
Mozart zugelegt. Der Nordpolfahrer Nansen (1861—
1930
war das Vorbild für einen Berliner, der um 1900
seinen-
Sohn den Vornamen Fridtjof gab. Der Ingenieur
Viktor
Klimm nannte seinen Sohn, wie am 17. 2. 1961
gemeldet
wurde, nach dem ermordeten kongolesischen Minister
Präsidenten Patrice Lumumba.
Von großer Bedeutung sind auch heute immer noch
<ie schon oben gestreiften literarischen Einf 1 isse
«*uf die Namenwahl. Dazu tritt jetzt noch der Film
So kamen einst Fanny für Franziska aus Fieldings Romai.
. Joseph Andrews“, Edgar und Edmund aus Shakespeares
„King Lear“. Hermann und Thusnelda wurden durch

8
0
Klopstock beliebt, und mit der „Hermannsschlacht'
Kleists und Goethes „Hermann und Dorothea“ blieb
der
Männername im Schwange. Julie kommt im
Mittelalter
kaum vor, die Renaissance kennt den Vornamen
Juliane,
z. B. Juliane von Nassau, die Mutter Wilhelms I. von
Oranien (geb. 1506 am Vorabend des Tages der
Heiligen).
Erst Rousseaus Roman „Julie oder die Neue Heloise“
(1761) verschafft dem Namen Julie einen neuen
Aufstieg:
so nennt Goethes Schwager Schlosser unter dem
Einfluß
Rousseaus seine Kinder Julie (1779) und Eduard
(1785).
Auch Emil wird durch Rousseaus Roman „Emil oder
die
Erziehung“ (1762) außerordentlich behebt. Noch
größeren
Anklang sollte allerdings der dazugehörige weibliche
Vor-
name Emilie finden; eine der frühesten Zeuginnen
dafür
ist die 1804 geborene Emilie Schiller, eine Tochter
unseres
Dichters. Wally, als Kurzform von Valentine, wird ge-
fördert. durch Gutzkows Roman „Wally, die
Zweiflerin“
(1835). Das Aufblühen des slawischen Namens
Wanda
steht wohl mit unter dem Einfluß des Dramas von
Zacharias Werner „Wanda, Königin der Sarmaten“.
5’ 81
Scheffels „Trompeter von Säckingen“, 1900 in 250
Auf
läge erschienen, kultivierte Namen wie Ekkehard,
Werner,
Margarete Bei Heyse finden wir u. a. Edwin,
Guntram,
Hans, Ludolf -, Esther, Irene, Lilli, Lucie; bei
Sudermann
Frank, Ulrich, Ada, Daisy, Elly, Else, Felicitas,
Hertha,
Kitty, Meta. Zur Verbreitung von Senta (wohl aus
Sancta)
hat Wagners ..Fliegender Holländer“ beigetragen. Dif
unter den Volksmassen verbreitete
Unterhaltungsliteratur
gab und gibt zum Teil noch die Anregungen für die
Vor-
namen in höherem Maße als die Perlen der Dichtkunst
Doch konnte ein Literaturprofessor seinen Sohn auch
Malte nennen nach Rilkes „Aufzeichnungen des Malte
Laurids Brigge“. Aus J. Tralows „Aufstand der
Männer
stammt in jüngster Zeit der Mädchenname Adna.
Der Film hat in letzter Zeit seinen Beitrag geleistet
etwa mit dem Mädchennamen Kerstin aus dem schwe
dischen Film „Sie tanzte nur einen Sommer“ (in den
fünfziger Jahren). Auch der Schlager popularisiert voi

8
2
allem Mädchennamen, so werden Marina und Ramona
besungen und verbreitet Namen von Filmschauspielern
und -Schauspielerinnen können ebenfalls anregend wirken
Greta Garbo, Kirsten Heiberg, Danielle Darieux.
Dies alles führt hin zu dem heute zweifellos stärksten
unter allen die Namengebung bestimmenden Faktoren:
der Mode. Namen werden „Mode“ und kommen „aus
der Mode“ wie die H-Linie, die weiten Röcke und die
Pfennigabsätze. Ein „tieferer“ Sinn ist darin nicht zu
finden. Es können gelegentlich die oben erwähnten Ge-
sichtspunkte noch eine zusätzliche Rolle spielen, abei
sicher nicht in der Mehrzahl der Fälle. Dazu kommt auch
noch ein Streben nach Originalität, nach ungewöhn-
lichen Namen, nur selten eine Bemühung um Unauf-
fälligkeit, und schließlich sind auch euphonische
Gründe — vielfach der Zusammenklang von Ruf- und
Familiennamen — mitbestimmend. Der Name klingt
schön“ oder ,glicht besonders“, ist „zu alltäglich“ oder
„etwas Besonderes“. Das „Besondere“ muß aber in der
Modelinie liegen, neu und wirksam sein. Kaum jemand
wird seine Tochter heute Amalie oder Augustine nennen.
Diese Namen „klingen altmodisch“. Doch könnten auch
manche von ihnen eines Tages wieder modische Geltung
erlangen. Modenamen erscheinen rasch in großer Zahl,
und infolgedessen kann ihre Beliebtheit auch rasch wieder
zurückgehen. — P. Heyse schildert die Überlegungen einer
Mutter bei der Namensuche in „Kinder der Welt“: „Die
Mutter, die den schönen, feierlichen Namen Nanna führte,
wollte von einem Fritz oder Karl für ihren Erstling
nichts hören, sondern nannte ihn Edwin . . Für den
zweiten war ihr „der Name des Frühlingsgottes 'Balder)
gerade gut genug“. In Emst v. Wildenbruchs „Schwester-
Seele“ ersinnt der Regierungsrat Nöhring für seine Kindei
.schöne poetische Namen. Nicht solche gewöhnliche, tri-
viale . wie Auguste, Emilie, Ottilie oder Gustav, Julius
oder Anton — nein — schöne Namen, phantastische,
stimmungsvolle Namen . . . Und so war er zu dem Eile-
schlüsse gelangt, daß, wenn ihm das Schicksal einen

«
9
Knaben schenken sollte, dieser nicht anders heißen dürfte
als Percival und das etwaige Mädchen Freda . .
Als Beispiele für die Modeströmungen im Ruf-
namenschatz, für die Verschiebungen in der „Be-
wertung“, im „Rang“ einzelner Namen seien einige Zu-
sammenstellungen aus verschiedenen Gegenden und Zeiten
im folgenden angeführt.
Für den Ort Waldesch im Vorderhunsrück, der bis in
unser Jahrhundert bäuerlich bestimmt war, werden als
männliche Vornamen genannt: 1880 — Josef, Franz, Jo-
hann (2), Martin, Ferdinand, Matthias, Gottfried, Anton
(2), Paul, Jakob, Philipp-, 1920 — Hugo, Albert, Anton (2),
Franz, Johann, Josef (2), Nikolaus, Matthias-Rudolf, Peter-
Paul, Peter-Robert, Walter-Wilhelm-, 1955 — Erich,
Jürgen, Albert-Artur, Bernhard-Josef, Franz-Josef, Hans-
Dieter (2), Hans-Artur, Hans-Josef, Hans-Werner, Herbert-
Georg, Johann-Friedhelm, Jürgen-Josef, Reinhard-Hans,
Rudolf-Kurt, Walter-Gottfried, Werner-Gottfried. Als Mäd-
chennamen erscheinen: 1880 — Anna (2), Christine, Elisa-
beth (3), Gertrud (2), Helene, Katharina (2), Maria-Anna;
1920 — Anna, Barbara, Christine, Elisabeth, Gertrud,
Helene, Hedwig, Magdalena, Margarete (2), Agnes-Gertrud,
Anna-Elisabeth, Anna-Maria, Annette-Maria, Apollonia-
Anna, Hildegard-Sophia, Maria-Veronika-, 1955 — Elfriede
Hildegard, Mechthilde, Doris-Maria, Ellen-Gunlinde, Ga-
briele-Anna, Gisela-Maria, Inge-Kathrina, Inge-Maria,
Karoline-Brigitte, Katharina-Ursula, Magdalena-Alwine,
Mechthilde-Hannelore, Rita-Barbara. In dieser Aufstellung
zeigt sich deutlich die zunehmende Beliebtheit der Doppel-
namen auf dem Lande in der ersten Hälfte unseres Jahr-
hunderts.
Die Entwicklung unter den Schülernamen einer Ko-
burger Mädchenschule ergibt folgendes Bild: 1837 heißen
von 398 Mädchen Margarethe 35, Caroline 27, Elisabeth 24
Johanne 24, Dorothea 21, Bertha 18, Christine 18, Friede-
rike 15, Sophie 15, die übrigen Namen kommen weniger
als 15mal vor; 1861 sind unter 662 Mädchen die über
15mal vorkommenden Namen: Anna 79, Marie 45, Caro-

7
0
line 41, Bertha 27, Luise 24, Margarethe 23, Elise
22,
Auguste 21, Johanne 19, Friederike 18, Julie 17,
Sophie 17
Emma 16 (Christine ist zurückgegangen, Anna, Luise,
Elise, Auguste, Julie, Emma sind dazugekommen)
1901/02 heißen von 1295 Mädchen: Anna 93, Frieda
86,
Elsa 84, Martha 83, Marie 78, Rosa 60, Klara 58,
Erna 48,
Bertha 47, Luise 40, Emma 39, Johanna 32, Lina 31,
Ida 28, Auguste und Margaretha 27, Alma 26, Dora
24
Helene 24. In dieser Zeit ist also ein ganz neuer Ty p
herrschend geworden, die zweisilbigen Namen auf -a;
Caroline und Friederike sind verschwunden, ebenso
der
in der Generation vorher als Modename
aufgekommene
Name Julie. Unter 1310 Jungen überwiegen zur
gleichen
Zeit: Karl 98, Max 85, Aljred 79, Fritz 63, Ernst 62,
Hermann 53, Emil 47, Hans 45, Otto 44, Albert 40,
Franz
35, Heinrich 35, Paul 34, Wilhelm 34, Adolf 31, Willy
31,
Gustav 30, August 28, Friedrich 28, Georg 27, Alwin
25,
Robert 24, Walter 22.
Die von N. Pulvermacher für Berlin im Jahre 1900 auf
gestellte Statistik ergibt für diese Zeit ein Bild, das zu
dem oben entworfenen nur teilweise stimmt. Die häufig
.sten weiblichen Vornamen sind Margarethe, Gertrud
Martha, Frieda, Anna, Elsa, Marie, Charlotte, Hedwig,
Erna, Helene, Elisabeth. Ihnen entsprechen als männliche
7
1
Vornamen Wilhelm, Paul, Friedrich, Johannes, Karl, Max,
Walter, Erich, Otto, Franz, Georg, Konrad. Bezeichnend
ist die geringe Zahl der Vornamen überhaupt, die /er
wendet werden. 41000 Schüler tragen nur 600 verschie
Jene Namen. Wenn man die jeweils als selbständigen
Namen gerechneten Formen wie Charles, Karlos für Karl
u. ä. noch zusammennimmt, bleiben gar nur 400 ver
schiedene Namen übrig. Häufiger als einmal kommen nur
379 Namen vor, und zwar 187 männliche und 192 weib-
liche. Ganz neu in größerer Zahl aufgetauchte Modenamen
sind in dieser Zeit: die Männernamen Arno, Bot(hw
Edgar, Egon, Eitel, Ekkehard, Erwin, Frank, Gerhard,
Günther, Heinz, Helmut, Herbert, Horst, Joachim, Klaus,
Lothar, Peter, Werner, Wolfgang, Wolfram-, die Frauen-

7
2
namen Alice. Dora, Dorothea, Edith, Elfriede
Erika, Eva
Hanna. Hertha, Hilda. Hildegard, Ilse, Irene, Irma.
Irm-
gard, Lilli, Lola, Lucie, Ruth, Susanne. Valli, Vera.
Diese
Mädchennamen sind der Mode aufgeschlossener als
die
Jungennamen; sie begegnen zweimal so häufig wie
diese.
Auf dem Standesamt des 5. Stadtbezirkes in Leipzig
wurden 1956 als häufigste Namen gegeben Thomas und
Matthias, Christine und Cornelia. 1957 Andreas und
wiederum Christine. Unter 93 Jungennamen, die vom
September 1959 bis Juni 1961 in einem Stadtviertel
Leipzigs gegeben wurden, erscheinen an der Spitze Tho-
mas 8, Andreas 7, Matthias 6, Uwe 6; Thomas, Matthias,
Andreas scheinen sich mit dem vollen Auslaut -(i)os,
(e)os gegenseitig zu stützen. Die nächste Gruppe bilden
Frank 4, Ralf 4 und Jürgen 4, wozu noch 2mal Jörg —
kurze, bis auf Jürgen einsilbige Jungennamen. Mehrfach
begegnen schließlich noch Bernd 2, Bodo 2, Christian 2
Detlef 3, HeUmut(h) 2, Joachim 2, Michael 3, Peter 3
Reinhard 3, Stefan (Stephan) 3, wozu auch Steffen 2.
Volker 2. Nur einmal sind vertreten Benno, Bernhard
Dietmar, Eberhard, Hartmut, Holger, Jens, Lothar, Olaf
Rainer, Rolf, Ronald, Siegfried, Ulf, Veit, Wolfgang
Doppelnamen tragen 7 Jungen: Hans-Martin, Hans
Michael, Hans-Uwe, Claus-Jürgen, Klaus-Jürgen, Frank
Michael, Jens-Peter. Damit wird bestätigt, was oben über
die Bevorzugung von Hans in Doppelnamen gesagt ist —
Unter den 83 Mädchennamen aus dem gleichen Gebiet
und in der gleichen Zeit stehen an der Spitze Andrea 4,
Carola 3 (und Karola 1), Gabriele 4, Steffi 4. Sie reichen
in der Häufigkeit nicht an die Modenamen der Jungen
r
eran Es folgen dann Angelika 2, Brigitte 2, wozu Bir
git(t) 2 und Brit 1, Christiane 2, wozu Christiana 1 und
Christine 1, Elke 2, Ilona 2, Ilka 1, Ines 2, Ingrid 3

7
3
Karin 2 (und Karen 1), Katrin 2 (und Kathrin 1), Kerstin 3
(und Kristin 1), Marion 2, Petra 2, Sabine 2, Silke 2
Silvia (Sylvia) 2, Ute 3 (und Uta 1). Doppelnamen be
gegnen nur zwei: Kerry-Ursula und Ines-Andrea. Nur
einmal erscheinen Anke, Beate, Bettina. Bianca. Constanze,

7
4
Dagmar, Dietlinde, Doris, Elvira, Gertrud,
Jeanette, Manna
Marlies, Michaela, Monika, Pia, Ramona, Ruth,
Sigrid
Valeria, Viola. — Die Zahl verschiedener
Mädchennamen
ist also viel größer als die der Jungennamen (47.35)
Bei den Mädchennamen fällt ferner die Bevorzugung
der
romanischen 'Endung -a {-ina, -ona) auf; die meisten
dieser Namen sind nichtdeutscher Herkunft (bzw. die
ent-
sprechende Namensform). Bis auf Brit und Ruth sind
die
Namen mindestens zweisilbig; der unter den Jungen-
namen so beliebte kurze Typ {Frank, Jörg, Ralf)
findet
sich hier also kaum. Besonders ,,gesuchte“ Sonderfälle
sind Silke und Kerry-Ursula.
Bezeichnend für die moderne Vornamengebung ist es,
daß Kurzformen, die auf einen Vollnamen zurückgehen,
heute als verschiedene Namen aufgefaßt werden, der Zu-
sammenhang mit dem Vollnamen, von, dem sie eigentlich
abgeleitet sind, gar nicht mehr empfunden wird. So kann
ein v. Rantzau 1901 die Vornamen Konrad Kurt Kuno
tragen; Brüder heißen Louis und Ludwig, Schwestern
Elise und Else. Doch so auch schon 1201/17: Christina
que genuit quatuor filios: Chunradum, Heinricum, UIn cum
et Chunonem (Socin).
Wie jede Frau sich ein „apartes“ Kleid wünscht und
sich ärgert, wenn sie im Theater ein gleiches wandeln
sieht, so möchten viele Mütter ihrem Kinde auch einen
„aparten“ Namen geben. Möglichst soll er dann auch
noch recht fremdartig klingen. Elizabeth Taylor ist nun
einmal für das deutsche Ohr ungewöhnlicher und damit
vornehmer“ als das deutsche Lieschen Schneider Das

7
5
steigert sich gelegentlich zu einer Originalitätssuchc
mit den tollsten Blüten. Unser Personenstandsgesetz ver-
sucht dem heute zu begegnen mit der Bestimmung, daß
Bezeichnungen, die ihrem Wesen nach keine Vornamen
sind, nicht beurkundet werden dürfen. Aber die Frag
wo da die Grenze ist, läßt sich oft schwer beantworten
Was im Deutschen kein Vorname ist, kann es in anderen
Sprachen sein. Aus welchen fremden Sprachen darf dann
ein Vorname „anerkannt“ werden, aus welchen nicht !

7
6
Wie steht es mit solchen Bildungen wie Athena,
lsmena
Joca, Odine, Persia, Ullus, Myrea, Solingo, die Eltern
ihren Kindern als Vornamen im Laufe der letzten
Jahre
geben wollten? Es sind teilweise Phantasienamen, in
An-
lehnung an vorhandene gebildet, manche sind „litera-
risch“ angeregt. Auch das Volksmärchen ist vertreten
mit Śneewitta und Schneewitta. Eine ergiebige Quelle
auf-
fälliger Vornamen, vor allem weiblicher, ist das Frie-
sische, und Namen wie die folgenden werden deshalb
in anderen Gegenden Deutschlands nicht ungern
gewählt:
Wiebke, Imke, Aalke, Hilka, Ettje, Wea, Kea, Tiede u.
a.
Doch lassen sie gerade dort, wo sie nicht heimisch
sind,
das Geschlecht des Kindes nicht immer deutlich
erkennen,
und dann gibt es Schwierigkeiten mit unserem
Personen-
standsgesetz. Im übrigen ist aber schon darauf hin-
gewiesen worden, daß auch manche anderen
Kurzformen
z. B. die auf -i, männliche wie weibliche Vornamen
bilden
können (vgl. S. 24).
Bisweilen ist dem Streben nach Originalität des Vor
namens mit einer ungewöhnlichen Orthographie
Genüge getan. Man schreibt dann Carola statt Karola
Stephan statt Stefan, weil C- und -ph- in noch nicht völlig
eingedeutschten Fremdwörtern entsprechen. Auch alter
tümelnde Schreibungen wie Hellmuth mit -ll- und -th er-
7
7
füllen diesen Zweck. Und schließlich ist hier das y nicht
zu vergessen in Willy, Elly, Sylvia und anderen. In Stritt-
matters „Wundertäter“ wird dies Bemühen veranschau-
licht: „Sie war die Frau eines kleinen Gutsbesitzers, hieß
Elli, schrieb ihren Vornamen hinten aber mit einem y
und legte Wert darauf, daß jedermann das y am Ende
ihres Vornamens wie ein ü aussprach. Eine komplizierte
Frau also! ,Riefst du Elli oder EllyV konnte sie ihren
Mann und Gutsbesitzer fragen. ,Ich rief Elli.1 ,Gestatte,
daß ich dir keine Antwort gebe, denn ich bin nicht eine
deiner Mägde/“
Die Eltern sollten bei der Namenwahl bedenken, daß
ein ungewöhnlicher Rufname für ein Kind, von dem mar
ja nie weiß, wie es sich im einzelnen entwickelt, unter

7
8
Umständen eine schwere Last, eine Angriffsfläche
für
Spott und Witz sein kann. So wenig das grellbunte
Flitter-
trikot eines Zirkuskünstlers auf die Straße paßt, so
wenig
passen Namen wie Ilongin, Serani oder Tehani und
ähn
liehe in unseren deutschen Alltag. Auch Namen
wie die
englisch auszusprechenden Grace, Cathleen sollten
besser
gemieden werden. Ebensowenig zu empfehlen ist
ein
Mädchenname wie Birke. Er fordert sozusagen eine
schlanke, biegsame Gestalt. Wenn das Kind dem
nicht
entspricht, wird das als Mißverhältnis empfunden,
und
die Namenträgerin bekommt das zu spüren.
Vornamen aus fremden Sprachen sind nicht grundsätz-
lich abzulehnen, sofern sie wenigstens nach unserem Emp-
finden das Geschlecht des Kindes erkennen lassen. Sie
sollten sich aber dem deutschen Lautsystem einfügen,
also nicht William, Maud oder Pjotr. Juri wäre dagegen
in Anlehnung an Jörg, Jürgen u. ä. eher denkbar Dei
Vorname soll auch mit dem Familiennamen harmonieren,
also nicht Ismene Meier, Rene Jatzwauk u. ä.

Familiennamen

A. Die Entstehung der Familiennamen

7
9
I. Beinamen und Familiennamen

Der Brauch der Rufnamengebung dürfte so alt sein


wie die Menschen und die menschliche Sprache. Die so-
genannten Familiennamen dagegen sind beträchtlich
jünger. Sie sind bei uns noch keine 1000 Jahre alt. Ihre
Entstehung läßt sich in Deutschland wie in Europa über
b.aupt im Lichte der geschichtlichen Überlieferung ver
folgen. Außerhalb Europas sind Familiennamen auch Q
heute noch nicht überall gebräuchlich. Ägypten hat z B
in den fünfziger Jahren unseres Jahrhunderts als erstes

8
0
arabisches Land ein Gesetz ausgearbeitet, wonach
ieder
Staatsbürger verpflichtet ist, einen Familiennamen
anzu-
nehmen. Bisher begnügte man sich in der Regel mit
Vor-
namen und Vatersnamen. In der Türkei ist 1934 durch
Kamal Atatürk eine solche Vorschrift erlassen
worden.
Der moderne Staat kann ohne Familiennamen nicht
mehr
auskommen.
Wir unterscheiden von den heute üblichen Familien-
namen die sogenannten Beinamen. Ein Beiname wird
ebenfalls dem Rufnamen hinzugesetzt, vererbt sich aber
nicht unbedingt vom Vater auf den Sohn, gilt auch nicht
immer für alle Familienangehörigen und ist nicht „juri-
stisch gefestigt“. Er entspricht also eher dem heutigen
Spitznamen (darüber S. 11 f.). Solche Beinamen fügte
man dem Rufnamen eines Menschen erläuternd oder
charakterisierend hinzu. Einen Anfang dazu bilden etwa
<lie genealogischen Erläuterungen, wie sie uns z. B
im „Hildebrandslied“, dem einzigen alten Überrest deut
scher heroischer Dichtung, begegnen: Hiltibrand . . .,Heri-
brantes sunu ‘Sohn des Heribrant’, und Hadubrant . .
Riltibrantes sunu ‘Sohn des Hiltibrant’ werden da ge-
nannt Entsprechend stellt man z. B. noch heute im Rus-
sischen neben den Vornamen den Vatersnamen: Aleksej
Maksimowitsch [Gorki] ‘Aleksej, Sohn des Maksim’ oder
Lew Nikolajewitsch Tolstoj ‘Lew, Sohn des Nikołaj’. Das-
selbe gilt für die Frauennamen: Anna Pawlowna ‘Anna,
Tochter des Pawel’, Ksenija Aristarchowna ‘Ksenija,
Tochter des Aristarch’.
Die Beinamen können auch Herkunft oder Wohn-
stätte angeben. Im „Nibelungenlied“ treten uns ent-
gegen Hagen von Tronege, Volker von Alzeye, Dietrich von
Berne. Diese Namen weisen auf die Sitte adliger Ritter,
dem Personennamen den Namen der Stammburg hin-

8
1
zuzufügen. Häufig ist auch in alter Zeit schon der Ge-
brauch eines Völkernamens als Beinamen. Im 8. Jh
finden wir Beinamen wie Burgunt, Franco, Friso ‘der
Friese’, Sachso, im 9. Jh. Winid ‘der Wende’, Swab.
Roman. Auf Frauen beziehen sich Beiarin ‘Bayerin’

8
2
Suabin ‘Schwäbin’, Franchin, Fresin 8. Jh.
Sahsinna
9. Jh.
Andere Beinamen bezeichnen Beruf und Amt, z B
im 8. Jh. Fechto ‘der Fechter’, Sceppo ‘der Schöffe’, Wart
man ‘der Wächter’, Weidiman ‘der Jäger’, oder zielen als
sogenannte Übernamen auf körperliche oder geistige
Eigenschaften eines Menschen, z. T. in der Art unserer
Spitznamen. Bekannt sind die Übernamen mittelalter
licher Herrscher, wie z. B. Friedrich Barbarossa ‘Rotbart ,
Heinrich der Löwe, Albrecht der Bär, Otto der Reiche, Otto
mit dem Pfeil, Friedrich mit der gebissenen Wange, Fried
rieh mit der leeren Tasche und ähnliche. Alle diese Namen
gelten nur für die betreffende Einzelperson und vergehen
mit deren Tode wieder. — Nur in einzelnen Fällen er-
scheinen in Heldensage, Dichtung und historischer Über-
lieferung Sippennamen, Namen für germanische Ge-
schlechter, die über die Einzelperson hinausweisen: die
Amelunge(n), Nibelunge(n), Merowingi, Carolingi. Diese
Bezeichnungen stehen aber schon an der Grenze zu der
Völkernamen (darüber s. unten S. 186ff.).
Der Unterschied zwischen einem wirklichen Bei
namen und einer nur okkasionellen (gelegentlicheni
Bemerkung des Schreibers zum Zwecke genauerer
Identifikation der betreffenden Person ist mitunter schwer
zu erkennen. Das gilt besonders für hinzugesetzte Berufs
bezeichnungen, Herkunfts- und Verwandtschaftsangabec
so wenn in Köln um 1250 steht Gerardus nepos Gerara
de Rile (‘Neffe des . . .’) oder in Dresden 1413 Thomas
Statschriber neben 1422 Thomas der aide Stadschribe^ oder
1332 Heynrich Voytis knecht von Dypoldiswalde. Sind dies'
Zusätze wirkliche Beinamen?
Bisweilen finden sich auch verschiedene Zusatz
bei der gleichen Person. Wilhelmus Clericus 1266 w
Köln erscheint 1281 als magister Wilhelmus Apothecarius
1283 wieder als magister Wilhelmus Clericus. Oder gleich
zeitig: Köln 1292 Joh. Platenslegere seu (oder) Linwaw
mengere — ‘Plattenschläger’ oder ‘Leinwandhändler’ wird
dieser Johann in einem Atemzuge genannt. 1291 ist ei

8
3
nur als Johannis Playtenslegere verzeichnet, so daß
dies
wohl sein eigentlicher Beiname, wahrscheinlich sogar
schon Familienname ist, der zweite Zusatz dagegen
die
tatsächliche Berufsbezeichnung. Auf verschiedene
Eigen-
schaften weisen die Beinamen bei Hertwicus dictus
(ge
nannt) Rufus Hardevust 1257 in Köln: ‘Hertwicus
genannt
der Rote Hartefaust’ — ein Rothaariger, der zudem
über
eine harte Faust verfügte.
Aus den Beinamen entwickeln sićh die Familiennamen.
Über deren Ausbreitung in Zeit und Raum soll weiter
unten gesprochen werden.
Hier zunächst noch einige Bemerkungen über den
Unterschied zwischen Beinamen und Familien-
namen. In der schriftlichen Überlieferung bis zum
14.—15. Jh. läßt sich nicht immer erkennen, ob ein Bei
name schon als Familienname anzusprechen ist oder
nicht. Ein wichtiger Anhaltspunkt dafür ist zunächst die
Vererbung des Beinamens über wenigstens zwei, drei
Generationen. So wird in Köln als Sohn des Cunradi
Lembeliin 1172/78 genannt ein Hermannus Lembelin
1178/83, in Breslau als Sohn des Wernher von Gorlicz
1254 ein Heinrich von Gorlicz 1254. Unter den Mitgliedern
des Dresdener Rates finden wir 1318 Cunradus Buling et
Johannes filius ejus, 1328 dann allein Johannes Bulingi
In diesen Fällen liegen offenbar z. T. erbliche Familien-
namen vor, doch völlige Sicherheit ergibt erst die Ver-
erbung des Namens bis zum Enkel: 1350 in Breslau Groß-
vater Cuncze scherf, Vater Nicze scherf, Enkel Hannos
Scherf-, 1291 entsprechend Wernherus dictus de Waczin
rode — Conrat de Waczinrode — Nickil von Waczinrode. —
Auch wenn Geschwister den gleichen Beinamen tragen,

8
4
darf man einen festen Familiennamen annehmen; so
im Dresdener Rat 1307 Conradus et Thyzco fratres dich
Bulyng, in Köln Anfang des 13. Jh. Ampolonius Clene
gedanc, Phylippus Cleinegedanc, Henricus Kleynegedanc
1288 in Lübeck Hermannus et Johannes dicti Keyser.
Bei Berufsbezeichnungen ist die Entscheidung
etwas schwieriger, denn es vererben sich ja die Berufe

8
5
in einer Familie mitunter über drei Generationen
und
mehr. Auch mehrere Geschwister können den
gleicher
Beruf haben, so vielleicht die 1345 erwähnten
Brüder
Henlin koch, Diterich lcoch, Niclos koch. Stehen
bei deir
Rufnamen zwei Berufsbezeichnungen, so ist die
erste wohl
als Familienname zu betrachten, und zwar auch
dann,
wenn die gleiche Berufsbezeichnung zweimal
gesetzt ist
z. B. 1392 Jacob Flaschner flaschner, 1364
Mathias smed
{aber (fdber lat. ‘Schmied’). Meist stehen aber
zwei ver
schiedene Berufsbezeichnungen: Dresden 1475
Johans
Hufiener apotekir, wobei die erste der Name ist.
Schwierigkeiten gibt es auch bei der Angabe des Her
kunftsortes, z. B. Dresden 1332 Heynrich Voytis knecht
von Dypoldiswalde, 1311 Hermannus de Blankenwalde ma-
gister pontis (‘Brückenmeister’). Hier läßt sich noch kein
Familienname nachweisen. Das ist eher der Fall, wenn
etwa dictus dabeisteht: Dresden 1292 Andres dictus de
Pyrne ‘Andres, der genannt wird der von Pirna’. Die Auf
fassungen der Forscher über den Wert solcher Zu
Sätze für die Beantwortung der Frage, ob Familien
name oder nicht, gehen auseinander. Man wird mcbl
in jedem Falle ohne weiteres auf einen Familiennamen
schließen dürfen, nur weil dictus dabeisteht. Andererseitf
gibt es auch Familiennamen, bei denen ein solcher Zusatz
fehlt. Einen wichtigen Hinweis gibt uns die Chronologie
dictus und ähnliche Zusätze gehören in die Zeit, da die

8
6
Familiennamen entstehen; sie verschwinden danach Das
wird z. B. für Bamberg (K. Arneth), Görlitz (Jecht)
Plauen bestätigt, wo sie am Ende der ersten Hälfte de*'
14. Jh. verschwunden sind. Angesichts dieser Tatsache
hegt die Annahme sehr nahe, daß man in einer Zeit <la
unfeste Beinamen und feste Familiennamen nebenein
ander standen, dictus zur Unterscheidung beider benutzt
hat — wenn auch nicht mit absoluter Konsequenz. Auch
ist zu berücksichtigen, ob es sich um Herkunfts
bezeichnungen handelt, wo der Zusatz den Familiennamen
nahezu sichert, oder um Berufs- und Übernamen. — Bei
den Namen der Dresdener Ratsmitglieder bis 1500 er

8
7
scheint außerdem obengenannten Beispiel noch
einige Male
dictus — in dem erwähnten zeitlichen Rahmen.
Neben
Jacobus dictus Magnus 1296 steht sein Sohn
Johannes
dictus Magnus 1296, Johannes der Groze 1309.
Dabei
handelt es sich also trotz des Artikels schon um
einen
Familiennamen. Theodericus Berner 1301 wird
1307 er-
wähnt als Theodericus dictus Berner. Daß auch hier
ein
Familienname vorliegt, wird wahrscheinlich durch
den
Namen seines Sohnes Hannus Berner 1308. Das
gleiche
gilt, für die Geschwister Conradus et Thyzco jratres
dicti
Bulyng 1307 und Heinricus et Theodericus jratres
dicti
Kemniz 1318. — Andere, ähnlich zu bewertende
Zusätze
sind z. B. Heinricus cognomento Rise 1215,
Cunradus scul-
tetus qui dicitur Monachus 1237, Cunrat geheizen
der
Rouber 1300, Cünzo der schultheize, der da heizet
der
Wucherer 1280.
Von den Schreibern wurden die Namen, vor allem Be-
ruf sbezeichnungen, häufig ins Lateinische übersetzt,
Rufnamen mit lateinischen Flexionsendungen versehen

8
8
usw., vor allem in lateinisch geschriebenen Urkunden, und
das waren ja auch im 13. und 14. Jh. noch die meisten
(in unterschiedlicher geographischer Verteilung). Aus sol-
chen Latinisierungen ist jedoch nicht zu schließen,
daß die betreffenden Bezeichnungen noch keine festen
Familiennamen geworden seien. So erscheinen unter den
Dresdener Ratsmitgliedern: Apecz Pistoris 1297 neben
Apecz Becker 1308, Petrus Institor 1307 neben Petir Creme >
1308, Nycolaus Monetarius 1307 neben Niclaiz Muntze-
meister 1324, Helwicus Sartor 1328 neben Helwig Schrott'.
1335, Hermannus ScuUetus 1328. — Schreibereigentüm
hchkeit sind die lateinischen Genitivformen Apecz Isjrid
1311 neben Apecz Ysfrit 1308, Donatus Cunradi 1486 —
Donal Conradt 1490. Auf dem Wege zum Familiennamen
sind wohl aber noch Andereys her Apecz sun 1332 und
Thimo her Helwigis 1308 — Thymonem Helewici 1311. —
Gelegentlich wird vom Schreiber die Berufsbezeichnung
ins Lateinische übersetzt und die Übersetzung anschlie
ßend noch erklärt, so in Köln um 1200 Theodericus Slavus

8
9
quod dicitur Wient, wobei als volkssprachlich für Slawe'
das Wort ‘Wende’ betrachtet wird. Bisweilen wird der
gleiche deutsche Name für eine Person auch auf ver-
schiedene Weise ins Lateinische übersetzt: Köln um 1140/50
Herimannus cum Barba ‘Hermann mit dem Barte’ — Heri-
man Barbatus, um 1180 Albertus qui cognominatur Scriba
— nach 1215 Alberti scriptoris.
Der Übergang eines Beinamens zum Familiennamen
hat schließlich zur Folge, daß die ursprüngliche lexika
lische ,,Bedeutung“ der Namenwörter zurücktritt zu-
gunsten des direkten Bezugs auf eine bestimmte Person
oder Personengruppe. Wenn ein Beiname Fett vom dicken
Vater auf den hageren Sohn übertragen wird, wenn man
den Sohn wie den Vater Schmied nennt, obwohl er Bäcker
ist, wenn der in Dresden geborene Sohn nach dem aus
Pirna gekommenen Vater ebenfalls als Pirner bezeichnet
wird, dann ist aus dem inhaltlich treffenden Beinamen
ein erblicher Familienname geworden, dessen inhaltliche
Aussage in der Regel belanglos ist (s. auch S. 7 f.), wodurch
auch ihr Widerspruch zu den Tatsachen ertragen werden
kann.
Der Übergang von der Einnamigkeit (nur Rufname)
zur Zweinamigkeit (Rufname + Familienname = voll-
ständiger Personenname) führt zunächst — wie teilweise
schon oben angedeutet — über eine bunte Vielfalt ver-
schiedenster Beinamentypen und Zusätze, bis sich schließ
lieh der heute übliche Typ des Personennamens durch-
gesetzt hat. Welche Möglichkeiten dabei auftreten können,
sei noch an einigen Beispielen aus Braunschweiger Queller
des 14. Jh. veranschaulicht: 1370 Cramer sone von Linden.
1320/30 Henning Helmoldes sone, 1346 Ebelinghe des Hanl-
jathgeters sone van deme Sunde, 1359 Heyne boven deme
Kerchove, olden Heynen sone, 1323 Meteke que fuit ancilla
der Vischerscen (‘. . . die Magd bei der Vischerscen war’),
1362 Helmolde de mit der Swartenheneschen was, 1333
Clawes aurifaber (‘Goldschmied’) mit der krummen sprake,
1398 Hans Lutze de junghe-, in Friedberg 1380 Clas der
nyt bi guden Synnen ist. — In dieser Zeit begegnen Ein

6 Deutsche Personennamen 90
wortnamen nur noch sehr selten, gelegentlich mit
einem
Hinweis darauf, daß die Namenträger zum
Unterschied
zum größten Teil ihrer Mitbürger noch keinen
„vollen1'
Personennamen haben: 1361 Heinrich ane czunamen,
1369
Nikolaus ane czunamen in Breslau. Meist fehlt jedoch
ein
solcher Zusatz, und es muß bei einem Einzelnamen
dann
offenbleiben, ob der Beiname unterdrückt ist oder ob
der
Betreffende noch gar keinen Beinamen führte. Unter
den
185 Namen von 269 Dresdener Ratsmitgliedern bis
1500
sind uns als Einzelnamen nur überliefert
Bartholomen*
1308, Hermanno fratre scriptoris magistro civium
1292,
Symon magister pontis 1303, Losemannus magister
civium
1318 (‘Bürgermeister’). Es kann bei einem
Einzelnamen
auch der Rufname unterdrückt sein und der Beiname
allein dastehen: Mertin Kinast in Dresden 1403 wird
1399
ohne Rufname als Kynast überliefert. Ein Einzelname
läßt also in dieser Zeit der Entwicklung der Familien-
namen eine dreifache Deutung zu: noch kein
Familien-
name vorhanden, Familienname unterdrückt, Rufname
9
1
unterdrückt.

II. Ursachen für die Entstehung und Ausbreitung


der Familiennamen

Bei der Entstehung und Ausbreitung fester Familien-


namen hat eine ganze Reihe von Faktoren mitgewirkt:
über ihre Bedeutung herrscht noch nicht zwischen allen
Forschem Übereinstimmung.
Fest steht, daß sich die Entwicklung zunächst ohne
behördliche, obrigkeitliche Vorschriften vollzog. Bei-
namen, anfangs wohl eher dem Bedürfnis nach Charakte
risierung auffälliger Merkmale (im weitesten Sinne) eines
weithin bekannten Menschen (vor allem Fürsten) als dem
nach Unterscheidung gegenüber Gleichnamigen ent
Sprüngen, gab es schon lange (s.oben S. 75 ff.). Doch kann
beides nebeneinander hergehen, die Akzentuierung kann
sich von dem einen Gesichtspunkt auf den anderen ver-

9
2
schieben. In Bedas Kirchengeschichte wird z. B.
erzählt
von zwei Aposteln der Friesen — beide mit dem
Rufnamen
Ewald die nach der Haarfarbe als der weiße Ewald
und
der schwarze Ewald unterschieden wurden. Das
Bedürfnis
nach unterscheidenden Zusätzen wurde im Mittelalter
aus
verschiedenen Gründen immer stärker:
1. Die Zahl der zur Verfügung stehenden Rufnamen
wurde ständig geringer (s. oben), so daß schon dadurch
immer mehr Menschen den gleichen Rufnamen trugen.
2. In den mittelalterlichen Städten konzentrierte sich
eine immer größere Anzahl von Menschen. Zwar darf man
hier natürlich nicht von modernen Vorstellungen aus-
gehen, und Köln, dessen Bevölkerung man für die Zeit
um 1200 auf etwa 10000—15000 Personen schätzt, nimmt
gewiß eine Sonderstellung ein, aber in der zweiten Hälfte
des 13. Jh. erreichten doch auch Lübeck, Frankfurt/Main
und Zürich die 10000, und für das Ende des 14. Jh. schätzt
man die Bevölkerung dieser Städte, dazu auch Ulms,
Straßburgs, Nürnbergs, Augsburgs, Hamburgs auf rund
20000, während Köln inzwischen 30000 erreicht hat. Bei
aller Vorsicht gegenüber solchen Schätzungen ist die Be-
deutung des Bevölkerungszuwachses für die Zunahme
unterscheidender Zusätze zu den Rufnamen nicht zu über-
sehen.
3. Der Fernhandel und sonstige überlokale Verbin-
dungen von Stadt zu Stadt brachten gleichnamige Per-
sonen zusammen und machten eine Unterscheidung
zwischen dem Kaufmann Peter etwa in Köln und seinem
Kollegen Peter in Nürnberg notwendig, oder regten sie
doch wenigstens an, legten sie nahe.
4. Die Sitte, in einer Familie für verschiedene Personen
den gleichen Namen zu verwenden (den Sohn nach Vatei
oder Großvater zu nennen oder Geschwistern den gleichen

9
3
Namen zu geben, s. oben S. 65), verlangte ebenfalls präzi
sierende Zusätze. Wernher der Gärtner nennt den nach
seinem Vater genannten Bauern Heimbrecht den jungen
Helmbrecht. Andere Möglichkeiten zeigen z. B. Hartmann von
Kienberg der pjaffe und. Hartmann sin bruoder der leye 1281.

9
4
Daß aus derartigen Beinamen erbliche Familiennamen
wurden, ist ein zweiter Schritt, und dabei sind noch
andere Faktoren wirksam gewesen. Dem Bedürfnis nach
Unterscheidung hätte man auch durch nichterbliche Bei-
namen Genüge tun können. Es kommt folgendes dazu:
1. Wohnung, Beruf, Besitz, Amt, Eigenschaften des
Vaters konnten auf den Sohn übergehen. Dann war der
darauf bezügliche Beiname des Vaters inhaltlich auch für
den Sohn gerechtfertigt und konnte auf ihn übertragen
werden. Das war schon ein Anfang von ,,Erblichkeit“ des
Beinamens.
2. Die Vererbung des Wohnsitzes, des Grundbesitzes,
der Stammburg vom Vater auf den Sohn war für den
Adel von vorrangiger Bedeutung, zumal nachdem unter
Konrad II. (1037) die Erblichkeit der Lehen zugestanden
worden war. Man wollte durch den erblichen Namens-
zusatz erblichen Besitz und erbliche politische Rechte
markieren.
3. Darüber hinaus war aber die Sippenbindung durch
den Namen schon ein germanischer Brauch gewesen. Ein
Zusammengehörigkeitsgefühl der Familie ist über die
Gentilgesellschaft hinaus lebendig geblieben. Auch die
Umwelt neigte dazu, hinter dem einzelnen seine Familie
zu sehen. Diese Binde-Funktion hatte zunächst der Ruf-
name übernommen — mit Hilfe des Stabreims, gleicher
Namenglieder oder auch des gleichen Namens (s. oben
S. 18, 32). Jetzt verschob sich diese Funktion allmäh-
lich zumindest teilweise auf die in immer größerer Zahl
vorkommenden Beinamen.
4. Dies geschah unter dem Einfluß der romanischen
Welt, der die Entwicklung der Familiennamen aber nur
förderte, nicht verursachte. Venedig und Mailand kannten
Familiennamen schon im 8. und 9. Jh. Dort hatte sich
das Bürgertum viel früher entwickelt als in Deutschland
Über Frankreich wirkte ihre von kräftiger wirtschaftlicher
Grundlage gespeiste kulturelle Strahlung auf den deut-
schen Westen und Südwesten. Sie fand seit dem 11. Jh.
in Deutschland einen günstigen Nährboden. Wir haben

9
5
5. davon schon bei der Erörterung der
Heiligennamenmode
gesprochen (S. 48f.).
6. Voraussetzung für die Einführung fester Familien
namen unter den breiten Massen der Bevölkerung war
schließlich die „Verschriftlichung“ des Zivilrechtes, der
Ausbau der Stadtverwaltung, die Anlage von Steuerlisten,
von Bürgerverzeichnissen. Ohne Stadtkämmerer und
Stadtschreiber sind die Familiennamen als Massen -
erscheinung nicht denkbar. Deshalb auch setzen sie sich
erst im Laufe des 13. und 14. Jh. in den deutschen Städten
durch, weil sich erst in dieser Zeit die Stadtverwaltung
völlig entfaltet. Sie förderte endlich auch in dialektischer
Wechselbeziehung den Prozeß, der ohne ihr Zutun schon
früher aus den oben angeführten Gründen begonnen hatte
Die Behörden machten sich die neue Entwicklung nutz
bar, und später stellte sich heraus, daß die kommunale
und staatliche Verwaltung ohne Familiennamen gar nicht
mehr auskommen kann. Den letzten Schritt bilden dann
die gesetzlichen Vorschriften über die Einführung fester
Familiennamen in den Gegenden, wo der Ablauf des
Prozesses aus verschiedenen Gründen gehemmt worden
war (Randlage, Mangel an größeren Städten, konserva-
tive, von Modeströmungen schwer beeinflußbare Men-
schen u. a., 8. unten S. 87).

