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Studienarbeit

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In h altsv erzeich n is

E in le itu n g ....................................................................................................................................S. 2

1.) Z e it als so z ia le K a te g o rie .............................................................................................. S. 3

1.1) Die U hr als Indikator für soziale Prozesse.................................................................. S. 4

2 .) D ie G ru n d stru k tu ren d e s D a se in s............................................................................... S. 5

2.1) D er Tod als eigentliche Seins M öglichkeit.................................................................... S. 6

2.2) Vom Dasein zur Z eit..........................................................................................................S. 6

3.) D ie Z u k u n ft als G ru n d p h ä n o m e n d e r Z e it...............................................................S. 8

4.) K ritik ......................................................................................................................................S. 12

5 .) D er S in n d e s S ein s im D a se in ...................................................................................... S. 13

S c h lu ssb e m e rk u n g ...................................................................................................................S. 14

L ite ra tu rv e rz e ic h n is................................................................................................................ S. 15
W ir s e ih s t s in d Z e it - E in e e s s a y is tisc h e A u s e in a n d e r s e tz u n g m it

H e id e g g e rs T e x te n „ D e r B e g riff d e r Z e it“ 1

E inleitung

D er Titel der vorliegenden H ausarbeit ist im Grunde falsch gew ählt bzw. nicht

ganz richtig, denn Heidegger trifft die Aussage 'W ir selbst sind Zeit' in seinem

Vortrag ..Der B egriff der Zeit" nicht. Vielmehr lässt er die Aussage umgekehrt
(das heißt als Frage) stehen. Der Text des Vortrages endet mit einer abgew andelten

W iederholung der Einstiegsfrage „Was ist die Zeit?“ , die da lautet „Wer ist die

Zeit?" bzw. „bin ich meine Zeit?“ /'‘sm d w ir selbst die Zeit?“*
In dieser Arbeit soll der A rgum entationsstruktur H eideggers gefolgt werden,

zunächst in dem subjektiven Bemühen, m ir selbst durch das Schreiben das

verstehende Lesen seines Textes zu erleichtern. Die A rbeit ist ein Versuch.
1leideggers Term inologie besser zu durchschauen und seine Argumentation

verstehen zu lernen und eben dadurch auch die Them atik, um die es Heidegger

geht, zu erschließen. Sie ist quasi ein Versuch, die Rede vom 'Dasein' und seiner

'Zeitlichkeit' in alltägliche, verständlichere Sprache zu übersetzen. Zum Vorgehen


in dieser Arbeit ist zu sagen, dass es mir am einfachsten erschien, einige prägnante

Zitate aus dem Text herauszugreifen und die 1lausarbeit quasi um diese herum zu

bauen.
Schon der Beginn des Textes zum Vortrag „D er B egriff der Zeit“ lässt erahnen.

dass Heidegger nicht a u f eine direkte Antwort seiner Einstiegsfrage ..Was ist

Zeit?“ abzielt, sondern hier eine Art Vorarbeit leisten will, die den Leser zw ar mit
einer offenen Frage zurücklässt, aber auch m it einem veränderten oder erweiterten

Verständnis seiner bisherigen A nsichten über das Wesen der Zeit, wie sie

beispielsw eise aus der alltäglichen W ahrnehmung resultieren:


..D ie nachfolgenden Ü berlegungen gehören vicllcicht in eine Vonvissenschafl, deren
G eschäft folgendes in sieh begreift: N achforschungen darüber anzustellen. w as mit
dein, w as Philosophie und W issenschaft, w as auslegcnde R ede des Daseins von ihm
selbst und d er Welt sagt, am linde gem eint sein könnte.“ ’

In einem zw eiten Schritt, gegen Ende der A rbeit, soll den Fragen A ufm erksam keit

geschenkt werden, die aus der A useinandersetzung mit I leideggers Texten und

1 Die Mehrzahl Texte' bezieht J»ch darauf, ifass hier Bezug genommen wird auf den lorrru^ ..Der Neun tVder Zeit** wie auch auf
die .Ifiham/iung mit demselben Titel, (beides Band 64 der Gesamtausgabe 2004}
2 vgl. Heidegger, Der Begri ff der Zeit i Vortrag). S. 125
3 ebd. S. 108
seiner Term inologie entstehen. Hierbei soll die zentrale Frage sein, welchen Sinn

das Dasein für den Einzelnen überhaupt hat. wenn man es vom Tode her

ausgehend betrachtet.

