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IMC OnAir ...

Broadcasting show No. 52


– 16th November 2009 ( )
radio station: TideRadio 96.0 ( )

Raga CDs des Monats:


„Frauen in der
indischen Klassik (Teil 1)
(Moderationstext / DOKU v. 16.11.2009-2)

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© 11/2009 – Verbundkonzept EUFLETZ (Stiftung i.G.) – Teilprojekt IMC – India meets Classic (Lothar J.R. Maier)
Hintergrund ...
IMC OnAir gliedert sich als Radiosendung (Kabel/Antenne + Internetstream/PodCast)
historisch u. hierarchisch in folgenden Aufbau. Die Struktur soll als konzeptionelle
Markenarchitektur für alle sozialen Projekte von IMC verstanden werden.
Projektbüro „Sinn-Macher.net“ – personalisierte Marke des
Ideengebers und Initiators Lothar J.R. Maier mit
Erstkonzeptionierung in 04/2003.
Die Inhalte dieser auf „Sinn“ fokussierten Website (www.sinn-
macher.net) befasst sich mit nahezu allen Aspekten rund um die
Begrifflichkeit “Sinn” (z.Z. ca. 70 Webpages). – Und reflektiert
das lebensphilosophische Verständnis, aus dem alle
Teilprojekte wie IMC entwickelt werden.
Die Teilprojekte von IMC sind Bestandteile des
Gesamtkonzeptes der EUFLEHTZ Stiftung i.G. (Europäisches
Forschungs-, Lehr-/Lern- u. Therapiezentrum für Life-Sciences)
– www.eufletz-stiftung.de .
IMC wurde gegründet zur Realisierung von
musiktherapeutischen Angeboten auf der Basis indisch
klassischer Musik (www.india-meets-classic.net), als Ergänzung
zu dem segeltherapeutischen Konzept „3iE“.
Unter IMC – India meets Classic subsumieren sich alle IMC-
Teilsegmente. Das Logo darf als Dachmarke aller Teilleistungen
und Sub-Brands verstanden werden.
„IMC OnAir“ steht für die Broadcasting-Plattform von IMC via
Radio (www.imcradio.net) und konvergenter Medien, wie das
PodCasting (RSS Feeds – Push-&Pull-Technologie) oder
PhoneCasting.

IMC-Förderinitiative „TablaPerformance – TablaGroup


Hamburg“, das erste der Öffentlichkeit vorgestellte Teilprojekt ...
unter der Themenüberschrift „Heimat – Individuum &
Gesellschaft“ wurde als Weltpremiere beim Festival der Kulturen
2005 das Textrezitativ (Deutschfassung) des englischen
Originalwerkes „Creative Unity“ (1922) von Rabindranath Tagore
interpretiert, Indien’s grösster Philosoph und erster
Nobelpreisträger für Literatur.
Culturebridge „Water is Life – Living with Water“ wurde im
Rahmen des Förderwettbewerbes der FHH in 4/2005 als
Konzept vorgestellt. Es legt den Focus auf Live-Performances
(„night of ragas“) u. Nachwuchsförderung (Schüleraustausch-
programm) mit dem Ziel des interkultureller Dialoges, für einen
KnowHow-Transfer von Indien nach Deutschland.
IMC – India meets Classic verfügt in seinem Gesamtansatz über
ein Konzept für musikpädagogische Arbeit an Schulen als
kleinere Teilleistung (6-wöchiger Workshop).
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(DOKU - Sendemoderation / 16-11-2009-2)

Raga CDs des Monats:

Frauen in der
indischen Klassik (Teil 1).

Erstausstrahlung: 16.11.2009 (22:00-22:58 Uhr)


Wiederholungstermin: ---

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[0.] Jingle (Intro)

IMC - India meets Classic ... eine Sendung für indisch klassische Musik.

IMC bietet Ihnen ein monatliches Hör- und Leseangebot mit Werken indischer
Musikmeister, Raga-CDs, Festivalreports und Special Features.

Über die Website Ihres Radiosenders oder mit einem Besuch bei IMC im Internet
finden Sie in deutscher und englischer Sprache weitere Infos zu den
Musikmeistern, zu indischen Instrumenten, dem Musiksystem Indiens und
vorgestellten CD-Titeln.

