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Seite 2 / Süddeutsche Zeitung Nr. 21 HF2 Donnerstag, 27.

Januar 2011
THEMA DES TAGES
Ägypten, das bevölkerungsreichste arabische Aufstand in Ägypten gen eine ebenso autoritäre wie korrupte Regie- Aktuelles Lexikon
Land, wird vom Westen hoch geschätzt – als Ur- rung. Zehntausende gehen auf die Straße, um
laubsparadies ebenso wie als Bastion gegen den Wanken geraten. Die „Jasmin-Revolution“ in Tune- mehr Freiheit und Gerechtigkeit zu fordern. Das Sputnik
Islamismus. Seit 30 Jahren regiert Präsident Hos- sien hat die arabische Welt in Aufruhr versetzt, Regime antwortet wie erwartet: mit Gewalt und „Hören Sie jetzt zu“, sagte ein Sprecher
des amerikanischen Radiosenders NBC
ni Mubarak, doch nun könnte seine Herrschaft ins auch in Ägypten formiert sich der Widerstand ge- Verboten. Aus Kairo berichtet Tomas Avenarius. in der Nacht zum 4. Oktober 1957. „Die-
ses Geräusch trennt von nun an das Alte
vom Neuen.“ Dann kam das Gezirpe –

Gestern Tunis, heute Kairo


drei Zehntel einer Sekunde lang, unter-
brochen durch Pausen derselben Län-
ge –, das den Beginn des Raumfahrt-Zeit-
alters einläutete. Der erste künstliche
Erdsatellit, eine silbern polierte Alumini-
Nur zwei Wochen nach dem Umsturz in Tunesien eskalieren in Ägypten die Kämpfe gegen Mubaraks korrupte Regierung umkugel in der Größe eines Wasserballs,
entwickelt in einem sowjetischen Ge-
m Morgen danach schleppt sich Es herrscht Aufruhr in der arabischen heimlabor, konnte zwar nicht viel mehr

A der Verkehr wie immer schwerfäl-


lig und laut durch Kairo. Auf dem
zentralen Tahrir-Platz huschen die Fuß-
Welt. Bei der „Jasmin-Revolution“ in Tu-
nesien hat Zine el-Abedine Ben Ali als
einer der hartleibigsten Diktatoren der
als zirpen. Aber der Sputnik – Russisch
für (Erd)Begleiter – löste in den USA ei-
nen nationalen Schock aus. Moskau war
gänger zwischen den Autoschlangen hin- Region die Macht verloren. Jetzt bewegt Washington in einem strategischen Wett-
über auf die andere Straßenseite, hupen sich auch Ägypten. In dem Touristenpara- rennen zuvorgekommen, hörbar für alle
sich Taxis an mögliche Fahrgäste heran, dies mit seinen Stränden und pharaoni- Welt. Der Sputnik verglühte zwar nach
gehen Menschen zur Arbeit, bummeln schen Altertümern lebt die Hälfte der 92 Tagen, aber der Schock prägte eine
Touristen. Nur das Großaufgebot an Be- Menschen an der Armutsgrenze. Die Ar- ganze Generation. Präsident Eisenhower
reitschaftspolizisten in ihren schwarzen beitslosigkeit liegt offiziell bei zehn Pro- diente das „deep beep-beep“ nicht nur
Kampfanzügen, mit Helm, Schild und zent, die Inflation bei 12,8. In Wahrheit als Anlass für die Gründung der Nasa,
Schlagstock, erinnert an den Vortag. In fehlen viel mehr Jobs, steigen die Preise sondern auch für milliardenschwere In-
den Seitenstraßen stehen Wasserwerfer für Brot und Gemüse immer weiter – als vestitionen in das Bildungswesen. Diese
und vergitterte Mannschaftswagen. In Folge von Mubaraks Wirtschaftsliberali- Milliarden ermöglichten den weltweiten
anderen Stadtteilen sammeln sich der- sierung. Nur die Reichen und ein kleiner Führungsanspruch Amerikas über das
weil wieder die ersten Demonstranten. Teil der Mittelschicht profitieren. Die an- Ende des Kalten Kriegs hinaus. Nun er-
Mittwoch, Kairo am Tag danach. Mit deren bleiben ausgesperrt. Die superrei- lebten die USA abermals einen „Sputnik-
den größten Demonstrationen seit drei che Oberschicht baut sich derweil luxuri- Moment“, sagte Barack Obama am Diens-
Jahrzehnten haben die Ägypter ihrem öse „Gated Communities“ am Stadtrand, tag in seiner Rede zur Lage der Nation.
