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26  ALS AU-PAIR IN DEUTSCHLAND

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4 /   2018
019

„Es gibt Familien,


die nicht so einfach sind“
Sie lernen das deutsche Familienleben so gut kennen wie fast keine anderen Ausländer:
Au-pairs. Aber wie finden sie den Alltag bei ihren Gastgebern?
Von Guillaume Horst; Fotos: Saskia Nathalie Betz
Fotos: xxxx

LEICHT
Deutsch perfekt 4 / 2 019 ALS AU-PAIR IN DEUTSCHLAND  27

e Ximena Maldonado und Hugo

Z
Bertrand beim Treffen in München.

der G„stgeber, -  ¡cht 


wei Au-pairs treffen sich in Maldonado: Ich merke auch, dass mein , hier: Familie: Sie hat für , m wirklich
einem Café in München. Deutsch in drei Monaten wirklich besser eine Zeit ein Au-pair.
auf die Idee k¶mmen 
Hugo Bertrand (23) kommt geworden ist. verb¡ssern  ,  ≈ die Idee bekommen
aus Nancy in Frankreich Wie sind Sie auf die Idee gekommen, als Au- ,  besser machen
erleben 
und arbeitet seit vier Mo- pairs zu arbeiten? das Niveau, -s franz.  , hier: ≈ als Erfahrung
, hier: ≈ Qualität von machen
naten bei einer Familie im Maldonado: Ich habe in einer Zeitung
Sprachkenntnissen
Osten von München. Die Heimat von Ximena in Kolumbien eine Anzeige gelesen: überlegt 
]s geht ¢m …  ,  Part. II von: überlegen
Maldonado (24) ist Bogotá, die Hauptstadt „Möchtest du in ein anderes Land reisen, , hier: Das Ziel ist … = lange denken, wie man
Kolumbiens. Aktuell kümmert sie sich um zwei Erfahrungen sammeln und neue Sachen etwas machen kann
ein M“ttel z¢m Zw¡ck sein 
Kinder in einem Dorf im Süden von München. erleben? Dann werde Au-pair!“ Ich habe ,  ≈ eine Methode oder bezahlt bek¶mmen 
mir gedacht: Das ist für mich interessant. Sache sein, um ein Ziel zu ,  ≈ kostenlos haben
erreichen
Warum wird man Au-pair in Deutschland? Eine Woche lang habe ich überlegt, dann die Agentur, -en 
Bertrand: Ich bin Au-pair, um mein war mir klar: Das mache ich! (das Ziel, -e  , hier: Firma: Sie hilft
, hier: Resultat: Das will Au-pairs, eine Familie zu
Deutsch zu verbessern. Ich brauche das Bertrand: Ein Freund von mir war in man erreichen.) finden.
C1-Niveau, um hier zu studieren. Ich Amerika Au-pair. Ich habe ein bisschen
n“cht brauchen zu  st„rk 
möchte in Deutschland ein Physiothe- mit ihm gesprochen. Mir war schnell , hier: nicht müssen , hier: so, dass man alles
rapie-Studium beginnen. Da war es eine klar, dass ich das mache. Man zahlt keine die Möglichkeit, -en 
selbst entscheiden möchte;
auch: speziell
einfache Lösung, hier Au-pair zu werden. Miete, bekommt das Essen bezahlt und , hier: Sache: Man kann
Maldonado: Ich möchte auch Deutsch hat sofort Kontakt zu Deutschen – das sie machen; Option (entscheiden 
, hier: wählen, was man
lernen. Und … ja, das war’s ist doch ideal. die Voraussetzung, -en 
machen will)
, hier: Können und
eigentlich (lacht). Wie haben Sie Ihre Familien
Bertrand: Deutschlernen
„Mein gefunden?
Wissen: Man braucht es, um die Persönlichkeit, -en 
studieren zu können. ,  ≈ alle Charakteristika
ist das Ziel! Deutsch Maldonado: Ich habe mich bevor 
von einer Person
Es geht also nicht darum, Au- ist besser bei einer Agentur bewor- ,  in der Zeit vorher schwierig 
, L leicht
pair zu sein? ben. Und zwei Wochen spä-
Bertrand: Nein, das ist mehr
geworden.“ ter hatte ich eine Familie.
das Abitur, -s 
,  Prüfung am Ende vom hören auf … 
ein Mittel zum Zweck. Ich Hugo Bertrand Bertrand: Ich habe sie Gymnasium , hier: akzeptieren und
tun, was … will
brauche nicht Au-pair zu online auf AuPairWorld m„chen 
,  gemeint ist hier: lernen … ausnutzen 
sein. Aber es ist eine gute Möglichkeit, gefunden. Es ist eine coole Familie: zwei ,  ≈ … benutzen, um selbst
um Deutsch zu üben. Mütter mit einem Sohn. Sie wollten das Beste von einer Sache
Maldonado: Ja, für mich ist das auch so. speziell einen Mann. Es gibt nämlich zu bekommen
Bertrand: Warum lernst du denn keinen im Haus.
Deutsch? Frau Maldonado, um wie viele Kinder
Maldonado: Ich möchte in Kolumbien kümmern Sie sich?
moderne Sprachen studieren. Als Vor- Maldonado: Um einen Jungen – er
aussetzung muss ich Englisch, Deutsch ist ein Jahr alt – und um ein dreijähri-
und Französisch können. ges Mädchen. Das Mädchen hat eine
Bertrand: Du sprichst Französisch? starke Persönlichkeit. Am Anfang war es
Maldonado: Nein, noch nicht! Das schwierig mit ihr. Aber jetzt ist es kein
kommt erst später. Problem mehr.
Haben Sie schon Deutsch gesprochen, bevor Bertrand: Wie lange hat es gedauert, bis
Sie nach Deutschland gekommen sind? es dich akzeptiert hat?
Maldonado: Nicht wirklich. Ich habe Maldonado: Circa zwei Monate.
einen Basis-Deutschkurs in Kolumbien Bertrand: Ich habe Glück: Ich habe kein
gemacht. Aber hier habe ich zum ersten Problem mit Autorität. Das Kind hört
Mal wirklich gesprochen. manchmal mehr auf mich als auf seine
Bertrand: Ich habe vorher schon ein Mütter.
bisschen was in der Schule gelernt. Aber Weil Sie ein Mann sind?
das war nicht so gut. Nach dem Abitur Bertrand: Vielleicht ja. Aber genau weiß
habe ich fünf Jahre lang kein Deutsch ge- ich es nicht. Auf jeden Fall nutzt seine
macht. Und dann war ich echt schlecht. Mutter manchmal meine Autorität aus.
Jetzt mache ich seit vier Monaten einen Sie sagt dann: „Sag ihm mal, dass er ins
Sprachkurs und habe sehr viel gelernt. Bett gehen soll!“ (lacht).
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str¡ng  m“t den Sch¢ltern z¢cken 


