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Kreislauf- und Gefäßsystem

Wandaufbau der Arterien


Tunica interna; wird gebildet aus dem Gefäßendothel und dem darunter liegenden Bindegewebe
Schlüsselrolle beim Stoffaustausch
beteiligt an der Steuerung der Gefäßweite
Einfluss auf die Blutströmung
Tunica media; glatte Muskelzellen und elastische Fasern
Tunica externa; Bindegewebe und elastische Fasern
bei großen Arterien verlaufen in ihr Gefäße und Nerven zur Versorgung des Gefäßes

Windkesselgefäße
Schlagadern in der Nähe des Herzens besitzen einen deutlich höheren Anteil an elastischen Fasern
→ Arterien vom elastischen Typ
sorgen durch ihre Windkesselfunktion für einen kontinuierlichen Blutstrom

Widerstandsgefäße
Arterien in der Körperperipherie besitzen fast nur glatte Muskelzellen
→ Arterien vom muskulären Typ
können durch Kontraktion der Entspannung die Weite ihres Lumens beeinflussen
→ Einfluss auf den Strömungswiderstand und Durchblutung der von ihnen versorgten Organe

Wandaufbau der Venen


niedrigere Druckverhältnisse als in Arterien → dünnere Wand
Schichten entsprechen denen von Arterien
Tunica externa dicker
Tunica media dünner, Muskulatur schwächer
Tunica interna bildet in den kleinen und mittelgroßen Venen Klappen aus
Funktion der Venenklappen und Rückfluss zum Herzen wird unterstützt durch die umgebende Musku-
latur

Einflussfaktoren auf den Blutdruck


Herz-Zeit-Volumen
Blutvolumen
Strömungswiderstand ; • Viskosität des Blutes
• Durchmesser des Gefäßes
• Gesamtquerschnitt des Gefäßabschnittes
• Länge des Gefäßabschnittes
Wärmeproduktion
durch den Stoffwechsel der Organe und durch Muskelarbeit
Körper nimmt Wärme bei hoher Umgebungstemperatur oder bei Strahlung auf

Wärmetransport
Konvetion; Wärmetransport durch ein bewegtes Medium, z.B. durch den Blutstrom
Konduktion; Wärmetransport durch ruhende Stoffe, z.B. Abtransport an die Umgebung durch oberflä-
chennahe Muskulatur
Wärmestrahlung
Wärmeabgabe durch Verdunstung

arterielle Hypertonie
dauerhafte, nicht situationsabhängige Bkutdruckerhöhung >140/90 mmHg
primär; macht den größten Teil der Ursachen aus
genetische Veranlagung + Umweltfaktoren
sekundär; endokrine Hypertonie
renovaskuläre Hypertonie
arzneimittelbedingt
vaskuläre Hypertonie
Hochnormal; bis 140/90
Grad I; <160/100
Grad II; < 180/110
Grad III; > 180/110
Komplikationen; Beschleunigung der Arteriosklerose
häufigeres Auftreten von Bauchaortenaneurysmen
hypertensive Retinopathie
Linksherzhypertrophie
KHK
hypertensive Nephropathie
Schlaganfall

hypertensive Krise
sehr hohe Blutdruckwerte ohne Beschwerden des Patienten
hypertensiver Notfall
krisenhafte Entgleisung des Blutdrucks mit Werten von meist >220/120 und Folgeschäden oder le-
bensbedrohlichen Symptomen
Symptome; Kopfschmerz
verschwommenes Sehen, Schwindel, Übelkeit
Bewusstseinsstörungen, Sprachstörungen, zerebrale Kranpfanfälle
Angina perctoris, Dyspnoe
Komlikationen; Hirnblutung
Herzinfarkt, akute Linksherzinsuffizienz
Dissektion eines Aortenaneurysmas
akutes Nierenversagen

Hypotonie
dauerhafte Blutdruckerniedrigung <100/60 mmHg bei gleichzeitigen Beschwerden durch die Minder-
durchblutung der peripheren Organe
primär; ohne erkennbare Ursache
sekundär; Ausdruck einer Gesamterkrankung wie Herzinsuffizienz
Aortenklappenstenose
Nierenrindeninsuffizienz
Neuropathie
Hypovolämie

