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Ludwig-Maximilians-Universität München

Institut für Romanische Philologie


Wintersemester 2016/2017

Hauptseminar
„Linguistischer Strukturalismus seit Saussure: 100 Jahre Grundfragen der allgemeinen
Sprachwissenschaft“
Prof. Dr. Andreas Dufter & Prof. Dr. Guido Seiler

Zu den Opositionen von Langue Vs Parole und Kompetenz Vs Performanz

vorgelegt von:
Johanna Isabel Córdoba Chavarro
Hans-Leipelt-St. 7. 10 14
80805 München
0160 / 91030157

München, 18.03.2017
Inhalt

1 Einleitung ……………………………………….........................................…………1
2. Ferdinand De Saussure: Die Bedeutung der saussureschen wissenschaftlichen Arbeit
für die Sprachwissenschaft ....................................................................................................1
2.1. Langage, Langue und Parole bei De Saussure.............................................................1
2.2. Festlegung einer Definition von Langue und Parole aufgrund der Eingrenzung
der Aufgabe der
Linguistik ........................................................................................................2
2.3. Verhältnis zwischen Langue und Parole.....................................................................5
2.4. Kritik der Konzepte von Langue und Parole von De
Saussure....................................6
3. Die Sprachtheorie von Noam Chomsky...........................................................................7
3.1. Die Begriffe von Kompetenz und Performanz in der Sprachtheorie von Noam
Chomsky....................................................................................................................8
3.2. Die generative Transformationsgrammatik als Theorie zur Erklärung der
Kompetenz.................................................................................................................9
3.3. Kritik am Konzept der Kompetenz............................................................................10
3.4. Auf dem Weg zu einer Theorie der
Performanz.........................................................11
4. Vergleich zwischen De Saussure und Chomsky..............................................................11
4.1.1 Gemeinsamkeiten zwischen Langue und Kompetenz............................................11
4.1.2 Unterschiede zwischen Langue und Kompetenz....................................................12
4.2.1 Gemeinsamkeiten zwischen Parole und
Performanz..............................................12
4.2.2 Unterschiede zwischen Parole und Performanz.....................................................13
4.3. Vergleich zwischen Langage und Kompetenz........................................................13
5. Fazit.................................................................................................................................13
6. Literatur...........................................................................................................................14
7. Eidesstattliche Erklärung ...............................................................................................16
8. Anhang (Tabellen) ..........................................................................................................17
1. Einleitung

Der Gegenstand vorliegender Arbeit sind die Begriffe von Langue und Parole, die im De
Saussures Cours de linguistique générale (De Saussure, 2014) vorgestellt werden, sowie die
Begriffe von Kompetenz und Performanz, die in den Studien von Noam Chomsky (Chomsky,
1965) erscheinen. Nachdem die Begriffe jedes Linguisten betrachtet werden, werden Punkte
von Konvergenz und Abweichung sowie möglichen Beziehungen zwischen den Begriffen
gesucht.

2. Ferdinand De Saussure: Die Bedeutung der saussureschen wissenschaftlichen Arbeit


für die Sprachwissenschaft

Der rote Faden der Reflexionen von De Saussure ist die Eingrenzung des Gegenstandes der
Linguistik (Geier 1998: 29-30). Obwohl die Sprache seit dem Altertum untersucht worden ist,
war dieses Studium immer zu anderen Disziplinen, wie der Philosophie, der Philologie oder
der Anthropologie, untergeordnet gewesen. Daraus lässt sich die Bedeutung von De Saussure
für die Konsolidierung der Linguistik als Wissenschaft besser erkennen; De Saussure legt die
Grenzen der Linguistik fest und verselbständigt diese Diziplin von anderen. Die Bedeutung
von De Saussure lässt sich auch darin sehen, dass viele der späteren Entwicklungen auf dem
Gebiet der Linguistik auf Thesen von De Saussure zurückzuführen sind. Dies ist der Fall, zum
Beispiel, von den Strömungen des Behaviorismus, des Strukturalismus und des
Kognitivismus in der Sprachwissenschaft, welche sich aus Thesen von De Saussure herleiten.

2.1. Langage, Langue und Parole bei De Saussure

Der Begriff Langage wird von De Saussure wenigstens auf drei verschiedene Weisen
verstanden: 1) als das biologische Vermögen des Menschen, eine Sprache zu lernen, zu
verstehen und zu nutzen (De Saussure 2014: 62-63), 2) als das Universale an allen
linguistischen Systemen (De Saussure 2014: 60)und 3) als die Vereinigung von Langue und
Parole (De Saussure 2014: 61, 68).

Die Langage hat eine individuelle Seite und eine soziale Seite; eine Seite kann sich nicht ohne
die andere konzipieren (De Saussure 2014: 61). Die individuelle Seite der Sprache kann sich
mit der Parole assoziieren und die soziale Seite mit der Langue. Später wird sich erklären,
1
warum De Saussure die Langue als ein soziales Produkt und die Parole als etwas
Individuelles betrachtet.

Saussure sagt aus, dass sich die Langue unter den Erscheinungen der menschlichen
Institutionen klassieren lässt, während sich die Langage nicht auf den Menschen beschränkt
(De Saussure 2014: 66). Hier scheint es dann, dass De Saussure die Langage nicht als die
menschliche Sprechfähigkeit oder als die Vereinigung von Langue und Parole begreift
sondern als die Gesamtheit aller vom Menschen im Kontext des sozialen Lebens verwendeten
Zeichensysteme, einschlieβlich der sprachlichen Zeichensysteme (De Saussure 2014: 66-67).