,  ≈ autoritär ,  eine Geste mit beiden
Körperteilen zwischen Hals
Zeit verbr“ngen m“t 
und Arm machen und so
,  zusammen sein mit
zeigen: Das weiß ich nicht. /
berufstätig  Das ist mir egal.
, hier: arbeitslos
einfach 
L

tagsüber  , hier: ≈ ohne darüber


,  am Tag nachzudenken
unterwegs  (nachdenken 
, hier: nicht zu Hause ,  ≈ intensiv denken)

hinzukommen  … s“ch vorgestellt h„tten 


,  auch noch kommen , Plusquamperfekt von:
sich vorstellen = hier: eine
„nnehmen  Idee haben, wie … sein
, akzeptieren könnte
die W“ndel, -n  normalerweise 
,  Hose aus Plastik oder ,  ≈ meistens: Das ist
Stoff: Babys tragen sie, normal.
wenn sie noch nicht selbst
zur Toilette gehen können gegen 
Maldonado: Bei mir ist das anders. Ich Ist die Arbeit sonst so, wie Sie sie sich , hier: circa um
(z. B. Pampers).
bin für die Kinder mehr ein Freund. Nur vorgestellt hatten?
das Flæschchen, -  staubsaugen 
mit dem Mädchen muss ich manchmal Bertrand: Ich habe sie mir komplizierter , hier: kleine Milchflasche ,  mit einem elektrischen
strenger sein. Aber meistens spiele ich vorgestellt. Die Aufgaben im Haus und Gerät z. B. Teppich und
nur mit ihr. sich um ein Kind zu kümmern – das Parkett reinigen

