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Hethitische und biblische Gesetzescorpora

Sylvia Hutter-Braunsar

1. Forschungsgeschichte der Hethitischen Gesetze


Seit der Auffindung des Kodex Hammurabi zu Beginn des 20. Jahrhunderts
wird das Verhältnis der biblischen Gesetze zu den altorientalischen Geset-
zescorpora diskutiert.1 Kurz nach dem Ersten Weltkrieg entdeckte Bedřich
Hrozný in den Archiven des Museums in Ankara die aus den Ausgrabungen
in Hattusa stammenden hethitischen Gesetzestafeln und edierte sie im Jahre
1922.2 Da die in den Texten von Hattusa genannten „Leute von Hatti“ mit
den Hethitern aus dem Alten Testament identifiziert wurden, fand auch
schnell die auffällige Ähnlichkeit mancher Bestimmungen der hethitischen
Gesetze mit solchen aus den alttestamentlichen Rechtsbüchern Beachtung,
wie beispielsweise die Arbeiten von Louis Aubert3 und Eugène Cavaignac4
zeigen.
Die hethitischen Gesetze5 bestehen aus zwei Tafeln, die inhaltlich auf-
einander folgen. Sie beinhalten ca. 200 weitgehend gut erhaltene Paragra-
phen, die auf den Tafeln – wie auf Keilschriftdokumenten üblich – durch
waagerechte Striche („Paragraphenstriche“) voneinander getrennt sind. Dabei
handelt es sich um eine Sammlung von Rechtsentscheidungen (kasuistisches
Recht) für den Gebrauch durch Richter.6 Es sind zahlreiche Abschriften von
der althethitischen (1650-1450 v.Chr.) bis in die junghethitische Zeit (1350-
1190 v.Chr.) erhalten. 7 Bereits in der ältesten erhaltenen Version finden sich
Hinweise auf ältere Gesetze, wenn erwähnt wird, dass das Strafausmaß
gegenüber früher geändert wurde. Auch in den verschiedenen Abschriften

1
Vgl. dazu beispielsweise Barmash, Feud, 183-184, und Rothenbusch, Rechts-
sammlung, 1.
2
Hrozný, Code.
3
Aubert, Code.
4
Cavaignac, Lois.
5
Vgl. hierzu Hoffner, Institutions, 555-560, und Korošec, Gesetze.
6
Hoffner, Laws (1997), 14; Bryce, Life, 34-35; Friedrich, Gesetze, 1; Haase, Ana-
tolia, 619-620.
7
Theo van den Hout hat allerdings auf der 54e RAI (Würzburg, Juli 2008) dafür
plädiert, dass die Datierung der hethitischen Dokumente neu zu überdenken sei,
da aus textimmanenten und historischen Gründen die Hethiter frühestens unter
Telipinu, dem letzten Herrscher des Alten Reiches, die Schrift in größerem
Umfang zu verwenden begannen. Vgl. dazu jetzt auch van den Hout, Elements, 2-3.
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lassen sich diachrone Entwicklungen feststellen. Maßgeblich ist die


Bearbeitung durch Harry A. Hoffner, die die langgediente Standardausgabe
von Johannes Friedrich abgelöst hat.8 Eine deutsche Übersetzung bietet
Einar von Schuler; da aber durch die diachrone Aufbereitung der zahl-
reichen Manuskripte durch H.A. Hoffner wesentliche philologische Fort-
schritte erzielt wurden, ist diese Übersetzung für die hier zu behandelnden
Paragraphen – vor allem die §§ 35 und 164-1659 – nicht mehr heranzuzie-
hen. Englische Übersetzungen von H.A. Hoffner finden sich in den von
Martha Roth bzw. William W. Hallo herausgegebenen Anthologien. 10 Eine
neuere Darstellung aus rechtshistorischer Sicht stammt von Richard Haase
im von Raymond Westbrook herausgegebenen Handbuch „A History of the
Ancient Near Eastern Law“; 11 aufgrund der vom Herausgeber vorgegebenen
Systematik zur Darstellung der rechtlichen Verhältnisse in den einzelnen
Epochen und Regionen des Alten Vorderasien konnte R. Haase dabei nur in
Ausnahmefällen auf Verbindungen zum Alten Testament hinweisen.12 Ralf
Rothenbusch behandelt in seiner Untersuchung über die „kasuistische Rechts-
sammlung im Bundesbuch ... im Licht altorientalischer Parallelen“ auch die
hethitischen Gesetze in einem eigenen Kapitel.13 Er sieht zwar enge
Parallelen zwischen einzelnen Passagen des Kodex Hammurabi und den
entsprechenden – vor allem eherechtlichen – Bestimmungen der hethiti-
schen Gesetze, betont aber passim, dass die hethitischen Gesetzestexte eine
Sonderstellung gegenüber den altorientalischen Rechtssammlungen und
jenen des Alten Israel einnehmen, unter anderem deshalb, weil sie
vermutlich „tatsächlich Regelungen mit normativer Geltung“ waren.14

8
Hoffner, Laws (1997); Friedrich, Gesetze.
9
von Schuler, Rechtsbücher, 103 bzw. 118.
10
Hoffner, Laws (1995), 213-247; Hoffner, Laws (2000), 106-119, nennt in den
Anmerkungen auch die vergleichbaren Texte aus dem Alten Testament.
11
Haase, Anatolia.
12
Vgl. zu diesem Manko auch Hertel, Rezension, 534-535. Die reichhaltige Biblio-
graphie (Haase, Anatolia, 653-656) verweist aber auch auf jene diesbezüglichen
Arbeiten, die aus Platzgründen nur in geringer Anzahl berücksichtigt werden
konnten.
13
Rothenbusch, Rechtssammlung, 215-220; dem Autor ist zwar die Textausgabe
Hoffners bekannt (Rothenbusch, Rechtssammlung, 215 Anm. 606), er stützt sich
aber nur auf ältere Literatur und übernimmt die Übersetzungen von Schulers,
Rechtsbücher.
14
Rothenbusch, Rechtssammlung, 218.
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2. Vergleichbare Bestimmungen zwischen den Hethitischen Gesetzen


und den Rechtsbüchern im Alten Testament
Zu den alttestamentlichen Rechtsbüchern zählen das Bundesbuch (Ex 20,22-
23,19 [33]), das Heiligkeitsgesetz (Lev 17-26) und das Deuteronomium
(Dtn 4,44-30,20).15 Vor allem Dtn 5-28 lässt sich vom übrigen Text abgren-
zen und zeigt nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell Gemeinsamkei-
ten mit altorientalischen Gesetzescorpora.16 Die wichtigsten einschlägigen
Paragraphen der Hethitischen Gesetze werden im Folgenden in Übersetzung
vorgestellt, wobei die Übersetzung auf der Edition des hethitischen Textes
durch H.A. Hoffner beruht. Die unterschiedlichen Themen zeigen dabei die
Möglichkeiten und Grenzen der Vergleichbarkeit mit den in den biblischen
Textcorpora vorliegenden Gesetzesbestimmungen.

