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Zürich, 08.

Juni 2020

Zur Lage der ZHdK-Studierenden in Zeiten von Corona

Die momentane Situation fordert uns alle. Gerade die Studierenden sind finanziell stark von den Mass-
nahmen des Bundes betroffen – viele Studierende haben ihre Einnahmequellen verloren oder sind stark
eingschränkt in ihrem Nebenerwerb1. Die generellen Einschränkungen im Alltag erschweren die Le-
benssituation vieler Studierender zusätzlich. So ist gerade für Eltern die Knappheit von Kita-Plätzen ein
grosses Problem. Auch die für Studierende übliche Wohnsituation in Wohngemeinschaften oder kleinen
Wohnungen kann sich zusammen mit der eingeschränkten Beweglichkeit auf die psychische Verfas-
sung und das Wohlbefinden auswirken. Es ist stark anzunehmen, dass diese Einschränkungen einen
negativen Effekt auf den Lernerfolg und letztendlich auch auf die berufliche Qualifikation durch ein Stu-
dium haben.

Durch die am 13. März vom Bund kommunizierte Schliessung der Hochschulen für Präsenzunterricht
bis zum Ende des Semesters und die damit verbundene Umstellung auf E-Learning stellen sich gerade
für die praktisch veranlagten Studienbereiche der ZHdK in weiten Teilen zusätzliche Probleme. Diese
blieben über das gesamte Frühlingssemester bestehen und werden voraussichtlich auch im kommen-
den Herbstsemester aufgrund der Schutzauflagen weiterhin bestehen bleiben. Diese Probleme sollen
mit folgenden Beispielen veranschaulicht werden:

So kann ein Trompetenspieler, der im Normalfall täglich etwa 6 Stunden übt, aufgrund seiner ringhöri-
gen Wohnsituation weder in der eigenen Wohnung noch an der ZHdK üben. In seinem Orchester-Mas-
ter fehlt zusätzlich das musikalische Zusammenspiel und er verliert dadurch ein komplettes Semester
an praktischer Erfahrung. Auch der digital angebotene Theorieunterricht kann nicht viel weiterhelfen,
um dieses praktische Defizit aufzuholen und die Chancen, in ein Orchester aufgenommen zu werden,
werden verschwindend klein.
Im Schauspielstudiengang ist Körperkontakt ein zentraler Bestandteil der Ausbildung. Eine Schauspiel-
studentin läuft aufgrund der fehlenden Möglichkeit, in der Gruppe zu proben sowie den abgesagten
Aufführungen grosse Gefahr, nicht Fuss fassen zu können im freien Wettbewerb.
Auch für Künstler und Designerinnen bedeutet der fehlende Zugriff auf Ateliers und Werkstätten, dass
die eigene gestalterische Tätigkeit teilweise komplett zum Erliegen kommt. Zusammen mit den abge-
sagten Ausstellungen und Designmessen kann hier ebenfalls von einem einschneidenden Nachteil auf
dem Arbeitsmarkt ausgegangen werden.

Aufgrund dieser beschriebenen Probleme sehen wir die Ausbildungsqualität der momentanen Studie-
renden in grosser Gefahr. Auch wenn die ZHdK mittels Kompensationsangeboten für das kommende
Herbstsemester durchaus versucht, ihrem Bildungsauftrag weiterhin nachzukommen, braucht es doch
weiterführende Lösungen, um den in Corona-Zeiten verpassten Inhalt nachholen zu können. Zusätzlich
zu einem Vollzeitstudium eine Kompensation der verpassten Inhalte leisten zu müssen ist auch in An-
betracht der nach der Krise vermutlich verstärkt nötigen Arbeitstätigkeit sowie den sowieso schon dich-
ten Curricula nicht zielführend. Angesichts der prekären Situation in verschiedensten Studiengängen

1 https://www.seco.admin.ch/seco/de/home/seco/nsb-news/medienmitteilungen-2020.msg-id-79028.html

Laut den Zahlen, die vom Staatssekretariat für Wirtschaft erhoben wurden, stieg im April die Arbeitslosigkeit der 15- bis 24-Jäh-
rigen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 61,3 %.
Zürich, 08. Juni 2020

wäre eine komplette Wiederholung eines Semesters die einzige vernünftige Option, mit der sicherge-
stellt werden könnte, dass die jetzige Studierendengeneration angemessen ausgebildet wird und faire
Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat.
Ohne eine solche tiefgreifende Massnahme vermag es die ZHdK nicht, den Bedürfnissen der Studie-
renden nachzukommen und gefährdet dadurch ihren Leistungsauftrag, qualitativ hochwertige, wie auch
karriere- und berufsbefähigende Ausbildungen zu gewährleisten.

VERSO, die Studierendenorganisation der ZHdK, schlägt deshalb folgende Massnahme vor, um den
erwarteten Nachteil auf dem Arbeitsmarkt abzufedern und faire Chancen für momentane Studierende
zu schaffen:

Für alle Studierenden, die im Frühlings- und Herbstsemester 2020 an der ZHdK in einem Studium ein-
geschrieben waren, soll die Möglichkeit geschaffen werden, nach dem Abschluss des Studiums ein
zusätzliches Gratis-Semester studieren zu können. Dies soll möglich sein, sobald an der Hochschule
keine Einschränkungen durch Corona-Massnahmen mehr vorhanden sind. Die Studierenden müssen
sich nach dem Diplom zu den normalen Semestereinschreibefristen für diese Möglichkeit entscheiden.
Diese Möglichkeit soll für maximal ein Jahr nach Abschluss des Studiums bestehen, so dass z.B. ein
Diplomand aus dem Frühlingssemester 2020 spätestens im Frühlingssemester 2021 dieses Wiederho-
lungssemester durchführen könnte. Die geleisteten Module sollen anschliessend in einer offiziellen
Nachholbestätigung aufgeführt werden. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass ein Studium zu
Corona-Zeiten von Arbeitgebern als negatives Kriterium ausgelegt wird.

Nur so kann aus unserer Sicht den Studierenden garantiert werden, ihre Ausbildung vollumfänglich
abzuschliessen und sich auf dem Arbeitsmarkt positionieren zu können. Uns ist bewusst, dass diese
Forderung mit Kosten einhergeht, welche von der ZHdK allein nicht getragen werden können. Deshalb
ist eine finanzielle Unterstützung durch den Kanton oder Bund erforderlich. Nachdem bereits Milliarden-
beträge für die Wirtschaft zur Verfügung gestellt wurden, soll nun auch die Hochschulbildung angemes-
sen unterstützt werden.

Obwohl die Studierendenorganisationen der anderen Hochschulen im Kanton Zürich diese Forderung
nicht für ihre eigenen Institutionen beanspruchen möchten, erkennen auch sie die Dringlichkeit dieses
Anliegens für die Studierenden der ZHdK an. Aus diesem Grund möchten die VSPHZH, der VSZHAW
und der VSUZH dieser Forderung ausdrücklich Nachdruck verleihen und VERSO dabei unterstützen.

Das Co-Präsidium von VERSO

Franziska Winkler Bastian Riesen

Für die Zürcher Studierendenorganisationen

Co-Präsident VSPHZH Präsident VSZHAW Co-Präsident VSUZH


Gez. Renato Granzotto Gez. Micha Neumair Gez. Isaias Moser
granzotto@stud.phzh.ch praesi.vszhaw@zhaw.ch isaias.moser@vsuzh.ch

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