Arteriosklerose
Sammelbezeichnung für verschiedene chronische Arterienerkrankungen, die mit einer Verhärtung der
Arterienwand einhergehen
Artherosklerose
Intima der großen Arterien verändert mit der Folge einer Einengung des Gefäßlumens und daraus re-
sultierenden Durchblutungsstörungen
Risikofaktoren; Nikotinabusus
arterielle Hypertonie
Fettstoffwechselstörungen
Diabetes mellitus
familiäre Disposition
Alter, Gechlecht
Übergewicht, Bewegungsmangel
Entstehung; lokale Funktionsstörungen des Endothels führt zu einem Intimaödem und dem Eindringen
bzw. Anlagern von Blutzellen und Lipiden
chronische Gefäßwandentzündung und Proliferation von Gefäßwanmuskelzellen unter die
Intima
Ausbildung einer Fibrose mit fibrösen arteriosklerotischen Plaques, Nekrosen und Verkal-
kungen
bei Einreißen der Plaques lagern sich Thromben an, die das Gefäß komplett verschließen
oder eine Embolie der nachgeschalteten Arterien auslösen können
Folgen; Durchblutungsstörungen bis Gewebsuntergang in den nachgeschalteten Organen
periphere arterielle Verschlusskrankheit der Leisten- und Beinarterien
akute arterielle Verschlüsse von Bauch-, Leisten- und Beinarterien
Insuffizienz der Eingeweidearterien
arteriosklerotische Aneurysmen, besonders an der Aorta
zerebrovaskuläre Insuffuzienz, Schlaganfall, Multiinfarkt-Demenz
kroronare Herzkrankheit

periphere arterielle Verschlusskrankheit


chronische Verengungen und Verschlüsse der Extremitätenarterien mit daraus resultierenden Durch-
blutungsstörungen, meist in den unteren Extremitäten
Entstehung; fast immer Folge einer Arteriosklerose
Symptome; untere Extremitäten: Claudicatio Intermittens
belastungsabhängige Beinschwäche
Kältegefühl
Gefühlsstörungen
livide Verfärbung
dauerhafter Ruheschmerz
Ödeme, Nekrosen, Ulzera
Einteilung nach Fontaine: I: ∅ Beschwerden, aber nachweisbare Veränderungen
IIa: schmerzfreie Gehstrecke >200m
IIb: schmerzfreie Gehstrecke <200m
III: Ruheschmerz in Horizontallage
IV: Ruheschmerz, Ulkus bzw. Gangrän/Nekrose
obere Extremität: periperer Typ: kalte Finger
Hauteinrisse
Nekrosen der Fingerkuppen
Schultertyp: schnellere Ermüdbarkeit
abgeschwächter/ fehlender Puls des betroffenen Armes
Blutdruckdifferenz >30 mmHm
Einteilung; Lokalisation: • Beckentyp
• Oberschenkeltyp
• Unterschenkeltyp
Etagen- und Mehretagenerkrankung
Behandlung; konservativ: Thrombozytenaggregationshemmer
Gehtraining
vasoaktive Medikamente
rekanalisierend: perkutane transluminale Angioplastie
lokale Thrombolyse
Thrombendarteriektomie
Bypass-Operation
akuter arterieller Verschluss
durch plötzliche Verlegung einer Arterie bedingter Durchblutungsstopp mit akuter Gefährdung der ab-
hängigen Organe bzw. Gewebe
Entstehung; meist auf eine Embolie zurückzuführen, z.B. bei Vorhofflimmern
Ursprungsort können ebenso vorgeschaltete arteriosklerotische Gefäße sein
selten ist die Ursache direkt eine schwere Arteriosklerose
Symptome; „6-mal P“: • Pain (plötzlich einsetzender, stärkster Schmerz)
• Paleness (Blässe des betroffenen Körperteils)
• Paraesthesia (Gefühlsstörungen)
• Pulslessness (Pulslosigkeit)
• Paralysis (Bewegungseinschränkungen oder -unfähigkeit)
• Prostation (Schock)
beim thrombotischen Verschluss langsamere Entwicklung der Symptome
Behandlung; Heparinisierung
Analgesie
Durchblutung muss innerhalb weniger Stunden wieder hergestellt werden
→ Lyse, Emolektomie, TEA, Bypass

Mesenerialinfarkt
trombotischer oder embolischer Verschluss einer Mesenterialarterie mit nachvfolgender Durchblu-
tungsstörung des Darms
Symptome; starke Bauchschmerzen
Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
Kreislaufreaktionen bis zum Schock
Besserung der Symptome nach 4-12 Stunden, danach Entstehung eines paralytischen
Ileus und Peritonitis
Behandlung; chirurgische Entfernung des Gerinnsels
bei Nekrosen Darmteilresektion