seit 1981 regierenden Präsidenten Hosni shoppt in teuren Malls, schickt ihre Kin- Der Präsident will das Bildungs- und For-
Mubarak klargemacht, dass sie mehr der zum Studieren in die USA. schungssystem mit frischem Geld auf
von ihm erwarten als leere Reformver- Die Bürger des bevölkerungsreichsten Vordermann bringen und so eine „Welle
sprechen, Arbeitslosigkeit, Korruption, arabischen Landes gelten als lethargisch, von Innovationen“ herbeiführen, die Ar-
Folter und Wahlfälschungen. Die Slo- wenn es um Widerstand gegen das Re- beitsplätze schafft. tns
gans der rund 15 000 Protestierer am Vor- gime des autoritär regierenden Mubarak
tag auf dem Tahrir-Platz: „Mubarak, geht. Jede Opposition, ob von demokrati-
tritt endlich ab. Gestern Tunis, heute schen Kräften oder von Islamisten, wird
Kairo!“
Was am Dienstagmittag in Kairo und
vom Innenminister und den Geheimdiens-
ten unterdrückt. Es wird systematisch ge- Milliarden für
anderen ägyptischen Städten als friedli- foltert. Wahlen werden gefälscht. Bei der
cher Protest begonnen hatte, endete mit
Polizeigewalt. In den frühen Morgen-
jüngsten Parlamentswahl will die regie-
rende Nationaldemokratische Partei
den Autokraten
stunden des Mittwochs knüppelten Be- NDP rund 80 Prozent der Stimmen ge- Wie der Westen Mubarak stützt
reitschaftspolizisten die noch immer wonnen haben. Die Muslimbrüder, die im
Tausenden Demonstranten im Stadtzen- letzten Parlament ein Fünftel der Sitze aum gingen die Menschen auf die
trum Kairos auseinander. „Gegen Mitter-
nacht gingen Gerüchte um, dass der In-
hatten, zogen sich mit den meisten ande-
ren Oppositionsparteien im zweiten
K Straße, da meldete sich US-Außen-
ministerin Hillary Clinton: „Ägypten ist
nenminister befohlen habe, scharf zu Wahlgang zurück. Kein Ägypter erwar- stabil.“ Die Staatsführung solle den De-
schießen“, sagt einer der Teilnehmer. tet, dass es bei der nächsten Präsident- monstranten Gelegenheit geben, ihre
„Um fünf nach halb eins schossen die Po- schaftswahl sauberer zugehen wird. Ent- Wünsche friedlich zu äußern. In Kairo ist
lizisten große Mengen Tränengas. Sie weder es tritt der 82-jährige Mubarak er- man sich der Stabilität des eigenen Sys-
setzten Wasserwerfer ein und gingen auf neut an. Oder er bereitet seinem 46 Jahre tems weniger sicher: „Es wird nieman-
uns los.“ Der Mann hält seine blutver- alten Sohn Gamal, einem wichtigen dem erlaubt, Aufruhr zu schüren, Protest-
schmierten, zerrissenen Hosen hoch: Mann in der NDP, den Weg zur Macht. versammlungen abzuhalten oder De-
„Dann hat mich irgend etwas am Bein ge- Doch jetzt gibt es Aufruhr. Nicht, dass monstrationen zu organisieren“, erklärte
troffen, wegen des Tränengases konnte der Mubarak-Staat deswegen gleich zu- das Innenministerium am Mittwoch.