2.1. Mord außerhalb einer Siedlung


§ IV „Wenn ein Mann auf einem fremden Feld stirbt, wenn es ein freier
Mann ist, gibt er (der Eigentümer) das Feld, das Haus und eine Mine und
zwanzig Schekel Silber. Wenn es aber eine Frau ist, gibt er drei Minen
Silber. Wenn es aber kein Feld ist, sondern unbebautes Land, welche
Ortschaft man im Umkreis von drei Doppelmeilen feststellt, nimmt er (der
Erbe) eben diese (nämlich die Einwohner derselben); wenn es keine Ort-
schaft gibt, verliert er den Anspruch.“17

15
Kaiser, Einleitung, 65. Zenger, Tora, 78, setzt die Abschnitte folgendermaßen
an: Ex 21-23 (Bundesbuch) bzw. (Zenger, Tora, 173) Ex 20,22-23,33; Lev 17-26
(Heiligkeitsgesetz) und Dtn 5-28. Frymer-Kenski, Anatolia, 976, zählt folgende
Abschnitte zu den biblischen Gesetzestexten: Ex 20,22 bis 23,19 (Bundesbuch),
Lev bis Num 11 und Dtn 11 bis 26.
16
Braulik, Buch, 127-129; allerdings vergleicht der Autor nur den Kodex Hammu-
rabi explizit mit dem Deuteronomium; das „Kernstück“ (Dtn 5-28) sei im
Aufbau mit dem Aufbau hethitischer Vasallenverträge vergleichbar (Braulik,
Buch, 128; vgl. allerdings 135-136, wo eine direkte literarische Abhängigkeit
von den neuassyrischen Thronnachfolgevereidigungen Asarhaddons aufgezeigt
wird).
17
Die mit römischen Ziffern bezeichneten Paragraphen stammen von der spät-
junghethitischen Tafel KBo 6.4. – Der Paragraph IV ist eine Neuerung in der
späten Niederschrift. Der betreffende Abschnitt der älteren Exemplare (§ 6)
behandelt nur den Fall, dass der Leichnam in einer Stadt auf einem Grundstück
gefunden wird und die Erben des Getöteten Ersatz vom Besitzer dieses Grund-
stücks erhalten sollen. Nach Hoffner, Laws (1997), 174, soll die Androhung
dieser harten Strafe verhindern, dass die Bewohner der Ortschaft den tatsäch-
lichen Täter decken. Vergleichbar sind auch die Paragraphen 22-24 des Kodex
Hammurabi (Wells, Judges, 101).
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Damit vergleichbar ist Dtn 21,1-9. Allerdings ist hier keine Entfernung für
die zur Haftung heranzuziehende Ortschaft festgelegt. Außerdem sieht die
Bestimmung im Deuteronomium vor, dass die Ältesten der am nächsten
gelegenen Stadt schwören können, dass die Tat von keinem Einwohner
begangen wurde.18 Es scheint, dass im Falle, dass der Täter unbekannt ist,
die Ansprüche der Hinterbliebenen offen bleiben. In den hethitischen Gesetzen
hingegen stehen die Ersatzansprüche der Erben im Vordergrund, weswegen
die Allgemeinheit haftete, wenn kein Täter überführt werden konnte.19

2.2. Verletzung von Auge oder Zahn


§7 „Wenn jemand einen freien Mann blendet oder ihm seinen Zahn aus-
schlägt (wörtlich: schief schlägt), pflegte man früher eine Mine Silber zu
geben, jetzt aber gibt er 20 Schekel Silber; und er späht dafür in (sein)
Haus.“20
§ 8 „Wenn jemand einen Sklaven oder eine Sklavin blendet oder ihm bzw.
ihr einen Zahn ausschlägt, gibt er 10 Schekel Silber; und er späht dafür in
(sein) Haus.“
Die Aufzählung der verletzten Körperteile (Auge, Zahn) findet sich in der-
selben Reihenfolge im Talionsgesetz in Ex 21,24-25.21 Der biblische Gesamt-
kontext beinhaltet Verletzungen infolge eines Streites und beginnt schon in
Ex 21,23, wo die Aufzählung vor „Auge um Auge“ mit „Leben für Leben“
beginnt. Es geht hier nicht darum, dass die beiden Gesetze verglichen
werden können, sondern nur die Reihenfolge der Aufzählung von Auge und
Zahn ist in beiden Gesetzesabfolgen gleich.

