Sie sind auf Seite 1von 8

018_Boxen_0709_01.qxp:STEREO 25.05.

2009 18:12 Uhr Seite 18

TEST LAUTSPRECHER

VERFLIXTE SIEBEN
Wer bis zu 2000 Euro für ein Paar neuer Standlautsprecher anlegen will, hat
die Qual der Wahl. Sowohl etablierte Hersteller wie auch Newcomer buhlen
um die Gunst der Kunden. Verschiedene technologische Ansätze gilt es
gegeneinander abzuwägen. Wir haben sieben Kandidaten für Sie angehört

18 STEREO 7/2009
018_Boxen_0709_01.qxp:STEREO 25.05.2009 18:12 Uhr Seite 19

Universal- CANTON KARAT 790 DC


Paar um €2000

genie Maße: 17x112x41 cm (BxHxT)


Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: Canton
Die Canton Karat 790 führt eine Tel.: 06083/2870, www.canton.de
Traditionsbaureihe mit stetig gestiege-
Mit immerhin 26,5 Kilogramm Gewicht und
ner Qualität fort 112 Zentimeter Gardemaß dominiert die Ka-
rat diesen Wettbewerb schon optisch – und
mischt auch klanglich ganz vorne mit. Atem-
ie 790 DC repräsentiert die aktuelle Ver-
D sion eines über ein Jahrzehnt modellge-
pflegten Bestsellers im Canton-Programm,
beraubend pegelfest und dynamisch spielt
sie dennoch ausgewogen und mit audiophil
angehauchtem Feinsinn.
der zuvor Karat M70, M80 und M90 und zu-
MESSERGEBNISSE *
letzt Karat 709 hieß. Gegenüber Letzterer
wurde die 790 allerdings weit über Feinschliff
im Detail hinaus zum Dreieinhalb-Wege- Frequenzgang
Modell weiterentwickelt. Entsprechend auf-
wändiger geriet die hoch„karätige“ Weiche.
Das untere der beiden 16er-Aluminium-
Tiefmitteltonchassis arbeitet nun als wahrer Impedanz
Mitteltöner bis 3 kHz, das obere in der am-
pelähnlichen Quasi-d’Appolito-Anordnung
dagegen blendet sich ab etwa 400-500 Hertz Der seitlich positionierte
für die höheren Lagen aus. Die Auswirkun- 26er Tieftöner sorgt für
gen auf die Richtcharakteristik sind bedeu- Autorität in dieser Klasse
tend weniger Interferenzen und Einbrüche
im Übernahmebereich zum Hochtöner, voller – Standard in dieser Baureihe. Im Hör- Sprungantwort
sprich ein noch eleganterer Übergang sowie raum trumpfte die sehr ausgewogene Karat
auch dank der aus der Vento Reference über- mit absolut spektakulärer Dynamik auf, lie-
nommenen „Wave“-Sicke ein besserer Hub, ferte Feinauflösung satt, die zweitbeste
reduzierte Verzerrungen und insgesamt ein Räumlichkeit und den mächtigsten, aber
homogeneres Rundstrahlverhalten. Um die stets kontrollierten Bass. Eine sehr homoge-
wohnraumfreundliche schmale Front-Sil- ne Allround-Box für eher etwas größere Räu-
houette zu ermöglichen, sitzt der mächtige, me, die sich gemeinsam mit der Phonar an Nennimpedanz 4Ω
langhubige 26er-Tieftöner mit seiner Cellu- die Spitze dieses Testfeldes schiebt. tf minimale Impedanz 3 Ω bei 254 Hertz
lose/Graphit-Membran in gewohnter Ma- maximale Impedanz 10,6 Ω bei 18,1 Hertz
nier auf der (bevorzugt inneren) Gehäuse- mittlere Empfindlichkeit (2,83 V/m) 88,6 dB SPL
seite, was zweifellos ein wenig Hirnschmalz untere Grenzfrequenz (-3 dB) 50 Hertz
für den Antrieb erforderte. Im Hochtonbe-
reich kommt eine überarbeitete Aluminium- LABOR-KOMMENTAR
Mangan-Kalotte ADT-25 mit Linse und neu- Der Frequenzgang der Canton ist sehr aus-
er, optimierter Frontplatte zum Einsatz, die gewogen und somit gerade, erst bei etwa 17
ganz nebenbei für drei Dezibel mehr Schall- Kilohertz gibt es einen deutlicheren Pegel-
druck und entsprechende Dynamikreserven anstieg, zwischen etwa 200 und 2000 Hertz
sowie eine höhere Bandbreite (40 Kilohertz) eine sehr dezente Zurückhaltung zu vermel-
den. Der Impedanzverlauf lässt die Canton
sorgt. Die Liebe zum Detail zeigt sich neben
als 4-Ohm-Lautsprecher erkennen, der mit 3
unzähligen anderen Punkten in der hoch- Ohm Minimum die Normgrenze von 3,2 Ohm
wertigeren Innenverkabelung des Lautspre- nur ganz geringfügig unterschreitet. Das sich
chers ebenso wie im aufwändigen, mittels Si- in der Sprungantwort abzeichnende Timing
likon-Absorbern von der Unterlage entkop- der Box ist durchschnittlich, konstruktions-
pelnden Standfuß und dem guten Bi-Wi- bedingt kommt der seitliche Tieftöner etwas
ring-Terminal. hinterher.