ich nicht atmen. Um ein Haar hätten sie sammenbrechen würde: Ägyptens Ver- Seit fast 30 Jahren herrscht Mubarak
mich festgenommen.“ Zum Arzt gehen hältnisse lassen sich nur in Maßen mit de- in Ägypten. An die Macht gekommen
will der 56-Jährige nicht: „Alle, die sich nen in Tunesien vergleichen. Polizei und war der Luftwaffenoffizier im Jahr 1981:
behandeln lassen, werden verhaftet.“ Geheimdienst sind stark. Die Armee Islamisten hatten damals seinen Vorgän-
Angeregt durch die „Jasmin-Revoluti- steht offenbar hinter dem früheren Luft- ger Anwar el-Sadat aus Protest gegen
on“ in Tunesien waren die Ägypter auf waffenoffizier Mubarak. Sie hat schon in den Camp-David-Friedensvertrag mit Is-
die Straße gezogen. Landesweit sollen es den siebziger Jahren Brot-Unruhen un- rael erschossen. Seitdem regiert der frü-
90 000 gewesen sein. In Kairo zogen sie terdrückt. Aber dass die Ägypter auf die here Vize-Präsident Mubarak per Aus-
aus verschiedenen Stadtteilen ins Zen- Straße gehen, muss das Regime beunruhi- nahmerecht: Jede innere Opposition
trum: Dort liegt das wichtigste Verwal- gen. Innenminister Habib el-Adly hat an- wird unterdrückt, Folter in Polizeihaft
tungsgebäude des Landes. Innenministe- gekündigt, dass er weitere Proteste nicht ist Alltag. Besonders hart geht das Re-
rium und Parlament sind nah. Die Poli- dulden werde. Auch vor den Demonstrati- gime gegen die Islamisten der Muslimbru-
zei setzte anfangs auf Deeskalation. Poli- onen am Dienstag hatte Mubaraks Mann derschaft vor, die bei Teilen der Bevölke-
zeioffiziere sagten gezwungen lächelnd: fürs Grobe mit der Zerschlagung der „ille- rung populär sind. Aber auch alle demo-
„Ägypten ist ein freies Land. Die Bürger galen Proteste“ gedroht. kratischen Kräfte Ägyptens werden un-
können ihre Meinung sagen.“ Mit Mei- Vor kurzem ging in Kairo ein Witz um: terdrückt. Stützen der Macht sind Ar-
nungs- und Demonstrationsfreiheit war Der Oppositionelle Mohammed ElBar- mee, Polizei und Geheimdienst. Dazu
es jedoch vorbei, als die Demonstranten adei habe zum Wechsel in Ägypten aufge- kommt eine Gruppe junger Unterneh-
Richtung Parlament zogen. Es kam zu rufen – leider hätten nur die Tunesier re- mer, die in Führungspositionen von Mu-
Straßenschlachten, bei denen nach Anga- agiert, nicht die Ägypter. Nun haben die baraks Nationaldemokratischer Partei
ben des Innenministeriums ein Polizist Ägypter offenbar doch etwas zu sagen. NDP aufgestiegen sind: Sie profitieren
starb. Auch in anderen Städten flammte Auch an diesem Mittwoch kommt es wie- von der Wirtschaftsliberalisierung.
der Protest auf. Drei Demonstranten Es begann friedlich und endete mit Gewalt: Bei Straßenschlachten starben drei Demonstranten und ein Polizist. Pro- der zu Demonstrationen, und die Polizei Ägyptens Ansehen als Führungsmacht
starben durch Polizeigewalt. testierende junge Frauen am Dienstag im Zentrum der Hauptstadt Kairo. Foto: AFP antwortet erneut mit roher Gewalt. in der arabisch-islamischen Welt und
Nordafrikas ist unter dem inzwischen
82-jährigen Mubarak gesunken. Den-

Revolte in Anzug und Krawatte


noch gilt er als unverzichtbarer Partner
des Westens: Das Regime steht trotz der
Armut großer Teile der Bevölkerung und
allgegenwärtiger Korruption für Stabili-
Das Regime versucht, die Angst vor Islamisten zu schüren – doch hinter dem Aufstand steckt die Mittelschicht, vernetzt durch Facebook und Twitter tät in einer unruhigen Region und für den
Kampf gegen den Islam der Fundamenta-
abib el-Adly, Ägyptens Innenminis- ten, die sich im Internet über „Facebook“ waltsam beendeten Demonstrationen mehr oder minder säkulare Mittelklasse aufrufen für Mittwoch spielte Facebook listen. Das 80-Millionen-Einwohner-
H ter, benannte schnell seine üblichen
