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e Wie dieser Moslem im Senegal


tragen viele Menschen in
Westafrika Boubous.

Boubou-Business
In Westafrika tragen viele Muslime feine Kleidung aus Damast, bekannt als Boubous.
Einer der wenigen Lieferanten für den wertvollen Stoff ist eine Firma aus Sachsen.
Die Geschichte einer überraschenden Beziehung. Von Rike Uhlenkamp
SCHWER

M
alek Souleiman steht Der Damast raschelt, wenn man ihn zwi-
die St¶ffrolle, -n  das Gew„nd, ¿er 
zwischen Stoffrollen schen den Fingern reibt. In Westafrika ,  Stoff um einen Zylinder ,  langes, weites Klei-
und freut sich. Gerade wird aus ihm ein festliches Gewand ge- gerollt dungsstück
hat ein Lieferwagen ei- näht, der Grand Boubou: langärmliges entgegenschimmern  l„ngärmlig 
nige Pakete in seinen Hemd, weite Hose, ein Überwurf mit ,  Licht reflektieren ,  mit langen Ärmeln

Laden in der Innenstadt von Dakar, der weiten, körperlangen Ärmeln. Je glänzen- die Seemeile, -n  (der Ærmel, - 
Hauptstadt des Senegals, gebracht. Zwei der der Stoff, je feiner sein Muster, desto ,  (in der Navigation auf ,  Teil an einem Kleidungs-
dem Wasser) Distanz von stück, das man über den
Mitarbeiter ziehen ein großes Paket he- wichtiger die Person, die ihn trägt. Bou- 1852 Metern Arm zieht)
raus und schneiden es auf. Blau schim- bous sind ein Statussymbol. Sie werden
die St¶ffbahn, -en  der Überwurf, ¿e 
mert ihnen feinster Damast entgegen. verschenkt oder von Generation zu Ge- ,  langes, breites Stück ,  ≈ Kleidung, die man über
Der Baumwollstoff hat eine lange Rei- neration weitergegeben. Wer ihn trägt – Stoff anderer Kleidung trägt
se hinter sich: 514 deutsche Autobahn- es sind vor allem Männer – schreitet eher, entw¡rfen  glænzen 
kilometer, 2850 Seemeilen auf einem als dass er geht. Am wichtigsten ist der , hier: (Mode/Designs) ,  Licht reflektieren
machen
Containerschiff, knapp zwei Kilometer Boubou in der Moschee und an islami- das M¢ster, - 
vom Hafen bis zu Maleks Laden. Die schen Feiertagen. Im Senegal, einem Land die GbmH  ,  Kombination von For-
,  kurz für: Gesellschaft men, Farben oder Zeichen,
Stoffbahnen kommen aus Sachsen, aus mit mehr als 90 Prozent Muslimen, sind mit beschränkter Haftung = die sich wiederholt
dem Erzgebirge, aus Aue, ent- Boubou und Islam eng mitei- bestimmte juristische Form
die Generation, -en 
einer Firma
worfen und hergestellt von der nander verbunden. ,  Altersgruppe in einer
Die Firma Bauer die Webmaschine, -n  Familie, z. B. Großeltern,
Curt Bauer GmbH. Bei der Curt Bauer GmbH
und ihre Kun- ,  Gerät zum Weben Eltern, Kinder …
Aue – ein Ortsteil der Klein- in Aue laufen die Webmaschi-
den aus Afrika: (weben  schreiten 
stadt Aue-Bad Schlema mit nen. Tausende Fäden werden
eine Beziehung, ,  ≈ einen Stoff oder einen ,  ≈ elegant gehen
rund 20  000 Einwohnern zu Stoffbahnen, 80 und 140 Teppich machen)
wie man sie eher 
– kennen auch die meisten Zentimeter breit, für Bettwä-
nicht erwartet. der Chr“ststollen, -  , hier: ≈ mehr
Deutschen nur durch den sche, Tischdecken – und für ,  typischer Weihnachtsku-
je nach 
Fußballverein FC Erzgebirge Boubous. Westafrika ist der chen, oft mit getrockneten
,  abhängig von
Früchten
Aue, der in der zweiten Liga spielt. Malek wichtigste Exportmarkt für die Firma. In
gl„tt 
Souleiman aber war schon dort. Er kennt einem Jahr stellt Bauer rund zwei Milli- r„scheln 
,  flach; ohne runde
,  Laute machen, wie wenn
das Bauer-Werk, hat gesehen, wie die Stoff- onen Meter Stoff für die Region her. Das Formen
Folie bewegt wird
bahnen aus den Webmaschinen liefen. Er ist so viel wie die Distanz von Stockholm
Foto: Photononstop/Alamy/mauritius Images

