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Institut für Elektrische Anlagen und Netze, Digitalisierung und Energiewirtschaft

Untersuchung der Eignung einer statischen Regelung


netzbildender Wechselrichter für den stabilen Insel-
netzbetrieb

Investigation of the applicability of droop-controlled grid-forming converters to


the stable operation of islanded microgrids

Bachelorarbeit
von
Frau Nigar Musayeva

1. Prüfer: Univ.-Prof. Dr.-Ing. Albert Moser


2. Prüfer: Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Dr. h. c. Kay Hameyer
Betreuer: Alexander Winkens, M. Sc.
Dominik Willenberg, M. Sc.
Aachen, 29. Juli 2020
Eidesstattliche Versicherung

Musayeva, Nigar________________ _______384224______

Name, Vorname Matrikelnummer

Ich versichere hiermit an Eides Statt, dass ich die vorliegende Masterarbeit mit dem
Titel

Untersuchung der Eignung einer statischen Regelung netzbildender Wechsel-


richter für den stabilen Inselnetzbetrieb

selbständig und ohne unzulässige fremde Hilfe erbracht habe. Ich habe keine anderen
als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt. Für den Fall, dass die Arbeit zu-
sätzlich auf einem Datenträger eingereicht wird, erkläre ich, dass die schriftliche und
die elektronische Form vollständig übereinstimmen. Die Arbeit hat in gleicher oder ähn-
licher Form noch keiner Prüfungsbehörde vorgelegen.

Aachen, 29. Juli 2020___________ ___________________

Ort, Datum Unterschrift

Belehrung:
§ 156 StGB: Falsche Versicherung an Eides Statt
Wer vor einer zur Abnahme einer Versicherung an Eides Statt zuständigen Behörde eine solche Versiche-
rung falsch abgibt oder unter Berufung auf eine solche Versicherung falsch aussagt, wird mit Freiheitsstrafe
bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
§ 161 StGB: Fahrlässiger Falscheid; fahrlässige falsche Versicherung an Eides Statt
(1) Wenn eine der in den §§ 154 bis 156 bezeichneten Handlungen aus Fahrlässigkeit begangen worden
ist, so tritt Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe ein.
(2) Straflosigkeit tritt ein, wenn der Täter die falsche Angabe rechtzeitig berichtigt. Die Vorschriften des §
158 Abs. 2 und 3 gelten entsprechend.

Die vorstehende Belehrung habe ich zur Kenntnis genommen.

Aachen, 29. Juli 2020___________ ___________________

Ort, Datum Unterschrift


Kurzfassung v

Kurzfassung

Durch den allmählichen Umstieg auf regenerative Energiequellen ändert sich die Ge-
stalt des elektrischen Energiesystems. Dieser Wandel wird unter anderem an der Zu-
nahme der dezentralen Erzeugungsanlagen in Mittel- und Niederspannungsnetzen er-
kennbar. Bestimmte Teile dieser Mittel- und Niederspannungsnetze können bei Versor-
gungsunterbrechungen, beispielsweise durch einen großflächigen Blackout des Ver-
bundnetzes, als temporäre Notfallinselnetze betrieben werden. Das Hauptziel dieses
Inselnetzbetriebs besteht darin, die elektrische Energieversorgung in geeigneten Ge-
bieten, zu gewährleisten.

Im Verbundnetzbetrieb werden die Amplitude und Frequenz der Netzspannung durch


die Synchrongeneratoren der Großkraftwerke vorgegeben und insbesondere dank der
hohen Trägheit selbst bei spontanen Laständerungen innerhalb akzeptabler Grenzen
gehalten. Diese Eigenschaft ist in einem von erneuerbaren Energieträgern versorgten
Inselnetz nicht zwangsläufig vorhanden, da die Spannungsvorgabe typischerweise
durch netzbildende Wechselrichter erfolgen muss. Zur Ermöglichung des Parallelbe-
trieb mehrerer netzbildender Wechselrichter wird im Rahmen dieser Arbeit eine stati-
sche Regelung (Droop Control) eingesetzt und ihr Einfluss auf die beteiligten System-
größen und die Stabilität des Inselnetzes untersucht. Hierzu werden mit MATLAB-
Simulink dynamische Zeitbereichssimulationen durchgeführt. Darüber hinaus wird die
Lastaufteilung zwischen parallel betriebenen Wechselrichtern bei Lastzuschaltungen
oder -abwürfen analysiert.

Im Rahmen einer Parameterstudie kann anhand einer Variation der Lastsprunghöhe


das erwartungsgemäße Verhalten der statischen Regelung bestätigt werden. Durch die
Einstellung unterschiedlicher Regelungsparametrierungen bei den jeweiligen Wechsel-
richtern wird außerdem festgestellt, dass die Wirkleistungs-Frequenzregelung ab einer
bestimmten Leistungszahl der statischen Regelung nicht mehr in der Lage ist, die
Wirkleistung und somit auch die Frequenz auf einen stabilen Arbeitspunkt einzuregeln.
Im Gegensatz dazu weist die Blindleistungs-Spannungsregelung bei unterschiedlichen
betrachteten Parametrierungen ein stabiles Verhalten auf.
Abstract vii

Abstract

The gradual switch to renewable energy sources is changing the shape of the electrical
energy system. This change can be seen, among other things, in the increase in de-
centralized generation plants in medium and low voltage networks. Certain parts of
these medium and low-voltage grids can temporarily be operated as islanded mi-
crogrids in the event of supply interruptions, for example, due to a large-scale blackout
of the main grid. The main objective of the islanded microgrid operation is to guarantee
the electrical energy supply in appropriate areas.

In the main grid the amplitude and frequency of the grid voltage are determined by the
synchronous generators of the large power plants and are kept within acceptable limits
even in the case of spontaneous load changes, thanks to the high inertia. This property
is not necessarily present in an islanded microgrid supplied by renewable energy
sources, as the voltage specification typically has to be made by grid-forming inverters.
In order to enable the parallel operation of several grid-forming inverters, a droop con-
trol strategy is implemented in this thesis and its influence on the relevant system vari-
ables and the stability of the islanded microgrid is investigated. For this purpose, dy-
namic time domain simulations are carried out using MATLAB-Simulink. In addition, the
load sharing between inverters operating in parallel in the case of load additions or load
shedding is analyzed.

Within the framework of a parameter study, the expected behavior of the static control
can be confirmed by varying the load step size. By setting different control parameters
for the respective inverters, it is also determined that the active power frequency control
is no longer able to adjust the active power and thus the frequency to a stable operating
point above a certain coefficient of performance of the static control. In contrast to this,
the reactive power voltage control shows a stable behaviour with different considered
parameter settings.
Inhaltsverzeichnis ix

Inhaltsverzeichnis

Seite

Kurzfassung v

Abstract vii

Inhaltsverzeichnis ix

Abbildungsverzeichnis xi

Tabellenverzeichnis xv

Abkürzungsverzeichnis xvii

1 Motivation und Zielsetzung 1


1.1 Motivation .............................................................................................1
1.2 Zielsetzung ...........................................................................................2

2 Theoretische Grundlagen 3
2.1 Elektrizitätsversorgung und Netzstrukturen ..........................................3
2.1.1 Dezentrale Energieerzeugung ....................................................5
2.1.2 Microgrids und Inselnetze ..........................................................7
2.2 Wechselrichter ......................................................................................9
2.2.1 Aufbau und Funktionsweise .......................................................9
2.2.2 Klassifikation der Wechselrichter ............................................. 12
2.3 Frequenz- und Spannungsregelung ................................................... 13
2.4 Stabilität .............................................................................................. 16
2.4.1 Definition der Stabilität in einem Inselnetz................................ 16
2.4.2 Stabilitätskriterien für Frequenz und Spannung ....................... 17

3 Modellierung 19
3.1 Wechselrichtermodell.......................................................................... 19
x

3.2 Implementierung der statischen Regelung (Droop Control) ................24


3.3 Modell des Inselnetzes .......................................................................26

4 Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 31


4.1 Validierung der Droop Control.............................................................31
4.1.1 Wirkleistungs-Frequenzregelung ..............................................31
4.1.2 Blindleistungs-Spannungsregelung ..........................................41
4.2 Parallelbetrieb und Parametervariation ...............................................49
4.2.1 Variation der Lastsprunghöhe ..................................................49
4.2.2 Variation der Droop Parameter.................................................58

5 Zusammenfassung und Ausblick 69


5.1 Zusammenfassung .............................................................................69
5.2 Ausblick ..............................................................................................70

Literaturverzeichnis 71
Abbildungsverzeichnis xi

Abbildungsverzeichnis

Seite

Abbildung 2-1: Hierarchische Struktur des Elektrizitätsversorgungssystems Deutschlands


[MOS10]..............................................................................................................5

Abbildung 2-2: Beispiel von einer typischen Microgrid-Struktur [SOU19]....................................8

Abbildung 2-3: Einphasiger Wechselrichter [HEU13] ............................................................... 10

Abbildung 2-4: Steuersignalerzeugung durch Sinus-Dreieck-Vergleich [HEU13] .................... 11

Abbildung 2-5: Steuerdiagramm für einen netzbildenden Wechselrichter [BLA18] .................. 12

Abbildung 2-6: Ersatzschaltbild des Wechselrichters am Netzanschlusspunkt [ROC12]......... 14

Abbildung 2-7: Frequenz- und Spannungskennlinie bei statischer Regelung in induktiven


Netzen [ROC12] .............................................................................................. 15

Abbildung 2-8: Klassifikation der Stabilität in Inselnetzen [IEE18] ............................................ 17

Abbildung 3-1: Bestehendes Modell des Wechselrichters im Simulink .................................... 20

Abbildung 3-2: Modell des harmonischen Filters ...................................................................... 21

Abbildung 3-3: Steuerungssystem des Wechselrichters. ......................................................... 22

Abbildung 3-4: Bestandteile der inneren Regelungsschleife .................................................... 23

Abbildung 3-5: Implementierte statische Regelung .................................................................. 24

Abbildung 3-6: Frequenzregelung mit eingebautem Tiefpass .................................................. 25

Abbildung 3-7: Spannungsregelung .......................................................................................... 26

Abbildung 3-8: Modell des Inselnetzes ..................................................................................... 27

Abbildung 3-9: Kaskade der π-Abschnitte von R, L, C innerhalb der Leitung [SIM20] ............ 28

Abbildung 3-10: Verbrauchern im Inselnetz .............................................................................. 29

Abbildung 4-1: Ergebnisse der Wirkleistungseinspeisung im Fall 1 ......................................... 33

Abbildung 4-2: Ergebnisse des Frequenzgangs im Fall 1 ........................................................ 33

Abbildung 4-3: Ergebnisse der Wirkleistungseinspeisung im Fall 2 ......................................... 34


xii

Abbildung 4-4: Ergebnisse des Frequenzgangs im Fall 2 ......................................................... 35

Abbildung 4-5: Ergebnisse der Wirkleistungseinspeisung im Fall 3 ......................................... 37

Abbildung 4-6: Ergebnisse des Frequenzgangs im Fall 3 ......................................................... 37

Abbildung 4-7: Ergebnisse der Wirkleistungseinspeisung bei der Validierung ......................... 38

Abbildung 4-8: Ergebnisse des Frequenzgangs bei der Validierung ........................................ 38

Abbildung 4-9: Ergebnisse der Wirkleistungseinspeisung im Fall 4 ......................................... 39

Abbildung 4-10: Ergebnisse des Frequenzgangs im Fall 4 ....................................................... 40

Abbildung 4-11: Blindleistungseinspeisung im Fall 1 ................................................................ 42

Abbildung 4-12: Sollwert der Kapazitätsspannung im Fall 1 ..................................................... 42

Abbildung 4-13: Effektivwert der Netzspannung in vier Fällen.................................................. 43

Abbildung 4-14: Blindleistungseinspeisung im Fall 2 ................................................................ 44

Abbildung 4-15: Sollwert der Kapazitätsspannung im Fall 2 ..................................................... 45

Abbildung 4-16: Blindleistungseinspeisung im Fall 3 ................................................................ 46

Abbildung 4-17: Sollwert der Kapazitätsspannung im Fall 3 ..................................................... 47

Abbildung 4-18: Blindleistungseinspeisung im Fall ................................................................... 48

Abbildung 4-19: Sollwert der Kapazitätsspannung im Fall 4 ..................................................... 48

Abbildung 4-20: Lastaufteilung zwischen den parallelen Wechselrichtern bei verschiedenen


Lastsprunghöhen ............................................................................................. 50

Abbildung 4-21: Frequenzgang paralleler Wechselrichter bei verschiedenen


Lastsprunghöhen ............................................................................................. 51

Abbildung 4-22: Einschwingvorgang bei einer durch Lastzuschaltung bedingten


Frequenzänderung........................................................................................... 52

Abbildung 4-23: Eingespeiste Blindleistung der Wechselrichter im Parallelbetrieb bei


verschiedenen Lastsprunghöhen..................................................................... 53

Abbildung 4-24: Sollwerte der Filterkapazitätsspannung von parallelen Wechselrichtern bei


verschiedenen Lastsprunghöhen..................................................................... 54

Abbildung 4-25: Effektivwert der von dem Wechselrichter 1 eingespeisten Spannung ........... 55

Abbildung 4-26: Effektivwert der von dem Wechselrichter 2 eingespeisten Spannung ........... 55
Abbildungsverzeichnis xiii

Abbildung 4-27: Einschwingvorgang der Ausgangsspannung von WR1................................. 56

Abbildung 4-28: Einschwingvorgang der Ausgangsspannung von WR2................................. 57

Abbildung 4-29: Einschwingvorgang der Ausgangsspannung von WR1 über einen längeren
Zeitraum........................................................................................................... 58

Abbildung 4-30: Einschwingvorgang der Ausgangsspannung von WR2 über einen längeren
Zeitraum........................................................................................................... 58

Abbildung 4-31: Wirkleistungseinspeisung paralleler Wechselrichter mit Kp,2 = -2,9*10-6 Hz/W 60

: Abbildung 4-32: Zeitlicher Verlauf der Frequenz bei Kp,2 = -2,9*10-6 Hz/W ........................... 60

Abbildung 4-33: Wirkleistungseinspeisung mit Kp,2 = -2,95*10-6 Hz/W ..................................... 61

Abbildung 4-34: Zeitlicher Verlauf der Frequenz bei K p,2 = -2,95*10-6 Hz/W ............................ 62

Abbildung 4-35: Wirkleistungseinspeisung bei Kp,2 = -2,9651*10-6 Hz/W ................................ 62

Abbildung 4-36: Frequenzgang bei Kp,2 = -2,9651*10-6 Hz/W ................................................... 63

Abbildung 4-37: Blindleistungseinspeisung von WR1 bei verschieden Kq,2 ............................. 64

Abbildung 4-38: Blindleistungseinspeisung von WR2 bei verschieden Kq,2 ............................. 65

Abbildung 4-39: Sollwert der Kapazitätsspannung von WR1 bei unterschiedlichen K q,2.......... 65