1.) Z eit a ls so ziale K ateg o rie

Zunächst greift Heidegger einen Satz aus der Physik des A ristoteles auf, der

besagt, die Zeit an sich sei nichts. Zeit ist hier nur in Verbindung m it Ereignissen

wahrnehmbar. O der vielm ehr richtiger, die Ereignisse selbst konstituieren etwas,
das wir im allgem einen Zeit nennen: „D ie Zeit ist das. w orin sich Ereignisse

abspielen“4, heißt es. Ereignislosigkeit wäre dem nach zeitlicher Stillstand. Damit

ist aber die Frage, w as Zeit nun eigentlich ist, natürlich noch lange nicht geklärt.
M an w ird lediglich gezwungen, sie noch genauer zu stellen: Als was begegnet uns

die Zeit? In der Zeit sind Ereignisse und som it auch Veränderungen. Also noch

anders: Als was begegnet uns die Zeit in der Veränderung? Die W ahrnehmung von
Zeit ist ein Problem : Zeit an sich lässt sich näm lich gar nicht w ahrnehm en, da Zeit

kein greitbarer (legenstand ist. Dieser Punkt wird ausführlich von Thom as

HEINRICHS in seinem Buch „Zeit der Uneigentlichkeit“ erläutert. Heinrichs

erklärt Raum und Zeit zu menschlichen, nicht ontologischen K ategorien.4


Zeit lasse sich nicht von m enschlichen Lebensprozessen abstrahieren, denn sie sei

eine soziale und keine objektive Realität: „'Raum ’ und 'Zeit' haben keinen

eigenen, vom M enschen unabhängigen Bestand.*4*1


Heinrichs führt hier den B eg riff der Hinsicht ein, um zu verdeutlichen, dass

Vergangenheit. G egenw art und Zukunft keine Bestandteile der Zeit seien, sondern

vielm ehr die W ahrnehmung desselben Vorgangs aus verschiedenen Perspektiven.


Vergangenheit, Zukunft. G egenw art sind also verschiedene H insichten a u f ein und

denselben Prozess, nämlich den Prozess des W erdens. W ir haben nun den Prozess

des Werdens als naturalen Prozess und die Zeit als äquivalente soziale und

menschliche Kategorie, um diesen W erdensprozess gliedern und beschreiben zu


können.

4 ebd. S. I(W
5 vgl. 1le im ic h s 1999. E xkure I: Z citb cg n lfc
6 ebd. S .5 0
1.1) Die Uhr als Indikator tur soziale Pro/esse

Zeit lässt sich also nur an der Veränderung von Dingen oder ihrem Werden

ablesen. U m allerdings im sozialen U m gang m iteinander erfolgreich sein zu


können, braucht m an einen genaueren Indikator als das bloße W ahm ehmen

größerer Veränderungen. Heidegger setzt sich mit der Uhr als einem solchen

'Indikator' auseinander: das Messen der Zeit stellt bei ihm ein eigenes Problem

dar. Doch warum ist der G ebrauch der U hr ein Problem ? Die Uhr misst keine
Zeitspanne (und schon gar keine unendliche), sondern dient der Fixierung eines

beliebigen Jetztpunktes. Das heißt, w enn ich um drei Uhr nachm ittags verabredet

bin und es ist jetzt gerade zw ölf Uhr am M ittag, dann 'habe ich noch drei Stunden
Zeit bis...' (w ie man im Alltagssprachgebrauch sagt). Die U hr selbst legt diese

Spanne aber nicht fest, da die a u f ihr angezeigte Zeitspanne (12 Stunden) sich
periodisch wiederholt. M an liest von der Uhr lediglich den m om entanen
Zeitpunkt, den Jetztpunkt, ab und rechnet bis zum nächsten Zeitpunkt, der für das

Subjekt eine Bedeutung h at.' M an kann es auch so ausdrfleken: Wenn ein Passant

m ich nach der U hrzeit fragt, hat der angegebene Jetztpunkt mit Sicherheit eine

andere Bedeutung für ihn als für mich.