III. Ausbreitung der Familiennamen in Zeit und Raum.


Soziologische Unterschiede

Als Massenerscheinung treten die Familiennamen


in Deutschland seit dem 12. Jh. auf. Die großen rheini-
schen Städte gehen voran, im Laufe der folgenden drei
Jahrhundert« wird von Westen und Süden aus nach
Osten und Norden, von den großen Städten über die
kleineren bis zu den Dörfern fast ganz Deutschland davon
erfaßt. Der Vorgang läuft in zeitlicher Folge und räum-
licher Staffelung ähnlich ab wie die Ausbreitung , der
Heiligennamen (S. 46ff.), jedoch mit einer „Phasenver-

9
6
Schiebung“ etwas später: viele Heiligennamen sind
zu
Familiennamen geworden.
In Köln, einem Mittelpunkt internationalen Handels
und einer kulturellen Metropole des Mittelalters, begegnen
bürgerliche Familiennamen seit der ersten Hälfte des
12. Jh. Um 1150 tragen hier 18% der Perspnen einen
Beinamen, 100 Jahre später sind es schon 70—90%. Für
die kleineren rheinischen Städte gilt das jedoch nicht.
Es ist nicht einfache geographische Ausdehnung anzu-
nehmen. In Neuß finden wir noch um 1230 nur wenige
Beinamen, und in Wesel zeigen sich die Anfänge erst um
1250. In Luxemburg sind sie zwar im 15. Jh. allgemein,
werden aber erst im 18. Jh. auf dem Lande wirklich fest.
Frankfurt/Main hat 1311/12 noch über 66% einnamige
Bürger, 1351 sind es 34%. In Straßburg haben schon
Ende des 13. Jh. alle Bürger einen Familiennamen, eben-
so in Wien, wo nach 1288 kein Rufname mehr ohne Bei-
name erscheint. In Nürnberg ist die Doppelnamigkeit seit
dem Ende des 13. Jh. erkennbar und wird im zweiten
Viertel des 14. Jh. allgemein üblich. Im Bambergischen
tragen auf dem Lande in der ersten Hälfte des 14. Jh.
87% der Bevölkerung Beinamen, die aber sicher noch
nicht alle fest sind. Überhaupt leiden natürlich alle diese
Angaben unter den Schwierigkeiten, die die Unterschei-
dung von Beinamen und festen Familiennamen .trotz
allen oben erwähnten Anhaltspunkten doch noch macht.
In Plauen/Vogtland wird die Doppelnamigkeit ebenfalls
im Laufe der zweiten Hälfte des 14. Jh. zur Regel, und
in Görlitz ist sie Mitte des 14. Jh. durchgedrungen; um
1400 ist die Entwicklung der Familiennamen auch in
Zerbst vollzogen. In der ländlichen Umgebung von Hildes-
heim sind zu Beginn des 14. Jh. noch 50% der Einwohner
einnamig, in der Stadt um 1400 immerhin noch viele
Handwerker, während die Ratsmitglieder söhon im 13. Jh.
Beinamen tragen, die auch bald erblich werden (darüber
8. auch unten S. 87f.). Unfest sind die Beinamen im 14. Jh.
auch noch in Lübeck, Greifswald und Rostock, doch es
bestehen be trachtliehe Ansätze zu Familiennamen. In

9
7
einer Reihe kürzlich untersuchter Dörfer des
Landkreises
Harburg bei Hamburg (Rieckmann) setzt die
Zweinamig-
keit erst mit Beginn des 15. Jh. ein und ist um die
Mitte
des 16. Jh. abgeschlossen.
Es läßt sich also zusammenfassend sagen: Im
größten Teile Deutschlands hatte sich die Entwicklung
der Familiennamen — Anfang des 12. Jh. in den großen
Städten des Westens einsetzend — mit dem Ausgang des
14. Jh., Beginn des 15. Jh. im wesentlichen vollzogen. Das
flache Land und der Osten und Norden hinkten im all-
gemeinen der Stadt und dem Westen und Süden etwas
hinterher. Es ist auch zu bedenken, daß die Übergänge
vom Beinamen zum erblichen Familiennamen fließend
waren. Manche ländliche Gegend auch im Westen schließt
die Familiennamengebung teilweise erst im 17. und 18. Jh.
ab. Im ostmitteldeutschen Sprachraum sind die Dörfer
noch nicht genügend untersucht, so daß sich hier noch
nicht viel sagen läßt. Am spätesten bürgerten sich feste
Familiennamen in Friesland ein. Hier wurden sie durch
einen Erlaß Napoleons 1811 gefordert, aber noch mehr-
fach während der ersten Hälfte des 19. Jh. mußten diese
gesetzlichen Forderungen von der hannoverschen Regie-
rung in Ostfriesland erhoben werden. Auch in manchen
Teilen der Alpenländer haben noch zu Beginn des 19. Jh
feste Familiennamen gefehlt.
Kennzeichnend für die Familiennamenentwicklung ist
auch eine soziologische Schichtung. Adelsgeschlech
ter des deutschen Südwestens kennen Familiennamen
schon gegen Ende des 10. Jh. und in der ersten Hälfte
des 11. Jh. Im Familiennamenzusatz kam ihr Besitzer-
stolz als Herren von Höfen, Burgen, Dörfern zum Aus
druck. Ihnen folgten in den Städten die Patrizier (über
die Schichtung in Hildesheim vgl. S. 86). Unter 185 Namen
von 269 Dresdener Ratsmitgliedern bis 1500 erscheinen
nur 4 Einzelnamen, der letzte 1318. Die Ratsherren stan-
den im öffentlichen Lebön. Sie hatten Verbindungen zu

9
8
anderen Städten. Auch wird mit dem ausgeprägten Eigen
tumsbewußtsein und der Vererbung des Besitzes das Ge-

9
9
fühl für einen solchen, mit dem Besitz vererb baren
Familiennamen besonders entwickelt gewesen sein. In
den
Dörfern setzten sich die Familiennamen als Massen-
erscheinung später durch. Infolge der geringeren
Bevöl-
kerungszahl gab es nicht eine solche Fülle von
Menschen
mit dem gleichen Rufnamen wie in den Städten. Die
einzelnen Hofbesitzer waren zudem häufig durch den
Hof-
namen und sonstige Zusätze deutlich genug
charakteri-
siert. Die amtliche Fixierung der Namen hatte nicht
den
Grad erreicht wie in der städtischen Verwaltung.
Schließ-
lich ist der Bauer ohnehin neuen Moden gegenüber zu-
rückhaltend. Über das Festwerden der Familiennamen
auf dem Lande liegen noch recht wenige
Untersuchungen
vor. Wegen der besseren Überlieferung hat man sich
auf
die Städte konzentriert. Aber einzelne bestätigen doch
das oben Gesagte (Rieckmann).
Am längsten blieben Dienstboten, Knechte, Mägde
ohne Familiennamen. Oft wird als Zusatz zu ihrem Ruf-
namen der Name des „Dienstherrn“ genannt, z. B. in
Plauen/Vogtland 1388 Petzolt des Gruners kneht, Cuntzel
Wellers kneht. Im ältesten Kirchenbuch von Briesnitz bei
Dresden ist 1587 eingetragen die Trauung von Bendix
Löbener . . . mitt Jungfraw Barbarn, eine Dienerin M. Fa-
bian Krügerß; 1591 die Trauung von Georg valtten . . . mitt
Jungfraw Annan, eine Dienerin . . . Paul Fermans. Falls
die „Dienerin“ um diese Zeit tatsächlich schon einen

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Familiennamen hatte, so war er doch für die urkundliche
Eintragung belanglos gegenüber dem Namen des „Haus-
haltungsvorstandes“ und Dienstherrn. Bisweilen wird ein
Landarbeiter oder sonstiger Abhängiger überhaupt ohne
Namen, auch ohne Rufnamen, erwähnt, z. B. in Plauen/
Vogtland 1430 Frießners Gesell, 1542 Vorstehers Gesinde.
Im obengenannten Kirchenbuch von Briesnitz ist 1578
Merten Wincklers Knecht zu Vnsewiz (= Omsewitz) ein-
getragen. Man vergleiche hierzu auch etwa Just, von
dessen Familiennamen keine Rede ist, und Franziska, die
ihren Familiennamen nur einmal selbst nennt, ohne daß
er weiterhin erwähnt wird, neben dem Major von Teil-

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1
heim und dem Fräulem von Barnhelm in
Lessings,,Minna
von Barnhelm“. Die soziale ,.Wertigkeit“ des
Familien-
namens zeigte sich bis in unser Jahrhundert mit der
Ge-
pflogenheit, in' bürgerlichen Familien die „Dienstmäd-
chen“ nur mit ihrem Vornamen Bertha, Anna usw. zu
rufen. Das war in diesem Fall kein Ausdruck enger
freund-
schaftlicher Beziehungen, da sich das Mädchen nicht
ein-
fallen lassen durfte, die „gnädige Frau“ ebenso zu be-
handeln. — Sogar der wirkliche Name eines
Dienstboten
konnte durch den seines Herrn verdrängt werden
In Quedlinburg wird 1599 erwähnt Hans Detmer von
Horn-
burg, welcher etlich iahr bey Timotheus Heidfeldt
gewesen
undt darumb Hans Timotheus ist genennet worden. In
Dresden werden 1500 genannt der aide Moriheubt und
sein Winzer peschen gnant das Monheubtigen. Noch
bis
in unser Jahrhundert wurde auf den Dörfern der
„Knecht“
Kurt Schulze bei dem Bauern Wagner einfach
Wagners
Kurt genannt.
Bei den Frauen haben sich — entsprechend ihrer unter
geordneten sozialen Stellung — zunächst kaum selbstän-
dige Familiennamen entwickelt. Frauen tauchten in
Rechtsgeschäften nur selten auf. Deshalb sind weibliche
Personen in den uns aus dem 12.—14. Jh. überlieferten
Quellen nur gering vertreten, und eine klare Über

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2
sicht über die Entwicklung der Familiennamen bei den
Frauen ist erschwert. Charakterisierende Zusätze zum
Vornamen begegnen natürlich auch bei ihnen, z. B. in Gör-
litz Angnice mit dem krommen Holz 1398. Doch ist es frag-
lich, wie weit sie wirklichen Beinamencharakter hatten,
und sie scheinen auch seltener zu sein. In der Regel wird
die Frau nach dem Namen des Mannes genannt; bis-
weilen behält sie auch nach der Heirat den Namen des
Vaters bei, der als präzisierender Zusatz bei den Mädchen
dient. Analog dem oben über die Dienstboten Gesagten
erscheint auch bei Frauen vielfach überhaupt kein Name,
z B. in Braunschweig 1334 puella (‘Mädchen’) van Svm-
menstede, 1371 de vrwe (vrouwe) von Hildensem, vor 1345
Berrendes wedewe, vor 1345 vidua ‘(Witwe’) Hermann

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3
Stor Ices, 1349 des Duveles wyf, 1321 filia (‘Tochter’)
Frede-
rici Stendeckeres. Auf der gleichen Ebene liegt die
Be-
zeichnung der Frau (oder Tochter) durch Movierung
des
Mannesnamens (oder Vatersnamens), wobei oft auch
der
Vorname des Mannes mit genannt wird, z. B. in
Dresden
1460 Der Pauwei Heynchenynne, 1575 Gregor
Futter-
marschalchin, 1583 Bernhardt Freidingerjn, 1580
Merten
Stöltzsnerin-, Braunschweig 1333 Hildebrendesche,
1391 de
Steffens ehe, 1331 Ropeke T immer mennesche. Über
die Mo-
vierung vgl. man im übrigen unten S. 121f. Daraus hat
sich erst allmählich unser Brauch entwickelt, die
männ-
liche Namensform ohne weitere Veränderung auf die
Frau
zu übertragen: Ilse Schreiber, Helga Lehrer. Hier
stehen
daneben noch die Appellativa Schreiberin, Lehrerin.
Aber
wir kennen heute auch schon im appellativischen
Bereich
die Übertragung männlicher Personenbezeichnungen
ohne
Movierungsendung auf weibliche Personen: Sie ist
Inge
nieur, Chefarzt, Pionier u. a. — Nur in einzelnen

1
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4
Fällen
behält die verheiratete Frau heute aus besonderen
Grün-
den ihren Geburtsnamen — meist auch noch neben
dem
ihres Mannes — bei; es entstehen dann die Doppel-
namen unter den Familiennamen, vor allem seit der
zweiten Hälfte des 19. Jh.: Elly Beinhorn-Rosemeyer
(ihr
Mann war der Rennfahrer Bernd Rosemeyer, sie war
aber
als Fliegerin Elly Beinhorn bereits bekannt geworden);
Ingeborg Seidel-Slotty (Tochter des bekannten
Gelehrten
Friedrich Slotty). Besonders verbreitet — bis zur amt-
lichen Geltung — ist die Hinzufügung (oder
Beibehaltung)
des Frauennamens zum Namen des Mannes in der
Schweiz: Meyer-Lubke, Hoffmann-Krayer. Hier geben
die
Adreßbücher bei Verheirateten den Frauennamen mit
an
und gleichnamige Meyer, Schulze usw. werden
dadurch
und nicht durch I, II usw. unterschieden.
Daneben erscheinen aber gelegentlich Frauen auch mit
sozusagen „selbständigen“ Beinamen, aus denen Familien
namen hervorgehen konnten. Abgesehen von Spitznamen
der Dirnen (z. B. Dresden 1574 die schwärtze Anna) und
sonstigen alleinstehenden Frauen mit merkwürdiger Be

1
0
5
schäftigung (Dresden 1608 die. alte Wurtz-Anna),
wird es
sich vor allem um bedeutendere Frauen handeln, die
auch
als Rechtspersonen auftreten und durch ihren Besitz
be-
kannt sind. Braunschweig hat z. B. 1323 Ilsebe
Wendinne
1397 Ghese Stalberghes, 1357 Aleken Lutteken de
Goslaria,
1355 Ilsabe von deme Bomegarden, Dresden 1427 Ilse
uff
der Wistriccze (Weißeritz). Neuzugezogene
alleinstehende
Frauen wurden dann wie die Männer nach dem Her
kunftsort genannt, z. B. in Braunschweig 1362 Alheyd
van
Nortem, 1397 Katerina van Bonstede, 1397 Jutte van
Ha-
melen usw. — Schließlich begegnen auch — seltener

Benennungen von Männern nach einer Frau (über
Metro
nymika auch S. 99), z. B. Dresden 1413 Hans von der
Sophy, 1414 Hans mit der Sophy, 1414 Goczke der
Wysynne
Man, möglicherweise dazu 1414 Wyse Marethe.

IV. Festigkeit des Familiennamens. Namenwechsel

Der Rufname hat sich nicht sofort so weitgehend durch


den Familiennamen verdrängen lassen, wie das heute der
Fall ist. Erst ganz allmählich ist er im amtlichen und
sonstigen öffentlichen Gebrauch bis zur heutigen Bedeu-

1
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tungslosigkeit herabgesunken, da er allenfalls abgekürzt
bis auf einen Buchstaben vor dem Familiennamen (oder
auch danach) erscheint. Luther wurde z. B. von seinen
Zeitgenossen häufig mit dem Vornamen Dr. Martinas
seine Anhänger im 16. Jh. Martinisten genannt. In Städten
wie Frankfurt, Bamberg, Görlitz u. a. werden alphabe-
tische Register und Verzeichnisse teilweise bis ins 18. Jh
nach dem Vornamen geordnet. Das Monogramm Albrecht
Dürers mit dem großen A und dem kleinen D darin läßt
auch darauf schließen, daß für ihn der Rufname offenbar
wichtiger war als der Familienname. Auf dem Lande, wo
die Alteingesessenen in der Regel einander persönlich
kannten, war der Rufname bis in unsere Zeit geläufiger
als der Familienname, der zudem vielfach hinter dem
Hofnamen zurücktrat. Das zeigt z. B. eine Formulierung

1
0
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wie: „Ich heiße Fritz, aber ich schreibe mich Müller' .
Im umgangssprachlichen Gebrauch wird der Familien-
name häufig als Bestimmungswort — meist mit -s —
dem
Rufnamen, dem Grundwort, vorangestellt: Längs Rólf
= Rolf Länge, Steins Rudi = Rudi Stein.
Andererseits war im 18. Jh. und noch zu Beginn des
19. Jh. auch im vertrauten Umgang zwischen Liebenden
und Freunden — jedenfalls in den Kreisen der Gebildeten,
vielleicht unter französischem Einfluß — die Anrede mit
dem Familiennamen üblich. „Lebe wohl, bester Schlegel“
schreibt Novalis 1796 an den Freund Friedrich Schlegel,
und Clemens Brentano redet die Geliebte 1803 mit „liebe
Mereau“ an. Im ..Werther“ gebraucht Goethe den Ruf-
namen des Helden nicht ein einziges Mal. In manchen
Gegenden (Hessen, Nassau, Berlin) war es in Kreisen des
Mittelstandes bis gegen 1900 Sitte, daß die Frauen ihre
Ehemänner mit dem Familiennamen anredeten. Um-
gekehrt ist der Rufname als offizieller Name bis heute
bei Fürsten üblich: Königin Elisabeth (v. England) usw.
Die Verwendung von Ruf- und Familiennamen ist auch
heute noch nicht überall in Europa einheitlich. In Eng-
land werden Adlige mit Sir + Vornamen angeredet: Sir
Arthur. In der Sowjetunion ist die Anrede mit Vornamen
und Vatersnamen statt des Familiennamens weithin ge
bräuchlicher.
Nicht nur der Gebrauch von Rufnamen und Familien-
namen, ihr Verhältnis zueinander kann sich ändern, son-
dern auch der Familienname selbst kann wechseln,
vor allem — aber nicht nur — in den ersten Jahrhunderten
seiner Entstehung.
1. Es können in diesem Stadium mehrere Benennunge-
motive miteinander konkurrieren, bis sich schließlich eines
durchsetzt. In Mügeln b. Pirna wird 1548 Christof}
mauckisch möller auch als Christof} Mühl erwähnt, 1566
wieder Cristof maugkisch. Eine Konkurrenz zwischen
Übernamen und Berufsbezeichnung zeigt — ebenfalls aus
der Gegend von Pirna — 1440 Hans bar th der czy merman,
1444 bey hannß barthczß huse, 1485 hans czymerman,

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2. 1491 Hanß Barth Herkunfts- und
Berufsbezeichnung
konkurrieren 1460 bei domeß krossen dem goldtsmidt
(zum
Ortsnamen Krossen/Elbe), der gleichzeitig auch
Thomaß
goldsmid und Meister domeß der goldtsmyd genannt
wird.
3. Wenn die Berufsbezeichnung, die als Beiname ge
geben wurde, nicht mehr mit dem tatsächlich ausgeübten
Beruf übereinstimmt, kann eine neue „berichtigende*
gegeben werden. So schwanken z. B. noch im 15. und
16. Jh. im Dresdener Rat: Johannes Apoteker 1471 —
Johans Huffener apotekir 1475 — Hans Huffener 1478;
Conradt Gewandtsnyder 1457 — Conrad Kramer 1458;
Georg Eyssenmenger 1513 — Georg Seidenheffter 1514 —
Georg Seydensticker 1525 — Georg Zcolner 1531. Hierher
wohl auch ein Dresdener Beleg von 1533 Christoff Schney-
der sonst Schweinefleisch genant. — Der Aufstieg eines
Müllers ist abzulesen an der Gleichung Jörig Handknecht
1371 = Jörig Zumüllner 1375 = Görig müllner 1381 (Mün
chen).
4. Hausnamen und Hofnamen können bei Besitz wechsel
auf den neuen Besitzer übergehen, und dadurch kann
auch ein Wechsel des im Entstehen begriffenen Familien-
namens eintreten. Der bekannte Gutenberg hieß ursprüng-
lich Henne Gensfleisch und wurde später Gutenberg nacl
einem Haus in Mainz genannt, das wiederum den Fami
liennamen seiner Mutter trug. Hennig Twalkenmeyer in
Braunschweig wird nach dem Hause To der Schrapen
(‘Zum Roßkamm’), das er besaß, 1508 Hennig Schrape
geannnt. In ähnlicher Weise wechselten auch Adlige den
Namen mit ihrem Besitz. Angehörige einer Familie haben
dann verschiedene Namen. So trugen im Mittelalter
23 Mannesstämme österreichischer und bayrischer Grafen-
geschlechter 226 verschiedene Familiennamen. 1287 heißen
zwei Brüder aus dem Geschlecht der Herren von Summerau
Albert von Wolkenberg und Albert von Liebenau. — Auch
in der bäuerlichen Dorf gemein schäft übertrug sich der
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Hofname auf den neuen Besitzer und führte bisweilen zur
Änderung des Familiennamens. So wird im Lippischen
im 15. Jh. erwähnt ein Cord Merlhusen, der nu tor tidt

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5. ( jetzt zur Zeit’) het (‘heißt’) van des Haves
wegen (‘des
Hofes wegen’) Cordt Hesse. In der Niederlausitz
spricht
man von Torsäulennamen. In Kirchenbüchern des
17. Jh. erscheinen nicht selten die neuen Torsäulennamen
neben den bisherigen Familiennamen: Siemon Ambrosius,
sonst der alte Knieschk genannt 1620/21; Koahl sonst
Bajack genannt 1664 ; Hanß Matthig . . . sonsten Nackonza
genannt 1648. — Die Behörden sind in den verschiedensten
Gegenden durch Verordnungen mehrfach gegen diese Ge-
pflogenheit eingeschritten. Be merkenswerter weise sind die
Hofnamen aber vielfach besser zur Unterscheidung ge-
eignet, da kaum zwei Höfe den gleichen Namen tragen.
Von 429 untersuchten Hofstellen in 30 Orten des Kreises
Harburg b. Hamburg z. B. hatte jeder Hof einen anderen
Namen, es waren auch nicht zwei gleichnamige darunter
(Rieckmann).
6. Bei der Übertragung eines Männernamens auf die
Frau und umgekehrt können ebenfalls Verschiebungen
und Änderungen erfolgen. Die Ehepartner müssen z. B.
zunächst durchaus nicht den gleichen Namen tragen
(s. oben). In der Gegend von Pirna wird 1447 wenczele
nuwemann man der biroldynne, im gleichen Jahr auch
Byrold der do sust wenczel nuwman heißt genannt. 1459
hat fraw elße dy Behmyn einen Mann jorgen cluge, der
1474 als Jurge bheme erwähnt wird, wobei also der Name
seiner Frau auf ihn übertragen wurde.
7. Verschiedenheiten im Gebrauch des appellativischen
Wortschatzes (wortgeographischer und anderer Art) kön
nen ebenfalls einen Wechsel im Familiennamen herbei
führen. In der Gegend von Pirna steht dem wenezil czeyßg
(‘Zeisig’) von 1474 ein Wenzel Zeitzsche 1500 zur Seite
mit einer mundartlichen Form für ‘Zeisig’. Ähnlich ist es
vielleicht mit Hanß Honnidt 1476 (zu mhd. beende ‘Über-
mut’) — Hanß Homut 1495 (zu höchmuot ‘Übermut’).
So stehen also noch im 16. und 17. Jahrhundert nicht
selten beide Familiennamen, der alte und der neue, neben-
einander: Briesnitz bei Dresden 1613 J. Anna, Caspar

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Freunds, sonst Kretzschmar genant . . . ehl. Tochter ; 1609

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Wentzel Wolff, sonst Hänichen, tzu Nidergolis', iiu Alten-
burgischen 1512 Mattis Prewsse, sust Sneidewint genant.
Besondere Unsicherheit zeigt folgender Fall aus einem
Dresdener Gerichtsbuch: 1556 der Fendrich (Fähnrich)
Merten Bruckner — der Merten Bruckner oder (oder) Fend-
rich — Merten Pruclcner den man sonst den Fenrich genanth
— der Merten Fenrich.
Die bisher erwähnten Fälle von Namenwechsel erklären
sich daraus, daß die Familiennamen zunächst noch nicht
gesetzlich festgelegt waren, so daß die Polarität zwischen
den verschiedenen Benennungsmotiven und zwischen
Namen und Wort (Appellativum) sich auswirken konnte.
Der Wechsel des Namens wird dabei teilweise vom Namen-
träger selbst, teilweise von den Menschen seiner Um-
gebung ausgegangen sein.
Bewußte, selbst vorgenommene Änderung des eige-
nen Namens hatte bisweilen auch noch andere Gründe
Gelehrte und Künstler nehmen im 15. und 16. Jh. gern
einen neuen Familiennamen — meist nach der Herkunft -
an und geben ihren alten Namen auf. Luthers Gegner
Dr. Joh. Eck hieß eigentlich Maier und nannte sich dann
nach seinem Heimatort Egg an der Günz. Lucas Cranach
hieß wahrscheinlich ursprünglich Sunders, wurde gelegent-
lich auch Lucas Maler genannt und trägt den uns ge-
läufigen Namen nach seinem Geburtsort im Hochstift
Bamberg. Entsprechend hieß Grimmelshausen, der Ver-
fasser des „Simplizius Simplizissimus“, ursprünglich wohl O
Christoph. — Nach römischem Recht war der Name eine
Privatangelegenheit, und jeder konnte ihn nach Belieben
ändern oder vertauschen, soweit kein anderer dadurch
geschädigt wurde. Die ersten namengesetzlichen Maß
nahmen finden wir in Deutschland erst im 17. Jahr-
hundert (zunächst in Sachsen, danach in Bayern, in
Preußen 1794 mit dem Allgemeinen Preußischen Land-
recht).
Die Humanisten des 15./16. Jh. übersetzten ihre Fa-
miliennamen gern ins Lateinische oder Griechische, was
im Grunde keinen eigentlichen Namenwechsel bedeutete

1
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So nannte sich der elsässische Astrologe Joh.
Lichtenberger
(gest, nach 1488) Claromontanus. Der Straßburger
Drucker
Martinas Flaccus (1475—1501) hieß von Haus aus
Martin
Flach, nannte sich aber auch noch J/arfiniw Simus (lat.
simus ‘Platt-, Stülpnasiger’). Erasmus von Rotterdam
(1466—1536), in voller lateinischer Form Desiderius
Eras-
mus Roterodamus, trug ursprünglich den schlichten
nieder-
ländischen Namen Geert Geerts. Er verband ihn
fälsch-
licherweise mit ‘begehren’ und ,,übersetzte“ durch lat.
desideräre und griech. erän. Auf ähnliche Weise
dürften
auch* der 1575 in Dresden genannte Doctor Zinapis
(lat.
‘Senf’) und 1495 Jöstel Jutex (wohl zu lat. iudex
‘Richter’)
zu ihren Namen gekommen sein. — Mitunter
begnügte
man sich mit der Anfügung lateinischer Endungen an
den deutschen Namen; so entstanden Heinsius aus
Heinz,
Lipsius {Lips, Philipp), Reimarus {Reinmar),
Mathesius
Thomasius, Crecelius (aus Kretzel zu Pankratius),
Curtius
(aus Kurz oder Kurt). — Bisweilen stützte sich die
Latini-
sierung nur auf äußere lautliche Anklänge: Die
Pastoren

1
1
4
Jens und Söncke in Schleswig-Holstein nannten sich
„auf
Lateinisch“ Janus und Seneka\ Gegen solche Demon-
strierung gelehrter Bildung wurden aber bald Proteste
laut. Bekannt sind die scharfen Worte H. M. Mosche-
roschs: „Schäme dich für dem Teufel, wann du ein
ehr-
lich Teutsche Ader in deinem leib hast, das du einen
andern Namen, einen Auszländischen Namen, vnnd
den
du vielleicht selbst weder verstehest noch weissest,
solst
einem verständlichen bekanten Teutschen Namen vor-
ziehen!“
Wird die Bedeutung der Namenwörter aktiviert (vgl.
S. 7f.), so können in Fällen wie etwa Schwein, Kalb, Un-
gerathen, Ficker anstößige Assoziationen hervorgerufen
werden; man änderte diese Namen — heute ist ein Antrag
nötig — in Klein, Kolb, Unger, Frickert. Thunichtgut, ein
späterer Minister Maria Theresias, wurde auf ihren Befehl
hin umgenannt in Thugut. Der Angestellte Schufft an
einer hessischen Taubstummenanstalt mußte auf Anord-
nung des Landesherrn 1837 seinen Namen ändern in Schafft.

1
1
5
Sonst begegnen in der Neuzeit Namensänderungen noch
bei Künstlern von Bühne, Variete und Film, Artisten
usw. Sie lieben fremdklingende Namen um der besonderen
Wirkung auf das Publikum willen. Der schwäbische
Sänger Stiegele nannte sich Stighelli, die Sängerin Crüwell
Cruvelli; die Sängerin Berta Schwarz fand den klangvollen
Namen Bianca Bianchi zugkräftiger, ohne sich daran zu
stoßen, daß italienisch bianco, -a nicht ‘schwarz’, sondern
‘weiß’ heißt.
Das Pseudonym1 der Schriftsteller kennzeichnet
nicht unbedingt einen Namenwechsel, da der ursprüng-
liche Name beibehalten werden kann und nur die Werke
unter dem Pseudonym erscheinen. Die Beweggründe dazu
können verschiedener Natur sein: z. B. das Bestreben,
dem Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit zu entgehen
das Bemühen, unerwünschte Assoziationen, die der ur-
sprüngliche Name wecken könnte, zu vermeiden;, der
Entschluß, den Bruch mit der Vergangenheit auch äußer
lieh durch Ablegen des alten Namens zu markieren, wie
etwa Ludwig Renn, ehemals Arnold Vieth von Golssenau
Von besonderem Reiz sind die vier Pseudonyme Kurt
Tucholskys, entstanden, weil „eine kleine Wochenschrift
. . . nicht viermal denselben Mann in einer Nummer
haben“ mag: Ignaz Wrobel, Peter Panter, Theobald Tiger
Kaspar Hauser. In dem 1927 erschienenen Aufsatz „Start“
schildert Tucholsky, wie er dazu kam; hier nur ein Aus-
zug: „Wrobel — so hieß unser Rechenbuch; und weil mir
der Name Ignaz besonders häßlich erschien, kratzbürstig
und ganz und gar abscheulich, beging ich diesen kleinen
Akt der Selbstzerstörung und taufte so einen Bezirk
meines Wesens.“ Daß ein Verfasser von Kinder- und
Jugendschriften namens Rudolf Schmalz seine Bücher
lieber unter dem Pseudonym Rudolf Schmal erscheinen
läßt, ist ebenso verständlich wie die Wahl des Pseudo-
Hierzu Hoizinann-Bohatta, Deutsches Pseudonymen-Lexikon, Wien —Leipzig
1906. - G. Schneider, Die Schlüsselliteratur, Stuttgart 1951-1953. Für die
DDR: Schriftsteller der DDR, Leipzig 1961.

7 Deutsche Personennamen 116


nyms Pan Rova, wenn man wie Heinz Riedt am Kampf
italienischer Partisanen gegen den Faschismus beteiligt
war. Angesichts der Häufigkeit eines Namens wie Müller
kann man auch verstehen, daß Erich Müller lieber als
Erich Millstatt und Inge Müller lieber als Ingeborg
Schwenkner in den Titeln ihrer Veröffentlichungen er-
scheinen wollen. Wer vermutete schließlich hinter dem
Familiennamen Erich Maria Remarque den schlichten
Namen Kramer, einfach rückwärts gelesen und statt des
-k mit einem ,,französischen“ -que geschrieben? Auch
früher war dergleichen schon üblich. Goethe führte in
Italien den Namen Möller, Ludwig Tieck schrieb zunächst
als Peter Leberecht, Wilhelm Raabes „Chronik der Sper-
lingsgasse“ erschien unter dem Namen Jakob Corvinus.

B. Die Bildung der Familiennamen

Rechtes Verständnis für die Entwicklung, Geschicht e


und Bedeutung der Familiennamen setzt eine Einsicht
in ihre verschiedenen Bildungsmöglichkeiten voraus. Es
mußte im bisherigen Verlauf der Darstellung schon bis-
weilen darauf verwiesen werden. Im folgenden soll nun
eine systematische Übersicht über die wichtigsten Bil-
dungstypen vermittelt werden.

I. Die Bildung der Familiennamen aus Rufnamen

1. Die vollständige Form, über die ein Rufname sich


zum Beinamen und Familiennamen entwickelt, zeigt der
Typ Dietmar Reinhards Sohn — mit ungekürzter genea-
logischer Angabe; z. B. Braunschweig 1320/30 Henning
Helmoldes sone, Dresden 1332 Andereys her Apecz sun.
Soweit dieser Typ in modernen Familiennamen weiter-
O lebt, ist das Wort für ‘Solin’ in der Regel abgeschwächt,
zu -sen-. Diercksen aus Dieteriksen, Hinrichsen, Frerksen

1
1
7
aus Frideriksen, Detlevsen, Andersen (zu Andreas), Peter-
sen, Paulsen, Jansen (zu Johannes), Thiessen (zu Mat
thias), Siemssen (zu Simon), Klaasen (zu Nikolaus),
Frenssen (zu Franz).
Neben den wohl überwiegenden starken Genitivformen
(-s) steht im gleichen Typ auch der schwache Genitiv auf
-en: Braunschweig 1375 Hennighe Lampen sone. In
Namen wie Klaasen, Maaßen (zu Thomas) muß also nicht
unbedingt -sen (‘Sohn’) vorliegen; ein Teil dieser Bil-
dungen wird auf einen schwachen Genitiv des Maaßen
(Sohn) zurückgehen.
Die genealogischen Angaben können auch andere Ver
wandtschaftsbezeichnungen enthalten, so nach dem Vater
vor allem auch die Mutter, dann haben wir es nicht mit
einem Patronymikon, sondern mit einem Metrony
mikon zu tun: 14. Jh. Nickil Jütten son ‘Nickel Sohn der
Jutta’, Hamburg 14. Jh. Hermannus filius Yde ; Dresden
1324 Niclaiz vern Vthin (vern — vrouwen); Zerbst 1346
Fredericus Vornadelen (= vrouwen Adelen). Im Ostmittel
deutschen scheinen Metrony mika häufiger zu sein als z.B
in München, wo E. Eitler unter 40000 Belegen des 14. Jh
nur 2 findet: peter kunigunter 1400; Chunrad Triener 1381
Seltener sind Benennungen nach dem Sohn, dsn Ge
schwistern, dem Ehemann und der Ehefrau (darüber auch
oben S. 91), dem Schwiegervater: 1375 Braunschweig
Hermen Lodewighes voder, 1306/20 Godeko frater Georgii de
Helmstat, 1342 Enghelke der Wescherzen man-, München
1369 Leutel Klingensmid, Sigel sein aidem — 1371 Sigel
Klingensmid.
2. Ist so ein genealogischer Beiname zum erblichen
Familiennamen geworden, dann hat die Beifügung ‘Sohn
keinen „Sinn“ mehr, denn es handelt sich ja gar nicht
mehr um den Sohn des namengebenden Ahnherrn, son-
dern um spätere Nachkommen. Das funktionslos ge-
wordene Wort fällt ab. Den Anfang bildet schon die oben
erwähnte lautliche Abschwächung zu -sen. Aus dem Typ
Dietmar Reinhards Sohn entsteht der Typ Dietmar Rein
hards; vgl. 1293 Sigfrit des Langen Chunratz sun= 1295
Sy frit des Langen Chunratz oder Dresden 1307 Thimo her
Helwigis. Hierher gehören viele der modernen auf -s aus-
lautenden Familiennamen wie Sievers (aus Sigfrids}, Hein-
richs, Deiters und Dittes (aus Dietrich o. ä.), Wilms (aus
Wilhelm}, Hellmers (aus Hildimar}, Reimers, Reiners (aus
Reinmar o. ä.), Siemens (zu Simon), Wiens (zu Baldewin
Eggers (zu Agihari), Berends (zu Bernhart), Rolfs, Rohlfs
(zu Rudolf), Geerts, Geerths (zu Gerhart), Herms, Harms
(zu Hermann), Brandes (Hildebrand), Adams, Sanders
Mertens, Steffens, Brahms, Carstens (Christian). Derx, 1455
Erhärt Dirkes (zu Dieterik)\ Henks, 1548 Blasius Hingks
(zu Zhnrifc, nd. für Heinrich). Auch Familiennamen mit
-fz sind hier zu nennen: Lampertz (Lamprecht), Richartz,
Helmholtz (Helmold, Helmbald).
99

Aus einem Rufnamen mit schwacher Genitivform sind


Familiennamen entstanden wie Konen (zu Konrat), Luden
(Ludwig), Gi(e)sen (Giso), Eggen, Ecken (Eckehart o. ä.),
Ballen, Bolten (Baldwin), Nolden (Arnold o. ä.), Dolfen
(Adolf, Rudolf o. ä.), Wolfen usw. Zu August gehören die
altenburgischen Peter Austen 1494, Gregor Augsten 1537,
Lorentz Augustenn 1543.
Über lateinische Genitivformen wie Gherardus Ecberti
13. Jh. in Hamburg und ähnliche vgl. auch S. 80. Auf
sie gehen die Familiennamen Lamberti, Conradi, Heinrici
Friederici (Freiberg/Sa. 1411 Nikol. Frederici), Wilhelmt
und andere zurück.
3. Weiterer Reduktion fiel schließlich auch das eben
falls funktionslos gewordene Genitiv-s zum Opfer; es ent-
stand der Typ Dietmar Reinhard. War einmal ein Ruf-
name ohne jede Flexionsendung oder weitere Beifügung
als Bei- oder Familienname möglich geworden, dann
brauchte die Entwicklung nicht in jedem Einzelfall alle
obenerwähnten Phasen zu durchlaufen. Es konnte in
Analogie zu vorhandenen Fällen auch sofort ein Per-
sonenname vom Typ Dietmar Reinhard gebildet werden
So erklären sich die zahlreichen modernen Familiennamen

1
0
0
die gleichzeitig auch noch als Rufnamen verwendet
werden: Albrecht, Albert, Arnold, Bernhart, Berthold, Diet-

10
1
4. rich, Ernst, Friedrich, Heinrich, Hildebrand,
Konrad usw ;
von Fremdnamen: Adam, Donat{h), Fabian, Gabriel
(im
Altenburgischen 1467 Gabrihel), Franz, Matthias,
Paul{us),
Thomas, Valentin. Manche begegnen heute als
Rufnamen
nur noch selten oder gar nicht mehr, z. B. Gebhart,
Ger
lach, Gangolf, Gerwig, Helbig, -wig, Lorenz (aus
Laurentius),
Ruprecht (aus Hruod-berht).
Entsprechendes gilt für die Kurzformen: Hein {Hem
*ich o. ä.), Kuhn {Konrat), Kunz{e), Lutz{e) {Ludwig),
Reinke {Reinhart o. ä.). Weitere Beispiele s. unten S. 123fF
Frauenrufnamen erscheinen als Familiennamen selte
ner, da — wie oben dargelegt — bei der genealogischen
Angabe in der Regel der Name des Vaters verwendet
wurde. Einzelne Fälle sind z. B. 1618 Andr. Hildegardus
aus Oberurff (Fritzlar), 1289 Theodericus Elisabet aus
Tautenburg (Thür.). Ein noch heute in manchen Gegen
den mehrfach vorkommender Familienname dieser Art
ist Jutz{e), Jütz{e), Jutzi, -y zu dem häufigen Frauen-
namen Jutza aus Jutta, z. B. 1631 Joh. Yütz aus Frei
bürg i. Br., 1659 Joh. Jakob Juzo aus Ulm. Der Name ist
vor allem in Westdeutschland konzentriert. In Nordwesr
deutschland begegnet die Form Jütte{n), in Dortmund
1926 z. B. 26mal.
5. Wie im appellativischen Wortschatz eine Genitiv
Verbindung in eine Zusammensetzung umgewandelt wer
den kann, so ist das auch bei den Namen möglich: statt
Dietmar Reinhards Sohn haben wir dann den Typ Dietmar
Reinhardssohn oder Reinhardsdietmar. Familienname»’
dieser Art sind heute nicht allzu häufig, finden sich abe r
doch.
a) Den ersten Typ vertreten auffallend viele Metrony-
mika (s. S. 99). Eisensohn begegnet in Wien 1926 9mal

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2
ferner in Zürich, Innsbruck, Kassel, Karl-Marx-Stadt
Eitensohn, Aitensohn gehören z. T. zu Agathe -, ferner
Straßburg 1345 Nicolaus dictus Gredenkint, Aachen 1377
Jo. dictus Idenkint. Auch die Beispiele mit abgeschwäeh-
tem -sen (s. S. 98) können teilweise auf eine solche Zu
sammensetzung zurückgehen und damit hierhergehören.

10
3
b) Moderne Familiennamen dieser Art sind Ilgenfritz
(Ilgen zu Ägidius, also ‘Fritz des Ägidius’), Harmjans, -z
(zu Hermann und Johannes), Schmitthenner (zu Schmitt
und Henner von Heinrich). Elsenhans begegnet 1929 in
Stuttgart 12mal, in Karlsruhe 1928 8mal, ferner u. a. in
Nürnberg, Fürth, München, Ulm. 1326 in' Süd West-
deutschland Lempfritz (zu Lamprecht und Fritz), 1524 in
Kassel Matthes Alckenhans (zu Alke aus Adelheid).
6. Zusammensetzungen haben sich auch ergeben, wenn
dem Rufnamen ein charakterisierendes Adjektiv voran-
gestellt wurde: Typ der lange Heinrich. Besonders beliebt
sind hierbei die Adjektiva alt und jung, die den Vater
vom Sohn oder auch den Erstgeborenen vom Später
geborenen unterscheiden. Dieselbe Bedeutung haben auch
meistens klein und groß. Sie werden nur selten auf die
Körpergröße zielen. So entstanden unsere Familiennamen
Jungnickel (eigentlich ‘junger Nickel’ zu Nikolaus), Jung
hans, Junghänel, Junghenne (ebenfalls za Hans, Johannes),
Jungkunz, auch Jungkunst, Jung schilling, Jungschulz; Alt-
hans, Althenn(e), auch Althen, Altkunz, AUwolj’, Groß-
dieler, Großhans (dazu auch das westdeutsche Groschan
aus Großjean), Großklaus, Großkunz, Großnickel, Grotekord -,
Kleinhans, Kleinhem/pel (zu Heimberht o. ä.), Kleinhensel,
Kleinkunz u. a. Die Vorstufe, noch mit getrennt geschrie-
benem Adjektiv, zeigen z. B. Braunschweig 1331 dove
Vricke (‘der taube Fricke’), 1387 swake Heyne, 1374 schewe
Heneke; Leutkirch 1395 Conrad gen. der alt Cuontz; Dres-
den 1471 der Schöne Caspar. Das Adjektiv kann auch in
flektierter Form (meist schwach, seltener stark) in der
Zusammensetzung auftreten: Dresden 1440 Spiczenickel,
um 1370 Andreas Clugetyle, 1575 Antonius LangenickeU.
Duderstadt 1445 Bertold Jungebertold', 1569 Joh. Grotejan
zu Hameln; Groterjan. Dresden 1583 Burckhard Aldian
enthält ebenfalls den Namen Jan und Dresden 1499 Lod
wig Cleinierge den Namen Jörg (zu Georg).
Solche Bildungen sind bisweilen noch lange Zeit labil,
ehe sie zum festen Familiennamen erstarren. Man vgl
z. B. Dresden 1396 Andreus Lange Jacojs, 1404 Andres
Langeiacoff. 1414 Er Jacoff, den man nennit den
Langen-
Jacoff; im Altenburgischen 1540 Hans Andreas der
Eldere
— Hans Enders der Junge auch Jungenders genannt.
7. Auch durch Zusammensetzung mit einem Substantiv
oder Verb (dies seltener) kann ein Rufname eine nähere
Bestimmung erhalten und in dieser Form zum Familien-
namen erstarren. Es entspricht der noch heute übliche
Brauch von Ladeninhabern, sich z. B. als Füllhalter-Stirl,
Uhren-Schulze, Textil-Müller zu bezeichnen. Am häufig-
sten sind hier wohl die Bezeichnungen nach Wohnstätte
und Beruf, so z. B. im Altenburgischen 1531 Molhans
(Mühlhans), 1511 Mats Schutzmichel (ein Michel, der von
Beruf Schütze, Wächter war?), 1531 Suchmichel, 1534
Hans Rolhans. Diese Fälle sind z. T. jüngere Zusammen-
ziehungen; vgl. z. B. Lippe 1380 Bernt vor dem Holte —
1488 Holtbartold — 1507 Holthans. Derartige Bildungen
werden auch zur Differenzierung häufig vorkommender
Familiennamen wie Meier, Schulze u. a. benutzt und ge-
hören im Grunde zu den Familiennamen aus Wohn-
stätten- und Berufsbezeichnungen und Übernamen (dar-
über S. 11 Iff.). Der Typ ist auch unter den modernen
Spitznamen recht verbreitet (vgl. S. 11 f.). Entsprechend
sind schon Namen aufzufassen wie Zankheintz Heintz 1351
in Ansbach, Fischgredlein 1479 in Ansbach, Hans Bier
wolff 1548 im Altenburgischen. A. Bach berichtet von
einem Mädchen namens Philippine, das nach seinem ge-
räuschvollen Auftreten das Spektakelsbinchen genannt
wird.
8. Die nähere Bestimmung des Rufnamens kann auch
nachgestellt werden, doch ist die Zahl solcher Bildungen
nicht sehr groß. Hierher gehören teilweise die obenerwähn-
ten Namen Hoff mann-Kray er u. ä. (S. 90). Bei häufiger
vorkommenden Familiennamen werden gern Angaben der
Herkunft oder des Wohnortes unterscheidend beigefügt
Fritz Müller-Partenkirchen, Koch-Gotha, Schultze-Naum
bürg, Wilhelm Schmidtbonn.
9. Bei (Jer Bildung von Familiennamen aus Rufnamen
werden auch verschiedene Ableitungssilben, Suffixe, ver-
10. wendet. Die wichtigsten seien nn folgenden
durch einige
Beispiele belegt.
a) Am weitesten verbreitet ist wohl — mit gewissen
geographischen Unterschieden — das Suffix -er. Es hat
in den meisten Fällen patronymische Bedeutung: ein
Nachkomme des 1460 in Freiburg erwähnten Meister
Heinrich der Arzet wird 1494 genannt als Hans Heinrichen.
Wie im appellativischen Wortschatz (Tischler neben ur-
sprünglichem Tischer, Gewerkschaftler neben Gewerk-
schafter) tritt -er auch in den Namen erweitert zu -ler
und -ner auf, z. B. Seppler zu Joseph nach dem Muster
von Wetzel-er zu W et zier-, Baldewin-er zu Baldwiner. Bis-
weilen wird im Auslaut ein -t angefügt, so daß ein Name
wie Kuhnert auf zweierlei Weise entstanden sein kann:
aus Kuhn-er zur Kurzform Kuhn oder aus einem Voll-
namen mit -hart (Kuonhart), das ja als zweites Glied zu
-ert abgeschwacht wurde (S. 41). — Hierher Familien-
namen wie DiepoUer (zu Dietbald), Rupprechter, Kerler
(zu Karl), Wulfer(t), Wilier (zu Wilhelm o. ä.), Lorzer (zu
Lorenz), Lexer (zu Alexius), Deiser (zu Matthias), Wieser
(zu Alois), Figener, Fügener (zu Sophie), Eitner (zu Agathe);
1602 Klaiser, 1608 Kläuser, Gleiser, 1464 Kiauser — alle
zu Nikolaus.
Von diesem patronymischen -er-Suffix sind andere Bil-
dungen auf -er zu unterscheiden, nämlich das -er stark
flektierter Adjektive bei Übernamen (Großer usw., S. 117),
das -er des Komparativs (Besser) und das -er, das aus
emem zweiten Namenglied -hari, -heri, -her (Wemher
Werner) entstanden ist. Vgl. auch über -ert das Gesagte.
b) Das Suffix -ing (vgl. auch S. 29) erscheint durch
falsche Silbenabtrennung auch in den erweiterten Formen
■ling, -ding, -king, woraus sich orthographische Varianten
wie -ink, -yn(c)k, -ingk, -ingh ergeben. Es bezeichnet an
sich die Zugehörigkeit und hat in den Namen ebenfalls
patronymische Bedeutung. In manchen Mundarten, be-
sonders im Ostmitteldeutschen, wird nebentoniges -ing
zu -ig (gesprochen -ich), -ich-, vgl. im Altenburgischen
1531 Simon Libingk, heute Liebig (zu einem Rufnamen
mit Lieh-). Hierher auch Namen wie Tillich (zu
Diet-),
Hennig, Wittig, im Altenburgischen 1465 Austen
Wittich
(Witu- ‘Holz’) Uhlig (zu Uodal-), Meinig, Heinzig.
Ferner
z. T. in den erwähnten Variationen Arning (zu Arn-).
Ge(h)ring, Gö(h)ring^ Gerling (alle zu Gĕr-),
Harting, -ung
Herting (zu Hart- oder -hart), im Altenburgischen
Peter
Muting 1539 (zu -muot), Simon Podeling 1518 (zu
Boto j
Killing, Killig (zu Kilian), Humperdinck (zu
Hunberht),
Alberding, Warneking (zu Warn-), Ludeking (zu
Lud ).
Lortzing (zu Laurentius, Lorenz), Klasing (zu
Nikolaus).
Frauennamen begegnen seltener: 1383 Joannes
Susanning.
c) Über die Diminutivsuffixe bei den Rufnamen
s. S. 27ff. Auch damit werden von Rufnamen Familien
namen gebildet. Man hat so in älterer Zeit wohl die Zu-
gehörigkeit des Nachkommen ausgedrückt, das Kind dem
Vater „zugeordnet“ — ähnlich wie -ing, -er —, oder man
hat auch den Jüngeren vom Älteren, den Sohn vom Vater
und Brüder untereinander unterschieden, ähnlich wie mit
Jung-, AU-. Man vgl. z. B. in Oberhessen 1471 HansCuw
und das Junge Contzchin, Magdeburg 1385 Claus Fritzen
sone von Hondorp = 1386 Claus Fritzeken von Hondorp,
am Oberrhein um 1300 C. Krephelin als Sohn eines Ber-
tholdus Krafpho, 1295 Ruodinus dictus daz Munchli als
Sohn des Günther Mönch, in München 1371 Purchkel
cornijex iunior = 1372 iunior Purckhart. Unter den hier-
hergehörigen Familiennamen überwiegen die Formen mit
-el und -ke; -lein und -chen sind seltener. In den meister«
Fällen wird die Diminuierung allerdings nicht mit der
Entstehung des Beinamens verbunden gewesen sein,
sondern es hegt schon ein diminuierter Rufname zu
gründe. Im niederdeutschen Gebiet sind die -&e-Formen
zu Hause (auch slawische Herkunft ist hier möglich,
s. S. 182f.): Bartke (zu Bartholomäus), Berneke(r) (zu Bern- )
Brendeke (zu -brand), Bruneke, Fricke (zu Frid-), Gerke
Gierke (zu Ger-), Hein(i)(c)ke, Hartke, Hennecke (zu Je-
hannes, Hans), Braunschweig 1351 Jacob Kopeken, Kü-
necke (zu. Kuon-), Reinicke, im Altenburgischen 1580
Christoph Schwanecke (zu Swan-), Wilke. Mit -el begegnen
d) uns řm Alten burgischen 1502 Jorge Nindel,
1547 Georg
Nendel (zu Nand-), Oertel, 1456 Jacofj örtil, Greger
Erteil
1557 (zu Ort-), Niel. Pöpel 1486 (zu Poppo), Simon
Brüssel
1536 (zu Ambrosius), Hans Netzei 1480, Hilbrant NötzscheU
1537 (zu Ignatius). Vgl. ferner Frenzei, Thomel, Döhmel,
Dehmel (zu Thomas), Künzel, Günzel, Rudel.
e) Atich das Substantiv -man ‘Mann’ kann zur Ab-
leitung eines Beinamens verwendet werden, bildet jedoch
auch schon Rufnamen (S. 29). Bei den Familiennamen
läßt sich beides meist nicht unterscheiden. Heinzmann,
Deismann (zu Matthias), Petermann, Tillmann (zu Diet-),
Litzmann (zu Ludwig, Lutz) können also entweder so
schon als Rufnamen vorgelegen haben und wie alle
anderen Rufnamen zurh Familiennamen geworden sein,
oder der Sohn eines Peter wurde — mit patronymischer
Bedeutung wie -ing, -er — Petermann als ‘der zum Peter
Gehörige’ genannt, man kann auch ‘Ehemann’ bedeuten
und die „Zugehörigkeit“ zu einer Frau zum Ausdruck
bringen: Stuttgart 1351 Joh. Hiltenmann, Hannover 1382
Cord Elseman. In diesen Fällen kann man nicht von einem
Ableitungssuffix sprechen, sondern es handelt sich um
eine Zusammensetzung wie unter 4 a.
Es können auch mehrere Suffixe zur Ableitung eines
Familiennamens an einen Rufnamen treten (vgl. auch
S. 30). Verbreitet sind z. B. suffigierte Kurzformen, an
die noch zusätzlich -man getreten ist: T(h)ielemann (zu
Diet-), Seidelmann, Dietzmann, Kunzmann, Henselmann,
Henzmann (1415 Hencman Smit St. Blasien = 1420 Hainz
Smid), Fritzmann, Fritschmann.
Zu einem Suffix hatte sich auch das zu -old ab-
geschwächte alte Namenwort -wald entwickelt (S. 41).
Doch hat es kaum patronymische Bedeutung, sondern
bildet Rufnamen, die als solche dann auch zu Familien-
namen werden können. Vgl. z. B. im Altenburgischen
Hietschold, 1430 Hans Hyczolt (zu einem Vollnamen wie
Hiltibrant mit -z-Suffix), Petzold, 1413 Conrad Pezold (zu
Petrus, Peter mit -z-Suffix), Niezold, 1561 Mattes Nitzold
(zu Nikolaus mit -z-Suffix), Dietzhold, 1442 Tycze Thyczold
(zu Diet- mit -z-Suffix). Der Bildungstyp ist in
dieser
Gegend so produktiv gewesen, daß sich ganz andere
Namen ihm allmählich angeglichen haben, z. B. Etzel
(wohl Kurzform mit -z- und -Z-Suffix zu einem
Vollnamen
wie A dalb er ht) heute ausschließlich in der Form
Etzold.
Den Übergang zeigt die Namengleichung Jacofl Etzel
I486 = Jacofj Etzol 1489 Jacofj Etzold 1492.
Auch andere Suffixe können sich im Laufe der Zeit
gegenseitig ablösen, wobei sich auch räumliche Verände-
rungen abzeichnen (darüber S. 178f.). So wurde z. B. -ing
allmählich zurückgedrängt. Es traten genitivische Formen
dafür ein (z. B. Braunschweig 1364 Ludeke Rygherdinghe
= Lud. Rychardes-, Meppen 1443 Godeke Rolvinck = 1435
Goedeke Rolves) oder auch -er-Bildungen (Lippe 1595
Jürgen Hermeling = 1597 Jürgen Hermeier).