Verdächtigen: Organisatoren der Demons-
und „Twitter“ verständigten. Die Organi-
satoren der Proteste hatten auf der welt-
vom Dienstag trugen nicht die Hand-
schrift der Muslimbrüder oder der ande-
auf die Straße gegangen. Es waren keine
bärtigen Fundamentalisten, sondern Stu-
eine zentrale Rolle, denn der Mobiltelefon-
Nachrichtendienst Twitter war von der Re-
Land bekommt 1,3 Milliarden Dollar US-
Militärhilfe im Jahr. Dazu kommt eine
trationen in Kairo und anderen ägypti- weit populären sozialen Plattform eine ren offiziellen Oppositionsparteien: Muba- denten, Beamte, Selbständige. Einer in An- gierung unterbrochen worden. Auf der Fa- Wirtschaftshilfe in Höhe von 700 Millio-
schen Städten seien die Islamisten von der Gruppe organisiert, die seit Monaten ge- raks Innenminister versuchte nur, an die zug und Krawatte, der stark blutete von cebook-Seite der El-Baradei-Allianz ge- nen Dollar sowie Vorzugspreise für Wei-
verbotenen Muslimbruderschaft, dazu gen den Tod des Bloggers Khaled Said pro- reflexhaften Ängste des Westens vor den den Schlägen mit den Polizeiknüppeln, gen Mubarak schrieb ein El Razan Marsal: zen. Die Europäische Union hofiert das
das außerparlamentarische Oppositions- testiert. Der regimekritische Blogger war islamischen Fundamentalisten zu appel- sagte dem Fernsehsender al-Dschasira: „30 Jahre Armut, Folter, Korruption. Wir Touristenparadies im Rahmen des „Bar-
bündnisse „Kefeya – es reicht“ sowie die im Sommer in Alexandria von Polizisten lieren. „Ich bin also ein Staatsfeind? Ich will nur protestieren, bis sie nachgeben. Wir for- celona-Prozesses“ und der Mittelmeeruni-
vom Friedensnobelpreisträger el-Baradei auf offener Straße zu Tode geprügelt wor- Die Muslim-Brüder gehörten bisher meine Rechte. Dieses Regime ist seit 30 dern, dass Mubarak geht, sein Premier on. Und die Israelis vertrauen Mubarak
locker zusammengefügte Anti-Mubarak- den. Mit den Demonstrationen am natio- nicht zu den erkennbaren Organisatoren Jahren an der Macht. Mir reicht’s.“ samt Regierung entlassen wird, das ge- im Kampf gegen die Hamas-Islamisten
Allianz „Bündnis für den Wechsel“. Doch nalen „Feiertag der Polizei“ sollte gegen der Proteste: Hart verfolgt und stets in Sor- Die Protestierer wissen, dass sie nur die- fälschte Parlament aufgelöst wird.“ Ein im Gaza-Streifen, der an Ägypten grenzt.
die größten Demonstrationen seit 30 Jah- seinen Tod protestiert werden und gegen ge vor der Konfrontation mit dem Regime, se Gelegenheit haben und die Proteste fort- anderer Facebook-Blogger äußerte sich
ren, mit denen am Dienstag allein in Kairo das Mubarak-Regime. hatten sie sich vor dem offiziellen Demons- setzen müssen. „Wir haben nur diese eine praktischer: „Bringt Farbdosen mit. SUEDDEUTSCHE ZEITUNG (USPS No. 0541550) is published
daily except Sunday and holidays by Sueddeutsche Zeitung GmbH.
rund 15 000 Menschen das Regime von Auch wenn die Oppositionellen Ägyp- trationsaufruf gedrückt. Sie hatten ihren Chance“, sagten Demonstranten: „Wenn Wenn sie Wasserwerfer einsetzen, müsst Subscription price for USA is $ 590 per annum. K.O.P.: German
Language Pub., 153 S Dean St, Englewood, NJ 07631. Periodicals
Präsident Hosni Mubarak überrascht hat- tens untereinander eng verdrahtet sind: Mitgliedern lediglich freigestellt, sich zu wir sie jetzt nicht nutzen und weiterma- ihr die Fenster mit Farbe übergießen. Und postage is paid at Englewood, NJ 07631 and additional mailing
offices. Postmaster: Send address changes to: SUEDDEUTSCHE
ten, waren vor allem das Werk von Aktivis- Die friedlichen, später von der Polizei ge- beteiligen. In Kairo war vor allem die chen, ist es vorbei.“ Auch bei den Protest- schlitzt ihnen die Reifen auf.“ ZEITUNG, GLP, POBox 9868, Englewood, NJ 07631.