Das heißt, ein Zeitpunkt oder auch eine Zeitspanne ist im mer gekoppelt mit einer

sozialen Bedeutung. Doch Heidegger verw eist auch a u f eine Uhr, die das

m enschliche Dasein bereits vor allen m echanischen 12-Stunden-Uhren hatte: den


Wechsel von Tag und Nacht. D er Tag-Nacht-Rhythm us ist keine Zeitform , die der

Jew eiligkeit des Daseins zugehörig ist. sondern eine 'weltliche', durchschnittliche

Zeitform . Das bedeutet, er ist sozusagen eine U hr vor 'der' U hr (also vor der
m echanischen), mit deren Hilfe eine G em einschaft bestim m ten Punkten innerhalb

von Tag und N acht bestimmte Bedeutungen und Tätigkeiten zuordnet, um das

gem einsam e Leben zu strukturieren. Zum Beispiel füttert man 'kurz vor

Sonnenaufgang' das Vieh, w enn 'die Sonne am höchsten steht', hält man
M ittagsschlaf u s w .:
„Im Miteinanderscin a u f dem Gehöft z.B. als dem Besorgen des Anwesens und dem
Zu=Hause=seins in ihm sagt das Besorgen beim Aufgehen der Sonne: .Jetzt muß das
Vieh hinausgetrieben werden.” (...) Das Jetzt ist ein geeignetes. (...) Man hält sich an
dieses im Aufgehen der Sonne begegnende Jetzt. (...) Der Tag selbst ist sonach von dem
her. w as das Inscin zu besorgen hat. nach bestimmtem geeigneten Jetzt ausgelegt, ebenso
die Nacht als das rechte Jetzt der Ruhe. (...) Die dem gewärtigenden Besorgen so
verfügbaren, geeigneten .Jetzt" machen die ..Zeit'* aus. der Rechnung getragen wird.“ *
4

7 vgl. 1leid e g g e r ..D er B e g riff der 7 .eil” (\fo rliag I


8 H eidegger .IX ^ B e g riff d e r Z eit" (A b handlung). S.67F.
2.) D ie G m n d stru k tu rc n d e s D aseins

Wie komm t H eidegger aber nun zu seiner Behauptung, m it der Frage „Sind wir

selbst unsere Zeit?“ käme m an dem Wesen der Zeit am nächsten? Zunächst wird

verw iesen a u f die Grundstrukturen des Daseins, w ie sie auch in Heideggers


A bhandlung „D er B egriff der Zeit" und (noch ausführlicher) in 'Sein und Zeit'

ausgearbeitet werden. Da sind zunächst das Dasein als In-der-W elt-sein und das

Dasein als M it-einander-sein, um eine grobe U nterscheidung vorzunehm en. Das

M it-einander-sein hat noch sozusagen 'neben sich’ die Bedeutungen des Für-
einander-seins und des Vorhandenseins für A ndere. M it dem Ausdruck 'neben

sich' versuche ich das zu bezeichnen, was H eidegger in seiner A bhandlung betont,

nämlich, dass das M it-einander-sein und das Für-einander-sein die selben W urzeln
haben.'* Die Art der Aufzählung ohne w eitere Erläuterung könnte leicht den

Eindruck verm itteln, das 'Für-einander-sein' und das 'Vorhandensein für Andere'

seien U nterform en des M it-cinander-seins. A ber eben dies ist nicht gemeint.
G ehen w ir sie der Reihe nach durch, die H eidegger uns vorgibt“’:

1) In-der-W elt-sein: ein anderer Term inus hierfür ist das 'Besorgen*. Es meint

das Zurechtkom m en in der Welt, die Auseinandersetzung m it der Welt. Im

Vordergrund steht die Sorge um etw as, um sich selbst, das Sich-Sorgen-
m achen und aus dieser Sorge heraus etw as tun. also auch schreibbar als Be­

sorgen. vielleicht sogar als Um-Sorgen.

2) M it-einander-sein: m it A nderen dieselbe Welt teilen, einander in der Welt

begegnen. Grundlage des M it-einander-seins ist die Kommunikation, das

Dasein spricht in seiner Welt über seinen Umgang m it der Welt. Dies heißt:

das Dasein spricht über sein In-der-W elt-sein. In A lltagssprache würde ich
dies folgendermaßen übersetzen: Ich spreche über m ein Dasein in der Welt,

das heißt ich spreche darüber, w er und was ich bin. m it w em ich in

Verbindung stehe, was m eines Erachtens die Gründe sind, w eshalb ich hier bin
usw. Ich äußere m ich also über m ein Leben, w enn m an es kurz und simpel

ausdrücken möchte.

9 vgl. ..D er B e g riff d e r Z e i f <A bhandlung l. K ap II: D ie ursp rü n g lich en S einscharaktere des Dasein».
10 vgl. ebd (M eine A ufzahlung ir t n atürlich e in e stark kom prim ierte, a u f da* liir diese A rbeit W icbtigrte b eschränkte Torrn von
H eideggers A usführungen über die Seinxchaniktcrc.)