II. Die Bildung der Familiennamen


aus Herkunftsbezeichnungen

Wie in Gruppe I gibt es auch unter den hier zu er-


örternden sogenannten Herkunftsnamen einige Stan-
dardtypen, die sich dann teilweise weiterentwickelt haben.
Über den Inhalt der Herkunftsnamen, ob sie auf eine
Landschaft, einen Stamm, eine Siedlung weisen, vgl. man
S. 128 ff. Im folgenden geht es zunächst nur um die Bil
dungsweise.
1. Wir sagen heute in der Regel Günther aus Leipzig.
wenn wir die Herkunft angeben. Früher gebrauchte man
dazu die Präposition von oder das lateinische de. Dieser
Typ war überall in Deutschland verbreitet, hat sich aber
heute nur noch in einigen Gegenden erhalten (S. 174)
Vgl. z. B. in Dresden 1308 Heynrich von Kemnicz (Kem
nitz b. Dresden), 1396 Nickil von Lubenicz (Leubnitz
Neuostra b. Dresden); im Altenburgischen 1295Nycolauf
de Zwickowe (Zwickau), 1290 Guntheri de Dresden. Mit
dem Artikel 1406 Rolf von der Eyfeien {die Eifel); so auch
bei Flußnamen: 14. Jh. Heyncze vom Neckar, Bremen
2. 14. Jh. Arnold van der Vechte. Gelegentlich wird
auch
schon wie meist heute die Präposition ‘aus’
verwendet
Hamburg 13. Jh. Hermannus dictus ut Nordinc,
Braun-
schweig 15. Jh. Vincentius uthe Polen.
Die Präposition von ist also in all diesen Fällen kein
Adelsprädikat. Namen dieses Typs sind heute vor allem
im deutschen Nord- und Südwesten erhalten, z. B. van
Beethoven zum Ortsnamen Betuwe 1267 (bei Tongern in
Belgisch-Limburg), Bet(h)oven 1582, sowie die bürger-
lichen Namen von Siebenthal, von Arx, von Laupen in der
Schweiz.
Namen mit von können auch den Wohnsitz — nicht die
Herkunft — bezeichnen, vor allem bei Adligen, und ge-
hören dann zu den weiter unten zu erörternden Wohn-
stättennamen (S. 111 ff.).
3. Neben der Herkunftsangabe mit ‘von’ steht die
Bildung mit dem Suffix -er, die wir heute allgemein bei
Bt wohnerbezeichnungen verwenden (Berliner, Engländer)
Dieses -er hat keine patronymische Bedeutung wie bei
den in I, 8 a erwähnten Bildungen und ist zunächst wohl
auch anderen Ursprungs. Hier ist also die Bezeichnung
für den Bewohner der Siedlung, der Landschaft, des
Landes zum Familiennamen geworden: 12. Jh. Albrecht
der Basiler (Basel), 14. Jh. Heinrich der Wiener. Bei den
ältesten, in lateinischen Texten auf tretenden Formen
fehlt der Artikel noch, später steht er öfter, um schließ-
lich ganz zu verschwinden: Plauen/Vogtland 1388 Nikel
Babenberger (Bamberg), 1500 Erhardus Pirner (Pirna),
1506 Lorentz Proger (Prag); Dresden 1495 Die Peter Reyn-
lenderin, 1580 M. Magdeburger, 1582 hans Saif elder-.
Hasenclever (Hasenclev; zu Remscheid), Heidegger, Hai-
decker (mehrfacher Ortsname Heideck usw.), ebenso
Honegger, -ecker (Hoheneck). Auch hier kann das Suffix
gelegentlich erweitert werden: Plauen/Vogtland 1388 Hans
Wisentner (Wiesent östlich Regensburg); Furtwängler
(Furtwangen). Die Ortsnamen werden aber häufig ge-
kürzt. Bei denen auf -en fällt meist -en ab, bevor das
Suffix -er antritt: Bremer, nicht Bremener zu Bremen-,
4. ähnlich Dresden 1493 Hans J Kenner zu Jena.
Bisweilen
erfolgt Umlaut: neben Adenauer (Adenau in der Eifel)
steht Adeneuer. Das von den Ortsnamen auf -heim ge-
bildete -heimer wird mundartlich vielfach zu -emer-,
dies
kann dann als neues Suffix bei Ortsnamen verwendet
werden, die gar nicht auf -heim auslauten, z. B. in der
Umgebung von Freiburg i. Br.: Zartemer zu Zarten,
Haslemer zu Haslach usw. Bemerkenswert sind auch
die
Gleichungen Michael Dörner 1595/98 = Michael
Dornhan
1595/1608 (Dornheim); Benz Dornhaim 1400 = Benz
Domer 1406.
Das Suffix -er ist geographisch unterschiedlich ver-
breitet und ist auch in einer Gegend nicht bei allen Orts-
namentypen gleich beliebt. Besonders häufig findet es sich
bei den Ortsnamen auf -ingen am Oberrhein, dann bei
solchen auf -heim, -bach, -berg, -bürg, -stein, -dorf, weniger
bei Ortsnamen, die auf -er ausgehen {-acker, -iveiler),
im Oberdeutschen insgesamt recht häufig, im Niedei-
deutschen kaum (darüber auch noch unten S. 178 f.)
Auch hier gibt es, wie bei den -er-Bildungen von Ruf-
namen, die Formen mit anorganischem -t: Dannert zu
Dannau b. Eutin, Tendiert zu Teuchern/Thür., 1481 Kir.
stan Tucherde in Jena.
5. Die Herkunftsnamen können schließlich ohne Prä-
position und ohne Suffix, sozusagen in reiner Gestalt,
einen Orts- oder Ländernamen enthalten: neben dem Typ
Günther von Leipzig und Günther (der) Leipziger ist dies
der Typ Günther Leipzig, der durch Kürzung aus einem
der beiden anderen entstanden ist. Daneben ist auch die
Möglichkeit im Auge zu behalten, daß der Ortsname ais
Übername gegeben worden ist, wozu Präposition oder
-er-Suffix nicht nötig waren. Waren dann einmal Modell-
fälle da, dann brauchte der Weg natürlich nicht mehr bei
jedem Einzelnamen über die ausführlichere Form zu
gehen. Hierher also z. B. die Namen Ernst Barlach (Orts
name Barlohe mehrfach in Schleswig-Holstein), Basedow
(ebenfalls mehrfacher Ortsname in Schleswig-Holsten
und Mecklenburg), Baudissin (zum Ortsnamen Bautzen
6. alt Budissiri), Delbrück (Ortsname in Westfalen
und dem
Rheinland), Leibniz (Ortsname Leubnitz mehrfach in
Sachsen). Weitere Beispiele s. unten S. 129ff.
In älterer Zeit kamen bisweilen alle drei oder auch nur
zwei dieser Bildungsweisen bei der gleichen Person neben-
einander vor, z. B. Plauen/Vogtland 1432 Johannes Roders-
dorfl = 1440 Job. Rodersdorjer — 1460 Hans von Rodiss-
dorfle-, Dresden 1494 Thomas Beyerrewth = 1503 Thomas
Bernreuther, 1332 Heynrich von Pirne = 1362 Heinrich
Pirner -, Frankfurt/Main 1390 Heincz von Buczbach — 1389
H. Buczpach = 1388 H. Buczbecher. Allmählich setzt sich
dann — landschaftlich verschieden — die eine oder die
andere Bildungsweise durch. Die Fügung mit Präposition
tritt — wie schon angedeutet — fast überall zurück; in
Görlitz z. B. seit 1360, ähnlich in Quedlinburg, Nord-
hausen, im Altenburgischen, wobei am Anfang des 15. Jh.
das Zurückweichen am stärksten ist. Am Ende des 15. Jh.
hat der präpositionslose Typ im Mitteldeutschen gesiegt.
Im Oberdeutschen war schon vorher die Fügung mit
Präposition durch die Bildung mit -er verdrängt worden.
Dieser -er-Typ drang seit dem 15. Jh. — wie manche andere
sprachliche Erscheinung — vom Oberdeutschen aus nach
Norden vor, konnte sich aber im Mitteldeutschen nicht
völlig durchsetzen. Die Entwicklung mag hier am Bei-
spiel der unter den Dresdener Ratsmitgliedern bis 1500
belegten Herkunftsnamen veranschaulicht werden. Im
14. Jh. sind sie zu 64,3f'o (28 Namen) ausschließlich oder
teilweise mit Präposition gebildet; unter den 27 Her-
kunftsnamen des 15. Jh. begegnet der präpositionale Typ
dagegen nur in 3 Fällen, wo er zudem mit dem prä-
positionslosen wechselt, -er erscheint überhaupt nur in
8 Namen, und zwar zweimal im 14. Jh., die übrigen Fälle
erst im 15. Jh. Ganz anders ist das Bild in Plauen/Vogt-
land, im ostfränkisch-oberdeutschen Südwesten Sach-
sens; hier werden bereits am Ende des 14. Jh. die Her-
kunftsnamen zur Hälfte mit -er gebildet, und dieser Typ
wächst dann sogar noch weiter an. Im Niederdeutschen
fehlt -er fast ganz.
7. Weitere Bildungsmöglichkeiten der Herkunftsnamen
mit Hilfe anderer Suffixe als -er sind in geringerer Häufig-
keit vertreten. Hierher z. B. solche mit -ing, wie Rolling
zu Köln, Steding zu Stade, Hunting zum Flußnamen
Hunte, mit -isch, ebenfalls einem alten Suffix zum Aus-
druck der Zugehörigkeit, Kölsch zu Köln, Klefisch. Klebsch
zu Kleve, Brugsch zu Brügge, Böhmisch zu Böhmen. Etwas
häufiger sind im Norden und Nordwesten die Herkunfts
namen auf -mann, das hier sozusagen dem oberdeutsch
mitteldeutschen -er entspricht: Münstermann, Harzmann
Wesermann’, Scharrelmann zum Ortsnamen Scharrel in
Oldenburg, Zickermann zum Ortsnamen Zicker auf
Rügen ; Bremen 1328 Joh. Huntemann zum Flußnamen
Hunte, 1503 Albert Lubekeman zu Lübeck; Rostock 1300
Johannes de Riga — Rigeman.
Verwiesen sei schließlich auch in diesem Zusammen-
hang auf Namen wie Lobermeier (zum Fluß Lobei ii
Oberbayern), die Herkunft, aber auch Wohnstätte an-
geben können (s. auch S. 103, 114).

III. Die Bildung der Familiennamen aus Bezeichnungen


nach der Wohnstätte

Die Bildung der sogenannten Wohnstättennamen


kann hier kürzer behandelt werden. Sie sind nicht in
solchem Ausmaß über das ganze deutsche Sprachgebiet
verbreitet wie die beiden bisher erörterten Gruppen, und
ihre Bildungsweise unterscheidet sich auch nicht grund-
sätzlich von der der Herkunftsnamen. Wir sprechen von
Wohnstättennamen, wenn ein Mensch in der Heimat nach
seinem Wohnsitz, nach dessen Lage an Fluß, Wald, Berg.
Dorf ende usw. genannt wird.
1. Auch hier ist das Nächstliegende zunächst die Ver-
wendung einer Präposition. Aber zum Unterschied von
den Herkunftsnamen, bei denen fast ausschließlich von
gebraucht wird, finden wir hier eine bunte Fülle der ver-
schiedensten Präpositionen: im Altenburgischen z. B
1465 Nickil vor dem Tychtore, 1418 Hans an der Egke.
1413 Nickel by der Kerchen (‘Kirche’), 1347 Heynricus von.
der Hoghe (‘Höhe’); Dresden 1579/80 Caspar Am ende,
,1581 Johan vnder der linden, 1582 Bartel vom felde, 1548
Joseph in der Aue, 1413 Petir im Kellir, 1413 Kune bi
dem Borne, 1481 Paul von der Straße-, Ansbach 1448 Ulrich
lmvichhoff.
Abgesehen von Adelsnamen (s. unten) hat sich dieser
Typ mit Präposition heute nur noch in einigen Reliktge-
bieten erhalten, im Nordwesten und in der Schweiz, wo uns
Namen begegnen wie Amrain (eigentlich ‘am Rain’), Aus-
derau (‘aus der Au’}, Abderhalden, Abderlauben, Aufder-
mauer, lmjvoj, Imfeld, Zumbusch-, Ambaum, Beimfleet
(fleet = kleiner Wasserlauf), Immisch (‘im Esch’, Esch
‘Saatfeld’), Achterkerken (‘achter der kerken’), Uptmoor,
Ingensand (‘in den Sand’), Vondrach (‘von der Ach’, Ach
O ‘Fluß’), Ter Meulen, Ter Beek.
Die ältesten Familiennamen bei den Adligen waren erb-
liche Wohnstättennamen (s. S. 84, 87). Nach deren Vor-
bild setzte sich allmählich der Wohnstättenname mit von
für alle Adligen durch. Dabei sind zwei Entwicklungs-
linien erkennbar. Einerseits fügte man dem schon vor-
handenen Familiennamen noch einen solchen nach dem
Wohnsitz mit einer Präposition an. Dadurch entstanden
so merkwürdige Namenbildungen wie Gans zu Putlitz
(Familie Gans nach dem Lehensbesitz in Putlitz/Prieg-
nitz), Küchenmeister von Sternberg (meißnischer Uradel;
z machst Familienname Küchenmeister nach dem einst
ausgeübten Hofamt, dann der Wohnstättenname hinzu-
gesetzt), Schenck zu Schweinsberg (Hessen), Marschall von
Bieberstein (bei Meißen; Familienname Marschall, dazu
dann Wohnstättenname). Andererseits bildete sich von
als reguläres Adelsprädikat heraus. Besonders früh ge-
schah das in Österreich, w ro um 1500 von bei Nichtadligen
bereits durch den Typ mit -er verdrängt war. Im übrigen
Deutschland ist von Kennzeichen adliger Namen im all-
gemeinen seit dem 17. Jh. — abgesehen von den schon
erwähnten Reliktge bieten des Nord Westens und der

1
1
2
Schweiz. In einem Dresdener Verzeichnis von
Adligen
ohne Lehenträger aus dem Jahre 1568 stehen noch
Namen
ohne Präposition neben solchen mit von, auf usw.:
Hein-
rich von bunaw vf wesenstein, Cristof frey, haubolt
von
bemstein' Zw Ottendorf, Der Starscheddl, Rudolf
von der
planitz, Wolf von Carlewitz vfn Rabestein, martha
Schlei-
nitzin Zum hofe, Abraham bock, Heinrich von
miltitz Zw
Rabenaw, Hieronymus pflüg. Das ,,adlige“ von wird
schließ-
lich sogar in den Namen des jüngeren Brief adels
üblich,
wie z. B. von Goethe, von Bierbrauer usw. — wo
es,
da eigentlich auf einen Wohnsitz zu beziehen, an
sicn
völlig sinnlos ist und nur der Kennzeichnung des
Adels
dient.
Seltener kommen Wohnstättennamen mit Ortsadverbien
vor, wie z. B. Zürich 1440 Cuni Dahinden; Darboven.
2. Mit dem präpositionalen Typ konkurrieren wie bei
den Herkunftsnamen die Bildungen mit -er und der
„reinen“ Wohnsitzbezeichnung, die sich schließlich weit-
gehend durchsetzen. In selteneren Fällen bleibt die Prä-
position auch bei Anfügung des Suffixes -er noch bewahrt,
z. B. Amberger (aus am Berge zu Amberg), Hinterweiler
(Hinterwalder), Obkircher. Meist schwinden Präposition
und Artikel. Auch hier zeigt das Nebeneinander ver
schiedener Typen in der Benennung einer Person die

8 Deutsche Personennamen 113


Labilität, die Unfestigkeit des Namens, der erst im Laufe
mehrerer Jahrhunderte endgültig erstarrt; aus dem Alten-
burgi8chen nennen wir zur Illustration die folgenden Glei
chungen: Fritzsche Tenner 1437 = Fritzsche von der Tanne
1441, Hans an der Ecke 1463 = Hans Egener 1463 = Hans
'Ecke 1466 = Hans an der Ecke 1466, Hencze under der
Linden 1361 = Johannes Lyndener 1375. — Bildungen auf
-er als Namen von Einzelpersonen begegnen im Obei-
deutschen seit dem Ende des 12. und besonders seit dem
13. Jh. Walther von der Vogelweide heißt auch der Vogel-
weider, Dietrich von Bern auch der Berner. Auch diese
Fälle sind im Mittel- und Niederdeutschen selten. Beim
Adel waren sie besonders geläufig, noch Wallenstein hieß
auch der Friedländer, und heute kennt man noch die

1
1
4
3. Bezeichnungen der Herrscherfamilien die
Wittelsbacher,
die Luxemburger usw.
Die ,,reine“ Wohnsitzbezeichnung tritt ebenfalls schon
im 13. Jh. auf: Hamburg 13. Jh. Joh. diet. Pocghenwisch
(‘Frosch wiese’), 1288 Dietericus diet. Burgtor. — Weitere
Beispiele S. 133 ff.
4. Wie bei den Herkunftsnamen werden auch noch
andere Suffixe verwendet, z. B. -ing in Büsching zu Busch,
Specking zu specke ‘Knüppeldamm’, und vor allem -mann
in Angermann, Bachmann, Eggmann (Eckmann). Auf-
schlußreich ist die Breslauer Gleichung Petir of dem
Berge 1385 = Petrus Berkman 1381 = Petrus Berger
1367.
5. Die Angabe der Wohnstätte kann schließlich als
unterscheidender Zusatz zum Namen treten (s. oben S. 103,
111): Aus Lahr in Baden bringen vor die Beispiele Kesset -
meyer (nach der Lage des Wohnsitzes in einer Vertiefung,
einem ‘Kessel’), Silchmüller (zu mhd. sulch ‘Salzpfütze’),
Spitzmüller (Lage der Mühle auf einer Landspitze zwischen
zwei Bächen). Vgl. ferner Brockmeier (zu nd. brök ‘sump-
figes Land’), Lindenmeyer, Angerbauer, Eichbauer, Moos-
bauer, Talbauer, im Altenburgischen 1554 Jeronimus
Steiribawr.

IV. Die Bildung der Familiennamen aus Berufsbezeichnungen

Die Familiennamen nach Stand und Beruf werden in


der Begel mit Appellativen gebildet, ohne daß sich für
die eigentliche Namenbildung Besonderheiten ergeben.
Es werden hier deshalb mir einige kurze Bemerkungen
gemacht. Die Masse der Beispiele findet man im Abschnitt
über die Bedeutung.
1. Bildungen vie Schmitthenner (vgl. S. 102) können teil-
weise auch hierher gehören, wenn sie nämlich ursprüng-
lich einen Mann namens Henner näher bestimmen als den
Schmied’, woneben es noch andere Personen namens
Henner, vielleicht den Beckhenner (‘Bäcker’) und den

8 Deutsche Personennamen 115


Schwarzhenner gibt. Ähnlich etwa Schäferkord und Becken-
hans 1480 zu Großbottwar.
2. Die Berufsbezeichnungen wurden dem Rufnamen
zunächst mit Artikel beigefügt; noch 1482 im Altenbur-
gischenHanns derEncke (mhd. enke ‘Vieh-, Ackerknecht’),
Dresden 1422 Thomas der olde Stadschriber, 1589 Hans
der Hoffemeister. In der Regel ist aber der Artikel weit
früher geschwunden (vgl. die Beispiele S. 138ff). Er ist
bis heute erhalten geblieben in manchen niederländischen
Familiennamen wie De Boor (‘der Bauer’), De Smet (‘der
Schmied’), De Gruyter (‘der Brauer’) u. a.
3. Auch Suffixe werden — wie bei den übrigen Namen
gruppen — verwendet: -ing (fast nur in Nord Westdeutsch-
land) in Vissering {Visser ‘Fischer’), Richtering, Vögling
Meiering, auchMeyerink-, -er (vor allem im Oberdeutschen)
in Schifferer, Küsterer, Pfisterer {Pfister ‘Bäcker’); Dimi-
nutivsuffixe in Sütterlin (zu Suter, Sutter ‘Schuster’),
Schmiedel, Schmidtchen, Häfele (zu Häfner ‘Töpfer’), -ei
wechselt im gleichen Namen mit -el: München 1368 Hain
rieh Schröter = 1394 Hainrich schröteT, 1368 Schuster
mercator = 1375 Schüstel mercator.
4. Patronymi8che Formen erscheinen auch im Ge-
nitiv: Freiburg/Schweiz 1391 Willinus diet, des Meisters.
1445 Hensly Brenners, 1388 Petermann Huoters (‘Hut-
macher’); ferner Küppers {Küpper ‘Böttcher’), Schippers
Schneiders, Deckers (‘Dachdecker’), Fervers (‘Färber’),
Schmitz (‘Schmiedes’), Pferdmenges (‘Pferdehändler’).
Schwache Genitivbildungen sind Becken, Scholten.
5. Den Übernamen (s. unten) nahe kommen die so
genanntenmittelbarenBerufsnamen. Sie bietenkeine
besonderen Bildungsprobleme; vgl. S. 146.. Hierher ge-
hört auch ein Teil der sogenannten Satznamen, soweit
sie eben eine Beziehung auf den Beruf des Benannten
enthalten: Schwingdenhammer 1410 in Zürich für einen
Schmied, Henne Machewurst 1368 in Frankfurt/Main für
einen Fleischer, Stövesand (‘Stiebe den Sand’) für einen
Reiter, Hau{en)schild für den Berufskämpfer, Spannaus
für den Fuhrmann, Griepenkerlfür den Gerichtsdiener oder

8* 116
6. Bettelvogt. Teilweise enthalten dieNamenden
Artikel, teil-
weise fehlt er: Schnurpfeil (snurren ‘sausendfahren
lassen’)
— Schnellenpfeil. — Weiteres über die Satznamen
S. 156 f.

V. Die Bildung der Familiennamen aus Übernamen

Übernamen sind nach auffallenden körperlichen oder


geistigen Eigenschaften eines Menschen oft in derbem
Spott gegeben worden. Die Masse der nach Bedeutungs-
gruppen geordneten Beispiele s. S. 147 ff. Es können dazu
alle Wortarten verwendet werden, allerdings überwiegen
Substantive und Adjektive: Klein, Lange, Bauch, Kopf -,
Hamburg 13. Jh. Nicolaus Butenscone (‘außen schön’),
Zürich 1363 Petrus Gemrich (‘gern reich’), Dresden 1396
Vrüuff (‘frühauf’), im Altenburgischen 1445 Nickel Funfl-
marg, Leipzig 1961 Kurt Ueberall.
Im folgenden wird eine Übersicht über die häufigsten
Bildungsmöglichkeiten gegeben.
1. Der Übername ist dem Rufnamen als Apposition
zugeordnet. Dieser Typ ist heute — ebenso wie in den
anderen Namengruppen — der weitaus überwiegende. Als
die Bei- und Familiennamen entstanden, gab es eine An-
zahl von Variationsmöglichkeiten, die nach und nach im
wesentlichen in dem Einheitstyp aufgegangen sind. Vgl.
z B. im Altenburgischen Otto dictus Bonenbis 1290 —
Friederich Bonenbiß 1427 (‘Bohne’ hier als Wertloses,
Geringes), Heidenricus dictus PueUa 1244 (‘genannt Mäd-
chen’) = Ifeidenrici Buelle 1290, Eberhardus dictus Putz
man 1344 = Ebirhardus Puczman 1349 (Butzenmann als
Übername für eine furchterregende oder auch kleine
Person). Bisweilen steht zunächst auch noch der Artikel:
am Oberrhein 1284 Rudolf us diet, der Esel, aber in Köln
schon 1135 ohne Artikel Berwich Esel. Der schon im
Hochmittelalter auffallend verbreitete Name ist übrigens
kaum in dem heute üblichen abschätzigen Sinne auf-
zufassen. Weiter etwa in Köln 1142 Richol der Slefere

11
7
(‘der Schläfer’) = 1178/83 Richolfus Slefere.

1
1
8
2. Mit dem Rufnamen wird ein adjektivisches Attribut
verbunden: Typ der lange Heinrich. Bildungen dieser Art
können sich entwickeln, wie oben S. 102 gezeigt. Mit
Substantivierung und appositioneller Nachstellung des
Adjektivs kann daraus aber auch ein Name in der Form
Heinrich (der) Lange entstehen und endlich Heinrich Lang.
Vgl. z. B. in München Hennsl swarcz 1390 = swarcz Hennsl
1390; im Altenburgischen Cleyne Mertin 1500, Kleyn
Merten 1531 — Merten Clein 1570; Langemertin 1465 —
Merten Lange 1487; Blinde Conrade 1467, Swarcze Nickel
1413. In Dresden wird der Sohn von Jacobus didus
Magnus 1296 genannt Jenchin der Groze 1308, Johannes
der Groze 1309; sein Vater erscheint als Jacoj Groese. 1324
Die Flexionsformen des Adjektivs sind unterschiedlich.
Neben der unflektierten steht die starkflektierte in der
altenburgischen Gleichung Simon Clein 1557 = Simon
Kleiner 1560; ferner vgl. man Gregor Kleine 1537, Jacoff
Groß 1488 — Nickel Große 1488, Volten Schwartze 1525 —
Brosius Schwartz 1527. Kleiner, Langer usw. können aber
auch mit -er-Suffix als Patronymika von Klein, Lang
gebildet sein (s. dazu auch S. 104). Schließlich begegnet
auch noch der schwachflektierte Genitiv (z. B. im Alten-
burgischen Johannis dicti Jungen 1345), so daß von einem
Adjektiv wie etwa lang die Namensformen Lang, Lange,
Langen, Langer auftreten. Sie sind geographisch unter-
schiedlich verbreitet. In München war das Verhältnis 1928
454 : 29 : 1 : 11, in Köln 127 : 80 : 112 : 14, in Hannover
22 : 240 : 3 : 13, in Dresden 53 : 500 : 2 : 168. Bei den
Namen Klein : Kleine : Kleiner ist das Verhältnis in Wien
1926 1040 : 2 : 70, in Berlin 1928 1575 : 70 : 88. -r Auf
die geschilderte Weise entstehen Familiennamen wie
Beqwemer 1480, Peter Drewlich 1506 (‘treulich’), Hans
Unbereit 1531 — alle im Altenburgischen; ferner Be
schorner (eigentlich ‘der Kahlgeschorene’) usw.
3. In den Jahrhunderten, da Bei- und Familiennamen
entstanden, die Namengebung noch locker war und mehr
einen erläuternden Zusatz zum Rufnamen bedeutete be-
gegnen auch in großer Zahl Fügungen aus dem Rufnamen

11
9
und einem präpositionalen Attribut größeren
4.
oder klei-
neren Umfanges, z. B. Braunschweig 1333 Clawes
auri-
faber (‘Goldschmied’) mit der krummen sprake,
Dresden
1396 Hans mit dem Male, Friczsche mit dem
Barthe, wobei
nicht immer klar ist, ob es sich schon um feste
Namen
handelt. Aber solche umschreibenden Fügungen
Hegen
vielfach der heutigen Form zugrunde, da der
Übername
nur noch aus einem Substantiv besteht, dessen
einstige
Bedeutungsbeziehungen sich nicht mehr erkennen
lassen.
Den Übergang zeigen Gleichungen wie z. B.
Fridericus
Mittemmunde um 1190 = F. Munt 1160 in Bayern,
Peter
mit der Ax 1352 = Peter Ax 1362, Gotfrid schriber
mit
dem scharlachsmunde 1346 = Gotfrid
scharlachsmund 1359
in Breslau.
5. FamiHennamen wie Bart, Bauch, Bauchfuß (‘be-
haarter, rauher Fuß’), Milchbart usw. müssen aber nicht
ausschließlich auf dem Wege über die präpositionale
Fügung entstanden sein. Ein Mensch, der einen dicken
Bauch hat, kann auch heute noch appellativisch als
Dickbauch bezeichnet werden, einer mit langen Beinen
als Langbein usw. Wir sprechen hier von Possessiv-
kompositionen. Es sind Zusammensetzungen, die aus-
drücken, daß ein Wesen die genannte Sache besitzt (bzw.

1
2
0
hr gleicht, etwa in Schafskopf). Simplizia, wie Bart,
Bauch, Fuß usw., können ähnlich verwendet werden, und
so entstehen schon relativ früh Namen wie Sifridus Fus
de Schowenburg (Heidelberg) 1231, Heinr.Oige 1170 =
Henricus Oculus in Köln 1180 (‘Auge’). Sie zielen auf eine
Besonderheit am Fuß, am Auge des so benannten Mit-
bürgers, die allen bekannt war, so daß sie nicht ausführ-
lich genannt werden mußte.
6. Auch adverbiale Ausdrücke und Adverbien können
einem Rufnamen attributiv hinzugefügt werden, und es
ergeben sich dann FamiHennamen wie Hans Bovenuth
1469, im Altenburgischen Michel Obenauf} 1552, Braun-
schweig 1329 Ludemannus Dor den Busch, Ueberall (s. oben)
u. a. — Nicht scharf zu ziehen ist teilweise die Grenze
zwischen diesen Bildungen und sonstigen Satzfetzen und

12
1
7. Sätzen als Namen. Nach Redensarten, die die
Betreffen-
den ständig im Munde führten, sind gegeben
worden z. B
Bigott(e), 1625 Hans Adam Beygott in Baden,
Tausend-
teufel, 1404 Heinrich Tausentteufel zu Freiberg/Sa.,
Gott-
behüt, Gottbewahr, 1667 Franz Gottbewahr in
München,
Kurzum, 1677 Virgil Kurzumb aus Salzburg,
dasselbe in
der niederdeutschen Form Kortüm, Kortüm, 1630
Jodocus
Corthom aus dem Hannoverschen; ferner
Morneweg ‘mor-
gen hinweg’, 1433 Hans mornebesser, 1371 Arnolt
myn
noch me (‘weder weniger noch mehr’), Dresden
1452 Hans
das Swert ym Sacke; Nürnberg 1349 Cunrat Von
allen
lanten der cremer als sogenannter Echoname.
Am verbreitetsten sind Satznamen der Bildung Greif-
zu, Hauschild, Lachnit, Borgenicht, 1465 Pawel Sorgenicht
usw. Hier kann es sich sowohl um Imperativformen han-
deln (Greif zu\) als auch um eine Form der 1. Pers. Sin-
gularis des Präsens: (Ich) greif zu. Das ist im Einzelfall
nicht immer deutlich zu scheiden, doch bisweilen schafft
eine Namengleichung Klarheit: 1393 Niclos ich ach czin
nicht = Niclos Achczinnicht; hier also deutlich eine 1. Pers
‘ich acht sein nicht’. Der Name begegnet übrigens 1961
in Leipzig: Eugen Achcenich. Eindeutig eine imperati-
vische Bildung Hegt dagegen vor in Namen wie 1397
Otto Dumernyt ‘Tu mir nicht’, 1487 Hans Thue mir auff,
Thudichum, Südekum ‘Sieh dich um’. Wie ein solcher
Satzname als Übername entstehen kann, zeigen heutige

1
2
2
Spitznamen. In der Stadt Langenfeld pflegten die Kinder
einen Gaslaternenanzünder mit dem Rufe zu foppen:
,,August, belle mal!“ Daraus entstand der Spitzname
August Bellemai. Weitere Beispiele von Satznamen S. 156f.
8. Daß unter den Übernamen auch genitivische
Formen begegnen, war schon oben angedeutet worden
(Langen). In der Regel bilden den Ausgang grundsätzlich
die gleichen patronymischen Formeln wie bei den Ruf-
namen (s. S. 98ff.). Allerdings sind die Bildungen dort
häufiger als hier, da in der Zeit der Entstehung der Bei-
und FaftnHennamen eben noch nicht jeder einen Bei-
namen (in diesem Fall Übernamen), wohl aber jeder einen

12
3
9. Rufnamen hatte, nach dem man semen Sohn
nennen
konnte. Vgl. z. B. aus Freiburg im Uechtland 1445
Hens-
linus Kegels, 1419 Petermannus Münchs, 1392
Thomas
Gramen (‘des Grauen’), 1435 Willi Kurtzen; auch
Formen
mit Artikel: 1391 Joh. dictus des Nefen. Aus dem
Nord-
westen und vom Niederrhein stammen die Namen
Jun-
kers, Bischofs, Papen (‘Pfaffe’), Riesen, Kleinen,
Fetten,
Korten. Vgl. auch die oben S. 117 über die
Verbreitung
von Langen gemachten Angaben.
10. Patrony mische Formen konnten schließlich auch
von Übernamen mit Hilfe der bekannten Suffixe ge-
bildet werden. Wie bei den Familiennamen aus Berufs-
bezeichnungen lassen sich jedoch auch hier die Fälle, wo
das Suffix schon dem Appellativum angehört, das zu-
nächst den Übernamen bildet, von den Fällen wirklicher
patronymischer Verwendung eines Suffixes nicht klar
scheiden. Sie läge vor, wenn Schmeling den Nachkommen
eines Mannes namens Schmal, Böcking den eines Bock,
Stölting den eines Stolt (‘stolz’) bezeichnet. Vgl. ferner im
Altenburgischen 1494 Wentzel Krusing (zu mhd. krüs ‘ge-
lockt’), 1458 Hans Röting (zu röt), 1581 Groling (zu grä
grau’). — Mit Diminutivsuffix: Böcklin,Blümel,Blümchen,
im Altenburgischen 1413 Nickel Scherl (zu mhd. schar
‘Maulwurf’), Ticze Kurczil 1447, Wölflgange StÖberle 1485
(zu mhd. stöuber ‘aufstöbender Jagdhund’). Vgl. auch
Monheubtigen S. 89. — -man(n) dürfte nur sehr selten
patrony misch aufzufassen sein. Alt-, Jung-, Gut-, Hübsch-
mann usw. bezeichnen eben einen Menschen, der alt, jung,
gut, hübsch usw. ist. Mit starker Flexion im Altenbur-
gischen Hans Langerman 1531, Jacob Liewerman 1562. —

1
2
4
Auch -hart (-ert) begegnet als Ableitungssilbe: im Alten-
burgischen Lucas Grawhart 1476 = Lucas Grawert 1480
(‘grau’), Matthes Räuchert 1566 (‘rauh, behaart’), Moritz
Kromphart 1545 (‘krumm’).

12
5
VL Zur Movierung der Familiennamen

Unter Movierung versteht man im appellativischen


Wortschatz die Bildung einer Bezeichnung für eine Frau
aus einer männlichen Personenbezeichnung: Lehrer —
Lehrerin, Steward — Stewardess. In ähnlicher Weise wurden
die Namen für die Frau aus dem Mannesnamen gebildet
(s. S. 90). Das am weitesten verbreitete „Movierungs-
suffix“ ist -in. Wir hören es noch heute in volkstümlicher
Sprache, wenn Frau oder Tochter eines Mannes namens
Müller als de MüUern (entsprechend de Schulzen, de Ger-
harden usw.) bezeichnet werden. Dieses -(e)n ist das redu-
zierte -in, das in der Schriftsprache unreduziert mit einem
Nebenton bewahrt wird. Während solche Namensformen
heute eher abschätzig wirken, waren sie noch bis ins 18
und teilweise 19. Jh. hinein allgemein üblich; man denke
an so bedeutende Frauengestalten wie die Karschin, die
Neuberin und schließlich auch an Schillers Luise M Hierin.
— Die volle Form -inne zeigt sich z. B. noch Dresden 1410
Der Jacobynne hus (vgl. auch S. 90). Wechsel von mo-
vierter und nichtmovierter Form: 14. Jh. Grite von Brun-
swic = Mar grit brunswy ginne.
Während das Suffix -in(ne) vor allem in Süd- und großen
Teilen Mitteldeutschlands heimisch war, kennt das Nieder-
deutsche das Suffix -sch(e), -s(e): Rostock 1301 Gertrudis
Bremersche = Gertrudis de Brenta; Braunschweig 1333
Hildebrendesche, 1331 Ropeke Timmermennesche, 1391 de
Steffensche. Die Frau des Bäckers Schult heißt die Bäcker
Schültsch. Eine Kontamination (Verschmelzung, Ver-
mischung) dieses Suffixes -sehe (-<se) mit -in stellt das
Suffix -sen, -sin dar, das im niederdeutsch-mitteldeutschen
Gebiet teilweise — allerdings nicht sehr weit verbreitet —
vorkommt und nach Süden bis jenseits des Taunus reicht •
14. Jh. Else Webschenkeisen, 1531 die Hoffmanns en; in
Bad Ems wird die Frau Jung als die Jungsen bezeichnet
In der Pfalz gibt es nebeneinander die Formen die Hebels,
Hebeise, Hebeisen für die Frau Hebel. kxxi die räumliche

1
2
6
Verbreitung und zeitliche Entfaltung der
verschiedenen
Bi ldungs weisen kann hier nicht weiter
eingegangen
werden. Es sei nur darauf hingewiesen, daß -in (wie
schon
aus der Kontaminationsform -sen, -sin ersichtlich)
im
Vordringen ist. Im niederdeutschen Zerbst z. B. ist
schon
im 15. Jh. das Verhältnis von inne : sehe wie 70 : 1.

C. Die Bedeutung der Familiennamen

Die populärste Frage im Zusammenhang mit den Per-


sonennamen ist die nach der Bedeutung nicht nur des
Rufnamens, sondern vor allem auch des Familiennamens.
Jeder möchte gern wissen, was sein Name „eigentlich
bedeutet“. Wie eingangs gezeigt, kann es sich dabei aller-
dings nur um die lexikalische „Bedeutung“ handeln, die
den Wörtern oder dem Wort, aus dem ein Name gebildet
ist, einstmals zukam (vgl. S.7f., 30ff.). Zahllose Anfragen
werden an Sprachberatungsstellen und sonstige Institu-
tionen gerichtet, von denen man sich Auskunft erhofft.
Aber oft ist diese Frage sehr schwer oder überhaupt nicht
zu beantworten, vor allem dann, wenn keine älteren ur-
kundlichen „Belege“ des Namens nachgewiesen werden
können und auch die Heimat des Namenträgers nicht
klar ist. Derselbe Name kann in München auf ein Wort
ganz anderer Bedeutung zurückgehen als in Rostock oder
Hamburg. Man muß bei jedem Erklärungsversuch die
lokalen sprachlichen Züge der Mundart, die kulturelle,
historische und politische Entwicklung und die geo-
graphische und wirtschaftliche Eigenart der jeweiligen
Landschaft berücksichtigen. Bisweilen wird man auch
nach sorgfältiger Prüfung all dieser Umstände noch
mehrere Erklärungsmöglichkeiten offenlassen müssen.
Nur ein mangelhaft unterrichteter Laie wird auf die Frage

12
7
nach dem einstigen „Sinn“ seines Namens sofort ohne
weiteres eine eindeutige Antwort erwarten. Je mehr
Einzelarbeiten über den Namenschatz begrenzter Gebiete
(einer Stadt, eines Kreises) oder bestimmter Quellen uns

1
2
8
zur Verfügung stehen werden, um so sicherer
wird man
allmählich auch die Namen deuten können, da das
Ver-
gleichsmaterial eine bessere Fundierung erlaubt und
die
Erklärungen sich gegenseitig stützen.
Trotz der angedeuteten Einschränkungen, die zur Vor-
sicht mahnen sollen, läßt sich beim heutigen Stand der
Forschung schon ein Überblick über die wichtigsten Be-
deutungsgruppen der Familiennamen geben. In dem fol-
genden Material wird nicht zwischen noch unfestem Bei-
namen und erblichem Familiennamen unterschieden, weil
sich das nicht in jedem Einzelfall feststellen läßt. Auch
ist zu bedenken, daß mancher als Beispiel angeführte
Name verschiedene Deutungen zuläßt, von denen nicht
immer alle erörtert sind (über diese „Konkurrenzen“
ausführlicher S. 164ff.).

I. Familiennamen aus Rufnamen

Es geht liier darum festzustellen, welcher Rufname in


dem betreffenden Familiennamen steckt. Überden „Sinn“
dieses Rufnamens ist dann weiter nichts auszjisagen.
Dazu vgl. man S. 30ff., 46ff.
Viele Familiennamen sind relativ leicht auf entspre-
chende Voll- oder Kurzformen von Rufnamen (heimischen
oder fremden) zurückzuführen, da keine oder nur geringe
laut hebe Veränderungen eingetreten sind. So belegt
H. Grünert z. B. für das Altenburgische die Familien-
namen Adam, Albertus, Alexander, Andreas, Arnold, Bar-
tolomeus, Bertoldus, Bastian, Petrus, Philipp, Thomas.
Donat (zum Heiligennamen Donatus), Erhard, Ewald,
Fabian, Veit, Friedrich, Gerlach, Gotthart, Gunther, Hans,
Heinemann, Heinrich, Hänsel, Hermann, Hildebrand,
(Hille), Johannes, Jonas, Kaspar, Klaus, Konrad, Clemens
(Clement), Christoff, Leonhart, Ludwig, Markus, Martin
Matthias, Meinhart, Michael, Moritz, Nikolaus, Oswald,
Raphael, Reinhart,Ruprecht,Rudolf, Sebastian, Simon. Stef
12
9
fan, Urban, Walther, Werner Wilhelm, Wolfhart, Wolfram

1
3
0
Jeder Rufname, der in der Zeit der Entwicklung der
Familiennamen üblich w ar (bei uns also vor allem zwischen
dem 12. und 14./15. Jh.), kann uns heute in einem Fa-
miliennamen begegnen. Er ist jedoch nicht immer so leicht
zu erkennen wie in den oben angeführten Beispielen. Viel
fach enthalten die Familiennamen einstämmige Kurz-
formen von Rufnamen, und man kann dann allenfalls ein
Namenglied (meist das erste) „rekonstruieren“, aber nicht
den ganzen Vollnamen: Die Familiennamen Dietz (e),
Kunz(e), Heinz{e) usw. gehen also zurück auf Kurzformen
zu einem Vollnamen mit dem ersten Glied Diet- (es kann
Dietrich, -bald, -mar oder noch ein anderer sein), Kuon-
{Kuonrat, -hart o. a.), Hein- {Heinrich, -berht o. a.). Am
nächsten liegen natürlich die häufigsten Vollnamen, und
das sind im vorliegenden Falle Dietrich, Kuonrat, Heinrich.
Die lautlichen Veränderungen, die die Entwicklung dei
deutschen Vokale und Konsonanten seit der mittelhoch-
deutschen Periode bestimmen, beeinflussen natürlich auch
die sprachliche Form der zu Familiennamen erstarrten
Rufnamen, und zwar weit stärker als das bei den in jeder
Generation immer wieder neu gegebenen Rufnamen der
Fall ist. Auch bringen die Namensformen (aller Namen-
gruppen, auch der Herkunfts-, Berufsnamen usw.) zum
Unterschied von der Entwicklung im appellativischen
Wortschatz viel stärker die mundartlichen Eigenheiten
der jeweiligen Landschaft zum Ausdruck, ohne deren
Kenntnis sie deshalb nicht zu erklären sind. Auf einzelne
Züge lokaler Mundarten und ihre Widerspiegelung im
N amenschatz kann hier nicht näher eingegangen werden;
man vgl. dazu auch S. 171. Kennzeichnend für den
größten Teil der hochdeutschen Mundarten sind u. a. die
Diphthongierung der mhd. t, ü, [w], iu zu ei, au, eu (äu)
(mzn niuwez hüs ‘mein neues Haus’), die „Entrundung“
(Aussprache der Vokale ö, ü ohne Lippen Vorstülpung:
böse für böse, grise für Grüße', hier sei auch Leite für Leute
genannt) — allerdings weniger weit verbreitet als die
nhd. Diphthongierung — und als Reaktion darauf so-
genannte hyperkorrekte Formen (Seufert für Seifert) sowie

13
1
schließlich die binnenhochdeutsche
Konsonantenschwä-
chung (Zusammenfall der ursprünglichen stimmlosen
Fortes p, t, k und der stimmhaften Lenes b, d, g in
stimmlose Lenes), wodurch p, t, k und b, d, g in den
Namen teilweise sehr willkürlich miteinander
abwechseln.
Über den Umlaut vgl. man S. 55 ff. Ferner ist auch
hier
noch einmal auf die starke Reduktion
schwachbetonter
oder tonloser Silben in den Namen hinzuweisen.
Wenn wir all dies berücksichtigen — noch manches
andere, auch Wichtige, konnte nicht eigens aufgezählt
werden —, vermögen wir Zusammenhänge zwischen heu-
tigen Familiennamensformen und dem ursprünglichen
Rufnamen zu erblicken, die sich dem oberflächlichen Be
trachter nicht sofort offenbaren. Eissigk, Eisack, 1565
Michel Eysack (kurpfälzischer Kammerdiener) gehört zu
Isaak-, Eise.lt, Eisold zu Iswalt (1266 Bertholdus dictus
Isolt zu Wollersdorf); Seifert zu Sigfrid, mhd. Sivrit, wozu
auch Seidel (mit -Z-Suffix) und Seitz (mit -z-Suffix) ge-
hören können; Haug, Haugh, Haugk zu Hugo, 1271 Hugo
von SchiUeck = 1296 Haug v. Schiiteck -, Braunert zu Brun
hart, Braunhold, -holz zu Brunold, zu Brun(o) auch die
meisten der zahlreichen Familiennamen Braun, Braune
Leutwein, 1359 Hans Littwin zu Heilbronn, zu Liutwin-,
Leigis zum Heiligennamen Eligius, zu dessen französischer
Form auch Eloi, Loi, Loy, Feige(ri) wenigstens teilweise
zu Sophia-, Bolai, Boley zum Heiligennamen Pelagvus
(uff sant Bolaien tag wurde als volkstümliche Datums-
bezeichnung für den 28. August häufig geschrieben)
Deiß, Deis(e) meist wohl zu Matthias, schon 1400 Fnedr
Dey8 zu Hamburg.
Wie Hein-, Mein-, Rein- in Heinrich, Meinhart, Reinhart
aus Formen mit intervokalischem -g- entstanden sind
(s. S. 42) und so schon in früher Zeit als Rufnamen be-
gegnen, kann die Verbindung -ege- später auch in anderen
Namen zu -ei- kontrahiert werden: Marburg 1559 Peter

1
3
2
Degenhardt — 1586 Peter Deinhardt -, zu einem Vollnamen
mit Degen- dann also wohl auch die Familiennamen Dein,
Deinel, Theinei, Deinert.

13
3
Aus diesem Rufnamen kann auch ein Familienname
Degen entstehen, den man sonst allenfalls zu den Über-
namen rechnen würde (darüber S. 147 ff.). Das zeigt die
Gleichung Martein Tegenhart sartor 1382 = Martein
Degenhart sartor 1383 = martein degen sneider 1390
(München).
Da g vielfach als Reibelaut ausgesprochen wurde bzw.
wird, kann es für j stehen und umgekehrt, daher Gentsch,
Gentzsch neben Jentsch, Jensch {zn Johannes). — Die rich-
tige Erklärung des in der Altenburger Gegend verbreiteten
Namens Porzig erlaubte erst die Namengleichung Hans
Purtius 1545 = Hanß Portzigk 1532, also zum Heiligen-
namen Tiburtius. — Daß der alemannische Name Joder
zum griechischen Theodor gehört, ergibt sich aus der
Gleichung Theodor oder Joder Bitzius 1584. — Der vor
allem im Nordwesten und Norden vorkommende Name
Apsel entspricht einer volkstümlichen Form von Absalon,
wozu auch Axel gehört. — Bebel entstammt einer Kurz-
form Babilo zum Lallnamen Babo (vgl. entsprechend
Poppo, S. 21), schon 1294 Pebel zu Klagenfurt, 1307
Wernherus dictus Bebele in Hessen.
Vielfach fallen -l- und -r-, auch -n-, in den Anfangs-
gliedern von Rufnamen aus; auch Assimilations- und
Dissimilationsvorgänge bei anderen Konsonanten treten
ein. Die so veränderten Formen sind ebenfalls nicht selten
zu Familiennamen geworden. Gese{n), Gesenius gehören
zu Gertrud; Opitz, Apitz, Apetz zu Albrecht; Fock(e), Focken
zu Folko, Volkher (vgl. Vök von Laubenberg 1405 = Völk
von Laubenberg 1410 = Völker von Laubenberg 1416 =
Völkher von Laubenberg 1423); Hippel zu Hiltebrant o. ä.,
München 1387 Hippel Weberinn-, Wetzel zu Wernher,
München 1387 Ulrich Wetzl-, Kotz, Kutz, Kootz zu Kunz,
Konrad: Ego Conradus dictus Kutz de Langengunse 1332
in Wetzlar, Chuocin fon der Eich 1278 = Ritter Konrad
von der Eiche bei Freiburg/Br. 1291; Kost, Köst(le) zu
Konstantin-, Jost zu Jodocus, wie übrigens auch — viel-
leicht durch Vermischung mit Hiob — Jobst: Jobst Zcenker
1471 in Zwickau = Jodocus Zcenker 1483.

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3
4
Wir beschließen diese andeutenden Bemerkungen, die
vor allem auch zeigen sollten, daß vielfach nur Namen -
gleichungen eine feste Erklärungsgrundlage liefern
können, mit einer — unvollständigen — Übersicht über
die vielfältigen Varianten, die sich in heutigen Familien
namen aus einem Rufnamen ergeben können am Bei-
spiel der Namen Adalberaht, Dietrich, Gotfrid (-bald
-beraht), Haganrich (Heinrich), Georg und Andreas.
Adalberaht: Albrecht, Albert, Apitz, Opitz, Apetz,
Apitzsch, App(e), Äpp, App(e)ler, Äpp(e)ler, Appel(t),
Appels, Apitius, Abel, Abele, Abelein, Abel(l)i, Abel(e)s
(1259 Abelinus de Vatz = Albertus de Vatz), Abelmann,
Abricht, Abbrecht, Brecht, Br echt el, Precht.
Dietrich (teilweise kommen auch noch andere Voll-
namen mit Diet- als Anfangsglied in Frage): Dietreich,
Diederich, Ditterich, Tittrich, Derich, Deitrich, Dirk,
Dirks(en), Dieterici, Dierking, Diede, Dieth, Tiede, Ditte(s),
Thede, Thieden(s), Dietel, Deidel, Tittelmann, Thiele, Diel,
Thiel(e)mann, Tille, Tillmann, Dilling, Dietlein, Thieleke
Thiedge, Dieck, Thieck, Dietz, Dietzmann, Tetzel.
Gotfrid (-bald, -beraht): Goethe, Göde, Göte, Gode
Götz(e), Godela, Godelmann, Gödeke, Göpjert, Gepfert, Geffert,
Geffers, Göpferich, Gotsch(e), Gotschke, Götschli, Gottmann,
Götte, Göt(t)ke, Göttle, Göppel, Goppold, Göbel, Gobel,
Gobelin,
Gober, Gober, Gobold, Gottschi, Götsch, Göttling, Gotting,
Gotter, Gottbrat, Gottbret.
Heinrich: Heine, Heinig, Heineke, Heinicke, Heinke
Heinkel, Heinickel, Hei(ne)mann, Heinz, Heinzel, Heinzke,
Heinsch, Heitz, Heitzsch, Hinze, Hinke, Henke, Hineke
Hinnerk, Henning, Hennig, Hänig, Heinricher, Heinrichs
Heinzmann, Heinzelmann, Heise, Heiseke, Heisemann,
Henkelmann, Hennemann, Henze(n), Henzmann, Hen-
necke.
Georg: Gorges, Görig, Görgel, Görgens, Görgensen, Gery,
Gerg, Gergen, Gürgen, Girg, Jörg, Jörgen, Jörger, Jörgensen,
Jörn, Jörns, Jürgs, Georgius, Georgi, Jurak, Juras, Ju-
rasch, Jurisch, Jur(r)eit, Jurkat, Juschke, Juschka, Jork,
Jerger.

13
5
Andreas: Anders, Andrä, Andersen, Anderson, Andres,
Andres, Andraß, Andrea, Andree, Enders, Enderle, Ender-
lein, Endermann, Endreß, Endriß, Dröse, Dresel, Dreisel,
Tresel, Dreß, Dreser, Dresing, Drews, Trebs, Drebing.