18
Haase, Deuteronomium, 75-77; siehe auch Hoffner, Laws (1997), 175, und
Hoffner, Contributions, 39-40. Nach Hoffner, Contributions, 39, hat dies keine
Parallele in den keilschriftlichen Rechtssammlungen (siehe aber die folgende
Anmerkung). Zum – ursprünglich magisch selbstwirksamen – Ritus im Deutero-
nomium zur Beseitigung der Blutschuld und der Verletzung des Rechts, die in
der fehlenden Sühne des Mordes besteht, siehe Braulik, Deuteronomium, 152-154.
19
Das Thema wird auch im Kodex Hammurabi §§ 23-24 (Borger, Rechtsbücher,
47) behandelt, dort müssen die Bürger der Stadt, in deren Land die Tat begangen
wurde, den Schaden ersetzen.
20
Zur Formel p rn šše šuw ezzi siehe Hoffner, Laws (1997), 17 Anm. 1, und
168-169 mit weiterer Literatur. Der Sinn der Phrase besteht offensichtlich darin,
dass der Geschädigte sich Zutritt ins Haus des Schuldigen verschaffen darf,
damit er die festgelegte Wiedergutmachung erhält und der Täter nicht behaupten
kann, er könne die Strafe nicht zahlen. Ein neuer Aufsatz zu parnassea suwaizzi
(sic!) (Giger-van den Heuvel, Nochmals) basiert hauptsächlich auf Tischler,
Handwörterbuch, und Friedrich, Gesetze, und bringt nichts Neues.
21
Vgl. Hoffner, Laws (1997), 175.
Hethitische und biblische Gesetzescorpora 93

2.3. Pflege und Ersatz des Arbeitsausfalls bei


vorübergehender Verletzung infolge eines Streites
§ 10 „Wenn jemand einen Menschen verletzt und ihn krank macht, dann
pflegt er ihn gesund; an seiner Stelle aber gibt er (der Schuldige) einen
Menschen, und der arbeitet in seinem (des Verletzten) Haus, bis er (der
Verletzte) genesen ist. Sobald er aber genesen ist, gibt er ihm sechs
Schekel Silber; den Lohn für den Arzt gibt aber jener ebenfalls.“
§ IX „Wenn jemand eines freien Mannes Kopf verletzt, pflegt er ihn
gesund; an seiner Stelle gibt er einen Menschen, und der arbeitet in seinem
Haus, bis er genesen ist. Sobald er aber genesen ist, gibt er ihm zehn
Schekel Silber, und als Lohn für den Arzt gibt er drei Schekel Silber;
wenn es aber ein Unfreier ist, gibt er zwei Schekel Silber.“
In Ex 21,18-19 geht es um die Verletzung eines Mannes während eines
Streites, wobei der Täter straffrei bleibt, aber für die Heilung und für den
Ersatz der Arbeitsunfähigkeit aufkommen muss. Gemeinsamkeiten sind die
zeitlich begrenzte Arbeitsunfähigkeit des Geschädigten und die Zahlung der
Heilungskosten und des Arbeitsausfalles durch den Schädiger.22 Die Unter-
schiede liegen im Detail: Im hethitischen Gesetz fehlt die Einschränkung,
dass die Verletzung infolge eines eskalierenden Streites entstanden ist;
ebenfalls nach hethitischem Recht muss der Verursacher für den Arbeits-
ausfall nicht nur finanzielle Wiedergutmachung leisten, sondern auch eine
Arbeitskraft stellen, während die biblische Bestimmung nur kurz festlegt,
dass für den Arbeitsausfall Entschädigung zu leisten ist. Ebenso ist in der
Exodus-Stelle nur die Rede davon, dass der Verursacher für die Heilungs-
kosten aufkommen muss, aber es ist nicht explizit von einem Arzt die Rede
wie im hethitischen Gesetz.

2.4. Änderung des sozialen Status durch Eheschließung


§ 35 (A) „Wenn ein Hirte eine freie Frau zur Ehe nimmt, wird sie für drei
Jahre unfrei.“
(B) „Wenn ein Verwalter oder ein Hirte eine freie Frau entführt (und) für
sie keinen Brautpreis zahlt, wird sie für drei Jahre unfrei.“
Wenn man die Zeitangabe als Dauer für den Verbleib im Stand der Unfrei-
heit auffasst, kann man die Bestimmungen dieses Paragraphen mit jenen für
die hebräischen Schuldsklaven in Ex 21,2 vergleichen, die spätestens im
siebenten Jahr freigelassen werden sollen. 23
22
Hoffner, Contributions 38-39.
23
Scharbert, Exodus, 88-89. Die akkadographisch geschriebene Zeitangabe I-NA
MU.3.KAM wurde auch mit „in drei Jahren“ übersetzt (so auch wieder Haase,
Anatolia, 634), was weniger wahrscheinlich ist, vgl. den philologischen Kom-
mentar bei Hoffner, Laws (1997), 186.
94 Sylvia Hutter-Braunsar – BN NF 156 (2013)

2.5. Umgang mit Gefundenem


§ 45 „Wenn jemand Geräte findet, soll er sie ihrem Besitzer zurückgeben.
Er wird jenen (den Finder) belohnen. Wenn er sie aber nicht (zurück)gibt,
wird er zum Dieb.“
§ XXXV „Wenn jemand Geräte oder ein Rind, ein Schaf, ein Pferd (oder)
einen Esel findet, dann soll er sie / es / ihn zu ihrem / seinem Besitzer
zurückführen, und er (der Besitzer) führt sie / es / ihn weg. Wenn er aber
ihren / seinen Besitzer nicht findet, soll er sich (den Sachverhalt)
bezeugen lassen. Wenn hinterher aber ihr / sein Besitzer sie / es / ihn
findet, soll er, was ihm verloren gegangen ist, dem Gesetz entsprechend /
vollständig / unversehrt wegbringen. Wenn er (der Finder) es sich aber
nicht bezeugen lässt, hinterher aber ihr / sein Besitzer sie/es/ihn findet,
wird er zum Dieb; er soll dreifachen Schadenersatz leisten.“
§ 71 „Wenn jemand ein Rind, ein Pferd, einen Maulesel oder einen Esel
findet, soll er es / ihn zum Königstor treiben; wenn er es / ihn aber auf
dem Land findet, soll man es/ihn den „Ältesten“ vorführen; dann soll er es
/ ihn anschirren. Und wenn sein Besitzer (es) findet, nimmt er es / ihn dem
Gesetz entsprechend / vollständig / unversehrt an sich; er nimmt ihn (den
Finder) nicht als einen Dieb gefangen. Wenn er es / ihn nicht den Ältesten
vorführt, wird er zum Dieb.“
Ähnliche Bestimmungen finden sich in Dtn 22,1-3 und Ex 23,4.24 Hier
findet sich nur die Bestimmung, entlaufene Tiere unverzüglich ihrem Besit-
zer zurückzubringen (Dtn 22,1; Ex 23,4) beziehungsweise, falls der Besitzer
nicht in der Nähe oder unbekannt ist, bei sich zwischenzeitlich aufzuneh-
men. Maßnahmen zur Absicherung gegen den Vorwurf des Diebstahls sind
hier nicht festgelegt; vom Kontext der beiden alttestamentlichen Stellen
steht wohlwollende Haltung dem Nächsten – und dessen Besitz – gegenüber
im Vordergrund.

