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IMC OnAir ...

Broadcasting show No. 27


– 4th March 2008 ( )
radio station: TideRadio 96.0 ( )

Raga CDs des Monats:


„NAVA RASAS....“
(die Stimmungsbilder der nord- und südindischen Ragas)

- Moderationstext / DOKU v. 04.03.2008-3 -

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© 03/2008 – Verbundkonzept EUFLETZ (Stiftung i.G.) – Teilprojekt IMC – India meets Classic (Lothar J.R. Maier)
Hintergrund ...
IMC OnAir gliedert sich als Radiosendung (Kabel/Antenne + Internetstream/PodCast)
historisch u. hierarchisch in folgenden Aufbau. Die Struktur soll als konzeptionelle
Markenarchitektur für alle sozialen Projekte von IMC verstanden werden.
Projektbüro „Sinn-Macher.net“ – personalisierte Marke des
Ideengebers und Initiators Lothar J.R. Maier mit
Erstkonzeptionierung in 04/2003.
Die Inhalte dieser auf „Sinn“ fokussierten Website (www.sinn-
macher.net) befasst sich mit nahezu allen Aspekten rund um die
Begrifflichkeit “Sinn” (z.Z. ca. 70 Webpages). – Und reflektiert
das lebensphilosophische Verständnis, aus dem alle
Teilprojekte wie IMC entwickelt werden.
Die Teilprojekte von IMC sind Bestandteile des
Gesamtkonzeptes der EUFLEHTZ Stiftung i.G. (Europäisches
Forschungs-, Lehr-/Lern- u. Therapiezentrum für Life-Sciences)
– www.eufletz-stiftung.de .
IMC wurde gegründet zur Realisierung von
musiktherapeutischen Angeboten auf der Basis indisch
klassischer Musik, als Ergänzung zu dem segeltherapeutischen
Konzept „3iE“.
Unter IMC – India meets Classic subsumieren sich alle IMC-
Teilsegmente. Das Logo darf als Dachmarke aller Teilleistungen
und Sub-Brands verstanden werden.
„IMC OnAir“ steht für die Broadcasting-Plattform von IMC via
Radio (www.imcradio.net) und konvergenter Medien, wie das
PodCasting (RSS Feeds – Push-&Pull-Technologie) oder
PhoneCasting.

IMC-Förderinitiative „TablaPerformance – TablaGroup


Hamburg“, das erste der Öffentlichkeit vorgestellte Teilprojekt ...
unter der Themenüberschrift „Heimat – Individuum &
Gesellschaft“ wurde als Weltpremiere beim Festival der Kulturen
2005 das Textrezitativ (Deutschfassung) des englischen
Originalwerkes „Creative Unity“ (1922) von Rabindranath Tagore
interpretiert, Indien’s grösster Philosoph und erster
Nobelpreisträger für Literatur.
Culturebridge „Water is Life – Living with Water“ wurde im
Rahmen des Förderwettbewerbes der FHH in 4/2005 als
Konzept vorgestellt. Es legt den Focus auf Live-Performances
(„night of ragas“) u. Nachwuchsförderung (Schüleraustausch-
programm) mit dem Ziel des interkultureller Dialoges, für einen
KnowHow-Transfer von Indien nach Deutschland.
IMC – India meets Classic verfügt in seinem Gesamtansatz über
ein Konzept für musikpädagogische Arbeit an Schulen als
kleinere Teilleistung (6-wöchiger Workshop).
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Raga CDs des Monats:

NAVA RASAS... die 9 Stimmungsbilder

Erstausstrahlung: 04.03.2008 (21:00-21:58 Uhr)


Wiederholungstermin: 06.03.2008 (03:00-03:58 Uhr)

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[0.] Jingle (Intro)

IMC - India meets Classic ... eine Sendung für indisch klassische Musik.

IMC bietet Ihnen ein monatliches Hör- und Leseangebot mit Werken indischer
Musikmeister, Raga-CDs, Festivalreports und Special Features.

Über die Website Ihres Radiosenders oder mit einem Besuch bei IMC im Internet
finden Sie in deutscher und englischer Sprache weitere Infos zu den Musikmeistern,
zu indischen Instrumenten, dem Musiksystem Indiens und vorgestellten CD-Titeln.