2.2. Festlegung einer Definition von Langue und Parole aufgrund der Eingrenzung der
Aufgabe der Linguistik

De Saussure gelangt zu einer Definition von Langue, nachdem er einen langen Weg auf der
Suche nach dem Gegenstand der Linguistik gegangen hat. Im Eingrenzungsvorfahren der
Langue als Untersuchungsobjekt der Linguistik sind schon die drei Begriffe Langage, Langue
und Parole zu erkennen. Ins Deutsche werden diese folgendermaβen übersetzt:

Termini auf Französisch Termini auf Deutsch

Langage Sprache, Sprechfähigkeit


Langue Sprachsystem, Sprachwissen
Parole Rede, Sprachkönnen, Sprachverwendung,
Sprechakte, Sprachgebrauch

Da die Termini nicht genau gleich in beiden Sprachen bedeuten, werden diese in der
Originalsprache gelassen, um ihren vielfältigen konnotativen Charakter zu respektieren.

Nach De Saussure ist der Gegenstand der Linguistik bisher nicht deutlich festgelegt worden,
obwohl die Sprachwissenschaftler die Sprache als System und seine Evolution über die Zeit
erforscht haben (De Saussure 2014: 58). Darum bestimmt De Saussure als die Aufgabe der
Linguistik, unter anderen:

“a) die Beschreibung und die Geschichte aller Sprachen [langues] zu liefern, die ihr
zugänglich sind, was darauf hinausläuft, die Geschichte der Sprachfamilien zu schreiben und,
soweit möglich, die Ausgangssprache der Familie zu rekonstruieren” (De Saussure 2014: 59];
2
Mit anderen Worten besteht diese Aufgabe darin, die Langues sowie ihre Geschichte zu
beschreiben. Es ist dann logisch, dass das Ziel der Linguistik darin liegt, die Langue zu
untersuchen, obwohl De Saussure bis zu diesem Punkt nur vage Andeutungen darüber
gemacht hat, was er darunter versteht. Die Aufgabe der Linguistik ist im engeren Sinne, die
Langue in ihrer inneren Struktur zu analysieren.

Die Langue ist nicht mit der Langage zu verwechseln. Als es vorher gesagt worden ist, ist die
Langue ein Teil der Langage: Die Langue "ist gleichzeitig ein soziales Produkt der
Sprachfähigkeit und ein Komplex von notwendigen Konventionen, die die Gemeinschaft
akzeptiert hat, um die Nutzung dieser Fähigkeit durch die Individuen zu ermöglichen" (De
Saussure 2014: 62). Die Langue ist der Komplex von Konventionen und sprachlichen
Zeichen, die von allen Mitgliedern einer Gemeinschaft zur Kommunikation und
Wirklichkeitsdarstellung akzeptiert und respektiert werden. Das Individuum kann weder die
Langue erstellen noch ändern. Die Langue existiert infolge einer Art Vertrag unter den
Mitgliedern einer Gemeinschaft (De Saussure 2014: 65). Die Langue wird von der Kindheit
gelernt. Die Langage wird hingegen als eine "Fähigkeit" gesehen, die uns die Natur gibt; es
geht um die "Sprechfähigkeit" (De Saussure 2014: 62), um die kognitive Fähigkeit, ein
System von linguistischen Zeichen zu nutzen.

Wie später sich deutlich zeigen wird, inspiriert genau diese Konzeption der Sprache als
menschliche Sprechfähigkeit und kognitives Fassungsvermögen zur Nutzung von
sprachlichen Zeichen einige der Thesen der Sprachtheorie von Noam Chomsky.

Eine andere Aufgabe der Linguistik nach De Saussure besteht darin:

“b) die Kräfte zu erforschen, die ständig und überall in allen Sprachen [langues] am Werk
sind, und die allgemeinen Gesetzmäβigkeiten zu ermitteln, auf die man alle spezielle
Erscheinungen der Sprachgeschichte zurückführen kann” [De Saussue 2014: 60].

In der zweiten Aufgabe der Linguistik wird wieder auf den Begriff von Langage hingedeutet,
nämlich, auf das, was in allen linguistischen Systemen und in allen Entwicklungen der
Sprachgeschichte universal ist.

3
Anlässlich seiner Erklärung der Beziehung zwischen Phonologie und Phonetik geht De
Saussure an den Begriff von Parole zum ersten Mal heran:

Die Silben, die man artikuliert, sind über das Ohr wahrgenommene auditive Eindrücke, aber die
Laute existieren nicht ohne die Lautorgane; demzufolge existiert das n nur aufgrund der
Entsprechung dieser beiden Komponente. Man kann die Sprache nicht auf den Laut reduzieren,
noch den Laut von der oralen Artikulation trennen; umgekehrt kann man die Bewegungen der
Lautorgane nicht beschreiben, wenn man vom auditiven Eindruck abstrahiert (De Saussure 2014:
60).

Wenn sich De Saussure auf artikulierte und vom Ohr wahrgenommene Silben bezieht und
erklärt, dass die Laute ohne die Lautorgane nicht existieren können, sieht es so aus, dass er
auf die Parole anspielt, denn er nennt Aspekte oder Elemente, die für die konkreten
sprachlichen Äuβerungen charakteristisch sind, was der Parole entspricht. Zur Parole
gehören alle Sprechakte der Individuen, der konkrete Gebrauch einer Sprache durch ein
Individuum. Es handelt sich dabei um die individuelle Realisierung der Langue. Aus einer
anderen Perspektive ist die Parole gleichzeitig der Ort der Genesis und Veränderung der
Langue (De Saussure 2014: 69).