2.6. In Brand setzen eines fremden Feldes


§ 106 „Wenn jemand Feuer25 auf sein Feld trägt und ein fruchttragendes
Feld anzündet, nimmt jener, der das Feld angezündet hat, das verbrannte
Feld. Das gute Feld aber gibt er dem Besitzer des Feldes, und (dies)er ern-
tet es ab.“26

24
Vgl. dazu Haase, Deuteronomium, 76-77. Nach Scharbert, Exodus, 94, ist Ex
23,4-5 ein Einschub.
25
Hoffner, Laws (1997), 103, übersetzt „embers (lit. fire)“.
26
Nach Hoffner, Laws (1997), 102-103, vgl. ebd. auch zu den geringfügigen Vari-
anten in den einzelnen Manuskripten.
Hethitische und biblische Gesetzescorpora 95

Dieser Paragraph lässt sich mit Ex 22, 4-5 vergleichen.27 Allerdings sind die
alttestamentlichen Bestimmungen komplexer und beziehen sich auch auf
einen Weinberg und auf einem Haufen liegendes, bereits geerntetes Getreide.

2.7. Störung des Hauskultes


§§ 164-165 „Wenn jemand geht, um zu beschlagnahmen, Streit anfängt
und entweder Opferbrot oder ein Gefäß Libationswein öffnet, gibt er 1
Schaf, 10 Brote (und) 1 Krug KA.DÙ-Bier. Und sein Haus reinigt er (der
Schuldner) wieder (kultisch). Bis ein Jahr zu Ende ist, soll er (der
Gläubiger) es unberührt lassen.“
Dieses Gesetz wurde von R. Haase irrtümlich mit Dtn 24,6.10-13 vergli-
chen;28 er ging davon aus, dass das Vergehen darin bestand, dass der
Schuldner des lebensnotwendigen Essens und Trinkens beraubt wird, weil
das Gesetz als Regelung der Pfandleihe gedeutet wurde. Aber die verwen-
deten Begriffe (NINDAḫ rši- und GEŠTINišp ntuzzi-) sind eindeutig kultische
Bezeichnungen. Es geht um ein Vergehen gegen den häuslichen Kult. 29

2.8. Säen auf ein bereits bestelltes Feld


§ 166 „Wenn jemand Saat über Saat sät, legt man seinen Nacken auf einen
Pflug; man schirrt zwei Ochsengespanne an. Man wendet das Gesicht des
einen hierhin und das des anderen dorthin. Der Mann wird getötet; auch
die Ochsen werden getötet. Und wer das Feld als erster besät hat, der
nimmt das Feld für sich. So verfuhr man früher.“
§ 167 „Jetzt aber ersetzt man den Mann durch ein Schaf, durch zwei Schafe
ersetzt man die Rinder. 30 Brote (und) 3 Krüge KA.DÙ-Bier gibt er; und
er reinigt wieder kultisch (scil. das Feld?).“
In der älteren Version (§ 166) wird der Schuldige getötet, weil er mögli-
cherweise ein altes Tabu gebrochen hat. Die Ochsen werden entweder des-
halb getötet, weil sie an der Exekution eines Menschen beteiligt waren, oder
weil sie bei der Tat als Pflugrinder mitgewirkt haben. In der jüngeren Ver-
sion (§ 167) wird der sakrale Kontext des Gesetzes dadurch deutlich, dass

27
So mit Hoffner, Laws (1997), 200. Wright, Logic, 122-123, stellt fest, dass dieser
Sachverhalt nicht im Kodex Hammurabi berücksichtigt ist; da es aber extrem
unwahrscheinlich sei, dass der Autor des Bundesbuches die hethitischen Gesetze
kannte, sei mit uns nicht mehr erhaltenen Gesetzestexten in dieser Zeit zu
rechnen, die dem Autor bekannt waren.
28
Haase, „Irrläufer“, 98; Haase, Deuteronomium, 73.
29
Siehe dazu Hoffner, Laws (1997), 214. In seiner Rezension zu Hoffners Textbear-
beitung insistiert Haase, Rezension, 288, darauf, das Verbum appatariya-
weiterhin mit „pfänden“ zu übersetzen (wie schon Haase, „Irrläufer“, 98), ohne
auf die übrigen Argumente Hoffners zur Deutung dieser Paragraphen einzugehen.
96 Sylvia Hutter-Braunsar – BN NF 156 (2013)

Opfertiere als Ersatz für den Schuldigen und die die Strafe ausführenden
Pflugtiere genommen werden und dass eine sakrale Reinigung – wahr-
scheinlich des Feldes – vorgeschrieben ist. Dieses hethitische Gesetz hat
Parallelen in Dtn 22,9 und Lev 19,19.30 Dtn 22,9 legt fest, dass die gesamte
Ernte dem Tempel verfällt, wenn jemand in einem Weinberg andere Pflanzen
anbaut.31 Knapp gehalten ist das Verbot von Mischungen in Lev 19,19.32
Keinerlei Strafen sind in den alttestamentlichen Rechtsvorschriften erwähnt,
auch von einer sakralen Reinigung ist nirgends die Rede. Eine zweite Person,
die möglicherweise ohne das Wissen des Besitzers des Feldes bzw. des
Weinberges eine zweite Saat ausbringt, wird nicht erwähnt. 33

2.9. Sodomie
§ 187 „Wenn ein Mann mit einer Kuh sündigt, ist es hurkel;34 er stirbt.
Man bringt ihn zum Tor des Königs. Ob der König (bestimmt), dass man
ihn tötet, oder ob der König (bestimmt), dass man ihn leben lässt: zum
König aber tritt er nicht.“
§ 188 „Wenn ein Mann mit einem Schaf sündigt, ist es ein hurkel; er
stirbt. Man bringt ihn zum Tor des Königs. Ob der König (bestimmt), dass
man ihn tötet, oder ob der König (bestimmt), dass man ihn leben lässt:
zum König aber tritt er nicht.“
§ 199 „Wenn jemand mit einem Schwein oder einem Hund sündigt, stirbt
er. Er bringt ihn zum Tor des Königs. Ob der König (bestimmt), dass man