Dynamikwunder
Die als Canton-Merkmal bekannte inte- 64 %
grierte DC-Technologie, die wie eine Art
Subsonic-Filter unnötige Membranbewe-
gungungen (und Verzerrungen) im Infra- Die Schallwand des Kalottenhochtöners verbes- EXZELLENT
schallbereich verhindert, ist schon ein – sinn- sert den Wirkungsgrad und die Abstrahlung
* Zusätzliche Messwerte und Diagramme für Abonnenten
im STEREO-Club unter www. stereo.de

7/2009 STEREO 19
018_Boxen_0709_01.qxp:STEREO 25.05.2009 18:13 Uhr Seite 20

TEST LAUTSPRECHER

Empirische Erhebung
Mit der Empire Diamond A2 betritt eine ausnehmend grazil gestaltete Klangsäule
die HiFi-Bühne. Und bietet enormen Gegenwert fürs Geld

as Duisburger Unternehmen Empire Hi- takt zur Anlage sucht die „Diamond A2“
D fi kennen STEREO-Leser bislang aus-
schließlich als Vertrieb hochwertiger und da-
über ein aufrecht montiertes Single-Wiring-
Terminal. Das sich nach hinten verjüngende
bei preisgünstiger Audio-Möbel. Nun wird und sauber hochglanzlackierte Gehäuse ist
das Portfolio um einige ebenfalls speziell im wertig verarbeitet und gut gedämmt. Klang-
Hinblick auf ihr Preis-Leistungs-Verhältnis lich macht die Empire jedenfalls Freude, ob-
hitverdächtige Lautsprechermodelle erwei- schon sie eher den Hörer ansprechen wird,
tert. Mit einem Paarpreis von etwa 1600 Euro der Schub und Druck „von unten“ sucht. Da-
ist die knapp über einen Meter hohe und von gibt’s nämlich reichlich. Wird ein Mu-
hübsch anzuschauende „Diamond A2“ der sikstück strukturell komplexer, neigt die
Mittelpunkt des Programms. Auch wenn der „Diamond A2“ zum Dröhnen. Allerdings ha-
aufgesetzte Superhochtöner, der die oberen ben Sie den Lautstärkesteller Ihres Verstär-
Lagen zusätzlich zu seinem in D’Appolito- kers dann vermutlich in nachbarschaftsge-
Anordnung mittig zwischen zwei Mittelton- fährdende Bereiche gedreht. Auch dank der
chassis montierten Pendant sehr behutsam
erweitert, an ähnlich geformte Bowers & Wil-
kins-Modelle erinnert, eint ihn technisch ab-
solut nichts mit den britischen Tweetern.
Die tiefen Frequenzen entlässt die in Fern-
ost montierte Empire-Box über einen seit-
Die 17er-Basstreiber lich abstrahlenden 17-Zentimeter-Treiber,
strahlen zur Seite ab und der über zwei in die Lautsprecherrückwand Die Ähnlichkeit mit B&W-Tweetern lässt sich
machen ordentlich Dampf eingelassene Bassreflexrohre ausatmet. Kon- nicht verleugnen, technisch ist er viel simpler