Abbildung 4-40: Sollwert der Kapazitätsspannung von WR2 bei unterschiedlichen K q,2.......... 66

Abbildung 4-41: Ausgangsspannung von WR1 ....................................................................... 66

Abbildung 4-42: Ausgangsspannung von WR2 ....................................................................... 67


Tabellenverzeichnis xv

Tabellenverzeichnis

Seite

Tabelle 3-1: Parameter des netzbildenden Wechselrichters .................................................... 23

Tabelle 3-2: Werte für den LCL-Filter und den virtuellen Widerstand....................................... 23

Tabelle 3-3: Parameter von der äußeren Regelungsschleife ................................................... 26

Tabelle 3-4: Parameter der Leitung .......................................................................................... 28

Tabelle 4-1: Parameter des Inselnetzes im Fall 1..................................................................... 32

Tabelle 4-2: Parameter des Inselnetzes im Fall 2 ..................................................................... 34

Tabelle 4-3: Parameter des Inselnetzes im Fall 3 ..................................................................... 36

Tabelle 4-4: Parameter des Inselnetzes im Fall 4 ..................................................................... 39

Tabelle 4-5: Parameter des Inselnetzes im Fall 1 ..................................................................... 41

Tabelle 4-6: Parameter des Inselnetzes im Fall 2 ..................................................................... 44

Tabelle 4-7: Parameter des Inselnetzes im Fall 3 ..................................................................... 46

Tabelle 4-8: Parameter des Inselnetzes im Fall 4 ..................................................................... 47

Tabelle 4-9: Parameter des Inselnetzes bei der Variation der Lastsprunghöhe ....................... 53

Tabelle 4-10: Parameter des Inselnetzes bei der Variation der Droop Parameter ................... 59

Tabelle 4-11: Parameter des Inselnetzes bei der Variation der Droop Parameter ................... 64
Abkürzungsverzeichnis xvii

Abkürzungsverzeichnis

DLC Distribution Line Communication

EEG Erneuerbare Energien Gesetz

GTO Gate Turn-Off Thyristor

H Hochhäuser

HH Hochspannung Hochleistung

IFHT Institut für Hochspannungstechnik

IGBT Insulated-Gate Bipolar Transistor

kW Kilowatt

MS Mittelspannung

MW Megawatt

NS Niederspannung

OLTC On Load Tap Changer

ONS Ortsnetzstation

RWTH Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule

VDEW Verband der Elektrizitätswirtschaft

VDN Verband der Netzbetreiber

WR Wechselrichter
Motivation und Zielsetzung 1

1 Motivation und Zielsetzung

Bei einem Netzausfall kann es sinnvoll sein das Netz als ein Inselnetz weiter zu betrei-
ben um die einzelnen Gebiete weiter mit Energie zu versorgen. Unter diesen Umstän-
den müssen die Netzfrequenz und -spannung durch die netzbildenden Wechselrichter
vorgegeben werden. Das Ziel dieser Arbeit ist zu untersuchen ob eine statische Rege-
lung netzbildender Umrichter dafür geeignet ist.

1.1 Motivation

Der Anreiz, die schlechten Auswirkungen von Energiesystemen auf die Umwelt zu mi-
nimieren, treibt die Energiewende in Deutschland voran. Das führt dazu, dass immer
mehr Energie von regenerativen Energiequellen erworben wird und die mit fossilen
Brennstoffen betriebenen Kraftwerke abgeschaltet werden. Laut den Angaben der Bun-
desnetzagentur ist die Menge der installierten Leistung, die aus Strahlungsenergie er-
worben wird, von 2010 bis 2018 um mehr als 1.5 mal gestiegen. Aus Windenergie
wurde nur am Land in dieser Periode 95,52% mehr Leistung hergestellt [BUN18]. Diese
Entwicklungen haben Dezentralisierung der Energieversorgung zur Folge bei der die
elektrische Energie in der Nähe von Wohngebieten und industriellen Verbrauchern er-
zeugt wird.

Bei einem mehrere Stunden bis Tage andauernden Blackout können bestimmte von
dezentralen Energieträgern versorgte Mittel- und Niederspannungsnetzstrukturen als
ein lokales Inselnetz betrieben werden. Dadurch wird insbesondere die Versorgung der
Lasten mit hoher Priorität, wie Krankenhäuser, Verkehrs- und Telekommunikationsein-
richtungen, gewährleistet. Allerdings ist ein stabiler Inselnetzbetrieb mit besonderen
Herausforderungen verbunden.

Im Verbundnetz wird die Frequenz und Spannungsamplitude von den Großkraftwerken


vorgegeben. In einem Inselnetz ist so eine Frequenz- und Spannungsfestlegung nicht
vorhanden. In diesem Fall werden die Energieerzeugungsanlagen an das Netz durch
Umrichter gekoppelt. Die Vorgabe der Spannungsamplitude und Frequenz kann durch
2 Motivation und Zielsetzung

den Einsatz (mehrerer) netzbildenden Umrichter erreicht werden. Die Stabilität des Net-
zes mit mehreren parallelbetriebenen Wechselrichter könnte mithilfe der statischen Re-
gelung gewährleistet werden.

Durch die Übergabe von einem richtigen Sollwert an PWM stellt ein netzbildender
Wechselrichter einen Signal mit der notwendigen Frequenz und richtigen Spannungs-
höhe her. Dieser Sollwert wird durch die Zusammenarbeit verschiedener Regler er-
reicht. Einer von denen ist statische Regelung (englisch: Droop Control), die nämlich
den P-f bzw. Q-U Zusammenhang wiedergibt und als ein möglicher Ansatz zur Lösung
der Frequenz- oder Spannungsschwankungen in einem Notfallinselnetzen angewendet
werden kann. Allerdings wurde diese Strategie noch nicht hinreichend untersucht.

1.2 Zielsetzung

Bei der Implementierung der Droop Control spielt die Wahl der Parameter eine wesent-
liche Rolle. Aus diesem Grund ist das Ziel dieser Arbeit so eine statische Frequenz-
und Spannungsregelung in ein existierendes Wechselrichtermodell einzubauen. Die
Ergänzung des Modells und weiter Untersuchung wird in der Software Matlab/Simulink
erfolgen. Dies wird eine weitere Studie des Verhaltens von dieser Regelungsstrategie
in einem Inselnetz ermöglichen. Nach der Implementierung soll die Funtionsweise der
statischen Regelung plausibilisiert werden, indem der zeitliche Verlauf von Spannung
und Frequenz bei einem Lastsprung analysiert wird.

Im zweiten Schritt wird der Parallelbetrieb mehrerer netzbildender Wechselrichter mit


einer statischen Regelung analysiert. Mithilfe der geeigneter Blöcke wird eine Lastän-
derung im Inselnetz simuliert. Auf Basis dieses Modells soll eine Parameterstudie
durchgeführt werden, anhand der gezeigt werden soll, welchen Einfluss diese Rege-
lungsstrategie auf das dynamische Verhalten des Notfallinselnetzes hat, und ob dieser
Ansatz sich für einen stabilen Parallelbetrieb der netzbildenden Wechselrichter eignet.
Der Fokus wird zusätzlich auf die Leistungsaufteilung bei Lastzuschaltungen bzw. -ab-
würfen gesetzt.
Theoretische Grundlagen 3

2 Theoretische Grundlagen

Im folgenden Kapitel werden die Grundlagen erläutert, die ein tieferes Verständnis der
Untersuchung und der Ergebnisse dieser Arbeit ermöglichen. Zuerst wird allgemein
die Struktur des Energieversorgungssystems in Deutschland beschrieben. Im Weiteren
wird die Entwicklung der dezentralen Energieerzeugung erläutert und ihr Einfluss auf
die Netzstruktur erklärt, was in eine Diskussion über Inselnetze übergeleitet wird. Im
Anschluss wird auf die Rolle und die Funktion der netzbildenden Wechselrichter in In-
selnetzen eingegangen. Abschließend wird für einen stabilen Inselnetzbetrieb einge-
setzte Regelungsstrategie vorgestellt.

2.1 Elektrizitätsversorgung und Netzstrukturen

Elektrische Netze erfüllen die Aufgabe der Verbindung der Erzeugungsanlagen mit den
Verbrauchern. Die wesentlichen Bestandteile sind Leitungen, Schaltanlagen und
Transformatoren, die in Zusammenarbeit eine sichere Stromversorgung gewährleisten
sollen.[MOS10]

Da Energiespeicherung ziemlich kostenintensiv ist, muss die Bilanz aus eingespeister


und verbrauchter Leistung ausgeglichen sein. Typischerweise befinden sich die Erzeu-
gungseinheiten an einem von Verbrauchern entfernten Standort. Das sind Standorte,
an denen erforderliche Rohstoffe, wie z.B. Braunkohle oder Wasserkraft, zur Verfügung
stehen, und wo Großkraftwerke effizient Leistung herstellen können. Aus diesem Grund
muss die Energie über längere Strecken übertragen und anschließend verteilt werden
[SCH18].

In Abhängigkeit der zu übertragenden Leistung werden zum Transport bzw. zur Vertei-
lung der erzeugten Energie verschiedene mithilfe von Transformatoren verbundene
Spannungsebenen genutzt. Die Nennspannung dieser Spannungsebenen ist der Über-
tragungsleistung 𝑃 nach Formel (2.1) und Übertragungsentfernung 𝑙 nach Former (2.2)
proportional. Dieser Zusammenhang kann folgendermaßen grob abgeschätzt werden
[MOS10]:
4

𝑃 𝑈𝑛
≈ (2.1)
𝑀𝑊 𝑘𝑉

und

𝑙 𝑈𝑛
≈ (2.2)
𝑘𝑚 𝑘𝑉

Daher haben sich in Deutschland unterschiedliche Spannungsebenen etabliert, die in


vier Gruppen zusammengefasst werden. Abbildung 2-1 stellt diese Spannungsebenen
gemeinsam mit typischen Leistungswerten schematisch dar [MOS10]. Die unterschied-
lichen Spannungsebenen dienen wie im Folgenden erläutert zur Erfüllung verschiede-
ner Zwecke [SCH18].

- Zu Höchstspannung gehören Betriebsspannungen zwischen 220kV und


380kV. So eine hohe Spannung wird für die Übertragung der Energie über
lange Entfernungen gebraucht. Auch sehr große Industrieanlagen beziehen
Leistung aus dieser Spannungsebene [SCH18].
- Als Hochspannung werden Spannungen zwischen 60 und 220kV bezeich-
net. [SCH18] Hochspannungsnetze sorgen für die Weiterleitung der elektri-
schen Energie an lokale Verteilnetzbetreiber und an bestimmte Verbraucher
wie z.B. große Industrieunternehmen, Kliniken oder Universitäten [SCH17].
- Die Mittelspannungsebene umfasst Spannungen zwischen 1kV und 36kV
[SCH18]. Auf dieser Spannungsebene wird elektrische Energie lokal an die
Endverbraucher geleitet [SCH17].
- Unter Niederspannungsnetz fallen Spannungen unter 1kV [SCH18]. Dieses
Netz bezieht die elektrische Energie aus vorgelagerten Mittelspannungsnet-
zen, die dann von den Knotenpunkten an die Endverbraucher geliefert wird
[SCH17].
Theoretische Grundlagen 5

Abbildung 2-1: Hierarchische Struktur des Elektrizitätsversorgungssystems Deutschlands


[MOS10]

2.1.1 Dezentrale Energieerzeugung

Angesichts des steigenden Umweltbewusstseins und der Gesetze, wie z.B. Erneuer-
bare-Energien-Gesetz (EEG), die Technologien zur Nutzung der erneuerbaren Ener-
gien fördern, hat sich die Menge der Energie, die von Windkraft-, Photovoltaik- und
Biomasseanlagen produziert wird, deutlich erhöht. Infolge dieser Gesetze werden kon-
ventionelle Großkraftwerke immer weniger Vollaststunden eingesetzt. Die Stromerzeu-
gung bewegt sich weg von zentralisierten Energieerzeugung durch klassische fossil
betriebene Kraftwerke in die Richtung mehrerer dezentralen Erzeugungseinheiten in
der Form von Windkraft, PV-Anlagen, Biomassekraftwerken und Blockheizkraftwerken,
die in Mittel- und Niederspannungsebene eingebaut werden. [SCH17]

Als dezentrale Stromerzeugung wird Energieerzeugung bezeichnet, die in ihrer Nach-


barschaft Lasten versorgt. In der Regel sind solche Erzeugungsanlagen relativ klein
und stellen Energie in einem Bereich von 1 kW bis 50 MW her. [SOU19]

Üblicherweise im Privatsektor eingesetzte Erzeugungsanlagen sind:[EPA18]


6

 Photovoltaikanlagen
 Kleine Windturbinen
 Brennstoffzellen

Energieressourcen, die im industriellen Sektor eingesetzt werden, sind: [EPA18]

 Blockheizkraftwerke
 Solarenergie
 Windkraft
 Wasserkraft
 Verbrennung von Biomasse
 Verbrennung fester Haushaltsabfälle
 Mit Erdgas oder Biomasse befeuerte Brennstoffzellen

Dezentrale Energieerzeugung weist einige Eigenschaften auf, die zum effizienten Res-
sourceneinsatz beitragen, weshalb die Nutzung der dezentralen Stromerzeugung zu-
genommen hat. Einige von diesen Gründen sind:[EPA18]

 Niedrigere Kosten der Nutzung erneuerbarer Energien, wie z.B. Solaranlagen


 Politische Förderungen für den Einsatz erneuerbarer Energien
 Nutzung der dezentrale Erzeugungsanlagen bei Blackouts, die z.B. nach
schweren Stürmen und an Tagen mit hohem Energieverbrauch vorkommen

Die dezentrale Erzeugung kann einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben, indem
die Menge der Energie, die die zentralen fossil betriebenen Kraftwerke herstellen, re-
duziert wird. Ein anderer positiver Aspekt ist die Nutzung der Wärme die bei zentralen
Energieversorgung ungenutzt bleiben würde, z.B. mithilfe eines Blockheizkraftwerks.
Außerdem werden durch die Nähe der Erzeugungsanlagen zu Verbrauchern kürzere
Leitungen benötigt, was zur Reduzierung der Verluste bei der Übertragung
führt.[EPA18]

Die Vorteile, die die dezentrale Erzeugung bietet, wie z.B. niedrigere CO2 Emissionen
oder Reduzierung der Verluste, können durch einen systematischen Ansatz besser re-
alisiert werden. Dies geschieht mittels einer Zusammenfassung der Erzeugungseinhei-
ten und der zugehörigen Lasten in ein Subsystem, sogenanntes Microgrid [LAS04].
Theoretische Grundlagen 7

2.1.2 Microgrids und Inselnetze

Dank ihrer Nähe zu lokalen Verbrauchern ermöglichen dezentrale Energieerzeugungs-


anlagen, wie PV- oder Windkraftanlagen, und Speichersysteme Bildung von Microgrids
in Mittel- und Niederspannungsebene [LAA08]. So eine Gruppe dezentraler Energie-
quellen und lokalen Lasten kann als eine einzige Netzeinheit gesteuert und betrieben
werden. Ein Microgrid kann sowohl als ein relativ komplexes Netzwerk mit mehreren
Energieressourcen und Verbrauchern zusammengestellt werden, als auch ein kleines
System mit nur einer Last bilden [IEE18].