Wenn De Saussure andererseits die “auditiven Eindrücke” erwähnt, bezieht er sich auf
mentale Entitäten nämlich, auf das, was er später das Bezeichnende nennt; dadurch spielt er
noch mal auf die Langue an, nämlich, auf das von einer Gemeinschaft verwendete und über
den konkreten Verwirklichungen stehende System der sprachlichen Zeichen. Hier lässt sich
der saussuresche Begriff von Zeichen als Entität der physischen Welt (Parole) aber
gleichzeitig als abstraktes Wesen im Hirn (Langue) begreifen:

Aber nehmen wir einmal an, der Laut sei etwas Einfaches: Ist er es dann, der die Langage
ausmacht? Nicht; er ist nur ein Werkzeug des Gedankens und existiert für sich allein genommen
nicht. Und hier ergibt sich eine neue und problemträchtige Duplizität: Der Laut, eine komplexe
auditiv-stimmliche Einheit, bildet seinerseits mit der Idee eine komplexe, physiologisch-mentale
Einheit. (De Saussure 2014: 61)

Im letzten Zitat erscheinen immer wieder zwei Ebenen: die physische Ebene der artikulierten
Laute (Parole) und die Ebene des Gedankens (Langue). Obwohl sich diese Hausarbeit nicht
das Ziel vorgenommen hat, die mehreren Bedeutungen und Widersprüche vom saussureschen
Sprachzeichen anzudeuten, es ist trotzdem zu bemerken, dass dieses in einigen Teilen des
4
Textes als die Vereinigung von zwei abstrakten Entitäten präsentiert wird, nämlich, vom
auditiven Eindruck und Konzept, während es in anderen Teilen des Textes als die
Vereinigung vom Konzept und Wort als Gegenstand der physischen Welt erscheint, das heiβt,
als Reihenfolge von Lauten, die ein Konzept darstellt.

Die Langue unterscheidet sich von der Parole. Die Langue ist "ein Zeichensystem, dessen
Wesen auf der Verbindung des Sinns mit dem Lautbild beruht, und in dem die beiden Teile
des Zeichens gleichermassen psychischer Natur sind" (De Saussure 2014: 66). Die Langue hat
ihren Sitz im Hirn. Die Zeichen der Sprache sind fassbar, obwohl sie in ihrem Wesen
psychischer Natur sind (De Saussure 2014: 66). In den vorher genannten Zitaten besteht
wieder ein Widerspruch zum saussureschen Sprachzeichen: auf der einen Seite sind
Sprachzeichen psychische Einheiten, aber auf der anderen Seite sind sie fassbar. Die Frage
stellt sich dann: "Wie kann ein sprachliches Zeichen die Vereinigung von zwei psychischen
Einheiten und zugleich greifbar sein? Worin besteht die Greifbarkeit der sprachlichen
Zeichen? Wenn sich die Greifbarkeit der Zeichen in ihrer Materialisierung in der Parole
erweist, (d. h. in der spezifischen Verwendung, die die Sprecher von ihnen machen), wie
können diese untersucht werden, wenn Sprachwissenschaftlern der Weg zur Parole geweigert
wird?

Die Untersuchung der Langue sei die Hauptaufgabe der Linguistik. Die Parole hat mit dem
physikalischen Prozess der Lauterzeugung zu tun, d. h. mit der Ausführung von Lautbildern.
Die Lautveränderungen sind Teil der Parole, und wirken nicht auf das Sprachsystem, d. h. auf
die Langue. Die Linguistik soll die Lautwandel untersuchen, sofern diese eine Wirkung auf
die Bedeutung der Wörter hat (De Saussure 2014: 68). Für De Saussure ist somit klar, dass
sich die Linguistik als Wissenschaft mit der Langue und nicht zuallererst mit der Parole
befassen muss, denn die erste ist abstrakt, verallgemeinert, universal und permanent, während
die zweite aus Äußerungen und konkreten Verwendungen von Zeichen besteht, die durch
Umständlichkeit geprägt sind:

Das Studium der Sprache umfasst somit zwei Teile; der eine, der wesentliche, hat das
Sprachsystem zum Gegenstand, das essentiell sozial und unabhängig vom Individuum ist; dieser
Arbeitsbereich ist rein psychischer Natur. Der andere, sekundäre, hat den individuellen Teil der
Sprache zum Gegenstand, d. h. die Rede [Parole] einschlieβlich der Lauterzeugung, dieser
Arbeitsbereich ist psychophysischer Natur (De Saussure 2014: 68).

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2.3. Verhältnis zwischen Langue und Parole

Historisch gesehen existiert zuerst die Parole und danach die Langue (De Saussure 2014: 68).
Die Langue verfestigt sich im Gehirn eines Individuums aufgrund unzähliger Erfahrungen
(De Saussure 2014: 69). Langue und Parole stehen in einer wechselseitigen Abhängigkeit.
Die Parole ist die Realisierung der Langue. Die Langue ist nötig, damit die Parole
verständlich ist (De Saussure 2014: 68). Die Parole ist beobachtbar, die Langue dennoch
nicht. De Saussure ist der Auffassung, dass man „[…] sich von allem Anfang an auf den
Boden des Sprachsystems [Langue] stellen und dieses zur Bezugsgröβe für alle andere
Erscheinungsformen der Sprache machen [muss]” (De Saussure 2014: 68).