30
Hoffner, Laws (1997), 215.
31
Die Verse Dtn 22,10-11 befassen sich ebenfalls mit verbotenen Mischungen:
Ochse und Esel beim Pflügen zusammen zu spannen und Mischgewebe aus
Flachs und Wolle für die Kleidung zu verwenden.
32
Nach Kornfeld, Levitikus, 76, wird ein Feld durch zweierlei Saatgut geheiligt;
Mischgewebe ist dem Zeltvorhang und der Bekleidung der Priester vorbehalten
und daher Laien nicht erlaubt. Anders dagegen sieht Braulik, Deuteronomium,
162-163, darin ein sakralrechtliches Tabu; die Sprache sei zweideutig mit
sexuellen Anspielungen durch die Verwendung von Wörtern wie „Weinberg“
und „pflügen“.
33
Hoffner, Laws (1997), 215, sieht eine Parallele zum hethitischen Gesetz im
mittelassyrischen Gesetz B § 4 ii 27-38 (Roth, Collections, 176-177), wo es aber
offensichtlich um einen Erbschaftsstreit zwischen zwei Brüdern geht und keine
sakrale Konnotation erkennbar ist.
34
Hoffner, Laws (1997), passim, übersetzt diesen Begriff mit „unpermitted sexual
pairing“; Kloekhorst, Dictionary, 364, mit „perversity“, da das Wort nur im
Zusammenhang mit Sodomie und Inzest gebraucht wird. Vgl. auch Haase,
Anatolia, 648: „Greuel“ („abomination“). Zu einer möglichen Etymologie –
gegen die diesbezüglich negative Einstellung Hoffners – vgl. Rieken, Untersu-
chungen, 477-478, und Kloekhorst, Dictionary, 364.
Hethitische und biblische Gesetzescorpora 97

sie (den Menschen und das Tier) tötet, oder ob der König (bestimmt), dass
man sie leben lässt: zum König aber tritt er nicht. Wenn ein Rind einen
Mann anspringt, stirbt das Rind, und der Mann stirbt nicht. Ein Schaf
anstelle des Mannes zieht man heran, und das tötet man. Wenn ein Schwein
einen Mann anspringt, ist es kein Anstoß (haratar).“
§ 200a „Wenn ein Mann mit einem Pferd oder Maulesel sündigt, ist es
kein Anstoß (haratar). Zum König aber tritt er nicht und Priester wird er
nicht.“
Der Begriff hurkel35 in diesen Gesetzen kann mit der Auffassung von uner-
laubten sexuellen Paarungen verglichen werden, wie sie in Ex 22,18; Lev
18,23 und 20,15-16 und Dtn 27,21 vorliegt.36 Allerdings ist Sodomie im
Alten Testament generell verboten, die hethitischen Gesetze hingegen unter-
scheiden zwischen verschiedenen Tieren: laut § 200a macht sexueller Ver-
kehr mit Pferd oder Maultier nur unrein, sodass sich der Betreffende nicht
mehr dem König nähern und nicht Priester werden darf, hat aber keine
Bestrafung zur Folge.37 Hier reduziert sich die Vergleichsmöglichkeit der
beiden Überlieferungen allein auf die Tatsache, dass Sodomie in die Gesetz-
gebung aufgenommen wurde.

2.10. Inzest
§ 189 „Wenn ein Mann mit seiner Mutter sündigt, ist es hurkel; wenn ein
Mann mit der (= seiner) Tochter sündigt, ist es hurkel; wenn ein Mann mit
dem (= seinem) Sohn sündigt, ist es hurkel“.
§ 190 „Wenn er mit einem Verstorbenen Geschlechtsverkehr hat, sei es
Mann oder Frau, ist es kein Anstoß (haratar). Wenn ein Mann mit seiner
Stiefmutter sündigt, ist es kein Anstoß (haratar); wenn aber (eig.: und
wenn) sein Vater noch am Leben ist, ist es hurkel.“
§ 191 „Wenn ein freier Mann mit freien Schwestern und (auch) mit ihrer
Mutter Geschlechtsverkehr hat, (wenn) die eine in einem Land und die