Microgrids können sowohl ans Netz verbunden bleiben als auch im isolierten, oder so-
genannten Inselnetzbetrieb arbeiten. Netzgekoppelte Microgrids werden über einen ge-
meinsamen Verbindungspunkt mit dem überlagerten Verbundnetz (englisch „Point of
Common Coupling (PCC)“) verbunden. Das Gleichgewicht zwischen Erzeugung und
Verbrauch muss in beiden diesen Betriebsweisen bewahrt bleiben. Um die Stabilität
des Netzes sicherzustellen ist eine aktive Beteiligung aller steuerbaren dezentralen
Energiequellen an der Regelung der Spannung und Frequenz notwendig [IEE18].

Die netzgekoppelten Microgrids können in den Inselnetzbetrieb bewusst (z.B. zur


Durchführung planmäßiger Wartungsarbeiten) oder unabsichtlich aufgrund der Störun-
gen übergehen. Beispiele für isolierte Microgrids sind Gebiete und Industriestandorte,
die sich auf einer weiten Entfernung vom Hauptnetz befinden. Dieser Anwendungsfall
wird allerdings in dieser Arbeit nicht untersucht [IEE18].

Abbildung 2-2 zeigt beispielsweise Struktur eines typischen Microgrids. In der Abbil-
dung sind verschiedene Erzeuger, wie PV-Anlage, Windkraftanlage, Brennstoffzelle o-
der Batterie, zu sehen. Diese Erzeugungseinheiten sind anhand der Umrichter mit dem
Niederspannungsnetz verbunden und sind an der Versorgung der angeschlossenen
Lasten beteiligt. An der linken Seite ist der Verbindungspunkt mit dem Verbundnetz
erkennbar. Mittels der Trennschalter (CB – Circuit breaker) kann dieses Microgrid sich
von dem Verbundnetz trennen [SOU19].
8

Abbildung 2-2: Beispiel von einer typischen Microgrid-Struktur [SOU19]

In einem netzgekoppelten Betrieb werden Spannung und Frequenz durch das Verbund-
netz vorgegeben. Daher muss bei dieser Betriebsweise lediglich die Stabilität einzelner
Komponenten, wie z.B. einer bestimmten dezentralen Erzeugungseinheit oder einer
Reihe lokaler Lasten, einschließlich Elektromotoren, und deren Auswirkungen auf das
System, geachtet werden [IEE18].

Da dies für die Inselnetze nicht der Fall ist, müssen sie eine aktive Rolle in der Stabili-
sierung des Netzes spielen. Die Systemspannung und -Frequenz werden nicht mehr
vom Verbundnetz festgelegt. Die dezentralen Erzeugungsanlagen, die die Lasten im
Inselnetz versorgen, müssen Spannungsniveau und Netzfrequenz definieren und diese
elektrischen Größen innerhalb der zulässigen Betriebsbereiche stabilisieren. Diese Auf-
gabe wird durch die charakteristischen Merkmale der Inselnetze erschwert [IEE18].

Das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage in Inselnetzen ist für die Stabilität
des Netzes von großer Bedeutung. Daher muss die schwankende und unsichere Natur
von regenerativen Energieträgern wie Wind oder solarer Strahlung in diesen Systemen
berücksichtigt werden. Außerdem führt die Bereitstellung der Energie von elektronisch
Theoretische Grundlagen 9

gekoppelten dezentralen Energieressourcen und relativ kleinen Synchronmaschinen


dazu, dass Inselnetze im Vergleich zu herkömmlichen Energiesystemen eine viel ge-
ringere Systemträgheit aufweisen [IEE18]. Dies führt zu höheren Frequenzänderungen
bei einem Ungleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch [MIL18].

2.2 Wechselrichter

Wie oben beschrieben, werden dezentrale Energieträger, wie z.B. Windkraftanlagen


oder PV-Anlagen, mittels Wechselrichter mit dem Inselnetz verbunden. Daher sind Not-
fallinselnetze auch wechselrichterdominiert. Aus diesem Grund erfolgt die Netzbildung
durch Wechselrichter.

Folglich wird allgemein die Funktion und der Aufbau der Wechselrichter erläutert. Da-
nach wird auf die Klassifizierung der Wechselrichter eingegangen und die Nutzung der
netzbildenden Wechselrichter in einem Inselnetz begründet.

2.2.1 Aufbau und Funktionsweise

Die Hauptfunktion der Wechselrichter besteht darin, Gleichstrom in netzsynchronisier-


ten Wechselstrom umzuwandeln. Beispielsweise wurden die ersten PV-Anlagen in den
1980er Jahren mit dem Netz mithilfe der thyristorbasierten Wechselrichter verbunden.
Seit Mitte der 1990er Jahre ersetzen IGBTs und MOSFETs in großem Umfang Thyris-
toren für alle Arten von PV-Wechselrichtern, mit Ausnahme von modulintegrierten
Wechselrichtern, bei denen in der Regel MOSFETs bevorzugt werden [TEO11].

In Inselnetzen eingesetzte Wechselrichter werden mit Pulsweitenmodulation gesteuert.


Solche Wechselrichter werden bevorzugt, da sie am Ausgang ein Signal mit kleineren
Oberschwingungen generieren [CRA09].

PWM stellt sicher, dass eine konstante Gleichspannung in eine sinusförmige Wechsel-
spannung umgewandelt wird. Dies geschieht durch Aufteilung der Periodendauer der
notwendigen Spannung in zahlreiche Zeitabschnitte. Während dieser Zeitabschnitte
wird eine konstante Gleichspannung abwechselnd an- oder abgeschaltet. Daraus ergibt
sich das Tastverhältnis (𝑇𝑉) nach Ausdruck (2.3): [HEU13]
10

𝑡𝑒𝑖𝑛 𝑡𝑒𝑖𝑛
𝑇𝑉 = = (2.3)
𝑡𝑒𝑖𝑛 + 𝑡𝑎𝑢𝑠 𝑇𝑝

wo 𝑡𝑒𝑖𝑛 für Einschaltzeit und 𝑇𝑝 für Periodendauer steht. [HEU13] Typischerweise be-
trägt die Schaltfrequenz der PWM 5 kHz [TEO11].

Anhand eines einphasigen Wechselrichters kann die Funktionsweise näher erläutert


werden. Als Beispiel wird der in Abbildung 2-5 gezeigte Wechselrichter benutzt
[HEU13].

Abbildung 2-3: Einphasiger Wechselrichter [HEU13]

Dieses Modell stellt eine Brückenschaltung, die vier schaltende Transistoren miteinan-
der verbindet. Parallel zu den Transistoren sind in der Gegenrichtung leitende Dioden
hinzugefügt. Die Verbindung zwischen den Brückenzweigen beinhaltet eine ohmsch-
induktive Last. Die Steuersignale, die zur Erzeugung einer Wechselspannung benötigt
werden, können durch ein Sinus-Dreieck-Vergleich hergestellt werden. Die Schnitt-
punkte, die bei dieser Methode zwischen zwei Funktionen entstehen, werden für die
Steuerung der Transistoren verwendet. Abbildung 2-4 demonstriert diese Methode und
die PWM-Signale, die daraus entstehen [HEU13].
Theoretische Grundlagen 11

Abbildung 2-4: Steuersignalerzeugung durch Sinus-Dreieck-Vergleich [HEU13]

Im oberen Teil der Abbildung ist der Vergleich einer Sinusspannung mit dem Drei-
ecksignal dargestellt. Wenn die Sinusfunktion und das Dreiecksignal sich schneiden,
wird beispielsweise an Transistoren T1 und T4 eine Spannung angelegt und sie fangen
an, den Strom zu leiten. Beim nächsten schneiden dieser Funktionen wird die Span-
nung an T1 und T4 zu null gesetzt. Stattdessen liegt jetzt die Spannung an T2 und T3 an,
und der Strom fließt über diese Transistoren. Die zwei unteren Teile der Abbildung zei-
gen das entstandene PWM-Steuersignal [DON20].

Die antiparallelen Dioden in Abbildung 2-5 sind für die Stromführung beim Ausschalten
der zugehörigen Transistoren verantwortlich und stellen einen kontinuierlichen Strom-
fluss sicher [HEU13].
12

2.2.2 Klassifikation der Wechselrichter

Abhängig von ihrer Regelung und somit ihrer Funktion in einem AC-Microgrid können
Wechselrichter in netzfolgende und netzbildende Wechselrichter klassifiziert werden.
Die netzbildenden Wechselrichter werden so geregelt, dass sie das Verhalten einer
möglichst idealen Wechselspannungsquelle mit einer niedrigen Ausgangsimpedanz
nachbilden, indem die Spannungsamplitude und die Frequenz des lokalen Netzes mit
Hilfe einer geeigneten Regelschleife eingestellt werden [ROC12]. Sie werden norma-
lerweise im Inselnetzbetrieb eingesetzt um die erwünschten Spannungs- und Fre-
quenzwerte einzuprägen, wenn die Spannungsvorgabe durch das Verbundnetz nicht
vorhanden ist. In einem Inselnetz mit mehreren parallelbetriebenen Wechselrichter ist
es notwendig, dass mindestens einer dieser Wechselrichter netzbildend ist, damit eine
synchrone Referenz für die anderen Wechselrichter hergestellt wird. Bei einer Zusam-
menarbeit mehrerer netzbildenden Wechselrichter muss ein synchronisierter Betrieb
dieser Wechselrichter gewährleistet werden, was mithilfe einer Droop Control erfolgen
kann. Abbildung 2-5 zeigt schematisch den Aufbau der Regelung netzbildender Wech-
selrichter [BLA18].

Abbildung 2-5: Steuerdiagramm für einen netzbildenden Wechselrichter [BLA18]

Die Funktion der netzfolgenden Wechselrichter ist es, eine bestimmte Menge an Wirk-
und Blindleistung in das angeschlossene System einzuspeisen. Die Regelung des Aus-
gangsstroms des netzfolgenden Wechselrichters erfolgt normalerweise in Abhängigkeit
von dem Leistungssollwert [BLA18]. Netzfolgende Wechselrichter können nur dann im
Theoretische Grundlagen 13

Inselnetzbetrieb arbeiten, wenn es mindestens einen netzbildenden Wechselrichter o-


der einen lokalen Synchrongenerator gibt, der die Spannungsamplitude und -frequenz
des Inselnetzes vorgibt [ROC12].

2.3 Frequenz- und Spannungsregelung

Ein stationärer Betrieb eines Netzes wird durch eine bestimmte Nennfrequenz 𝑓𝑁 und
eine Nennspannung 𝑈𝑁𝑖 charakterisiert. Diese Werte bleiben bei einem Gleichgewicht
zwischen der abgegebenen und aufgenommenen Wirk- und Blindleistung unverändert.
Allerdings kann dieses Gleichgewicht im Laufe des Tages gestört werden, was unge-
wollte Frequenz- oder Spannungsabweichungen hervorrufen kann. Diese Störungen
werden beispielsweise durch die Veränderung der Netzlast verursacht. [SCH17]

Damit keine besonderen Anforderungen an eine kommunikationstechnische Anbin-


dung der dezentralen Erzeugungsanlagen gestellt werden muss, soll Frequenz- und
Spannungsregelung von parallelen Wechselrichtern möglichst ohne direkte Kommuni-
kation zwischen den Wechselrichtern erfolgen. Um die durch den physischen Standort
hervorgerufenen Einschränkungen aufzuheben und im Allgemeinen die Leistung des
Inselnetzes zu verbessern, bietet sich statische Regelung (englisch: Droop Control) als
geeignete Regelungsstrategie zur Steuerung der Leistungsaufteilung in einem Insel-
netz an. [ROC12]

Durch die Nutzung der Droop Control wird die Selbstregelungsfähigkeit des Synchron-
generators im Netzanschlussbetrieb nachgebildet, wobei die abgegebene Wirkleistung
verringert wird, wenn die Netzfrequenz steigt, und die eingespeiste Blindleistung ver-
ringert wird, wenn die Amplitude der Netzspannung steigt. [ROC12]

Im Folgenden wird der Wechselrichter als ideale steuerbare Spannungsquelle betrach-


tet. Abbildung 2-6 stellt das entsprechende Ersatzschaltbild vor, wo der WR über eine
gegebene Leitungsimpedanz mit dem Netz verbunden ist. Die Wirk- und Blindleistun-
gen, die er an das Netz liefert, können nach Formel (2.4) und (2.5) beschrieben werden:
[ROC12]
14

𝑉𝐴
𝑃𝐴 = [𝑅(𝑉𝐴 − 𝑉𝐵 𝑐𝑜𝑠𝛿) + 𝑋𝑉𝐵 𝑠𝑖𝑛𝛿] (2.4)
𝑅2 + 𝑋2
𝑉𝐴
𝑄𝐴 = [−𝑅𝑉𝐵 𝑠𝑖𝑛𝛿 + 𝑋(𝑉𝐴 − 𝑉𝐵 𝑐𝑜𝑠𝛿)] (2.5)
𝑅2 + 𝑋2

wo 𝑃𝐴 und 𝑄𝐴 die Wirk- bzw. Blindleistung repräsentieren, die von Wechselrichtern (A)
zu Lasten (B) fließt. 𝑉𝐴 und 𝑉𝐵 sind entsprechende Spannungsquellen. Mit 𝛿 ist die
Phasenwinkeldifferenz zwischen den Spannungen gekennzeichnet. [ROC12]

Abbildung 2-6: Ersatzschaltbild des Wechselrichters am Netzanschlusspunkt [ROC12]

In einem Hochspannungsnetz übersteigt die induktive Komponente der Leitungsimpe-


danz normalerweise den Wirkwiderstand. Daher kann man den resistiven Anteil in (2.4)
und (2.5) vernachlässigen. Da 𝛿 außerdem in solchen Leitungen einen kleinen Betrag
hat, kann angenommen werden, dass sin⁡(𝛿) ≈ 𝛿 und cos⁡(𝛿) ≈ 1. Folglich können (2.4)
und (2.5) auf diese Weise zu (2.6) und (2.7) umgeformt werden: [ROC12]

𝑉𝐴 𝑋𝑃𝐴
𝑃𝐴 ≈ (𝑉𝐵 𝑠𝑖𝑛⁡𝛿) ⇒ ⁡𝛿 ≈ (2.6)
𝑋 𝑉𝐴 𝑉𝐵

𝑉𝐴 𝑋𝑄𝐴
𝑄𝐴 ≈ (𝑉𝐴 − 𝑉𝐵 𝑐𝑜𝑠⁡𝛿) ⇒ ⁡ 𝑉𝐴 − 𝑉𝐵 ≈ (2.7)
𝑋 𝑉𝐴

In Ausdrücken (2.6) und (2.7) ist ein direkter Zusammenhang zwischen dem Leistungs-
winkel 𝛿 und der Wirkleistung 𝑃, sowie zwischen der Spannungsdifferenz 𝑉𝐴 − 𝑉𝐵 und
der Blindleistung 𝑄 zu erkennen. [ROC12]
Theoretische Grundlagen 15