IMC - India meets Classic wird auch im Podcasting-Verfahren, im MPEG-Format


als Download angeboten. Stellen Sie sich Ihr ganz individuelles Radioprogramm
zur indisch klassischen Musik zusammen unter:

www.imcradio.net
(Englisch: uu-uu-uu_dot_aiemciereidio_dot_net)
imcradio.net
(Deutsch: i em Ce Radio Punkt Net)

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1. Begrüssung...

Sehr verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer;


liebe Freunde der indisch-klassischen Musik!
Am Mikrophon begrüsst Sie Lothar J.R. Maier mit einer neuen Sendung
zur indischen Musikkultur. IMC – India meets Classic präsentiert Ihnen
heute das Thema: „Frauen in der indischen Klassik – Teil 1“.
Wie in all unseren Sendungen „Raga CDs des Monats“ hören Sie
Beispiele original indisch-klassischer Musik. – Beachten Sie auch die
Hinweise zu unserem Hörertelefon und Internetangebot im weiteren
Verlauf der Sendung.

2.1 Einführung...
Am 29. August 2009 wurde der Dokumentarfilm „Rasoolan Bai – Das
andere Lied“ (The other Song) im Bangalore International Centre, in
Bangalore, der Öffentlichkeit vorgestellt. The Other Song der
Filmemacherin Saba Dewan ist der Letzte einer Trilogie mit einer
Geschichte über die Sängerin Rasoolan Bai, einer bekannten
Künstlerin aus Varanasi.
Im Jahre 1902 geboren, bildete Rasoolan Bai zusammen mit Begum
Akthar, Badi Moti Bai und Siddheswari Devi das Quartett der
Gesangsköniginnen.
Im Jahre 1935 nahm Rasoolan Bai für die Grammophone den Thumri
“Lagat Jobanwa ma chot, phool gendwa na maar” auf. In der
Übersetzung: My Breasts are wounded, don’t throw flowers at me..
Rasoolan hat dieses Lied danach nie wieder gesungen. Es ist nahezu
aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verloren gegangen.
1957 erhielt Rasoolan als zweite Frau nach Kesarbai Kerkar den
Sangeet Natak Academy Award, eine prestigeträchtige Auszeichnung.
Am 15. Dezember 1974 starb Rasoolan, nachdem sie in Ahmedabad
sich als Besitzerin eines kleinen Teeladens, der direkt neben dem
Gebäude von All India Radio lag, ein bescheidenes Einkommen
verdiente.
In diesem Film „The Other Song“ geht es aber auch um viel mehr. Der
Verlorene Song steht als Symbol für die Künste der Tawafis, den
Kurtisanen, die es in Indien noch bis in die 60er Jahre des letzten
Jahrhunderts gab.

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2.2 1ste Hörbsp. ... Rasoolan Bai... Ja Main Tose Naahi Bolun
Mit dem Thumri „Ja Main Tose Naahi Bolun“ hören wir von Rasoolan
Bai die Ragaform Bhairavi. In der nordindischen Klassik ist Bhairavi ein
Morgenrage, in der südindischen Musik leitet sich Bhairavi aus dem 20.
Ragam Natabhairavi des Melakarta-Systems ab.
Die Thumri-Form ist ein Genre der leichten Klassik, häufig zum Hori-
Fest, dem Frühlingsfest der Farben gesungen. Ursprünglich wurden die
Thumri-s mit viel emotionalem Ausdruck durch Gestiken und
Gesichtsmimiken – Abhinaya - interpretiert. In der weiteren Entwicklung
verschwand diese Darstellungsform, die dem indischen Tanz
vorbehalten blieb. Die Sängerinnen wichen dafür auf rein stimmliche
Improvisationsformen ohne Lyrik aus, die sogenannten Bol-Banav-Ki
Thumri-s.
...

