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H a r a ld A.

M ieg

D ie F o r m d er Z eit :
E l em e n t e e in er W ir t s c h a f t s p s y c h o l o g ie
d er Z eit

Ausgehend von der Arbeit Jaques' (1982) other articles of this thematic volume "The
werden Elemente für eine Wirtschaftspsycho­ time factor." In the second part of my article,
logie der Zeit vorgestellt. Demnach sollten I introduce Jaques' (1976) theory of time that
wir mindestens sechs Funktionen und fünf combines questions of management, devel-
Dimensionen von Zeit unterscheiden. Die oping individual competence and the growth
Funktionen der Zeit sind: Kalkulation, Koor­ of an enterprise.
dination, Kompensation, Konkurrenz, Kreati­
on und Konsum. Der Koordinationsfunktion Key words: time, concept of time, economic
von Zeit kommt heute die größte Bedeutung psychoiogy, business management, kairos
zu (z.B. Projektmanagement, Arbeitszeitmo­
delle). Die Dimensionen der Zeit sind: Zeiter­
leben (subjektiv vs. objektiv), Zeitperspektive
(gestern, heute vs. morgen), Zeitlogik (Chro-
nos vs. Kairos), Zeitgestalt (linear vs. zyklisch) Das Wesen der Zeit ist seit mehr als zweitau­
und Zeitmaß (Kontinuum vs. Quanten). Die send Jahren ein zentraler und durchgängiger
Funktionen und Dimensionen werden an­ Gegenstand philosophischer Kontroversen.
hand der anderen Beiträge dieses Themen­ Viele Fragen sind ungelöst [...] Das Scheitern
heftes "Faktor Zeit" erläutert. Im zweiten Teil der Versuche, die mit diesen Fragen verbun­
meines Beitrages führe ich Jaques1 (1976) dene Verwirrung etwas aufzulösen und ein
wirtschaftspsychologische Theorie der Zeit brauchbares philosophisches Verständnis
ein, welche die Fragen von betrieblicher Füh­ vom Wesen der Zeit zu etablieren [...] war
rung, individueller Kompetenzentwicklung bislang ein entscheidender Faktor für das
und Unternehmenswachstum zusammen­ Scheitern der Versuche, ein brauchbares Ver­
führt. ständnis von Mensch und Gesellschaft zu
entwickeln. (Jaques, 1982, p. xi, übersetzt)
Schlüsselwörter: Zeit, Zeitbegriff, Wirtschafts­
psychologie, Management, Kairos Das schrieb kein Philosoph, sondern Eiiiott
Jaques (1917-2003), ein von mir sehr ge­
schätzter Organisationspsychologe. Er war
The Form of Time: Elements of an mit der betrieblichen Praxis in der Industrie
Economic Psychoiogy of Time ebenso vertraut, wie mit den Theorieansät­
zen aus Soziologie, Philosophie und Psycho­
Based on the ideas by Jaques (1982), this art- logie. Er verfasste zahlreiche Bücher zu Fra­
icle presents elements of an economic psy­ gen von Führung, Entlohnungssystemen und
choiogy of time. We have to distinguish at Organisationsentwicklung. Sein Name er­
least six functions of times as well as five di- scheint selten in den Lehrbüchern. Es gibt
mensions. The functions are: calculation, co- leider (noch) kaum neuere Forschung, die
ordination, compensation, competition, cre- an seine Arbeiten anschließt. Für Jaques war
ation, and consumption. Today, coordination der Faktor Zeit einer der wesentlichen Pa­
is the most important function of time (e.g. rameter des Zusammenhangs von Unter­
project management; work schedules). The nehmensentwicklung, Führung und kogniti­
five dimensions are: time perception (sub- ver Persönlichkeitsentwicklung. Jaques' Be­
jective vs. objective), time perspective (yes- funde werden hier in die Erödertung des
terday, today, and tomorrow), the logic of Faktors Zeit einfließen. Zum Schluss werde
time (chronos vs. kairos), the shape of time ich sein Werk überblickshaft vorstellen und
(linear vs. cyclic), the time measure (continu- würdigen.
ous vs. quantum). The functions and dimen­ Zeit ist eine wesentliche Determinante von
sions of time are described by using the psychologisch beschreibbaren Phänomenen.
Man denke etwa an Lernen und Entwicklung als Problem des Wandels betrieblicher oder
oder Reaktionszeiten, mit denen psychische gesellschaftlicher Arbeitsteilung.
Vorgänge erfasst werden. Die Psychologie Im Folgenden möchte ich einige Dimensio­
der Zeitwahrnehmung war auch Gegen­ nen und grundlegende Funktionen der Zeit
stand des Eröffnungsvortrages zum Jubi­ vorstellen und deren Verankerung in den
läumskongress der Deutschen Gesellschaft Ebenen wirtschaftspsychologischer Betrach­
für Psychologie in Göttingen 2004. Doch tung erörtern.1 Als Beispiele werden mir die
verglichen mit anderen Themen wird der Beiträge dieses Themenheftes dienen. Die
Faktor Zeit in der Psychologie eher stiefmüt­ Autoren und Autorinnen mögen mir verzei­
terlich behandelt. Es gibt ein paar wenige hen, wenn meine Darstellung der einen
Klassiker wie das Buch von Fraisse oder anderen Zeitdimension nicht dem
(1957/85) und Aufsehen erregende Arbei­ Hauptaugenmerk ihres Artikels entspricht.
ten wie die "Landkarte der Zeit" von Levine
(1997). Dünn gesät sind indes aktuelle Mo­
nographien und Sammelbände (z.B. Hinz, D im e n s io n e n u n d F u n k t io n e n d e r
2000; Kasten, 2001; McGrath, 1988; Mc- Z eit
Grath & Tschan, 2004; vgl. auch Roeckelein,
2000). Der Verkaufserfolg von Ratgebern ln neueren Beiträgen zur Managementlehre
(z.B. Seiwert, 2003) und ratgebernahen wird gefordert, den Faktor Zeit in der Theo­
Werken zum Umgang mit der Zeit (z.B. riebildung explizit zu berücksichtigen (Mit­
Geißler, 1999) zeigt, dass durchaus Bedarf chell & James, 2001; George & Jones,
nach einer Psychologie der Zeit bestünde. 2000). So beschreiben Mitchell und James
Für die Wirtschaftspsychologie ist der gewis­ (2001) in einer Metaanalyse zeitliche Muster
se Mangel an Grundlagenforschung zum der Beeinflussung von wirtschaftspsycholo­
Thema Zeit bedauerlich. Denn der Faktor gisch bedeutsamen Größen, z.B. der W ir­
Zeit spielt in betrieblichen und wirtschaftli­ kung von Lohnerhöhungen auf das betrieb­
chen Prozessen eine überragende Rolle: liche Commitment im Folgejahr. Und
dies betrifft klassische Fragen der Arbeitszeit George und Jones (2000) formulieren -
oder Produktivität, aber auch neuere Dis­ weitgehend auf organisationaler Ebene -
kussionspunkte wie Innovation oder die Dy­ Prüfsteine für eine erfolgreiche Theoriebil­
namik an Finanzmärkten. Solche Fragen der dung unter Einbezug der Zeit. Demnach
Wirtschaftspsychologie ergeben sich sowohl sollte die Wirkung der Zeit mindestens in
auf der Betrachtungsebene des Individuums den folgenden vier Fragen expliziert werden.
als auch der kollektiven Ebene der Arbeits­ 1. Situation und Person: W ie überdauern
teilung; wobei wir bei der kollektiven Be­ und verändern sich Persönlichkeits­
trachtungsebene noch einmal zwischen den eigenschaften und was bedeutet dies für
Ebenen bzw. Aggregations-Stufen der kon­ ihre Wirkung im betrieblichen Alltag?
kreten Organisation und der institutionellen 2. Führung: W ie wirkt Führung im Unter­
Handlungsbedingungen unterscheiden soll­ nehmen? Gibt es Zeithorizonte der Füh­
ten (vgl. Tab. 1). Dementsprechend stellt rung?
sich die Zeitfrage je nach Ebene anders: mal
als Frage des subjektiven Zeiterlebens, mal

Aggregations-Stufe Beispiele für zeitrelevante Fragen T a b e l l e 1:


Individuum Stress, Lebensstile, individuelles Zeitmanagement, Drei Ebenen (Aggrega­
Work-Life-Balance... tions-Stufen) wirt­
Organisation (Gruppe, Verband...) Arbeitszeitmodelle, Projektmanagement, Change schaftspsychologischer
Management, Mikropolitik... Betrachtung.
Gesellschaft (Kultur, National­ Arbeitslosigkeit, Dynamik von Finanzmärkten,
staaten...) Technologieentwicklung, Euro-Einführung...

