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Depression bie Jugendlichen

Was ist eine Depression?


Jeder Mensch kennt Phasen im Leben, in denen es nichts gibt, worauf man sich
freuen kann, alles grau in grau erscheint, man „deprimiert“ ist. So kann das Wetter,
die berufliche Tätigkeit oder eine private Enttäuschung als deprimierend erlebt
werden. Depression wird oft als Begriff gebraucht, um alltägliche Schwankungen
unseres Befindens zu beschreiben. Aber eine Depression im medizinischen
Sinne ist etwas anderes als eine vorübergehende Phase der Niedergeschlagenheit
und Unlust oder ein Stimmungstief, das bei fast jedem Menschen im Laufe des
Lebens ein- oder mehrmals auftritt.

Aus medizinisch-therapeutischer Sicht ist die Depression eine ernste Erkrankung,


die das Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen beeinflusst, mit Störungen von
Körperfunktionen einhergeht und erhebliches Leiden verursacht. Menschen, die an
einer Depression erkrankt sind, können sich selten allein von ihrer gedrückten
Stimmung, Antriebslosigkeit und ihren negativen Gedanken befreien. Aber es gibt
gute und effektive Möglichkeiten
der medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung.

Die umgangssprachliche Verwendung des Begriffs Depression kann irreführend


sein. Wenn ein an Depression erkrankter Mensch oder die Angehörigen annehmen,
Freudlosigkeit, gedrückte Stimmung und Hoffnungslosigkeit seien nachvollziehbare
Reaktionen auf bestehende Lebensprobleme und nicht Ausdruck einer
eigenständigen, behandelbaren Erkrankung, so ist das Risiko groß, dass keine
professionelle Hilfe (eines Arztes oder Psychotherapeuten) gesucht wird.

Depression ist keine Traurigkeit, sondern ein Zustand, in dem die


Empfindung aller Gefühle reduziert ist. Betroffene beschreiben dies auch mit
einem "Gefühl der Gefühllosigkeit".
In der Anatomie wird der Begriff Depression auch gleichbedeutend mit
"Senkung" verwendet.
symptome
Neben den bereits genannten Hauptsymptomen können unter anderem
das Gefühl der Minderwertigkeit, Hilf- und Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle,
Müdigkeit, verringerte Konzentrations- und Entscheidungsfähigkeit, sinnloses
Gedankenkreisen, langsameres Denken, Reizbarkeit, Ängstlichkeit,
vermindertes Gefühlsleben bis hin zur Unfähigkeit des Zeigens einer
Gefühlsreaktion und verringertes sexuelles Interesse auftreten.
Häufig tritt bei einer akuten Depression eine völlige Unmotiviertheit auf. Die
Betroffenen werden passiv und sind nicht in der Lage, einfachste Tätigkeiten
wie Einkaufen und Abwaschen zu verrichten, sie bleiben häufig für
aussenstehende unverständlich tagelang im Bett.
Oft werden auch negative Gedanken und Eindrücke überbewertet und
positive Aspekte nicht wahrgenommen beziehungsweise für zufällig
gehalten.
Depressionen äußern sich oft auch in körperlichen Symptomen (so
genannte Vitalstörungen) wie zum
Beispiel Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Gewichtsverlust, Gewichtszunahm
e, Verspannungen, Schmerzempfindungen im ganzen
Körper, Kopfschmerzen und verlangsamten Bewegungen. Auch kann eine
verstärkte Infektanfälligkeit beobachtet werden.
Die Schlafstörungen äußern sich dabei meist in großer Tagesmüdigkeit,
Durchschlaf- und Einschlafstörungen sowie frühmorgendlichem Aufwachen
und Wachbleiben mit Kreisdenken.
Gelegentlich kommt es zu einem katathymen Wahn. Diese Form von Wahn
ist nicht mit jenen Wahnvorstellungen gleichzusetzen, wie sie
bei Psychosen zu beobachten sind. Der katathyme Wahn ist vielmehr von
den jeweiligen Affekten des Betroffenen sowie von aktuellen Erlebnissen
abhängig. Ein klassisches Beispiel eines katathymen Wahns unter
depressiven Menschen ist der Wahn zu verarmen und mittellos zu sein.
Das somatische Syndrom geht regelmäßig mit Erkrankungen aus dem
depressiven Formenkreis einher.
Je nach Schwere der Depression kann diese
mit latenter oder akuter Suizidalität verbunden sein.
Es wird vermutet, dass der größte Teil der circa 12.000 Suizide pro Jahr in
Deutschland (Männer: 8.800, Frauen: 3.400) auf Depressionen
zurückzuführen ist. Damit sterben mehr Menschen in Deutschland an
Depression als an Verkehrsunfällen.
Klinischer Verlauf

Die Dauer einer einzelnen depressiven Episode beträgt unbehandelt etwa


sechs bis acht Monate. Bei adäquat durchgeführter Therapie
(Psychopharmakotherapie, Psychotherapie) kann die Episodenlänge auf zwei
bis vier Monate reduziert und auch die Krankheitsintensität verringert
werden.[1] Bei 80 Prozent der Patienten kommt es zu einer Remission der
depressiven Symptomatik innerhalb von zwei Jahren, etwa 20 Prozent
zeigen einen chronischen Verlauf.[2]
Unter "chronischer Depression" werden zusammengefasst: [3]
 Dysthymie mit schwächerer Symptomausprägung, die im Verlauf von
zwei Jahren für mindestens 50% der Zeit besteht, sowie redizivierende
depressive Episoden mit vorausgehender Dysthymie ohne volle Erholung
zwischen den Episoden ("double depression")
 Depressive Episoden, die seit mehr als zwei Jahren ohne deutliche
Symptomverbesserungen bestehen.