3.1. Abgrenzung...
Wie der Anthroprologe und Kurator des Genfer Ethnographischen
Museums Laurent Aubert bemerkt, findet sich in der Musik die Identität
von Volksgruppen wieder. Sie wiederum ist politisch motiviert. Meist
prägt sie sich polarisiert aus - fundamentalistisch oder weltoffen.
Was diese Sendung für indische Musikkultur nicht leisten möchte, das
Thema „Frauen in der indischen Klassik“ zu labeln nach politischen,
sozialen oder religiösen Aspekten. Es soll auch nicht ein Graben
gezogen werden zwischen der nordindischen und südindischen Klassik.
3.2.1 Historischer Bezug...
Die frühen historischen Einflüsse besonders der nordindische Klassik,
der Hindustani-Musik, sollen für das Verständnis der
geschlechterspezifischen Merkmale kurz angerissen werden.
Die Hindustani-Musik stand im frühen indischen Mittelalter besonders
unter persischen Einfluss. Es war die Moghulära des 14. bis 16.
Jahrhunderts. Besonders Gesangsgenres wie der Kayal, und Thumri
haben hier ihren Ursprung.
Eine Patronage am Hofe der Mughals; im 16. Jahrhundert, versprach
höfischen Künsten und den Artisten Wohlstand. Auch viele junge
Mädchen wurden in den darstellenden Künsten auf höchstem Niveau
ausgebildet. Dazu gehörten der Kathak-Tanz und die indische Klassik,
die Literatur mit Poesieformen wie den Ghazals und Thumris.
Aus dieser Zeit haben sich die nordindische und südindische Klassik
strukturell unterschiedlich entwickelt. Erstere ist weniger formal und
unterliegt für die Ragaimprovisation weniger einer strengen
kompositorischen Form. Die Ragaklassifizierung ist mit dem Melakarta-
System in der südindischen Klassik eindeutig und weniger diffus. Den
Musikern dieser beiden Stilrichtungen ist gemeinsam, dass sie das
Wissen über Generationen und Jahrhunderte weitergetragen haben, bis
in’s 21. Jahrhundert.

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3.2.2 2tes Hörbsp. ... Ghazal – Begum Akhtar


„Mallika-e-Ghazal“, die Königin der Ghazals präsentiert uns nun zwei
Kompositionen. Begum Akhtar litt selbst unter einer Vielzahl von
Frauendiskriminierungen, unter einer Vergewaltigung mit Geburt einer
unehelichen Tochter bis zu den Repressalien Ihres Mannes Ishtiaq
Ahmed Abbasi, den sie 1945 heiratete. Wegen ehelicher Repressalien
trat sie darauffolgend für knapp fünf (5) Jahre nicht mehr auf.
Für den Film Roti unter Leitung des Filmregisseurs Maadhav Kaale
nahm sie sechs (6) Ghazals auf. Roti, d.h. Brot, kam 1942 in die
indischen Kinos. Die Graphophone-Aufnahmen wurden von
Megaphone Record Company realisiert... Wir hören die beiden Ghazals
„Chaar Dinon Kii Jawaanii“ und „Phir Fasale Bahaar Na_ii“. (Fahir
Fasile Bahar Naii).
...