II. Familiennamen nach der Herkunft

Die Jahrhunderte, in denen Beinamen zu „festen“,


erblichen Familiennamen wurden, waren zugleich Jahr-
hunderte stärkerer Bevölkerungsbewegungen. Die
mittelalterliche deutsche Stadt entfaltete sich als wirt-
schaftlicher und kultureller Mittelpunkt und nahm große
Teile der Landbevölkerung in ihren Mauern auf (über die
Bevölkerungszahlen mittelalterlicher Städte s. S. 83). Die
bedeutendste Bevölkerungsbewegung des hohen Mittel-
alters bildete von der Ostsee bis zur Adria der Strom
deutscher Bauern und Handwerker nach Osten, dem teil-
weise in blutigen Kriegen — vor allem im Norden — gegen
die slawischen Bewohner Bahn gebrochen worden war.
Diese Ostbewegung ist nicht einheitlich und gleich-
mäßig verlaufen. Die Bayern begannen sich schon seit
dem 8. Jh. nach Osten und Süden auszudehnen (mit
Unterbrechungen durch den Ungarneinfall 900—955). Im
mittel- und niederdeutschen Bereich setzte der Massen-
strom deutscher Siedler erst seit dem 11./12. Jh. ein. Die
deutschen Bauern siedelten dann weithin mit den sla-
wischen zusammen. Dieses deutsch-slawische Zusammen-
leben und -wirken zeigt sich bis heute im Namenschatz
der Dörfer und Städte und in den Familiennamen (darüber
unten S. 179ff.). Von Lübeck und Rostock über Berlin und
Potsdam, Leipzig und Dresden bis zum steirischen Graz
und Leibnitz haben die Ortsnamen die Erinneruhg an die
slawische Sprache bewahrt.
ImZusammenhang mit diesenBevölkerungsbewegungen
sind die sogenannten Herkunftsnamen zu sehen. Neu-
ankömmlinge konnten von den Mitbürgern nach dem Ort,
aus dem sie zuletzt gekommen waren, nach der Land-

1
3
6
schäft oder auch nach ihrer Stammeszugehörigkeit ge-
nannt werden. Aus einem solchen Beinamen konnte sich
ein erblicher Familienname entwickeln.
Aus Benennungen nach der Volks- oder Stammes-
zugehörigkeit sind z. B. entstanden die Familien
namen: Böhm(e), Westjal, Westphal, Beyer (-ei-, -ai-, -ay-)
im Altenburgischen Nyckel Beyger 1377 (mit hiatus
füllendem -g-), Schott, Schlaj (teilweise = Slawe), Krabath,
C robot h (Kroate, kann auch entsprechender Übername
sein), 1290 Gerhart der Walch, 1257 Godschalk gen. Wineth
(Wende) = 1263 Godeschalcus Slavus. — Frankie), Fries(e),
Hesse, Schwabe, Sächsle) können auch von den ent-
sprechenden Rufnamen abgeleitet sein und müssen nicht
auf die Herkunft weisen. Hesse kann wie Herse auch
Kurzform zu einem Vollnamen wie Hermann sein. Friese
bezeichnet im Mittelalter auch den Damm- und Hafen-
bauer: Dresden 1440 Michil Frysener. Simon Bosnischer
1531 im Altenburgischen wird als ‘Badnischer’ (zu Baden)
erklärt, ferner begegnen hier Albertus Polen 1205, her
Cunrat von Prusen 1359, Mattis Prewsse 1512, Döring,
Albertus Thuringus 1248, Claws Osterrich 1437, Gerhart
Rus 1377, Heinrich Russe 1450; Merten Schlesinger 1525
Simonn Schlesicher 1560; Hans Switzer 1493 (Schweizer)
Hans Unger 1570 (Ungar); PeSir Went 1418, Ffrancze
Wyndisch 1486. Oswalt Dewtzsch 1498 hat seinen Namen
wohl von den slawischen Nachbarn erhalten, während
Flämig, Fleming, Greifswald 1261 Gherardus Vlemingh der
flämische Zuwanderer hieß. — Merker benennt den aus
der Mark, Pelzer den aus der Pfalz (mit unverschobenem
p-). Auch Hochländer, Hochland und Oberländer gehören
hierher, schon 1466 im Altenburgischen.Nickil Hochland
— Über Herkunftsnamen nach Flußnamen S. 134f
Bei der Zurückführung der Herkunftsnamen auf den
Namen einer Siedlung ist zu berücksichtigen, daß sich
in vielen Fällen die modernen Ortsnamenformen von
denen unterscheiden, die vor fünf, sechs Jahrhunderten
gebraucht wurden. Die Familiennamen haben diese alte
ren Ortsnamenformen bisweilen bewahrt. So können also

0 Deutsche Personennamen 137


heute der eigentliche Ortsname und der davon
abgeleitete
Herkunftsname — ursprünglich ganz dasselbe Wort

schließlich in ähnlicher Weise „auseinanderklaffen“
wie
em von einem Rufnamen abgeleiteter Familienname
und
dieser Rufname selbst. Der sächsische Familienname
Wils-
dorf gehört zum Namen des Städtchens Wilsdruff,
1259
Wiiaredestor/; der Altenburger Familienname
Kratzsch
zum Namen des Dorfes Kralschütz, 1378 Kracz. Auf
Baudissiniu Bautzen ist schon S. 109 f. hingewiesen
worden.
— Die bei den Ortsnamen im schriftlichen Gebrauch
der
Kai.zleien erhaltenen oder restituierten -a, -au für ge-
sprochenes abgeschwächtes -e erscheinen bei den
Familien-
namen seltener; diese stehen damit — und auch in
manchem anderen — der gesprochenen Sprache
näher.
Zu Zwickau gehört der Familienname Zwicker, zum
Dorf
Zetzscha der Name Zetzsche, zu Zehma ein Zehme, zu
Waldau ein Walde, zu Sprotta ein Sprotte, zu Röda
{Rötha)
ein Rother, zu Rankau ein Rencker, zu Milkau ein
Milkfr,
zu Meucha ein Meiche oder Meuche usw. — alle im
Alten-

1
3
8
burgischen noch heute lebendig. In gleicher Weise ist
der
Name des Schriftstellers Thomas Murner mit Mumau
in
Verbindung zu bringen; Hanns pyssenczer München
1397
mit Besanęon (alt Bisanz).
Umlaut zeigen Bester zu Basel, Kep{p)ler zu KappeT,
A bf all des auslautenden -n bei Ortsnamen auf -en Minde
zu Minden, Mende zu Menden, Schwarzlose zu Schwarz-
losen b. Stendal, Naue zu Nauen', falsche Silben-
abtrennung Hans Öder 1529 in Plauen/Vogtland, zu der
Ode 1328, zu Dröda westlich ölsnitz; pseudoetymolo-
gische Eindeutung Nicolaus Schonorst 1452 in Dresden,
Nickel Schonhirsch 1460 (s. S. 166), Umdeutung auch
Jakob von Wolfach = Jeckeli Wölfeli 1356 (Lahr).
Die Herkunftsnamen bilden wichtige Ergänzungen für
die Ortsnamenforschung, und zwar sowohl was die sprach-
liche Form in ihren möglichen Besonderheiten als auch
die Sicherung einer kontinuierlichen Belegreihe überhaupt
betrifft. Manche Ortsnamen treten überhaupt zum ersten
Mal in der ältesten Überlieferung in der Formel einer

9 13
» 9
Herkunftsbezeichnung auf, z. B. Rabenau b.
Dresden,
1235 Burchard von Rabenowe, Tharandt b. Dresden,
1216
Boriwo de Tharant,N'\ederw&rth& 1205 Heinrico de
Warta.
Der Altenburger Personenname Cuntze Anschewitz
1460
läßt sich zum Ortsnamen Omsewitz b. Dresden
stellen,
wenn man weiß, daß dieser 1547 als Unsewitz belegt
ist,
und bietet nun seinerseits ein Zeugnis für die
volkssprach
liehe Form des Ortsnamens schon im 15. Jh. —
Schließ-
lich können in Herkunftsnamen die Namen von unter
gegangenen Siedlungen, sogenannten Wüstungen,
über-
liefert werden, die uns als ,,reine“ Ortsnamen
überhaupt
nicht begegnen. So fehlt von dem Orte Warnsdorf im
Tharandter Wald bei Dresden außer dem erst seit dem
16. Jh. überlieferten Flurnamen Warnsdorf er Born
(Quelle)
jede Überlieferung als Ortsname; dagegen finden wir
schon
1415 in Dresden den Herkunftsnamen Frederick War
ns -
torff. Bis heute leben solche Wüstungsnamen fort z.
B.
in den modernen altenburgischen Familiennamen
Peitzsch,
1420 Titzse Pitz, zu einer Wüstung östlich Delitzsch,

1
4
0
1378
Picz; Pleitz, 1388 Henrich Plicz, zu einer Wüstung
bei
Altenburg; Staude, 1453 Martinus Staudenhayn, 1571
Peter Staude, zu einer Wüstung südwestlich Zeitz.
Aus den angeführten Beispielen wird deutlich, daß die
Herkunftsnamen zu einer wichtigen Quelle für (He Sied-
luhgsgeschichte werden können. So hat man in einer Reihe
von Fällen das Einzugsgebiet der Städte, d. h. das Ge-
riet, aus dem die Landbevölkerung in die anwachsende
Stadt zugezogen ist, mit Hilfe der Herkunftsnamen be-
stimmt. Dieses Einzugsgebiet erstreckt sich meist auf die
nähere Umgebung der Stadt. Nach Frankfurt/Main
kommen von 1311-1350 über 90% der Zuwanderer aus
einer Entfernung bis zu 75 km, über die Hälfte aus
nächster Nähe, nämlich einer Entfernung von weniger
als 15 km. In Braunschweig sind es im 14. Jh. 75%, die
aus einer Entfernung bis 75 km zuziehen. Ähnliches gilt
für den Süden: In Nürnberg, Augsburg, Wien gibt es im
13. Jh. nur Herkunftsnamen nach Orten der nächsten
Umgebung. Von Erfurter Herkunftsnamen des 13. Jh

9 14
» 1
weisen über die nächste Umgebung hinaus nur
Bamberg
und Prag. Nach Altenburg kommen im 13. Jh. 42%
der
Zuwanderer aus dem Lande Altenburg selbst, 42%
aus
Obersachsen, der geringe Rest aus Thüringen,
Böhmen
u. a.; im 14. Jh. sind es 37% aus dem Lande
Altenburg
und 40% aus Obersachsen. — Dabei können auch
sozio-
logische Unterschiede auftreten. So weisen die Her-
kunftsnamen unter den Familiennamen der Dresdener
Ratsmitglieder bis 1500 immerhin fast zu einem
Drittel
auf größere Städte in einer Entfernung von über 50
km
teilweise beträchtlich weiter. Hierin zeigen sich die
weit-
räumigen, überlandschaftlichen Beziehungen des
Patri-
ziats. Recht gut untersucht sind die Verhältnisse in
den
Küstenstädten von Hamburg bis Greifswald. Die Zu-
wanderer nach Hamburg kommen im 13. Jh. zu 47%
auß
Holstein, nach Lübeck bis einschließlich des 14. Jh.
zu
23 */o aus Holstein, daneben hier ein starker Zustrom
aus
Westfalen (21%) und Ostfalen (18%). Der stärkste
Anteil
der Zuwanderer nach Wismar (1250—1272) und

1
4
2
Rostock
(bis 1304) entfällt auf Mecklenburg mit 49 bzw. 50%,
in
Stralsund um 1300 und Greifswald 1250—1400 auf
Pom-
mern mit 40 bzw. 51%. West- und Ostfalen sind in all
diesen Städten mit 11—14% beteiligt.
Für solche siedlungsgeschichtliche ,,Auswertung" der
Herkunftsnamen gelten aber auch einige methodische
Einschränkungen. Die Überlieferung von Urkunden,
Stadt- und Bürgerbüchern und sonstigen Quellen, in denen
Herkunftsnamen aufgezeichnet sind, ist in den einzelnen
Städten reęht verschieden; bäuerliche Herkunftsnameii
finden sich überhaupt nur selten vor dem 15. Jh. Die
Gründungsbevölkerung der ostdeutschen Städte im Siedel-
gebiet läßt sich in den meisten Fällen auf diese Weise nicht
mehr erfassen; das gilt erst für spätere Generationen. Fer-
ner ist zu bedenken, daß die Herkunftsnamen nur einen Teil
der Familiennamen überhaupt bilden (über das Verhält-
nis zu den anderen Gruppen s. unten S. 158 ff.); nicht die
gesamte Bevölkerung trägt Herkunftsnamen. Die aus
ihnen gewonnenen Schlußfolgerungen gelten also streng

9 14
» 3
genommen nur für einen Teil der Bevölkerung. Auch läßt
nicht jeder Herkunftsname auf die ursprüngliche Heimat
des Namenträgers schließen, sondern gibt nur den Ort
an, in dem er sich zuletzt aufgehalten hat, von dem aus
er den neuen Wohnort erreicht hat — kann also eine Art
,, Zwischenstation“ bezeichnen; vgl. z. B. in Dresden 1556
A «wins von Egra (Eger) vom Marienbergk Burtigk (gebür
tig).

III. Familiennamen nach der Wohnstätte

Die Wohnstättennamen hängen eng mit den Herkunfts-


namen zusammen, und bisweilen lassen sich beide nicht
auseinanderhalten, obwohl sie auf grundverschiedene
Weise entstehen (s. S. 111). Wohnstättennamen knüpfen
naturgemäß häufig an einen Flurnamen an. Da Flurnamen
aber auch zu Siedlungsnamen werden können {Klingen-
thal, Hainsberg usw.), läßt sich beispielsweise nicht immer
entscheiden, ob ein Familienname Klingent(K)al auf irgend
ein beliebiges Tal zurückgeht (Wohnstättenname) oder
auf den Ort Klingenthal (Herkunftsname).
Wir ordnen die Beispiele im folgenden nach den wich-
tigsten Sachgruppen.
1. Bezeichnung des W’ohnsitzes nach Boden-
erhebung oder -Vertiefung: Berg, teilweise auch Berg-
wann (hier ist auch Berufsbezeichnung möglich), Berger-,
Kipping, im Altenburgischen 1419 Titze Kipping, zu früh
nhd. kipfe ‘Spitze’, Kippe ‘Anhöhe, Berg’; Zink(e), zu
mhd. zinke ‘Zacken, Spitze’; Grund(mann); Hohmann, zu
höhe, hoehe ‘Anhöhe’; Flach(e), zu mhd. vlach ‘Fläche, das
darauf Liegende’; Kaul, mhd. fcüZe ‘Grube’, dazu auch
Kuhlmann -, Böll, Buhler, Pöhlmann zu mhd. buhil ‘Hügel’,
Plauen/Vogtland 1530 Pohelmann, 1388 Hans Püheler-,
Stutz, Stütz zu mhd. stutz ‘steiler Abhang’; Leitner, Beut-
ner, Leitmann zu mhd. Ute ‘Abhang’; Brinkmann zu mnd
brink ‘Grashang’; TeU, Toll, Döll(mann) zu mhd. teile ‘Tai-
senke, Schlucht’, im Altenburgischen 1418 Hans Tölle

1
4
4
2. Hans Tell 1455 ; Gruber(t), Grubener, Grüber
zu mhd. gruobe
‘Grube, Bodenvertiefung’, im Altenburgischen 1492
Am-
brosio Grüber = 1503 Brosius Grubener; Lochmann
zu mhd.
loch ‘Höhle, Vertiefung’.
3. Bezeichnung des Wohnsitzes nach einem
fließenden oder stehenden Gewässer: Aa, von der
Aa, Zürich 1272 Wille ennent A, 1280 Eberhart user der A,
Westfalen 1242 Hermannus de A, zu ahd. aha ‘fließendes
Wasser’ (vgl. Salzach u. ä.), dazu auch Ach(e), in Ravens-
burg 1346 Jacobus von der Ahe\ Bach(mann), Dresden
1381 Caspar goltbach, Rudolph buchbach-, im Altenburgi
sehen 1419 Bartel Flus zu mhd. vlu^ ‘fließendes Wasser’,
1511 Vrban Runst zu mhd. runs(t) ‘Quelle, Rinnsal, Fluß’;
Känel, Kännel, Kandel teilweise zu mhd. kenel ‘Kanal,
Wasserrinne’, 1333 Utz Kenel zu Kempten; Tümpel,
Tümpler, Dümpfler, Dumpf, zu mhd. tümpfel ‘tiefe Stelle
im fließenden oder stehenden Wasser’, 1325 Ulr. der
Tumpfeler zu Konstanz, im Altenburgischen 1543 Merten
Tümppeler, 1589 Andres Tümpel-, 1420 Heinrich Kröten-
pfui zu mhd. lerote ‘Kröte, Frosch’ und phuol ‘Pfuhl,
Sumpf’; Pfütze, Pfützner, Pfitzner zu mhd. phutze ‘Brun-
nen’, Dresden 1581 Jacob pfutzsner-, Börner, Bohrmann,
Borrmann zu mhd. born ‘Quelle’, zur Form brunne Brunne?
u.ä.; Teichmann, Teichner, Deichmann, Dieck(mann) zu
mhd. tich, mnd. dik, das ‘Teich’ und ‘Deich’ bedeutet,
die Namen können den Anwohner eines Teiches oder
Deiches oder den Aufseher beim Deichbau bezeichnen.
Eigentliche Flußnamen als Familiennamen sind land-
schaftlich unterschiedlich verbreitet. Größerer Beliebt-
heit scheinen sie sich allenfalls im Norden, besonders im
Nordwesten, erfreut zu haben ; im Süden sind sie offen-
bar seltener, doch sind noch weitere Untersuchungen ab-
zuwarten. Es begegnen immerhin im 14. Jh. Heyncze vom
Necker (Neckar) in Frankfurt/Main, 1419 Berchtold Neker
in Ravensburg, 1618/19 in Neuwied Theisz von der Sahr;
in Niederbayern Menacher zum Flußnamen Menach; in
Dresden 1427 die schon erwähnte Ilse uff der Wistriccze
14
5
Vielfach liegen auch Herkunftsnamen vor, so z. B. in

1
4
6
folgenden Namen des mittelalterlichen Zerbst.
1354 Jo-
hannes Bise (Flüßchen in der Altmark), 1453 Lene
van der
Briczen (Briese in Magdeburg), 1345 Johannes de
Gheysele
(Geisel -► Saale) u. a. Wirkliche Wohnstättennamen
sind
die nordwestlichen Allermann, Ems-, Leine-, Lipp-,
Ruhr-
und W uppermann.
4. Bezeichnung des Wohnsitzes nach Wald,
Bäumen, Sträuchern: Baum, Bäumle(r), Baumgarten,
Baumgärtner, Birnbaum (dazu auch Bierbauml), Buchner
Buchmann, Eichler, Eichner, Eichmann-, im Altenburgi
sehen 1531 Vrban Esche-, Fichtner-, Lindemann, Lindner-,
im Altenburgischen 1531 Michel Nusbaum, 1578 Thomas
Wacholder, 1494 Bartl Czeder (das kann auch ein Über-
name sein, da hier kaum eine wirkliche Zeder gestanden
hat!); Busch(mann); Holz(mann), Plauen/Vogtland 1545
Tobias Bergholtz -, Schachmann, Schachner zu mhd. schache
Waldstück’; Forst, 1267 Joh. Vorst bei Basel; Loh, Loh(e)
Löhle, Lohmann, 1348 Albert Lojnan bei Kassel, 1322
Joh. (de) Lo zu Hannover, 1579 Joh. Löhe im Hessischen
zu mhd. loch ‘Gebüsch, Wald’, dazu auch teilweise die
oberdeutschen (schwäbischen) Lauch, Laucher; im Alten
burgischen 1594 Matthes Sparwaldt zu mhd. spör(e) ‘hart
vor Trockenheit, rauh’ und walt ‘Wald’; Rörig, Röhnch(t);
in Lahr 1356 Cuntz Hursteli, Horst(mann) zu mhd. hurst
‘Dickicht, Hecke, Gesträuch’; Dorn(er), Dornblüth, -blut,
Freiburg 1586 David Durnbluodt zu Freiburg, zu mhd
dorn ‘Weißdornhecke’, in Biberach 1529 Hans Dornstok
bei Graz 1610 Hans Dornstrauch, in Lahr 1734 Hecken
dorn, in Markgröningen 1396 Dornbuschelin; Dresden
1561 Nickell Rauttenstrauch Vonn Wilmsdorf -, Staud(t)e
Staudt, Steudel, in Plauen/Vogtland 1529 Heintz Steudel
zu mhd. stüde ‘Strauch’. Hierher schließlich auch der
Name des aus Hamburg stammenden Johannes Brahms
zu mnd. bräm ‘Heideginster’; 1552 in Görlitz eine Sipp f

14
7
Brambst, später Bramst, Branst, an der Ruhr 1747 Anne-
marie im Br ahm.
5. Bezeichnung des Wohnsitzes nach Wiese,
Weide, Ackerland: Angermann-, Brühl, Pröhl, Prell,

1
4
8
6. im Altenburgischen 1437 Anthonius Prehel, zu
mhd. brüel
bewässerte, buschige Wiese, Aue’; 1480 Hanns
Fiheweide;
Gras, Graß; Haitier), im Altenburgischen 1548 Peter
Haltt,
zu mhd. halte ‘Weideplatz’; Wiese, Wiesner, Weser;
Urlaß,
Urlat(t), im Altenburgischen 1535 Matts Vrlatt
‘brach-
liegendes, zur Trift dienendes Land’; Plauen/Vogtland
1506 Nickell Acker; Lahr 1747 Hojacker; im
Altenburgi-
schen 1552 Veyt Bieracker; 1459 Lorencz Goltacker;
1537
Antonius KirchfeU, zu mhd. velt ‘Feld, Fläche,
Ebene’;
Strittmatter zu Strittmatte, wie Strittberg, 1289
Stritberch
(in Baden), zu mhd. strlten, strit ‘Rechtsstreit’ (vgl.
Streit-
holz u. ä.); Wüst(er), Wustmann zu mhd. wüeste
‘unbebaut
hegendes Land’.
7. Bezeichnung des Wohnsitzes nach Wegen,
Flätzen, Straßen: Geßner, Geßler, Gaß, Gaßmann, Gaß-
ner, Gasser — alle zu mhd. gafäe ‘Gasse, Straße innerhalb
einer Siedlung’; Strasser, Straßner, Sträß(l)er, Sträßle,
Straßmann, Strate(n), Strat(h)mann, Sträter — alle zu mhd.
strafe (mnd. sträte) ‘Straße, vor allem zunächst außerhalb
von Siedlungen’; Vie(h)weg(er), Fiebig, im Altenburgischen
1542 Bartell Vihewegk— 1543 Bartell Fibeck, zu Viehweg
als Bezeichnung für den Weg zur Weide und schließlich
auch die Weide selbst; Nauweg(er), im Altenburgischen
1463 Pauwel Nauwiger, zu mhd. md. nüwe ‘neu’; Steger
zu Steg, Steiger zu Steig; Gasteiger, Gastiger zu mhd. gasteige

14
9
‘jäh. ansteigender Weg’; Kirchhof, Kirchoß zu mhd. kirch-
hof ‘ummauerter Raum um eine Kirche’ (unabhängig
davon, ob er als Begräbnisplatz diente oder nicht), nd.
entsprechend Kerkhoß, Kerckoven.
8. Bezeichnungen des Wohnsitzes nach Ge-
bäuden; Häusernamen: Kirch, dazu auch die ale-
mannische Form Kilch, bei Pforzheim 1321 Heinrich
hinder der Kirchen, Dresden um 1370 Francze Nugenkerche
(zu nüwe ‘neu’), im Altenburgischen 1413 Nickel by der
Kerchen; Kote(n), Kothe, Kothmann, Kötner, Köther, bei
Oppenheim 1348 Conr. dictus Kothe (Kleinbauer), Merse-
burg 1506 Joh. Koyter, im Altenburgischen 1531 Vrban
Kothe, zu mhd. kote ‘Hütte, kleines Tagelöhnerhaus’ ; Vor-

1
5
0
9. berger, Forbiger, Forbrig er, Vorberg,
Vorwerk(er) zu mhd.
vorwerc ‘vor der Stadt gelegenes Gehöft’; Hof, Höfer,
Höfchen, Höfler zu mhd. hof ‘Wohnstätte, Bauernhof’
Langhofj, im Altenburgischen 1572 Clemen
Langkhoff-,
Hochhaus, Hohäusl, Hoheisel, im Altenburgischen
1272
Heinricus de Honhaus -, Ravensburg 1327 H. vom
Stainin-
nuse— 1338 H. Stainimhus (‘steinernes Haus’).
Von Häusernamen sprechen wir mit A. Bach, wenn
Familiennamen aus dem Namen von Häusern entstanden
sind. In älterer Zeit trugen die Häuser Namen wie heute
vielfach noch Apotheken, Gasthäuser oder auch die Messe-
häuser z. B. in Leipzig (Union, Ringmessehaus, Dreikönige
usw.). Hausnummern wurden erst später eingeführt, in
Dresden z. B. nach dem Brandkataster seit 1787, in der
heutigen Art sogar erst seit 1840. Schon eher hatten die
Häuser dagegen Hausmarken und danach auch einen
Namen. Nicht immer lassen sich Familiennamen ein
deutig auf einen Häusernamen zurückführen. Rebstock in
Basel und Freiburg ist wohl so zu erklären, da dies bis
heute im badischen Oberland häufiger ein Wirtshaus- als
ein Familienname ist. In Straßburg wird 1327 ein Haus
zu dem Holderstocke erwähnt, 1405 dann ein Schuhmacher
Hans Holderstock. Entsprechend kann man den Namen
Hölderlin, Holderer, Holdermann erklären. Doch ist auch
direkter Bezug nach der Lage des Wohnsitzes an einem
solchen Strauch (s. oben) möglich. Seit 1283 heißt ein
Freiburger Haus zem Rosen, 1460 erscheinen die ersten
Vertreter des Familiennamens Äo(o)s. Seit 1354 nehmen
vier Freiburger Hausbesitzer das Horn zum Hauszeichen:
Griesel-, Heer-, Schaf-, Überhorn. Daraus ergeben sich ent-
sprechende Familiennamen. Ähnlich auch der Name Blan-
kenhorn in und um Müllheim, Silberhorn in Freiburg,
Biohorn 1692 in Lahr (zu mhd. blä ‘blau’). Aus Häuser-
namen entstanden sind weiter z. B. in Speyer 1300 Bern
hard zur Krone, in Worms 1430 Johann zum Kalb, in

15
1
Köln 1281 Ger. de Paradyso. Ähnlich sind also unter Um-
ständen Namen zu erklären wie die folgenden (wobei teil-
weise auch andere Erklärungsmöglichkeiten zu beriick-

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2
sichtigen sind): Adler, in Lahr 1323 Wernher ze dem
Adeler; Einhorn-, Eichhorn-, Engel-, Frosch, Mainz
1294
ein Haus zum Frosch, 1317 Jacobus dictus zume
frösche-,
Löwe, Morgenstern, Ochs. Heraldische Häusernamen
treten seit dem 14./15. Jh. stärker hervor: Basel 1390
Zem gulden Stern, Freiburg 1311 Zum blauen Esel,
Magde-
burg 1378 Tom witten Perde. Sie alle konnten zu
Familien-
namen werden; doch man schätzt den direkten
Einfluß
der Wappen auf die Familiennamen nicht sehr hoch
ein.
Abschließend sei darauf hingewiesen, daß Findel-
kinder, deren Familienname unbekannt war, und
Kinder, die außerhalb einer Familie geboren wurden, bis-
weilen Familiennamen erhalten haben, die den Wohn-
stättennamen ähnlich sind. 1770 wird in einem Dorfe bei
Wurzen ein drei Monate altes Mädchen, das man in-
mitten von Birken gefunden hat, Johanna Dorothea
Friederica Birkenbuschin genannt. In Dresden hat 1706
„eine lose Weibs-Person . . . auff der Breiten-Gasse am
Wasser-Troge öffentlich ein Kind zur Welt gebracht /
Welches man auch daher Hannß Breite=Gaß genennet hat“.

IV. Familiennamen nach dem Beruf

Das gewerbliche Leben der mittelalterlichen Stadt mit


ihren reich entwickelten Handwerkerzünften, mit der
weitgehenden Spezialisierung und Arbeitsteilung unter
den Handwerkern spiegelt sich in der großen Gruppe von
Familiennamen aus Berufsbezeichnungen. In der Stadt
waren die Anregungen zur Benennung eines Mitbürgers
nach dem Beruf größer als auf dem Lande. Die Land-
bevölkerung bestand zum großen Teil aus Bauern.

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3
Spezialhandwerker gab es weit weniger als in der Stadt
etwa den Schmied, den Stellmacher, den Müller. Bäcker,
Fleischer und andere waren nicht erforderlich, da der
Bauernhof sich selbst versorgte.
Bisweilen ist es schwierig, zwischen wirklichen Bei-
namen und den bloßen Berufsbezeichnungen zu unter-

1
5
4
scheiden (s. auch S. 78f ), da die Berufsangaben
bei den
Namen sehr oft dazugesetzt werden, z. B.
Braunschweig
1337 lange Olrik molenknecht, Dresden 1332
Heynnch
Voytis knecht von Dypoldiswalde, Köln 1263 Herman
der
Vischere.
Viele der in den Berufsnamen vorkommenden Wörter
sind noch heute geläufig und werden auch von Laien ohne
Schwierigkeiten richtig erklärt. Darunter so weitverbrei-
tete Familiennamen wie Müller, Meier, Schulze, Richter.
Schmidt (Schmied), Schneider, Becker (Bäcker), Fischer,
Weber, Wagner,Hof(f)mann, Lehmann, Bauer, Koch, Schäfer,
Köhler. Allerdings ist mit Richter nicht der Beruf gemeint,
den wir heute darunter verstehen. Es handelt sich um
den Erbrichter im Dorf, an den noch heute mancher
Dorfgasthof mit der Bezeichnung „Erbgericht“ erinnert
Es war der Gemeindevorsteher, in anderen Gegenden
auch Schulze (mhd. schulthei^e ‘der Verpflichtungen zu
einer Leistung befiehlt’), Scholz, Schulte, Schölte genannt.
Mit seinem — oft erblichen — Amt waren auch Brau- und
Schankrecht verbunden. Lehmann ist der lĕhen-man, der
ein Grundstück von einem Grundherrn zu Lehen hat
Hüfner, Hufner und oberdeutsch Huber ist der Vollbauer
der einen Hof, eine Hufe bewirtschaftet (zum. Unter
schied vom Haibauer, der nur „ein halber“ Bauer ist
und dem Häusler, auch Heusler, der außer einem Haus
grundstück keinen Grundbesitz, kein Feld hat). Meier
(Maier), von lat. mäior ‘der Größere’, waren ursprüng
lieh die Verwalter größerer Güter (vgl. die Hausmeier der
fränkischen Könige), später konnte man damit Bauern
überhaupt bezeichnen, in Niedersachsen eine besondere
Art von Pächtern. Ähnlich bebaut der Baumann den Hof
eines anderen als Inhaber eines ‘Baulehens’ oder Leiter
eines größeren landwirtschaftlichen Betriebes. Verwalter
oder Pächter ist vielfach auch der Hof mann. Die meisten
dieser Namen begegnen auch in der Stadt, in der aucn

15
5
sogenannte Ackerbürger wohnten.
Zu den landwirtschaftlichen Berufen gehören
außer den genannten noch u. a. Neubauer, nd. Niebu(h)r,

1
5
6
wozu auch Neuber(t); Landżmann, Drescher,
Schirrmeister,
Hirtfh), Hüt(h)er\ Kuhhirt, Schafhirt, dazu auch
Kyber
aus kuwer ‘Kuhhirt’, im Altenburgischen 1413
Cuwener,
1485 Niel. Kyher, 1532 Michel Kuber, 1576 Michel
Kyber-,
Reber, Rebmann, Winzer, Gärtner, Obser
(‘Obstgärtner,
handler’); Weingart, Wingert, Wengert; Stiermann
(‘Zucht-
Stierhalter’); öchsner, Ochsentreiber, Lemmermann.
Wald und Jagd sind vertreten in Jäger, Förster, Forster,
Hacker, Hauer, Hol(t)zhauer, Hol(t)zmann-, Vogler, Finkler,
Vogelmann, Teubner (‘Taubenhändler’), Felkener 1437 im
Altenburgischen (zu Falke) — alle in Verbindung mit
Vogelfang und -handel; Otterer 1517 im Altenburgischen
(‘Otternfänger’); Volten Heßman 1531, Benedix Hetzker
1548 ‘Hetzer, Jagdtreiber’; Beutner und Zeidler weisen
auf die Bienenzucht: mhd. biute ‘Bienenkorb’, mhd. zide-
Icere ‘zur Bienenzucht im Walde Berechtigter’.
In die Stadt führen vor allem die Berufsbezeichnungen
aus dem Nahrungsgewerbe, der Metall-, Holz-, Leder- und
Textil Verarbeitung.
Nahrungsgewerbe: Für Fleischer, Bäcker usw. gibt
es eine Fülle von Ausdrücken, die alle in Familiennamen
festgeworden sind und weiterleben. Die Unterschiede sind
dabei manchmal geographisch bedingt, zum andern sind
sie in der sehr weitgehenden Spezialisierung des Gewerbes
zu suchen. In Rostock finden wir z. B. die Namen pomel-
beker (pomele ‘Semmel, Brötchen’), plankenbecker 1295
{planke ‘Gebäck’), haferbecker 1275, thidericus lersenbeeker
(lerse ‘hoher Stiefel’, danach auch ein bestimmtes Ge-
bäck), kokenbecker 1272 (‘Kuchenbäcker’). Im Alten-
burgischen: Jacoff Kiecheler 1482 = Jacofi Kucheler 1493,
Jorge Kuchener 1444, Zcelder 1413 (mhd. zelte ‘Fladen’).
In Ravensburg: Hainricus Fladrer 1358, H. Mutscheller
1364 (mhd. mutsche ‘mürbes Gebäck’), Benedictus Simeier
15
7
1329 (‘Weißbrotbäcker’), Rudolf Wegger 1334 (‘Wecken’).
— Den Fleischer gibt es als Fleischmann, Fleischhauer,
Knochenhauer, im Altenburgischen 1309 Johannes dictus
Knochenhower, Metzger, Metzler, Metzner (zu mittellat.
matiärius ‘Wurstler’, matia ‘Darm’), Schlachter, Sülzer

1
5
8
(‘Sülzenmacher’), Selcher, Silcher (mhd. seihen
‘trocknen,
räuchern’), Kuttler, Dresden 1362 Pauwil Kutteler
(mhd
kutel ‘Eingeweide von Tieren’). — Ferner Brauer,
Bräu
im Altenburgischen 1440 Eiße Prew,Braumann,
Breiter
Bierbrauer, Melzer (zu Malz). Im Altenburgischen
1437
Thomas Metesyder zu ‘Met’ und ‘sieden’, 1493
Herman
Weynborner; Krüger, Kröger (im Niederdeutschen
Schenk
wirt, im Oberdeutschen Töpfer und Geschirrhändler);
Wirt(h); Schenk', Leitgeb zu mhd. litgebe
‘Schenkwirt’, lli
‘Obstwein’; Kret(z)schmer, Kretzschmar,
Kretzschmann, im
Altenburgischen 1353 Guntherus Creczmer, ebenfalls
‘Wirt'
zu einem slawischen Lehnwort; ebendort 1512 Asman
Schepper, zu mhd. schepfcere ‘Schenk, Schöpfer’;
1449
Bartil Biereyge, mhd. bierouge ‘Brauberechtigter’;
1466
Tyczko Weyneugil ‘Wirt, der das Recht hat, Wein he^-
zustellen und auszuschenken’.
Metallverarbeitung: Im mittelalterlichen Nürn
berg gibt es 59 verschiedene Bezeichnungen für die metall-
verarbeitenden Berufe. Besonders vielfältig und differen
ziert sind die Bezeichnungen für den Schmied. In Nürn
berg 1370 Ott Flaschensmid (machte aus Metall und Eisen
blech Büchsen und Flaschen); 1392 Fridel Gewihtmachei
1375 Herman Gloggengiezzer. In Ravensburg 1405 17
Hatntz Hellenbarter (Hellebarde eine mittelalterliche Hieo
15
9
und Stoßwaffe); 1378 meister Hans der Sichler-, 1327 /o-
hannes Kupfersmid; 1368 H.Kaltsmid; 1379 H.Swert-
fuiwer (Schwertfeger); 1324 Fridericus Grellenort (stellte
Eisenspitzen für Grellen her, eine Art großer Gabeln'
1363 Peter Grell Messrer; 1363 F.Hakensmit (wohl zu
hacke ‘Axt’); 1392 Hans Helmsmyd; 1302 Waltherus Huf
smit; 1363 H.Kamensmid (Weberkämme herstellend)
1285/1335 Wernherus Keszler (Kesselschmied); 1307 Chun-
rat Kanler; 1350 Rudel der ketenmacher (Schmuckketten;;
1308 Hercelin klingensmit; 1363 Herman Klingler-, 1363
Craft Kniescheibenmacher (Kniescheiben für Rüstungen):
1363 Klas Knopfsmit; 1357 Berhtolt Messersmit; 1333
Petrus Messinksmit; 1285/1335 Albertus Nadler; 1321
Bertold Dfotsmit (Drahthersteller); 1370 Wernlein Droi-

1
6
0
zieher, 1370/83 Negwersmid (mhd. nabegĕr, nebeger
‘spitzes
Eisengerät, Bohrer’); 1363 Rapot Spengler (Hersteller
von
Metallspangen); 1363 Engelhart Sporer
(Sporenmacher);
1392 C. Stabler; 1370 Walther Rotsmid
(Kupferschmied);
dazu im Altenburgischen 1541 Merten Blauschmidt
(wie
Kaltschmied derjenige, der das blaue, kalte Eisen
schmiedet). In Dresden 1441 Wenczlaus Goltsmyd;
1423
Ilans Leffeler. Vgl. ferner Blechschmidt, Hammer
Schmidt,
Beil-, Scharschmidt; Spe(h)ner (mhd. spenel
‘Stecknadel’).
Rapotho Gewsmith 1270 in Ravensburg, ‘ein
Schmied, der
in keiner Stadt und auf keinem Markte, sondern nur
auf
dem platten Lande sein, Gewerbe zu treiben
berechtigt
ist’ (vgl. Gau, Allgäu). Klimpfer, Klemper, Klimper,
im
Altenburgischen 1560 Lorentz Klimpper, zu
‘Klempner’;
1439 Thomas Neldener zu mhd. neldener ‘Nadler’;
Schlos-
ser; Plattner.
Holzverarbeitung: Tischer, Tischler (dies ist jün-
ger); Schreiner; im Altenburgischen 1480 Adam Benckeler
(Bankmacher); als Bezeichnungen für den Böttcher finden
wir in den Namen z. B. Binder, Büttner, Böttcher, Bödiker
<nd.), Küfer, Küpper, Scheffler, Schäffler, Tröger zu mhd.

16
1
troc ‘Futter-, Teig-, Brunnentrog’; Eim(e)rer, Emmer-
macher; Schußler ; Stötzner, Stützner, Stutzner, Stetzner, zu
mhd. stotze ‘niedriges rundes Holzgefäß’; Sieber(er) ‘Sieb-
macncr’; Bretschneider; Dressier, Drechsler; Spindler
‘Spindelmacher’; Wagner, Weg(e)ner; Schindler ‘Schindel-
macher’; Schopenhauer zu schope ‘Schöpfkelle’; Mulden-
macher, Moldenhauer, Mollenhauer, Müld(e)ner, Mildner,
Mulder alle zu mhd. mulde ‘längliches Holzgefäß’ (Molden-
hauer die niederdeutsche Form); Leist(n)er ‘Leisten -
macher’; Besemer ‘Besenbinder’.
Lederherstellung und -Verarbeitung: Gerber;
Weiß-, Rot-, Lohgerber, dies auch Löher, im Altenburgi-
schen 1465 Heinrich Lor = 1467 Heinrich Loher, zu mhd.
lower; Dresden 1518 Hans lohestamper ; Fechner, zu mhd.
vech ‘buntes Pelzwerk, besonders Hermelin’; Täschner
Hersteller von Ledertaschen); Ficker, im Altenburgischen
1531 George Ficker, zu mhd. vicke ‘Tasche an Kleidern,

1
6
2
Beutel’; Riemer, Riemschneider; Gürteier,
Gördeler; auf
mild, schuochman, -sütaere, -würhte ‘Schuhmacher’
gehen
zurück Schuster, Schu(h}mann, Schubert, Schuchardt,
Schurig, Schachert, Sauter, Sutter, Sütterlin.
Textil Verarbeitung: Weber, W oll(en)weber, Leine-
weber; im Altenburgischen 1448 Caspar Vitzscher zu mhd
vitzen ‘mit künstlich eingewebten Mustern versehen’;
Tuchler, Tücher, Ducher, Dücher, Tuchmacher ‘Tuch-
weber’, Tuchkauf(f), Tuchmann ‘Tuchhändler’; Tuch-
scher{er), -scherr; Roscher, Rescher, Rascher, im Alten-
burgischen Abraham Roscher 1561, Gregor 'Reschner 1552,
zu mhd. arras ‘leichtes Wollgewebe, Rasch’ (nach dem
ursprünglichen Herstellungsort Arras); Nät(K)er, Nather,
Nether ‘Näher’, in Eßlingen 1294 Konr. der sartor — 1297
'uonr. dictus Nater = 1345 Kunz der Näter; Schneider, so
auch Sartor (lat. ‘Schneider’), Schröder, Schrader, Schröer;
Bletzer ‘Flickschneider’; Göpner, Jopner, zu mhd. jope
Jacke, Stück der Rüstung’; Höser, Hößler, Hosner ‘Hosen-
stricker’ {Hose bezeichnete zunächst die Bedeckung des
Unterschenkels, den Strumpf); Heubner, -ler, teilweise
auch Hübler ‘Haubenstricker’; Seidensticker, Goldsticker;
Stricker; Färber, Ferber, Rot]erber, Schwerzer, Rodler,
Bleicher(t).
Mit den bisher aus einigen Hauptberufszweigen an-
gedeuteten Beispielen ist die Fülle der Berufsbezeich-
rungen, die zu Bei- und Familiennamen geworden sind,
roch bei weitem nicht ausreichend veranschaulicht. Es
sei jeweils nur mit einigen Namen noch hingewiesen auf
die folgenden Berufe: Baugewerbe mit Mauermann,
Meurer, Maurer, Ziegler, Decker, Schiejerdecker, Glaser,
Gläser, Maler; Schönheits- und Gesundheitspflege
mit Bader, Badstübner (Wien 1875 Hugo Botstieber)
Wien 1855 Josef Leichnamschneider (mit dem deutschen
Wort für ‘Anatom’), Lasser, Lasser, Lesser, Lösser (‘der
zur Ader läßt’), im Altenburgischen 1584 Pauli Kopffier
zu mhd. köpf ein ‘schröpfen’; Handel und Verkehr mit
Kaufmann, Krämer, Kramer, Menger, Mengler (mhd. men-
goere ‘Händler’). Apfler, Epfler ‘Apfel-, Obsthändler’,

16
3
Ha] er er. Ha] ermann, Gerst(n)er ‘Hafer-,
Gerstenbauer oder
-handler’, Rößler, Rösner, Reßler zu ‘Roß’; Heber
meist
wohl ‘Lastenträger’, Zitier zu mhd. zülle ‘Flußkahn
im
Gebiet von Donau, Elbe, Oder’, Schiffer,' Schiffmann,
Renner ‘reitender Bote’, Leitzmann zu leitesman
‘Führer,
Wegweiser’, im Altenburgischen 1411 Nicolaus
Geleiczman;
Fahrende und Spielleute mit Pfeifer, Pi(e)per, Pau-
ker, Peuker(t), im Altenburgischen Mattes Paucker
1557
= Matts Peucker 1559, ‘Paukenschläger’, Fiedler,
Geiger,
Lautęnschlager, Tänz(l)er, Triller zu mhd. trüller
‘Gaukler,
Spielmann’, Schreck(er} zu mhd. schrecke ‘Hüpfer,
Springer’
(vgl. Heuschrecke als ‘Heuhüpfer’), Fecht (er}, auch
Schirmer
‘berufsmäßig umherziehender Fechter’, Kempf,
Kemp.
Das dem lat. magister entwachsene Lehnwort Meister
bezeichnete im frühen Mittelalter vor allem einen, der
eine Wissenschaft oder Kunst beherrschte (entsprach teil-
weise dem Doktorgrad), auch einen Beamten als Leiter
eines Verwaltungsgebietes, eines Ressorts. Erst im spä-
teren Mittelalter entfaltete sich die heute üblichste Ver-
wendungsweise als Handwerksmeister, wozu in letzter
Zeit noch der Meister in einer größeren Fabrik getreten
ist. Die ältere Bedeutung als Leiter eines Verwaltungs
gebietes ist nur noch lebendig in Bürgermeister, Schatz-
meister. Die Namen dagegen überliefern uns viele solcher
Beispiele: Bauermeister ‘Vorsteher einer Dorfgemein-

1
6
4
schaft’, im Altenburgischen 1443 Nickel Kammermeister
Schatzmeister’, 1429 Heinrich Kornmeister ‘Verwalter der
Getreidespeicher’, 1437 Claws der Margtmeister = 1437
Claws Markmeister ‘Aufseher über den Markt’, 1472
Andris Wagmeister ‘Leiter der Stadtwaage’, 1487 Michel
Rörmeister ‘Oberaufseher über Brunnenrohre, Wasser-
leitung und Kanalisation’, Stockmeister ‘Gefängnisauf-
seher’, Hof(f)meister ursprünglich ‘Gutsverwalter’, Kü-
chenmeister, Kuchelmeister, Münzmeister, Dresden 1343
Nicklaus Munczmeystir, Brückenmeister ‘Aufsichtführen-
der über die Brücken’. — Meister bezeichnet allerdings
auch den Henker, wofür u. a. noch Angstmann, Fetzer,
Filler, Schelm, Schinder.

16
5
Den dem Meister Untergebenen im weitesten Sinne be-
zeichnete das Wort Knecht. DieB ist zum Unterschied von
Meister bei uns in der DDR im Begriffe, zum Historismus
zu werden, da mit der Sozialisierung der Landwirtschaft
das letzte „Reservat“, auf dem sich Knecht (und Magd)
als Bezeichnung für den Landarbeiter und die Land-
arbeiterin noch gehalten hatten, verschwunden ist. Knecht
bezeichnete aber früher den Angestellten überhaupt, ohne
abwertenden Nebensinn, in dem allein es heute — über-
tragen gebraucht — noch vorkommt. Das mhd. lcneht
meinte einfach den jungen Mann, auch den jungen Ritter
(herre guot lcneht konnte man einen anreden), wie das
englische knight ‘Ritter’ noch erkennen läßt. Die Namen
zeigen die vielfältige Verwendung: Dresden 1501 werten
apotekerknecht, Leonhart statknecht, paul kellerknecht.
Andres thorknecht, 1413 Marta Fjorstknechtynne, 146.’
Camerknechtynne (‘niederer Hof bedienter’), in Sayda 1548
Joh. Huttenknecht (Schmelzhütte), in Liebenthal/Schles
1576 Hans Teichknecht, in Lahr/Baden 1663 Frischknecht
(‘Geselle des Frischers beim Erzfrischen’), in Oldenburg
1510 Helmerck Bonenknecht (mnd. bone ‘Fruchtboden'),
im Altenburgischen 1402 Apecz Wynknecht ‘städtischer
Angestellter, der die Steuern von Wein zapfenden Bür
gern eintrieb’, 1552 Marx Lantknecht ‘Gerichtsdiener,
Häscher für ein Gebiet’, 1501 Barttel Hußknecht, 1455
Peter Satelknecht ‘Reit- und Pferdeknecht’, Dresden 1332
Heynrich Voytis knecht, 1380 Heinrich Monchknecht (beide
als Ratsmitglieder!).
Nicht alle aus Berufsbezeichnungen entstandenen Fa-
miliennamen sind also so einfach zu erklären wie Schuh
wacher, Fleischer und Müller. Viele vermag nur der Kun-
dige zum Sprechen zu bringen, und auch ihm ist ihre
Sprache nicht immer eindeutig. Eine ganze Reihe von
Wörtern kennen wir in unserer Alltagssprache nicht mehr
oder sie haben ihre Bedeutung geändert. Viele Berufe
sind verschwunden. Manche Bezeichnungen für verschie
dene Spezialzweige eines Hauptberufes sind heute als
geographische Differenzierungen der Volkssprache noch

10 Deutsche Personennamen 166


lebendig, für den Klempner z. B. Spengler, Spangier
in
Bayern. Österreich und Hessen, Flaschner in
Schwaben,
Blechschmied, Blecher am Oberrhein, Blechschläger
in
Luxemburg, Blick(eri)schläger um Bremen, in
kleineren
Gebieten und lockerer Streuung dann noch Dächer,
Kessler,
Lötner u. a.
Neben den unmittelbaren Berufsnamen, die eine
direkte Berufsbezeichnung enthalten, stehen die mit-
telbaren Berufsnamen (s. S. 115). Sie beziehen sich
auf das Werkzeug, das Material, das Erzeugnis oder
den Arbeitsgang des Handwerkers, so z. B., wenn in
Nestroys ,,Lumpacivagabundus“ der Tischler Leim,, der
Schuster Knieriem, und der Schneider Zwirn genannt
werden. Diese Namen lassen sich bisweilen nicht deutlich
von den Übernamen (darüber S. 147 ff.) scheiden, wenn
z. B. ein Schneider Faulstich, ein Fleischer Bösefleisch
1382 in Straßburg, ein Bäcker Kleinbrötlin 1460 in Frei-
burg/Breisgau heißen. Mittelbare Berufsnamen für den
Schmied sind vor allem solche auf -eisen', in Straßburg
1370 Joh. diet. Hangysen, faber; 1468 Hans Schmid ge-
nannt Wildysen; in der Schweiz 1460 Hans Keiser gen.
Keyserysen von Biel, der Schmied zu Altstetten; 1468
Cuonrat Schindisen, Hufschmied in Aarau. In Dresden
1481 Lawrentz Mdrdeisenn; in Nürnberg 1370 Michel Kalt-
eisen, 1397 Conrat Gerbeisen (Axt gerben ‘schärfen’), 1370
Heinrich Greiff eisen, 1397 Heinrich Müleisen (‘eiserne
Achse, um die sich der obere Mühlstein bewegt’), 1308
Otto Zerreisen; im Altenburgischen 1528 Georg Feyereißen
(‘Feuereisen’). Ferner Namen mit -nagel-. Nürnberg 1304
Fridericus Hufnagel, 1370 Heintz Schinnagel (‘Nagel zur
Befestigung der Schiene am Rad’), 1370 Cuntz Spitznagel;
>m Altenburgischen 1596 Bangratii Silbernagel. Weitere
entsprechende Namen für den Schmied sind Hammer,
Hammerschlag, Blasebalg, Funke, Sporn u. a.; für den

16
7
Schuster Pfriem,, Schuh, Bech, Pech; für den Schneider
Fadenbeiß, Seidenfaden, Fingerhut; für den Fleischer
Rindfleisch, Kalbsfuß, Leberwurst, Speck, im Altenburgi-
schen 1600 Hanß Eselsfleisch; für den Bäcker Mehl,

1
6
8
Kuchen, (Weiß)brot, Frühbrot, im Altenburgischen
1496
Johannes Morgenbrot, 1523 Peter Weychbroth,
Hebel, Hefei
zu oberdeutsch Hebel ‘Sauerteig’, in Konstanz
Surhebel;
Leipzig 1961 Otto-Heinz Ledderboge kann ebenfalls
den
Hersteller des Lederbogens meinen (eventuell auch
den,
der mit dem Bogen umgeht). Der nicht seltene Name
Milchsack, 1396 in Zittau Joh. Milchsack, woneben
auch
Joh. Milchtasch 1511 in Eisleben, meint den Hirten

nach der Hirtentasche, in der die Milch mitgenommen
wird (in alten Fastnachtsspielen begegnet der Name
Molkenschlauch). — Hier sind auch die Schleifnamen
zu erwähnen, die in der Gesellentaufe gegeben
wurden.
Auch sie wurden bisweilen vererbt. So erhielt z. B.
Hans
Sachs als Geselle in Würzburg den Namen Hans
Rosen-
gar t.
Das bunte Bild von Beruf und Gewerbe, daß uns alle
diese Namen überliefern und das mit ihnen — soweit sie
noch lebendig sind — in die Zukunft weitergetragen wird,
spiegelt eine vergangene Welt, deren Produktion nicht
von Maschine und Fabrik bestimmt wurde. Es ist die
Welt des Handwerks und der Zünfte, des bürgerlichen
Fernkaufmanns, Ratsherrn und Patriziers, dessen ökono-
mische Macht sich im Rahmen des feudalistischen Staates,
dessen kirchlicher und weltlicher Komponente, entwickelt
— die Welt der einfachen Warenproduktion, deinen Grund-
lage zu einem guten Teil auch auf bäuerlicher Arbeit rühr.