Aus diesem Zusammenhang folgen Ausdrücke (2.8) und (2.9) :

𝑓 − 𝑓𝑂 = −𝑘𝑝 (𝑃 − 𝑃𝑂 ) (2.8)

𝑉 − 𝑉𝑂 = −𝑘𝑞 (𝑄 − 𝑄𝑂 ) (2.9)

wo 𝑓 − 𝑓𝑂 und 𝑉 − 𝑉𝑂 Frequenz- bzw. Spannungsabweichungen von dem entsprechen-


den Sollwert darstellen, und 𝑃 − 𝑃𝑂 und 𝑄 − 𝑄𝑂 sind die Änderungen der Wirk- und
Blindleistung, die vom Wechselrichter geliefert werden, und somit zur Ausgleichung
dieser Abweichungen dienen. Diese Zusammenhänge sind graphisch in Abbildung 2-7
vorgestellt. Die Steigung der dargestellten Kennlinien entspricht den Parameter der
Droop Control 𝑘𝑝 und 𝑘𝑞 . [ROC12]

Abbildung 2-7: Frequenz- und Spannungskennlinie bei statischer Regelung in induktiven Net-
zen [ROC12]

Die Analyse der Wirkleistungsaufteilung wird möglich, wenn vorausgesetzt wird, dass
die von den Wechselrichtern erzeugten Frequenzen im stationären Zustand identisch
sind. Es ist üblich, die Frequenz als eine globale Größe in Energiesystemen zu betrach-
ten. Das bedeutet, dass alle Wechselrichter im stationären Zustand die gleiche Fre-
quenz haben. Unter Berücksichtigung dessen und bei Umformung des Ausdrucks (2.8),
kommt der Ausdruck (2.10) zustande: [SOU19]

𝑘𝑝1 𝑃1 = 𝑘𝑝2 𝑃2 (2.10)

𝑘𝑝1 und 𝑘𝑝2 sind die Droop Control Parameter der jeweiligen Wechselrichter sind und
𝑃1 bzw. 𝑃2 stellen die Abweichung der abgegebenen Wirkleistung von dem Sollwert für
den jeweiligen Wechselrichter dar. Durch die Wahl 𝑘𝑝1 = 𝑘𝑝2 kann bei gleichen Soll-
16

werten der Wirkleistungseinspeisung eine gleichmäßige Lastaufteilung erreicht wer-


den. Durch eine individuelle Parameterwahl für verschiedene WR können auch andere
Lastaufteilungsstrategien entwickelt werden. Zum Beispiel kann 𝑘𝑝𝑖 mit dem Ziel der
Betriebskostenreduzierung berechnet werden. [SOU19]

Ausdruck (2.11) beschreibt die Aufteilung der Blindleistung zwischen parallelen Wech-
selrichtern: [SOU19]

𝑘𝑞1 𝑄1 = 𝑘𝑞2 𝑄2 + 𝑉2 − 𝑉1 (2.11)

2.4 Stabilität

Um die Stabilität einer gegebenen Anordnung bewerten zu können, müssen bestimmte


Stabilitätskriterien definiert werden, die nämlich für die Anordnung relevant sind. Im
Folgenden werden diese Kriterien für ein Inselnetz definiert und Stabilitätsgrenzen für
die Spannung und Frequenz festgelegt.

2.4.1 Definition der Stabilität in einem Inselnetz

Ein Inselnetz, das sich im Gleichgewicht befindet, und in dem die Zustandsvariablen
geeignete stationäre Werte annehmen, die den Betriebsbedingungen entsprechen, wie
z.B. zulässige Strom-, Spannungs- und Frequenzbereiche, ist stabil, wenn nach einer
Störung alle Zustandsvariablen wieder Zustandswerte annehmen, die die Betriebsbe-
dingungen erfüllen, ohne dass es zu einem unfreiwilligen Lastabwurf kommt. Auf der
anderen Seite wird ein Inselnetz, das einen freiwilligen Lastabwurf durchführt, als stabil
bezeichnet, wenn es den oben genannten Voraussetzungen genügt. Dasselbe gilt bei
einem Lastabwurf, der zur Isolation von fehlerhaften Elemente nach einer Störung dient
[IEE18].

Aufgrund der hohen Anzahl an Lasten und des großen Umfangs des Systems ist ein
absichtlicher Abwurf von Lasten mit dem Ziel des ununterbrochenen Betriebes in tradi-
tionellen Stromversorgungssystemen zulässig. Keine einzelne Last hat Priorität vor der
Stabilität des Systems. Im Gegensatz dazu ist ein Ziel des Inselnetzes eine relativ
kleine Anzahl von Lasten zu bedienen, und daher können bestimmte Lasten (z.B. ein
Krankenhaus) vor dem Rest des Systems bevorzugt werden; wird eine solche kritische
Last abgeschaltet, erreicht das Inselnetz sein Hauptziel nicht mehr [IEE18].
Theoretische Grundlagen 17

Abbildung 2-8 stellt schematisch eine Klassifikation der Instabilitätserscheinungen dar.


Es wird mehr Gewicht auf die Art der Komponenten und Regler, die sich an Regulierung
der Spannung oder Frequenz bei Systemstörungen beteiligen, gelegt. Nach diesem
Schema beruht die Stabilität eines Microgrids einerseits auf der stabilen Energieversor-
gung und Bewahrung des Leistungsgleichgewichts im System, andererseits auf der
Stabilität des Regelungssystems, wie z.B. der Regelung von Umrichtern [IEE18].

Abbildung 2-8: Klassifikation der Stabilität in Inselnetzen [IEE18]

2.4.2 Stabilitätskriterien für Frequenz und Spannung

Die Kategorie der Spannungs- und Frequenzstabilität in deutschen Mittelspannungs-


netzen wird im Wesentlichen durch die Norm VDE 4110 bestimmt, deren Vorgaben im
Folgenden vorgestellt werden.

Wenn die Netzfrequenz das Toleranzband von ± 200 mHz um die Nennfrequenz von
50,0 Hz verlässt, ist es ein Zeichen für einen kritischen Systemzustand im Verbundnetz.
In so einer Situation müssen alle Erzeugungsanlagen sich an der Netzfrequenzstützung
beteiligen. [VDE18]

Eine Überfrequenz entsteht, wenn die erzeugte Leistung im Vergleich zum Verbrauch
höher ist. In solchen Fällen, bis die Frequenz 51,5 Hz erreicht, spielen Erzeugungsan-
lagen eine wichtige Rolle in der Anpassung des Wirkleistungs-Arbeitspunkts. Ab 51,5
Hz dürfen sich die Erzeugungseinheiten und Speicher vom Netz trennen um sich selbst
zu schützen. Falls das Netz teilnetzbetriebsfähig ist, kann ein temporärer Anstieg der
18

Frequenz bis 52,5 Hz unter bestimmten Umständen zugelassen werden. Wenn aller-
dings sich einzelne Anlagen bei 51,5 Hz trennen, kann das Inselnetz zusammenbre-
chen, da sehr wahrscheinlich nicht mehr genug Erzeugung da ist [VDE18].

Andererseits kommt eine Unterfrequenz durch ein Erzeugungsdefizit bei einer Zu-
nahme der Last zustande. Sobald die Frequenz unter 49,8 Hz liegt, muss die Erzeu-
gung der momentanen Wirkleistung erhöht werden. Wenn die Netzfrequenz kleiner als
47,5 Hz ist, ist eine Abtrennung der Erzeugungsanlagen vom Netz erforderlich. [VDE18]

Genauso wie die Frequenz kann auch die Netzspannung beispielsweise aufgrund der
Änderungen der aufgenommenen Blindleistung schwanken. [SCH17] Die statische
Spannungshaltung soll dafür sorgen, dass genug Blindleistung ins Netz eingespeist
wird, damit die Spannung innerhalb des Toleranzbandes bleibt. In einem Mittelspan-
nungsnetz ist eine Änderung der Nennspannung von ±10% von 𝑈𝑛 zulässig. Beim Un-
terschreiten von 90% oder Überschreiten von 110% der Nennspannung kann eine Ge-
fahr der Überlastung von Betriebsmitteln in der Erzeugungsanlage bestehen [VDE18].
Modellierung 19

3 Modellierung

Für die Untersuchung der Eignung einer statischen Regelung (Droop Control) für den
stabilen Inselnetzbetrieb wird ein bestehendes Simulationsmodell eines netzbildenden
Wechselrichters benutzt, das um die Droop Control ergänzt wird. Im Kapitel 3.1 wird
das Wechselrichtermodell vorgestellt und sein Aufbau erläutert. Kapitel 3.2 beschreibt
die im Rahmen dieser Arbeit erfolgte Implementierung der statischen Regelung inner-
halb des Wechselrichtermodells. Das Modell des Inselnetzes, das die Untersuchungs-
basis für die Parameterstudie darstellt, wird im Kapitel 3.3 vorgeführt.

3.1 Wechselrichtermodell

Das existierende Modell des netzbildenden Wechselrichters liegt in der Software Simu-
link vor. Die zu untersuchende statische Regelung wird innerhalb dieses Modells im-
plementiert. Im Folgenden wird auf die Bestandteile dieses Modells eingegangen und
deren grundlegende Funktion erläutert.

Die Abbildung 3-1 stellt das Modell des Wechselrichters dar. Es besteht im Wesentli-
chen aus einer Energiequelle, der Leistungselektronik, einem Netzfilter, dem Rege-
lungssystem und verschiedenen Messungen relevanter elektrischer Größen.

Die Energiequelle stellt die notwendige Primärenergie zur Verfügung und regelt die DC-
Zwischenkreisspannung auf ihren Sollwert. Das Eingangssignal ist als P_primary be-
zeichnet und repräsentiert die Leistung, die maximal von der Erzeugungsanlage bereit-
gestellt wird. In einem Inselnetz kann es beispielsweise die Leistung sein, die eine an-
geschlossene PV-Anlage zum betrachteten Zeitpunkt maximal liefern kann.

Die Leistungselektronik führt die Umwandlung des Gleichstroms in den dreiphasigen


Wechselstrom durch. Eines der Eingangssignale ist die Spannung, die von der Ener-
giequelle zur Verfügung gestellt wird. In den anderen Eingang wird das Steuersignal
geliefert, das die leistungselektronischen Bauelemente schaltet und somit die
Amplitude und die Frequenz der Ausgangsspannung bestimmt. In Abhängigkeit des
Modelltyps unterscheidet sich die Art und Weise, wie die Ausgangsspannung zustande
kommt.
20

Abbildung 3-1: Bestehendes Modell des Wechselrichters im Simulink

Beim Modellierungsverfahren „Switching function“ wird der Wechselrichter durch vom


PWM-Generator erzeugte Zündimpulse (0/1-Signal) gesteuert. Wenn der Modelltyp
„Average model“ gewählt wird, ist der Wechselrichter so modelliert, dass die Schalter
direkt von der Referenzspannung gesteuert werden. In diesem Fall ist die Modellierung
eines PWM-Generators nicht erforderlich. Die Ausgangsspannung beim „Average mo-
del“ ist ein idealer Sinus, wobei bei „Switching function“ die Ausgangsspannung einem
Rechtecksignal entspricht, das noch gefiltert werden muss.

Der Netzfilter ist wie ein LCL-Filter aufgebaut, wie in Abbildung 3-2 zu sehen ist. Er
besteht aus der Induktivität auf der Umrichterseite (converter_side_inductor auf der lin-
ken Seite) und aus der Induktivität auf der Netzseite (grid_side_inductor auf der rechten
Seite). Dazwischen ist eine Kapazität angeschlossen, die zusammen mit den Induktivi-
täten den LCL-Filter bildet. Der ohmsche Widerstand, der mit allen diesen Komponen-
ten verbunden ist, stellt den ohmschen Widerstand der Induktivität bzw. der Kapazität
dar. Es werden Messungen am Eingang und Ausgang des Filters durchgeführt. Am
Eingang werden die dreiphasigen Spannungen bzw. Ströme als V_conv_abc und
I_conv_abc gemessen. An der Ausgangsseite wird der Netzstrom I_grid_abc aufge-
nommen und das gemessene dreiphasige Signal weiter an die übergeordnete Ebene
des Modells weitergeleitet. An der Kapazität wird zusätzlich die Spannung V_cap_abc
gemessen und anschließend ausgegeben.

Als Nächstes ist ein Messungsblock zur Leistungsflussermittlung (Powerflow_Mea-


surement) angeschlossen. In diesem Messungsblock werden Wirk-, Blind- und Schein-
leistung berechnet, die der Wechselrichter dem Netz bereitstellt. Dazu wird hier noch
die dreiphasige Spannung am Netzanschlusspunkt gemessen und zusammen mit der
Modellierung 21

Wirk-, Blind- und Scheinleistung ausgegeben. Von diesem Messungsblock wird das
dreiphasige Signal an das Netz übergeben.

Abbildung 3-2: Modell des harmonischen Filters

Das Regelungssystem des Wechselrichters (mit dem Namen „Converter_Control“)


befindet im oberen Teil von Abbilddung 3-1. Dieser Block hat zwei Eingänge und zwei
Ausgangssignale. Eines dieser Ausgangssignale ist das erwähnte Steuersignal, das an
die Leistungselektronik geleitet wird. Wie bereits erläutert, kann dieses Signal, abhän-
gig von dem Modelltyp des Wechselrichters, die durch die PWM erzeugten Impulse
oder den Referenzwert der Ausgangspannung darstellen. In beiden Fällen ist es mit
V_conv_abc* gekennzeichnet.

Der andere Ausgang, der controller_states genannt ist, besteht aus verschiedenen in-
ternen Signalen, die innerhalb des Regelungssystems gemessen und mit dem Ziel der
leichteren Beobachtbarkeit erfasst werden. Diese Signale werden zusammen mit den
gemessenen elektrischen Größen für den jeweiligen Wechselrichter als internal_states
(Innere Zustände) ausgegeben.

Die Eingangssignale des Regelungssystems sind einerseits physikalische Messwerte,


die unter Anderem aus dem Messungsblock und dem Messfilter stammen, andererseits
Sollwerte für Blind- und Wirkleistungseinspeisung, Netzspannung und Netzfrequenz.

Das Regelungssystem besteht intern aus drei Hauptteilen. Dies ist in Abbildung 3-3
dargestellt.
22

Abbildung 3-3: Steuerungssystem des Wechselrichters.

Oben auf blauem Hintergrund sind die gemessenen elektrischen Signale zu erkennen.
Von hier aus werden die Messwerte weiter an die einzelnen Komponenten des Rege-
lungssystems geleitet, nachdem mittels eines Tiefpasses messungsbedingte Ober-
schwingungen herausgefiltert wurden. Wirk-und Blindleistungseinspeisung und die je-
weiligen Sollwerte werden der äußeren Regelschleife (Outer_Control, unten links) zu-
geführt. Die äußere Regelschleife ist für die Erzeugung des Sollwertes für die Span-
nung V_cap_dq* und die Regelung der Frequenz zuständig. Dieser Teil des Rege-
lungssystems wird im Rahmen dieser Arbeit um eine statische Regelung erweitert und
deshalb im Kapitel 3.2 näher erläutert.