35
Die Übersetzung mit „Kapitalverbrechen“ ist nicht zutreffend, da auch nicht als
hurkel bezeichnete Vergehen die Todesstrafe nach sich ziehen, andererseits zieht
hurkel nicht immer die Todesstrafe nach sich (Hoffner, Laws (1997), 224).
36
Hoffner, Laws (1997), 224, zitiert hier versehentlich auch Dtn 22,9-11, wo es um
Mischungen von Feldfrüchten, Pflugtieren und Flachs und Wolle für ein Klei-
dungsstück geht, vgl. oben zu den §§ 166 und 167. Kornfeld, Levitikus, 72, sieht
den Grund für dieses Gesetz in kanaanäischer und ägyptischer kultischer Koha-
bitation (ohne Beleg). Demgegenüber meint Scharbert, Exodus, 94, dass „wider-
natürliche Unzucht mit Tieren ... bei allen Naturvölkern und in den alten Kulturen
als ein todeswürdiges Verbrechen“ gilt, wobei er übersieht, dass die hethitischen
Gesetze nicht jede Art von Sodomie unter Strafe stellen.
37
Siehe dazu ausführlich Hoffner, Laws (1997), 224-225, mit weiterer Literatur.
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andere in einem (anderen) Land (ist), ist es kein Anstoß (haratar); wenn
sie aber am selben Ort (sind) und er es weiß, ist es hurkel.“
§ 194 „Wenn ein Mann mit Sklavinnen, Schwestern von derselben Mutter,
und mit ihrer Mutter Verkehr hat, ist es kein Anstoß. Wenn Brüder mit
einer Freien schlafen, ist es kein Anstoß. Wenn mit einer Sklavin oder
einer Prostituierten ein Vater und sein Sohn Verkehr haben, ist es kein
Anstoß.“
§ 195 „Wenn ein freier Mann mit der Frau seines Bruders schläft, und sein
Bruder ist am Leben, ist es hurkel. Wenn ein Mann eine freie Frau (zur
Ehe) hat und sich an ihrer Tochter vergreift, ist es hurkel.“
§ 196 „Wenn jemandes Sklave und Sklavin hurkel begehen und man
(beschließt) sie wegzubringen, siedelt man den einen in der einen Stadt
und den anderen in der anderen Stadt an. Statt des einen 1 Schaf und statt
des anderen ziehen sie 1 Schaf heran.“
Unter Inzest verstanden die Hethiter nach R. Haase „Geschlechtsverkehr a)
zwischen Verwandten 1. Grades in auf- und absteigender Linie; b) zwischen
Verschwägerten 1. Grades in gerader Linie sowie solchen 1. und 2. Grades
in der Seitenlinie, sofern jeweils die die Schwägerschaft vermittelnde Ehe
noch besteht; c) eines Mannes mit Frauen, die untereinander verwandt sind,
bei Kenntnis der Verwandtschaft.“ Geschwisterehe wird in den hethitischen
Gesetzen nicht erwähnt.38 Auch das Thema dieser Paragraphen – Inzest –
findet sich in den alttestamentlichen Rechtsbüchern wieder, und zwar in
Lev 18,6-18 und 20,11-17; Dtn 23,1 und 27,20.22-23. Lev 18,6 verbietet
einleitend Geschlechtsverkehr generell mit allen Blutsverwandten, auch
wenn nicht alle Verwandtschaftsgrade dann explizit einzeln angeführt
werden. Wieder kann man die Gesetze in beiden Kulturen nur insofern ver-
gleichen, als sie sich mit Inzest befassen, denn der Kreis der dazu gezählten
Personen ist unterschiedlich.39

2.11. Levirat
§ 192 „Wenn ein Mann der Frau (weg)stirbt, nimmt sein Teilhaber sie zur
Frau. Wenn die Frau eines Mannes stirbt, nimmt er ihre Schwester zur
Frau. Es ist kein Anstoß (haratar).“
§ 193 „Wenn ein Mann eine Frau hat und der Mann stirbt, nimmt sein
Bruder (Subj.) dessen Frau (Obj.) (zur Ehe). (Wenn sein Bruder stirbt,)
dann nimmt sein Vater sie. Wenn dann sein Vater stirbt, nimmt sein Neffe
(Subj.) die Frau (Obj.), die er hatte.“

38
Haase, Inzest, 76 mit Anm. 13.
39
Vgl. zu den Levitikus-Abschnitten Kornfeld, Levitikus, 70.
Hethitische und biblische Gesetzescorpora 99

Die Leviratsehe wird in Dtn 25,5-10 behandelt.40 Georg Braulik erklärt die
Schwagerehe als Schutz vor dem Verlust des Erbes. Voraussetzung ist im
Deuteronomium, dass die beiden Brüder zusammen wohnten, das väterliche
Erbe also noch nicht geteilt hatten, und noch kein Sohn vorhanden ist. 41
Diese Einschränkung findet sich im hethitischen Gesetz nicht.

2.12. Vergewaltigung und Ehebruch


§ 197 „Wenn ein Mann eine Frau im Gebirge „ergreift“, ist es ein Ver-
gehen (wastul) und er stirbt. Wenn er (sie) aber im Haus „ergreift“, ist es
ein Vergehen (wastai-) der Frau und sie stirbt. Wenn der (Ehe-)Mann sie
(die beiden) findet und sie tötet, erregt es keinen Anstoß (haratar).“
Diesem Gesetz ähnliche Bestimmungen finden sich in Dtn 22,23-27.42 Die
Formulierung ist hier ausführlicher und kann zur Erklärung des hethitischen
Paragraphen dienen: Außerhalb des bewohnten Gebietes wird davon aus-
gegangen, dass der Frau niemand zu Hilfe gekommen ist; im bewohnten
Gebiet hätten Nachbarn es gehört, wenn sie sich gegen eine Vergewaltigung
gewehrt oder um Hilfe gerufen hätte, daher wird in diesem Fall von ihrem
Einverständnis ausgegangen und damit ein Ehebruch als erwiesen ange-
sehen. Das Deuteronomium nennt als Art der Hinrichtung die Steinigung,
und im Falle des Ehebruchs verfallen beide der Todesstrafe. Das nicht so
ausführlich formulierte hethitische Gesetz lässt offen, ob der Mann bei
Ehebruch straffrei ausgeht, wenn jemand anderer als der Ehemann der Frau
das Paar in flagranti entdeckt. In den hethitischen Gesetzen legt § 198 fest,
dass der Ehemann seine Frau im Falle des Ehebruchs nicht töten (lassen)
muss, sondern vor dem Königsgericht begnadigen kann, dann allerdings
wird auch der Ehebrecher nicht bestraft.

3. Ergebnisse
Wie aus den Anmerkungen des vorigen Abschnittes hervorgeht, sind es vor
allem zwei Forscher, die sich mit den hethitischen Gesetzen und teilweise

40
Vgl. Haase, Anatolia, 637 mit Anm. 62, mit weiterer Literatur. Vergleichbar ist
§ 30 der mittelassyrischen Gesetze (Wells, Judges, 101).
41
Braulik, Deuteronomium, 187.
42
Hoffner, Contributions, 40-41; Haase, Anatolia, 648. Hoffner verweist auch auf
ähnliche Bestimmungen in den mittelassyrischen Gesetzen, wobei die hethiti-
schen allerdings jenen des Dtn näher stehen als die mittelassyrischen. Wells,
Judges, 101, zählt als vergleichbare Gesetze Kodex Ešnunna § 26 und Kodex
Hammurabi § 130 auf. Rothenbusch, Rechtssätze, bes. 180-181, sieht hier
besonders die Ähnlichkeiten mit dem mittelassyrischen Gesetz §§ 12-14 und
erwähnt das entsprechende hethitische Gesetz (§§ 197-198) nur nebenbei.
100 Sylvia Hutter-Braunsar – BN NF 156 (2013)