Raynaud-Syndrom
anfallsweise Minderdurchblutung der Finger, selten auch der Zehen
Finger werden durch de Ischämie blass und kalt, dann zyanotisch und schließlich folgt eine Rötung
durch eine reaktive Mehrdurchblutung
primär; ∅ organische Ursache für die vorübergehenden Spasmen der Gefäße feststellbar
sekundär; tritt im Rahmen bestimmter Grunderkrankungen auf oder als Nebenwirkung von Medis
oft entwickeln sich Nekrosen, da de Anfälle stärker sind und länger andauern
Therapie; Meiden von Kälte
Nikotinkarenz
medikamentös
Aneurysmen
umschriebene Arterienausweitung, zurückzuführen auf angeborene oder erworbene Gefäßveranderun-
gen
Einteilung; Aneurysma verum: alle drei Schichten der Gefäßwand ausgesackt
Aneurysma spurium: nach Gefäßverletzung bildet sich ein Hämatom um das Gefäß herum,
dieses wird narbig umgebaut und bildet die Aneurysmawand
Aneurysma dissecans: Blut strömt zwischen Intima und Media hindurch
Komplikationen; Ruptur
Größenzunahme mit Verdrängung benachbarter Strukturen
Thrombose
arterielle Embolie

Varikosis
ausgedehnte Varizen der Beine
primär; idiopathische Varikosis
Venenwandschwäche oder Klappeninsuffizienz für die Venenerweiterung zuständig
sekundär; Folge einer anderen Venenerkrankung, die zu einer Abflussbehinderung im tiefen Venen-
system oder Zerstörung der Venenklappen führt
Einteilung; Stammvarizen
Seitenastvarizen
Perforansvarizen
retikuläre Varizen
Besenreiservarizen
Symptome; Schwellneigung
Schwere und Spannungsgefühl der Beine
nächtliche Muskelkrämpfe
Komplikationen; trophische Hautveränderungen
Thrombephlebitis
Blutungen aus geplatzten Varizen
tiefe Beinvenenthrombosen bei ausgeprägter Stammvarikosis
Behandlung; Kompressionsverbände, medizinische Kompressionsstrümpfe
medikamentös
Sklerosierung
operative Entfernung variköser Venen(anteile)

Thrombophlebitis
Entzündung und Thrombose einer oberflächlichen Vene
Entstehung; abakteriell, z.B. aufgrund einer Gefäßwandschädigung und Reizung durch den Thrombus,
durch venenreizende Arzneimittel
bakteriell, z.B. durch venöse Katheter oder unsteriles Injektionsbesteck
Symptome; derber, druckschmerzhafter (Venen)Strang
evtl. lokale Schwellung
Rötung, Überwärmung

Thrombose
lokale intravasale Gerinnung mit nachfolgendem teilweisem oder vollständigem Verschluss der betrof-
fenen Gefäße
Phlebothrombose
Verschluss einer tiefen Vene durch eine Thrombose
Entstehung; Virchow-Trias: • Veränderung der Blutströmung
• Gefäßwandschädigung
• veränderte Blutzusammensetzung mit Hyperkoagulabilität
Risikofaktoren; Alter
starkes Übergewicht
Bettlägerigkeit
Herzinsuffizienz
maligne Tumoren
Thrombose in der Vorgeschichte oder erhöhte Gerinnungsneigung
Symptome; Schwere- und Spannungsgefühl
Beinschwellung mit Fußsohlen- oder Wadenschmerzen beim Laufen
starke lokale Beschwerden
bläulich-rote, warme, glänzende Haut
Schmerzen beim Beeklopfen der Wade, Dorsalflexion und Druck auf die Fußsohle
allgemeines Unwohlsein, mäßiges Fieber
schwerster Verlauf: Phlegmasia cerula dolens
→ vollständige Verlegung der venösen Strombahn, daraus resultieren
schwere Durchblutungsstörungen
Komplikationen; Lungenembolie
chronisch-venöse Insuffizienz
Rezidive
Behandlung; Hepariniserung, orale Antikoagulation
Kompressionstherapie
Thromboseprophylaxe: •(Früh-)Mobilisation
• Hochlagerung der Beine
• Ausstreichen der Venen
• Venenkompression durch medizinische Prophylaxestrümpfe und
Kompressionsverbände
• rückstromfördernde Gymnastik
• Heparinisierung
chronisch-venöse Insuffizienz
typische Kombination von Venen- und/oder Hautveränderungen bei länger bestehender primärer oder
sekundärer Varikosis oder angeborenen Fehlbildungen der Venen(-klappen)
ist die CVI Folge einer Thrombose der tiefen Bein- oder Beckenvenen, spricht man auch von einem
postthrombotischen Syndrom
Entstehung; ausgehend von schwerer primärer Varikosis oder Phlebothrombose
Blut staut sich, intravenöser Druck steigt
Ödemneigung, Sklerosierung der Haut und Unterhaut, Anfälligkeit gegenüber Keimen,
Heilung nur sehr schlecht
Symptome; Schweregefühl, Schwellneigung, Beinschmerzen
Venenerweiterungen an Knöchel und Fußrand, Varizen, Ulcus cruris
Ödeme
Pigmentstörungen der Haut
Entzündungen, Narben
Komplikationen; Ulcus cruris
Erysipel
Einsteifung des Sprunggelenks
Behandlung; Behandlung der Grunderkrankung
Kompressionstherapie