Verbreitung

Die Depression ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung. Es


gibt jedoch sehr unterschiedliche Zahlen darüber, wie hoch der wirkliche
Anteil derjenigen ist, die davon betroffen sind. Das hängt zum einen mit der
hohen Dunkelziffer zusammen (viele Depressionen werden nicht als solche
erkannt) und zum anderen mit der Definition der Krankheit. Die meisten
Veröffentlichungen gehen jedoch heute davon aus, dass in Deutschland
mehr als 10 % der Personen im Laufe ihres Lebens eine
behandlungsbedürftige Depression durchleben.
Bei Frauen werden Depressionen im Durchschnitt doppelt so oft wie bei
Männern diagnostiziert. Dies kann auf eine verstärkte genetische Disposition
von Frauen zur Depression hinweisen, aber auch mit den unterschiedlichen
sozialen Rollen und Zuschreibungen zusammenhängen, da deutlich mehr
Männer an meist depressionsbedingten Suiziden sterben als Frauen. Junge
Frauen zwischen dem 15. und dem 24. Lebensjahr unternehmen hingegen
statistisch die häufigsten Suizidversuche oder vollziehen parasuizidale
Handlungen.
In den vergangenen Jahren wurde in den entwickelten Ländern ein starker
Anstieg der depressiven Erkrankungen beobachtet, ganz besonders in den
hoch industrialisierten Ländern. Die Ursachen dafür sind noch unklar, häufig
wird jedoch der Stress in der Gesellschaft (in Form von gestiegener
Beanspruchung und Unsicherheit durch die persönliche und berufliche
Situation) mit verantwortlich gemacht. So wurde zum Beispiel nach dem
Zusammenbruch der Sowjetunion eine schlagartige Zunahme von
Depressionen und Suiziden in vielen osteuropäischen Staaten beobachtet.
Eine weitere Ursache mag sein, dass die Stigmatisierung der Depression in
den letzten Jahren weitgehend überwunden wurde und die Patienten heute
häufiger ärztliche Behandlung suchen. Dies würde auch mit
den Statistiken für Suizid übereinstimmen, nach denen im Jahre 1980 noch
18.000 Deutsche jährlich durch Suizid das Leben verloren, während es im
Jahre 2000 nur noch 12.000 waren.

Ursachen
Die Ursachen, die zu einer Depression führen, sind noch nicht vollständig
aufgeklärt. Es handelt sich um eine multikausale Erkrankung. Neben der
Möglichkeit einer genetischen Disposition, stellt beispielsweise das Erleben
von Entwertung, Erniedrigung und Verlust in engen Beziehungen ein hohes
Risiko für das Entstehen einer Depression dar. Auch Stresssituationen (siehe
unten) scheinen als Ursache eine Rolle zu spielen.
Diese psychischen Ursachen hinterlassen in der Regel physisch nachweisbare
Reaktionen im Gehirn. Insbesondere in älteren Diagnoseansätzen der
Schulmedizin wird diesen neuronalen Veränderungen an sich die auslösende
Ursache für die Krankheit zugeschrieben. Andere Diagnoseansätze
fokussieren mehr auf die Auslöser der biochemischen Veränderungen in der
Umwelt und den Lebensgewohnheiten des Patienten.
Ein weiterer exogener beziehungsweise biogener Auslöser ist die
Lichtaufnahme. Bei der so genannten saisonalen, auch: "Winter-" oder
"Herbstdepression" (siehe oben) treten durch den Mangel an Sonnenlicht
regelmäßig über die Wintermonate depressive Symptome auf, die im
Frühjahr wieder abklingen.
Diagnose
Eine genaue Diagnose wird aufgrund der Komplexität von psychischen
Erkrankungen oft erst vom Experten, das heißt vom psychologischen
Psychotherapeuten oder Psychiater gestellt.
In einigen Fällen ist die Depression mit anderen Erkrankungen verbunden,
so dass sie von den behandelnden Ärzten nicht direkt erkannt wird.
Mittels einer TFDD kann eine Depression von einer
beginnenden Demenz abgegrenzt werden.

Therapie
Depressionen können durch Psychotherapie, durch physikalische
Maßnahmen und medikamentös (Antidepressiva) oftmals wirksam behandelt
werden. Häufig wird auch eine Kombination aus medikamentöser und
psychotherapeutischer Behandlung angewandt.