3.3 Philanthropist Bangalore Nagaratnammal… Das Erbe Thyagarajas.


In der karnatischen Musik war die Ausübung der Kunst besonders den
Mitgliedern der Brahmanen, eine Art Priesterschaft vorbehalten. Frauen
hatten es schwer, auf die Bühne zu gelangen und sich mit ihrer Musik
öffentlich zu zeigen. In den Anfängen der Phonoindustrie fanden
Frauen für Schallplattenaufnahmen kaum männliche Begleiter.
Dennoch gelang es den Frauen, durch subtile Ausdrucksformen in der
Musik sich Gehör zu verschaffen und die Musik als Mittel gegen die
gesellschaftliche Diskriminierung einzusetzen. Es war auch ein Kampf
der Geschlechter durch Musik.
Einen solchen Kampf bestritt erfolgreich die Philantropin Bangalore
Nagaratnammal, die sich des Erbes von Thyagaraja annahm. Der
Heilige Thyagaraja lebte von 1767 bis 1847 und war einer der grössten
Komponisten der karnatischen Musik.
Bangalore Nagarathnamma wurde 1878 geboren. Sie erhielt in einem
behüteten Elternhaus, als Tochter eines sehr erfolgreichen Anwalts
eine musikalischen Ausbildung. Von ihrem Lehrer, Giribhattara
Thammaya, ein Dichter am Hofe von Mysore, lernte sie Sanskrit. Ihr
Onkel Venkataswamy Appa, ein berühmter Musiker am Mysore-Hof
brachte Nagarathnamma das Violinspiel bei.
Die Thyagaraja Kriti-s, eine musikalische Kompositionsform in der
südindischen Klassik, erlernte Nagarathnamma von dem Musiker und
Komponisten Bidaram Krishnappa.
Neben ihrem musikalischen und Sprachtalent zeichnete sie sich auch
als Tänzerin im Bharata Natyam aus.
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Nagarathnamma war einer der ersten Frauen im damaligen Madras, die
selbst Einkommensteuer zahlte. Ihre Veröffentlichung von Radhika
Santwanamu, erotische Literatur aus dem 18. Jahrhundert, verfasst von
der Kurtisane Muddu Palani, brachte sie im Jahre 1911 vor den
Gerichtshof.
1920 ging sie nach Thiruvaiyaru, erwarb dort Land und errichtete nach
einer Vision in einem Traum eine Gedenkstätte zu Ehren des Heiligen
Thygaraja. In den 20er und 30er Jahren des 20sten Jahrhunderts
wurde sie zu einer der schillerndsten Figuren am kulturellen Firmament
Madras. Bangalore Nagarathnamma starb 1952.

3.4 3tes Hörbsp. ... Thygaratja Kriti... MS Subbalakshmi...


Einen Thygaraja-Kriti hören wir nun von der südindischen Sängerin
Madurai Shanmukhavadivu Subbulakshmi, in Indien einfach nur als
M.S. bekannt. M.S. Subbulakshmi stammt aus einer Musikerfamilie.
Ihre erste Tonaufzeichnung machte sie im Alter von nur 10 Jahren,
datiert auf das Jahr 1926.
Vor der berühmten Madras Music Academy präsentierte sie sich 1929.
Das war zu jener Zeit eine Ausnahme, war dieses Institution berüchtigt
für ihren diskriminierenden Selektionsprozess.
Subbulakshmi war die erste Künstlerin überhaupt, die 1998 Indien’s
höchste Auszeichnung, den zivilen Verdienstorden Bharat Ratna erhielt.
Erstmalig wurde diese Auszeichnung 1954 an den zweiten Präsidenten
Sarvepalli Radhakrishnan der jungen Demokratischen Republik Indiens
vergeben.
Aus der CD „Live at Russia – Vol. 1“, veröffentlicht von dem indischen
Label Saregama im Jahre 2005, hören wir M.S. Subbulakshmi mit dem
Thygaraja Kriti „Pakkala Nilabadi“.
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4.1 Weggefährtinnen der Reformer... Gangubai Hangal


Als die Sängerin im Juli 2009, im Alter von 97 Jahren nach langer
Krankheit verstarb, wurden Stimmen laut, die bekundeten, dass die Ära
der Frauenpower in der indisch klassischen Musik zu Ende sei.
In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Welt der indisch
klassischen Muisk ausschließlich von Männern dominiert.
In ihren Memoaren schreibt Gangubai Hangal: „Wenn ein männlicher
Sänger ein Muslim ist, wird er Ustad genannt, ist es ein Hindu, wird er
Pandit. Aber Frauen wie Kesarbai und Mogubai werden einfach nur
Bai’s genannt.“
Von dem Rebell Gangubai Hangal - „Gaanewali“ - wurden die
geschlechterspezifischen Barrieren in der nordindischen Klassik
durchbrochen. Gangubai wird auch als der „Vater des Khayals“
bezeichnet, dem modernen Gesangsstil der Hindustani-Musik.
Die Tochter von Ambabai, einer Sängerin der südindischen Klassik,
hatte nach verschiedenen Lehrern bei Sawai Gandharv über 15 Jahre
Unterricht. Gangubai Hangal wurde damit der Doyen der Kirana
Gharana, eine der indischen Musikschulen.
1924 präsentierte Gangubai Hangal im jungen Alter von 12 Jahren in
einer Gesangsgruppe für Mahatma Gandi das Begrüßungslied bei
einem Treffen des Indischen Nationalkongresses (INC) in Belguam.
1933 gelang ihr mit einem Konzert der Durchbruch.
Inmitten ihrer Künstlerischen Laufbahn veränderte sich ihre Stimme
nach einer Krankheit zu einem tiefen, androgynen Klang, eher
vergleichbar dem Tembre einer Männerstimme.
Trotz ihrer Durchsetzungsstärke fühlte sich Gangubai der Tradition
verpflichtet und verstand Musik als eine Art Gottesdienst. Noch im
hohen Alter von 94 Jahren gab sie ihr letztes Konzert.