IMC - India meets Classic wird auch im Podcasting-Verfahren, im MPEG-Format als


Download angeboten. Stellen Sie sich Ihr ganz individuelles Radioprogramm zur
indisch klassischen Musik zusammen unter:

www.imcradio.net
(Englisch: uu-uu-uu_dot_aiemciereidio_dot_net)
imcradio.net
(Deutsch: i em Ce Radio Punkt Net)

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[1.1] Sehr verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer!


... ich heiße Sie herzlich Willkommen bei „IMC - India meets Classic“, mit einer
weiteren Sendung für indisch klassische Musik. Mein Name ist Lothar J.R.
Maier.
Es freut mich, für Sie unseren heutigen Themenschwerpunkt zu präsentieren:
„NAVA RASAS – Ragas und ihre neun (9) Stimmungsbilder“.
Wie in all unseren Sendungen „Raga-CDs des Monats“, hören Sie Beispiele
original indisch-klassischer Musik. - Beachten Sie auch die Hinweise zu
unserem Hörertelefon und Internetangebot in dem weiteren Verlauf der
Sendung.

[1.2] Einführung...
Der Begriff „Rasa“ stammt aus der vedischen Zeit (zwischen 1750-1200 v.Chr.)
und findet sich in der „RigVeda“ wieder. Es ist der älteste Teil der vier Veden,
die heiligen Schriften im Hinduismus. Im Sanskrit hat Rasa die literarische
Bedeutung „Feuchtigkeit, Wasser“ (moisture, humidity).
Im Zusammenhang mit „Nava Rasa“ - nava bedeutet im Sanskrit „neun“ -
definiert sich Rasa als „Eigenschaften von Meinungen“, als „emotionale
Erfahrung“ (qualities of sentiments / emotional experience)
Die Kategorisierung der 9 Rasa-s ist weit ausgeprägter in der südindischen
Klassik, der karnatischen Musik. Das Melakarta-Sytsem umfasst 72
Grundtypen. Wir werden daher des öfteren die Brücke von den südindischen
Ragams zu den Ragas der nordindischen Klassik, der Hinstuani-Musik
schlagen. Die Südindische Klassik haben wir in einer unserer früheren
Sendungen, 1000xRagam bereits näher beleuchtet. Die Audiodateien und das
Sendemanuskript finden Sie „online“ in unserem PodCast-Archiv.

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[2.1] 1. Gliederung „Hauptrasa-s“...


Dem Begriff „Rasa“ wird in den darstellenden Künsten Indiens eine
herausragende, aber im Vergleich zum Westen verschiedentlich gelagerte
Bedeutung zugesprochen.
Bis heute bestimmt die in Sanskrit verfasste Theorie der Rasa-s das
ästhetische Selbstverständnis aller Tanz-, Theater und Musikdarbietungen.
Dem Tänzer, Schauspieler, Instrumentalisten oder Sänger fällt die Aufgabe zu,
im Publikum bestimmte Emotionen, die Rasa-s zu erwecken.
Die Nava Rasa-s, neun Stimmungsbilder, gliedern sich in vier (4) Hauptrasa-s,
aus denen jeweils eine weitere Rasa abgeleitet wird. Die 9. Rasa „Shantam“
vereint alle acht (8) Rasa-s. Shantam, in der Literatur auch als Shanta
anzutreffen, beschreibt die friedvolle Stimmung eines Raga-s...

[2.2] (1) VASANTA = SHANTAM (1-8)


Muthuswamy Dikshitahar’s Kriti Harihara Puthram/Ragam Vasant (Raga Girija)

Der südindische Ragam Vasanta beschreibt diese


% %$ &'
friedvolle Stimmung. Sie findet ihre Entsprechung
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im nordindischen Raga Girija.

Dazu unser erstes Hörbeispiel mit einer


Kritikomposition „Harihara Puthram“, von einem der
bedeutendsten, südindischen Komponisten,
Muthuswamy Diskhitar. Er lebte von 1775 bis 1835.