Voll auf Speed


Kefs große iQ 90 konnte uns mit ihrem lebendigen Charakter und einem
musikalisch treibenden Tonfall begeistern

orwärts, vorwärts – etwas anderes kennt und knochentrockenen Bass, der einerseits
V diese Box einfach nicht! Kein Wunder,
denn immerhin ist Kefs iQ-Serie ja berüch-
zwar tief hinunterreicht, sich aber sehr har-
monisch und ohne jede Aufdringlichkeit ins
tigt für ihren spritzigen Tonfall. Dass aber Klangbild einbettet. Damit macht er den Weg
auch das große Flaggschiff, die iQ 90, mit ei- frei für das herausragendste Merkmal dieser
nem derart hohen Maß an Lebendigkeit und Box: ihre unerhörte Musikalität. Die iQ 90
einem überaus knorrigen, schlanken sowie betört ihre Zuhörer mit anspringendem
weitsichtigen Charakter punkten kann, hat Spielspaß, enormer Flüssigkeit und einer za-
uns dann doch in Erstaunen versetzt. ckigen, sehr feinfühligen Dynamik.
Wir haben uns zunächst wohl von den Dass sie sich letzten Endes hinter der Pho-
konstruktiven Voraussetzungen in die Irre nar und Cantons Karat einreihen muss, liegt
führen lassen: Die Standbox ist als Drei-We- ironischerweise an denselben Eigenschaften.
ge-System ausgelegt, dessen reichhaltiger Sie ist den Mitbewerbern hinsichtlich Auflö-
Hochton gemeinsam mit den natürlichen sung und Straffheit sogar überlegen und bie-
und verfärbungsfreien Mitten aus Kefs ein- tet mindestens so viel Punch wie eine P 5,
zigartigem Uni-Q-Chassis tönt. Direkt da- kann aber nicht mit deren Farbfülle und
runter befinden sich gleich zwei 16 Zenti- Wärme in der Mittenabbildung konkurrie-
meter durchmessende Bässe, die mit je einer
eigenen Bassreflexöffnung versehen sind.
Die beiden 16-Zentimeter-Bässe einer iQ 90 Wer deshalb aber ein Maximum an Schub-
werden von je einem eigenen Bassreflex-Rohr kraft erwartet, wird enttäuscht sein. Die Kef Wie alle iQs ist
unterstützt. Oben erkennt man das Uni-Q-Chassis musiziert sogar im Gegenteil ziemlich leicht- auch die 90 ab Werk mit
füßig und bietet einen angenehm straffen Silber-Kabelbrücken bestückt

20 STEREO 7/2009
018_Boxen_0709_01.qxp:STEREO 25.05.2009 18:13 Uhr Seite 21

EMPIRE DIAMOND A2 Doppelbestückung im Hochtonbereich kon- SERVICE: AUFSTELLUNG


tert die schlanke Säule ihren kräftigen Bass
Paar um €1600 mit einer sanften und durchaus feinen Mit- 1
Maße: 19x119x40 cm (BxHxT)
tenwiedergabe und natürlichen Stimmen.
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: Empire Deutschland Realistische Rauminformationen oder au-
Tel.: 0203/75999004, www.empire-hifi.de diophile Ambitionen sind ihre Sache nicht.
Wer interessantes Design mit Spaßfaktor
Empires Marktpremiere als Lautsprecherver- paaren möchte, sollte die empirische Erhe-
trieb macht neugierig. Die Diamond A2 über-
zeugt als bassstarke und ausgewogen klin- bung unbedingt wagen! tz
gende Designbox. Der Raum, in dem sie
spielt, sollte nicht zu klein sein.
MESSERGEBNISSE * Frequenzgang Bei der Platzierung eines Lautsprechers
Nennimpedanz 4Ω
kommt es nicht allein auf das wo an. Wich-
tig, manchmal sogar entscheidend ist
minimale Impedanz 3,1 Ω bei 97 Hertz gleichzeitig, worauf er steht. Die Aufga-
maximale Impedanz 13,8 Ω bei 25 Hertz benstellung ist dabei ganz einfach: Die Ge-
mittlere Empfindlichkeit (2,83 V/m) 87,7 dB SPL Impedanz häuseschwingungen, verursacht durch die
untere Grenzfrequenz (-3 dB) 55 Hertz Bewegung der Treiber, müssen effektiv
über die Füße in den Boden abgeleitet
LABOR-KOMMENTAR werden, während Trittschall und andere
Die minimale Impedanz von 3,1 Ohm liegt Vibrationen von außen nicht in den Wand-
knapp unterhalb der Normgrenze, was in der ler gelangen sollten.
Praxis aber unkritisch ist. Die einfachste Lösung ist ein Spike (1),
der das Gewicht einer Box auf einen win-
Sprungantwort zigen Punkt konzentriert und die Energie
59 % damit äußerst effektiv ableitet. Das kann
er allerdings nur, wenn
die Kontermuttern wie
2
SEHR GUT