Auf dem blauen Hintergrund unten befindet sich die innere Regelschleife (Inner_Con-
trol). Deren Eingangssignale sind einerseits die aus der äußeren Regelschleife stam-
menden Werte für die Frequenz, die Phase und für den Spannungssollwert, anderer-
seits die gefilterten und dq-transformierten Signale I_conv_dq, V_cap_dq und
I_grid_dq. Die innere Regelschleife setzt sich aus einer äußeren Spannungsregelung
(V_cap_Controller) und einer inneren Stromregelung (I_conv_Controller) zusammen,
was in Abbildung 3-4 dargestellt ist.
Modellierung 23

Abbildung 3-4: Bestandteile der inneren Regelungsschleife

In V_cap_Controller wird die Differenz zwischen dem Referenzwert der Spannung


V_cap_dq*, die von der äußeren Schleife berechnet wird, und dem Messwert der Span-
nung berechnet und daraus mithilfe eines PI-Reglers der Referenzwert für den Wech-
selrichterstrom I_conv_dq* ermittelt. Der Referenzwert für die Leistungselektronik
V_conv_dq* wird im I_conv_Controller analog berechnet. Der sich ergebende Refe-
renzwert V_conv_dq* wird mittels eines virtuellen Widerstands korrigiert, um die Aus-
wirkungen der Resonanz des Netzfilters zu dämpfen. Anschließend wird das Signal
zurück in ein dreiphasiges Signal transformiert und in einen PWM-Generator (siehe
Abbildung 3-3) eingespeist, der die nötigen Schaltimpulse für die Leistungselektronik
ermittelt.

Tabelle 3-1 stellt die relevanten Größen des netzbildenden Wechselrichters vor. In der
Tabelle 3-2 sind Werte für die Induktivität auf der Umrichterseite (𝐿𝑐𝑜𝑛𝑣𝑒𝑟𝑡𝑒𝑟 ) und auf der
Netzseite (𝐿𝑔𝑟𝑖𝑑 ) , die Filterkapazität und den virtuellen Widerstand angegeben. Diese
Werte werden im Rahmen der Untersuchung nicht variiert.

Tabelle 3-1: Parameter des netzbildenden Wechselrichters

𝑃𝑝𝑟𝑖𝑚𝑎𝑟𝑦 𝑆𝑁 𝑓𝑁 𝑈𝑁

3⁡𝑀𝑊 2⁡𝑀𝑉𝐴 50⁡𝐻𝑧 690⁡𝑉

Tabelle 3-2: Werte für den LCL-Filter und den virtuellen Widerstand

𝐿𝑐𝑜𝑛𝑣𝑒𝑟𝑡𝑒𝑟 𝐶𝑓 𝐿𝑔𝑟𝑖𝑑 𝑅𝑣𝑖𝑟𝑡𝑢𝑎𝑙

180⁡µ𝐻 45⁡µ𝐹 30⁡µ𝐻 2Ω


24

3.2 Implementierung der statischen Regelung (Droop


Control)

Wie schon im Kapitel 3.1 erwähnt wurde, ist die äußere Regelschleife (Outer_Control)
für die Regulierung der Spannungsamplitude und Frequenz im Inselnetz verantwortlich.
Es wird mittels der innerhalb des äußeren Regelkreises implementierten statischen Re-
gelung realisiert.

Abbildung 3-5 zeigt das Blockschaltbild der Droop Control in Simulink, der sich inner-
halb des Blocks „Outer_Control“ befindet. Im Allgemeinen ist hier der im Kapitel 2.3
erklärte Zusammenhang zwischen abgegebener Wirkleistung 𝑃 und Frequenz 𝑓
(siehe Ausdruck 2.8) sowie zwischen Blindleistung 𝑄 und der Netzspannung 𝑉𝑔𝑟𝑖𝑑
(siehe Ausdruck 2.9) nachgebildet.

Abbildung 3-5: Implementierte statische Regelung

Die Eingangssignale, die mit P und Q (gemessene Blind- und Wirkleistung), und P_set
und Q_set (Sollwerte der Wirk- und Blindleistung) gekennzeichnet sind und bereits im
ersten Abschnitt kurz erläutert wurden, sind auch hier zu sehen.

Für die Frequenzregelung wird zuerst die Differenz zwischen der gemessenen Wirkleis-
tung P und dem Nennwert der Wirkleistung P_set berechnet. Diese Differenz wird dann
anhand eines Verstärkungblocks (Gain Block) mit der Leistungszahl der Droop Control
K_p multipliziert. Der berechnete Betrag wird am Summationspunkt von der Nennfre-
quenz f_set, die 50 Hz beträgt, abgezogen. Diese neue Frequenz wird dann ausgege-
ben und an andere stellen des Regelungssystems weitergeleitet. Außerdem wird dieser
Modellierung 25

Wert mit 2𝜋 multipliziert, um ω zu erhalten, und anschließend integriert, woraus ein


neuer Wert für den Phasenwinkel θ resultiert.

Es wurde allerdings vor dem Summationspunkt, wo die Leistungsdifferenz berechnet


wird, nach der Eingabe der gemessenen Wirkleistung ein Tiefpass eingebaut. Abbil-
dung 3-6 zeigt die relevante vergrößerte Stelle der Frequenzregelung, wo der Tiefpass
eingebaut wurde. Dieser Tiefpass ist eingefügt, um die Oberschwingungen des Leis-
tungssignals zu dämpfen und ein weniger verrauschtes Signal zu erhalten.

Abbildung 3-6: Frequenzregelung mit eingebautem Tiefpass


1
Der Tiefpass stellt ein PT1-Glied dar, wo die Zeitkonstante 𝑇 = . 500 Hz ist die Grenz-
2𝜋∗500⁡𝐻𝑧

frequenz, ab der die Amplitude des Signals sinkt. Dieser Wert ist unter Berücksichtigung der
Schaltfrequenz von 5 kHz ausgewählt. Es ist nicht zu hoch, damit das Signal nicht sehr verzö-
gert wird, und auch nicht zu niedrig, damit die Oberschwingungen gedämpft werden.

Die Spannungsregelung verfolgt ein analoges Verfahren. Zuerst wird die Differenz zwi-
schen gemessener Blindleistung und dem Nennwert gebildet. Nach der Multiplikation
mit dem entsprechenden Droop Parameter wiederum mittels eines Gain Blocks wird
dieser Betrag von der Nennspannung an einem Summationspunkt abgezogen.

Wie auf Abbildung 3-5 zu sehen ist, befindet sich ebenfalls ein Tiefpass an der Einga-
bestelle der Blindleistung mit der gleichen Zeitkonstante, der den im Signal vorhande-
nen Rausch herausfiltert.
26

Abbildung 3-7: Spannungsregelung

Im Unterschied zur Frequenzregelung beinhaltet die Schleife der Spannungsregelung


einen zusätzlichen PT1-Glied, der zur Verzögerung des Signals dient. Laut der Norm
VDE-AR-N 4110 muss das Regelverhalten der Blindleistung ein PT1-Verhalten nach-
bilden. Die Netzbetreiber schreiben eine Zeit von 3τ eines PT1-Verhaltens vor, was
10 s entspricht. Das ist die Zeit, in der das Signal 95% des Sollwertes erreicht.[VDE18]
Somit wird eine vergleichbare Regelgeschwindigkeit sichergestellt.

Das Endergebnis wird als die d-Komponente der dq-transformierten Kapazitätsspan-


nung V_cap_dq*. Es wird genauso wie die Frequenz ausgegeben und dem inneren
Regelkreis (Inner_Control) zugeführt.

In der Tabelle 3-3 sind alle oben erläuterte Werte angegeben. 𝑓𝑔 bezeichnet die in den
Tiefpässen eingesetzte Grenzfrequenz und 𝑇 steht für die Zeitkonstante des zusätzli-
chen PT1-Gliedes in der Spannungsregelung. Bei der Variation anderer Parameter
nehmen 𝐾𝑝 und 𝐾𝑞 die vorgestellten Werte an.

Tabelle 3-3: Parameter von der äußeren Regelungsschleife

𝑓𝑔 𝑇 𝐾𝑝 𝐾𝑞

500⁡𝐻𝑧 3τ = 10⁡s 𝐻𝑧 𝑉
−1,25 ∗ 10−6 ⁡ −4,6942 ∗ 10−5
𝑊 𝑉𝐴𝑟

3.3 Modell des Inselnetzes

Inwieweit ist dieses Regelungsverfahren für die Bewahrung der Stabilität im Netz ge-
eignet, soll mithilfe eines geeigneten Inselnetzmodells getestet werden. Abbildung 3-8
zeigt das für die Untersuchung im Rahmen dieser Arbeit benutzte Inselnetzmodell. Das
Modellierung 27

Netztopologie besteht aus zwei Erzeugern und einem Lastknoten in der Mitte. Der Ef-
690⁡𝑉
fektivwert der Phasenspannung beträgt = 398,37⁡𝑉. Leitungen sind als Erdkabel
√3

modelliert.

In diesem Inselnetz sind zwei parallele netzbildende Wechselrichter im Betrieb. Jeder


von diesen Wechselrichtern hat den gleichen Aufbau, der in Kapiteln 3.1 und 3.2 erläu-
tert wurde. Die oben genannten Größen, wie P_primary, P_set, Q_set und V_set_phph,
die entsprechend die notwendige primäre Leistung, Sollwerte der Wirk- und Blindleis-
tung und den Sollwert der verketteten Spannung bezeichnen, können für die Wechsel-
richter separat eingestellt werden.

Abbildung 3-8: Modell des Inselnetzes

P_primary wird als eine Konstante eingegeben. Die Eingaben für die Nennwerte der
Wirk- und Blindleistung bestehen aus einer Rampe und einem Sättigungsblock,
wodurch der Wert der Leistung sich mit einer bestimmten Steigung linear verändert und
sich wegen des Sättigungsblocks bei einem vorgegebenem Grenzwert einstellt. Analog
wird der Wert der Nennspannung festgelegt.

Einer der Ausgänge des Wechselrichter ist die bereits erwähnte Reihe der erfassten
internen Größen, die für die Beobachtung der Untersuchungsergebnisse nötig sind. Die
anderen drei Ausgänge sind die Leitungen, die das dreiphasige Signal tragen und somit
den Netzanschlusspunkt bilden.

Im Anschluss zu den Wechselrichtern befinden sich dreiphasige Transformatoren, die


die von den Wechselrichtern bereitgestellte Spannung von 690 V in eine netzseitige
Spannung von 20 kV transformieren. Als Nächstes ist ein π-Leitungsblock mit der
Länge von 2 km eingebaut. In diesem Leitungsblock sind Größen wie Induktivität, Ka-
pazität und Widerstand in π-Abschnitte zusammengefasst und kaskadenförmig über
28

die Länge der Leitung verteilt, wie in Abbildung 3-9 dargestellt. [Simulink documenta-
tion]

Abbildung 3-9: Kaskade der π-Abschnitte von R, L, C innerhalb der Leitung [SIM20]

Tabelle 3-4 stellt die Werte für die Parameter der Leitung vor. 𝑅0 , 𝐿0 und 𝐶0 repräsen-
tieren entsprechend den Nullwiderstand, die Nullinduktivität und die Nullkapazität der
Leitung.

Tabelle 3-4: Parameter der Leitung

𝑅1 𝑅0 𝐿1 𝐿0 𝐶1 𝐶0

⁡0.501⁡Ω/km ⁡0.817⁡Ω/km 𝑚𝐻 𝑚𝐻 𝑛𝐹 𝑛𝐻
2.278⁡ 𝑘𝑚 ⁡ 5.087⁡ 𝑘𝑚 ⁡ 151,2⁡ 𝑘𝑚⁡ 151,2⁡ 𝑘𝑚⁡

Das letzte Element des Inselnetzes ist der Lastknoten. Dieser besteht es aus zwei Tei-
len. Der erste Teil bildet die Grundlast und bleibt während der ganzen Simulationszeit
an das Netz angeschlossen und nimmt Leistung auf. Der andere Teil kann mittels eines
dreiphasigen Schalterblocks an das Netz angeschlossen und wieder getrennt werden.
Diese Anordnung bildet einen Lastsprung im Inselnetz nach. Der Zeitpunkt, an dem die
zusätzliche Last mit dem Netz verbunden und getrennt wird, ist frei wählbar. Es ist auch
möglich, die Last am Anfang der Simulation an das Netz angeschaltet zu halten und
dann für einen bestimmten Zeitabschnitt zu trennen, um eine abrupte Verringerung der
Leistungsaufnahme zu imitieren. Abbildung 3-10 zeigt die vergrößerte Version dieses
Teils des Modells.
Modellierung 29

Abbildung 3-10: Verbrauchern im Inselnetz

Die Last ist als eine teils induktive und teils resistive Impedanz modelliert. Somit wird
sowohl Wirk- als auch induktive Blindleistung aufgenommen. Die Menge der aufgenom-
menen Wirk- und Blindleistung ist ebenfalls frei einstellbar.
Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 31

4 Ergebnisse der Untersuchung und Analyse

In diesem Kapitel werden Ergebnisse im Rahmen einer Parameterstudie vorgestellt und


analysiert. Zunächst erfolgt die Validierung des Modells anhand einiger Simulationen,
die korrektes Funktionieren der implementierten Droop Control nachweisen sollen. An-
schließend werden bestimmte Parameter in verschiedenen Szenarien variiert und Si-
mulationen durchgeführt, um die Auswirkung dieser Parametervariation auf das dyna-
mische Verhalten der Frequenz und Spannung bzw. allgemein auf die Stabilität des
Inselnetzes zu untersuchen.

4.1 Validierung der Droop Control

Bevor die implementierte statische Regelung für weiterführende Untersuchungen be-


nutzt wird, muss sichergestellt werden, dass sie das erwartete Verhalten aufweist. Da-
für sollen Simulationen durchgeführt werden, die verschiedene mögliche Szenarien
nachbilden.

Folglich wird die richtige Funktionsweise der Frequenz- und Spannungsregelung an-
hand der Ergebnisse der Simulationen von dem im Kapitel 3 vorgestellten Modell ge-
prüft. Der Übersichtlichkeit halber verläuft die Prüfung nicht im Parallelbetrieb mehrerer
netzbildender Wechselrichter, sondern anhand eines einzigen aktiven Wechselrichters.

4.1.1 Wirkleistungs-Frequenzregelung

Für die Validierung der Wirkleistungs-Frequenzregelung werden vier Simulationen


durchgeführt, bei der bestimmte Größen und Schaltzustände variiert werden und Re-
aktion des Regelungssystems auf diese Änderungen getestet wird.