im Zusammenhang damit auch mit deren Parallelen im Alten Testament


befasst haben: H.A. Hoffner als Philologe 43 und R. Haase als Rechtshis-
toriker.44 Von alttestamentlicher Seite sind die Publikationen von Eckart
Otto zu nennen,45 der auch der Herausgeber der 1995 begründeten „Zeit-
schrift für Altorientalische und Biblische Rechtsgeschichte“ (ZABR) ist.
Die Zeitschrift soll „das interdisziplinäre Gespräch von Rechtswissenschaft,
Geschichtswissenschaft, Theologie und Philologie befördern“. 46 Dass der
angestrebte Dialog notwendig und sinnvoll ist, ist unbestritten. Trotzdem ist
ohne neue Quellen, die inhaltliche und philologische Fortschritte zulassen,
sehr oft keine Klärung einzelner Probleme zu erreichen.47
Der Vergleich zeigt Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede in den ange-
führten einzelnen Bestimmungen. Zu Recht werden aber in der alttestament-
lichen Forschung die biblischen Rechtssätze nicht nur mit den hethitischen,
sondern in einem größeren Rahmen mit jenen des „Alten Orients“ oder –
was de facto damit gemeint ist – Mesopotamiens verglichen.48 Als Ursache
der Gemeinsamkeiten wird ein „common law“, eine „common legal cul-

43
Die hethitischen Gesetze waren bereits 1963 Thema seiner Dissertation (Hoffner,
Laws (1997), xi).
44
Vgl. seine zahlreichen Publikationen in der Literaturliste Haase, Anatolia, 654,
und bei Hoffner, Laws (1997), 341-342.
45
Siehe beispielsweise die Beiträge in Otto, Rechtsgeschichte.
46
Otto, Geleit, vi.
47
Vgl. beispielsweise die Diskussion um § 173a-b der hethitischen Gesetze: (a)
„Wenn jemand ein Urteil des Königs ablehnt, wird sein Haus zur Ruine werden.
Wenn jemand das Urteil eines ‚Würdenträgers‘ ablehnt, dessen Kopf schlägt
man ab. (b) Wenn ein Unfreier sich als von seinem Herrn frei erklärt, geht er
zum Topf.“ – Nach Haase, Überlegungen, 221-225, kann damit nicht die Todes-
strafe gemeint sein, weil das für den Geschädigten zu teuer käme. Hoffner, Laws
(1997), 220, verweist aber auf Dtn 21,18-21, wo sogar der Sohn gesteinigt wird,
wenn er seinen Eltern trotz mehrfacher Warnungen und Züchtigung nicht gehorsam
ist. In seiner Rezension zur Textbearbeitung Hoffners lehnt Haase, Rezension,
289, weiterhin die von Hoffner als eine Möglichkeit bezeichnete Deutung, dass
auch das „zum Topf gehen“ eine Todesstrafe sein könnte, ab mit dem Verweis
auf den Paragraphenstrich, der die zwei Bestimmungen trennt. – Vergleichbar
mit den beiden ersten Bestimmungen ist Dtn 17,12, wo die Todesstrafe dem
angedroht wird, der auf einen Priester oder Richter nicht hört.
48
Dass dabei die Hethiter oft ganz aus den Augen verloren werden, zeigt beispiels-
weise der ansonsten sehr interessante Aufsatz von Barmash, Feud, der die hethi-
tischen Gesetze überhaupt nicht erwähnt.
Hethitische und biblische Gesetzescorpora 101

ture“49 bzw. die keilschriftliche Schultradition, 50 von der es auch im vorexi-


lischen Israel Zeugnisse51 gibt, angeführt.
Wenn man also eine Beeinflussung der israelitischen Rechtsbücher
durch altorientalische annehmen muss, so stellt sich die Frage, auf welchem
Wege dies geschehen ist. Ganz egal, wie man die Entwicklung und Ver-
schriftlichung der alttestamentlichen Rechtsbücher ansetzt, ergibt sich von
der Entstehungszeit der dafür in Frage kommenden Texte (3./2. Jahrtausend
v.Chr.)52 bzw. der im bronzezeitlichen Palästina nachgewiesenen Kenntnis
babylonischer Schreibergelehrsamkeit53 und den angenommenen Ursprün-
gen der Vorläufer der ältesten israelitischen Rechtsbücher 54 ein Zeitraum
von mehreren hundert Jahren. Denn interessant ist, dass es im ersten Jahr-
tausend im direkten Umfeld der Israeliten scheinbar eine „Schaffenspause“
bezüglich der Abfassung von Gesetzestexten gegeben hat. In Assyrien (wie
in Babylonien) wurden zwar die älteren Texte abgeschrieben (besonders der

49
Westbrook, Introduction, passim, vgl. Hertel, Rezension, 535; Otto, Rezension,
297.
50
Für die Aneignung juristischer Kenntnisse im Rahmen der Schreiberausbildung
wurden auch die Gesetzestexte abgeschrieben: Westbrook, Introduction, 17-19;
vgl. Otto, Rezension, 298.
51
Eine Auflistung aller in Palästina gefundenen akkadischsprachigen Keilschrift-
texte mit Editionsangabe findet sich beispielsweise bei Rothenbusch, Rechts-
sammlung, 482 Anm. 4.
52
Jackson, Revolution, 93, stellt fest, dass zwar der Kodex Hammurabi anschei-
nend in Mesopotamien durch alle Epochen abgeschrieben wurde; allerdings ist
beispielsweise an der Bestimmung über den „stößigen Ochsen“ (Ex 21,28-
32.35-36) festzustellen, dass – obwohl sich eine entsprechende Bestimmung
auch im Kodex Hammurabi findet – die Ähnlichkeit zwischen Ex 21,35 und der-
jenigen im Gesetz von Ešnunna viel größer ist als zu jener im Kodex Hammu-
rabi, obwohl davon nur zwei Exemplare vom Beginn des zweiten Jahrtausends
bekannt sind (Borger, Rechtsbücher, 32).
53
Unter den Keilschrifttexten fanden sich auch ein Gilgamešfragment, lexikalische
Listen und eine Prozessurkunde; außerdem stammen aus Kanaan auch Briefe der
akkadischsprachigen Amarna-Korrespondenz, siehe Rothenbusch, Rechtssamm-
lung, 482-483.
54
Zenger, Werk, 174, rechnet mit einer Verschriftlichung der Gesetze ab dem 8.
Jahrhundert, da in dieser Zeit die epigraphischen und glyptischen Belege voll
einsetzen und aus mnemotechnischen Gründen für die Gesetze eine frühe Text-
werdung anzusetzen ist. Auch Frymer-Kenski, Anatolia, 981, nimmt für das
Bundesbuch vormonarchische Entstehungszeit an, da darin weder Könige noch
Propheten erwähnt werden. Demgegenüber meint Otto, dass es keinen Beweis
für eine so frühe Datierung gibt (Otto, Zusammenhang, 68 Anm. 5; Otto, Rezen-
sion, 301).
102 Sylvia Hutter-Braunsar – BN NF 156 (2013)