in unserer Abbildung
KEF IQ 90 ren. Das macht sie auch etwas wählerischer kräftig angezogen wer-
bei ihren Spielpartnern, und der Hörraum den. Spikes lassen einen Wandler meist
Paar um €1600 sollte nicht zu hell klingen. Zuletzt sollte man klarer und offener musizieren.
Maße: 22 x 94 x 35 cm (BxHxT) sich bei der Aufstellung etwas Zeit nehmen, Andere Hersteller, wie Clearlight Audio
Garantie: 5 Jahre mit seinen RDC-Füßen (2), setzen auf spe-
Vertrieb: GP Acoustic denn die richtige Einwinkelung kann ent-
scheidend sein. Exzellent funktioniert der zielle, teilweise bedämpfende Materialien,
Tel.: 0231/9860320, www.kef-audio.de die mit ihren physikalischen Eigenschaf-
spritzige Lautsprecher übrigens – ein hoher
ten unterschiedliche Klangeigenschaften
Lebhafte und überaus musikalische Standbox Wirkungsgrad macht’s möglich – in Kombi- des Lautsprechers herausarbeiten. So
mit neutralen Mitten und knorrigem Bass. nation mit kleinen Röhren-Amps. cb bringt RDC mehr Ordnung und Ruhe in den
Hervorragende Auflösung!
Klang, während zum Beispiel A Capellas
MESSERGEBNISSE * Alu-Pucks einen Wandler räumlicher, grö-
Nennimpedanz 4Ω Frequenzgang ßer und spürbar gelöster wirken lassen.
Audioplans „Antispikes“ (3) wiederum ver-
minimale Impedanz 3,5 Ω bei 11494 Hertz
einen die Eigenschaften der zuvor ge-
maximale Impedanz 19,4 Ω bei 21 Hertz nannten Füße, erreichen aber nicht deren
mittlere Empfindlichkeit (2,83 V/m) 90,1 dB SPL individuelle Ausgereiftheit.
untere Grenzfrequenz (-3 dB) 40 Hertz Impedanz Lassen Sie sich am besten von Ihrem
Händler beraten, welcher Fuß am besten
LABOR-KOMMENTAR zu Ihrem Boden und/oder Lautsprecher
Gutes Timing, exzellentes Ausschwingver- passt. Die klanglichen Möglichkeiten sind
halten und linearer Frequenzgang mit Hub in jedenfalls umwerfend.
den Höhen; sollte für hohe Natürlichkeit ge-
rade in den Hörraum ausgerichtet werden. 3
Sprungantwort

61 %

EXZELLENT

7/2009 STEREO 21
018_Boxen_0709_01.qxp:STEREO 25.05.2009 18:13 Uhr Seite 22

TEST LAUTSPRECHER

Missionswerk
Nach längerer kreativer Pause gibt es Mission wieder – und mit der Marke sogar
legendäre Modelle wie die „Pilastro“ sowie die Rückbesinnung auf alte Werte

ie elegante, knapp mittelgroße Standbox ge-Bassreflex-Standboxen das Flaggschiff der


D von Mission fordert Assoziationen an die
um die Jahrtausendwende legendäre Serie
Baureihe 790. Ihr Gehäuse ist dreilagig auf-
gebaut, um eine besondere Steife und Re-
780 geradezu heraus und kann im Gegensatz sonanzarmut zu gewährleisten, welche die
zu den weniger erfolgreichen Folgemodellen nichtparallele und abstrahlungsoptimierte
als deren legitimer Nachfahre gelten. Formgebung akustisch noch zusätzlich un-
Mission zählt, mittlerweile als Marke der terstützt. Die Membranen der Konustreiber
IAG-Gruppe, zu den Herstellern mit der bestehen aus Aramid, einem Polymer-Kunst-
größten Fertigungstiefe, denn sowohl die stoff mit hoher innerer Dämpfung und ge-
einzelnen Chassis als auch das Gehäuse wer-
den neben weiteren Einzelteilen in eigener
Fertigung hergestellt. Das hat durchaus Die Formgebung
Vorteile, denn so sind laut Mission maß- von Hochtöner und
geschneiderte Teile mit Eigenschaften mög- Schallwand soll
lich, die es eben nicht „von der Stange“ gibt Brechungs- und
– und hochentwickelte Treiber, die eine ein- Beugungseffekte
fachere, phasenlineare Weiche und somit ein minimieren und
Gäbe es einen besseres, synchronisiertes Zusammenspiel die Abstrahlung
Preis für Eleganz, ermöglichen. Diese Weiche befindet sich im verbessern
würde die Mission Sinne kurzer Signalwege unmittelbar am Bi-
zweifellos auf dem Sieger- Wiring-Terminal der Box. Das einen knap-
treppchen landen, der Tieftöner ist pen Meter hohe und rund 32 Liter große
seitlich bodennah platziert Modell 796 ist als die größere von zwei 3-We-

