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Teil 6

Wärmetransport – langwelliger Strahlungswärmeaustausch

Inhalt
1 Idee der Zerlegung der Wärmetransportmechanismen
2 Strahlungswärmeaustausch - "langwellig"
2.1 Welches Strahlungsspektrum emittiert unsere Sonne ?
2.2 Ausbreitung von elektromagnetischen Wellen und Energieerhaltung
2.3 Emissivität (Schwarzkörperstrahlung - Planck und Kirchhoff Gesetz)
2.4 Temperaturabhängigkeit der Schwarzkörperstrahlung (Planck)
2.5 Emissivität ε - unvollständig absorbierende "graue" Körper
3 Beispiel: "low-ε" - Beschichtung bei Zweifachgläsern
4 Beispiel: Strahlungsaustausch in einer "Straßenschlucht"

Bauphysik i - Prof. Rüdiger Lorenz (Bauphysik/ Bauklimatik) 06_Wärmetransport_Strahlungsaustausch_160620


1 Idee der Zerlegung der Wärmetransportmechanismen
In den vorangehenden Vorlesungsteilen wurde ein stark vereinfachendes
Modell des Wärmeübergangs genutzt: Fixe Übergangswiderstände Rsi, Rse

Genauer betrachtet setzt sich der Wärmeübergang an Oberflächen jedoch aus


konvektivem Wärmeaustausch und Strahlungswärmeaustausch zusammen

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2 Strahlungswärmeaustausch - "langwellig"

Energie wird durch elektromagnetische Wellen transportiert ... | die Sonne !


- es ist dafür kein Transportmedium nötig (Vakuum)
- der Wärmetransport erfolgt mit Lichtgeschwindigkeit

violett rot

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2.1 Welches Strahlungsspektrum emittiert unsere Sonne ?

"langwellige" Strahlung"
4

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2.2 Ausbreitung von elektromagnetischen Wellen und Energieerhaltung

I 0 = I Transmission + I Re flection + I Absorption


I 0 = I 0 ⋅τ + I0 ⋅ ρ + I0 ⋅α
I 0 = I 0 ⋅ (τ + ρ + α )

I0
also =1=τ + ρ +α
I0

… die Summe aus Transmission, Reflexion und Absorption bleibt erhalten


= kein Energieverlust

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2.3 Emissivität (Schwarzkörperstrahlung - Planck und Kirchhoff Gesetz)

Gedankenexperiment:
- vollständig absorbierende „schwarze“ Oberfläche (α=1)
- Fläche an der Rückseite ideal isoliert
- durch ein Vakuum wird konvektiver
Wärmeaustausch verhindert

Wegen Energieerhaltung:
Der Körper würde unendlich heiß.

Das wird jedoch nicht beobachtet !

Es gibt einen weiteren


Wärmetransportmechanismus: Emission

Emission ≠ Strahlungsreflexion !

denn

Reflexion: Wellenlängen von einfallender und reflektierter Strahlung sind gleich


Emission: Die Wellenlänge der emittierten Strahlung ist unabhängig von
einfallender Strahlung und nur durch die Oberflächentemperatur des
Körpers bestimmt, die sich aus der Gesamtenergiebilanz
(Wärmeaufnahme und Wärmeabgabe) ergibt

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2.4 Temperaturabhängigkeit der Schwarzkörperstrahlung (Planck)

λ =∞ λ =∞ 4
Φ c1
q& =
A
= ∫ iλ dλ = λ∫ c2

λ =0 =0
λ (e
5 λ ⋅T
− 1)

Φ W 
q& = = σ ⋅T 4  m 2 
A
 W 
σ = 5,67 ⋅ 10 − 8  2 4 ; T [K ]
m K 
7

Temperatur und Strahlungsemission sind korreliert

Wien'sches Gesetz: Das Strahlungsmaximum der emittierten


langwelligen Strahlung liegt bei:

1
λmax = 2,898 ⋅10 −3 ⋅ [m]
T
T [K] = Temperatur der Oberfläche
des "schwarzen" Strahlers

Wellenlänge Strahlungstemperatur
UV 280 – 380 nm 10350 - 7630 K
Light (vis) 380 – 780 nm 7630 – 3715 K
near IR (infrared) 780 – 2500 nm 3715 – 1159 K
far IR 2500 – 10000 nm 1159 – 290 K

Selbst Oberflächen mit geringen Temperaturen habe eine Abstrahlung !


Temperatur λmax (Wien)
-10°C 11100 nm
0°C 10690 nm
20 C 9950 nm
100°C 7800 nm

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2.5 Emissivität ε - unvollständig absorbierende "graue" Körper

Oberflächen, die nicht vollständig die einfallende Strahlung


absorbieren (α>0) reflektieren einen Teil (ρ=1-α-τ)
mit identischer Wellenlänge.
Der Strahlungswärmestrom
(Wellenlänge entsprechend der Bauteiltemperatur)
reduziert sich dann um den Faktor der Emissivität ε

W 
q& = ε ⋅ σ ⋅ T 4  m 2 

0 < ε ≤1 [1]
metallische Oberflächen
 W 
σ = 5,67 ⋅10  2 4 ; −8 (rein, poliert
m K  ε ≈ 0,01 .... 0,10
T [K ] typische Baumaterialien
ε ≈ 0,80 ... 0,95
8

Die Strahlungsemission erfolgt hemisphärisch | hemisphärisch = in alle Richtungen


und ist temperaturabhängig
Vereinfachend wird im Baubereich meist mit der Näherung
einer isotropen Abstrahlung und konstanter Emissivität gerechnet. | isotrop = in alle Richtungen identisch
Der Ansatz isotroper Abstrahlung stimmt nur für elektrisch
nichttleitende Materialien (Dielektrika)

Adapted from:
Lonny Kauder, Spacecraft Thermal Control Coatings Reference, NASA/TP-2005-212792,

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3 Beispiel: "low-ε" - Beschichtung bei Zweifachgläsern

q&12 =
1
σ
1
(
⋅ T1 − T2
4 4
)
+ −1
ε1 ε2

Bsp. unten

Bsp: q&12 =
1
σ
1
(
⋅ T1 − T 2
4 4
)= 1
5,67 ⋅ 10 −8
1
( 4
)
⋅ (20 + 273,15 ) − (− 10 + 273,15 ) = 2,92
4 W

+ −1 + −1
ε1 ε2 0,02 0,84

Herleitung:

parallele Oberflächen hemisphärische Oberflächen

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4 Beispiel: Strahlungsaustausch in einer "Straßenschlucht"

Strahlungswechselwirkung von
Himmel + Umgebungsflächen + Erdboden

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Details im
3. Teil der
Vorlesung

Bsp.
Obwohl Lufttemperaturen über Null Grad liegen, kann die zum Himmel gerichtete Autoscheibe vereist, und die
Seitenscheiben eisfrei sein. Die erhöhte Abstrahlung bei klarem Himmel für zu der Temperaturabsenkung der
Oberfläche

Umfangreiche Sammlung von Sichtfaktoren (analytisch):


JOHN R. HOWELL
“A Catalog of Radiation Heat Transfers Cionfiguration Factors”
http://www.engr.uky.edu/rtl/Catalog/index.html

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