16
9
V. Übernamen

Als Übernamen bezeichnen wir — wie schon S. 116 an


gedeutet — Benennungen, die in der Art unserer Spitz
namen auf auffallende körperliche oder geistige Eigen-
schaften des Mitmenschen zielen, seinen Gang, seine Rede-
weise oder sein Verhalten gegenüber der Umgebung glos-
sieren (charakterisieren). In diesem Sinne konnte jedes
Wort zum Namen werden: als unmittelbare Angabe
(Fröhlich-, Bauch'), als Metapher (Fuchs; Hammelskopf}
io*

1
7
0
und schließlich in metonymischer Verwendung im
wei-
testen Sinne des Wortes durch die Bezeichnung eines
Ortes oder einer Person, eines Begriffes,
Gegenstandes
oder einer Redewendung, die in irgendeiner — oft zu-
fälligen — Beziehung zum Namenträger stand
(Jasomir-
gott, Hundertmark, ein Ritter 1334 Joh. Straszenroub
usw).
Noch heute werden Spitznamen in dieser Weise
gegeben.
Nicht immer läßt sich nachträglich, und nun gar Jahr-
hunderte später, klären, warum ein Mensch gerade so
benannt wurde. Man muß sich in solchen Fällen
begnügen,
die Bedeutung des Wortes herauszufinden, das den
Namen gebildet hat, ohne etwas über die Motive der
Namengebung sagen zu können — in solchen Fällen
etwa wie 1368 her Johannes der hyrs (‘Hirsch’) oder
1389
Michil mit dem Silbir. 1496 begegnet im Dresdener
Rat
ein Nickel Rolle. Es hegt mhd. rolle, rulle
‘Verzeichnis,
Liste; etwas Auf-, Zusammengerolltes; Glättrolle’ zu-
grunde. Damit kann eine ganze Reihe von Dingen be-
zeichnet werden, die verschiedenen Bereichen des
prak-
tischen Lebens angehören: einmal ‘Schreibrolle,

17
1
Urkunde’
— dann könnte es sich um den mittelbaren Berufsnamen
für den Schreiber o.ä. handeln; ferner aber auch eine
Vorrichtung im Bergbau, ein Getriedesieb, ein liederliches
Weibsbild und noch anderes. Entsprechend vielfältig sind
die Beziehungsmöglichkeiten des Übernamens. Matthis
Tonne 1451 kann einer sein, der mit Tonnen zu tun hat
— ein Böttcher, Küfer oder Fuhrmann — oder einer, dei
so dick ist wie eine Tonne. — In seltenen Fällen wird das
Motiv der Namengebung in der Überlieferung einmal mit
angeführt. So trug in Nürnberg 1574 eine Frau Anna
Neu her den Spitznamen die Markgräfin laut Quellen
angabe wegen ihrer Schönheit. In der Limburger Chronik
ist zum Jahre 1350 von einem Erzbischof zu Mainz die
Rede, der deswegen Buseman genannt wurde, weil er gern
trank (busen ‘trinken’).
Spitznamen sind auch heute oft recht derb, und sie
waren es bei den Bauern und Handwerkern, den Fah-
renJen und Schülern des Mittelalters nicht minder. Man

1
7
2
nahm in der Charakterisierung des Mitmenschen
kein
Blatt vor den Mund, und so kommen mit den aus
Über-
namen entstandenen Familiennamen Wörter auf die
Steuerliste und in das Stadtbuch, die wir sonst an
dieser
Stelle kaum finden würden. In Köln begegnet uns
1165/68
Heinricus Aldepisse, 1159/69 Heinrich Kaldepisse,
1286 O
Dusintvorz (‘tausend’); in Ansbach 1398
Kralzenbauch.
m Würzburg 1409 Heinz Speck im Ars; in
Augsburg
14. Jh. Joh. Schiße in die Stuben, eine Verbrecherin
heißt
die Scheißßinbrunnen; in Freiberg 1426 Regenars
(‘reg
den A.’); in Dresden 1396 Wanczennest,
Tegebirne, Faul
kese. Vielfach sind solche Namen von ihren
Trägern später
geändert worden (s. S. 96). Der Schweizer Name
Lahm-
arsch wurde z. B. dann La Marche geschrieben.
Heute is*
der Anteil dieser krassen Fälle am Namenschatz
infolge
dessen nur noch sehr gering. Parallelen dazu finden
wir
vor allem in der grobianischen Literatur, in den
Fasr-
nachtspielen, wo z. B. ein Bauer Fullendrussel

17
3
(‘Füll der
Schlund’) mit dem Zunamen Wißmirdasgeseß
(‘Zeig mir
.. .’) auf treten kann.
Der Masse der Übernamen liegen Substantive oder Ad-
jektive zugrunde. Sehr viele haben eine körperlich*
Eigenschaft, einen auffälligen Körperteil zur Ziel-
scheibe. So finden wir z. B. im Fernsprech Verzeichnis
Leipzig1 1961 Ä&rn (1), Schädel (2), Haupt (12), Zahn 15)
Bauch (3), Fuß (2); ferner in Dresden 1437 Peter Brust
im Altenburgischen 1446 Jordan Schinebeyn, 1521 Klaus
Hant. In diesen Fällen war eben der betreffende Körper
teil den Mitmenschen irgendwie auffällig, kam ihner
.komisch“ vor — mögen es vorstehende Zähne, eine ver-
krüppelte Hand, ein dicker Bauch oder was auch immer
gewesen sein. Nicht alle Namen begnügen sich mit dem
Wort für den Körperteil, bei manchen wird noch eine
Verdeutlichung hinzugesetzt: Rauchhaubt ist einer mit
struppigem Kopf (‘rauh’), Rauchjuß mit haarigen Beinen
oder auch ein rauher, ungebildeter Mensch, in über

Die Zahlen in Klammern geben die Häufigkeit an.

1
7
4
tragenem Sinne entsprechend Hasen-, Leichtfuß Auf den
Kopf (mhd. md. höubet) zielt auch Valten Weyßheyt 1543
im Altenburgischen = Valten Weißheubt 1520 = Valten
Weißhawbt 1537; vgl. den Namen des Dichters F. C. Weis-
kopf. Hinter dem modernen Familiennamen Kutzschbach
steckt ein altes Gutzsebuch (so 1419 im Altenburgischen)
zu gutschen, gautschen ‘schaukeln, schwanken’ für einen
dicken Menschen mit schwankendem Bauch. Bierbauch
begegnet schon 1169 in Köln als Beiname: Birbuc. Jacoff
Clapschenckel 1446 und Bartel Clatzschbein 1448 im Alten-
burgischen (zu klappen und klatschen ‘schallen, klatschen’)
können sich auf einen Menschen mit einem Holzbein be-
ziehen, das beim Auftreten ein entsprechendes Geräusch
verursacht. Hesselbarth (Hässelbarth) weist auf einen hasel-
nußbraunen (mhd. hasel ‘Hasel’), Milchbart, im Alten-
burgischen Milchbarte 1448, auf einen flaumigen, Strohe-
bart 1456 auf einen strohigen oder strohfarbenen Bart.
Auf den Bart oder das Haar überhaupt beziehen sich
auch Namen wie Grau, Braun, Schwarz, Weiß. Fuchs (rot),
Rau(h), Kahl, Kraus(e) (‘gelockt’), Straube, Strobel (zu
strüp ‘rauh emporstehend, struppig’).
Sonstige auffällige Körpergestalt hat Namen verursacht
wie in Zürich 1504 Michel Halbgewachsen', Groß, Klein,
Kurz, Lang, Ran(c)k (vgl. rank und schlank), Feist, Fett
<beide Wörter sind ursprünglich geographisch geschieden:
nd. fett — obd. feist', in Dresden nebeneinander die Namen
Martinus Fett 1461 und Lucas Feist 1460), im Alten-
burgischen 1427 Hans Purppel zu purpe(l) ‘Knirps, Wicht’,
1571 Jacob Burtzel zu ‘Purzel’ —ebenfalls für einen kleinen
dicken Menschen. — Den Linkshänder bezeichnen Link(e);
Denk (Dengg), Tenk (zu mhd. tenk ‘link’, noch heute in
bairischen Mundarten lebendig), Lörsch. Lorz, Lurz (nie-
derrheinisch), im Altenburgischen 1347 Perczold Lercze
(zu mhd. lerz ‘link’), auch Luchte, Luchterhand (zu mnd.
luchter ‘link’), in Leipzig 1471 Petrus Luchter. — Hierher
schließlich die Namen Schön(e) und Scheußlich, im Alten-
burgischen 1531 Clemen Scheuselich-, Greulich, Stark(e);
Schieler und Schiller (das gleiche Wort!); Hamburg 1472

17
5
Heinrich Hassenschart Straßburg 1384 Lawehnus
dicius
Hmkbein, im Altenburgischen 1482 Cleman
Kuhejuß;
Dollfuß (‘Klumpfuß’); Leisegang, nd. Liesegang
(‘wie ein
Schleicher leise gleitend gehen’.
Auch geistige und charakterliche Eigenschaf-
ten konnten die Aufmerksamkeit der Mitbürger hervor
rufen. In diesem Bereich sind häufig Adjektive verwendet
worden. Das Leipziger Fernsprechverzeichnis 1961 bietet
die Namen Treumann (1), Gute (1), Gutmann (5),Gutte (1)
Boese, Böse (2), Biedermann (6), Kluge (27), Klug (2)
Kluger (1), Klugmann (1), Ehrlich (1), Fröhlich (19),
Frölich (2), Froelich (d), Stolz (1), Stolze (4), Stolte (1; die
nd. Form), Queck, Quick (2; schon im Altenburgischen
1503 Anthonius Qweck, zu mhd. queck ‘lebendig, fnscn,
munter’), Redlich (2), Stuhr (1; mnd. stür ‘steif, streng
widerspenstig’), Wunderlich (10), Wüstling (2), Qua(a)s
(6; im Altenburgischen 1448 Hans Quos, zu mhd. md.
quä$ ‘Gastmahl, Schlemmerei’, Übername für einen
Schlemmer o. ä.), Lustig (1), Munk (2; im Altenburgischen
1531 Mats Muncke, zu friihneuhochdt. munk ‘Murrkopf I,
Schlemmer (1), Schade (7; mhd. schade ‘der Schädiger ),
Schädlich (3), Nützmann (1), Brause (3), Brauße (1; de
Aufbrausende, Lärmmacher), Zänker (4), Zenker (2)
Geidel (5; mhd. giudel ‘Prahler, Verschwender’).
Als Metapher oder auf andere Weise werden Tiere
und Körperteile von Tieren zu einem Menschen m
Beziehung gesetzt. Der Mensch kann das Tier besitzen
ihm im Äußeren oder in seinem Wesen gleichen (die Katze
schmeichelt, der Pfau ist eitel, der Gimpel dumm), der
Tiername kann auch als Schelte gebraucht werden. Daraus
ergeben sich u. a. Namen wie die folgenden: Bär, Behr,
Beer (kann auch mhd. bĕr ‘Eber’ sein), Fuchs, Hase, Ochse,
Bock, Kalb, Lamm, Eichhorn, Löb, Leue, Löwe, Laue — alle
zu mhd. lewe, löuwe, leu ‘Löwe’, Hirsch, Stehr, Stör (mhu.
ster ‘Schafbock, junger Widder’), Hecht, Hering, dazu auch
Harig, Katz. F. Olpent in Nürnberg 1370 zu mhd. olbende
‘Kamel’. Recht verbreitet sind Vogelnamen, die z. T.

1
7
6
mit Vogelfang und Vogelhandel Zusammenhängen. Im

17
7
Fernsprech Verzeichnis I^eipzig 1961: Goldammer
(4)
Ammermann (1), Pfau (5), Taube (5), Falk (5),
Falke (1),
Fink (4), Finke (1), Gans (1), Geier (3), Geyer (4),
Gimpel
(4), Hahn (19; hier ist teilweise auch an mhd.
hagen, hain
Waid’ zu denken), Henftling (1), Lerch (1), Meise
(1),
Rabe (6), Raabe (1), Raab (2), Reiher (1), Rebhan
(1;
Dresden 1530 Paul rephun), Schwalbe (3),
Seidenschwanz
(1), Sperling (12), dazu auch Sperlich (5), Storch
(2), Stork
(1). Strauß (7), Schwan (1), Schwahn (1), Kuckuck
(1),
Zeising (5), Zeißig (2). Auch alte
Tierbezeichnungen leben
in Familiennamen fort. Der Name Kohlhaas(e)
enthält mnd.
kolhase ‘Heuschrecke’, angewandt auf einen
unruhigen,
lebhaften Menschen; schon 1248 Bertoldus
Kohlhase zu
G istrow. — Körperteile von Tieren bezeichnen
Hühnerbein
(1), Ziegenbein (2) (dies ostmitteldeutsch für
‘Kornblume’!),
Schnabel (9), Gansauge (5), Maul (2); Dresden
1501 Michel
pfote, George tatze.
Soweit die Pflanzenwelt hier vertreten ist, kann es
sich teilweise auch um Wohnstättennamen handeln

1
7
8
(s. S. 135). Es ist nicht immer eine deutliche Scheidung
möglich. Vgl. z. B. die folgenden Namen, ebenfalls aus
Leipzig 1961: Haferkorn (7), Blume (10), Blumstengel (1)
(im Altenburgi8chen 1531 Veit Blumstengelw’ohl Über-
name für einen langen, dünnen Menschen), Knoblauch (6),
Knobloch (12), Knoblau (1), Bilz (1), Biltz (1), Pilz (7),
Hcppensack (1; mhd. hopfe ‘Hopfen’), Hoppstock .(1),
Rebenstock (1), Rosenkranz (6; sicher übertragen), Sommer-
korn (1), Sommerlade (1), Sommerlath (1), Sommerlatt (3;
im Altenburgischen Hartmann Sommerlatte 1485, mhd.
sumerlat[t]e ‘diesjähriger, in einem Sommer gewachsener
profiling’, Übername für einen schnell aufgeschossenen,
großen Menschen), Kornblum (1) (s. auch oben Ziegen-
bein'), Klee (1), Kleemann (6), Holzapfel (8), Birnbaum (3),
Kirschbaum (2), Klette (5). Vgl. ferner Pflaume (als
Schelte), Pfefferkorn, Piepekorn, MÖhrchen-, Dresden 1575
Maz Kullstruncke (‘Kohlstrunk’).
Es können hierbei teilweise auch mittelbare Berufs-
namen oder Häusernamen vorliegen (s. S. 137 f.). Mehl-

17
9
horn ist eigentlich der Mehlwurm und damit ein Spott
name für den Müller oder auch Bäcker. Pfeffersack im
verächtlichen Sinn für einen Kaufmann ist noch heute
bekannt, wenn auch nicht gebräuchlich; Hajersack im
Altenburgischen 1455 Haffersack, geht wohl in der Regel
auf einen Bauern oder einen Fuhrmann.
Bezeichnungen für Naturerscheinungen, Gestirne,
Tages- und Jahreszeiten: In Leipzig 1961 Sonnen
schein (2), Regen (1), Donner (9). Sturm (2); Sommer (14)
Herbst (12), Winter (26), Lenz (9). Von den Monatsnamen
begegnen nur Mai (5), May (8), März (2); die übrigen
lateinischen und auch die deutschen Bezeichnungen fehlen
hier, doch wird z. B. für Süddeutschland belegt Abereil.
Abrell zu mhd. abereile ‘April’, 1320 Burchart Abrelle aus
Memmingen; 1551 Joh. Hornung gen. Februarius hei
Kirchheim/Teck. Von den Wochentagen in Leipzig Mon-
tag (1), Mittwoch (1), Freitag (3) (Unglückstag!), Sonntag
(18) (Glückstag!); die übrigen finden sich auch sonst kaum
Bayrisch Ertag ‘Dienstag’: München 1382 Chunrad Eritag
= 1390 Chunrad eretag = Chunrad Erichtag. Ferner Jfor-
genschweiß (1), Mittag (1). Der besonders in Dresden ver-
breitete Familienname Mittag wird teilweise wohl als Um-
deutung des slawischen Namens Mitaš, Mittasch ent-
standen sein. Vgl. auch Hamburg 1415 Curt Langenacht,
Ansbach um 1400 Michel Nachtlang. Brause-, Kuhlwetter,
Stoßregen (‘starker Regen’).
Die Übernamen nach Münzen sind unterschiedlich zu
erklären: Namen für hohen Geldeswert können auf
protzenhaften Reichtum, für geringen Geldeswert auf
Geiz oder Armut zielen. Es kann auch eine Schuld in
Höhe des betreffenden Wertes gemeint sein, einer, der
oft eine bestimmte Summe borgt, damit verspottet
werden. Schließlich ist auch Angabe der Besteuerung
möglich. Einer der häufigsten Übernamen dieser Art ist
Hundertmark, der um 1189 in Köln, 1371 in Pommern,
1390 in Herford, um 1460 in Quedlinburg, 1309 in Greifs
wald, 1406 in Jena erscheint. Um 1930 fand er sich in
Berlin 27mal, in Köln und Kassel je lOmal, in Jena

18
0.
9mal, in Magdeburg 6mal, in Leipzig 4mal.
Entsprechend
1660 in Quedlinburg Hundertgulden. Schilling und
Heller
sind im Leipziger Fernsprechverzeichnis 1961 je
12mal
vertreten und also recht häufig, Pfeng und Pfennig
nur
je einmal. Im Altenburgischen wird 1445 erwähnt
Nickel
Funflmarg, auf Usedom 1640 Dörtichmarck
(‘dreißig
Mark’), in Rostock 1288 Gerhardus Sevenpenning.
Auch
Pfund ist meist Münzen-, nicht Gewdchtsname:
Leipzig
1961 Pfundheller. — Daß Zahlen mitunter auf recht
selt-
same Weise zu Übernamen werden, zeigt der Name
des
Dresdener Ratsmitgliedes Heinrich Kangiesser
1493, des
Geschützgießers Herzog Albrechts. Er erscheint
einige
Jahre später als Heinrich Qwinckow, auch
Quinque-, 1505
Cristo ff Quinque ist wohl ein Nachkomme von
ihm, wobei
lat. quinque ‘fünf’ zugrunde liegt. Er hat 1491 5
Glocken
für die Kreuzkirche gegossen und 5 zinnerne
Knäufe auf
ihre Türme gesetzt. In Leipzig 1961 noch
Siebenhüner

18
1
(wohl nach einer Abgabe), Dreißig (1}, Zehne (2).
Namen wie Kaiser, König, Herzog, Graf, Papst (Pabst),
Bischof(f) sind auf unterschiedliche Weise zustande ge-
kommen. Der Hörige oder Diener konnte nach seinem
Herrn genannt werden; es kann auch ein Vergleich im
Äußeren oder in auffallenden Eigenschaften vorliegen.
Kaiser, Papst und andere Würdenträger begegnen im
Volksschauspiel, und wer die betreffende Rolle wiederholt
oder besonders eindrucksvoll spielte, erhielt unter Um-
ständen einen entsprechenden Übernamen. So wird in
einem Dresdener Gerichtsbuch 1556 gesprochen vom Hirn
hschen Vatter dem Leineweber zu Freibergk — wohl nach
der Rolle des ‘himmlischen Vaters’ im religiösen Volks-
Schauspiel. Ähnlich in Dresden 1502 Math grosnickel
sunsten heiser gnant\ am Oberrhein 1289 Berzhin Kunic
(König) = her Berhtolt der Kunic von Phaffenheim.
Schließlich gab es auch Schützenkönige sowie Deich-,
Holz- und Salzgrafen (Graf als ‘Vorsteher, Verwalter’),
die weder Könige noch Grafen waren. Vgl. auch S. 148
über Markgräfin. — Grebe, Grewe ist ‘Graf’ mit mittel-
deutscher Umlautsform.

1
8
2
Auch Bezeichnungen der Verwandtschaft, des
Alters und Geschlechtes finden wir in Übernamen
wieder: Vater, Vetter, Bruder, Neffe, Öhme (mhd. öheim
‘Onkel, und zwar zunächst Bruder der Mutter’), Schwer,
Schwär (mhd. sweher ‘Schwiegervater’), Kind, Braut
Eidam, 1363 in Lüneburg H. Swagherssone, Jüngling,
Freund, Feindet), Götte, Gotte (mhd. götte ‘das aus der Taufe
gehobene Kind, Pate, Patin’), in Straßburg 1243 Cun
radus diet. Gevaterman\ Zwingli zu ahd. zwinilinc ‘Zwil-
ling’; Brümmer niederdeutsch für Bräutigam, in Leipzig
1961 fünfmal. Rauschert zu mhd. rüschert ‘uneheliches
Kind’, ebenso Kegel, Kögel, mhd. kegel.
Weniger häufig — wenn auch nicht ausgesprochen
selten — als die in den vorgenannten Gruppen neben
Adjektiven, Zahlwörtern usw. zusammengestellten Sub-
stantive, im wesentlichen Konkreta, kommen in den
Übernamen Abstrakta vor. Sie können sich dem Sinne
nach auf jede der erwähnten Sachgruppen beziehen.
Vgl. z. B. im Fernsprechverzeichnis Leipzig 1961: Wuth
(1) , Zorn (2), Vnglaub (2), Uebel (1), Übermuth (1), Glück
(2) , Freude (1). Ferner u. a. Hunger, Kraft, List. Dorst
(mhd. turst ‘Wagemut’), Scherz (für einen lustigen, fröh-
lichen Mitmenschen, als Gegenteil dazu Sauermann)
Trost (mhd. tröst ‘Hilfe, Zuversicht, Unterstützung’, in
diesem Sinne Bonn 1364 ChristiaynVrouentroist). Im Alten -
burgischen Hohtanz, Huhtanz, 1418 Hans Hotantz (mhd.
hoch ‘hoch, vornehm’, vielleicht ironisch für einen, der
einen vornehmen Tanz tanzte); 1498 Albrecht Tawbentantz
(aufgeregtes Umhertänzeln nach Art der Tauben?) In
Köln um 1200 H. Zwivil (‘Zweifel’). Zu unserem Kauder-
welsch gehört als Übername Hermannus Kudirwale in Köln
1247, Berchtold Khawderwalch 1379 in Rain am Lech
(Romanen aus dem Rheintal von Chur, das mit diphthon-
giertem ü Kauer lautet, davon Kaurerwelsch zu Kauder
welsch). Merkwürdig ist auch ein Name wie Herrn. Men
scheit 1288 in Köln ; vielleicht hat sich der Namenträger
oft auf seine gebrechliche, ,,menschliche“ Natur berufen
und so den Übernamen erhalten.

18
3
Besondere Bildkraft kennzeichnet die meisten der so
genannten Satznamen (über die Bildungsweise S. 119b
Hier werden vor allem die Schwächen der Mitmenschen
aufs Korn genommen. Die Feinschmecker, Schlemmer,
Trinker heißen da: Ayrenschmalz, Eierschmalz (‘Eier im
Schmalz’), 1331 in Linz Christan der Ayerimsmaltz, 1548
in Rosenheim Wilhelm Ayrschmalz (dieses beliebte Ge-
richt z. B. in Ulm von 1545—1705 siebenmal verboten,
weil offenbar als ungerechtfertigte „Völlerei“ betrachtet),
Lickenmetz (mnd. metz ‘Messer’),bezeichnet wie Leckspieß
das Leckermaul, auch Lexmaul, Lecksmaul, Leckenprei.
Unter den Verbindungen mit ‘lecken’ sind am häufigsten
die mittel- und niederdeutschen Lickefett, -fatt, Luckefett
(vgl. die Redensart „da leckst du eben Fett“). Neben
Chonradus dictus Gernaß 1283 in Kleinbasel steht Henne.
Essigerne (‘eß ich gerne’) in Basel 14. Jh.; später meist
in der Form Essegern. Besonders drastisch auch Wolfgang
Springinhafen (‘spring in den Topf’) 1480 in Sindelfingen
Reimschüssel, im Altenburgischen 1494 Brixius Rum-
schüssel, zu mhd. rümen ‘räumen, leer machen’ bezeichnet
den starken Esser ebenso wie Reumtopf, Räumtopf, 1527
im Altenburgischen Greger Reumethoppß. Mit dem Trinken
halten es die Liebe(n)wein, Lobenwein, Kostenwein -, etwas
derber Saufenwein, 1313 in Augsburg Ulrich Slintenwein
(mhd. slinden ‘schlingen’) ; Hebekanne, Neyginbecher, Füll
kruß, Busekroos (mhd. krüse, mnd. kröse ‘irdenes Trink-
gefäß’, busen ‘trinken’), Lehrenkrauß, Stürzenbecher, 1566
in Freiburg/Breisgau Georgius Springinsglas; Suchenwirtl ,
Suchentrunk, Findenwirt, Findenkeller-, 1669 in Mittel-
franken Matthäus Vollenhals. Hierher schließlich auch
Sanftleben, Sachtleben, Lebsanft (‘Wohlleben’).
Eine Blumenlese aus den Namen für Streitsüchtige,
Raufbolde, Schnapphähne: Häufig sind die Hau{en)schild
s‘hau den Schild’). In Dresden wird 1455 ein Hauwen-
(child genannt, der einen Mann im Streit verwundet hat
Eine süddeutsche Ergänzung dazu ist Schittenhelm,
Schüttenhelm (mhd. schütten ‘erschüttern, schütteln’). Der
Zuckschwert ist stets bereit, das Schwert zu ziehen, ebenso

1
8
4
Christoph Zuckeisen 1613 in München, ferner
Schnellen-
pfeil, Schnellenboltz, Reckenbeil (‘recke das Beil’),
Hebe
streit (‘fange den Streit an’), Schlag zu,
Schlaginhaufen,
Kliebenschädel (mhd. klieben ‘spalten’), 1271
Arnold Stnde-
gerne. Keines Mannes Freund waren Leute, die von
ihren
Mitbürgern Nittvertrag 1504 in Konstanz,
Manvirtreib
1258 in Basel genannt wurden; ebenso Hainzlin
niemans
fründ 1400 in Ulm, Chunrad der Niemansgnos
1414 in
Bayern. Ein Name für den Landstreicher ist
Schneidewind
(‘schneide den Wind’), der noch heute in vielen
Varianten
vorkommt: Schneidewin, Schnödewind,
Schneidewein,
Schniewind, Schneewind. Hierzu auch Merten
Ebert, sonst
Spaldenwindt genant 1568 in Görlitz. Dohrenwendt
in Gera
1925 entspricht in Straßburg 1466 Hans
Durchdenwind.
Häufiger sind Durchde(n)wald, auch Tur ken w aid,
T(h)urn-
wald, Dortenwald, Dörwald(t). Sie leiten über zu
den
eigentlichen Räubernamen: im 15. Jh. in Nürnberg
Hans Smid genannt Steigindtaschen, 1502 in

18
5
Tübingen
Stigentäsch, 1629 in Rottweil Lorentz Findschatz;
Klinkauf,
Schließauf, Bindauf. Hier sei auch an die
„klassischen
Räubernamen des „Meier Heimbrecht“ erinnert:
Lember-
slind, Slicicenwider (‘schluck den Widder’),
Hellesac, Rütei
schrin (‘rüttel den Schrein’), Küefrä$, Slinte^geu
(‘schling
den Gau’).
Leute, die es selbst mit dem Teufel aufnehmen, sind
die häufigen Jagenteußf)el (in Meißen 1575 ein Geist-
licher M_. Nicolai Jagenteußel). Jorge senckentaler 1501 in
Dresden bezeichnet den Geizhals, Fritz Nagengast im
15. Jh. in Ansbach den gewinnsüchtigen Wirt (‘nage den
Gast’), Schaßnit und Schaßlützel den Faulpelz, Bleibim-
haus den Stubenhocker, Redslob den Schmeichler, Südek
um (‘sieh dich um’) den Vorsichtigen. — Es dürfte kaum
eine menschliche Schwäche geben, der wir in dieser
Namen weit nicht begegnen.

1
8
6
VI. Verhältnis der einzelnen Namengruppen

Der Anteil der verschiedenen Namengruppen — der


Familiennamen aus Rufnamen, Herkunftsnamen, Wohn-
stättennamen, Berufs- und Übernamen — am Namen-
schatz einer bestimmten Gemeinschaft ist nicht zu allen
Zeiten und in allen Gegenden gleich groß. Es lassen sich
teilweise charakteristische Verschiebungen beobachten.
Über die geographischen Unterschiede vgl. man S. 173 ff.
Hier zunächst einiges über die zeitlichen Verände-
rungen. Die älteste Schicht bilden die Familiennamen,
die aus heimischen Rufnamen entstanden sind; sie sind
am ehesten fest und erblich geworden. Berufs- und
Übernamen blieben am längsten unfix, wandelten noch
vielfach ihre Form. Von besonderer Bedeutung ist das
starke Anwachsen der Herkunftsnamen im hohen
Mittelalter (s. S. 128 f.). Wenn Menschen zusammentrafen,
die sich bisher nie gesehen hatten, so waren in der Rege-
Vatersname und auch besondere Eigenschaften noch nicht
immer bekannt, eher dagegen die Herkunft, die auch an-
gegeben werden mußte. Im späten Mittelalter betrug daher
die Zahl der nach der Herkunft benannten Stadtbürger in
Hamburg 40%, in Lübeck sogar 53%, in Rostock 48%,
in Barth 35%, in Stralsund und Greifswald 40%.
Die zunächst vom Adel ausgehenden Wohnstätten-
namen haben sich in bäuerlichen Kreisen vor allem in
Gebieten der Hofsiedlung (Westfalen, Tirol, Schweiz) ent-
wickelt. Unter ihnen haben schließlich als jüngere Schicht
für die Stadt die sogenannten Häusernamen größere
Bedeutung erlangt . Sie sind im frühen 12. Jh. nur in Köln
bezeugt, finden sich aber um 1200 am ganzen Rhein
zwischen Basel und Köln. Von dort dringen sie nach
Osten und Südosten vor. Ihr Zentrum bleibt West- und
Süd Westdeutschland. In Mainz sind z. B. um 1332 von
130 Familiennamen 65 von Häusernamen gebildet (50%!),
in Köln sind es 1392 rund 40% (260: 100). Im München
des 14. Jh. gibt es nur selten Häusernamen nach Haus-

18
7
Zeichen, ebenso in Augsburg ; in Regensburg dagegen ist.
der erste schon 1278 belegt.
Die Berufsnamen begleiten den sozialen Aufstieg des
Handwerkerstandes in den Städten: im Westen im Laufe
des 13. Jh., nach Osten hin setzt die Entwicklung etw’as
später ein. Eine jüngere Schicht bilden hierbei die mittel-
baren Berufsnamen und die Schleifnamen (seit dem
14./15. Jh.). Sie stehen — wie bereits mehrfach betont —
den Übernamen nahe, die als Spitznamen jederzeit ent-
stehen konnten und schließlich heute noch entstehen.
Doch zeigt diese Namengruppe in vielen Gebieten die
stärkste Entwicklungstendenz und stellt gegen Ende der
Familiennamenbildung, im 15./16. Jh., den größten Pro-
zentsatz am Gesamtnamenbestand. Auf den Zusammen-
hang mit dem Grobianismus, mit Brant und Fischart u a.
wurde bereits hingewiesen.
Für den zeitlichen Wandel im Verhältnis der einzelnen
Namengruppen sei das gut überschaubare Altenburger
Land als Beispiel gewählt (nach Grünert). Aus dem
12. Jh. sind nur 49 Beinamen überliefert. Davon sind
78% Herkunftsnamen, 20% Rufnamen und ein Über-
name. Im 13. Jh. stehen die Herkunftsnamen mit 68%
immer noch an der Spitze; es folgen die Rufnamen mit
17,5%, die Übernamen mit 9*/0, die Berufsnamen (5%),
die Wohnstättennamen (0,5%). Im weiteren Verlauf
nehmen die Herkunftsnamen immer mehr ab und machen
im 16. Jh. nur noch 25% des Namenschatzes aus. Den
größten Anteil bilden nun die Übernamen mit 30% Die
Rufnamen haben sich mit 1910 nicht wesentlich ver
ändert, während die Berufsnamen mit 20% dem Stand
des 15. Jh. entsprechen und die Wohnstättennamen eine
stetige geringe Zunahme bis 6% aufweisen.
Insgesamt ergibt sich also für das Altenburgische
folgendes Bild: Die Familiennamen aus Rufnamen
gehören mit den Herkunftsnamen zur ältesten Namen-
gruppe. Von Rufnamen werden bis ins 16. Jh. immer
wieder Familiennamen gebildet, zunächst aus heimischen,
im 15. Jh. vor allem aus den Heiligennamen, später durcl

1
8
8
adjektivische Zusätze jung’ ‘klein’ usw. Der Anteil dieser
Namengruppe am Gesamtnamenschatz bleibt nahezu kon-
stant, beträgt vom 12.—16. Jh. zwischen 16,5 und 20%.
40% des alten Bestandes an Familiennamen dieser Gruppe
sind um 1800 noch vorhanden; damit sind die Verluste
hier am geringsten. Das ist begreiflich, weil die Zahl der
Namenträger für jeweils einen Namen außerordentlich
hoch ist und der Name immer noch weiterlebte, wrenn
mehrere Familien ausstarben. Ganz anders entwickelten
sich die Herkunftsnamen. Sie sind von Beginn der
Überlieferung vertreten und bilden zunächst die zahlen-
mäßig stärkste Gruppe. Ihr Anteil nimmt aber ständig
ab — zugunsten vor allem der Berufsnamen und der Über-
namen. 1800 sind nur noch 15% des Bestandes von 1600
erhalten geblieben; sie haben damit die größten Verluste
erlitten. Es ist hier gerade umgekehrt wie bei der vorigen
Gruppe. Den gleichen Herkunftsnamen tragen immer nur
wenige Personen, die Zahl der Namenträger jeweils eines
Namens ist also bedeutend geringer. Wenn Familien aus-
sterben, so wirkt sich das hier viel stärker aus. — Die
Wohnstättennamen treten im großen und ganzen erst
seit dem 14. Jh. auf und sind bis ins 16. Jh. produktiv.
Sie sind hier also als die jüngste Namengruppe zu be-
trachten und erreichen die zahlenmäßige Stärke der an-
deren Gruppen nicht. Im Jahre 1800 sind noch 30% des
alten Bestandes erhalten geblieben, bedeutend mehr als
bei den Herkunftsnamen. Die Vereinzelung geht nicht so
weit wie bei diesen. Weniger, aber typische Namen
konnten jeweils von einer größeren Zahl von Familien
getragen werden. — Ähnlich zu beurteilen ist die Ent-
wicklung der Berufsnamen, deren stärkste Produkti-
vität ins 15. Jh. fällt ; sie ist aber damit im wesentlichen
abgeschlossen. Es haben sich um 1800 noch rund 30%
des alten Bestandes erhalten. Auch hier verteilen sich
weitgehend typische Namen — entsprechend der Häufig-
keit der wichtigsten Berufe — jeweils auf eine größere
Zanl von Namenträgern. — Die Übernamen zeigen die
stärkste Aufwärtsentwicklung und sind vom 14.—16. Jh.

18
9
besonders produktiv. Doch haben sich bis 1800 nur 27%
des alten Bestandes erhalten. Viele Spottnamen sind als
einmalige Benennungen mit dem einzelnen Namenträger
wieder untergegangen oder auch gegen harmlosere ein
getauscht w’orden. Typische Namen wie Bart, Bauch, Kurz
und ähnliche konnten sich erhalten.
Die 185 Familiennamen der Dresdener Ratsmitglieder
bis 1500 lassen ein ähnliches Bild erkennen. Vom 13./14
zum 15. Jh. gehen die Herkunftsnamen stark zurück —
von 42% im 14. auf 26,1% im 15. Jh. Die Berufsnamei.
wachsen demgegenüber von 17,4% auf 24,3% und die
Übernamen von 18,9% auf 29,0% an. Familiennamen
aus Rufnamen und Wohnstättennamen verändern sich
dagegen kaum: jene von 17j4% auf 14,9%, diese von
2,9% auf 2,0%. Bemerkenswert ist auch liier die geringe
Verbreitung der Wohnstättennamen.
Grundsätzlich übereinstimmend, im einzelnen etwas
modifiziert, sind die Verhältnisse in Plauen/Vogtland. Hier
haben die Übernamen bereits am Ende des 14. Jh. mit
29,6% das Übergewicht erlangt, nehmen im 15. Jh. noch
mehr zu (33%) und gehen in der ersten Hälfte des 16. Jh
etwas zurück (31,8%). Die Herkunftsnamen treten dem
gegenüber nicht so stark in den Vordergrund: 21% im
14. Jh. — 16,3% in der ersten Hälfte des 16. Jh. Dann
zeigt sich die geringere Anziehungskraft des alten Plauen,
das nicht so viele Zuwanderer aufnahm. Die Wohnstätten
namen haben mit 4,2% im 14. und 4% in der erster
Hälfte des 16. Jh. die für ostmitteldeutsche Verhältnisse
kennzeichnende geringe Zahl. Recht hoch ist der Anteil
der Berufsnamen mit 24,9% schon im 14. Jh. Er läßt
einen Schluß zu auf den hohen Entwicklungsstand des
Handwerks im alten Plauen. Die Familiennamen aus Ruf
namen bleiben — wie zu erwarten — mit 17—20% ver-
hältnismäßig konstant.
Die Verteilung der Bei- und Familiennamen im mittel
alterlichen Zerbst (14.—16. Jh.) stimmt auch zu dem bis
ner entworfenen Bild: aus Rufnamen 19%, Berufsnamen
21%, Herkunftsnamen 44%, Übernamen 16%.

1 Deutsche Personennamen 190


In anderen Landschaften verläuft die Entwicklung der
verschiedenen Namengruppen im einzelnen unterschied-
lich. So nehmen z. B. in dem kleinen schwäbischen Städt-
chen Ravensburg die aus heimischen Rufnamen gebildeten
Beinamen 1324/61 51,2% des Gesamtnamenschatzes in
Anspruch und sinken bis 1398/1436 auf 42% ab. Her-
kunfts- und Wohnstättennamen zusammen machen im
ersten Zeitraum 32%, im zweiten 27% aus. — Eine Reihe
von Dörfern im Landkreis Harburg, im deutschen Nord-
westen also, ist ebenfalls durch den hohen Anteil von
Familiennamen aus Rufnamen charakterisiert: 1450/1628
sind es 51,9%, bis 1800 52,7%. Die übrigen Namen-
gruppen in derselben Zeit: Berufsnamen 19,2% — 18%;
Übernamen 7,9% — 7,5% (auffallend gering!); Herkunfts-
namen 21% — 21,8% (nach Rieckmann).

VII. Namenfelder

Unter einem Namenfeld verstehen wir zwei oder mehr


Namen, die in ihrem ursprünglichen Sinn bei der Namen-
gebung aufeinander bezogen sind, durch eine Betrach-
tungsweise der Mitmenschen unter dem gleichen Blick-
winkel zustande gekommen sind. So entstandene Gruppen
oder Namenpaare sind bisweilen erst richtig verständlich.,
wenn man den einzelnen Namen nicht isoliert, sondern
im Zusammenhang mit den dazugehörigen Gliedern be-
trachtet. Schon 858 erscheinen in einer St. Galier Ur-
kunde als Namen zweier Brüder Sumar (‘Sommer’) und
Wintar. In Köln steht im 12. Jh. neben einem Herimannus
cum Barba (‘mit dem Barte’) sein Namensvetter Heri-
mannus sine Barba (‘ohne Bart’). In Konstanz begegnen
uns 1265 Rudolf us J ohelarius dictusRuhe (mhd. rüch ‘rauh,
behaart’) und sein Vetter Rudolfus Johelarius dictus siebte
(mhd. sieht ‘glatt, schlicht, nicht kraus’) — der ‘Rauh-
haarige’ und der ‘Glatthaarige’, in Dresden 1518 Der rothe
Mertin und Der weyßheuptige Mertin.

ii 191
In ähnlicher Weise sind wohl auch die Breslauer Namen
Nicolaus mit der husvrouwe 1395 und Peschke mit dem
wibe 1392 jeweils als Gegenstück aufzufassen zu einem
unverheirateten Nicolaus und Peschke. Auch wir unter
scheiden heute gelegentlich zwischen dem ‘unverheira-
teten Müller’ und dem ‘verheirateten Müller’. Im Grunde
gehören hierher auch die Fälle, wo Träger des gleichen
Namens durch Zusätze wie ‘alt’ und ‘jung’ und andere
voneinander unterschieden werden, in Dresden 1396 z. B.
Helwig der junge und Ticze Helwig senior.
Eine andere Art von Gegenbildungen zeigen in Bres-
lau im 14. Jh. 'Pummisheubt und Clugisheubt, Zawirmilch
und Susemilch. In Heukendorf im Altenburger Land
treten uns 1600 entgegen Hanß Eselsfleisch und Hanß
Salzfleisch} auch diese sicher aufeinander bezogen.
Seltener sind bisher wirkliche Gruppen von mehr als
zwei Namen nachgewiesen worden. Doch werden sie sich
zweifellos finden lassen, wenn dieser Gesichtspunkt in
Zukunft mehr beachtet werden wird. In Dresden steher
1396 nebeneinander Petir vom Steyne — Petir uf der Hafe
slat (‘auf der Hofestätt’) — Petir im Kellir — Petir vom
Sychhafe (‘vom Siechhof’). Eine Reihe von Personen wird
also hier unter einem gemeinsamen Blickpunkt gesehen
der Wohnstätte, und danach unterschieden ; diese^Namen
bilden ein „Namenfeld“. Die Form der Namen läßt auch
darauf schließen, daß sie um diese Zeit hier noch nicht
alt und erstarrt sind, sondern daß der Sinn der Wörter
noch aktuell ist. Andere Bürger mit dem Namen Peter
trugen Beinamen, die wieder nach anderen Gesichts-
punkten gegeben worden waren, dem Beruf oder der Her
kunft zum Beispiel. Diese Namen hatten dann an dem
Namenfeld keinen Anteil. Das gleiche Benennungsprinzip
gilt nicht nur für Gleichnamige; auch Personen mit ver
schiedenen Rufnamen können so zusammengefaßt wer
den: 1396 ebenfalls in Dresden Friczsehe mit dem Barthe —
Hans mit dem Male — Heinr. mit dem Munde. Aus Straß
bürg sind überliefert Conrat Veiscetbacke 1287 — Cunradus
d. Slotterbacke 1310 — Heinzco d. Dünnebacke 1376. Doch

1
9
2
ist hier fraglich, ob die so Benannten gleichzeitig
gelebt
haben (der Zuletztgenannte scheidet sicherlich aus).
Man hat bei der hier erwähnten Erscheinung zunächst
von ,,Korrelation“, ,,Pendantbildung“ oder „Gegen-
bildung“ gesprochen (H. Reichert), dann von „Zwillings-
oder Drillingsbildung“ (A. Bach). Schließlich ist die
Bezeichnung „Namenfeld“ darauf angewandt worden
(II Moser) — in Übereinstimmung mit ähnlichen Bil-
dungen und Gruppierungen auch bei Orts- und Flur-
namen, worauf hier nicht näher eingegangen werden
kann. Die Bezeichnung „Namenfeld“ ist geprägt nach
dem „Wortfeld“, „Bedeutungsfeld“, „sprachlichen Feld“
im appellativischen Wortschatz. Dort bezeichnet der Ter-
minus allerdings teilweise ganz Verschiedenes.

VIH. Konkurrenzen

In vielen Fällen — darauf war schon S. 122 f. hingewiesen


worden — sind für den Sinn eines Namens verschiedene
Erklärungen möglich. Wir sprechen dann von Deutungs -
kreuzungen oder Konkurrenzen.
Der Name Berner z.'B. kann Herkunftsname sein und
mit dem Ortsnamen Bern Zusammenhängen. Das ist aber
nur wahrscheinlich, wenn der betreffende Namensträger
aus dem Umkreis dieses Ortes stammt oder besondere
Beziehungen zu ihm bestehen. In einer größeren Zahl von
Fällen wird der Name vom Rufnamen Bernher, Bernhart
oder ähnlich herzuleiten sein. Es ist aber auch Ableitung
von mhd. bernen ‘brennen, glühen, leuchten, durch
Schmelzen läutern, härten’ möglich und damit ein Berufs-
name. Schließlich kann Berner in vielen deutschen Land-
schaften (wo man Kerner für Körner sagt usw., also „ent-
rundete“ Vokale spricht) auch für Börner stehen; damit
kommt auch noch ein Wohnstättenname (‘der am Born
Wohnende’; vgl. Bormann u. ä. S. 134) und ein Herkunfts-
name (zum Ortsnamen Borna) in Frage.

ii 193
Eine ganze Serie verschiedener Erklärungen gibt es
auch für den vielfach vorkommenden Namen Schlegel.
Es kann sich zunächst um einen Herkunftsnamen han-
deln. Orte mit dem Namen Schlegel gibt es zwei in
Sachsen, sie finden sich ferner bei Hof/Saale, im Bezirk
Gpra,- in Oberfranken, in Württemberg. Mhd. siegel
‘Schlägel’ ist auch ein Werkzeug zum Schlagen, das z. B
der Bergmann — aber nicht nur er — gebraucht. Dem-
nach kann auch ein mittelbarer Berufsname vorliegen
Durch Kürzung kann einfaches Schlegel auch aus Woll-
schlegel (‘Wollschläger’, ein Beruf in einer Zeit, da die
Wolle noch geschlagen wurde) oder Oelschlegel (ent
sprechende Bezeichnung für den Ölmüller) oder auch
Brückenschlegel ‘Brückenbauer’ (München 1397 Hannsei
prügkslegel) sein; dann hätten wir es mit einem direkten
Berufsnamen zu tun. Das Wort bezeichnet ferner im
übertragenen Sinne einen ungeschlachten, später auch
dummen Menschen — dann wäre es ein Übername.. Und
endlich gilt es auch für einen ‘Ort, wo geschlagen wird’
(als Flurname, woraus die obenerwähnten Ortsnamen
entstanden sind); so wäre in diesem Falle an einen
Wohnstättennamen zu denken. Daß der Familienname
auch von einem entsprechenden Häusemamen ausgehen
kann, sei als letzte Möglichkeit erwähnt: in Freiburg
z. B. 1317 Johans der wirt zem Siegel (dies als Haus-
zeichen).
über das ganze deutsche Sprachgebiet verbreitet ist
auch der Name Abend. Er kann als Übername die Zeit
der Geburt angeben, als Wohnstättenname die Himmel«
nchtung des Wohnsitzes (Westen, wie Morgen für Osten
Mittag für Süden usw.), kann auch die Abendweide be-
zeichnen. Auch eine Erklärung als Herkunftsname ist
möglich; im Kreis Meißen gibt es den Ort Abend
St. Abundi und ähnliche finden sich mehrfach in der
Schweiz, mit dem Rufnamen Abundus, einem lateinischen
Heiligennamen, dem ein Teil der Familiennamen zugrunde
liegen kann. — Kep(p)ler kann als Herkunftsname zu
einem Ortsnamen Kappel gehören, als Wohnstättenname

1
9
4
zu Kapelle (Regensburg 1272 Rudger bi der
Chappel) oder
auch Beruf sname sein und einen bezeichnen, der eine
Kapelle versorgt, einen Mesner, Kaplan (Worms 1269
Joh. Capellarius); schließlich könnte auch der
Kappen-
macher gemeint sein. — Seidel kann eine Kurzform
mit
-Z-Suffix von Swrit (Sigfrid) sein (Dresden 1396
Sydel
Bader), kann aber auch als Übername einen
bezeichnen,
der mit Seideln zu tun hat (Wirt, Handwerker).
Michel
wird in vielen Fällen zum Rufnamen Michael
gehören,
aber auch Beziehung auf mhd. michel ‘groß’ ist nicht
ausgeschlossen. Berger wird sicherlich zu Recht in
den
meisten Fällen als Herkunftsname mit einem
Ortsnamen
Berg in Verbindung gebracht oder als entsprechender
Wohnstättenname erklärt, teilweise kann aber auch
der
alte Rufname Ber(n)ger zugrunde Hegen.
Pseudoetymologische Umdeutungen, Abschlei-
lungen,Kürzungen und eigenwilüge Schreibungen kön-
nen einen Namen so verändern, daß man völhg in die Irre
geleitet wird, wenn man eine etymologische Erklärung
nur von einer einzelnen Form her versuchen will. Der
m Dresden 1460 erwähnte Nickel Schonhirsch hat nichts
mit einem Hirsch zu tun; der Name wird 1405 Schonerst
geschrieben und ist ein durch Kürzung unverständlich
gewordener Herkunftsname zum Ortsnamen Schönerstädt.
Ebenso ist der schon oben genannte Name Kutzschbach
(S 150) kein Wohnstättenname nach irgendeinem Bach,

19
5
sondern eine Umformung von Gutsch(e)bauch und Über
name für einen Dicken. Leidhecker hat weder mit Leid
noch mit Hecke etwas zu tun, sondern ist der Leydecker,
ein rheinisches Wort für Schieferdecker (vgl. Lorelei).
Hinter Wohlfahrt steckt wenigstens teilweise ein altes
Wolfhart und hinter Schloßherr ein altes Schlosser. Der
1370 in Nürnberg bezeugte Name Herman Pfaffenangst
bezeichnet nicht einen, der vor einem Pfaffen Angst hat,
sondern gehört zu Angst im Sinne von ‘enge Stelle, Enge’,
einem häufigen Flurnamen. Es entsprechen z. B. Flur-
namen wie Pfaffenholz, Pfarrfeld usw. Demnach handelt
es sich um einen Wohnstättennamen.

1
9
6
Schließlich ist zu bedenken, daß Beinamen aller Be
deutungsgruppen als Übernamen gegeben worden sen.
können. Schmidt muß also nicht unbedingt in jedem Falle
ein Berufsname sein, tatsächlich einen Schmied meinen
sondern kann auf einen zielen, der aussieht wie ein
Schmied, kräftig zuschlägt wie ein Schmied oder in ähn
lichem Sinne. In gleicher Weise kann Schneider einen
dünnen, mageren Menschen, Schulze einen, der stets
das große Wort führt, überall vorn dran sein will,
eben den Dorfschulzen nachahmt, treffen. Auch Her-
kunftsnamen, wie Pole, Rheinländer usw. müssen dann
nicht einen aus Polen oder dem Rheinland bezeichen
sondern können einen Menschen meinen, der in seinem
Wesen oder Aussehen dem entsprach, was sich seine Mit
bürger unter einem Polen oder einem Rheinländer vor-
stellten. Schon der 1296 am Oberrhein erwähnte Rudolfus
sacerdos de Mulhusen dictus Sarracin (‘. . . genannt Sara
zene’) ist kein wirklicher Sarazene gewesen, ebensowenig
der 1501 in Dresden genannte George turcke ein wirklicher
Türke. Das häufige Unger (‘Ungar’) soll sich z. T. au*
Bergleute beziehen, die von dort zurückgekehrt sind.
Es gibt Möglichkeiten, die Fülle der Konkurrenzen ein
zuschränken — wenn auch nicht in jedem Fall völlig zu
beseitigen. Man vergleiche hierzu die S. 122f. gemachten
einleitenden Bemerkungen. Daß es nötig ist, die älterex.
urkundlichen Namensformen zu berücksichtigen, und daß
der Wortschatz des 12,—16. Jh. heranzuziehen ist, eben
jener Zeit, in der unsere Familiennamen entstanden sind,
wird aus dem Beispielmaterial deutlich geworden sein.