Bereits an dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, was mein Beitrag nicht leisten kann: Er kann keine grundle­
gende psychologische Theorie des Verhaltens bzw. Handelns in der Zeit entwickeln - auch wenn Elliott Jaques ge­
rade von einer solchen Theorie ausgeht. Die Diskussion um die psychologische Theorie geplanten, zielgerichteten
Handelns wäre reizvoll, brauchte aber eine wissenschaftstheoretische Einbettung (vgl. z.B. Greve, 2001; Mieg,
1994), welche den vorliegenden Rahmen sprengen würde. Ziemlich sicher ist, dass sich mit einer reinen Hand- n
lungstheorie, die sich auf der ersten, individuellen Ebene (vgl. Tab. 1) bewegt, nicht alle wirtschaftspsychologisch ______________________
3. Partizipation: W ie wirken sich Effekte konnte mit seinen Experimenten zeigen,
der Mitbestimmung bei der betriebli­ dass wir zeitlich gekoppelten Vorgängen
chen Entscheidungsfindung mittel- und Kausalität unterstellen. Zeit und Kausalitäts­
langfristig auf ein Unternehmen aus? wahrnehmung scheinen eng gekoppelt zu
4. Arbeitsgestaltung: Welche Wirkungen sein.
zeitigen Maßnahmen zur Arbeitsgestal­ Die experimentelle Sukzessionslogik domi­
tung? niert einen großen Teil der sozialpsychologi­
schen Forschung und Modellbildung (vgl.
Um ein Beispiel zu geben: Seit den Neunzi­ McGrath & Tschan, 2004). Ein schönes Bei­
ger Jahren befindet sich das Bankgewerbe spiel hiervon gibt der Beitrag von Erb und
im Umbruch. Das Filialnetz war traditionell Büscher über Persuasion (in diesem Heft).
zu dicht, die Kosten mancher Banken lagen Sie befassen sich mit der Frage, wann Infor­
deutlich über 70% des Wertes der operati­ mation als überzeugend wahrgenommen
ven Einnahmen. Die Reorganisation wurde wird. Es existieren sozialpsychologische
von einem Change Management begleitet Modelle, welche die Wirkung von Informa­
(vgl. Mieg, Niederer, Loosli & Alder, 1998). tionen in Abhängigkeit von ihrer Reihung
Das Hauptproblem war: W ie lassen sich die darstellen. Erb und Büscher zeigen, dass die
Kosten senken, ohne Einbußen in der Quali­ wahrgenommene Qualität eines Arguments
tät der Bankberatung zu erleiden? Dies be­ (z.B. für den Kauf eines Produktes oder eine
deutete in Anlehnung an George und Jones politische Meinung) die Wahrnehmung der
( 2000 ): nachfolgenden Information über den Kom­
1. Situation und Person: W ie lassen sich munikator (d.h. über die Person, die das Ar­
Kundenorientierung einerseits und Kos­ gument vorträgt) stark verzerren kann. W er
tenbewusstsein andererseits bei den zum Beispiel nicht glaubt, dass hohe Steuer­
Mitarbeitern dauerhaft verankern? progression und Wirtschaftsaufschwung zu­
2. Führung: Welche Führungsebenen müs­ sammenpassen, oder dass Hundefutter auch
sen eine aktive Rolle im Veränderungs­ für Menschen nahrhaft sein kann, wird ent­
prozess übernehmen, damit insbesonde­ sprechend abschätzig über die Verkünder
re die Leistungsträger unter den Mitar­ dieser "Argumente" denken; selbst wenn es
beitern nicht abspringen? sich dabei nicht um deren Meinung handelt.
3. Partizipation: Welche Wirkung zeitigen Nach Erb und Büscher sollten wir uns öfter
bottom-up-gesteuerte Veränderungs­ darüber Rechenschaft geben, ob wir noch
maßnahmen und wie lässt sich deren zu demselben Schluss über eine Person ge­
Dynamik steuern? langten, wenn wir gewisse Informationen in
4. Arbeitsgestaltung: Welchen langfristigen anderer Reihenfolge erhalten würden.
Nutzen hat die Einführung von Profit- Sukzession ist jedoch nur ein Aspekt von
Center-ähnlichen Strukturen? Zeit. Die Zeit weist mehrere, psychologisch
relevante Aspekte auf. Kasten (2001)
Die nötigen Umstrukturierungen des Ban­ schreibt beispielsweise von den drei "Kom­
kensektors sind 2005 in Deutschland noch ponenten" der Zeit, nämlich
keineswegs abgeschlossen. 1. persönliches Zeiterleben
Genau betrachtet finden wir den Faktor Zeit 2. Zeitperspektive: Gestern, Heute, Mor­
seit jeher in der wissenschaftlich-experimen- gen
tellen Psychologie. Zeit stellt eine entschei­ 3. persönlicher Umgang mit Zeit.
dende Größe für Theorie und Experiment
dar. Die Zeit wird hierbei als Sukzession von George und Jones (2001) benennen sechs
Ereignissen verstanden: Ein Ereignis folgt in Dimensionen von Zeit, welche insbesondere
mehr oder weniger vorhersehbarer Weise für die Theoriebildung in der Organisations­
einem anderen Ereignis. So werden in einem lehre, und damit auch für die Wirtschaftpsy­
psychologischen Experiment Bedingungen chologie, relevant seien. Diese Dimensionen
(Anfangsereignisse) manipuliert und die ein­ sind:
tretenden Folgen (Folgeereignisse) beobach­ 1. Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart
tet. Entspricht die beobachtbare Verände­ und das subjektive Zeiterleben
rung der in der FJypothese formulierten Er­ 2. Zeit-Aggregation
wartung, gilt die Hypothese als bestätigt. 3. Zustandsdauer und Änderungsraten
Zeitliche Sukzession wird in diesem Fall kau­ 4. Inkrementeller vs. diskontinuierlicher
sal interpretiert. Das vorangehende Ereignis Wandel
6 ist kausale Ursache für das Auftreten des 5. Frequenz, Rhythmus und Zyklen
Folgeereignisses. Schon Michotte (1946/63) 6. Spiralen und Intensität.
"Zeit-Aggregationen" beziehen sich nach sich zu Beginn der Neuzeit. Mit der Zunah­
George und Jones (2001) auf Zeithorizonte me des Fernhandelns, der Entwicklung von
gewisser Handlungen. So fasst z.B. die Grün­ kapitalistischer, industrieller Produktion und
dung einer Firma mehrere Ereignisse unter dem technologischen Wandel, den die
einer größeren Zeiteinheit zusammen. Unter Neuzeit mit sich brachte, wurde Zeit ein
„ inkrementellem" Wandel ist eine schlei­ wirtschaftlicher Faktor und Beschleunigung
chende, auf kurze Sicht fast unmerkliche zum Wettbewerbsvorteil. Im 19. Jahrhundert
Änderung zu verstehen. staunte man über das "amerikanische" Tem­
Kasten (2001) versteht die drei Komponen­ po, vergleichbar dem chinesischen W irt­
ten der Zeit als individual-psychologisch be­ schaftswachstum heute. Die "Beschleuni­
deutsame Größen des Erlebens und Verhal­ gungstendenzen" der Gegenwart sind in fast
tens. George und Jones (2001) beziehen allen Lebensbereichen sichtbar (vgl. Hen-
sich indessen auf die Unterscheidung von ckel, 2001), seien es das Reisen, Essen oder
phänomenologisch fassbarer, "subjektiver" die Industrie- und Tierproduktion.
Zeit einerseits und "objektiver" Standardzeit Der Philosoph Hermann Lübbe hat für unser
oder Uhrenzeit andererseits (p. 659). Die heutiges Verständnis der Zeit das W ort der
ersten zwei bis drei Dimensionen sollen "Gegenwartsschrumpfung" geprägt (Lübbe,
eher die Subjektivität von Zeit erfassen. Bei 2003). Gegenwartsschrumpfung bedeutet,
den übrigen Zeitdimensionen handelt es dass die Gültigkeitsdauer von kulturellen
sich allerdings um Dimensionen der Darstel­ Selbstverständlichkeiten abgenommen hat.
lung des Wandels von Phänomenen in der "Kulturepochen" sind inzwischen kürzer als
Zeit, wobei Zeit hier vorzugsweise als Stan­ das Leben vieler Menschen. Damit
dardzeit aufzufassen ist. Diese Dimensionen schrumpft die Gegenwart einer stabilen
dienen der Beschreibung organisationaler Welt. Man wird gezwungen, die eigenen
Dynamik, z.B. der Prozesse betrieblicher Gewohnheiten und das Selbstverständnis
Mitbestimmung oder der Entscheidungsfin­ mehr als einmal anzupassen. Zugleich ha­
dung in Unternehmen. ben die Möglichkeiten und Beziehungen in
Die Dimensionseinteilung nach George und einer globalisierten W elt stark zugenom­
Jones (2001) hat ihre Stärke in der Verlaufs­ men. Von daher kommt der Zeit heute eine
beschreibung von Veränderung. Die wachsende Bedeutung als Koordinations­
zugrunde liegende Logik wird indes nicht medium zu. Dazu Herman Lübbe: "Zeit ist
immer deutlich. So bündelt die erste Dimen­ das Medium der Handlungskoordination,
sion bei George und Jones (2001) die bei­ und die Nötigkeit dieser Koordination
den ersten Komponenten bei Kasten (2001), wächst mit dem Grad der Differenziertheit
nämlich Zeiterleben und Zeitperspektive. und mit der Änderungsdynamik moderner
Tatsächlich ist aber die Frage des Zeiterle­ Gesellschaften an." (2000, S. 29)
bens (Standardzeit vs. "private" Zeit) unab­ Die Koordinationsfunktion der Zeit durch­
hängig von der Zeitperspektive (Vergangen­ zieht das gesamte Spektrum wirtschaftspsy­
heit, Gegenwart, Zukunft). Projektpläne sind chologischer Fragen, von der betrieblichen
z.B. zukunftsorientiert und an Standardzeit Arbeitsorganisation bis hin zum Verhalten in
ausgerichtet, während individuelle Karriere­ volatilen Märkten. Die Koordinationsfunkti­
pläne zukunftsorientiert und durchaus nach on erfordert eine gewisse Standardisierung
privatem Zeitempfinden getaktet sein kön­ der Zeit. Daher rührt die Bedeutung der Zeit
nen. Von daher lohnt es sich, die Zeitdimen­ in Form der Uhrzeit. Doch so, wie es andere
sionen noch einmal zu überdenken. Dies er­ Auffassungen von Zeit gibt, lassen sich auch
fordert einige grundlegende Erörterungen. weitere Funktionen der Zeit beschreiben.
Deshalb möchte ich hier die historische und Die Tabelle 2 zeigt eine Systematik der Di­
philosophische Sicht von Zeit kurz ins Spiel mensionen und Funktionen von Zeit, ohne
bringen.2 dass damit letztgültige Vollständigkeit unter­
Unter historischer Perspektive betrachtet hat stellt werden soll. Die Dimensionen habe ich
sich unser Leben enorm beschleunigt (vgl. in Anlehnung an Kasten (2001) und George
Borscheid, 2004). Das Leben im Spätmittel­ und Jones (2001) zusammengestellt. Sie be­
alter vollzog sich in scheinbar ewig gleichen schreiben wesentliche Merkmale von Zeit;
Bahnen; man sah keinen wirklichen Grund, jede Kombination von Ausprägungen ver­
Vorgänge zu beschleunigen. Dies änderte schiedener Dimensionen ergibt eine eigene

____________________________________________________________ 7
An dieser Stelle kann ich leider nicht auf die vielfältige Literatur zu Zeit in Soziologie und Ethnologie eingehen. Vgl. — — — r~
hierzu z.B. Kaschuba (2004), Nowotny (1995) oder Rosa (2004). '^ H ^ 3 / 2 0 0 °
Tabelle 2: Dimensionen der Zeit Funktionen der Zeit
Dimensionen und Funk­
tionen der Zeit Dimen­ Ausprägung Kalku­ Koordi­ Kompen­ Konkur­ Kreation Konsum
sion lation nation sation renz
Zeit­ Subjektiv ? ?
erleben Objektiv
Gestern ? ? ?
Zeitper­
Heute
spektive
Morgen
Chronos
Zeitlogik
Kairos
Zeit­ Linear
gestalt Zyklisch ?
Kontinuum
Zeitmaß
Quanten
Anmerkung: Die Einteilung in Dimensionen und Funktionen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; insbesonde­
re sind weitere Dimensionsausprägungen möglich, als die hier aufgeführten. Zudem: Alle Dimensionen können im
Prinzip für alle Funktionen relevant sein. Die markierten Felder verweisen auf beachtenswerte einzelne Zusammen­
hänge: Wenn wir mit Zeit rechnen (Kalkulationsfunktion der Zeit), so gebrauchen wir i.d.R. chronologische Einheiten
(Minuten, Stunden, Tage, Wochen etc.). Wenn wir Zeit für kreatives Schaffen nutzen (Kreationsfunktion), so sind
chronologische Einheiten wenig hilfreich; vielmehr müssen wir Gelegenheiten nutzen, z.B.: falls die Reorganisation
von X gelingen sollte (Gelegenheit), dann können wir den Prozess XYZ völlig neu definieren. Die Fragezeichen ver­
weisen auf fragliche Kombinationsmöglichkeiten.