ist durch die idyllischen Berge des Erzge- bis Rom.


birges gefahren, hat Christstollen probiert. Nur wenige Schritte von der Weberei
Souleiman ist einer der Textilhändler aus entfernt sitzt Karsten Kämpe vor seinem
Westafrika, mit denen die Firma aus Aue Computer. Auf dem Bildschirm: rote und
zusammenarbeitet. Bauer und seine Kun- weiße Quadrate. Sie visualisieren die
den von dem anderen Kontinent, das ist Richtung der Fäden beim Weben. Je nach
eine Beziehung, die man sicher nicht er- Kombination der Quadrate sieht der Stoff
wartet. Eine, von der sowohl im Erzgebirge anders aus. An einigen Stellen ist er glatt
als auch in Afrika Arbeitsplätze abhängen. und glänzt nach der weiteren Behandlung
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der Diam„nt, -en  die W¡nde 


wie ein Diamant. In Westafrika ist das ein In der Firma war man stolz, dekorierte ,  teuerster, härtester , hier: politischer Neuan-
wichtiges Verkaufsargument. den Festwagen zum 1. Mai mit Werbe- Stein, der für Schmuck fang 1989
In einer Ecke von Kämpes Büro liegt texten und schwarz geschminkten Frau- verwendet wird
die freie M„rktwirtschaft 
ein Stapel afrikanischer Frauenzeitschrif- en. Aber 1972 endete die Schonfrist. Das der Stapel, -  ,  ≈ freies Wirtschafts-
,  Menge von Sachen, von system
ten. Seit mehr als 15 Jahren entwirft er Unternehmen wurde verstaatlicht und denen eine auf der anderen
Designs für die Boubou-Stoffe, manch- Alexander Bauer Angestellter in seiner ¢msetzen 
liegt
, hier: Waren verkaufen
mal bis zu 100 Entwürfe im Monat. eigenen Firma. Dass ein großer Teil der ähneln  zum Preis von
Über die Jahre lernte er, wie sich der Ge- gewebten Stoffe zu Zeiten der DDR in ,  ähnlich sein
die Einnahme, -n 
schmack je nach Land ändert, wo welche den Westen statt in die Sowjetunion ex- ¢msetzen , hier: nach ,  Geld, das man bekommt
Farben beliebter sind und welche Motive portiert wurde – „das hat uns nach der Auftrag realisieren
st„mmen aus , hier:
nicht gehen: „Tiere zum Beispiel. Oder Wende gerettet“, sagt Michael Bauer. schwænzen  kommen aus; sein aus
in Nordnigeria alles, was einem Kreuz Anders als viele Betriebe im Osten ,  nicht zur Schule oder
die Spinnerei, -en 
Universität gehen, weil man
ähnelt.“ Sein Geschmack ist das häufig schafft die Curt Bauer GmbH auch den keine Lust hat
,  ≈ Fabrik, in der Material
zur Herstellung von Klei-
nicht. „Irgendwann ist mir egal, was ich Neustart in der freien Marktwirtschaft.
kn„rzen  dung hergestellt wird
entwerfe.“ Kämpe setze das um, was die Heute ist sie eine der wenigen erfolgrei- ,  einen Laut machen,
ver„rbeiten zu 
Kunden Tausende Kilometer von ihm chen Textilfirmen in Deutschland. Bauer wie wenn sich altes Holz
, hier: … machen aus
bewegt
entfernt haben möchten – und das, was setzt im Jahr rund 18 Millionen Euro um.
die ]lfenbeinküste 
der Chef will. 60 Prozent der Einnahmen stammen aus das Traditionsunterneh-
,  westafrikanischer Staat
men, - 
Sein Chef ist Michael Bauer. Er kommt dem Export. Als Rohsubstanz wird die ,  Firma mit langer
(Côte d'Ivoire)
jeden Tag in die Firma, wenigstens für ein Baumwolle aus Ägypten, den USA und Tradition bereisen 
paar Stunden. Auch sonntags, China importiert. Spinnereien ,  ≈ an einen Ort reisen, um
die R•stungsindustrie, -n 
ihn sehr gut kennenzulernen
wenn die Webstühle stillste- unter anderem in Italien und ,  Industrie, die Geräte