Aus dem Jahre 1979 stammt nun die folgende


Aufnahme aus Jamshedpur, heute eine 1,6 Mio.-
Metropole im indischen Bundesstaat Jharkhand,
interpretiert von dem Vokalisten KV & + %" ,-
Narayanaswamy. Er lebte von 1923 (15. Nov.) bis
zum 1. April 2002. Narayanaswamy wird in Indien einfach nur KVN genannt, er
stammt aus einer Musikerfamilie und war Schüler des Mridangamspielers
Palghat Mani Iyer und weiterer grosser Meister bis in die 60er Jahre des 20sten
Jahrhunderts.

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[3.1] Hintergrund... Hinduismus


Im Hinduismus, der in Indien vorherrschenden Die ersten acht Rasa-s im
Religion, begegnen wir gleichfalls dem Begriff Rasa, Natyasastra von Bharata Muni
den Bhava Rasa-s. Sie beschreiben einen (s. Folgeseite) korrespondieren
mit den Bhava Rasa-s im
psychischen Zustand, eine Art „göttlicher Hinduismus:
Wohlgeschmack“.
Rati (love / Liebe)
Hasya (mirth / Fröhlichk.)
Hier ist Rasa die ewig-frische Freude der fünf (5) Soka (sorrow / Leid)
Hauptbeziehungsarten innerhalb der spirituellen Krodha (anger / Wut)
Utsaha (energy / Kraft)
Welt Vraja. Es ist unter den Krishna Bhaktas das Bhaya (terror / Schrecken)
höchste Liebesreich Gottes. Bhaktas sind in der Jugupsa (disgust / Ekel)
hinduistischen Lehre die Abkömmlinge (Devotte) Vismaya (astonishment /
Erstaunen)
einer bestimmten Gottheit, wie Vishnu, Krishna oder
Rama... Sie finden sich oft in der Bhakti-Bewegung, bei den Gläubigen von
Shiva und im Sikhismus wieder, deren Begründer Guru Nanak die göttliche
Allmächtigkeit durch die Bhaktas erfahren haben soll. Die Bhakti Rasas sind die
ekstatischen Empfindungn der Liebe zu Gott.

[3.2.1] (2) Hasya... (Ableitung von Eortik und Liebe Sringara) – MOHANAM
Rasa der Komik, des Humors, der Freude und des Lachens...
3.2.1a Krishna Mukunda Giridhari - T.R. Subramanyam / Ragam Mohanam
2.2.1b Sahela Re Aa Mil Jae – Kishori Amonkar / Raga Bhoop
Aus Hasya, einer der vier Hauptrasa-s, leitet sich Sringara ab. Sie steht für
Erotik und Liebe. Rasa Hasya selbst ist das Stimmungsbild der Komik, des
Humors, der Freude und des Lachens.
Der südindische Ragam Mohanam wird dafür in einem mittleren Tempo
gespielt. Die Betonung liegt in der Notenskala auf der 4. und 5. Stufe, Ma und
Pa. Ragam Mohanam und Rasa Hasya werden in der nordindischen Klassik
durch Raga Bhoop oder Bhoopali repräsentiert.
Dazu zwei Aufnahmen: „Krishna Mukunda Giridhari“ in der südindischen
Ragaform Mohanam mit dem Gesangsmeister und Musikwissenschaftler T.R.
Subramanyam (20. Sept. 1929 - ...). TRS ist bekannt für seine untypischen
Bühnenauftritte, einer herausragenden Ausformulierung der verschiedensten
indischen Sprachen, die es dem Zuhörer ermöglichen, die Liedtexte in Telegu,
Kannada, Sanskrit oder Tamil Wort für Wort aufzunehmen.
... und als zweite Aufnahme „Sahela Re Aa Mil Jae“ mit der herausragenden
Sängerin Kishori Amonkar (10. April 1931 - ...) und dem nordindischen Raga
Bhoop, aus einer CD-Veröffentlichung des indischen Labels Saregama aus
dem Jahre 2004...
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Auf der Website von IMC (Englisch) www.imcradio.net (Deutsch) finden Sie neben vielfältigen Information
rund um die Musiktitel ein Gästebuch, in dem Sie sich mit unseren Hörern zur indisch klassischen Musik
austauschen können. Registrieren Sie sich auch gerne für den Bezug des kostenlosen Newsletters, und IMC
- India meets Classic hält Sie regelmässig über neue Sendungen auf dem Laufenden. Telefonisch können
Sie bundesweit zum Ortstarif Ihre Wünsche an das Redaktionsteam richten: 01801-993322-3863.