Auffassung von Zeit. Nicht jede Auffassung als Stress empfunden werden. Hinzu
von Zeit ist jedoch in gleicher Häufigkeit kommt, dass unsere Leistungsfähigkeit je
anzutreffen. Die Funktionen der Zeit wie­ nach Tageszeit variieren kann. Bei der be­
derum stellen Weisen der Nutzung von Zeit trieblichen Organisation lässt sich nur be­
dar; sie sind der Zeit äußerlich. Funktionen dingt auf subjektives Zeitempfinden von
und Dimensionen der Zeit sind nur einge­ Mitarbeitern Rücksicht nehmen. Eine Gestal­
schränkt kombinierbar. So eignet sich für die tungsmöglichkeit sind flexible Arbeitszeiten.
Koordinationsfunktion nur eine objektive Es gibt jedoch einen Bereich, wo der ge­
Zeitauffassung, z.B. eine Koordination über schickte Umgang mit subjektiver Zeit zur
die Uhrzeit; eine zeitliche Koordination von Geschäftsgrundlage gehört: der Dienstleis­
Personen mit sehr unterschiedlichem, je sub­ tungsbereich. Dies gilt nicht nur für den ge­
jektivem Zeiterleben scheint kaum realisier­ werblichen Zeitvertreib in der Unterhal­
bar. Ebenso ergibt eine zeitliche Koordinati­ tungsbranche, sondern den gesamten Dienst
on unter einer reinen Vergangenheitsper­ am Kunden, vom Schuhverkäufer bis zur
spektive wenig Sinn; denn das Vergangene Ärztin. Ein schwieriges Thema ist Warten.
lässt sich nicht nachträglich koordinieren. Friedemann W . Nerdinger beschreibt in sei­
nem Beitrag (in diesem Heft) die Bedingun­
gen des Zeiterlebens beim Warten als Kun­
de. Unsicherheit über die Wartedauer oder
Z e it e r l e b e n : S u b j e k t iv e vs. O b j e k t iv e
gar unfaires. Wartenmüssen strecken die
Z e it
subjektive Wartezeit. Das subjektive Zeiter­
leben des Kunden und die objektiv­
Die empfundene Zeitdauer entspricht nicht
betrieblichen Zeitvorgaben des Serviceper­
immer der objektiven Zeit, wie wir sie mit
sonals stehen nicht immer im Einklang.
Uhren messen.3 Dies ist ein bekanntes Phä­
nomen. Wenn vorgegebene Zeiträume der
Aufgabenbearbeitung stets kürzer sind als
die empfundene nötige Zeit, so kann dies

j Objektiv bedeutet hier: intersubjektiv. Auch die Zeittaktung der Uhren ist intersubjektiv reguliert, ansonsten läuft
jede Uhr "für sich". Die subjektiv-objektiv-Unterscheidung berührt hier nicht das Realismusproblem, d.h. die Frage,
ob der Zeit eine eigene Realität zukommt oder ob "Zeit" nur einer Bezeichnungsgewohnheit entspricht. Die Fra­
8 gen der Wirtschaftspsychologie liegen jenseits des Realismusproblems. Zum Realismusproblem vgl. Lang (1997)
oder den Eintrag "Zeit" im Historischen Wörterbuch der Philosophie. Zur Philosophie der Zeit vgl. auch den Text­
band von Zimmerli und Sandbothe (1993).
Z e it p e r s p e k t iv e : G estern , H eute, logisch vor dem zweiten, instrumentellen
M o rgen Ziel erreicht wird. So verwundert nicht, dass
auch die Erzählzeit, welche die Struktur von
Die Zeit wird für gewöhnlich unterteilt in Geschichten bestimmt, meist nicht rein
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Al­ chronologisch ist, sondern sich an den Etap­
les Handeln erfolgt in der Gegenwart, auch pen einer Handlung orientiert ("Skripte").
wenn es von Motiven getrieben sein mag, Die Differenz zwischen Chronos und Kairos
die in der Vergangenheit ruhen, oder Zielen ist im Arbeitsleben allgegenwärtig: Wann
gilt, die weit in der Zukunft liegen. Die Exis­ kann eine Besprechung effektiv beginnen?
tenz eines Gestern ist wiederum nicht nur Zur festgesetzten Uhrzeit? Oder dann, wenn
eine Frage des Gedächtnisses, sondern auch alle Beteiligten nicht nur physisch, sondern
der personalen Identität. Personen definie­ auch mental beim Besprechungsthema an­
ren sich selber in der Zeit; die einen mehr gelangt sind? Die Differenz zwischen Chro­
über ihre Vergangenheit, die anderen über nos und Kairos berührt nicht zuletzt die Fra­
ihre mögliche Zukunft. Personen mit unter­ ge der Arbeitzeitgestaltung. Hollmann, Hei­
schiedlichen Zeitperspektiven sind nicht lert und Schmidt beschreiben in ihrem Bei­
immer leicht in ein und dasselbe Team ein­ trag (in diesem Heft), wie sich die Berück­
zubinden. Aus der Praxis bekannt ist das sichtigung von Handlungszielen - inklusive
problematische Aufeinandertreffen von visi­ Gesundheitsindikatoren - günstig auf die
onären Pläneschmieden mit Betriebs- Gestaltung von flexiblen Arbeitszeiten aus­
Zynikern, die nur wiederholen: "haben wir wirken kann. Der Einbezug von Handlungs­
alles schon probiert, hat nicht geklappt." zielen bedeutet eine stärkere Ausrichtung an
Morgenroth und Losleben beschreiben in ih­ der Handlungslogik von Zeit: In welcher
rem Beitrag (in diesem Heft) die persönli­ Entwicklungsphase befindet sich unser Un­
chen Folgen temporaler Orientierung. Kom­ ternehmen, unser Projekt? Was sind die
patibel mit den Anforderungen von gängi­ nächsten großen Schritte? Die Steuerung
gen Zeitmanagementtechniken seien - so von Arbeit erfolgt dann weniger über die
Morgenroth und Losleben - eine starke Zu­ Zeit als über die Ziele.
kunftsorientierung und eine niedrige "hedo­
nistische Gegenwartsorientierung". Dies füh­
re kurzfristig zu erhöht wahrgenommenem Z e it g e s t a l t : L in e a r vs. Z y k l is c h
Zeitdruck und Stresserleben. Mittelfristig ge­
lingt es diesen Personen offenbar jedoch, Arbeiten im Mittelalter und in agrarisch ge­
empfundenen Zeitdruck wieder abzubauen. prägten Gesellschaften bedeutete eine Un­
terordnung unter den Takt der Natur und ih­
rer Zyklen: vor allem den Wechsel von Tag
Z e it l o g ik : C hronos vs. K a ir o s und Nacht sowie der Jahreszeiten. Der His­
toriker Droysen (1868) beschrieb Mitte des
Chronos ist das griechische W ort für Zeit neunzehnten Jahrhunderts die Zeit der Na­
und steht hier für die ablaufende, immer tur als zyklisch - die naturwissenschaftliche
gleich zu bemessende Zeit, egal wie sie ge­ Evolutionstheorie hatte sich noch nicht etab­
füllt wird. Kairos ist die gute Gelegenheit. liert. Im Gegensatz dazu sei die Geschichte
Jaques legt großen W ert auf die Unterschei­ der Menschen linear. Es gibt sehr verschie­
dung von Chronos und Kairos, denn Kairos dene Gestalttypen der Zeit: Zeit als unendli­
- so Jaques - ist die Logik des Handelns. Ja­ che Gerade, Zeit als Pfeil, als Kreis, als Spira­
ques nennt Kairos auch die Form der Zeit le. Es macht durchaus einen Unterschied, ob
(Jaques, 1982). Unsere innere Organisation wir die Zeit als vergänglich und jeden Tag
von Handeln richtet sich nicht nach chrono­ als neue Herausforderung erleben oder ob
logisch bemessener Zeit, sondern nach mo­ wir mit der Wiederkehr des Ewiggleichen
tivierten Zielen, sozusagen unseren persön­ rechnen. Auch wenn heutzutage das Be­
lichen An-Gelegenheiten. Handlungszeit wusstsein beschleunigter Vergänglichkeit
bemisst sich als beabsichtigte Spanne der Er­ und Unumkehrbarkeit vieler Prozesse vor­
reichung des Handlungszieles. Das Errei­ herrscht, gibt es Zyklen, zumal Konjunktur­
chen eines wichtigen Handlungszieles (z.B. zyklen oder Modezyklen der Unterneh­
Ernennung zum Direktor) stellt aus Sicht von mensorganisation (mit den Polen größtmög­
Zeit als Kairos einen zeitlich größeren Schritt liche Diversifikation und Beschränkung auf
dar als die Erreichung bestimmter instrumen­ Kernkompetenzen). Unterschiedliche Zeit- Q
taler Ziele (z.B. eine MBA-Weiterbildung), gestalten finden sich in Lebensstilen wieder. _________________
selbst wenn das erste größere Ziel chrono­ So machen Hansmann und Kilchling in ih- Wirtschaftspsychologie
Heft 3/2005
rem Beitrag (in diesem Heft) den Versuch, als Kombination von 50 Minuten Arbeit und
Arten des persönlichen Umgangs mit Zeit 10 Minuten Pause oder von 25 Minuten Ar­
zu erfassen. Demnach scheinen "Zeitjong­ beit und 5 Minuten Pause. Einer anderen
leure" mit eher zyklischem Zeitverständnis Logik folgt die Strategie der "Unterhaltung":
flexibler als "Zeitmanager" mit linearem Zeit­ Hier geht es nicht darum, Zeit zu untertei­
verständnis. Folgt man der Auffassung von len, sondern vielmehr darum, den Augen­
Kasten (2001), ist dieses zyklische Zeitver­ blick auszudehnen. So kann angenehme
ständnis, das ja nicht unbedingt in die mo­ Spannung - etwa bei der Forschungsarbeit -
derne W elt passt, Ausdruck von Polychro­ den erlebten Augenblick beträchtlich aus­
me. Polychrome bezeichnet die Nutzung dehnen. Unterschiedliche Tätigkeit lässt un­
verschiedener Zeitkonzepte und spricht terschiedliche Zeitmaße bzw. "Strukturen"
deshalb heute für Flexibilität. Nach Kasten der Zeit (Lang, 1997) zu.
(2001) sollten wir also unterstellen, dass je­
nen "Zeitjongleuren" durchaus beide For­ Was ist nun Zeit psychologisch betrachtet?
men von Zeitverständnis, linear wie zyklisch, Die wichtigsten psychologisch relevanten
vertraut sind. Bestimmungen erfolgten über das Zeitmaß,
z.B. Zeit als erlebte Dauer (Bergson, 1889;
Pöppel, 1987) oder als eine Art Zählmaß
ZEITMAß: K o n t in u u m v s . Q u a n t u m des Erlebten (Wundt, 1920/1896; Fraisse,
1985/1957; Rammsayer & Ulrich, 2001). In
Die griechische Philosophenschule der Eiea- beiden Fällen wird Zeit in Form von Quan­
ten bezweifelte, dass wir unseren Sinnes­ ten gedacht. Aus Sicht der kognitiven Evolu­
wahrnehmungen trauen dürfen. Unserem tionspsychologie (Bischof, 1995; Klix, 1993)
Alltagsverständnis gemäß ist z.B. Zeit unend­ erscheint Zeitbewusstsein als Verzögerung
lich teilbar. Wenn dem so wäre, so könnte des Handelns. Zukünftiges Handeln wird
Achilles in einem Wettrennen selbst eine mental vorbereitet oder antizipiert (vgl. auch
Schildkröte nie einholen, wenn diese nur ei­ Stadler & Wehner, 1985). Diese Konzeption
nen winzigen Vorsprung hat.4 Denn - belie­ begreift Zeit als die Eröffnung einer bewuss­
bige Teilbarkeit der Zeit vorausgesetzt - es ten Zukunftsperspektive, jaques (1982)
müsste Achilles immer erst die Stelle errei­ verstand Zeit als bestimmt durch die Hand­
chen, wo die Schildkröte gerade eben war, lungslogik: Zeit ergibt sich durch das Setzen
die Schildkröte selbst ist jedoch schon wei­ von Zielen und Umsetzung von Zielen in
ter. Da aber ein echter Achilles keinerlei Handlungseinheiten. Dies entspricht hand­
Problem in einem Wettlauf mit einer Schild­ lungspsychologischen Ansätzen (z.B. Moj-
kröte haben dürfte, vermittelt uns unsere zisch, Kerschreiter, Pfeiffer & Frey, 2005;
Wahrnehmung ein zu einfaches, illusionäres Oettingen, 1997; vgl. auch Greve, 2001).
Bild von der Wirklichkeit. Tatsächlich zeigt Die fünf beschriebenen Dimensionen -
die moderne Psychologie, wie das mensch­ Zeiterleben, Zeitperspektive, Zeitlogik, Zeit­
liche Gehirn Wirklichkeit (re-)konstruiert. Die gestalt und Zeitmaß - sind allgemein­
Frage nach dem Maß der Zeit berührt hier­ psychologisch relevant und haben Folgen
bei grundsätzliche Fragen unseres Bewusst­ für die Psychotherapie (z.B. Lehmkuhl,
seins. Ist das Erleben von Gegenwart belie­ 2005). W ie bereits bei der Vorstellung der
big teilbar? W ie lange dauert für gewöhnlich Dimensionen erörtert, spielen Unterschiede
ein Augenblick? Nach Pöppel (1987) beträgt der Zeitauffassung auch bei wirtschaftpsy­
diese "subjektive Gegenwart" etwa drei Se­ chologisch bedeutsamen Themen eine Rol­
kunden. Die Frage nach dem Zeitmaß be­ le. Um zwei Beispiele zu nennen:
trifft auch die Wirtschaftspsychologie. Geht 1. Teamarbeit: In Gruppensitzungen kön­
man von der Teilbarkeitsannahme aus, so nen Personen mit sehr unterschiedlichen
lassen sich auch Arbeitszeiten (fast) beliebig Zeitauffassungen Zusammentreffen. Den
unterteilen. Dieser Logik folgen Hüttges, einen ist z.B. daran gelegen, mit der Sit­
Müller & Richter. In ihrem Beitrag (in diesem zung einen bestimmten Schritt zu leis­
Heft) beschreiben sie die Einführung von ten; sie achten nicht auf die Uhrzeit.
Kurz-Pausensystemen in Call-Centern, z.B. Den anderen ist es wichtig, genau den