D. Zur geographischen Verbreitung der Personennamen

I. Rufnamen

Neben der Masse der Rufnamen, die ohne engere land


schaftliche Bindung in Köln wie in Rostock, in München
wie in Leipzig den namensuchenden Eltern zur Auswahl

19
7
hereitstehen, gibt es solche, die sich näher lokalisiere!
lassen. Lars, Karsten. Jörn. Nis sind in Schleswig-
Holstein
beheimatet; Kilian, Florian, Fridolin gehören nach
Schwa-
ben; Xaver und Alois nach Bayern. Friesisch sind
Abbo
Boje, Eibo, Heiko, Lette, Tjarks, Uje und andere.
Einen
Boman, in dem Personen mit Vornamen wie Rösi,
Kaspar,
Boppi, Agi vorkommen (H. Hesse: „Peter
Camenzind“),
wird man kaum an die See und andererseits eine Ge-
schichte, deren Menschen die Vornamen Iven,
Carsten,
Hauke, Ole, Tede tragen (Th. Storm: „Der Schimmel-
reiter“), kaum in die Alpen verlegen wollen. Das
modische
Streben nach ungewöhnlichen Rufnamen hat heute
aller-
dings dazu geführt, daß auch ursprünglich stärker
land-
schaftsgebundene Rufnamen gewandert sind und
gerade
dort mit Vorliebe verwendet werden, wo sie etwas
fremd-
artig klingen, also nicht heimisch sind. Ein deutliches
Beispiel dafür ist Uwe. Auch Jörn, Holm und andere
sind heut« nicht mehr nur im Norden üblich. Dieser
„Ausgleich“ schreitet immer weiter fort.
Bei den ältesten germanischen Namenwörtern
lassen sich nur geringere geographische Unterschiede
herausfinden. Die meisten Wörter, die als Anfangs- oder
Endglieder verwendet wurden, treten sowohl in bayri-

1
9
8
schen als auch in fränkischen und sächsischen Rufnamen
auf: -jridu wie adal-, sign- wie -brand. Der größte Teil
des Namenschatzes stammt also — wie auch aus dieser
Tatsache hervorzugehen scheint — aus westgermanischer
und gemeingermanischer Zeit und ist nicht erst in der
Zeit der sprachlichen Differenzierung nach Stämmen ent-
standen. In einigen Fällen sind jedoch gewisse Bevor-
zugungen, Konzentrationen mancher Namenwörter er-
kennbar. So finden sich gö$ (zum Volksnamen der Gauten)
vor allem in bayrischen, hruod (‘Ruhm’) in bayrischen
und schwäbisch-alemannischenNamen,&er(a)/^ (‘glänzend,
berühmt’) bei Franken und Bayern, Langobarden und
Angelsachsen, seltener dagegen bei den Sachsen. — Doch
ist bei diesen Angaben Vorsicht geboten. Es sind noch
nicht alle Quellen ausgeschöpft, und manche Überraschung

19
9
ist noch zu erwarten. Für die vielfach im Rhein-
fränkischen und im Niederdeutschen rechts der Weser
belegten Namen mit -lach (wohl mhd. leih ‘Tanz,
Gesang’)
gibt es z. B. ältere Belege auch für den Südwesten,
in der Gegend von Rastatt 1294 Gerlacus filius
Gerlaci,
bei Eßlingen' 1303 Mechthild gen. Gerlochin mit den
Söhnen Friedrich und Gerloch.
Mehr oder weniger große Beliebtheit bestimmter kom-
pletter Namen — nicht einzelner Namenwörter — wird
sicher bei den germanischen Stämmen und später in
deutscher Zeit zu stärkerer Konzentration des einen und
seltenerem Vorkommen des anderen Namens geführt
haben. So fehlt z. B. der Name Ludwig zur Zeit der Karo-
linger am alemannischen Oberrhein fast völlig (außer bei
der Herrscherfamilie!). Baldwin ist im Flämischen sehr
beliebt; belgische Könige heißen bis heute Baudouin (fran-
zösische Form von Baldwin). Burkhart findet sich nach
den Urkunden des 13. Jh. häufig im alemannisch-schwä-
bischen Raum, mehrfach auch im Weser-Elbe-Gebiet,
nicht dagegen in den Niederlanden, im Mainfränkischen
und Bayrischen. Eberhart, ursprünglich überall verbreitet
weicht in den achtziger Jahren des 13. Jh. fast völlig aus
der Schweiz zurück.Gerard, Rennard, Everart sind im 13. Jh
in Köln heimisch, begegnen auch in den Niederlanden.
Unterschiedliche sprachliche Formen des gleichen Ruf-
namens in den verschiedenen Landschaften konnten sich
unter Umständen zu verschiedenen Rufnamen entwickeln,
voneinander isolieren. Wer denkt z. B. heute noch daran,
daß Jürgen, Jörn und Or je ebenso wie Schorsch auf einen
Rufnamen — Georg — zurückgehen?! Matthias ergibt im
Bayrischen Hias, im Schwäbischen Deiss, im Nieder
deutschen Thieß und Matz. Umgekehrt sind Thammo,
Tamm, in Ostfriesland aus Thankmar, in Bayern aus
Thomas entstanden (Thomas pistor 1420 = Thame pisto*
1419). Jo oder Ja für Johannes ist im 13. Jh. besonders
alemannisch.
Bei den Diminutivsuffixen hat, abgesehen von den

2
0
0
Unterschieden zwischen -k- (-ch-) und -l- (s. S. 27) das

20
1
-Z-Suffix seinerseits geographisch differenzierte
Varianten
entwickelt: -Z ist vor allem bayrisch-österreichisch, z.
B.
Loisl (Alois), Hiasl (Matthias), -lin, -li sind dagegen
vor-
wiegend schweizerisch, z. B. Rösli, Hänsli (vgl.
Goethes
„Schweizerlied“: „Uf’m Bergli Bin i gesässe . . .“).
Auch einige von den mittelalterlichen Heiligennamen
lassen sich geographisch einigermaßen festlegen. So be-
findet sich das Zentrum des Namens Jost, Jodocus im
Gebiet von Eifel und Mosel: in Prüm, St. Maximin in
Trier und in Walberberg. Entsprechend ist der Rufname
Kilian auch im Kultzentrum von Würzburg zu Hause, Pir-
min in der Pfalz, Quirin (als Familienname Krings) am Nie-
der rhein. Diese unterschiedliche Beliebtheit bestimmter
Rufnamen (aus Heiligennamen) in teilweiser Abhängigkeit
von der Ausbreitung des jeweiligen Heiligenkultes hat
natürlich auch die Verbreitung der aus ihnen entstandenen
Familiennamen bestimmt (vgl. jedoch auch S. 51).
Auch in späterer Zeit, seit dem 16. Jh., ist die land-
schaftliche Staffelung der Rufnamen durch religiös-kirch-
liche Motive mitbestimmt. Aus protestantischen Kreisen
stammen die neuen Bildungen Traugott, Fürchtegott (s.
S. 62), die einen Ersatz für die katholischen Heiligen-
namen bilden sollen. Hier sind auch Asmus, Joachim,
Christine und Christiane zu Hause. Namen wie Ignaz und
Xaver dagegen kennzeichnen die katholischen Gegenden
vor allem Süddeutschlands, wo auch Josef, Alois und
Maria als Männemamen beliebt sind (vgl. Rainer Maria
Rilke, Oskar Maria Graf). Diese Gebiete werden auch am
wenigsten durch den obenerwähnten „Ausgleich“ (s. S. 168)
unter den Rufnamen erfaßt.

II. Familiennamen

Die landschaftliche Verbreitung der Familiennamen

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wird durch eine ganze Reihe verschiedener Faktoren be-
stimmt und zeigt sich auch in verschiedenen Seiten des
N amenschatze8.

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1. Zunächst ist natürlich der Lautstand zu berück-
sichtigen. Auf feinere mundartliche Unterschiede kann
hier allerdings nicht eingegangen werden; es ist nur auf
einige Lautunterschiede allgemeineren Charakters hinzu
weisen. Namen wie Timmerman ns, Holt, Witt, Koopmann,
Schaper, Scheper (‘Schäfer’) mit unverschobenem -t- und
-p- geben sich klar als niederdeutsch (teilweise mittel
deutsch) zu erkennen; ebenso Schomann, Schoknecht, Gode-
manu mit -o- für hochdeutsches -u-, Snider, Bruwer, Suhr-
(hier) mit undiphthongiertem Vokal für hochdeutsches
Schneider, Brauer, Sauer(bier). — Die Bruckner, Gartner,
Hofer, Moser mit unumgelautetem Vokal sind oberdeutsch
(vgl. Innsbruck, Bruck an der Mur), die Meurer, Mäurer
Schlösser, Wegener, Wehner (‘Wagner’) mit umgelautetem
Vokal sind mitteldeutsch. Die niederdeutschen Köster,
Kröger, Möller (Moller) stehen den hochdeutschen Küster
Krüger, Müller zur Seite. Darüber hinaus ist die Form
Miller für ‘Müller’ spezifisch bairisch-schwäbisch (vgl.
Schillers Luise Millerin). Neumann (mhd. niuwe) ist ober-
deutsch und gemeindeutsch, Naumann (mhd. md. nüwe
ist charakteristisch fürs Mitteldeutsche (vgl. Naumburg
gegenüber Neuenburg), Niemann fürs Niederdeutsche (vgl.
Nienburg). — Smid, Snell, Swart sind niederdeutsche
Gegenstücke unserer Schmid(t), Schnell, Schwarz mit er
haltenem s-. Assenmacher, Esser und Dressel, Dreßler ge-
hören in mitteldeutsch-niederdeutsches Gebiet mit -ss-
für -chs-, also Achsenmacher und Drechsler-, ebenso Voß
für Fuchs. Harig und Sperlich mit -ig (-ich) für -ing
(‘Hering’, ‘Sperling’) weisen auf das Ostmitteldeutscht
Die Gleichung Michael Eschlin 1654 = Mich. Ästlin 1656
läßt die schwäbische Aussprache des in- und auslautenden
-st- als -seht- erkennen. Ähnlich ist es bei Mäschle, Meschle
für Mästle (zu Mast als Bezeichnung für einen Fetten).
In all diesen Fällen handelt es sich weniger um ein
namenkundliches als vielmehr um ein mundartkundliches
und sprachgeschichtliches Problem. Die genannten Unter
schiede charakterisieren auch die Appellativa. Die dann,
zusammenhängenden Fragen sind hier nicht zu erörtern

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2. Von Bedeutung für die Namen ist auch die Wort-
geographie der Appellativa. Für Pflanzen, Tiere, Speisen
und Getränke, Spiele und Vergnügungen, Werkzeuge und
Berufe gibt es eine Fülle sehr verschiedener landschaft-
lich begrenzter volkssprachlicher Ausdrücke. Hafner heißt
der Töpfer in Bayern und Schwaben, teilweise auch im
Rheinland, Töpfer gilt vor allem im Ostmitteldeutschen,
reicht heute bis nördlich von Berlin, Pötter und Pöttner
hat dagegen das nördliche Küstengebiet. Stellmacher ist
im Ostmitteldeutschen und im Nordosten bodenständig,
Wagner sagt man in Bayern, Schwaben und im ganzen
Westen, daneben noch Rademaker, Rader, Esser, Speicher.
Dreger, Draeger, Träger, Dreier ist ein niederdeutsches
Wort für den Tischler, dazu auch Namen wie Holzträger,
Bornträger, Stuhldreier. Kretschmer, Kretzschmar geht auf
ein slawisches Lehnwort für ‘Schenke, Wirt.’ zurück und
ist vor allem im Ostmitteldeutschen verbreitet, ober-
deutsch ist Leitgeb (mhd. lit ‘Obst-, Gewürzwein’), nieder-
deutsch Kröger (Krüger).
Wenn man diese landschaftliche Verteilung der Syn-
onyme zur Erklärung der Familiennamen mit heranzieht,
so ist natürlich zu berücksichtigen, daß die in den Namen
sich widerspiegelnden wortgeographischen Verhältnisse
für jene Zeit vor 500, 600 Jahren gelten, in der unsere
Familiennamen entstanden sind. Auch außersprach
liehe Faktoren sind zu beachten. In einer waldreichen
Gegend wird der Wortschatz zur Bildung von Wohnstätten-
namen ein anderer sein als in einer waldarmen. Ein Fa-
milienname wie Ebner entsteht kaum in der norddeutschen
Tiefebene, sondern im Gebirge, wo sich eine ‘Ebene’ gegen
die Berge abhebt. Die Berufsnamen sind schließlich von
den wirtschaftlichen Verhältnisse abhängig; Namen wie
Bootmacher, Schiffer, Hauer und andere sind nicht überall
entstanden, sondern an die Flußschiffahrt, den Bergbau
gebunden. Im Laufe der Zeit ist allerdings auch hier durch
die Binnenwanderung ein Ausgleich eingetreten.
3. Die Herkunftsnamen enthalten in den meisten
Fällen die Ortsnamen eines bestimmten Gebietes (s

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4. S. 131 f.)- Auch auf diese Weise entstehen
geographische
Unterschiede im Familiennamenschatz. Der Name
West
phal begegnet z. B. im Rostocker Fernsprech
Verzeichnis
von 1960 achtmal, Baier (Beyer) findet sich fiinfma'
Schwabe einmal. In Magdeburg ist das Verhältnis
6:11:3
in Dresden 2 : 50(1): 6, in Erfurt 0: 10: 3. Daran kann
man sogar noch heute, nach all den Bevölkerungsum
Schichtungen des 2. Weltkrieges die Beziehungen
von
Westfalen zu Rostock und Magdeburg, von Bayern zu
Thüringen (Erfurt) und Sachsen (Dresden) ablesen! In
den Münchener Familiennamen des 14. Jh. erscheinen
da-
gegen 56mal Swab (Swäbel), aber nur 16 Frank
(Fränkel),
9 Pehaim (Böhme), 7 Bayer (Beier), 6 Ung(r)er.
5. Es zeigen sich schließlich landschaftliche Unter
schiede in der Bildungsweise der Familiennamen und
m dem Anteil der verschiedenen Namengruppen
am Gesamtnamenschatz einer Gegend, eines Sprach-
raumes, einer „Namenlandschaft“. Wir geben darübe’
einen kurzen Überblick und folgen hierbei im wesent
hohen A. Bach. Es geht uns dabei um die landschaftlichen
Charakteristika nur in den Hauptzügen. Alle Einzelfalle
und weniger häufigen Erscheinungen bleiben unberück
sichtigt.
a) Der oberdeutsche Sprachraum — das Schwa
bisch-Alemannische und das Bairisch-österreichische so
wie die oberdeutschen Gebiete des Fränkischen — ist in
dieser Hinsicht folgendermaßen gekennzeichnet.
Der Anteil der Berufsnamen ist ziemlich stark. Das
erklärt sich durch die hohe kulturelle und wirtschaftliche
Entwicklung der oberdeutschen Städte des Mittelalters.

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Typisch oberdeutsch sind u. a. Namen wie Pjeidler
Kleider-, Hemdenhändler’, Beck, Böck, Pfister ‘Fein
bäcker’, Sauter ‘Schuster’.
In Gebieten der Hofsiedlung, vor allem in den Alper
und teilweise im Schwarzwald, treten auch die Wohn
stättennamen merklich in Erscheinung. In Tirol soi
<iie Hälfte der Familiennamen auf Hofnamen zurück-
gehen. Bemerkenswert sind die aus Hofnamen abgeleiteter

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Familiennamen mit -bauer, -may(e)r: Angermayer,
Holz-
mauer, Kirchmayer, Lindmayer, Tcdmayer-,
Angerbauer,
Eich-, Moos-, Talbauer.
Die Übernamen sind besonders häufig im Schwä-
bischen. Hierin liegt, offenbar eine Eigenart des schwä-
bischen Stammescharakters. Denn auch die Ortsneck-
namen sind hier außergewöhnlich reichlich vertreten, wie
H. Moser in einer speziellen Untersuchung gezeigt hat
(H. Moser, Schwäbischer Volkshumor, Stuttgart 1950).
In formaler Hinsicht ist die Bevorzugung des
Suffixes -er charakteristisch, und zwar in allen Namen-
gruppen. Typisch fürs Oberdeutsche sind also Namen wie
Lamprechter, Rupprechter, Burgarter, Wilier, Wulfer(t) (zu
Wulf, Wolf), Götzer, Benzler, Härtner, Valentiner, Lorzer
(Lorenz), Lexer (Alexius), Wieser (Alois)-, Felsecker, Hon-
ecker (‘hohen Eck’), Rosegger (Ortsname Rosegg), Stein-
gruber, Tiefenmoser, Breitenhuber, Achleitner (mhd. ahe
‘Fluß’, lite ‘Abhang’), Buchleitner, Oberholzer, Streituńeser,
Stauflacher (mhd. stouf ‘hochragender Felsen’ und acker
Acker’), Gerstäcker (‘Gerst-Acker’). — In Bayern konzen-
trieren sich die Herkunftsnamen auf -ham(m)er, -amer
nach Ortsnamen auf -heim (Forchhammer); in Tirol kennt
man von Ortsnamen auf -au Herkunftsnamen mit -aber,
•ober: Lindober, Oberlindober (zum Ortsnamen Lindau).
Eine Reliktlandschaft mit stärkerer Bewahrung
älterer Bildungstypen, die sich im übrigen deutschen
Sprachgebiet — außer teilweise dem Nordwesten (s
S. 176 f.) — nicht mehr finden, bildet die Schweiz. Hier
finden wir Namen wie Brüning und Willing, mit der laut-
lichen Variante -ig als Martig, Michlig, Schmidig, nicht
nur als seltene Einzelfälle. Man kennt auch noch bürger-
liche Herkunftsnamen mit von (von Tobel, von Siebenthal,
von Rohr) und Wohnstättennamen mit erhaltener Prä-
position (Imfeld, Imhof, Ambühl, Zumbrunn-, vgl. Frau
Regel Amrain bei Gottfried Keller).
In dem an das Oberdeutsche nördlich anschließenden
Mitteldeutschen folgen wir der üblichen Unterteilung in die
sprachlichen Räume des West- und Ostmitteldeutschen.

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b) Im Westmitteldeutschen nennen wir folgende
Eigentümlichkeiten:
Die Wohnstättennamen treten stark zurück und
begegnen kaum noch mit Präposition oder Artikel. Dafür
sind die Familiennamen aus Häusernamen in den rheini-
schen Städten weiter verbreitet (vgl. S. 158 f.).
Außerordentlich häufig sind die Herkunftsnamen
Sie werden überwiegend durch den bloßen Ortsnamen
gebildet, ohne -er und ohne Präposition von, die sich hier
nur in Adelsnamen findet. Im Süden, dem Übergangs
gebiet zum Oberdeutschen sind auch Herkunftsnamen
mit -er vertreten.
Unter den aus Rufnamen entstandenen Familien
namen überwiegen die aus kirchlichen Rufnamen (vgl. die
Kirchenpatrozinien). Sie werden hauptsächlich ohne pa
tronymische Suffixe und ohne Genitiv-s gebildet (Tvp
Oswald-, Merten aus Martin).
Bei den Berufsnamen treten Schulze und Meier
zurück. Dafür sind Gräje, Grebe, Grewe (zur mittel-
leutschen umgelauteten Form von Graj) und Hojmann
häufiger.
c) Für das Ostmitteldeutsche in Thüringen und
besonders Sachsen ist zunächst ein größerer Anteil sla-
wischer und slawisierter Familiennamen bemerkenswert
(8. S. 179ff.). Ferner gelten folgende Besonderheiten:
Die von Rufnamen gebildeten Familiennamen er-
scheinen wie im Westmitteldeutschen im Nominativ. Viel
fach begegnet das Suffix -tzsch (darüber S. 26f.), bei be
stimmten Namen überwiegend mit -e (im Fernsprech-
verzeichnis Dresden 1961 25mal Fritzsche, 7mal Fritsche
gegenüber 2mal Fritzsch und 6mal Fritsch-, in München
1961 37mal Fritsch gegenüber 5mal Fritsche und 18mal
Fritzsche). Das gilt auch für das -z-Suffix in Dietze (in
Dresden 23mal Dietze, lmal Dieze gegenüber 3mal Dietz,
2mal Diez \ in München 44mal Dietz und nur 5mal Dietze
Die Wohnstättennamen sind selten. Die Zahl der
Herkunftsnamen ist seit dem Mittelalter zurück-
gegangen (s. S. 160), aber auch heute noch nicht ohne

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Bedeutung. Sie sind meist nut dem bloßen Ortsnamen
gebildet, teilweise aber auch — etwas häufiger als im
Westmitteldeutschen — mit -er.
Unter den adjektivischen Übernamen begegnen häu-
figer auch die stark flektierten Formen vom Typ Langer.
Großer, Beschorner.
d) Das rheinisch-westfälische Übergangsgebiet
kennt eine große Zahl genitivischer Bildungen, sowohl bei
den von Rufnamen {Heinrichs — Heinen) als auch bei den
von Berufs- und Übernamen gebildeten Familiennamen
{Schmitz von Schmied[e\s, Junkers, Langen, Jungen, Klei-
nen).
Im niederdeutschen Raum haben wir, von kleineren
Differenzierungen abgesehen, drei größere Teilgebiete zu
unterscheiden: das niederdeutsche Binnenland westlich
der Elbe, das Küstengebiet an der Nordsee und das öst-
liche Niederdeutsche.
e) In dem zuerst genannten Gebiet bildet Westfalen
eine bemerkenswert eigenständige Landschaft ; auch der
östlich anschließende Teil von Hannover ist nicht grund-
sätzlich verschieden davon.
Hier ist zunächst die große Zahl der Wohnstätten-
namen im Gebiet der Hofsiedlung hervorzuheben, be-
sonders Ableitungen mit -er und -mann: Steinbrinker
(Brink ‘grasiger Hang’), Möhlmann (‘Mühle’), BuU- (‘Hü-
gel’), Speck- (‘Knüppeldamm’), Lach- (‘Grenzzeichen )
manw, ferner etwa Busch-, Sand-, Steinkühler (‘Kuhle’),
Voßkühler {Voß ‘Fuchs’). — Auch bei den Herkunfts-
namen finden sich die -mann häufiger {Münstermann
usw.; s. S. 111).
Rufnamen, Berufs- und Übernamen erscheinen
in größerer Zahl mit dem Suffix -ing: Arning, Berning,
Everding-, Schulting, Bäckering-, Stolting, Witting. Nicht
selten ist auch die genitivische Form: Schulten, Beckers
Wie im Bayrischen sind auch hier die Berufsnamen mit
-meier (wozu noch -kötter tritt; zur Bedeutung S. 139 und
S. 136) recht häufig. In der Gegend von Minden erreicht
Meier bis zu 25% des Gesamtnamensęhatzes. Meist er-

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halten diese Namen nähere Zusätze: Hövelmeier (‘Hügel’),
Brink-, Wisch- (‘Wiese’), Kampmeier-, Baum-, Kuhlen-,
Sandkötter.
f) An der ostfriesischen Nordseeküste finden wir ein
kleines Gebiet mit einer auffälligen Namenwelt, die sich
von der des übrigen deutschen Sprachraumes stark unter
scheidet: patronymische Bildungen aus Rufnamen mit -a,
-(e)na. -unga (Alberda, Ottena, Harringa, Bojunga)-, Her-
kunftsnamen auf -stra (Kielstra-, Wierstra nach einem
Dorfe Wier) und ähnliche. Das hängt mit der sprach-
lichen Sonderstellung des Friesischen zusammen.
Das Gebiet zwischen Niederelbe und Niederweser zeigt
fine starke Entfaltung der aus Rufnamen gewonnenen
Familiennamen, darunter besonders solcher auf -sen
(Petersen), die bis nach Schleswig-Holstein hin weit ver-
breitet sind. Herkunftsnamen auf -er fehlen, solche
auf -mann sind häufiger. Wohnstättennamen begegnen
teilweise mit Präposition und Artikel.
g) Im niederdeutschen Raum östlich der Elbe treten
die Familiennamen aus Rufnamen etwas zurück und
bilden nicht mehr die weitaus stärkste Gruppe. Gegen
über 20% in Ostholstein beträgt ihr Anteil z. B. in Meck-
lenburg kaum 10%. Die Herkunftsnamen auf -mann
sind noch recht zahlreich tyemermann aus Fehmarn).
Nach Osten hin nimmt außerdem der Anteil slawischer
Familiennamen zu (darüber s. S. 179 ff.).
Die bisher genannten Faktoren bestimmen im wesent
liehen das Gesicht größerer Namenlandschaften
Innerhalb der Namenlandschaften kommt es zur Bildung
von Namennestern. Davon sprechen wir bei gehäuftem
Auftreten charakteristischer Familiennamen in lokaler
Begrenzung. Familiennamen, die überall häufig sind, wie
Müller, Schulze usw. scheiden also hierbei aus. Solch*
Namennester entstanden vor allem in ländlichen Gebieten
mit geringem überlandschaftlichem Verkehr. Bei geringem
Zuzug „Andersnamiger“ wuchs allmählich die Zahl von
Trägern der gleichen Familiennamen, die immer wieder
untereinander heirateten, stärker an. Für das sächsische

12 Deutsche Personennamen 211


Vogtland sind z. B. charakteristisch die Namen Wolf,
Jfeinel, Wunderlich, Seifert, Schädlich, Strobel,
Petzold, die
zwar auch anderswo vorkommen, aber kaum in
solcher
Konzentration. Typische Namen des Altenburger
Landes
sind z. B. Etzold, Heitzsch, Hertzsch, Kahnt, Kant
(wie
Kunat aus Kuonrät), Porzig, Kertzscher, Kratzsch,
Quas
u. a.
Die im Vorstehenden skizzierte geographische Vertei-
lung hat sich im Laufe der geschichtlichen Ent-
wicklung herausgebildet. Die Namentypen Dietmar
Reinhards Sohn, Dietmar von Leipzig, Dietmar am Bache,
Dietmar der Lange waren einst über den ganzen deutschen
Sprachraum verbreitet. Sie wurden durch sprachliche
Einflüsse aus dem oberdeutschen Raum (mit den Typen
Dietmar Reinhard, Dietmar Leipzig, Dietmar Bach, Diet-
mar Lang) bis auf die genannten Reliktlandschaften ver-
drängt. Der Artikel im Typ Dietmar der Lange begann
auch in der Schweiz allerdings schon seit dem 13. Jh.
zurückzutreten. — Eine weitere oberdeutsche „Welle“
trug das -er-Suffix nach Norden, verebbte allerdings weit
eher und hat schon das Mitteldeutsche, mit Ausnahme
der südlichen Ränder, nur wenig beeinflußt. — Das ur-
sprünglich ebenfalls weitverbreitete Suffix -ing ist schon
im 13./14. Jh., da die Familiennamen entstehen, im
Mitteldeutschen kaum noch von Bedeutung, im Ober-
deutschen nur von geringem Einfluß (bis zu einem ge-
wissen Grade allenfalls in der Schweiz, wobei aber die
Einwirkung von Ortsnamen auf -ing und andere Ursachen
jüngerer Bildungen zu berücksichtigen sind). In Nord-
deutschland, besonders in Westfalen, ist das Suffix da-
gegen noch außerordentlich produktiv, und im 13.—16. Jh.
steigen die Bildungen an. — Die Bildungen auf -mann
(Typ Wupper mann) sind im deutschen Nordwesten seit
dem hohen Mittelalter neu geschaffen worden. Sie ver-

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drängen die Formen mit Präposition, in unterschiedlichem
Ausmaß aber auch alte -ing-Formen. Eine zeitliche
Abfolge lassen also solche Namenreihen erkennen wie
z. B Bruhn — Brüning — Brüningsmann — Brünemann,

12* 213
Jutting — Jüttmann. Gelegentlich erscheint als letzte
Stufe sogar eine -er-Bildung in bäuerlichen Namen
Niedersachsens (Ä. Wesche): Brendeke 1380 —
später:
Brendeking — Brendemann — Brendeker — Brenker
— Mit
der Ausbreitung der hochdeutschen Literatursprache
dringen seit dem 16. Jh. auch immer stärker
hochdeutsche
Lautformen etymologisch durchsichtiger
Familiennamen
ins Niederdeutsche. Während sie in dem von H.
Wesche
untersuchten Material 1489 noch fehlen, zeigen sich
1620
Zimmermann (2) neben Timmermann (1), Schmidt
neben
Sm et, Schreibet" neben Schriever, Schulze neben
Schulte.
Kerkhoff, Backhas, Bürboom, Schaper werden
verhoch-
deutscht als Kirchofj, Backhaus, Birnbaum, Schäfer.

E. Nichtdeutsche Familiennamen

Ein Blick in unseren Namenschatz zeigt mit so be


kannten Namen wie Pestalozzi, Kempinski und Fontane,
daß Namen, die aus fremdem Sprachmaterial gebildet
sind, offenbar gar nicht so außergewöhnlich selten auf
treten. Wir wollen uns darüber einen Überblick ver-
schaffen. Es geht uns allerdings nur in zweiter Linie und
nur teilweise um eine etymologische Erklärung der Namen -
Wörter — das ist nicht eigentlich Aufgabe eines Buches
über die deutschen Personennamen. Wir wollen viel-
mehr eine gewisse Ordnung des Bestandes vornehmen,
eine Übersicht gewinnen über die Wege, auf denen diese

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fremden Namen in unsere Namen weit gelangt sind, d h
über die geschichtlichen Zusammenhänge zwischen Na-
menträgern und Namen.
1. Die stärkste Gruppe von Namen, die aus nicht
deutschem Sprachmaterial gebildet sind, bilden zunächst
die aus den mittelalterlichen Heiligennamen entstandenen
Familiennamen. Sie sind bereits behandelt worden
(S. 46 ff.).
2. Ein Grundstock slawischer Familiennamen hat
seine Wurzel in den Gebieten deutsch-slawischer Sym

12* 215
3. biose von der Ostsee östlich der Elbe-Saale nach
Süden
bis nach Franken und Bayern. Die slawischen Bauern
nahmen allmählich die Sprache der neben und unter
ihnen
wohnenden deutschen Bauern an; die Namen ihrer
Sied-
lungen und ihre Personennamen aber wurden in der
Regel
nicht übersetzt, sondern in slawischer Gestalt ins
Deutsche
„mitgenommen“. Es sind auch umgekehrt slawische
Bau-
ern weiter westlich, außerhalb ihres ursprünglichen
Wohn-
gebietes, angesiedelt worden und haben ihre
slawischen
Namen z. B. nach Thüringen und an den oberen Main
„mitgebracht“.
Konzentriert sind die slawischen Personennamen natür-
lich vor allem dort, wo sich slawisches Volkstum und
slawische Sprache bis in jüngere Zeit oder gar bis in die
Gegenwart erhalten haben, also etwa in der Ober- und
Niederlausitz. Entscheidend für den Niederschlag sor-
bischen Sprachgutes in den Familiennamen ist die Tat-
sache, daß die sorbische Sprache auch dort, wo sie heute
nicht mehr lebendig ist, bis ins 15. und 16. Jh., eben die
Zeit der Entstehung unserer Familiennamen, gesprochen
worden sein muß.
In einem Niederlausitzer Erbzinsregister von 1670
treten zum Beispiel kaum deutsche Namen auf. Die sor-
bischen Namen lassen sich wie die deutschen in Be-
deutungsgruppen einordnen. Aus sorbischen Rufnamen
sind z. B. entstanden: Borch (zu einem Vollnamen wie
Borislav, mit bor- ‘Kampf’ und slav- ‘Ruhm’), Bronisch
(zu Bronislav o. ä., mit broń ‘Kampf’), Budich (zu Budi-
slav o. ä., mit bud- ‘wachsam sein’), Haßa, Heße (zu Jaro-

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slav o. ä., mit jary ‘ernst, streng’), Melisch (zuMiloslav o. ä.
mit mily ‘Heb, angenehm’), Jurischk und Juritz (vom
lleüigennamen Georgius mit slawischem Suffix), Jano-
wentz (zum Heiligennamen Johannes, Jan mit slawischem
Suffix), in gleicherweise gebildet Liepan (Philipp), Pesch,
Petzschigk, Betigk (Petrus), Domasch (Thomas). — Berufs-
namen sind z. B. Kowal (‘Schmied’), Schetz (‘Schuster’),
Barwar (‘Färber’),XaZte (‘Weber’),Kolaßar (‘Stellmacher’),
Smolar (‘Pechsieder’), Gußker (‘Gänsehirt’). Übernamen

12* 217
sind u. a. Raiack (‘Schwätzer’), Kulowacz (‘Rundbauch’).
Guba (‘Mund, Maul’), Liewa, Liewe (‘Linkhand’), Grotusch
(‘Zwerg’), Wehlan (‘groß’), Wilcko (‘groß’ oder ‘Wolf),
Kiebuth (‘Kiebitz’), Kokoth (‘Haushahn’).
Bisweilen sind deutsche und slawische Elemente
auch im Namenschatz eng miteinander verflochten,
gerade dort, wo bis heute noch sorbisch gesprochen wird. C
Es entstanden Familiennamen, die nicht eindeutig als
deutsch oder slawisch zu bezeichnen sind, sondern in-
folge der landschaftlichen Zweisprachigkeit mehrere Er-
klärungsmöglichkeiten nahelegen. Sogar hinter einem
Familiennamen, der in einer deutschen Landschaft ohne
Berührungsmöglichkeiten mit dem Slawischen ohne wei-
teres als deutsch erklärt werden könnte, muß man hier
mitunter auch die slawische Form suchen. Wenn deutsch
Schmaler und sorbisch Smoler nebeneinanderstehen, so ist
keineswegs absolut sicher, daß in jedem Falle ein deutscher
Übername zu ‘schmal’ zugrunde liegt (wie Großer, Langer)
Man wird im Gegenteil eher von einem Berufsnamen zu
obersorbisch Smoler ‘Pechsieder’ ausgehen. — Die in der
Lausitz — aber auch sonst — häufigen Namen Jentsch
und Rentsch sind in diesem Zusammenhang ebenfalls
problematisch. Jentsch kann aus altsorbischem Janis,
Jenis entstanden sein, einer Koseform zu Johannes (Jan).
Jenis wurde über Jens mit Ausfall des unbetonten Neben
silbenvokals zu Jentš (mit Einschub eines Gleitlautes 4-
nach dem nasalen Dental n), sorbisch heute geschrieben
Jenč, deutsch Jent(z)sch, auch Gent(z)sch (mit g- für j-)
vgl. S. 55 mit dem umgekehrten Fall). Eine Entwicklung
die zum gleichen Ergebnis führte, kann der Name aber
auch nach frühzeitiger ,,Eindeutschung“ im deutschen
Munde genommen haben. Rent(z)sch (Renz) kann einer-
seits auf altsorbisches Ranis, eine Kurzform zu Ranirmr,
■slav (ran- ‘reif’) o. ä. zurückgehen; es kann aber auch
Kurzform zu Laurentius (Lorenz) sein. Dies wird sogar
für die meisten Fälle zutreffen, denn der Name ist auch
außerhalb des deutsch-slawischen Berührungsgebietes
nicht so selten. Dann steht Ren(t)sch neben Laurentius

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wie Zensch neben Vincentius u. ä. Ein F rider ich
Renczsch
begegnet auch 1457 im Dresdener Rat. Der
Heiligenname
Laurentius erscheint slawisiert auch als Familienname
Waurentschk, Lorentschk, sorbisch geschrieben
Lawrenča,
Lawrenčka, Lawrenčk.
Das zweisprachige Gebiet stellt noch ein weiteres
Problem. Obwohl eigenmächtige Änderungen in der
Schreibung eines Familiennamens gesetzlich unzulässig
sind, schreibt sich ein und derselbe Sorbe bald deutsch,
bald sorbisch, also Muka oder Mucke, Winař oder Wiener,
Metšk oder Mitzschke. Sogar Übersetzungen sind üblich
geworden: Kowar — Schmidt, Nowak — Neumann, Krawc
Schneider. Auf diese Weise entsteht auch eine neue
Form von Doppelnamen (s. S. 90): Schuster-Šewc.
Bisweilen sind die slawischen Namen im deutschen
Munde so um geformt worden, daß sie nicht immer auf
den ersten Blick mit der entsprechenden slawischen Form
in Verbindung gebracht werden. Woitke gehört wohl zu
einem slawischen Vollnamen wie Vojtech o. ä. Baunack,
im Altenburgischen 1430 Bunacke, entspricht wohl
einer slawischen Kurzform Bunak zu Bunislav o. ä.
\bun- ‘knallen, dröhnen’); Prautzsch wird aus Pravic,
Pravc entstanden sein und damit zu einem mit slawisch
prav- ‘recht’ gebildeten Namen gehören. Teske, Teschke
enthalten das slawische Namen wort tech, -š ‘trösten, er-
freuen’. Hornig(k) entspricht obersorbischem hórnik ‘Berg-
mann’ (auch Wohnstättenname zu ‘Berg’ ist hier mög-
lich). Leske, Leska enthalten les ‘Wald’, leska ‘Hasel-
strauch’, im Altenburgischen 1358 Herman Leske. Knie-
sch(e), Knies entspricht dem obersorbischen knjez ‘(Guts)-
herr, Geistlicher’; Plisch dem obersorbischen pliška ‘Bach-
stelze’. Jatzwauk ist eine „Eindeutschung“ des obersor-
bischen W jacslawk, einer Diminutivform zu Wjacslaw
(obersorbische Form von V^ceslavb, deutsch auch Wenzel,
dem böhmischen Nationalheiligen). Ku(h)fahl ist kowal
‘Schmied’, Mühlbrett entstand aus Milobrat, Mühlhahn,

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Mühlan aus Milan (mil- ‘lieb’). Der 1450 als Mitglied
des Dresdener Rates genannte Peter Zcuck wird 1446 auch

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Peter Zcschuczk geschrieben ; der Name enthält
wohl eine
slawische Wurzel, die im niedersorbischen tśutsak,
tśutśko
Hund, Hündchen’, im obersorbischen ćućak
‘Hund’, ćuik
‘Hundel’ (vor allem kindersprachliche Form)
erscheint.
Die moderne Namensform ist Zeutzsch. — Auf eine
sla-
wische Form von Johannes gehen die folgenden
Namen
zurück: Hanke, Handke, Hasch(k)e, Han(t)schke,
Hanisch
Hanuschke, Nuschke, Noske, Janke, Jahnke,
Jänicke u. a. Q
-ke kann allerdings auch niederdeutsch sein.
Im größten Teil des Ost mitteldeutschen und auch in
dem nördlich anschließenden niederdeutschen Gebiet ist
die slawische Sprache schon lange verklungen. Hier ist
der Anteil slawischer Familiennamen in einzelnen Land-
schaften — wie sich bei genauer statistischer Unter-
suchung erweist — bisweilen wider Erwarten gering In
dem gut durchforschten Gebiet»um Altenburg macht er
z. B. rund 2% aus. Daraus darf man schließen, daß der
Anschluß des sorbischen Volkstums an die deutsche
Sprache schon vor der Herausbildung fester Familien
namen vollzogen war. Sonst wäre der Prozentsatz sla-
wischer Familiennamen höher. Unter den 185 Namen von
269 Dresdener Ratsmitgliedern bis 1500 finden sich nui
vier slawische; zwei weitere sind zweifelhaft.
Hierbei ist noch zu berücksichtigen, daß einen sla-
wischen Namen auch Deutsche tragen konnten — ebenso
Slawen einen deutschen Namen (s. S. 45).
Lehnwörter aus dem Slawischen, die im Deutschen
heimisch geworden waren, konnten zur Bildung reu»
deutscher Namen verwendet werden. Das trifft z. B. zu
für den weitverbreiteten Namen Kretschmer, Kretzschmar
22
1
aus slawisch korčmar ‘Wirt’. Der Name begegnet auch weit
außerhalb des deutsch-slawischen Berührungsgebietes,
so z. B. Ende der zwanziger Jahre in Stuttgart (13ma>>
in Nürnberg (18), in Frankfurt/Main (25), in Darmstadt
(8), in Köln (29), in Hamburg (88). Interessant sind die
orthographischen Varianten und teilweisen Bindern
schungen 'Kretzschmar im Fernsprechverzeichnis Dresaer
1961 23mal, München lOmal; Kretschmer dagegen in

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Dresden nur 5mal, in München 14mal; Kretzschmer
fehlt
in beiden Städten, Kretschmar ist in Dresden 5mal, in
München 2mal verzeichnet; Kretschmann lmal in
Dresden,
4mal in München (auch je lmal in Potsdam und
Rostock,
woneben in Potsdam noch 2mal Kretschmer, 1 mal
Kretzsch-
mar in Rostock); in München überdies noch 1 mal
Kretsch-
maier und 2mal Kreisch (hierher?). — Auch dem
Namen
Saupe(n), Sup(p)an, Suphan kann nieder- und
obersor-
bisch župan‘ Distrikt Vorsteher, Amts-,
Gemeindevorsteher’
als Lelmwort zugrunde liegen. In Altenburg finden
wir
schon 1274 einen Ratmann Petrus Supan.
Als Herkunftsname kann ein Familienname auf
einen slawischen Ortsnamen zurückgehen, aber von
Deutschen einem Deutschen gegeben sein. Diese Familien-
namen sind jünger als die slawischen Ortsnamen, von
denen sie abgeleitet sind, und können entstanden sein,
als in den betreffenden Gebieten die slawische Sprache
schon nicht mehr lebendig war. Hierher gehören Namen
wie Bülow, Lützow, Basedow, Virchow, Zeppelin, Tauen -
tzien, Leibniz, Carlowitz (Karlovice mehrfacher Ortsname
in Böhmen), Kemnitz (Chemnitz), Lunkwitz, Rackwitz,
Krakau (1960 in Erfurt Paula Krakau) u. a. — Sind sie
mit einer slawischen Ableitungssilbe versehen, dann ist
die Wahrscheinlichkeit größer, daß sie im slawischen
Munde gebildet sind (meist jüngere Namen), z. B. Ka-
minski, Podbielski, Posnanski, Bernatzky Rudolf Urbanski
Leipzig 1961.
3 Manche dieser slawischen Namen gehören auch zu

22
3
der nun kurz zu behandelnden Gruppe fremder Namen,
die mit ihren Trägern aus dem Ausland zu uns gekommen
sind. So sind z. B. in der zweiten Hälfte des vorigen Jahr-
hunderts sehr viele Ausländer gerade aus slawischen Län-
dern ins Ruhrgebiet geströmt, vor allem aus der Tschecho-
slowakei, Jugoslawien und Polen. Man schätzte die Zahl
der Ausländer insgesamt (darunter auch die aus west-
lichen Ländern) im Jahre 1938 im Ruhrgebiet auf etwa
100000. Von 1880—1935 wurden hier 21500 Anträge auf
Einbürgerung genehmigt. Demnach war jeder 30. Ein-

2
2
4
wohner des Ruhrgebietes ein Eingebürgerter oder
dessen
Nachkomme. In vielen Fällen wurde mit der
Einbürge-
rung auch der Familienname „eingedeutscht“, so
daß das
Verhältnis zwischen heimischen und fremden
Familien-
namen nicht, ganz dem entspricht. Immerhin
genügt ein
Bück in ein Fernsprechverzeichnis von Dortmund,
Essen
oder Duisburg, um slawische Namen wie
Baldowsky,
Skubinn, Pudritzki, Borutzki (enthält das
Namenwort bor
‘Kampf’), Pritz(e), Pritzke, Brietzke, Borsch(e),
Porsch(e)
(1248 ff. Boreslaus von Riesenburg = Boresch v.
R. = Borße
v. R. = Borsch v. R.!) und andere zu finden. —
Auch in
Gebiete mit slawischer Bevölkerung vor der
deutschen
Besiedlung können in späterer Zeit noch
Einwanderer aus
Polen, der Tschechoslowakei usw. gekommen sein.
Nicht
immer lassen sich deren Namen von der älteren
Schicht
slawischer Namen unterscheiden. Jünger ist sicher
der
größte Teil der folgenden slawischen Namen aus
dem

22
5
Fernsprechverzeichnis Potsdam 1960: Czech,
Czygan (das
slawische Wort für ‘Zigeuner’), Cierpke, Chmelik,
Kossag
Koivalla, Podubin, Poltiniak, Pridat, Pupka,
Banaskie
wicz, Bojanowsky, Dubnack.
Auch Träger französischer Namen sind in größerer
Zahl zu verschiedenen Zeiten nach Deutschland ge-
kommen, haben hier Wurzel geschlagen, z. B. ein großer
Teil der rund 50000 Hugenottenfamilien, die nach der
Aufhebung des Edikts von Nantes (1685) Frankreich ver
ließen. Darunter sind bekannte Namen von gutem Klang
Fontane (zu fontaine ‘Quelle’), Fouque, Dubois (du Bois
(bois ‘Holz, Wald’), Toussaint (‘Allerheiligen’; vgl. S. 65),
Savigny (nach einem Ort in Frankreich). Hierzu noch
Chap(p)uis (altfranzösisch für charpentier ‘Zimmermann’),
C(h)arbonnier (‘Köhler’), Leroux (‘der Rote’), Gautier (vgl
S. 45), Dupont (du Pont) (‘Brücke’), Lebeau (le Beau)
(‘schön’), Courvoisier (‘Schuster’). In Dresden 1960
K. Beaujeau.
Italiener haben sich als Künstler, Handwerker, Händ-
ler in Deutschland niedergelassen und unseren Namen-
schatz mit einigen bunten Tupfen versehen. Der Name

2
2
6
Pestalozzi (seltener Pestalozza) geht auf eine
volkssprach
liehe italienische Bezeichnung für den
Knochenhauer
zurück. Die Sippe des bekannten Pädagogen
stammt aus
Chiavenna und wurde im 16. Jh. in Zürich
eingebürgert.
Die eingedeutschte Form Pestaluz findet sich in
Schillers
„Wallenstein“. Der Vater des Dichters Clemens
Brentano
stammt vom Comer See. Der Name ist von dem
ober-
italienischen Brenta (Fluß- und Ortsname) als
Herkunfts-
oder Wohnstättenname abgeleitet. Corrodi,
Korradi ist
eine italienische Form für Konrad(i), in Salzburg
1690
Joh. Jac. Corradinus. Ein Friedrich Leonh. Bellon
(‘schön’)
ließ sich um 1650 als Physikus in Neckarsulm
nieder. Auf
ein Lehnwort aus dem italienischen mercatante
‘Händler’
geht der Name Margedant zurück, 1713 Joh.
Konrad
Marquetant (vgl. Mar keten der in).
Spanische (z. B. Joh. Mich. Moscherosch, 1601—1669;
dessen Vorfahr als Hauptmann de Museros [Ortsname]
nach Deutschland kam), schottische, nordische und andere
(z. B. litauische auf -at, -eit, wie Steppat, Schneidereit)
Familiennamen tauchen nur ganz vereinzelt auf. Etwas
häufiger waren schwedische Familiennamen in Neu-

22
7
vorpommern, das von 1648—1815 zu Schweden gehörte.
Vielleicht stammt der 1960 in Erfurt bezeugte Günter
Lindgreen von dort.
Über die Latinisierung deutscher Familiennamen
vgl. man S. 95 f.

Völkernamen

Wir haben bisher Ruf- und Familiennamen als Namen


von Einzelpersonen oder Einzelfamilien behandelt. Per-
sonennamen im weitesten Sinne — insofern sie auf
Menschengruppen angewandt werden — sind auch Völker
und Stamme8namen. Sie seien hier am Rande mit einigen
Bemerkungen gestreift.

2
2
8
Von besonderem Interesse ist für uns Herkunft und
Bedeutung des Volksnamens der Deutschen, nach dem
schließlich Deutschland genannt worden ist.
Seit Jacob Grimms 1840 erschienenem „Excurs über
Germanisch und Deutsch“ haben sich die Forscher ein
Jahrhundert lang bemüht, Licht in das Dunkel um diesen
Namen zu bringen, und Stück für Stück wurde er auf
gehellt (Th.FringSj L.Weisgerber). Im romanisch-germa-
nischen Grenzgebiet entstand unser heutiges Wort deutsch
in der westfränkischen Form *theodisk, wohl um 700.
Damit bezeichnen die westlichen Franken ihre Sprache,
ihre Lebensweise und alles, was damit zusammenhängt
gegenüber dem Volkstum der Romanen, das mit dem
Adjektiv walhisk, unserem welsch, gefaßt wird. Die roma-
nische Bevölkerung greift das Wort auf, und in ihrem
Munde wird es zur Volksbezeichnung für die germanischen
Nachbarn: tiesche langue (‘Sprache’), tiesche gent (‘Volk’)
tiesche terre (‘Land’) — im 11. Jh. Schriftlich überliefert
ist uns das Wort im Deutschen in dieser Anwendungs-
breite im Annolied (1080), das im Gebiet von Köln ent
standen ist, und zwar in veränderter, althochdeutscher
Lautgestalt: diutschiu lant.
Das volkstümliche Wort der Grenzbewohner, das sich
nur zögernd nach Osten und Süden ausbreitete, wurde
in der Kanzlei- und Gelehrtensprache zu einem mittel
■ateinischen theodiscus umgebildet. Dieses Wort ist uns
— zum Unterschied von seiner deutschen Vorlage — schon
seit 786 (bis 1050) überliefert. Es wird für drei Jahr-
hunderte gängige Bezeichnung der Kanzleistuben, im öst-
lichen — germanischen — Bereich im wesentlichen als
Sprachbezeichnung verwendet. Über die landschaftlich-
mundartlichen Verschiedenheiten des Bayrischen, Schwä-
bischen, Fränkischen und Sächsischen hinweg betonte dies
Wort die sprachlichen Gemeinsamkeiten, bald auch in dei
stärker latinisierten Form teutonicus, das um 800 in Fulda
und St. Gallen erscheint. Die deutsche Form dieses Wortes
für‘das Deutsche’, zunächst nur im mündlichen Gebrauch
an der Grenze, setzt sich in der schriftlichen Überlieferung

22
9
erst spät durch. Dem vereinzelten Gebrauch in
einer
St. Galier Urkunde von 882 und bei Notker {in
diutiskvn
‘auf deutsch’) mißt man heute keine besondere
Bedeutung
mehr bei. Erst in der Regensburger Kaiserchronik
des
12. Jh. sind der volkstümliche und der gelehrte
Begriff
verschmolzen, und hier tritt uns auch zum ersten
Mal
das Adjektiv als substantivierter Volksname
entgegen:
die Diutiscen ‘die Deutschen’. Walther von der
Vogel-
weide läßt schließlich in seinen Liedern und
Sprüchen alle
Saiten dieses Wortes erklingen, während die
gelehrten la
teinischen Bildungen zurü cktreten oder ganz
verschwinden.
Diese lange und nicht leicht zu überschauende Ge-
schichte unseres Volksnamens charakterisiert die Ent-
stehung der deutschen Nationalität aus einer Reihe west-
germanischer Stämme in Auseinandersetzung mit den
romanischen Nachbarn.
Wir schließen einen Überblick über einige Bildungs-
möglichkeiten und Bedeutungsgruppen anderer Völker-
und Stammesnamen an, ohne daß Vollständigkeit zu er-
streben wäre.
Vielfach enthält eine Stammesbezeichnung den Namen
eines Stammvaters oder eines Führers. Die Merowinger,
mittellat. Merovingi, sind nach einem Herrschergeschlecht
der salischen Franken genannt, dessen Stammvater Mero-
wech war (um 450). Notker nennt die Franken Charlinga
(Karlinge) nach Karl dem Großen.

2
3
0
Auch der Wohnsitz des Stammes, seine Herkunft
können das namenbildende Element liefern. Die Bur-
gunder kommen von der Insel Bornholm, alt Burgund:
Burgundarholmr ‘Insel, die Burgund heißt’. Die Ripwam
(daher ripuarisch als Mundartbezeichnung) wohnen an
der ripa (‘Ufer’) des Rheins. Der Name der Angeln, Anglii,
wohl identisch mit dem Landschaftsnamen Angeln zwi-
schen Flensburger Förde und Schlei, gehört dann sicherlich
zur Sippe von lat. angulus ‘Winkel, Meeresbucht’. Die
Vandali {Wandalen) sind ursprünglich Bewohner der Land-
schaft Vandill {Vandell) zwischen Limfjord und Kap
Skagen in Norwegen.