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4.2 4tes Hörbsp. ... Gangubai Hangal (Khayal)...


Die Ähnlichkeit von Gangubai Hangal mit dem Tembre einer
Männerstimme verdeutlicht uns im Folgenden ein Duett mit Ustad Amir
Khan.
Amir Khan lebte bis 1974 und war ein stilprägender Sänger der
nordindischen Klassik, der Hindustani-Musik. Er verknüpfte die
traditionelle Form des Dhrupads mit der Lebendigkeit des Khayals.
Besonders in langsamen Tempo, Vilambit kommen die
klangästhetischen Details zur Geltung. Amir Khan bevorzugte den uns
im Westen bekannten 4x4er Rhythmus, Ektaal.
Das folgende Gesangsbeispiels eines Kayals im Gesangswechsel mit
Gangubai Hangal ist in der Ragaform Marwa, ein 6-TonRaga. Die 5te
Stufe Pa entfällt. Die Betonung dieses Ragas liegt auf der 6sten Stufe
Dha. Für westliche Ohren ungewohnt, vermittelt sich der
Klangcharakter einer erweiterten Dur-Tonart mit Rückkehr zum
Grundton Sa, dem C.
Die Aufnahme aus der CD „Classical Vocal – Ustad Amir Khan &
Gangubai Hangal“ ist beim Label Inreco in den 90er Jahren erschienen.
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5.1 Das moderne Indien des 20. Jahrhunderts... Ashtanayikas


Frau Dr. Rekha Singh aus der Fachabteilung für Philosophie der B.R.
Ambedkar Bihar University (M.D.D. M. College) formulierte in ihrem
Aufsatz „Status of Women in Indian Society“ treffend, dass die Qualität
einer Zivilisation daran abzulesen ist, welche Stellung man den Frauen
in der Gesellschaft gibt.
In Indien haben die Frauen mit den politischen Veränderungen durch
Reformer wie Raja Ram Mohan Roy – er lebte von 1772 bis 1833 - oder
Mahatma Gandhi und Rabdinranath Tagore per Gesetz eine
Gleichstellung, d.h. Wahlrecht, freie Berufswahl und Bildungsanspruch.
Die Verbannung hinter den heimischen Herd scheint aufgehoben.
Indien wäre aber nicht das Indien ohne seiner Widersprüche. In der
indischen Malerei dokumentiert sich ihre jeweilige Zeit, z.B. das 4. bis 6.
Jahrhundert, der s.g. Gupta-Periode. Hier waren bereits Frauen
politisch aktiv, oder in der Vijayanagar-Periode, dem 14.-16.
Jahrhundert, in der Frauen im Wrestling trainiert wurden und bewaffnet
waren... bis ins 19. Jahrhundert, das koloniale Indien in der indische
Königinnen wie Lakshmibai von Jhansi (1835-1858) oder Ahalya Bai
Holkar von Indore (1735-1895) an kriegerischen Auseinandersetzungen
beteiligt waren.
Aus westlicher Sicht existiert in Indien auch ein verklärtes Frauenbild
des ewig weiblich Göttlichen: Schon in der epischen Zeit gab es keine
religiöse Handlung ohne Beteiligung der Frauen. Mit den Ashtanyikas,
den acht (8) Heroinnen zeigt sich ein Frauenbild, das wir auch noch
heute in Indien antreffen.
In Kategorisierung der wartenden, aufopfernden, gleichsam
bestimmenden Liebenden prägen bis heute die Künste das
Selbstverständnis vieler Inder mit dem Begriff der „göttlichen Liebe“, im
Zusammenspiel von klassischem Tanz, Musik, Malerei und Literatur.