Es handelt sich hierbei um eine der sog. Zenonschen Paradoxien. Sie wurden bereits von Aristoteles diskutiert und
10 für falsch erachtet (Physik VI, 9). Die Diskussion ist keineswegs beendet, kann hier jedoch nicht aufgerollt werden.
— ---;— ----- ;— ;---- Vermutlich lassen sich die Paradoxien mit der Annahme infinitesimaler Zahlen auflösen.
Wirtschaftspsychologie
Heft 3/2005
vorgegebenen Zeitplan einzuhalten - Regel über eine objektive, chronologisch er­
zumal es bei einer einzelnen Sitzung fasste Zeit, eine klare Zukunftsperspektive
nicht bleiben wird. Hier treffen Differen­ und eine Zeitteilungslogik. Wastian und
zen von Zeit als Kairos vs. Zeit als Chro­ Schneider beschreiben in ihrem Beitrag (in
nos aufeinander. Potenziell konflikthaft diesem Heft) die Unterschiede des Projekt­
ist auch das Aufeinandertreffen unter­ managements von innovativen Projekten zu
schiedlicher Zeitperspektiven in der anderen Projekten: Innovative Projekte brau­
Teamarbeit. Die unterschiedlichen Zeit­ chen schlicht länger, was nicht zuletzt am
auffassungen der Beteiligten zu verdeut­ hohen Rückschlagspotenzial einzelner Pha­
lichen, kann gerade in Teams zur Kon­ sen liegt. Dass die persönliche Zeitplanung
fliktklärung beitragen. durchaus ein anderes Maß nutzt als das
2. Kundenorientierte Dienstleistungen: Bei gängige Projektmanagement, beschreiben
kundenorientierten Dienstleistungen Jonas und Woltin in ihrem Beitrag (in die­
spielen Zeitdimensionen eine wichtige sem Heft). Offenbar orientieren wir uns an
Rolle. W ie lange kann man den Kunden einem nahenden wichtigen Zieltag (z.B.
warten lassen? In welchen Abständen dem Termin für den Schluss eines wichtigen
sollte man einen Beratungskunden an­ Projektes) nicht im direkten Maße seiner
sprechen? W ie kann ein Gast "kurzwei­ Dringlichkeit bzw. Nähe: Zu Beginn wird
lig" unterhalten werden? Bei all dem sind man ein Projekt aktiv verfolgen, da man sich
subjektives Zeiterleben des Kunden und über die zeitliche Distanz zum Zieltag
Zeitmaß von Bedeutung. Der Beitrag schnell im Klaren ist. Mit abnehmender Dis­
von Nerdinger (in diesem Heft) belegt tanz sinkt diese Zugänglichkeit, man hat das
dies mit Beispielen aus der Forschung. Gefühl, "mehr" Zeit zu haben, und lässt die
eigene Disziplin in der Projektarbeit schlei­
Ein drittes Beispiel wären Fragen der Innova­ fen - bevor einem dann, an den Tagen kurz
tion: Innovation lässt sich nur schwer Vor­ vor dem Zieltag, die Bedeutung der verrin­
aussagen, weder vom Inhalt noch vom Zeit­ nenden Zeit sehr bewusst wird.
punkt. Insofern lässt sie sich auch schlecht
planen oder der arbeitsteiligen Koordination
unterwerfen. Nach Christensen (2000) be­ 2. K o o r d in a t io n s f u n k t io n
steht genau darin das Dilemma der Innova­
tionsmanager: Je sorgfältiger jemand Innova­ Die alles überragende Funktion der Zeit ist
tionen zu managen versucht, umso sicherer ihre Koordinationsfunktion. Durch zeitliche
ist das Scheitern. Das Innovationsdilemma Organisation lässt sich die Zusammenarbeit
verweist auf das schwierige Verhältnis von von Menschen koordinieren. Produktion,
zeitlicher Innovation und Koordination. Aus betriebliche Arbeitsteilung, Transportfragen:
Sicht betrieblicher Organisationszwänge ist All dies wird mit dem Faktor Zeit koordi­
die Koordinationsfunktion von Zeit jedoch niert. Daher rührt auch die Bedeutung der
unabdingbar. Arbeits- und Produktionsabläu­ Arbeitszeitgestaltung, mit der sich Psycholo­
fe müssen innerhalb eines Betriebs und dar­ gie und Arbeitswissenschaft bereits intensiv
über hinaus mit Zulieferern und Kundenver­ befasst haben (z.B. Baillod, Davatz, Luchsin­
halten abgestimmt werden. Dies funktioniert ger, Stamatiadis & Ulich, 1997; Hoff, 2002;
nur, wenn die Zeit als Taktgeber für alle Kutscher, Weidinger & Hoff, 1996; Ulich,
gleich eingestellt ist. 2001b). Aus sozialpsychologischer Sicht
Neben dieser Koordinationsfunktion von handelt Koordination von dem grundlegen­
Zeit gibt es noch weitere, zum Teil konkur­ den Phänomen der Synchronisation des
rierende Funktionen, die weniger augenfällig Handelns verschiedener Menschen bzw.
sind. Die wichtigsten möchte ich im Folgen­ "Entrainment" (vgl. McGrath & Tschan,
den kurz vorstellen. Ein Überblick findet sich 2004). In der Koordinationsfunktion werden
in Tabelle 2. viele Dimensionen der Zeit relevant, auch
Zeit als Kairos: Denken wir z.B. an ein Phä­
nomen wie Mikropolitik in Unternehmen
1. K a l k u l a t io n s f u n k t io n (Burns, 1961; Neuenberger, 1995), wenn es
also darum geht, im Betrieb Leute für sich zu
Zeit kann als Maßeinheit aufgefasst werden. gewinnen, eine Hausmacht aufzubauen,
Zeit als Maß hilft bei der Erstellung und Be­ sowie Meinungen und Stimmungen auszu­
wertung von Plänen und Vorhaben. Projekt­ richten. Dann müssen Gelegenheiten abge­
planung ist ein Paradebeispiel für Zeitkalku­ passt oder geschaffen werden, um sich sei- 11
lation. Projektmanagement erfolgt in der ber zu positionieren oder andere "ins Boot" Wirtschaftspsychoiogie
Heft 3/2005
zu holen. Am deutlichsten wird in unserem ten und Märkten entsteht ein Wettlauf dar­
Band die Koordinationsfunktion in den Bei­ um, wer der erste am Markt ist. Der Schnel­
trägen zu Arbeitszeitmodellen (Hollmann et lere scheint im Vorteil. Man spricht von
al.; Hüttges et al.) sowie dem Erfahrungsbe­ "First-Mover Advantages" (D'Aveni), der Erste
richt über den Umgang mit betrieblicher am Markt erhält die meiste Aufmerksamkeit
Mitbestimmung von Hoffmann (in diesem und kann Standards definieren. Goeudevert
Heft). Mitbestimmung braucht nicht nur (in diesem Heft) berichtet von der drasti­
quantitativ Zeit, sie erfordert auch Taktie­ schen Verkürzung der Entwicklungszeiten in
renkönnen und das Verständnis für den der Automobilindustrie in den 80er und
rechten Zeitpunkt (Kairos), um Konsens 90er Jahren. Kamen ehemals noch fünf- bis
herbeizuführen. zehnjährige Entwicklungspläne zum Einsatz,
ging man nun zu maximal 3-Jahresfristen
über. Der Leitgedanke der Automobilindust­
3. K o m p e n s a t io n s f u n k t io n rie der 80er und 90er Jahre war die "Simul-
taneität zwischen Bedarf und Hersteller":
Zeit kann als Ressource verstanden werden, Ziel war, jedem Kunden einen Wagen mit
die zur Kompensation genutzt wird. Für individuellen Funktions- und Ausstattungs­
überhöhte Arbeitsbelastung kann ein Zeit­ merkmalen zu liefern (Stichwort "mass
ausgleich gewährt werden, z.B. bei Schicht­ customization") und dabei schneller als die
arbeit. Ebenso kann eine Veränderung des Konkurrenz zu sein.
Gehalts mit einem Zeitausgleich einherge­
hen: Arbeitszeitreduktion gegen Lohneinbu­
ßen oder, umgekehrt, die Erwartung zeitli­ 5. K r e a t io n s f u n k t io n
cher Verfügbarkeit gegen die Zahlung au­
ßertariflichen Entgelts. Die Kompensations­ Zeit hat auch eine Kreationsfunktion. Goeu­
funktion von Zeit liegt der Idee der Work- devert (in diesem Heft) drückt es wie folgt
Life-Balance zu Grunde (Kodz, Harper & aus: "Kreativität trägt die Gene der Lang­
Dench, 2002): Unternehmen geben ihren samkeit". Zeit wird im betrieblichen Kontext
Mitarbeitern freie Zeit, um sich zu erholen, gezielt eingesetzt, um Neuerungen herbei­