23
1
Recht zahlreich sind die Übernamen unter den
Völkernamen. Die Thüringe, Thuringi gehören vielleicht
zu altnordisch thora ‘wagen’. Im Namen der Franken
steckt das Adjektiv *jranka-, altnordisch frakkr ‘mutig’.
Den Namen der Cherusker hat man an germ. *herul
‘Hirsch’ angeknüpft (*Heruska-); die Langobarden sind
die ‘Langbärte’ — so genannt vielleicht von den Sachsen,
die den Bart kurz trugen. Die Friesen könnten nach ihrem
Haar oder der Haartracht heißen (altfriesisch friste
‘Lockenhaar’, germ. *frisiaz ‘kraus’). Die Sachsen hatten
als charakteristische Waffe ein kurzes einschneidiges
Schwert, germ. *sahsa-. Germ. *swĕba- ‘frei, selbständig’
oder ‘zum eigenen Volk gehörend’ enthält der Volksname
der Schwaben, lat. Suĕbi (wozu letzten Endes auch
Schweden-. Sui-thiod ‘das eigene Volk’).
Typische Bildungsweisen der Völkernamen sind u. a.
Zusammensetzungen mit germ. *wariös, lat. varii (zu alt-
sächs. waran ‘hüten, behüten’): Am(p)sivarii (Flußname
Ems), Ripuarii, Baiuarii (‘Bewohner des Bojerlandes’):
mit -man : Marcomanni, Northmanni. Ferner Ableitungen
mit -(j)an- (Burgundiones, Fr ancones /Franchun, Saxones/
Sahsuri) und mit -ing (s. oben Merovingi, Thuringi). —
Diese Namen führen alle zurück in Zeiten unsicherer
schriftlicher Überlieferung. Vieles ist hier noch strittig;
manches bleibt Vermutung. In diesem oder jenem Falle
wird neuere Forschung noch zu Berichtigungen und Er
gänzungen führen.

Über die Erforschung der Personennamen

Das in den bisherigen Darlegungen gezeichnete Bild


von Herkunft und Entwicklung unserer Ruf- und Fa-
miliennamen hat ihren Zusammenhang mit politischen
Wandlungen, mit Wirtschaft und Kultur, mit Volks- und
Sprachgeschichte deutlich werden lassen. Die Ergebnisse

2
3
2
wissenschaftlicher Namenforschung kommen einer
ganzen
Reihe verschiedener Wissenschaftszweige zugute.
Doch
ist die Namenforschung vielfach auch Betätigungsfeld
un-
bekümmerter Dilettanten gewesen, die ihre
Aufmerksam-
keit zu einseitig auf die Beantwortung der beliebten
Frage
nach der „Bedeutung“ des Namens richteten. Damit
aber
fängt wissenschaftliche Namenforschung nicht an.
Erst
N amengeschichte, Geschichte des Namenträgers,
dann
etymologische Namenerklärung und schließlich
vielleicht — im günstigsten Falle — Namendeutung,
d. h. Beantwortung der Frage nach den Motiven der
Namengebung im Einzelfall. Die Untersuchung eines
Namens kann auch dann wissenschaftlich brauchbare
Ergebnisse liefern, wenn die ursprüngliche Bedeutung
der
Namenwörter unklar bleibt, seine Bildung, seine Ge-
schichte aber aufgehellt werden können.
Erst seitdem Jacob Grimm mit seiner Deutschen Gram-
matik (1819—1837) die Grundlage für eine wissenschaft-
liche Untersuchung der deutschen Sprache überhaupt
geschaffen hat, ist wissenschaftliche Namenforschung
möglich. Ihre Entwicklung in Deutschland ist dann
verknüpft mit Namen wie A. F. Pott, F. Stark,
E. Förstemann, A. Socin, E. Schröder, A. Bach, H. Krähe,
E.Schwarz und anderen bedeutenden Germanisten und
Indogermanisten.
Die Quellen für die neuere Zeit findet die Forschung
in den Urkunden und Akten der Gemeinde-, Stadt-,

23
3
Landes- und Kirchenarchive, in Steuerlisten, Stadt-, Ge-
richts- und Kirchenbüchern, Einwohner Verzeichnissen,
Adreßbüchern, Universitätsmatrikeln u. a. Für die älteste
Zeit kommen auch Grabsteine, Münzen u. ä. in Betracht.
Anfangs fließen die Quellen spärlich; bis gegen 500 u. Z
sind uns mehrere Hundert germanischer Namen über-
liefert — meist Männernamen. Bis zum Beginn der Karo
lingerzeit hat man rund 2000 geschätzt. Die ältesten
Personennamen germanischer Stämme überliefern uns
antike Schriftsteller. Sie sind gesammelt bei M. Schön-
feld, Wörterbuch der altgermanischen Personen- und

2
3
4
Völkernamen, Heidelberg 1911. Die Personennamen ger
manischer Herkunft bis 1100 (etwa 8000) verzeichnet
E. Förstemann, Altdeutsches Namenbuch, I. Personen-
namen, 2. Aufl. Bonn 1900. Seitdem sind aber viele neue
Quellen erschlossen worden, und Förstemanns Sammlung
ist heute — auch in ihrer Anlage — veraltet. Bis eine
modernere sie entbehrlich macht, wird aber noch einige
Zeit vergehen. Für die altsächsischen Personennamen des
11. und 12. Jh. haben wir jetzt die vollständige Samm
lung und Bearbeitung von W. Schlaug, Studien zu den
altsächsischen Personennamen des 11. und 12. Jahrhun-
derts, Lund und Kopenhagen 1955. Wichtig für die mhd.
Zeit ist A. Socin, Mittelhochdeutsches Namenbuch. Nach
oberrheinischen Quellen des 12. und 13. Jahrhunderts,
Basel 1903. — Später gehen die Namen in die Zehn
tausende.
Wichtige Aufgaben der Personennamenforschung hegen
heute in der Erarbeitung von Beiträgen zur Namen
geographie und Namensoziologie mit Hilfe der
Namenstatistik. Es geht also um die vollständige
Erfassung und Bearbeitung der Namen bestimmter
Quellen oder einzelner Dörfer, Städte, Gegenden. Dabei
ist besondere Aufmerksamkeit den bisher — von wenigen
Ausnahmen abgesehen — noch relativ wenig untersuchten
Gebieten Thüringens, Sachsens und Sachsen-Anhalts,
auch Brandenburgs zuzuwenden. Man darf sich nicht, wie
dies bisher oft geschah, auf die Zeit der Entstehung der
Familiennamen (allenfalls bis zum 15. Jh.) beschränken,
sondern es ist auch die spätere Zeit mit einzubeziehen.
Nur dann können die Entstehung der Doppelnamen bei
Ruf- und Familiennamen, Veränderungen im Verhält .is
der verschiedenen Namengruppen und Namentypen, die
Wandlungen in der Rufnamenmode (sie zeigt z. B. schon
deutlich ein Vergleich zwischen den dreißiger Jahren und
der Gegenwart) und vieles andere erfaßt werden. — Ior?
Zusammenhang mit der Entstehung der Familiennamen
ist dem Problem der Namenfelder mehr Beachtung zu
schenken. Der einzelne Name muß immer im Zusammen-

23
5
hang mit dem jeweiligen Gesamtnamenschatz
gesehen
werden.
Auch die in den Ortsnamen enthaltenen mittel-
alterlichen Rufnamen sollten systematisch gesammelt
werden. Es handelt sich dabei tun Namen teilweise aus
bäuerlichen Kreisen, die uns die schriftlichen Quellen des
12.—14. Jh. sonst nicht gerade reichlich überliefern. Sie
bieten uns meist Namen von Stadtbewohnern, besonders
Patriziern, Rittern und Adligen sowie Geistlichen. An-
gesichts der im Verhältnis zu den Männernamen noch
spärlicheren Überlieferung von Frauennamen ist jede hier-
für ergiebige Quelle größter Beachtung wert und muß aus
geschöpft werden. Die althochdeutschen und die älteren
germanischen Namen bieten uns noch manches Rätsel in
bezug auf Etymologie und geographische Verbreitung der
Namenwörter und ihren „Sinn“. Es wird auch immer
noch laufend neues Quellenmaterial (Urkundenbücher
u. ä.) veröffentlicht, das teilweise bäuerliche Namen (oft
Kurzformen!) enthält und damit unsere im wesentlichen
an den Namen von Königen und Kriegern aus Geschichte
und Dichtung gewonnenen Erkenntnisse ergänzt. Not-
wendig ist endlich gerade für das deutsch-slawische Be-
rührungsgebiet in der DDR die Aufarbeitung des sla-
wischen Personennamenschatzes, die aber nicht außer-
halb des Zusammenhanges mit den deutschen Personen
namen erfolgen kann.
Um die Geschichte eines Namens aufhellen zu können,
muß man sich — wie schon betont — in vielen Fällen
auch um die Familiengeschichte kümmern. Gute
Dienste kann hierbei die „Zentralstelle für Deutsche
Personen- und Familiengeschichte“ in Leipzig leisten (im
Staatsarchiv Leipzig). Sie wurde 1904 gegründet, 1921
in die Deutsche Bücherei überführt. 1957 wurde diese
Institution der Staatlichen Archivverwaltung Potsdam
unterstellt. Zwar ist ein großer Bestand an Forschungs-
unterlagen, Aktenbänden, Manuskripten usw. während
des Krieges vernichtet worden, aber erhalten und be-
nutzbar sind u. a. die Handbibliothek (7000 Bände) mit

2
3
6
wichtigen Werken zur allgemeinen Genealogie, zur Na-
menkunde und Familiengeschichte, eine nach Familien-
namen alphabetisch geordnete Kartei von Veröffent-
lichungen über einzelne Namen und Familien sowie eine
Reihe von Familiennachlässen; sie werden laufend ver-
vollständigt. An Quellenmaterial sind auch Schüler-,
Lehrer-, Pfarrer-, Studentenverzeichnisse, Ranglisten,
Adreßbücher u. a. vorhanden. Im Jahre 1963 wurden
Quellen und Hilfsmittel der Zentralstelle von 135 Rat-
suchenden benutzt.
Wissenschaftliche Namenforschung in größerem Rah-
men wird in der DDR betrieben in Leipzig (Arbeitsgruppe
Deutsch-Slawische Forschungen zur Namenkunde und
Siedlungsgeschichte; Institut für Deutsche und Germa-
nische Philologie und Institut für Slawistik der Karl-
Marx-Universität) und in Berlin (Institut für Slawistik
der Deutschen Akademie der Wissenschaften). Die Leip-
ziger Arbeitsgruppe veranstaltet seit 1955 jährlich eine
Arbeitstagung, an der auch ausländische Forscher teil-
nehmen. Allerdings hat bisher der Erforschung der Orts-
und Flurnamen die größere Aufmerksamkeit gegolten. In
der Reihe „Deutsch-Slawische Forschungen zur Namen-
kunde und Siedlungsgeschichte“ (1956—1963 erschienen
15 Bände; seit 1961 im Akademie-Verlag Berlin) sind
bisher noch keine Arbeiten über Personennamen er-
schienen.
Berichte über die Namenforschung in der DDR, dar
unter teilweise auch über Personennamen, geben:
H. Walther, Zur Namenforschung in Ostmittel-
deutschland. Wissenschaftliche Zeitschrift der Karl-
Marx-Universität Leipzig, Gesellschafts- und sprach-
wiss. Reihe 3 (1953/54), 445—449;
H. Schall, Die Namenkunde im Institut für Slawistik
der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin.
Forschungen und Fortschritte 31 (1957), 204—208
W. Fleischer und E. Eichler, Die Namenforschung
in der Deutschen Demokratischen Republik (1945 bis
1957). Onoma (Leuven/Belgien) 7 (1956/57), 229-243;

18 Deutsche Personennamen 237


T. Witkowski, Der slawische Namenbestand in der
DDR. Forschungen und Fortschritte 37 (1963), 152—154.
Eine gut organisierte internationale Zusammenarbeit
ist auch in der Namenforschung von großer Bedeutung.
Ihr Mittelpunkt ist das Internationale Zentrum für
Namenforschung in Leuven (Belgien). Dort ist der
Sitz des Internationalen Komitees für Namenforschung
mit seinem Generalsekretär Prol. Dr. H. J. Van De Wijer.
Aus der DDR gehören ihm Prof. Dr. Dr. h. c. Dr. h. c.
Th. Frings als Ehrenmitglied und Prof. Dr. R. Fischer
(beide Leipzig) an. Das Komitee gibt unter der Leitung des
Generalsekretärs seit 1950 die Zeitschrift „Onoma“ heraus.
Hier werden jährlich die einschlägigen Veröffentlichungen
aus allen Ländern nachgewiesen. Das Komitee ist ferner
Initiator der Internationalen Kongresse für Namenfor-
schung. Der erste wurde 1938 in Paris veranstaltet, der
zweite 1947 ebenfalls in Paris. Es folgten die Kongresse in
Brüssel (1949), Uppsala (1952), Salamanca (1955), Mün-
chen (1958), Florenz (1961) und Amsterdam (1963). —
Auch das Internationale Slawistenkomitee (Sitz
in Moskau) hat eine Onomastische Kommission gebildet,
in der die DDR vertreten ist.

.Nachweis wichtiger Fachliteratur zur Namenkunde


(Personennamen)

Das vorliegende Buch konnte vielfach nur die aller-


wichtigsten Fragen erörtern, mußte sich bisweilen auf
Andeutungen und Hinweise beschränken und manche
Einzelfrage unerwähnt lassen. Es mußte schließlich, ent-
sprechend seinem Charakter, auf detaillierte Quellen-
angaben verzichten. Wer sich eingehender mit den hier
aufgeworfenen Fragen beschäftigen oder einzelne Namen-
landschaften näher kennenlernen will, sei auf die im fol-
genden verzeichnete Literatur verwiesen, die eine knappe.

2
3
8
akzentuierte Auswahl aus der verwirrenden Fülle
namen-
kundlicher Veröffentlichungen darstellt.
Das ausführlichste und grundlegende Werk ist
A. BACH, Deutsche Namenkunde I. Die deutschen Per-
sonennamen, Teil 1 und 2, 2. Aufl., Heidelberg 1952/53.
Diesem Werk ist auch die vorliegende Darstellung in
manchem verpflichtet. Es enthält reiche Literatur-
angaben, und wir berücksichtigen im folgenden vor allem
später erschienene, bei Bach also nicht verzeichnete Lite-
ratur.
über das Verhältnis von Eigennamen und Appellativum
handeln grundsätzlich:
A. GARDINER, The Theory of Proper Names. 2. Aufl.,
London-New York-Toronto 1954;
E. PULGRAM, Theory of Names. Beiträge z. Namen-
forschung 5 (1954), 149—196;
J. KURYLOWICZ, La position linguistique du nom propre.
Onomastica (Wrocław) 2 (1956), 1—14;
P. v. POLENZ, Name und Wort. Bemerkungen zur Me
thodik der Namendeutung. Mitteilungen f. Namen-
kunde (Aachen), Heft 8/1961, 1—11;
B. H. Tonopoß, W3 oSaacTH TeopeTnuecKoń TOIIOHO
MacTHKH, Bonpocti HshiKOBHamiH 6/1962, 3—_12;
P. TROST, Der Gegenstand der Toponomastik. Wissen
schaftl. Zeitschrift d. Karl-Marx-Universität Leipzig.
Gesellschafts- u. Sprachwissenschaftl. Reihe 11 (1962\
275-277;
B. TRNKA, Problem vlastnich Imen. Philologica Pra-
gensia 6 (1963y, 85—89 (mit englischem Resümee);
W. FLEISCHER, Zum Verhältnis von Name und Appel-
lativum im Deutschen. Wissenschaftl. Zeitschrift d
Karl-Marx-Universität Leipzig, Gesellschafts- und
Sprachwissenschafti. Reihe 13 (1964), 369—378.
Die Bedeutung der Namenforschung und ihr Verhältnis
zu den übrigen Gesellschaftswissenschaften erörtert der
polnische Namenforscher W. TASZYCKI in einem russisch
geschriebenen Aufsatz in der sowjetischen Fachzeitschrift
Bonpocu H3MK08HaHMH 2/1961, 3-11.

13* 239
Neue Gedanken zur Beurteilung der altgermanischen
Rufnamengebung bringen
O. HÖFLER, Über die Grenzen semasiologischer Per-
sonennamenforschung. Festschrift f. D. Kralik, Horn/
Niederösterreich 1954, 26—53;
G. SCHRAMM, Namenschatz und Dichtersprache. Stu-
dien zu den zweigliedrigen Personennamen der Ger-
manen, Göttingen 1957.
Zusammenfassende Darstellungen wichtiger Aspekte
der Namenkunde enthalten die in Heft 5/1957 der Zeit-
schrift „Der Deutschunterricht“ (Stuttgart) veröffent-
lichten Aufsätze:
A. BACH, Deutsche Namen in historisch-geographischer
Sicht;
B. BOESCH, Die Eigennamen in ihrer geistigen und
seelischen Bedeutung für den Menschen;
H. MOSER, Namenfelder;
M. ZENDER, Über Heiligennamen.
Für die Erforschung der slawischen Namen ist wichtig
R. FISCHER, Erkenntnisse und Aufgaben der siawi-
stischen Namenforschung. Berichte über d. Verhandl
d. Sächs. Akad. d. Wiss., Philolog.-hist. Klasse 105/1
Berlin 1959.
Hier werden grundsätzliche Fragen der slawistischen
Orts- und Personennamenforschung in Deutschland
behandelt. — Die „Slawischen Personennamen aus
mittelalterlichen Quellen Deutschlands“ hat G. SCHLIM
PERT in seiner gleichnamigen Leipziger Dissertation ge-
sammelt (1958).'
Die sogenannten „Namenbücher“, die Familiennamen
mit etymologischer Erklärung verzeichnen, sind mit Vor-
sicht zu benutzen. Sie werden vielfach den Konkurrenzen
(vgl. S. 164ff.) nicht gerecht, und der Laie kann leicht
in die Irre geleitet werden. Das beste dieser Werke ist
J. K. BRECHENMACHER, Etymologisches Wörterbuch der
deutschen Familiennamen, Bd. I—II, Limburg/Lahn
1957-1963.

2
4
0
Eine Fülle von quellenmäßig nachgewiesenen Namen-
belegen und namengeographischen Angaben macht das
Buch zu einem außerordentlich wertvollen Hilfsmittel,
mögen die Deutungen auch bisweilen — was sich gar nicht
vermeiden läßt — anfechtbar oder ergänzungsbedürftig
sein.. Zu nennen sind hier noch
M. GOTTSCHALD, Deutsche Namenkunde, 3. Aufl., Ber-
lin 1954;
A. HEINTZE, P. CASCORBI, Die deutschen Familien-
namen, 7. Aufl., Halle/S. 1933.
In beiden Büchern ist dem Namenverzeichnis eine Ein-
führung über Geschichte und Entwicklung der Personen-
namen vorangestellt. Bei Gottschald finden sich inter
essante Bemerkungen über Namen und Namengebung
überhaupt (mit reichen Literaturangaben). Die Erklä
rungen der slawischen Namen sind teilweise korrektur-
bedürftig (vgl. E. Eichler, Slavistische Bemerkungen zu
Max Gottschalds „Deutscher Namenkunde“, Beiträge z
Namenforschung 8 [1957], 282—284). Heintze und Cascorbi
gehen in der Ableitung unserer Familiennamen von alt
germanischen Rufnamen vielfach zu weit.
Etymologische Erklärungen unserer Rufnamen, die
teilweise allerdings recht problematisch sind, findet man
u. a. (z. B. auch in den letzten Jahrgängen der „Sprach
pflege“) in den folgenden Büchern:
T. HERRLE, Reclams Namenbuch. Die wichtigsten
deutschen und fremden Vornamen mit ihren Abiei
tungen und Bedeutungen, 3. Aufl., Stuttgart 1955;
E. WASSERZIEHER, Hans und Grete. 2000 Vornamen
erklärt. 14. Aufl. besorgt durch K. Linnartz, Bonn 1955,
W. SEIBICKE, Wie nennen wir unser Kind? Ein Vor-
namenbuch, Lüneburg 1962.
Die wichtigste deutschsprachige namenkundliche Fach-
zeitschrift sind heute die seit 1949 in Heidelberg er
scheinenden „Beiträge zur Namenforschung“, heraus-
gegeben von Prof. Dr. H. Krähe. Namenkundliche Bei-
träge aus ihrem Fachgebiet bringt auch die im Berliner

24
1
Akademie-Verlag erscheinende,»Zeitschrift für
Slawistik“;
hier werden laufend die namenkundlichen Veröffent-
lichungen auf slawistischem und
germanoslawistischem
Gebiete verzeichnet. Die von Prof. Dr. Th. Frings und
Prof. Dr. E. Karg-Gasterstädt
herausgegebenen ,»Beiträge
zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur“
(Halle/S.) enthalten ebenfalls namenkundliche
Arbeiten.
— Auch die für breitere Kreise bestimmte Zeitschrift
,,Sprachpflege“ (Leipzig) hält ihre Spalten für namen-
kundliche Fragen offen.
Neuere Arbeiten über Personennamen einzelner Gebiete
und Städte oder bestimmter Quellen innerhalb der DDR
sind u. a.:
E. EICHLER, Ein sprachwissenschaftlicher Beitrag zur
Ortskunde von Sausedlitz [mit Erklärung von Per-
sonennamen]. Wissenschafti. Zeitschrift d. Karl-Marx-
Universität Leipzig, Gesellschafts- u. sprachwiss. Reihe
10 (1961), 541-549;
R. FISCHER, Familiennamen der Lausitz. Zeitschrift f.
Slawistik 4 (1959), 596—603;
W. FLEISCHER, Die Namen der Dresdener Ratsmit-
glieder bis 1500. Beiträge z. Namenforschung 12 (1961),
44-87;
W. FLEISCHER, Ostmitteldeutsch Fritz(e) — Frit(z)sch(e)
und physiologisch bedingter Lautwechsel an der Peri-
pherie des phonologischen Systems. Beiträge z. Ge-
schichte d. deutschen Sprache u. Literatur (Halle/S.)
81 (1959), 303-323;
A. E. GRAF, Vornamen einst und jetzt. Am Beispiel der
Prignitz. Jahresbericht 1956 des Bezirkshauses f. Volks-
kunst Potsdam (Abt. Sammlung u. Forschung), 1956,
4-31;
H. GRÜNERT» Die altenburgischen Personennamen. Ein
Beitrag zur mitteldeutschen Namenforschung, Tü

2
4
2
hingen 1958;
H. HASSE, Familiennamen aus Quedlinburg-Stadt und
-Land erzählen Naturgeschichte. Kulturbote f. d. Kreis
Quedlinburg 1958» 27-30. 50-54. 67-71;

24
3
A. HOSCHKE, Vorn Aufkommen der Familiennamen im
mittelalterlichen Halle. Hallesches Monatsheft 3 (1956),
291-295;
A. HOSCHKE, Hallesche Familiennamen aus den mittel-
alterlichen Schöffenbüchern. Hallesches Monatsheft 3
(1956), 407-412;
F. REDLICH, Sorbische Personennamen in der Nieder-
lausitz aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts
Leipziger Studien. Theodor Frings zum 70. Geburtstag,
Halle/S. 1957, 165-177;
H.-D. WÜSTLING, Die mittelalterlichen Personenbezeich
nungen der Stadt Zerbst, Diss. Halle 1957 (maschinen
schriftlich).
Eine vollständige Übersicht über die Namenforschung
in der DDR gibt:
E. EICHLER, Bibliographie der Namenforschung in der
Deutschen Demokratischen Republik [bis 1962]. Unter
Mitwirkung von K. Hengst, Leipzig 1963.
Die in dem vorliegenden Buche angeführten Namen-
beispiele und Belege sind teilweise den bisher ver-
zeichneten Werken (insbesondere denen von A. Bach,
G. Schramm, R. Fischer, J. K. Brechenmacher; M. Gott
schald, H. Grünert, F. Redlich, H.-D. Wüstling sowie
dem Quellen material von E. Förstemann, M. Schönfeld,
A. Socin, W. Schlaug) entnommen. Ein weiterer Teil ent
stammt eigenen Quellenstudien und den folgenden Ar
beiten:
K. ARNETH, Die Entwicklung der Personennamen im
ehemaligen Hochstift Bamberg bis zum Ende des 16. Jahi
hunderts, Diss. Erlangen 1942 (maschinenschriftlich;
F. BOCK, Nürnberger Spitznamen von 1200—1800. Ein
Verzeichnis mit Einführung. Mitteilungen des Vereins
f. Geschichte d. Stadt Nürnberg 45 (1954), 1—147;
HELENE BROCKMÜLLER, Die Rostocker Personennamen
bis 1304. Diss. Rostock 1933;
G. Eis, Tests über suggestive Personennamen in der
modernen Literatur und im Alltag. Beiträge z. Namen
forschung 10 (1959), 293—308;
EUGENIE EITLER, Münchner Familiennamen im
14. Jahr-
hundert, Diss. München 1956 (maschinenschriftlich);
A. GÖTZE, Familiennamen im badischen Oberland,
Heidelberg 1918;
ST. HAGSTRÖM, Kölner Beinamen des 12. und 13. Jahr-
hunderts. I, Uppsala 1949;
V. HELLFRITZSCH, Die Personennamen der Stadt
Plauen i. V. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Staats-
examensarbeit Leipzig 1958 (maschinenschriftlich);
SUSANNE JABUSCH, Die Personennamen des Amtes
Pirna, Staatsexamensarbeit Leipzig 1958 (maschinen-
schriftlich) ;
ELISABETH KNITL, Personennamen in den „Traditionen
des Hochstifts Freising“. Bildungen mit ahd. berht.
Corolla Linguistica, Wiesbaden 1955, 107—114;
G. MAHNKEN, Die Hamburgischen niederdeutschen
Personennamen des 13. Jahrhunderts, Dortmund 1925;
E. NIED, Heiligenverehrung und Namengebung, Frei
bürg 1924;
ders., Südwestdeutsche Familiennamen, Freiburg 1928;
MARTA PAULUS, Die alten Lahrer Familiennamen
sprachgeschichtlich untersucht, Gießen 1928;
N. PULVERMACHER, Berliner Vornamen. Eine stati-
stische Untersuchung. Wissenschafti. Beilage z. Jahres-
bericht d. Lessing-Gymnasiums zu Berlin, 1902;
H. REICHERT, Die deutschen Familiennamen nach
Breslauer Quellen des 13. und 14. Jahrhunderts, Bres-
lau 1908;
ALMUTH REIMPELL, Die Lübecker Personennamen
unter besonderer Berücksichtigung der Familiennamen-
bildung bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, Lübeck o. J.
[1929];
G. RIECKMANN, Die Personennamen der Kirchspiele
Hanstedt, Pattensen und Ramelsloh im Landkreise
Harburg, mit Berücksichtigung der Hofnamen, Diss.
Hamburg 1954 (maschinenschriftlich);
ROSWITHA SAUER, Die Bei- und Familiennamengebung
in der Stadt Ravensburg im 14. und 15. Jahrhundert.
Untersucht auf Grund der ersten Bürgerliste
1324—1436.
Diss. Tübingen 1956 (maschinenschriftlich);
GISELA SCHÄFER, Ansbacher Namenbuch mit einer
Sammlung der ältesten Personennamen bis 1500 und
einer Untersuchung nach ihrer Entstehung und Be-
deutung, Diss. Erlangen 1952 (maschinenschriftlich);
W. SCHARF, Personennamen nach Braunschweiger
Quellen des 14. Jahrhunderts. Band I: Untersuchungen,
Diss. Freiburg/Br. 1960;
CHARLOTTE SCHEFFLER-ERHARD, Alt-Nürnberger Na-
menbuch, Nürnberg 1959;
A. SCHERER, Die keltisch-germanischen Namenglei-
chungen. Corolla Linguistica, Wiesbaden 1955,199—210:
H. SCHNATZ, Studien zur Mundart des Vorderhuns-
rücks, Diss. Bonn 1958 (maschinenschriftlich);
ELFRIEDE ULBRICHT, beraht in den Personennamen der
frühen Urkunden des Klosters Fulda. Beiträge z. Ge-
schichte d. deutschen Sprache u. Literatur (Halle/S.)
82 (1960), 474-479;
H. WESCHE, Bäuerliche niederdeutsche Ruf- und Fa-
miliennamen. Jahrbuch d. Vereins f. niederdeutsche
Sprachforschung 83 (1960), 91—106.

Abkürzungen

ahd. = althochdeutsch mhd. = mittelhochdeutsch


hochdt. = hochdeutsch nd. = niederdeutsch
Jh. = Jahrhundert nhd. = neuhochdeutsch
Anhang

Auszug aus der Ersten Durchführungsbestimmung


zum Gesetz über das Personenstandswesen
vom 7. Januar 1957

In § 3 der Ersten Durchführungsbestimmung zum Per-


sonenstandsgesetz der Deutschen Demokratischen Repu-
blik (Gesetzblatt I 1957, S. 77) werden die gesetzlichen
Grundlagen für die Beurkundung der Vornamen eines
neugeborenen Kindes genannt. Es heißt darin:
„(1) Die Vornamen des Kindes sollen das Geschlecht
des Kindes erkennen lassen.
(2) Bei mehreren Vornamen ist einer durch Unter
Streichung als Rufname kenntlich zu machen.
(3) Bezeichnungen, die ihrem Wesen nach keine Vor
namen sind, dürfen nicht beurkundet werden.
(4) Kann der Anzeigende die Vornamen des Kindes
nicht angeben, so müssen sie binnen Monatsfrist angezeigt
werden. Sie sind dann am Rande der Geburtseintragung
zu beurkunden.“
Maßgebend ist ferner die,, Ordnung zur Gewährleistung
eines einheitlichen Verfahrens in Personenstandsangele-
genheiten“ vom 7. 9. 1957. Es heißt hier unter I D 14:
„Bei Namen fremden Ursprungs sind die der Fremd-
sprache eigentümlichen Schriftzeichen (Akzent, Häkchen
usw.) zu verwenden. Werden in der Fremdsprache ander*1
als lateinische Schriftzeichen verwendet, so ist der Name
nach seinem Klang und nach den Lautregeln der deut
sehen Sprache in die Personenstandsbücher einzutragen
Hat eine ausländische Behörde den Namen eines deutschen
Staatsangehörigen in die ausländische Form umgewan-
delt, so ist die deutsche Form anzuwenden.“
Namenverzeichnis

(Absolute Vollständigkeit wurde nicht erstrebt, da das


Verzeichnis dann zu umfangreich geworden wäre. Jedoch
sind die ausführlicher behandelten und die sprachlich
repräsentativen Namen alle aufgenommen. — Die Zahlen
verweisen auf die Seiten.)

A(a) 134 Adelheid 22, 43, 63, 66


Aalke 74 Adelheida 23
Abbo 40, 168 Adenauer 109
Abbrecht 127 Adi 21
Aoderhalden 112 Adiko 27
Abderlauben 112 Adler 138
Abel(e) 127 Adna 68
Abelein 127 Adolf 10, 22, 67, 71
Abel(e)s 127 Adolph 10
Abel(l)i 127 Aella 43
Abelmann 127 Agathe 13
Abend 165 Agil- 34, 44
Aberell 153 Agin- 34
Abraham 46, 60 Agnes 63
Abrelle 153 Agnes-Gertrud 70
Abricht 127 Aitensohn 101
Achcenich 119 Alah- 44
Achczinnicht 119 Alberda 177
Ach(e) 134 Alberding 105
Achilles 53
Achleitner 174
Achsenmacher 171
Achterkerken 112
Acker 136
Ada 68
Adalber(a)ht 23, 27, 43
Adalberhta 21
Adalbrand, -frid, -gund 57
Adalmunt 38
Adalolf 41
Adam 46, 101
Adams 100
Adela 23
Alberich 36 Andereys her Apecz sun
Albert 42, 66, 70f., 100, 127 98
Albert-Artur 70 Andersen 99, 128
Albertelin 30 Anderson 128
Albrecht 23, 42, 44, 66, 100, Andraß 128
127 Andrä 128
Albrecht Achilles 60 Andrea 31, 72
Alckenhans 102 Andrea 128
Aldepisse 148 Andreas 46, 72
Aldian 102 Andree 128
Aleid 22 Andres 128
Aleken 91 Andres 128
Alexander 53 f., 67 Angelika 72
Alexius 54 Angeln 188
Alf 22 Angerbauer 114, 174
Alfred 36, 71 Angermann 114, 130
Alheyd 91 Angermayer 174
Aliberga 37
Angil- 44
Alice 72
Angnice mit dem krommen
Allerheiligen Kögel 65
Halz 89
Allermann 135
Alma 71 Angstmann 144
Anke 72
Almut 19
Alois 168 Anmut(in)a 62
Alphild 36 Anna 52, 60, 70, 71
Aithans 102 Anna-Elisabeth 70
Althen 102 Anna-Maria 70
Althenn(e) 102 Änne 24, 55
Altkunz 102 Anne-Dore 59
Altmann 120 Annegret 59
Altwolf 102 Anneke 28
Alwin 71 Annemarie 59
Amadeus 67 Annette 63
Amalaswinda 16 Annette-Maria 70
Amalung 44 Anno 52
Amaryllis 13 Ansbach 112
Ambaum 112 Anschewitz 131
Amberger 113 Ansfrid, -heim, -hild, -lind
Ambrosius 56, 94 36
Ambühl 174 Answald 38
Ammermann 152 Antheri 17
Am(p)sivarii 189
Amrain 112
Anders 128
Anton 70 Auguste 71
Apecz 26 Augustenn 100
Apetz 126, 127 Ausderau 112
Apfler 143 Austen 100
Apitius 127 Authari 37
Apitz 126, 127 Ax 118
Apitzsch 127 Axel 126
Apollonia-Anna 70 Ayrenschmalz 156
Apotheker 93 Azawip 30
Apotekerknecht 145 Azzo 23
Äpp 127
App(e) 127 Babenberger 108
App(e)ler 127 Babette 63
App(e)ler 127 Babo 126
Appels 127 Bach(mann) 114,
Appel(t) 127 134
Ap8el 126 Bäcker 8, 9, 139
Ariovist 44 Bäckering 176
Arminius 44 f. Bader 143
Arn 40 Badiko 27
Arnfrid, -helm, -old, -ulf Badstübner 143
35 Baducho 27
Arnhild 35 Baiuarii 189
Arning 105, 176 Bajack 94, 181
Arno 71 Baldechin 29
Arnold 41, 100 Balder 69
Arnulf,24, 66 Baldman 29
Asman 141 Baldmunt 38
Asmus 133, 170 Baldowsky 185
Aso 40 Baldwin 169
Assenmacher 171
Balten 100
Astlin 171
Banaskiewicz 185
Athena 74
Banlein 56
Atti 21
Attila 21 Bär 151
Atto 21, 44 Barbara 70
Audafleda 37 Barbatus 81
Audoberht 21 Bärensohle 12
Auduin 37 Barlach 109
Aufdermauer 112 Bart 118, 161
Augsten 100 Barth 92, 93
August 13, 60, 66 Barthel 14, 54
Bartholomäus 54
Bartisch 53 Bartka 57, 105
Bartsch 27, 57 Bellon 186
Bartusch 27, 57 Benckeler 142
Barwar 180 Benedictus 46
Basedow 109, 184 Benno 23, 63, 72
Batnischer 129 Benzler 174
Batto 40 Beqwemer 117
Bauch 118, 149, Berends 100
161 Berg 133
Baudissin 109 Borger 114, 133, 165
Bauer 139, 173 Bergholtz 135
Bauermeister 144 Bergmann 133
Baum 135 Bergund, -lind 35
Baumann 139 Berht 43
Baumgarten 135 Berhtflät 38
Baumgärtner 135 Berhtold 43
Baumgratz 57 Berhtwald 38
Baumkötter 177 Berkmann 114
Bäumle(r) 135 Bem 22, 40
Baunack 182 Bemgerus 22
Beata 46 Bernatzky 184
Beate 72 Bernd 22, 72
Beaujeau 185 Berneke(r) 28, 105
Bebel 126 Berner 80, 113, 164
Bech 146 Bernhard 22, 72, -frid, -hart,
Becher 15 -ulf 35, 52, 100
Beck 173 Bernhard-Josef 70
Becken 115 Berning 176
Beckenhans 115 Bernreuther 110
Becker 9, 80, 139 Bero 23, 40, 44
Beckers 176 Bert(h)a 21, 63, 70, 71
Beckhenner 114 Berteld 41
Beer 151 Berthold 26, 43, 63, 100
Beethoven 108 Bertol(d) 41
Behmyn 94 Bertram 35, 42
Behr 151 Bertsche 26
Bei v. Heldritt 57 Bertz 26
Beiarin 76 Beschorner 117, 176
Beil8chmidt 142 Besemer 142
Beimfleet 112 Besler 130
Beinhorn-Rosemeyer 90 Bete 55
Bekker 9 Betigk 180
Betta 40 Bettina 72
Betty 63 Blick(en)schläger 146
Beutner 140 Blinde 117
Boyer 129, 173 Blücherine 67
Beyerrewth 110 Bluhminne 62
Beyger 129 Bluma 62
Beygott 119 Blümchen 120
Bezilin 29 Blume 152
Bezzo 44 Blümel 120
Blumine 62
Bianca 72
Blumstengel 152
Biedermann 151 Bock 113, 151
Bieracker 136 Böck 173
Bierbauch 150 Booking 120
Bierbaum 135 Böcklin 120
Bierbrauer 141 Bodfrid, -wald 38
Biereyge 141 Bödiker 142
Bierwolff 103 Bodo 72
Bige 57 Böhm(e) 129, 173
Bille 55 Böhnisch 111
Bil(t)z 152 Bohr 55
Bindauf157 Bohrmann 134
Binder 142 Bojanowsky 185
Birgit(t) 72 Boje 168
Birke 75 Bo junga 177
Birkenbuschin 138 Bolai 125
Birnbaum 135, Böll 133
152 Bolten 100
Bonenbiß 116
Bischof (f) 154
Bönenknecht 145
Bischofs 120
Bonie 56
Bise 135 Bootmachęr 172
Bismarck 67 Boran 32
Blasebalg 146 Borch 180
Biauschmidt 142 Borchart 42
Blecher 146 Borgenicht 119
Blechschläger 146 Börner 134, 164
Blechschmidt 142 Bornträger 172
Blechschmied 146 Borries 55
Bleibimhaus 157 Borrmann 134
Bleibtreu 12 Borsch(e) 185
Bleicher (t) 143 Borutzki 185
Bletzer 143 Böse 150
Boese 150 Brinkmann 133
Bös(e)fleisch 7, 146 Brinkmeier 177
Bosse, -ke 42 Brit 72
Bot(h)o 40, 71 Brockmeier 114
Böttcher 142 Broniach 180
Bovenuth 118 Brösel 56
Brahm 135 Brössel 106
Brahms 100, 135 Brückenmeister 144
Brambst 135 Brückenschlegel 165
Bramst 135 Bruckner 95, 171
Brajid 23 Bruder 155
Brandes 100 Brüel 136
Branst 135 Brug8ch 111
Bräu 141 Brühl 135
Brauer 141 171
Bruhn 178
Braumann 141
Brümmer 155
Braun(e) 23, 24, 125, 150
Brun 44
Braunert 125
Braunhold, -holz 125 Bruneke 28. 105
Brause 151 Brünemann 178
Brausewetter 153 Brunhild 16
Braut 155 Brunikin 29
Brechenmacher 30 Brüning 174, 178
Brecht 23, 127 Brüningsmann 178
Brech tel 127 Brunner 134
Breitegaß 138 Bruno 20, 23, 63
Breitenhuber 174 Brust 149
Bremer 108 Bruwer 171
Bremer8che 121 Buazfrit 45
Brendeke 28, 105, 179 Buchbach 134
Brendeker 179 Buchleitner 174
Brendel 29 Buchmann 135
Brendeking 179 Buchner 135
Brendemann 179 Budich 180
Brenker 179 Bühler 133
Brenners 115 Buling 78, 80
Brentano 186 Bultmann 176
Bret8chneider 9 Bülow 184
Brettschneider 9 Bürboom 179
Breuer 141 Burgarter 174
Brictiu8 50 Burghart 38, 42
Bnetzke 185
Brigida 46 f.
Brigitte 72
Burgheri, wald, -wart 38 Christine 70, 71, 72, 170
Burgtor 114 Christoph 56
Burgunder 188 Chrysander 63
ßnrgundiones 189 Cierpke 185
Burgunt 76 Cilien 61
Bürki 24 Cilies 61
Burkhart 52, 169 Claire 63
Burtzel 150 Clapschenkel 150
B useman 148 Calromontanus 96
Butenscone 116 Clatzschbein 150
Büsching 114 Claus 11
Buschkühler 176 Claus-Jürgen 72
Busch(mann) 135 Clauß 57
Busekroos 156 Clawes aurifaber mit der
Büttner 142 krummen sprake 118
Clemens 46
Byrold 94
Clugetyle 102
Clugisheubt 163
Caesar 60
Cone 42
Camerknechtynne 145
Conrad 10, 42
Carges 55
Conradi 100
Carl 10 Conradt 80
Carlowitz 184 Constantinos 46
Carola 72 Constanze 72
Caroline 70 Coman 32
Carstens 100 Cornelia 55, 72
Cary 63 Corrodi 186
Casimir 64 Cort 42
Cey 61 Corvinus 98
Chap(p)uis 185 Courvoi8ier 185
C(h)arbonnier 185 Crecelius 96
Caarles 71 Crein 61
Charlotte 63, 71 Cremer 80
Cherusker 189 Crobath 129
Chlodwig 34 Cuno 10
Chlorinde 63 Cunczsche 26
Ohiotharlus 34 Cunradi 80
Chmelik 185 Cuontz 102
Chriemhild 14 Curt 10
Christian 72 Curtius 96
Christiane, -a 72, 170 Cuwener 140
Chri8tianus 46 Czech 185
Czeder 135
] 4 Deutsche Personennamen
Czeyßg 94 De Smet 115
Czygan 185 Detlef 72
Czymerman 92 Detlev8en 99
deutsch 186 ff.
Dächer 146 Deutschlieb 62
Dagmar 73 Dewes 54
Dagorix 44 Dewtzsch 129
Dahinden 113 Dichtreich 62
Daisy 63, 68 Dictus 54
Damis 63 Dieck 127
Damon 63 Dieck(mann) 134
Daniel 46 Diede 127
Danielle 69 Diederich 127
Dannert 109 Diel 127
Darboven 113 Diepolter 104
Darius 53 Dierchsen 98
David 46, 60 Dierking 127
Debes 54 Diesel 13
De Boor 115 Dietel 29, 127
Decker 143 Dieter 10
Deckers 115 Dieterici 127
Degen 126 Dieth 127
Degenhardt 125 Dietlein 127
De Gruyter 115 Dietlind(e) 34, 73
Dehmel 106 Dietfrid, -mut, -ram, -rieh
Deichmann 134 38
Deidel 127 Dietmar 22, 38, 72
Dein 127 Dietreich 127
Demel 125 Dietrich 26, 30, 42, 43. *4.
De inert 125 100
Deinhardt 125 Dietschen 26
Deiß, Deis(e) 125 Dietz(e) 11, 26, 124, 127
Deiser 104 175
Deismann 106 Dietzenn 26
Deiss 169 Dietzhold 106
Deiters 100 Dietzmann 106, 127
Deitrich 127 Diet(z)8ch 26
Delbrück 110 Diez 175
Dengg 150 Dieze 175
Denk 150 Dilling 127
Derich 127 Dirk 127
Derx 100 Dirks(en) 127
14* 25
7
Ditterich 127 Dreß 128
Ditte(s) 127 Drescher 140
Dix 54 Dresel 128
Doer del 61 Dreser 128
Doerle 61 Dresing 128
Döhmel 106 Drossel 171
Dohrenwendt 157 Dressier 142, 171
Dolfen 100 Drewlich 117
Dollfuß 151 Drews 128
Döll(mann) 133 Drotsmit 141
Domasch 180 Drotzieher 142
Domeß 93 Drückdrauf 12
Dominikus 46 Dubnack 185
Donat(us) 101 Dubois 185
Ducher 143
Donner 153
Dücher 143
Dora 71, 72
Duldine 62
Dor den busch 118
Dumernyt 119
Döring 129 Dumpf 134
Doris 63, 73 Dümpfler 134
Dons-Maria 70 Dünnebacke 163
Dornblüth 135 Dupont 185
Dornbuschelin 135 Durchde(n)wald 157
Domer 109, 135 Durchdenwind 157
Dornhaim 109 Durnbluodt 135
Dornhan 109 Dusintvorz 149
Dornstok 135
□omstrauch 135 Ebbecke 28
Dorothea 70, 72 Eberhard 72
Dorst 155 Eberhart 23, 30, 35, 169
Dortenwald 157 -heim 35, -muot 35
Dörtichmark 154 Eberhild 35
Dörwald(t) 157 Ebner 172
Draeger 172 Ebur 40
Dräse 128 Ecberti 160
Drehes 61 Echard 41
Drebing 128 Eck 95
Drechsler 142, 171 Ecke 113
Dre(e)s 54 Eckehart 41, 44
Dreger 172 Eckert 41
Dreier 172 Eddela 28
Dreisel 128 Edgar 67, 71
Dreißig 154

2
5
8
Ediko 28 Elke 28, 72
Edith 63, 72 Ellen 63
Edmund 67 Ellen-Gunlinde 70
Eduard 68 Ellenhart 39
Edwin 63, 68, 69 Ellinor 63
Egbert 42 Elly 68
Egener 113 Eloi 125
Egert 41 Elsa 71
Eggen 100 Else 54, 68
Eggers 100 Elsemann 106
Eggmann 114 Elsenhans 102
Egil 34, 44 Eisensohn 101
Egin, Em- 34 Elvira 73
Egon 71 Emil 68, 71
Egra 133 Emilie 68
Ehrenfried 62 Emilio 13
Ehrlich 151 Emma 71
Eibo 168 Emmermacher 142
Eichbauer 114, 174 Ems 135
Eichhorn 138, 151 Encke 115
Eichler 135 Enderle 128
Eichmann 135 Ender lein 128
Eichner 135 Endermann 128
Eidam 155 Enders 56, 128
Eierschmalz 156 Endreß 128
Eike. Eyke 28 Endriß 128
Eim(e)rer 142 Engel 138
Einhorn 138 Engels 15
Eiswart 39 Engilscalk 45
Eisack 125 Enrico 45
Eiselt 125t Epfler 143
Eisold 125 Eppo 23
Eissigk 125 Erasmus 60
Eitel 71 Erasmus von Rotterdam 96
Eitensohn 101 Erdmandine 62
Eitner 104 Erdmann 62
Exkehard 68, 71 Erdmär, -muot, -rün 37
Eiegast 37 Erdmut(h) 19
Eiegiu8 50 Erdmut(h)e 19
Zllriede 70, 72 Erich 63, 70, 71
Elger 44 Erika 72
Elisabeth 46, 52, 70
Elise 71
14* 25
9
Eritag 153 Felicitas 68
Erlolfus 39 Felkener 140
Eina 71 Felsecker 174
Erni 24 Fendrich 95
Ernst 20, 71, 100 Fenrich 95
Erpf 40 Feodor(a) 64
Ertelt 106 Ferdinand 70
Erwin 71 Fervers 115
Esch 112 Fest 150
Esche 135 Fetten 120
Eschlin 171 Fetzer 144
Esel 116 Feyereißen 146
Eselsfleisch 146, 163 Fforstknechtynne 145
Essegem 156 Fia 55
Fibeck 136
Esser 171, 172
Fichtner 135
Essigerne 156
Ficker 96, 142
Esther 60, 68 Fiebig 136
Ettje 74 Fiedler 144
Etzel 107 Figener 104
Etzold 106, 107, 178 Fiheweide 136
Eucharius 55 Filler 144
Eustachius 50, 55 Filuliub 32
Eva 72 Findenkeller 156
Everart 169 Finden wirt 156
Everding 176 Findschatz 157
Ever land 37 Fingerhut 146
Cyssenmenger 93 Fink(e) 152
Finkler 140
f adenbeiß 146 Finzel 54
Fabian 101 Fischer 139
Falk(e) 152 Fischgredlein 103
Lanny 67 Flaccus 96
Färber 143 Flach 96
Faulk es e 149 Fladrer 140
Faulstich 146 Flämig 129
F'ebruarius 153 Flaschensmid 141
Fechner 142 Flaschner 79, 140
Fecht(er) 144 Flätberga 38
Fechto 77 Fleischer 8, 9
Feige(n) 125 Fleischhauer 140
Feind(t) 155 Fleischmann 140
Feist 7, 150
118

26
0
Fleming 129 Frey 113 Friesen 189
Florian 168 Freyer 9 Frischknecht
Flue 134 1 ricke (zu 145
Fock(en) Frid-) 109 Friso 76
126 Frickert 96 Fritsch 175
Fontane 185 Fricko 42 Fritsche 26,
Forbiger Friczche 26 175
137 Friczingus Fritschmann
Forbriger 26 106
137 Friczsche 26 Fritz 25, 71
Forst 135 Friczsche Fritzel 30
Forster 140 mit dem Fritzke 30
Förster 140 Barthe Fritzmann
Fouquö 185 Fridbrand, 106
Franchin 77 -gĕr, Fritzo 26
Franco 76 -helm, Fritzsch 175
Frank(e) 68, -rich Frit(z)sche
71, 72, 129, 38 26, 175
173 Fridericus
Franken 189 Friunt 32
28 Frizhinus 26
Frank- Fridgund 31
Michael 59, Frizke 28
Fridolin 168 Fröhlich 151
72 Fridrun 36
Franko 20 Frölich 151
Fridtjof 67 Froelich 151
Fianz 63, Fried 21, 22
70, 71, 101 Frosch 138
Frieda 71 Frühbrot
Franz-Josef
Friedbert 16, 147
70
22 Fruotgĕr 31
Fränze 55
Friedel 28 Fuchs 28,
Franziskus
Friederici 150, 151,
55
Freda 70 100 171
Freidingerin Friederike Fügener 104
90 70, 71
Freier 9 Friedländer
Freitag 153 113
Frenssen 39 Friedrich 21,
Frentz 55 25, 43,
Frenzel 106 66. 71,
T rerksen 98 101
Fresin 77 Friedrich
Freude 155 Roger 58
Freund 155 Fries(e) 129

26
1
Fullendrusse Gensfleisch 71, 73
J 149 93 Gerwig 101
Füllkruß Gent(z)sch Gese(n) 126
156 126 Gesenius
Funffmarg Georg(ius) 126
116, 154 55, 63, 71, Gesine 30
Funke 146 127 Geßner 136
Funtan 32 Gepfert 127 Ghereke 42
Fürchtegott Gerbart 34 Gierka 105
62 Gerbeisen Gi(e)sen
Furtwängler 146 100
108 Gerber 142 Gilgen 61
Fus 118 Gerd 21 Gimpel 152
Fuß 149 Gerda 20 Gisbert 42
Futtermarsc Gerg(en) Giselher 18,
halchin 90 127 34
Gerhard ID, Gisila 20
Gabriel 101 21, 71 Gisela 20
Gabriele 72 Glaser 143
Gerhart 10,
Gaganhart Gläser 14,
16, 17, 18, 143
17 22,
Gailus 50 Gleisar 104
42, 43, 44 Gleser 14
Gangolf 101 Gerhild 18
Gansauge Glück 155
Gerke 105 Gneisenauet
152 Gerlach 101
Gartner 171 te 67
Gĕrlind(e) Gobel 127
Gärtner 140 16, 18
Gasser 136 Göbel 127
Gĕrlint 34 Gober 127
Gaß mann Gerling 105
136 Gobold 127
Gĕrliob 38 Gode 127
Gasteiger Gemäß 156
136 Gemöt 18,
Gas trat 37 34
Gebhart 101 Gernrich
Geerts 96, 116
100
Gerße 27
G offers 127 Gerstäcker
Ge(h)ring
174
105 Ger8t(n)er
Geidel 151 144
Geier 152 Gertrud 16,
Geiger 144 30, 38, 43,
Gale 61 70,
118