rei örtlich und zeitlich getrenn- Außenansicht Soldaten beruhen, die nicht den Mut hat- ten zeigt, kann sicher sein, dass sie mit gen, Unterrichtung des Parlaments und

D te Vorfälle in den letzten drei


Monaten – zwei tödliche Unfäl-
le und eine Verletzung des Brief-
geheimnisses – haben zu einer heftigen
Diskussion über den Verteidigungsminis-
Ausbildung darf hart, aber
ten, Missstände ihren Vorgesetzten zu
melden. Doch die Berichte stehen im
Raum, sie erzeugen Handlungsdruck,
und der ist oft die Mutter aller Fehler.
ihm durch dick und dünn gehen, selbst
dann, wenn der Klabautermann schon
von der Rah grinst. Ausbilder, die ihre
Soldaten als Mitmenschen achten, wer-
den auch sexuelle Übergriffe nie dulden,
Veränderung der Informationswege? Hat
man vergessen, dass es die Regierung
Schröder war, die das Ministerium durch
zusätzliche Stäbe noch unüberschauba-
rer statt führbarer machte? Der Minister
ter, seine Informationspolitik, über die
Ausbildung in der Bundeswehr, insbeson-
dere auf dem Segelschulschiff Gorch
niemals erniedrigend sein Unterstellt, alles sei wahr, dann war
auf der Gorch Fock eben nicht alles
Gold, was glänzt. Eine Karnevalsparty
nicht einmal sexistischen Ton. Diese Vor-
würfe sind nicht erwiesen, doch Prüfung
und eventuell Ahndung sind geboten.
ist dabei, seine Ankündigung wahrzuma-
chen und die Informationswege des Mi-
nisteriums neu zu ordnen, also abwarten.
Fock, und über die Zukunft dieses Schif- vier Tage nach dem Tod einer Kameradin Man wird nun die Bundeswehr nach „Ri-
fes geführt. Der Skandal um die „Gorch Fock“: Gute Führung ist unentschuldbar. Der Kommandant Man sagt, wo Rauch ist, da ist auch tualen“ überprüfen. Vielleicht nicht ver-
bedeutet stets, den Soldaten als Menschen zu achten hätte sie verbieten müssen. Stimmt das, Feuer. Ob Rauch ausreicht, den Komman- kehrt, obwohl es, richtige Dienstaufsicht
Es ist eine Diskussion zwischen denen, was über den Ton der Ausbilder gesagt danten des Kommandos zu entheben, vorausgesetzt, ausreichend Kontrolle
die Verantwortung tragen, und denen, wird, dann besteht Handlungsbedarf. kann nur beurteilen, wer mehr als Medi- gibt und dem Wehrbeauftragten Rituale
Von Klaus Naumann
die Verantwortung überwiegend darin se- Ausbilden heißt anleiten, helfen, fordern enberichte kennt. Ich kenne den Minister kaum entgehen dürften.