Fall 1

Hier wird der Fall betrachtet, bei dem die aufgenommene Wirkleistung den Sollwert der
Wirkleistung im Laufe der Simulation unterschreitet. Der Sollwert ist so gewählt, um
eine Frequenzabweichung zu erhalten und somit die Berechnung von Kp aus Simulati-
onsergebnissen zu berechnen. Tabelle 4-1 stellt die Werte für relevante Parameter dar.
32

P_set ist, wie bereits im Kapitel 3 beschrieben, der Sollwert der eingespeisten Wirkleis-
tung. P1 ist die Last, die im Laufe der Simulation an das Netz angeschlossen bleibt. P2
stellt diejenige Last dar, die mithilfe des Schalters an das Netz zu- oder abgeschaltet
werden kann. In dieser und folgenden Simulationen wird die Last bei t = 30 s an das
Netz verbunden und bei t =40 s wieder abgetrennt.

Laut der Formel (2.8) sollte die Frequenz über 50 Hz sein und nach der Zuschaltung
der Last linear sinken.

Tabelle 4-1: Parameter des Inselnetzes im Fall 1

𝑃𝑠𝑒𝑡 𝑃1 𝑃2 𝐾𝑝

𝐻𝑧
1000⁡𝑘𝑊 700⁡𝑘𝑊 200⁡𝑘𝑊 −4 ∗ 10−6 ⁡ 𝑊

Abbildung 4-1 zeigt das Ergebnis des zeitlichen Verlaufs der Wirkleistungseinspeisung
des Wechselrichters aus der Simulation mit den in Tabelle 4-1 angegebenen Werten.
Abbildung 4-2 stellt die entsprechende Netzfrequenz dar. Auf beiden Abbildungen sind
zwei Datenpunkte zu erkennen. Diese Datenpunkte geben die Frequenz bzw. die
Wirkleistung zu drei bestimmten Zeitpunkten an.

Zuerst wird der Zeitpunkt t = 20 s beobachtet. Wenn die aus dem Diagramm abgele-
sene Werte in die Formel (2.8) eingesetzt werden, ergibt sich der Ausdruck (4.1):

𝐻𝑧
51,45⁡𝐻𝑧 − 50⁡𝐻𝑧 = ⁡ −4 ∗ 10−6 ∗ (636,5⁡𝑘𝑊 − 1000⁡𝑘𝑊) ≈ 1,45⁡𝐻𝑧 (4.1)
𝑊

Nach Berechnung entspricht die rechte Seite der linken.

Als Nächstes wird der Zeitpunkt t = 37,06 s geprüft, nachdem die zusätzliche Last zu-
geschaltet wird und das System einen neuen Arbeitspunkt erreicht hat. Wenn die ge-
gebenen Daten wiederum in die Formel (2.8) eingesetzt werden, erhält man den Aus-
druck (4.2) :

50,76⁡𝐻𝑧 − 50⁡𝐻𝑧 = ⁡ −4 ∗ 10−6 ∗ (809,2⁡𝑘𝑊 − 1000⁡𝑘𝑊) ≈ 0,76⁡𝐻𝑧 (4.2)

Auch in diesem Ausdruck ist die rechte Seite gleich der Linken. Diese Ergebnisse zei-
gen, dass die implementierte statische Regelung sich wie erwartet verhält.

Alternativ wird mittels der Simulationsergebnisse im Zeitpunkt t = 45 s der Parameter


Kp berechnet. Der Ausdruck stellt das Ergebnis der Berechnung dar.
Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 33

51,45⁡𝐻𝑧 − 50⁡𝐻𝑧 𝐻𝑧
𝐾𝑝 = = −4,0166 ∗ 10−6 ⁡ (4.3)
639⁡𝑘𝑊 − 1000⁡𝑘𝑊 𝑊

Es ist eine kleine Abweichung von dem festgelegten Wert zu beobachten.

Abbildung 4-1: Ergebnisse der Wirkleistungseinspeisung im Fall 1

Abbildung 4-2: Ergebnisse des Frequenzgangs im Fall 1

Fall 2

In diesem Beispiel wird das Szenario untersucht, in dem die aufgenommene Wirkleis-
tung während der Simulation über dem Sollwert der Wirkleistung liegt.
34

In der Tabelle 4-2 sind die Werte für vorher erläuterte Größen vorgestellt. Bei t = 30 s
wird die zusätzliche Last zugeschaltet und bei t = 40 s abgetrennt.

Tabelle 4-2: Parameter des Inselnetzes im Fall 2

𝑃𝑠𝑒𝑡 𝑃1 𝑃2 𝐾𝑝

𝐻𝑧
1000⁡𝑘𝑊 1100⁡𝑘𝑊 400⁡𝑘𝑊 −6,94 ∗ 10−6 ⁡
𝑊

Im Fall 2 soll die Frequenz laut den im Kapitel 2 vorgestellten Zusammenhängen im


eingeschwungenen Zustand kleiner als 50 Hz sein, da die verbrauchte Wirkleistung
größer als der Sollwert ist. Die Ergebnisse für diesen und 3 andere Fälle sind in Abbil-
dungen 4-7 und 4-8 zusammengefasst. Es ist tatsächlich erkennbar, dass die Frequenz
im Laufe der Simulation den Wert von 50 Hz nicht überschreitet, während der Sollwert
der Wirkleistung unterhalb der tatsächlich aufgenommenen Wirkleistung liegt (siehe
rote Kurve in Abbildung 4-7 bzw. Abbildung 4-8).

Abbildungen 4-3 und 4-4 stellen Simulationsergebnisse von diesem Szenario ausführ-
licher dar. Anhand der Datenpunkte wird Kp berechnet und verglichen.

Abbildung 4-3: Ergebnisse der Wirkleistungseinspeisung im Fall 2


Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 35

Abbildung 4-4: Ergebnisse des Frequenzgangs im Fall 2

Zuerst ist die Berechnung mit den Daten im Zeitpunkt t = 15 s im Ausdruck (4.4) darge-
stellt:

49,94⁡𝐻𝑧 − 50⁡𝐻𝑧 𝐻𝑧
𝐾𝑝 = = −7,5 ∗ 10−6⁡ (4.4)
1008⁡𝑘𝑊 − 1000⁡𝑘𝑊 𝑊

Ausdruck (4.5) legt die Berechnung im Zeitpunkt t = 35 s vor

47,5⁡𝐻𝑧 − 50⁡𝐻𝑧 𝐻𝑧
𝐾𝑝 = = −6,9444 ∗ 10−6 ⁡ (4.5)
1360⁡𝑘𝑊 − 1000⁡𝑘𝑊 𝑊

Aus den Berechnungen wird klar, dass bei einer kleinen Abweichung vom Leistungs-
sollwert der Betrag der Leistungszahl über den festgelegten Wert hinausgeht, wobei
bei einer größeren Abweichung Kp ungefähr gleich dem Wert in der Tabelle ist.
36

Fall 3

Dieser Fall stellt eine andere Variante dar, bei der der Sollwert der Wirkleistung und die
tatsächlich aufgenommene Wirkleistung gleich eingestellt sind. Tabelle 4-3 legt die re-
levanten Werte vor.

Tabelle 4-3: Parameter des Inselnetzes im Fall 3

𝑃𝑠𝑒𝑡 𝑃1 𝑃2 𝐾𝑝

𝐻𝑧
1000⁡𝑘𝑊 1000⁡𝑘𝑊 500⁡𝑘𝑊 −6,5 ∗ 10−6 ⁡
𝑊

Wie auch in den vorherigen Fällen, ist der Schalter am Anfang der Simulationszeit ge-
öffnet. Bei t = 30 s wird der Schalter geschlossen und eine Last von 500 kW mit dem
Netz verbunden. Bei t = 40 s wird der Schalter wieder geöffnet.

Bei der Betrachtung der gelben Kurve in Abbildung 4-8 ist es zu erkennen, dass die
Frequenz zuerst in einem Bereich zwischen 50 Hz und 51 Hz liegt, wobei man bei die-
sen Werten eine Frequenz von exakt 50 Hz erwarten würde. Das hängt damit zusam-
men, dass die aufgenommene Leistung kleiner als der Sollwert ist, da aufgrund des
Spannungsabfalls über der Leitung die Spannung an der Last unter der Nennspannung
liegt. Da die Last als Konstantimpedanz modelliert ist, ist somit auch die bezogene Leis-
tung kleiner als der Nennwert. In der Konsequenz speist natürlich auch der Wechsel-
richter weniger als P1 = P_set ein, was dementsprechend zu einer leichten Überfre-
quenz führt. Nach der Verbindung der zusätzlichen Last sinkt die Frequenz wieder um
den Betrag der Multiplikation von der Leistungsdifferenz und der Leistungszahl Kp.

Wie in vorherigen Fällen wird auch hier eine Berechnung des Droop Parameters an-
hand der Simulationsergebnisse in Abbildung 4-5 und 4-6 durchgeführt.
Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 37

Abbildung 4-5: Ergebnisse der Wirkleistungseinspeisung im Fall 3

Abbildung 4-6: Ergebnisse des Frequenzgangs im Fall 3

Ausdruck (4.6) zeigt die Berechnung von der Leistungszahl im Zeitpunkt t = 15 s:

50,55⁡𝐻𝑧 − 50⁡𝐻𝑧 𝐻𝑧
𝐾𝑝 = = −6,3953 ∗ 10−6 ⁡ (4.6)
914⁡𝑘𝑊 − 1000⁡𝑘𝑊 𝑊

Im Ausdruck (4.7) ist die Berechnung von Kp im Zeitpunkt t = 35 s wiedergegeben:


38

47,68⁡𝐻𝑧 − 50⁡𝐻𝑧 𝐻𝑧
𝐾𝑝 = = −6,4805 ∗ 10−6 ⁡ (4.7)
1358⁡𝑘𝑊 − 1000⁡𝑘𝑊 𝑊

Hier ist eine kleinere Abweichung bei t = 35 s im Vergleich zum Fall 2 zu sehen. Bei
t = 35 s ist die berechnete Leistungszahl nicht mit dem festgelegten Wert identisch,
aber sie ist ziemlich nah.

Abbildung 4-7: Ergebnisse der Wirkleistungseinspeisung bei der Validierung

Abbildung 4-8: Ergebnisse des Frequenzgangs bei der Validierung


Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 39

Fall 4

Im letzten Fall wird im Unterschied zu den anderen der Schalter am Anfang geschlos-
sen gehalten und bei t = 30 s geöffnet, um eine spontane Lastabsenkung zu simulieren
und die Reaktion des Regelungssystems zu testen. Der Schalter wird bei t = 40 s wieder
geschlossen und die Last mit dem Netz verbunden. Die Werte der Parameter sind iden-
tisch mit den Werten im Fall 3 und sind in der Tabelle 4-4 vorgestellt.

Tabelle 4-4: Parameter des Inselnetzes im Fall 4

𝑃𝑠𝑒𝑡 𝑃1 𝑃2 𝐾𝑝

𝐻𝑧
1000⁡𝑘𝑊 1000⁡𝑘𝑊 500⁡𝑘𝑊 −6,5 ∗ 10−6 ⁡
𝑊

In Abbildung 4-7 ist die entsprechende Wirkleistungseinspeisung dargestellt (lila


Kurve). Die Frequenz steigt proportional zur Änderung der Wirkleistungseinspeisung.
(siehe Abbildung 4-8)

In Diagrammen in Abbildung 4-9 und 4-10 sind Simulationsergebnisse von Fall 4 dar-
gestellt. Diese Ergebnisse werden auch hier zur Berechnung der Leistungszahl benutzt.

Abbildung 4-9: Ergebnisse der Wirkleistungseinspeisung im Fall 4


40

Abbildung 4-10: Ergebnisse des Frequenzgangs im Fall 4

Ausdrücke (4.8) bzw. (4.9) stellen die Berechnung von Kp im Zeitpunkt t = 15 s bzw.
t = 30 s vor:

47,62⁡𝐻𝑧 − 50⁡𝐻𝑧 𝐻𝑧
𝐾𝑝 = = −6,4850 ∗ 10−6 ⁡ (4.8)
1367⁡𝑘𝑊 − 1000⁡𝑘𝑊 𝑊
50,52⁡𝐻𝑧 − 50⁡𝐻𝑧 𝐻𝑧
𝐾𝑝 = = −6,5081 ∗ 10−6 ⁡ (4.9)
920,1⁡𝑘𝑊 − 1000⁡𝑘𝑊 𝑊

Es ist erkennbar, dass in diesem Fall die berechneten Leistungszahlen relativ wenig
von dem festgelegten Wert abweichen.
Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 41

4.1.2 Blindleistungs-Spannungsregelung

In diesem Abschnitt werden ähnlich wie bei der Frequenzregelung vier Szenarien si-
muliert und das Verhalten der Spannungsregelung analysiert. Im Folgenden werden
diese Versuche näher erläutert und ihre Ergebnisse vorgestellt.

Fall 1

Hier wird wiederum das Szenario simuliert, in dem die aufgenommene Blindleistung
kleiner als der Sollwert der Blindleistung ist. Durch diese Abweichung entsteht eine Dif-
ferenz zwischen dem Sollwert der Kapazitätsspannung und dem eigentlichen Wert ,
was die Berechnung von Kq ermöglicht. Die relevante Größen sind in der Tabelle 4-5
vorgestellt.

Tabelle 4-5: Parameter des Inselnetzes im Fall 1

𝑄𝑠𝑒𝑡 𝑄1 𝑄2 𝐾𝑞

𝑉
600⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 300⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 200⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 −2,3474 ∗ 10−4 ⁡
𝑉𝐴𝑟

Ähnlich wie bei der Validierung der Frequenzregelung, repräsentieren Q 1 bzw. Q2 ent-
sprechend die bezogene Blindleistung der Last, die während der ganzen Simulation mit
dem Inselnetz verbunden bleibt, bzw. der Last, die mittels eines Schalters an das Netz
verbunden oder von dem Netz getrennt werden kann. Der Sollwert der verketteten
Spannung ist 690 V. Dies entspricht einem Sollwert der Phasenspannung von
563,38 V. Diese Spannung liegt direkt am Umrichter an und wird mittels eines Trans-
formator in eine Spannung von 20 kV umgewandelt, wie schon in Kapitel 3.3 beschrie-
ben wurde. Ausdruck (4.10) zeigt, wie dieser Wert erreicht wird:

√2
𝑉𝑠𝑒𝑡 = ∗ 690⁡𝑉 = 563,38⁡𝑉 (4.10)
√3

Diese Spannung liegt direkt am Ausgang des Wechselrichters an und wird mittels eines
Transformator in eine Spannung von 20 kV umgewandelt, wie schon in Kapitel 3.3 be-
schrieben wurde.

Während der Simulation werden die eingespeiste Blindleistung Q_grid, der nach der
Spannungsregelung entstandene Sollwert der Filterkapazitätsspannung V_cap_dq*
und der Effektivwert der Netzspannung V_grid erfasst. Diese Werte werden im Folgen-
den für die Validierung der Spannungsregelung benutzt.
42

Abbildungen 4-11 und 4-12 zeigen die Blindleistungseinspeisung und den Sollwert der
Kapazitätsspannung. Anhand der Werte im Zeitpunkt t = 15 s und t = 35 s wird Kq be-
rechnet.