...

[3.3] Darstellende Künste... Musikwissenschaft / Südindische Musik


Die Rasa-s wurden im (indischen) Mittelalter von Bharata Muni genauer
beschrieben, im Natyasastra, eine der bedeutendsten theoretische Abhandlung
über die Dramaturgie der indischen Künste.
Zu den hierin acht (8) beschriebenen emotionalen Grundtypen kam später, in
der Zeit zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert, Shantham als 9ter emotionaler
Ausdruck hinzu. Sie hörten dazu unser erstes Beispiel mit dem Raga Vasanta.
In Shantham, das bedeutet „friedvoll“, spiegeln sich die weiteren acht Rasa-s
wieder.
Bis sich Shantham jedoch als die Rasa aller Rasa-s etablieren durfte, gab es
über Jahrhunderte anhaltend, kontrovers geführte Diskussionen unter den
Kambhojas, den Musikliebhabern. Von dem shaivitischen Philosophen aus
Kashmir, Aacharya Abhinav(a) Gupta (Abhinava Bharati – 950-1050 AD) ist in
seinen Kommentaren zum Natya Shasthra von Bharata Muni im 10.
Jahrhundert zu lesen, dass Bhakti, die Liebe Gottes, als Bestandteil von
Shantham verstanden werden müsste.
Die Auseinandersetzungen um die Bedeutung von Shantham hielten bis zum
grossen Tyagaraja Mitte des 19. Jahrhunderts an. Lord Tygaraja (o. Lord Shiva
in Tiruvarur) lebte von 1767 bis 1847. Er ist der herausragende Komponist der
südindischen Klassik, in dem Dreigespann mit Shri Muthuswami Dikshitar und
Syama Sastri. Dieses Trio ging in die Geschichte Indiens als die Dreifaltigkeit
der karnatischen Musikkomposition ein.
Tygaraja’s Pionierleistungen für neue musikalische Konzepte, seine
Kompositionen von Opern, Dramen (heute würden wir Musicals sagen) und von
unzähligen Lieder, im Sanskrit als Kriti-s* oder Kirtana-s (devotional songs)
bezeichnet, alle Werke Tyagaraja’s sind von spiritueller Dimension, ein
Ausdruck seiner Gottesliebe: Bhakti.
----------------------------
*) „Pancharatna Kriti-s“ sind ein Set von fünf Kritis, die bis heute zu den bekanntesten und beliebtesten
Kompositionen der südindischen Klassik, der karnatischen Musik gezählt werden.

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[3.4] (3) Raga Arabhi... ROUDRA (Ärger, Groll, Wut)


3.4a... Ragam Arabhi - Maharajapuram Visvanatha Iyer – Tyagaraja Kritis
3.4b... Ragam Arabhi (O Rajeevaksha) - T. S. Kalyanaraman – (Mylapore, 1983)
Dazu steht Rasa Roudra (o. Raudra, Roudhram) in völligem Gegensatz. Das
Stimmungsbild drückt Ärger, Groll und Wut aus. Der südindische Ragam
Arabhi, in der aufsteigenden Form eine 5-Ton-, absteigend eine 7-Ton-Skala,
findet eine annähernde Form in dem nordindischen Raga Syama.
Dazu präsentiert uns Maharajapuram Visvanatha Iyer einen Tyagaraja Kriti
„Chalakalla Alapana“. Visvanatha Iyerr lebte von 1896-1970 und wurde von
Maha Vaidyanatha Iyer, einem direkten Schüler von Tygaraja ausgebildet.
Im Anschluss folgt ein weiteres Beispiel zum Ragam Arabhi und Rasa Roudra.
Der Gesangsvirtuose Tanjore S. Kalyanaraman wurde 1930 geboren und
stammt aus Thiruvengadu. Dieses Dorf im indischen Bundesstaat Tamil Nadu
ist berühmt für seine herausragenden Musiktalente. Kalyanaraman’s Vater
Srinivasa Iyer ist der Urenkel von Komal Muthu Bhagavathan.
Die folgende Aufname mit Tanjore S. Kalyanaraman stammt aus dem Jahre
1983, ein Live-Mitschnitt von einem Konzert in Mylapore, einem
Geschäftsviertel in Chennei, das mit einer Vielzahl von Kultureinrichtungen ein
bedeutendes Zentrum für die südindische Musik darstellt.
Tanjore S. Kalyanaraman wird für O’Rajeevaksha begleitet von V.V.
Subramaniam auf der Violine, das führende Instrument der südindischen
Klassik und Tanjore Upendran auf dem Mridangam, das Pandon zur
nordindischen Musik, der Tabla.