Sind die Eltern auch Freunde für Sie? ist einfacher als gedacht. Ich habe auch ver„nstalten 
, hier: machen
Bertrand: Nein. Das sind die Mütter. Ich geglaubt, dass ich mehr Zeit mit dem
mache mit ihnen, was ich machen muss. Kind habe. Es sind aber nur zwei oder
Aber nicht mehr. drei Stunden pro Tag.
Maldonado: Wenn ich mit der Arbeit Maldonado: Du arbeitest nur zwei oder
fertig bin, fragen sie mich manchmal, ob drei Stunden pro Tag?
ich mit ihnen zu Abend essen will. Dann Bertrand: Nein, so viel Zeit verbringe
spreche ich ein bisschen mit ihnen. Aber ich mit dem Jungen. Er ist normalerwei-
ich verbringe viel mehr Zeit mit den se bis 16 Uhr in der Schule und gegen
Kindern als mit den Eltern. 18 Uhr kommen dann seine Eltern heim.
Sind beide Eltern berufstätig? Dazwischen sind wir zusammen.
Bertrand: Ja. Maldonado: Ach so! Musst du dann
Maldonado: Die Mutter arbeitet nicht. aufräumen und kochen?
Aber sie hat trotzdem tagsüber viel zu Bertrand: Ja. Ich koche nicht so viel.
tun und ist viel unterwegs. Dann küm- Aber aufräumen und staubsaugen –
mere ich mich um die Kinder. Und ab das mache ich. Wie ist es bei dir?
Mai kommt noch ein drittes Kind hinzu, Maldonado: Ich muss nur aufräumen,
denn sie ist schwanger. wenn die Kinder spielen und ein Chaos
Wussten Sie das, als Sie den Job bei der in ihrem Zimmer veranstalten. Dann
Familie angenommen haben?
Maldonado: Nein, erst als ich hier ange-
kommen bin, hat sie mir gesagt: „Ach ja,
ich bin schwanger!“
Werden Sie sich auch um das Baby kümmern
– Windeln wechseln und Fläschchen geben?
Maldonado: Das mache ich schon mit
dem Jungen. Das ist kein Problem.
Bertrand: Macht dir das Spaß?
(Maldonado zuckt mit den Schultern und
lacht.)
Bertrand: Du machst es einfach?
Maldonado: Genau (lacht).
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zubereiten  die Erziehung 


Bertrand: Ach, sie ist eine kleine Prin- , kochen ,  ≈ Pädagogik
zessin!
“nsgesamt  schlagen 
Maldonado: Ja. Wenn sie so ist, ignorie- ,  alles zusammen , hier: mit der Hand oder
re ich sie und spiele mit dem Kleinen. einer Sache einem anderen
f¡st 
wehtun
Oder ich umarme und tröste sie, wenn , hier: genau vereinbart
ich merke, dass es sein muss. Aber insge- h„lt 
der St¢ndenplan, ¿e 
,  Es ist so. Man kann es
samt ist meine Familie sehr nett. , hier: Plan: Darin stehen
nicht ändern.
die Arbeitszeiten.
Bertrand: Damit hatten wir aber Glück.
brav 
Manche Familien sind nämlich nicht ausgehen 
,  gut; lieb
, hier: z. B. abends mit
so einfach. Ich kenne Au-pairs, deren Freunden in eine Kneipe r“chtig 
Familien sehr komisch und streng sind. gehen , hier: ≈ normal
Das ist dann echt schwierig für diese Au- die G„stfamilie, -n  das Gefühl haben 
mache ich das sauber. Aber sonst muss pairs. Es ist also sehr wichtig, eine gute , hier: Familie: Sie hat für , fühlen
eine Zeit ein Au-pair.
ich im Haus nicht putzen. Familie zu bekommen. die Mahlzeit, -en 
Was sind sonst Ihre Aufgaben? Sind deutsche Familien anders als Familien „nstrengend  , hier: Essen
, hier: ≈ schwierig
Maldonado: Mit den Kindern spielen. in Ihren Heimatländern? gener¡ll 
stur  , hier: ≈ im Ganzen;
Und ich gehe auch mit ihnen spazieren. Bertrand: Ja, alles ist anders!
, hier: ≈ so, dass man nur prinzipiell
Manchmal muss ich auch das Mittages- Maldonado: Alles! (beide lachen) macht, was man selbst
¶ffen 
sen zubereiten – aber nur drei, vier Mal Zum Beispiel? machen will
, hier: so, dass neue
pro Monat. Das ist nicht viel. Maldonado: Die Erziehung um„rmen  Menschen willkommen sind
Bertrand: Du musst also der Kinder. In Deutschland ,  die Arme legen um