26
2
Göd eke 127 Gräfe 175
Godela 127 Gras 136
Godelmann 127 Grau 150
Goethe 127 ’Grawert 120
Gö(h)ring 105 Grebe 154, 175
Goldammer 152 Gregorius 46, 54
Goidsticker 143 Greif zu 119
G^ltbach 134 Grell 141
Goltsmyd 142 Greta 52, 69
Göpf erich 127 Grete 57
Göpfert 127 Gretel 29, 57
Göppel 127 Greulich 150
Goppold 127 Grewe 154, 175
Griepenkerl 115
Gördeler 143
Grimbart, -frid 35
Górgel 127
Groling 120
Görgen8(en) 127
Grit 57
Gong 127 Groschan 102
Görres 54 Groß(e) 7, 117, 150
GotDrand 36, -hart, -hild, Großdieter 102
•lind 36 Großer 176
Gotesburga, -degen, -drut Großnickel 102
45 Grotejan 102
Gotfnd 36, 42 Grotusch 181
Gcthe, Goethe 24 Gruber(t) 134
Götßch 127 Grund(mann) 133
Gotsch(e) 127 Gruner 61
Götschli 127 Guba 181
Gottbrat 127 Gudrun 34
Gotte 155 Gundbod 38
Götte 127, 155 Gund(w)olf 41
Gotter 127 Gundram 35
* ottiried 24 f., 70 Gunt(h)er 16, 18, 34
Gotthart 25 Günt(h)er 10, 71
uotthelf 62 Guntleib (-leif) 19
Gotthold 62 Guntleiba 19
Gotting 127 Guntram 68
< řottlieb 62 Günzel 106
Gottmann 127 Guotwip 30
Gottschi 127 Gürgen 127
Götz(e) 25, 127 Gürteier 143
Götzer 174 Gustav 10, 22, 24, 66, 71
Grat 154

26
3
Gußker 180 Hartke 105
Gate 151 Hartlip 22
Gutenberg 93 Hartmu(o)t 19, 22, 34, 72
Gutmann 120, 151 Härtner 174
G.itte 151 Hartrich 22
Hartwig 22
Haase 9 Hartwin 38
Hacker 140 Harzmann 111
Hadeburc 34 Hasch(k)e 183
Hadubrand(-t) 16, 18 Hase 9, 151
Hadwif 30 Hasenclever 108
Häfele 115 Hasenfuß 150
Haferbecker 140 Haslemer 109
Haferer 144 Hatto 40, 44
Haferkorn 152 Haubolt 113
Hafermann 144 Haug(h) 23, 125
Hafersack 153 Haugk 125
Hauke 28
Hafner 172
Haupt 149
Hahn 152
Hauptmann 10
Haibauer 139 Häusler 139
•4 albgewachsen 150 Hebekanne 156
Halt(er) 136 Hebel 147
dämmer (schlag) 146 Hebels, -e, -en 121
Hammerschmidt 142 Heber 144
Handke 183 Hebestreit 157
Handknecht 93 Hecht 151
Hämg 127 Heckendom 135
Haniach 183 Hedwig 14, 25. 70
Hanke 183 Hefei 147
Hanna 72 Heidegger 108
Hans 14, 54, 59, 60, 68, 71 Heiko 28, 168
Hansel 29, 56 Heila 62
Hansi 24 Hein(e) 15, 23, 66, 101, 127
Hant 149 Heinen 176
Han(t)8chke 183 Heiner 66
Hanu8chke 183 Heinberht, -bürg, -fridl37
Hang 151, 171 Heineke 127
Harke 28 Hei(ne)mann 127
Harmjans, -z 102 Heini 24
Harms 100 Heinicke(l) 105, 127
Harringa 177 Heinig 127
Hartine 105

2
6
4
Heinke(l) 127 Herbod 38
Heinrich 16, 23, 25, 37, 38, Herbert 71
43, 52, 66, 71, 101 Herbst 153
Heinrich er 127 Heribrant 18
Heinrichs 100, 127, 176 Herigast 37
Heinrici 100 Hering 151
Heinsch 127 Herlint 34
Heinsius 96 Herman(n) 10, 34, 43, 44.
Heintzin 30 67, 71, 129
Hemz(e) 25, 66, 71, 124, 127 Herms 100
Heinzel 30 Herrät 34
Heinzel(mann) 127 Herse 129
Heinzig 105 Hertel 22, 29
Heinzke 127 Hertha 68, 72
Heinzmann 106, 127 Hertzsch 178
Heise 127 Herzog 154
Heiseke 127
Hessa 40
Ilei8emann 127
Hesse 10, 94, 129
Heitz(sch) 127, 178
Hesselbarth 150
Helbig 101
Helene 55, 70, 71 Hetzker 140
Helfant 20 Heubner 143
Helga, -i 45 Heusler 139
Helka 28 Hias 169
Heller 153 Hietschold 106
Hellmers 100 Hilarius 50
Hellmut(h) 72 Hilda 72
Helmfrid 38 Hildburg 38
Helmholtz 100 Hüde 34
Helmuot 34 Hildebrand 16, 23, 10G,
Helmut 19, 71 -brant 34
Heneke 102 Hildeburc 34
Henke 127 Hildegard 70, 72
Henks 100 Hildegund 16
Henne 55 Hildelin 29
Hennecke 105, 127 Hildgĕr 18
Hennemann 127 Hildibertu8 34
Hennig 105, 127 Hüdibod 38
Henning 29, 56, 127 Hüdimer 34
Henricus 28 Hilka 74
Hensel 56 Hiltenmann 106
Henze(n) 127 Hütibrant 18
Henzmann 106. 127

26
5
Himmelshulde 62 Horstmann 135
Hinkbein 151 Höser 143
Hinke 127 Hövelmeier 177
Hinnerk 127 Hrabangĕr, -berht, -frid 35
Hinnchsen 98 Hrödwart 38
Hinterweiler 113 Hrosmar 35
Hinze 127 Huber 139
Hippel 126 Hubert 24
Hirsch 151 Hübi 24
Hirt(h) 140 Hübler 143
Hochländer 129 Hüb8chmann 120
Hof acker 136 Hucbertus 25
Hofehen 137 Hucca 40
Hofer 171 Huffener 79, 93
Höfer 137 Hufnagel 146
Hof(f)mann 139, 175 Hufner 139
Hoffmannsen 121 Hüfner 139
Hof(f)meister 115, 144 Hug 22
Höfler 137 Hugberht 21
Hohäusl 137 Hugdietrich 58
Hoheisel 137 Hugo 21, 23, 63, 70
Hohmann 133 Hühnerbein 152
Hohtanz 155 Hulda 63
Holderer 137 Humbert 42
Hölderlin 137 Humperdinck 105
Holt 171 Hundertgulden 154
dont)zhauer 140 Hundertmark 153
Holzapfel 152 Hünichen 95
Holz(mann) 135, 140 Huntemann 111
Holzmayer 174 Hunting 111
Holzträger 172 Hüp 56
Fomut 94 Hursteli 135
Honecker 174 Hüt(h)er 140
Honegger 108 Huttenknecht 145
Hmhaus 137
Honnidt 94 Ida 21, 71
Hoppensack 152 Idenkint 101
Hoppstock 152 Idolino 13
Hornlg(k) 182 Iduberga 21
Hornung 153 Ignaz 170
Horst 71 Igor 45
Horst-Heinrich 66 Ilgenfritz 102
Ilka 72 Jaksche 53
Ilona 72 Jan 54
Ilsabe 91 Jänicke 183
Ilse 72, 91 Janke 183
Ilsebe 91 Janowentz 180
Imfeld 112, Jansen 99
174 Jasomirgott
Imhof 112, 174 148
Imiza 26 Jatzwauk 182
Imke 74 Jeanette 73
Immisch 112 Jenchin 56
Imvichhoff 112 Jenicko 56
Ines 29, 72 Jenni 24
Ines-Andrea Jenny 63
69, 72 Jens 28, 72
Inga 40 Jens-Peter 72
Ingelein 21 Jen(t)sch 126,
Ingensand 112 181
Ir-gram, -bürg, Jerger 127
-frid 36 Jes(ch)ke 45
Ingrid 64, 72 Jeut 50
Ingvarr 46 Jo 169
Irene 68, 72 Joachim 12, 71,
Irma 72 72, 170
Irmgard 72 Jobst 126
Irminfrid, -rieh, Joca 74
-wald 36 Joder 126
Irmmtrud 25, Jodocus 170
36 Johann 66, 70
Isaak 46; 60 Johann Cicero
Isangrim 35 60
Isfndi 80 Johann-
Ismena 74 Friedhelm 70
Johanna 52
Jacob 10 Johanne 70, 71
Jacobus 54 Johannes 24,
Jacoby nne 121 46, 50, 51, 60,
Jugenteuf(f)el 71
157 John 54
Jäger 140 Jopner143
Jahnke 183 Jordan 47
Jakob 50, 51, Jordanus 47
70 Jordildis 47
Jörg(en) 55, 72,
127
Jörgensen 127
Jörger 127
Jork 127
Jörn(s) 127,
168
Josef 10, 70
Joseph 10, 24,
51, 66
Jost 60, 126,
170
Judas 13
Judith 46
Juliane 68
Julie 68, 71 Kaiser 154
Julius 60 Kalb 7, 96,
Jungen 117, 137, 151
176 Kalbsfuß 146
Jungenders 103 Kaldepisse 148
Junghans 102 Kalteisen 146
Junghänel 102 Kaltsmid 141
Jüngling 155 Kaltz 180
Jungmann 120 Kaminski 184
Jungschilling Kammermeiste
102 r 144
Jangschulz 102 Kampmeier
Jungsen 121 177
Junkers 120, Kandel 134
Kanler 141
176
Kännel 134
Jupp 53
Kant 178
Jurak 127
Karen 72
Juras 127
Karin 72
Jurasch 127 Karl 10, 20, 71
Jürgen 55, 70, Karl Alexander
72 66
Jürgs 127 Karl August 66
Jarisch 127 Karlheinz 59
Jurischk 180 Karli 24
Juritz 180 Karlmann 29
Jurkat 127 Karola 72
Jur(r)eit 127 Kar8chin 121
Jüs 56 Karsten 168
Juschka 127 Kasper 13
Juschke 127 Katharina 25,
Justus 60 26, 52, 7?
Jiitta 55 Käthe 54
Jutte 91 Kathinka 64
Jütte(n) 101 Katrin 72
Tütting 179 Kea 74
Jüttmann 179 Katzsche 26
!utz<e) 101 Kaufmann 143
Jütz 101 Kaul 133
J utzi 101 Kegel 155
Kegels 120
Kani 150 Kehrein 57
Kahnt 178 Keller knecht
145 Kep(p)ler 136,
Kemni(c)z 80, 165
107 Kerkhoff 136
Kemnitz 184 Kerler 104
Kemp(f) 144 Kerry-Ursula
Kenel 134 72
Kerstin 68, Klaas 57
72 Klaasen 99
Kertzscher Klai8er 104
178 Klara 71
Ke8selmey Kläre 55
er 114 Kiasen 57
Kessler 146 Klasing 57,
Keyser 78 105
Kiebuth Klaus 54, 57,
181 71
Kielstra Klauser 104
177 Kläuser 104
Kieselack Klebsch 111
14 Klee(mann)
Kilian 50, 152
168, 170 Klees 24
Kilhg 105 Klefisch 111
Killing 105 Klein 96,
Kinast 82 117, 150
Kind 155 Kleinbrötlin
Kippe 133 146
Kipping Kleine 117
133 Kleinen 117,
Kirch 136 120, 176
Kwchfell Kleiner 117
136 Klemhan8
Kirchhof 102
136 Kleinhempel
Kirchoff 102
136 Klemper 142
Kirchmaye Klette 152
r 174 Kliebenschä
Kirschbau del 157
m 152 Klimper 142
Kirstan 109 Klimpfer
Kirsten 69 142
Klingen8m 152
id, (-t) 99, Knochenhau
141 er 140
Klingenthal Knopf smit
133 141
Klingler Knut 64
141 Knutmann
Klingssore 12
53 Koahl 94
Klinkauf Köbes 24,
157 54, 56
Klose 57 Koch 79,
Klug(e) 139
151 Koen 61
Klugemund Kögel 155
e 62 Köhler 13,
Kluger 151 139
Klugmann Kohlhaas(e)
151 152
Kniebusch Kokenbecker
12 140
Knies 182 Kokoth 181
Knie8che Kolaßar 180
182 Kolb 96
Knieschk Kölling 111
94 Kölsch 111
Knoblau(ch Kön 56
) 152 Konen 100
Knobloch
König 154 144
Konrad 23, 43, Kortüm 119
52, 71, 101 Kossag 185
Konrat 42 Kost 126
Koopmann 171 Kostenwein
Kopeke 56 156
Kopeken 105 Koster 171
Kopffier 143 Kot(h)e(n) 136
Komblum 152 Kothmann 136
Körner 15 Kötner 136
Korradi 186 Kotter 136
Korten 120 Kotz 126
Kommeister Kowal 180
Kowalla 185 Küchenmeister
Kowar 182 112, 144
Krabath 129 Kuckuck 152
Kraft 20, 155 Kudrun 34
Krakau 184 Küfer 142
Kramer 93, Kuhefuß 151
143 Ku(h)fahl 182
Krämer 143 Kuhhirt 140
Rratzsch 130, Kuhlenkötter
178 177
Krarzenbauch Kuhlmann 133
149 Kuhlwetter 153
Kraus(e) 150 Kuhn 101
Krawc 182 Kühnel 29
Kres 61 Kulistrunke
Kretsch 184 152
Kretschmaier Kulowacz 181
184 Kün 56
Kretschmann Künecke 105
184 Kuniberht,
Kretschmer -gund 37
172, 183 Kunigunter 99
Kretzschmann Kuno 63
141 Kunst 54
Kretzschmar Kuntze 42
141, 172, 183 Kunz(e) 26,
ř ret'z)schmer 101, 124
141 Künzel 106
Kretzel 96 Kunzmann 106
Kriemhilt 35 Kuoni 23
Krings 170 Kuono 23
Kröger 141, Kuonrät 22,
171, 172 23, 26, 34, 44
Krossen 93 Kuonratel 30
Krotenpful 134 Kupfersmid
Krüger 141, 141
171 Küpper 142
Kru8ing 120 Küppers 115
Kucheler 140 Kurczil 120
Kuchen 147
Kurz 150, K iister 171
161 Kurt 10, 22
Kutz 126 Lasser 143
Kurtzen 120 Lauch(er)
Kurzum 119 135
Küsterer 115 Laue 151
Kuttler 141 Laurentius
Kutzschbach 55
150 Lautenschläg
Kyber 140 er 144
Laux 14
Lachmann Lazarus 46
176 Leberecht
Lachnit 119 62, 98
Lambert(i) Leberwurst
37, 106 146
Lambrecht Lebsanft 156
42 Leckenprei
Lamm 151 156
Lampertz Ledder boge
100 147
Lamprecht(er Ledig 13
) 37, 174 Leffeler 142
Landberht, Lehmann
-bürg 37 139
Landfrid 37 Lehrenkrauß
Landmann 156
140 Leibniz 110,
Lang 117, 184
150 Leichnamsch
Lange 117 neider 143
Langen 117, Leichtfuß
176 150
Langenacht Leidhecker
153 166
Langenickell Leigis 125
102 Leine 135
Langer 7, Leineweber
117, 176 143
Langermaij Leisegang
120 151
Langhoff 137 Leist(n)er
Langobarden 142
189 Leitgeb 141,
Lars 168 172
Leitner 139
Leitzmann
144
Lern 56
Lembelin 78
Lemmerman
n 140
Lempfritz
102
Lene 55
Lenhart 26
Lenz 153
Leonhart 35,
52
Leopold 66
Lerch 152
Leroux 185
Lersenbeeker
140
Leska 182
Lesko 182
Lesser 143
Lette 168
Leue 151
Leutner 139
Leutwein
125
Lex 54
Lexer 104,
174
Lexmaul 156
Liborius 55
Lichtenberge
r 96
Lickefett 156
Lickenmetz 156 Lohmann 135
Liebe(n)wein. 156 Lola 72
Liebig 104 Lorentschk 182
Liebknecht 15 Lorenz 101
Lienert 54 Lörsch 150
Liepan 180 Lorz(er) 104, 150, 174
Lieschen 14 Lortzing 105
Liese 14 Lösser 143
Liesegang 151 Lothar 34, 71, 72
Lieselotte 21 Lötner 146
Liewa, Liewe 181 Louis 63
Liewermann 120 Louise 63
Lilli 68, 72 Löwe 138, 151
Lina 71 Lucas Cranach 95
Lindemann 135 Luchte(rhand) 150
uindenmeyer 114 Lucie 68. 72
Lindgreen 186 Lucinde 63
Lindmayer 174 Luckefett 156
Lindner 135 Lüdeking 105
Lindober 174 Ludeko 28
mk(e) 150 Luden 100
Liobgĕr, -frid, -munt 38 Ludmilla 64
Liobsun 32 Ludolf 68
Lippmann 135 Ludwig 25, 169
Lipps 55 Luise 66, 71
I psius 96 Luitpold 66
Lisette 63 Lukas 48
List 155 Lunkwitz 184
Litzmann 106 Lurz 150
1 uta 40 Lustig 151
Lo 135 Lustinne 62
Loben wein 156 Lutz 25, 101
Lobermeier 111 Lützow 184
Locbmann 134 Lys 61
Loi, Loy 125
Löb 151 Maaßen 99
Loh 135 Machewurst 115
Löh(e) 135 Magdalena 55, 70
Löher 142 Magdalena-Alwine 70
Lohestamper 142 Magdeburger 108
Lohgerber 142 Magnus 80, 117
Löhle 135 Mai, May 153

15 Deutsche Personennamen 275


Maier 9, 95, 139 Mehl 146
Maler 143 Mehlhorn 152f.
Malte 68 Meiche 130
Mammo 21 Meier 9, 103, 139, 175
Menno 40 Meiering 115
Manvirtreib 157 Meinel 178
Marcomanni 189 Meinig 105
Marcus 54 Meise 152
Marethe 91 Meister(8) 115, 144
Margaret(h)e 52, 68, 70, 71 Melisch 180
Margedant 186 Melzer 141
Margret 26 Mende 130
Marhold 62 Menger 143
Maria 60, 65 Menscheit 155
Maria-Anna 70 Menzel 10
Marina 69, 73 Merkel 29
Marion 72 Merker 129
Marlies 73 Merowinger 188
Mar8sche 27 Merten(s) 55, 100
Martha 71 Meschle 171
Martig 174 Messersmit 141
Martin 13, 70 Mes8inksmit 141
Martach 26 Meta 57, 68
Marx 15 54 Mĕtšk 182
März 153 Metza, -e 13, 25 f.
Mäschle 171 Metzger 140
Mästle 171 Metzler 140
Maternus 50 Metzner 140
Mathesius 96 Meuche 130
Matthäus 54 Meurer 143, 171
Matthias 54, 70, 72, 101 Mewes 57
Matthias-Rudolf 70 Mewis 55
Matz 54, 169 Meyer 9
Matzke 13 Meyer-Lübke 90
Mauckisch 92 Meyerink 115
Maud 63 Michael 31, 54, 72
Mauermann 143 Michaela 73
Maul 152 Michel 54, 166
Mäurer 171 Michlig 174
Max 71 Mieri8ch 14
Maximilian 66 Mikusch 57
Mayer 9
Mechthild(e) 13, 25, 43, ”0
22ß
Milchbart 118. 150 Munk 151
Milchsack 147 Münsterinann 111, 176
Milchtasch 147 Munt 118
Mildner 142 Muntfrid, -helm, -rieh 38
Milker 130 Müntzer 15
Miller 171 Mün(t)z(e)meister 80, 144
Minde 130 Muothelm 31
Mittag 153 Murner 130
Mittasch 153 Muting 105
Mittwoch 153 Mutscheller 140
Mitzschke 182 Myrea 74
MöhL nn 176 Myri8ch 14
Möhrcnen 152*
Moldenhauer 142 Nachtlang 153
Molenknecht 138 Nackonza 94
Molhans 103 Nadler 141
Molkenschlauch 147 Nagengast 157
Möller 98, 171 Nanno 21, -a 69
Molly 64 Napoleon 67
Monheubt 89 Nather 143
Monheubtigen 89 Nät(h)er 143
Monika 73 Naue 130
Montag 153 Naumann 171
Moosbauer 114, 174 Nauweg(er) 136
Mordeisenn 146 Neckar 107, 134
Morgenbrot 147 Nefen 120
Morgenstern 138 Neffe 155
Morgenschweiß 153 Negwersmid 142
Mornebesser 119 Neker 134
Morneweg 119 Neldener 142
Moscherosch 186 Nele 55
Moser 171 Nelly 55
Moses 46 Nendel 106
Mucke 182 Nese 61
Mühl 92 Neschen 29
Münlan 182 Nesi 29
Münlbrett 182 Nether 143
Miihlhahn 182 Netzei 106
Muka 1 82 Neubauer 139
Müldf einer 142
Muldenmacher 142
Müleisen 146
Müller 139, 171
Müllner 93
Münchs 120

22
«
7
5'
Neuber(t) 140 Odico 28
Neumann 1 71 Odil 28
Ney 9 Odine 74
Neyginbecher 156 Oertel 106
Nickel 54, 57 Offa 40
Nicoleschko 53 Öhme 155
Niebu(h)r 139 Oige 118
Ni(e)kusch 57 Olaf 72
Niemann 171 Oleg 45
N it t vertrag 157 Olga 45, 64
Ni(e)t(z)sch(e) 26, 57 Oelschlegel 165
Niklas 57 Opitz 126, 127
Nikolaus 48, 50, 51, 70 Orje 169
Nmdel 106 Örtil 106
Nis 168 Ortrun 34, 36
Nltgĕr 34 Ortwin 34, 38
Nitschaa 57 Osterrich 129
Nitz 57 Oswald 36
Nitzold 106 Otburg, -frid 37
Nizo 25 Othello 45
N olden 100 Othona 63
Norbert 31 Ott(e) 23
Northmanni 189 Otteke 28
Noske 183 Ottena 177
Nötz8chelt 106 Otterer 140
Nowak 182 Otto 21, 23, 40, 43, 66,
Nugenkerche 136 71
Nusbaum 135
Nuschke 183 Pabst 154
Nutzmann 151 Pankratius 56
Papen 120
Papst 154
Obenauff 118 Parzival 53
Oberholzer 174 Patzig 14
Oberländer 129 Pauker 144
Oberlindober 174 Paul 70, 71, 101
Obkircher 113 Paul 56
Obser 140 Paulsen 99
Ochs(e) 138, 151 Pech 146
Ochsentreiber 140 Peitzsch 131
Öchsner 140 Pelzer 129
Oculus 118 Pertzeval 53
Pesch 180

22
8
Pestalozz 134 Podbiels 185
i 186 Pflaume ki 184 Purppel
Pestel 56 152 Podeling 150
Peter 71, Pflug 113 105 Purtius
72 Pflüger Pohelma 126
Peterman 10 nn 133 Purzel 7
n 106 Pfote 152 Pola 56 Putzman
Petersen Pfriem Pole 129, 116
99, 177 146 167
Petra 13, Pfund Poltiniak Qua(a)s
72 154 185 151, 178
Wrtis 46, p
fundhell ,Ponnla Queck
50, 51 er 154 56 151
Petz 56 Ffütze Pöpel Quick
Petzold 134 106 151
56, 106, Pfützner Poppo Quinque
178 134 21, 23 154
Petzschig P
hilipp(us Porsch(e) Quintus
k 180 ) 49, 55, 185 32
Peuker(t) 70 Porzig Quirin(us
144 Phyllis 126, 178 ) 50, 170
Pfaffenan 63 Posnansk
gst 166 Piepekor i 184
Pfau 152 n 152 Pött(n)er
Pfefferko Fife)per 172
rn 152 144 Prautzsch
Pfeidler Pia 73 182
173 Pilz 152 Precht
Pfeifer P’rmin 127
144 170 Prell 135
Pf eng Pistoris Prewsse
153 80 95, 129
Pfennig Pitt 54 Pridat
153 Pitz 131 185
Pfennigs Plankenb Pritz(ke)
palter 12 ecker 140 185
Pferdmen Platensle Proger
ges 115 gere 77 108
Pfister Plattner Pröhl 135
173 142 Prünhilt
Pfisterer Plisch 34
115 182 Pudritzki
Pützner Ploen 61 185
Pupka
22
9
Ra(a)b(e) 152 Resch(n)er 143
Rackwitz 184 Reßler 144
Rademaker 172 Reumtopf 156
Radei 172 Rheinländer (in) 108, 16”
Ramona 69. 73 Richartz 100
Rank 150 Richhelm, -burg, -gund,
Rascher 143 -lind, -wald 38
Rätgast 37 Richilin 29
Rätlant 37 Richmuot 19, 38
Rätmunt 38 Richter 139
Räuchert 120 Richtering 115
Rauchfuß 118, 149 Riemer 143
Rauchhaubt 149 Riemschneider 143
Rau(h; 150 Riesen 120
Rauttenstrauch 135 Rigeman 111
Rebekka 60 Rinbald, -bürg, -frid 39
Reb(en)stock 137, 152 Rindfleisch 146
Reber 140 Bipuarii 188
Rebhan 152 Rita-Barbara 70
Reckenbei1 157 Robert 71
Redlich 151
Rodler 143
Redsiob 157
Rohlfs 100
Regen 153
Röhrich(t) 135
Regenars 149
Reginflät 38 Rolf 14, 72
Reginolf 41 Rolfs 100
Regin walh 39 Rolhans 103
Reicher 152 Rolle 148
Reimarvs 96 Rolvinck 106
Reimers 100 Ro(o)s 137
Reimschüssel 156 Rörig 135
Reinbot 36 Rosa 71
Reinhard 72, -t 28, 36 Rosalinde 62
Reinhold 41 Rosamunde 53
Reinicke 105 Roscher 143
Reinke 28, 101 Rosegger 174
Reinmar 16, 36, 44 Rosenkranz 152
Rencker 130 Rösner 144
Renczscn 182 Rößler 144
Renner 144 Rother 130
Rentach 181 Röting 120
Renz 55 Rubinemunde 62
Rudel 28f., 106
Rudi 24 Salzfleisch
Rudolf 23, 163
30, 66 Samuel 46
Rudolf-Kurt Ssnder(s) 55,
70 100
Rüedeger 34, Sandkötter
44 177
Ruhe 162 Sand kühler
Rüheler 133 176
Ruhrmann Sanftine 62
133 Sanftleben
Ruhrmann 156
135 Sarah 60
Rumetrude Sartor 80,
39 143
Rumschüssel Sauer«'bier)
156 171
Rünfnd, Sauer mann
-lind, -trud 155
36 Saufenwein
Runst 134 156
Ruodi 23 Saupe(n) f84
Rüpel 22 Sauter 143,
Ri',pprechter 173
104, 1^4 Savigny 1'85
Ruprecht 42, Schachmann
66, 101 135
Rus 129 Schachner
Rüs 56 135
Russe 129 Schade 151
Ruth 72, 73 Schädel 149
Schädlich
Sachs(e) 129 151, 178
Sachsen 189 Schäfer 139
Sa(c)hso 20, Schäferkord
76 115
Sachtleben Schäffler 142
156 Schaffnit 157
Saladin 53 Schafhirt 140
Saif elder Schaper 171
108 Scharrelman
Salome 60 n 111
Salzach 134 Schai
Schmidt 142
Scheffler 142
Schelm 144
Schenk 141
Scheper 171
Schepper
141
Scherf 78
Scherl 120
Scherz 155
Schetz 180
Scheußlich
150
Schieferdeck
er 143
Schiffer(er)
115, 144,
172
Schiffmann
144
Schieler 150
Schiller 150
Schilling 153
Schinder 144
Schindler
142
Schinebeyn
149
Schinnagel
176
Schippers
115
Schirmer 144
Schirrmeister
140
Schittenhelm
156
Schlachter
140
Schlaf 129
Schlaginhauf
en 157
Schlagzu 157 186
Schlegel 165 Schneiders
Schlemmer 115
151 Schneidewei
Schlesinger n 157
129 Schneidewin
Schließauf d 157
157 Schnell 171
Schlosser Schneilenbol
142 tz 157
Schlösser Schnellenpfe
171 il 116, 157
bchloßherr Schniewind
166 157
Schmaler Schoknecht
181 171
Schmeling Scholte(n)
120 115, 139
Schmid 9, Scholz 139
171 Schomann
Schmidig 171
174 •Schön(e)
Schmidt 9, 150
139, 167, Schonhirsch
171 166
Schmidtbonn Schopenhaue
103 r 142
Schmidtchen Schott 129
115 Schrader 143
Schmiedel Schrape 93
115 Schreck(er)
Schmitthenn 144
er 102, 114 Schreiner
Schmitz 115, 142
176 Schriever
Schnabel 152 179
Schneewind Schröder 143
157 Schröer 143
Schneider Schrötel 115
139, 143, Schroter 80
167 Schröter 115
Schneidereit Schubert 143
Schuchärdt Schweineflei
143 sch 93
Schuchert Schwer 155
143 Schwerzer
Schuh 146 143
Schu(h)mann Scöniburg 38
143 Scönihild 38
Schulte(n) Scultetus 80
139, 176 Seidel 29,
Schulting 125, 166
176 Seidelmann
Schultsch 106
121 Seidenfaden
Schulze 103, 146
139, 167,
175
Schur 24
Schurig 143
Schüstel 115
Schuster 8,
143
Schüßler 142
Schutzmichel
103
Schwabe
129, 173
Schwaben
189
Schwa(h)n
152
Schwalbe
152
Schwanecke
105
Schwär 155
Scbwar(t)z(e
) 117, 150,
171
Schwarzhenn
e 115
Schwarzlose
130
Schwein 96
Seidenheffter 93 Sis 56
Seidenschwanz 152 Sivert 41
Seidenstricker 143 Slvrit 29
Seifert 125, 178 Sizzo 44
Seitz(e) 26, 125 Slavus 80, 129
Selcher 141 Slintenwein 156
Selma(r) 63 Slotterbacke 163
Senckentaler 157 Smalar 180
Senta 68 Smoler 181
Sepp 24 Sneidewint 95
Seppler 104 Snell 171
Seufert 124 Snider 171
Sevenpenning 154 Sommer 153
Sibuko 27 Sommerkorn 152
Sichler 141 Sommerlath 152
Siebenhüner 154 Sommerlatt(e) 152
Sieber(er) 142 Sonnenschein 153
Siegfried 16, 17, 24, 26, 72 Sonntag 153
Si(e)gi 24 Sophie 70, 71
Sieglind 24. 31 Sorgenicht 14 9
Siemens 100 Spaldenwindt 15 7
Siem8sen 99 Spangier 146
Sievers 100 Spannaus 115
Slfnt 34 Sparwaldt 135
Sigebodo 27 Speck 146
Sigeburg 38 Specking 114
Sigefrid 38 Speckmann 176
Sigewald 38 Spe(h)ner 142
Siggo 40 Speicher 172
Sigili(n) 28 f. Spengler 142, 146
Sigismund 66 Sperlich 152, 171
Sigrid 64, 73 Sperling 152
Sigrun 36 Spindler 142
Silberhorn 137 Spitzmüller 114
Siibemagel 146 Spitznagel 146
Silcher 141 Sporer 142
Silchmüller 114 Sporn 146
Silke 72 Springinhafen 156
Silvia 72 Springinsglas 156
Simeier 140 Sprotte 130
S raus 96 Stachies 55
Sinda 40 Stahler 142
Stanek 28 Stanka 28
Stanislav 120
28 Stockmeist
Stark(e) er 144
150 Stoffel 56
Staudenha Stoffregen
yn 131 153
Staud(te) Stolte 151
135 Stolting
Steding 176
110 Stölting
Stefan (- 120
ph-) 10, 72 Stolz(e)
Steffen(s) 151
72, 100 Stör 151
Steffensch Storch 1 52
e 90, 121 Stork 152
Steffi 72 Stötzner
Steger 136 142
Stehr 151 Stövesand
Steiger 136 115
Stein bawr Strasser
114 136
Steinbrinke Straßner
r 176 136
Steingrube Strate(n)
r 174 136
Steinkühler Strat(h)ma
176 nn 136
Stellmache Straube
r 172 150
Steppat Streitwiese
186 r 174
Stetzner Stricker
142 143
Steud°l Stridegerne
135 157
Stiermann Strittmatter
140 136
Stigentäso Ströbel
h 157 150, 178
Stirn 149 Strohebart
Stöberte 150
Stuhldreier Susanning
172 105
Stuhr 151 Susemilch
Sturm 153 163
Stürzenbec Sutter 143
her 156 Sütterlin
Stutz(ner) 115, 143
133, 142 Sväbger 38
Stützner Sv afhere
142 38
Suchentrun Swab 76,
k 156 173
Suchenwirt Swanberht,
h 156 -hant 35
Suchmiche Swanburg,
l 103 -lind 35
Südekum Swart 171
119, 157 Swertfuiwe
Suhr(bier) r 141
171 Switzer
Sülzer 140 129
Sunders 95
Suphan Tagarih 44
184 Talbauer
Sup(p)an 114, .74
184 Tamm 169
Surhebel Tänz(l)er
147 144
Susanne Talmayer
46, 72 174
Täschner Teichmann
142 134
Tatze 152 Teiehner 134
Taube 152 Teil 133
Tauen tzien Tenk 150
184 Tenner 113
Tausendteu Temes 50
fel 119 Tes(ch)ke
Täve 24 182
Tawbentant Tetta 40
z 155 Tetzel 127
Tegebirne Teubnei 140
149 Teuchert 109
Thammo d 157
169 Thusnelda
Thede 127 67
Theinel Tiede 74,
125 127
I heis 54 Tiefenmoser
Thidemann 174
43 Till(e) 29,
Thieden(s) 127
127 Tillich 105
Thieck 127 Tillmann
Thiedge 106, 127
127 Timmerman
ns 171
Thiele 127
Tisch(l)er
Thieleke
142
127
Tittelmann
Thiel(e)ma
127
nn 106, Tittnch 127
127 Tobias 60
Thies 54 Toll 133
Thieß 169 Toni 24
''hiessen 99 Tonne 148
T(h)ilo 30, Töpfer 172
42 Toussaint
Thomas 56, 185
72, 101 Träger 172
Thomasius Traudal 21
96 Traugott 62
Thomel 56, Trebs 128
106 Tresel 128
Thorstein Treumann
36 151
Thudichum Triener 99
119 Triller 144
Thugut 96 Trin(e) 55,
Thumchtgu 61
t 96 Triutili 28
Thurecht Tröger 142
62 Trost 155
Thüringe Trudhelm,
189 hen, -hild 38
T(hhimwal Tuchkauf (f)
143 Tummisheub
Tuch(l)er t 163
143 Tümpel 134
Tuchmache Tumpfeler
r 143 134
Tuchmann Tümppeler
143 134
Tuchscher( Tünnes 54
er) 143 Turkenwald
15 7
Debel 155 Uuelph 40
Ueberall 116 Uuendilger 39
Über kum 52 Uuesant 40
Übermuth 155 Uuini 40
Uhlig 105 Uuirunt 40
Ulbricht 15, 37 Uive 72
Ulf 72
Ullus 74 Valentin(er)
Ulrich 43, 68 101, 174
Unbereit 117 Valeria 73
Unger 96, 129. Valii 72
167 V alten 140
Ungerathen 96 van Bonstede
Ungiaub 155 91
Ung(r)er 173 van der Vechte
Unkhart 44 107
U nno 40 van Kamelen
Uodal, -brecht 91
37 van Nortem 91
Uodalhelm, Vater 155
-hild 37 Veit 72
l odalrich 38 Vemermann
Uolfarda 19 177
Uozo 22 Vera 72
Uptrnoor 112 Vetter 155
Urlaß 136 Vie(h)weg(er)
Urlat(t) 136 136
Urolf 35 Vincenz 54
Ursula 52 Viola 73
Ute, -a 72 Virchow 184
Utz 25 Vissering 115
Uuacco 40 Vitzscher 143
Vlemingh 129
Vogelmann 140
Vogler 140
Vögting 115
Volckmar,
-man, -mail 4
Volker 16, 34,
72
Vollenhals 156
von Arx 107
v on Bernstein
113
von der Planitz
113
von der Sophy
91
Vondrach 112
von Laupen 108
von Miltitz 113
von Rohr 174
von Siebenthal
108 17 4
von Tobel 174
Vorberg(er)
137
Vornadelen 99
Vorst 135
Voß 171
Voßkühler 176
Vricke 42 102
Vrüuff 116

Wacholder 135
Wagmeister
144
Wagner 139,
142, 172
Walahfrid 39
Wslburga *6 Weißgerber 142
Walch 129 Aaißheubt 150
Walde 130 Wengert 140
Waioemar 16 Went 129
Waldfrid, -gĕr, Wenzel 64, 182
-hild 38 Wenzesiaus 49
Waldhauser 57 Werinherus 22
Wally 68 Werneke 28
Walt(h)er 10, Werner 23, 41,
16, 26, 71 68, 71, 104
Walter- Werner-
Gottfried 70 Gottfried 70
W aitraud 21, -t Werni 23
16 Wern(h)er 38
Walz 26 Weser(mann)
Wanczennest 111, 136
149 Westfal 129
Wanda 64, 68 Westphal 129,
Wandalen 188 173
Warinbald, Wetzel 104,
-bürg 38 126
Warinhari 38 Weyneugil 141
Warinher 44 Weyßheyt 150
Warneking 105 Wichart 34
Wartgĕr, -burg Widukind 30
38 Wieoke 74
Wartman 77 Wielant 20
Waterloo 67 Wiener 108,
182
Waurentschk
Wienke 28
182
Wiens 100
Wea 74
Wient 81
Weber 139, 143 Wier8tra 177
Weczil 22 Wiese(r) 104,
Weg(e)ner 142, 136, 174
171 Wiesner 136
Wehlan 181 Wigant 20
Wehnei 171 Wilfried 16
Weingart 140 Wilhelm 19, 22,
Weiskopf 150 44, 66,
Weiß 150 71
Weißbrot 9, Wilhelmi 100
147 Wilke 28, 105
Will(er) 22,
104, 174
Willing 174
Willy 63, 71
Wi(l)m(s) 22,
100
Wilsdorf 130
Winar 182
Windilbern 39
Wineke 28
Wingert 140
Winid 76
Win(i)frid,
-bürg, -gĕr ö8
Winidharius 38
Winirich 38
Wintar 162, -er
153
Winzer 140
Wirnt 35
Wirt(h) 141
Wischmeier 177 Xaver 12, 168, 170
Wisente^ 108
Witcho 28 Ysfnt 80
Witt 171
W ittekind 30 Zacharias 54
Wittich 105 Zacher 54
W ittig 105 Zahn 149
Witting 176 Zänker 151
Wohlfahrt 166 Zartemer 109
Woitke 182 Zcolner 93
Wolf 22, 178 Zcschuczk 183
Wolfa 40 Zcuck 182
Wolfach 130 Zehme 130
Wolfbirht 22 Zehne 154
Wölfchen 21 Zeidler 140
W’olfdietrich 32, 58 Zeisi(n)g 152
W’ölfeli 130 Zeitzsche 94
Wolfen 100 Zeizfrid, -helm, -lint, munt
Wolff 95 38
WTolfgang 22, 52, 71, 72 Zensch 182
Wolfhart 19, 22, 32, 34 Zenz 54
Wrolfgĕr, -berht 34 Zeppelin 67, 184
W’olfhild, -lind 35 Zerreisen 146
W olfi 23, 24 Zetzsche 130
Wolfliob 38 Zeutzsch 183
Wolfram 35, 71 Zickermann 111
Wolfrün 36 Ziegenbein 152
Wolfwin 32 Ziegler 143
W ol’fen) weber 143 Ziller 144
Wollschlegel 165 Zinapis 96
Wollu8tme 62 Zink(e) 133
Wonna 62 Zoff 61
Wulfer(t) 104, 174 Zöff 56
Wulfhilde 63 Zorn 155
Wulficho 27 Zuckenschwert 156
Wunderlich 151, 178 Zumbrunn 174
Wr oppermann 135, 178 Zumbusch 112
W'üst(er) 136 Zumüllner 93
Wzüstling 7, 151 Zwicker 1 30
Wöstmann 136 Zwingli 155
Wuth 155 Zwivil 155
Nachtrag zur 1. Auflage

Der Text der 1 Auflage ist auf Druckfehler und kleinere


Unstimmigkeiten durchgesehen und berichtigt worden
Der folgende Nachtrag enthält einige Ergänzungen und
Berichtigungen, die sich im Text aus drucktechnischen
Gründen nicht mehr unterbringen ließen. (Die betreffenden
Stellen sind im Text durch einen kleinen Kreis am Rani
gekennzeichnet.) Sie gehen zum Teil auf die Anregungen von
Rezensenten und briefliche Mitteilungen kundiger Leser zu-
rück. Besonders danke ich den Herren Prof. Dr. G. Eis Pr'»f
Dr E. A Philippson, Dr. W Laur, W. Maaß Dr. K v Ra
benau und Dr. J. Werner.
Zu S. 35: Die älteste fränkische Form Crĕwhilt des Na
mens KriemhiU läßt sich auf ein burgundisches *Krĕma-hildi
zuruckführen. Die Bedeutung von burgundisch *krĕma
bleibt unklar, jedoch wird Zusammenhang mit altnord. grima
Maste’ von neuerer Forschung nicht mehr angenommen
(G Schramm).
Zu S. 54 L: Im Zusammenhang mit den Kürzungen von
Fremdnamen verweisen wir noch auf Sevenn, Frings und
R-'ngs zu Severinus (Weiterbildung von lat. severus 'strengt
sowie auf Serf und Vasen zum Namen des heiligen Servatius
(‘der Gerettete’).
Zu S. 60: Ein schönes Beispiel für einen antiken Namen
liefert em Dresdener Beleg von 1617: Hannibals de Carthago
Wittił Noch Mitte des 19 Jahrhunderts begegnen in einer
bergischen Familie die Vornamen Orestes, Admet und Nesto..
Zu S. 75!.: Auch innerhalb Europas, in Island, sind die
Familiennamen heute noch nicht allgemein durchgedrungen,
sondern nur teilweise üblich Weithin werden die Kinder
nach dem Rufnamen des Vaters genannt. An der Universität
Reykjavik heißt z. B. ein Professor Gudn* Jonsson, sein Sohn,
ebenfalls Professor, heißt Bjarni Qudnason, d. h. ‘Bjam',
Sohn des Gudri’. Ehepaare haben demzufolge keinen gemein
samen Namen.
Zu 8. 95: Auf einen weiteren Grund, der biß in das 17 Jahr
hundert hinein zur Änderung oder zu einer Variation des
Familiennamens führen konnte ist vor kurzem aufmerksam
gemacht worden (G. Eis). Es handelt sich um Einflüsse der
sogenannten Onomatomantie. Damit wird die Namen
prognose bezeichnet, eine Art Wahrsagerei, die das Schick
sal eines Menschen an den Buchstaben seines Namens ab
zulesen bemüht war. Jeder Buchstabe erhielt eine bestimmte
Zahl; ihre Summe konnte — in Abhängigkeit auch vom
jeweiligen Wochentag — eine mehr oder weniger günstige
Prognose ergeben. Dementsprechend variierte man die Na
mensform etwas, um so die günstigeren Zahlenwerte zu er-
reichen, machte also aus Freidank etwa ein Freidang, Frei-
drang, Freidanck usw.
Zu 8. 98: Der Hinweis, daß der Typ, den ein Name wie
Hinnchsen vertritt, grundsätzlich aus einer genealogischer
Angabe ‘Hinrichs Sohn’ hervorgegangen ist, bedeutet nicht,
daß in jedem entsprechenden Einzelnamen das sen am ein
älteres sohn, son zurückzuführen ist. Namen auf sen wurden
besonders in Schleswig-Holstein ,,Mode“, wobei wahrschein-
lich auch dänischer Einfluß mitgewirkt hat. Zugewanderte
Personen namens Schmidt erscheinen z. B. in Tondem nach
einiger Zeit als Schmidtsen. Dabei ist es unerheblich, ob si<
sich selbst der herrschenden Namenmode angepaßt haben
oder ob die Anfügung des sen auf die Mitmenschen zurück
geht, die solche Namen gewöhnt waren.
Zu 8. 112: Auch außerhalb Nordwestdeutschianus und
der Schweiz begegnen gelegentlich noch Familiennamen mit
erhaltener Präposition, die getrennt und mit klemem An
fangsbuchstaben geschiieben wird: in Freiberg/Sachsen 1964
Ernst auf dem Keller, m Leipzig 1965 Dr L. am Ende und
Hermann auf dem Kampe.
Zu S. 149: Der Name Kaldepmse ist nicht als derbe Spitz
name anzusehen, sondern weist auf em Nierenleiden, das in
mittelalterlichen Arzneibüchern allgemein in dieser durch-
aus ernsthaften Bezeichnung auftaucht.
Zu S. 181 und 183: Für die enge Verflechtung von deut
sehen und slawischen Elementen im Namenschatz ist auch
der Name Link(e) ein Beispiel. Er muß nicht in alien Fällen
mit links Zusammenhängen, sondern Kann mit slawischem
(oder auch niederdeutschem) ^- Suffix (Linek) von Li{e)nhart
gebildet sein.
Neben die verschiedenen slawisierten Formen von Jo-
hannes lassen sich weitere Fremdnamen mit slawischem
Suffix stellen, die heute bei uns als Familiennamen begegnen,
z. 6. Abusch (zu Abraham), Hi(e)lsch, Hielscher zu Hilarius
( heiter, fröhlich’).
Zu S. 186: Der Name von Joh. Mich. Moscherosch ist nicht
wie teilweise angenommen wird, spanischer Herkunft, son
dem es liegt ein hebräisches Mosche Rosch (hebräisch rosch
'Kopf’) zugrunde. Ein solcher Name paßte schlecht für einen
„teutschen Sittenapostel“, so erfand Moscherosch einen ad-
liger Stammbaum spanischer Herkunft.
Hier schließen wir eine knappe Übersicht über die Ent
Wicklung der Familiennamen von Bürgern jüdischer
Herkunft an. Sie waren bekanntlich bis in die Neuzeit
Beschränkungen im öffentlichen Leben unterworfen und
nshmen eine gewisse Sonderstellung ein Im Zusammenhang
damit steht die späte Herausoildung jüdischer Familien*
aamen Nachdem die gesellschaftliche Emanzipation der
Juden eingesetzt hatte, wurden Familiennamen seit dem
Ende des 18. Jahrhunderts durch staatliche Bestimmungen
gefordert : zunächst in Österreich (1787), dann in Freußen
(1812), in Bayern (1813), in Sachsen (1834) u. a. Vorher
mden sich Beinamen, von denen manche auch zu Familien
lamen geworden sind, vor allem in größeren Städten, z. B in
der Schweiz und in Baden 1287 Joseph KaUwassei = 1293
Joseph Judeu8 dictus Kaltwazsir, 1332 Moysse Tannebach.
In den meisten Gegenden entsprechen die von jüdischen
Bürgerrt schließlich angenommenen Familiennamen den
1
vpen, die sich seit Jahrhunderten bei den deutschen Fa
i diennamen herausgebildet hatten. So begegnen vielfach
A nleitungen von Ortsnamen, besonders den Namen größerer
Städte, ahne daß tatsächlich immer die Herkunft damit an-
gegeoen würde: Frankfurter, Hamburger, Straßburger, War
schauer. Auch Berufsnamen sind nicht selten, sie weisen
allerdings wohl nicht in allen Fällen auf den wirklich aus-
geübten Beruf: Bauer, Goldschmidt. Sänger. Entsprechende
1
oemamen sind etwa Ehrlich, Grün, Gutherz, Wohlfahrt,.
Teilweise wurden auch hebräische Namei (Rufnamen) ein
deutschend imgeformt oder übersetzt. Lewi (Levi) erscheint
mit Umstellung als Weil oder auch mit lautlicher Anlehnung
als Löwenthal, Aron als Arnheim, Nathan als Nadenheim
’m Blick auf entsprechende Bibelstellen (l.Mos., Kap *9)
werden Juda als Löwe, Naphthali als Hirsch, Benjamin als
Wolf .eingedeutscht“ Hartmann, Friedemann, Seligmann
sind teilweise Übersetzungen hebräischer Namen, und such
Mendel (vgl. Mendelssohn), Buben Schmule u. a gehen aut
hebräische Namen zurück.
Adler. Drach, Gans, Rothschildt u. ä. haben ihren Ursprung
in Häusemamen des Frankfurter Ghettos. Die deutsche Lite-
ratur des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts liebte Na
men wie Stemheim, Sternberg, Morgenrot u. ä., und unter
diesem Einfluß dürften wohl in dieser Zeit auch jüdische
Familiennamen wie Abendstem. Lilienfein, Rosenzweig, Ru
binstein, Silberstein zustande gekommen sein.
Zu S. 194ff.: Neben dem genannten grundlegenden Werk
von A. Bach verweisen wir auch noch auf E Schwerz
Deutsche Namenforschung. I: Ruf- und Familiennamen
Göttingen 1949.
Ferner nennen wir an Neuerscheinungen:
Rosa Katz, Psychologie des Vornamens, Bem-Stuttgart 1964.
H Kaufmann, Untersuchungen zu altdeutschen Rufnamen,
München 1965; O. Leys, De eigennaam als linguistisch teken
( = Der Eigenname als sprachliches Zeichen) Mededelingen
uitg. door de Vereniging voor Naamkunde t« Leuvei
Bijlage LX, Leuven 1965; Namenforschung. Festschrift 1
Adolf Bach zum 75. Geburtstag Hrsg, von R. Schütz
eichel und M. Zender, Heidelberg 1965 (mit zahlreichen
A ufsätzen auch zur Personennamenforschung); Onomastica
Slavogermanica I. Hrsg. v. B Fischer, Red.: E. Eichler
Abhandlungen der Sachs. Akad. d. Wiss. Phil.-hist. K
Bd. 58, H. 1, Berlin 1965 (darin u. a. R Fischer üoei
deutsch tschechische Beziehungen bei Personennamen und
H. Walther über Bautzener Bürgernamen vom Ende des
14 Jh ); K. Paul, Das kleine Vornamenbuch. Leipzig 196<
T Witkowski, Grundbegriffe der Namenkunde. Deutsch«
Akademie der Wissenschaften, Vorträge und Schnfter
Heft 91, Berlin 1964.
Den auf S. 197f. genannten Zeitschriften ist hiiizuz"
fügen:
Informationen der Leipziger namenkundlichen Arbeits
gruppe an der Karl-Marx-Universität (erscheint seit De
zember 1964 dreimal jährlich)
Vor d r o f S 199 genannten Bibii graphic der Namei
Forschung in de» DDR ist inzwischen die Fortsetzung er-
schienen:
a, Ei nler, K. Hengst, J. Schultheis, Bibliographie der
Namenforschung in der DDR. II. Teil (1963 — 1965^
von der Leipziger namenkundlichen Arbeitsgruppe
Leipzig 1966.