[4.1] Indische Ragas – Ragas und Ragams...

Den Ragas der nordindischen (Hindustani) und der Ragams der südindischen
Klassik (Carnatic) werden also neun Stimmungsbilder zugeordnet. Neben
Shantam, dem friedvollen Ausdruck als der „Rasa aller Rasa-s“ gibt es die
bereits gehörte

Roudra Rasa (o. Raudra, rowdra o. Rudhram), das ist der Ausdruck von
Ärger, Groll, Wut und
Haasya Rasa für Komik, Humor, Freude u Lachen.

Die weiteren Rasas sind


Vira (Veera o. veeram), das Heroische,
Kaarunya, Kummer, Schmerz und Leid,
Bhayanaka (o. Jugupsa), Furcht,
Bibhatsa (o. Bheehatsayam o. Vibhatsaya), der Ekel
Adbhuta (o. Vishmaya), Erstaunen und
Sringara für Erotik und Liebe.

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[4.2] Definition: Das Prinzip von Sthayi und Sanchari Bhava u Saatvika Bhava-s
Die emotionalen Zustände sind im musikalischen Ausdruck nicht gänzlich
scharf trennbar. Die Rasa-s stehen in einem fliessenden Übergang und in
Beziehung zueinander, wie es der Sanskrit-Begriff Rasa selbst deutet: Wasser
oder Feuchte.
Das eigentliche Ziel ist es, einen emotional ausgeglichenen Zustand
herzustellen.
Die Kategorisierung in neun (9) Stimmungsbilder darf damit als eine
Orientierungshilfe verstanden werden, mit der die Ragas und Ragams in ihrer
emotionalen Wirkung auf die Stimmung eines Menschen, des Zuhörers
annähernd klassifiziert werden können.
Im indischen Verständnis wird dabei weit mehr der Gesamtheit des Menschen
Beachtung geschenkt als in der westlichen Musikkultur. Die anhaltende,
permanent-unveränderte Grundstimmung, Sthayi Bahava steht unter dem
Einfluss von emotionalen Rahmenbedingungen: Vibhavas, Anubhavas und
Sanchari Bhavas.
Für die Musik wird der kausale Zusammenhang, Vibhavas, zugrunde gelegt:
zwischen der Person, Alambana (personal or Human object) und den
Ursächlichkeiten für die Veränderung des emotionalen Zustandes, Uddipana
(excitants). Anubhava stellt dabei die Einflussgrösse dar, durch die die
Emotionen zunehmen. Mit dem ursprünglichen Stimmungszustand überlagern
sich ergänzende Gefühle, Sanchari Bhavas. Es sind derer genau acht -
Saatvika Bhavas - wie wir sie in den Nava Rasa-s wiederfinden.
C. Ramanujachari und Prof. V. Raghavan, die Authoren von “The Spiritual
Heritage of Tyagaraja”, veröffentlicht im Jahre 2001 in Chennai, (ISBN 81-
7120-268-3) haben diese Beziehungen von Grundstimmung, Einflussgrössen
und ergänzenden Gefühlen in ihren Werken ausführlich beschrieben.

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[5.1] Die Tempi... und Spielzeiten.


Für den emotionalen Gehalt der indischen Raga-s und Ragam-s sind auch die
Tempi und Spielzeiten zu bestimmten Tages, Nacht- oder Jahrezeiten von
Bedeutung.
Die bereits vorgestellten Hörbeispiele zu den Stimmungbildern Roudra (Wut),
Hasya (Komik) werden in einem schnellen Tempo (Drut) und mittleren Tempo
(Madhya) und Rasa Shanta (friedvoll) in einer wechselnden Dynamik mit
unterschiedlichen Laustärken und wechselnder Rhythmik (Anm.: sanfter
Anschlag, geringe Lautstärke, langsames Tempo) aufgeführt.
Das nächste Hörbeipiel zu Rasa Bibhatsa oder Bhehatsaam, dem
Ausdrucksbild für Ekel, wird wieder in einem langsam Tempo (Vilambit)
gespielt.