Saussure erklärt, dass die Langue „ein Zeichensystem zum Ausdruck von Ideen“ ist (De
Saussure 2014: 66). Danach schlägt er die Gründung einer Linguistik der Langue und einer
Linguistik der Parole vor. De Saussure argumentiert, dass sich die Linguistik der Parole der
Linguistik der Langue trotzdem untergeordnet werden muss.

Die Langue wird von De Saussure als grammatisches System verstanden, das das Individuum
von einer Gemeinschaft annimmt. Die Langue ist das System, das im Kopf aller Mitglieder
der Gemeinschaft steht. Die spezifische Verwendung dieses Systems und die konkreten
Sprechakte des Individuums machen die Parole aus. Die Parole umfasst sowohl alle
Kombinationen, die der Sprecher mit den Sprachzeichen macht, um einen konkreten
Gedanken oder eine konkrete Botschaft zu äussern, als auch den psycho-physischen Aspekt
seiner Ausdrücke. (De Saussure 2014: 68).

2.4. Kritik der Konzepte von Langue und Parole von De Saussure

De Saussures Unterscheidung zwischen Langue und Parole wird kritisiert. Für die Linguisten,
die sich nach ihm weiter mit dieser Dualität befasst haben, ist es nicht korrekt, Langue und
Parole als zwei völlig unterschiedliche Gegenstände zu begreifen, die folgendermassen
getrennt untersucht werden sollen. Die Kritik richtet sich auf die Schaffung eines Dualismus,
wo es keinen gibt (Hewson 1976: 318). Langue und Parole sind nicht unterschiedliche und
voneinander getrennte Gegenstände, sondern Manifestationen oder Teile derselben Einheit. Es
ergibt keinen Sinn, die Langue ohne die Parole zu betrachten: die erstere stellt die Form, die
letztere die Substanz der Sprache dar.

6
Vom Konzept der Langue wird auch seine abstrakte Natur kritisiert. Wenn die Langue das
von einer Gemeinschaft verwendete Zeichensystem ist und diese Zeichen aus der Vereinigung
von zwei abstrakten Entitäten entstehen, nämlich dem Bezeichnenden und dem Bezeichneten,
dann ist es unmöglich solche Zeichen wissenschaftlich zu untersuchen, vor allem wenn es
nicht zugelassen wird, ihre Materialisierung oder reale Manifestation in der Parole zu
berücksichtigen (Ogden und Richards 1923: 4-6, Bloomfield 1926: 154).

De Saussure ist auch kritisiert worden, weil er die Langue als die Summe aller individuellen
langues vorgestellt hat. De Saussure macht eine Analogie mit einem Wörterbuch: die Langue
ist ähnlich zu einem Wörterbuch, dessen Exemplare auf alle Sprecher verteilt worden sind:
„Das Sprachsystem existiert in der Gemeinschaft in der Form einer Summe von Eindrücken,
die in jedem Hirn niedergelegt sind, ähnlich einem Wörterbuch, dessen identische Exemplare
unter den Individuen [einer Sprachgemeinschaft] verteilt sind" (De Saussure 2014: 69). Diese
Konzeption von Langue erweist sich als problematisch, im Sinne, dass das Ganze mehr als die
Summe seiner Teile ist. Die Langue ist sicherlich mehr als die Sammlung von dem, was in
den Köpfen aller Mitgliedern einer Sprachgemeinschaft zu finden ist (Halle 1968: 10).

Die letzte Kritik, die hier in Erwägung gezogen wird, kommt eben aus Noam Chomsky.
Chomsky kritisiert, dass De Saussure den Satz dem Bereich der Parole und nicht der Langue
zuteilt, was einen Syntax, d. h. eine Theorie der Prinzipien des Satzbaus unmöglich macht:
„Der Satz ist der Prototyp des Syntagmas. Aber er gehört der Rede [Parole] an, nicht dem
Sprachsystem [Langue]“ (De Saussure, 2014: 148).

3. Die Sprachtheorie von Noam Chomsky

Eine Gruppe von Wissenschaftlern haben Vorrang zum psychischen und kognitiven Aspekt
der Sprache eingeräumt; nämlich die Kognitivisten. Noam Chomsky ist einer ihrer
Exponenten. Die Kognitivisten erklären sich gegen den Behaviorismus. Linguisten wie
Bloomfield, Austin, Searle basieren ihre Studien der Sprache auf der Idee, dass die
Wissenschaft nur untersuchen kann, was beobachtbar ist. Diese positivistische Stellung hat sie
dazu geführt, sich auf die konkreten Manifestationen der Sprache zu konzentrieren, nämlich,
auf die Parole von De Saussure. Für die behavioristischen Sprachwissenschaftler hat das
saussuresche Konzept von Zeichen das Problem, dass dieses aus der Verbindung von zwei

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abstrakten Einheiten entsteht, nämlich, dem Signifikant und dem Signifikat, aber die
Wissenschaft darf keine immateriellen Gegenstände erforschen. Deshalb schlagen sie vor,
dass die Linguistik als Ganzes nur Linguistik der Parole wird. Nur was empirisch
beobachtbar, messbar und nachprüfbar ist, kann von der Wissenschaft betrachtet werden. Im
Gegensatz zu den Behavioristen denken die Kognitivisten, die Sprache ist vor allen ein
kognitiver Prozess, der bestimmten logischen Regeln folgt und im Gehirn stattfindet.