 Psychotherapie
Zur Behandlung der Depression werden verschiedene psychotherapeutischen
Verfahren eingesetzt.
Am häufigsten wird heute - zumindest bei den bei psychologischen
Psychotherapeuten - die kognitive Verhaltenstherapie angewandt. Dabei
geht es vor allem darum, die depressionsauslösenden Denkmuster zu
erkennen, um sie dann Schritt für Schritt zu verändern. Vorreiter dieser
Therapieansätze waren unter anderem Albert Ellis und Aaron T. Beck. Neben
der kognitiven Therapie hat sich in klinischen Studien die interpersonelle
Therapie nach Weissman/Klerman als außerordentlich wirksam erwiesen.
Vom wissenschaftlichen, das heißt vom empirischen Standpunkt aus
betrachtet, können diese beiden Therapieformen als die gegenwärtig
wirksamsten nicht-psychopharmazeutischen Depressionsbehandlungen
gelten.

Pharmakotherapie
In der medikamentösen Behandlung von Depressionen gab es in den letzten
Jahren Fortschritte: Neuere Antidepressiva (Serotonin-
Wiederaufnahmehemmer, zum Beispiel Fluoxetin), haben geringere
Nebenwirkungen als die früheren Mittel. Sie wirken allerdings erst nach
mehrwöchiger Einnahmedauer.
Insbesondere bei einigen älteren Medikamenten gibt es den Effekt, dass der
Antrieb zuerst aktiviert wird, die stimmungsaufhellende Wirkung erst später
einsetzt. Dies kann zu einer erhöhten Selbstmordgefahr führen, deswegen
ist unter Umständen eine zeitweilige Beobachtung oder die gleichzeitige
Gabe von dämpfenden Medikamenten angezeigt. Zur Minderung der
Nebenwirkungen werden die meisten älteren Medikamente (Trizyklika) ein-
und ausschleichend verabreicht. Bei den neueren, so genannten Serotonin-
Wiederaufnahmehemmern ist dies üblicherweise nicht erforderlich.

Lichttherapie
Bei der saisonalen Depression hat sich die Lichttherapie bewährt. Einige
Stunden unter einer Kunstlichtlampe, die Sonnenlicht nachempfindet (weißes
fluoreszierendes Vollspektrum-Licht ohne UV-Anteil), helfen bei dieser
speziellen Erkrankung, dass während der Wintermonate keine depressiven
Symptome auftreten. Die Lichttherapie kann auch bei leicht bis
mittelgradigen Episoden einer Depression eingesetzt werden. Wichtig ist
dabei die Stärke der Lichtquelle. Normale Glühbirnen mit einer
Beleuchtungsstärke von ungefähr 300-500 Lux reichen nicht aus. Besonders
zu Beginn der Therapie sind Lichtquellen mit bis zu 10.000 Lux nötig.

Elektrische/elektromagnetische Stimulationen
Insbesondere bei schweren und über lange Zeit gegen medikamentöse
Behandlung resistenten Depressionen kommen gerade in jüngerer Zeit
wieder stärker nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren zum Einsatz,
deren Wirkprinzipien jedoch weitgehend unklar sind.
Das häufgste diesbezüglich eingesetzte Verfahren ist
die Elektrokrampftherapie. Dieses wurde sehr früh entdeckt, als bei
Patienten mit Depression nach einem epileptischen Anfall eine Verbesserung
der Stimmung auftrat.
Derzeit in einigen Studien befindlich ist die Vagusnerv-Stimulation, bei der
eine Art Herzschrittmacher im Abstand von einigen Minuten jeweils kleine
elektrische Impulse an den Vagusnerv schickt. Diese Therapie, die ansonsten
insbesondere bei Epilepsie-Patienten Anwendung findet, scheint bei etwa 30
- 40 % der (ansonsten therapieresistenten!) Patienten anzuschlagen.
Ebenfalls getestet wird derzeit die transkranielle Magnetstimulation (TMS),
bei der das Gehirn der Patienten durch ein Magnetfeld angeregt wird. Die
Anzahl der mit den letztgenannten Verfahren behandelten Studienteilnehmer
ist jedoch noch recht gering, so dass derzeit (2014) keine abschließenden
Aussagen zu machen sind.
8.5 Ernährung
Immer mehr Studien weisen darauf hin, dass eine ausgewogene,
kohlenhydratreiche Ernährung mit reichlich Fisch Depressionen lindern kann.
Allerdings halten die meisten Wissenschaftler die Wirkung der Nahrung auf
das Gehirn für zu schwach, als das bei schweren Depressionen eine Heilung
erzielt werden könnte.
Die "antidepressive" Kost sollte viel Obst, Gemüse und Olivenöl, jedoch
wenig Käse, Fleisch oder Nüsse enthalten. Das für die Ernährung
notwendige Protein sollte weitgehend aus Fisch stammen. Die
kohlenhydratreiche Ernährung führt im Körper zu einer vermehrten
Herstellung von Tryptophan, aus welchem im Gehirn der
Botenstoff Serotonin aufgebaut wird. Serotonin wiederum spielt eine
wichtige Rolle bei der Stressbewältigung und vermittelt Glücksgefühle.
Depressionen stehen häufig in Zusammenhang mit einem Serotoninmangel
im Gehirn.