hen. „Alles andere fühlt sich


Anders als viele der Schweiz verarbeiten sie und Waffen für die Armee die Lagerhalle, -n 
Betriebe im produziert ,  großes, hohes Lager
an wie Schule schwänzen“, zu Fäden. Bauer webt daraus
sagt der 64-Jährige. Der Holz-
Osten schafft Tischdecken für russische Ess-
die Verh„ftung, -en  die Sch„tzkiste, -n 
, von: verhaften = fangen , hier: Kiste, in der DInge
boden der Empfangshalle
die Firma Curt zimmer, Bettwäsche für chine- und ins Gefängnis bringen liegen, die für jemanden
knarzt unter seinen Schritten.
Bauer 1990 den sische Kunden oder Textilien sehr wichtig und viel wert
S¡lbstmord begehen 
Über ihm, an der Wand, ein
Neustart. für Airlines. Aber der wichtigs- ,  sich selbst töten
sind
die Færberin, -nen 
Bild seines Urgroßvaters und te Markt – 40 Prozent aller Ex- die Schonfrist, -en 
, hier: Frau, die beruflich
Firmengründers Alwin Bauer. Heute lei- porte – bleibt Westafrika. Bauer beliefert ,  Zeit, die man bekommt,
Stoffen eine (andere)
bevor etwas Unangeneh-
ten Michael Bauer und sein Bruder Gert zurzeit acht Länder in der Region. mes passiert
Farbe gibt
das Traditionsunternehmen in vierter Mauretanien, Mali, Benin, Nigeria,
verstaatlichen 
Generation. Niger, Tschad, Elfenbeinküste und Sene- ,  ≈ staatlichen Besitz
Vier Generationen, die das Unter- gal – Ralph Meincken hat sie alle bereist. machen aus
nehmen seit 1882 mit Mühe durch die Der 56-Jährige ist der Vertreter der Firma
deutsche Geschichte gebracht haben. in Afrika. Vor seiner nächsten Geschäfts-
Die Firma blieb in der Deutschen Demo- reise sucht er in der Lagerhalle des Un-
kratischen Republik (DDR) erst einmal ternehmens in seiner „Schatzkiste“. So
in Familienbesitz. Curt Bauer, Michael nennt er einen Karton, in dem Stoffreste
Bauers Großvater, galt als Opfer der Na- liegen. Wenn er Glück hat, findet er da­
tionalsozialisten. Teile der Firma wurden rin passende Geschenke. Einen Stoff für
im Krieg von der Rüstungsindustrie be- den Taxifahrer. Für die Färberin etwas
setzt. Curt Bauer protestierte offen gegen Bunteres. Er hebt eine Stoffbahn auf den
die unmenschliche Behandlung seiner Tisch, fährt mit der Hand über den Stoff.
Arbeiter. Noch bevor es zu einer mögli- Sonnengelb, klein gemustert, glänzend,
chen Verhaftung kommen konnte, beging fünf Kilo schwer. Drei bis fünf Meter da-
er 1944 Selbstmord. von sind genug für ein Hemd oder einen
Mitte der 60er-Jahre stellte sein Sohn Boubou in Kindergröße. „Damit mache
Fotos: Curt Bauer GmbH