sich um private Angelegenheiten zu küm­ zuführen. Bekannt sind kreative Auszeiten,
mern, oder auch um ehrenamtlich tätig zu die sich das Management zur Entschei­
werden. Zeit dient manchmal auch zur dungsfindung nimmt. Manche Leute nutzen
Kompensation von mangelnder Unterneh­ bestimmte Tages- oder gar Jahreszeiten für
mensgröße, z.B. in kleinen Privatbetrieben, ihre schöpferische Produktion. Eine wichtige
deren Inhaber rund um die Uhr im Einsatz Rolle haben Handelsunterbrechungen an
sind, oder bei kleinen Dienstleistern, die ihr Börsen. Ändert sich der Kurs einer Aktie
mangelhaft differenziertes Angebot durch dramatisch oder gibt es unerwartete Neuig­
einen erhöhten persönlich zeitlichen Einsatz keiten, so kann der Handel der Aktie für
für die Kunden wettmachen. Dies gilt nicht gewisse Zeit ausgesetzt werden. Auf diese
nur für Handlangerdienste, sondern auch für Weise gibt man Zeit, damit Entscheidungs­
einige Vertreter von hoch-professionalisier- automatismen im Verhalten der Händler
ten Dienstleistungen, etwa Rechtsanwälte aufgebrochen werden ("Wenn A Aktie X
oder Steuerberater. Dethloff und Heitkamp verkauft, muss auch ich verkaufen") und sich
diskutieren in ihrem Beitrag (in diesem Heft) eine - mehr oder minder kreative - Neu­
verschiedene Formen von Zeitmanagement. bewertung der Situation ergibt. Die Kreati­
Dazu gehört auch das "Multitasking" als Ver­ onsfunktion der Zeit ist nicht so zu verste­
such extremen Zeitsparens - auch um Män­ hen, als ob die Zeit selber Neuerungen ge­
gel der eigenen Arbeitsorganisation zu kom­ biert. Die Quelle der Kreation sind Men­
pensieren. W ie sich zeigt, dürfte aber diese schen. Die Zeit ist hierbei jedoch der wich­
Option des Zeitumgangs kaum geeignet tigste Hebel für Neuerung.
sein, die Lebensqualität zu verbessern oder Gerade bei der Kreationsfunktion zeigen
auch die zeitliche Überbelastung tatsächlich sich die Beschränkungen der Kombinierbar­
zu reduzieren. keit der Funktionen der Zeit. Kreations- und
die Koordinationsfunktion lassen sich nur
schwer vereinen, obgleich genau dies immer
4. K o n k u r r e n z f u n k t io n wieder versucht wird. Das von Christensen
(2000) beschriebene Innovationsdilemma
__________ ________ Im wirtschaftlichen Kontext gewinnt Zeit ei- zeugt von Scheitern des Innovationsmana­
Wirtschaftspsychologie ne Konkurrenzfunktion. Bei vielen Produk- gements, d.h. des Versuchs, Kreativität be-
Heft 3/2005
trieblich zu steuern. Hingegen lassen sich dungsstudien des Statistischen Bundesamtes
Kreations- und Konkurrenzfunktion von Zeit (z.B. 2004). Von Interesse ist neben der Be­
durchaus vereinen (anders als es bei Goeu- rufsarbeitszeit insbesondere die Freizeit, da
devert zum Ausdruck kommt). Konkurrenz­ Freizeit einen eigenen Wirtschaftsfaktor dar­
druck kann bekanntlich die Variabilität der stellt. Der Verbrauch der Zeit unterscheidet
Produkte und damit die Innovativität erhö­ sich jedoch wesentlich vom Verbrauch an­
hen; darauf setzt die Idee des freien W ett­ derer Ressourcen. Denn ausschlaggebend
bewerbs. Die Frage ist jedoch, wie viel Zeit ist nicht immer die Menge der zur Verfü­
für Qualitätssicherung von neuen Produkten gung stehenden Zeit: Zum Beispiel wird zu­
oder die Implementierung von neuen Pro­ sätzliche, frei-gemeinnützige Arbeit gerade
zessen bleibt. Nicht gut vereinbar sind je­ von Personen geleistet, die ohnehin durch
doch die Kompensations- und Konkurrenz­ den Beruf zeitlich stark beansprucht sind,
funktion von Zeit, z.B. bei Modellen der und nicht etwa von Arbeitslosen (vgl. Mieg
Work-Life-Balance: Es gibt Unternehmen mit & Wehner, 2002). Es handelt sich also nicht
einer Kultur der langen Arbeitszeit. Dort einfach darum, die begrenzte Zeit auf ver­
dient die individuelle zeitliche Arbeitsbelas­ schiedene Tätigkeiten angemessen zu vertei­
tung als Maß für Produktivität und wird zur len. Es hat manchmal eher den Anschein, als
Statuskonkurrenz unter Mitarbeitern ge­ ob Zeit "geschaffen" würde, wenn man sie
nutzt. In diesen Unternehmen riskieren Mit­ braucht. Tatsächlich ist dies eine Frage der
arbeiten ihre Karrierechancen, wenn sie um Gewichtung von Tätigkeiten. Langeweile
der Work-Life-Balance willen freiwillig die ei­ bedeutet nicht einfach ein Übermaß an Zeit,
gene Arbeitszeit reduzieren (vgl. Kodz, Har- sondern einen Mangel an Tätigkeit. Die
per & Dench, 2002). Menge an objektiver Zeit, welche die Lan­
geweile so unerträglich macht, kann durch
die Tätigkeiten des Faulenzens oder neugie­
6. K o n s u m f u n k t i o n rigen Forschens problemlos überbrückt
werden. Menschliche Zeit ist im Wesentli­
Was ist nun Zeit aus wirtschaftspsychologi­ chen eine Dimension von Tätigkeit. Die Art
scher Sicht? Diese Frage ist nicht so einfach der Tätigkeit bestimmt den Umgang mit der
zu beantworten. Auf jeden Fall stellt Zeit Zeit. Dies gilt auch und gerade für berufli­
mehr als eine Ware oder eine Effizienzgröße ches und wirtschaftliches Handeln. Im Auf­
für den Einsatz von Kapital und Arbeit dar. trag der Bank einen wohlhabenden Bank­
Schon der Warencharakter von Zeit ist nicht kunden zu betreuen, erfordert einen ande­
unbedingt einsichtig. Denn Zeit lässt sich ren Umgang mit Zeit als die Fließbandpro­
nicht wirklich kaufen so wie ein Industrie­ duktion von Lampenfassungen. Die Grund­
produkt. Vertane Zeit kann nicht wieder frage einer Wirtschaftspsychologie der Zeit
hergestellt oder aufgefüllt werden; sie ist ist also, wie sich die menschlichen Tätigkei­
unwiederbringlich dahin. Man könnte Zeit ten in die wirtschaftlichen Prozesse integrie­
unter einer Konsumfunktion sehen (die ren.
sechste Funktion der Zeit). Zeit ist sozusa­
gen ein Totalverbrauchsgut, das für ver­
schiedene Zwecke eingesetzt werden kann.
Doch ist Zeit nicht beliebig handelbar. W er Ja q u es: d er un en td ec kte K l a s s ik e r
zu wenig Zeit hat, kann nicht einfach Zeit
einkaufen - sondern muss sich von zeitin­ Elliott Jaques hat die einzige konsistente
tensiven Tätigkeiten fre/kaufen. W er zu viel Wirtschaftspsychologie der Zeit entwickelt,
Zeit hat, kann diese wiederum nicht einfach von der ich weiß. Seine Arbeiten sind in
verkaufen, sondern muss die private Zeit Deutschland fast unbekannt. Ulich zitiert Ja­
samt einer Tätigkeit Dritten anbieten. Daher ques im Zusammenhang mit dem Konzept
kann das Übermaß an Zeit subjektiv als des Handlungsspielraums (2001a, S. 192).
Problem empfunden werden. Dies heißt Ansonsten findet man manchmal einen
man Langeweile. Langeweile ist eine wichti­ Verweis auf Jaques' Untersuchungen zu ge­
ge Triebfeder für Tätigkeiten aller Art: Zer­ rechtem Lohn. Dass dahinter eine Theorie
streuung, kriminelle Delikte, aber auch un­ von Entscheidungsverhalten, Kompentenz-
ternehmerische Aktivität. entwicklung, Führung und Unternehmens­
Aus wirtschaftspsychologischer Sicht kommt wachstum steht, wird meist nicht sichtbar.
es auf die Tätigkeit an, für welche die Zeit Der gemeinsame Nenner ist der Faktor Zeit.
verbraucht wird. Eine reiche Quelle für Von daher möchte ich im Folgenden eine 13
Verbrauchsanalysen bieten die Zeitverwen­ Einführung in Jaques' Grundideen geben. Ich Wirtschaftspsychologie
Ausgewählte Literatur von Elliott Jaques (1917-2003)