Überaus flexibel
Phonar hat seine Knaller-Box Veritas P 5 „Classic“ mit einer neuen Abstimmung
versehen – eine kleine Maßnahme mit durchschlagender Wirkung

in leises, dezentes Auftreten liegt ihr nicht, ten. Auch die räumliche Abbildung ist be-
E so viel ist mal klar! Phonars P 5 platzt
nach dem Drücken der Play-Taste lieber mit
eindruckend. Die P 5 öffnet eine nahezu
grenzenlose Bühne und zeichnet selbst aus-
der ganzen Tür ins Haus, eine Wesensart, die gewachsene Orchester differenziert und
man der geschmeidigen Box aber nur zu gern haarfein umrissen in den Hörraum. Auch in
verzeiht. Eigentlich handelt es sich bei der dieser Hinsicht ist sie ihrer Vorgängerin
Veritas auch nicht um eine Neuheit im klas- überlegen. Aber nicht nur der, denn im Test-
sischen Sinn. In punkto Bestückung und Ge- feld fand sich kein Lautsprecher, der dem na-
häuse ist sie nämlich auf dem Stand unseres türlichen und dynamischen Nordlicht auch
Testmodells aus STEREO 9/06. Geändert hat nur entfernt das Wasser reichen könnte. Al-
sich ausschließlich die Abstimmung der Fre- lein die Canton darf sich – mit ihrem uner-
quenzweiche, die der norddeutsche Herstel- hörten Druck freilich durch ganz andere At-
ler vom bekannten Lautsprecher-Entwickler tribute – auf Augenhöhe wähnen.
Gerd Lommersum tunen ließ.
Und diese Maßnahme hat es in sich. Die Mit der Brücke
P5, auch im „Urzustand“ bereits ein um- oberhalb des Bi-
werfender Fünf-Sterne-Kracher, spielt nun Wiring-Terminals
Neben seidenmat- noch einmal ausgewogener, akzentuierter lässt sich die
ter Lackierung bie- und geschmeidiger. Insbesondere die Mitten Höhenabstimmung
tet Phonar gegen konnten uns mit ihrer unvergleichlichen der Veritas noch
Aufpreis eine Hoch- Farb- und Ausdruckskraft begeistern, au- beeinflussen
glanz-Variante ßerdem entlockt sie Instrumenten und Stim-
seiner P 5 an men eine Vielzahl an Nuancen und Feinhei-