[5.2] (4) Raga aThaNa – Rasa Bibhatsa (Bheehatsayam)... Ekel

Tyagaraja Kriti „ilalo paraNatArti“ – M.V. Iyer, Vilambit


Für Rasa Bibhatsa nochmals der südindische Gesangsvirtuose Maharajapuram
Visvanatha Iyer mit einem Tyagaraja Kriti: „ilalo paraNatArti“, in der Ragamform
AthANa, in dem langsamen Tempo Vilambit.
Um einer etwaigen Verwirrung entgegenzutreten: in der Literatur findet sich
aThaNa auch als Repräsentant der Rasa Veera, dem Heroischen, dazu ein
Hörbeispiel später, und der Rasa Roudra, die wir bereits mit dem Ragam
Aarabi für das Stimmungbild von Ärger, Groll und Wut hören konnten.
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[6.2.1] (5) Vira o. Veera o. Veeram (Heroisch) – Raga Hindolam


(Equivalent: King of Ragas: Malkauns o. Malkosch)
Neben Rasa Roudra, Hasya, und Bibhatsa fügt
7 Swaras, Shrutis...
Die Ragas und Ragams leiten sich aus sich die letzte der vier (4) Hauptrasas in das
einem System von Skalen ab. In der Gesamtbild der Grundstimmungen ein: Rasa
Nordindischen Klassik herrscht das Thaat-
System mit 10 Hauptskalen vor, in der Vira (Veera o. Veeram), das Heroische, aus
südindischen Klassik definiert das dem sich Rasa Vishmaya, das Erstaunen
Melakarta-System 72 Grundtypen von
Ragam. ableitet.
Der tonale Raum einer Oktave der
westlichen Musik ist in der indischen
Klassik um sieben (7) Hauptnoten, den Den Ragas und Ragams der indischen Klassik
Swara-s (Sanskrit: Swa = Selbst + Ra = wird wird für Rasa Vira die Vitalität
Beleuchtung/Erleuchtung) mit einer
mikrotonalen Struktur versehen. zugeschrieben, das „Innere des Selbst“ zu
Mit den Hauptnoten und diesen Shruti-s besiegen und einen Zustand der „inneren
stehen dem indischen Musiker und
insgesamt 21 Notenintervalle zur Zufriedenheit“ (satisfaction) zu erlangen.
Verfügung, nahezu die doppelte Anzahl im
Vergleich zu den Dur- und Molltonarten mit
max. 11 Ganz- und Halbtonschritten. Es ist also weniger das äusserliche, sich auf
aufsteigende u. absteigende Skala von
dem Schlachtfeld präsentierende Heldentum
Raga mAlkauns (Bhairavi Thaat): audav- gemeint, vielmehr die Furchtlosigkeit und
audav (5-5) Couragiertheit gegenüber den Schwächen des
’n S g m d n S’ (C-Es-F-As-B-C’)
eigenen „Ichs“, Ragam Hindolam.
S’ n d n d m g m g S ’n S
Ragam Hindolam repräsentiert Vira (o. Veera)
Rasa, das Heroische. Raga Malakauns o.
Malkosch ist die entsprechende Ragaform der
Ragam hindOLam (naTabhairavi /
Melakartha Raga No. 25): nordindischen Klassik. Malkauns wird zur
späten Abendstunde als Mitternachtsraga
S G2 M1 D1 N2 S’ gespielt. Die Stimmung dieses majestätischen
S’ N2 D1 M1 G2 S
Ragas ist meditativ und introvertiert, seine
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Modalität einzigartig.