Jaques, E. (1951). The changing culture of a factory. London: Tavistock.


Jaques, E. (1956). Measurement of responsibility. London: Tavistock.
Jaques, E. (1964). Time-span handbook. London: Heinemann.
Jaques, E. (1976). A general theory of bureaucracy. London: Heinemann.
Jaques, E. (1979). Taking time seriously in evaluating Jobs. Harvard Business Review, Sep­
tember, 124-132.
Jaques, E. (1982). The form of time. New York: Crane Russak.
Jaques, E. (1986). The development of intellectual capability: A discussion of stratified Sys­
tems theory. The Journal of Applied Behaviour Science, 22, 361-383.
Jaques, E. (1989). Requisite organization. Arlington: Cason Hall. Publishers.
Jaques, E. (1990). Creativity and work. Madison: International University Press.
Jaques, E. (1990). In praise of hierarchy. Harvard Business Review, January, 127-133.
Jaques, E. (2002). Social power and the CEO. Westport: Quorum._________________________

T abelle 3: Tätigkeitsstufe Zeitspannen der Ermessensfreiheit


Tätigkeitsstufen und Zeit­ 1 15 min, 1 h, 2 h, halbtags, 1 Tag, 2 Tage, 3 Tage, 1 Woche, 2 Wochen,
spannen der Ermessens­ 1 Monat, 2 Monate
freiheit (Jaques, 1964) 2 3 Monate, 6 Monate, 9 Monate
3 1 Jahr, 15 Monate, 18 Monat, 21 Monate
4 2 Jahre, 3 Jahre, 3.5 Jahre, 4 Jahre

beziehe mich hierbei in der Hauptsache auf fügbar. Kommt der Kunde am nächsten Tag
sein Werk "A General Theory of Bureaucra­ wieder, muss er damit rechnen, es mit einer
cy" (1976). Dies kann nicht mehr als ein klei­ anderen Verkäuferin zu tun zu haben.
ner Ausschnitt sein. Jaques hat über 40 Jahre Die Zeitspanne der Ermessensfreiheit kann
lang publiziert und seinen Theorieansatz sich auch über Jahre erstrecken, zum Bei­
ständig erweitert und fortentwickelt. In "Re­ spiel bei Unternehmens-Restrukturierungen
quisite Organization" (1989) hat Jaques sei­ oder bei der Entwicklung neuer Produktli­
ne Theorie zudem in Managementlehre nien. Die Zeitspanne der Ermessensfreiheit
umgesetzt. reicht bei Führungsaufgaben grundsätzlich
über die Zeitspannen der Ermessensfreiheit
der geführten Aufgaben der Mitarbeiter hin­
D ie Z e it s p a n n e d e r aus. Die Aufgaben der Filialleiterin eines Su­
E r m e s s e n s f r e ih e it u n d d ie A u f g a b e permarkts stehen vor einem klar größeren
d er Fü h r u n g Zeithorizont als die Aufgaben von Kassiere­
rinnen. Ähnlich liegt bei der strategischen
Jede Aufgabe im Rahmen einer Arbeitstätig­ Führung der gesamten Supermarktkette eine
keit besitzt, so Jaques, eine Zeitspanne der viel längere Spanne der Ermessensfreiheit als
Ermessensfreiheit. Gemeint ist die längste bei der Leiterin einer einzelnen Filiale.
Zeitdauer, bis überprüft oder offenbar wird, Jaques (1964) beschrieb typische Zeitspan­
ob die Aufgabe erfüllt ist. Diese Zeitspanne nen der Ermessensfreiheit. Bemessen wir
kann sehr klein sein und im Minutenbereich Stellen und Tätigkeiten nach ihrer jeweils
liegen, etwa bei Kopieraufgaben bei einem längsten Zeitspanne der Ermessensfreiheit,
Sekretariatsjob, beim Gepäckumladen im so erhalten wir aufsteigende Tätigkeitsstufen,
Flughafen oder beim Verpacken von Scho­ die Jaques in mehrere Klassen unterteilte
kolade. Bei vielen Tätigkeiten von Angestell­ (vgl. Tabelle 3). Auf diese Klassifikation, die
ten liegt die Zeitspanne der Ermessensfrei­ so genannten Abstraktionsstufen, werde ich
heit im Bereich eines Tages. Restaurant- später ausführlich eingehen. Jeder nächst­
Kellner oder Kassiererinnen im Supermarkt höheren Tätigkeitsstufe entspricht eine
im Warenhaus rechnen am Abend ab und nächst längere typische Zeitspanne der Er­
beenden und überprüfen auf diese Weise messensfreiheit.
ihre Arbeit. Auch Verkäufer im Warenhaus Jaques' wichtigster Befund ist der Zusam­
14 sind nur während eines Arbeits-Tages per­ menhang von Tätigkeitsstufen mit gerecht
sönlich für einen bestimmten Kunden ver­ empfundenem Lohn und Führung (Jaques,
1979). Die Zeitspanne der Ermessensfreiheit wird geführt. Die Arbeitsgegenstände -
zeigt an, weiche Tätigkeitsverantwortung Post, Dokumente, Termine - sind unmittel­
übernommen werden muss. Jaques hat die bar gegeben. Dieser unmittelbare Bezug
Korrelation von Entgelt und Tätigkeitsstufe gibt klare Leistungskriterien an die Hand: Es
über Jahrzehnte untersucht und - zumindest gilt nur festzustellen, ob die Post gesichtet,
für die Glacier Metal Company, welche Ja­ das Dokument kopiert und archiviert ist.
ques jahrelang untersuchte - gut belegen
können. In unserem Zusammenhang inte­ 2. Abstraktionsstufe: Konkrete Vorstellung
ressiert uns jedoch mehr die Bedeutung der Die zweite Abstraktionsstufe umfasst Tätig­
Tätigkeitsstufen für Führung. Führung bedeu­ keiten mit einer Ermessensspanne bis zu ei­
tet nämlich: die Zeitspannen der Ermessens­ nem Jahr. Im Unterschied zu Tätigkeiten der
freiheit für die Aufgaben der eigenen Mitar­ ersten Abstraktionsstufe ergibt sich der Leis­
beiter festzulegen. tungsauftrag nicht mehr unmittelbar aus
Wenn ein Manager die Zeitspannen der Er­ dem Bezug zum Arbeitsgegenstand. Hinzu
messensfreiheit für einen Mitarbeiter verlän­ kommt die Interpretation eines Arbeitsauf­
gert, so erhöht sich auch die Tätigkeitsstufe. trags. Jaques zitiert das Beispiel einer leiten­
Verringert er die Zeitspannen der Ermes­ den Stationsschwester in einem Kranken­
sensfreiheit für eine Aufgabe, so sinkt auch haus. Sie muss die Weisungen der Stations­
deren Tätigkeitsstufe. Der erste Fall, wenn ärztin und anderer Ärzte interpretieren kön­
die Tätigkeitsstufe steigt, kann als Auswei­ nen und in Weisungen für die Pfleger und
tung der Tätigkeitsverantwortung verstanden Krankenschwestern der Station umsetzen,
werden. Ist eine neue Tätigkeitsstufe er­ was für die einzelnen Patienten zu tun ist. In
reicht, so wird das bisherige Entgelt mitunter ähnlicher Weise muss eine Abteilungsleiterin
als ungerecht empfunden. Manche Manager in einer städtischen Behörde eine Maßnah­
haben die Unart, den Mitarbeitern immer me zur internen Organisation für ihre Mitar­
wieder neue Zwischenziele zu setzen oder beiter interpretieren und umsetzen, bei­
kurzfristige Leistungskontrollen durchzufüh­ spielsweise in einem Halbjahres-Projekt zur
ren. Dadurch verkürzt sich die Zeitspanne Teamentwicklung. Auf derselben Abstrakti­
der Ermessensfreiheit der Mitarbeiter, die onsstufe steht die Tätigkeit von Industrie­
Tätigkeitsstufe sinkt. Das Absinken wird als meistern: Sie kümmern sich nicht nur um
Begrenzung der Tätigkeitsverantwortung wöchentliche Einsatzpläne der Industriear­
empfunden und kann gerade bei fähigen beiter, sondern versuchen auch Aus- und
Leuten den Job unattraktiv werden lassen. Weiterbildungsbedarf festzustellen.

3. Abstraktionsstufe: Überblick (mentales


D ie A b s t r a k t io n s s t u f e d e r T ä t ig k e it Modell)
und U n t e r n e h m e n s k o m p l e x it ä t Die dritte Abstraktionsstufe umfasst Tätigkei­
ten mit einer Ermessensspanne bis zu zwei
Das Konzept der Tätigkeitsstufen reformu- Jahren. Auf dieser Abstraktionsstufe ist es
lierte Jaques in seinen späteren Arbeiten als nicht mehr möglich, alle konkreten Arbeiten
System von Abstraktionsstufen (vgl. Tab. 4). und alle Mitarbeiter gleichzeitig im Blick zu
Diese Stufen bilden sowohl die individuelle haben. Dies ist die Situation der Leiter klei­
Entwicklung als auch die des Unternehmens ner Unternehmen bzw. eines Betriebsleiters
ab. Das Gemeinsame ist die Komplexität der in einem Großunternehmen. Tätigkeiten auf
Organisation, zum einen des realen Unter­ dieser Stufe erfordern den Überblick über
nehmens, zum ändern ihrer mentalen Rep­ die nachgeordneten Tätigkeiten. Die Kon­
räsentation. trolle der nachgeordneten Tätigkeiten erfolgt
jedoch stichprobenweise und nicht immer
1. Abstraktionsstufe: Konkrete Ausführung persönlich.
Die erste Abstraktionsstufe umfasst Tätigkei­
ten mit einer Ermessensspanne bis zu drei 4. Abstraktionsstufe: Konzeptionell
Monaten. Tätigkeiten auf dieser Abstrakti­ Mit Überschreiten der 2-Jahres-Zeitspanne
onsstufe sind konkret, sie können in einen der Ermessensfreiheit kommt es, so Jaques,
expliziten Auftrag gefasst werden und erfol­ zu einem grundsätzlichen Wechsel in der
gen in unmittelbarem Bezug zum Arbeits­ kognitiven Qualität der Tätigkeiten. Jaques
produkt Ein typisches Beispiel ist die Tätig­ nennt es den Wechsel von einem konkreten
keit in einem Sekretariat: Die eingehende zu einem abstrakten Modus der Arbeit. W e­
Post wird gesichtet, es werden Dokumente der die Arbeitsprodukte noch das eigentli­ 15
erstellt und archiviert, der Terminkalender che Vorhaben der Tätigkeit können konkret
und im Detail gefasst werden. Die neue Tabelle 4 gibt eine Übersicht über Abstrak­
Qualität der Tätigkeiten, die nun hinzutritt, tionsstufen nach Jaques. W ir sehen, dass
ist die Konzeption. Die vierte Abstraktions­ nach Jaques bei einer Zeitspanne der Er­
stufe umfasst konzeptionelle Tätigkeiten mit messensfreiheit von mehr als zwei Jahren
einer Zeitspanne der Ermessensfreiheit bis sich der kognitive Modus der Tätigkeit än­
zu fünf Jahren. Jaques spricht in diesem Zu­ dert. Die Tätigkeit löst sich von den konkret
sammenhang von Detachment, Abgehoben­ gegebenen Produkten, Rollen und Prozes­
sein: Die Tätigkeit auf vierter Abstraktions­ sen. Sie gewinnt, so Jaques, an Abstraktheit.
stufe greift sehr konkret in die nachgeordne- Mit steigender Abstraktionsstufe wird stets
ten Arbeitsabläufe und Personalstruktur ein, eine neue kognitive Qualität der Tätigkeiten
ohne dass jederzeit ein unmittelbarer Bezug und des Managements erforderlich5; sie wird
bestehen muss. Dies macht den konzeptio­ in der vierten Spalte benannt. Nach Jaques
nellen, abstrakten Charakter der Tätigkeit gehen die Unterschiede in der Abstraktions­
aus. Nach Jaques ist dies die Stufe, auf wel­ stufe zudem mit Unterschieden in der Zahl
cher Innovation einsetzt. der untergeordneten Mitarbeiter und in der
räumlichen Organisation einher.
5. Abstraktionsstufe: Strategisch-theore­
tisch
Die fünfte Abstraktionsstufe umfasst Tätig­
keiten mit einer Ermessensspanne bis zu T im e s p a n c a p a c it y
zehn Jahren. Auf dieser Stufe braucht kein
unmittelbarer, physischer Kontakt mit den Jaques behauptet, dass die Fähigkeiten für
produzierten Gütern zu bestehen. Die fünfte Tätigkeiten mit unterschiedlicher Abstrakti­
Abstraktionsstufe ist die Stufe der strategi­ onsstufe sich in der Gesellschaft nicht gleich
schen Arbeit. Auf dieser Abstraktionsstufe verteilen. Es handelt sich hierbei um eine
haben wir es mit Mitgliedern von Vorstand Mischung aus kognitiver, motivationaler und
und Geschäftsleitung von großen nationalen sozialer Eignung zu Planung und Führung.
Firmen zu tun, welche bis zu 20'000 Mitar­ Der gemeinsame Nenner dieser Fähigkeiten
beiter beschäftigen. Hierzu gehören auch ist der Umgang mit längeren Zeitspannen
die Leiter und Leiterinnen entsprechend der Ermessensfreiheit. Jaques nennt es die
großer Behörden. Ihre Tätigkeit bestimmt Time span capacity. Betrachten wir einzelne
sich aus dem Verhältnis von Strategien, sta­ Personen, so lässt sich annehmen, dass die­
tistischen Informationen und dem periodi­ se Time span capacity im Laufe des Berufs­
schen Kontakt mit Details der Implementie­ lebens zunimmt. Betrachten wir unterschied­
rung. liche Personen, so ist anzunehmen, dass die
Entwicklung der Time span capacity auf sehr
6. Abstraktionsstufe: Institutionen schaffen unterschiedlichem Niveau und mit unter­
Die sechste Abstraktionsstufe umfasst Tätig­ schiedlichen Steigerungsraten erfolgt (vgl.
keiten mit einer Ermessensspanne, die über Abb. 1). Es gibt Menschen, die in ihrem Le­
zehn Jahre hinausreicht. Auf dieser Stufe ben nie eine wirkliche Führungsaufgabe
werden neue Institutionen geschaffen, neue übernehmen und dabei sogar wichtige und
Konzerne geschmiedet etc. gut bezahlte Ressort- oder Stabsstellen inne­
haben.
Die Entwicklung der Time span capacity
setzt voraus, dass eine angemessene Ent-