Abbildung 4-11: Blindleistungseinspeisung im Fall 1

Abbildung 4-12: Sollwert der Kapazitätsspannung im Fall 1


Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 43

Ausdrücke (4.10) und (4.11) legen die entsprechenden Berechnungen vor:

622,8⁡𝑉 − 563,8⁡𝑉 𝑉
𝐾𝑞 = = −2,3347 ∗ 10−4 ⁡ (4.11)
345,5⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 − 600⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 𝑉𝐴𝑟

Und für t = 35 s:

587,3⁡𝑉 − 563,38⁡𝑉 𝑉
𝐾𝑞 = = −3,1065 ∗ 10−4 ⁡ (4.12)
523⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 − 600⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 𝑉𝐴𝑟

Aus den Berechnungen wird es deutlich, dass der Parameter der Spannungsregelung
sich bei einer kleinen Abweichung der Blindleistung von dem Sollwert, wie bei t = 35 s,
von dem festgelegtem Wert stärker unterscheidet, als bei einer großen Abweichung der
Blindleistung. Dieses Verhalten war auch bei der Wirkleistungs-Frequenzregelung zu
beobachten.

Abbildung 4-13 fasst zudem die Simulationsergebnisse für den Effektivwert der Netz-
spannung von allen vier Fällen zusammen.

Abbildung 4-13: Effektivwert der Netzspannung in vier Fällen


44

Durch die Berechnung der Spannungsamplitude wie im Ausdruck (4.13):

409,2⁡𝑉 ∗ √2 = 578, 6962⁡𝑉⁡ (4.13)

wird klar, dass dieser Wert unter dem Sollwert der Kapazitätsspannung von 587,3 liegt.
Diese Differenz entsteht dadurch, dass über der Induktivität auf der Netzseite
(grid_side_inductor) Spannung abfällt.

Fall 2

Im Fall 2 wird die Blindleistung, die von der Last aufgenommen wird, größer als der
Sollwert gewählt. Die entsprechenden stellt die Tabelle 4-6 vor:

Tabelle 4-6: Parameter des Inselnetzes im Fall 2

𝑄𝑠𝑒𝑡 𝑄1 𝑄2 𝐾𝑞

𝑉
600⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 700⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 200⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 −3,0454 ∗ 10−4 ⁡
𝑉𝐴𝑟

Mittels der Simulationsergebnisse, die in Abbildungen 4-14 und 4-15 vorgelegt sind,
wird der Parameter der Spannungsregelung berechnet.

Abbildung 4-14: Blindleistungseinspeisung im Fall 2


Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 45

Abbildung 4-15: Sollwert der Kapazitätsspannung im Fall 2

Kq für Zeitpunkte t = 15 s bzw. t = 35 s wird entsprechen in Ausdrücken (4.14) bzw.


(4.15) berechnet:

555,7⁡𝑉 − 563,38⁡𝑉 𝑉
𝐾𝑞 = = −3,3391 ∗ 10−4 ⁡ ⁡⁡𝑏𝑒𝑖⁡𝑡 = 15⁡𝑠 (4.14)
623⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 − 600⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 𝑉𝐴𝑟
528,3⁡𝑉 − 563,38⁡𝑉 𝑉
⁡𝐾𝑞 = = −2,8154 ∗ 10−4 ⁡ ⁡⁡𝑏𝑒𝑖⁡𝑡 = 35⁡𝑠 (4.15)
724,6⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 − 600⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 𝑉𝐴𝑟

Hier ist in beiden Fällen eine wesentliche Abweichung von dem festgelegten Wert von
Kq zu beobachten.

Fall 3

In diesem Szenario ist die aufgenommene Blindleistung der Last gleich dem Sollwert
der Blindleistungseinspeisung. Genauso wie in letzten zwei Fällen, wird bei t = 30 s die
zusätzliche Last an das Netz zugeschaltet und bei t = 40 s von dem Netz abgetrennt.
Die zugehörigen Daten sind in der Tabelle 4-6 angegeben.
46

Tabelle 4-7: Parameter des Inselnetzes im Fall 3

𝑄𝑠𝑒𝑡 𝑄1 𝑄2 𝐾𝑞

𝑉
600⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 600⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 200⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 −4,0243 ∗ 10−4⁡ ⁡
𝑉𝐴𝑟

Diagrammen in Abbildungen 4-16 und 4-17 stellen die Ergebnisse der Simulation mit
diesen Daten dar. Mit den angezeigten Werten wird die bereits bekannte Berechnung
des Parameters durchgeführt. Das Resultat ist mittels der Ausdrücke (4.16) und (4.17)
vorgestellt:

573,4⁡𝑉 − 563,38⁡𝑉 𝑉
𝐾𝑞 = = −4,4141 ∗ 10−4 ⁡ ⁡⁡𝑏𝑒𝑖⁡𝑡 = 15⁡𝑠 (4.16)
577,3⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 − 600⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 𝑉𝐴𝑟

537,1⁡𝑉 − 563,38⁡𝑉 𝑉
⁡𝐾𝑞 = = −3,6 ∗ 10−4 ⁡ ⁡⁡𝑏𝑒𝑖⁡𝑡 = 35⁡𝑠 (4.17)
673⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 − 600⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 𝑉𝐴𝑟

Es wird deutlich, dass der Wert des Parameters in beiden Zeitpunkten um den Betrag
von 0,4 in die negative bzw. positive Richtung abweicht.

Abbildung 4-16: Blindleistungseinspeisung im Fall 3


Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 47

Abbildung 4-17: Sollwert der Kapazitätsspannung im Fall 3

Fall 4

Im Fall 4 wird wieder das Verhalten der Spannungsregelung getestet, indem der Schal-
ter, der die zusätzliche Last an das Netz verbinden kann, am Anfang der Simulation
geschlossen bleibt, und später für eine kurze Periode geöffnet wird. Für diese Simula-
tion werden dieselben Werte der relevanten Größen verwendet, die nochmal in der Ta-
belle 4-8 angegeben sind.

Tabelle 4-8: Parameter des Inselnetzes im Fall 4

𝑄𝑠𝑒𝑡 𝑄1 𝑄2 𝐾𝑞

𝑉
600⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 600⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 200⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 −4,0243 ∗ 10−4 ⁡
𝑉𝐴𝑟

In Abbildungen 4-18 und 4-19 sind die Ergebnisse der oben beschriebenen Simulation
dargestellt. Die Daten bei t = 15 s und bei t = 35 s werden für die Berechnung von Kq in
Ausdrücken (4.18) und (4.19) benutzt.
48

535,5⁡𝑉 − 563,38⁡𝑉 𝑉
𝐾𝑞 = = −4,0289 ∗ 10−4 ⁡ ⁡⁡𝑏𝑒𝑖⁡𝑡 = 15⁡𝑠 (4.16)
669,2⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 − 600⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 𝑉𝐴𝑟

571,1⁡𝑉 − 563,38⁡𝑉 𝑉
⁡𝐾𝑞 = = −2,5906 ∗ 10−4 ⁡ ⁡⁡𝑏𝑒𝑖⁡𝑡 = 35⁡𝑠 (4.17)
570,2⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 − 600⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 𝑉𝐴𝑟

Abbildung 4-18: Blindleistungseinspeisung im Fall

Abbildung 4-19: Sollwert der Kapazitätsspannung im Fall 4


Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 49

Aus diesen Berechnungen ist es auch zu erkennen, dass der Betrag von Kq bei einer
größeren Differenz zwischen dem Sollwert der Blindleistung und der tatsächlich bezo-
genen Blindleistung stark von dem angegebenen Wert abweicht, wobei bei einer kleiner
Differenz so eine große Diskrepanz nicht entsteht.

4.2 Parallelbetrieb und Parametervariation

In diesem Kapitel wird mittels Variation bestimmter Parameter die Eignung der stati-
schen Regelung für einen Notfallinselnetzbetrieb untersucht. Dabei werden insbeson-
dere die Lastaufteilung zwischen den parallelen Wechselrichtern und die Einhaltung
der in Kapitel 2.4 vorgestellten Stabilitätsgrenzen in Betracht gezogen.

4.2.1 Variation der Lastsprunghöhe

Während eines Notfallinselnetzbetriebes können Lastsprünge auftreten. Dies kann ei-


nerseits durch geplantes Ab- oder Zuschalten von Niederspannungssträngen entste-
hen, da in den nächsten Stunden weniger bzw. mehr Einspeisung durch erneuerbare
Energieträger erwartet wird; andererseits kann ein Lastsprung von einem ungeplanten
Abschalten von Erzeugern oder Lasten aufgrund eines Ausfalls oder Defekts an einer
Anlage verursacht werden.

So ein Lastsprung kann verschiedene Höhen erreichen. Es kann sowohl nur einem
bestimmten Prozentsatz der Grundlast entsprechen als auch genauso groß oder sogar
größer als die Grundlast sein. Im Folgenden wird die Stabilität des Inselnetzes unter-
sucht, indem der Lastsprung schrittweise um 20% der Grundlast gesteigert wird, bis die
zusätzliche Last der Grundlast entspricht und sich somit die gesamte Last im Netz sich
verdoppelt.

Frequenzregelung

Für die Untersuchung werden beide Wechselrichter gleichzeitig Strom in das Netz ein-
speisen. Um das Verhalten der Frequenzregelung isoliert betrachten zu können wird
die Spannungsregelung deaktiviert, indem Kq = 0 gesetzt wird. Kp wird so gewählt, dass
die Frequenz bei maximaler Last 47,5 Hz nicht unterschreitet und ist identisch für beide
Wechselrichter. In der Tabelle 4-8 sind die eingesetzte Werte vorgestellt.
50

Tabelle 4-8: Parameter des Inselnetzes bei der Variation der Lastsprunghöhe

𝑃𝑠𝑒𝑡,1 𝑃𝑠𝑒𝑡,2 𝑃1 𝐾𝑝,1 𝐾𝑝,2

1000⁡𝑘𝑊 1000⁡𝑘𝑊 2000⁡𝑘𝑊 −1,25 ∗ 10−6 −1,25 ∗ 10−6

Der Schalter, der die zusätzliche Last mit dem Netz verbindet, wird bei t = 30 s ge-
schlossen und bei t = 40 s wieder geöffnet. Der Wert von 𝑃𝐿𝑎𝑠𝑡𝑠𝑝𝑟𝑢𝑛𝑔 , der die von der
zusätzlichen Last aufgenommene Wirkleistung repräsentiert wird in der jeweiligen Si-
mulation 20%, 40%, 60%, 80% und 100% der Grundlast betragen. Da die Sollwerte
und die Leistungszahlen Kp,1 und Kp,2 der Wechselrichter gleich sind, wird eine gleich-
mäßige Lastaufteilung zwischen den Wechselrichtern erwartet. Die Abbildungen 4-20
und 4-21 stellen die Ergebnisse dieser Untersuchung dar.

Abbildung 4-20: Lastaufteilung zwischen den parallelen Wechselrichtern bei verschiedenen


Lastsprunghöhen
Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 51

Abbildung 4-21: Frequenzgang paralleler Wechselrichter bei verschiedenen Lastsprunghöhen

Da die eingespeiste Leistung und die Frequenz für beide Wechselrichter gleich sind,
würden sie erwartungsgemäß einander in einem einzigen Diagramm überlappen. Da-
her sind sie der Übersichtlichkeit halber jeweils in zwei Diagrammen dargestellt.

Aus Diagrammen wird es deutlich, dass in Kapitel 4.1 validierte Verhalten sich hier auch
wiederholt. Die Frequenz ändert sich anti-proportional der Leistungsabweichung. Au-
ßerdem bleibt die Frequenz bei diesem festgelegten Wert von Kp innerhalb der in Kapi-
tel 2.4 vorgestellten Stabilitätsgrenzen. Darüber hinaus wird die zusätzliche Last gleich-
mäßig zwischen den Wechselrichtern aufgeteilt. Somit entsprechen die Simulationser-
gebnisse den Erwartungen.
52

Abbildung 4-22 stellt den Einschwingvorgang dar, der bei dem oben ersten Lastsprung
vorkommt. Aus dieser Abbildung wird ersichtlich, dass ein höherer Lastsprung zu grö-
ßeren Amplituden während des Einschwingvorgangs führt. Es kommt allerdings zu kei-
nen Verletzungen des Frequenzbandes.

Abbildung 4-22: Einschwingvorgang bei einer durch Lastzuschaltung bedingten Frequenzän-


derung
Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 53

Spannungsregelung

Eine änhnliche Untersuchung wird auch für die Spannungsregelung durchgeführt. Für
eine isolierte Beobachtung wird Kp = 0 gesetzt und somit die Frequenzregelung
deaktiviert.

Tabelle 4-9: Parameter des Inselnetzes bei der Variation der Lastsprunghöhe

𝑄𝑠𝑒𝑡,1 𝑄𝑠𝑒𝑡,2 𝑄1 𝐾𝑞,1 𝐾𝑞,2

𝑉 𝑉
600⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 600⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 1200⁡𝑘𝑉𝐴𝑟 −4,6942 ∗ 10−5 −4,6942 ∗ 10−5
𝑉𝐴𝑟 𝑉𝐴𝑟

Die Blindleistung 𝑄𝐿𝑎𝑠𝑡𝑠𝑝𝑟𝑢𝑛𝑔 , die von der zugeschalteten Last bezogen wird, wird
schrittweise um 20% der Grundlast variiert bis 100% der von der Grundlast bezogenen
Blindleistung erreicht ist. Die Ergebnisse dieser Parameterstudie sind in den
Abbildungen 4-23, 4-24, 4-25 und 4-26 dargestellt.

Abbildung 4-23: Eingespeiste Blindleistung der Wechselrichter im Parallelbetrieb bei verschie-


denen Lastsprunghöhen
54

Abbildung 4-23 zeigt die Blindleistungsaufteilung zwischen den parallelen Wechselrich-


tern. Wie bei der Frequenzregelung ist hier auch erwartungsgemäß eine gleichmäßige
Beteiligung der Wechselrichter beobachtbar. Dies ist wiederum durch die gleichen Pa-
rameter der statischen Blindleistungs-Spannungsregelung und gleichen Sollwerte be-
dingt.

Abbildung 4-24 stellt die Sollwerte der Kapazitätsspannung, die der Amplitude der Lei-
ter-Erde Spannung entspricht, in den LCL-Filtern vor, die von der Droop Control vorge-
geben werden. Durch den Vergleich mit der entsprechenden Blindleistungseinspeisung
wird deutlich, dass die Spannung mit der steigenden Blindleistungseinspeisung sinkt.