Die Entwicklung der modernen Sprachwissenschaft wurde seit Ende der fünfziger Jahre bis heute
ganz entscheidend durch die Arbeiten von Noam Chomsky, dem Begründer der sog. generativen
Transformationsgrammatik, geprägt. In seinem 1965 erschienenen Buch Aspects of the Theory of
Syntax traf er eine dem Gegensatz von Langue und Parole analoge Unterscheidung
zwischen competence und performance. Diese Termini wurden als Kompetenz und Peformanz ins
Deutsche übernommen (Heinz: 1998: 16).

Das Zitat deutet auf die Existenz einer Verbindung zwischen den saussureschen Konzepten
von Langue und Parole und den Konzepten von Kompetenz und Performanz von Chomsky.

Chomsky teilt mit De Saussure die Sorge um die Definition der Aufgabe der Linguistik oder
der Sprachtheorie, wie er sie nennt. Der Gegenstand der linguistischen Theorie sollte sein,
was Chomsky als "der ideale Sprecher-Hörer" bezeichnet, das heißt, jemand, der seine
Sprache ausgezeichnet kennt und unbeeinflusst von umstandsbedingten Faktoren wie, z. B.
begrenztem Gedächtnis, Zerstreutheit und Verwirrung, Verschiebung in der Aufmerksamkeit
und im Interesse, sowie den unvermeidlichen Sprachfehlern (Chomsky 1965: 13). Die
Linguistik sollte untersuchen, wie ein idealer Sprecher aus einer finiten Anzahl von
sprachlichen Elementen infinite grammatisch korrekte Sätze bauen kann.

Für Chomsky sollte die menschliche Sprache als Prozess betrachtet werden, der im Hirn der
individuellen Sprecher stattfindet. Die Sprache soll als Teil der Kognition begriffen werden.
Er will die Regeln finden, die im Gehirn aller Individuen stehen und ihnen ermöglichen, sich
eine Sprache anzueignen. Alle Menschen werden mit bestimmten logisch-linguistischen
Regeln geboren, die Chomsky "grammatische Prinzipien" nennt. Diese grammatischen
Prinzipien sind Bestandteile eines universellen Systems. Nach dem Kontakt mit einer
bestimmten Sprache wählt das Individuum die einzelnen Prinzipien und Regeln aus, die sich
als geeignet für diese Sprache erwiesen haben. Das von Chomsky verwendete Konzept von
universeller Grammatik hat seinen Ursprung in der Grammatik von Port-Royal. Dank dieser

8
grammatischen Prinzipien und der entsprechenden Aneignung der Sprache durch den
Sprecher befindet sich dieser in der Lage, grammatisch korrekte Sätze zu produzieren und
grammatisch falsche Sätze zu erkennen. Die Regeln, auf die ein Sprecher zugreifen kann, um
wohlgeformte Sätze zu produzieren, nennt Chomsky “Formative” (Chomsky 1965: 12).

3.1. Die Begriffe von Kompetenz und Performanz in der Sprachtheorie von Noam
Chomsky

Chomsky unterscheidet Kompetenz von Performanz. „Er definiert Performanz als „das
beobachtbare Verhalten, in dem die Kompetenz sichtbar wird“ (Klug 2008: 64) 1. Kompetenz
ist das Wissen, das der ideale Sprecher-Hörer über seine Sprache besitzt, und Performanz ist
die eigentliche Nutzung der Sprache in konkreten Situationen, d. h. die Verwirklichung der
Kompetenz. Chomsky selbst verknüpft seine Begriffe von Kompetenz und Performanz an die
saussureschen Begriffe von Langue und Parole, aber er kritisiert an De Saussure seine
statische Sicht der Langue, d. h. seine Konzeption der Sprache als reines systematisches
Inventar von statischen Einheiten, die sich miteinander mechanisch kombinieren (Chomsky
1965: 16). Chomsky kritisiert auch, dass De Saussure die generative Natur der Sprache nicht
berücksichtigt hat. Humbolt sieht hingegen die Sprache als ein Komplex von generativen
Prozessen und bevorzugt daher das Wort "Kompetenz" in diesem Kontext. Chomsky folgt
dem Ansatz von Humbolt und deshalb nutzt er auch den Terminus Kompetenz für das, was
De Saussure als Langue bezeichnet. Die Langue ist eher ein kreativer Prozess; daher
bevorzugt Chomsky das Wort Kompetenz, und dadurch betont er die Fähigkeit des Sprechers-
Hörers, infinite Satzkonstruktionen zu erzeugen.

Die sprachliche Kompetenz umfasst folgende Fähigkeiten:

 Ein Sprecher kann mit einem endlichen Inventar von Elementen (Lauten, Wörtern) und
Verknüpfungsregeln im Rahmen der Performanz eine prinzipiell unendliche Zahl
verschiedener Äußerungen hervorbringen.
 Ein Hörer kann mit dem erworbenen sprachlichen Wissen Äußerungen verstehen, die er nie
zuvor gehört hat, sowie trotz gewisser Unterschiede (z. B. in der Aussprache) gleichbedeutende
Äußerungen als solche identifizieren.

1
Siehe http://klug-md.de/Wissen/Kompetenz.htm
9
 Sprecher/Hörer können sprachliche Äußerungen im Hinblick auf
2
ihre Grammatikalität, Mehrdeutigkeit und Paraphrasebeziehungen beurteilen .