7ABELLE 4: Stufe Abstrakt­ Zeitspanne der Kognitive Qualität Mitarbeiter


Abstraktionsstufen nach heit Ermessensfreiheit
Jaques (1976) 1 niedrig < 3 Monate konkrete Ausführung 1
2 niedrig < 1 Jahr konkrete Vorstellung < 50
3 niedrig < 2 Jahre mentales Modell < 350
4 hoch < 5 Jahre konzeptionell < 2'500
5 hoch < 10 Jahre strategisch < 20'000
6 hoch < 20 Jahre Institutionen schaffen < 150'000

16 5 Ein verwandter Ansatz findet sich bei Floyd und Lane (2000). Sie sprechen von Prozessen der strategischen Erneu-
— ---------------- -— erung von Unternehmen und differenzieren Managementrollen nach Zeithorizonten. Floyd und Lane (2000) rezi-
Wirtschaftspsychologie pieren Jaques' Arbeit leider nicht.
Heft 3/2005
A bbild u n g 1:
Abstraktionsstufen der Arbeit (1 bis 5) und
mögliche Entwickiungspfade der kognitiven
Entwicklung bei der Bewältigung zeitlich be­
dingter Komplexität (Time span capacity). Die
Beispiele beziehen sich auf vier Führungskräfte
mit ihren Teams. Quelle: Jaques, 1976, p. 167.
Reprinted by permission.

Wicklungsumgebung vorhanden ist. Große D ie k o n s t it u t iv e R o l l e d e r Z eit in


Unternehmen bieten meist solch eine Um­ J a q u e s ' W er k
gebung, in welcher Mitarbeiter zunehmend
Verantwortung übernehmen können. Meist Jaques befasste sich mit den Problemen, die
ist dies an einen Aufstieg in der Unterneh­ sich aus dem Wechselspiel von subjektivem
menshierarchie gekoppelt. Die Entwicklung Zeiterleben vs. objektiver Zeitkoordination
der Time span capacity bedingt auch, dass ergeben. Dies umfasst viele Konfliktbereiche
kleine Unternehmen mit jungen Führungs­ und Fragen, die auch für die Wirtschaftspsy­
kräften notwendig wachsen - sofern sie am chologie relevant sind: Stress, Arbeitszeit,
Markt verbleiben. Denn in kleinen Unter­ Führung etc. Jaques entwickelte mit seinem
nehmen müssen selbst junge Mitarbeiter Werk eine wirtschaftspsychologische Theo­
bald Führungsverantwortung übernehmen. rie, die ausgehend von der Analyse mensch­
Die Time span capacity der Mitarbeiter licher Tätigkeit sich über Fragen der Unter­
steigt rasch an, neue Mitarbeiter können an­ nehmensführung bis hin zum Verständnis
gestellt, größere Projekte in Angriff genom­ neuer Märkte und Institutionen erstreckt.
men werden. Hiervon konnte ich nur einen kurzen Aus­
Demnach gibt es für alle Mitarbeiter zu je­ schnitt vorstellen. Um die konstitutive Rolle
dem Zeitpunkt eine angemessene Aufga­ der Zeit in Jaques' Werk zu verdeutlichen,
benkomplexität. Angemessen heißt auch: möchte ich seine Konzeption von Zeit in
Die Mitarbeiter können an den Aufgaben drei Schritten resümieren.
wachsen. Die Lerndauer, um eine Tätigkeit
nächsthöherer Stufe zu erreichen, beträgt 1. Chronos vs. Kairos
mindestens die Zeitspanne der Ermessens­ Nach Jaques bestimmt sich menschliche Tä­
freiheit der nächsthöheren Stufe. Ein Sekre­ tigkeit über Kairos, d.h. über den Bezug auf
tariat zu leiten bedeutet Ermessensspannen Ziele, die es zu erreichen gilt und über die
bis zu einem Jahr, etwa zur Einführung eines Gelegenheiten, welche uns diesen Zielen
neuen Archivierungssystems. Dementspre­ näher bringen. Die Ziele werden von der
chend braucht es mindestens ein Jahr Sekre­ handelnden Person selbst festgelegt. Poten­
tariatserfahrung, um ein solches leiten zu ziell kann dies mit jedem einzelnen Hand­
können. Andererseits kommt es vor, dass lungsakt geschehen. Von daher hat jede
Mitarbeiter auf ihrer Position unterfordert Aufgabe, die eine Person übernimmt, einen
sind. Solche Mitarbeiter fallen meist durch minimalen zeitlichen Ermessensspielraum.
Kreativität auf. Sie beginnen, ihre eigene Po­ Die Person muss entscheiden, wann für sie
sition zu verändern und zu entwickeln - bis die Aufgabe als geleistet gilt. Jeder Person
die Aufgaben angemessene Komplexität er­ kommt also Autonomie zu (auch wenn Ja-
17
reichen.
ques selber nicht in dieser Weise von Auto­ anlage. Aus Sicht der Kapitalanlagelogik
nomie spricht). Autonomie meint hier die sinkt die Prognosegüte für Investitionen
grundsätzliche Möglichkeit der Selbstbe­ deutlich, wenn ein Anlagehorizont von 3
stimmung (ausgedrückt in der griechischen Monaten überschritten wird (Mieg, 2001).
Wortstamm von "Auto-") und die Notwen­ Aus Sicht der Unternehmensplanung lässt
digkeit zur "Eigengesetzlichkeit" (ausge­ sich innerhalb von 3 Monaten wenig bewe­
drückt in dem griechischen Wortstamm von gen. Von daher spricht selbst Vasella, CEO
"-nomie"): Jede handelnde Person definiert des Pharmakonzerns Novartis von der "Ty­
durch ihr Handeln ihr eigenes Regelsystem. rannei der Quartalszahlen" (Leaf, 2002). Nur
Der Zeitraum, wann eine Aufgabe für erle­ wenige andere Branchen sind so kapitalin­
digt gelten kann, ist jedoch keineswegs will­ tensiv und auf langfristige Planung und For­
kürlich. Nach Jaques bestimmt sich die Län­ schung angewiesen wie Pharmaindustrie;
ge dieses Zeitraums über die soziale Orga­ dies ist auch den Anlegern bewusst.
nisationskomplexität der Tätigkeit (vgl. Tab. Gleichwohl, so Vasella, erliegen auch Phar-
4) und ist als Zeitspanne der Ermessensfrei­ ma-CEOs der Versuchung, scheinbare, kurz­
heit sehr wohl "chronologisch" erfassbar. fristige Erfolge zu generieren.
Chronos und Kairos stellen also bei Jaques
eher ergänzende denn gegensätzliche Zeit­ 3. Die Zeit auf den drei Stufen wirtschafts­
auffassungen dar: Während Kairos die Logik psychologischer Betrachtung (Tab. 1)
der Tätigkeit und grundsätzlichen Ermes­ Jaques' Zeitbestimmung setzt auf zwei Ebe­
sensfreiheit repräsentiert, ist Chronos ein nen an. Erstens auf der Ebene der Organisa­
Mittel der notwendigen sozialen Koordina­ tion als Bestimmung der Zeitspannen der
tion und Arbeitsteilung. Ermessensfreiheit von betrieblichen Tätigkei­
ten. Zweitens auf der individuellen Ebene als
2. Koordinations- vs. Kreationsfunktion von eine wesentliche Dimension von Handeln:
Zeit Menschen verhalten sich nicht einfach, son­
Bei Jaques erfährt auch das schwierige Ver­ dern gehen An-Gelegenheiten nach, die ihre
hältnis von Koordinations- und Kreations­ eigene zeitliche Logik entfalten. Im Arbeits­
funktion von Zeit eine neue Deutung. Nach leben sind die beiden Ebenen über die Tä­
Jaques hat jede Tätigkeit ihre angemessene, tigkeitskomplexität gekoppelt: Nicht alle In­
objektive Spanne der Ermessensfreiheit. dividuen sind in gleicher Weise fähig, Tätig­
Diese Ermessensfreiheit zu nutzen bedeutet keiten mit höheren Zeitspannen der Ermes­
Kreativität.6 Jedoch ist die Zeitspanne der sensfreiheit auszufüllen. Diese Fähigkeit lässt
Ermessensfreiheit im Arbeitsalltag nicht ein­ sich, so Jaques, als Time span capacity erfas­
fach verlängerbar. Ein Schuhverkäufer kann sen. Jaques Wirtschaftspsychologie der Zeit
sich nicht beliebig viel Zeit nehmen, um ei­ betrifft aber auch die dritte, gesellschaftliche
nen Kunden zu betreuen; ein Werksleiter Ebene. Nach Jaques erfolgen auf abstrakten
kann sich nicht beliebig Zeit lassen, um eine Tätigkeitsstufen (von Stufe 4 aufwärts) Or­
neue Produktionslinie hochzufahren. Man ganisationserfindungen. Neue Institutionen
kann Goeudeverts Anmerkung, dass Kreati­ werden geschaffen, welche das Leben vieler
vität die "Gene der Langsamkeit" (in diesem Menschen verändern. Dies gilt für die Fir­
Heft) trägt, auch dahingehend interpretieren, men wie Microsoft und die Durchdringung
dass Kreativität eine je nach Aufgabe be­ des Alltagslebens mit PCs (Personal Compu­
messene Zeit erfordert und dass diese Zeit tern) ebenso wie für die politische Bahnre­
oft nicht zugestanden wird. Beispielsweise form in Europa.
kommen bei börsennotierten Firmen oft
zwei unterschiedliche zeitliche Bewer­
tungsmaßstäbe in Konflikt miteinander: zum
einen die betriebsinnere Entwicklungszeitlo­
gik, zum anderen der Rhythmus der Kapital­