5.2 5tes Hörbsp. ... Badi Moti Bai (Raga Poorvi)


Neben Rasoolan Bai, Begum Akthar und Siddheswari Devi hören wir
eine weitere Vertreterin des Poorab Ang Thumri und der Benares
Gharana, eine der indischen Musikschulen.
Badi Moti Bai singt uns “Kanha Bikh Bhari Bansia” in der Ragaform
Poorvi. Dieser antike Raga ist geprägt von einem ruhigen, geradezu
mysthisch-heroischen Charakter. Poorvi’s Geschichte kann bis in’s 16.
Jahrhundert zurückverfolgt werden. Er ist ein vollständiger Raga,
sanpoorna. In der auf- und absteigenden Skala werden alle sieben
Hauptnoten gespielt. Die Betonung liegt auf einer erniedrigten 2. Stufe
Re und einer natürlichen 6. Stufe, Dha. Re wird etwas stärker betont,
Vadi und im Verhältnis dazu Dha ein wenig abgeschwächter, Samvadi.
Die Aufnahme von Kanha Bikh Bhari Bansia in der Ragaform Poorvi mit
der Sängern Badi Moti Bai findet sich auf der CD „Golden Milestones –
Melody Queens“ des indischen Labels SaReGama.
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6.1 Weitere Einflussfaktoren... Mythos...


Unter dem Einfluss der hinduistischen Mythen trifft man in Indian auch
auf die Meinung, dass sich das Dreigestirn der Göttinen - Durga,
Lakshmi und Saraswati - den Menschen als Avatare offenbarte, in
Gestalt der Gesangsvirtuosinnenn DK Pattammal (1919-16.07.2009),
MS Subbalakshmi (1916-2004) und ML Vasanthakumari (1928 – 1990).
Ihre Ankunft beendete die männliche Dominanz in der südindischen
Klassik, es begann eine Ära des Göttlichen, der Kreativität und
Innovation innerhalb der Grenzen traditioneller Werte.
Pattammal, Subbalakshmi und Vasanthakumari umspannen nahezu ein
Jahrhundert, mit der Geburt von Subbalakshmi im Jahre 1916 und dem
Tod von Pattamal im Juli 2009.
Es waren Künstlerinnen, die ganz in der Musik aufgingen, nicht des
Erfolges noch des Ruhmes oder des Geldes wegen. Diese Frauen
waren MeisterInnen des MultiTaskings, erfüllten vielerlei Aufgaben in
unterschiedlichsten Rollen, als Mütter, Ehefrauen, Geschwister, Lehrer
oder Grossmütter.
Während heute viele Künstler unterschiedlichste Identitäten gleichzeitig
zu leben scheinen, waren Pattammal, Subbalakshmi und
Vasanthakumari von einer einzigen Identität geleitet.
Die für Asien typische Präsenz und Funktion einer selbstlosen,
göttlichen Liebe war für diese grossen Meisterinnen des Gesangs die
Antriebskraft, um beständig auch grösste gesellschaftliche Widerstände
bis zur künstlerischen Anerkennung zu überwinden.

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6.2 6tes Hörbsp. ... DK Pattammal (Sari Evvare)


Damal Krishnaswamy Pattammal war besonders als Playbacksängerin
für Lieder in indischen Filmen beliebt. Pattammal wuchs in einer
orthodoxen Brahmanenfamilie im südindischen Bundesstaat Tamil-
Nadu auf. Ihr Talent machte sich bereits in sehr jungen Jahren
bemerkbar. Patta wurde von ihrem Vater Krishnaswamy Dikshitar
ermutigt, die südindische Klassik zu erlernen. Seiner im Gesang
talentierten Frau verbot er jedoch streng nach orthodoxer Tradition
auch innerhalb des Freundeskreises aufzutreten.
Patta hatte keinen Unterricht im klassischen Sinne einer Lehrer-
Schüler-Beziehung. Aus ihrem musikalisches Gedächtnis wiederholte
Sie Kriti-s und Ragaphrasierungen, die ihre bei Konzerten zu Gehör
kamen. Ihr Gesang inspirierte auch ihren jüngeren Bruder D. K.
Jayaraman, der mit Patta diverse Konzerte bestritt und 1990 als
Auszeichnung den Sangeetha Kalanidhi erhielt. Pattamal selbst wurde
1961 mit einer der ersten Auszeichnungen bedacht, mit dem
rennommierten Sangeet Natak Akadami Award und 1971 erhielt sie den
Padma Bhushan.
Aus der CD “Sari Evvare” hören wir Pattamal mit dem gleichnamigen
Titelstück, ein Thyagaratja Kriti in der südindischen Ragaform Shree
Ranjani. Die CD wurde 2004 beim Label The Orchard / Saregama
veröffentlicht.
...