Die sprachliche Kompetenz oder Sprachwissen im Gegensatz zum Sprachkönnen ist


einerseits

 ein Teil der allgemeinen kognitiven Fähigkeiten, deren Grundlage


die Konzeptualisierung, Mustererkennung und Kategorisierung sind und
 andererseits die Fähigkeit, den Inhalt
einer Aussage grammatisch, orthografisch und syntaktisch korrekt zu formulieren und

 die Fähigkeit sich im sozialen Kontext adäquat auszudrücken3.

3.2. Die generative Transformationsgrammatik als Theorie zur Erklärung der


Kompetenz

"Weiterhin wurde in der traditionellen Sprach-Theorie klar erkannt, dass der "kreative"
Aspekt eine allen Sprachen gemeinsame Eigenschaft ist" (Chomsky 1965: 16). Dies bedeutet
demzufolge dass, eine wesentliche Eigenschaft der Sprache darin besteht, die Mittel
bereitzuhalten, damit der Sprecher infinite Gedanken ausdrücken und in neuen
Sprachsituationen angemessen reagieren kann (Chomsky 1965: 16). Chomsky will dann, dass
die Linguisten abstrakte Darstellungen zur Erklärung der generativen Sprachprozesse
gestalten. Er stellt klar, dass die technischen Mechanismen zum Ausdruck eines Systems
rekursiver Prozesse vorher nicht verfügbar waren, dennoch verfügten moderne
Sprachwissenschaftler durch die Mathematik über solche Mechanismen, um die Prozesse der
Generierung und Transformation von syntaktischen Strukturen bei einem Sprecher zu
erklären. Chomsky nennt die Theorie zur Erklärung dieser Prozesse „Generative
Transformationsgrammatik“. Unter einer generativen Grammatik versteht er „ein
Regelsystem, das auf explizite und wohl definierte Weise Sätze Struktur-Beschreibungen
zuordnet" (Chomsky 1965: 19). Dieses System besteht aus drei Komponenten: dem
semantischen, dem syntaktischen und dem phonologischen.

3.3. Kritik am Konzept der Kompetenz

2
Siehe Wikipedia-Artikel „Kompetenz (Linguistik)“ = Anonymus (o.J): „Kompetenz (Linguistik)“ Wikipedia
die freie Enziklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Kompetenz_(Linguistik) [Zugriff am 07.01.2017]
3
Ibidem.
10
Das Konzept von Kompetenz ist auch kritisiert worden, im Sinne dass dieses wichtige
Aspekte der Sprachverwendung nicht ausreichend berücksichtigt. Es ist anzunehmen, dass der
Sprecher verschiedene Kompetenzen bei der Sprachverwendung besitzt. Sprecher haben
beispielsweise eine grammatische Kompetenz, aber auch eine kommunikative Kompetenz.
Diese lassen sich dennoch unterscheiden.

Grammatische Kompetenz bezeichnet die vorher vorgestellte Fähigkeit eines Individuums


dazu, Sätze aus einem Inventar von sprachlichen Elementen und nach bestimmten
grammatischen Regeln zu bauen. Kommunikative Kompetenz bezeichnet die Fähigkeiten
eines Individuums dazu, mit konkreten kommunikativen Situationen zurechtzukommen.
Habermas stellt dem Chomskys Konzept von Kompetenz den Begriff von kommunikativer
Kompetenz gegenüber (vgl. Wagner 1997: 19). Unter der kommunikativen Kompetenz steht
die pragmatische Kompetenz als Subkompetenz. Diese kann als die Fähigkeit eines Sprechers
definiert werden, eine Sprache entsprechend seinen spezifischen
Kommunikationsbedürfnissen und in einem spezifischen Kontext zu verwenden, sowie die
Botschaften von anderen Sprechern unter Berücksichtigung der Bedingungen und Kontexte
zu verstehen, in denen diese produziert werden.

Die kommunikative Kompetenz soll nicht mit der Performanz verwechselt werden. Die
kommunikative Kompetenz kann als die Regeln und Prinzipien konzipiert werden, die zur
Kommunikation dienen. Diese sind dennoch nicht grammatischer Natur. Eine Regel der
kommunikativen Kompetenz besagt, zum Beispiel, dass die Teilnehmer eines Gesprächs sich
beim Sprechen abwechseln. Diese Regel steht im Hirn der Sprecher; allerdings hat sie keinen
grammatischen Charakter. Die Regeln der kommunikativen Kompetenz, die auch in Hirn der
Individuen stehen, dürfen sich nicht mit den konkreten kommunikativen Sprechakten
verwechseln, nämlich mit der Performanz, aber auch nicht mit der grammatischen
Kompetenz.

3.4. Auf dem Weg zu einer Theorie der Performanz

Chomsky glaubt, dass die Sprachwissenschaft sowohl die Kompetenz als auch die Performanz
untersuchen soll, obwohl die erste Vorrang hat. Die Studie der Kompetenz, wie es schon
verdeutlicht wurde, hat mit den universellen Prinzipien zu tun, die dazu führen, dass ein
idealer Sprecher-Hörer unendliche grammatisch korrekte Sätze mit Hilfe einer finiten Anzahl
11
von sprachlichen Elementen baut. Die Performanz ist dagegen die Manifestation der
Kompetenz; durch die Performanz hat man Zugang zur Kompetenz, da diese selbst nicht
beobachtbar ist. Performanz nennt man den Gebrauch, den ein Sprecher/Hörer in einer
konkreten kommunikativen Situation von seiner Kompetenz macht.