nicht im Haus putzen und


„Alles ist ist es verboten, Kinder zu trösten 
sogar 
,  ≈ auch

sauber machen? Okay, das anders!“ schlagen. Als die Familie mir , hier: versuchen, einen
traurigen Menschen mit
den Eindruck haben 
ist cool für dich. das gesagt hat, war ich sehr ,  ≈ glauben; meinen
Hugo Bertrand Worten wieder fröhlich zu
Wie viele Stunden pro Woche überrascht. In Kolumbien machen
arbeiten Sie insgesamt? ist das nämlich ganz normal.
Bertrand: Genau weiß ich
„Alles!“ Man schlägt nicht viel, aber
das nicht. Ich habe nämlich Ximena Maldonado halt ein bisschen, wenn sie
keinen festen Stundenplan. nicht brav sind. Jetzt mache
Hast du einen? ich das natürlich nie mehr.
Maldonado: Ja. Ich arbeite Montag Bertrand: Ganz anders ist auch das
bis Donnerstag fünf Stunden pro Tag, Essen, finde ich. Es gibt hier kein
Freitag drei Stunden und am Samstag- richtiges Mittagessen. Wir essen mit
morgen zwei Stunden. meiner Familie in Frankreich immer
Bertrand: Das ist praktisch, dass du das alle zusammen zu Mittag – das ist ganz
so genau weißt. Für mich ist es kompli- wichtig. Aber ich habe das Gefühl, dass
ziert, meine Freizeit zu organisieren. Die die Deutschen einfach den ganzen Tag
Mütter sagen mir immer Tag für Tag, lang essen und es keine feste Mahlzeit
was ich machen muss. Dann will ich viel- zu Mittag gibt. Das ist sehr komisch.
leicht ausgehen. Aber sie sagen mir, dass Ist Deutschland generell anders?
es nicht geht. Ich kann schlecht planen. Bertrand: Ich denke, dass die Leute of-
Haben Sie beide ein eigenes Zimmer? fener und sozialer sind als in Frankreich.
Maldonado: Ja, ich habe ein Zimmer Es gibt aber auch mehr Regeln. Und man
und ein Bad. muss immer pünktlich sein.
Bertrand: Du hast ein eigenes Bad? Das Maldonado: Das Wetter ist ganz anders!
habe ich nicht. Aber das ist okay so. In Kolumbien ist es immer warm. Aber
Fühlen Sie sich gut in Ihre Gastfamilien hier habe ich zum ersten Mal einen rich-
integriert? tigen Winter erlebt. Das war ein kleiner
Bertrand: Ja, ich denke schon. Schock. Es ist hier wirklich sehr kalt.
Maldonado: Ich liebe den kleinen Jun- Bertrand: Das stimmt. Sogar ich habe
gen. Nur das Mädchen ist manchmal ein den Eindruck, dass es hier sehr kalt ist.
bisschen anstrengend. Oft weint sie und Trotz des Wetters sind 8,4 Prozent der Au-
ist sehr stur. pairs in Deutschland Kolumbianer. Nur aus
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die Zukunft  die S“cherheit 