22 STEREO 7/2009
018_Boxen_0709_01.qxp:STEREO 25.05.2009 18:13 Uhr Seite 23

MISSION 796 ringem Gewicht und dennoch enormer Fes- SERVICE: BASS-PRINZIP
tigkeit. Der klangliche Auftritt der 796 ist
Paar um €1800 schlank und von auffallender Klarheit und Aufgrund ihrer kom-
Maße: 21x100x32 cm (BxHxT) Offenheit gekennzeichnet. Der Bassbereich plexen Bauweise und
Garantie: 5 Jahre damit verbundenen
Vertrieb: IAD, Tel.: 02161/617830, tendiert dabei zur vornehmen Zurückhal- höheren Produktions-
www.iad-deutschland.de tung, wenngleich die Mission insgesamt kosten findet man die
durchaus zur Attacke fähig ist. Stimmen Transmission-Line (1)
Missions schmucke 796 tönt schnell und tem- klangen aber im Vergleich manchmal etwas heute nur noch selten.
peramentvoll, wenngleich mitunter etwas nüchtern bis kühl. tf Dabei sagt man die-
schlank. Damit ist sie auch als Standbox für sem Konzept einen
kleinere Räume geeignet. ausgeprägten und
sauberen Tiefbass bei 1
MESSERGEBNISSE * Frequenzgang unproblematischem
Nennimpedanz 4Ω Impedanzverlauf nach.
minimale Impedanz 3,1 Ω bei 5747 Hertz Außerdem reduziert
maximale Impedanz 15,3 Ω bei 1676 Hertz eine gut konstruierte
mittlere Empfindlichkeit (2,83 V/m) 87,9 dB SPL Impedanz Transmission-Line effi-
untere Grenzfrequenz (-3 dB) 52 Hertz zient Resonanzen des
Lautsprechergehäu-
LABOR-KOMMENTAR ses. Ähnlich der Wir-
kungsweise einer Or-
Welliger Frequenzgang, schnelles Aus- gelpfeife muss die
schwingen, schmalbandige Resonanzen im Länge des im Inneren
Mittelhochtonbereich. der Box verlaufenden Rohres einer TL
exakt ein Viertel der Wellenlänge der
Sprungantwort Bassfrequenz aufweisen, die man unter-
57 % stützen möchte. Rein rechnerisch wären
dies annähernd drei (!) Meter Rohrlänge
für 30 Hertz. Deshalb wird ein TL-Rohr in
der Box gefaltet. Die überwiegend recht-
GUT eckige Schallaustrittsöffnung im Gehäuse
wird in der Regel so berechnet, dass sie
der Größe der Membranfläche des Bass-
lautsprechers entspricht.
Das Bassreflex-Prinzip (2) macht sich
PHONAR VERITAS P 5 Die P 5 ist übrigens sehr anpassungsfähig. ebenfalls die rückwärtige Schallabstrah-
Über eine Brücke am Terminal lassen sich die lung des Tieftöners zu Nutze. Das im Inne-
Paar ab €1500 Höhen linearisieren oder um anderthalb De- ren des Boxengehäuses angeregte Luft-
Maße: 18 x 97 x 31 cm (BxHxT) zibel anheben. Da die Box zudem feinfühlig volumen erzeugt gemeinsam mit der Luft
Garantie: 5 Jahre an der Austrittsöffnung des Bassreflex-
Vertrieb: Phonar Akustik auf das Einwinkeln reagiert, lassen sich von
neutral und offen bis hin zu tedenziell eher rohres ein schwingendes System, welches
Tel.: 04638/89240, www.phonar.de man auch als Helmholtz-Resonator be-
voll und dunkel viele nuancierte Abstufun-
zeichnet. Bewegt sich die Bassmembran
Natürlich, ausgewogen, dynamisch und gen erzielen. Damit bleibt die sympathische nach innen, wird durch das BR-Rohr zeit-
räumlich: Innerhalb ihrer Preisklasse muss die Veritas einer unserer erklärten Lieblinge! cb verzögert Luft ausgestoßen (Phasenver-
kleine Veritas keinen einzigen Mitbewerber
schiebung um 180 Grad). Genau dazwi-
fürchten. Absolute Spitze!
schen, bei 90 Grad, liegt die Resonanzfre-
MESSERGEBNISSE * Frequenzgang quenz, hier unterstützt der nach vorne aus-
Nennimpedanz 4Ω gesendete Schall den rückwärtigen
maximal, der Tieftonbereich wird als sat-
minimale Impedanz 3,7 Ω bei 254 Hertz
ter und tiefer empfunden. Nicht sauber ab-
maximale Impedanz 11,8 Ω bei 80 Hertz gestimmte Bassreflexsysteme fallen oft
mittlere Empfindlichkeit (2,83 V/m) 89,1 dB SPL Impedanz durch schlechtes Impulsverhalten und ra-
untere Grenzfrequenz (-3 dB) 42 Hertz schen Pegelabfall auf.
2
LABOR-KOMMENTAR
Linearer Frequenzgang mit minimal abfallen-
den Höhen, die Sprungantwort ist sehr gut
und lässt keine Resonanzen erkennen.

Sprungantwort
64 %

ÜBERRAGEND

7/2009 STEREO 23
018_Boxen_0709_01.qxp:STEREO 25.05.2009 18:13 Uhr Seite 24

TEST LAUTSPRECHER

PMC verbindet Welten


Die zierliche und sauber verarbeitete Standbox GB1i der englischen Studio-
Experten spielt vor allem in gering bedämpften Räumen groß auf

tudioprofis und HiFi-Liebhaber leben, so skandinavischen Spezialisten Seas entwi-