Alexander Bauer Kontakte zu britischen ich den Menschen eine große Freude. Sie
und westdeutschen Exporteuren her. Sie können sich unseren Damast meist nicht
wollten den Bauer-Damast unter ihrem leisten.“
Namen in Afrika verkaufen: Das Bou- Zehn bis 15 Euro kostet der Meter.
bou-Geschäft „made in Aue“ war geboren. Für einen Boubou braucht man sechs bis
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Was in Aue bei der Firma Bauer aus der Maschine kommt (rechts), wird zum Teil später zu einem feinen Boubou wie dieses Modell in Violett (links).

zwölf – je nach Modell und Größe. Aus die hier doch gleich mit der Zwangsjacke
¡rnst zu nehmend  die Bem¡rkung, -en 
China gibt es extrem viel billigere Stoffe, und liefern dich ein.“ Dass Bauer Damast , hier: ≈ gefährlich; auch , hier: (meistens negati-
darunter auch Imitate von Bauer-Stoffen. für Afrika produziert, die 130 Arbeitsplät- sehr gut ver) Kommentar
„Doch Händler und Kunden kennen den ze und neun Lehrlingsstellen also auch an die Konkurr¡nt, -en  aufkreuzen “n 
Qualitätsunterschied“, sagt Meincken. diesem Geschäft hängen, weiß in Aue, wo , hier: Firma, die die glei- , m hier: tragen (, ohne
Ernst zu nehmende Konkurrenten der die rechts­popu­lis­tische Partei Alternati­ chen Produkte anbietet dass es jemand erwartet)

Curt Bauer GmbH kommen aus Tsche- ve für Deutschland bei der letzten Bun­ überfluten  die Zw„ngsjacke, -n 
,  unter Wasser setzen; ,  früher in Psychiatrien
chien und Österreich. Im Senegal sind destagswahl mit 28 Prozent die meisten hier: in sehr, sehr großer verwendete Jacke, in der
die Österreicher die Nummer eins. „Alle Zweitstimmen bekam, kaum jemand. Im Zahl Waren bringen auf Patienten ihre Arme nicht
kennen Getzner, alle wollen Getzner, Schaufenster des kleinen Werksverkaufs- bewegen können
das Gelænde, - 
überall ist Getzner“, schimpft Meincken. ladens zeigt Bauer Damastbettwäsche. , Areal einliefern 
, hier: in ein psychiatri-
„Sie überfluten den Markt.“ In wenigen Jahren wird mit Ralph „bbrechen 
sches Krankenhaus bringen
Meincken, der für den Job von Ham- Bauer die fünfte Bauer-Generation das , hier: nicht zu Ende sagen
hængen „n 
burg nach Aue zog, ist schnell; wenn er Geschäft übernehmen. Auch in West­ ged¢ldig 
,  abhängen von
über das Firmengelände läuft, wenn er afrika gibt es eine neue Generation an Ge- , hier: so, dass man ruhig
warten kann die B¢ndestagswahl, -en 
redet. Er bricht Sätze in der Mitte ab, schäftsleuten. Vereinbarungen und Auf- ,  das Wählen der
die Tugend, -en 
springt zwischen Themen hin und her. träge kommen immer häufiger per Mail Mitglieder des deutschen
,  gutes moralisches
Immer wieder checkt er die Wetter-App und Whatsapp. Das ändert die Zusam- Parlaments
Verhalten
auf seinem iPhone. Aue: 24 Grad, Dakar: menarbeit. Meincken ist sich sicher: Das die Zweitstimme, -n 
das Progr„mm „bspulen 
,  Stimme, die ein Wähler
26 Grad, Bamako: 26 Grad. „Ich war nie ein Geschäft wird so schnell nicht aufhören, , hier: Dinge auf eine be-
für eine Partei abgibt
geduldiger Mensch.“ Eine Tugend, die er sondern sogar wachsen. In vielen afrika- kannte gleiche Art machen,
um sie schnell zu erledigen
in Afrika lernen musste: „Einfach das nischen Ländern, auch im Senegal, steigt
Programm abspulen, das geht dort nicht. langsam der Lebensstandard. Gleichzei-
Man muss sich Zeit nehmen.“ tig achten viele Afrikaner auf die eigenen
Manchmal kommen seine Kunden Traditionen. Auch dafür steht der Boubou.
auch zu ihm. „Ich zeige denen natürlich Dass im Geschäft von Malek Soulei-
die Firma, aber durch Aue laufe ich mit man Bauer-Damast lagert, erkennt man
meinen Afrikanern eher nicht. Hier gibt von außen kaum. Kein Schild weist auf
es nichts Besonderes, und ich habe keine das teure Produkt im Inneren hin. Rechts
Lust auf blöde Bemerkungen“, sagt Mein- und links, auf dem Boden, in hohen Rega-
cken. Man soll sich doch nur einmal vor- len stapeln sich die Stoffe aus Aue.
stellen, „einer meiner Kunden kreuzt in Früher wurden Boubous im Senegal
Aue im Grand Boubou auf. Da kommen aus handgewebter Baumwolle oder
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die Seide  der Blütenstaub 