Aber ich liebe Kolumbien und weiß: Ich , hier: Leben in der , von: sicher
möchte auf jeden Fall zurückkehren. nächsten Zeit
“n ihr Haus l„ssen 
Bertrand: Es ist super hier. Aber es ist zur•ckkehren  , hier: erlauben, in ihrem
ja nicht nur in Deutschland super. Mir , zurückkommen; Haus zu wohnen
zurückgehen
macht es Spaß, eine andere Sprache zu einstellen 
lernen und ein neues Land zu besuchen eher  , hier: eine Arbeitsstelle
, hier: ≈ meistens geben
– aber das geht natürlich auch in einem
entschieden  inzw“schen 
anderen Land als Deutschland.
,  Part. II von: ent- , hier: jetzt
Herr Bertrand, Au-pair ist ein Job, den scheiden = hier: hier: aus
überhaupt 
eher wenige Männer machen. Müssen Sie verschiedenen Dingen
, hier: ≈ wirklich
wählen
manchmal erklären, warum Sie sich dafür
zwei Ländern kommen mehr hierher. Haben entschieden haben?
Sie dafür eine Erklärung, Frau Maldonado? Bertrand: Nein, weil ich Deutsch lernen
Maldonado: Vielleicht suchen sie hier muss. Das verstehen alle.
eine bessere Zukunft. Das Leben ist in Warum gibt es Ihrer Meinung nach so
Deutschland ein bisschen besser als wenige männliche Au-pairs?
in Kolumbien. Aber eigentlich kenne Bertrand: Vielleicht wegen der Sicher-
ich mehr Kolumbianer, die in die USA heit der Kinder. Manche Familien haben
möchten. Deshalb überrascht mich diese Angst, einen Mann in ihr Haus zu lassen.
Statistik. Sie denken: Es ist sicherer, eine Frau
Sind Sie denn froh, dass Sie nach einzustellen. Und Frauen kümmern
Deutschland gekommen sind? sich auch mehr um Kinder als Männer.
Maldonado: Für mich war Deutsch- Deshalb haben viele das Gefühl, dass
land nicht das Idealziel. Ich muss halt weibliche Au-pairs normaler sind. Aber
Deutsch lernen. Ich finde das Land ich habe inzwischen Freunde, die auch
schön und freue mich, dass ich hier bin. Au-pairs sind. Das ist überhaupt kein

Als Au-pair in die deutschsprachigen Länder


13 400 Au-pairs haben 2017 in Deutschland gelebt. Gegenüber dem Jahr 2012 ist
gegenüber  zusätzlich 
das ein Plus von fast 60 Prozent. Das zeigt: Immer mehr junge Menschen möch- ,  im Vergleich mit , hier: extra
ten gerne in Deutschland arbeiten.
Dam“t das möglich “st …  das T„schengeld, -er 
Damit das möglich ist, müssen sich die Gastfamilien aber an ein paar Normen ,  So, dass das möglich ist … , hier: Geldsumme: Au-
halten. Au-pairs leben bis zu einem Jahr bei der Familie, kümmern sich um die pairs bekommen sie jede
die G„stfamilie, -n 
Woche oder jeden Monat
Kleinen und helfen auch bei leichten Aufgaben im Haushalt. Dafür lernen sie , hier: Familie: Sie hat für
von der Gastfamilie.
das Leben im Gastland kennen, bekommen 260 Euro im Monat und müssen eine Zeit ein Au-pair.
unterst•tzen 
für Wohnung und Essen nichts zahlen. Die Familien müssen ihnen ein eigenes s“ch h„lten „n 
,  ≈ helfen
, hier: sich orientieren an
Zimmer geben. Ein Au-pair kann an einem Sprachkurs teilnehmen. Die Gastfa-
liegen bei 
milie muss das zusätzlich zum Taschengeld mit 50 Euro im Monat unterstützen. das G„stland, ¿er 
, hier: nicht mehr sein als
, hier: Land: Hier wohnt
Maximal sollen Au-pairs 30 Stunden in der Woche arbeiten – und nicht mehr als und arbeitet ein Au-pair. ähnlich 
sechs Stunden pro Tag. Pro Woche müssen sie auch wenigstens vier Abende und ,  fast gleich
einen Tag ganz frei haben.
Nicht jeder kann in Deutschland Au-pair werden. Wer nicht aus der Europä-
ischen Union (EU) kommt, darf nicht älter als 26 sein. Bei EU-Ausländern liegt
das Limit bei 30 Jahren. Kandidaten dürfen auch nicht verheiratet sein und keine
Kinder haben. Sie müssen aber schon etwas Deutsch können. Außerdem müssen
sie die Reise nach Deutschland selbst bezahlen können. Nicht-EU-Ausländer
dürfen auch nur ein Mal in Deutschland als Au-pair arbeiten.
In Österreich und in der Schweiz sind die Normen ähnlich. In der Schweiz gibt
es aber in jedem Kanton kleine Unterschiede.
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Du d„rfst n“cht …  s“ch zur¡chtfinden 