S scheint es oft, auf verschiedenen Plane-
ten. Sucht der Audiophile nach höchster
ckelte Hochtonkalotte mit Ferrofluid-Küh-
lung.
Klangreinheit und nach allen Seiten ausge- Die beiden Chassis und die rechteckige
reiztem Frequenzspektrum, sieht der Exper- Austrittsöffnung der Transmissionline sind
te die Sache pragmatisch: Neutralität ist ihm sauber in ein hervorragend verarbeitetes
dabei das Allerwichtigste. Der britische Her- Echtholzgehäuse eingepasst, das auf einem
steller PMC, der in der Studiotechnik mit sei- stabilen Gussfuß ruht. In diesem sind die hö-
nen Monitorlautsprechern seit Jahren eine henverstellbaren Spikes montiert, die den
feste Bank ist, möchte mit seiner Home-Hi- Kontakt zum Boden herstellen. Wer möch-
Fi-Linie die Brücke zwischen beiden Lagern te, kann die hübsche Britin im Bi-Wiring-
schlagen. Und geht mit seiner zierlichen oder Bi-Amping-Betrieb ansteuern. Klang-
Standbox GB1i einen interessanten Weg: lich gibt sich die GB1i bis in die oberen Mit-
Mittels einer Transmission-Line, die das In- ten hinein wunderbar natürlich und straff
nenvolumen der knapp 90 Zentimeter ho-
hen Box mit Hilfe eines penibelst berechne- Die erstaun-
ten Kanals um ein Vielfaches vergrößert, ge- lich leichtge-
Die Austrittsöffung der neriert die GB1i, angeregt von einem 14 Zen- wichtige GB1i
Transmissionline (u.) timeter durchmessenden Tieftonchassis, ruht stabil
entspricht in ihren Abmes- einen profunden und dabei herrlich trocke- auf ihrem
sungen der Membran- nen und knackigen Bassbereich, den man ei- Gussfuß. Die
fläche des Basstreibers nem Lautsprecher dieser Größe kaum zu- Spikes sind in der
trauen würde. Darüber werkelt eine vom Höhe verstellbar

Modell T aus Kanada


Nach der tollen Kompakt-Überraschung B1 zieht PSB nun in Form der Imagine T
mit einer ausgewachsenen Standbox in den STEREO-Parcours

aul Burton, Schöpfer der PSB-Lautspre- Magnetantrieb werden so hohe Präzision


P cher, ist hier zu Lande – unverdient und
ebenso wie seine Boxen – kaum bekannt. Der
und hoher Wirkungsgrad erreicht.
Die Membran der beiden frontseitigen
Grund für die Nichtprominenz ist schnell ge- 135er-Tieftöner ist laut PSB gleichermaßen
funden, denn der kanadische Lenbrook- perfekt für die akkurate Neutralität der wich-
Konzern hat neben den Boxen auch die deut- tigen Mitten- als auch kraftvollen Tiefton-
lich bekanntere NAD-Elektronik im Portfo- wiedergabe ausgelegt. Dafür sorgt der Mate-
lio – und die wird in Deutschland erfolgreich rial-Mix von Keramik und Polypropylen, die
vom Lautsprecherspezialisten Dynaudio ver- aerodynamische Formgebung des Chassis-
trieben. Die hier vorgestellte Zwei-Wege-Box korbes und das kräf-
Imagine T misst rund 95 Zentimeter. Das tige Magnetan-
sanft gerundete, mit computergesteuerten triebssystem.
Fertigungssystemen bearbeitete Sieben- Mit den beigefüg-
Schicht-Laminat-Gehäuse weiß optisch zu ten Stopfen erzielten
gefallen und trägt zur Stabilität der Kon- wir – vor allem für
struktion und ihrer akustischen Eigenschaf-
ten bei, etwa die beugungsarme Schallwand.
Den Hochtonbereich verantwortet eine Mit dem beigefügten
Die PSB ist laut Vertrieb 25-mm-Kalotte mit ultraleichter, steifer Ti- Stopfen in den (beiden)
eine Zwei-Wege-Box tanmembran, deren Schwingspule dank ge- Bassreflexöffnungen
und verfügt über ein zieltem Überhang auch bei hohen Pegeln des Gehäuses kann man
attraktives 7-schicht verzerrungsarme Übertragung gewährleis- den Bassbereich
Laminatgehäuse ten soll. In Kombination mit dem kräftigen beeinflussen