Die Kompetenz evaluiert auf der einen Seite die Grammatikalität von Sätzen. Die Performanz
evaluiert auf der anderen Seite ihre Akzeptabilität. Sowohl die Akzeptabilität als auch die
Grammatikalität von Sätzen werden nach einer Skala bewertet: es gibt bestimmte Sätze, die
sich als mehr oder weniger akzeptabel bzw. mehr oder weniger grammatisch korrekt erweisen
(Chomsky 1965: 20). Die Theorie der Performanz soll die Akzeptabilität der Sätze bewerten.

4. Vergleich zwischen De Saussure und Chomsky

Jetzt wird ein Vergleich zwischen den Konzepten von De Saussure und von Chomsky
gezogen.

4.1.1 Gemeinsamkeiten zwischen Langue und Kompetenz

Wenn die Konzepte von Langue und Kompetenz vergleicht werden, zeigen sich die folgenden
Gemeinsamkeiten:

 Sowohl die Langue als auch die Kompetenz beziehen sich auf das abstrakte Wissen der
Sprecher.
 Beide Termini bezeichnet ein Sprachsystem, dessen Bestandteile sich nach bestimmten
Regeln kombinieren.
 Weder die Langue noch die Kompetenz sind in sich beobachtbar.
 Alle Sprecher teilen die Langue. Alle Sprecher verfügen über eine sprachliche Kompetenz.

4.1.2 Unterschiede zwischen Langue und Kompetenz

Die Unterschiede zwischen Langue und Kompetenz sind die folgenden:

12
 Die Langue ist ein soziales Phänomen, während die Kompetenz ein psychologisches
Phänomen ist. Die Langue ist das Sprachwissen, das das Individuum aus der Gesellschaft
erwirbt. Die Kompetenz ist dagegen ein genetisches Erbgut.
 Alle Mitglieder einer Gemeinschaft besitzen eine Kopie der gleichen Langue. Im
Gegensatz dazu ist die Kompetenz nicht gleich in allen Individuen. Sprachliche
Kompetenz variiert von einem Individuum zu dem anderen.
 Die Langue ist die Ausrüstung einer einzelnen Sprache. Es gibt mehrere Sprachen und jede
hat ihre eigenen Merkmale. Diese sind nicht unbedingt für alle Sprachen gleich.
Währenddessen bezeichnet Kompetenz die universale Ausrüstung, die man im Hirn aller
Individuen findet.
 Die Langue ist das Wissen, das ein Individuum über seine Sprache erwirbt, ausgrund
seiner Mitgliedschaft einer Gemeinschaft, während Kompetenz das Wissen ist, das ein
Individuum über seine Sprache besitzt, ausgrund seiner Mitgliedschaft der menschlichen
Spezies.

4.2.1. Gemeinsamkeiten zwischen Parole und Performanz

Jetzt werden die Gemeinsamkeiten zwischen Parole und Performanz vorgelegt:

 Die beiden sind die Manifestation und Realisierung von einem abstrakten System.
 Sowohl die Parole als auch die Performanz sind durch umständlichenfaktoren geprägt.
 Das Individuum steuert die Parole sowie die Performanz.
 Sowohl die Parole als auch die Performanz beziehen sich auf die Verwendung der Sprache
in konkreten Situationen.

4.2.2 Unterschiede zwischen Parole und Performanz

Als Unterschiede zwischen Parole und Performanz gelten, dass:

 die Zahl der möglichen Kombinationen von Sprachzeichen bei der Parole begrenzt ist,
während die Zahl der möglichen grammatisch korrekte Sätzen bei der Performanz
unendlich ist.
 die Kombinationen von Sprachzeichen in der Parole in Prinzip vorhersehbar sind. Im
Gegensatz dazu sind die neuen erfundenen Sätze in der Performanz unvorhersehbar.
13
4.3. Vergleich zwischen Langage und Kompetenz

Aus einer anderen Perspektive kann man auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen
dem Konzept von Langage und dem Konzept von Kompetenz erkennen:

Die Langage wird von De Saussure als was an allen Langues als universell gilt. Sie beinhaltet
alle Regeln, die sich in allen Sprachen finden. Die Kompetenz nach Chomsky beinhaltet
seinerseits verinnerlichte grammatische Regeln des idealen Sprechers-Hörers, die ihn dazu
befähigen, grammatisch korrekte Sätze zu konstruieren. Mit Langage wird die menschliche
Sprechfähigkeit gemeint, während Kompetenz Bezug auf das genetische Vermögen eines
Individuums nimmt, welches dafür sorgt, dass dieses eine Sprache richtig verwendet und alle
gehörten Sätze richtig interpretiert. Individuen sind im Besitz sowohl der Langage als auch
der Kompetenz.