, hier: Ich empfehle nicht, ,  sich in einer neuen
dass du … Situation orientieren
gerade  der Teil, -e 
, hier: ≈ speziell , hier: Aspekt

vor „llem  genauso 


,  ≈ besonders , hier: ≈ gleich

die Entscheidung, -en  schreien 


, von: entscheiden , hier: ≈ laut weinen

fließen “n  unterbr¡chen 


, hier: ausgegeben , hier: stoppen
werden für
“n der Lage sein 
eben  , können
, hier: wie gesagt
beruhigen 
ged¢ldig  , hier: trösten; machen,
, hier: so, dass man sich dass ein Kind nicht mehr
nicht beschwert schreit
¢mgehen m“t  s“cherlich 
, hier: leben mit; reagie- ,  ≈ sicher
Problem. Und meine Fami- „Du darfst musste also lernen, gedul-
ren auf
lie wollte mich ja gerade des- diger zu sein. Ich kann jetzt
halb, weil ich ein Mann bin. nicht Au- auch besser damit umge-
Werden Sie auch nach dem pair werden, hen, wenn ich allein bin und
Ende Ihrer Au-pair-Zeit nicht so viel zu tun habe.
Kontakt zu Ihren Familien
um Geld zu Natürlich ist es auch sehr
haben? verdienen.“ gut, in ein fremdes Land
Maldonado: Ich denke Hugo Bertrand zu kommen und sich dort
schon. Vielleicht kommen zurechtfinden zu müssen.
sie ja mal nach Kolumbien und besu- Das ist definitiv eine sehr wichtige und
chen mich. positive Erfahrung.
Bertrand: Warum nicht? Vor allem Maldonado: Ich habe Deutsch gelernt.
wenn ich hier in Deutschland studieren Und ich habe gelernt, mit Kindern
kann. besser umzugehen. In Kolumbien habe
Ist eine Zeit als Au-pair zu empfehlen? ich schon ein bisschen mit Kindern
Maldonado: Ja, das ist sie. Aber es ist gearbeitet, aber nie so lange. Ich habe
eine individuelle Entscheidung. Wenn Nachbarskinder von der Schule abgeholt
die Person das machen möchte, dann soll und für sie gekocht – mehr als das aber
sie es probieren. nicht. Es ist wirklich etwas ganz anderes,
Bertrand: Eine Sache ist wichtig zu als Au-pair ein so wichtiger Teil ihres
wissen: Als Au-pair ist es immer ein biss- Lebens zu sein.
chen schwierig mit dem Geld. Wissen Sie schon, ob Sie selbst mal Kinder
Maldonado: Ja, das stimmt. bekommen möchten?
Bertrand: Ich bekomme 260 Euro Bertrand: Nein, das weiß ich noch nicht.
im Monat und noch 50 Euro für den Au-pair zu sein, hat meine Meinung
Deutschkurs. Der kostet aber 300 Euro. dazu auch nicht geändert – ich habe we-
Also fließt fast mein ganzes Geld in den der mehr noch weniger Lust auf eigene
Kurs. Wir zahlen natürlich nichts für Es- Kinder. Ich denke einfach noch nicht
sen und Wohnung. Aber wir bekommen wirklich darüber nach.
eben auch nicht viel. Du darfst also nicht Maldonado: Ja, das ist bei mir genauso.
Au-pair werden, um Geld zu verdienen. Wir haben ja beide auch noch Zeit.
Haben Sie mit diesem Job schon etwas Am Nebentisch schreit ein Kind sehr laut und
gelernt, dass Ihnen später im Leben helfen unterbricht das Gespräch.
wird? Sind Sie jetzt in der Lage, dieses Kind zu
Bertrand: Auf jeden Fall. Über Erzie- beruhigen?
hung habe ich viel gelernt. Mein Kind (beide lachen) Bertrand: Ja, sicherlich – so
ist nämlich ein bisschen kompliziert. Ich etwas können wir jetzt.