Seide hergestellt. Aber seit Anfang des besonders komplexen Aufträgen kostet ,  weicher, teurer Stoff ,  ≈ extrem kleine Teilchen,
19. Jahrhunderts dominiert der Damast dieses Färben, Batiken und Plätten des die die männliche Blüte
verr¶tten 
den Markt, industriell gewebt und in gro- Boubou-Stoffes umgerechnet um die 90 einer Pflanze produziert
,  langsam in einzelne Teile
ßen Mengen: Colonial-Chic aus Frank- Euro. Dafür wird aus einem weißen Da- kaputtgehen die H¶lzkeule, -n 
, hier: Schlagwerkzeug
reich. Auch heute stammen alle Stoffe mast aus Europa ein kunstvolles Unikat. konst„nt 
aus Holz, das an einem Ende
für die Boubous aus dem Ausland. Die Ein paar Straßen von Samba Sall ent- , hier: dauernd; stabil
dünn, am anderen Ende
billigen Varianten aus China, die teuren fernt warten Kunden im Verkaufsraum die Schneiderei, -en  dick ist
,  Geschäft, in der Kleidung
aus Europa. Versuche, den Stoff weiter im der Schneiderei von Madou Fall. Sie plætten 
gemacht und repariert wird
, hier: (Textilien) flach
Senegal herzustellen, hatten keinen Er- wollen sich eine festliche Tracht her-
die W„nne, -n  machen
folg. Senegals große Textilunternehmen stellen lassen. Neben ihnen drei Schau- , hier: großer Container
zus„mmenraffen 
mussten Ende der 80er-Jahre schließen. fensterpuppen im Grand Boubou: Jeder für das Färben von Stoffen
, hier: Stoffe so in die
In den alten Fabrikhallen verrotten kostet umgerechnet 400 Euro. Das ist staubig  geschlossene Hand neh-
heute die Maschinen. Moderne Web- viel Geld im Senegal, wo das jährliche ,  voll mit ganz kleinen men, dass extreme Kurven
schmutzigen Stücken in entstehen
stühle sind teuer, und man braucht für die Pro-Kopf-Einkommen etwa 1000 Euro
der Luft
Produktion eine konstant gute Wasser- beträgt. ¢mgerechnet 
das D¢tzend, -e  , hier: in Euro gerechnet
qualität und Baumwolle von hoher Qua- In den Nähräumen der Schneiderei ,  zwölf Stück; hier:
das Unikat, -e 
lität. Die Baumwolle, die im Südosten des liegen überall Stoff- und Papierreste mehrere
,  einziges Stück; Original
Senegals wächst, und zum größten Teil auf dem Boden. Neben den Nähma- das F„ss, ¿er 
die Tr„cht, -en 
exportiert wird, erfüllt die Qualität für schinen liegen Türme aus Damast. Auf ,  großer Container aus
,  traditionelle Kleidung
Holz oder Metall
den Damast nicht. Wenigstens soll bald zwei Stockwerken arbeiten rund 100 einer Nation, Region,
ein Teil der senegalesischen Baumwolle Schneider für Madou Fall. Jeder von ih- überschäumen  Minderheit oder religiösen
,  ≈ so viele kleine Bälle aus Gruppe
wieder im Land gesponnen nen schafft einen Boubou pro Luft formen, dass Flüssig-
das jährliche
und verarbeitet werden. In Tag. Sie messen die Größe der keit herausfließt
Pro-K¶pf-Einkommen, - 
der Nähe von Dakar hat eine Alle Stoffe für Kunden, bringen die Stoffe in die Leine, -n  ,  durchschnittliches Ein-
Spinnerei mit finanzieller die Boubous die richtige Form und Größe , hier: Schnur, an der man kommen eines Einwohners
nasse Kleidung oder Stoff im Jahr
Unterstützung der Regierung kommen aus und besticken sie mit Verzie-
zum Trocknen hängt
eröffnet. die Verzierung, -en 
dem Ausland in rungen. stærken  ,  Dekoration; Ornament
Malek Souleiman ist im Se- den Senegal. Stoffbahn für Stoffbahn , hier: (Textilien) mit
m“t … best“cken 
negal der einzige Großkunde saust durch ihre Hände. Sie Stärke fester machen
,  … nähen auf
von Bauer. Von seinem Laden zeichnen Motive, sticken gol- (die Stærke 
sausen 
gehen die Stoffbahnen weiter zu den dene Streifen auf schwarzen Damast oder ,  sehr feine Substanz aus
, hier: sehr schnell
Getreide)
Händlern auf dem Textilmarkt, zu den brennen mit einem heißen Metallstift bewegen
Schneidereien und in die Wannen der kleine Löcher in den Stoff – so entstehen klebrig 
der Streifen, - 
,  ≈ klebend
Färber – zum Beispiel in die von Samba Boubous für wichtige Familienfeste oder ,  längere, breite Linie