Diese Sicht lässt sich noch mit Blick auf die Fehlerforschung verschärfen (vgl. Wehner, 1992). Fehler innerhalb der
Ermessensspanne sind mitunter kreativitätsfördernd, sofern sie sich auf einer untergeordneten Tätigkeitsstufe be­
wegen. Beispiel: Bei der Einrichtung eines neuen SB-Marktes fällt eine Reihe Regale um; infolgedessen muss ein
neues, gebäudegerechtes Befestigungssystem entwickelt werden. Der kreative Umgang mit Fehlern entspricht dem
Konzept der "Fehlerfreundlichkeit" (vgl. Wehner & Mehl, 2003). Nach Jaques ließe sich hinzufügen, dass sich die­
ser Fehler jedoch nach Tätigkeitsstufe anders darstellt: Besteht die Tätigkeit eines Subunternehmers gerade darin,
18 die Regale zu installieren, so sind Regale, die bei Inbetriebnahme umfallen, ein Fehler, der die gesamte Tätigkeit
Wirtschaftspsychologie c*es Subunternehmers in Frage stellt. Auf höherer Tätigkeitsstufe erlaubt die größere Ermessensfreiheit, nach einer
Heft 3/2005 neuen Lösung, z.B. einem anderen Subunternehmer, zu suchen
W Ü R D IG U N G tigkeit einen Ermessensspielraum aufweist.
Dies entspricht der Idee des Handlungs­
Jaques Ansatz erfüllt die Anforderungen zu spielraums. Von daher verweist Ulich mit
den von George und Jones (2000) aufge­ großem Recht auf Jaques, wenn er die Nähe
stellten Kriterien für die Theoriebildung un­ der Konzepte "Handlungs- bzw. Tätigkeits­
ter Einbezug des Faktors Zeit: spielraum, Kontrolle und Autonomie" disku­
1. Situation und Person: Für Jaques ist die tiert (2001a, S. 192). W ie ich darzustellen
wichtigste, betrieblich relevante Persön­ versucht habe, entwickelte Jaques aus der
lichkeitseigenschaft die Time span capa­ Grundidee der Ermessensspielräume das
city. Sie entwickelt sich wie in Abbil­ Konzept der zeitlich definierten Tätigkeits­
dung 1 dargestellt. ebenen und sodann der Abstraktionsebe­
2. Führung: Führung bedeutet in erster Li­ nen, die nach Jaques gleichsam "natürliche"
nie eine Übertragung von Aufgaben mit Führungsebenen dacstellen. Jaques nahm
einem person- und positionsgerechten den Grundsatz der Autonomie sehr ernst.
Ermessensspielraum bzw. Zeithorizont Für ihn bedeuteten die Zeitspannen der Er­
der Aufgabenerfüllung. messensfreiheit bei Führungsaufgaben
3. Partizipation: Jaques (1982a) plädiert zugleich ein Maß der Verantwortung (vgl.
stark für die Einrichtung von Partizipati­ Jaques 1956; Mieg, 1994). Wenn wir dies
on in Arbeitsstätten mit mehr als 350 mit der laufenden Diskussion um Corporate
Mitarbeitern, wo also Unternehmens­ Governance verbinden, erscheint Jaques'
führung "abstrakt" wird.7 Werk höchst aktuell.
4. Arbeitsgestaltung: Nach Jaques muss ef­
fiziente Arbeit so gestaltet sein, dass sie
persönliches Ermessen - und damit Au­ L it e r a t u r
tonomie - ermöglicht
Baillod, J., Davatz, F., Luchsinger, C., Stamatiadis,
Auf den ersten Blick wirkt Jaques' Theorie M. & Ulich, E. (1997). Zeitenwende Arbeits­
stark auf hierarchische, bürokratisch verwal­ zeit. Zürich: vdf.
tete Organisationen ausgerichtet. Man spürt Burns, T. (1961). Micropolitics: Mechanisms of
institutional change. Administrative Science
den Geist Max Webers. Tatsächlich machte
Quarterly, 6, 257-281.
Jaques seine ersten Erfahrungen im Rahmen
Bergson, H. (1889). Essai sur les donnees imme-
klassischer Industriearbeit, die hierarchisch diates de la conscience (Zeit und Freiheit).
organisiert ist. Jaques argumentiert, dass Paris: Les Presses universitaires de France.
große Betriebe gar nicht anders als über die Bischof, N. (1995). Struktur und Bedeutung. Bern:
Bildung von Führungsstufen organisiert wer­ Huber.
den können. Ein CEO von Siemens oder Borscheid, P. (2004). Das Tempo-Virus: Eine Kul­
Novartis kann schlicht nicht jeden Mitarbei­ turgeschichte der Beschleunigung. Frankfurt:
ter persönlich kennen. Die Frage ist für Ja­ Campus.
ques nicht, ob es Hierarchien geben muss, Christensen, C. M. (2000). The innovators di-
sondern nur: wie viele und welcher Organi­ lemma. New York: Harper Business.
Droysen, J. G. (1868). Grundriss der Historik.
sationslogik sie folgen. Von daher hat er sich
Leipzig.
intensiv mit militärischen Führungsstrukturen
Floyd, S. W. & Lane, P. J. (2000). Strategizing
befasst. Denn die Armee kann in der westli­ throughout the organization: Managing role
chen W elt auf eine längere Organisationser­ conflict in Strategie renewal. Academy of Ma­
fahrung zurückblicken als Staatsbürokratien nagement Review, 25 (1), 154-177.
oder Großunternehmen. Fraisse, P. (1985). Psychologie der Zeit. Mün­
Es wäre verfehlt, Jaques' Theorie in die Ecke chen: Reinhardt (Original 1957).
der fordistischen oder tayloristischen Ansät­ Geißler, K. A. (1999). Vom Tempo der Welt - am
ze der Unternehmensführung zu stecken. Ende der Uhrzeit. Freiburg: Herder.
Jaques ist vielmehr durchdrungen von der George, J. M. & Jones, G. R. (2000). The role of
time in theory and theory building. Journal of
Idee der menschlichen Autonomie: nämlich
Management, 26 (4), 657-684.
als Selbstregulation aus Freiheit. Jaques be­
hauptet, dass selbst noch die einfachste Tä­

Damit verbindet sich die Forderung nach einer transparenten, hierarchischen Organisation, welche insbesondere
die Zeitspannen der Ermessensfreiheit angemessen abbildet. Auf die Details kann hier nicht eingegangen werden.
Zu erwähnen ist, dass die Diskussion bei Jaques (1982a) von der Situation in England geprägt ist und dass es sich 19
Greve, W. (2001). Traps and gaps in action McGrath, J. E. & Tschan, F. (2004). Temporal mat-
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1896) explaining what really defines an "expertn-a dif-
Zimmerli, W . C. & Sandbothe, M. (Hrsg.) (1993). ficulty that goes beyond the explanatory ränge
Klassiker der modernen Zeitphilosophie. of defining experts by their individual perform-
Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesell­ ance. Take, for example, experts who provide
schaft. political advice or consult multinationals. What
really qualifies them as experts? How can we
assess their performance? How can we disen-
tangle their individual expert contribution and
the success of the enterprise or party they
work for? W e cannot understand these cases,
if we don't consider what Hoffman, Feltovich
and Ford (1997) concluded, in summing up the
development of the psychology of expertise,
namely: the "minimum unit of analysis" is the
"expert-in-context." The Berlin Conference on
Expertise in Context will be the platform to
discuss the embeddedness of expertise.

Keynote Speakers
Karl A. Ericsson
Joseph A. Weizenbaum
Dietrich Dörner
Gerd Gigerenzer (invited)

Conference Board
Harald A. Mieg
Rainer Bromme
Hans Gruber
Ralf Krampe

Conference Panels
The development of expertise -fostering
exceilence
Expert roles, expert-society communica-
tion
Expertise and artificial intelligence
Expertise in innovation

Participants are welcome from around the


world. The conference homepage with all de-
P r o i. D r. I I\ rm d A . Mac
tails will be launched by November 2005. The
I l.vis-SjiH'r-l’m fr^ iir für Metropolen- und
deadline for the Submission of papers will be
Innovulionsforschung January 30, 2006. If you have any questions,
( ,vo#rnphis( hi"> In^litul please contact the organizer
I lumboldl-L 'niv('rsilät vu Berlin
I inior den I inden 6 Harald A. Mieg:
/()()()1) Berlin haraId.mieg@geo.hu-berIin.de
21
I m.iil: lhirüld.mi<'i>®i’('o.liu-berlin.de
3-2005 W ir t s c h a f t s p s y c h o l o g ie
7. Jahrgang
Themenheft
„ Faktor Zeit"
Herausgeber:
P ro f . D r . Lo ren z Fischer , Köln Gastherausgeber: Harald A. Mieg
P ro f . D r . Eckhard G ro s, Wiesbaden
P ro f . D r . Th eo W ehner , Zürich

Wissenschaftlicher Beirat: In h a l t
Prof. Dr. Eva Bamberg, Hamburg
Prof. Dr. Egon Endres, München 3 I H. A. Mieg: Editorial
Prof. Dr. Ullrich Günther, Lüneburg
PD Dr. Ingela Jöns, Mannheim H. A. Mieg: Die Form der Zeit: Elemente einer Wirtschaftspsy­
Prof. Dr. Uwe Kleinbeck, Dortmund chologie der Zeit
Prof. Dr. Günter F. Müller, Landau
22 F. W. Nerdinger: Das Zeiterleben von Dienstleistungskunden:
Prof. Dr. Heinz Schüpbach, Freiburg
Probleme des Wartens
Prof. Dr. Alexander Thomas, Regensburg
Prof. Dr. Karl Westhoff, Dresden 28 M. Wastian, M. Schneider: Zeitliche Aspekte des Projektmana­
Prof. Dr. Günter Wiswede, Köln gements: die Bedeutung von Phasen, Laufzeiten, Impulsen, Ups
Prof. Dr. Erich H. Witte, Hamburg and Downs
Prof. Dr. Manfred Zielke, Mönkeberg
36 A. Hüttges, A. Müller, P. Richter: Gesundheitsförderliche Arbeits­
gestaltung durch Kurzpausensysteme: ein Ansatz an der Schnitt­
Chefredaktion: stelle von Verhaltens- und Verhältnisprävention
Prof. Dr. Eckhard Gros 44 S. Hollmann, U. Heilert, K.-H. Schmidt: Anforderungen an eine
FH Wiesbaden, FB 12 SuK zielbezogene Selbststeuerung im Rahmen hochflexibler Arbeits­
Fachgebiet ABO-Psychologie zeitmodelle
Am Brückweg 26, D-65428 Rüsselsheim
Tel. 06142-898-122 53 C. Dethloff, A. Heitkamp: Zeitstrategien - über den erfolgreichen
Fax 06142-898-121 Umgang mit der Ressource Zeit
E-mail: e.gros@suk.fh-wiesbaden.de 63 O. Morgenroth, K. Losleben: Kontrollieren oder gelassen bleiben?
Zur Bedeutung temporaler Orientierungen bei der Entstehung
und Bewältigung von Zeitdruck und Stress

73 R. Hansmann, P. Kilchling: Zeitfunktionäre und Zeitjongleure -


R enate P a bst
Eine zeitbezogene Typisierung und ihre Implikationen für die
P a bst P u b u s h e r s
Arbeitswelt
Eichengrund 28, D-49525 Lengerich
Telefon 05484-97234, Telefax 05484-550 81 H.-P. Erb, M. Büscher: Jetzt, gleich oder später? Zum Einfluss des
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109 J. Hoffmann: Erfahrungsbericht: der Faktor Zeit in der „vertrau­
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113 „ Kreativität trägt die Gene der Langsamkeit"


Herstellung: Claudia Döring Interview mit Daniel Goeudevert
Druck: KM Druck, D-64823 Groß Umstadt

Wirtschaftspsychologie kann über GBl


(www.gbi.de/_de/wpsy.ein) im Volltext Addendum
recherchiert werden.
115 E. H. Witte, N. van Quaquebeke, Ch. Mölders: Mehrwertsteuer­
ISSN 1615-7729 ---- erhöhung: Eine wirtschaftspsychologische Analyse ihrer Wirkung

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