7.1 Abschluss...
Die indisch klassische Musik hat im 20. Jahrhundert, besonders die
nordindische Klassik, die Hindustani-Musik einen spürbaren Wandel
erfahren. War sie als höfische Kunst der Arbeitsplatz der Kurtisanen,
hat sich die Klassik zu einer anerkannten Kunstform entwickelt, die von
Mädchen und Frauen aus angesehenen Familien erlernt und als Beruf
ausgeübt wird.
Als fahler Beigeschmack bleibt die oft zu spät erteilte Auszeichnung von
Musikerinnen, die den steinigen Weg für diese anerkannte Kunstform
über Jahrzehnte geebnet haben.

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7.2 7tes und letztes Hörbsp. ... Siddheshwari Devi


Kehren wir gegen Ende unserer Sendung zu den vier (4)
Gesangsköniginnen zurück. Siddheshwari Devi starb im Jahre 1977,
die erste war Begum Akhtar im Jahre 1974, kurz darauf folgten
Rasoolan Bai (1974) und Badi Moti Bai. Allesamt waren es
Ausnahmekünstlerinnen, deren Leben gänzlich von der Musik, von ihrer
frühen Kindheit bis zu ihrem Tode bestimmt war.
Siddheshwari Devi wuchs in einem musikalischen Haushalt nach dem
frühen Verlust ihrer Eltern auf, bei ihrer Tante Rajeshwari Devi. Zur
Musik kam sie eher zufällig, als sie sich vor die Tochter ihrer Tante
stellte, um sie gegen die gewalttätigen Unterrichtsmethoden des
Lehrers und Sarangimeisters Siyaji Mishra zu schützen. Es gelang
Siddheshwari auch, dem verschreckten Kind das Singen beizubringen.
Um das Bild in unserer heutigen Sendung zu vervollständigen, wird die
vielseitige Siddheshwari Devi einen Kajari singen, ein Genre innerhalb
der nordindischen Klassik.
Kajaris sind äusserst populär in den indischen Bundestaaten Uttar
Pradesh und Bihar. Sie werden während der Regensaison gesungen,
ihre Geschichten beschreiben das Warten einer Jungfrau auf ihren
Liebhaber, während die schwarzen Monsoonwolken den
Sommerhimmel verdunkeln. Die Aufnahme mit Siddheshwari Devi ist
uns nicht näher datiert.
...
8.1 Verabschiedung
Dies war unsere Sendung IMC – India meets Classic mit dem Thema
„Frauen in der indischen Klassik – Teil 1“. Den Sendetermin für die
folgenden Teile dieses Themas entnehmen Sie unserer
Programmvorschau im Internet.
Wir stellten Ihnen Hörbeispiele im indischen Gesang der nord- und
südindischen Klassik vor, mit den Sängerinnen Rasoolan Bai, Begum
Akthar, M.S. Subbalakhsmi, Gangubai Hangal in Begleitung von Amir
Khan, Badi Moti Bai, DK Pattammal und Siddhashwari Devi.
Vielen Dank für’s Zuhören.
Am Mikrophon verabschiedet sich Lothar J.R. Maier.
- Und vielleicht bis zum nächsten Mal. – Namaste.

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8.2 Abspann...

Hinweise zu kommenden Sendeterminen entnehmen Sie dem Internetangebot Ihres


Radiosenders.

- Oder besuchen direkt die Website von IMC - India meets Classic:

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Monats".

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