Sall. Der Färber steht in einem staubigen das Freitagsgebet in der Moschee. verst¢mmen 
Innenhof zwischen einem Dutzend Fäs- Es ist kurz vor zwei am frühen Freitag- , hier: aufhören

sern. Er hält ein paar Meter weißen Stoff nachmittag. Betende schreiten eilig aus
in eine Wanne voller Farbe. Sie schäumt allen Richtungen zur Grande Mosquée
über. de Point E im Südwesten Dakars. Ihre
Nach dem Bad schimmert der Stoff tief Gebetsteppiche tragen sie in Plastiktüten
violett und golden. Bevor Sall ihn an einer oder als Schutz gegen die Mittag­sonne
Leine aufhängt, wird er noch gestärkt. Da- auf dem Kopf. Einige wenige kommen in
für legt ihn eine Frau in ein klebriges Bad T-Shirt oder Anzug. Die meisten tragen
aus Blütenstaub des Baobabs, einem afri- aber einen Boubou: bunt gestreift, dun-
kanischen Baum. Um die Ecke schlagen kelblau mit hellen Stickereien vor der
Männer mit schweren Holzkeulen auf Brust, auch ein Exemplar in Silber.
gefärbte Stoffe, plätten sie und bringen Als sie zum Gebet in die Knie gehen,
sie zum Glänzen. Von morgens bis abends einer neben dem anderen, verstum-
sind die Schläge zu hören. men die Gespräche. In der Stille ist nur
Einige Hundert Meter weiter sitzen noch ein leichtes Rascheln zu hören. Es
andere Arbeiter am Straßenrand und stammt von den Boubous. Es stammt
raffen Stoffe so zusammen, dass nach vom Damast. Es stammt auch aus dem
dem Färben Batikmuster entstehen. Bei Erzgebirge.