Abbildung 4-24: Sollwerte der Filterkapazitätsspannung von parallelen Wechselrichtern bei


verschiedenen Lastsprunghöhen

In Abbildungen 4-25 und 4-26 sind die Effektivwerte der Ausgangsspannung


vorgestellt. Damit ist die Spannung gemeint, die von den Wechselrichtern bereitgestellt
und ins Netz eingespeist wird. Bei einem Vergleich mit den erhaltenen Sollwerten kann
dieselbe Reihenfolge der Spannungsniveaus und ein anti-propotionaler
Zusammenhang zwischen der Ausgangssapnnung und der Blindleistungseinspeisung
beobachtet werden. Die Amplitude der Ausgangsspannung, die durch eine
Multiplikation des Effektivwertes mit √2 erhalten werden kann, weist eine Abweichung
Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 55

von dem Sollwert der Filterkapazitätsspannung auf, die wiederum sich durch den
Spannungsabfall über der Induktivität auf der Netzseite im LCL Filter erklären lässt.

Abbildung 4-25: Effektivwert der von dem Wechselrichter 1 eingespeisten Spannung

Abbildung 4-26: Effektivwert der von dem Wechselrichter 2 eingespeisten Spannung


56

Der Sollwert der Filterkapazitätsspannung und die Ausgangsspannung befinden sich


nach dem Abklingen der transienten Vorgänge innerhalb des Toleranzbandes von 10%
der Nennspannung.

Abbildungen 4-27 und 4-28 stellen die Einschwingvorgänge der Spannung von beiden
Wechselrichtern nach der Lastzuschaltung bei t = 30 s. Der Verlauf ist sehr ähnlich in
beiden Fällen. Bei der Analyse der Amplituden der Spannung, die bei dem Einschwing-
vorgang entstehen, wird klar, dass bei einem kleineren Lastsprung eine größere
Amplitude erreicht wird. Die Amplitude wird mit der steigenden Lastsprunghöhe immer
kleiner. Somit sinkt die Spannung bei einem Lastsprung, der 100% der Grundlast be-
trägt, bis 191,8 V, wobei bei einer Lastsprunghöhe von 20% die Spannung bis in die
Tiefe von 117,5 V stürzt.

Abbildung 4-27: Einschwingvorgang der Ausgangsspannung von WR1


Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 57

Abbildung 4-28: Einschwingvorgang der Ausgangsspannung von WR2

In den Abbildungen 4-29 und 4-30 sind die oben dargestellten Ausgangsspannungen
über einen längeren Zeitraum vorgestellt. Bei der Analyse der Diagrammen kann fest-
gestellt werden, dass es für beide Wechselrichter ungefähr 0,08 s dauert, bis ein Wert
der Spannung erreicht wird, der innerhalb der im Kapitel 2.4 vorgestellten Stabilitäts-
grenzen liegt.
58

Abbildung 4-29: Einschwingvorgang der Ausgangsspannung von WR1 über einen längeren
Zeitraum

Abbildung 4-30: Einschwingvorgang der Ausgangsspannung von WR2 über einen längeren
Zeitraum

4.2.2 Variation der Droop Parameter

Anschließend wird das Verhalten der Wechselrichter mit unterschiedlichen Droop Pa-
rametern untersucht. Dies kann relevant sein, wenn einer von den parallelbetriebenen
Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 59

Wechselrichtern ein niedrigeres Primärenergiedargebot oder auch höhere Betriebskos-


ten aufweist, und eine gleichmäßige Lastaufteilung nicht möglich oder nicht sinnvoll
wäre. Die Untersuchung wird mittels Zuweisung unterschiedlicher Droop Parameter
den parallelbetriebenen Wechselrichtern durchgeführt.

Frequenzregelung

Die Werte, die für die Untersuchung genutzt werden, sind in der Tabelle 4-10 angege-
ben. Kp,1 wird für alle Simulationen gleich gehalten, während Kp,2 variiert wird.

Tabelle 4-10: Parameter des Inselnetzes bei der Variation der Droop Parameter

𝑃𝑠𝑒𝑡,1 𝑃𝑠𝑒𝑡,2 𝑃1 𝑃2 𝐾𝑝,1

𝐻𝑧
1000⁡kW 1000⁡kW 2000⁡kW 1000⁡kW −1 ∗ 10−6 ⁡
𝑊

In ersten Fall ist Kp,2 = -2,9*10-6 Hz/W. Die Simulationsergebnisse sind in Abbildungen
4-31 und 4-32 dargestellt.
60

Abbildung 4-31: Wirkleistungseinspeisung paralleler Wechselrichter mit Kp,2 = -2,9*10-6 Hz/W

:
Abbildung 4-32: Zeitlicher Verlauf der Frequenz bei Kp,2 = -2,9*10-6 Hz/W

Das Diagramm in Abbildung 4-31 zeigt, wie die Wechselrichter sich an der Lastauftei-
lung beteiligen. Der zweite Wechselrichter beteiligt sich bei einem Lastsprung weniger
an der zusätzlichen Wirkleistungsbereitstellung als der erste Wechselrichter. Das liegt
an der betragsmäßig größeren Leistungszahl Kp,2 im Vergleich zu Kp,1. Außerdem ist
eine abklingende Oszillation ab t = 40 s zu beobachten, die sich ebenfalls in Abbildung
Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 61

4-32 im zeitlichen Verlauf der Frequenz wiederspiegelt.. Da beide Wechselrichter auf-


grund der statischen Regelung eine einheitliche Netzfrequenz bereitstellen, überlappen
die beiden Kurven einander.

In der nächsten Simulation wird Kp,2 = -2,95*10-6 Hz/W gewählt. Die Ergebnisse sind in
den Abbildungen 4-33 und 4-34 dargestellt.

Abbildung 4-33: Wirkleistungseinspeisung mit Kp,2 = -2,95*10-6 Hz/W

Da sich der Parameter Kp,2 nur um 0,017% von dem ersten Wert unterscheidet, gibt es
keinen großen Unterschied in der Lastaufteilung im Vergleich zum ersten Fall (siehe
Abbildung 4-31). Allerdings sind hier stärkere Oszillationen bei t = 40 s zu erkennen.
Dies ist auch in Abbildung 4-34 zu erkennen, wo sich die Frequenzen der Wechselrich-
ter über eine längere Periode auf keinen gemeinsamen Wert einstellen.
62

Abbildung 4-34: Zeitlicher Verlauf der Frequenz bei Kp,2 = -2,95*10-6 Hz/W

In der dritten Untersuchung wird die Leistungszahl nochmals auf


Kp,2 = -2,9651*10-6 Hz/W erhöht. Die Ergebnisse sind in den Abbildungen 4-35 und 4-36
zu sehen.

Abbildung 4-35: Wirkleistungseinspeisung bei Kp,2 = -2,9651*10-6 Hz/W


Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 63

Abbildung 4-36: Frequenzgang bei Kp,2 = -2,9651*10-6 Hz/W

Nach der Analyse der Diagrammen wird es deutlich, dass mit diesem Kq,2 die Oszillati-
onen so stark werden, dass das System es nicht schafft, sich wieder zu stabilisieren.
Das führt zu einem instabilen Verhalten des Frequenzgangs im Inselnetz. Dieses Insta-
bilitätsphänomen kann der im Kapitel 2.4 vorgestellten Klasse „Stabilität der Regelung“
zugeordnet werden.
64

Spannungsregelung

Für die Blindleistungs-Spannungsregelung wird eine vergleichbare Untersuchung


durchgeführt. Der Parameter Kq von einem Wechselrichter wird auf einen festen Wert
gesetzt. Der Parameter von dem zweiten Wechselrichter wird in einem Bereich
von -2*10-4 V/VAr bis -5*10-4 V/VAr variiert. Die Tabelle 4-11 stellt die relevanten Werte
vor.

Tabelle 4-11: Parameter des Inselnetzes bei der Variation der Droop Parameter

𝑄𝑠𝑒𝑡,1 𝑄𝑠𝑒𝑡,2 𝑄1 𝑄2 𝐾𝑞,1

600⁡kVAr 600⁡kVAr 1200⁡kVAr 600⁡kVAr −1 ∗ 10−4

𝑄𝑠𝑒𝑡,1 und 𝑄𝑠𝑒𝑡,2 repräsentieren die Sollwerte der Blindleistungseinspeisung, während


𝑄1 die Blindleistung, die von der Grundlast bezogen wird, und 𝑄2 die Blindleistung, die
von der zusätzlichen Last bezogen wird, darstellen.

Die Ergebnisse dieser Parametervariation sind in den Abbildungen 4-37, 4-38, 4-39,
4-40, 4-41 und 4-42 vorgestellt.

Abbildung 4-37: Blindleistungseinspeisung von WR1 bei verschieden Kq,2


Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 65

Abbildung 4-38: Blindleistungseinspeisung von WR2 bei verschieden Kq,2

Abbildungen 4-37 und 4-38 zeigen die Blindleistungseinspeisungen der beiden Wech-
selrichter. Aus den Diagrammen ist erkennbar, dass der erste Wechselrichter mit dem
betragsmäßig kleinerem Kq,1 in Folge des Lastsprunges mehr Blindleistung einspeist
als der zweite Wechselrichter. Außerdem wird diese Differenz in der Blindleistungsein-
speisung mit einem betragsmäßig steigenden Kq,2 auch größer.

Abbildung 4-39: Sollwert der Kapazitätsspannung von WR1 bei unterschiedlichen Kq,2
66

Abbildung 4-40: Sollwert der Kapazitätsspannung von WR2 bei unterschiedlichen Kq,2

Abbildungen 4-39 und 4-40 stellen die Sollwerte der Filterkapazitätsspannung der beiden
Wechselrichter dar. Hier ist auch erkennbar, dass die Spannungssollwerte mit dem steigenden
Betrag von Kq,2 immer niedriger werden. Im Gegensatz zur Frequenzregelung ist hier eine Dif-
ferenz zwischen den jeweiligen Sollwerten der Wechselrichter zu sehen. Das heißt, bei dem
gleichen Kq,2 ist der Sollwert der Kapazitätsspannung des zweiten Wechselrichters niedriger
als der Sollwert des ersten Wechselrichters.

Abbildung 4-41: Ausgangsspannung von WR1


Ergebnisse der Untersuchung und Analyse 67

Abbildung 4-42: Ausgangsspannung von WR2

Abbildungen 4-41 und 4-42 stellen die Werte für die Ausgangsspannungen der Wech-
selrichter vor. Der oben beschriebene Zusammenhang ist auch hier zu erkennen. Die
Ausgangsspannung von WR2 ist für einen gegebenen Kq,2 immer kleiner als von WR1.
Das liegt daran, dass die Abweichungen der Blindleistungseinspeisung des WR2 mit
einem betragsmäßig größere Parameter multipliziert und anschließend von dem Nenn-
wert der Filterkapazitätsspannung abgezogen werden.
68
Zusammenfassung und Ausblick 69

5 Zusammenfassung und Ausblick

In diesem Kapitel wird eine kurze Zusammenfassung der Arbeit und der Ergebnisse der
Untersuchung vorgestellt. Im Anschluss werden Vorschläge für weiterführende Unter-
suchungen und offene Fragen benannt.

5.1 Zusammenfassung

Im Falle eines Blackouts können bestimmte Gebiete des Mittel- und Niederspannungs-
netzes als Notfallinselnetze betrieben werden. Im Rahmen dieser Arbeit wurde der Ein-
fluss einer statischen Regelung netzbildender Wechselrichter auf die Stabilität des Not-
fallinselnetzes untersucht. Anhand einer Parameterstudie sollte beurteilt werden, inwie-
weit sich diese Regelungsstrategie für einen stabilen Inselnetzbetrieb eignet. Dabei
sollte insbesondere die Lastaufteilung zwischen den parallelbetriebenen Wechselrich-
tern nach Lastzuschaltung bzw. -abwurf in Betracht gezogen werden.

Zu diesem Zweck wurde ein in der Software Simulink existierendes Modell eines netz-
bildenden Wechselrichters um eine statische Regelung (Droop Control) ergänzt. An-
schließend wurde das dynamische Verhalten der Droop Control und ihr Einfluss auf die
Spannungsamplitude und -frequenz anhand eines Inselnetzmodells mit zu- und ab-
schaltbarer Last geprüft. Zuerst wurden zur Validierung des Regelungsverfahrens ver-
schiedene Szenarien simuliert, bei denen beispielsweise die von der Last bezogene
Wirk- oder Blindleistung variiert wurde. Die Simulationsergebnisse dieser Szenarien
wurden anschließend miteinander verglichen. Dabei konnte festgestellt werden, dass
sich bei kleineren Abweichungen des Verbrauchs vom Blind- oder Wirkleistungssollwert
die berechneten Leistungszahlen der statischen Regelungvon den festgelegten Werten
unterscheiden, wobei das bei größeren Abweichungen entweder nicht auftritt oder die
Differenz in der Regel klein ist.

Außerdem wurde das dynamische Verhalten der statischen Regelung, die Lastauftei-
lung und die Stabilität des Inselnetzes beim Parallelbetrieb mehrerer netzbildender
Wechselrichter untersucht. Bei einer Variation der Lastsprunghöhe wies die Droop Con-
trol das erwartete Verhalten auf. Das durch die aktuellen Netzanschlussrichtlinien fest-
gelegte zulässige Spannungs- bzw. Frequenzband wurde erwartungsgemäß bei den
70

eingesetzten Leistungszahlen der statischen Regelung eingehalten. Aus weiteren Si-


mulationsergebnissen konnte beobachtet werden, dass bei Vergrößerung der Leis-
tungszahl der statischen Wirkleistungs-Frequenzregelung von einem der parallelbetrie-
benen ein nicht abklingendes oszillierendes Verhalten in der Netzfrequenz bzw. der
eingespeisten Wirkleistung auftrat.

5.2 Ausblick

Die Ergebnisse dieser Arbeit können bei weiteren Untersuchungen eines stabilen Not-
fallinselnetzbetriebes berücksichtigt werden. Angesichts der erhaltenen Simulationser-
gebnisse, die ein grenzstabiles Verhalten des Systems bei unterschiedlichen Leis-
tungszahlen der Wirkleistungs-Frequenzregelung zeigen, bietet sich eine tieferge-
hende Analyse zur Begründung dieses Verhaltens an.

Zum anderen kann die Differenz zwischen den berechneten und festgelegten Leis-
tungszahlen untersucht werden und sowohl ihre Ursache als auch eine Möglichkeit,
diese Differenz zu minimieren, gesucht werden. Des Weiteren kann mittels der Varia-
tion der Wirk- und Blindleistungssollwerte die Reaktion der statischen Regelung beur-
teilt werden.

Für weitergehende Untersuchungen können außerdem verschiedene Lastmodellierun-


gen berücksichtigt werden. Im Rahmen dieser Arbeit wurden alle Studien mit einer teils
induktiven und teils resistiven Last durchgeführt. Auch andere Lastmodellierungen, wie
z.B. umrichtergekoppelte Lasten wie Ladesäulen, müssen in Betracht gezogen werden.

Eine andere Möglichkeit für die Untersuchung der unterschiedlichen Wechselrichter im


Parallelbetrieb wäre die Berücksichtigung der Betriebsführungskosten dieser WR. An-
hand der entsprechenden Daten können bei der Frequenz- oder Spannungsregelung
entsprechende Parametrierungen bestimmt werden, die einen wirtschaftlicheren Not-
fallinselnetzbetrieb ermöglichen könnten.
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