Sie sind auf Seite 1von 4

Partielle-Integration - Begriffsbestimmung

i) exemplarische Begriffsbestimmung

Betrachte die folgenden Aufgaben zur Integralrechnung und finde Ge-


meinsamkeiten und Unterschiede. Formuliere deine Erkenntnisse in ei-
genen Worten.

Zb Zb
ex · x dx = [ex x]ba − ex · 1 dx (1)
a a
Zb Zb
b
3x2 · sin(x) dx = 3x2 · cos(x) a −

6x · cos(x) dx (2)
a a
Zb Zb Zb
1
ln(x) dx = ln(x) · 1 dx = [ln(x) · x]ba − · x dx (3)
x
a a a
Zb Zb Zb  b
2 2 1
x + 2x dx = x dx + 2x dx = x3 + x2 (4)
3 a
a a a
Zb  b Z b
1 1
(x − 1) · (x2 − 2) dx = (x − 1) · ( x3 − 2x) − 1 · ( x3 − 2x) dx
3 a 3
a a
(5)
Zb  b Zb
1 1
(x2 + 2x) · 1 dx = ( x3 + x2 ) · 1 − ( x3 + x2 ) · 0 dx (6)
3 a 3
a a

Erläuterung: 1-3,5-6 werden partiell integriert; 4 nicht.

Kriterien: fordern zum Schreiben auf, reflexiv, sinnstiftend: Entwick-


lung des Begriffs durch die Abgrenzung, Relevanz wird deutlich, Vorer-
fahrung: Ableitung/Integral, knüpfen an alltäglichen Denk- und Hand-
lungsmuster an, vorstellungsorientiert durch paradigmatische Beispiele
und Rekonstruktion, nicht wegoffen - aber ergebnisoffen, selbstdifferen-
zierend: unterschiedliche Bearbeitungsniveaus möglich
ii) konstruktive Begriffsbestimmung

1
(Elemente der Mathematik: S. 251 Aufgabe)

a) Bestimmen Sie die Ableitung der Funktion f mit f (x) = x · sin(x).

b)
R π Verwenden Sie das Ergebnis von Teilaufgabe a) zur Berechnung von
0
x · cos(x) dx.
Rb
Leiten Sie parallel dazu eine Gleichung zur Berechnung von a
u(x) ·
v 0 (x) dx her.

Lösung:

a) Produktregel (uv)0 = u0 v + uv 0 anwenden:


f 0 (x) = 1 · sin(x) + x · cos(x) = sin(x) + x · cos(x)
b)
f 0 (x) = sin(x) + x · cos(x) und somit
x · cos(x) = f 0 (x) − sin(x)
Wir integrieren auf beiden Seiten:
Z π Z π Z π
0
x · cos(x) dx = f (x) dx − sin(x) dx
0 0 0
Z π
x · cos(x) dx = [f (x)]π0 − [− cos(x)]π0
Z0 π
x · cos(x) dx = [x · sin(x)]π0 − [− cos(x)]π0
0
= [x · sin(x) + cos(x)]π0
= −2

Analog allgemein formuliert:


(u(x) · v(x))0 = u0 (x) · v(x) + u(x) · v 0 (x) und somit
u(x) · v 0 (x) = (u(x) · v(x))0 − u0 (x) · v(x)
Wir integrieren auf beiden Seiten:
Z b Z b Z b
0 0
u(x) · v (x) dx = (u(x) · v(x)) dx − u0 (x) · v(x) dx
a a a
Z b Z b
u(x) · v 0 (x) dx = [u(x) · v(x)]ba − u0 (x) · v(x) dx
a a

2
iii) abstraktive Begriffsbestimmung

Leite aus deinen Erkenntnissen aus Teil i) eine Formel für die parti-
elle Integration her. Verschriftliche dabei deinen Gedankengang.

Kriterien: fordern zum Schreiben auf, reflexiv: Rückschau durch Ver-


schriftlichung, Anknüpfen an alltäglichen Denk- und Handlungsmuster:
Gemeinsamkeiten erkennen und Formel für PI aufstellen, vorstellungs-
orientiert: paradigmatische Beispiele und Rekonstruktion, wegoffen -
Ergebnis nicht: Fokus auf Formel, selbstdifferenzierend: unterschiedli-
che Bearbeitungsniveaus möglich

iv) ideative Begriffsbestimmung

Gegeben sei das Integral Z ∞


e−x · x.
0
Berechne das Integral und interpretiere das Ergebnis . Interpretiere das
Ergebnis im Zusammenhang mit den Integralgrenzen.
Kriterium: reflexiv: Fläche unendlich groß, Warum ist die Fläche un-
endlich groß? -> Konvergenzbegriff

v) explizit-definitorische Begriffsbestimmung

Lese den Kasten und geben Sie ihn in eigenen Worten wieder.

Produktintegration (Partielle Integration):


Rb Rb
Die Gleichung a u(x) · v 0 (x) dx = [u(x) · v(x)]ba − a u0 (x) · v(x) dx
ermöglicht oft die Integration eines Produktes von zwei Funktionen.
Dabei sind die Faktoren u(x) und v(x) so zu wählen, dass die rech-
te Seite der Gleichung einfach zu berechnen ist. In einigen Fällen ist
das Verfahren mehrfach durchzuführen. Statt von Produktintegration
spricht man auch von partieller Integration, weil die Integration noch
nicht vollständig erledigt ist.
Beispiel:
Zb Zb
b
ex · x dx = [ex x]a − ex · 1 dx
a a

Kriterium: Zum Ordnen des Gelernten zum Begriff

3
vi) implizit-axiomatische Begriffsbestimmung

Aus der Produktregel


d
(f (x) · g(x)) = f 0 (x) · g(x) + f (x) · g 0 (x)
dx
der Differentiation gewinnt man durch Integration
Z Z
f (x) · g(x) + c = f (x) · g(x) dx + f (x) · g 0 (x) dx.
0

Diese Gleichung liefert eine Integrationsregel, die man partielle Inte-


gration nennt:
Z
f (x) · g (x) dx = f (x) · g(x) − f 0 (x) · g(x) dx.
0

vii) pragmatische Begriffsbestimmung


Gegeben sind folgende Integrale:
Z 2 Z 2 2
√ √
Z
(2x + x) dx = 2x dx + x dx und
−1 −1 −1
Z π Z π
x · cos(x) dx = [x · sin(x)]π0 − 1 · sin(x) dx
0 0

a) Vergleiche beide Integrale! Welche Integrationsregel kann man je-


weils benutzen? Wofür benötigt man die partielle Integration?

b) Beschreibe, wie man bei der partiellen Integration vorgeht?