24 STEREO 7/2009
018_Boxen_0709_01.qxp:STEREO 25.05.2009 18:13 Uhr Seite 25

PMC GB1i mit einer leicht warmen und sehr sympathi- KABELSALAT
schen Note. Die Vermittlung von Größen-
Paar um €1800 verhältnissen auf einer Bühne, sowohl in die 1
Maße: 16x87x23 cm (BxHxT)
Breite als auch in die Tiefe, gelingt ihr realis-
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: SMM GmbH tisch. In den oberen Lagen könnte sie etwas
Tel.: 0172/8989928, www.hifi-spot.de mehr Esprit vertragen. Mit dieser Charakte-
ristik passt die PMC ganz hervorragend auch
Der Transfer aus dem Studio ins Wohnzim- in spärlicher möblierte Räume, die nicht
mer gelingt nur teilweise. Die GB1i spielt an-
genehm sonor und ausgewogen, aber nicht übermäßig bedämpft sind. tz
Die Kabelfrage wird gern
unbedingt neutral. An Röhren-Amps läuft sie unterschätzt – und nicht we-
erstklassig! nige HiFi-Fans diskutieren im
MESSERGEBNISSE * Frequenzgang Netz, ob Unterschiede an dieser
Nennimpedanz 6Ω
Stelle überhaupt hörbar sind.
Das steht für uns nach jahrelanger Erfah-
minimale Impedanz 5,5 Ω bei 285 Hertz rung außer Frage, denn das aus Verstär-
Impedanz
maximale Impedanz 39,7 Ω bei 2560 Hertz ker, Kabel und Lautsprecher bestehende
mittlere Empfindlichkeit (2,83 V/m) 85,3 dB SPL System stellt physikalisch einen Wechsel-
untere Grenzfrequenz (-3 dB) 52 Hertz stromkreis dar. Während bei Gerätekabeln
die Kapazität die entscheidendste Größe
LABOR-KOMMENTAR ist, muss bei Leistung transportierenden
Durchschnittliches Timing, im Präsenzbereich Lautsprecherkabeln eher auf die Indukti-
zurückhaltend, Amplitudenfrequenzgang ver- vität geachtet werden.
läuft etwas unruhig Zudem tut man gut daran, auf die vom Her-
steller angegebene Laufrichtung zu ach-
Sprungantwort ten, dann klingt es meist etwas stimmiger.
58 % Vereinfacht gesagt liegt das an der „Zug-

2
GUT

PSB IMAGINE T die Mittenwiedergabe – das beste Ergebnis,


wenn wir sie in der jeweils oberen Reflexöff- richtung“ des Kupferleiters bei der Pro-
Paar um €2000 nung positionierten. Völlig „offen“ war die duktion, und man kann sich den Unter-
Maße: 21x95x35 cm (BxHxT) schied vorstellen wie „Kämmen mit oder
PSB bassstärker, wärmer und in den Mitten
Garantie: 5 Jahre gegen den Strich“.
Vertrieb: PSB Lautsprecher leicht belegt, wenngleich immer noch gut.
Insgesamt klingt die Imagine T lebendig, Man muss übrigens gerade in eher über-
Tel.: 0700/77200000
schaubaren Geräte- und Boxenklassen
www.psb-lautsprecher.de dabei ausgewogen und langzeittauglich, mit
keineswegs ein unverhältnismäßiges Ver-
guter Auflösung und Basspräzision sowie ei- mögen in „Strippen“ investieren, um zu gu-
Auch die große PSB enttäuscht nicht, im Ge-
genteil! Lebendig und dennoch universell und ner räumlich kompakten Abbildung. tf ten Ergebnissen zu kommen, weshalb wir
für alle Anwendungen gut geeignet gibt sich hier ein paar günstigere Empfehlungen ab-
die Kanadierin. geben wollen. „Billig“ sind diese hand-
konfektionierten HighTech-Produkte aber
MESSERGEBNISSE * Frequenzgang
selbstverständlich auch nicht, eher preis-
Nennimpedanz 6Ω wert.
minimale Impedanz 4,8 Ω bei 244 Hertz So haben wir etwa mit dem Modell Onyx
maximale Impedanz 46,2 Ω bei 66 Hertz von Sommer Cable (1, um 100 Euro für 2 x
Impedanz 2,5 Meter), mit HMS’ Al Cinema (2, 2 x 3
mittlere Empfindlichkeit (2,83 V/m) 87 dB SPL
Meter um 300 Euro) und mit der schwedi-
untere Grenzfrequenz (-3 dB) 50 Hertz schen Supra-Baureihe „Ply 2.0“ (3, mit
Schraubanschlüssen ab 170 Euro für 2 x 3
LABOR-KOMMENTAR Meter) ausgewogene Ergebnisse erzielt.
Leicht welliger Frequenzverlauf mit minima-
ler Präsenzbetonung, gutem Timing und
schnell ausschwingendem Bass. 6-Ohm-Box. 3

Sprungantwort
62 %

EXZELLENT
* Zusätzliche Messwerte und Diagramme für Abonnenten
im STEREO-Club unter www. stereo.de

7/2009 STEREO 25