5. Fazit

Anschließend werden die Hauptpunkte dieser Arbeit zusammengefasst. Die Hausarbeit zielte
darauf ab, die Konzepte von Langue und Parole auseinanderzusetzen, die im Mittelpunkt der
Überlegungen von Ferdinand De Saussure stehen und in den ersten Kapiteln seines Cours de
linguistique générale erscheinen. In dieser Arbeit wurden beide Konzepte sowie das Konzept
von Langage bei De Saussure erklärt und vorgestellt. Es wurde erklärt, dass De Saussure die
Langue als das System von sprachlichen Zeichen definiert, das die Mitglieder einer
Gemeinschaft teilen und aus der Kindheit lernen. Die Parole bezieht sich stattdessen auf den
Gebrauch der Langue durch die Sprecher, welcher sich in ihrer konkreten Äußerungen zeigt.
Nachdem beide Konzepte und ihre Beziehung zu dem saussureschen Konzept von Langage
vorgelegt worden waren, wurden einige Kritiken derselben Konzepte in Erwägung gezogen.
Im zweiten Teil der Hausarbeit wurde die Sprachtheorie von Noam Chomsky sowie seine
Begriffe von Kompetenz und Performanz vorgestellt. Chomsky ist der Auffassung, dass der
Gegenstand der Sprachtheorie ein idealer Sprecher-Hörer ist, der sich in der Lage befindet,
eine infinite Anzahl von Sätzen mit Hilfe eines finiten Inventars von sprachlichen Elementen
zu bauen. Es wurde erklärt, dass sich die Kompetenz eine kognitive und angeborene Fähigkeit
der Menschen zum Erlernen eine Sprache bezeichnet. Die Performanz wurde wiederum als
der spezifische Gebrauch der Kompetenz durch den Sprecher zur Kommunikation in

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spezifischen Situationen definiert. Nachdem die Konzepte von beiden Sprachtheoretiker
vorgestellt worden waren, sind Langue und Kompetenz, Parole und Performanz sowie
Langage und Kompetenz miteinander verglichen worden. Die Erstellung dieses Vergleichs
haben Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Konzepten gezeigt.

6. Literatur

Bloomfield, Leonard (1926): A set of postulates for the science of language. In: Language 2
(3): 153-164.
Chomsky, Noam (1965): Aspects of the Theory of Syntax. Cambridge, MA: MIT Press.
Geier, Manfred: Wie Ferdinand des Saussure die Linguistik begründet hat. In: ders.:
Orientierung Linguistik. Was sie kann, was sie will. Reinbek: Rowohlt, 1998. S. 29-
51.
Hewson, John (1976): “Langue and parole since Saussure”. Historiographia Linguistica 3 :
315– 348.
Saussure, Ferdinand de (1916/2014): Cours de linguistique générale. Studienausgabe in
deutscher Sprache, hg. von Peter Wunderli. Tübingen: Narr.
Saussure, Ferdinand de. (1945): Curso de lingüistica general. Spanische Übersetzung von
Amado Alons. Buenos Aires. Editorial Losada.
Muhammad Shakir Azis. Langue/Parole Vs Competence/Performance. In:
http://linguisticslearner.blogspot.de/2012/04/langueparole-versus-
competenceperforman.html
Ogden, C. & Richards, J. (1923): The Meaning of Meaning. New York.
Wagner, K. (1998) Grundkurs Sprachwissenschaft. In:
http://download.springer.com.emedien.ub.uni- muenchen.de/static/pdf/696/bok
%253A978-3-531-19855- 2.pdf?originUrl=http%3A%2F%2Flink.springer.com%2Fbook
%2F10.1007%2F978-3- 531-19855- 2&token2=exp=1480716087~acl=%2Fstatic
%2Fpdf%2F696%2Fbok%25253A978-3- 531-19855- 2.pdf%3ForiginUrl%3Dhttp
%253A%252F%252Flink.springer.com%252Fbook%252F10 1007%252F978-3-531-
19855- 2*~hmac=899e1d0450a29e6a7e2a41764463bf2f732296e39a6255329750a01ec3cd6
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7. Eidestattliche Erklärung

Hiermit erkläre ich an Eides statt, dass ich die vorliegende schriftliche Seminararbeit
(namentlich gekennzeichnete Abschnitte)

„Zu den Opositionen von Langue Vs Parole und Kompetenz Vs Performanz”

ausschließlich im Rahmen des Hauptseminars „Linguistischer Strukturalismus seit Saussure:


100 Jahre Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft“

an der Ludwig-Maximilians-Universität München WS/SS 2016/17 selbstständig verfasst und


keine anderen als die von mir im Literaturverzeichnis angegebenen Werke/Hilfsmittel benutzt
habe. Die Stellen der Arbeit, die anderen Werken dem Wortlaut oder dem Sinne nach
entnommen sind, wurden in allen Fällen unter Angabe der Quellen (einschließlich des World
Wide Web und anderer elektronischer Text- und Datensammlungen) kenntlich gemacht. Dies
gilt auch für beigegebene Zeichnungen, bildliche Darstellungen und Skizzen.

Für die Erstellung der Arbeit habe ich die Beratung/Hilfe folgender Stellen in Anspruch
genommen (bitte ankreuzen und namentlich nennen):

□ Statistische Beratung (z.B. Stablab)


□ Professionelles Lektorat (z.B. Baumann, Meister)
□ Schreibberatung (z.B. des Instituts)
□ Sonstiges: Gespräch mit Herrn Professor Seiler.

München, 16.03.2017

Johanna Córdoba

____________________________________

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8. Anhang
Vergeich zwischen De Saussure und Chomsky

Unterschiede zwischen Parole und Performanz

Parole Performanz
- Die Zahl der möglichen Kombinationen - Die Zahl der möglichen grammatisch
von Sprachzeichen ist begrenzt. korrekte Sätze ist unendlich
- Diese Kombinationen sind in Prinzip - Die neuen erfundenen Sätze sind
vorhersehbar. unvorhersehbar.
Langage Kompetenz
- Was als universell an allen Langues gilt.  - Verinnerlichte grammatische Regeln

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Regeln, die in allen Sprachen zu finden sind  
   
- Menschliche Sprechfähigkeit  - Genetisches Vermögen eines Individuums,
  das dafür sorgt, dass er eine Sprache richtig
verwendet und alle gehörten Sätze richtig
interpretiert.

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