Ulcus cruris
oft tiefer Substanzdefekt in vorgeschädigter Haut an Unterschenkel oder Fuß
Gefäßerkrankungen führen über einen herabgesetzten Zellstoffwechsel zu trophischen Störungen in
den betroffenen Körperabschnitten bis zu Zellnekrosen
Ulcus cruris venosum Ulcus cruris arteriosum

Häufigkeit 70% aller Ulzera 10% aller Ulcera

Hauptursachen Chronisch-venöse Insuffizienz PAVK, ischämischer Fuß bei


diabetischem Fußsyndrom

Entstehung Gestörte Mikrozirkulation durch erhöhten Gestörte Mikrozirkulation durch


hydrostatischen Druck Minderdurchblutung

Klinisches Bild • lokalisiert v.a. Oberhab des • lokalisiert v.a. An Fersen, Zehen,
Innenknöchels, evtl. um den gesamten Außenknöchel, vorderem Unterschenkel
Unterschenkelumfang • tiefes, schmerzhaftes Ulcus, scharf
• flächiges, eher wenig schmerzhaftes begrenzte Wundränder, oft
Ulcus, oft mit verhärteten Wundrändern Wundrandnekrosen
•bläulich-livide Haut, meist weitere • kühle Haut, oft verminderte Behaarung
Zeichen einer Varikosis oder chronisch- • Fußpulse nicht tastbar
venösen Insuffizienz
Diagnostik Anamnese, Befund, Farb-Duplex-Sonographie, Dopplerdruckmessung, MR-
Angiographie, Arterio-/Phlebographie, Röntgen (Knochenbeteiligung?)

Therapie Behandlung der Grunderkrankung, z.B. Varizensanierung, Kompression,


Durchblutungsverbesserung, Wundversorgung, ggf. Schmerztherapie

Lymphangitis
Entzündung der Lymphgefäße
Lymphadenitis
Entzündung der Lymphknoten
Entstehung; ausgeprägte lokale Entzündungen in den vorgeschalteten Körperregionen
systemische Infektionen können eine generalisierte Lymphknotenbeteiligung hervorrufen
Symptome; rote Streifen im Verlauf der Lymphbahnen, die sich zum Körperstamm hin ausbreiten,
warm anfühlen und druckschmerzhaft sind
entzündete Lymphknoten sind vergrößert und ebenfalls druckschmerzhaft
Fieber, beeinträchtigtes Allgemeinempfinden bei ausgeprägten Entzündungen
Prognose; mit Abklingen der Entzündung geht die Mitbeteiligung der Lymphknoten und -gefäße wie-
der zurück
wiederholte Lymphgefäßentzündungen können zu einem Lymphödem führen

Lymphödem
chronisches Ödem infolge einer Beeinträchtigung des Lymphabflusses
Entstehung; primär: angeboren
Minderentwicklung der Lymphgefäße
sekundär: ärztliche Maßnahmen (Bestrahlung, Lymphknotenentfernung)
Entzündungen
Tumoren
ausgeprägte chronisch-venöse Insuffizienz
Symptome; zunehmende Schwellung
Spannungs- und Schweregefühl
Brennen und Bewegungseinschränkung in den betroffenen Extremitäten
Lymphödem typischerweise blass, teigig und schmerzlos
Elephantiasis: schwerste Fälle mit unförmiger Schwellung der gestauten Körperregion
Behandlung; Behandlung der Grunderkrankung
Operation
konservativ: manuelle Lymphdrainage
Kompression
Bewegungstherapie
Hautpflege
angemessene Kleidung und Körperhaltung