Kodex Hammurabi55 und die mittelassyrischen Gesetze), aber es gibt kein


einziges Fragment einer eigenständigen neuassyrischen Gesetzessammlung.
Es gibt zwar in neuassyrischer Zeit viele schriftliche Zeugnisse zur Rechts-
ausübung, aber auch darin findet sich kein Hinweis auf einen Kodex. 56 Aus
neubabylonischer Zeit gibt es nur ein Gesetzesfragment, das als Schultext
charakterisiert wird.57 Auch wenn E. Otto eine Vermittlung hethitischer Tra-
dition und Kultur über die so genannten späthethitischen Stadtstaaten für
möglich hält,58 muss man dazu einschränkend sagen, dass aus diesem Raum
zwar einige vertragsähnliche Urkunden und einige Begriffe aus der Rechts-
sprache in übertragenem Sinn überliefert sind, 59 aber keine Gesetzestexte.
R. Rothenbusch zeigt auf, dass es in Palästina sehr wohl eine ungebrochene
kulturelle Kontinuität von der Bronzezeit bis in die Eisenzeit gegeben hat,
rechnet aber nicht mit der Möglichkeit, dass sich auch das „Spezialisten-
wissen“ mesopotamischer Gelehrsamkeit, zu dem auch Rechtssammlungen
gehörten, so lange ohne Schriftverwendung gehalten hat. 60 Meines Erach-
tens kann man diese Frage nicht klären.61 Mitberücksichtigen muss man
sicherlich auch die Unterschiede in den Formulierungen der Gesetze, die
sich sowohl im Alten Testament als auch bei den Hethitern finden. Zeigen
nämlich die Themen der Bestimmungen Gemeinsamkeiten, die – mögen sie
nun übernommen sein oder einfach von Natur aus überall notwendig
gewesen sein – Diebstahl, Mord, Inzest etc. behandeln, kann man davon
ausgehen, dass sie in allen Gesellschaften aus der täglichen Erfahrung heraus
formuliert wurden. Andererseits zeigen die Unterschiede, dass die Themen
in jeder Epoche und jeder Umgebung an das bestehende Gesellschafts-
system angeglichen wurden.

55
So belegen neubabylonische Quellen, dass für Diebstahl von Tempelgut 30-
facher Ersatz zu leisten war, was im Kodex Hammurabi festgelegt ist (Oelsner /
Wells / Wunsch, Mesopotamia, 962-963).
56
Radner, Mesopotamia, 883.
57
Oelsner / Wells / Wunsch, Mesopotamia, 912.
58
Otto, Zusammenhang, 73 Anm. 110, mit Literatur.
59
Eine Liste solcher Texte findet sich bei Melchert, Verbs, 355; die Fluchformeln
der Inschriften drohen häufig mit Göttern als „Prozessgegner“ gegen jeden, der
der Inschrift oder dem Inschriftenträger Schaden zufügt. Eine Untersuchung zum
Recht dieser luwischen Epoche fehlt noch.
60
Rothenbusch, Rechtssammlung, 486-506.510. Als einzigen Ort einer solchen
Kontinuität, der für Israel maßgeblich war, sieht er die phönikischen (= nach
Meinung des Autors kanaanäischen) Städte an der Mittelmeerküste an (Rothen-
busch, Rechtssammlung, 512-513).
61
Vgl. dazu auch die negative Aussage bei Westbrook, Introduction, 23-24.
Hethitische und biblische Gesetzescorpora 103

Summary
Individual regulations of the Hittite laws bear strong resemblance to regulations
known from the Deuteronomy and the Covenant Law of the Old Testament: Mainly
regulations concerning murder in the open field, regulations about nursing a worker
who got injured during a quarrel and his legal position, finding of pets or tools,
negligence while burning off a cropped field, sowing a field a second time, incest,
bestiality, levirate, and distinction between adultery and violation. There are com-
parable regulations in the other laws of the Ancient Near East. Within each civili-
zation the individual regulations are adapted to the special circumstances, so they
need not be transferred but can have developed as a consequence of common
necessity; ways of transfer cannot be demonstrated.

Zusammenfassung
Einzelne Bestimmungen der hethitischen Gesetze zeigen starke Ähnlichkeiten zu
alttestamentlichen Bestimmungen aus dem Bundesbuch und dem Deuteronomium.
Das sind vor allem Bestimmungen über Mord auf freiem Feld, Bestimmungen über
das Gesundpflegen und die Rechtsstellung einer Arbeitskraft im Fall einer
Verletzung einer Person im Streit, Auffindung von Haustieren und Arbeitsgeräten,
Fahrlässigkeit beim Abbrennen eines abgeernteten Feldes, Ausbringung einer
zweiten Saat, Inzest und Sodomie, Leviratsehe und die Unterscheidung von
Ehebruch und Vergewaltigung. Vergleichbare Bestimmungen finden sich auch in
anderen altorientalischen Gesetzescorpora. Da die Bestimmungen in jeder Kultur an
die dortigen Gegebenheiten angepasst sind, müssen sie nicht unbedingt aus den
Nachbarkulturen in das Alte Testament übernommen worden sein, sondern können
überall der Notwendigkeit entsprungen sein; Wege der Übermittlung sind nicht
nachzuweisen.

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Dr. Sylvia Hutter-Braunsar


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