[6.2.3] Anmoderation
Die folgende Aufnahme von Ragam HinhoLa „Saamaja Vara gamana“ mit dem
indischen Mandolinspieler Uppalappu Srinivas stammt von einem Konzert am
30. September 1984 in Augusta, Georgia, in den U.S.A. Srinivas wird begleitet
von T.V: Parthasarathy auf der Violine und SriMushaNam S.V. Raja Rao auf
dem Mridhangam.
Der perkussive Klang und das lebendiges Tempo repräsentieren eindrucksvoll
Rasa Vira, das Heroische...

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[6.2.4] Abmoderation... Ragam Hindolan - „Saamaja Vara gamana“

Mit U. Srinivas auf der Mandoline, begleitet von TV Parthasarathy, Violine und
SriMushaNam SV Raja Rao auf dem Mridhangam in einer Interpretation des
Ragam HindhoLam “Saamaja Vara gamana”, der das Stimmungsbild des
Heroischen verkörpert, Rasa Vira (Veera), klingt unsere Sendung aus.

Hinweis: Das Pandon zu HindhoLam, der nordindische Raga Malkauns haben wir
in unserer Sendung Raga CDs des Monats „Malkauns... König der Ragas“
(pentatonische Skalen, Teil 2) vorgestellt. Auch diese Sendung finden Sie online
in unserem Podcast-Archiv.

[6.3] Zusammenfassung...
Hinweis: Wie unsere heutige
Erlauben Sie zum Abschluss eine kurze Sendung Nava Rasas, die neun
Zusammenfassung unseres heutigen Themas. Stimmungsbilder der indischen
Ragas, die indische Kultur als
Im „Journal of Aesthetics and Art Criticism“ der Ganzes wiederspiegelt, macht
amerikanischen Gesellschaft für Ästhetik findet sich besonders deutlich, dass der
sich ein Beitrag von Radhakamal Mukerjee. Begriff Rasa in der
ayurvedischen Medizin
In der Ausgabe 24 aus dem Jahre 1965, in vorkommt.
dem Artikel „Rasas as Springs of Art in Indian Das ayurvedische Prinzip
Aesthetics“ beschreibt Mukerjee treffend - im unterscheidet sechs verschiedene
Vergleich mit der westlichen Musikkultur - die Geschmacktsrichtungen: süss,
Rasa-s als Quelle der Künste in der indischen sauer salzig, scharf, bitter und
Ästhetik: herb. Diese Rasa-s haben wie die
indischen Ragas unterschiedliche
„Der Dichter (Bilderhauser oder Maler) Einflüsse auf die Doshas Vata,
drückt nicht aus, er schlägt vor. Diese Pitta und Kapha, die drei
energetischen Grundzustände
Haltung ist die Seele des künstlerischen des Menschen.
Ausdrucks. Die indische Kunst, im
Musizieren, Musik hören oder die
Zusammenspiel mit den indischen Mythen Nahrungsaufnahme ist
und Legenden inspiriert, regeneriert und Energieaufnahme, ein
unterbreitet Vorschläge, weniger aber ist Wechselspiel der Energien
sie von beschreibender Natur „innerer zwischen dem Menschen als
Visionen“ und Erfahrungen...“ Individuum und der gesamten
Natur.

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[7.1] Verabschiedung...

In diesem Sinne verabschiedet sich... IMC - India meets Classic. - Eine Sendung
für indisch klassische Musik.

Ich hoffe, Ihnen hat die heutige Sendung "Raga CDs des Monats“ mit dem
Thema „NAVA RASAS... Ragas, und ihre neun (9) Stimmungsbilder“
gefallen. - Sie hörten dazu Beispiele im indischen Gesang, auf der Violine, dem
Mridangam und der Mandoline.

Vielen Dank für’s Zuhören.


- Am Mikrophon war Lothar J.R. Maier. Bis zum nächsten Mal. - Namaste.

[7.2] Abspann ...


Hinweise zu kommenden Sendeterminen entnehmen Sie dem Internetangebot Ihres
Radiosenders.

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c/o Lothar J.R. Maier (verantwortl. Redakteur i.S.d.P.)
Sootboern 7
D-22453 Hamburg
Tel.: +49-(0)40- 41431-2872 (Intern.: -2892)
Mobil: +49-(0)170- 882 81 76
Fax2eMail: +49-(0)180.5-999986-58919* (UMS)
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*) 12 cent aus dem Netz der Dt. Telekom.

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Lothar J.R. Maier (Endfassung)

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