hen, durch Forderung nach zusätzlicher und fördern. Wenn ein Soldat am Rande lang genug, um zu wissen, dass Gerechtig-
Information einen populären Minister in ten ist hart durchzugreifen, um Wieder- Lächerliche und zeigt, dass es der Opposi- der Erschöpfung ist, sorgt man dafür, keit für ihn ein hohes Gut ist. So bleibt Man wird, wieder einmal, die Gorch
Aktionismus zu treiben. Zusammen mit holungen auszuschließen. Zusätzlich tion nur darum geht, den Minister zu be- dass er wieder zu Kräften kommt, statt der Vorwurf, der Minister habe sein Mi- Fock auf den Prüfstand stellen. Man
fast nur an Quoten und Auflagen interes- sind die Ermittlungen der Staatsanwalt- schädigen. Als Wähler fragt man sich, zu brüllen, und geht dann erst mit ihm in nisterium nicht im Griff, ein tolles Eigen- wird prüfen, was man in der Ausbildung
sierten, in der Qualität aber bedenklich schaften abzuwarten, bevor man Konse- für wie dumm man eigentlich gehalten die Wanten. tor der Opposition. Was soll er denn wie in der Sicherheit verbessern muss
abnehmenden Medien will man ihn von quenzen ziehen kann. So wurde bei dem wird, und als Soldat, für wen man denn mehr tun, als Einschalten der Staatsan- und Missstände beseitigen. Worauf man
seinem richtigen Weg – Aufklären, Ab- tragischen Unfall in Afghanistan gehan- da dient. Führung heißt, nie etwas zu verlangen, waltschaft, Anordnen von Untersuchun- aber nicht verzichten sollte, ist, künftige
stellen, Konsequenzen – abbringen. Gip- delt, doch auch hier muss man einigen was man nicht selbst zu tun bereit ist, Seeoffiziere, so unmittelbar, wie man
fel dieses folgenlosen Vorspielens von Abgeordneten raten, die Kirche im Dorf Anders liegt der Unfall auf der Gorch und Ausbildung heißt, künftige Offiziere das wohl nur auf einem Segler kann, mit
Verantwortung war die Forderung nach zu lassen. Ergibt sich denn Handlungsbe- Fock. Es ist schwer nachzuvollziehen, an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit der Gewalt der See zu konfrontieren. Da
einem Untersuchungsausschuss, erho- darf für das Parlament, wenn das Minis- warum mehr als zwei Monate nach dem zu führen. Nur wenn sie die kennen, wis- Klaus Naumann, lernen sie, dass man in schwerer See den
ben von einer Partei, für die Sicherheits- terium sagt, ein Soldat sei vermutlich tragischen Tod einer jungen Frau die Um- sen sie, was sie von ihren Soldaten verlan- geboren 1939, Nächsten, das Team braucht, und da be-
politik nur notorische Verantwortungs- durch einen Kameraden versehentlich er- stände des Todes und der Vorfälle da- gen können, nur dann werden sie im Ein- war von 1991 bis greifen sie, was es heißt, Verantwortung
verweigerung ist. Hoffentlich nimmt schossen worden, aber Vermutung zu er- nach der militärischen Führung nicht im satz, wenn es um Leben und Tod geht, 1996 Generalin- für Leben zu übernehmen. Ich hoffe, die
man in Berlin nun eine Auszeit und fin- wähnen vergisst, dies sei durch spieleri- Detail bekannt sind und dem Minister den klaren Kopf behalten, den sie brau- spekteur der Gorch Fock bleibt uns erhalten, als be-
det zur Sachlichkeit. Das schuldet man schen Umgang mit der Waffe geschehen? nicht längst lückenlos vorgetragen wur- chen, um Wege aus der Gefahr zu finden. Bundeswehr und währter Ort, an dem aus einer Gruppe
den jungen Soldaten, die ihr Leben verlo- Die Ermittlungen sind abzuwarten, poli- den. So spät eine Untersuchungskommis- Harte Ausbildung ist für eine Armee im anschließend bis junger Frauen und Männer eine Crew Ma-
ren, deren Angehörigen, aber auch der tischer Handlungsbedarf besteht nicht, sion in Marsch zu setzen, wirft kein gutes Einsatz unverzichtbar, sie ist Fürsorge, zur Pensionie- rineoffiziere wird, die ein ganzes Berufs-
Truppe, die überwiegend in Ordnung ist. da Herumspielen mit Waffen und Muniti- Licht auf die Marine. Hätte man sofort ja ein Stück Lebensversicherung. Harte rung 1999 Vorsit- leben lang zusammenhalten, die fürein-
on in der Bundeswehr verboten ist. Da- untersucht, dann könnte man heute zu Ausbildung heißt aber nicht rüder Ton zender des Nato- ander einstehen und die, wie 52 Jahre
Die Vorfälle müssen lückenlos aufge- raus mangelnde Unterrichtung des Parla- Berichten der Boulevardpresse Stellung und Erniedrigung. Der Vorgesetzte, der Militärausschus- Gorch Fock gezeigt haben, doch fast alle
klärt werden. Bei schuldhaftem Verhal- ments herauslesen zu wollen, grenzt ans nehmen, die wohl auf Einlassungen von hart fordert, aber Herz für seine Solda- ses. Foto: ddp unserem Land treu gedient haben.